← zurück zu 220209

220209-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Angsträume in Bonn

Nummer
220209-01 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
21.03.2022
Letzte Änderung
15.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 27.04.2022 Kenntnisnahme
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 05.04.2022 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 30.03.2022 Kenntnisnahme
  4. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 19.05.2022 Kenntnisnahme
  5. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 06.04.2022 Kenntnisnahme
  6. Sitzung des Schulausschusses 08.06.2022 Kenntnisnahme
  7. Sitzung des Hauptausschusses 17.08.2023 Kenntnisnahme
  8. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 17.11.2022 Kenntnisnahme
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 13,1 MB Öffnen ↗

Übergeordnet

  1. 220209 CDU-Antrag: Angsträume in Bonn

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (100.000 Zeichen)
Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
220209-01 ST
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
33 Bürgerdienste
Dezernat:
Dez. I
Angsträume in Bonn
Beratungsfolge
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
30.03.2022 Kenntnisnahme
Schulausschuss 12.05.2022 Kenntnisnahme
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 06.04.2022 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bonn 05.04.2022 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bad Godesberg 27.04.2022 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Beuel 27.04.2022 Kenntnisnahme
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 07.04.2022 Kenntnisnahme
Hauptausschuss 28.04.2022 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Straftaten und/oder
Ordnungswidrigkeiten sind fester Bestandteil der Arbeit, insbesondere auch der
Ordnungsbehörde, in Zusammenarbeit mit der Polizei und auch den
verschiedenen sozialen Trägern in der Stadt. Daher werden die im Antrag
angesprochenen Punkte auch als Aufgaben für die Bürgerdienste, hier
insbesondere den Bereichen der Ordnungsbehördlichen Maßnahmen und der
Kriminalprävention gesehen und dort durch die Geschäftsstelle für
Kriminalprävention zusammengeführt.
Der Vermeidung des Entstehens von Angsträumen gilt bereits jetzt ein
besonderes Augenmerk. Es handelt sich um eine Aufgabe, die nicht mit einer
Konzeption abgeschlossen werden kann, sondern als ständige Aufgabe
fortgeschrieben werden muss.
Veränderungen in einem Wohn-/Aufenthalts-Bereich haben häufig
Verdrängungseffekte und/oder die Schaffung neuer Anziehungspunkte zur
Folge, die dann neu zu bewerten sind. Daher wird eine einmalige
Konzeptionsentwicklung nicht ausreichen, sondern es sind dauerhafte
Fortschreibungen erforderlich.
Hieran sind regelmäßig verschiedene Fachbereiche der Verwaltung beteiligt.
Das Erfordernis der Präventionsarbeit und eine Beteiligung an einer
Gesamtkonzeption im Rahmen der personellen Möglichkeiten wird
fachbereichsübergreifend gesehen.
Es ist vorgesehen, diese Querschnittsaufgabe bei Amt 33 – Geschäftsstelle für
Kriminalprävention zu etablieren. Eine Konzeptentwicklung in dem beantragten
Zeitrahmen ist auf Grund der personellen Rahmenbedingungen und der
Prioritäten in der Gesamtverwaltung nicht realistisch. Bereits vorliegendeSeite 1 von 295
Seite 2
Anträge zur Kriminalprävention werden im Rahmen einer Gesamtkonzeption
unter Einbeziehung der Beteiligten berücksichtigt (siehe bspw. DS 220379).
Die Universität Tübingen hat eine Studie mit einem Werkzeugkasten
insbesondere zur Vermeidung von Angsträumen vorgelegt, die als Anlage
beigefügt ist.
Anlage/n
1 Werkzeugkasten (öffentlich)Seite 2 von 295
1
WERKZEUGKASTEN
DER (KRIMINAL-) PRÄVENTIONSeite 3 von 295
2
Prof. Dr. Rita Haverkamp Unter Mitarbeit von:
Dr. Meike Hecker Dr. Tim Lukas
Ina Hennen Benjamin Coomann
Dr. Ines Hohendorf
Stiftungsprofessur für Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz,
Kriminalprävention und Katastrophenhilfe und
Risikomanagement Objektsicherheit
rita.haverkamp@uni-tuebingen.de lukas@uni-wuppertal.de
Ein herzlicher Dank für die engagierte Unterstützung geht an die studentischen Hilfskräfte:
Tobias Meisner Fabian Dudda
Mona Ziegele Kira Burgart
Lucas Ferl
Saskia Kretschmer (seit Juli 2020 wiss. Mitarbeiterin)
Ann-Kathrin Langefeld
Helena RüttgerSeite 4 von 295
3
INHALTSVERZEICHNIS
Die Idee hinter dem Werkzeugkasten ............................................................................................................................ii
Aufbau des Werkzeugkastens .........................................................................................................................................iii
Navigation.............................................................................................................................................................................. 5
Einführung ............................................................................................................................................................................. 6
IST-Situation .................................................................................................................................................................... 6
SOLL-Situation ................................................................................................................................................................ 7
Im Blickpunkt................................................................................................................................................................. 10
Sicherheitsempfinden .................................................................................................................................................... 10
Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen und Sauberkeit .................................................................................. 12
Kriminalität...................................................................................................................................................................... 13
Aufenthaltsqualität........................................................................................................................................................ 14
Bahnhofsviertel im Wandel .......................................................................................................................................... 15
Institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung ................................................................................................. 15
Das Wichtigste in Kürze .................................................................................................................................................. 19
Fragen, die sich stellen.................................................................................................................................................... 21
Wozu?.............................................................................................................................................................................. 21
Wo? .................................................................................................................................................................................. 21
Wann? ............................................................................................................................................................................. 21
Wer?................................................................................................................................................................................. 21
Maßnahmenübersicht ..................................................................................................................................................... 22
Sammlung der Maßnahmen.......................................................................................................................................... 23
Subjektive Sicherheit ................................................................................................................................................ 23
Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen....................................................................................................... 26
Kriminalität .................................................................................................................................................................. 30
Aufenthaltsqualität ................................................................................................................................................... 33
Sauberkeit .................................................................................................................................................................... 36
Bahnhofsviertel im Wandel .................................................................................................................................... 39
Institutionelle Verankerung & Bürgerbeteiligung ............................................................................................. 41
Linksammlung ................................................................................................................................................................. 283
Verzeichnis der Einzelmaßnahmen ........................................................................................................................... 284
Literaturverzeichnis ....................................................................................................................................................... 287Seite 5 von 295
ii
DIE IDEE HINTER DEM WERKZEUGKASTEN
Herausforderung Wer sich unsicher fühlt, meidet angsteinflößende Orte oder bewegt sich dort nur un-
gern. Solche Orte sind vielfach die großstädtischen Bahnhofsgebiete. In ihnen findet
sich eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen auf engem Raum, die sich überhaupt
nicht kennen und sich sonst nicht oft begegnen. In stärkerem Maße prallen hier Ge-
gensätze tagtäglich aufeinander: arm und reich, jung und alt oder auch krank und
gesund. Ungeachtet ihrer Herkunft und Lebenssituation eint sie aber der Wunsch
nach einem sicheren Aufenthalt im Bahnhofsgebiet.
Forschungsverbund Dieses allgemeine Grundbedürfnis nach Sicherheit bildete den Ausgangspunkt für das
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundpro-
jekt „Sicherheit im Bahnhofsviertel (SiBa)“ (August 2017 - Dezember 2020). Den bei-
den wissenschaftlichen Verbundpartnern, der Stiftungsprofessur für Kriminalpräven-
tion und Risikomanagement1 der Universität Tübingen und dem Lehrstuhl für Bevöl-
kerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit2 der Bergischen Universität
Wuppertal, ging es deshalb in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten Düsseldorf,
Leipzig und München darum, die Attraktivität ihrer jeweiligen Bahnhofsgebiete zu
steigern. Dieses Ziel sollte erreicht werden, indem die Aufenthaltsqualität für alle und
dadurch das Sicherheitsgefühl erhöht wird. Ergebnis dessen ist der hier vorgestellte
Werkzeugkasten, an dem als Multiplikatoren auch die Stiftung Deutsches Forum für
Kriminalprävention (DFK), das Deutsch-Europäische Forum für Urbane Sicherheit
e.V. (DEFUS) und der Deutsche Präventionstag (DPT) mitwirkten.
Werkzeugkasten Über die Gewährleistung von Sicherheit herrschen ganz unterschiedliche Vorstellun-
gen, die sich in großstädtischen Bahnhofsvierteln konzentrieren und reiben. Dies liegt
an den vielfältigen (Sicherheits-)Interessen der dort Verkehrenden. Unter ihnen sind
Anwohnende, Gewerbetreibende, Marginalisierte, Pendelnde und Reisende. Auch in-
nerhalb der genannten Personengruppen gehen die Sicherheitswahrnehmungen und
-bedürfnisse auseinander: So möchten junge Tourist*innen in einem lebendigen Um-
feld gerne feiern und ältere Tourist*innen wünschen eine zentrale ruhige Lage, um
Sehenswürdigkeiten fußläufig zu erreichen. Diese Vielzahl und Diversität der Men-
schen steht der Erstellung eines einheitlichen Sicherheitskonzepts für Bahnhofsge-
biete entgegen, das den Sicherheitsansprüchen aller im Bahnhofsgebiet gerecht wird.
„One size fits all“ passt in diesem Kontext gerade nicht, so dass der Forschungsver-
bund eine Zusammenstellung vielfältiger Maßnahmen und Strategien entwickelte.
Aus diesem Werkzeugkasten, der vorrangig auf den Ergebnissen einer Stadtbevölke-
rungsbefragung, Begehungen und Experteninterviews in den drei Partnerstädten ba-
siert, können sich die Städte und andere Kommunen individuell „bedienen“.
Der Werkzeugkasten gibt Denkanstöße für die Konzeption von Prävention mit ihren
„Stolper- und Trittsteinen“3. Dem Ideenpool können je nach akuter, temporärer und/
oder dauerhafter Problemlage Maßnahmen entnommen werden. Damit eignet sich der
Werkzeugkasten für ganz unterschiedliche Ausgangslagen: Ob kurz-, mittel- oder
langfristig angelegt, ob Ergänzung oder Neujustierung (bestehender) kommunaler
Präventionsstrategien, der Werkzeugkasten gibt für ausgewählte Herausforderungen
in Bahnhofsvierteln Anregungen zur Implementation. Die Auflistung von Maßnah-
men und Beispielen für deren Umsetzung ist dabei nicht erschöpfend. Berücksichti-
gung fanden Maßnahmen, die in Städten und Gemeinden innerhalb und außerhalb
des Forschungsprojektes zum Einsatz kommen. Darunter befinden sich evidenzba-
sierte sowie vielversprechende, bisher nicht auf ihre präventive Wirkung hin evalu-
ierte Maßnahmen.
1 https://uni-tuebingen.de/index.php?id=160609
2 https://www.buk.uni-wuppertal.de/
3 Marks (2020, 17).Seite 6 von 295
iii
AUFBAU DES WERKZEUGKASTENS
4 Teile Im vierteiligen Werkzeugkasten gibt der erste Teil eine thematische Einführung und
allgemeine Hinweise für die Planung und Konzeption von kommunaler Kriminalprä-
vention (Einführung). Eine Zusammenfassung dieser Hinweise enthält der zweite Teil
mit der Checkliste für die Implementation anhand zentraler Fragen zur Umsetzung.
Der dritte Teil besteht aus einer tabellarischen Übersicht möglicher Präventionsmaß-
nahmen, die jeweils unterschiedlichen Handlungsfeldern in sieben übergeordneten
Themenbereichen zugeordnet sind (Maßnahmenübersicht). Im vierten Teil werden die
Präventionsmaßnahmen einzeln mit ihren Chancen- und Herausforderungen sowie
Praxisbeispielen vorgestellt (Sammlung der Maßnahmen).
Die Einführung (I) Beginnend mit der Ausgangslage (IST-Situation) geht es um die Voraussetzungen der
kriminalpräventiven Arbeit im Bahnhofsviertel. Daran schließen sich die beiden Fra-
gen an, was Kriminalprävention im Bahnhofsviertel leisten soll (SOLL-Situation) und
welche (un-)erwünschten Nebeneffekte Kriminalprävention nach sich ziehen kann.
Weitere Hinweise beziehen sich darauf, wie Projektziele systematisch erarbeitet wer-
den können, um deren Erreichung überprüfen zu können. Im dritten Teil (Im Blick-
punkt) stehen die sieben Themengebiete im Blickpunkt, die sich im Verbund für die
Kriminalprävention im Bahnhofsviertel als zentral erwiesen haben: Sicherheitsemp-
finden, subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität,
Sauberkeit, Bahnhofsviertel im Wandel und institutionelle Verankerung und Bürger-
beteiligung. Der vierte Teil (Auf dem Prüfstand) thematisiert die Wirksamkeit im
Sinne von evidenzbasierter Kriminalprävention. Auch stehen hier Impulse auf die
Frage im Fokus, wie Einzelmaßnahmen in eine übergeordnete, langfristig ausgelegte
Präventionsstrategie eingebettet werden können.
Die Checkliste (II) Die übergeordneten W-Fragen betreffen die Planung und Umsetzung von Kriminal-
prävention im Bahnhofsviertel und zielen auf das Wozu, Wo, Wann und Wer der kri-
minalpräventiven Arbeit ab: Wozu soll eine Maßnahme verfolgt werden? Wo soll eine
Maßnahme umgesetzt werden? Wann soll die Umsetzung erfolgen? Wer soll einbezo-
gen werden?
Die Maßnahmen-
übersicht (III)
Für die Frage, welche Maßnahmen in Betracht kommen, liefert der dritte Teil (Maß-
nahmenübersicht) eine systematische
Darstellung zu möglichen Präventions-
maßnahmen. Alle Präventionsmaßnah-
men sind jeweils unterschiedlichen
Handlungsfeldern in den sieben The-
menbereichen zugeordnet. Zum The-
menbereich „Subjektive Sicherheit“ ge-
hört beispielsweise das Handlungsfeld
Dunkelheit (s. Abb. 1). Eine mögliche
Maßnahme in diesem Handlungsfeld
ist der Lichtspaziergang, der Ex-
pert*innen und Laien zusammen-
bringt, um über die Beleuchtung an
konkreten öffentlichen Plätzen zu spre-
chen.
