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241042-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Überarbeitetes Projektkonzept zum Steckbrief 3.4.1.1. „Klimapartnerschaften mit Gewerbe und Industrie“ des Bonner Klimaplans

Nummer
241042-01 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
09.09.2024
Letzte Änderung
17.09.2026
  1. Sitzung des Hauptausschusses 07.11.2024 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 31.10.2024 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 05.11.2024 Kenntnisnahme
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  1. 241042 Überarbeitetes Projektkonzept zum Steckbrief 3.4.1.1. „Klimapartnerschaften mit Gewerbe und Industrie“ des Bonner Klimaplans

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
241042-01 ST
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
03 Amt für Wirtschaftsförderung
Dezernat:
Dez. OB
Überarbeitetes Projektkonzept zum Steckbrief
3.4.1.1. „Klimapartnerschaften mit Gewerbe und
Industrie“ des Bonner Klimaplans
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
11.09.2024 Kenntnisnahme
Ausschuss für Europa, Internationales,
Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit
17.09.2024 Kenntnisnahme
Hauptausschuss 19.09.2024 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Der Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda hat in seiner Sitzung vom
22.08.24 die Vorlage mit der Maßgabe vertagt, Auskunft zu den nachstehenden
Fragen zu erhalten.
Die Verwaltung beantwortet die Fragen wie folgt:
Der Vorschlag zur Schärfung des Projektkonzeptes für die Umsetzung des
Steckbriefs 3.4.1.1 „Klimapartnerschaften mit Gewerbe und Industrie“ des
Bonner Klimaplans wurde von der Verwaltung initiiert, um dessen Umsetzung
zielgerichteter zu gestalten.
1. Warum soll die Partnerschaft nicht mehr durch die IHK umgesetzt
werden?
• Die IHK Bonn/Rhein-Sieg signalisiert bisher keine kapazitiven
Ressourcen für diese Struktur.
• Die IHK soll zentral in Angebote im Rahmen der Klimapartnerschaften
(Arbeitsgruppen) eingebunden werden.
• Die direkte Ansprache der Bonner Unternehmen anstelle des Weges
über die IHK-Struktur wird als zielführender erachtet. Dennoch sollen die
Netzwerke der IHK, wie auch andere Netzwerke (zum Beispiel
Handwerkskammer etc.) zur Akquise von Unternehmen und
Kommunikation der Angebote im Rahmen der Klimapartnerschaften
genutzt werden. Die IHK ist bereits Sponsorpartner des
Nachhaltigkeitshub Region Bonn und kooperiert eng mit der
Wirtschaftsförderung in diesen Fragen.
• Die Arbeitsprozesse werden durch eine stadtinterne Organisation
verschlankt.Seite 1 von 5
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2. Welche Konzeption für das Label anstelle eines zertifizierten Siegels
ist angedacht? Wie unterscheidet sich der Überprüfungsaufwand
gegenüber den das Label tragenden Unternehmen von einem
zertifizierten Siegel? Ist ein Unterschied in der Wirksamkeit zwischen
Label und zertifiziertem Siegel zu erwarten?
• Steckbrief 3.4.1.1 des Klimaplans sieht eine öffentlichkeitswirksame
Darstellung der Klimapartner-Unternehmen mit ihren Klimaschutz-
Aktivitäten vor. Dies soll mit einem Label anstelle eines zertifizierten
Siegels erreicht werden, denn Ziel der Klimapartnerschaften ist eine
Selbstverpflichtung zwischen Unternehmen und der Stadt Bonn und
nicht die Auditierung der Unternehmen.
