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240693 · Beschlussvorlage

Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn

Nummer
240693
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
27.05.2024
Letzte Änderung
22.10.2026
  • Paul-Kemp-Straße Straße· Alt-Godesberg, Bad Godesberg Hauptort
  • Zur Marterkapelle Straße· Lengsdorf, Hardtberg
  • Nordfriedhof Straße· Auerberg, Bonn
  • Jagdweg Straße· Südstadt, Bonn
  • Kapellenstraße Straße· Poppelsdorf, Bonn
  • Endenich Ortsteil· Bonn
  • Nordstadt Ortsteil· Bonn
  • Poppelsdorf Ortsteil· Bonn
  • Dransdorf Ortsteil· Bonn
  • Bad Godesberg Stadtbezirk· Alt-Godesberg
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  • Bonn Stadtbezirk
  1. Sitzung des Kulturausschusses 04.06.2024 Empfehlung
  2. Sitzung des Rates 20.06.2024 Entscheidung federführend
  3. Sitzung des Betriebsausschusses SGB 18.06.2024 Empfehlung
  4. Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz 18.06.2024 Empfehlung
  5. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 28.05.2024 Anregung
  6. Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 19.06.2024 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 240693-01 AA BBB-Änderungsantrag: Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn
  2. 240693-03 Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn
  3. 240693-02 Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn

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Beschlussvorlage
öffentlich
240693
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
41 Kulturamt
Dezernat:
Dez. IV
Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum Bonn
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bonn 28.05.2024 Anregung
Kulturausschuss 04.06.2024 Empfehlung
Betriebsausschuss SGB 18.06.2024 Empfehlung
Unterausschuss Denkmalschutz 18.06.2024 Empfehlung
Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und
Vergabe
19.06.2024 Empfehlung
Rat 20.06.2024 Entscheidung
Begründung der Dringlichkeit:
Zur Vervollständigung des Antrags auf Fördermittel aus dem Programm
„Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus" muss der
Beschluss schnellstmöglich erfolgen und zum Antrag nachgereicht werden.
Beschlussvorschlag
Dem Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf
das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich wird zugestimmt.
Die Verwaltung wird beauftragt, Fördermittel für die Realisierung (Nationale
Projekte des Städtebaus) zu beantragen und den Erbbaurechtsvertrag mit dem
Erzbistum endzuverhandeln.
Mit dem Bau wird erst begonnen und städtische Mittel werden nur dann
eingesetzt, wenn die beantragten Fördermittel aus dem Programm „Förderung
von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ bewilligt werden.
Ansonsten bedarf es einer erneuten Beschussfassung.
Begründung
Der Rat hat in seiner Sitzung am 28. Juni 2021 die Verwaltung beauftragt, die
Verlagerung der Gedenkstätte auf das Gelände des ehemaligen Klosters
Endenich weiterzuverfolgen und alle Klärungen im Zusammenhang mit einem
eventuellen Bau und Umzug herbeizuführen. Hierzu waren Architekten und
Fachplaner zu beauftragen, um eine verifizierbare Kostenschätzung
vorzunehmen.
Im Dezember 2022 hat die Verwaltung dazu das Architekturbüro waldorfplanSeite 1 von 110
Seite 2
architekten Bonn beauftragt, das für die Durchführung eine
Planungsgemeinschaft mit dem Architekturbüro Schweitzer Bonn eingegangen
ist. Beauftragt wurde die Durchführung der Leistungsphasen (HOAI) 1 sowie 2
sowie weitere Fachplaner (Bodengutachter, Brandschutzplanung, Technische
Gebäudeausstattung, Landschaftsplaner, Schadstoffprüfung,
Tragwerksplanung). Da sich Gebäude und Grundstück im Besitz des
Erzbistums Köln befinden, wurde zudem für eine Teilung des Grundstücks und
der Gebäude zum Zwecke der Anpachtung im Erbbaurechtzusätzlich ein
Vermessungsbüro beauftragt.
Didaktisches Konzept
Mit dem Umzug und Neubau der Gedenkstätte auf das Gelände des
ehemaligen Benediktinerinnenklosters Bonn-Endenich soll der historische
Wirtschaftsgebäudekomplex zu einer zeitgemäßen Gedenkstätte umgebaut
werden.
Für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist der geplante
Umzug an einen historischen Standort der lange angestrebte Schritt für die
zukünftige institutionelle Arbeit. Mit dem Umzug erfolgt die Modernisierung und
Neugestaltung der Dauerausstellung, die an die spezifischen Anforderungen
des historischen Ortes angepasst wird. Der aktuelle Stand der Konzeption zeigt
wesentliche inhaltliche Leitlinien der Bildungsarbeit am Standort Endenich auf
und bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur Gestaltung der neuen
Ausstellung sowie auf gegenwärtige und aktuelle Erfordernisse der politisch-
historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur. Die Konzeption zeigt, wie
Fragen der Gedenkstättenpädagogik im Entwicklungsprozess der
Dauerausstellung am historischen Ort kontinuierlich mitgedacht und
berücksichtigt werden.
Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden: Mit
dem neuen Standort wird ein Ort bezogen, an dem Jüdinnen und Juden bis zu
einem Jahr interniert waren, wodurch ein direkter Bezug zur
nationalsozialistischen Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen
auf die Gedenkstätte und ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion
zukommt. Sie muss den Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des
Standorts nahebringen und erfahrbar machen. Am Standort in Endenich wird
eine nach neuesten Standards der Gedenkstättenpädagogik konzipierte
Ausstellung mit multimedialen Elementen entstehen. Zudem wird das
unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das ehemalige Klostergelände
in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen Programme
einbezogen. So werden neue Räume geöffnet, die den historischen Ort
ganzheitlich erfahrbar machen. Der Ausstellung kommt dabei die Aufgabe zu,
die nationalsozialistische Vergangenheit und den Umgang mit ihr nach 1945
aufzuzeigen.
Die Gedenkstätte ist seit ihrer Gründung in den 1980er-Jahren anerkannte
Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen Bildung. Als Basis für die
zukünftige Bildungsarbeit kann auf mehr als 35 Jahre bestehende Erfahrung in
der praktischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen werden.
Die Vermittlungsfunktion wird inhaltlich und standortbezogen ausgebaut und
das pädagogische Angebot neu aufgesetzt. Das vorliegende Konzept dafürSeite 2 von 110
Seite 3
bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und erweitert das
Programm um digitale und inklusive Angebote. Sämtliche im Konzept
entwickelten Überlegungen und Angebote wurden und werden vor dem
Hintergrund aktueller Fachdebatten und im Austausch mit Expertinnen und
Experten und Kolleginnen und Kollegen anderer Gedenkstätten und
universitärer Forschung entwickelt, evaluiert und fortlaufend aktualisiert.
Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind
auch am neuen Standort Bildung, Information und Dokumentation. Grundpfeiler
hierfür sind eine moderne an neuesten Standards ausgerichtete Ausstellung,
eine profilierte Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine
interessierte Öffentlichkeit und Fachpublikum. Bei der Entwicklung des
historischen Erzählstrangs für die künftige Dauerausstellung stehen
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor Herausforderungen, die sich
aus dem Zusammenführen der Institutionsgeschichte und den Anforderungen
und Potentialen des historischen Ortes ergeben. Seit ihrer Gründung versteht
sich die Gedenkstätte als Erinnerungs- und Dokumentationsort für alle
Verfolgten des Nationalsozialismus. Eine Fokussierung der neuen Ausstellung
allein auf die Verfolgung von Jüdinnen und Juden ist daher weder
wünschenswert, noch würde es der Verantwortung der Institution gegenüber
Angehörigen und Vertreterinnen und Vertretern anderer Verfolgtengruppen
gerecht werden. Daher wird es eine Einbindung aller Verfolgtengruppen geben,
auch, um eine Hierarchisierung und Wertung zu vermeiden. Vorgesehen ist die
Präsentation einzelner Lebenswege, die nebeneinander für den Ausschluss als
prägendes Element der NS-Volksgemeinschaft“ stehen.
Zugleich fordert der Ort einen stärkeren Fokus als bislang auf den insgesamt
bedeutenden Abschnitt der Verfolgungsgeschichte der Jüdinnen und Juden als
eine Gruppe. Daher wird das Internierungslager Endenich als herausgehobener
Fall eines „Ghettolagers im Westen“ im Zentrum der historischen Narration
stehen. Ausgehend von der Vorgeschichte der gesellschaftlichen Stellung der
Jüdinnen und Juden vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus, wird das
Spannungsfeld zwischen Emanzipation und zunehmender Diskriminierung und
Ausgrenzung unter „volksgemeinschaftlichen“ Vorzeichen rekonstruiert werden.
Dabei geht es um Prozesse der Einschließung der „Volksgenossen“ in die
„Volksgemeinschaft“ und zugleich der sich zuspitzenden Ausschließung der
Jüdinnen und Juden aus der Bonner „Volksgemeinschaft“. Die Funktion der
Ghettoisierung als isolierende Maßnahme und Ausschluss wird beschrieben
und auch, dass der „soziale Tod“ der Jüdinnen und Juden als Vorstufe ihrer
Ermordung fungierte.
Mit Blick auf die für heutige Standards unabdingbare Erweiterung der
Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und „Zuschauer“ gilt es, die
verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für Besuchende
nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen. Erreicht werden soll dies, indem die
Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche Wirklichkeiten im NS-Staat
kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen Ideenwelten und Propaganda
den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und Verfolgung sowie den
gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen Deutschland
gegenüberzustellen. Dieses Motiv wird sich als roter Faden durch die
verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen.
Architektonisches KonzeptSeite 3 von 110
Seite 4
Bei der Entwicklung des architektonischen Konzeptes war es oberstes Ziel, die
beiden Bestandsgebäude in Materialität und Raumstruktur zu erhalten. Der Ort
des Geschehens soll möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben.
Deshalb werden die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und
werden nicht verputzt oder gedämmt. Auch die Fenster bleiben erhalten und
werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch sinnvoll ergänzt.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden alle dienenden Funktionen, wie
Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume, in
einem neuen Untergeschoss untergebracht, das dem Bestandsgebäude 1
vorgelagert ist.
Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der
im neuen turmartigen Treppenhaus angeordnet ist. Die Barrierefreiheit
innerhalb der Bestandsgebäude 1 und 2 wird durch einen neuen
durchgehenden Fußboden garantiert. Hierzu sind Auskofferungen und
Abgrabungen notwendig, um einen technisch und bauphysikalisch notwendigen
Fußbodenaufbau einzubringen.
Durch die Herausnahme von späteren Einbauten oder nichttragenden,
untergeordneten Bauteilen soll ein Maximum an Variabilität und Nutzbarkeit für
die Dauerausstellung, die Sonderausstellungen und Veranstaltungen geboten
werden. Der große, durchgehende Veranstaltungsraum im Dachgeschoss kann
durch mobile Einbauten (Trennwände, Stellwände und andere Möblierungen)
für Vorträge und Seminare, aber auch für Gruppenarbeit und
Sonderausstellungen genutzt werden. Die besondere räumliche Wirkung
entsteht durch die Erhaltung des Dachstuhles, der z. T. aus statischen Gründen
mit sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden soll.
Bei der Weiterentwicklung und Durcharbeitung des architektonischen
Konzeptes soll auf die parallel zu entwickelnde Ausstellungsarchitektur reagiert
werden.
Zweckmäßig und auf kurze Wege im laufenden Betrieb ausgerichtet wurden
ebenfalls Büros für die Mitarbeitenden der Gedenkstätte in Gebäude 1
eingeplant.
Eine Bauvoranfrage, die die Gedenkstätte ausschließlich innerhalb der Kubatur
der Bestandgebäude verortete, wurde 2017 durch die Stadt Bonn positiv
beschieden.
Da Bestandteile des Klosters Maria Hilf unter Denkmalschutz stehen, wird die
Planung im weiteren Verfahren mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt.
Erbbaurechtsregelung
Die Verwaltung steht in Kontakt mit dem Erzbistum Köln und erarbeitet die
Rahmenbedingungen für die Übernahme der Gebäudeteile und Nutzung des
Grundstücks im Erbbaurecht. Das Erzbistum Köln unterstützt die Idee einer
Ansiedlung der Gedenkstätte in den Wirtschaftsgebäuden ausdrücklich. Mit
größerem Aufwand verbunden ist die Trennung der bestehenden
Gebäudesubstanz, da hier bauhistorisch bedingt Trennlinien nicht leicht zu
definieren sind. Die Grundstücksfläche beträgt rd. 1.300 Quadratmeter. Der
endgültige Erbbaurechtsvertrag wird den zuständigen Gremien zurSeite 4 von 110
Seite 5
Genehmigung vorgelegt.
Betriebskonzept
Zur konzeptionellen Ausarbeitung und zur zukünftigen Umsetzung der
erweiterten professionellen pädagogisch-didaktischen Vermittlungsarbeit
benötigt die Gedenkstätte eine verbesserte Grundlage bezüglich Personal,
Ausstattung und Ressourcen.
Im Jahr 2023 beliefen sich die Betriebskosten für die Gedenkstätte inkl.
Personalkosten für festes Personal und Honorarkräfte auf rd. 520.000 EUR.
Davon waren rd. 105.000 EUR durch Zuweisungend es Landes NRW gedeckt.