Das Themengebiet Subjektive Sicherheit umfasst Handlungsfelder, die das individu-
elle Sicherheitsempfinden beeinflussen können. Hierzu gehören u.a. Dunkelheit,
Übersichtlichkeit und Sozialkontrolle. Bei subjektiv unerwünschten Verhaltenswei-
sen geht es um Handlungsfelder wie etwa Drogenkonsum. Insbesondere in diesem
Themengebiet prallen unterschiedliche Ordnungsvorstellungen aufeinander und sor-
gen für Konfliktsituationen. Im Themengebiet Kriminalität befinden sich vor allem
Maßnahme
Lichtspaziergang
Themenbereich
Subjektive Sicherheit
Handlungsfeld
Dunkelheit
Abbildung 1: Struktur des WerkzeugkastensSeite 7 von 295
iv
Straftaten, die gehäuft in Bahnhofsvierteln vorkommen (z.B. Drogenhandel, Sachbe-
schädigung, Taschendiebstahl). Aufenthaltsqualität enthält Handlungsfelder, die sich
auf die Nutzung öffentlicher Räume beziehen (z.B. Baustellen, Verkehrslärm). Sau-
berkeit hängt mit subjektiv unerwünschten Verhaltensweisen zusammen, ist aber als
eigenes Themengebiet erfasst, da Verschmutzungen (z.B. Hundekot, Müll, Schrott-
fahrräder) in der Bevölkerungsbefragung und in den Interviews eine besondere Be-
deutung zukam. Bahnhofsviertel im Wandel adressiert langfristige städtische Ent-
wicklungen, die sich auf die Sicherheit und Lebensqualität im Bahnhofsviertel aus-
wirken können. Das breite Spektrum reicht von Mobilität und Verkehr bis hin zu Gen-
trifizierungsprozessen und Verdrängungsdruck. Unter Institutionelle Verankerung
und Bürgerbeteiligung sind Handlungsfelder zur Koordination von Präventionsarbeit
(z.B. Netzwerkarbeit) sowie Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung gefasst.
Die Maßnahmen-
sammlung (IV)
Die Kurzbeschreibung der Maßnahmen enthält Informationen über bisherige Erfah-
rungswerte, Chancen und Herausforderungen und weiterführende Quellenhinweise.
Eine explizite Empfehlung für eine oder mehrere der angeführten Maßnahmen erfolgt
nicht, da ihre Zweckmäßigkeit vom kriminalpräventiven Konzept und den Gegeben-
heiten im jeweiligen Bahnhofsgebiet abhängt. Die alphabetische Auflistung der Maß-
nahmen erleichtert die Navigation.
Linksammlung Die Linksammlung enthält ausgewählte Internetadressen rund um das Thema „kom-
munale Kriminalprävention“. Sie dient dazu, die Informationen des Werkzeugkastens
zu ergänzen und stellt gleichzeitig hilfreiche Anlaufstellen zur Verfügung, wenn es um
Erfahrungsaustausch und Erfahrungswerte, Evaluation, Forschungsprojekte, Imple-
mentation, Strategiekonzepte, Vernetzung sowie weiterführende Literatur geht.
Navigation Die Navigationsseite verlinkt auf die unterschiedlichen Abschnitte des Dokuments:
EINFÜHRUNG, CHECKLISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION, MAßNAHMENÜBERSICHT, SAMM-
LUNG DER MAßNAHMEN und LINKSAMMLUNG. Die Übersichtstabelle der Maßnahmen
und die Sammlung der Maßnahmen sind direkt miteinander verknüpft: Mit dem Link
am Seitenende der Maßnahmen gelangen Sie „zurück zur Maßnahmenübersicht“. Das
gilt ebenso bei der Beschreibung der Einzelmaßnahmen. In allen anderen Teilen ha-
ben Sie dagegen mit dem Link am Seitenende die Möglichkeit, „zurück zur Naviga-
tion“ zu kommen.Seite 8 von 295
NAVIGATION
EINFÜHRUNG
CHECKLISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION
MAßNAHMENÜBERSICHT
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
LINKSAMMLUNGSeite 9 von 295
EINFÜHRUNG
6
zurück zur Navigation
EINFÜHRUNG
IST-Situation Bahnhofsviertel sind besonders vielfältig und damit auch konfliktträchtig. Dort prallen
Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen und -verhältnissen aufeinander, mit
unterschiedlichen Lebenseinstellungen und -erfahrungen.4 In der Anonymität des Bahn-
hofsumfelds können die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen verunsichern und die
durch Andersartigkeit gekennzeichnete Atmosphäre in Bahnhofsgebieten als ängstigend
empfunden werden. Nicht allein deswegen eilt Bahnhofsvierteln ein eher schlechter Ruf
voraus. Sie gelten als Kriminalitätsbrennpunkte; denn ihre Anonymität und starke Fre-
quentierung schafft ideale Voraussetzungen (viele potenzielle Opfer, zahlreiche Tatgele-
genheiten, geschwächte informelle Sozialkontrolle5) zur Begehung von Straftaten. Hieraus
ergibt sich ein Bedarf für kriminalpräventive Konzepte, die den besonderen Begebenheiten
in Bahnhofsgebieten gerecht werden und dort die Aufenthaltsqualität für möglichst alle
erhöhen, auch wenn höchst unterschiedliche Sicherheitsinteressen und -ansprüche beste-
hen.
Bahnhofsviertel stellen sehr unterschiedliche und komplexe Herausforderungen an die Ge-
währleistung von Sicherheit und Sicherheitsgefühlen. Manche Beeinträchtigung des
Wohlbefindens liegt auf der Hand: So löst eine dunkle und wenig frequentierte Unterfüh-
rung, die nach Urin riecht, Unbehagen aus. Schwieriger wird es, wenn die geäußerte Un-
sicherheit nicht mit einem konkreten Angstraum oder Gefahrenort6 in Verbindung ge-
bracht werden kann. Bei vagen und unklaren Äußerungen lohnt sich eine Analyse der da-
hinterstehenden Unsicherheitsgefühle im vorhandenen Präventionsgefüge. Zunächst las-
sen sich folgende Überlegungen anstellen7:
Was ist klar, was ist unklar?
Um die Ist-Situation besser zu erfassen, ist zu fragen, welche Informationen und Fakten
bereits vorliegen und welche Informationen noch fehlen. Zunächst erfordert eine Einschät-
zung der Situation detaillierte Informationen über die Gegebenheiten vor Ort. Wichtiges
Hintergrundwissen bieten Ursachen und Umstände, die zu der aktuellen veränderungsbe-
dürftigen Situation geführt haben. Bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes spielen
auch rechtliche Grundlagen, etwa zum Denkmalschutz, und soziale Bedingungen eine
Rolle: Wer hält sich häufig in der Umgebung auf, welche Bedürfnisse haben diese Personen
und welche Nutzungsmöglichkeiten sind angemessen und gewollt? Um bestehende krimi-
nalpräventive Maßnahmen zu ergänzen und die bestehenden Ressourcen effektiv einzu-
setzen, ist deren Bestandsaufnahme nötig. Falls Anhaltspunkte über die Wirkung dieser
Maßnahmen vorliegen, sind diese ebenfalls zu berücksichtigen. Denn: Umso vollständiger
das kriminalpräventive Mosaik des betrachteten Raumes ist, desto besser kann die Ist-
Situation bewertet werden.
Was ist strittig?
In Bezug auf den öffentlichen Raum ist die Frage „Was ist strittig“ besonders relevant.
Angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Menschen, die sich im öffentlichen Raum und
insbesondere im Bahnhofsviertel begegnen, prallen sehr unterschiedliche Einstellungen,
Bedürfnisse und Wahrnehmungen aufeinander. Um die Ist-Situation zu verstehen, sind
4 Kilb (2011, 8); Keim (2000, 67).
5 Zum Routine Activity Approach von Lawrence E. Cohen & Marcus Felson vgl. Eifler (2002, 54 f.).
6 Entsprechend der Abgrenzung im Verbundprojekt transit (2015, 1) sind „Angsträume […] subjek-
tiv wahrgenommene Räume, die durch Abwesenheit sicherheitsrelevanter Aspekte auffallen […].
Als Gefahrenräume werden die Räume bezeichnet, in denen tatsächliche raumbezogene Krimina-
lität sowie antisoziales und deviantes Verhalten nachgewiesen werden kann“. https://www.tran-
sit-online.info/fileadmin/transit/Materialien/Berichte/Gegenueberstellung_von_Angstraeu-
men_und_Gefahrenorten.pdf.
7 Angelehnt an die KUSS-Methode (s. Ries 2019, 101): Klar, Unklar, Strittig, Schlüsselpersonen.Seite 10 von 295
EINFÜHRUNG
7
zurück zur Navigation
die unterschiedlichen Sichtweisen herauszuarbeiten und der Diskussionsbedarf festzustel-
len. Dabei bedarf es einer kritischen Reflexion, warum gerade diese Situation an diesem
Ort mehr Aufmerksamkeit als andere verdient.
Wer sind die Schlüsselpersonen?
Die Identifizierung und Benennung von Schlüsselpersonen sind im Gesamtprozess von der
Planung bis zur Durchführung notwendig, um eine erfolgreiche Initiierung und Umset-
zung der kriminalpräventiven Maßnahmen zu gewährleisten. Zu Beginn sind die Finan-
zierung und das Controlling zu thematisieren und Förderungsmöglichkeiten auszuloten.
Im Weiteren stellen sich folgende Fragen: Wer ist für den Erfolg des Projekts wichtig? Wer
ist für die Projektbetreuung und wer ist für die Projektsteuerung verantwortlich?
Schlüsselpersonen gibt es nicht nur in der administrativen und operativen Umsetzung der
Maßnahme, sondern auch bei den Zielgruppen und möglichen Kooperationspartnern. In
großstädtischen Bahnhofsgebieten finden sich viele (Sicherheits-)Akteure vor Ort. Exemp-
larisch sind Beamt*innen der Bundes- und Landespolizeien zu nennen: Während die Bun-
despolizei für die Gefahrenabwehr in Bahnhöfen zuständig ist, liegt die Verantwortlichkeit
für die Bahnhofsgebiete bei der Landespolizei, die dort oft zusätzlich Kontaktbereichsbe-
amte8 einsetzt. Darüber hinaus bilden sich Interessengemeinschaften aus Anwohnenden
und/oder Gewerbetreibenden in Vereinen oder Initiativen. Unterschiedliche soziale Ein-
richtungen kümmern sich um die Belange sozial benachteiligter Bevölkerungsteile und
insbesondere Gruppen mit dem Lebensmittelpunkt auf der Straße. Die Diversität der (Si-
cherheits-)Akteure macht hier schon deutlich, dass es nicht leicht ist, alle Aktiven in Bahn-
hofsgebieten zu erfassen. Insbesondere erscheint die Zusammenarbeit in Netzwerken
schwierig, weil die Akteure und Initiativen vor Ort eine unterschiedliche Ausrichtung ha-
ben und interschiedliche Ziele verfolgen. Der Einbezug möglichst vieler (Sicherheits-)Ak-
teure trägt zu ganzheitlichen Lösungen lokaler Problemlagen bei und stellt eine nachhal-
tige Kriminalprävention auf eine solide Basis.
Informationsgewinnung
Der Werkzeugkasten der Kriminalprävention enthält hilfreiche Methoden und Instru-
mente, um zusätzliche Informationen zu gewinnen, Zielgruppen zu ermitteln und Kontakt
aufzunehmen. Beispielsweise geben Lichtspaziergänge Hinweise darauf, an welchen Or-
ten es zu dunkel und unbehaglich ist oder eine Analyse der Aufenthaltsqualität zeigt an,
wo und warum sich die Menschen im öffentlichen Raum gern aufhalten.9 In Zukunftswerk-
stätten können unterschiedliche Personenkreise zu ihren Vorstellungen und Wünschen
befragt werden (u.v.m.).
SOLL-Situation Was soll Kriminalprävention erreichen?
Ein zentrales Anliegen der sozialräumlichen Kriminalprävention ist die Herstellung urba-
ner Sicherheit, die sich als ein Aspekt der Lebensqualität kaum ohne Bezüge zur Attrak-
tivität und Aufenthaltsqualität städtischer Quartiere denken lässt.10 Besonders wenn kri-
minalpräventive Bemühungen in Aktivitäten zur Stabilisierung benachteiligter Stadt-
quartiere eingebettet werden, ist der Themenkomplex Sicherheit und Ordnung Bestandteil
eines umfassenden Aufwertungsansatzes, der neben der Verbesserung der Lebensbedin-
gungen auch kriminalpräventive Wirkungen entfalten soll. So kommt der Beseitigung von
städtebaulichen Angsträumen auch bei der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel eine
besondere Bedeutung zu.11 Maßnahmen für eine sichere Stadt sollen die subjektive Wahr-
nehmung von Unsicherheit reduzieren und das negative Image benachteiligter Stadtquar-
8 Je nach Bundesland andere Bezeichnungen: Bezirksbeamte, Bürgernahe Beamte, Bürgerpolizis-
ten, Kontaktbeamte, Kontaktpolizisten, Polizeibeamte, Regionalbereichsbeamte, Revierpolizisten,
Schutzfrau/Schutzmann vor Ort.
9 https://fussverkehr.ch/fileadmin/redaktion/publikationen/20150909_Dokumentation-Aufenthalts-
qualitaet_2015.pdf
10 Schubert, Veil (2011).
11 Lukas, Hauprich (2021).Seite 11 von 295
EINFÜHRUNG
8
zurück zur Navigation
tiere umkehren. Kriminalprävention im Bahnhofsviertel ist auf diese Weise Teil einer Auf-
wertungsdynamik, an dessen Ende – idealerweise – ein lebenswertes und sicheres Umfeld
steht.
