240693 · Beschlussvorlage
Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 240693
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 27.05.2024
- Letzte Änderung
- 22.10.2026
Orte
- Paul-Kemp-Straße Hauptort
- Zur Marterkapelle
- Nordfriedhof
- Jagdweg
- Kapellenstraße
- Endenich
- Nordstadt
- Poppelsdorf
- Dransdorf
- Bad Godesberg
- Beuel
- Bonn
Beratungsfolge
- Sitzung des Kulturausschusses Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Betriebsausschusses SGB Empfehlung
- Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Anregung
- Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Empfehlung
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 240693 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 41 Kulturamt Dezernat: Dez. IV Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum Bonn Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 28.05.2024 Anregung Kulturausschuss 04.06.2024 Empfehlung Betriebsausschuss SGB 18.06.2024 Empfehlung Unterausschuss Denkmalschutz 18.06.2024 Empfehlung Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 19.06.2024 Empfehlung Rat 20.06.2024 Entscheidung Begründung der Dringlichkeit: Zur Vervollständigung des Antrags auf Fördermittel aus dem Programm „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus" muss der Beschluss schnellstmöglich erfolgen und zum Antrag nachgereicht werden. Beschlussvorschlag Dem Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich wird zugestimmt. Die Verwaltung wird beauftragt, Fördermittel für die Realisierung (Nationale Projekte des Städtebaus) zu beantragen und den Erbbaurechtsvertrag mit dem Erzbistum endzuverhandeln. Mit dem Bau wird erst begonnen und städtische Mittel werden nur dann eingesetzt, wenn die beantragten Fördermittel aus dem Programm „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ bewilligt werden. Ansonsten bedarf es einer erneuten Beschussfassung. Begründung Der Rat hat in seiner Sitzung am 28. Juni 2021 die Verwaltung beauftragt, die Verlagerung der Gedenkstätte auf das Gelände des ehemaligen Klosters Endenich weiterzuverfolgen und alle Klärungen im Zusammenhang mit einem eventuellen Bau und Umzug herbeizuführen. Hierzu waren Architekten und Fachplaner zu beauftragen, um eine verifizierbare Kostenschätzung vorzunehmen. Im Dezember 2022 hat die Verwaltung dazu das Architekturbüro waldorfplanSeite 1 von 110 Seite 2 architekten Bonn beauftragt, das für die Durchführung eine Planungsgemeinschaft mit dem Architekturbüro Schweitzer Bonn eingegangen ist. Beauftragt wurde die Durchführung der Leistungsphasen (HOAI) 1 sowie 2 sowie weitere Fachplaner (Bodengutachter, Brandschutzplanung, Technische Gebäudeausstattung, Landschaftsplaner, Schadstoffprüfung, Tragwerksplanung). Da sich Gebäude und Grundstück im Besitz des Erzbistums Köln befinden, wurde zudem für eine Teilung des Grundstücks und der Gebäude zum Zwecke der Anpachtung im Erbbaurechtzusätzlich ein Vermessungsbüro beauftragt. Didaktisches Konzept Mit dem Umzug und Neubau der Gedenkstätte auf das Gelände des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Bonn-Endenich soll der historische Wirtschaftsgebäudekomplex zu einer zeitgemäßen Gedenkstätte umgebaut werden. Für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist der geplante Umzug an einen historischen Standort der lange angestrebte Schritt für die zukünftige institutionelle Arbeit. Mit dem Umzug erfolgt die Modernisierung und Neugestaltung der Dauerausstellung, die an die spezifischen Anforderungen des historischen Ortes angepasst wird. Der aktuelle Stand der Konzeption zeigt wesentliche inhaltliche Leitlinien der Bildungsarbeit am Standort Endenich auf und bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur Gestaltung der neuen Ausstellung sowie auf gegenwärtige und aktuelle Erfordernisse der politisch- historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur. Die Konzeption zeigt, wie Fragen der Gedenkstättenpädagogik im Entwicklungsprozess der Dauerausstellung am historischen Ort kontinuierlich mitgedacht und berücksichtigt werden. Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden: Mit dem neuen Standort wird ein Ort bezogen, an dem Jüdinnen und Juden bis zu einem Jahr interniert waren, wodurch ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gedenkstätte und ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion zukommt. Sie muss den Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des Standorts nahebringen und erfahrbar machen. Am Standort in Endenich wird eine nach neuesten Standards der Gedenkstättenpädagogik konzipierte Ausstellung mit multimedialen Elementen entstehen. Zudem wird das unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das ehemalige Klostergelände in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen Programme einbezogen. So werden neue Räume geöffnet, die den historischen Ort ganzheitlich erfahrbar machen. Der Ausstellung kommt dabei die Aufgabe zu, die nationalsozialistische Vergangenheit und den Umgang mit ihr nach 1945 aufzuzeigen. Die Gedenkstätte ist seit ihrer Gründung in den 1980er-Jahren anerkannte Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen Bildung. Als Basis für die zukünftige Bildungsarbeit kann auf mehr als 35 Jahre bestehende Erfahrung in der praktischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen werden. Die Vermittlungsfunktion wird inhaltlich und standortbezogen ausgebaut und das pädagogische Angebot neu aufgesetzt. Das vorliegende Konzept dafürSeite 2 von 110 Seite 3 bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und erweitert das Programm um digitale und inklusive Angebote. Sämtliche im Konzept entwickelten Überlegungen und Angebote wurden und werden vor dem Hintergrund aktueller Fachdebatten und im Austausch mit Expertinnen und Experten und Kolleginnen und Kollegen anderer Gedenkstätten und universitärer Forschung entwickelt, evaluiert und fortlaufend aktualisiert. Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind auch am neuen Standort Bildung, Information und Dokumentation. Grundpfeiler hierfür sind eine moderne an neuesten Standards ausgerichtete Ausstellung, eine profilierte Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine interessierte Öffentlichkeit und Fachpublikum. Bei der Entwicklung des historischen Erzählstrangs für die künftige Dauerausstellung stehen Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenführen der Institutionsgeschichte und den Anforderungen und Potentialen des historischen Ortes ergeben. Seit ihrer Gründung versteht sich die Gedenkstätte als Erinnerungs- und Dokumentationsort für alle Verfolgten des Nationalsozialismus. Eine Fokussierung der neuen Ausstellung allein auf die Verfolgung von Jüdinnen und Juden ist daher weder wünschenswert, noch würde es der Verantwortung der Institution gegenüber Angehörigen und Vertreterinnen und Vertretern anderer Verfolgtengruppen gerecht werden. Daher wird es eine Einbindung aller Verfolgtengruppen geben, auch, um eine Hierarchisierung und Wertung zu vermeiden. Vorgesehen ist die Präsentation einzelner Lebenswege, die nebeneinander für den Ausschluss als prägendes Element der NS-Volksgemeinschaft“ stehen. Zugleich fordert der Ort einen stärkeren Fokus als bislang auf den insgesamt bedeutenden Abschnitt der Verfolgungsgeschichte der Jüdinnen und Juden als eine Gruppe. Daher wird das Internierungslager Endenich als herausgehobener Fall eines „Ghettolagers im Westen“ im Zentrum der historischen Narration stehen. Ausgehend von der Vorgeschichte der gesellschaftlichen Stellung der Jüdinnen und Juden vom Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus, wird das Spannungsfeld zwischen Emanzipation und zunehmender Diskriminierung und Ausgrenzung unter „volksgemeinschaftlichen“ Vorzeichen rekonstruiert werden. Dabei geht es um Prozesse der Einschließung der „Volksgenossen“ in die „Volksgemeinschaft“ und zugleich der sich zuspitzenden Ausschließung der Jüdinnen und Juden aus der Bonner „Volksgemeinschaft“. Die Funktion der Ghettoisierung als isolierende Maßnahme und Ausschluss wird beschrieben und auch, dass der „soziale Tod“ der Jüdinnen und Juden als Vorstufe ihrer Ermordung fungierte. Mit Blick auf die für heutige Standards unabdingbare Erweiterung der Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und „Zuschauer“ gilt es, die verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für Besuchende nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen. Erreicht werden soll dies, indem die Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche Wirklichkeiten im NS-Staat kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen Ideenwelten und Propaganda den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und Verfolgung sowie den gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen Deutschland gegenüberzustellen. Dieses Motiv wird sich als roter Faden durch die verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen. Architektonisches KonzeptSeite 3 von 110 Seite 4 Bei der Entwicklung des architektonischen Konzeptes war es oberstes Ziel, die beiden Bestandsgebäude in Materialität und Raumstruktur zu erhalten. Der Ort des Geschehens soll möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben. Deshalb werden die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und werden nicht verputzt oder gedämmt. Auch die Fenster bleiben erhalten und werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch sinnvoll ergänzt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden alle dienenden Funktionen, wie Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume, in einem neuen Untergeschoss untergebracht, das dem Bestandsgebäude 1 vorgelagert ist. Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der im neuen turmartigen Treppenhaus angeordnet ist. Die Barrierefreiheit innerhalb der Bestandsgebäude 1 und 2 wird durch einen neuen durchgehenden Fußboden garantiert. Hierzu sind Auskofferungen und Abgrabungen notwendig, um einen technisch und bauphysikalisch notwendigen Fußbodenaufbau einzubringen. Durch die Herausnahme von späteren Einbauten oder nichttragenden, untergeordneten Bauteilen soll ein Maximum an Variabilität und Nutzbarkeit für die Dauerausstellung, die Sonderausstellungen und Veranstaltungen geboten werden. Der große, durchgehende Veranstaltungsraum im Dachgeschoss kann durch mobile Einbauten (Trennwände, Stellwände und andere Möblierungen) für Vorträge und Seminare, aber auch für Gruppenarbeit und Sonderausstellungen genutzt werden. Die besondere räumliche Wirkung entsteht durch die Erhaltung des Dachstuhles, der z. T. aus statischen Gründen mit sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden soll. Bei der Weiterentwicklung und Durcharbeitung des architektonischen Konzeptes soll auf die parallel zu entwickelnde Ausstellungsarchitektur reagiert werden. Zweckmäßig und auf kurze Wege im laufenden Betrieb ausgerichtet wurden ebenfalls Büros für die Mitarbeitenden der Gedenkstätte in Gebäude 1 eingeplant. Eine Bauvoranfrage, die die Gedenkstätte ausschließlich innerhalb der Kubatur der Bestandgebäude verortete, wurde 2017 durch die Stadt Bonn positiv beschieden. Da Bestandteile des Klosters Maria Hilf unter Denkmalschutz stehen, wird die Planung im weiteren Verfahren mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt. Erbbaurechtsregelung Die Verwaltung steht in Kontakt mit dem Erzbistum Köln und erarbeitet die Rahmenbedingungen für die Übernahme der Gebäudeteile und Nutzung des Grundstücks im Erbbaurecht. Das Erzbistum Köln unterstützt die Idee einer Ansiedlung der Gedenkstätte in den Wirtschaftsgebäuden ausdrücklich. Mit größerem Aufwand verbunden ist die Trennung der bestehenden Gebäudesubstanz, da hier bauhistorisch bedingt Trennlinien nicht leicht zu definieren sind. Die Grundstücksfläche beträgt rd. 1.300 Quadratmeter. Der endgültige Erbbaurechtsvertrag wird den zuständigen Gremien zurSeite 4 von 110 Seite 5 Genehmigung vorgelegt. Betriebskonzept Zur konzeptionellen Ausarbeitung und zur zukünftigen Umsetzung der erweiterten