240693-03 · Beschlussvorlage
Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 240693-03
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 19.11.2025
- Letzte Änderung
- 30.10.2026
Orte
- Kapellenstraße Hauptort
- Endenich
- Poppelsdorf
- Bonn
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 240693-03 Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: 41 Kulturamt Dezernat: Dez. IV Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn Beratungsfolge Rat 11.12.2025 Entscheidung Beschlussvorschlag Der Rat bekräftigt den Beschluss vom 20.06.2024 und stimmt dem Bau und dem Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf dem bzw. das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich zu. Die Verwaltung wird beauftragt, Fördermittel für die Realisierung zu eruieren und zu beantragen sowie den Erbbaurechtsvertrag mit dem Erzbistum endzuverhandeln. Die Stadt Bonn verpflichtet sich, die nicht durch Drittmittel oder Fördermittel gedeckten Kosten des Projektes „Bau und Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn“ bereitzustellen. Dieses Projekt wird bei der Erstellung der künftigen Haushalte und Wirtschaftspläne des SGB berücksichtigt. Begründung Sachstand Der Rat hat in seiner Sitzung am 20.06.2024 beschlossen, dass Planung, Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich zugestimmt wird (DS-Nr. 240693). Der o.g. Beschluss enthielt die Festlegung, dass mit dem Bau – und damit auch der weiteren Planung – erst begonnen wird und städtische Mittel nur dann eingesetzt werden, wenn die beantragten Fördermittel aus dem Programm „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ bewilligt werden. Die über das genannte Programm beantragte Förderung wurde, wie unter DS- Nr. 240693-02 mitgeteilt, bedauerlicherweise ebenso wenig bewilligt, wie eine ebenfalls beantragte Förderung aus dem Förderprogramm Kulturinvest 2023 des Bundes. Daraufhin eruierte die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten und klärteSeite 1 von 15 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) parallel mit dem SGB die zeitliche Planung und das weitere Vorgehen. Aufgrund der in Abstimmung mit dem SGB konkretisierten Informationen, insbesondere zu den voraussichtlich anfallenden Kosten, stellte die Verwaltung am 08.08.2025 einen leider am 10.09.2025 abgelehnten Antrag auf Förderung durch das Landesprogramm Heimat-Zeugnis für Leistungsphase 3. Als Begründung führte die Bezirksregierung an, dass es sich bei Leistungsphase 3 um eine reine Entwurfsplanung handelt, wodurch Heimatgeschichte nicht öffentlich erlebbar gemacht wird. Ein am 12.08.2025 an die Landeszentrale für politische Bildung gestellter Antrag auf Mittel aus dem Förderprogramm Gedenkstättenkonzeption zur Weitergabe an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wurde ebenfalls abgelehnt. Die Landeszentrale, die für den BKM als Vorprüfungsinstanz agiert, wies in ihrem ablehnenden Schreiben darauf hin, die Prüfung der Antragsunterlagen habe ergeben, dass die erforderliche Gegenfinanzierung der Bundesmittel nicht gegeben sei und daher keine Antragseinreichung beim Bund erfolgen könne. So verweise u.a. der übermittelte Finanzierungsplan (2027 – 2030) allgemein auf Eigenmittel der Kommune (ohne Nennung konkreter Beträge). Die vorliegende Ratsbeschlussvorlage aus 2024 sei jedoch nicht geeignet, die kommunale Finanzierung zu begründen: Die Beschlussvorlage aus dem Jahr 2024 beziehe sich nicht auf die Antragstellung im Rahmen der aktuellen Gedenkstättenkonzeption, sondern auf eine Antragstellung zu einem anderen Förderprogramm. Außerdem wurde bereits im Rahmen eines Gesprächs nach der Antragstellung seitens der Vertreterin des BKM deutlich gemacht, dass das Förderprogramm Gedenkstättenkonzeption die Förderung von Planungs- und Baukosten nur für die Ausstellung vorsehe, jedoch nicht für die grundsätzliche Planung und Herrichtung eines Gebäudes zur Unterbringung einer Gedenkstätte. Die Kulturverwaltung sondiert laufend mögliche Förderungen. Da derzeit nicht feststeht, ob und welche Fördermittel es für mögliche Antragstellungen geben wird, kann