Ambivalenzen der Kriminalprävention
Das Sicherheitshandeln in öffentlichen Räumen bleibt nicht ohne Nebenfolgen. Als indi-
rekte, nicht-intendierte Handlungsfolge vermögen Sicherheitslösungen potenziell neue Si-
cherheitsprobleme hervorzurufen.12 So können Personen oder Personengruppen allein
dadurch, dass Sicherheit für bestimmte Räume oder Situationen hergestellt wird, ausge-
schlossen oder diskriminiert werden.13 Auch im Rahmen der Forschungsarbeit im SiBa-
Projekt wurde deutlich, dass Aufwertungsprozesse Wirkungen entfalten, welche die Auf-
enthaltsqualität und den Grad der sozialen Kontrolle auf öffentlichen Plätzen, aber auch
die soziale Struktur des Bahnhofsviertels beeinflussen. Diese Veränderungen können am-
bivalente Folgen für die Sicherheit und Sicherheitswahrnehmung im Bahnhofsviertel ha-
ben. Vielfältigere und für die Mehrheitsgesellschaft attraktivere Nutzungsmöglichkeiten
von öffentlichen Plätzen können zu einer höheren Aufenthaltsqualität und stärkeren Nut-
zung verbunden mit einer stärker ausgeübten Sozialkontrolle führen. Neben der von den
Sicherheitsakteuren ausgehenden formellen Sozialkontrolle lässt sich das Sicherheitsemp-
finden im öffentlichen Raum durch informelle Mechanismen der Sozialkontrolle steigern.
Die soziale Belebung des öffentlichen Raums kann bewirken, dass öffentliche Plätze von
unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen genutzt werden, was Unsicherheitsgefühle
reduzieren hilft. Vor dem Hintergrund einer grundsätzlich wünschenswerten Aufwertung
innerstädtischer Quartiere ist eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität zwar prinzipiell
plausibel, sie kann jedoch auch zu einer ‚sanften‘ Verdrängung von bestimmten Bevölke-
rungsgruppen führen, deren Folgen nur schwer zu kalkulieren und noch schwerer zu steu-
ern sind. Häufig von marginalisierten Gruppen genutzte Rückzugsräume können im Rah-
men einer Neugestaltung und Re-Vitalisierung verschwinden. Schwierig abzuschätzen ist
dabei, an welchen Orten sich die betroffenen Menschen in der Folge aufhalten werden.
Unsicher ist auch, ob nicht neue Konflikte durch eine größere räumliche Enge und eine
Konzentration an anderen Orten im Umfeld entstehen können. Die Herstellung krimina-
litätsbezogener Sicherheit kann insofern sowohl Konflikte in anderen Teilen der Stadt ver-
schärfen als auch zu Bedrohungen der sozialen Sicherheit derjenigen führen, deren Le-
bensbedingungen ohnehin bereits durch einen erhöhten Grad sozialer Unsicherheit ge-
kennzeichnet sind.
Für die Kriminalprävention in diesen Räumen bedeutet das, dass die Entwicklungen im
Bahnhofsviertel viele kleinteilige Folgen haben können, die im Rahmen einer erfolgreichen
Präventions- und Sicherheitsarbeit berücksichtigt werden sollten. Die Kriminalprävention
ist besonders in diesen durch hohe Diversität und unterschiedliche Nutzungsinteressen
geprägten Räumen nicht frei von Ambivalenzen14, die bei der Konzeption von Kriminal-
prävention in Bahnhofsgebieten zu berücksichtigen sind.
Ziele setzen
Der Situation in Bahnhofsvierteln liegen häufig komplexe Ursachen zugrunde, so dass eine
auf die jeweilige Kommune zugeschnittene Strategie der Kriminalprävention vor Ort er-
forderlich ist. So unterschiedlich die Rahmenbedingungen für Kriminalprävention sind, so
unterschiedlich können auch die Lösungswege sein. Mit der Zielsetzung wird entschieden,
auf welche ursächlichen Faktoren eingewirkt werden soll und welche Maßnahmen hierfür
angebracht sind. Um die Stoßrichtung von Kriminalprävention zu verdeutlichen, sind kon-
kret ausformulierte Ziele hilfreich. Je konkreter die Ziele, desto augenscheinlicher wird
der Erfolg oder Misserfolg eines Projektes.
Geht es dann an die Formulierung von Projektzielen, bietet sich die in der Praxis gängige
Managementmethode SMART an. SMART liegen folgende Kriterien für eine Zieldefinition
12 Lukas (2017).
13 Ammicht Quinn et al. (2016).
14 Schnur (2015).Seite 12 von 295
EINFÜHRUNG
9
zurück zur Navigation
zugrunde: S = spezifisch, M = messbar, A = angemessen, R = realistisch und T = terminier-
bar (vgl. Abb 2).15
Zunächst sollen die Ziele möglichst spezifisch und punktgenau formuliert sein. Es soll
deutlich werden, was mit der Maßnahme erreicht werden und wer daran beteiligt sein soll.
Die Projektziele können sachlich und örtlich eingegrenzt werden: Um welches Verhalten
oder welche Phänomene geht es und wo genau soll eine Veränderung erreicht werden?
Auch wenn die Wirkung von Präventionsmaßnahmen selten in konkreten Zahlen vorgege-
ben werden kann, sind zumindest Kriterien festlegbar, anhand derer der Erfolg einer Maß-
nahme eingeschätzt werden kann (messbar). Dabei knüpft die Messbarkeit direkt an eine
spezifische Zielsetzung an. Umso konkreter die Ziele definiert sind, desto besser lässt sich
der Erfolg einer Maßnahme abschätzen. Bei intendierten Veränderungen stellen sich die
beiden Fragen, wann eine Veränderung überhaupt nachweisbar wird und wer diese Ver-
änderung bewertet.
Daran anknüpfend ist die Angemessenheit der Zielsetzung und der Mittel zur Zielerrei-
chung zu diskutieren. Im Bahnhofsviertel treffen sehr unterschiedliche Lebensweisen und
Einstellungen aufeinander. Entsprechend variieren die Vorstellungen darüber, was Kri-
minalprävention leisten soll. Angemessenheit bedeutet, möglichst konsensfähige Projekt-
ziele anzustreben und auch Interessen von Menschen zu berücksichtigen, die ihre Meinung
weniger wirkungsvoll vertreten können.
Ziele müssen erreichbar (realistisch) sein. Bei der Konkretisierung von Zielen ist also
eine realistische Einschätzung der zur Verfügung stehenden Personal-, Zeit- und Sachmit-
tel wichtig. Das kann mitunter bedeuten, dass Problemlagen nur abgemildert statt beho-
ben werden.
Zu einer realistischen Einschätzung der Ziele gehört eine zeitliche Komponente (termi-
nierbar). Nicht nur eine Maßnahme selbst hat eine begrenzte Laufzeit, sondern auch die
Wirkung von Präventionsmaßnahmen ist unter Umständen beschränkt. Viele Herausfor-
derungen lassen sich langfristig nicht mit einer kurzfristigen bzw. vorübergehenden Lö-
sung bewältigen.
Abbildung 2: SMART-Methode
15 Drucker (1977). Angelehnt an George T. Doran, zitiert nach Ries (2019).Seite 13 von 295
EINFÜHRUNG
10
zurück zur Navigation
Im Blickpunkt Im Rahmen des SiBa-Projektes wurden sieben zentrale Themengebiete für die Kriminal-
prävention im Bahnhofsviertel identifiziert: Sicherheitsempfinden, subjektiv uner-
wünschte Verhaltensweisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Bahnhofs-
viertel im Wandel sowie institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung. Aus den In-
terviews und der Bevölkerungsbefragung ergibt sich, dass das Sicherheitsempfinden bei
einem Teil der Befragten im Bahnhofsviertel geschwächt war. Dies begründeten die Inter-
viewten eher mit den örtlichen Gegebenheiten (subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen/
Sauberkeit) als mit einer Opferwerdung von Kriminalität. Dennoch bietet das Bahnhofs-
viertel eine besondere Opportunitätsstruktur für Kriminalität, die zu erhöhten Fallzahlen
registrierter Straftaten (Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung), auch durch ge-
zielte Kontrolltätigkeiten der Polizei (Betäubungsmitteldelikte), führen kann. Die Aufent-
haltsqualität ist eng mit Kriminalität, dem Sicherheitsempfinden und Sauberkeit ver-
knüpft. Denn wenn Menschen länger im öffentlichen Raum verweilen, kann dies mit einer
Stärkung der informellen Sozialkontrolle und des Sicherheitsempfindens einhergehen.
Präventionsarbeit im Bahnhofsviertel steht zudem im Zeichen des Wandels. In städtebau-
licher Hinsicht prägen oft große Bauprojekte über Jahre hinweg das Bild des Bahnhofs-
viertels und mit den gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen wandelt sich das so-
ziale, kulturelle und gewerbliche Gefüge vor Ort. Diese Entwicklungen müssen die Ver-
antwortlichen für die lokale Kriminalprävention berücksichtigen, wenn nicht gar aktiv
mitgestalten. Schließlich dürfen die hier vorgestellten, einzelnen Präventionsmaßnahmen
nicht losgelöst voneinander betrachtet werden: Sie können aufeinander aufbauen und in-
einander übergehen. Kriminalprävention setzt daher die Koordination und Kooperation
verschiedener Beteiligter voraus, die unter institutionelle Verankerung und Bürgerbetei-
ligung fallen. Die einzelnen Themengebiete der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel
stellt die Praxis vor unterschiedliche Anforderungen, die im Folgenden kurz umrissen wer-
den.
Sicherheitsempfinden
Subjektive und objektive Sicherheit
Objektive und subjektive Sicherheit unterscheiden sich auch durch das Kriterium der
Messbarkeit.16 Während objektive Sicherheit kalkulierbar ist, ist das Sicherheitsempfin-
den nur eingeschränkt messbar. Dies liegt u.a. an der Diversität der Menschen mit ihren
unterschiedlichen Persönlichkeiten und Mentalitäten. Im Bahnhofsviertel treffen beson-
ders viele und heterogene Menschen aufeinander, so dass die Einschätzungen über die
dortige Sicherheitslage in den Interviews erheblich auseinandergehen: So zieht einige
Menschen der Trubel und die Vielfalt im Bahnhofsviertel an, andere fühlen sich hingegen
beklommen, wenn sie mit Bettelnden und der Trinkerszene konfrontiert werden. Insbe-
sondere Auswärtige sind mit den dortigen Verhältnissen nicht vertraut und achten mehr
auf Ordnungsstörungen (z.B. Müll), die für Beunruhigung
sorgen können. Im Unterschied zu
herkömmlichen Wohngebieten gelten
Bahnhofsgebiete häufig als Krimina-
litätsschwerpunkte, so dass die ge-
fühlte Unsicherheit nachvollziehbar
ist. Dennoch stimmen dort (Un-)Si-
cherheitsgefühle und objektive Si-
cherheitslage nicht unbedingt über-
ein.
Für die Entwicklung eines kriminal-
präventiven Konzeptes ist es wichtig,
Übereinstimmungen und Abwei-
chungen zwischen objektiver Sicher-
16 Haverkamp, Arnold (2015, 341 f.).
Abbildung 3: SicherheitsquadratSeite 14 von 295
EINFÜHRUNG
11
zurück zur Navigation
heitslage und subjektiver Sicherheitsbefindlichkeit zu identifizieren. Dies ermöglicht das
Sicherheitsquadrat (s. Abb. 3) auch mit Blick auf denkbare Präventionsmaßnahmen. Wäh-
rend sich in den blauen Quadranten objektive Sicherheit und subjektive Sicherheit decken,
ist dies nicht der Fall bei den grauen Quadranten, was Probleme bei der Herstellung von
Sicherheit aufwirft. So können sich Menschen sicher fühlen, obwohl die tatsächliche Lage
nicht sicher ist, oder es ist objektiv sicher, aber die Menschen fühlen sich unsicher. Be-
kanntlich löst die Videoüberwachung unterschiedliche Reaktionen aus, noch dazu ist ihre
kriminalpräventive Wirkung begrenzt. Einige fühlen sich beispielsweise vor Gewalt sicher;
dabei verhindert die Videoüberwachung die oft spontan begangenen Gewalttaten gerade
nicht, sondern erleichtert nur deren Aufklärung. Hier ist der graue Quadrant des Sicher-
heitsquadrats betroffen: subjektiv vermeintlich sicher, aber objektiv unsicher. Es lässt sich
somit festhalten: Je nachdem, ob die objektive Sicherheitssituation und/oder das subjek-
tive Empfinden geschwächt sind/ist, kann kommunale Kriminalprävention nur dort sinn-
voll anknüpfen.
Was bedeutet es, sich unsicher zu fühlen?
Unsicherheitsgefühle berühren sowohl die gesellschaftliche als auch die individuelle
Ebene. Auf gesellschaftlicher Ebene können steigende Kriminalitätsraten Besorgnis her-
vorrufen und auf individueller Ebene beispielsweise Berichte über Wohnungseinbrüche in
der Nachbarschaft.17 In der vertrauten Umgebung fühlen sich die Menschen sicherer als
in fremden Gegenden, wie es das Bahnhofsviertel für viele oftmals ist. Dementsprechend
wägen Menschen in verschiedenen Situationen die Wahrscheinlichkeit einer Opferwer-
dung unterschiedlich ab: So achten Tourist*innen an ihnen unbekannten Orten mehr auf
ihre Habseligkeiten als in ihrer Wohnumgebung. Die erhöhte Wachsamkeit ist zudem Aus-
druck eines Schutzverhaltens. Außerdem trauen sich einige Personen aus Furcht vor Über-
griffen bei Dunkelheit nicht ins Bahnhofsviertel.18
Was sind die Ursachen von Unsicherheit?
Gefühlte Unsicherheit hängt von vielen individuellen und gesellschaftlichen Faktoren ab.
In Umfragen hat sich wiederholt gezeigt, dass Frauen und ältere Menschen stärker zu
Unsicherheit neigen bzw. Unsicherheit eher äußern. Paradoxerweise werden diese Perso-
nengruppen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) weniger häufig als Opfer regis-
triert (sog. „Kriminalitätsfurchtparadoxon“). Daher wird der Grund für ihre Furcht eher
in den Eigenschaften gesucht, die diese Personengruppen gemein haben, wie ihrer emp-
fundenen körperlichen Unterlegenheit, sich gegen einen körperlichen Angriff zur Wehr
setzen zu können. Auch ist das Sicherheitsempfinden bei Menschen mit sozialen Abstiegs-
ängsten tendenziell schwächer, da Kriminalitätsfurcht eine Projektionsfläche für schwer
fassbare soziale Ängste (Armut, Krankheit, Überforderung) sein kann.19 Ebenso steht Un-
sicherheit in Zusammenhang mit dem Bildungsstand. Allgemein gilt: Je höher die Bildung
ist, desto mehr Quellen benutzen Individuen, um sich Kenntnisse über die Sicherheit in
ihrem Umfeld und auf gesellschaftlicher Ebene zu verschaffen.20 Dies trifft auch auf die
Nutzung der (sozialen) Medien zu: Bewegt sich eine Person ausschließlich in ihrer
Echokammer21 oder interessiert sie sich für eine differenzierte und neutrale Berichterstat-
tung? Trotzdem entsteht auch in seriösen Medien ein verzerrtes Bild von der Realität, weil
seltene Vorfälle (z.B. Mord und Totschlag) überrepräsentiert sind.22 Bahnhofsviertel er-
halten oft ungute mediale Aufmerksamkeit, was den Eindruck von einem sozialen und
Kriminalitätsbrennpunkt verfestigt.