professionellen pädagogisch-didaktischen Vermittlungsarbeit benötigt die Gedenkstätte eine verbesserte Grundlage bezüglich Personal, Ausstattung und Ressourcen. Im Jahr 2023 beliefen sich die Betriebskosten für die Gedenkstätte inkl. Personalkosten für festes Personal und Honorarkräfte auf rd. 520.000 EUR. Davon waren rd. 105.000 EUR durch Zuweisungend es Landes NRW gedeckt. Da zurzeit mit einem Betriebsbeginn frühestens im Jahr 2027 gerechnet wird, legt die Verwaltung den zuständigen Gremien ein konkretes Betriebsmodell mit Personalschlüssel und Sachmitteln im Rahmen der Haushaltsplanung 2027/28 vor. Verkehrliche Erschließung Die notwendigen Stellplätze werden in Absprache mit dem Bauordnungsamt festgelegt. Ziel muss es sein, das umliegende Wohngebiet nicht durch Parksuchverkehr oder parkende Autos zu belasten. Zudem wird eine bessere Anbindung durch den ÖPNV in den weiteren Planungsschritten geprüft, sowie eine Berücksichtigung einer ausreichenden Anzahl von gesicherten Fahrradabstellplätzen gewährleistet. Gespräche mit weiteren Ämtern hierzu sind in der Vorbereitung. Kosten und Drittmittel Die von den beauftragten Architekten aufgestellte Kostenschätzung nach DIN 276 kalkuliert die notwendigen reinen Baumaßnahmen (inkl. Außenanlagen) mit 4.870.000 EUR (netto) zuzüglich der musealen Ausstattung (1.500.000 EUR netto) sowie Baunebenkosten in Höhe von 1.280.000 EUR (netto), so dass die Gesamtkosten bei rd. 9.100.000 EUR brutto liegen. Hinzukommen weitere Kosten im Rahmen der Erbbaurechtsregelung, die zurzeit noch nicht beziffert werden können. Für den Betrieb der neuen Gedenkstätte ist zudem ein höherer Personalschlüssel als bisher erforderlich sowie zusätzliche Sachmittel. Die Verwaltung hat sich mit Bewerbungsfrist 30. April 2024 um eine „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ beworben. Für die Bewerbung ist ein Beschluss des Rates notwendig. Vor Ablauf der Bewerbungsfrist konnte eine Zustimmung zu der Bewerbung die Gremien nicht erreicht werden. Daher wird um nachträgliche Zustimmung zur eingereichten Bewerbung gebeten. Der entsprechende Beschluss kann nachgereicht werden. Dabei wird das Kulturamt durch das Referat für Stadtförderung und strategische Projekteunterstützt. Bei diesem Förderprojekt beträgt der Eigenanteil der Kommune grundsätzlich ein Drittel der von Bund und Kommune zu tragenden Projektkosten. Das Auswahlverfahren ist zweistufig. Zudem sucht die Verwaltung weiter nach zusätzlichen oder alternativenSeite 5 von 110 Seite 6 Förderinstrumenten. Für die Finanzierung von Ausstellungsplanung und -bau bereitet die Verwaltung eine Bewerbung um Mittel aus der Gedenkstättenförderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) vor. Stichtag für die Bewerbung ist der 31. August 2024. Die Förderquote liegt bei einem Drittel der förderfähigen Gesamtkosten. Bei einer erfolgreichen Förderung würde sich der Eigenanteil der Bundesstadt Bonn an den Baukosten auf rd. 2.415.000 EUR (netto) reduzieren, bei der Ausstellungsplanung und -bau auf 1.178.000 EUR (netto). Zeitprognose Nach erfolgtem Baubeschluss könnte die Beauftragung der nächsten Planungsphasen in der zweiten Jahreshälfte 2024 erfolgen. Die Leistungsphasen 3 und 4 (HOAI) werden zurzeit mit einer Bearbeitungszeit von rd. einem Jahr kalkuliert. Nach erteilter Baugenehmigung werden die Bauarbeiten schätzungsweise zwei Jahre dauern. Die Baumaßnahme kann durch das SGB umgesetzt werden, sobald entsprechende personelle Kapazitäten hierfür vorhanden sind. Eine zeitliche Prognose für die Umsetzung kann aktuell noch nicht gegeben werden. Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.04.08 Stadtmuseum, Gedenkstätte und zentrale Projekte 1.41.50.04.08.04 Gedenkstätte Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 7.315.000 1.829.000 72.1000 74.1000 3.727.050 (Bei Bewilligung aller beantragten Fördermittel.) Gesamthaushalt Einzahlungen / Erträge 5.416.950 Haushaltsbelastung jährlich 3.727.050 Anlage/nSeite 6 von 110 Seite 7 1 02 Vorentwurf 2024-04-19 (öffentlich) 2 Projektbeschreibung Stand 2024-04-25 mit Planzeichnungen (öffentlich) 3 Konzept für die Dauerausstellung und die Bildungsarbeit am historischen Ort der Gedenkstätte in Bonn-Endenich (öffentlich)Seite 7 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 103 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 M 1:7500 DATUM PLANINHALT Stadtkarte PLAN-NR. 902/903/1009 055Seite 8 von 110 EUZBERGSTR. KAPELLENSTR. ZUR MARTERKAPELLE PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR PRIESTERSEMINAR EHEMALIGES KLOSTER MARIA HILF PARKPLATZ GEDENKSTÄTTE ZUGANG GEDENKSTÄTTE ZUFAHRT PRIESTERSEM. 147.31 m² 659.60 m² 536.12 m² Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Lageplan PLAN-NR. 104 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 M 1:400 901/902/903/1004/1012/3017 Teilungsgrenze 055Seite 9 von 110 - 0.25 - 0.80 - 0.70 - 0.05 +/- 0.00 (EG) +/- 0.00 Pflanzfläche Baum Baum Baum - 0.10 + 0.80 - 0.80 + 0.80 + 0.80 - 0.10 Rasen Pflanzfläche UG-Wand Hecke Hecke Pflanzfläche Mauer Kies-/Splittbelag Baum vorhanden Rasen Tor II Sichtschutzzaun Pflanzfläche Baum Baum Großbaum + 0.20 Zufahrt - 0.60 Pflanzfläche H bis 60 cmPflanzfläche H bis 60 cm Tor I Pflasterbelag III Pflasterbelag III Pflasterbelag II Pflasterbelag II Pflasterbelag I - 0.80 Mauer Sitzbank SitzbankSitzbank Baum Besucher-Reflexion Rasen Sitzbank Sitzbank Pflanzfläche +/- 0.00 Besucher-Sammelbereich Pflasterbelag I Pflanzfläche N Besucher-Eingang Vorentwurf 04 Gesamtgelände (M 1:) Blattnr.: 2.4 Datum: 16.04.2024 Terramanus Landschaftsarchitektur Dipl-Ing. Manuel Sauer Landschaftsarchitekt BDLA Paul-Kemp-Straße 7 53173 Bonn-Bad Godesberg Fon: 0228.3681583 Fax: 0228.3681587 E-Mail: info@terramanus.de www.terramanus.de Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn Busstellplatz und 20 Fahrradstellplätze Verlassener, sitzhoher Mauerblock mit 'zurückgelassenem' Objekt (z. B. bronzene Blume) und schemenhafter, gläserner Menschen-Silhouetten (ggf. Schattenumrisse im Belag nachzeichen) Objekt-Stelen-Reihe, welche das 'Individuum' würdigt mobile Sitzhocker für Nachbereitung Objektkunst nutzbar) Sitzgelegenheit (auch als ZUR MARTERKAPELLE PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR KAPELLENSTR. Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Gesamtgelände PLAN-NR. 122 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903/1007/1013 055Seite 10 von 110 A A B B C C Bestandsgebäude 2 Bestandsgebäude 1 Neubau UG Lift TechnikTechnik 26.9 m²26.9 m² PuMi 11.8 m²7.7 m² Hausmeister WC H 17.2 m² WC 5.8 m² Archiv 17.5 m² Garderobe 16.1 m² Flur 20.1 m² WC D 17.2 m² Treppe 15.2 m² Foyer UG 24.6 m² WC D Mitarb. 6.32 m2 WC H Mitarb. 6.32 m2 -4.00 23 STG 16.5/28.6 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM UG PLAN-NR. 105 PROJEKT-NR. MASSTAB M 1:100 19.04.2024 900/902/903/1101/1102/1103/1104 055Seite 11 von 110 A A B B C C 50 Lift 23 STG 15.7/28.6 GlasdachGlasgangGlasgang 27.5 m²27.5 m² Treppe 1 21.2 m² Auftakt 15.0 m²15.0 m² Auftakt 5.10 19 STG 18.9/26.0 F30 Zur Marterkapelle Grenze Erbpacht Ausstellung 4 38.9 m² Gedenkraum 41.0 m² Bibliothek 27.9 m² Registratur 13.3 m² Leitung 19.0 m² Flur 11.45 m2 Treppe 2 11.2 m² Foyer 68.6 m² Ausstellung 3 36.65 m2 Ausstellung 1 65.5 m² Ausstellung 2 53.6 m² Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT EG PLAN-NR. 106 PROJEKT-NR. MASSTAB M 1:100 19.04.2024 8/900/902/903/1201/1206/1212 055Seite 12 von 110 Seite 13 von 110 -0.40 -3.80 -0.80 ±0.00 +7.20 +7.59 -3.80 -0.80 -0.22 +3.48 Glasgang +3.29 ±0.00 +3.30 +3.60 +9.00 ±0.00 +3.20 +3.60 +9.00 Schnitt C - CSchnitt B - B ±0.00 +3.60 +7.08 Schnitt A - A Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Schnitte PLAN-NR. 108 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903/4000/4001 055Seite 14 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Blick von Westen PLAN-NR. 109 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 15 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Blick von Ostem PLAN-NR. 110 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 16 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Saal 1 PLAN-NR. 111 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 17 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Saal 2 PLAN-NR. 112 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 18 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Foyer PLAN-NR. 113 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 19 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Gedenkraum PLAN-NR. 114 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 20 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Eingang PLAN-NR. 115 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 21 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Turm PLAN-NR. 116 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 22 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Garten PLAN-NR. 117 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 23 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Kleiner Speicher PLAN-NR. 118 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 24 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Großer Speicher PLAN-NR. 119 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 25 von 110 Stand 26.04.2024 Planungsgemeinschaft Architekturbüro Schweitzer waldorfplan architekten Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn | Endenich ProjektbeschreibungSeite 26 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 2|10 Inhalt 1 Architektonisches Konzept Gedenkstätte Bonn ................................................................................................. 3 2 Außenanlagen Vorentwurf .................................................................................................................................. 4 3 Statisches Konzept ............................................................................................................................................. 5 4 Technische Konzeption ....................................................................................................................................... 6 5 Ersteinschätzung für den Brandschutz ............................................................................................................... 7 6 Bau- und Planungskosten ................................................................................................................................... 8 7 Raumprgramm mit Flächenübersicht ................................................................................................................. 9 8 Anlage: Planungszeichnungen .......................................................................................................................... 10Seite 27 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 3|10 1 Architektonisches Konzept Gedenkstätte Bonn waldorfplan | Schweitzer Architekten Bei der Entwicklung des architektonischen Konzeptes war es oberstes Ziel, die beiden Bestandsgebäude in Materialität und Raumstruktur zu erhalten. Der Ort des Geschehens soll möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben. Deshalb werden die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und werden nicht verputzt oder gedämmt. Auch die Fenster bleiben erhalten und werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch sinnvoll ergänzt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden alle dienenden Funktionen, wie Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume, in einem neuen Untergeschoss untergebracht, das dem Bestandsgebäude 1 vorgelagert ist. Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der im neuen turmartigen Treppenhaus angeordnet ist. Die Barrierefreiheit innerhalb der Bestandsgebäude 1 und 2 wird durch einen neuen durchgehenden Fußboden garantiert. Hierzu sind Auskofferungen und Abgrabungen not-wendig, um einen technisch und bauphysikalisch notwendigen Fußbodenaufbau einzubringen. Durch die Herausnahme von späteren Einbauten oder nichttragenden, untergeordneten Bauteilen soll ein Maximum an Variabilität und Nutzbarkeit für die Dauerausstellung, die Sonderausstellungen und Veranstaltungen geboten werden. Der große, durchgehende Veranstaltungsraum im Dachgeschoss kann durch mobile Einbauten (Trennwände, Stellwände und andere Möblierungen) für Vorträge und Seminare, aber auch für Gruppenarbeit und Sonderausstellungen genutzt werden. Die besondere räumliche Wirkung entsteht durch die Erhaltung des Dachstuhles, der z. T. aus statischen Gründen mit sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden soll. Bei der Weiterentwicklung und Durcharbeitung des architektonischen Konzeptes soll auf die parallel zu entwickelnde Ausstellungsarchitektur reagiert werden. Eine enge Abstimmung bis in die Details ist dafür notwendig. Eine erste Bauvoranfrage im Jahr 2017 wurde positiv beschieden. Im nächsten Schritt sind Vorgespräche mit dem Bauordnungsamt geplant. Zeitplanung Planung und Baudurchführung Vorentwurf mit Kostenschätzung bis April 2024 Entscheidung Rat Bonn Sommer 2024 Planung und Genehmigung 2024 Ausführung 2025 – 2026Seite 28 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 4|10 2 Außenanlagen Vorentwurf Dipl.-Ing. Manuel Sauer, Landschaftsarchitekt AKNW | Terramanus Landschaftsarchitektur Grundsätzliche Planungsaufgabe Das Ziel ist die Schaffung eines Außenraumes der Gedenkstätte, der die funktionalen Abläufe sicherstellt, aber in seiner Gestaltung auch die besondere Bedeutung des Zentrums angemessen würdigt. Raumkonzept Die relativ inhomogene Umgebung des Areals und die unmittelbar angrenzenden Funktionsberei-che wie Parkplatz und Feuerwehrumfahrung fordern eine starke Fassung des neuen Areals, um eine eigenständige Raumqualität aufzubauen und die Idee eines friedlichen, geschützt liegenden Gartens umzusetzen. Ein integrierter, offener Vorplatz lässt indes auch den neugeplanten Trep-penhausturm und den transparenten Gebäudezugang wirken. Vorentwurf Eine umlaufende Mauer hebt den Garten auf ein einheitliches Niveau und erweitert die nutzbare Vorplatzfläche in dem geneigten Gelände. Eine einreihige Baumachse definiert den Garten als grüne Raumerweiterung zu den massiven Gebäuden der Gedenkstätte. In der Nähe des Gebäudeeingangs können sich Schülergruppen nach dem Eintreffen auf einem Sitzplatzbereich für die Führung sammeln. Nach dem Besuch der Gedenkstätte bietet eine Kies-fläche am Rande der Baumreihe Einzelpersonen und kleineren Gruppen die Gelegenheit zur Refle-xion. Vom unteren Behinderten-Parkplatz erlaubt eine zusätzliche Rampe den möglichst kurzen, rollstuhlgerechten Gartenzugang auch von östlicher Richtung aus. An der oberen Straße ist Fläche für einen Reisebus sowie ca. 20 Fahrradstellplätze vorgesehen. Das „grüne Refugium“ In Kombination mit den Baumachsen würden möglichst großzügige, vitale Pflanzbereiche die kon-templative Atmosphäre eines friedlich schönen Gartens erzeugen. Bei der Pflanzplanung wären für das grüne Refugium möglichst Gehölze und Stauden mit höherer ästhetischer Qualität auszu-wählen. Sie könnten z. B. durch einen ansprechenden Habitus, Blüten und/oder eindrückliche Herbstlaubfarben Höhepunkte setzen - möglicherweise auch zu bestimmten Feierlichkeitstermi-nen. Der Budgetrahmen für die künftigen Pflegekosten sollte in dem Zusammenhang definiert werden. Kunst An drei Stellen des Gartens könnten Kunstobjekte die Abläufe der brutalen Geschehnisse an die-sem Gedenkort wie an nachgebildeten ‚Stationen‘ thematisieren: Registration, Selektion und Ab-transport der Opfer der Deportation. Die Objekte wären gleichzeitig so zu entwickeln, dass bei-spielsweise der Zugangsbereich der Gedenkstätte an der Straße leicht auffindbar wird oder zum anderen ein Sammelpunkt bei Außenveranstaltungen oder ein fester Ort für Kranzniederlegungen entsteht.Seite 29 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 5|10 3 Statisches Konzept Dipl.-Ing. Malte Lehrke | Ingenieurbüro für Bauwesen Grundlagenermittlung Bereich Tragwerksplanung Bestandsaufnahme Die Bestandsunterlagen des Gebäudes (Statik + Positionspläne) liegen i.T. vor und wurden gesichtet. Bei dem geplanten Gebäude handelt es sich um ein Museum und Versammlungsstätte und ist ge-mäß BauO NRW der Gebäudeklasse Sonderbau zugeordnet. Nutzlasten Die Nutzlasten werden durch die Decken über Erdgeschoss des Bestandsgebäudes nicht erfüllt. Die Decken müssen ertüchtigt oder ausgetauscht werden. Die Ertüchtigung kann durch zusätzliche Stahlträger unterhalb der Bestandsdecke erfolgen. Alternativ kann mit einem neuen Aufbeton und Schubverbund mit den bestehenden Stahlträgern eine Verbunddecke errichtet werden. Hierfür sind die Lastreserven und Schweißbarkeit der Bestandskappenträger zu prüfen. Der vorhandene Dachstuhl ist erhaltenswert, muss aber verstärkt werden, die Holzkonstruktion könnte mit sichtbaren Stahlprofilen verstärkt werden. Gründungsverhältnisse Baugrundgutachten, zur Beurteilung der Gründungsverhältnisse und für die Wahl der Gründungsvarianten muss noch ein Baugrundgutachten erstellt werden. Grundwasser Falls die geplanten Anbauten in das Grundwasser einbinden, muss die Auftriebssicherheit des Ge-bäudes gewährleistet werden. Bei anstehendem Grund-, oder Schichtenwasser werden außerdem besondere Abdichtungsmaßnahmen erforderlich. Z.B. Ausführung des Kellergeschosses als "Weiße Wanne". Gründung Bestandsgebäude Ausführung und Dimension der Bestandsfundamente ist unbekannt. Die Belastungen des Bestands erhöhen sich auf Grund der neuen höheren Nutzlasten und statisch notwendig dickeren Geschossdecken. Die Bodenplatte soll um ca. 1m abgesenkt werden, um das Erdgeschoss ohne Niveauunterschied ausführen zu können. Daher ist eine Unterfangung der Bestandswände mit neuen Fundamenten notwendig. Höhenlage und Beschaffenheit der Bestandsfundamente müssen durch Probeschachtungen vorab geprüft werden. Gründung Neubau neben Bestandsgebäude Die Gründungsebene des geplanten Neubaus liegt tiefer als die des Bestandsgebäudes. Auf Grund des großen Niveauunterschieds von ~4m ist eine konventionelle Unterfangung nach DIN 4123 nicht möglich. Das Bestandsgebäude kann durch eine vorgelagerte Bohrpfahlwand gegenüber dem Neubau abgefangen werden. Hierfür müsste dann für den Neubau dann ~1m vom Bestand abrücken. Alternativ kann der Bestand durch Mikropfähle (z.B. der Firma ERKA) abgefangen werden. Anforderungen an den konstruktiven Brandschutz: Die tragenden und aussteifenden Bauteile müssen gem. BauO NRW der Feuerwiderstandsklasse fb feuerbeständig (F90) entsprechen (Gebäudeklasse Sonderbau). Anforderungen an die Erdbebensicherheit: Endenich befindet sich in der Erdbebenzone 1. Die geplanten Anbauten müssen deshalb, gemäß DIN 4149, für die entsprechenden Erdbebeneinwirkungen bemessen und ausgesteift werden. Anforderungen an den Wärmeschutz Die Bestandsunterlagen des Gebäudes liegen vor und wurden gesichtet. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Altbau in massiver Bauweise aus Ziegelmauerwerk, der bisher als unbeheizter Lagerraum genutzt wurde sowie einen geplanten Anbau in massiver Bauwei-se. Das Gebäude unterliegt den Anforderungen des GEG und des Schallschutzes nach DIN 4109. Das Bestandsgebäude wird erstmals beheizt, es unterliegt daher dem Gebäudeenergiegesetz in aktueller Fassung. Die komplette Gebäudehülle muss entsprechend ertüchtigt werden. Die Beheizung hat überwie-gend über regenerative Energie zu erfolgen. Das Dach soll durch eine entsprechende Zwischensparrendämmung und Aufdachdämmung ertüch-tigt werden. Da die Bodenplatte tiefer gelegt werden soll ist hier ebenfalls ein entsprechender Auf-bau nach Neubaustandard möglich. Die Bestandswände sowie i.T. die Bestandsfenster sollen auf Grund der historischen Bedeutung des Gebäudes überwiegend in Ihrer Bestandsoberfläche außen wie innen erhalten bleiben. Eine Befreiung von den Anforderungen des GEG ist daher zu stellen. Die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz sind zu beachten. Die Beheizung kann z.B. über eine Wärmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser) erfolgen. Auf Grund des geringen Bedarfs an Warmwasser wird hierfür die Erwärmung durch Durchlauferhitzer erfolgen. Die Nutzung von PV-Elementen auf den Dachflächen zur Kompensation der Abweichung von den Anforderungen des GEG ist zu prüfen. Anforderungen an den Schallschutz Für eigengenutzte Büroräume gelten die Empfehlung der VDI 2569. Die Nutzung wird in die Schallschutzklasse B eingeordnet. I. Mindestanforderung an den Luftschall Einzelbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) R‘w = 37 dB Mehrpersonenbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) R‘w = 32 dB II. Mindestanforderung an den Trittschall Einzelbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) L’n,w = 60 dB Mehrpersonenbüro (Empfehlung Schallschutzklasse B) L’n,w = 60 dB III. Mindestanforderung an den Schallschutz gegen Außenlärm Das Gebäude liegt im Schallpegelbereich der Bundesautobahn 565. Der mittlere Schallpegel des Außenlärms liegt zwischen 60 bis 64 dB und somit im Lärmpegelbereich 2. Diese Lärmschutzklasse wird i.d.R. durch die Standardbauteile erfüllt.Seite 30 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 6|10 4 Technische Konzeption Dipl.-Ing. Ingo Schäuble | TeamCon GmbH | Ingenieurbüro für Gebäudeplanungs- und Beratungsleistungen Heizung Luft-Wärmepumpge zur Außenaufstellung, UG mit Heizkörperm, in EG und OG mit Fußbodenheizung und Wandrohrheizung. Die Größe des Heizraumes ist ca. 5,60 x 3m bestimmt. Raumlufttechnik Im UG ist eine Zu- und Abluftanlage vorgesehen, die einen Minimalluftwechsel gewährleistet. Ein hochwirksamer Wärmetauscher reduziert eine Beheizung der Zuluft erheblich, mit sichtbarer Montage an den Decken. Ausblasöffnungen in den Treppenaufgang, Ansaugöffnungen als Haube im Bereich einer Sitzbank oder Hecke in der Außenanlage. Für die Verwaltung ist keine Lüftung angedacht, da aufgrund der geringen Personenbesetzung sowie des ruhigen Umfeldes nicht erforderlich, die Fenster können geöffnet werden. Für die gesamte EG-Ausstellungsfläche ist eine Lüftungsnlage mit einem 4-Luftwechsel unterstellt. Die Anlage hat eine eigene Wärmepumpe für die Beheizung, sowie eine Wärmerückgewinnung. Das Obergeschoss mit Saal und Seminarraum erhält eine Lüftungsanlage. Die Geräte sind aufgrund der Personenbelegung auch mit einer Grundkühlung ausgestattet. Alle Kanalführungen sind im Wesentlichen sichtbar. Für den Server ist eine kleine Splitkälte mit 2kW angedacht. Elektro-Starkstrom Normale zweckmäßige Unterputzinstallation mit Beleuchtung. Die Außenanlagenbeleuchtung, Piktogramme und Sicherheitsbeleuchtung sind vorgesehen, ebenso wie der Blitzschutz. Eine PV Anlage mit einer Leistung von ca. 10kW sowie zugehörigem Speicher sind eingerechnet. Elektro-Schwachstrom Die Planung berücksichtigt Klingelanlage mit Kamera und Gegensprech, Telefonverkabelung in die Verwaltung aber keine Telefonanlage, Behindertennotruf, Brandmeldeanlage funkvernetzt ohne Feuerwehraufschaltung, EMA durch Bewegungsmelder innen, Kameraüberwachung und Aufzeichnung für innen und außen, EDV-Verkabelung innerhalb der Bereiche Verwaltung-Ausstellung-Seminar-Saal. Fördertechnik Maschinenloser und behindertengerechter Standardaufzug mit 3 Haltestellen, Notruf, Schachtbelüftung Sanitär Sanitärbereiche werden mit guter, zweckmäßiger Keramik ausgestattet. Warmwasserbereitung erfolgt per elektrischem Speicher bzw. Durchlauferhitzer. Küchen bzw Spülen erhalten nur KW+SW Anschluss keine Geräte, eine Hebeanlage ist vorgesehen. Im Kellerbereich sind 20 m Grundleitung eingeplant.Seite 31 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 7|10 5 Ersteinschätzung für den Brandschutz Dipl.