seriös keine Förderquote angegeben werden. In der Vergangenheit orientierten sich die Förderquoten zumeist zwischen 50 und 80 %. Zeitplan und voraussichtliche Kosten Die Leistungsphasen 3–9 können ab dem Jahr 2027 beginnen. Eine Fertigstellung des Bauvorhabens soll bis Ende 2030 erfolgen. Die Gesamtkosten des Baus (inkl. Planungskosten) werden auf rd. 13,2 Mio. Euro geschätzt: Baukosten 6,37 Mio. + 40% Risikozuschlag = 8.918.000,00 Euro + 3 Jahre Baupreissteigerung (6 %) ca. 1.605.240 Euro = ca. 10.523.240,00 Euro + 25 % Kostengruppe 700 (Baunebenkosten LP 1-9) von ca. 2.630.000,00 Euro = Gesamtkosten ca. 13.154.050,00 Euro Die Kosten für die bauliche Realisierung der Ausstellung werden derzeit aufSeite 2 von 15 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) zusätzlich rd. 1 Mio. Euro geschätzt. Betriebskonzept Zur konzeptionellen Ausarbeitung, zur zukünftigen Umsetzung der erweiterten professionellen pädagogisch-didaktischen Vermittlungsarbeit und zur Betriebsführung benötigt die Gedenkstätte eine verbesserte Grundlage bezüglich Personal (z.B. Vermittlung, Aufsicht, Objektbetreuung etc.), Ausstattung und Ressourcen. Im Jahr 2024 beliefen sich die Betriebskosten für die Gedenkstätte inkl. Personalkosten für festes Personal und Honorarkräfte auf rd. 580.000 EUR. Davon waren rd. 61.000 EUR durch Zuweisungen des Landes NRW gedeckt. Da zurzeit mit einem Betriebsbeginn frühestens im Jahr 2030 gerechnet wird, legt die Verwaltung den zuständigen Gremien ein konkretes Betriebsmodell mit Personalschlüssel und Sachmitteln im Rahmen der Haushaltsplanung 2029/30 vor. Weiteres Vorgehen Für kommendes Jahr ist für die bauliche Realisierung der Dauerausstellung ein erneuter Antrag beim BKM vorgesehen (ca. 1 Mio. Euro). Auch beim Landesprogramm Heimat-Zeugnis ist eine erneute Antragstellung geplant (Förderquote derzeit 80 %) Parallel erfolgt eine kontinuierliche Drittmittelsuche insbesondere für Fördermöglichkeiten für Planungs- und Baukosten. Die erforderlichen städtischen Eigenmittel werden im Wirtschaftsplan 2027 des Städtischen Gebäudemanagements angemeldet und dem Rat zur Beschlussfassung vorgelegt. Mit dem vorliegenden Beschluss werden die Voraussetzungen geschaffen, um förderfähige Anträge einzureichen und die Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 20.06.2024 planmäßig fortzuführen. Über die Eckpunkte des Erbbaurechtsvertrags konnte mit dem Erzbistum Köln eine Einigung erzielt werden. Die Verwaltung wird eine gesonderte nicht- öffentliche Beschlussvorlage über den Abschluss des Erbbaurechtsvertrages voraussichtlich im Frühjahr 2026 einbringen. Anlage/n 1 Kurzinformation zum Konzept Gedenkstätte in Endenich (öffentlich)Seite 3 von 15 1 Kurzinformation zum Konzept Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn Erarbeitung und Realisierung einer Dauerausstellung im ehemaligen Ghettolager Kloster Endenich Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn Visualisierung von der geplanten Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum am historischen Ort Architekten waldorf-plan + Büro SchweitzerSeite 4 von 15 2 Inhalt Seite Zusammenfassung 3 1. Das Ghettolager Endenich – Stellenwert in der deutschen Erinnerungskultur und Umzug an den historischen „authentischen“ Ort 1.1 Historische Bedeutung als Ghettolager im Westen 4 1.2 Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn 5 an den historischen Ort 2. Dauerausstellung am historischen Ort: Inhaltliches Konzept und Planungen 6 2.1 Das Raumprogramm für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum 2.2 Die neue Dauerausstellung 8 2.3 Bildungsarbeit am neuen Standort – pädagogische Konzeption 10Seite 5 von 15 3 Zusammenfassung Mit dem geplanten Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn aus der Innenstadt an den historisch authentischen Standort des ehemaligen Ghettolagers Kloster Endenich ist eine Neukonzeption der Dauerausstellung verbunden. Bei dem historischen Ort handelt es sich um das im Frühjahr 1941 von der Gestapo beschlagnahmte Benediktinerinnenkloster Mariahilf in Bonn-Endenich, in dem Jüdinnen und Juden aus Bonn und