17 Zur Unterscheidung von sozialen und personellen Kriminalitätseinstellungen vgl. Boers (1991).
18 Daher wird zwischen einer kognitiven, einer affektiven und einer konativen Komponente von Kri-
minalitätsfurcht unterschieden.
19 Boers (1991, 288).
20 Baier et al. (2011, 9).
21 Menschen tauschen sich zunehmend nur noch unter ihresgleichen in geschützten Räumen (z.B.
Facebook) aus.
22 Haverkamp, Arnold (2015, 355).Seite 15 von 295
EINFÜHRUNG
12
zurück zur Navigation
Warum ist das Sicherheitsempfinden wichtig?
Gefühlte Unsicherheit kann sich negativ auf das individuelle Wohlbefinden und das ge-
sellschaftliche Klima auswirken. Auch das Sozialverhalten kann beeinträchtigt sein, wenn
Individuen Bahnhofsviertel meiden oder diese nur noch mit Schutzvorrichtungen (z.B.
Mitsichführen eines Pfeffersprays) betreten. Hieraus lässt sich überdies ein gewisses Miss-
trauen gegenüber staatlichen Institutionen und in die Durchsetzungskraft des staatlichen
Gewaltmonopols durch die Polizei ableiten.23 In Bahnhofsvierteln häufen sich soziale Prob-
lemlagen, städtische Unordnung durch Müll und andere Verunreinigungen sowie Krimi-
nalität. Die vermehrt wahrgenommene Unsicherheit in Bahnhofsgebieten zeigt, dass dort
gesellschaftliche Probleme und prekäre Lebensbedingungen besonders sichtbar sind. Im
Mikrokosmos Bahnhofsviertel sammeln sich also unterschiedliche Problemlagen (z.B. Ar-
mut, fehlende soziale Teilhabe und Integration von Minderheiten), die durch ein Präven-
tionskonzept für ein sicheres Bahnhofsviertel nicht behoben werden können, sondern flan-
kierender kriminal- und sozialpolitischer Anstrengungen auf Länder- und Bundesebene
bedürfen.24
Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen und Sauberkeit
Was haben Ordnung und Sauberkeit mit Kriminalprävention zu tun?
In der Kriminologie werden Ordnung und Sauberkeit prominent seit den 1980er Jahren
mit Sicherheit in Verbindung gebracht. Der in der Praxis beliebte Broken Windows An-
satz25 beschreibt eine Abwärtsspirale: Wenn einfache Regeln des Zusammenlebens – zum
Beispiel seinen Müll zu entsorgen – nicht funktionieren, scheint niemand Verantwortung
für seine Umgebung zu übernehmen.26 Diese ange-
nommene Regellosigkeit kann Verunsicherung
auslösen und zur Meidung des öffentlichen Raums
führen, so dass die soziale Kontrolle schwindet27
und Straftaten und Ordnungswidrigkeiten weiter
zunehmen.28
Dieser Zusammenhang ist in der kriminologischen
Diskussion umstritten.29 Dennoch stehen in der
kommunalen Kriminalprävention häufig furcht-
auslösende Faktoren bei der Gestaltung öffentli-
cher Plätze im Fokus, zu denen Unübersichtlich-
keit, schlechte Beleuchtung oder Verschmutzun-
gen gehören und die besonders in Bahnhofsvierteln
eine Rolle spielen. Dies spiegelt sich in den Antwor-
ten der Bevölkerungsbefragung wider, nach denen
eine bessere Beleuchtung neben Polizeistreifen
obenan steht.30
Was bedeutet unerwünscht?
Große individuelle Unterschiede existieren darüber, welche Verhaltensweisen oder Perso-
nengruppen im öffentlichen Raum als störend empfunden werden. Angesichts der Menge
und Vielfalt der sich begegnenden Menschen unterscheiden sich die Vorstellungen und
Meinungen über das gesellschaftliche Zusammenleben und die individuelle Lebensfüh-
rung beträchtlich. Der öffentliche Raum mutet jedem Menschen unerwünschte Begegnun-
gen und Konfliktsituationen zu und verlangt den Menschen die Fähigkeit ab, mit diesen
23 Hirtenlehner, Hummelsheim (2015, 459).
24 Hirtenlehner, Hummelsheim (2015, 463).
25 Wilson, Kelling (1982).
26 Lüdemann (2006, 288).
27 Noack (2015, 183).
28 https://www.rug.nl/staff/e.m.steg/keizerlindenbergstegdisorder.pdf
29 Keuschnigg, Wolbring (2015); O’Brien, Farrell, Welsh (2019).
30 Quelle: Daten der schriftlich-postalischen Bewohnendenbefragung im Forschungsprojekt SiBa.Seite 16 von 295
EINFÜHRUNG
13
zurück zur Navigation
Phänomenen umzugehen (Ambiguitätstoleranz). Dies fällt ängstlichen Menschen schwe-
rer, da sie sensibler auf Störungen im öffentlichen Raum reagieren und mehr Situationen
als bedrohlich wahrnehmen.31 Bestenfalls hilft Kriminalprävention, klare und konsensfä-
hige Grenzen des Tolerierbaren und ganzheitliche Lösungen für möglichst alle Menschen
in Bahnhofsvierteln zu finden.
Welches Verhalten von wem ist unerwünscht?
Orte, an denen Müll herumliegt und es nach Urin stinkt, laden nicht zum Verweilen ein.
Die beeinträchtigte Aufenthaltsqualität ist für viele ein Ärgernis und kann zusätzlich ver-
unsichern. In Bahnhofsvierteln werden die genannten Phänomene häufig marginalisierten
Menschen zugeschrieben, für die es zum Verweilen an diesen Orten kaum eine Alternative
gibt. Allerdings gibt es auch viele andere Menschen, die ihren Müll achtlos auf die Straße
werfen, und vor allem Männer, die sich öffentlich erleichtern. Das Aufstellen von kosten-
losen und regelmäßig gereinigten Toiletten sowie weiteren Mülleimern mit zusätzlichen
Leerungen kann Abhilfe schaffen. Allerdings stören sich einige Menschen schon am An-
blick marginalisierter Menschen, die verwahrlost und/ oder alkoholisiert wirken oder sonst
sozial auffällig erscheinen. Dies führt immer wieder zu der Forderung, dass beispielsweise
Obdachlose oder Suchtkranke aus dem Stadtbild verschwinden sollen, um das Sicherheits-
empfinden und die Aufenthaltsqualität anderer Menschen zu stärken. Aus den Gesprä-
chen mit Praktiker*innen geht allerdings deutlich hervor: Gerade aus dem Bahnhofsvier-
tel sind Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht wegzudenken und gehören
ebenso dazu. Kriminalprävention richtet sich also bestenfalls ausschließlich gegen be-
stimmte Verhaltensweisen. Niemand ist (per se) unerwünscht.
Kriminalität
Städtische Gebiete rund um Hauptbahnhöfe gelten als Krimi-
nalitätsschwerpunkte. Sie erfüllen eine Zentrumsfunktion, in-
dem sie eine räumlich konzentrierte Infrastruktur für Mobili-
tät, den Erwerb von Lebensmitteln oder auch Freizeitvergnü-
gungen anbieten. Die vorherrschende Anonymität und man-
gelnde informelle Sozialkontrolle lassen mehr Tatgelegenhei-
ten zur Begehung von Straftaten zu als andere Stadtviertel.
Kriminalität ist nicht zufällig in Raum und Zeit verteilt.
Die gute Erreichbarkeit und der leichte Zugang machen das Bahnhofsviertel zum idealen
Tatort: “[e]asy entrance and exit”32 Potenzielle Täter*innen gelangen schnell und ungehin-
dert hinein und können nach der Tat in der Menge schnell untertauchen. Die im Bahn-
hofsviertel aktiven Ordnungsinstanzen (Deutsche Bahn, Bundespolizei, örtliche Polizei,
kommunale Ordnungsdienste und/oder private Sicherheitsdienste) können nicht zu jeder
Zeit an jedem Ort sein. Infolge der Anonymität und hohen Fluktuation in Bahnhofsvierteln
bemerken viele Passanten Straftaten gar nicht oder sie machen nichts. Einigen ist die Um-
gebung fremd, andere wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen; es fehlt an einer Verant-
wortungsübernahme in Gegenwart vieler Menschen33, was die Entstehung eines effektiven
kollektiven Schutzes verhindert.34
Sozialkontrolle stärken, formell wie informell.
Formelle und informelle Kontrolle vermindern das Aufkommen von Kriminalität und Ord-
nungsstörungen. Auf der einen Seite erfolgt eine Stärkung von Sicherheits- und Ordnungs-
behörden (durch Ressourcen, Vernetzung, Kooperationen) und auf der anderen Seite geht
es darum, die Motivation zu gesetzeskonformen Verhalten zu erhöhen. Letztere lässt sich
31 Häfele (2013, 54 f.).
32 Piza, Kennedy (2003, 4).
33 Verantwortungsdiffusion, vgl. Bierhoff (1982, 292).
34 Ceccato, Uittenbogaard (2014).Seite 17 von 295
EINFÜHRUNG
14
zurück zur Navigation
durch die Gestaltung öffentlicher Plätze beeinflussen, indem sozial abweichende Verhal-
tensweise mehr auffallen. Dies geschieht anhand von Maßnahmen, die die Übersichtlich-
keit und Einsehbarkeit (z.B. Grünschnitt) verbessern, aber auch die soziale Durchmi-
schung und Verantwortungsübernahme für den öffentlichen Raum fördern. Die Ausübung
informeller Sozialkontrolle funktioniert vor allem in stabilen und lang andauernden Nach-
barschaften. Hingegen fällt sie schwächer aus, wenn die Fluktuation hoch ist, die Bewoh-
nenden in eher prekären Lebensverhältnissen leben und keine gemeinsamen Normen und
Werte teilen.35 Wenn es gelingt, einen Raum der Begegnung zu schaffen, stärkt dies nicht
nur Kontakte und Beziehungen zwischen Anwohnenden, sondern fördert auch ihre Fähig-
keit zum gemeinsamen Engagement für die Lösung lokaler Problemlagen und Verantwor-
tungsübernahme.36
Aufenthaltsqualität
Welche Bedeutung hat der öffentliche Raum?
In den vergangenen Jahrzehnten wurde der öffentliche Raum vielfach nur in seiner Ver-
kehrsfunktion als Transitort wahrgenommen.37 Mittlerweile hat ein Umdenken durch die
stetige Verknappung des öffentlichen Raums eingesetzt. Dies liegt u.a. an der Nachver-
dichtung und Überbauung einhergehend mit mehr Parkzonen für Kraftfahrzeuge auf-
grund eines größeren Wohnflächenbedarfs und Bevölkerungswachstums. Immer mehr
Menschen bewegen sich im öffentlichen Raum, so dass mehr Nutzungskonflikte und Kon-
kurrenz um öffentliche Flächen entstehen. Innenstadtbereiche erfahren eine Kommerzia-
lisierung von ehemals öffentlichen Freiflächen, die nur noch der zahlenden Kundschaft zur
Verfügung stehen. Die kommerzielle
Nutzung schließt insbesondere weniger
kaufkräftige Teile der Stadtbevölkerung
aus und verhindert eine soziale Durch-
mischung. Aufenthaltsmöglichkeiten im
Freien über die kommerzielle Nutzung
hinaus sind allerdings für alle nötig, da
öffentliche Räume das „pulsierende
Herz“ einer städtischen Gesellschaft
sind, was auch das nebenstehende Zitat
verdeutlicht.38
Welche Anforderungen gibt es an den öffentlichen Raum?
Die Anforderungen an den öffentlichen Raum sind vielfältig: Kinder und Jugendliche kom-
men ihrem Bewegungsdrang nach und möchten ungestört von Erwachsenen ihre Freunde
treffen, (ältere) Menschen möchten spazieren gehen, verweilen und sich unterhalten.
Ebenso vielfältig sind die Facetten von Aufenthaltsqualität: positive Sinneseindrücke
(Farben, Begrünung), Schutz vor negativen Einflüssen (Regen, Wind, Schmutz, Lärm),
gute Anbindung, Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und subjektive Sicherheit.39 Der öf-
fentliche Raum steht allen im Rahmen der geltenden Regelungen offen, was unweigerlich
zu Nutzungskonflikten zwischen unterschiedlichen Personen und Personengruppen führt.
Im Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Interessen kommt der Gewährleistung von Si-
cherheit eine große Bedeutung zu und ist ein wichtiger Baustein der Kriminalprävention
in geschäftigen Bahnhofsvierteln mit wenig öffentlichem Raum für ein breites Publikum.
35 Collective efficacy, vgl. Sampson, Raudenbush, Earls (1997).
36 Hecker, Starcke (2017, 225).
37 Vgl. Ideal der autogerechten Stadt in den 1950er Jahren (Bernhardt 2017).
38 Zitat Betz im Interview mit HESS:
https://www.hess.eu/de/news/experten-interviews/urbane-oeffentliche-raeume
39 Für einen Überblick der Qualitätsmerkmale des öffentlichen Raumes vgl. das Stadtentwicklungs-
konzept der Stadt Wien, S. 40: https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008522.pdf
„Öffentliche Räume sind das Kommunika-
tionszentrum der Gesellschaft. Dort findet
Gesellschaft statt. Sie symbolisieren das
Verständnis der Städte (…), auch wie man
mit der Gesellschaft umgeht.“
(Wolfgang Betz von WES LandschaftsArchitektur)Seite 18 von 295
EINFÜHRUNG
15
zurück zur Navigation
Was hat Aufenthaltsqualität mit Kriminalprävention zu tun?