-Ing. Jürgen Esch | b- i -b Beratender Ingenieur für das Bauwesen Ein derzeit nicht genutzter Anbau des ehemaligen Kloster Maria Hilf soll als Gedenkstätte/ Dokumentationszentrum hergerichtet werden. Die Räumlichkeiten wurden ab 1941 durch die Bonner NS-Behörden als Ghettolager genutzt und weisen seither einen nahezu unveränderten Zustand auf. Der Erhalt der bestehenden Bausubstanz ist daher von erheblicher Bedeutung und soll prägend für die architektonische Gestaltung des Dokumentationszentrums sein. Laut dem vorliegenden Planungskonzept soll vor dem Bestandsbau eine Unterkellerung vorgesehen werden, die beiden bestehenden Geschosse, Erd- und Dachgeschoss, werden als Dokumentationszentrum hergerichtet. Das Nutzungskonzept umfasst laut dem vorliegenden Planstand vom 19.04.2024 einen Vortragssaal, einen mehrere Räume umfassenden Ausstellungsbereich, einen Seminarraum, einen Gedenkraum sowie die für den Betrieb der Nutzung erforderlichen Räumlichkeiten der Verwaltung, ergänzt durch eine Bibliothek. Die Ausstellung ist als Rundgang konzipiert. Das Gebäude wird über die Straße Zur Marterkapelle erschlossen. Nach Osten hin schließt sich die Bebauung des ehern. Klosters an, bauliche Übergänge zwischen dem ehem. Kloster und der Gedenkstätte sind laut Planstand nicht vorgesehen. Aufgrund der somit gegebenen baulichen Eigenständigkeit der Gebäude und wegen der gegebenen brandschutztechnischen Trennung zwischen dem ehern. Kloster und der Gedenkstätte ergibt sich für diese eine Einstufung in die Gebäudeklasse 3 nach der Bauordnung NRW. Diese Einstufung lässt aus der Sicht des Brandschutzes die Verwendung der baulichen Substanz in nahezu unveränderter Form zu. Flächen der Geschosse werden aus der Sicht des Brandschutzes als so genannte Nutzungseinheiten vorgesehen, was eine Flexibilität beim Einrichtungskonzept und der Auslegung der Baustoffe zulässt. Es wird davon ausgegangen, dass das Nutzungskonzept eine gleichzeitige Anwesenheit von mehr als 200 Personen nicht vorsieht, die Auslöseschwelle zur Anwendung der Versammlungsstättenverordnung (Sonderbauverordnung NRW, Teil 1) demnach nicht erreicht wird. Die Rettungswege der Gedenkstätte werden laut dem Plankonzept und auf der Grundlage erfolgter Vorabstimmungen für den Brandschutz ausschließlich baulich sichergestellt. Aufgrund der besonderen Art der baulichen Nutzung und da von überwiegend ortskundigen Besuchern auszugehen ist, ist als anlagentechnischer Brandschutz eine Brandwarnanlage, als intern wirkende Schutzeinrichtung, erforderlich. Aus dem Gebäude führende Rettungswege sind mit elektrisch betriebenen Kennzeichnungen darzustellen. Die an der Westseite der Liegenschaft bestehende und in den Innenbereich der Liegenschaft führende Feuerwehrzufahrt wird durch die geplante Maßnahme nicht verändert, es ergeben sich hierzu keine weitergehenden Anforderungen. Die vorliegenden Angaben stellen eine Ersteinschätzung für den Brandschutz dar. Die Vereinbarkeit der geplanten Maßnahme laut dem vorliegenden Planstand mit den Anforderungen der Bauordnung NRW kann bereits jetzt bestätigt werden. Das Gebäude gilt im baurechtlichen Sinne als kleiner Sonderbau, für den im aufgrund der Nutzungsänderung erforderlichen Genehmigungsverfahren auf der Grundlage der Bauordnung NRW zunächst kein Brandschutznachweis vorzulegen ist. Da es sich vorliegend um eine Nutzung handelt, für die erhöhte Sicherheitsanforderungen zu unterstellen bzw. geboten sind, soll abstimmungsgemäß zum Nachweis der Einhaltung der bauordnungsrechtlich gefassten Schutzziele für den Brandschutz ein den baulichen, anlagentechnischen, abwehrenden und den betrieblichen Brandschutz beachtendes so genanntes Brandschutzkonzept der Genehmigungsbehörde vorgelegt werden. Die Bearbeitung der Brandschutzkonzeption, mit einem textlichen Teil und zugehörigen Planunterlagen, erfolgt in enger Abstimmung mit dem Entwurfsverfasser und den beteiligten Fachingenieuren. Die Brandschutzkonzeption wird vor Einreichung bei der Genehmigungsbehörde (Bauordnungsamt der Stadt Bonn) mit der Brandschutzdienststelle der Stadt Bonn abgestimmt. Die vorliegende Stellungnahme dient lediglich als Ersteinschätzung für den Brandschutz.Seite 32 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 8|10 6 Bau- und Planungskosten Kostenschätzung - Aufstellung der Kosten nach DIN 276 Planungsphase Vorentwurf Kostengruppen Nettokosten Kostengruppen Nettokosten 1. Ebene 2. Ebene Inhalt in € 1. Ebene 2. Ebene Inhalt in € 100 Grundstück 0,00 500 Außenanlagen und Freiflächen 800.000,00 110 Grundstückswert 0,00 510 Erdbau 140.000,00 120 Grundstücksnebenkosten 0,00 520 Gründung, Unterbau 130.000,00 130 Rechte Dritter 0,00 530 Oberbau, Deckschichten 130.000,00 200 Vorbereitende Maßnahmen 70.000,00 540 Baukonstruktionen 145.000,00 210 Herrichten / Altlasten 20.000,00 550 Technische Anlagen 40.000,00 220 Öffentliche Erschließung 0,00 560 Einbauten in Außenanlagen und Freiflächen 70.000,00 230 Nichtöffentliche Erschließung 40.000,00 570 Vegetationsflächen 85.000,00 240 Ausgleichsmaßnahmen und -abgaben 0,00 580 Wasserflächen 0,00 250 Übergangsmaßnahmen 10.000,00 590 Sonstige Maßnahmen für Außenanlagen 60.000,00 300 Bauwerk - Baukonstruktion 3.250.000,00 600 Ausstattung und Kunstwerke 1.500.000,00 310 Baugrube / Erdbau 200.000,00 610 Allgemeine Ausstattung 230.000,00 320 Gründung, Unterbau (Unterfangung) 550.000,00 620 Besondere Ausstattung (Ausstellungsbereich) 1.200.000,00 330 Außenwände 475.000,00 630 Informationstechnische Ausstattung 20.000,00 340 Innenwände 575.000,00 640 Künstlerische Ausstattung 50.000,00 350 Decken 800.000,00 690 Sonstige Ausstattung 0,00 360 Dächer 450.000,00 Summe reiner Baukosten netto 6.370.000,00 370 Infrastrukturanlagen 0,00 700 Baunebenkosten 1.280.000,00 380 Baukonstruktive Einbauten 0,00 710 Bauherrenaufgaben 80.000,00 390 Sonstige Maßnahmen für Baukonstruktionen 200.000,00 720 Vorbereitung der Objektplanung 200.000,00 400 Bauwerk - Technische Anlagen 750.000,00 730 Objektplanung 650.000,00 410 Abwasser-, Wasser-, Gasanlagen 70.000,00 740 Fachplanungen 250.000,00 420 Wärmeversorgungsanlagen 175.000,00 750 Künstlerische Leistungen 0,00 430 Raumlufttechnische Anlagen 145.000,00 760 Allgemeine Baunebenkosten, Gebühren 100.000,00 440 Elektrische Anlagen 220.000,00 790 Sonstige Baunebenkosten 0,00 450 Kommunikationsanlagen 70.000,00 Gesamtsumme netto 7.650.000,00 460 Förderanlagen 40.000,00 Mehrwertsteuer 19 % 1.453.500,00 470 Nutzungsspezifische und verfahrenst. Anlagen 30.000,00 Gesamtsumme brutto 9.103.500,00 480 Gebäude- und Anlagenautomation 0,00 gerundet 9.100.000,00Seite 33 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Projektbeschreibung Stand 26.04.2024 9|10 7 Raumprgramm mit Flächenübersicht Raumprogramm Gedenkstätte Bonn Endenich Außenbereich 1855 qm Außenanlagen Gedenkstätte 807 qm Parkplatz Priesterseminar 1048 qm Bildungsarbeit 74 qm Material/ Stühle 15 qm Seminarraum 59 qm Dauerausstellung „Endenich ist…“ 251 qm Auftaktraum Dauerausstellung 15 qm Ausstellung 1 66 qm Ausstellung 2 54 qm Ausstellung 3 37 qm Ausstellung 4 39 qm Gedenkraum 41 qm Dokumentation 59 qm Archiv 18 qm Bibliothek 28 qm Registratur 13 qm Eingangsbereich/Foyer 69 qm Foyer 69 qm Erschließung 124 qm Flur UG 20 qm Glasgang 28 qm Treppe 1 EG (Treppenturm) 21 qm Treppe 1 OG 21 qm Treppe 1 UG 15 qm Treppe 2 EG 11 qm Treppe 2 OG 8 qm Nebenräume 99 qm Hausmeister 8 qm Putzmittelraum 12 qm Technik 27 qm WC barrierefrei 6 qm WC Damen 17 qm WC Herren 17 qm WC Mitarbeiter Umkleide - WC D 6 qm WC Mitarbeiter Umkleide - WC H 6 qm Verwaltung 125 qm Abstell 3 qm Büro Leitung Gedenkstätte 19 qm Flur 11 qm Pausenraum m. Teeküche 18 qm Serverraum (im Stuhllager) 0 qm Verwaltung Arbeitsplätze für 5 Mitarbeiter und 2 Praktikanten 74 qm Zwischenarchiv 0 qm Foyer Untergeschoss 41 qm Foyer UG 25 qm Garderobe 16 qm Vorzone Saal und Seminarraum 17 qm Foyer OG 17 qm Multifunktionsraum 188 qm Saal 188 qm Gesamtfläche Gedenkstätte o. Außenanlagen 1046 qmSeite 34 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 103 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 M 1:7500 DATUM PLANINHALT Stadtkarte PLAN-NR. 902/903/1009 055Seite 35 von 110 EUZBERGSTR. KAPELLENSTR. ZUR MARTERKAPELLE PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR PRIESTERSEMINAR EHEMALIGES KLOSTER MARIA HILF PARKPLATZ GEDENKSTÄTTE ZUGANG GEDENKSTÄTTE ZUFAHRT PRIESTERSEM. 147.31 m² 659.60 m² 536.12 m² Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Lageplan PLAN-NR. 104 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 M 1:400 901/902/903/1004/1012/3017 Teilungsgrenze 055Seite 36 von 110 - 0.25 - 0.80 - 0.70 - 0.05 +/- 0.00 (EG) +/- 0.00 Pflanzfläche Baum Baum Baum - 0.10 + 0.80 - 0.80 + 0.80 + 0.80 - 0.10 Rasen Pflanzfläche UG-Wand Hecke Hecke Pflanzfläche Mauer Kies-/Splittbelag Baum vorhanden Rasen Tor II Sichtschutzzaun Pflanzfläche Baum Baum Großbaum + 0.20 Zufahrt - 0.60 Pflanzfläche H bis 60 cmPflanzfläche H bis 60 cm Tor I Pflasterbelag III Pflasterbelag III Pflasterbelag II Pflasterbelag II Pflasterbelag I - 0.80 Mauer Sitzbank SitzbankSitzbank Baum Besucher-Reflexion Rasen Sitzbank Sitzbank Pflanzfläche +/- 0.00 Besucher-Sammelbereich Pflasterbelag I Pflanzfläche N Besucher-Eingang Vorentwurf 04 Gesamtgelände (M 1:) Blattnr.: 2.4 Datum: 16.04.2024 Terramanus Landschaftsarchitektur Dipl-Ing. Manuel Sauer Landschaftsarchitekt BDLA Paul-Kemp-Straße 7 53173 Bonn-Bad Godesberg Fon: 0228.3681583 Fax: 0228.3681587 E-Mail: info@terramanus.de www.terramanus.de Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn Busstellplatz und 20 Fahrradstellplätze Verlassener, sitzhoher Mauerblock mit 'zurückgelassenem' Objekt (z. B. bronzene Blume) und schemenhafter, gläserner Menschen-Silhouetten (ggf. Schattenumrisse im Belag nachzeichen) Objekt-Stelen-Reihe, welche das 'Individuum' würdigt mobile Sitzhocker für Nachbereitung Objektkunst nutzbar) Sitzgelegenheit (auch als ZUR MARTERKAPELLE PARKPLATZ PRIESTERSEMINAR KAPELLENSTR. Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Gesamtgelände PLAN-NR. 122 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903/1007/1013 055Seite 37 von 110 A A B B C C Bestandsgebäude 2 Bestandsgebäude 1 Neubau UG Lift TechnikTechnik 26.9 m²26.9 m² PuMi 11.8 m²7.7 m² Hausmeister WC H 17.2 m² WC 5.8 m² Archiv 17.5 m² Garderobe 16.1 m² Flur 20.1 m² WC D 17.2 m² Treppe 15.2 m² Foyer UG 24.6 m² WC D Mitarb. 6.32 m2 WC H Mitarb. 6.32 m2 -4.00 23 STG 16.5/28.6 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM UG PLAN-NR. 105 PROJEKT-NR. MASSTAB M 1:100 19.04.2024 900/902/903/1101/1102/1103/1104 055Seite 38 von 110 A A B B C C 50 Lift 23 STG 15.7/28.6 GlasdachGlasgangGlasgang 27.5 m²27.5 m² Treppe 1 21.2 m² Auftakt 15.0 m²15.0 m² Auftakt 5.10 19 STG 18.9/26.0 F30 Zur Marterkapelle Grenze Erbpacht Ausstellung 4 38.9 m² Gedenkraum 41.0 m² Bibliothek 27.9 m² Registratur 13.3 m² Leitung 19.0 m² Flur 11.45 m2 Treppe 2 11.2 m² Foyer 68.6 m² Ausstellung 3 36.65 m2 Ausstellung 1 65.5 m² Ausstellung 2 53.6 m² Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT EG PLAN-NR. 106 PROJEKT-NR. MASSTAB M 1:100 19.04.2024 8/900/902/903/1201/1206/1212 055Seite 39 von 110 Seite 40 von 110 -0.40 -3.80 -0.80 ±0.00 +7.20 +7.59 -3.80 -0.80 -0.22 +3.48 Glasgang +3.29 ±0.00 +3.30 +3.60 +9.00 ±0.00 +3.20 +3.60 +9.00 Schnitt C - CSchnitt B - B ±0.00 +3.60 +7.08 Schnitt A - A Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Schnitte PLAN-NR. 108 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903/4000/4001 055Seite 41 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Blick von Westen PLAN-NR. 109 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 42 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Blick von Ostem PLAN-NR. 110 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 43 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Saal 1 PLAN-NR. 111 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 44 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM Saal 2 PLAN-NR. 112 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 45 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Foyer PLAN-NR. 113 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 46 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Gedenkraum PLAN-NR. 114 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 47 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Eingang PLAN-NR. 115 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 48 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Turm PLAN-NR. 116 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 49 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Garten PLAN-NR. 117 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 50 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Kleiner Speicher PLAN-NR. 118 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 51 von 110 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn architekten waldorfplan + büro schweitzer Kapellenstr.48 jagdweg 5a 53115 Bonn 53115 Bonn Tel 0228 3905915 Tel 0228 3949260 DATUM PLANINHALT Großer Speicher PLAN-NR. 119 PROJEKT-NR. MASSTAB 19.04.2024 902/903 055Seite 52 von 110 Konzept für die Dauerausstellung und die Bildungsarbeit am historischen Ort der Gedenkstätte in Bonn-Endenich (Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Klosters Mariahilf, Kapellenstraße)Seite 53 von 110 2 Inhaltsverzeichnis Vorbemerkungen........................................................................................... 