230255-01 · Mitteilungsvorlage
Erstellung eines gesamtstädtischen Konzeptes zur wassersensitiven Stadtentwicklung in Bonn nach dem Prinzip der Schwammstadt – Präsentation des Zwischenberichts
Kerndaten
- Nummer
- 230255-01
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 11.08.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
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Mitteilungsvorlage öffentlich 230255-01 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Erstellung eines gesamtstädtischen Konzeptes zur wassersensitiven Stadtentwicklung in Bonn nach dem Prinzip der Schwammstadt – Präsentation des Zwischenberichts Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 29.08.2023 Kenntnisnahme Mitteilung: Wie zuletzt anhand der DS-Nr. 230255 erläutert, wurde im Dezember 2022 mit der Ausarbeitung des Schwammstadtkonzeptes für die Stadt Bonn begonnen. Die Verwaltung legt nun den gemeinsam mit dem beauftragten Büro „MUST Städtebau GmbH“ erarbeiteten Zwischenbericht zum aktuellen Sachstand vor (s. Zwischenbericht in der Anlage). Im ersten Schritt wurden eine profunde Grundlagenermittlung sowie Positionsbestimmung durchgeführt, um darauf aufbauend das strategische Zielbild zu definieren. Teil des vorliegenden Zwischenberichtes ist zudem ein räumliches Leitbild, eine Karte der Gelegenheitsfenster sowie der Auftakt für eine wachsende Projektkarte mit „good practice“ Beispielen im Sinne der Schwammstadt. In der zweiten Projektphase (Juli – Dezember 2023) wird die Vorbereitung der Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen sowie der Implementierung von Anforderungen in relevante Verwaltungsprozesse im Fokus stehen. Hierzu wird ein Maßnahmenkatalog (u.a. analytische, baulich-räumliche, prozessuale und kommunikative Maßnahmen) erarbeitet. Zudem werden für fünf Standorte in Bonn Modellprojekte skizziert und ein Kommunikationskonzept entwickelt (s. Zwischenbericht, S.85). Das finale Konzept soll zum Jahresende 2023 fertiggestellt sein. Das Projekt liegt im definierten Zeitplan (s. Zwischenbericht, S. 8). Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im AUKLA am 29.08.2023 durch „MUST Städtebau GmbH“. Anlage/n 1 Zwischenbericht Schwammstadt Bonn (öffentlich)Seite 1 von 65 SCHWAMMSTADTBONNSCHWAMM ZWISCHENBERICHT GESAMTSTÄDTISCHES KONZEPT ZUR HITZE- UND TROCKENHEITSVORSORGE UNTER EINSATZ VON REGENWASSER STADT BONNSeite 2 von 65 Impressum Auftragnehmerin: MUST Städtebau GmbH Eigelstein 103–113 50668 Köln mail@must.eu www.must.eu Bearbeitung: Dr. Jan Benden Paula Erckmann Auftraggeberin: Bundesstadt Bonn Amt für Umwelt und Stadtgrün Klimaanpassung und -vorsorge (67-41) Berliner Platz 2 53111 Bonn Ansprechpartnerinnen: Jessica Löffler Dr. Britta Holbeck Köln, 08. August 2023Seite 3 von 65 Inhalt 1. Hintergrund 4 2. Ziele der Schwammstadt 10 2.1 Ziel 1: Hitzebelastung durch Verdunstung mindern! 12 2.2 Ziel 2: Stadtgrün gegen Trockenheit wappnen! 14 2.3 Ziel 3: Synergiepotenziale ausschöpfen! 15 2.4 Operationalisierung der Ziele (Ausblick) 17 3. Rahmenbedingungen für die Schwammstadt 18 3.1 Grundlagenermittlung 19 3.2 Zusammenfassende Bewertung (SWOT) 36 4. Strategie für die Schwammstadt 38 4.1 Leitbild 39 4.2 Leitkarte für die Schwammstadt 41 4.3 Gelegenheitsfenster für die Schwammstadt 49 4.4 Leuchtturmprojekte der Schwammstadt („good practice“) 53 5. Bausteine der Schwammstadt 54 5.1 Bausteine zur Verdunstungskühlung 55 5.2 Bausteine zur Speicherung von Regenwasser 78 6. Ausblick 84Seite 4 von 65 1. Hintergrund Hintergrund 01Seite 5 von 65 Schwammstadt Bonn Hintergrund Die Bundesstadt Bonn zählt mit fast 330.000 Einwoh- ner*innen zu den zwanzig größten Städten der Bun- desrepublik Deutschland. Sie gehört zu den Metropol- regionen Rheinland und Rhein-Ruhr und liegt damit in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Euro- pas. Die Lage am Rhein und der vergleichsweise hohe Anteil an öffentlich zugänglichen Grünanlagen sind mitentscheidend für das Erscheinungsbild der Stadt. Bonn verzeichnet ein kontinuierliches Bevölkerungs- wachstum. Bis zum Jahr 2040 wird auf Grundlage der Bevölkerungsvorausberechnung mit einem Zuwachs von rund 12 Prozent gerechnet. Damit gehört Bonn zu den 11 kreisfreien Städten in NRW, die landesweit die höchsten Zuwächse aufweisen werden. Mit dem dyna- mischen Bevölkerungswachstum geht ein zunehmen- der Nutzungsdruck auf noch vorhandene Freiflächen einher. Gleichzeitig ergeben sich durch die nicht mehr ab- wendbaren Folgen des fortschreitenden Klimawandels besondere Herausforderungen und Anpassungsbe- darfe. Starkregenereignisse werden in Häufigkeit und Intensität zunehmen, ebenso wie Hitze- und Dürrepe- rioden. Die Entstehung neuer Baugebiete sowie Nach- verdichtungen im Bestand führten und führen zu einer Zunahme der Bodenversiegelung, verbunden mit der Gefahr einer zunehmenden Erwärmung und damit einer Verschlechterung des Mikroklimas. Der Verlust an versickerungsfähigen Flächen bewirkt eine nega- tive Veränderung der natürlichen Wasserbilanz. Das Niederschlagswasser fließt schneller ab und steht nicht mehr für Retention, Versickerung und Verdunstung zur Verfügung. Der zunehmende Oberflächenabfluss be- lastet die teilweise ohnehin schon hydraulisch ausge- lastete Kanalisation bzw. die Oberflächengewässer. Gleichzeitig kommt es bei hohen sommerlichen Tem- peraturen immer häufiger zu einem Wassermangel. Die Hitzesommer 2003, 2015 und 2018 haben aufge- zeigt, dass bei länger anhaltenden Hitzewellen eine na- türliche Bewässerung von Grünflächen und Stadtbäu- men nicht mehr ausreichend ist. Durch die zukünftig zu erwartende negative Wasserbilanz in den Sommer- monaten ist es notwendig, den Bodenwasserspeicher aufzufüllen und Niederschlagswasser zu speichern, um in Trockenzeiten die Wasserversorgung der Grün- bereiche und Stadtbäume zu verbessern. Vor diesem Hintergrund ist eine nachhaltige Bewirtschaftung des Regenwassers am Ort des Niederschlages zielfüh- rend. Das Niederschlagswasser kann - direkt als ober- flächennahes pflanzenverfügbares Bodenwasser oder indirekt als Gießwasser für das urbane Grün - zur Er- höhung der Verdunstungsleistung und damit zur Ver- besserung des Stadtklimas beitragen. Zudem können durch eine Erhöhung der dezentralen Speicherkapa- zitäten und der Verdunstungsleistung hydraulische Spitzen bei Starkregenereignissen teilweise verringert werden. Wassersensitive Stadt Wie auch andere Großstädte steht Bonn vor der He- rausforderung, Strategien für eine naturnahe Nieder- schlagswasserbewirtschaftung zu entwickeln und zu implementieren. Ziel ist es dabei, sich zu einer „was- sersensitiven Stadt“ weiterzuentwickeln, um in der Zukunft die Auswirkung des Klimawandels abmil- dern zu können (siehe Abbildung 02). Insbesondere das Stadtgrün, die Gewässer und die Freiflächen sind dabei Schlüsselfaktoren und leisten einen wichtigen funktionalen wie auch gestalterischen Beitrag für die Erhaltung und Verbesserung der Lebens- und Aufent- haltsqualität für die Menschen in Bonn. Die Strategie einer „wassersensitiven Stadtentwick- lung“ in Bonn umfasst drei Handlungsstränge: 1. Hochwasservorsorge 2. Starkregenvorsorge 3. Hitze- und Trockenheitsvorsorge (Schwammstadt) Im Bereich der Hochwasservorsorge ist die Stadt Bonn bereits gut aufgestellt. In Folge der Jahrhun- derthochwasser 1993 und 1995 wurde ein Hochwas- serschutzkonzept für den Rhein erstellt, in dem Hoch- wasserschutzmaßnahmen erarbeitet und bis heute umgesetzt wurden. Das Tiefbauamt der Stadt Bonn übernimmt dabei die Planung und den Bau von Hoch- wasserschutzanlagen, die Feuerwehr koordiniert den Aufbau des Hochwasserschutzes im Ernstfall. Die Be- zirksregierung Köln hat zudem für Bonner Bäche und Bach-Systeme die Überschwemmungsgebiete für ein 100-jährliches Hochwasser ermittelt und gesetz- lich festgesetzt. Diese dienen dem Erhalt natürlicher Rückhalteflächen, der Regelung des Hochwasserab- flusses, dem Erhalt der ökologischen Strukturen sowie der Verhinderung erosionsfördernder Eingriffe. 5Seite 6 von 65 Hochwasserschutz Starkregenvorsorge Hitze- und Trockenheitsvorsorge -C° -C° -C° -C° Schwammstadt Bonn Hintergrund Auch das Thema der Starkregenvorsorge hat in den letzten Jahren in Bonn viel Aufmerksamkeit be- kommen. Rückstauendes Wasser aus dem Kanal, Überflutungen aus Bächen und Flüssen, aber auch wild oberflächig abfließendes Wasser abseits der Auenbereiche inmitten der Bebauung haben in den vergangenen Jahren an einigen Stellen im Bonner Stadtgebiet Überflutungen von Grundstücken, Ge- bäuden und Verkehrsinfrastruktur verursacht. Zum Schutz vor Starkregen und Überschwemmungen hat die Stadt Bonn bereits viel getan. Mit zahlrei- chen Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Infra- struktur wurde durch das Tiefbauamt entsprechende Vorsorge getroffen oder Schritte dazu eingeleitet. Daneben konnten durch umfangreiche bauliche Schutzmaßnahmen an den Bonner Bächen bereits Sturzflutrisiken verringert und somit mögliche Schä- den reduziert werden. Darüber hinaus wurde das In- formationsangebot für die Eigenvorsorge durch die Erstellung von Starkregengefahrenkarten erweitert. Diese stellen dar, wo im Stadtgebiet Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen (50-, 100-jährlich oder bei extremem Starkregen) entstehen können. Zur Vorbereitung einer verstärkten Hitze- und Tro- ckenheitsvorsorge wurden in der jüngeren Ver- gangenheit erste Untersuchungen durchgeführt, die sich mit den bereits heute erkennbaren und mit den zukünftig zu erwartenden Veränderungen des städtischen Mikroklimas beschäftigen (z.B. ZURES, MUTABOR etc.). Auf Basis dieser Erkenntnisse hat die Stadt Bonn 2022 beschlossen, zukunftsweisende Strategien für eine nachhaltige Bewirtschaftung des Niederschlagswassers als Baustein zur Hitze- und Trockenheitsvorsorge auszuarbeiten und zu imple- mentieren, um Bonn langfristig nach dem Prinzip der „Schwammstadt“ weiterzuentwickeln. Im Januar 2022 wurde hierzu der Haushaltsantrag „wassersen- sitive Stadt“ (DS 211387) beschlossen. Zudem wurden über den Doppelhaushalt 2021/2022 entsprechende Haushaltsmittel und über die Stellenplanfortschrei- bung eine Personalstelle in Teilzeit (50%) zur ver- waltungsseitigen Projektkoordination bereitgestellt. Die Stelle konnte zum 01.02.2022 im Amt für Umwelt und Stadtgrün (67-41) besetzt werden. Im Dezember 2022 wurde das Planungsbüro MUST mit der Erarbeitung des vorliegenden Schwamm- stadtkonzeptes für die Stadt Bonn beauftragt. Das in enger ämterübergreifender Abstimmung entwickelte Konzept widmet sich insbesondere der Trockenheits- und Hitzevorsorge und damit auch der Verbesserung des Stadtklimas und der Aufenthaltsqualität. Neben den in Bonn bereits konzeptionell bearbeiteten The- men der Starkregenvorsorge und des Hochwasser- schutzes werden durch das Schwammstadtkonzept Grundlagen für die dritte Säule im Rahmen der was- sersensitiven Stadt geschaffen. Dabei wird ange- strebt, nach Möglichkeit Synergien zwischen den verschiedenen Aspekten der wassersensitiven Stadt- entwicklung zu nutzen und negative Wechselwirkun- gen zu vermeiden. 02 Handlungsstränge der wassersensitiven Stadtgestaltung in Bonn 6Seite 7 von 65 Schwammstadt Bonn Hintergrund Projektaufbau und Methodik Das Bonner Schwammstadtkonzept basiert auf einer profunden Grundlagenermittlung und -analyse und formuliert darauf aufbauend strategische Anpas- sungsziele. Da die Anpassungspotenziale in einem engen Kontext mit den räumlichen Standorteigen- schaften stehen, werden in einem Leitplan allge- meine Planungsempfehlungen für unterschiedliche Siedlungs- und Freiraumtypen sowie für ausgewähl- te Fokusräume im Bonner Stadtgebiet gegeben. Zentrales Ziel dieses Planwerkes ist es, die Aspekte der Schwammstadt in Zukunft bei allen flächenrele- vanten Entscheidungen in Bonn frühzeitig und kon- sequent zu prüfen und möglichst zu berücksichtigen. Anschließend werden die einzelnen Bausteine der Schwammstadt aufgezeigt, die im Rahmen der Pla- nung und Realisierung von Projekten eingesetzt wer- den können. Um die Ergebnisse des Konzeptes zügig in die Praxis zu implementieren, sollen bereits heute alle Mög- lichkeiten zur Umsetzung von Schwammstadtele- menten in laufenden Vorhaben genutzt werden. Das Konzept umfasst daher eine weitere Karte, in der alle planerischen „Gelegenheitsfenster“ (öffentliche Bauvorhaben, Planverfahren etc.) für die potenzielle Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen darge- stellt werden. Parallel zur fachlichen Erstellung des Schwammstadt- konzeptes durch MUST fand (unter der Federfüh- rung des Amtes für Umwelt und Stadtgrün der Stadt Bonn) ein breiter Beteiligungsprozess statt. Neben einem kontinuierlichen Informationsaustausch zwi- schen Auftraggeber und Auftragnehmer traf im Rah- men der bisherigen Projektphase unter Moderation des Auftragsnehmers an insgesamt drei Terminen eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe aus den re- levanten Fachgebieten zusammen. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse der Konzepterstellung und der Arbeitsgruppen an zwei Terminen mit einer ver- waltungsinternen Steuerungsgruppe abgestimmt, die sich u. a. aus verschiedenen leitenden Personen relevanter Ämter in der Bonner Stadtverwaltung zu- sammensetzt. Nicht zuletzt wurde eine gemeinsame Ortsbesichtigung (Fahrradexkursion) durchgeführt sowie bilaterale Gespräche mit internen und exter- nen Expert*innen geführt. In diesem Zusammenhang fand auch ein frühzeitiger Austausch mit den poli- tischen Umwelt- und Planungssprecher*innen der Stadt Bonn statt, in dem die Teilnehmenden frühzei- tig über die Ziele und den Inhalt des Konzeptes sowie dessen Abgrenzung von den Aktivitäten zur Hoch- wasser- und Starkregenvorsorge in Bonn informiert wurden. Die Beteiligung der Bonner Öffentlichkeit zu Fragen der Hitze- und Trockenheitsvorsorge im Sinne der Schwammstadt soll im Rahmen des über- greifenden Beteiligungsprozesses zum integrierten Klimaanpassungskonzept der Stadt Bonn (ab 2024) stattfinden. In der Grafik 03 auf den folgenden Seiten ist der Er- arbeitungs- und Beteiligungsprozess der Konzepter- stellung dargestellt. Der vorliegende Zwischenbericht fasst die bisheri- gen Ergebnisse der Konzepterstellung (Januar-Ju- ni 2023) zusammen. In der zweiten Projektphase (Juli – Dezember 2023) wird ein umsetzungsorien- tierter und auf die spezifischen Eigenschaften der Stadt Bonn ausgelegter Maßnahmenkatalog er- arbeitet. Dieser soll Strategien, Instrumente und Anreizsysteme für die Umsetzung der Schwamm- stadt beinhalten und sich dabei auf sämtliche Ra- dien städtischer Einflussmöglichkeiten erstrecken, welche die Stadt Bonn mittelbar oder unmittelbar steuernd beeinflussen kann. Darüber hinaus wer- den für fünf Standorte in Bonn Ideenskizzen für Modellprojekte erarbeitet. Die Entwürfe sollen Möglichkeiten einer räumlichen und gestalteri- schen Einbindung von Schwammstadtelementen in unterschiedliche städtebauliche Kontexte auf- zeigen. Zudem sollen sie praxisnahe und realisti- sche Lösungsansätze zur Bewältigung von Umset- zungshemmnissen und zur Minderung der Risiken adressieren. Nicht zuletzt wird das Schwamm- stadtkonzept eine die Umsetzung begleitende Kommunikationsstrategie enthalten. Zentrales Element wird dabei eine gesamtstädtische inter- aktive Karte bilden, welche bereits realisierte und im Sinne der Schwammstadt vorbildliche Projek- te („good practice“) aufführt, sukzessive ergänzt wird und somit der Bonner Öffentlichkeit die fort- schreitende Entwicklung verdeutlichen soll. 7Seite 8 von 65 Ortsbesichtigungen Grundlagenermittlung und Analyse der Ist-Situation Positionsbestimmung Zieldefinition und Leitbild Kommunikationskonzept Modellprojekte Maßnahmenkatalog Karte: Betroffenheiten und Handlungserfordernisse Handlungsfeld 2: Stadtentwicklung und Stadtplanung „Den planerischen Rahmen für die Umsetzung der Schwammstadt setzen!“ Handlungsfeld 3: Private Liegenschaften und Gebäude „Private Akteur:innen zur Umsetzung der Schwammstadt motivieren!“ Karte: Zielvorstellung, Potenziale und Fokusräume Karte: Gelegenheitsfenster und Planungen Leitbild Wassersensitive Stadtentwicklung in Bonn Zielsystem Handlungsfeld 1: Kommunale Liegenschaften und Infrastrukturen „Mit gutem Vorbild vorangehen – Schwammstadt selber umsetzen!” Steckbriefe Steckbriefe Steckbriefe Karte: Good Practice SWOT-Analyse Modellprojekte Karte: Projekte Schwammstadt Bonn Grundlagenermittlung Beteiligung Abstimmung mit Auftraggeberin Arbeitsgruppe 1 Arbeitsgruppe 2 Expert*innen- gespräche Arbeitsgruppe 3 Arbeitsgruppe 6 Arbeitsgruppe 7 Steuerungsgruppe 2 Steuerungsgruppe 3 Steuerungsgruppe 4 Steuerungsgruppe 1 Kick-off Steuerungsgruppe Abgabe Zwischenbericht Vorstellung Zwischenbericht im politischen Ausschuss (AUKLA) Abgabe Endbericht Vorstellung Endbericht im politischen Ausschuss 12/23 11/23 10/23 09/23 08/23 07/23 06/23 05/23 04/23 03/23 02/2303/23 Arbeitsgruppe 5 Expert*innen- gespräche Arbeitsgruppe 4 Ortsbesichtigung Zeitplan und Meilensteine Schwammstadt Bonn Hintergrund Schwammstadt Bonn Hintergrund 03 Projektablauf 8 9Seite 9 von 65 2. Ziele der Schwammstadt Ziele der Schwammstadt 04Seite 10 von 65 Leitbild: Schwammstadt Bonn Entwicklung einer „Schwammstadt Bonn“ zur Abmilderung der Auswirkungen des Klimawandels und zum Erhalt der Lebens- und Aufenthaltsqualität. Ziel 1: Hitzebelastung durch Verdunstung mindern Gezielte Verdunstung von Regenwasser zur Kühlung des Stadtraums während Hitzeperioden. Ziel 3: Synergien ausschöpfen! Überflutungsschutz: Ergänzung zusätzlicher Rückhaltemöglichkeiten für Starkregenereignisse. Biodiversität: naturnahe artenreiche Gestaltung zur Schaffung von Lebensräumen für Flora und Fauna. Grundwasseranreicherung: Versickerung von überschüssigem (unbelasteten) Regenwasser in untere Bodenschichten. Stadtgestaltung: Nutzung des Regenwassers als gestalterisches Element im Stadtraum. Trinkwassereinsparung: Einspeisung des Regenwassers in Grauwasserkreisläufe. Klimaschutz: Ausschöpfung von Energieeinsparpotenzialen (z. B. Gebäudekühlung, Kläranlagen). Ziel 2: Stadtgrün gegen Trockenheit wappnen! Speicherung von Regenwasser zur Versorgung der Vegetation im Stadtraum während Trockenperioden. Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt Das Prinzip der „Schwammstadt“ sieht vor, das in urbanen Räumen anfallende Regenwasser lokal auf- zunehmen und für einen längeren Zeitraum zu spei- chern und zu nutzen, anstatt es über das Kanalnetz abzuleiten. Dadurch soll an erster Stelle das Stadt- klima verbessert und die Gesundheit des Stadtgrüns gefördert werden. Oberstes Ziel ist es, schonend mit der Ressource Wasser umzugehen, die Aufenthalts- qualität an heißen Tagen im urbanen Raum zu erhö- hen und somit einen Beitrag zu einer attraktiven und lebenswerten Stadt Bonn zu leisten. Es geht darum, den Stadtraum so zu gestalten, dass das Regenwasser länger an der Oberfläche bzw. im oberen Bodenbereich gehalten werden kann, um es anschließend zur Kühlung der Stadt nutzen zu kön- nen (Kapitel 2.1). Zu den Bausteinen der Schwamm- stadt gehören sowohl offene Wasserflächen (Seen, Teiche, Weiher, Bäche) als auch die Nutzung des Oberbodens als Speicherorgan mit Poren, die Wasser aufnehmen und über die Oberfläche und Vegetation wieder abgeben können. Während Dürreperioden nimmt die Verdunstungsleistung von Grünflächen jedoch ab, da nur das für Pflanzen oberflächennah verfügbare Wasser verdunstet und damit eine Kühl- leistung erbracht werden kann. Daher umfasst der Schwammstadt-Ansatz ergänzend auch die Spei- cherung von Regenwasser in offenen Wasserflächen oder in unter- bzw. oberirdischen Zwischenspeichern (Rigolen oder Zisternen), um so Trockenperioden zu überbrücken und die Wasserversorgung zur Bewäs- serung des Stadtgrüns sicherzustellen (Kapitel 2.2). Maßnahmen der Schwammstadt entfalten, in unter- schiedlichem Ausmaß, Synergien (Kapitel 2.3) für den Überflutungsschutz (durch die Verzögerung und Verminderung des Abflusses), für die Grundwas- seranreicherung (durch die Versickerung von über- schüssigem Wasser in den Untergrund), für den Res- sourcenschutz (durch das Einsparen von Trinkwasser und von Energie für die Wasseraufbereitung), für die Biodiversität (durch die Schaffung von Lebensräu- men für Flora und Fauna) sowie für den Klima- und Umweltschutz (durch das Binden von Schadstoffen). 05 Zielsystem der Schwammstadt Bonn 11Seite 11 von 65 -C° -C° -C° -C° Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt 2.1 Ziel 1: Hitzebelastung durch Verdunstung mindern! Durch den anthropogenen Einfluss herrschen im Bonner Stadtraum modifizierte Klimabedingungen vor. Gründe hierfür sind insbesondere der hohe Ver- siegelungsgrad, dem ein geringer Anteil an Vegeta- tion und bewachsenem Boden gegenübersteht. Die Oberflächenvergrößerung durch Gebäude sowie Emissionen durch Verkehr, Industrie und Haushalte spielen ebenfalls eine Rolle. Im Vergleich zum weit- gehend natürlichen bzw. naturnahen, unbebauten Umland führen diese Effekte im Sommer zu höhe- ren Temperaturen und bioklimatischen Belastungen. Das Phänomen der Überwärmung kommt vor allem nachts zum Tragen und wird als Städtischer Wärme- inseleffekt bezeichnet. Die aktuelle Stadtklimaanalyse für die Stadt Bonn [1] zeigt für die vergangenen Jahrzehnte eine deutliche Zunahme an Sommertagen (>25°C) und an heißen Tagen (>30°C). Während im Bereich des Rheintales und des bebauten Stadtgebiets von Bonn in der Pe- riode 1961 – 1990 noch durchschnittlich 37 Sommer- tage und 7 heiße Tage pro Jahr registriert wurden, zählte man in der Klimaperiode von 1989 bis 2018 be- reits durchschnittlich 48 Sommertage bzw. 11 heiße Tage. Lediglich die Höhenlagen und damit Waldge- biete wie der Ennert und der Kottenforst verzeichnen rückblickend in den Analysen eine geringere Anzahl an Sommer- und Hitzetagen. Je nach zugrunde ge- legtem Klimawandelszenario wird die Zahl der Kenn- tage bis zum Ende des Jahrhunderts noch in starkem Maße zunehmen. Gemäß der derzeit vorliegenden Klimaprognosen kann für Bonn zwar eine Tendenz zukünftig gleich- bleibender bzw. leicht steigender Jahresniederschlä- ge abgeleitet werden. Für die Vegetation und den Bodenwasserhaushalt ist jedoch die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge entscheidend. In allen repräsentativen Konzentrationspfad Szenarien (RCP) ist eine Tendenz geringerer Niederschläge im Som- mer und leicht höherer Werte in den übrigen Mona- ten zu erkennen. In den vergangenen Jahrzehnten sind die mittleren Niederschläge im Sommer in Bonn bereits kontinuierlich zurückgegangen. Zudem fällt der Niederschlag im Sommer zunehmend als Stark- regen und kann so nicht infiltrieren. Außerdem füllen sich die Bodenvorräte in den Wintern häufig nicht mehr ausreichend. Es kann erwartet werden, dass sich dieser Trend in Zukunft fortsetzt. In Kombination mit hohen Temperaturen führt dies zu längeren Hit- ze- und Trockenperioden. Darunter leiden Mensch und Natur gleichermaßen. 12Seite 12 von 65 Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt Um der sommerlichen Wärmebelastung in den dicht bebauten Gebieten der Stadt entgegenzuwirken, ist eine Verstärkung bzw. Aufrechterhaltung der Evapo- transpiration notwendig. Neben der Verschattung, der Kaltluftzufuhr und einer Oberflächengestal- tung mit geringer Erwärmung (Albedo) bildet die Verdunstungskühlung über gesammeltes Nieder- schlagswasser ein wichtiges Element zur Hitzemin- derung im Rahmen der Stadt- und Freiraumplanung. Die kühlende Wirkung des Regenwassers kann dabei auf unterschiedliche Weise genutzt werden. Hier las- sen sich drei Handlungsfelder unterscheiden: 1. Durch den Rückhalt von Regenwasser im Boden, in Wasserkörpern oder in Zwischen- speichern kann es dazu verwendet werden, das Stadtgrün zu bewässern, um somit während Hitzeperioden über Verdunstungsprozesse eine Kühlwirkung im öffentlichen Raum der Stadt zu erreichen. 2. In Verbindung mit einer Dach- oder Fassaden- begrünung kann das gesammelte Regenwasser sowohl die Verbesserung des Lokalklimas als auch die Kühlung von Gebäuden unterstüt- zen. Sofern die Wasserversorgung der Grün- elemente gewährleistet wird, entfalten diese nicht nur über die Verdunstung eine kühlende Wirkung auf die Umgebung, sondern sie ver- bessern durch ihre Dämmwirkung auch das Innenraumklima und reduzieren zudem den Kühlbedarf im Gebäude. 