Belebung, Durchmischung und Verantwortung für den öffentlichen Raum sind Schlüssel-
begriffe, die die Aufenthaltsqualität mit subjektiver Sicherheit, subjektiv unerwünschten
Verhaltensweisen und Kriminalität verbinden. Wenn sich Menschen gern im Bahnhofs-
viertel aufhalten, fühlen sie sich sicherer.
Bahnhofsviertel im Wandel
Wie äußert sich der Wandel des Bahnhofsviertels?
Die Bahnhofsviertel deutscher Großstädte verändern ihr Gesicht. Wo einst wenig einla-
dende Brachflächen das Umfeld der Bahnhöfe prägten, entstehen nunmehr neue Wohn-
viertel und Geschäftszentren. Vielerorts geraten die vormals vernachlässigten Bahnhofs-
viertel „aus dem Dornröschenschlaf in den Fokus der Stadtentwicklung“40. Unter der
wachsenden Anziehungskraft der Städte geraten insbesondere die innerstädtischen Quar-
tiere unter einen zunehmenden Aufwertungsdruck, der Prozesse der Gentrifizierung an-
stoßen kann. Gentrifizierung beschreibt einen Prozess, „in dessen Verlauf Haushalte mit
höheren Einkommen Haushalte mit geringeren Einkommen aus einem Wohnviertel ver-
drängen und dabei den grundsätzlichen Charakter und das Flair der Nachbarschaft ver-
ändern“.41 Benachteiligte Stadtgebiete wie Bahnhofsviertel können diesen Prozessen be-
sonders stark unterworfen sein, wenn sie unter ‚Aufwertungsdruck‘ geraten, denn hier
sind in der Regel große Gewinne im Mietbereich zu erwarten, und es besteht die Gefahr,
dass sich insbesondere die sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen entsprechende
Mietsteigerungen nicht leisten können.42
Haben Aufwertungsprozesse Einfluss auf die Sicherheit im Bahnhofsviertel?
Aufwertungsprozesse bedrohen so nicht nur die soziale Sicherheit der Menschen mit dem
Lebensmittelpunkt auf der Straße, sondern auch die der Bestandsbewohner im Bahnhofs-
viertel. Der beschleunigte soziale Wandel des Bahnhofsviertels erzeugt auf diese Weise
Verdrängungsdruck nicht nur auf Seiten der marginalisierten Gruppen, die aufgrund ihrer
prekären Lebensumstände auf das Umfeld des Hauptbahnhofs als Kommunikations- und
Schutzraum angewiesen sind, sondern auch für die Bestandsbevölkerung, die fürchtet,
sich die eigene Wohnung zukünftig nicht mehr leisten zu können.43
Welche Folgen können Aufwertungsprozesse für das Bahnhofsviertel haben?
Prozesse der Aufwertung können sich darüber hinaus auch auf den Bestand und die An-
siedlung von sozialen und kulturellen Einrichtungen auswirken, die häufig nur über ein
begrenztes finanzielles Budget verfügen. Verdrängungsdruck erfasst eben nicht nur die
marginalisierten Gruppen und Bestandbewohnenden, sondern auch die Angebotsstruktu-
ren, die den besonderen Charakter des Bahnhofsumfelds häufig erst ausmachen. Neben
anderen Bereichen im Stadtgebiet ist es notwendig, dass soziale Hilfeeinrichtungen auch
in Bahnhofsnähe vertreten und abgesichert sind, um die dortigen sozialen Problemlagen
zu bewältigen. Auch können kulturelle Einrichtungen, die einen zentralen Beitrag zur Be-
lebung und kulturellen Vielfalt des Viertels leisten, durch Aufwertungsprozesse verdrängt
werden. Auf diese Weise kann die Re-Vitalisierung sozial benachteiligter Quartiere zu ei-
nem Wegbereiter der Gentrifizierung werden.44
Institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung
Grundlage kommunaler Kriminalprävention ist die Zusammenarbeit und Vernetzung der
beteiligten Akteure auf lokaler Ebene: städtische Politik und Verwaltung, engagierte Teile
der Stadtbevölkerung, Investoren, Gewerbetreibende, öffentlicher Personennahverkehr,
40 Reichle (2018, 290).
41 Holm (2014, 103).
42 BBSR (2019).
43 Üblacker, Lukas (2018).
44 Bridge, Butler, Lees (2012).Seite 19 von 295
EINFÜHRUNG
16
zurück zur Navigation
soziale Einrichtungen, Stadtmarketing, Stadtplanung und Wohnungswirtschaft u.v.m. In-
stitutionelle Verankerung erleichtert die Umsetzung von Präventionsprojekten, indem be-
stehende Kräfte gebündelt werden. Bürgerbeteiligung kann mehr Akzeptanz für Verände-
rungen im Bahnhofsviertel schaffen.
Was bedeutet institutionelle Verankerung?
Die institutionelle Verankerung der Präventionsarbeit ist in den Kommunen sehr unter-
schiedlich geregelt und an die individuellen Bedürfnisse und Strukturen angepasst. Ent-
scheidendes Element der institutionellen Verankerung ist die Definition von klaren Rol-
len, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Idealerweise existiert eine zentrale Organi-
sationseinheit, wo alle Fäden zusammenlaufen, um den Überblick über die teils vielfältige
und wandelbare Präventionslandschaft zu behalten. Eine zentrale Stelle mit ausreichend
Ressourcen hat es leichter, mit den unterschiedlichen Akteuren der Kriminalprävention
in Kontakt zu treten und extensive Netzwerke zu pflegen. Eine solche Organisationsein-
heit kann frühzeitig Probleme und Herausforderungen erkennen und Lösungsansätze so-
wie Handlungsempfehlungen entwickeln.
Warum Bürgerbeteiligung?
Eine Brücke zur Anwohnerschaft ist für eine lokal verankerte Präventionsarbeit zentral,
denn die Bürgerinnen und Bürger haben einen besonderen Zugang zu den örtlichen Bege-
benheiten, dort ist ihr Lebensmittelpunkt und sie kennen sich aus. In den vielfältigen
Bahnhofsvierteln ist die Beteiligung eines breiteren Adressatenkreises (z.B. Feiernde, Ge-
werbetreibende, Immobilieneigentümer, Pendelnde, Marginalisierte) erwägenswert. Denn
sie alle haben Sicherheitsansprüche und können im öffentlichen Raum Einfluss auf die
Sicherheit und das Sicherheitsempfinden nehmen. Ihre Einbeziehung vor Ort kann Prä-
ventionsmaßnahmen zu einer stärkeren Akzeptanz verhelfen. Mitsprache bei lokalen Ent-
wicklungen stärkt zudem die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt
und ihrem Quartier.
Wie können Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden?
Kommunale Kriminalprävention erfordert detaillierte und aktuelle Kenntnisse über die
Situation, Probleme und Sorgen der unterschiedlichen Menschen im Bahnhofsviertel. Be-
teiligende Verfahren können ein Meinungsbild einholen, Diskussionen anregen, den Be-
darf abfragen (Was brauchen wir? Wozu brauchen wir das? Wie viel brauchen wir davon?
Wo wäre der optimale Platz dafür?45) oder als Ideenwettbewerb gestaltet werden. In die-
sem Rahmen bietet eine offene Anlaufstelle einerseits Zugang zu vielfältigen Informatio-
nen und andererseits bekommen Menschen eine Ansprechperson für ihre Probleme und
Beschwerden. Viele Menschen ärgern sich beispielsweise über Baustellen, insbesondere
verursachen sie im Bahnhofsviertel noch mehr Stress: durch Umwege, die Lautstärke, die
Unübersichtlichkeit und mehr Gedränge durch die verengte Wegführung. Um Akzeptanz
für solche Bautätigkeiten herzustellen, ist ein offener Dialog über deren Notwendigkeit
und Dauer der Beeinträchtigung erforderlich. Ein (interaktives) Abstimmungssystem
kann die Betroffenen einbeziehen und mit offenen Fragen zu Verbesserungsmöglichkeiten
Vorschläge einholen.
Wer kann im Bahnhofsviertel beteiligt werden?
Im Bahnhofsviertel steht die Bürgerbeteiligung vor besonderen Herausforderungen. Auf
der einen Seite halten sich sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen und
Bedürfnissen im Bahnhofsviertel auf (z.B. Feiernde, Gewerbetreibende, Immobilieneigen-
tümer*innen, Marginalisierte, Pendelnde), auf der anderen Seite lassen sich viele dieser
Gruppen schwer für eine Beteiligung gewinnen. Teilweise fehlt es an einer (engagierten)
Wohnbevölkerung, da die Wohn- oder Aufenthaltsdauer im Bahnhofsviertel häufig eher
kurz ist. Auch sind lokale Interessenvertretungen, Vereine oder Verbände nicht vorhanden
oder vom Engagement einzelner Persönlichkeiten abhängig. Darüber hinaus sind die in
den Gemeindeordnungen vorgesehenen Beteiligungsformen nicht bekannt oder es fehlt
schlichtweg das Interesse und die Zeit, sich zu engagieren. Oft sind daher differenzierte,
45 Stadtentwicklung Wien, S. 22.Seite 20 von 295
EINFÜHRUNG
17
zurück zur Navigation
zielgruppenspezifische Verfahren nötig, um unterschiedliche Perspektiven und Bedürf-
nisse zu erreichen (z.B. aufsuchende Befragungen von Bettelnden, Feiernden oder Tou-
rist*innen).46 Diese Verfahren sind aufwendig: Deshalb setzt erfolgreiche Partizipation ne-
ben dem Engagement der Zivilgesellschaft auch ein andauerndes und ehrliches Commit-
ment aus Politik und Verwaltung voraus.47
Auf dem
Prüfstand
Eine jede Maßnahme schließt eine kritische Reflexion ihrer Wirkung ein.48 Denn sonst
wissen wir nicht, ob die Maßnahme überhaupt (oder nur punktuell) wirksam war und ob
eine Verlagerung der Problematik im Bahnhofsviertel in ein angrenzendes Stadtviertel
stattgefunden hat. Umso präziser die angestrebten Ziele einer Maßnahme sind, desto
leichter fällt eine Bewertung des Erfolgs im Projektverlauf oder nach Projektabschluss.
Die Evaluation von Präventionsmaßnahmen ist angesichts der Vielzahl möglicher Ein-
flussfaktoren auf städtische Phänomene und der unterschiedlichen Zielvorstellungen bei
der Umsetzung nicht einfach. Dennoch bleibt nur die wissenschaftliche Begleitung einer
Maßnahme, um ihre Wirkungsweise zu verstehen.49 Als Gütekriterium für wirksame Prä-
ventionsmaßnahmen hat sich daher der Begriff der evidenzbasierten Kriminalprävention
durchgesetzt. Evidenzbasierte Maßnahmen basieren auf Erkenntnissen der empirischen
Forschung und werden nach dem besten verfügbaren Wissen implementiert.50 Bei der Kon-
zeption und Umsetzung evidenzbasierter Kriminalprävention stellen sich üblicherweise
die folgenden Fragen:
Präventionsarbeit gleicht mitunter einer Sisyphusarbeit. Im Unterschied dazu wird nicht
nur ein Steinbrocken immer wieder einen Berg hochgerollt, sondern es werden situations-
bedingt viele unterschiedliche und neue Steine bewegt. Zum einen ist die Beilegung vieler
Konflikte oder Probleme längerfristig angelegt und zum anderen befinden sich Bahnhofs-
gebiete im steten Wandel. Plakativ lässt sich sagen: >> nach dem Präventionsprojekt ist
vor dem Präventionsprojekt<<. Darüber hinaus wirken viele Präventionsprojekte lediglich
auf die Symptome ein, können aber nicht die Ursachen unerwünschter Phänomene behe-
ben. Dies liegt u.a. an zu kurzfristigen Maßnahmen, zu geringen personellen und finanzi-
ellen Ressourcen, politischen Wechseln auf Kommunalebene und Problematiken, die nur
mithilfe des Bundes und/oder des Landes bewältigt werden können.
Um bestehende und zukünftige kriminalpräventive Projekte sinnvoll aufeinander abzu-
stimmen, bietet sich eine übergeordnete und langfristig ausgelegte Präventionsstrategie
an. Aus einem solchen Konzept gehen die städtischen Prioritäten hervor, versehen mit
Erläuterungen zu spezifischen und neuralgischen Themen und Schwerpunkten. Die kon-
sequente Evaluation einzelner Maßnahmen hilft bei der Entscheidung, welche Maßnah-
men in eine städtische Präventionsstrategie eingebunden werden sollten.
46 Zentrum Öffentlicher Raum, S. 20.
47 Zentrum Öffentlicher Raum, S. 28.
48 Lektürehinweis Handbuch Evaluation des Umweltbundesamtes: https://www.umweltbundes-
amt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/evaluation_zaehlt_ein_anwendungshand-
buch_fuer_die_kommunale_verkehrsplanung.pdf
49 Haverkamp, Heesen (2014).
50 Armborst (2018, 7 ff).
Evidenzbasierte Kriminalprävention:
Gibt es bereits einschlägige Erkenntnisse aus der kriminologi-
schen Grundlagenforschung zu Risiken und Schutzfaktoren?
Wie kann dieses Wissen ausgenutzt werden, um eine Präven-
tionsmaßnahme zu konzipieren?
Wie wirkt sich die konzipierte Maßnahme in der Praxis aus?