Da zurzeit mit einem Betriebsbeginn frühestens im Jahr 2027 gerechnet wird,
legt die Verwaltung den zuständigen Gremien ein konkretes Betriebsmodell mit
Personalschlüssel und Sachmitteln im Rahmen der Haushaltsplanung 2027/28
vor.
Verkehrliche Erschließung
Die notwendigen Stellplätze werden in Absprache mit dem Bauordnungsamt
festgelegt. Ziel muss es sein, das umliegende Wohngebiet nicht durch
Parksuchverkehr oder parkende Autos zu belasten. Zudem wird eine bessere
Anbindung durch den ÖPNV in den weiteren Planungsschritten geprüft, sowie
eine Berücksichtigung einer ausreichenden Anzahl von gesicherten
Fahrradabstellplätzen gewährleistet. Gespräche mit weiteren Ämtern hierzu
sind in der Vorbereitung.
Kosten und Drittmittel
Die von den beauftragten Architekten aufgestellte Kostenschätzung nach DIN
276 kalkuliert die notwendigen reinen Baumaßnahmen (inkl. Außenanlagen) mit
4.870.000 EUR (netto) zuzüglich der musealen Ausstattung (1.500.000 EUR
netto) sowie Baunebenkosten in Höhe von 1.280.000 EUR (netto), so dass die
Gesamtkosten bei rd. 9.100.000 EUR brutto liegen.
Hinzukommen weitere Kosten im Rahmen der Erbbaurechtsregelung, die
zurzeit noch nicht beziffert werden können.
Für den Betrieb der neuen Gedenkstätte ist zudem ein höherer
Personalschlüssel als bisher erforderlich sowie zusätzliche Sachmittel.
Die Verwaltung hat sich mit Bewerbungsfrist 30. April 2024 um eine „Förderung
von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ beworben. Für die
Bewerbung ist ein Beschluss des Rates notwendig. Vor Ablauf der
Bewerbungsfrist konnte eine Zustimmung zu der Bewerbung die Gremien nicht
erreicht werden. Daher wird um nachträgliche Zustimmung zur eingereichten
Bewerbung gebeten. Der entsprechende Beschluss kann nachgereicht werden.
Dabei wird das Kulturamt durch das Referat für Stadtförderung und
strategische Projekteunterstützt. Bei diesem Förderprojekt beträgt der
Eigenanteil der Kommune grundsätzlich ein Drittel der von Bund und Kommune
zu tragenden Projektkosten. Das Auswahlverfahren ist zweistufig.
Zudem sucht die Verwaltung weiter nach zusätzlichen oder alternativenSeite 5 von 110
Seite 6
Förderinstrumenten. Für die Finanzierung von Ausstellungsplanung und -bau
bereitet die Verwaltung eine Bewerbung um Mittel aus der
Gedenkstättenförderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und
Medien (BKM) vor. Stichtag für die Bewerbung ist der 31. August 2024. Die
Förderquote liegt bei einem Drittel der förderfähigen Gesamtkosten.
Bei einer erfolgreichen Förderung würde sich der Eigenanteil der Bundesstadt
Bonn an den Baukosten auf rd. 2.415.000 EUR (netto) reduzieren, bei der
Ausstellungsplanung und -bau auf 1.178.000 EUR (netto).
Zeitprognose
Nach erfolgtem Baubeschluss könnte die Beauftragung der nächsten
Planungsphasen in der zweiten Jahreshälfte 2024 erfolgen. Die
Leistungsphasen 3 und 4 (HOAI) werden zurzeit mit einer Bearbeitungszeit von
rd. einem Jahr kalkuliert. Nach erteilter Baugenehmigung werden die
Bauarbeiten schätzungsweise zwei Jahre dauern.
Die Baumaßnahme kann durch das SGB umgesetzt werden, sobald
entsprechende personelle Kapazitäten hierfür vorhanden sind. Eine zeitliche
Prognose für die Umsetzung kann aktuell noch nicht gegeben werden.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.04.08 Stadtmuseum, Gedenkstätte
und zentrale Projekte
1.41.50.04.08.04 Gedenkstätte
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
7.315.000
1.829.000
72.1000
74.1000
3.727.050 (Bei
Bewilligung aller
beantragten
Fördermittel.)
Gesamthaushalt
Einzahlungen /
Erträge
5.416.950
Haushaltsbelastung
jährlich
3.727.050
Anlage/nSeite 6 von 110
Seite 7
1 02 Vorentwurf 2024-04-19 (öffentlich)
2 Projektbeschreibung Stand 2024-04-25 mit Planzeichnungen (öffentlich)
3 Konzept für die Dauerausstellung und die Bildungsarbeit am historischen Ort
der Gedenkstätte in Bonn-Endenich (öffentlich)Seite 7 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
architekten
waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
103
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
M 1:7500
DATUM
PLANINHALT
Stadtkarte
PLAN-NR.
902/903/1009
055Seite 8 von 110
EUZBERGSTR.
KAPELLENSTR.
ZUR MARTERKAPELLE
PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR
PRIESTERSEMINAR
EHEMALIGES
KLOSTER MARIA HILF
PARKPLATZ
GEDENKSTÄTTE
ZUGANG GEDENKSTÄTTE
ZUFAHRT PRIESTERSEM.
147.31 m²
659.60 m²
536.12 m²
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waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
PLANINHALT
Lageplan
PLAN-NR.
104
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
M 1:400
901/902/903/1004/1012/3017
Teilungsgrenze
055Seite 9 von 110
- 0.25
- 0.80
- 0.70
- 0.05
+/- 0.00
(EG)
+/- 0.00
Pflanzfläche
Baum
Baum
Baum
- 0.10
+ 0.80
- 0.80
+ 0.80
+ 0.80
- 0.10
Rasen
Pflanzfläche
UG-Wand
Hecke
Hecke
Pflanzfläche
Mauer
Kies-/Splittbelag
Baum vorhanden
Rasen
Tor II
Sichtschutzzaun
Pflanzfläche
Baum
Baum
Großbaum
+ 0.20
Zufahrt
- 0.60
Pflanzfläche H bis 60 cmPflanzfläche H bis 60 cm
Tor I
Pflasterbelag III
Pflasterbelag III
Pflasterbelag II
Pflasterbelag II
Pflasterbelag I
- 0.80
Mauer
Sitzbank SitzbankSitzbank Baum
Besucher-Reflexion
Rasen
Sitzbank
Sitzbank
Pflanzfläche
+/- 0.00
Besucher-Sammelbereich
Pflasterbelag I
Pflanzfläche
N
Besucher-Eingang
Vorentwurf 04
Gesamtgelände
(M 1:)
Blattnr.: 2.4
Datum: 16.04.2024
Terramanus Landschaftsarchitektur
Dipl-Ing. Manuel Sauer
Landschaftsarchitekt BDLA
Paul-Kemp-Straße 7
53173 Bonn-Bad Godesberg
Fon: 0228.3681583
Fax: 0228.3681587
E-Mail: info@terramanus.de
www.terramanus.de
Gedenkstätte und
NS-Dokumentationszentrum
Bonn
Busstellplatz
und 20 Fahrradstellplätze
Verlassener, sitzhoher Mauerblock
mit 'zurückgelassenem'
Objekt (z. B. bronzene Blume)
und schemenhafter, gläserner
Menschen-Silhouetten
(ggf. Schattenumrisse im
Belag nachzeichen)
Objekt-Stelen-Reihe,
welche das
'Individuum' würdigt
mobile
Sitzhocker
für Nachbereitung
Objektkunst
nutzbar)
Sitzgelegenheit
(auch als
ZUR MARTERKAPELLE
PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR
KAPELLENSTR.
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
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waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
PLANINHALT
Gesamtgelände
PLAN-NR.
122
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903/1007/1013
055Seite 10 von 110
A A
B B
C C
Bestandsgebäude 2
Bestandsgebäude 1
Neubau UG
Lift
TechnikTechnik
26.9 m²26.9 m²
PuMi
11.8 m²7.7 m²
Hausmeister
WC H
17.2 m²
WC
5.8 m²
Archiv
17.5 m²
Garderobe
16.1 m²
Flur
20.1 m²
WC D
17.2 m²
Treppe
15.2 m²
Foyer UG
24.6 m²
WC D Mitarb.
6.32 m2 WC H Mitarb.
6.32 m2
-4.00
23 STG
16.5/28.6
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
architekten
waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
UG
PLAN-NR.
105
PROJEKT-NR. MASSTAB
M 1:100
19.04.2024
900/902/903/1101/1102/1103/1104
055Seite 11 von 110
A A
B B
C C
50
Lift 23 STG
15.7/28.6
GlasdachGlasgangGlasgang
27.5 m²27.5 m²
Treppe 1
21.2 m²
Auftakt
15.0 m²15.0 m²
Auftakt
5.10
19 STG
18.9/26.0
F30
Zur Marterkapelle
Grenze Erbpacht
Ausstellung 4
38.9 m²
Gedenkraum
41.0 m²
Bibliothek
27.9 m²
Registratur
13.3 m²
Leitung
19.0 m²
Flur
11.45 m2
Treppe 2
11.2 m²
Foyer
68.6 m²
Ausstellung 3
36.65 m2
Ausstellung 1
65.5 m²
Ausstellung 2
53.6 m²
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waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
PLANINHALT
EG
PLAN-NR.
106
PROJEKT-NR. MASSTAB
M 1:100
19.04.2024
8/900/902/903/1201/1206/1212
055Seite 12 von 110
Seite 13 von 110
-0.40
-3.80
-0.80
±0.00
+7.20
+7.59
-3.80
-0.80
-0.22
+3.48
Glasgang
+3.29
±0.00
+3.30
+3.60
+9.00
±0.00
+3.20
+3.60
+9.00
Schnitt C - CSchnitt B - B
±0.00
+3.60
+7.08
Schnitt A - A
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Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
PLANINHALT
Schnitte
PLAN-NR.
108
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903/4000/4001
055Seite 14 von 110
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Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
Blick von Westen
PLAN-NR.
109
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 15 von 110
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Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
Blick von Ostem
PLAN-NR.
110
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 16 von 110
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53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
Saal 1
PLAN-NR.
111
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 17 von 110
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DATUM
Saal 2
PLAN-NR.
112
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 18 von 110
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DATUM
PLANINHALT
Foyer
PLAN-NR.
113
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902/903
055Seite 19 von 110
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DATUM
PLANINHALT
Gedenkraum
PLAN-NR.
114
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 20 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
architekten
waldorfplan + büro schweitzer
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DATUM
PLANINHALT
Eingang
PLAN-NR.
115
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
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DATUM
PLANINHALT
Turm
PLAN-NR.
116
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
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DATUM
PLANINHALT
Garten
PLAN-NR.
117
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 23 von 110
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DATUM
PLANINHALT
Kleiner Speicher
PLAN-NR.
118
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 24 von 110
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DATUM
PLANINHALT
Großer Speicher
PLAN-NR.
119
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 25 von 110
Stand 26.04.2024
Planungsgemeinschaft
Architekturbüro Schweitzer
waldorfplan architekten
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Bonn | Endenich
ProjektbeschreibungSeite 26 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
2|10
Inhalt
1 Architektonisches Konzept Gedenkstätte Bonn ................................................................................................. 3
2 Außenanlagen Vorentwurf .................................................................................................................................. 4
3 Statisches Konzept ............................................................................................................................................. 5
4 Technische Konzeption ....................................................................................................................................... 6
5 Ersteinschätzung für den Brandschutz ............................................................................................................... 7
6 Bau- und Planungskosten ................................................................................................................................... 8
7 Raumprgramm mit Flächenübersicht ................................................................................................................. 9
8 Anlage: Planungszeichnungen .......................................................................................................................... 10Seite 27 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
3|10
1 Architektonisches Konzept Gedenkstätte Bonn
waldorfplan | Schweitzer Architekten
Bei der Entwicklung des architektonischen Konzeptes war es oberstes Ziel, die beiden
Bestandsgebäude in Materialität und Raumstruktur zu erhalten. Der Ort des Geschehens soll
möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben. Deshalb werden die Außenwände als
Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und werden nicht verputzt oder gedämmt. Auch die
Fenster bleiben erhalten und werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch
sinnvoll ergänzt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden alle dienenden Funktionen, wie
Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume, in einem neuen
Untergeschoss untergebracht, das dem Bestandsgebäude 1 vorgelagert ist.
Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der im neuen
turmartigen Treppenhaus angeordnet ist. Die Barrierefreiheit innerhalb der Bestandsgebäude
1 und 2 wird durch einen neuen durchgehenden Fußboden garantiert. Hierzu sind
Auskofferungen und Abgrabungen not-wendig, um einen technisch und bauphysikalisch
notwendigen Fußbodenaufbau einzubringen.
Durch die Herausnahme von späteren Einbauten oder nichttragenden, untergeordneten
Bauteilen soll ein Maximum an Variabilität und Nutzbarkeit für die Dauerausstellung, die
Sonderausstellungen und Veranstaltungen geboten werden. Der große, durchgehende
Veranstaltungsraum im Dachgeschoss kann durch mobile Einbauten (Trennwände,
Stellwände und andere Möblierungen) für Vorträge und Seminare, aber auch für
Gruppenarbeit und Sonderausstellungen genutzt werden. Die besondere räumliche Wirkung
entsteht durch die Erhaltung des Dachstuhles, der z. T. aus statischen Gründen mit
sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden soll.
Bei der Weiterentwicklung und Durcharbeitung des architektonischen Konzeptes soll auf die
parallel zu entwickelnde Ausstellungsarchitektur reagiert werden. Eine enge Abstimmung bis
in die Details ist dafür notwendig.