4 1. Leitlinien des Ausstellungs- und Vermittlungskonzepts................... 6 2. Neue Dauerausstellung ........................................................................... 8 2.1. Historische Narration der Ausstellung ..................................................... 8 2.2. Ausstellungsarchitektur und -design am neuen Standort ...................... 10 2.3. Multimedia-Einsatz in der Ausstellung .................................................. 10 2.4. Außengelände ....................................................................................... 12 2.5. Themen der Ausstellung ........................................................................ 12 2.6 Stationen der Ausstellung ...................................................................... 13 2.6.1 „Endenich ist noch vielleicht das Ende nich“ (Felix Hausdorff) ............................. 13 – Ein Ghettolager im Westen .......................................................................................... 13 2.6.2 „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus zwischen Alltag und Terror ....................................................... 16 2.6.3 Biografien ...............................................................................................................18 2.6.4 Gedenkraum ..........................................................................................................19 2.6.5 Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn und „Bonner Republik“ ...........20 3. Neuausrichtung der Bildungsarbeit .................................................... 23 3.1 Museumspädagogischer Ansatz für die Dauerausstellung ...................... 24 3.2. Neuausrichtung der Bildungsarbeit am historischen Standort............... 25 3.2.1. Ideengeschichtlicher Ansatz .................................................................................29 3.2.2. Gedächtnis der Dinge............................................................................................ 30 3.3. Grundlagen der Gedenkstättenpädagogik ............................................. 31 3.3.1. Gegenwartsbezug .................................................................................................32Seite 54 von 110 3 3.3.2 Biographisch-mikrohistorischer Ansatz und zeithistorischer internationaler Kontext der NS-Verbrechen .................................33 3.3.3 Medien- und Quellenkritik .....................................................................................35 3.3.4. Arbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ............................................................ 37 3.3.5. Kooperationen und Zielgruppen ...........................................................................38 3.4. Gedenkstättenpädagogischer Ansatz in Endenich ................................. 42 3.4.1. Formate in der Gedenkstätte ...............................................................................43 3.4.2. Workshops, Rundgänge, Führungen, Sonderausstellungen.................................44 3.4.3 Veranstaltungsprogramm ......................................................................................47 3.4.4 Multimedialität ......................................................................................................48 3.4.5. Inklusive Pädagogik ............................................................................................... 49 3.4.6 Einbeziehung des Klostergebäudes, der Außenanlagen und der näheren Umgebung........................................................................................... 50 3.4.7 Gedächtnis der Dinge............................................................................................. 51 3.4.9 Gedenkstättenfahrten ........................................................................................... 52 4. Personal .................................................................................................... 54 Literaturverzeichnis .................................................................................. 56Seite 55 von 110 4 Vorbemerkungen Für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist der geplante Umzug an einen historischen Standort der lange angestrebte Schritt für die zukünftige institutionelle Arbeit. Mit dem Umzug erfolgen Modernisierung und Neugestaltung der Dauerausstellung, die an die spezifischen Anforderungen des historischen Ortes angepasst wird. Auch für die pädagogische Arbeit ergeben sich aus dem Standortwechsel neue Potentiale und Herausforderungen. Das vorliegende Konzept zeigt wesentliche Leitlinien einer Bildungsarbeit am Standort Endenich auf und bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur Gestaltung der neuen Ausstellung am historischen Ort sowie auf gegenwärtige und aktuelle Erfordernisse der politisch- historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur. Durch die hier vorliegende Verschriftlichung wird dokumentiert, wie Fragen der Gedenkstättenpädagogik im Entwicklungsprozess der Dauerausstellung am historischen Ort kontinuierlich mitgedacht und berücksichtigt werden. Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden: Mit dem neuen Standort wird ein historischer Ort bezogen, an dem Jüdinnen und Juden interniert waren, wodurch ein direkter Bezug zur nationalsozialistischen Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gedenkstätte und ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion zukommt. Sie muss den Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des Standorts nahebringen und erfahrbar machen. Am Standort in Endenich wird eine nach neuesten Standards der Gedenkstättenpädagogik konzipierte Ausstellung mit multimedialen Elementen entstehen. Zudem wird das unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das ehemalige Klostergelände in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen Programme einbezogen, und so neue Räume geöffnet, die den historischen Ort ganzheitlich erfahrbar machen. Der Ausstellung kommt dabei die Aufgabe zu, die nationalsozialistische Vergangenheit und den Umgang mit ihr nach 1945 aufzuzeigen.Seite 56 von 110 5 Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind seit ihrer Gründung in den 1980er-Jahren anerkannte Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen Bildung. Seit 2021 existiert eine vollamtliche pädagogische Stelle im Stellenplan, die eine noch engmaschigere pädagogische Betreuung und Fortentwicklung ermöglicht. Als Basis für die zukünftige Bildungsarbeit kann auf mehr als 35 Jahre bestehende Erfahrung in der praktischen Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen werden. Dabei wird die Vermittlungsfunktion inhaltlich und standortbezogen ausgebaut und das pädagogische Angebot neu aufgesetzt. Das vorliegende Konzept dafür bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und erweitert das Programm um digitale und inklusive Angebote. Sämtliche im Konzept entwickelten Überlegungen und Angebote wurden und werden vor dem Hintergrund aktueller Fachdebatten und im Austausch mit Expertinnen und Experten und Kolleginnen und Kollegen anderer Gedenkstätten und universitärer Forschung entwickelt, evaluiert und fortlaufend aktualisiert. Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind auch am neuen Standort Bildung, Information und Dokumentation. Grundpfeiler hierfür sind eine moderne an neusten Standards ausgerichtete Ausstellung, eine profilierte Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine interessierte Öffentlichkeit und Fachpublikum. Ergänzend zur Ausstellung soll ein Katalog erstellt werden. Eine Fachbibliothek und die Archivbestände werden unter Berücksichtigung moderner konservatorischer Standards zugänglich gemacht. Im Folgenden wird zunächst das neue Ausstellungskonzept vorgestellt, dann die darauf Bezug nehmende Neuausrichtung der Vermittlungsarbeit.Seite 57 von 110 6 1. Leitlinien des Ausstellungs- und Vermittlungskonzepts Die Leitlinien des Ausstellungs- und Vermittlungskonzepts basieren auf langjährigen Forschungen und Erkenntnissen durch Gedenkstätte und NS- Dokumentationszentrum, die in den im Vorfeld in Auftrag gegebenen Forschungs- und Vorstudien dokumentiert sind. Die Erforschung der Internierung von Jüdinnen und Juden im von der Gestapo konfiszierten Kloster Endenich belegt, dass die „Lagergemeinschaft Kapellenstraße“ Strukturen eines Ghettolagers aufweist. Diese für Westdeutschland singuläre Besonderheit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das den Standort Endenich zu einem überregional bedeutenden historischen Ort macht, an dem Strukturen nationalsozialistischer Politik und Verfolgung deutlich werden. Dadurch, dass die Wirtschaftsgebäude des Klosterkomplexes noch weitestgehend in ihrem ursprünglichen Bauzustand erhalten sind, und das Hauptgebäude nahezu originalgetreu wiederaufgebaut wurde, handelt es sich um einen „authentischen“ Erinnerungsort, der vielfältige Bezüge zur Situation der Menschen ermöglicht, die dort 1941/42 im Ghettolager waren und eine nachhaltige Antwort auf die Standortfrage der Gedenkstätte gibt. Das Ghettolager war Teil des Mordprozesses, den die nationalsozialistische Politik gegenüber den deutschen und europäischen Jüdinnen und Juden in Gang setzte.1 Damit ist es ein einzigartiges Zeugnis der Zeit, das die antisemitische Ideologie der Nationalsozialisten verortbar macht. Dies zu thematisieren und einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, ist zentraler Auftrag am neuen Standort. Opfer- und Täterperspektive treffen an diesem historischen Ort zusammen. Sie geben die Leitlinie dafür vor, sich mit den Prozessen von Inklusion (Einbindung der „völkisch“ als zugehörig definierten Bevölkerung in die „Volksgemeinschaft“) und Exklusion (Ausschluss der so genannten „Gemeinschaftsfremden“) aus der 1 Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden, Frankfurt am Main 2023; zu Raul Hilbergs Bedeutung siehe René Schlott (Hrsg.): Raul Hilberg und die Holocaust-Historiographie, Göttingen 2019 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus; 35).Seite 58 von 110 7 Gemeinschaft der „Volksgenossen“ der NS-Politik zu beschäftigen.2 Die spezifischen Vorgänge in der Bonner Stadtgesellschaft als exemplarisches Beispiel einer mittleren deutschen Universitätsstadt im Nationalsozialismus verdeutlichen dabei die ganze nationalsozialistische Politik. Erinnerungskultur und -politik werden durch den zivilgesellschaftlich und wissenschaftlich geführten Täter- und Opferdiskurs geprägt und haben im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Entwicklungsstufen erfahren. Die Aufarbeitung des Zusammenhangs zwischen Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur in der Bundeshauptstadt Bonn ist vor diesem Hintergrund selbst historisches Thema. Bonn nahm in seiner Hauptstadtfunktion als Sitz verschiedener Regierungen jahrzehntelang eine entscheidende und prägende Rolle in bundesweiten erinnerungspolitischen Diskussionen ein, ohne dass bislang in angemessenem Maße Fragen nach der Verschränkung von nationalen und lokalen Erinnerungsdiskursen und -praktiken in den Fokus genommen und beantwortet wurden. Die oben genannten Leitlinien bestimmen die Einzelelemente der neuen Ausstellung und wirken auf die Themen und die Darstellungsweise ein. Sie werden zudem die museums- und gedenkstättenpädagogische Bildungsarbeit nachhaltig bestimmen. Daher sind sie stets im Fokus zu behalten und mitzudenken. 