Wie können bestehende Maßnahmen weiterentwickelt wer-
den?Seite 21 von 295
EINFÜHRUNG
18
zurück zur Navigation
Der Blick wird geweitet für die Perspektiven einer Stadt und des öffentlichen Raumes. Wie
möchten die Menschen in der Stadt zusammenleben, welche Themen beschäftigen sie und
welche langfristigen Veränderungen stehen bevor? Dies geschieht in vielen Städten im
ständigen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Tabelle 1 enthält eine Auswahl städ-
tischer Konzepte zur Inspiration:
Tabelle 1: Stadtentwicklungs- und Präventionskonzepte
Augsburg https://kriminalpraevention-augsburg.de
Basel https://www.entwicklung.bs.ch/grundlagen/stadtleben/sicherheit-oeffentlicher-
raum.html
Düsseldorf https://www.duesseldorf.de/stadtplanungsamt/stadtentwicklung/raumwerkd.html
Dortmund https://www.dortmund.de/media/p/masterplan_kommunale_sicherheit/Master-
plan_Kommunale_Sicherheit.pdf
Hamburg https://www.hamburg.de/konzepte-strategien/
Hannover
https://www.hannover.de/Media/01-DATA-Neu/Downloads/Landeshauptstadt-Hanno-
ver/Politik/Bürgerbeteiligung/Mein-Hannover-2030/Stadtentwicklungskonzept-"Mein-
Hannover-2030"
Heilbronn https://www.heilbronn.de/no_cache/rathaus/buergerservice-a-z/inhalt/kommunale-
kriminalpraevention.html
Leipzig https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadtentwicklung/stadtentwicklungskon-
zept-insek/die-fachkonzepte-des-stadtentwicklungskonzepts-insek-2030/
Lübeck https://www.luebeck.de/de/stadtentwicklung/stadtplanung/integriertes-stadtentwick-
lungskonzept.html
München
https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-
Bauordnung/Stadtentwicklung/EntwicklungsFlaechennutzungsplanung/ Innenstadtkon-
zept.html
Norderstedt https://www.norderstedt.de/Wirtschaft-und-Entwicklung/Stadtplanung-und-
Bauen/Gesamtstädtische-Konzepte
Stuttgart https://www.stuttgart.de/leben/sicherheit/kriminalpraevention.php
Wien https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008522.pdfSeite 22 von 295
EINFÜHRUNG
19
zurück zur Navigation
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
Implementation Vor der Implementation einer kriminalpräventiven Maßnahme stehen vielfältige
Überlegungen über ihren Sinn, Nutzen und Einsatzort an. Aufbauend auf einer um-
fassenden Problemanalyse werden möglichst spezifische, messbare, angemessene, re-
alistische und terminierte Ziele formuliert, bevor eine kriminalpräventive Maßnahme
zur Erreichung dieser Ziele gewählt wird. Eine Analyse der Ist-Situation ist einer Ana-
lyse der Soll-Situation voranzustellen. Falls noch kein Kooperationsnetzwerk für das
Bahnhofsviertel besteht, empfiehlt es sich ein solches aufzubauen. Die Verantwortli-
chen und Beteiligten aus unterschiedlichen Interessengruppen müssen sich dann
weitgehend einig darüber sein, an welchen Orten im Bahnhofsviertel etwas zu verän-
dern ist und welche Maßnahmen für welche Zielgruppen in Betracht kommen. Die
rechtlichen, baulichen und sozialen Hintergründe finden Berücksichtigung, um den
Rahmen für die denkbaren, im Idealfall evidenzbasierten Präventionsmaßnahmen ab-
zustecken. Für die erfolgreiche Implementation der ausgewählten kriminalpräven-
tiven Maßnahmen sind Schlüsselpersonen zu identifizieren und zu benennen. Krimi-
nalprävention geschieht dabei im Bewusstsein, dass die gewünschten Effekte (nicht
oder teilweise) eintreten und zugleich nicht intendierte Nebenfolgen auftreten kön-
nen. Schon allein deswegen ist eine Evaluierung der kriminalpräventiven Maßnah-
men anzuraten.
Die 7 Themen des
Werkzeugkastens
Als wichtigste Themengebiete der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel haben sich
im SiBa-Projekt erwiesen: Sicherheitsempfinden, subjektiv unerwünschte Verhaltens-
weisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Bahnhofsviertel im Wandel so-
wie institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung.
Sicherheits-
empfinden
Unabhängig von der tatsächlichen Kriminalitätsbelastung fühlen sich viele Menschen
in Bahnhofsvierteln unsicher. Dort ist also das Sicherheitsempfinden ein beherrschen-
des kriminalpräventives Thema. Als Drehscheibe der Mobilität prägt der Bahnhof die
nähere Umgebung: Das Leben ist quirlig, bunt und einfach anders als sonst im Stadt-
gebiet. Dieses Andere kann ein Gefühl der Fremdheit und damit Unsicherheit erzeu-
gen. Bei Dunkelheit erhöht sich das Unsicherheitsgefühl insbesondere bei Älteren und
Frauen und dies noch mehr in Bahnhofsvierteln. In den vergangenen Jahren richten
sich Maßnahmen zur Stärkung des Sicherheitsempfindens häufig auf die räumliche
Gestaltung durch mehr Beleuchtung und Grünschnitt sowie die verstärkte Präsenz
von Sicherheitskräften wie Polizei und kommunalen Ordnungsdiensten. Allerdings
lässt sich der schlechte Ruf des Bahnhofsgebietes nicht leicht ablegen, diesbezüglich
bedarf es einer kontinuierlichen und anhaltenden Strategie, die öffentlich und medial
kommuniziert wird. Abgesehen davon zeigen Erkenntnisse aus der kriminologischen
Forschung, dass das Sicherheitsempfinden komplex ist und schwer zu beeinflussende
individuelle und gesellschaftliche Ursachen hineinspielen. So beeinträchtigt Krimina-
lität weniger das Sicherheitsempfinden als dies soziale Probleme der Individuen tun
(prekäre Lebensverhältnisse, Lebensqualität im Wohnumfeld, soziale Teilhabe).
Subjektiv
unerwünschte
Verhaltensweisen
Mit dem Sicherheitsempfinden steht die Wahrnehmung subjektiv unerwünschter Ver-
haltensweisen in einem Zusammenhang. Als Paradebeispiel dient die Vermüllung in
Bahnhofsvierteln, denn in der Anonymität und Masse fällt das Wegwerfen von Müll
auf Bürgersteige und Straßen nicht unbedingt auf. Die Ausübung der informellen So-
zialkontrolle ist geschwächt, was verunsichernd wirken kann. Allerdings sind die To-
leranzgrenzen gegenüber sozial abweichenden Verhaltensweisen sehr unterschiedlich
ausgeprägt: Während einige weggeworfene Zigarettenkippen stören, heben andere
Pfanddosen auf und weitere finden Graffiti anregend und kreativ. Diese heterogenen
Perspektiven müssen einer kritischen Diskussion unterzogen werden, um zu klären,
wann, wo, wie und für wen kommunale Kriminalprävention Anwendung findet. Es
bedarf einer Gesamtabwägung, die versucht, den unterschiedlichen Bedarfen nach Si-
cherheit und Ordnung entgegenzukommen und die urbane Kompetenz zu fördern, d.h.Seite 23 von 295
EINFÜHRUNG
20
zurück zur Navigation
mit den Irritationen durch das Zusammentreffen verschiedener Lebenswelten auf en-
gem Raum und mit daraus entstehenden Konflikten leben zu lernen.
Kriminalität Das Bahnhofsviertel bietet eine besondere Opportunitätsstruktur für Kriminalität an-
gesichts der guten Infrastruktur, den vielen Menschen und Einkaufsmöglichkeiten.
Die gute Verkehrsanbindung des Bahnhofsviertels sichert einen schnellen Zugang
und gute Möglichkeiten, in der Masse unterzutauchen. Der rege Strom von Pendeln-
den, Reisenden, Anwohnenden, Gewerbetreibenden oder marginalisierten Gruppen
kann formellen Kontrollinstanzen den Überblick erschweren und die Menschen selbst
bemerken oder achten nicht auf die Begehung von Straftaten. Kriminalprävention
stärkt u.a. die formelle Sozialkontrolle beispielsweise durch Ausstattung, Vernetzung
und Kooperationen der Sicherheitsakteure.
Aufenthaltsqualität Der öffentliche Raum ist schon längst nicht mehr nur Verkehrsraum, sondern auch
ein begehrter Aufenthaltsraum (Aufenthaltsqualität). Städtischer Raum ist knapp be-
messen, was zu Nutzungskonflikten zwischen kommerziellen Anbietern und nicht zur
Kundschaft gehörenden Personen und zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen
(Eltern mit Kindern, Jugendliche, Menschen mit dem Lebensmittelpunkt auf der
Straße, Senior*innen) führt. In Bahnhofsvierteln mit wenig öffentlichem Raum be-
steht die Herausforderung, die verschiedenen Bevölkerungsteile anzusprechen und
viele Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Bahnhofsviertel im
Wandel
Rund um die großen Bahnhöfe entstehen in zahlreichen Städten neue Wohnanlagen,
Hotels, Geschäfts- und Dienstleistungszentren, die zu einer Aufwertung der Bahn-
hofsviertel führen sollen (Bahnhofsviertel im Wandel). Bahnhofsviertel können als
Orte beschleunigter urbaner Transformation beschrieben werden, die zu Visitenkar-
ten der Städte entwickelt werden sollen. Der urbane Wandel erfasst nicht nur die
Menschen vor Ort, sondern auch die vorhandenen Angebotsstrukturen, die den beson-
deren Charakter des Bahnhofsumfelds erst auszeichnen. Besonders in Bahnhofsnähe
ist es notwendig, dass soziale Hilfeeinrichtungen vertreten und abgesichert sind, um
die dortigen sozialen Problemlagen zu bewältigen.
Institutionelle
Verankerung &
Bürgerbeteiligung
Institutionelle Verankerung setzt eine zentrale Organisationseinheit voraus, welche
die vielfältigen städtischen Bemühungen zu Kriminalprävention langfristig koordi-
niert, Netzwerke pflegt und die unterschiedlichen Akteure bündelt. Zu diesen Akteu-
ren gehören ebenso die Menschen, die im Bahnhofsviertel leben, arbeiten, oder ihre
Freizeit verbringen; sie kennen die Gegebenheiten vor Ort gut und haben Ideen, wo,
wozu oder wie viel Kriminalprävention im Bahnhofsviertel benötigt wird. Bürgerbe-
teiligung braucht Engagement aus der Zivilgesellschaft, aber auch andauerndes und
ehrliches Commitment aus Politik und Verwaltung. Dabei sind Überlegungen zentral,
welche Personen oder Gruppen beteiligt werden sollen und welche Rollen und Kompe-
tenzen ihnen zugedacht werden.
Checkliste Die hier angestellten Vorüberlegungen finden sich zusammengefasst in der CHECK-
LISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION wieder. Dort werden zentrale Fragen zum WOZU, WO,
WANN und WER der Präventionsarbeit aufgeworfen, die sich zu jedem Zeitpunkt im
Projektverlauf stellen lassen.
• Zu Beginn der Projektplanung: Wozu soll eine Maßnahme verfolgt werden? Wo soll
eine Maßnahme umgesetzt werden? Wann soll die Umsetzung erfolgen? Und wer
soll einbezogen werden?
• Im Projektverlauf: Eignet sich die Maßnahme für den gewünschten Zweck? Wurde
der richtige Ort gewählt? Soll die Maßnahme verlängert, verkürzt oder verschoben
werden? Und sind die richtigen Leute in die Umsetzung eingebunden?
• Nach Projektende: Hat das Projekt seinen Zweck erfüllt? Hat das Projekt an dem
gewählten Ort funktioniert? War der Zeitpunkt gut gewählt oder die Dauer ange-
messen? Und hat das Projekt alle Menschen erreicht, die adressiert werden soll-
ten?Seite 24 von 295
CHECKLISTE
21
zurück zur Navigation
FRAGEN, DIE SICH STELLEN
WOZU?
☐ Welche Probleme sollen mit der Maßnahme verbessert werden?
☐ Sollen mit der Maßnahme kurz-, mittel- oder langfristige Effekte erzielt werden?
☐ Welche Ziele werden mit der Maßnahme verfolgt? (politische, soziale, kulturelle)
☐ Wer hat die Maßnahme angestoßen und warum?
WO?
☐ An welchem Ort (Platz, Park, Straße o.ä.) soll die Maßnahme umgesetzt werden?
☐ Darf die Maßnahme an diesem Ort umgesetzt werden? (Beachtung gesetzlicher Regelungen, Denkmal-
schutzvorgaben o.ä.)
☐ Gibt es bereits Maßnahmen an diesem Ort?
☐ Wohin könnte sich bei Umsetzung der Maßnahme das Problem verschieben?
☐ Wurde die Maßnahme schon einmal angewendet? (Wenn ja, welche Effekte hatte sie auf den Ort?)
WANN?
☐ In welcher Form soll die Maßnahme Anwendung finden? (temporär, dauerhaft, regelmäßig)
☐ In welchem Zeitfenster soll die Maßnahme Anwendung finden? (ganzjährig, saisonal, tagsüber, nachts)
☐ Gibt es spezielle Anlässe, an denen die Maßnahme durchgeführt werden soll? (Festivals, Märkte, Volks-
feste)
☐ Ist es sinnvoll die Maßnahme zeitlich zu begrenzen?
☐ Wurde die Maßnahme schon einmal angewendet? (Wenn ja, wie lange ist das her und welche Effekte
hatte sie?)
WER?
☐ An wen richtet sich die Maßnahme? (Bedürfnisse der Zielgruppe, Adressaten o.ä. ermitteln und beachten)
☐ Wer ist formal für die Umsetzung der Maßnahme verantwortlich?
☐ Wie viele Personen werden zur Umsetzung/ Durchführung der Maßnahme benötigt?
☐ Wer sind aktive Partner*innen vor Ort zur Durchführung der Maßnahme?
☐ Wer kontrolliert die Effekte der Maßnahme (Evaluation)?
☐ Wer kommt für die Anschaffungskosten auf?
☐ Wer kommt für die Instandhaltung/ laufenden Kosten auf? (Materialschäden, Säuberung, Personal)
☐ Wer kommt für die Entsorgungskosten auf?
