220387-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Koalitionsantrag - Gewinnung von Personal in der Kindertagesbetreuung
Kerndaten
- Nummer
- 220387-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 04.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Hauptausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 220387-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Koalitionsantrag - Gewinnung von Personal in der Kindertagesbetreuung Beratungsfolge Hauptausschuss 10.03.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 16.03.2022 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Zu dem Antrag nimmt die Verwaltung bereits jetzt wie folgt Stellung: Der Fachkraftmangel bei Kinderpädagogischen Fachkräften verschärft sich bereits seit Jahren kontinuierlich und betrifft bundesweit freie Träger ebenso wie öffentliche Träger von Kindertageseinrichtungen. In diesem Zusammenhang verweist die Verwaltung auf die entsprechende Mitteilungsvorlage (DS-Nr. 1910226). Der seinerzeit dargestellte Problemaufriss hat auch heute noch in weiten Teilen Gültigkeit und sich zwischenzeitlich deutlich verschärft. Nach Einschätzungen des Deutschen Städtetages besteht derzeit bundesweit ein Mangel an Fachkräften für Kinderbetreuung, der künftig noch durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2025 verschärft wird. Nach dem Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule 2021 der Bertelsmannstiftung bestehen auf dem bundesweiten Arbeitsmarkt nach unterschiedlichen Szenarien zwischen dem prognostizierten Bedarf und dem voraussichtlichen Angebot an Fachkräften Lücken von bis 230.000 ErzieherInnen. Weder ist diese Lücke durch Aufstockung der Ausbildungskapazitäten zu schließen, weil dafür Berufsschullehrkräfte fehlen; noch sind bis 2030 genügend QuereinsteigerInnen zu gewinnen, die außerdem erst pädagogisch qualifiziert werden müssen. Die Bundesstadt Bonn ist auf unterschiedlichen Ebenen mit den umliegenden Kommunen vernetzt. So ist der Fachkräftemangel in den regelmäßigen Treffen der kommunalen Fachberatungen Bonn und Rhein/Sieg Thema. Leider stehen alle vor den gleichen Problemen, so dass eine Zusammenarbeit im Sinne der interkommunalen Unterstützung nicht möglich ist. Die sich seit Jahren zuspitzende Problematik wird bei allen sich bietenden Gelegenheiten an das Land direkt oder an den Städtetag NRW transportiert, der sich als Sprachrohr der Kommunen für die Qualität in der Elementarbildung einsetzt. Auch in Bonn selbst beschäftigt sich die zuständige Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII trägerübergreifend mit dem Thema des Fachkräftemangels. Bereits am 05.02.2019 hat dazu eine Sitzung des Unterausschusses Kinder- und Jugendhilfe stattgefunden, bei dem auch der Jugendamtselternbeirat sowieSeite 1 von 4 Seite 2 Kollege*innen aus der Praxis dargestellt haben, wie es zu der angespannten Personalsituation in den Kitas gekommen ist und welche Auswirkungen dies in der Praxis hat. Anpassung der Stellenausschreibungen, Verbesserung der Verfahren: Das Verfahren der Dauerausschreibungen wird nach wie vor als sachgerecht erachtet. Nach Eingang der Unterlagen im Online-Bewerbungstool „Umantis“ erhalten Bewerber*innen zeitnah eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. In der Regel erfolgt das Vorstellungsgespräch ca. sechs Werktage nach Eingang der Unterlagen und nach einem positiven Gespräch erhalten die Bewerber*innen meist bereits am darauffolgenden Tag mehrere Vorschläge für eine Hospitation in einer Kita. Oft wird bereits im Gespräch deutlich, welche Bewerber*in zu welcher Kita passt und umgekehrt. Viele bewerben sich gerade bei der Stadt Bonn als großem Träger, weil es so viele und so unterschiedliche Einrichtungen gibt. Wenn die Bewerber*innen im Vorstellungsgespräch herausragend sind, erhalten sie ohne vorherige Hospitation einen Einstellungsvorschlag. Die Hospitation und die Festlegung der „passenden“ Kita erfolgt dann parallel zum Einstellungsverfahren. In diesem Fall können ggfls. zwei bis drei Wochen eingespart werden. Die Einstellungsvorschläge werden vom Amt für Kinder, Jugend und Familie sehr zeitnah an das Personal- und Organisationsamt weitergeleitet. Für die Einstellung der einzelnen Fachkraft muss nach den Bestimmungen des Landespersonalvertretungsgesetzes die Zustimmung durch den Personalrat vorliegen, sowie die erforderlichen Unterlagen zur Einstellung bzw. Unterzeichnung des Arbeitsvertrags