2 Detlev K. Peukert: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus. Bund-Verlag, Köln 1982; zu Detlev K. Peukerts historiographischer Bedeutung siehe Rüdiger Hachtmann/Sven Reichardt (Hrsg.): Detlev Peukert und die NS-Forschung, Göttingen 2015 (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus; 31).Seite 59 von 110 8 2. Neue Dauerausstellung Die für den neuen Standort geplante Dauerausstellung wird auf der Basis moderner und nachhaltiger Standards in der Ausstellungspraxis konzipiert. Sie wird begleitend zum geplanten Umzug der Institution von Grund auf und in engem Austausch mit dem Team der Gedenkstätte und externen Expertinnen und Experten entwickelt. Zur Umsetzung des Ausstellungskonzepts sind die folgenden Elemente von besonderer Bedeutung: 1. Historische Narration 2. Ausstellungsarchitektur und -design 3. Einsatz von Multimedia 4. Nutzung des Außengeländes 5. Einzelthemen und deren Inhalte 2.1. Historische Narration der Ausstellung Bei der Entwicklung des historischen Erzählstrangs für die künftige Dauerausstellung stehen Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor Herausforderungen, die sich aus dem Zusammenführen der Institutionsgeschichte und den Anforderungen und Potentialen des historischen Ortes ergeben. Seit ihrer Gründung verstehen sich Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum als Erinnerungs- und Dokumentationsort für alle Verfolgte des Nationalsozialismus. Eine Fokussierung der neuen Ausstellung allein auf den historischen Ort bzw. die Verfolgung von Jüdinnen und Juden ist daher weder wünschenswert, noch würde es der Verantwortung der Institution gegenüber Angehörigen und Vertreterinnen und Vertretern anderer Verfolgtengruppen gerecht werden. Zugleich fordert der historische Ort einen stärkeren Fokus als bislang auf den insgesamt bedeutenden Abschnitt der Verfolgungsgeschichte. Mit Blick auf die für heutige Standards unabdingbare Erweiterung der Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und „Zuschauer“ gilt es,Seite 60 von 110 9 diese verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für Besuchende nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen. Erreicht werden soll dies, indem die Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche Wirklichkeiten im NS-Staat kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen Ideenwelten und Propaganda den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und Verfolgung sowie den gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen Deutschland gegenüberzustellen. Dieses Motiv soll sich als roter Faden durch die verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen. So zeigt sich die verschleiernde Sprache der nationalsozialistischen Ideologie beispielhaft in der Bezeichnung des Ghettolagers als „Lagergemeinschaft“. Ebenso deutlich wird der Kontrast in der von Ein- und Ausschließungen und beschönigenden Bildern von Täterorganisationen geprägten scheinbaren „Volksgemeinschaft“, auch in der Stadt Bonn. Immer wieder kann so in der Ausstellung den Versprechungen nationalsozialistischer Politik die historische Realität gegenübergestellt werden. Es soll ein Nachdenken der Besuchenden darüber angeregt werden, welche Folgen diese vermeintlichen Idealbilder und beschönigende Sprache des Nationalsozialismus konkret für die Menschen hatten und wie solche Ideenwelten genutzt wurden, um Macht zu erlangen und zu erhalten. Zudem zeigt eine Gegenüberstellung von Anspruch und historischer Wirklichkeit in einem Ausstellungsbereich zur Nachkriegszeit den Weg von Vergangenheitspolitik zu Erinnerungskultur und darin Bonn, auch in der Rolle als Bundeshauptstadt. Gedankenbildern einer vermeintlichen Übersättigung der Erinnerung wird der unsensible Umgang mit zeithistorisch bedeutsamen Orten, das lange Fehlen einer zentralen Erinnerungsstätte und die Einbindung von Täterinnen und Tätern des Nationalsozialismus in Behörden und Ministerien Bonns gegenübergestellt. Die Ausstellung regt damit Fragen an, welche Rolle die Erinnerung gesellschaftlich in Zukunft spielen kann und soll. Die geläufige Unterscheidung von Opfern, Tätern und Mitläufern soll in der Ausstellung problematisiert werden. Bis in die 1970er Jahre überwogen Schuldabwicklung und Schuldabwehr, die sich bei den Deutschen auch in einer Selbst-Stilisierung zu Opfern zeigte. Tatsächlich war die Nachkriegsgesellschaft vor allem eine Täter- und Mitläufergemeinschaft. Der gesellschaftliche Ausschluss vielerSeite 61 von 110 10 Verfolgtengruppen blieb weitgehend bestehen. Der Kampf Überlebender und Angehöriger um die offizielle Anerkennung als Opfer währte teilweise bis in die 2000er Jahre. 2.2. Ausstellungsarchitektur und –design am neuen Standort Für die bauliche Ertüchtigung und Vorbereitung der Gebäudeteile für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum am historischen Ort und die vorbereitende Planung der Räume für ihre Nutzungen als Ausstellungsräume, Bildungs- und Veranstaltungsräume, Büros, Funktionsräume, Foyer, Bibliothek, sanitäre Einrichtungen wurde parallel ein Architektenbüro beauftragt. Siehe beiliegende Unterlagen des Architektenbüros Waldorfplan. Für die Umsetzung des Ausstellungsdesigns, innenarchitektonischer Einbauten und Ausstellungsmöbel wird ein Gestaltungsbüro mit Erfahrung im Gedenkstättenbereich beauftragt, das auf Grundlage der inhaltlichen Vorgaben des Teams konkrete Vorschläge erarbeitet und für die baulich vorbereiteten Räume realisiert. 2.3. Multimedia-Einsatz in der Ausstellung Der Einsatz von Medien in der Dauerausstellung soll einzelne multimediale Elemente innerhalb der Ausstellung umfassen und einen mobilen Medien-Guide. Dieser ist sowohl stationär und ausleihbar als auch in einer App-basierten Lösung im Sinne von „Bring Your Own Device“ möglich. Für die Ausstellung und ihre pädagogisch-didaktische Erschließung bietet ein Medien-Guide die Vorteile, Texte in der Ausstellung kurz zu halten: Eine erste Textebene führt mit maximal 20 Zeilen Länge ein. Weitergehende Informationen und grundlegende, komplexe Zusammenhänge sind über verschiedene vertiefendeSeite 62 von 110 11 Ebenen des Medien-Guides möglich. Mit Fotos, Videos oder Objekten werden Ausstellungseinheiten realisierbar, die auf Text verzichten und zu einem Thema hinleiten, das dann über den Medien-Guide vertieft werden kann. Ein Medien-Guide ermöglicht es Gruppen und Einzelbesucherinnen und -besuchern, sich selbstständig die Ausstellung zu erschließen. Für diesen Zweck können thematische Routen durch die Ausstellung programmiert werden und freie Vermittlungsformate, die sich speziell an den Interessen der Teilnehmenden orientieren. Auch können so Inhalte fortlaufend ergänzt und aktuell aufbereitet zur Verfügung gestellt werden. Vor dem Hintergrund sich wandelnder Sehgewohnheiten und Aufmerksamkeitsspannen kann ein Wechsel zwischen Bild-, Ton- und Filmausschnitten die Nachhaltigkeit der Bildungsarbeit erhöhen. Auch in Bezug auf Themen wie Rechtsextremismus, Antisemitismus und auch beim Vermitteln von Medienkompetenz sollen zudem Elemente der Gamification, etwa in Form von Serious Games (Lernspiele, die Information und Bildung vermitteln), interaktiv in der Bildungsarbeit eingesetzt werden. Nicht zuletzt bietet der Medien-Guide entscheidende Potentiale im Bereich der Inklusion. Angefangen bei einer konsequenten Mehrsprachigkeit, stellt der Guide Materialien in einfacher Sprache bereit und bietet Zugänge für Menschen mit Seheinschränkungen. Diese inklusiven Aspekte werden bereits bei der Ausstellungsgestaltung berücksichtigt, indem etwa aufrufbare Nummern haptisch gestaltet werden und die Bedienung des Guides barrierearm möglich ist. Eine Systemlösung durch einen Anbieter von Ausstellungssoftware ist hier notwendig. Auch muss ein professioneller Mediengestalter eingebunden werden. Das Mediendesign muss in Kooperation mit dem Team der Gedenkstätte passend zur Ausstellung entwickelt werden. Idealerweise sollten die Inhalte von den Mitarbeitenden später einfach zu aktualisieren sein.Seite 63 von 110 12 2.4. Außengelände Das Außengelände von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum soll in einem noch zu bestimmenden Umfang genutzt werden. Denkbar sind Informationsstationen wie Tafeln oder Stelen, die zum Beispiel über die Zwangsarbeit der Internierten informieren. Der Außenbereich bietet auch Raum für künstlerische Auseinandersetzungen mit den NS-Verbrechen an diesem Ort. Wünschenswert ist der Zugang bei bestimmten Anlässen zu einer exemplarischen Klosterzelle, in der die Ghettobewohner 1941/42 zum Teil zwangsuntergebracht waren. Die langgezogene Mauer an der Zugangsstraße zur zukünftigen Gedenkstätte kommt für eine Nutzung in Frage. Geplant ist hier oder im Eingangsbereich der Gedenkstätte ein dreidimensionales ggf. wetterfestes Tastmodell des gesamten Gebäudekomplexes. Dies bringt Besucherinnen und Besuchern den Ort plastisch näher und bietet nicht allein Menschen mit Seheinschränkungen eine Hilfe beim eigenständigen Erfassen des weitläufigen ehemaligen Klostergeländes. 2.5. Themen der Ausstellung Folgende Themen strukturieren die Ausstellung und bilden den Erzählstrang für die einzelnen Inhalte: 1. Ghettolager Endenich - Vorgeschichte des Klosters, planmäßige Aufhebung von Klöstern im Nationalsozialismus, Stationen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik: Definition, Enteignung, Ausschluss und Konzentration (nach Raul Hilberg), Situation im Ghettolager, Deportation, Ermordung 2. Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus 3. Biografien – Lebenswege – Mikrogeschichte und FallrekonstruktionSeite 64 von 110 13 4. Vergangenheitspolitik – Entwicklungen in der Nachkriegsgesellschaft und Umgang mit den nationalsozialistischen Verbrechen 5. Raum des Gedenkens Die Zuordnung der vorhandenen Räume ist entworfen, muss aber auf Grundlage der Ergebnisse der Fachplaner und der Möglichkeiten der baulichen Umsetzung noch endgültig festgelegt werden. Die Ausstellung wird barrierefrei, ohne dass die grundlegende thematische Gliederung der Räume dabei berührt wird. Eine Skizze und ein Drehbuch für die praktische inhaltliche Umsetzung, in denen der Platzbedarf, die räumlichen Möglichkeiten und baulichen Beschränkungen berücksichtigt sind, liegt vor. 2.6 Stationen der Ausstellung 2.6.1 „Endenich ist noch vielleicht das Ende nich“ (Felix Hausdorff) – Ein Ghettolager im Westen Ein Alleinstellungsmerkmal dieses Ortes ist, dass 1941 mit der euphemistisch bezeichneten „Lagergemeinschaft“ ein beschlagnahmtes Kloster (historischer Hintergrund: nationalsozialistischer „Klostersturm“) zu einem Ghettolager als nationalsozialistischem Zwangslager umfunktioniert wurde. Die bauliche Struktur des Klosters mit gemeinschaftlichen Räumen und den Zellen zur Unterbringung von jüdischen Familien und Personengruppen am Rande der Stadt ließen es der Gestapo als Lager geeignet erscheinen. Von einem „Ghettolager im Westen“ spricht die Gedenkstätte Bonn aufgrund von gemeinsamen Strukturmerkmalen mit Ghettolagern wie sie die Deutschen unter anderem im besetzten Polen für die jüdische Bevölkerung betrieben. Diesen Ghettos kam zur Durchführung des Holocaust eine zentrale Bedeutung als eine Station zur Vernichtung zu. Anders als in der überwiegenden Zahl der Deportationslager auf deutschem Boden, wo der Verbleib der Menschen sich auf wenige Tage oder Wochen belief, betrug dieser in Endenich bis zu einem Jahr.Seite 65 von 110 14 Das Lager diente der Zusammenlegung und Isolation der noch in Bonn und der näheren Umgebung lebenden Jüdinnen und Juden, um diese aus dem Stadtbild und der Stadtgesellschaft auszuschließen. Dieser Aspekt der „Konzentration“ ist ein entscheidender Schritt im Hilbergschen Modell des nationalsozialistischen Verfolgungsprozesses, wie er in deutschen Städten und im von Deutschland besetzten Europa immer wieder so oder in ähnlicher Form von den Machthabern bzw. Besatzern durchgeführt wurde: Auf die Definition, wer unter die rassistische Zuschreibung „Jüdinnen und Juden“ fiel, folgte die wirtschaftliche Ausbeutung und Enteignung, ihre Zusammenlegung in „Judenhäusern“ (Ghettohäusern), Sammel- und Ghettolagern, die Deportation und Ermordung. Diese Vorgänge und der Alltag im Ghettolager werden zu Beginn der Ausstellung dargestellt, um die Dimension der Verfolgung und damit die Bedeutung des Ortes einzuordnen. Einzelne Biografien der etwa 480 im Ghettolager Internierten sollen in diesem Raum exemplarisch auf Schaustelen vorgestellt werden. Hierbei ist der jeweilige Deportationsweg von Theresienstadt zu anderen Lagern, oder direkt zu den Vernichtungsstätten nach Majdanek, Sobibor und Malyj Trostenez darzustellen. Ergänzend wird die Hausliste digital zur Verfügung gestellt. Die Liste wurde 1963 erstmals ediert und durch die Gedenkstätte weiter beforscht. Diese kann hier im Original bzw. transkribiert eingesehen werden und ist mit der biographischen Datenbank im Gedenkraum verknüpft. Die Inhaltliche Darstellung beginnt am Ausgangspunkt der Geschichte des Klosters. Dabei wird ab 1941 auf die vormalige Visitation der Gestapo 1938 sowie auf einige Resistenz der Ordensschwestern und ihrer Priorin eingegangen. Zentral ist dabei der „Klostersturm“ im Rheinland, die Beschlagnahme und Enteignung 1941 und die Reaktion und Beteiligung des Ordens der Benediktinerinnen und der katholischen Kirche – z. B. der Empfang von Mietzahlungen und Entschädigung. Außerdem wird auf die Nutzung des konfiszierten Gebäudes als Richtfunkstation der Wehrmacht nach der letzten Deportation der Gefangenen, die Zerstörung durch alliierte Luftangriffe und den Wiederaufbau als Kloster eingegangen. Die Geschichte dieses „Ghettolagers im Westen“ (1941/42) als eine Station der Schoah und die Verfolgung der Juden im regionalen und lokalen Fall werden rekonstruiert; Funktion und Struktur des Ghettolagers werden erklärt.Seite 66 von 110 15 Strukturmerkmale sind unter anderen die aufgezwungene Selbstverwaltung, die kulturelle Selbstbehauptung und die Zwangsarbeit der Bewohnerinnen und Bewohner. Hierzu werden die lokalen Wege der Zwangsarbeitenden in die Region beschrieben und kartografisch dargestellt. Es sollen beispielhafte Arbeitsstellen vorgestellt werden. Wichtige Themen sind das Leben, die Gemeinschaft und die Beziehungen der im Ghettolager internierten Bewohnerinnen und Bewohner zueinander:3 Die Bedingungen im Ghettolager, Kontakte zur Außenwelt, die vereinzelt zeitweise möglich waren, die kulturell-religiöse Praxis, die Ernährungssituation und Beschulung und welche Auswirkungen das Lagerleben auf das Handeln und die Einstellungen der Internierten hatte. Grundlage hierfür sind Briefe und andere Selbstzeugnisse, die im Ghettolager oder während der folgenden Deportationen verfasst wurden.4 Weiterhin soll die demographische Zusammensetzung der Menschen im Ghettolager nach Geschlecht, Altersstruktur, vorherigen Wohnorten und Beruf erfasst werden. Besondere Berücksichtigung erfährt, welche Auswirkungen die demographischen Merkmale auf die Zuordnung zu den verschiedenen Deportationen hatten und welche Rückwirkungen diese auf die Gemeinschaft hatten. Zentral sind die Vorbereitung und Durchführung der Deportationen im Oktober 1941 und im Juni und Juli 1942. Reaktionen der Internierten auf die anstehenden Deportationen und deren Durchführung werden anhand überlieferter Briefe und Aufzeichnungen geschildert: Abholung durch Kölner Polizei mit LKWs/Bussen, Transporte zum Bahnhof Köln-Deutz ins dortige Messelager. Ein Augenmerk gilt der Rekonstruktion der Bedingungen bei den Transporten. Die Geschichte der Deportationsziele und der dort befindlichen Konzentrations- und Vernichtungslager wird zugänglich gemacht. 3 Anna Hájková: The last Ghetto. An Everyday History of Theresienstadt, Oxford 2020 und Menschen ohne Geschichte sind Staub: Homophobie und Holocaust, Göttingen 2021. 4 Zur Bedeutung solcher Zeugnisse siehe Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945, München 2006 und Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 – 1945, Bd. 6 Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren Oktober 1941 – März 1943. Bearbeitet von Susanne Heim, Mitarbeit Maria Wilke, siehe hier S. 381.Seite 67 von 110 16 Über Umlandbeziehungen wird die Außenbetrachtung des Lagers erschlossen: Was wusste die Bonner bzw. Endenicher Bevölkerung vom Ghettolager Endenich? Welche Beziehungen gab es zwischen dem Ghettolager und NS-Behörden und - Verbänden, welche Wirtschaftsbeziehungen bestanden in die Stadt Bonn? Wie wirkten Institutionen, Behörden, Unternehmen und Verbände am Ausschluss der Jüdinnen und Juden aus der „Volksgemeinschaft“ mit? Wie reagierte die katholische Kirche auf die Enteignung des Klosters? 2.6.2 „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus zwischen Alltag und Terror Der zweite Abschnitt der Ausstellung stellt die Bonner Stadtgesellschaft im Nationalsozialismus vor. Dabei wird das Leben von Verfolgten, Täterinnen und Tätern, Mitläuferinnen und Mitläufern und Zuschauern im nationalsozialistischen Alltag in Bonn thematisiert. Die Verfolgtengruppen werden nicht einzeln präsentiert – auch um eine scheinbare Übernahme nationalsozialistischer Kategorien zu vermeiden –, sondern der Blick wird erweitert auf die Gleichzeitigkeit und Verflochtenheit der Themen und Biografien. Um eine sinnvolle inhaltliche Erschließung zu ermöglichen, werden fünf Themenkomplexe gebildet. Diese bieten jeweils Anknüpfungspunkte an individuelle Kontexte der Verfolgung und an Aspekte der Alltagsgeschichte. Gewählt wurden die Themen „Arbeit“, „Jugend“, „Freizeit“, „Beziehungen“ und „Gesundheit“. Innerhalb dieser werden unterschiedliche Teilaspekte der Stadtgesellschaft und individuelle biografische Erfahrungen thematisiert. Dabei werden nicht alle Unterthemen textlich erscheinen, sondern manche durch Fotos oder Objekte präsentiert, um das Interesse an der dahinterliegenden Geschichte zu wecken. Zur näheren Auseinandersetzung und Kontextualisierung wird entsprechend auf den Medien-Guide verwiesen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wird die Ausstellungsarchitektur so gestaltet, dass jederzeit Änderungen und Aktualisierungen möglich sind. So sollen hauptsächlich modulare Lösungen gewählt werden, die es erlauben, neue Forschungsergebnisse jederzeit zu ergänzen und umzugestalten. Auch ist für die Bildungsarbeit so dieSeite 68 von 110 17 Möglichkeit gegeben, auf Reflexionsprozesse innerhalb des Teams und unter Teilnehmenden zu reagieren: Neue Erkenntnisse können einfach, zeitnah und ressourcenschonend ergänzt werden. Für die einzelnen Themen stehen zahlreiche familiäre Fallbeispiele aus Bonn und der Region zur Verfügung, etwa aus den Bereichen Schoah, Zwangsarbeit, politische oder religiöse Gegnerschaft, Kriegsgefangenschaft, Verfolgung von Sinti, Menschen mit Krankheiten und Behinderungen oder soziale Randgruppen, die als „asozial“ diffamiert und verfolgt wurden, sowie zum Wirken von Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, nationalsozialistischer Propaganda und Jugendorganisationen. Durch die Gleichzeitigkeit der Geschehnisse wird verdeutlicht, wie das nationalsozialistische System gesamtgesellschaftlich wirkte und in sämtliche Bereiche des Alltags der Menschen eingriff. Gleichzeitig existierten Ausgrenzung und Verfolgung und eine erhöhte individuelle Wirkmacht für Unterstützende des Nationalsozialismus. Mit Blick auf die oftmals rudimentären Vorkenntnisse von Teilnehmenden an Bildungsformaten und Besucherinnen und Besuchern insgesamt, muss über Nationalsozialismus und die Diktatur aufgeklärt werden: Ein ideologisches System, das alle Menschen unter seiner Herrschaft – und darüber hinaus – direkt beeinflusste. Über die einzelnen Motive wird daher niedrigschwellig an verschiedenste Kontexte herangeführt, ohne dass vorab zwingend alle Besonderheiten der Verfolgung bekannt sein müssen. Gleichzeitig bietet der Medien- Guide zu den einzelnen Fallbeispielen vertiefende Inhalte in unterschiedlicher Komplexität an. Nicht zuletzt bieten sich hier für die pädagogische Arbeit Anknüpfungspunkte für die weitergehende Beschäftigung. Alle fünf Motive betreffen Aspekte des Lebens, die für viele Besucherinnen und Besucher auch Teil ihres alltäglichen Erlebens sind. Es fällt somit leichter, konkrete Auswirkungen in verschiedensten Richtungen nachzuvollziehen, einzuordnen und die wachsende zeitliche Distanz zu den Verbrechen zu überbrücken. Gerade die Auswahl der Motive erlaubt es, Gegenwartsbezüge herzustellen und die Konsequenzen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und nationalsozialistischer Gesellschaftsbilder zu verdeutlichen und zu hinterfragen.Seite 69 von 110 18 Zur Orientierung innerhalb dieses Raumes wird die Chronologie der NS-Zeit als Zeitstrahl und/oder in digitaler Form dargestellt, die wichtige Ereignisse anzeigt und mit Hilfe des Medien-Guides vertieft werden kann. Digitale thematische Karten der Topografie des NS-Terrors werden die Verortung nationalsozialistischer und gleichgeschalteter Institutionen in Bonn zeigen. Auf den Boden projiziert zeigen sie auf mehreren Ebenen abrufbar, wie der Nationalsozialismus sich in Bonn etablierte, aber auch wo von der Verfolgung betroffene Menschen lebten und es Widerstand gab. 2.6.3 Biografien Auch in diesem Themenkomplex wird es keine Einteilung in Verfolgtengruppen geben, um eine Hierarchisierung und Wertung zu vermeiden. Vorgesehen ist die Präsentation einzelner Lebenswege, die nebeneinander für den Ausschluss als prägendes Element der NS-“Volksgemeinschaft“ stehen. Dafür können bspw. großflächige Fotos in Wendepanelen mit kurzen biografischen Texten auf der Rückseite kombiniert werden. Mit Hilfe einer Medienstation oder des Medien-Guides werden weitere Lebensläufe bspw. der Familienmitglieder ergänzt, um so eine größere Anzahl von Biografien zugänglich zu machen und ein komplexes Bild der Verfolgungssituation zu verdeutlichen. Dies ermöglicht eine individuelle Auseinandersetzung der Besuchenden mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und den Folgen für einzelne Personen und deren Familien. Eine Verknüpfung mit der biographischen Datenbank im Gedenkraum ist auch hier sinnvoll. Weitere vertiefende und systematische Informationen zu Besonderheiten der Verfolgung von Sinti und Roma, Homosexuellen, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und anderen lassen sich über den Medien-Guide, multimediale Elemente oder ausziehbare Schubladen oder Paneele vertiefen. In die inhaltliche Darstellung werden bspw. oppositionelle Einstellungen (politisch, kirchlich, weltanschaulich) und unangepasstes Verhalten, Homosexualität, die Stigmatisierung als „asozial“, die rassistische Verfolgung, sogenannte „Rheinlandbastarde“, die Abwertung von Menschen mit psychischen Krankheiten und Behinderungen, aber auch Beispiele von Menschen, die den NationalsozialismusSeite 70 von 110 19 gebilligt oder aus Überzeugung unterstützt haben, aufgenommen. Hier ist eine Vielfalt verschiedener Lebenswege vorgesehen, die Anknüpfungspunkte für die Besuchenden bieten. 