dem Bonner Umland bis zu ihrer Deportation im Juni und Juli 1942 unter Aufsicht der Gestapo interniert wurden. Zur jüdischen Selbstverwaltung und Zwangsarbeit gezwungen war es strukturell ein Ghettolager. Die Dauerausstellung wird die Vorgeschichte der Konfiskation im nationalsozialistischen „Klostersturm“ berücksichtigen und thematisieren, dass es sich um das einzige Ghettolager im Westen handelte. Auf die besondere Stellung Bonns als ehemalige Bundeshauptstadt mit Regierungssitz und auf die lokale Erinnerungs- und Gedenkkultur sowie auf die Gegenwartsperspektiven wird ebenfalls eingegangen. Am Standort in Endenich soll eine nach neuesten Standards der Gedenkstättenpädagogik konzipierte Ausstellung mit multimedialen Elementen und inklusivem partizipativem Ansatz umgesetzt werden. Zudem wird das unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das ehemalige Klostergelände in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen Programme einbezogen. So werden neue Räume geöffnet, die den historischen Ort ganzheitlich erfahrbar machen. Es ist beabsichtigt das Projekt mit dem notwendigen Personal nach Abschluss der Maßnahme zu verstetigen.Seite 6 von 15 4 1. Das Ghettolager Endenich – Stellenwert in der deutschen Erinnerungskultur und Umzug an den historisch „authentischen“ Ort Die „Lagergemeinschaft Kapellenstraße“, wie das von der Gestapo konfiszierte Kloster Endenich in Bonn bezeichnet wurde, in dem Jüdinnen und Juden ab Juni 1941 interniert waren, kennzeichnet wesentliche Strukturen eines Ghettolagers. Diese für Westdeutschland singuläre Besonderheit macht den Standort Endenich zu einem überregional bedeutenden historischen Ort, an dem Strukturen nationalsozialistischer Politik und Verfolgung deutlich werden. Zudem sind die Wirtschaftsgebäude des Klosterkomplexes weitestgehend in ihrem ursprünglichen Bauzustand erhalten. Das Hauptgebäude wurde nahezu originalgetreu wiederaufgebaut, so dass es sich um einen „authentischen“ Erinnerungsort handelt. 1.1 Historische Bedeutung als Ghettolager im Westen 1941 beschlagnahmte die Gestapo das Benediktinerinnenkloster Mariahilf in Bonn-Endenich, um es als Zwangslager für Jüdinnen und Juden aus Bonn und der Bonner Umgebung zu nutzen. Von einem Ghettolager spricht die Gedenkstätte Bonn aufgrund von gemeinsamen Strukturmerkmalen mit Ghettolagern wie sie die Deutschen unter anderem im besetzten Polen für die jüdische Bevölkerung betrieben. Den Ghettos kam eine zentrale Bedeutung als Station zur systematischen Vernichtung zu. Anders als in der überwiegenden Zahl derSeite 7 von 15 5 Deportationslager auf deutschem Boden, wo der Verbleib der Menschen sich auf wenige Tage oder Wochen belief, betrug dieser in Bonn-Endenich bis zu einem Jahr. Mit der Vorgeschichte der Konfiskation im nationalsozialistischen „Klostersturm“ kennzeichnet das ehemalige Kloster eine Besonderheit bzw. ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen und internationalen Gedenkstättenlandschaft: Es wäre in Zukunft die einzige Gedenkstätte in einer derartigen Liegenschaft. Außerdem hebt es sich unter den Gedenkstätten an Stätten der Deportationen von Jüdinnen und Juden bzw. Sinti und Roma in Deutschland und Europa als Ghettolager hervor, dessen Internierte bis zu einem Jahr lang im Lager festgehalten und zur jüdischen Selbstverwaltung und Zwangsarbeit gezwungen wurden. Diese im Verhältnis lange Dauer der Internierung ließ besondere interne Strukturen in der Organisation und im Zusammenleben im Lager sowie externe Bezüge mit dem Umland und der Stadtgesellschaft entwickeln.Seite 8 von 15 6 1.2 Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn an den historischen Ort Für die seit 40 Jahren bestehende Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist der geplante Umzug an den historischen Standort der lang ersehnte und angestrebte Schritt für die Umsetzung einer zeitgemäßen Gedenk- und Erinnerungsarbeit. Mit dem Umzug erfolgen Modernisierung und Gestaltung einer neuen der Dauerausstellung, die an die spezifischen Anforderungen des historischen Ortes angepasst sein wird. Auch für die pädagogische Arbeit ergeben sich aus dem Standortwechsel neue Potenziale und Herausforderungen. Das vorliegende Konzept zeigt die wesentlichen Leitlinien einer Bildungsarbeit am Standort Endenich auf und bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur Gestaltung der neuen Ausstellung am historischen Ort sowie auf gegenwärtige und aktuelle Erfordernisse der politisch-historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur. Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden: Mit dem neuen Standort wird ein historischer Ort bezogen, an dem Jüdinnen und Juden interniert waren, wodurch ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gedenkstätte und ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion zukommt. Sie wird den Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des Standorts nahebringen und erfahrbar machen. Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind seit ihrer Gründung in den 1980er- Jahren anerkannter Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen Bildung. Seit 2021 existiert eine vollamtliche pädagogische Stelle im Stellenplan, die eine noch engmaschigere pädagogische Betreuung und Fortentwicklung ermöglicht. Als Basis für die zukünftige Bildungsarbeit kann auf 40 Jahre bestehende Erfahrung in der praktischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen werden. Dabei wird die Vermittlungsfunktion inhaltlich und standortbezogen ausgebaut und das pädagogische Angebot neu aufgesetzt. Das vorliegende Konzept dafür bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und erweitert das Programm um digitale, inklusive und partizipative Angebote. Das Grundstück und die Gebäude sollen als Besitz des Erzbistums Köln im Rahmen einer Erbpachtregelung übernommen werden. Die Leistungsphasen 1 und 2 sind abgeschlossen. Eine Planungsgemeinschaft hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Bereits in der Grundlagenermittlung und Vorplanung wurde von der Bundesstadt Bonn eine klare Projektstruktur mit regelmäßigen Jours fixs und Meilensteinplanungen aufgesetzt. Der Bau- und Umzugsbeschluss durch den Stadtrat wurde im Juni 2024 herbeigeführt.Seite 9 von 15 7 2. Dauerausstellung am historischen Ort: Inhaltliches Konzept und Planungen Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind auch am neuen Standort Bildung, Information und Dokumentation auf Basis von wissenschaftlichen Forschungen. Grundpfeiler hierfür sind eine moderne an neuesten Standards ausgerichtete Ausstellung, eine profilierte Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine interessierte Öffentlichkeit und für das Fachpublikum. Ergänzend zur Ausstellung soll ein Katalog erstellt werden. Eine Fachbibliothek und die Archivbestände werden unter Berücksichtigung moderner konservatorischer Standards zugänglich gemacht. 2.1 Das Raumprogramm für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Das vorgesehene Raumprogramm greift die genannten Funktionen auf, indem es entsprechende Flächen für a) die Dauerausstellung „Endenich ist noch vielleicht das Ende nich“ (Felix Hausdorff) von rund 250 m², b) die Bildungsarbeit (70 m²) und c) die Dokumentation mit Archiv und Bibliotheksräumen (60 m²) vorsieht. Der Gedenkraum soll eine Größe von rund 40 m² haben. Für Veranstaltungen ist ein 180 m² großer Saal vorgesehen. Um den Ort des Geschehens möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben zu lassen, werden die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und werden nicht verputzt oder gedämmt. Auch die Fenster bleiben erhalten und werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch sinnvoll ergänzt. Alle dienenden Funktionen, wie Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume, werden in einem neuen Untergeschoss untergebracht, das dem Bestandsgebäude 1 vorgelagert ist. Mit diesen Maßnahmen soll ein Maximum an Variabilität und Nutzbarkeit für die Dauerausstellung, Sonderausstellungen und Veranstaltungen geboten werden.Seite 10 von 15 8 Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der im neuen turmartigen Treppenhaus vorgesehen ist. Die Außenanlagen des heutigen