Eine erste Bauvoranfrage im Jahr 2017 wurde positiv beschieden. Im nächsten Schritt sind
Vorgespräche mit dem Bauordnungsamt geplant.
Zeitplanung Planung und Baudurchführung
Vorentwurf mit Kostenschätzung bis April 2024
Entscheidung Rat Bonn Sommer 2024
Planung und Genehmigung 2024
Ausführung 2025 – 2026Seite 28 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
4|10
2 Außenanlagen Vorentwurf
Dipl.-Ing. Manuel Sauer, Landschaftsarchitekt AKNW | Terramanus Landschaftsarchitektur
Grundsätzliche Planungsaufgabe
Das Ziel ist die Schaffung eines Außenraumes der Gedenkstätte, der die funktionalen
Abläufe sicherstellt, aber in seiner Gestaltung auch die besondere Bedeutung des Zentrums
angemessen würdigt.
Raumkonzept
Die relativ inhomogene Umgebung des Areals und die unmittelbar angrenzenden
Funktionsberei-che wie Parkplatz und Feuerwehrumfahrung fordern eine starke Fassung des
neuen Areals, um eine eigenständige Raumqualität aufzubauen und die Idee eines
friedlichen, geschützt liegenden Gartens umzusetzen. Ein integrierter, offener Vorplatz lässt
indes auch den neugeplanten Trep-penhausturm und den transparenten Gebäudezugang
wirken.
Vorentwurf
Eine umlaufende Mauer hebt den Garten auf ein einheitliches Niveau und erweitert die
nutzbare Vorplatzfläche in dem geneigten Gelände. Eine einreihige Baumachse definiert den
Garten als grüne Raumerweiterung zu den massiven Gebäuden der Gedenkstätte.
In der Nähe des Gebäudeeingangs können sich Schülergruppen nach dem Eintreffen auf
einem Sitzplatzbereich für die Führung sammeln. Nach dem Besuch der Gedenkstätte bietet
eine Kies-fläche am Rande der Baumreihe Einzelpersonen und kleineren Gruppen die
Gelegenheit zur Refle-xion. Vom unteren Behinderten-Parkplatz erlaubt eine zusätzliche
Rampe den möglichst kurzen, rollstuhlgerechten Gartenzugang auch von östlicher Richtung
aus. An der oberen Straße ist Fläche für einen Reisebus sowie ca. 20 Fahrradstellplätze
vorgesehen.
Das „grüne Refugium“
In Kombination mit den Baumachsen würden möglichst großzügige, vitale Pflanzbereiche die
kon-templative Atmosphäre eines friedlich schönen Gartens erzeugen. Bei der Pflanzplanung
wären für das grüne Refugium möglichst Gehölze und Stauden mit höherer ästhetischer
Qualität auszu-wählen. Sie könnten z. B. durch einen ansprechenden Habitus, Blüten
und/oder eindrückliche Herbstlaubfarben Höhepunkte setzen - möglicherweise auch zu
bestimmten Feierlichkeitstermi-nen. Der Budgetrahmen für die künftigen Pflegekosten sollte
in dem Zusammenhang definiert werden.
Kunst
An drei Stellen des Gartens könnten Kunstobjekte die Abläufe der brutalen Geschehnisse an
die-sem Gedenkort wie an nachgebildeten ‚Stationen‘ thematisieren: Registration, Selektion
und Ab-transport der Opfer der Deportation. Die Objekte wären gleichzeitig so zu
entwickeln, dass bei-spielsweise der Zugangsbereich der Gedenkstätte an der Straße leicht
auffindbar wird oder zum anderen ein Sammelpunkt bei Außenveranstaltungen oder ein
fester Ort für Kranzniederlegungen entsteht.Seite 29 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
5|10
3 Statisches Konzept
Dipl.-Ing. Malte Lehrke | Ingenieurbüro für Bauwesen
Grundlagenermittlung Bereich Tragwerksplanung
Bestandsaufnahme
Die Bestandsunterlagen des Gebäudes (Statik + Positionspläne) liegen i.T. vor und wurden
gesichtet. Bei dem geplanten Gebäude handelt es sich um ein Museum und
Versammlungsstätte und ist ge-mäß BauO NRW der Gebäudeklasse Sonderbau zugeordnet.
Nutzlasten
Die Nutzlasten werden durch die Decken über Erdgeschoss des Bestandsgebäudes nicht
erfüllt. Die Decken müssen ertüchtigt oder ausgetauscht werden. Die Ertüchtigung kann
durch zusätzliche Stahlträger unterhalb der Bestandsdecke erfolgen. Alternativ kann mit
einem neuen Aufbeton und Schubverbund mit den bestehenden Stahlträgern eine
Verbunddecke errichtet werden. Hierfür sind die Lastreserven und Schweißbarkeit der
Bestandskappenträger zu prüfen.
Der vorhandene Dachstuhl ist erhaltenswert, muss aber verstärkt werden, die
Holzkonstruktion könnte mit sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden.
Gründungsverhältnisse
Baugrundgutachten, zur Beurteilung der Gründungsverhältnisse und für die Wahl der
Gründungsvarianten muss noch ein Baugrundgutachten erstellt werden.
Grundwasser
Falls die geplanten Anbauten in das Grundwasser einbinden, muss die Auftriebssicherheit
des Ge-bäudes gewährleistet werden. Bei anstehendem Grund-, oder Schichtenwasser
werden außerdem besondere Abdichtungsmaßnahmen erforderlich. Z.B. Ausführung des
Kellergeschosses als "Weiße Wanne".
Gründung Bestandsgebäude
Ausführung und Dimension der Bestandsfundamente ist unbekannt.
Die Belastungen des Bestands erhöhen sich auf Grund der neuen höheren Nutzlasten und
statisch notwendig dickeren Geschossdecken. Die Bodenplatte soll um ca. 1m abgesenkt
werden, um das Erdgeschoss ohne Niveauunterschied ausführen zu können.
Daher ist eine Unterfangung der Bestandswände mit neuen Fundamenten notwendig.
Höhenlage und Beschaffenheit der Bestandsfundamente müssen durch Probeschachtungen
vorab geprüft werden.
Gründung Neubau neben Bestandsgebäude
Die Gründungsebene des geplanten Neubaus liegt tiefer als die des Bestandsgebäudes. Auf
Grund des großen Niveauunterschieds von ~4m ist eine konventionelle Unterfangung nach
DIN 4123 nicht möglich. Das Bestandsgebäude kann durch eine vorgelagerte Bohrpfahlwand
gegenüber dem Neubau abgefangen werden. Hierfür müsste dann für den Neubau dann
~1m vom Bestand abrücken. Alternativ kann der Bestand durch Mikropfähle (z.B. der Firma
ERKA) abgefangen werden.
Anforderungen an den konstruktiven Brandschutz:
Die tragenden und aussteifenden Bauteile müssen gem. BauO NRW der
Feuerwiderstandsklasse fb feuerbeständig (F90) entsprechen (Gebäudeklasse Sonderbau).
Anforderungen an die Erdbebensicherheit:
Endenich befindet sich in der Erdbebenzone 1. Die geplanten Anbauten müssen deshalb,
gemäß DIN 4149, für die entsprechenden Erdbebeneinwirkungen bemessen und ausgesteift
werden.
Anforderungen an den Wärmeschutz
Die Bestandsunterlagen des Gebäudes liegen vor und wurden gesichtet.
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Altbau in massiver Bauweise aus
Ziegelmauerwerk, der bisher als unbeheizter Lagerraum genutzt wurde sowie einen
geplanten Anbau in massiver Bauwei-se. Das Gebäude unterliegt den Anforderungen des
GEG und des Schallschutzes nach DIN 4109.
Das Bestandsgebäude wird erstmals beheizt, es unterliegt daher dem
Gebäudeenergiegesetz in aktueller Fassung.
Die komplette Gebäudehülle muss entsprechend ertüchtigt werden. Die Beheizung hat
überwie-gend über regenerative Energie zu erfolgen.
Das Dach soll durch eine entsprechende Zwischensparrendämmung und Aufdachdämmung
ertüch-tigt werden. Da die Bodenplatte tiefer gelegt werden soll ist hier ebenfalls ein
entsprechender Auf-bau nach Neubaustandard möglich.
Die Bestandswände sowie i.T. die Bestandsfenster sollen auf Grund der historischen
Bedeutung des Gebäudes überwiegend in Ihrer Bestandsoberfläche außen wie innen
erhalten bleiben. Eine Befreiung von den Anforderungen des GEG ist daher zu stellen. Die
Anforderungen an den Mindestwärmeschutz sind zu beachten.
Die Beheizung kann z.B. über eine Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser) erfolgen.
Auf Grund des geringen Bedarfs an Warmwasser wird hierfür die Erwärmung durch
Durchlauferhitzer erfolgen.
Die Nutzung von PV-Elementen auf den Dachflächen zur Kompensation der Abweichung von
den Anforderungen des GEG ist zu prüfen.
Anforderungen an den Schallschutz
Für eigengenutzte Büroräume gelten die Empfehlung der VDI 2569. Die Nutzung wird in die
Schallschutzklasse B eingeordnet.
I. Mindestanforderung an den Luftschall
Einzelbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) R‘w = 37 dB
Mehrpersonenbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) R‘w = 32 dB
II. Mindestanforderung an den Trittschall
Einzelbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) L’n,w = 60 dB
Mehrpersonenbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) L’n,w = 60 dB
III. Mindestanforderung an den Schallschutz gegen Außenlärm
Das Gebäude liegt im Schallpegelbereich der Bundesautobahn 565. Der mittlere Schallpegel
des Außenlärms liegt zwischen 60 bis 64 dB und somit im Lärmpegelbereich 2.
Diese Lärmschutzklasse wird i.d.R. durch die Standardbauteile erfüllt.Seite 30 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
6|10
4 Technische Konzeption
Dipl.-Ing. Ingo Schäuble | TeamCon GmbH | Ingenieurbüro für Gebäudeplanungs- und
Beratungsleistungen
Heizung
Luft-Wärmepumpge zur Außenaufstellung, UG mit Heizkörperm, in EG und OG mit
Fußbodenheizung und Wandrohrheizung. Die Größe des Heizraumes ist ca. 5,60 x 3m
bestimmt.
Raumlufttechnik
Im UG ist eine Zu- und Abluftanlage vorgesehen, die einen Minimalluftwechsel
gewährleistet. Ein hochwirksamer Wärmetauscher reduziert eine Beheizung der Zuluft
erheblich, mit sichtbarer Montage an den Decken. Ausblasöffnungen in den
Treppenaufgang, Ansaugöffnungen als Haube im Bereich einer Sitzbank oder Hecke in der
Außenanlage. Für die Verwaltung ist keine Lüftung angedacht, da aufgrund der geringen
Personenbesetzung sowie des ruhigen Umfeldes nicht erforderlich, die Fenster können
geöffnet werden. Für die gesamte EG-Ausstellungsfläche ist eine Lüftungsnlage mit einem
4-Luftwechsel unterstellt. Die Anlage hat eine eigene Wärmepumpe für die Beheizung,
sowie eine Wärmerückgewinnung. Das Obergeschoss mit Saal und Seminarraum erhält eine
Lüftungsanlage. Die Geräte sind aufgrund der Personenbelegung auch mit einer
Grundkühlung ausgestattet. Alle Kanalführungen sind im Wesentlichen sichtbar. Für den
Server ist eine kleine Splitkälte mit 2kW angedacht.
Elektro-Starkstrom
Normale zweckmäßige Unterputzinstallation mit Beleuchtung. Die
Außenanlagenbeleuchtung, Piktogramme und Sicherheitsbeleuchtung sind vorgesehen,
ebenso wie der Blitzschutz.
Eine PV Anlage mit einer Leistung von ca. 10kW sowie zugehörigem Speicher sind
eingerechnet.
Elektro-Schwachstrom
Die Planung berücksichtigt Klingelanlage mit Kamera und Gegensprech, Telefonverkabelung
in die Verwaltung aber keine Telefonanlage, Behindertennotruf, Brandmeldeanlage
funkvernetzt ohne Feuerwehraufschaltung, EMA durch Bewegungsmelder innen,
Kameraüberwachung und Aufzeichnung für innen und außen, EDV-Verkabelung innerhalb der
Bereiche Verwaltung-Ausstellung-Seminar-Saal.
Fördertechnik
Maschinenloser und behindertengerechter Standardaufzug mit 3 Haltestellen, Notruf,
Schachtbelüftung
Sanitär
Sanitärbereiche werden mit guter, zweckmäßiger Keramik ausgestattet.
Warmwasserbereitung erfolgt per elektrischem Speicher bzw. Durchlauferhitzer. Küchen
bzw Spülen erhalten nur KW+SW Anschluss keine Geräte, eine Hebeanlage ist vorgesehen.
Im Kellerbereich sind 20 m Grundleitung eingeplant.Seite 31 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
7|10
5 Ersteinschätzung für den Brandschutz
Dipl.-Ing. Jürgen Esch | b- i -b Beratender Ingenieur für das Bauwesen
Ein derzeit nicht genutzter Anbau des ehemaligen Kloster Maria Hilf soll als Gedenkstätte/
Dokumentationszentrum hergerichtet werden. Die Räumlichkeiten wurden ab 1941 durch
die Bonner NS-Behörden als Ghettolager genutzt und weisen seither einen nahezu
unveränderten Zustand auf. Der Erhalt der bestehenden Bausubstanz ist daher von
erheblicher Bedeutung und soll prägend für die architektonische Gestaltung des
Dokumentationszentrums sein.