3. Nicht zuletzt kann das gespeicherte Regen- wasser in einem adiabaten Kühlsystem für Ge- bäude verwendet werden. Mittels einer Was- serpumpe werden dabei kontinuierlich mit dem Regenwasser Kühlpads befeuchtet, durch die mit Hilfe eines mechanischen Lüfters warme Außenluft gepresst wird. Die abgekühlte Luft wird dann anschließend in das Gebäude gelei- tet und verbessert dort das Innenraumklima. Die technischen Systeme zur adiabaten Nutzung des Wassers zur Gebäudekühlung werden in dem vorlie- genden Konzept nur am Rande betrachtet. Vielmehr liegt der Fokus vor allem auf den beiden erst genann- ten Lösungsansätzen, die im Sinne der Schwamm- stadt eine Kombination aus Maßnahmen zur Begrü- nung und Regenwasserspeicherung anstreben, um über eine Verdunstungskühlung (Evaporation und Transpiration) einen entscheidenden Beitrag für ein angenehmeres Lokalklima in der Stadt zu leisten. Die Unterschiede in der Verdunstungskühlleistung von Böden und Vegetation können sehr groß sein. Die entscheidenden Einflussgrößen für die Verduns- tung sind dabei zunächst der Windeinfluss, die Son- neneinstrahlung und die Luftfeuchtigkeit. Daneben ist die Art, die Größe und die Speicherfähigkeit der verdunstenden Fläche maßgebend für die Kühlleis- tung. Im Einzelfall bedingen die gegebenen Stand- ortfaktoren sowie die Wahl der passenden Bausteine den Beitrag zur Hitzeminderung: So verfügen bei- spielsweise Böden mit Grundwasseranschluss über eine kontinuierlich gute Kühlleistung während sie bei Böden mit geringer Wasserspeicherfähigkeit gegen Null tendiert. Sofern sie vital sind und ausreichend mit Wasser versorgt werden, entfalten vor allem gro- ße Bäume die größte Verdunstung. Dagegen ist die Verdunstungskühlleistung bei trockenresistenten Baumarten wiederum sehr gering. Ähnlich different sieht es bei (fließenden oder stehenden) Gewässern aus. Vor allem tagsüber ist die kühlende Wirkung von Wasserflächen relevant und meist höher als die von offenen Grünflächen. Nachts dagegen geben die Wasserkörper, wenn die Umgebungstemperatur sinkt, oft ihre Energie in Form von Wärme wieder ab. Im Sinne der Schwammstadt bedarf es verstärkter Anstrengungen, um Elemente mit hohem und mitt- lerem Verdunstungspotenzial im Bonner Stadtgebiet zu erhalten und zu erweitern bzw. vor Versiegelung zu schützen. Für ein angenehmes Mikroklima sind dabei vor allem möglichst viele und große Grünflä- chen mit Bäumen oder Vegetation sowie gleichzeitig ein möglichst natürlicher Wasserhaushalt in einem geeigneten Bodenaufbau anzustreben. In Bereichen mit hohen Raumnutzungskonkurrenzen sind darüber hinaus auch verstärkt die Potenziale zur Begrünung von Gebäuden auszuschöpfen. Für alle genannten Maßnahmen zur Verdunstungskühlung in der Stadt, ist es von entscheidender Bedeutung, dass eine aus- reichende und kontinuierliche Versorgung mit Re- genwasser gewährleistet wird. Es müssen entspre- chend große Räume für den (temporären) Rückhalt von Niederschlagswasser bereitgestellt werden, um sicher zu stellen, dass ausreichend Wasser für die Verdunstungskühlung in Trockenperioden zur Ver- fügung steht. 13Seite 13 von 65 Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt 2.2 Ziel 2: Stadtgrün gegen Trockenheit wappnen! Die heißen Temperaturen und die abnehmenden Nie- derschlagsmengen in den Sommermonaten führen zu längeren und intensiveren Dürreperioden und zu einem erhöhten Wasserbedarf für das städtische Grün in Bonn. Im Sinne der Schwammstadt wird daher der Lösungsansatz verfolgt, das anfallende Regenwasser lokal zu speichern und für die Bewässerung während Trockenzeiten verfügbar zu machen. An erster Stelle steht hier das Ziel einer unmittelbaren Speicherung und Zirkulation des Niederschlagswassers im ober- flächennahen Bodenwasserspeicher. Die Fähigkeit des Bodens Wasser in Poren zu speichern, stellt einen wichtigen Faktor für die Versorgung der Vegetation mit Wasser bei längerer Trockenheit dar [2]. Die Spei- cherkapazität hängt stark von standörtlichen Faktoren wie dem Bodentyp und der Feldkapazität ab. Letztere beschreibt die Regenmenge, die der Boden gegen die Schwerkraft halten kann. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Vegetation nur einen Teil der Bodenwasser- menge nutzen kann, da ein gewisser Prozentsatz als „Totwasser“ gebunden und damit für die Versorgung der Pflanzen nicht verfügbar ist. Zieht man diesen An- teil ab, bekommt man den für Pflanzen durch den ka- pillaren Aufstieg verfügbaren Anteil des Bodenwasser- speichers, die „nutzbare Feldkapazität“. Bei beengten Platzverhältnissen oder bei ungünstigen Bodeneigenschaften, kann das Speichervermögen für Regenwasser durch den Einsatz von Speicherkörpern erhöht werden. Dabei kann zum einen auf Speicherri- golen zurückgegriffen werden. Das Niederschlagswas- ser wird dabei über Versickerung oder über ein Rohr in einen geschlossenen Speicherkörper geleitet. Die Rigolen können aus grobkörnigen Schüttgütern wie Kies, Schotter und Lava oder aus festen Kunststoffele- menten hergestellt werden. Je nach Herstellungsart, können sie bei Bedarf auch überbaut werden. Das in den Rigolen gesammelte Wasser steigt über die Kapil- larkräfte ohne Pumpenergie nach oben und bewässert so die Vegetationsschicht. Bei Bedarf können auch stehende Gewässer (Teiche etc.) als Wasserquelle für die Speicherrigolen dienen. Überschüssiges Wasser aus dem Speicher kann – je nach Belastung - versickern und den Grundwasservorrat wieder auffüllen oder ge- drosselt dem Kanalnetz zugeführt werden. Das von Dächern oder von versiegelten Flächen abflie- ßende Regenwasser kann alternativ auch in unterirdi- schen Zisternen, in Regentonnen oder in Füllkörpern unterhalb von Gründächern gesammelt werden, um es in Trockenzeiten für eine indirekte Bewässerung ent- nehmen und nutzen zu können. 14Seite 14 von 65 Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt 2.3 Ziel 3: Synergiepotenziale ausschöpfen! Überflutungsschutz Durch die Ausnutzung der Spei- cherelemente der Schwamm- stadt können teilweise auch Ab- flussspitzen bei Starkregen und Sturzfluten gemindert werden. Insgesamt betrachtet, sind die Synergiepotenziale zur Überflu- tungsvorsorge jedoch beschränkt. Insbesondere bei extremen Sturz- fluten an Fließgewässern sowie bei außergewöhnlichen Oberflä- chenabflüssen durch Starkregen stoßen die Anlagen schnell an ihre Grenzen. Zur Bewältigung der- artiger Ereignisse sind eher ein gezieltes Ableiten durch weniger empfindliche Korridore (Notent- wässerung) und das vorüberge- hende Zurückhalten auf größeren und weniger vulnerablen Reten- tionsflächen entscheidend. Biodiversität Infolge der Versiegelung verlieren Pflanzen und Tiere zunehmend an Lebensraum. Durch den Ausbau und die Aufwertung blau-grü- ner Infrastrukturen im Zuge der Schwammstadt können Lebens- grundlagen für diverse Tier- und Pflanzenarten im Bonner Stadt- raum geschaffen und somit die Biodiversität erhöht werden. Klei- ne Gewässer und deren struk- turreiche Uferbereiche bieten wichtige Lebensräume für viele Amphibien, Kaulquappen und Wasserinsekten. Urbane Grün- flächen, Bäume oder Gebäude- begrünungen bilden lebendige Standorte, an denen Vögel, Wild- bienen, Schmetterlinge und eine Vielzahl von Insekten Nahrung und Lebensraum finden. Grundwasseranreicherung Die Schwammstadt kann, zu- mindest teilweise, Synergien mit der Herstellung des natürlichen Bodenwasserhaushaltes entfal- ten. Zwar ist es oberstes Ziel der Schwammstadt, das Regenwasser an der Oberfläche oder im oberen Bodenbereich zu sammeln, um es wiederzuverwenden. Jedoch kann auch überschüssiges (mög- lichst unbelastetes) Wasser ver- sickert werden, um so den Grund- wasserspiegel anzureichern. Die Versickerungsmöglichkeiten sind jedoch angesichts der ungünsti- gen Bodenverhältnisse in Bonn begrenzt. Zudem ist im Einzelfall jeweils die Behandlungsbedürf- tigkeit des Wassers sowie die Alt- lastengefährdung am Standort zu prüfen. Zur Reaktion auf das geringere Wasserdargebot auf- grund der Zunahme der Häufigkeit, Dauer und Intensi- tät von Dürreperioden stehen zusammenfassend zwei verschiedene Herangehensweisen zur Verfügung: die Erhöhung der Wasserverfügbarkeit und die Verringe- rung des Wasserbedarfs. Bei der Umsetzung dieser Strategien sollte stets berücksichtigt werden, dass nur die erste (durch die Verdunstungskühlung) Synergien für die Hitzeminderung (Ziel 1) birgt. Trotzdem macht der zu erwartende sommerliche Wassermangel auch die Verringerung des Wasserbedarfs erforderlich, z.B. durch den Einsatz wassereffizienterer grün-blauer In- frastrukturen. Wo innerhalb des Siedlungsraums eher die erste und wo die zweite Strategie zum Tragen kom- men sollte, muss stets auch aus der Perspektive der Hitzevorsorge evaluiert werden, um gezielt Räume mit hoher Hitzeempfindlichkeit besser schützen zu kön- nen. An Standorten mit einer geringeren Vulnerabilität gegenüber Hitze bietet sich hingegen der zweite An- satz der Trockenheitsvorsorge an. 15Seite 15 von 65 +O +O -CO -CO -°C Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt Stadtgestaltung Wasser im Stadtraum bildet ein Element urbaner Quali- tät, das neben seiner Funktion als Trink- und Nutzwasser den Stadtraum gliedern, strukturie- ren und beleben kann. Die Schaf- fung erleb- und wahrnehmbarer Schwammstadtelemente kann die Aufenthaltsqualität und das Stadtbild von Bonn auch gestal- terisch noch weiter aufwerten. Öffentliche Wasser- und Grün- flächen erfüllen vielfältige Auf- gaben, so auch für die Erholung und Gesundheit des Menschen. Für die Akzeptanz in der Bonner Bevölkerung und die Erlebbarkeit ist es wichtig, dass neben funk- tionalen Ansprüchen immer auch auf die Ästhetik und die gelun- gene Einbettung der Schwamm- stadtbausteine in die Umgebung geachtet wird. Zusätzlich kann die Kombination mit bespielbaren Elementen (Regenwasserspiel- plätze, Brunnenanlagen, Fontä- nenfelder etc.) die Attraktivität des Stadtraumes erhöhen. Klimaschutz Bäume, Grünflächen, Feucht- gebiete und Böden können zum Teil Kohlenstoffdioxid (CO2) so- wie verschiedene Luftschadstof- fe aufnehmen und damit einen wichtigen Beitrag zum Klima- schutz und zur Luftreinhaltung in Bonn leisten. Je mehr dieser Ele- mente es im Stadtraum gibt, desto mehr CO2 und Feinstäube können folglich gebunden werden. Das Vermögen der Grünelemente, Schadstoffe aus der Luft zu filtern, hängt jedoch stark von der jeweili- gen Art des Grüns ab. Durch verschiedene Maßnahmen der Schwammstadt kann darüber hinaus Energie eingespart wer- den. Zum einen wirkt sich z.B. eine Gebäudebegrünung positiv auf das Innenraumklima aus und min- dert den Kühl- und Heizenergie- bedarf, zum anderen kann durch die Bereitstellung von Regenwas- ser aus Zisternen Energie, die für die Aufbereitung und den Trans- port von Trinkwasser anfällt, ein- gespart werden. Trinkwassereinsparung Durch die Verwendung des Re- genwassers als Brauchwasser können auch Wasserressourcen geschont werden. So können durch die Wiederverwendung des gesammelten Wassers zur Bewäs- serung oder zur Brauchwasser- nutzung (z.B. für Reinigungszwe- cke, Waschmaschinen oder für die Toilettenspülung) Trinkwasserres- sourcen eingespart sowie Kanäle und Kläranlagen entlastet werden. Da bei der Brauchwassernutzung in Gebäuden in den meisten Fäl- len auf eine Wasserversorgung mit Trinkwasser nicht verzichtet werden kann, müssen die Lei- tungsinstallationen jedoch häufig doppelt geführt werden, was mit einem höheren Erstellungsauf- wand verbunden ist. Darüber hin- aus muss ein Speicher geschaffen werden, um einen kurzzeitigen Spitzenbedarf abzudecken. Es ist daher jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob die haustechnische Nutzung von Regenwasser ökolo- gisch und ökonomisch sinnvoll ist. 16Seite 16 von 65 Schwammstadt Bonn Ziele der Schwammstadt 2.4 Operationalisierung der Ziele (Ausblick) In der zweiten Projektphase (Juli - Dezember 2023) soll - in enger Abstimmung mit der Arbeits- und Steuerungsgruppe - erörtert werden, ob und inwieweit die zuvor beschriebenen Ziele für Bonn operatio- nalisiert werden sollen bzw. können. Operationale Ziele sind solche, bei denen der Zielerreichungsgrad exakt i.d.R. über geeignete Kennzah- len gemessen werden kann (z. B. quantitative Angaben hinsichtlich Abkopplungsmengen, Speichervo- lumina oder Verdunstungsanteilen). In diesem Zusammenhang sollen, auch im Hinblick auf den zu er- stellenden Maßnahmenkatalog, insbesondere die folgenden Fragen diskutiert werden: – Welche Qualitätsstandards und Zielgrößen beabsichtigt sich die Stadt Bonn selbst für öffentliche Bauvorhaben zu setzen? – Durch welche Instrumente können bzw. sollen diese Ziele Verbindlichkeit für Vorhabenträger*in- nen in Bonn erlangen (z.B. Baulandmodell, Bauleitplanung, Grundsatzbeschluss, Ortsrecht etc.)? – Welche Anreizsysteme (z.B. Förderprogramme) sind erforderlich, um private Hausbesitzer*innen in Bonn zur Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen auf Privatgrundstücken zu animieren? 