Priesterseminars werden in die Konzeption einbezogen: Schülergruppen können sich in der Nähe des Gebäudeeingangs auf einem Sitzplatzbereich für einen Rundgang sammeln oder nach dem Besuch der Ausstellung gemeinsam das Erlebte reflektieren. In Kombination mit den Baumachsen sollen Pflanzbereiche die kontemplative Atmosphäre eines friedlich schönen Gartens erzeugen.Seite 11 von 15 9 An drei Stellen des Gartens könnten Kunstobjekte die Abläufe der brutalen Geschehnisse an diesem Gedenkort wie an nachgebildeten Stationen thematisieren: Registration, Selektion und Abtransport der Opfer. Die Objekte wären gleichzeitig so zu entwickeln, dass beispielsweise der Zugangsbereich der Gedenkstätte an der Straße leicht erkennbar wird, zum anderen ein Sammelpunkt bei Außenveranstaltungen oder ein fester Ort für Gedenkveranstaltungen entsteht. 2.2 Die neue Dauerausstellung Die Dauerausstellung wird begleitend zum geplanten Umzug der Gedenkstätte und des NS- Dokumentationszentrums in Zusammenarbeit des Teams der Gedenkstätte mit externen Expertinnen und Experten entwickelt. Folgende Themen werden in insgesamt fünf Stationen der Ausstellung dargestellt und bilden den Erzählstrang für die einzelnen Inhalte: 1. Ghettolager Endenich: Vorgeschichte des Klosters, planmäßige Aufhebung von Klöstern im Nationalsozialismus, Stationen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: Definition, Enteignung, Ausschluss und Konzentration (nach Raul Hilberg), Situation im Ghettolager, Deportationen, Ermordung 2. „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus zwischen Alltag und Terror: Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus 3. Biografien – Lebenswege – Mikrogeschichte und Fallrekonstruktion 4. Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn und der „Bonner Republik“: Vergangenheitspolitik – Entwicklungen in der Nachkriegsgesellschaft und Umgang mit den nationalsozialistischen Verbrechen 5. Raum des Gedenkens Zur historischen Narration: Bei der Entwicklung stehen Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor der Herausforderung, die Institutionsgeschichte und die Bedeutung des historischen Ortes miteinander verständlich darzustellen: Seit ihrer Gründung 1984 verstehen sich Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum in Bonn sich als Erinnerungs- und Dokumentationsort für alle Verfolgten des Nationalsozialismus. Das Alleinstellungsmerkmal dieses historischen Ortes und dessen Bedeutung und Funktion als Ghettolager und damit als ein wesentlicher Schritt der systematischen Verfolgung und Ermordung aller Jüdinnen und Juden, wird den Schwerpunkt der Ausstellung ausmachen. Mit Blick auf die für heutige Standards unabdingbare Erweiterung der Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und „Zuschauer“ gilt es zudem, alle diese verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für Besuchende nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen.Seite 12 von 15 10 Erreicht werden soll dies, indem die Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche Wirklichkeiten im NS-Staat kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen Ideenwelten und Propaganda den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und Verfolgung sowie den gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen Deutschland gegenüberzustellen. Dieses Motiv soll sich als roter Faden durch die verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen. Ausstellungsarchitektur und -design am neuen Standort: Für die bauliche Ertüchtigung und Vorbereitung der Gebäudeteile für Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum am historischen Ort und die vorbereitende Planung der Räume für ihre Nutzungen als Ausstellungsräume, Bildungs- und Veranstaltungsräume, Büros, Funktionsräume, Foyer, Bibliothek, sanitäre Einrichtungen wurde parallel ein Architektenbüro beauftragt. Siehe beiliegende Unterlagen des Architektenbüros Waldorfplan. Für die Umsetzung des Ausstellungsdesigns, innenarchitektonischer Einbauten und Ausstellungsmöbel wird ein Gestaltungsbüro mit Erfahrung im Gedenkstättenbereich beauftragt, das auf