Laut dem vorliegenden Planungskonzept soll vor dem Bestandsbau eine Unterkellerung
vorgesehen werden, die beiden bestehenden Geschosse, Erd- und Dachgeschoss, werden
als Dokumentationszentrum hergerichtet. Das Nutzungskonzept umfasst laut dem
vorliegenden Planstand vom 19.04.2024 einen Vortragssaal, einen mehrere Räume
umfassenden Ausstellungsbereich, einen Seminarraum, einen Gedenkraum sowie die für
den Betrieb der Nutzung erforderlichen Räumlichkeiten der Verwaltung, ergänzt durch eine
Bibliothek. Die Ausstellung ist als Rundgang konzipiert. Das Gebäude wird über die Straße
Zur Marterkapelle erschlossen. Nach Osten hin schließt sich die Bebauung des ehern.
Klosters an, bauliche Übergänge zwischen dem ehem. Kloster und der Gedenkstätte sind
laut Planstand nicht vorgesehen. Aufgrund der somit gegebenen baulichen Eigenständigkeit
der Gebäude und wegen der gegebenen brandschutztechnischen Trennung zwischen dem
ehern. Kloster und der Gedenkstätte ergibt sich für diese eine Einstufung in die
Gebäudeklasse 3 nach der Bauordnung NRW. Diese Einstufung lässt aus der Sicht des
Brandschutzes die Verwendung der baulichen Substanz in nahezu unveränderter Form zu.
Flächen der Geschosse werden aus der Sicht des Brandschutzes als so genannte
Nutzungseinheiten vorgesehen, was eine Flexibilität beim Einrichtungskonzept und der
Auslegung der Baustoffe zulässt. Es wird davon ausgegangen, dass das Nutzungskonzept
eine gleichzeitige Anwesenheit von mehr als 200 Personen nicht vorsieht, die
Auslöseschwelle zur Anwendung der Versammlungsstättenverordnung
(Sonderbauverordnung NRW, Teil 1) demnach nicht erreicht wird.
Die Rettungswege der Gedenkstätte werden laut dem Plankonzept und auf der Grundlage
erfolgter Vorabstimmungen für den Brandschutz ausschließlich baulich sichergestellt.
Aufgrund der besonderen Art der baulichen Nutzung und da von überwiegend ortskundigen
Besuchern auszugehen ist, ist als anlagentechnischer Brandschutz eine Brandwarnanlage,
als intern wirkende Schutzeinrichtung, erforderlich. Aus dem Gebäude führende
Rettungswege sind mit elektrisch betriebenen Kennzeichnungen darzustellen.
Die an der Westseite der Liegenschaft bestehende und in den Innenbereich der
Liegenschaft führende Feuerwehrzufahrt wird durch die geplante Maßnahme nicht
verändert, es ergeben sich hierzu keine weitergehenden Anforderungen.
Die vorliegenden Angaben stellen eine Ersteinschätzung für den Brandschutz dar. Die
Vereinbarkeit der geplanten Maßnahme laut dem vorliegenden Planstand mit den
Anforderungen der Bauordnung NRW kann bereits jetzt bestätigt werden. Das Gebäude gilt
im baurechtlichen Sinne als kleiner Sonderbau, für den im aufgrund der Nutzungsänderung
erforderlichen Genehmigungsverfahren auf der Grundlage der Bauordnung NRW zunächst
kein Brandschutznachweis vorzulegen ist. Da es sich vorliegend um eine Nutzung handelt,
für die erhöhte Sicherheitsanforderungen zu unterstellen bzw. geboten sind, soll
abstimmungsgemäß zum Nachweis der Einhaltung der bauordnungsrechtlich gefassten
Schutzziele für den Brandschutz ein den baulichen, anlagentechnischen, abwehrenden und
den betrieblichen Brandschutz beachtendes so genanntes Brandschutzkonzept der
Genehmigungsbehörde vorgelegt werden.
Die Bearbeitung der Brandschutzkonzeption, mit einem textlichen Teil und zugehörigen
Planunterlagen, erfolgt in enger Abstimmung mit dem Entwurfsverfasser und den beteiligten
Fachingenieuren. Die Brandschutzkonzeption wird vor Einreichung bei der
Genehmigungsbehörde (Bauordnungsamt der Stadt Bonn) mit der Brandschutzdienststelle
der Stadt Bonn abgestimmt. Die vorliegende Stellungnahme dient lediglich als
Ersteinschätzung für den Brandschutz.Seite 32 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
8|10
6 Bau- und Planungskosten
Kostenschätzung - Aufstellung der Kosten nach DIN 276 Planungsphase Vorentwurf
Kostengruppen Nettokosten Kostengruppen Nettokosten
1. Ebene 2. Ebene Inhalt in € 1.
Ebene
2.
Ebene
Inhalt in €
100 Grundstück 0,00 500 Außenanlagen und Freiflächen 800.000,00
110 Grundstückswert 0,00 510 Erdbau 140.000,00
120 Grundstücksnebenkosten 0,00 520 Gründung, Unterbau 130.000,00
130 Rechte Dritter 0,00 530 Oberbau, Deckschichten 130.000,00
200 Vorbereitende Maßnahmen 70.000,00 540 Baukonstruktionen 145.000,00
210 Herrichten / Altlasten 20.000,00 550 Technische Anlagen 40.000,00
220 Öffentliche Erschließung 0,00 560 Einbauten in Außenanlagen und Freiflächen 70.000,00
230 Nichtöffentliche Erschließung 40.000,00 570 Vegetationsflächen 85.000,00
240 Ausgleichsmaßnahmen und -abgaben 0,00 580 Wasserflächen 0,00
250 Übergangsmaßnahmen 10.000,00 590 Sonstige Maßnahmen für Außenanlagen 60.000,00
300 Bauwerk - Baukonstruktion 3.250.000,00 600 Ausstattung und Kunstwerke 1.500.000,00
310 Baugrube / Erdbau 200.000,00 610 Allgemeine Ausstattung 230.000,00
320 Gründung, Unterbau (Unterfangung) 550.000,00 620 Besondere Ausstattung
(Ausstellungsbereich)
1.200.000,00
330 Außenwände 475.000,00 630 Informationstechnische Ausstattung 20.000,00
340 Innenwände 575.000,00 640 Künstlerische Ausstattung 50.000,00
350 Decken 800.000,00 690 Sonstige Ausstattung 0,00
360 Dächer 450.000,00 Summe reiner Baukosten netto 6.370.000,00
370 Infrastrukturanlagen 0,00 700 Baunebenkosten 1.280.000,00
380 Baukonstruktive Einbauten 0,00 710 Bauherrenaufgaben 80.000,00
390 Sonstige Maßnahmen für Baukonstruktionen 200.000,00 720 Vorbereitung der Objektplanung 200.000,00
400 Bauwerk - Technische Anlagen 750.000,00 730 Objektplanung 650.000,00
410 Abwasser-, Wasser-, Gasanlagen 70.000,00 740 Fachplanungen 250.000,00
420 Wärmeversorgungsanlagen 175.000,00 750 Künstlerische Leistungen 0,00
430 Raumlufttechnische Anlagen 145.000,00 760 Allgemeine Baunebenkosten, Gebühren 100.000,00
440 Elektrische Anlagen 220.000,00 790 Sonstige Baunebenkosten 0,00
450 Kommunikationsanlagen 70.000,00 Gesamtsumme netto 7.650.000,00
460 Förderanlagen 40.000,00 Mehrwertsteuer 19 % 1.453.500,00
470 Nutzungsspezifische und verfahrenst. Anlagen 30.000,00 Gesamtsumme brutto 9.103.500,00
480 Gebäude- und Anlagenautomation 0,00 gerundet 9.100.000,00Seite 33 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Projektbeschreibung
Stand 26.04.2024
9|10
7 Raumprgramm mit Flächenübersicht
Raumprogramm Gedenkstätte Bonn Endenich
Außenbereich 1855 qm
Außenanlagen Gedenkstätte 807 qm
Parkplatz Priesterseminar 1048 qm
Bildungsarbeit 74 qm
Material/ Stühle 15 qm
Seminarraum 59 qm
Dauerausstellung „Endenich ist…“ 251 qm
Auftaktraum Dauerausstellung 15 qm
Ausstellung 1 66 qm
Ausstellung 2 54 qm
Ausstellung 3 37 qm
Ausstellung 4 39 qm
Gedenkraum 41 qm
Dokumentation 59 qm
Archiv 18 qm
Bibliothek 28 qm
Registratur 13 qm
Eingangsbereich/Foyer 69 qm
Foyer 69 qm
Erschließung 124 qm
Flur UG 20 qm
Glasgang 28 qm
Treppe 1 EG (Treppenturm) 21 qm
Treppe 1 OG 21 qm
Treppe 1 UG 15 qm
Treppe 2 EG 11 qm
Treppe 2 OG 8 qm
Nebenräume 99 qm
Hausmeister 8 qm
Putzmittelraum 12 qm
Technik 27 qm
WC barrierefrei 6 qm
WC Damen 17 qm
WC Herren 17 qm
WC Mitarbeiter Umkleide - WC D 6 qm
WC Mitarbeiter Umkleide - WC H 6 qm
Verwaltung 125 qm
Abstell 3 qm
Büro Leitung Gedenkstätte 19 qm
Flur 11 qm
Pausenraum m. Teeküche 18 qm
Serverraum (im Stuhllager) 0 qm
Verwaltung Arbeitsplätze für 5 Mitarbeiter und 2 Praktikanten 74 qm
Zwischenarchiv 0 qm
Foyer Untergeschoss 41 qm
Foyer UG 25 qm
Garderobe 16 qm
Vorzone Saal und Seminarraum 17 qm
Foyer OG 17 qm
Multifunktionsraum 188 qm
Saal 188 qm
Gesamtfläche Gedenkstätte o. Außenanlagen 1046 qmSeite 34 von 110
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
architekten
waldorfplan + büro schweitzer
Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
103
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
M 1:7500
DATUM
PLANINHALT
Stadtkarte
PLAN-NR.
902/903/1009
055Seite 35 von 110
EUZBERGSTR.
KAPELLENSTR.
ZUR MARTERKAPELLE
PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR
PRIESTERSEMINAR
EHEMALIGES
KLOSTER MARIA HILF
PARKPLATZ
GEDENKSTÄTTE
ZUGANG GEDENKSTÄTTE
ZUFAHRT PRIESTERSEM.
147.31 m²
659.60 m²
536.12 m²
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DATUM
PLANINHALT
Lageplan
PLAN-NR.
104
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
M 1:400
901/902/903/1004/1012/3017
Teilungsgrenze
055Seite 36 von 110
- 0.25
- 0.80
- 0.70
- 0.05
+/- 0.00
(EG)
+/- 0.00
Pflanzfläche
Baum
Baum
Baum
- 0.10
+ 0.80
- 0.80
+ 0.80
+ 0.80
- 0.10
Rasen
Pflanzfläche
UG-Wand
Hecke
Hecke
Pflanzfläche
Mauer
Kies-/Splittbelag
Baum vorhanden
Rasen
Tor II
Sichtschutzzaun
Pflanzfläche
Baum
Baum
Großbaum
+ 0.20
Zufahrt
- 0.60
Pflanzfläche H bis 60 cmPflanzfläche H bis 60 cm
Tor I
Pflasterbelag III
Pflasterbelag III
Pflasterbelag II
Pflasterbelag II
Pflasterbelag I
- 0.80
Mauer
Sitzbank SitzbankSitzbank Baum
Besucher-Reflexion
Rasen
Sitzbank
Sitzbank
Pflanzfläche
+/- 0.00
Besucher-Sammelbereich
Pflasterbelag I
Pflanzfläche
N
Besucher-Eingang
Vorentwurf 04
Gesamtgelände
(M 1:)
Blattnr.: 2.4
Datum: 16.04.2024
Terramanus Landschaftsarchitektur
Dipl-Ing. Manuel Sauer
Landschaftsarchitekt BDLA
Paul-Kemp-Straße 7
53173 Bonn-Bad Godesberg
Fon: 0228.3681583
Fax: 0228.3681587
E-Mail: info@terramanus.de
www.terramanus.de
Gedenkstätte und
NS-Dokumentationszentrum
Bonn
Busstellplatz
und 20 Fahrradstellplätze
Verlassener, sitzhoher Mauerblock
mit 'zurückgelassenem'
Objekt (z. B. bronzene Blume)
und schemenhafter, gläserner
Menschen-Silhouetten
(ggf. Schattenumrisse im
Belag nachzeichen)
Objekt-Stelen-Reihe,
welche das
'Individuum' würdigt
mobile
Sitzhocker
für Nachbereitung
Objektkunst
nutzbar)
Sitzgelegenheit
(auch als
ZUR MARTERKAPELLE
PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR
KAPELLENSTR.
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Kapellenstr.48 jagdweg 5a
53115 Bonn 53115 Bonn
Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260
DATUM
PLANINHALT
Gesamtgelände
PLAN-NR.