17Seite 17 von 65 3. Rahmenbedingungen für die Schwamm- stadt 06 Rahmenbedingungen für die SchwammstadtSeite 18 von 65 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen 3.1 Grundlagenermittlung Im Rahmen der Aktivitäten der Stadt Bonn zur Klima- anpassung wurden und werden bereits zahlreiche Untersuchungen, Konzepte und Förderprogramme seitens der Stadtverwaltung entwickelt, die das über- geordnete Ziel der Hitze- und Trockenheitsvorsorge in Bonn im Kontext eines weiteren Wachstums der Stadt unterstützen. Hierzu zählen: – Integriertes Klimaschutzkonzept mit Baustein zur Klimaanpassung (2013) – ZURES mit Stadtklimaanalyse (2016-2019) – Regionale Klimawandelvorsorgestrategie – KlimNet – MUTABOR (2021-2023) – Förderprogramm Begrünung – Bonner „Freiraumplan“ (2022-2023) – Stadtbaumkonzept (2021-2023) – Kleingartenentwicklungskonzept (ab 2023) Mit dem nachhaltigen Anpassungskonzept sowie dem Hitzeaktionsplan sind zeitnah weitere Instru- mente für die systematische Erfassung und strategi- sche Weiterentwicklung der Hitzeanpassung vorge- sehen. Diese beiden Konzeptionen sollen die kurz-, mittel- und langfristig umzusetzenden Maßnahmen beschreiben und werden damit das Arbeitspro- gramm zur Klimaanpassung in Bonn für die kommen- den Jahre definieren. Das vorliegende Schwammstadtkonzept baut auf viele der oben genannten Untersuchungen auf und stellt an den entsprechenden Schnittstellen zu an- deren Konzepten (mit Bezug zu einer hitze- und trockenheitssensiblen Stadt- und Freiraumplanung) eine Verknüpfung her. Darüber hinaus nimmt es Be- zug zu den vorliegenden Beschlüssen des Bonner Stadtrates zu Aspekten einer wassersensiblen Stadt- entwicklung. Die Grundlagenermittlung wurde durch gezielte In- terviews bzw. Gespräche mit ausgewählten Schlüs- selakteur*innen der Bonner Stadtverwaltung unter- stützt. Darüber hinaus wurden gemeinsam mit der Auftraggeberin im Rahmen einer Fahrradexkursion im Juni 2023 verschiedene Standorte im Stadtge- biet besichtigt. Dabei wurden insbesondere Orte ge- wählt, die einerseits eine erhöhte Handlungspriorität verzeichnen (z.B. Hitze-Hotspots der Stadtklima- analyse) oder die andererseits Potenzialräume bzw. Gelegenheitsfenster für Maßnahmen im Sinne der Schwammstadt darstellen. Auch bereits umgesetz- te Projekte einer wassersensitiven Stadtentwicklung wurden besichtigt. In Ergänzung zur Dokumentenanalyse und zu den Gesprächen wurde zu Projektbeginn eine zielgerich- tete Bestandsaufnahme und -analyse vorhandener Geodaten (der Stadt Bonn und des Landes NRW) mit Relevanz für die Schwammstadt durchgeführt. Ziel war es, die stadträumliche Ausgangslage für die „Schwammstadt Bonn“ als Grundlage für die Strate- gie (Kapitel 4) kartografisch darzustellen und zu be- werten. Dabei galt es vor allem diejenigen stadt- und freiräumlichen Strukturen hervorzuheben, die im Kontext der Schwammstadt eine besondere Beach- tung verlangen (Fokusräume). Bei der kartografische Darstellung der stadträumli- chen Gegebenheiten wurden die folgenden Frage- stellungen untersucht: – Wie lässt sich die Ausgangslage für die Umset- zung von Schwammstadt Maßnahmen in Bonn bewerten? – Wie hoch ist die Siedlungsdichte und wie ist sie über das Bonner Stadtgebiet verteilt? – Wie stark ist der Wachstums- und Siedlungs- druck in Bonn? – Wie hoch ist der Grünanteil im Bonner Stadt- raum und wie gut sind die öffentlichen Grünflä- chen erreichbar? – Wie sind die Bodeneigenschaften in Bonn zu bewerten (Versickerungseignung, nutzbare Feldkapazität, Altlasten)? – Wo liegen besonders vom Klimawandel betrof- fene Bereiche (Hitze, Dürre, Starkregen etc.) in Bonn? Auf Basis der Grundlagenermittlung wurden im nächsten Schritt mittels einer vereinfachten SWOT- Analyse die Stärken, Schwächen, Chancen und Ri- siken identifiziert, die für eine Weiterentwicklung Bonns zur Schwammstadt relevant sind (siehe Kapi- tel 3.2). 19Seite 19 von 65 21 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Siedlungsstruktur und Versiegelungsgrad Sowohl die Notwendigkeit als auch die Möglichkei- ten für die Umsetzung von Schwammstadtmaßnah- men hängen eng mit der Siedlungsdichte und mit dem Versiegelungsgrad einer Stadt zusammen. Die Bundesstadt Bonn liegt in einer der am dichtesten besiedelten Regionen Europas. Die Siedlungsfläche wird durch den Rhein zerschnitten und teilt sich in die Stadtbezirke Bonn, Hardtberg und Bad Godesberg auf der linksrheinischen Seite sowie Beuel rechts- rheinisch. Neben dem dichten Innenstadtbereich verfügen auch die anderen Stadtteile über dichte, stark versiegelte Ortsteilzentren. Hinzu kommen größere Industrie- und Gewerbeareale insbesonde- re im Bonner Westen, in Beuel, in Bad Godesberg und in Mehlem. Diese sind durch einen sehr hohen Versiegelungsgrad gekennzeichnet. Ein besonde- res Gebiet stellt zudem das Bonner Bundesviertel mit seiner ausgedehnten Bürobebauung entlang der Bundesstraße 9 dar. Abseits der Zentren und der Arbeitsstandorte überwiegen in Bonn jedoch locker bebaute Quartiere mit Geschosswohnungsbauten der Nachkriegsjahrzehnte sowie ausgedehnte Ein- und Zweifamilienhausgebiete, die durch einen deut- lich geringeren Versiegelungsgrad geprägt sind. Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW Stand: März 2023Seite 20 von 65 23 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Grünflächen Die Stadt Bonn wird wesentlich geprägt von den regional und überregional bedeutsamen Land- schaftsräumen des Kottenforsts, der Siegmündung, des Ennert und Siebengebirges sowie des Rheins. Ergänzt werden diese großräumigen Grünstruktu- ren durch qualitätvolle Parkanlagen innerhalb des Siedlungskörpers wie z.B. den Rheinauenpark, den Botanischen Garten und den Hofgarten. Über 50 % des Stadtgebiets sind von Grünflächen geprägt, eine wesentliche Stärke hinsichtlich der Kaltluftproduk- tion. Zudem sind die Grünflächen recht ausgewogen über das Stadtgebiet verteilt, für 97 % der Stadtbe- völkerung sind kühle Erholungsflächen fußläufig er- reichbar [3]. Somit bietet die Grünstruktur der Stadt Bonn grundsätzlich eine gute Ausgangslage für die Belange der Schwammstadt. Diese gilt es zu sichern, zu verbessern und gezielt zu erweitern. Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn Stand: März 2023Seite 21 von 65 25 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Hitzebelastung Die Karte zeigt die aktuelle bioklimatische Situation innerhalb des Siedlungskörpers am Tag. 36 % der Siedlungsfläche weisen bereits aktuell eine mittlere bis sehr ungünstige thermische Situation auf, dies wird sich mit fortschreitendem Klimawandel noch zusätzlich verschärfen. Ausgeprägte Hitzeinseln be- finden sich insbesondere in den stark versiegelten Gewerbegebieten sowie in den dicht bebauten In- nenstadtbereichen sowie in den Ortsteilzentren Bad Godesberg, Beuel und Hardtberg. Der hohe Anteil stadtklimatischer Defiziträume unterstreicht die drin- gende Notwendigkeit, zielgerichtete Maßnahmen zur Hitzeminderung im Siedlungsraum umzusetzen. Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn Stand: März 2023Seite 22 von 65 27 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Dürreempfindlichkeit Die dargestellte Bewertung der Dürreempfindlich- keit für forstliche und landwirtschaftliche Standorte wurde von den Bodenexpert*innen des Geologi- schen Dienstes NRW vorgenommen und basiert auf einer Auswertung der bodenkundlichen Daten in Verbindung mit Klimadaten des Klimaatlas NRW. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass sich die Analysen des Landes nur auf die Außengebiete der Stadt be- ziehen. Besonders empfindlich gegenüber längeren Trockenperioden sind einzelne Flächen innerhalb oder am Rande des Siedlungskörpers sowie Forstflä- chen in Hardtberg und einige Ackerflächen in Geislar. Zur Dürrebelastung bzw. -empfindlichkeit des städ- tischen Grüns liegen derzeit keine Untersuchungen vor. Aufgrund der Erfahrungen aus der Stadtgrün- pflege sowie angesichts der Standortbedingungen in der Stadt (Versiegelung, Bodenverdichtung), lässt sich jedoch vermuten, dass die Trockenstressgefähr- dung des Stadtgrüns innerhalb des Bonner Stadrau- mes vielerorts als kritisch einzuschätzen ist. Dies gilt insbesondere für die dicht bebauten Quartiere bzw. Straßen der Stadt und wird sich im Zuge des Klim- wandels weiter verschärfen. Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW Stand: März 2023Seite 23 von 65 29 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Evapotranspiration Unter dem Begriff Evapotranspiration werden die Verdunstung von Wasser- und Bodenoberflächen sowie die Transpiration über die Spaltöffnungen (Sto- mata) von Pflanzen zusammengefasst. Diese Was- serhaushaltsgröße ist also von großer Relevanz zur Beurteilung der Kühlleistung. Im Bonner Stadtge- biet zeichnen sich die Zentrumsbereiche Innenstadt, Bad Godesberg, Beuel und Hardberg auf Grund ihrer Dichte und des hohen Versiegelungsgrad als Flächen mit besonders geringer Evapotranspiration ab. Ebenso sind die Gewerbegebiete in Beuel und in der Bonner Nordstadt betroffen. Im Gegensatz dazu stellt das enorme Grünvolumen des Kottenforsts eine große zusammenhängende Fläche mit hoher Evapotranspirationsleistung dar. Eigene Kartendarstellung nach Klimaatlas NRW Stand: März 2023Seite 24 von 65 31 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Nutzbare Feldkapazität Die nutzbare Feldkapazität beschreibt die Wasser- menge, die der Boden pflanzenverfügbar speichern kann. Je nach Körnung des Bodens unterscheidet sich die Wassermenge, die in den Poren gegen die Schwerkraft zurückgehalten werden kann. Grund- sätzlich verfügt Bonn in weiten Teilen des Stadtge- biets über mittlere bis sehr hohe Feldkapazitäten – mit Blick auf die Schwammstadt gute Vorausset- zungen. Insbesondere im Stadtbezirk Hardberg, in einigen Bereichen der westlichen Ortsteile des Be- zirks Bonn sowie in Teilen Bad Godesbergs besteht eine sehr hohe Wasserspeicherkapazität des Bo- dens. Im Gegensatz dazu sind sowohl im Nordosten, als auch im Nordwesten Bonns kleinere Siedlungs- bereich von einer geringen Feldkapazität geprägt. Hier versickert anfallendes Regenwasser schnell ins Grundwasser, sodass die Versorgung des Stadtgrüns mit Wasser (beispielsweise bei Jungbäumen) einer besondern Aufmerksamkeit bedarf. Inwieweit diese aufgezeigten Eigenschaften für die Schwammstadt zur Verfügung stehen oder aber Hemmnisse durch anthropogene Einflüsse wie Bodenverdichtung oder eingebrachte Schadstoffe bzw. Altlasten bestehen, muss allerdings für einzelne Planungsvorhaben indi- viduell überprüft und bewertet werden. Eigene Kartendarstellung nach GEOportal.NRW Stand: März 2023Seite 25 von 65 33 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Versickerungseignung Der überwiegende Teil des Bonner Stadtgebiets ist für die Versickerung von Niederschlagswasser un- geeignet oder sogar im Bereich des Kottenforsts und in Teilen Beuels staunass, sodass für die Versickerung aufwändigere Bewirtschaftungsmaßnahmen mit ge- drosselter Ableitung notwendig sind. Die bindigen Böden, die mit Blick auf die Speicherkapazität (nutz- bare Feldkapazität, siehe oben) von Vorteil sind, ste- hen also einer guten Wasserdurchlässigkeit und da- mit schnellen Versickerung entgegen. Da das Regenwasser so verstärkt in den oberen Bo- denschicht gehalten wird und der Vegetation zur Verfügung steht, ist diese Ausgangslage aus Sicht der Schwammstadt zunächst als günstig zu bewer- ten. Dort wo eine Versickerung dennoch gewünscht ist, beispielsweise als Überlauf von Zisternen oder anderen Speicherelementen, müssen technische Maßnahmen, wie Mulden-Rigolen-Systeme zum Einsatz kommen. Für eine detaillierte Planung bei konkreten Vorhaben sind allerdings stets zusätzliche und kleinmaßstäblichere Untersuchungen der Bo- deneigenschaften notwendig und die Einhaltung der Bodenschutzansprüche zu berücksichtigen. Eigene Kartendarstellung nach GEOportal.NRW Stand: März 2023Seite 26 von 65 35 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Legende Überflutungsgefahren bei Starkregen Die Starkregengefahrenkarte stellt dar, wo im Stadt- gebiet Gefahren durch Sturzfluten und Starkregen entstehen können. Die Karte zeigt gefährdete Be- reiche bei einem Starkregenereignis, dass sich bei extremem Starkregen ereignet. Besonders betroffen sind die tiefer liegenden Altrheinarme entlang der Servatiusstraße/ Bernkasteler Straße und weiter in Bad Godesberg entlang der Deutschherrenstraße, sowie in Beuel entlang der Königwinterer Straße und einige Bereiche in Vilich-Müldorf. In den durch Stark- regen besonder gefährdeten Bereichen sollte bei der Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen immer auch eine Kombination mit zusätzlichen Rückhalte- volumina geprüft werden, sodass die Synregiepoten- ziale zur Starkregenvorsorge so weit wie möglich aus- geschöpft werden können. Eigene Kartendarstellung nach Daten der Stadt Bonn Stand: März 2023Seite 27 von 65 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen 3.2 Zusammenfassende Bewertung (SWOT) Auf Basis der Grundlagenermittlung wurden mit- tels einer SWOT-Analyse die Stärken (Strength) und Schwächen (Weaknesses) sowie die Chancen (Oppor- tunities) und Risiken (Threats) für eine Schwammstadt Bonn untersucht. Als Stärken wurden die bereits im Bonner Stadtge- biet vorhandenen und wirksamen Potenziale oder Qualitäten einer wassersensitiven Entwicklung, als Schwächen die noch bestehenden Mängel oder Defi- zite identifiziert. Zur Beurteilung der Stärken war dabei nicht nur von Bedeutung, wodurch die Stadt Bonn in der Vergangenheit profitiert