beigebracht werden. Wichtig ist hier das erweiterte Führungszeugnis sowie Nachweise über Impfungen etc. Zu berücksichtigen sind allerdings ebenfalls die bestehenden Kündigungsfristen der neuen Fachkräfte, die sich oftmals noch in laufenden Arbeitsverhältnissen befinden. In Einzelfällen werden freie Stellen für Kitas, in denen Stellen besonders schwer zu besetzen sind, über die sozialen Medien „beworben“ – sowohl über die offiziellen Medien der Stadt Bonn als auch über private Kontakte. Dies könnte neben den Dauerausschreibungen ausgebaut werden. Das Einstellungsverfahren wird im Rahmen des Qualitätsmanagements fortlaufend auf weitere Optimierungen überprüft. Dabei wird es auch um die Form der Ausschreibung gehen. Ausbau der praxisintegrierten Ausbildung (PIA): Bonn ist sehr früh in die praxisintegrierte Ausbildung eingestiegen. Im aktuellen Kindergartenjahr sind in den städtischen Kitas insgesamt 56 Auszubildende tätig: 19 im ersten Ausbildungsjahr, 18 im zweiten Ausbildungsjahr und 19 im dritten Ausbildungsjahr. Derzeit laufen die Bewerbungsgespräche für den nächsten Jahrgang. Es wird mit circa 25 weiteren Auszubildenden gerechnet. Grundsätzlich werden die PIA-Auszubildenden nach der Ausbildung weiterbeschäftigt, die meisten mit einem unbefristeten Vertrag, der ihnen bereits etwa sechs Monate vor Abschluss der Ausbildung angeboten wird. Auszubildende, bei denen noch nicht sicher ist, ob sie den AnforderungenSeite 2 von 4 Seite 3 dauerhaft genügen können, erhalten einen Jahresvertrag. Sie werden in diesem Jahr in der Kita entsprechend angeleitet und begleitet. Seit 2014 besteht die Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachschulen. Mit allen Fachschulen ist das jeweilige Einstellungsverfahren abgestimmt. Darüber hinaus erfolgt ein bedarfsbezogener Austausch zur Koordination und Organisation der Ausbildungsgänge mit dem Ziel einer bestmöglichen Verknüpfung der Lernorte „Praxis“ und „Schule“. Das Robert-Wetzlar Berufskolleg in Bonn ist 2021 in die PIA-Ausbildung eingestiegen. Der für die Ausbildung zuständige Fachberater der Stadt Bonn ist Mitglied im Praxisbeirat der Schule. Es besteht eine enge Zusammenarbeit. Mit der Schulleitung der Fachschule Sozialpädagogik in Siegburg besteht ein regelmäßiger Austausch. Dies gilt auch für das Berufskolleg Michaelshoven in Köln. Auch hier ist der Fachberater im Praxisbeirat und nimmt zusätzlich an der Stellenbörse der Schule teil. Mit dem Erzbischöfliches Berufskolleg in Köln findet ein regelmäßiger Austausch mit der Koordinierenden Stelle statt, ebenso mit der Schulleitung der AFBB Akademie für berufliche Bildung gGmbH. Seit das Robert Kerschenstein Berufskolleg in Troisdorf 2021 PIA eingeführt hat, wird auch dort eine Kooperation aufgebaut. Ein weiterer Ausbau der Kapazitäten zur Ausbildung von PIAs durch das Land wäre zu begrüßen. Zusammenarbeit mit EURES Die Verwaltung geht davon aus, dass es den Antragsteller*innen darum geht, die Möglichkeit zu nutzen, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Durch die Verwaltung wird fortlaufend geprüft, auf welchen Wegen Stellenangebote und Ausschreibungen veröffentlicht werden. Die Stadt Bonn setzt bei der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland auf eine gezielte Ansprache. Derzeit arbeiten bereits seit einem Jahr zwölf spanische Fachkräfte in den städtischen Kitas. In Madrid ist gerade der nächste Vorbereitungskurs angelaufen. Im Sommer werden weitere zwölf gut qualifizierte Kräfte nach Bonn kommen. Die Zusammenarbeit mit der Vermittlungsorganisation „Talentbrücke“ aus Köln gestaltet sich sehr verlässlich und unkompliziert. Es ist zu berücksichtigen, dass sowohl die Auszubildenden als auch die Fachkräfte aus Spanien intensiv betreut werden müssen und insbesondere bei den spanischen Fachkräften auch Unterstützung erforderlich ist, um im Einzelfall noch vorhandene sprachliche Defizite zu verbessern. Dadurch sind dem Zuwachs Grenzen gesetzt. Weitere Bemühungen zur Gewinnung von Fachkräften: Aktuell wird ein neues Modell erprobt, in dem sich Ergänzungskräfte nebenberuflich zu Fachkräften qualifizieren können. Die Zusammenarbeit mit einer Hochschule, die einen Studiengang im dualen Studium anbietet, wird angestrebt, konnte aber bisher aus personellen Gründen noch nicht realisiert werden. Anlage/nSeite 3 von 4 Seite 4 KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 10:23 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de