122
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903/1007/1013
055Seite 37 von 110
A A
B B
C C
Bestandsgebäude 2
Bestandsgebäude 1
Neubau UG
Lift
TechnikTechnik
26.9 m²26.9 m²
PuMi
11.8 m²7.7 m²
Hausmeister
WC H
17.2 m²
WC
5.8 m²
Archiv
17.5 m²
Garderobe
16.1 m²
Flur
20.1 m²
WC D
17.2 m²
Treppe
15.2 m²
Foyer UG
24.6 m²
WC D Mitarb.
6.32 m2 WC H Mitarb.
6.32 m2
-4.00
23 STG
16.5/28.6
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DATUM
UG
PLAN-NR.
105
PROJEKT-NR. MASSTAB
M 1:100
19.04.2024
900/902/903/1101/1102/1103/1104
055Seite 38 von 110
A A
B B
C C
50
Lift 23 STG
15.7/28.6
GlasdachGlasgangGlasgang
27.5 m²27.5 m²
Treppe 1
21.2 m²
Auftakt
15.0 m²15.0 m²
Auftakt
5.10
19 STG
18.9/26.0
F30
Zur Marterkapelle
Grenze Erbpacht
Ausstellung 4
38.9 m²
Gedenkraum
41.0 m²
Bibliothek
27.9 m²
Registratur
13.3 m²
Leitung
19.0 m²
Flur
11.45 m2
Treppe 2
11.2 m²
Foyer
68.6 m²
Ausstellung 3
36.65 m2
Ausstellung 1
65.5 m²
Ausstellung 2
53.6 m²
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DATUM
PLANINHALT
EG
PLAN-NR.
106
PROJEKT-NR. MASSTAB
M 1:100
19.04.2024
8/900/902/903/1201/1206/1212
055Seite 39 von 110
Seite 40 von 110
-0.40
-3.80
-0.80
±0.00
+7.20
+7.59
-3.80
-0.80
-0.22
+3.48
Glasgang
+3.29
±0.00
+3.30
+3.60
+9.00
±0.00
+3.20
+3.60
+9.00
Schnitt C - CSchnitt B - B
±0.00
+3.60
+7.08
Schnitt A - A
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DATUM
PLANINHALT
Schnitte
PLAN-NR.
108
PROJEKT-NR. MASSTAB
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902/903/4000/4001
055Seite 41 von 110
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DATUM
Blick von Westen
PLAN-NR.
109
PROJEKT-NR. MASSTAB
19.04.2024
902/903
055Seite 42 von 110
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DATUM
Blick von Ostem
PLAN-NR.
110
PROJEKT-NR. MASSTAB
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902/903
055Seite 43 von 110
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DATUM
Saal 1
PLAN-NR.
111
PROJEKT-NR. MASSTAB
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902/903
055Seite 44 von 110
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DATUM
Saal 2
PLAN-NR.
112
PROJEKT-NR. MASSTAB
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902/903
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DATUM
PLANINHALT
Foyer
PLAN-NR.
113
PROJEKT-NR. MASSTAB
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902/903
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DATUM
PLANINHALT
Gedenkraum
PLAN-NR.
114
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DATUM
PLANINHALT
Eingang
PLAN-NR.
115
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DATUM
PLANINHALT
Turm
PLAN-NR.
116
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902/903
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DATUM
PLANINHALT
Garten
PLAN-NR.
117
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902/903
055Seite 50 von 110
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DATUM
PLANINHALT
Kleiner Speicher
PLAN-NR.
118
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DATUM
PLANINHALT
Großer Speicher
PLAN-NR.
119
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19.04.2024
902/903
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Konzept für die Dauerausstellung und die Bildungsarbeit
am historischen Ort der Gedenkstätte
in Bonn-Endenich
(Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Klosters Mariahilf, Kapellenstraße)Seite 53 von 110
2
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkungen........................................................................................... 4
1. Leitlinien des Ausstellungs- und Vermittlungskonzepts................... 6
2. Neue Dauerausstellung ........................................................................... 8
2.1. Historische Narration der Ausstellung ..................................................... 8
2.2. Ausstellungsarchitektur und -design am neuen Standort ...................... 10
2.3. Multimedia-Einsatz in der Ausstellung .................................................. 10
2.4. Außengelände ....................................................................................... 12
2.5. Themen der Ausstellung ........................................................................ 12
2.6 Stationen der Ausstellung ...................................................................... 13
2.6.1 „Endenich ist noch vielleicht das Ende nich“ (Felix Hausdorff) ............................. 13
– Ein Ghettolager im Westen .......................................................................................... 13
2.6.2 „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner Stadtgesellschaft
im Nationalsozialismus zwischen Alltag und Terror ....................................................... 16
2.6.3 Biografien ...............................................................................................................18
2.6.4 Gedenkraum ..........................................................................................................19
2.6.5 Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn und „Bonner Republik“ ...........20
3. Neuausrichtung der Bildungsarbeit .................................................... 23
3.1 Museumspädagogischer Ansatz für die Dauerausstellung ...................... 24
3.2. Neuausrichtung der Bildungsarbeit am historischen Standort............... 25
3.2.1. Ideengeschichtlicher Ansatz .................................................................................29
3.2.2. Gedächtnis der Dinge............................................................................................ 30
3.3. Grundlagen der Gedenkstättenpädagogik ............................................. 31
3.3.1. Gegenwartsbezug .................................................................................................32Seite 54 von 110
3
3.3.2 Biographisch-mikrohistorischer Ansatz
und zeithistorischer internationaler Kontext der NS-Verbrechen .................................33
3.3.3 Medien- und Quellenkritik .....................................................................................35
3.3.4. Arbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ............................................................ 37
3.3.5. Kooperationen und Zielgruppen ...........................................................................38
3.4. Gedenkstättenpädagogischer Ansatz in Endenich ................................. 42
3.4.1. Formate in der Gedenkstätte ...............................................................................43
3.4.2. Workshops, Rundgänge, Führungen, Sonderausstellungen.................................44
3.4.3 Veranstaltungsprogramm ......................................................................................47
3.4.4 Multimedialität ......................................................................................................48
3.4.5. Inklusive Pädagogik ............................................................................................... 49
3.4.6 Einbeziehung des Klostergebäudes, der Außenanlagen
und der näheren Umgebung........................................................................................... 50
3.4.7 Gedächtnis der Dinge............................................................................................. 51
3.4.9 Gedenkstättenfahrten ........................................................................................... 52
4. Personal .................................................................................................... 54
Literaturverzeichnis .................................................................................. 56Seite 55 von 110
4
Vorbemerkungen
Für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist der geplante Umzug an
einen historischen Standort der lange angestrebte Schritt für die zukünftige
institutionelle Arbeit. Mit dem Umzug erfolgen Modernisierung und Neugestaltung der
Dauerausstellung, die an die spezifischen Anforderungen des historischen Ortes
angepasst wird. Auch für die pädagogische Arbeit ergeben sich aus dem
Standortwechsel neue Potentiale und Herausforderungen. Das vorliegende Konzept
zeigt wesentliche Leitlinien einer Bildungsarbeit am Standort Endenich auf und
bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur Gestaltung der neuen Ausstellung am
historischen Ort sowie auf gegenwärtige und aktuelle Erfordernisse der politisch-
historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur. Durch die hier vorliegende
Verschriftlichung wird dokumentiert, wie Fragen der Gedenkstättenpädagogik im
Entwicklungsprozess der Dauerausstellung am historischen Ort kontinuierlich
mitgedacht und berücksichtigt werden.
Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden:
Mit dem neuen Standort wird ein historischer Ort bezogen, an dem Jüdinnen und
Juden interniert waren, wodurch ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen
Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gedenkstätte und
ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion zukommt. Sie muss den
Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des Standorts nahebringen und
erfahrbar machen.
Am Standort in Endenich wird eine nach neuesten Standards der
Gedenkstättenpädagogik konzipierte Ausstellung mit multimedialen Elementen
entstehen. Zudem wird das unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das
ehemalige Klostergelände in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen
Programme einbezogen, und so neue Räume geöffnet, die den historischen Ort
ganzheitlich erfahrbar machen. Der Ausstellung kommt dabei die Aufgabe zu, die
nationalsozialistische Vergangenheit und den Umgang mit ihr nach 1945
aufzuzeigen.Seite 56 von 110
5
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind seit ihrer Gründung in den
1980er-Jahren anerkannte Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen
Bildung. Seit 2021 existiert eine vollamtliche pädagogische Stelle im Stellenplan, die
eine noch engmaschigere pädagogische Betreuung und Fortentwicklung ermöglicht.
Als Basis für die zukünftige Bildungsarbeit kann auf mehr als 35 Jahre bestehende
Erfahrung in der praktischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen
werden. Dabei wird die Vermittlungsfunktion inhaltlich und standortbezogen
ausgebaut und das pädagogische Angebot neu aufgesetzt. Das vorliegende Konzept
dafür bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und erweitert das
Programm um digitale und inklusive Angebote. Sämtliche im Konzept entwickelten
Überlegungen und Angebote wurden und werden vor dem Hintergrund aktueller
Fachdebatten und im Austausch mit Expertinnen und Experten und Kolleginnen und
Kollegen anderer Gedenkstätten und universitärer Forschung entwickelt, evaluiert
und fortlaufend aktualisiert.
Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind auch am
neuen Standort Bildung, Information und Dokumentation. Grundpfeiler hierfür
sind eine moderne an neusten Standards ausgerichtete Ausstellung, eine profilierte
Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine interessierte Öffentlichkeit
und Fachpublikum.
Ergänzend zur Ausstellung soll ein Katalog erstellt werden.
Eine Fachbibliothek und die Archivbestände werden unter Berücksichtigung
moderner konservatorischer Standards zugänglich gemacht.
Im Folgenden wird zunächst das neue Ausstellungskonzept vorgestellt, dann die
darauf Bezug nehmende Neuausrichtung der Vermittlungsarbeit.Seite 57 von 110
6
1. Leitlinien des Ausstellungs- und
Vermittlungskonzepts
Die Leitlinien des Ausstellungs- und Vermittlungskonzepts basieren auf
langjährigen Forschungen und Erkenntnissen durch Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum, die in den im Vorfeld in Auftrag gegebenen Forschungs-
und Vorstudien dokumentiert sind.
Die Erforschung der Internierung von Jüdinnen und Juden im von der Gestapo
konfiszierten Kloster Endenich belegt, dass die „Lagergemeinschaft Kapellenstraße“
Strukturen eines Ghettolagers aufweist. Diese für Westdeutschland singuläre
Besonderheit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das den Standort Endenich zu einem
überregional bedeutenden historischen Ort macht, an dem Strukturen
nationalsozialistischer Politik und Verfolgung deutlich werden. Dadurch, dass die
Wirtschaftsgebäude des Klosterkomplexes noch weitestgehend in ihrem
ursprünglichen Bauzustand erhalten sind, und das Hauptgebäude nahezu
originalgetreu wiederaufgebaut wurde, handelt es sich um einen „authentischen“
Erinnerungsort, der vielfältige Bezüge zur Situation der Menschen ermöglicht, die
dort 1941/42 im Ghettolager waren und eine nachhaltige Antwort auf die
Standortfrage der Gedenkstätte gibt.
Das Ghettolager war Teil des Mordprozesses, den die nationalsozialistische Politik
gegenüber den deutschen und europäischen Jüdinnen und Juden in Gang setzte.1
Damit ist es ein einzigartiges Zeugnis der Zeit, das die antisemitische Ideologie der
Nationalsozialisten verortbar macht. Dies zu thematisieren und einer breiten
Öffentlichkeit nahe zu bringen, ist zentraler Auftrag am neuen Standort.
Opfer- und Täterperspektive treffen an diesem historischen Ort zusammen. Sie
geben die Leitlinie dafür vor, sich mit den Prozessen von Inklusion (Einbindung der
„völkisch“ als zugehörig definierten Bevölkerung in die „Volksgemeinschaft“) und
Exklusion (Ausschluss der so genannten „Gemeinschaftsfremden“) aus der
1 Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Frankfurt am Main 2023; zu Raul Hilbergs
Bedeutung siehe René Schlott (Hrsg.): Raul Hilberg und die Holocaust-Historiographie, Göttingen
2019 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus; 35).Seite 58 von 110
7
Gemeinschaft der „Volksgenossen“ der NS-Politik zu beschäftigen.2
Die spezifischen Vorgänge in der Bonner Stadtgesellschaft als exemplarisches
Beispiel einer mittleren deutschen Universitätsstadt im Nationalsozialismus
verdeutlichen dabei die ganze nationalsozialistische Politik.
Erinnerungskultur und -politik werden durch den zivilgesellschaftlich und
wissenschaftlich geführten Täter- und Opferdiskurs geprägt und haben im Laufe der
Jahrzehnte verschiedene Entwicklungsstufen erfahren. Die Aufarbeitung des
Zusammenhangs zwischen Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in der
Bundeshauptstadt Bonn ist vor diesem Hintergrund selbst historisches Thema. Bonn
nahm in seiner Hauptstadtfunktion als Sitz verschiedener Regierungen
jahrzehntelang eine entscheidende und prägende Rolle in bundesweiten
erinnerungspolitischen Diskussionen ein, ohne dass bislang in angemessenem Maße
Fragen nach der Verschränkung von nationalen und lokalen Erinnerungsdiskursen
und -praktiken in den Fokus genommen und beantwortet wurden.
Die oben genannten Leitlinien bestimmen die Einzelelemente der neuen Ausstellung
und wirken auf die Themen und die Darstellungsweise ein. Sie werden zudem die
museums- und gedenkstättenpädagogische Bildungsarbeit nachhaltig bestimmen.