hat, sondern auch, ob zu- künftig auf den vorhandenen Stärken aufgebaut wer- den kann und welche Synergien genutzt werden kön- nen. Im Rahmen der Bewertung der Schwächen stand im Vordergrund, wie diese behoben und minimiert werden können. Während die Stärken und Schwächen den Ist-Zustand und eher stadtbezogene Aspekte beschreiben, zeigen die Chancen und Risiken räumlich übergreifende so- wie langfristig zu erwartende Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen auf. Ziel muss es sein, den Nutzen aus Stärken und Chan- cen zu maximieren und die Verluste aus Schwächen und Risiken zu minimieren. Stärken Die Analysen haben verdeutlicht, dass die Stadt Bonn mit Blick auf die Schwammstadt einige Stärken auf- weist, auf die im Zuge der Konzeptumsetzung aufge- baut werden kann. Zwar ist die Freiraumverfügbarkeit je Einwohner*in auf Grund der Lage in der dicht be- siedelten Region Köln/Bonn vergleichsweise gering, jedoch weist die Stadt Bonn laut IFS Monitoring 2017 eine größtenteils sehr gute Erreichbarkeit der Erho- lungsflächen auf [4]. Das vorhandene Stadtgrün über- nimmt an vielen Stellen in Bonn bereits heute eine wichtige Rolle zur Kühlung des urbanen Raumes und als Aufenthaltsort für die Bonner Bevölkerung an hei- ßen Tagen. Diese Funktion gilt es im Kontext des Kli- mawandels durch einen weiteren Ausbau der blauen und grünen Infrastrukturen sowie durch eine fachge- rechte Pflege des Grünbestandes in Bonn zu erhalten und zu stärken. Als weitere Stärke der Stadt mit Blick auf die Umsetzung der Schwammstadt ist die umfangreiche Wissensbasis (mit Bezug zum Klimawandel) zu nennen, die in den vergangenen Jahren innerhalb der Stadtverwaltung durch zahlreiche Projekte aufgebaut wurde (z.B. ZU- RES, MUTABOR). Hinzu kommen zahlreiche Konzepte mit Bezug zum Bonner Stadtgrün, deren Umsetzung vielfältige Synergiepotenziale mit der Schwammstadt Bonn bieten. Besonders hervorzuheben sind hier bei- spielsweise der Bonner Freiraumplan, der Grünrah- menplan Bundesviertel und das Stadtbaumkonzept . Nicht zuletzt sind auch die Bodeneigenschaften in Bonn - aus Sicht der Schwammstadtidee - als positiv zu bewerten. Die Stadt weist zwar relativ ungünstige Bedingungen für eine Regenwasserversickerung auf, jedoch zahlt sich - dem gegenüber stehend - die rela- tiv hohe nutzbare Feldkapazität für den Rückhalt des pflanzenverfügbaren Regenwassers im Oberboden aus. Schwächen Den oben genannten Stärken aus Sicht der Schwamm- stadt stehen auch einige Schwächen gegenüber. Zunächst ist festzustellen, dass die Stadt Bonn als Großstadt an vielen Stellen durch eine hohe Bebau- ungsdichte und einen starken Versiegelungsgrad ge- kennzeichnet ist. Diese Tatsache lässt sich auch an den im Zuge von ZURES und MUTABOR erarbeiteten Klimaanalysen und Entwicklungsszenarien ablesen. Schon heute ist der Anteil klimatischer Defiziträume im Bonner Stadtgebiet sehr groß. Mit dem Klimawan- del wird die sommerliche Hitzebelastung in der Stadt mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weiter zunehmen. Angesichts des enormen Wachstumsdrucks in der Region Köln/Bonn und der zunehmenden Raumnut- zungskonkurrenzen des Stadtgrüns im Zuge der In- nenentwicklung und Nachverdichtung wird sich dieser Zustand mit großer Wahrscheinlichkeit noch zusätz- lich verschärfen. Als eine weitere Schwäche mit Blick auf die Umset- zung von Schwammstadtmaßnahmen in Bonn ist der vergleichsweise hohe Anteil an Altstandorten und Alt- lastenverdachtsflächen in Bonn zu sehen. Insbesonde- re auf denjenigen Flächen, wo aufgrund von Altlasten keine Entsiegelung oder Versickerung möglich ist, sind die Handlungsmöglichkeiten für die Schwammstadt beschränkt bzw. häufig mit höheren Kosten verbun- den. 36Seite 28 von 65 Schwammstadt Bonn Rahmenbedingungen Chancen Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich für die Umset- zung der Schwammstadt Bonn einige Chancen. Zwar steht das städtische Grün unter einem erheblichen Siedlungsdruck in der wachsenden Stadt Bonn. An- dererseits bietet die damit verbundene Transforma- tionsdynamik, zahlreiche Gelegenheitsfenster für eine zeitnahe und schrittweise Umsetzung kleiner Maßnahmenbausteine der Schwammstadt im Zuge der Realisierung öffentlicher und privater Bauvorha- ben. Langfristig werden sich auch im Zuge der Mobilitäts- wende Chancen für die Integration von Schwamm- stadtbausteinen im öffentlichen Raum bieten. Aus- gehend von der erwarteten teilweisen Verlagerung der Nahmobilität auf den Umweltverbund (ÖPNV, Sharing, Fuß- und Radverkehr) und einer verstärk- ten Bündelung des ruhenden Verkehrs werden sich langfristig mancherorts im Stadtraum Optionen zur Neuaufteilung von Straßenräumen bieten. Dabei kann neuer Raum für blau-grüne Infrastrukturen ge- schaffen werden. Auch die politischen Rahmenbedingungen kön- nen als Chance für die Schwammstadt Bonn be- wertet werden. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Sensibilität bezüglich der Not- wendigkeit der Klimafolgenanpassung genießt das Thema Schwammstadt eine wachsende Aufmerk- samkeit und Akzeptanz in der Lokalpolitik sowie in der Bonner Bevölkerung. Auch auf der Landes- und Bundesebene werden in der Form von Gesetzen, Richtlinien und Förderprogrammen sukzessive Rah- menbedingungen geschaffen, mit denen die Um- setzung von Schwammstadtmaßnahmen erleichtert und beschleunigt werden kann. Risiken Die Umsetzung der Schwammstadt ist jedoch auch mit gewissen Risiken verbunden. An erster Stelle sind hier die Kosten zu nennen. Der Klimawandel sowie der steigende Nutzungsdruck auf die blau-grünen Infrastrukturen in Bonn bewirkt bereits heute, dass eine nachhaltige Bestandssicherung der öffentlichen Grün- und Wasserflächen mit erhöhten Aufwendun- gen für die Grünflächenpflege und -instandsetzung (inkl. Bewässerung) einhergeht. Die Ressourcen für die Grünpflege in Bonn sind begrenzt. Sofern davon ausgegangen werden kann, dass sich das Grünvolumen in der Stadt im Zuge der Umsetzung der Schwammstadt noch weiter vergrößern wird, sind die dadurch entstehenden finanziellen Mehrkosten und personellen Ressourcenbedarfe bislang nicht abgesichert. Mit Blick auf die Neuschaffung grün-blauer Infra- strukturen können (vor allem im Bestand) die Her- stellungskosten mit einigen Ungewissheiten und Zu- satzinvestitionen verbunden sein. Insbesondere im Zusammenhang mit der Altlastensanierung oder der Regenwasserbehandlung können hier z.T. erhebliche Mehrkosten entstehen. Im Wohnungsbau besteht darüber hinaus ein Konflikt zwischen dem Vorsatz einer kostengünstigen Wohnraumbereitstellung und der Zielstellung, im Zuge von Bauvorhaben höhere Ansprüche an das Grünvolumen und an die Grün- qualität zu stellen. Nicht zuletzt bestehen bei manchen Akteursgrup- pen in der Stadt noch Vorbehalte gegenüber dem Leitbild bzw. gegenüber manchen Bausteinen der Schwammstadt. So zum Beispiel regen sich teilweise Widerstände, sobald die Begrünung von Straßenräu- men zulasten von Stellplätzen durchgeführt werden soll. Darüber hinaus werden regelmäßig Bedenken gegenüber einer Gebäudebegrünung (z.B. Dichtheit, Schäden an Gebäudehülle, Schädlinge), gegenüber Feuchtbiotopen (z.B. Mücken etc.) oder Speicherri- golen (z.B. Systemversagen, Baumgesundheit, Ver- nässung, Überflutungsgefahren) geäußert, denen in Zukunft verstärkt begegnet werden muss. Fazit Zusammenfassend betrachtet kann die Ausgangsla- ge für die „Schwammstadt Bonn“ angesichts der der räumlichen Ausgangsbedingungen, der Transforma- tionsprozesse und der breiten Akzeptanz als relativ günstig bewertet werden. Die größten Herausfor- derungen liegen in der Lösung von Raumnutzungs- konkurrenzen (insb. Wohnraum, ruhender Verkehr) sowie in der Entwicklung möglichst kosteneffizienter und konfliktfreier Maßnahmen. 37Seite 29 von 65 4. Strategie für die Schwamm- stadt Strategie für die Schwammstadt 07Seite 30 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie 4.1 Leitbild Für eine erfolgreiche Umgestaltung Bonns in eine Schwammstadt (als Teil einer wassersensitiven Stadt- entwicklung, siehe Abb. 08) ist es von zentraler Re- levanz, dass die Möglichkeiten zum Einsatz von Re- genwasser für die Hitze- und Trockenheitsvorsorge stärker als bisher in sämtlichen flächenrelevanten Planungsprozessen im urbanen Raum eingebunden werden. Ausgehend von den in Kapitel 2 beschriebe- nen Zielen der Schwammstadt und unter Berücksich- tigung der Ausgangslage (Kapitel 3) wurde in diesem Zusammenhang eine Leitkarte erarbeitet (Kapitel 4.2). Diese formuliert und verortet Handlungsemp- fehlungen für die Umsetzung der Schwammstadtziele im Rahmen der Stadt- und Freiraumplanung und stellt Bereiche in Bonn dar, in denen eine Umsetzung der im Folgenden (Kapitel 5) beschriebenen Bausteine zur Hitze- und Trockenheitsvorsorge besonders erforder- lich bzw. zielführend ist. Die Auswahl dieser „Fokus- räume“ ergibt sich zum einen aus der Betroffenheit der Gebiete (z.B. Versiegelungs- und Bebauungsdichte, Hitzebelastung, Dürreempfindlichkeit) sowie zum an- deren aus besonderen Eignungskriterien bzw. Poten- zialen für eine Maßnahmenumsetzung (z.B. stark fre- quentierte Orte, unbegrünte Gleistrassen etc.). In einer weiteren Karte wurden, in enger Abstimmung mit der Arbeits- und Steuerungsgruppe, diejenigen anstehenden Planungs- und Bauvorhaben in Bonn zusammengetragen und dargestellt, die ein realisti- sches Gelegenheitsfenster bzw. mögliche Anknüp- fungspunkte für eine schrittweise Umsetzung des Schwammstadtgedankens bieten (Kapitel 4.3). Das Kartenwerk umfasst dabei sowohl ausgewählte infor- melle und formelle Planverfahren (Masterpläne, Be- bauungspläne) als auch konkrete Projekte der Stadt Bonn im Bereich der Straßenumgestaltung, der Frei- flächengestaltung (z.B. Spielplätz, Parkanlagen) und der Planung öffentlicher Bauvorhaben (z.B. Schulen). Mit Blick auf die Entwicklung der Kommunikations- strategie in der zweiten Projektphase wurde ergän- zend eine dritte Karte entwickelt (siehe Kapitel 4.4). In dieser sind alle diejenigen Projekte in Bonn dar- gestellt, bei deren Umsetzung in den letzten Jah- ren bereits Aspekte bzw. Maßnahmen im Sinne der Schwammstadt umgesetzt wurden („good practice“). 08 Wassersensitive Stadt 39Seite 31 von 65 41 Schwammstadt Bonn Strategie Legende Ausführliche Planungshinweise auf den nachfolgenden Seiten. 4.2 Leitkarte für die Schwammstadt Diese Karte formuliert Handlungsempfehlungen für die Schwammstadt im Rahmen der Stadt- und Frei- raumplanung. Sie unterscheidet unterschiedliche Freiraum- und Siedlungstypen und stellt Bereiche dar, in denen Schwammstadtmaßnahmen besonders zielführend sind.Seite 32 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Öffentliche Grün- und Freiflächen Die öffentlichen Grünflächen (Parkan- lagen, Sport- und Spielflächen) bilden wichtige Naherholungsorte für die Bon- ner Stadtbevölkerung. Im Kontext der Schwammstadt stellen sie während Hit- zeperioden insbesondere tagsüber durch die Verschattungs- und Verdunstungs- leistung der Vegetation kühle Rückzugs- orte im Bonner Stadtgebiet dar. Oberstes Ziel für diese Flächen ist es, eine ausreichende und kontinuierliche Be- wässerung des Grüns in Trockenperioden sicherzustellen, um die Vitalität der Pflan- zen und deren Kühlleistung zu fördern. Maßnahmen zum Erhalt bzw. zur Erhö- hung der Verdunstungskühlung in öffent- lichen Grün- und Freiflächen sind: – Anpassung der Bodeneigenschaf- ten und des Porengefüges zur Ver- besserung der nutzbaren Feldkapa- zität in den Grünflächen – Anpassung der Vegetation durch Einsatz von trockenheitsresistente- ren Arten und Sorten – Anlage bzw. Erweiterung offener Wasser- bzw. Verdunstungsflächen (z.B. Teiche, Weiher, Feuchtbioto- pe) in öffentlichen Grünanlagen – Integration von bewegten Wasser- elementen (z.B. Brunnen, Fontä- nenfelder, Wasserspielplätze etc.) an stark frequentierten Orten – Dezentrale Bereitstellung groß- formatiger Speicherelemente (z.B. Baumtankstellen, Teiche, Zisternen etc.) mit Entnahmestellen für die Grünbewässerung Stehende Gewässer Die offenen Stehgewässer in Bonn leisten als Verdunstungsflächen einen wichtigen Beitrag zur Kühlung der Stadt. Sie sollen daher erhalten und, soweit möglich, er- weitert und ergänzt werden. Außerdem soll die Zugänglichkeit der Gewässer als Abkühlungsorte für die Bonner Stadtbe- völkerung weiterhin gewährleistet und bei Bedarf verbessert werden. Besonders effektiv für die Verdunstungs- kühlung sind Wasserflächen, die quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet sind. Sinnvolle Maßnahmen zur Sicherstellung und Erhöhung der Kühlleistung stehender Gewässer sind: – Bepflanzung der Uferbereiche mit verdunstungsstarker Vegetation und/oder Einsatz von schwimmen- den Vegetationsinseln – Vermeidung