2.6.4 Gedenkraum Der bisherige Gedenkraum wird in die neue Dauerausstellung aufgenommen. Jeder ermordete Mensch ist gegenwärtig durch einen schwarzen Bilderrahmen repräsentiert; verzeichnet sind jeweils Namen und Lebensdaten, wo möglich ist ein Bild integriert, sofern es die Überlieferung erlaubt. Die Bilderrahmen für die Opfer sind in alphabetischer Reihenfolge sortiert. Bei Bekanntwerden neuer Opfer wurden diese am Ende ergänzt; nach einer gewissen Zeit war jedoch eine aufwändige Neusortierung der Rahmen notwendig. Daher wird in Endenich eine leichter zu aktualisierende Lösung angestrebt. Im Gedenkraum steht eine biographische Datenbank zur Verfügung. Diese ebnet den Weg zu einer modernen digitalen Darbietung und einer Informationsverknüpfung zwischen den Ausstellungsräumen. Auch von außerhalb der Gedenkstätte kann über einen Online-Zugang auf die Informationen zugegriffen werden. Kurzbiografien können sukzessive integriert werden und über die Lebensdaten hinaus eine Auseinandersetzung mit den Menschen ermöglichen. Angehörige von NS-Verfolgten können hier niedrigschwellig online Informationen zu den Verfolgten einsehen, die durch einen Besuch des NS-Dokumentationszentrums oder eine Kontaktaufnahme vertieft werden können. Die Recherche und Erstellung einer solch umfangreichen Datenbank erfordert personelle und zeitliche Ressourcen. Die räumliche Platzierung des Gedenkraums im Rundgang der Dauerausstellung ist noch nicht abschließend geklärt.Seite 71 von 110 20 2.6.5 Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn und „Bonner Republik“ Der bundesrepublikanische Umgang mit der Erinnerung an den Nationalsozialismus und den Holocaust ist durch verschiedene Phasen gekennzeichnet. In den Anfangsjahren der jungen Republik und noch bis in die ausgehenden sechziger Jahre herrschte beredtes Beschweigen vor, verbunden mit verbreiteter Schuldabwehr und -umkehr. Eine aktive Vergangenheitspolitik integrierte Belastete und betrieb gleichzeitig eine normativ-institutionelle Abgrenzung von der NS- Gesellschaft.5 In einem Ausstellungsteil wird die Bonner Stadtgesellschaft als Beispiel für die Entwicklungen in der Nachkriegszeit gezeigt: von der Abwehr von Erinnerung und Schuld hin zu einer kritischen Geschichtsbewegung, getragen von bürgerschaftlichem Engagement.6 Durch die herausgehobene Stellung Bonns als Bundeshauptstadt mit Regierungssitz erhielt deren Umgang mit der NS-Diktatur, deren Verbrechen und Opfern überregionale Bedeutung. Hier lassen sich entscheidende Schritte auf dem Weg zu einer Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen aufzeigen. Die teilweise personelle Kontinuität aus der NS-Zeit in Politik und Behörden hatte spezifische Auswirkungen auf die Erinnerungspolitik in der Stadt des Regierungssitzes.7 Konflikte darum wurden immer wieder öffentlich sichtbar, teilweise befördert durch Kampagnen der DDR. Dem Schweigen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik folgte mit Abstand etwa einer halben Generation nach Kriegsende erstmals eine breitere Diskussion. Deren Träger waren vor allem die jüngeren Jahrgänge der im Krieg Geborenen und die Nachkriegsgeneration sowie eine Vielzahl von Publizistinnen und Publizisten, die 5 Norbert Frei: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, München, Auflage 2022; Jeffrey: Zweierlei Erinnerung, Die NS-Vergangenheit im geteilten Deutschland, Berlin 1989; Die Verfolgung von NS-Tätern im geteilten Deutschland. Vergangenheitsbewältigungen 1949–1969 oder: Eine deutsch-deutsche Beziehungsgeschichte im Kalten Krieg, Paderborn 2002. 6 Lutz Niethammer (Hrsg.): Lebenserfahrung und kollektives Gedächtnis. Die Praxis der „Oral History", Frankfurt am Main 1980; Hannes Heer und Volker Ullrich (Hrsg.): Geschichte entdecken, Erfahrungen und Projekte der neuen Geschichtsbewegung, Reinbek bei Hamburg 1985. 7 Vgl. auch Jens-Jürgen Ventzki: Seine Schatten, meine Bilder. Eine Spurensuche, Innsbruck 2011.Seite 72 von 110 21 Jugendorganisationen der SPD und der Gewerkschaften, sowie zurückgekehrte Intellektuelle. Dabei wurde die Haltung der Elterngeneration kritisch hinterfragt. Vereinzelt erschienen nun auch in Bonn Arbeiten zur Verfolgung der jüdischen Bevölkerung, in denen das Ghettolager erstmals wissenschaftlich Erwähnung fand.8 Parallel werteten Studierende aus dem Umfeld des SDS das „Braunbuch“ und andere Publikationen aus der DDR aus und informierten in einem polemischen „Führer durch das braune Bonn“ über Beamte in Ministerien und Behörden und deren Vorgeschichte in Entscheidungspositionen des Nationalsozialismus. In den ausgehenden 1970er-Jahren entstand unter dem Eindruck der Ausstrahlung der US-Fernsehserie „Holocaust“ eine neue Bewegung, die „Geschichte von unten“, die Alltags-Geschichte aus der Perspektive der Opfer antrieb. Daraus entwickelte sich auch in Bonn ein bürgerschaftliches Engagement, das sich auf die Spurensuche vor Ort machte. Nach dem bildhaften Motto des schwedischen Alltagshistorikers Sven Lindqvist „Grabe, wo Du stehst“ suchte die neue Geschichtsbewegung nach den Stätten des NS-Terrors vor Ort.9 Den Diskurs trugen Opferverbände, Geschichtswerkstätten und Einzelpersonen. Die offizielle Aufarbeitung der Vergangenheit in den demokratischen Verfassungsorganen und Regierungsinstitutionen der Bundesrepublik hingegen kam erst in den zweieinhalb Jahrzehnten nach dem 40. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation in Gang. Ab den 1980er-Jahren wurde verstärkt über ein nationales Denkmal in Erinnerung an die NS-Verbrechen diskutiert. Zur Diskussion stand zum Beispiel der Bonner Nordfriedhof. Auch das Gedenken im Bundestag bedingte eine besondere Bonner Relevanz in diesem Kontext. 8 Siehe Otto Neugebauer: Ein Dokument der jüdischen Bevölkerung Bonns und seiner Umgebung, in: Bonner Geschichtsblätter Bd. 18, 1964, S. 158-229 zur Hausliste des Ghettolagers und ders.: Der Pogrom vom 10. November 1938, in: Bonner Geschichtsblätter Bd. 19, 1965, S. 196-206 und Edith Ennen und Dieter Höroldt: Vom Römerkastell zur Bundeshauptstadt. Kleine Geschichte der Stadt Bonn, hrsg. von der Stadt Bonn, 1.-4. Aufl. 1966-1985. 9 Sven Lindqvist: Grabe wo du stehst. Handbuch zur Erforschung der eigenen Geschichte, Bonn 1989.Seite 73 von 110 22 Inhaltliche Darstellung: In diesem Ausstellungsteil soll dargestellt werden, wann und wie in der postnazistischen Bonner Gesellschaft die NS-Zeit thematisiert wurde. Besondere Berücksichtigung erfährt dabei Bonn als Bundes(haupt-)stadt. Der Funktion als Regierungssitz entsprang eine besondere Rolle Bonns bei der Integration ehemals NS-Belasteter. Die teilweise personelle Kontinuität hatte Auswirkungen und schlug sich auch in Konflikten um die Gedenk- und Erinnerungspolitik nieder. Auf der anderen Seite steht das Gedenken durch die Bonner Stadtgesellschaft. Hier wird die Institutionsgeschichte der Gedenkstätte und des NS- Dokumentationszentrums Bonn darzustellen sein. Beides ging hervor aus dem bürgerschaftlichen Engagement in den 1980ern und entzündete sich an symbolisch aufgeladenen Konflikten um Stadtplanung und -entwicklung in der Bonner Baupolitik, beispielsweise dem Streit um die Bebauung des ehemaligen Standortes der 1938 zerstörten Synagoge mit einem Hotel. Der 1984 gegründete Verein „An der Synagoge e.V.“ war 37 Jahre lang war an verschiedenen Standorten Träger der Gedenkstätte und ihrer wissenschaftlichen und pädagogischen Arbeit. Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen, Vereine und Intuitionen waren Mitglied im Trägerverein und unterstützten die Gründung und Arbeit. Mit dem Umzug nach Endenich wird endlich ein angemessener Rahmen am historischen Ort für die Erinnerung geschaffen. Auch die Reaktionen Überlebender auf den Umgang mit der NS-Zeit, die Integration von DPs und Vertriebenen sollen gezeigt werden. Ihre Selbstorganisation, die aufgrund ausbleibender gesellschaftlicher Anerkennung und Bereitschaft zur Entschädigung notwendig wurde, wird aufgezeigt und gewürdigt. Die sukzessive Öffnung von Gesprächsmöglichkeiten wie den von 1980 bis 2013 durchgeführten „Begegnungswochen“ der Stadt mit überlebenden bzw. ins Exil geflohenen Jüdinnen und Juden wird vorgestellt. Und es wird gezeigt, was die Arbeit der Gedenkstätte und das Erinnern für die Nachkommen von Verfolgten bedeuten.Seite 74 von 110 23 3. Neuausrichtung der Bildungsarbeit Zahlreiche weiterführende Schulen und andere Gruppen nehmen pädagogische Angebote der Gedenkstätte wahr. Der historische Ort wird und soll stärker als bisher national und international Aufmerksamkeit erfahren und die Bedeutung der Gedenkstätte erweitern. Damit muss sich die Bildungsarbeit am historischen Standort in Endenich neuen Chancen und Herausforderungen stellen: Bildungsformate müssen ergänzt und neue Formate entwickelt werden. Historisch authentische Orte erzeugen großes Interesse, das es zu nutzen gilt. Eine neue Dauerausstellung mit eigenständigem museumspädagogischem Ansatz wird erarbeitet. Die gedenkstättenpädagogische Bildungsarbeit ist für den Standort, dessen Umfeld sowie Stadt und Region neu zu gestalten. Der authentische historische Ort als wirkmächtiges Potential - das „Gedächtnis des Ortes“ – legt die Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Verortung der NS-Verbrechen nahe, die gerade auch für die pädagogische Arbeit wertvoll ist. Diese Erfahrung wird nutzbar durch Bezüge zum Ghettolager und seiner Geschichte in der Bildungsarbeit: sowohl in der Ausstellung als auch in bestehenden und neu zu entwickelnden Bildungsformaten. Das Interesse und die Identifikation von Einwohnerinnen und Einwohnern, Schulen und Vereinen an der Geschichte ihrer Stadtteile wird mit Formaten aufgegriffen, die ihnen die Situation der Menschen während der NS-Zeit vermitteln und Teilnehmende einladen, vor Ort auf Spurensuche zu gehen. In der Gedenkstätte und deren unmittelbarem Umfeld - Klostergebäude und Außenanlagen – sowie im Innenstadtgebiet und in den Stadtteilen wird so ermöglicht, die Topographie des Terrors im eigenen Lebensumfeld kennenzulernen.Seite 75 von 110 24 3.1 Museumspädagogischer Ansatz für die Dauerausstellung Die Dauerausstellung wird aus museumspädagogischer Sicht modernisiert. Lesegewohnheiten haben sich insbesondere in den jüngeren Zielgruppen verändert. Einführende Ausstellungstexte sind auf 10-15 Zeilen in hervorgehobener Schriftgröße ausgerichtet und geben auf dieser ersten Ebene Informationen zur Einordnung und zum Verständnis der Themen. Bilder und Exponate erhalten Bildunterschriften und Quellenangaben; Urkunden werden ggf. transkribiert und zusammengefasst angezeigt. Zugleich werden vertiefende Informationen angeboten, bei denen die Besucherinnen und Besucher entscheiden, ob und in welcher Tiefe (Umfang) sie sie nutzen möchten. Module nach dem Schubladenprinzip als innenarchitektonisches Gestaltungselement, ergänzt durch den Medien-Guide, sollen die Neugier der Besucherinnen und Besucher wecken und eine zielführende Informationsvermittlung ermöglichen. Von der Fokussierung auf leicht verständliche Texte auf der ersten Bildebene profitieren dabei auch, aber längst nicht allein, inklusive Zielgruppen. Die vertiefenden Angebote im Medien-Guide werden mehrere Ebenen und verschiedene Verknüpfungen enthalten und interaktives, exploratives und spielerisches Lernen ermöglichen. Das Ausweichen auf eine zweite, mediale Ebene dient dabei nicht primär als Erweiterung der textlichen Vermittlungsebene, sondern birgt multimediale Potentiale. Gemäß üblichem Standard werden alle Texte mindestens zweisprachig auf Deutsch und Englisch verfügbar sein. Dies ist aufgrund der globalen Dimension der vermittelten Inhalte und den Besuchenden aus aller Welt geboten. Dadurch dass verschiedene, durchaus auch ambivalente Lebensläufe in der Ausstellung vorgestellt werden, entsteht bewusst eine Multiperspektivität. Durch die individuellen Lebensläufe wird die Unmittelbarkeit der historischen Realität trotz wachsenden zeitlichen Abstands gewahrt. Zeitgleich leistet der Ansatz einen wichtigen Beitrag zur immanenten Erinnerungsfunktion des Ortes. In den betreffenden Ausstellungsteilen werden Zeit- und Selbstzeugnisse und Quellen viaSeite 76 von 110 25 Medien-Guide abrufbar sein. Diese bilden auch Anknüpfungspunkte für internationale Besucherinnen und Besucher, die einen familiären Bezug zu Bonn haben. Die Gestaltung wird durch professionelles modernes Ausstellungsdesign auf heutige Sehgewohnheiten und Mediennutzung angepasst. Für Teilnehmende der Bildungsprogramme und einzelne Besuchende ist es entscheidend, dass sich die Gestaltung durch ein klares Leitsystem eigenständ
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 23:11 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de