Daher sind sie stets im Fokus zu behalten und mitzudenken.
2 Detlev K. Peukert: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und
Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus. Bund-Verlag, Köln 1982; zu Detlev K. Peukerts
historiographischer Bedeutung siehe Rüdiger Hachtmann/Sven Reichardt (Hrsg.): Detlev Peukert
und die NS-Forschung, Göttingen 2015 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus; 31).Seite 59 von 110
8
2. Neue Dauerausstellung
Die für den neuen Standort geplante Dauerausstellung wird auf der Basis moderner
und nachhaltiger Standards in der Ausstellungspraxis konzipiert. Sie wird begleitend
zum geplanten Umzug der Institution von Grund auf und in engem Austausch mit
dem Team der Gedenkstätte und externen Expertinnen und Experten entwickelt. Zur
Umsetzung des Ausstellungskonzepts sind die folgenden Elemente von besonderer
Bedeutung:
1. Historische Narration
2. Ausstellungsarchitektur und -design
3. Einsatz von Multimedia
4. Nutzung des Außengeländes
5. Einzelthemen und deren Inhalte
2.1. Historische Narration der Ausstellung
Bei der Entwicklung des historischen Erzählstrangs für die künftige Dauerausstellung
stehen Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor Herausforderungen, die
sich aus dem Zusammenführen der Institutionsgeschichte und den Anforderungen
und Potentialen des historischen Ortes ergeben. Seit ihrer Gründung verstehen sich
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum als Erinnerungs- und
Dokumentationsort für alle Verfolgte des Nationalsozialismus. Eine Fokussierung der
neuen Ausstellung allein auf den historischen Ort bzw. die Verfolgung von Jüdinnen
und Juden ist daher weder wünschenswert, noch würde es der Verantwortung der
Institution gegenüber Angehörigen und Vertreterinnen und Vertretern anderer
Verfolgtengruppen gerecht werden. Zugleich fordert der historische Ort einen
stärkeren Fokus als bislang auf den insgesamt bedeutenden Abschnitt der
Verfolgungsgeschichte. Mit Blick auf die für heutige Standards unabdingbare
Erweiterung der Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und „Zuschauer“ gilt es,Seite 60 von 110
9
diese verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für Besuchende
nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen.
Erreicht werden soll dies, indem die Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche
Wirklichkeiten im NS-Staat kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen
Ideenwelten und Propaganda den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und
Verfolgung sowie den gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen
Deutschland gegenüberzustellen. Dieses Motiv soll sich als roter Faden durch die
verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen.
So zeigt sich die verschleiernde Sprache der nationalsozialistischen Ideologie
beispielhaft in der Bezeichnung des Ghettolagers als „Lagergemeinschaft“. Ebenso
deutlich wird der Kontrast in der von Ein- und Ausschließungen und beschönigenden
Bildern von Täterorganisationen geprägten scheinbaren „Volksgemeinschaft“, auch
in der Stadt Bonn. Immer wieder kann so in der Ausstellung den Versprechungen
nationalsozialistischer Politik die historische Realität gegenübergestellt werden. Es
soll ein Nachdenken der Besuchenden darüber angeregt werden, welche Folgen
diese vermeintlichen Idealbilder und beschönigende Sprache des
Nationalsozialismus konkret für die Menschen hatten und wie solche Ideenwelten
genutzt wurden, um Macht zu erlangen und zu erhalten.
Zudem zeigt eine Gegenüberstellung von Anspruch und historischer Wirklichkeit in
einem Ausstellungsbereich zur Nachkriegszeit den Weg von Vergangenheitspolitik
zu Erinnerungskultur und darin Bonn, auch in der Rolle als Bundeshauptstadt.
Gedankenbildern einer vermeintlichen Übersättigung der Erinnerung wird der
unsensible Umgang mit zeithistorisch bedeutsamen Orten, das lange Fehlen einer
zentralen Erinnerungsstätte und die Einbindung von Täterinnen und Tätern des
Nationalsozialismus in Behörden und Ministerien Bonns gegenübergestellt. Die
Ausstellung regt damit Fragen an, welche Rolle die Erinnerung gesellschaftlich in
Zukunft spielen kann und soll.
Die geläufige Unterscheidung von Opfern, Tätern und Mitläufern soll in der
Ausstellung problematisiert werden. Bis in die 1970er Jahre überwogen
Schuldabwicklung und Schuldabwehr, die sich bei den Deutschen auch in einer
Selbst-Stilisierung zu Opfern zeigte. Tatsächlich war die Nachkriegsgesellschaft vor
allem eine Täter- und Mitläufergemeinschaft. Der gesellschaftliche Ausschluss vielerSeite 61 von 110
10
Verfolgtengruppen blieb weitgehend bestehen. Der Kampf Überlebender und
Angehöriger um die offizielle Anerkennung als Opfer währte teilweise bis in die
2000er Jahre.
2.2. Ausstellungsarchitektur und –design
am neuen Standort
Für die bauliche Ertüchtigung und Vorbereitung der Gebäudeteile für Gedenkstätte
und NS-Dokumentationszentrum am historischen Ort und die vorbereitende Planung
der Räume für ihre Nutzungen als Ausstellungsräume, Bildungs- und
Veranstaltungsräume, Büros, Funktionsräume, Foyer, Bibliothek, sanitäre
Einrichtungen wurde parallel ein Architektenbüro beauftragt. Siehe beiliegende
Unterlagen des Architektenbüros Waldorfplan.
Für die Umsetzung des Ausstellungsdesigns, innenarchitektonischer Einbauten und
Ausstellungsmöbel wird ein Gestaltungsbüro mit Erfahrung im Gedenkstättenbereich
beauftragt, das auf Grundlage der inhaltlichen Vorgaben des Teams konkrete
Vorschläge erarbeitet und für die baulich vorbereiteten Räume realisiert.
2.3. Multimedia-Einsatz in der Ausstellung
Der Einsatz von Medien in der Dauerausstellung soll einzelne multimediale Elemente
innerhalb der Ausstellung umfassen und einen mobilen Medien-Guide. Dieser ist
sowohl stationär und ausleihbar als auch in einer App-basierten Lösung im Sinne von
„Bring Your Own Device“ möglich.
Für die Ausstellung und ihre pädagogisch-didaktische Erschließung bietet ein
Medien-Guide die Vorteile, Texte in der Ausstellung kurz zu halten: Eine erste
Textebene führt mit maximal 20 Zeilen Länge ein. Weitergehende Informationen und
grundlegende, komplexe Zusammenhänge sind über verschiedene vertiefendeSeite 62 von 110
11
Ebenen des Medien-Guides möglich. Mit Fotos, Videos oder Objekten werden
Ausstellungseinheiten realisierbar, die auf Text verzichten und zu einem Thema
hinleiten, das dann über den Medien-Guide vertieft werden kann.
Ein Medien-Guide ermöglicht es Gruppen und Einzelbesucherinnen und -besuchern,
sich selbstständig die Ausstellung zu erschließen. Für diesen Zweck können
thematische Routen durch die Ausstellung programmiert werden und freie
Vermittlungsformate, die sich speziell an den Interessen der Teilnehmenden
orientieren. Auch können so Inhalte fortlaufend ergänzt und aktuell aufbereitet zur
Verfügung gestellt werden. Vor dem Hintergrund sich wandelnder Sehgewohnheiten
und Aufmerksamkeitsspannen kann ein Wechsel zwischen Bild-, Ton- und
Filmausschnitten die Nachhaltigkeit der Bildungsarbeit erhöhen. Auch in Bezug auf
Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus und auch beim Vermitteln von
Medienkompetenz sollen zudem Elemente der Gamification, etwa in Form von
Serious Games (Lernspiele, die Information und Bildung vermitteln), interaktiv in der
Bildungsarbeit eingesetzt werden.
Nicht zuletzt bietet der Medien-Guide entscheidende Potentiale im Bereich der
Inklusion. Angefangen bei einer konsequenten Mehrsprachigkeit, stellt der Guide
Materialien in einfacher Sprache bereit und bietet Zugänge für Menschen mit
Seheinschränkungen. Diese inklusiven Aspekte werden bereits bei der
Ausstellungsgestaltung berücksichtigt, indem etwa aufrufbare Nummern haptisch
gestaltet werden und die Bedienung des Guides barrierearm möglich ist.
Eine Systemlösung durch einen Anbieter von Ausstellungssoftware ist hier
notwendig. Auch muss ein professioneller Mediengestalter eingebunden werden.
Das Mediendesign muss in Kooperation mit dem Team der Gedenkstätte passend
zur Ausstellung entwickelt werden. Idealerweise sollten die Inhalte von den
Mitarbeitenden später einfach zu aktualisieren sein.Seite 63 von 110
12
2.4. Außengelände
Das Außengelände von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum soll in einem
noch zu bestimmenden Umfang genutzt werden. Denkbar sind Informationsstationen
wie Tafeln oder Stelen, die zum Beispiel über die Zwangsarbeit der Internierten
informieren. Der Außenbereich bietet auch Raum für künstlerische
Auseinandersetzungen mit den NS-Verbrechen an diesem Ort.
Wünschenswert ist der Zugang bei bestimmten Anlässen zu einer exemplarischen
Klosterzelle, in der die Ghettobewohner 1941/42 zum Teil zwangsuntergebracht
waren. Die langgezogene Mauer an der Zugangsstraße zur zukünftigen
Gedenkstätte kommt für eine Nutzung in Frage.
Geplant ist hier oder im Eingangsbereich der Gedenkstätte ein dreidimensionales
ggf. wetterfestes Tastmodell des gesamten Gebäudekomplexes. Dies bringt
Besucherinnen und Besuchern den Ort plastisch näher und bietet nicht allein
Menschen mit Seheinschränkungen eine Hilfe beim eigenständigen Erfassen des
weitläufigen ehemaligen Klostergeländes.
2.5. Themen der Ausstellung
Folgende Themen strukturieren die Ausstellung und bilden den Erzählstrang für die
einzelnen Inhalte:
1. Ghettolager Endenich - Vorgeschichte des Klosters, planmäßige
Aufhebung von Klöstern im Nationalsozialismus, Stationen der
nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: Definition, Enteignung,
Ausschluss und Konzentration (nach Raul Hilberg), Situation im
Ghettolager, Deportation, Ermordung
2. Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus
3. Biografien – Lebenswege – Mikrogeschichte und FallrekonstruktionSeite 64 von 110
13
4. Vergangenheitspolitik – Entwicklungen in der Nachkriegsgesellschaft und
Umgang mit den nationalsozialistischen Verbrechen
5. Raum des Gedenkens
Die Zuordnung der vorhandenen Räume ist entworfen, muss aber auf Grundlage der
Ergebnisse der Fachplaner und der Möglichkeiten der baulichen Umsetzung noch
endgültig festgelegt werden. Die Ausstellung wird barrierefrei, ohne dass die
grundlegende thematische Gliederung der Räume dabei berührt wird. Eine Skizze
und ein Drehbuch für die praktische inhaltliche Umsetzung, in denen der Platzbedarf,
die räumlichen Möglichkeiten und baulichen Beschränkungen berücksichtigt sind,
liegt vor.
2.6 Stationen der Ausstellung
2.6.1 „Endenich ist noch vielleicht das Ende nich“ (Felix Hausdorff)
– Ein Ghettolager im Westen
Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Ortes ist, dass 1941 mit der euphemistisch
bezeichneten „Lagergemeinschaft“ ein beschlagnahmtes Kloster (historischer
Hintergrund: nationalsozialistischer „Klostersturm“) zu einem Ghettolager als
nationalsozialistischem Zwangslager umfunktioniert wurde. Die bauliche Struktur des
Klosters mit gemeinschaftlichen Räumen und den Zellen zur Unterbringung von
jüdischen Familien und Personengruppen am Rande der Stadt ließen es der
Gestapo als Lager geeignet erscheinen. Von einem „Ghettolager im Westen“ spricht
die Gedenkstätte Bonn aufgrund von gemeinsamen Strukturmerkmalen mit
Ghettolagern wie sie die Deutschen unter anderem im besetzten Polen für die
jüdische Bevölkerung betrieben. Diesen Ghettos kam zur Durchführung des
Holocaust eine zentrale Bedeutung als eine Station zur Vernichtung zu. Anders als in
der überwiegenden Zahl der Deportationslager auf deutschem Boden, wo der
Verbleib der Menschen sich auf wenige Tage oder Wochen belief, betrug dieser in
Endenich bis zu einem Jahr.Seite 65 von 110
14
Das Lager diente der Zusammenlegung und Isolation der noch in Bonn und der
näheren Umgebung lebenden Jüdinnen und Juden, um diese aus dem Stadtbild und
der Stadtgesellschaft auszuschließen. Dieser Aspekt der „Konzentration“ ist ein
entscheidender Schritt im Hilbergschen Modell des nationalsozialistischen
Verfolgungsprozesses, wie er in deutschen Städten und im von Deutschland
besetzten Europa immer wieder so oder in ähnlicher Form von den Machthabern
bzw. Besatzern durchgeführt wurde: Auf die Definition, wer unter die rassistische
Zuschreibung „Jüdinnen und Juden“ fiel, folgte die wirtschaftliche Ausbeutung und
Enteignung, ihre Zusammenlegung in „Judenhäusern“ (Ghettohäusern), Sammel-
und Ghettolagern, die Deportation und Ermordung. Diese Vorgänge und der Alltag im
Ghettolager werden zu Beginn der Ausstellung dargestellt, um die Dimension der
Verfolgung und damit die Bedeutung des Ortes einzuordnen.