der Austrocknung der Gewässer (z.B. durch gezielte Nachspeisung mit gespeichertem Regenwasser aus Zisternen oder Rigolen) – Schaffung von Entnahmestellen an dafür geeigneten Gewässern, um das gespeicherte Wasser zur Be- wässerung des Stadtgrüns nutzbar zu machen Fließgewässer Auch die Fließgewässer in Bonn erfül- len im Kontext der Schwammstadt eine wichtige Funktion als kühlende lineare Elemente im Stadtraum. Insbesondere für die derzeit kanalisierten und verrohrten Bäche, soll geprüft werden, ob eine Of- fenlegung realisierbar ist. Dadurch kann die verdunstungskühlende Funktion der Bäche erhöht werden. Gleichzeitig können durch eine natur- nahe Gestaltung der Fließgewässer neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen ent- stehen sowie attraktive Aufenthaltsräume für die Bonner Bevölkerung geschaffen werden. Freiflächen 09 10 11 42Seite 33 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Kleingärten Die Kleingartenanlagen in Bonn bilden an heißen Tagen wichtige Rückzugs- und Erholungsorte für die Bonner Stadtbevöl- kerung. Um eine ausreichende und konti- nuierliche Bewässerung der Vegetation in Trockenperioden sicherzustellen, sollte in diesen Gebieten insbesondere die priva- te Versiegelung von Flächen vermieden und die Speicherung und Nutzung von Regenwasser zu Bewässerungszwecken (über Regentonnen, Zisternen) gefördert werden. Waldgebiete Die Waldgebiete des Kottenforstes und des Siebengebirges bilden qualitätvol- le Naherholungsgebiete für die Bonner Stadtbevölkerung. Jedoch stehen diese Forstflächen durch anhaltende Hitze und Trockenheit als Folge des Klimawandels zunehmend unter Druck. Aktuelle Mög- lichkeiten der Bewässerung von Wald- flächen stellen keine sinnvolle und wirt- schaftliche Lösung dar. Stattdessen soll ein schrittweiser Umbau zu standortge- rechten und klimastabilen Mischwäldern erfolgen, die eine höhere Wasserspei- cherkapazität und Resilienz gegenüber Trockenstress aufweisen als beispielswei- se artenarme Kiefern- oder Fichtenforste. In Ergänzung soll innerhalb des Bonner Siedlungskörpers die Möglichkeit zur An- lage von „Tiny Forests“ geprüft werden. Diese gedeihen bereits auf kleineren Brachflächen ab 200 m2. Mit der ent- sprechenden Bearbeitung des Bodens speichern sie Wasser und entfalten somit ein hohes Kühlpotenzial im Quartier und bilden zudem stabile Ökosysteme. Ackerflächen und Grünland Auf den landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen sowie in den offenen Land- schaften im Bonner Stadtgebiet hängt die Vitalität der Pflanzen während Hitzewel- len und Dürreperioden nicht nur vom Nie- derschlag, sondern vor allem auch von der Beschaffenheit und von der Bearbeitung des Bodens ab. Bei der herkömmlichen Landwirtschaft kann durch das tiefe Pflügen und die Ver- dichtung des Bodens als Folge des Ein- satzes schwerer Maschinen die Stärke des humosen Oberbodens reduziert werden, wodurch auch das Wasserspeichervermö- gen deutlich abnehmen kann. In diesen Bereichen besteht die Aufgabe, neben der dezentralen Speicherung von Regen- wasser für die Bewässerung und einer angemessenen, rücksichtsvollen Bewirt- schaftung der Flächen vor allem darin, die Resilienz der Kulturpflanzen gegenüber Klimaeinflüssen zu erhöhen (z.B. durch die Erhöhung des Humusgehaltes, die Anpassung von Fruchtfolgen und Sorten- wahl sowie der Bodenbearbeitung). 12 13 14 43Seite 34 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Die Bonner Innenstadt sowie insbeson- dere die Ortsteilzentren in Beuel und Bad Godesberg sind von einer dichten Be- bauung sowie von einem hohen Versiege- lungsgrad mit vergleichsweise wenig Grün geprägt. Sie bilden dadurch Hitzeinseln in der Stadt und weisen aufgrund der Versie- gelung eine geringe Evapotranspiration und damit kaum Verdunstungskühlung auf. Aufgrund ihrer zentralen Versorgungs- funktion und der hohen Arbeitsplatzdich- te sind die Bereiche vor allem tagsüber stark frequentiert. Der erhöhten Hand- lungserfordernis für eine Hitzevorsorge im Sinne der Schwammstadt steht eine hohe Flächenknappheit gegenüber, was insbesondere multifunktionale Lösungen erforderlich macht. Hier stehen insbeson- dere die folgenden Schwammstadt-Maß- nahmen im Fokus: – Begrünung von Straßenräumen (z.B. durch den Rückbau von Stell- plätzen) mit Bäumen oder straßen- begleitenden Pflanzbeeten (inkl. Rigolen) – Integration von bewegten Wasser- elementen (z.B. Brunnen, Fontä- nenfelder etc.) zur Kühlung stark frequentierter Plätzen – Schaffung dezentraler (unterirdi- scher) Rigolen und Zisternen mit Entnahmestellen für die Bewässe- rung des Stadtgrüns – Maßnahmen zur Gebäudebegrü- nung (bei Neubau möglichst er- gänzt durch Speicher- und Rück- haltekörpern auf Dachflächen bzw. durch Zisternen im Wurzelraum der Grünfassaden) Die an die Innenstadt angrenzenden Sied- lungsbereiche sind vorrangig durch dich- te Bebauung der Gründerzeit oder der Nachkriegsjahre geprägt. Sie sind dabei gekennzeichnet durch eine größtenteils geschlossene Bebauung entlang der Stra- ßenräume und durch teilweise stark ver- siegelten Innenhöfen. Als gemischt genutzte Gebiete mit Woh- nen, Gewerbe und Einzelhandel sind die Gebiete sowohl tagsüber als auch nachts stark frequentiert. Vorrangig bie- tet sich hier die Umsetzung der folgenden Schwammstadt-Maßnahmen an: – Begrünung von Straßenräumen (z.B. durch den Rückbau von Stell- plätzen) mit Bäumen oder straßen- begleitenden Pflanzbeeten (evtl. inkl. Rigolen) – Entsiegelung und Begrünung von Innenhöfen und Vorgärten – Maßnahmen zur Gebäudebegrü- nung (bei Neubauten möglichst ergänzt durch Speicher- und Rück- haltekörpern auf Dachflächen bzw. durch Zisternen im Wurzelraum der Grünfassaden) – Schaffung dezentraler (unterirdi- scher) Rigolen und Zisternen im Straßenraum oder in Innenhöfen mit Entnahmestellen für die Bewäs- serung des Stadtgrüns Diese Siedlungen sind vorwiegend durch offene Bebauungsstrukturen wie Zei- len-, Reihen- und Großwohnsiedlungen (vorwiegend aus der Nachkriegszeit) geprägt. Sie zeichnen sich dabei durch einen hohen Anteil halböffentlicher bzw. gemeinschaftlicher Grünflächen aus, die zum Teil untergenutzt sind. Aufgrund der vorwiegenden Wohnfunktion sind diese Gebiete insbesondere abends und nachts bevölkert. Im Kontext der Schwammstadt sollen hier die folgenden Maßnahmen im Fokus stehen: – Begrünung von Straßenräumen (z.B. durch den Rückbau von Stell- plätzen oder Fahrspuren) mit Bäu- men oder straßenbegleitenden Pflanzbeeten (inkl. Rigolen) – (Teil-)Entsiegelung und Begrünung von gemeinschaftlichen Freiflä- chen (z.B. Garagenhöfe/Stellplatz- anlagen) – Abkopplung von (wenig belasteten) Straßen- und Dachabflüssen vom öffentlichen Entwässerungssystem und Sammlung in (unterirdischen) Rigolen und Zisternen im Straßen- raum oder in Freiflächen zur Bewäs- serung in Trockenzeiten – Maßnahmen zur Gebäudebegrü- nung (bei Neubau inkl. Prüfung der Schaffung von Speicher- und Rück- haltekörpern auf Dachflächen für die Grünbewässerung oder im Neu- bau als Brauchwasser im Gebäude) Siedlungsflächen 15 16 17 Innenstadt und Ortsteilzentren Dicht bebaute Wohn- und Mischgebiete Locker bebaute Wohn- siedlungen 44Seite 35 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Die locker bebauten Ein- und Zweifami- lienhaussiedlungen in Bonn sind durch freistehende Einzel- und Doppelhäuser und duch eine starke Durchgrünung mit privaten Gartenflächen geprägt. Auf- grund der vorwiegenden Wohnfunk- tion sind diese Gebiete insbesondere abends und nachts bevölkert. Geeignete Schwammstadt-Maßnahmen sind: – Abkopplung der Straßenabflüsse vom öffentlichen Entwässerungs- system und Sammlung in (unterirdi- schen) gemeinschaftlichen Rigolen und Zisternen im Straßenraum oder in Freiflächen zur Bewässerung des Stadtgrüns in Trockenzeiten – Abkopplung von Grundstücks- bzw. Dachflächenabflüssen und Sammlung in privaten Zisternen oder Rigolen (für die Gartenbe- wässerung oder u.U. im Neubau als Brauchwasser im Gebäude) – Begrünung von Flachdächern, Ga- ragen und Carports – (Teil-)Entsiegelung und Begrünung von Vorgärten Die Stadt Bonn ist, insbesondere durch die Zeit als Regierungssitz, durch einen außergewöhnlich hohen Anteil an Büro- und Verwaltungsgebäuden geprägt. Ins- besondere das Bundesviertel beherbergt zahlreiche Wirtschafts-, Kongress-, Kul- tur- und Regierungseinrichtungen. Neben den ausgedehnten Bürostandorten prägt auch die Universität mit ihren fünf Cam- pus-Arealen das Bonner Stadtgebiet. Dazu zählen auch das Universitätsklini- kum auf dem Bonner Venusberg sowie zahlreiche außeruniversitäre Forschungs- einrichtungen. Die Bewohner*innenzahl liegt in vielen dieser Gebiete stark unter dem städtischen Durchschnitt. Dagegen ist die Anzahl der Beschäftigten und Be- sucher*innen, die sich vor allem tagsüber in diesen Gebieten aufhalten, überdurch- schnittlich hoch. Besonders geeignete Schwammstadt- Maßnahmen in diesen Bereichen sind: – Schaffung kühler Aufenthaltsbe- reiche in Gebieten mit einer hohen Arbeitsplatz- und Besucher*innen- dichte, z.B. durch die Anlage offe- ner Wasserflächen, bewegter Was- serelemente (Brunnen etc.) oder schattenspendende Bepflanzung mit hoher Kühlleistung – Rückbau bzw. (Teil-)Entsiegelung von Park- und Verkehrsflächen (z.B. durch Stapelung von Stellplatzflä- chen in Parkhäusern) – Maßnahmen zur Gebäudebegrü- nung (bei Neubau inkl. Prüfung der Schaffung von Speicher- und Rück- haltekörpern auf Dachflächen für die Grünbewässerung oder im Neu- bau als Brauchwasser im Gebäude) Diese Siedlungsbereiche sind durch ge- werbliche und industrielle Nutzungen ge- prägt und zeichnen sich in der Regel durch eine offene Bebauung mit großkörnigen Gebäudestrukturen sowie ausgedehnten Lager- und Parkflächen mit einem hohen Versiegelungsgrad und einem geringen Anteil an Grünflächen aus. Aufgrund der Versiegelung heizen sich die Gewerbe- gebiete in Bonn besonders stark auf und sind als Arbeitsstandorte zudem tagsüber stark frequentiert. Sinnvolle Schwamm- stadt-Maßnahmen in diesen Bereichen sind: – Rückbau bzw. (Teil-)Entsiegelung von Park- und Verkehrsflächen (z.B. durch Stapelung von Stellplatz- flächen in Parkhäusern oder Quar- tiersgaragen) – Gebäudebegrünung: Gewerbehal- len mit geringer bzw. keiner Dach- neigung eignen sich besonders für eine Dachbegrünung, vor allem bei Neubauten – Abkopplung (und u.U. Reinigung) von wenig belasteten Abflüssen zur Speicherung in Zisternen (Bewäs- serung, Brauchwassernutzung) 18 19 20 GewerbegebieteBüro-, Verwaltungs- und Universitätsstandorte Ein- und Zweifamilien- hausgebiete 45Seite 36 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Diese Bereiche sind, gemäß der Stadt- klimaanalysen für Bonn, heute während Hitzeperioden tagsüber durch eine un- günstige oder sehr ungünstige human- bioklimatische Situation und somit durch eine hohe thermische Belastung gekenn- zeichnet (siehe Karte Hitzebelastung auf den Seiten 24-25). In diesen Bereichen sind Schwammstadt-Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas durch Ver- dunstungskühlung bei Hitze besonders zielführend. Diese landwirtschaftlichen (braun) und forstlichen Bereiche (grün) verzeichnen eine hohe bzw. sehr hohe Empfindlichkeit gegenüber Dürre, also unterdurchschnitt- lichen Niederschlägen über eine längere Zeit. (siehe Karte Dürreempfindlichkeit auf den Seiten 26-27). In diesen Bereichen sind Schwammstadt-Maßnahmen zur Speicherung von Regenwasser zur Ver- sorgung der Vegetation in Trockenzeiten besonders notwendig und zielführend. Diese Gebiete sind gekennzeichnet durch eine tatsächliche Verdunstung (Evapo- ration und Transpiration) von weniger als 150 mm pro Jahr (siehe Karte Evapotran- spiration auf den Seiten 28-29). Dies deu- tet auf einen Mangel an Vegetation oder offenen Gewässern hin, sodass auch nur in geringem Maße Kühlung durch Verduns- tung stattfinden kann. In diesen Berei- chen sind Schwammstadt-Maßnahmen zur Erhöhung der Verdunstungsleistung (insbesondere eine Entsiegelung und Be- grünung von Flächen) besonders zielfüh- rend. Fokusräume mit erhöhter Handlungspriorität 21 22 23 Besonders hitze- belastete Standorte Besonders dürregefährdete Gebiete Gebiete mit einer beson- ders geringen Evapotran- spirationsleistung 46Seite 37 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Seit mehreren Jahren vollzieht sich (durch den Rückgang der Erdbestattungen gegenüber Feuerbestattungen) ein Kul- turwandel im Friedhofswesen, der sin- kende Flächenbedarfe zur Folge hat. Das Bonner Friedhofskonzept hat bereits Flä- chen identifiziert, die künftig nicht mehr durch das Bestattungswesen in Anspruch genommen werden. Diese sollten als öf- fentliche Freiflächen mit ihrer stadtklima- tischen Bedeutung und Erholungsfunk- tion für die Bewohner*innen