• Die Verleihung eines zertifizierbaren Siegels würde die Verwaltung vor
einige Herausforderungen stellen. Der Aufwand einer Zertifizierung
durch einen Dritten übersteigt der Verleihung des angedachten Labels
um ein Vielfaches. Eine Zertifizierung, die nationalen und
internationalen Zertifizierungen qualitativ ebenbürtig wäre und so auch
(inter)national anerkannt würde, müsste sich beispielsweise nach dem
internationalen Standard PAS 2060 richten. Dieses anerkannte
Rahmenwerk ermöglicht eine glaubwürdige Prüfung der
Klimaschutzaktivitäten eines Unternehmens und auch eine Zertifizierung
als „klimaneutral“, ist jedoch mit einem umfassenden Maßnahmen- und
Datenerfassungsaufwand für das Unternehmen und einem hohen
Prüfungsaufwand verbunden. Die Stadt kann die Prüfung dieser
Aktivitäten für das Unternehmen fachlich nicht übernehmen und müsste
– allein aus Neutralitätsgründen - einen externen Dienstleister
heranziehen. Beispielsweise zertifiziert der TÜV Süd nach PAS 2060,
wie auch andere private Dienstleister. Damit gehen jedoch hohe Kosten
einher, die nicht als Bürde für die Unternehmen verpflichtend sein
sollten und auch nicht im Rahmen der Klimapartnerschaften durch die
Stadt übernommen werden können. Der zeitliche Aufwand der
Koordination solcher Zertifizierungsprozesse würde zudem umfassende
Ressourcen von der tatsächlichen inhaltlichen Arbeit abziehen, und die
Zielsetzung der Reduktion von THG-Emissionen in den Klimapartnern
behindern.
• Bzgl. Wirksamkeit: Es gibt bereits zahlreiche nationale wie
internationale Siegel nach etablierten Standards, teils wirkt die
bestehende Siegel-Landschaft bereits verwirrend und überfordert
Unternehmen und Konsument*innen. Ein zertifiziertes Siegel nur für
Bonner Unternehmen ließe wenig überregionale Akzeptanz erwarten.
Das Label als Klimapartner drückt hingegen insbesondere ein starkes
regionales Engagement aus und stärkt damit den Standort.
• Ausgehend von diesen Herausforderungen gar kein Label o.Ä.
anzubieten, würde nun wiederum der grundlegenden Zielsetzung des
Steckbriefs 3.4.1.1 widersprechen. Die Verleihung eines Labels ist ein
essentieller Startpunkt, um Unternehmen auch zur inhaltlichen
Zusammenarbeit mit der Stadt im Klimaschutz zu gewinnen. In ersten
Vorgesprächen mit Vorreiter-Unternehmen aus Bonn ist das Label aufSeite 2 von 5
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großes Interesse gestoßen. Unternehmen kein Label zur
selbstständigen Nutzung zu verleihen, würde die öffentliche Darstellung
von Vorreiter-Unternehmen deutlich erschweren und das Projekt für
Unternehmen weniger attraktiv machen. Auch die „Leuchtturm“-Wirkung
auf andere Unternehmen sänke beträchtlich.
• Als Lösung ist daher anstelle eines Siegels, das primär einen
qualitativen Status Quo im Unternehmen verifizieren und darstellen
würde, ein Label „Klimapartner Wirtschaft der Bundesstadt Bonn – Wir
sind dabei“ angedacht. Dieses Label ist dabei sowohl als „Gütesiegel“
gedacht, da ein Unternehmen es nur erhält, wenn es die Bedingungen
zur Aufnahme als Klimapartner erfüllt (s. unten). Zudem ist es ein
Ausdruck des Versprechens, sich in Partnerschaft mit der Stadt für
Klimaschutz zu engagieren. Das Label drückt daher nicht konkret „Top
Klimaunternehmen“ o.Ä. aus, sondern verdeutlicht mit dem Begriff „-
partner“, dass es sich auch um ein Commitment eine
Selbstverpflichtung, handelt. Das Label soll künftig noch einen QR Code
erhalten, der auf eine Übersichtsseite mit mehr Hintergründen zum
Projekt verlinkt.