Einzelne Biografien der etwa 480 im Ghettolager Internierten sollen in diesem Raum
exemplarisch auf Schaustelen vorgestellt werden. Hierbei ist der jeweilige
Deportationsweg von Theresienstadt zu anderen Lagern, oder direkt zu den
Vernichtungsstätten nach Majdanek, Sobibor und Malyj Trostenez darzustellen.
Ergänzend wird die Hausliste digital zur Verfügung gestellt. Die Liste wurde 1963
erstmals ediert und durch die Gedenkstätte weiter beforscht. Diese kann hier im
Original bzw. transkribiert eingesehen werden und ist mit der biographischen
Datenbank im Gedenkraum verknüpft.
Die Inhaltliche Darstellung beginnt am Ausgangspunkt der Geschichte des
Klosters. Dabei wird ab 1941 auf die vormalige Visitation der Gestapo 1938 sowie
auf einige Resistenz der Ordensschwestern und ihrer Priorin eingegangen. Zentral ist
dabei der „Klostersturm“ im Rheinland, die Beschlagnahme und Enteignung 1941
und die Reaktion und Beteiligung des Ordens der Benediktinerinnen und der
katholischen Kirche – z. B. der Empfang von Mietzahlungen und Entschädigung.
Außerdem wird auf die Nutzung des konfiszierten Gebäudes als Richtfunkstation der
Wehrmacht nach der letzten Deportation der Gefangenen, die Zerstörung durch
alliierte Luftangriffe und den Wiederaufbau als Kloster eingegangen.
Die Geschichte dieses „Ghettolagers im Westen“ (1941/42) als eine Station der
Schoah und die Verfolgung der Juden im regionalen und lokalen Fall werden
rekonstruiert; Funktion und Struktur des Ghettolagers werden erklärt.Seite 66 von 110
15
Strukturmerkmale sind unter anderen die aufgezwungene Selbstverwaltung, die
kulturelle Selbstbehauptung und die Zwangsarbeit der Bewohnerinnen und
Bewohner. Hierzu werden die lokalen Wege der Zwangsarbeitenden in die Region
beschrieben und kartografisch dargestellt. Es sollen beispielhafte Arbeitsstellen
vorgestellt werden.
Wichtige Themen sind das Leben, die Gemeinschaft und die Beziehungen der im
Ghettolager internierten Bewohnerinnen und Bewohner zueinander:3 Die
Bedingungen im Ghettolager, Kontakte zur Außenwelt, die vereinzelt zeitweise
möglich waren, die kulturell-religiöse Praxis, die Ernährungssituation und Beschulung
und welche Auswirkungen das Lagerleben auf das Handeln und die Einstellungen
der Internierten hatte. Grundlage hierfür sind Briefe und andere Selbstzeugnisse, die
im Ghettolager oder während der folgenden Deportationen verfasst wurden.4
Weiterhin soll die demographische Zusammensetzung der Menschen im Ghettolager
nach Geschlecht, Altersstruktur, vorherigen Wohnorten und Beruf erfasst werden.
Besondere Berücksichtigung erfährt, welche Auswirkungen die demographischen
Merkmale auf die Zuordnung zu den verschiedenen Deportationen hatten und
welche Rückwirkungen diese auf die Gemeinschaft hatten.
Zentral sind die Vorbereitung und Durchführung der Deportationen im Oktober 1941
und im Juni und Juli 1942. Reaktionen der Internierten auf die anstehenden
Deportationen und deren Durchführung werden anhand überlieferter Briefe und
Aufzeichnungen geschildert: Abholung durch Kölner Polizei mit LKWs/Bussen,
Transporte zum Bahnhof Köln-Deutz ins dortige Messelager.
Ein Augenmerk gilt der Rekonstruktion der Bedingungen bei den Transporten. Die
Geschichte der Deportationsziele und der dort befindlichen Konzentrations- und
Vernichtungslager wird zugänglich gemacht.
3 Anna Hájková: The last Ghetto. An Everyday History of Theresienstadt, Oxford 2020 und
Menschen ohne Geschichte sind Staub: Homophobie und Holocaust, Göttingen 2021.
4 Zur Bedeutung solcher Zeugnisse siehe Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Die
Jahre der Verfolgung 1933–1939. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945, München 2006 und
Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch
das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945, Bd. 6 Deutsches Reich und Protektorat
Böhmen und Mähren Oktober 1941 – März 1943. Bearbeitet von Susanne Heim, Mitarbeit Maria
Wilke, siehe hier S. 381.Seite 67 von 110
16
Über Umlandbeziehungen wird die Außenbetrachtung des Lagers erschlossen: Was
wusste die Bonner bzw. Endenicher Bevölkerung vom Ghettolager Endenich?
Welche Beziehungen gab es zwischen dem Ghettolager und NS-Behörden und -
Verbänden, welche Wirtschaftsbeziehungen bestanden in die Stadt Bonn? Wie
wirkten Institutionen, Behörden, Unternehmen und Verbände am Ausschluss der
Jüdinnen und Juden aus der „Volksgemeinschaft“ mit? Wie reagierte die katholische
Kirche auf die Enteignung des Klosters?
2.6.2 „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner
Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus zwischen Alltag und
Terror
Der zweite Abschnitt der Ausstellung stellt die Bonner Stadtgesellschaft im
Nationalsozialismus vor. Dabei wird das Leben von Verfolgten, Täterinnen und
Tätern, Mitläuferinnen und Mitläufern und Zuschauern im nationalsozialistischen
Alltag in Bonn thematisiert.
Die Verfolgtengruppen werden nicht einzeln präsentiert – auch um eine scheinbare
Übernahme nationalsozialistischer Kategorien zu vermeiden –, sondern der Blick
wird erweitert auf die Gleichzeitigkeit und Verflochtenheit der Themen und
Biografien.
Um eine sinnvolle inhaltliche Erschließung zu ermöglichen, werden fünf
Themenkomplexe gebildet. Diese bieten jeweils Anknüpfungspunkte an individuelle
Kontexte der Verfolgung und an Aspekte der Alltagsgeschichte. Gewählt wurden die
Themen „Arbeit“, „Jugend“, „Freizeit“, „Beziehungen“ und „Gesundheit“. Innerhalb
dieser werden unterschiedliche Teilaspekte der Stadtgesellschaft und individuelle
biografische Erfahrungen thematisiert. Dabei werden nicht alle Unterthemen textlich
erscheinen, sondern manche durch Fotos oder Objekte präsentiert, um das Interesse
an der dahinterliegenden Geschichte zu wecken. Zur näheren Auseinandersetzung
und Kontextualisierung wird entsprechend auf den Medien-Guide verwiesen.
Im Sinne der Nachhaltigkeit wird die Ausstellungsarchitektur so gestaltet, dass
jederzeit Änderungen und Aktualisierungen möglich sind. So sollen hauptsächlich
modulare Lösungen gewählt werden, die es erlauben, neue Forschungsergebnisse
jederzeit zu ergänzen und umzugestalten. Auch ist für die Bildungsarbeit so dieSeite 68 von 110
17
Möglichkeit gegeben, auf Reflexionsprozesse innerhalb des Teams und unter
Teilnehmenden zu reagieren: Neue Erkenntnisse können einfach, zeitnah und
ressourcenschonend ergänzt werden.
Für die einzelnen Themen stehen zahlreiche familiäre Fallbeispiele aus Bonn und
der Region zur Verfügung, etwa aus den Bereichen Schoah, Zwangsarbeit, politische
oder religiöse Gegnerschaft, Kriegsgefangenschaft, Verfolgung von Sinti, Menschen
mit Krankheiten und Behinderungen oder soziale Randgruppen, die als „asozial“
diffamiert und verfolgt wurden, sowie zum Wirken von Kultur- und
Wissenschaftsinstitutionen, nationalsozialistischer Propaganda und
Jugendorganisationen. Durch die Gleichzeitigkeit der Geschehnisse wird
verdeutlicht, wie das nationalsozialistische System gesamtgesellschaftlich wirkte und
in sämtliche Bereiche des Alltags der Menschen eingriff. Gleichzeitig existierten
Ausgrenzung und Verfolgung und eine erhöhte individuelle Wirkmacht für
Unterstützende des Nationalsozialismus.
Mit Blick auf die oftmals rudimentären Vorkenntnisse von Teilnehmenden an
Bildungsformaten und Besucherinnen und Besuchern insgesamt, muss über
Nationalsozialismus und die Diktatur aufgeklärt werden: Ein ideologisches System,
das alle Menschen unter seiner Herrschaft – und darüber hinaus – direkt
beeinflusste. Über die einzelnen Motive wird daher niedrigschwellig an
verschiedenste Kontexte herangeführt, ohne dass vorab zwingend alle
Besonderheiten der Verfolgung bekannt sein müssen. Gleichzeitig bietet der Medien-
Guide zu den einzelnen Fallbeispielen vertiefende Inhalte in unterschiedlicher
Komplexität an.
Nicht zuletzt bieten sich hier für die pädagogische Arbeit Anknüpfungspunkte für die
weitergehende Beschäftigung. Alle fünf Motive betreffen Aspekte des Lebens, die für
viele Besucherinnen und Besucher auch Teil ihres alltäglichen Erlebens sind. Es fällt
somit leichter, konkrete Auswirkungen in verschiedensten Richtungen
nachzuvollziehen, einzuordnen und die wachsende zeitliche Distanz zu den
Verbrechen zu überbrücken. Gerade die Auswahl der Motive erlaubt es,
Gegenwartsbezüge herzustellen und die Konsequenzen von gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit und nationalsozialistischer Gesellschaftsbilder zu
verdeutlichen und zu hinterfragen.Seite 69 von 110
18
Zur Orientierung innerhalb dieses Raumes wird die Chronologie der NS-Zeit als
Zeitstrahl und/oder in digitaler Form dargestellt, die wichtige Ereignisse anzeigt und
mit Hilfe des Medien-Guides vertieft werden kann. Digitale thematische Karten der
Topografie des NS-Terrors werden die Verortung nationalsozialistischer und
gleichgeschalteter Institutionen in Bonn zeigen. Auf den Boden projiziert zeigen sie
auf mehreren Ebenen abrufbar, wie der Nationalsozialismus sich in Bonn etablierte,
aber auch wo von der Verfolgung betroffene Menschen lebten und es Widerstand
gab.
2.6.3 Biografien
Auch in diesem Themenkomplex wird es keine Einteilung in Verfolgtengruppen
geben, um eine Hierarchisierung und Wertung zu vermeiden. Vorgesehen ist die
Präsentation einzelner Lebenswege, die nebeneinander für den Ausschluss als
prägendes Element der NS-“Volksgemeinschaft“ stehen. Dafür können bspw.
großflächige Fotos in Wendepanelen mit kurzen biografischen Texten auf der
Rückseite kombiniert werden. Mit Hilfe einer Medienstation oder des Medien-Guides
werden weitere Lebensläufe bspw. der Familienmitglieder ergänzt, um so eine
größere Anzahl von Biografien zugänglich zu machen und ein komplexes Bild der
Verfolgungssituation zu verdeutlichen. Dies ermöglicht eine individuelle
Auseinandersetzung der Besuchenden mit der nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft und den Folgen für einzelne Personen und deren Familien. Eine
Verknüpfung mit der biographischen Datenbank im Gedenkraum ist auch hier
sinnvoll.
Weitere vertiefende und systematische Informationen zu Besonderheiten der
Verfolgung von Sinti und Roma, Homosexuellen, Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeitern und anderen lassen sich über den Medien-Guide, multimediale
Elemente oder ausziehbare Schubladen oder Paneele vertiefen.
In die inhaltliche Darstellung werden bspw. oppositionelle Einstellungen (politisch,
kirchlich, weltanschaulich) und unangepasstes Verhalten, Homosexualität, die
Stigmatisierung als „asozial“, die rassistische Verfolgung, sogenannte
„Rheinlandbastarde“, die Abwertung von Menschen mit psychischen Krankheiten und
Behinderungen, aber auch Beispiele von Menschen, die den NationalsozialismusSeite 70 von 110
19
gebilligt oder aus Überzeugung unterstützt haben, aufgenommen. Hier ist eine
Vielfalt verschiedener Lebenswege vorgesehen, die Anknüpfungspunkte für die
Besuchenden bieten.
2.6.4 Gedenkraum
Der bisherige Gedenkraum wird in die neue Dauerausstellung aufgenommen. Jeder
ermordete Mensch ist gegenwärtig durch einen schwarzen Bilderrahmen
repräsentiert; verzeichnet sind jeweils Namen und Lebensdaten, wo möglich ist ein
Bild integriert, sofern es die Überlieferung erlaubt.
Die Bilderrahmen für die Opfer sind in alphabetischer Reihenfolge sortiert. Bei
Bekanntwerden neuer Opfer wurden diese am Ende ergänzt; nach einer gewissen
Zeit war jedoch eine aufwändige Neusortierung der Rahmen notwendig. Daher wird
in Endenich eine leichter zu aktualisierende Lösung angestrebt.