erhalten und qualifiziert werden. Die Hauptradrouten in Bonn bilden (ins- besondere im Sommer) wichtige, viel ge- nutzte und vor allem nachhaltige bzw. klimaschonende Verkehrswege. Da- her sollten die Radwege entlang dieser Routen attraktiv gestaltet und - im Sinne der Schwammstadt - möglichst von ver- schattender und/oder transpirierender Vegetation gesäumt werden, die ein angenehmes Befahren auch in Hitze- perioden ermöglicht. Insbesondere die Haltebereiche bzw. Stellflächen an Kreu- zungspunkten bieten sich für Schwamm- stadtmaßnahmen zur lokalen Kühlung an. Die größeren Sportstätten in Bonn sind viel genutzte Freiflächen und stellen wichtige Treffpunkte für die Bonner Stadtbevölke- rung dar. Im Sinne der Schwammstadt soll- ten insbesondere die Aufenthaltsbereiche von verschattender und transpirieren- der Vegetation gesäumt werden. Zudem ist, dort wo möglich, auf den Einsatz von Kunstrasen zu verzichten, da dieser sich im Vergleich zu natürlichen Rasenflächen stärker aufheizt und keine Kühlleistung er- bringen kann. Anfallendes Regenwasser sollte vom Kanalnetz abgekoppelt und bei geeigneten Bodeneigenschaften vor Ort versickert, oder in Zisternen zur späteren Nutzung gespeichert werden. Insbesondere im dichtbebauten inner- städtischen Raum der Stadt kann eine grüne Gleistrasse die Abschnitte optisch aufwerten und hat das Potenzial zahlrei- che positive Effekte auf das Stadtklima, das Regenwassermanagement, die Bio- diversität und die Feinstaubbindung zu erzielen. Für die Stadt Bonn wurde bereits eine Potenzialanalyse zur Begrünung von Bahntrassen durchgeführt. Die in der Kar- te markierten Abschnitte sind gemäß der Untersuchung aufgrund ihrer Lage und baulichen Konstruktion grundsätzlich für eine Gleisbegrünung geeignet. Das Potenzial einer Erhöhung des Grünvolu- mens durch eine Gleisbegrünung sollte in Kooperation der Stadtverwaltung und der Stadtwerke ausgeschöpft und eine Um- setzung aktiv vorangetrieben werden. 24 25 26 27 Stark frequentierte Radrouten Gleisabschnitte mit Begrünungspotenzial Stark frequentierte Sportstätten Friedhöfe mit Flächen- potenzialen 47Seite 38 von 65 49 Schwammstadt Bonn Strategie 4.3 Gelegenheitsfenster für die Schwammstadt In dieser Karte sind ausgewählte anstehende Projekte und Planungen in Bonn markiert, die ein mögliches und realistisches Gelegenheitsfenster für die Umsetzung von Schwammstadtmaßnahmen bieten. (Zwischenstand August 2023) Legende Ausführliche Legende auf den nachfolgenden Seiten.Seite 39 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Informelle Planungen 1. Rahmenplan Bundesviertel 2. Masterplan Bad Godesberg 3. Integriertes Entwicklungs- konzept Buschdorf 4. Bönnsche Viertel - Nord- stadt 5. Bönnsche Viertel - Com- bahnviertel Gebäude und Freianlagen Schulen und Kitas 1. Schulstandort Rölsdorfstr. 2. Adelheidisschule 3. Heinrich-Herz Berufskolleg 4. IGS- Beuel 5. Ludwig-Erhard Berufskolleg 6. Clara-Schumann- Gymnasium 7. Helmholtz-Gymnasium 8. Kita Ossietzkystraße 9. Kita Margaretenstraße 10. Kita Pappelnweg 11. Kita Von-den-Driesch- Straße Projekte und Planungen 28 29 30 Bebauungspläne 1. Rosenfeld 2. Alte Stadtgärtnerei 3. Urban Dott 4. Wilhelm-Flohe-Straße, Pützchen/ Bechlinghoven 5. Landesbehördenhaus 50Seite 40 von 65 Schwammstadt Bonn Strategie Verkehrsflächen 1. Friedrich-Breuer-Straße 2. Karl-Marx-Straße 3. Heinemannstraße 4. Am Fronhof, Theaterplatz Richtung Am Kurpark 5. Christian-Miesen-Straße, HKW Süd bis Dottendorfer Straße 6. Kurfürstenplatz, Reichsstraße bis Heidegartenstraße 7. Wesselstraße (Uni trifft City) 8. Klosterweg, Otto-Hahn- Straße bis Aegidienstraße 9. Oppenhoffstraße 10. Heerstraße, Vorgebirgsstraße bis Kölnstraße 11. Nibelungenstraße, Gunterstraße bis Viktor- Schnitzler-Straße 12. Weierbornstraße 13. Rheinuferpromenade Innenstadt 14. Rheinuferpromenade Bad Godesberg 15. Chlodwigplatz 16. Insterburgerstraße 17. Maarstraße 18. Schieffelingsweg 19. Vorgebirgsstraße 20. Immenburgstraße 21. Honnefer Straße 22. Deutschherrenstraße und Röntgenstraße 23. Bennauerstraße Spiel- und Sportflächen 1. Landsberger Straße 2. Haberstraße 3. Auf dem Hügel 4. Morseweg 5. Am Krümpel 6. Rilkestraße 7. Sonnenberg 8. Honnefer Straße 9. Reuterpark 10. Clemens-August-Platz 11. Königsberger Weg 12. Alsstraße/Büchelstraße 13. Christian-Miesen-Straße 14. Sportanlage Drachenpark Heiderhof 15. Wasserspielplatz Quasi Parks 1. Rheingärten 2. Endenicher Park 3. Grünzug Annaberger Bach 31 32 33 51Seite 41 von 65 53 Schwammstadt Bonn Strategie Legende 4.4 Leuchtturmprojekte der Schwammstadt („good practice“) In dieser Karte sind Projekte und Planungen in Bonn markiert, bei deren Umsetzung in den letzten Jahren bereits Aspekte bzw. Maßnahmen der Schwamm- stadt berücksichtigt wurden.Seite 42 von 65 5. Bausteine der Schwammstadt Bausteine der Schwammstadt 34Seite 43 von 65 -C° -C° -C° -C°-C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° -C° Gewässer Gründächer Feuchtbiotope Verdunstungsfähige Beläge Grünfassaden Grüngleise Wasserdächer VerdunstungsbeeteBlühwiesen Bewegtes Wasser Straßenbäume -C° -C° -C° Kühlen über Vegetation Kühlen über Bauwerksgrün Schwammstadt Bonn Bausteine der Schwammstadt Kühlen über Wasser 5.1 Bausteine zur Verdunstungskühlung Sowohl Gewässer, als auch offenliegende Böden sowie Pflanzen verdunsten unter dem Einfluss von Wärmeeeinstrahlung Wasser. Dadurch kühlen sie die Umgebungsluft und haben so einen Einfluss auf das städtische Mikroklima. Maßgebliche Einflussgrößen der Kühlleistung sind dabei die Größe der verduns- tungsfähigen Oberfläche (diese ist beispielsweise bei einem Laubbaum mit großem Blattvolumen deutlich größer als bei einer kurz gemähten Rasenfläche), die verfügbare Wassermenge sowie die Intensität der Wärmestrahlung. Während die Versickerung von Re- genwasser in der Praxis bereits eine etablierte Ziel- größe der Regenwasserbewirtschaftung geworden ist, wird die Verdunstung (als zweite wichtige Säule des naturnahen Wasserkreislaufes) bisher nur wenig thematisiert und oftmals als Verlustgröße dargestellt. In den letzten Jahren hat die Relevanz der Verduns- tung und ihrer Kühlleistung in der Forschung [5] und in der Praxis jedoch an Bedeutung gewonnen: So zum Beispiel hat die DWA 2022 das Merkblatt M 102-4 („Wasserhaushaltsbilanz für die Bewirtschaftung des Niederschlagswassers“) [6] veröffentlicht. In Ergän- zung zum Arbeitsblatt DWA-A 100 („Leitlinien der integralen Siedlungsentwässerung“) [7] fordert die- ses Merkblatt für neu erschlossene Siedlungsgebiete eine zielgerichteter Anwendung alternativer Entwäs- serungsverfahren mit Versickerung und einer Förde- rung der Verdunstung durch einen hinreichend gro- ßen Grünflächenanteil. In den folgenden Steckbriefen werden die verschie- denen Bausteine zur Verdunstungskühlung näher erläutert und ihr jeweiliger Beitrag zu den Zielen der Schwammstadt verglichen. Die Bewertung basiert dabei auf einer metaanalytischen Literaturrecherche und einer allgemeinen gutachterlichen Einschätzung. Grundsätzlich lassen sich die Bausteine danach unter- scheiden, ob die Verdunstungskühlung unmittelbar über offene Wasserflächen oder über die Vegetation im Stadtraum bzw. auf Gebäuden erzeugt wird: 55Seite 44 von 65 -C° -C° -C° GEWÄSSER Schwammstadt Bonn Bausteine der Schwammstadt 56 57 GEWÄSSER Bonn ist eine Stadt am Wasser. Insbesondere der Rhein und die Sieg prägen mit ihren Uferbereichen das Bonner Gewässer- und Freiraumsystem. Neben den beiden Flüssen wird das Stadtgebiet zudem von zahlreichen Bachläufen durchzogen. Darüber hin- aus befinden sich im Stadtgebiet zahlreiche offene, künstlich angelegte Wasserflächen wie Teiche, Wei- her oder Becken, die ebenfalls einen wichtigen Bei- trag zur Verdunstungskühlung in der Stadt leisten. Die Wasserkörper sind in der Regel dauerhaft mit Wasser gefüllt. Manche stehenden Gewässer, wie beispielsweise der Dornheckensee im Ennert sind naturnah gestaltet, andere wie z.B. die Rheinauen- seen sind eher landschaftsarchitektonisch ausge- führt. Die kleinen Fließgewässer in Bonn, wie z.B. der Mehlemer Bach, sind dagegen insbesondere im urbanen Raum meist naturfern eingefasst und an zahlreichen Stellen verrohrt. Welche Standorte sind geeignet? Die Schaffung bzw. der Ausbau von Wasserflächen ist mit einem vergleichsweise hohen Flächenbedarf verbunden. Potenziale im Bonner Stadtgebiet bieten sich in städtische Parkanlagen oder auf größeren öf- fentlichen Plätzen. Im kleineren Maßstab ist die An- lage von Teichen in privaten Gärten denkbar. Auch bieten sich an manchen Stellen Möglichkeiten verrohrte Bäche freizulegen und zu renaturieren. Al- lerdings sind die Potentiale hierfür begrenzt. Was ist zu beachten? Die Offenen Wasserflächen und die Fließgewässer in Bonn wer- den mit zugeführtem Regenwasser gespeist. Im Jahresmittel tritt zwar eine ungefähr ausgegliche- ne Wasserbilanz auf, allerdings kann der monatli- che Wasserstand auf Grund von Verdunstung und Trockenperioden stark schwanken. Bei Bedarf kann zusätzlich mit Regenwasser aus Zisternen oder Stau- raumkanälen nachgespeist werden. Um ein zu star- kes Absinken des Wasserpegels oder Austrocknen zu vermeiden sind die Wasserflächen in der Regel abgedichtet. Je nach System ist zudem ein Überlauf in eine Mulde zur Versickerung, in ein Oberflächen- gewässer oder in den Kanal vorzusehen. Um ein Kippen des Gewässers zu verhindern, muss ein ausreichendes Umwälzen sicher gestellt sein. Dies kann über natürliche Verfahren, durch die Aus- bildung von Flach- und Tiefenwasserbereichen sowie natürlichen Bodenfiltern hergestellt werden, aber auch durch technische Verfahren mittels Pumpen und Filteranlagen unterstützt werden. Ist das Ge- wässer für den Menschen zugänglich und beispiels- weise als Schwimm- oder Badeteich vorgesehen, sind zusätzliche Maßnahmen gegen die Ertrinkungs- gefahr und entsprechende Hygienemaßnahmen zu treffen. Die häufig thematisierte Problematik durch Mücken (insb. im Umfeld von Wohnnutzungen), wel- che die Wasserfläche als Ort für die Eiablage nutzen, reguliert sich in der Regel bei größeren Gewässern durch die Ansiedlung von natürlichen Fressfeinden auf natürliche Weise. 35 Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung Wasserflächen und Fließgewässer bieten in der Regel eine hohe Aufenthaltsqualität und sind attraktive Orte der Naherholung. Je nach Ausführung bieten sie für die Stadtbewohner zudem die Möglichkeit einer direkten Abkühlung. Ressourcen- und Klimaschutz Durch die dezentrale Einspeisung, Speicherung und Verdunstung von Regenwasser in Wasserkörpern können Energieaufwände für die Ableitung und Reinigung des Wassers reduziert werden. Abflussminderung Wenn schwankende Wasserpegel toleriert und entsprechende Zusatzvolumen für die Retention vorgehalten bzw. neu geschaf- fen werden, können die Wasserkörper als effektive Rückhalteele- mente bei Starkregenereignissen eingesetzt werden. Biodiversität Wasserkörper sind Lebensräume für Tiere und Pflanzen und leis- ten so einen Beitrag zur Biodiversität. Die Bonner Bäche bilden darüber hinaus wichtige lineare Elemente für den Biotopverbund. gering gering gering gering hoch hoch hoch hoch Kühlleistung Die Wasserfläche gibt Wasser über Evaporation (Verdunstung über vegetationslose Flächen) an die Umgebung ab und entzieht der Luft dabei Wärme, sodass der Effekt der Verdunstungsküh- lung entsteht. Grundsätzlich erzeugt ein großer Wasserkörper eine größere kühlende Wirkung, als viele kleine Wasserkörper mit insgesamt dem gleichen Volumen. Allerdings kann die Kühlwir- kung mit mehreren dezentralen Wasserflächen auf ein größeres Gebiet verteilt werden. Zudem ist die Kühlwirkung von Wasser- flächen am effektivsten, wenn diese quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet sind. Es ist allerdings zu beachten, dass der Wasser- körper die Energie der Sonneneinstrahlung speichert und lang- samer wieder abkühlt als der natürliche Boden. Somit kann sich der kühlende Effekt der Wasserfläche in der nächtlichen Situa- tion umkehren. gering hoch Beitrag zur Hitzeminderung Synergien WEITERFÜHRENDE LITERATUR – Hinweise zur Planung und Bauaus- führung von Teichanlagen finden sich in den Richtlinien für Planung, Bau und Instandhaltung von priva- ten Schwimm- und Badeteichen der FLL (2017). – Hinweise zur Auswahl und Aus- legung der Abdichtung gibt die DWA-Richtlinie M 512 (2012) 36 37 38Seite 45 von 65 FEUCHTBIOTOPE Schwammstadt Bonn Bausteine der Schwammstadt 58 59 FEUCHTBIOTOPE Feuchtbiotope stellen eine gute Möglichkeit dar, Temperaturen zu senken. Es handelt sich dabei um wassergesättigte Vegetationsflächen (Teiche, Feuchtwiesen, Moore). Derartige vegetative Feucht- gebiete kombinieren eine dauerfeuchte Substrat- zone mit einer besonders