• Das Label ist derzeit wie folgt angedacht:
• Es soll ein klarer visueller und inhaltlicher Bezug zum Klimaplan
hergestellt werden. Es wird im Rahmen des Klimaplans voraussichtlich
weitere vergleichbare Labels geben, die die Zusammenarbeit der Stadt
und privater Akteure signalisieren. So zahlt auch dieses Label auf die
gemeinsame Marke des Klimaplans ein. Das Label kann in der
Kommunikation des Unternehmens genutzt werden, bspw. auf der
Website oder dem Firmengebäude o.Ä.
• Natürlich soll Greenwashing mit dem Label vermieden werden. Die
Voraussetzungen, um „Klimapartner“ werden zu können, sollten daher
fachlich nachvollziehbar und anspruchsvoll sein, aber nicht das Ausmaß
einer „klimaneutral“-Zertifizierung umfassen müssen. Andernfalls ist von
einer zu großen Hürde für Unternehmen auszugehen. Zu niedrige
Aufnahmekriterien hingegen wären unglaubwürdig, insbesondere, da
zuletzt die Fachdiskussion über die Wertigkeit von Klimaneutralitäts-
Zertifizierungen wieder anstieg.
• Aus diesen Gründen sollen klare Kriterien festgelegt werden, was ein
Unternehmen im Klimaschutz leisten muss, um Klimapartner werden
und bleiben zu können. Diese Kriterien sollen mit überschaubarem
Aufwand abgefragt und verifiziert werden können, jedoch eben nicht
denselben Aufwand und dieselbe Hürde darstellen wie eine offizielle
Zertifizierung im Sinne von „klimaneutrales Unternehmen“ o.Ä.Seite 3 von 5
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• Angedacht sind derzeit die Kriterien:
o Vorliegende THG-Bilanzierung nach GHG Protocol-Standard von
vor max. 3 Jahren
o Vorliegende CO2-Reduktionsziele mit effektivem Anspruch auf THG-
Reduktion von durchschnittlich 5% pro Jahr und ein
Maßnahmenplan zu deren Erreichung
o Definition von Verantwortlichkeiten im Unternehmen für Klimaschutz
• Um den Status als Klimapartner zu behalten, müssen Unternehmen
diese Aktivitäten zudem während der aktiven Partnerschaft
weiterführen, und sich zudem qualitativ im Projekt einbringen
(Arbeitsgruppen etc.). Die Überprüfung dieser Erfüllung ist für die
Verwaltung ebenfalls mit geringem Aufwand pro Unternehmen
durchführbar.
• Sollte ein Unternehmen sich während der aktiven Laufzeit der
Partnerschaft nicht engagieren, und damit auch der Glaubwürdigkeit
des Projektes schaden, ist eine Entziehung der Nutzungsrechte des
Labels in der Absichtserklärung bereits vorgesehen. Das Projekt soll in
Partnerschaft zu mehr Klimaschutz führen und die Unternehmen dabei
auch unterstützten; nicht aber Greenwashing fördern.
Zusammenfassend: ein fachlich konkurrenzfähiges Zertifikat ginge mit
enormen zeitlichem und monetärem Aufwand einher, wodurch wenig Zeit
für inhaltliche Arbeit bliebe, und ist inhaltlich nicht zielführend. Das
angedachte Label hingegen ist zwar fachlich wertig, aber mit deutlich
weniger Verwaltungsaufwand umzusetzen; es ist attraktiver für
Unternehmen in der Region und entspricht mehr dem angedachten
Charakter des Projektes „Klimapartnerschaften“.
3. Der Fokus soll von energieintensiven Industrieunternehmen auf
mittlere und große (vor allem Dienstleistungs-)Unternehmen
ausgeweitet werden. Wie wirkt sich das auf die erwartete langfristige
Wirksamkeit und Effizienz der Maßnahme aus? (Stichwort: Mehr
Potential, aber auch mehr zu betreuende Unternehmen)
o Zahlreiche bedeutende Unternehmen am Standort würden aus dem
Pool potentieller Klimapartner fallen, wenn der Fokus auf
energieintensive Industrieunternehmen eingeschränkt würde (z.B.