Im Gedenkraum steht eine biographische Datenbank zur Verfügung. Diese ebnet
den Weg zu einer modernen digitalen Darbietung und einer Informationsverknüpfung
zwischen den Ausstellungsräumen. Auch von außerhalb der Gedenkstätte kann über
einen Online-Zugang auf die Informationen zugegriffen werden. Kurzbiografien
können sukzessive integriert werden und über die Lebensdaten hinaus eine
Auseinandersetzung mit den Menschen ermöglichen. Angehörige von NS-Verfolgten
können hier niedrigschwellig online Informationen zu den Verfolgten einsehen, die
durch einen Besuch des NS-Dokumentationszentrums oder eine Kontaktaufnahme
vertieft werden können.
Die Recherche und Erstellung einer solch umfangreichen Datenbank erfordert
personelle und zeitliche Ressourcen.
Die räumliche Platzierung des Gedenkraums im Rundgang der Dauerausstellung ist
noch nicht abschließend geklärt.Seite 71 von 110
20
2.6.5 Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn
und „Bonner Republik“
Der bundesrepublikanische Umgang mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus
und den Holocaust ist durch verschiedene Phasen gekennzeichnet. In den
Anfangsjahren der jungen Republik und noch bis in die ausgehenden sechziger
Jahre herrschte beredtes Beschweigen vor, verbunden mit verbreiteter
Schuldabwehr und -umkehr. Eine aktive Vergangenheitspolitik integrierte Belastete
und betrieb gleichzeitig eine normativ-institutionelle Abgrenzung von der NS-
Gesellschaft.5
In einem Ausstellungsteil wird die Bonner Stadtgesellschaft als Beispiel für die
Entwicklungen in der Nachkriegszeit gezeigt: von der Abwehr von Erinnerung und
Schuld hin zu einer kritischen Geschichtsbewegung, getragen von
bürgerschaftlichem Engagement.6
Durch die herausgehobene Stellung Bonns als Bundeshauptstadt mit Regierungssitz
erhielt deren Umgang mit der NS-Diktatur, deren Verbrechen und Opfern
überregionale Bedeutung. Hier lassen sich entscheidende Schritte auf dem Weg zu
einer Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen aufzeigen. Die
teilweise personelle Kontinuität aus der NS-Zeit in Politik und Behörden hatte
spezifische Auswirkungen auf die Erinnerungspolitik in der Stadt des
Regierungssitzes.7 Konflikte darum wurden immer wieder öffentlich sichtbar,
teilweise befördert durch Kampagnen der DDR.
Dem Schweigen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik folgte mit Abstand etwa
einer halben Generation nach Kriegsende erstmals eine breitere Diskussion. Deren
Träger waren vor allem die jüngeren Jahrgänge der im Krieg Geborenen und die
Nachkriegsgeneration sowie eine Vielzahl von Publizistinnen und Publizisten, die
5 Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit,
München, Auflage 2022; Jeffrey: Zweierlei Erinnerung, Die NS-Vergangenheit im geteilten
Deutschland, Berlin 1989; Die Verfolgung von NS-Tätern im geteilten Deutschland.
Vergangenheitsbewältigungen 1949–1969 oder: Eine deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte im
Kalten Krieg, Paderborn 2002.
6 Lutz Niethammer (Hrsg.): Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis der „Oral
History", Frankfurt am Main 1980; Hannes Heer und Volker Ullrich (Hrsg.): Geschichte entdecken,
Erfahrungen und Projekte der neuen Geschichtsbewegung, Reinbek bei Hamburg 1985.
7 Vgl. auch Jens-Jürgen Ventzki: Seine Schatten, meine Bilder. Eine Spurensuche, Innsbruck 2011.Seite 72 von 110
21
Jugendorganisationen der SPD und der Gewerkschaften, sowie zurückgekehrte
Intellektuelle. Dabei wurde die Haltung der Elterngeneration kritisch hinterfragt.
Vereinzelt erschienen nun auch in Bonn Arbeiten zur Verfolgung der jüdischen
Bevölkerung, in denen das Ghettolager erstmals wissenschaftlich Erwähnung fand.8
Parallel werteten Studierende aus dem Umfeld des SDS das „Braunbuch“ und
andere Publikationen aus der DDR aus und informierten in einem polemischen
„Führer durch das braune Bonn“ über Beamte in Ministerien und Behörden und
deren Vorgeschichte in Entscheidungspositionen des Nationalsozialismus.
In den ausgehenden 1970er-Jahren entstand unter dem Eindruck der Ausstrahlung
der US-Fernsehserie „Holocaust“ eine neue Bewegung, die „Geschichte von unten“,
die Alltags-Geschichte aus der Perspektive der Opfer antrieb. Daraus entwickelte
sich auch in Bonn ein bürgerschaftliches Engagement, das sich auf die Spurensuche
vor Ort machte. Nach dem bildhaften Motto des schwedischen Alltagshistorikers
Sven Lindqvist „Grabe, wo Du stehst“ suchte die neue Geschichtsbewegung nach
den Stätten des NS-Terrors vor Ort.9
Den Diskurs trugen Opferverbände, Geschichtswerkstätten und Einzelpersonen. Die
offizielle Aufarbeitung der Vergangenheit in den demokratischen
Verfassungsorganen und Regierungsinstitutionen der Bundesrepublik hingegen kam
erst in den zweieinhalb Jahrzehnten nach dem 40. Jahrestag der bedingungslosen
Kapitulation in Gang.
Ab den 1980er-Jahren wurde verstärkt über ein nationales Denkmal in Erinnerung an
die NS-Verbrechen diskutiert. Zur Diskussion stand zum Beispiel der Bonner
Nordfriedhof. Auch das Gedenken im Bundestag bedingte eine besondere Bonner
Relevanz in diesem Kontext.
8 Siehe Otto Neugebauer: Ein Dokument der jüdischen Bevölkerung Bonns und seiner Umgebung,
in: Bonner Geschichtsblätter Bd. 18, 1964, S. 158-229 zur Hausliste des Ghettolagers und ders.:
Der Pogrom vom 10. November 1938, in: Bonner Geschichtsblätter Bd. 19, 1965, S. 196-206 und
Edith Ennen und Dieter Höroldt: Vom Römerkastell zur Bundeshauptstadt. Kleine Geschichte der
Stadt Bonn, hrsg. von der Stadt Bonn, 1.-4. Aufl. 1966-1985.
9 Sven Lindqvist: Grabe wo du stehst. Handbuch zur Erforschung der eigenen Geschichte, Bonn
1989.Seite 73 von 110
22
Inhaltliche Darstellung:
In diesem Ausstellungsteil soll dargestellt werden, wann und wie in der
postnazistischen Bonner Gesellschaft die NS-Zeit thematisiert wurde. Besondere
Berücksichtigung erfährt dabei Bonn als Bundes(haupt-)stadt. Der Funktion als
Regierungssitz entsprang eine besondere Rolle Bonns bei der Integration ehemals
NS-Belasteter. Die teilweise personelle Kontinuität hatte Auswirkungen und schlug
sich auch in Konflikten um die Gedenk- und Erinnerungspolitik nieder.
Auf der anderen Seite steht das Gedenken durch die Bonner Stadtgesellschaft. Hier
wird die Institutionsgeschichte der Gedenkstätte und des NS-
Dokumentationszentrums Bonn darzustellen sein. Beides ging hervor aus dem
bürgerschaftlichen Engagement in den 1980ern und entzündete sich an symbolisch
aufgeladenen Konflikten um Stadtplanung und -entwicklung in der Bonner Baupolitik,
beispielsweise dem Streit um die Bebauung des ehemaligen Standortes der 1938
zerstörten Synagoge mit einem Hotel. Der 1984 gegründete Verein „An der
Synagoge e.V.“ war 37 Jahre lang war an verschiedenen Standorten Träger der
Gedenkstätte und ihrer wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeit. Zahlreiche
zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine und Intuitionen waren Mitglied im
Trägerverein und unterstützten die Gründung und Arbeit. Mit dem Umzug nach
Endenich wird endlich ein angemessener Rahmen am historischen Ort für die
Erinnerung geschaffen.
Auch die Reaktionen Überlebender auf den Umgang mit der NS-Zeit, die Integration
von DPs und Vertriebenen sollen gezeigt werden. Ihre Selbstorganisation, die
aufgrund ausbleibender gesellschaftlicher Anerkennung und Bereitschaft zur
Entschädigung notwendig wurde, wird aufgezeigt und gewürdigt. Die sukzessive
Öffnung von Gesprächsmöglichkeiten wie den von 1980 bis 2013 durchgeführten
„Begegnungswochen“ der Stadt mit überlebenden bzw. ins Exil geflohenen Jüdinnen
und Juden wird vorgestellt. Und es wird gezeigt, was die Arbeit der Gedenkstätte und
das Erinnern für die Nachkommen von Verfolgten bedeuten.Seite 74 von 110
23
3. Neuausrichtung der Bildungsarbeit
Zahlreiche weiterführende Schulen und andere Gruppen nehmen pädagogische
Angebote der Gedenkstätte wahr. Der historische Ort wird und soll stärker als bisher
national und international Aufmerksamkeit erfahren und die Bedeutung der
Gedenkstätte erweitern. Damit muss sich die Bildungsarbeit am historischen
Standort in Endenich neuen Chancen und Herausforderungen stellen:
Bildungsformate müssen ergänzt und neue Formate entwickelt werden. Historisch
authentische Orte erzeugen großes Interesse, das es zu nutzen gilt.
Eine neue Dauerausstellung mit eigenständigem museumspädagogischem Ansatz
wird erarbeitet. Die gedenkstättenpädagogische Bildungsarbeit ist für den
Standort, dessen Umfeld sowie Stadt und Region neu zu gestalten. Der authentische
historische Ort als wirkmächtiges Potential - das „Gedächtnis des Ortes“ – legt die
Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Verortung der NS-Verbrechen nahe, die
gerade auch für die pädagogische Arbeit wertvoll ist. Diese Erfahrung wird nutzbar
durch Bezüge zum Ghettolager und seiner Geschichte in der Bildungsarbeit: sowohl
in der Ausstellung als auch in bestehenden und neu zu entwickelnden
Bildungsformaten.
Das Interesse und die Identifikation von Einwohnerinnen und Einwohnern, Schulen
und Vereinen an der Geschichte ihrer Stadtteile wird mit Formaten aufgegriffen, die
ihnen die Situation der Menschen während der NS-Zeit vermitteln und Teilnehmende
einladen, vor Ort auf Spurensuche zu gehen.
In der Gedenkstätte und deren unmittelbarem Umfeld - Klostergebäude und
Außenanlagen – sowie im Innenstadtgebiet und in den Stadtteilen wird so ermöglicht,
die Topographie des Terrors im eigenen Lebensumfeld kennenzulernen.Seite 75 von 110
24
3.1 Museumspädagogischer Ansatz für die
Dauerausstellung
Die Dauerausstellung wird aus museumspädagogischer Sicht modernisiert.
Lesegewohnheiten haben sich insbesondere in den jüngeren Zielgruppen verändert.
Einführende Ausstellungstexte sind auf 10-15 Zeilen in hervorgehobener
Schriftgröße ausgerichtet und geben auf dieser ersten Ebene Informationen zur
Einordnung und zum Verständnis der Themen. Bilder und Exponate erhalten
Bildunterschriften und Quellenangaben; Urkunden werden ggf. transkribiert und
zusammengefasst angezeigt.
Zugleich werden vertiefende Informationen angeboten, bei denen die Besucherinnen
und Besucher entscheiden, ob und in welcher Tiefe (Umfang) sie sie nutzen
möchten. Module nach dem Schubladenprinzip als innenarchitektonisches
Gestaltungselement, ergänzt durch den Medien-Guide, sollen die Neugier der
Besucherinnen und Besucher wecken und eine zielführende Informationsvermittlung
ermöglichen. Von der Fokussierung auf leicht verständliche Texte auf der ersten
Bildebene profitieren dabei auch, aber längst nicht allein, inklusive Zielgruppen.
Die vertiefenden Angebote im Medien-Guide werden mehrere Ebenen und
verschiedene Verknüpfungen enthalten und interaktives, exploratives und
spielerisches Lernen ermöglichen. Das Ausweichen auf eine zweite, mediale Ebene
dient dabei nicht primär als Erweiterung der textlichen Vermittlungsebene, sondern
birgt multimediale Potentiale. Gemäß üblichem Standard werden alle Texte
mindestens zweisprachig auf Deutsch und Englisch verfügbar sein. Dies ist aufgrund
der globalen Dimension der vermittelten Inhalte und den Besuchenden aus aller Welt
geboten.
Dadurch dass verschiedene, durchaus auch ambivalente Lebensläufe in der
Ausstellung vorgestellt werden, entsteht bewusst eine Multiperspektivität. Durch die
individuellen Lebensläufe wird die Unmittelbarkeit der historischen Realität trotz
wachsenden zeitlichen Abstands gewahrt. Zeitgleich leistet der Ansatz einen
wichtigen Beitrag zur immanenten Erinnerungsfunktion des Ortes. In den
betreffenden Ausstellungsteilen werden Zeit- und Selbstzeugnisse und Quellen viaSeite 76 von 110
25
Medien-Guide abrufbar sein. Diese bilden auch Anknüpfungspunkte für internationale
Besucherinnen und Besucher, die einen familiären Bezug zu Bonn haben.
Die Gestaltung wird durch professionelles modernes Ausstellungsdesign auf heutige
Sehgewohnheiten und Mediennutzung angepasst. Für Teilnehmende der
Bildungsprogramme und einzelne Besuchende ist es entscheidend, dass sich die
Gestaltung durch ein klares Leitsystem eigenständ

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

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Datenstand: 02.11.2026, 23:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de