verdunstungsstarken Bepflanzung. Feuchtbiotope können als bauliche ge- fasste oder naturnah gestaltete Flächen zum Einsatz kommen, auch schwimmende Vegetationssysteme sind möglich. Welche Standorte sind geeignet? Baulich gefasste wassergesättigte Vegetationsbeete sind durch ihren vergleichsweise geringen Raumbe- darf für den Einsatz im öffentlichen Stadtraum geeig- net. Naturnah gestaltete Feuchtgrünflächen können in öffentlichen Grünflächen, wie z.B. im Lengsdorfer Kreuzbergpark, sowie an den Uferzonen von be- stehenden oder neu geplanten Teichen, Weihern oder Kanälen angelegt werden. Dort, wo sich Uferzo- nen von Wasserflächen nicht bepflanzen lassen oder eine Bepflanzung aus gestalterischen Gründen nicht gewünscht ist, lassen sich schwimmende Konstruk- tionen auf tieferen Gewässerzonen integrieren. Auch im Hof- und Gartenbereich privater Grund- stücke stellen kleine Feuchtbiotope oder bepflanzte Gartenteiche eine Möglichkeit dar, Temperaturen lo- kal zu senken. Im Außenbereich der Stadt bietet sich die Mög- lichkeit, durch den Erhalt und durch eine Renatu- rierung von Moor- und Feuchtflächen die Was- serspeicherung und die verdunstungskühlende Wirkung großräumig zu fördern. Gleichzeitig ist hier ein umfassendes Wasserma- nagement erforderlich, um diese Gebiete vor sommerlichen Tro- ckenschäden zu bewahren. Was ist zu beachten? Für die Bepflanzung von Feuchtgrünflächen kom- men ausschließlich Pflanzen in Frage, die eine hohe Bodenfeuchte und Staunässe tolerieren. Hierzu zäh- len vor allem Röhrichtpflanzen wie Schilfrohr oder Sumpf-Schwertlilie. Um eine dauerhafte Sättigung mit Wasser sicherzu- stellen, müssen die Biotope gedichtet ausgebildet und bei Bedarf mit Wasser – vorzugsweise Regen- wasser aus Zisternen – nachgespeist werden. Im Ein- zelfall kann auch geprüft werden, ob unter Umstän- den Oberflächenabflüsse benachbarter Flächen zugeleitet werden können oder ob eine Überleitung von Wasser aus naheliegenden Oberflächengewäs- sern möglich ist. Beim Einsatz an der Uferzone offener Gewässer, muss die Schwankung des Wasserstandes auf cir- ca +/- 15 Zentimeter begrenzt werden, um ein Tro- ckenfallen oder ein Überstauen der Vegetation über längere Zeiträume zu vermeiden. Für stärker schwankende Wasserpegel kommen schwimmende Vegetationsinseln in Frage. Diese kombinieren einen Auftriebskörper und einen Vegetationsträger, der von der Bepflanzung durchwachsen wird, sodass ihre Wurzeln frei im Wasser hängen. So sind die an der Oberfläche treibenden Vegetationsbestände stets optimal mit Wasser versorgt und unabhängig von Schwankungen des Wasserstandes. -C° -C° -C° 39 Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung Die Bepflanzung von Uferbereichen kann gezielt zur Gestaltung und Zonierung von Wasserflächen in der Stadt eingesetzt werden. Dauerfeuchte Vegetationsbeete können als attraktives stadtge- stalterisches Element für Straßen- und Platzräume dienen. Ressourcen- und Klimaschutz Feuchtiotope binden und speichern Kohlenstoff und können, je nach Größe, als Treibhausgassenken für den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Abflussminderung Feuchtgrünflächen sind nur begrenzt in der Lage, einen Beitrag zum Überflutungsschutz zu leisten, da die eingesetzte Vegetation nur in geringfügig resistent gegenüber Schwankungen des Was- serstandes ist. Eine Außnahme bilden schwimmende Systeme . Biodiversität Insbesondere in den vegetationsbestandenen Uferzonen von Gewässern finden zahlreiche Tierarten ihren Lebensraum. Zu- dem erhöhen die Biotope die natürlichen Selbstreinigungskräfte und sorgen für eine verbesserte Wasserqualität. gering gering gering gering hoch hoch hoch hoch Kühlleistung Durch die Bepflanzung mit geeigneter Vegetation lässt sich die Kühlleistung von Wasserflächen erheblich erhöhen, da so die rei- ne Evaporation (Verdunstung über die Wasseroberfläche) durch Transpiration (Verdunstung über die Pflanzenoberfläche) er- gänzt wird. Hinzu kommt, dass hierfür in der Regel Arten feuchter Standorte eingesetzt werden, die nicht darauf angewiesen sind mit einer knappen Verfügbarkeit von Wasser umgehen zu müs- sen. Anders als beispielsweise viele Baumarten schließen diese Pflanzen ihre Spaltöffnung bei hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung nicht. Sie verdunsten dauerhaft Wasser, also auch in heißen Mittagsstunden und sogar bei Nacht und kühlen somit die Umgebungsluft. Hinzu kommt, dass Bepflanzung die Wasserfläche teilweise verschattet, sodass sich diese weniger stark aufheizt und es nicht zur nächtlichen Wärmeabstrahlung kommt. Bei der Pflanzenauswahl und Pflege ist allerdings darauf zu achten, dass keine Arten überhandnehmen, welche die Was- seroberfläche zu stark abdecken (z.B. Teichrosen) und so wieder- um die Evaporation schmälern können. gering hoch Beitrag zur Hitzeminderung Synergien 40 42 41 43Seite 46 von 65 Schwammstadt Bonn Bausteine der Schwammstadt 60 61 WASSER DÄCHERWASSERDÄCHER Eine Sonderform der verdunstungsfähigen Was- serflächen stellen Wasserdächer („blue roofs“) dar. Dabei wird Regenwasser temporär oder permanent offen auf der Flachdächern größerer Bauwerke (z.B. Tiefgaragen, Schulen, Verwaltungsgebäude etc.) an- gestaut. Die Wasserfläche kann die gesamte Dach- fläche bedecken und durch die Attika des Gebäudes gefasst sein, oder aber nur auf Teilen der Dachflä- chen angelegt und beispielsweise als Teich als Ge- staltungselement von begehbaren Gründächern eingesetzt werden. . Welche Standorte sind geeignet? Da Wasserdächer keinen eigenen zusätzlichen Flä- chenverbrauch generieren, sondern die bereits be- stehende versiegelte Fläche des Bauwerks nutzen, eigenen sie sich insbesondere für Siedlungsbereiche mit knappen Raumreserven wie die dichten Innen- stadtbereiche Bonns oder die Ortsteilzentren Bad Godesberg und Beuel. Im Rahmen von Neubauvor- haben lassen sich die Wasserbecken dabei beson- ders gut auf Tiefgaragen oder auf großen Bauwerken mit Flachdach integrieren. Voraussetzung ist durch das hohe Gewicht stets eine entsprechende Bausta- tik. Was ist zu beachten? Für die Nutzung von Wasserdächern zum kon- trolllierten Rückhalt von Regenwasser kommen ausschließlich Flachdächer ohne nennenswertes Gefälle in Frage. Im Gegensatz zu reinen Retentions- dächern, kommt es bei Wasserdächern im Sinne der Schwammstadt zu einem (in der Höhe variierenden) dauerhaften Anstau von Was- ser. Nur so kann das Dach – im Sinne der Schwammstadt –eine Kühlfunktion erbringen. Die Herstellungs- und Unterhaltungskosten für Wasserrdächer sind relativ gering. Allerdings muss die Dachabdichtung eines Wasserdaches in beson- derem Maße leistungsstark gegenüber drückendem Wasser ausgeführt sein. Hinzu kommen baustati- sche Belange, die durch das zusätzliche Gewicht der Wasserfläche entstehen. Eine zehn Zentimeter hohe Wasserfläche verursacht dabei bereits ein zusätzli- ches Gewicht von 100kg/m2. Das Wasserdach muss für den Fall extremer Nieder- schlagsereignisse mit einem Überlauf in das Kanal- system oder in eine nahegelegene Versickerungsflä- che versehen werden. Unter Umständen ist im Zuge eines Neubaus auch eine Einspeisung des gesam- melten Wassers in eine Zisterne bzw. in den Grau- wasserkreislauf (z.B. für die Toilettenspülung) eines Gebäudes denkbar. -C° -C° 44 WEITERFÜHRENDE LITERATUR – Blue Roofs - LID SWM Planning and Design Guide – Rooftop Detention (Blue Roof) - Massachusetts Clean Water Toolkit by Massachusetts Department of Environmental Protection (MASS- DEP) Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung Auf begehbaren Dächern können Wasserflächen als gestalteri- sches Element integriert werden und so die Aufenthaltsqualität steigern. Sind sie für die Öffentlichkeit zugänglich, dienen sie zu- gleich als direkte Möglichkeit der Abkühlung an heißen Tagen. Ressourcen- und Klimaschutz Durch die Verdunstung von Regenwasser über das Dach können Energieaufwände für die Ableitung und Reinigung reduziert wer- den. Durch die kühlende bzw. isolierende Wirkung des Daches wird der Energiebedarf für die Gebäudekühlung minimiert. Abflussminderung Als zusätzliche Speichervolumen in der Stadt haben Wasserdä- cher ein Potenzial zur Starkregenvorsorge. Optimal ist der Einsatz intelligenter Systeme, welche die Wettervorhersage berücksich- tigen und bei anstehendem Regen die Dachfläche leeren. Biodiversität Ein Wasserdach in seiner reinen Form entfaltet nur wenige Syn- ergien mit dem Erhalt bzw. mit dem Ausbau der Biodiversität. In Kombination mit Vegetationselementen können jedoch attrakti- ve Lebensräume für Flora und Fauna geschaffen werden. gering gering gering gering hoch hoch hoch hoch Kühlleistung Außenraum Kühlleistung Innenraum Die Kühlfunktion von Wasserdächern bezieht sich vorrangig auf das Innenraumklima, da sich die Dachfläche weniger stark auf- heizt. Jedoch kann durch die Evaporation auch ein kühlender Effekt auf die Umgebungsluft erzielt werden, welcher je nach Höhe und Anordnung der Dachfläche das städtische Mikroklima beeinflussen kann. Um eine kontinuierliche Verdunstungsrate und damit Kühlleistung sicherzustellen, muss das Dach dauerhaft mit Wasser gefüllt sein, sodass unter Umständen ein Nachspei- sen – vorzugsweise mit Regenwasser aus Zisternen – notwendig sein kann. Wie bei den Gewässern (siehe oben) auch, ist die Kühlleistung am effektivsten, wenn die Wasserfläche quer zur Hauptwindrichtung ausgerichtet ist. Durch die zumeist geringe Einstauhöhe bei Wasserdächern ist hier allerdings die nächtliche Abstrahlung der tagsüber absorbierten Strahlungswärme be- sonders relevant und muss beim Einsatz von Wassertdächern als kühlender Baustein im Sinne der Schwammstadt berücksichtigt und im Einzelfall bewertet werden. gering hoch Beitrag zur Hitzeminderung Synergien gering hoch 45 47 46 48Seite 47 von 65 Schwammstadt Bonn Bausteine der Schwammstadt 62 63 BEWEGTES WASSERBEWEGTES WASSER Bewegte Wasserelemente haben insbesondere an heißen Sommertagen eine hohen Verdunstungsver- lust. Im Sinne der Schwammstadt ist das ein positiver Effekt, da dies mit der Abkühlung der Umgebungs- luft verbunden ist. An vielen Stellen im Bonner Stadt- gebiet wurden auf vielfältige Weise Elemente mit bewegtem Wasser in den Stadtraum integriert, die neben ihrer stadtgestalterischen Funktion einen wichtigen Beitrag zur Kühlung der Stadt liefern. Hier- zu zählen zum einen klassische Stadtbrunnen wie beispielsweise am Neutor, am Chlodwigplatz und im Rosengarten. Hinzu kommen Wasserspiele und Fon- tänenfelder wie z.B. am Budafok-Park, an der Bun- deskunsthalle, am Frankenbad oder am Telekom-Fo- rum. Insgesamt verfügt die Stadt Bonn über rund 100 bewegte Wasserelemente im gesamten Stadtgebiet. Bislang werden diese fast ausschließlich mit Trink- wasserreserven gespeist. Im Zuge der Schwamm- stadtinitiative wäre es denkbar, vermehrt auch gering verschmutztes Regenwasser (z.B. von Dachflächen) zu Kühlzwecken über Brunnen und Wasserspiele einzusetzen. Welche Standorte sind geeignet? Für weitere Elemente mit bewegtem Wassers kom- men zahlreiche Standorte im Bonner Stadtraum in Frage. Zerstäuber- oder Fontänenfelder sind vor al- lem sinnvolle Ergänzungen der Flächennutzung von Stadtplätzen, da diese so ausgebildet werden kön- nen, dass sie im ausgeschalteten Zustand befahrbar sind. Brunnen können in diversen Formen und Grö- ßen gestaltet werden, sodass sie sich für die Integra- tion in Innenhöfen, Straßenräumen sowie auf stark frequentierten Plätzen und Parks gleichermaßen eignen. Be- sonders zu berücksichtigen ist der Einsatz von bewegtem Wasser auch bei der Spiel- platzplanung. Was ist zu beachten? Die hohen Verdunstungsverluste von Wasserspie- len und Brunnen an heißen Tagen machen ein kon- tinuierliches Nachspeisen notwendig. Als alternative zu Trinkwasser sollte hierfür im Optimalfall gespei- chertes Regen- oder Oberflächenwasser zum Ein- satz kommen. Die erforderlichen Maßnahmen zur Aufbereitung und Behandlung des Wassers hängen von Einsatzweise und -bereich ab und müssen bei Planungsvorhaben mit dem zuständigen Gesund- heitsamt geklärt werden. Wenn die zu planende Anlage keine Nutzung durch Kinder vorsieht, kann grundsätzlich aufgefangenes Regenwasser verwen- det werden. Sofern jedoch Kinder Zugang zum Was- ser haben (z.B. an Wasserspielplätzen) , werden die Anforderungen an die Wasserqualität bislang noch so hoch gesetzt, dass nur Trinkwasser eingesetzt werden darf, welches in einem Kreislauf gehalten und immer wieder gereinigt und aufbereitet wird. In Pilotprojekten für Regenwasserspielplätze in Ham- burg (Neugraben-Fischbek), Solingen (Bismarck- platz) und Nienhausen (Revierpar
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 09:08 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de