Deutsche Telekom, DHL Group). Die Wirtschaftsförderung der Stadt
Bonn identifiziert lediglich 18 bis 21 Unternehmen im Stadtgebiet, die in
diese Kategorie fallen. Bonn ist seit vielen Jahren ein
Dienstleistungsstandort und Dienstleister selbst haben große Potentiale
im Bereich Klimaschutz erkannt, die durch diese Erweiterung der
Zielgruppe realisiert werden können.
o Es kommen so mehr Unternehmen infrage, die Klimapartner werden
können. Dadurch ist eine langfristigere, stetige „Zufuhr“ neuer
Klimapartner im Vergleich zu einem kleineren Pool energieintensiver
Industrieunternehmen gesichert.
o Die Erweiterung der Branchen sorgt so am Standort auch für mehr
Nachahm-Potential, da sich kleinere Dienstleistungsunternehmen von
Klimapartnern aus ihrer Branche und mit ähnlichem Tätigkeitsbereich
mehr abschauen können als von branchenfremden Klimapartnern.Seite 4 von 5
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Damit steigt auch die Effektivität von Arbeitsgruppen über den
Branchenmix.
o Durch „Mindestkriterien“, die ein Unternehmen als Klimapartner erfüllen
muss (s. Frage zuvor) wird sichergestellt, dass ein hohes qualitatives
Niveau der Klimapartner in Bezug auf ihre Klimaschutzaktivitäten
besteht. Das Label „Klimapartner“ ist etwas wert – nicht jedes
Unternehmen kann es direkt erhalten. Wer Klimapartner werden
möchte, die Bedingungen aber noch nicht erfüllt, wird durch die
Angebote der Wirtschaftsförderung darin unterstützt, sich bzw. Das
Unternehmen zu transformieren.
o Unternehmen, denen zu einem gegebenen Zeitpunkt keine
Klimapartnerschaft angeboten werden kann (weil die Kapazitäten
derzeit ausgeschöpft sind), können dennoch die Angebote der
Klimaschutzberatung wahrnehmen oder sich im Nachhaltigkeits-Hub
Region Bonn einbringen. Sie werden nicht „fallen gelassen“, sondern
dennoch ins Netzwerk eingebunden, bis die Betreuung als
„Klimapartner“ verfügbar wird.
o Erfahrungen von anderen Städten, z.B. Krefeld, zeigen, dass die
Akquise von Unternehmenspartner nicht immer ein Selbstläufer ist und
damit die Erweiterung auf die Wirtschaft allgemein auch das
Erfolgspotential des Projektes erhöht.
4. Welche Folgekosten und welcher Aufwand entstehen durch diese
Maßnahme, insbesondere durch die Änderungen, langfristig für die
Stadt?
Es ist zum aktuellen Zeitpunkt von keinem erhöhten Aufwand durch die
Änderungen auszugehen. Die durch den Klimaplan geschaffene Stelle wird
die Klimapartnerschaften betreuen und dabei durch die weiteren in Amt 03
geschaffenen Stellen unterstützt. Klimapartner-Unternehmen sollen in
halbjährlichen Kohorten neu aufgenommen werden, um die
Kommunikations- und Abstimmungsprozesse zu verschlanken. Die
Klimapartnerschaften werden durch begleitende Aktivitäten, z.B.
Nachhaltigkeits-Hub und Klimaschutzberatung sowie
Gewerbegebietsmanagement für Klimaschutz, gerahmt, wodurch sich die
fachliche Betreuung der Unternehmen nicht nur auf eine Stelle fokussiert.
Anlage/n
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Datenstand: 03.11.2026, 06:37 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de