☐ Wer ist inwieweit und in welcher Form über die Maßnahme zu informieren?Seite 25 von 295
MAßNAHMENÜBERSICHT
22
zurück zur Navigation
MAßNAHMENÜBERSICHT
Zu den einzelnen Themengebieten
→ SUBJEKTIVE SICHERHEIT
Dunkelheit, Image Bahnhofsviertel, Sicherheit für marginalisierte Gruppen,
Sozialkontrolle, Übersichtlichkeit, Unterführungen
→ SUBJEKTIV UNERWÜNSCHTE VERHALTENSWEISEN
(Übermäßiger) Alkoholkonsum, (aggressives) Betteln, Campieren, Drogenkonsum,
Kommunikation im Konfliktfall, Konfliktfähigkeit, Lärm, Pöbeleien/ Streitereien,
Prostitution, unerwünschtes/ unbefugtes Betreten
→ KRIMINALITÄT
Drogenhandel und -besitz, Fahrraddiebstahl, Graffiti/ Tags, Körperverletzung,
Ladendiebstahl, Polizeiarbeit, Prostitution im Sperrbezirk, Risikogruppten/ Opfer- und
Täterarbeit, Taschendiebstahl, Terrorismus, zerstörte/ kaputte Gegenstände
→ AUFENTHALTSQUALITÄT
Aufenthaltsangebote (kostenfrei), Baustellen, Falschparken, Schatten, Verkehr(slärm),
verwaiste öffentliche Plätze/ geringe soziale Durchmischung, zu wenig Platz/ enge
Wege
→ SAUBERKEIT
Hundekot, leere Flaschen/ Flaschen sammeln, Müll, öffentliches Urinieren, Schmutz,
Schrottfahrräder, Zigarettenkippen
→ BAHNHOFSVIERTEL IM WANDEL
Bedarfe Gewerbe, Gentrifizierung und Verdrängung, Infrastruktur für soziale
Einrichtungen, soziale Segregation/ soziale Spaltung, Verbreitung von Spielhallen/
Wettbüros, Verkehr und Mobilität
→ INSTITUTIONELLE VERANKERUNG & BÜRGERBETEILIGUNG
Ansprechpersonen für Menschen vor Ort, Beteiligungsformate, Empowerment,
Interesse von Anwohnenden, Koordination von Prävention, Netzwerkarbeit,
sozialer ZusammenhaltSeite 26 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 23
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
SUBJEKTIVE SICHERHEIT
Handlungsfeld Maßnahme
Dunkelheit Begleitservice
Belebung zu verschiedenen Tageszeiten
Besseres Beleuchtungskonzept
Bewegungsmelder
Einsehbarkeit verbessern
Farbgestaltung
Frauentaxi
Gute Sichtachsen
Lichtspaziergang
Nachtwanderungen
Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen
Image
Bahnhofsviertel
Bahnhofspaten
Begehung
Bürger-App
Gezielte Imagekampagne
Gezielte Infokampagnen
Kommunale Öffentlichkeitsarbeit
Nachtwanderungen
Ordnungspatenschaft
Präventionsrallye
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Quartiersfest, Straßenfest
Quartiersspaziergang
Sicherheitstag
Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst)
Toleranz fördern
Sicherheit für
marginalisierte Gruppen
Alternative Angebote für marginalisierte Gruppen/Szenen
Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen/Szenen
Arbeitercafé (z.B. für Tagelöhnende, Prostituierte)
Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Duschmobil
Einschreiteschwellen festlegen
Erfrierungsschutz
Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und PolizeiSeite 27 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 24
Gewaltprävention für wohnungslose Opfer
Hygienecenter
Konfliktmanagement
Kontaktbereichsbeamte
Mobile ärztliche Versorgung
Mobile Sozialarbeit
Notschlafstelle
Öffentlich zugängliche Waschmöglichkeiten
Personenpatenschaft
Pfandspenden
Präventionsrallye
Quartiersbox
Raum (Zimmer) für aufsuchende Sozialarbeit
Schließfächer für Randgruppen
Sozialarbeit/ Streetwork
Soziale Durchmischung fördern
Sozialstadtplan
Suchmaschine für Soziales
Toleranz fördern
Trinkerstube
Übernachtungsschutz/ Kälteschutz
Wohnbox
Sozialkontrolle Bahnhofspaten
Begleitservice
Belebung öffentlicher Plätze
Belebung zu verschiedenen Tageszeiten
Kampagnen zur Zivilcourage
Kommunaler Ordnungsdienst
Kontaktbereichsbeamte
Nachtwanderer
Notrufsäule
Ordnungspatenschaft
Parkläufer*innen
Polizeipräsenz
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Sauberkeitsbotschafter*innen
Schließfächer für Randgruppen
Soziale Durchmischung fördern
TrinkerstubeSeite 28 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 25
Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen
Videoüberwachung
Übersichtlichkeit Bauliche Gestaltung
Besseres Beleuchtungskonzept
Einsehbarkeit verbessern
Gute Sichtachsen
Klare Wegführung
Spiegel
Zonierung durch unterschiedliche Bodentexturen
Unterführungen Aufwertung und Instandhaltung von Unterführungen
Besseres Beleuchtungskonzept
Notrufsäule
Vermeidung von Unterführungen
Verteidigungs- und SchutzmaßnahmenSeite 29 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 26
SUBJEKTIV UNERWÜNSCHTE VERHALTENSWEISEN
Handlungsfeld Maßnahme
(übermäßiger)
Alkoholkonsum
Alkoholverbot
Alkoholverkaufsverbot
Alternative Angebote für marginalisierte Gruppen
Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen
Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Einschreitschwellen festlegen
Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei
Kommunaler Ordnungsdienst
Konfliktmanagement
Mobile ärztliche Versorgung
Mobiler Drogenkonsumraum
Mobile Sozialarbeit
Nachbürgermeister*in
Nachtwanderer
Parkläufer*innen
Personenpatenschaft
Sozialarbeit/ Streetwork
Sozialstadtplan
Sperrzeiten der Gastronomie
Suchmaschine für Soziales
Trinkerstube
(aggressives)
Betteln
Alternative Angebote schaffen für Bettelnde
Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen
Alphabetisierungsprogramme
Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Einschreitschwellen festlegen
Kommunaler Ordnungsdienst
Parkläufer*innen
Personenpatenschaft
Platzpaten aus der Szene
Sicherheitswacht
Sozialarbeit/ Streetwork
Sozialstadtplan
Sprachkurse
Suchmaschine für SozialesSeite 30 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 27
Campieren Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Defensive/ Hostile Architecture
Einschreitschwellen festlegen
Erfrierungsschutz
Mobile ärztliche Versorgung
Mobile Sozialarbeit
Notschlafstelle
Ombudsperson/Beschwerdestelle
Parkläufer*innen
Platzpaten aus der Szene
Personenpatenschaft
Schließfächer für Randgruppen
Sozialstadtplan
Suchmaschine für Soziales
Übernachtungsschutz/ Kälteschutz
Wärmebus
Wohnbox
Drogenkonsum Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Drogenkonsumraum
Fallkonferenzen
Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei
Kontaktcafé
Mobile ärztliche Versorgung
Mobiler Drogenkonsumraum
Mobile Sozialarbeit
Personenpatenschaft
Sozialarbeit/ Streetwork
Substitutionspraxis
Kommunikation im
Konfliktfall
Aus- und Weiterbildung von Akteuren der Prävention
Community Organizing
Konfliktmanagement
Nachtwanderer
Ombudsperson/ Beschwerdestelle
Ordnungspatenschaft
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Sensibilisierung für Konfliktlösungsstrategien
Zentrale Ansprechstelle oder -person für SicherheitsfragenSeite 31 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 28
Konfliktfähigkeit Kampagnen zur Zivilcourage
Toleranz fördern
Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen
Urbane Kompetenz
Lärm Alkoholverbot
Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen
Bäume
Kommunaler Ordnungsdienst
Konfliktmanagement
Lärmschutzwand
Mobiles Grünes Zimmer
Nachtbürgermeister*in
Nachtwanderer
Parkläufer*innen
Sicherheitswacht
Sperrzeiten der Gastronomie
Pöbeleien/
Streitereien
Alkoholverbot
Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen/Szenen
Einschreitschwellen festlegen
Kampagnen zur Zivilcourage
Kommunaler Ordnungsdienst
Kontaktbereichsbeamte
Nachtwanderer
Parkläufer*innen
Platzpaten aus der Szene
Sicherheitswacht
Prostitution Allgemeine Sozialberatung (ProstSchG)
Alternative Örtlichkeiten für Prostitution
Arbeitercafé (z.B. für Tagelöhnende, Prostituierte)
Ausstiegsberatung
Bußgeld für unnützes Hin- und Herfahren
Kommunaler Ordnungsdienst
Mobile Sozialarbeit
Öffentlich zugängliche Waschmöglichkeiten
Sozialstadtplan
Sperrbezirke
Suchmaschine für Soziales
Übernachtungsangebote für Prostituierte
VerrichtungsboxenSeite 32 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 29
Unbefugtes/
unerwünschtes Betreten
Bewegungsmelder
Defensive/ Hostile Architecture
Poller
Private Sicherheitsdienste
Zaun
Zonierung durch unterschiedliche Bodentexturen
ZufahrtsschutzSeite 33 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 30
KRIMINALITÄT
Handlungsfeld Maßnahme
Drogenhandel
und -besitz
Besondere polizeiliche Einsätze im Bahnhofsviertel
Drogenkonsumraum
Fallkonferenzen
Kommunaler Ordnungsdienst
Kontaktcafé
Mobiler Drogenkonsumraum
Mobile Sozialarbeit
Polizeipräsenz
Sozialarbeit/ Streetwork
Substitutionspraxis
Verzahnung von Bundes- und Landespolizei
Fahrraddiebstahl Fahrradparkplätze
Kampagnen zur Zivilcourage
Kommunaler Ordnungsdienst
Polizeipräsenz
Programm Wachsamer Nachbar
Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst)
Videoüberwachung
Warnschilder, Warnvideos
Graffiti/
Tags
Anti-Graffiti-Mobil
Bahnhofspaten
Belebung öffentlicher Plätze
Belebung zu verschiedenen Tageszeiten
Bürger-App
Graffitiabweisende Oberfläche/ Graffitisprühschutz
Graffitis, Tags und illegale Plakatierungen schnell entfernen
Kommunaler Ordnungsdienst
Legale Spray-Flächen
Polizeipräsenz
Parkläufer*innen
Sicherheitswacht
Videoüberwachung
Körperverletzung Besondere polizeiliche Einsätze im Bahnhofsviertel
Gewaltprävention für wohnungslose Opfer
Kampagnen zur Zivilcourage
Kommunaler OrdnungsdienstSeite 34 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 31
Nachtbürgermeister*in
Polizeipräsenz
Waffenverbotszone
Ladendiebstahl Alarmanlage
Aufklärungskampagnen Ladendiebstahl
Private Sicherheitsdienste
Videoüberwachung
Polizeiarbeit Besondere polizeiliche Einstätze im Bahnhofsviertel
Bodycams
Community Policing
Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei
Kontaktbereichsbeamte
Polizei im Bürgerbüro
Polizeipräsenz
Predictive Policing
Sicherheitstag
Verzahnung von Bundes- & Landespolizei
Prostitution
im Sperrbezirk
Allgemeine Sozialberatung
Ausstiegsberatung
Alternative Örtlichkeiten für Prostitution
Bußgeld für unnützes Hin- und Herfahren
Kommunaler Ordnungsdienst
Parkläufer*innen
Polizeipräsenz
Sozialarbeit/ Streetwork
Videoüberwachung
Verrichtungsboxen
Risikogruppen/
Opfer- und Täterarbeit
Arbeit mit Straffälligen
Anti-Graffiti-Mobil
Gewaltprävention für wohnungslose Opfer
Präventionsrallye
Sozialstadtplan
Suchmaschine für Soziales
Taschendiebstahl Aufklärungskampagnen Taschendiebstahl
Gute Sichtachsen (soziale Kontrolle)
Klare Wegführung
Kommunaler Ordnungsdienst
Parkläufer*innen
Polizeipräsenz
SicherheitswachtSeite 35 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 32
Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst)
Videoüberwachung
Warnschilder, Warnvideos
Terrorismus Poller
Vorhänge aus Ringgeflecht
Zaun
Zufahrtsschutz
Zerstörte/
Kaputte Gegenstände
Bahnhofspaten
Belebung öffentlicher Plätze
Belebung zu verschiedenen Tageszeiten
Bürger-App
Generelle Aufwertung des Stadtbilds
Gute Sichtachsen (soziale Kontrolle)
Kommunaler Ordnungsdienst
Ordnungspatenschaft
Parkläufer*innen
Platzpaten aus der Szene
Polizeipräsenz
Sicherheitswacht
Videoüberwachung
Zügige ReparaturenSeite 36 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 33
AUFENTHALTSQUALITÄT
Handlungsfeld Maßnahme
Aufenthaltsangebote
(kostenfrei)
Grätzloase
Hochbeete
Konsumfreie Sitzgelegenheiten
Mobiles Grünes Zimmer
Nutzbare Grün- und Freiflächen
Parkbänke
Parklets
Pocket-Park
Sommerstraße
Spielplatz
Transitory/ Transition Gardening
Wasserspender, Trinkwasserbrunnen
Zwischennutzung
Baustellen Bahnhofspaten
Baustellen-Buddys
Besseres Beleuchtungskonzept
Einsehbarkeit verbessern
Farbgestaltung
Info-Zentrum
Kurznachrichten-Newsletter
Lärmschutzwand
Mobile Begrünung
Mobiles Grünes Zimmer
Öffentliche Baustellenführung
Sichtfenster
Unterführungen/Bauzäune/Gerüste für Kunstprojekte, Infor-
mationen zur Baustelle etc. nutzen
Vergünstigte Angebote für Baustellengeplagte
Wegführung und Piktogramme
Zaun
Falschparken Alternative/ zentrale Parkplätze
Bußgeld für Halte- und Parkverstöße
Falschparken-App
Falschparker*innen abschleppen
Klebezettel
Kommunaler OrdnungsdienstSeite 37 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 34
Parkplatz-App
Sicherheitstag
Sicherheitswacht
Schatten Bäume
Begrünung
Grätzloase
Hochbeete
Mobiles Grünes Zimmer
Parklets
Pocket-Park
Verkehr(-slärm) Alternative/ zentrale Parkplätze
Alternative Verkehrskonzepte
Autofreie Innenstädte
Autofreie Wochenenden, autofreie Tage
Fahrradverkehr stärken
Fahrradstraßen
Fahrrad-Servicestationen
Fußverkehr stärken
Fußverkehrsverantwortliche
Mitfahrbänke
Öffentlichen Nahverkehr stärken
Parkflächen entsiegeln
Radschnellwege
Radverkehrsbeauftragte
Shared Space
Sommerstraße
Verkehrsberuhigung
Verwaiste öffentliche
Plätze/
geringe soziale
Durchmischung
Begrünung