Grundlage der inhaltlichen Vorgaben des Teams konkrete Vorschläge erarbeitet und für die baulich vorbereiteten Räume realisiert.Seite 13 von 15 11 2.3 Bildungsarbeit am neuen Standort – Pädagogische Konzeption Mit dem Umzug wird auch ein neuer museums- und gedenkstättenpädagogischer Ansatz erarbeitet. Der historisch „authentisch“ wirkmächtige Ort fordert nahezu eine Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Verortung der NS-Verbrechen, die gerade auch für die pädagogische Arbeit wertvoll ist. Bisher bewährte Angebote, Veranstaltungen und die gedenkstättenpädagogische Arbeit werden fortgesetzt und um neue inklusive und partizipative Formate vor Ort sowie in den Stadtteilen ergänzt, die Geschichten von Verfolgten, sozialem Umfeld und Tätern in besonderer Weise aufgreifen. Bei den neu zu entwickelnden Angeboten zur Verfolgung der Bonner Jüdinnen und Juden und denen aus dem Bonner Umland, die im Ghettolager interniert waren, kann auf langjährige Recherchen der Gedenkstätte zu den Lebensgeschichten zurückgegriffen werden. Zusätzliche neue Themen für Bildungsformate sind neben dem Leben im Ghettolager auch die Zwangsarbeit und die Arbeitsstätten, zu denen die Menschen, sichtbar für jeden, zu Fuß gehen mussten, die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner in den benachbarten Stadtteilen Endenich und Poppelsdorf und die Geschichte des „Klostersturms“ im Kontext der Reaktion der katholischen Kirche. Insgesamt wird die Bildungsarbeit der zukünftigen Gedenkstätte diverser, überregional bzw. international ausgerichtet: Als Bundes- bzw. ehemalige Bundeshauptstadt mit Sitz von Universität, Institutionen der Vereinten Nationen und Fachhochschulen in der Region bietet Bonn zahlreiche Anknüpfungspunkte für Kooperationen und überregionale Netzwerke. Allein die Vereinten Nationen waren 2023 mit 26 Institutionen und etwa 1.000 Mitarbeitenden in der Bundesstadt vertreten. Angestrebt wird daher eine aktive Zusammenarbeit mit Gruppen der UN, mit politischen Stiftungen und mit Trägern von Breiten- und Spitzensport wie den Baskets Bonn. In diesem Kontext kann die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum Bonn auf langjährige etablierte Kooperationen zurückgreifen: Fachlich kooperiert die Gedenkstätte Bonn mit nationalen und internationalen Gedenkstätten, überregional im Arbeitskreis Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen und Instituten und Fachbereichen der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die Gedenkstätte arbeitet seit ihrer Entstehung mit verschiedenen bürgerschaftlichen Partnern und Bildungseinrichtungen zusammen. Dies ist auch durch die frühere Organisationsform eines Trägervereins bedingt. Diese Struktur, die professionelles und bürgerschaftliches Engagement verbindet, wurde nach dem Übergang der Gedenkstätte in städtische Trägerschaft zum 1. Januar 2021 in den Förderverein überführt, der aus dem Trägerverein hervorgegangen ist. Kooperationen bestehen im lokalen Bereich mit anderen Häusern und Institutionen der Geschichts- und musealen Vermittlung, wie etwa dem Stadtarchiv, dem Stadtmuseum und dem August-Macke-Haus.Seite 14 von 15 12 Daneben kooperiert die Gedenkstätte, mit der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und Geschichtsvereine Bonn, der Stadtbibliothek und der VHS. Der Gedenktag am 27. Januar wird jährlich mit wechselnd weiterführenden Bonner Schulen, Künstlerinnen und Künstlern und dem Theater der Stadt inhaltlich vorbereitet und durchgeführt. Mehrere Schulen sind Mitglied im Förderverein. Die Gedenkstätte organisiert den Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai gemeinsam mit AStA und Studierendenparlament der Universität. Das Gedenken an die Novemberpogrome am 10. November wird ebenfalls federführend in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG-Bonn, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Gegen Vergessen – für Demokratie e.V. Bonn und anderen Akteuren vorbereitet und durchgeführt.Seite 15 von 15
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 08:53 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de