Belebung öffentlicher Plätze
Belebung zu verschiedenen Tageszeiten
Einsehbarkeit verbessern
Farbgestaltung
Food-Truck
Grätzloase
Hochbeete
Hundewiese
Kaffeewagen, Kaffeefahrrad
Konsumfreie Sitzgelegenheiten
KulturveranstaltungenSeite 38 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 35
Mischnutzung anliegender Gebäude
Mobiles Grünes Zimmer
Nutzbare Grün- und Freiflächen
Parklet
Pocket-Park
Regionale Märkte
Sandkasten (mit Spielzeug)
Spielmobil
Spielplatz
Quartiersfest, Straßenfest
Transitory/ Transition Gardening
Urban Gardening
Wasserspiele
Weihnachtsmarkt
WLAN-Hotspot (gratis)
Zu wenig Platz/
enge Wege
Alternative/ zentrale Parkplätze
Alternative Verkehrskonzepte
Autofreie Innenstädte
Autofreie Wochenenden, autofreie Tage
Fahrradparkplätze
Fahrradverkehr stärken
Fußverkehrsverantwortliche
Öffentlichen Nahverkehr stärken
Privately Owned Public Space (POPS)
Radverkehrsbeauftragte
Shared SpaceSeite 39 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 36
SAUBERKEIT
Handlungsfeld Maßnahme
Hundekot Bahnhofspaten
Fußverkehrsverantwortliche
Hundewiese
Kommunaler Ordnungsdienst
Kotbeutelspender
Ordnungspatenschaft
Parkläufer*innen
Putzaktionen
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Sicherheitswacht
Leere Flaschen/
Flaschen sammeln
Mülleimer
Pfandspenden
Pfandkisten
Pfandringe
Putzaktionen
Müll Abfallfahndung
Bahnhofspaten
Bürger-App
Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung
Gum Wall
Häufige Reinigung
Kampagnen zur Müllentsorgung
Kommunaler Ordnungsdienst
Mülleimer
Müllmelde-App
Müllentsorgung im Rahmen von Schulprojekten
Müllkrähen
Nachtwanderer
Ordnungspatenschaft
Parkläufer*innen
Platzpaten aus der Szene
Putzaktionen
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Sauberkeitsbotschafter*innen
SicherheitswachtSeite 40 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 37
Öffentliches Urinieren Austeilen von Toiletten-Jetons
Bahnhofspaten
Bewegungsmelder
Bußgeld für öffentliches Urinieren
Gute Sichtachsen (Sozialkontrolle)
Hygienecenter
Kommunaler Ordnungsdienst
Komposttoilette (mobil)
Konzept Die Nette Toilette
Nachtwanderer
Öffentliche Toiletten
Öffentliche Urinale
Parkläufer*innen
Pinkelbeete
Platzpaten aus der Szene
Rückspritzlack oder -kacheln
Sicherheitswacht
Schmutz Bahnhofspaten
Farbgestaltung
Generelle Aufwertung des Stadtbilds
Gum Wall
Häufige Reinigung
Hundewiese
Ordnungspatenschaft
Putzaktionen
Schrottfahrräder Abfallfahndung
Bahnhofspaten
Bürger-App
Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung
Fahrrad-Servicestationen
Müllmelde-App
Putzaktionen
Radverkehrsbeauftragte
Regelmäßiges entfernen von SchrottfahrrädernSeite 41 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 38
Zigarettenkippen Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung
Kommunaler Ordnungsdienst
Müllkrähen
Putzaktionen
Sauberkeitsbotschafter*innen
Taschenaschenbecher
Voting binsSeite 42 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 39
BAHNHOFSVIERTEL IM WANDEL
Handlungsfeld Maßnahme
Bedarfe Gewerbe Alternative/ zentrale Parkplätze
Konfliktmanagement
Quartiersbox
Runder Tisch
Sicherheits-Jour-Fixe
Sicherheitspartnerschaft im Bahnhofsviertel
Zusammenarbeit verschiedener Akteure
Gentrifizierung &
Verdrängung
Bodenbevorratung (Erbbaurecht, kommunales Vorkaufsrecht)
Community Organizing (Bürgerplattformen)
Erhaltungs- und Zweckentfremdungssatzungen
Förderung freier Szenen
Gemeinnützigkeit (Genossenschaften)
Gewerbliche Durchmischung
Kommunale Wohnungsbaugesellschaften
Mietpreisbremse
Mietenbegrenzung (Mietendeckel)
Mietvertragssicherheit
Programm Soziale Stadt
Quartiersmanagement
Quoten für den sozialen Wohnungsbau
Re-Kommunalisierung
Zwischennutzung
Infrastruktur für
soziale Einrichtungen
Mietvertragssicherheit
Raum (Zimmer) für aufsuchende Sozialarbeit
Vereinfachte Immobilien- und Standortsuche
Soziale Segregation/
soziale Spaltung
Erhaltungs- und Zweckentfremdungssatzungen
Mietpreisbremse
Programm Soziale Stadt
Quartiersmanagement
Sozialer Wohnungsbau
Verbreitung von Spiel-
hallen & Wettbüros
Beschränkung und Regulierung
Gewerbliche Durchmischung
Soziale Durchmischung fördern
Verkehr & Mobilität Alternative/ zentrale Parkplätze
Alternative Verkehrskonzepte
BegrünungSeite 43 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 40
Fußverkehrsverantwortliche
Mitfahrbänke
Öffentlichen Nahverkehr stärken
Quartiersbox
Radschnellwege
Radverkehrsbeauftragte
Shared SpaceSeite 44 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 41
INSTITUTIONELLE VERANKERUNG & BÜRGERBETEILIGUNG
Handlungsfeld Maßnahme
Ansprechpersonen für
Menschen vor Ort
Anwaltsplanung
Bahnhofspaten
Bürgerbüro
Bürgerräte
Bürgerzentrum
Community Organizing (Bürgerplattformen)
Konfliktmanagement
Kontaktbereichsbeamte
Nachtbürgermeister*in
Ombudsperson/ Beschwerdestelle
Ordnungspatenschaft
Platzpaten aus der Szene
Quartiersbüro
Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in
Sauberkeitsbotschafter*innen
Zentrale Ansprechstelle oder -person für Sicherheitsfragen
Beteiligungsformate Anwaltsplanung
Bahnhofspaten
Begehung
Benachteiligte Gruppen einbeziehen
Bürger-App
Bürgerräte
Co-Creation
Community Organizing (Bürgerplattformen)
Dialogformate in Planungsverfahren
Diskussionsveranstaltungen
Konfliktmanagement
Ordnungspatenschaft
Platzpaten aus der Szene
Runder Tisch
Sicherheits-Jour-Fixe
Empowerment Anwaltsplanung
Community Organizing
Gemeinwesenarbeit
QuartiersmanagementSeite 45 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 42
Interesse von
Anwohnenden
Begehung
Bürger-App
Diskussionsveranstaltungen
Gezielte Imagekampagnen
Gezielte Info-Kampagnen
Internetplattform für Nachbarschaftshilfe
Kommunale Öffentlichkeitsarbeit
Kulturveranstaltungen
Lokale Identität stärken
Nachtwanderungen
Quartiersfest, Straßenfest
Quartiersspaziergang
Koordination von
Prävention
Förderverein
Kommunalpräventiver Rat
Quartiersbüro
Quartiersmanagement
Runder Tisch
Netzwerkarbeit Austausch mit anderen Städten
Suchmaschine für Soziales
Zusammenarbeit verschiedener Akteure
Sozialer
Zusammenhalt
Belebung öffentlicher Plätze
Bürgerzentrum
Diskussionsveranstaltungen
Grätzloase
Internetplattform für Nachbarschaftshilfe
Lokale Identität stärken
Mitfahrbänke
Programm Soziale Stadt
Programm Wachsamer Nachbar
Quartiersfest, Straßenfest
QuartiersmanagementSeite 46 von 295
WERKZEUGESeite 47 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 44
Abfallfahndung
Um illegaler Müllbeseitigung im öffentlichen Raum zu begegnen, kann der Einsatz von Müllfahndenden (auch: Müllde-
tektive, Waste Watcher) sinnvoll sein. Angestellte der Abfallwirtschaft kontrollieren zu Fuß oder im Auto festgelegte
geografische Zonen mit hohem Müllaufkommen bzw. gehen, etwa per → Müllmelde-App, von Bürger*innen gemelde-
ten Hinweisen auf illegale Abfallstätten nach. Ziel ist das Aufspüren von illegalen Abfallentsorgenden. Dazu stellen die
Mitarbeitenden zunächst fest, ob der Müll im öffentlichen Raum liegt und sichten den Müll, um Hinweise auf die Ver-
ursachenden zu erhalten, Beweise zu sichern und im Fall der Identifizierung Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.
Sie veranlassen auch die Abholung und korrekte Entsorgung durch die Abfallwirtschaft.
Flankierend empfehlen sich → gezielte Informationskampagnen, um nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursa-
chen illegaler Müllentsorgung zu bekämpfen.
Chancen und Herausforderungen
 Erhöhung Umweltbewusstsein und Problemwahrnehmung
 Erhöhung Sicherheitsempfinden
 Abschreckung durch Präsenz, Entlastung der Stadtverwaltung bzw. des Ordnungsamts von Beschwerden
 Aufklärung und Beratung von Täter*innen
 Hohes Aufkommen an Bußgeldern
 Mehr Symptom- als Ursachenbekämpfung
 Verlockung zur Entsorgung von Müll im öffentlichen Raum (Motto: „Wird ja eh abgeholt“)
 Punktuell, d.h. räumlich begrenzte Maßnahme
 Finanzierung der Personalkosten durch Bußgelder möglich
Zielsetzung
 Müllaufkommen reduzieren
 Stadtbild verbessern
 Bürger*innen aufklären
Praxisbeispiel Gelsenkirchen, Hannover, Mönchengladbach
Zu beachten
➢ Welche Orte sind besonders müllbelastet?
➢ Geht das Personal inkognito oder erkennbar auf Streife?
➢ Wie lassen sich Bürger*innen zum Umdenken bewegen?
INFOBOX
Mülldetektive, Gelsenkirchen (Medienbericht)
https://www.deutschlandfunk.de/nordrhein-westfalen-gelsenkirchens-kampf-gegen-illegale.1769.de.html?dram:ar-
ticle_id=428968
Abfallfahnder, Hannover (Medienbericht)
https://www.sueddeutsche.de/wissen/abfall-hannover-abfallfahnder-beseitigen-tausende-wilde-muellablagen-dank-app-
dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200121-99-565417
Mülldetektive, Mönchengladbach
https://mags.de/abfallwirtschaft-strassenreinigung/muelldetektive/Seite 48 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 45
Alarmanlage
Alarmanlagen, Überfall- und Einbruchmeldeanlagen sind einbruchhemmende Sicherheitsmaßnahmen u.a. für privat
oder gewerblich genutzte Wohn-, Geschäfts- und Lagerräume. Ziel ist in Abstimmung mit baulichen und organisatori-
schen Gegebenheiten die Wahrscheinlichkeit zur Tatbegehung zu minimieren, das Entdeckungsrisiko zu maximieren
und ein hohes Maß an Abschreckung zu erreichen. Insbesondere Überfall- und Einbruchmeldeanlagen erhöhen durch
ihre Meldewirkung das Entdeckungsrisiko für Täter*innen. Alarmanlagen als technische Präventionsvorrichtungen sind,
je nach Ausführung, rasch installiert und betriebsbereit, d.h. es handelt sich um eine Maßnahme, die schnell und einfach
vorgenommen werden kann.
Chancen und Herausforderungen
 Wirken abschreckend
 Einfache Installation (insb. Funkt-Alarmsysteme)
 Erhöhung Sicherheitsgefühl
 Je nach Ausführung z.T. hohe Kosten
 Fehlalarme
 Wartungsaufwand
Zielsetzung  Einbrüchen vorbeugen
 Täter*innen abschrecken
💡 Praxisbeispiel Leipzig
Zu beachten ➢ Wo sind sie am besten anzubringen, um gut sichtbar zu sein?
➢ Wer ist für die Wartung zuständig?
INFOBOX
Sicherheitstipps für Haus und Wohnung der Stadt Leipzig
https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/sicherheit-und-ordnung/praevention/schutz-vor-wohnungsein-
bruch/technische-praevention/
Förderprogramm Kriminalprävention durch Einbruchsicherung der KfW
https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/Einbruchschutz/
EVALUATIONSERGEBNISSE
KFN-Studie Wohnungseinbruch
https://kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_133.pdfSeite 49 von 295
SAMMLUNG DER MAßNAHMEN
zurück zur Maßnahmenübersicht 46
Alkoholverbot
Häufig fallen stark Alkoholisierte im öffentlichen Raum durch Belästigungen auf, die Außenstehende verunsichern kön-
nen (u.a. zerschlagene Bierflaschen und grölende Gruppen Betrunkener). Als Reaktion darauf wurden in einigen Städten
Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen ausgesprochen, um leichter auf Alkoholisierte zugreifen zu können und alko-
holbedingter Ruhestörung, Sachbeschädigung oder Gewalttätigkeit vorzubeugen. Allerdings hielten die Alkoholverbote
einer rechtlichen Überprüfung oft nicht stand. Dies lag nicht nur an einer fehlenden Verordnungsermächtigung im Lan-
desgesetz, sondern auch an zu allgemeinen und weitreichenden Alkoholverboten. Da nicht der Alkoholkonsum an sich
das Problem ist, sondern die sich aus übermäßigem Konsum ergebenden Folgen in der Öffentlichkeit, schränkt ein Al-
koholverbot die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) und den Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 Abs. 1 GG) emp-
findlich ein. Eine Ungleichbehandlung zeigt sich, weil ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum alle alkoholkonsumieren-
den Personen – egal, ob sie sich unauffällig oder auffällig verhalten – erfasst und nicht Personen, die sich in Gastwirt-
schaften betrinken und dann stören. Aus rechtlicher Perspektive muss für den Erlass eines Alkoholverbots eine abs-
trakte Gefahrenlage nachgewiesen werden. Mehrere Bundesländer ergänzten ihre Polizeigesetze um eine Ermächti-
gungsgrundlage und einige Städte die Straßenverordnung um ein Alkoholverbot an öffentlichen Einrichtungen, um den
Allgemeingebrauch von Bushaltestellen oder bestimmten Plätzen zu gewährleisten. Des Weiteren dient ein Alkohol-
verbot dem Jugendschutz auf Spielplätzen oder in der Nähe von Schulen.
Chancen und Herausforderungen
 Verringerung von (Lärm-)Belästigungen
 Jugendschutz
 Inklusion durch integratives Konzept oder weitere Exklusion von Alkoholkranken?
 Verlagerung der Trinkerszene/ Umgehung durch unauffälligeres Trinken
 Rechtliche Vorgaben (Grundrechte, Landesgesetze)
Zielsetzung
 Gewaltpotenzial verringern
 Ruhestörungen & Verunreinigungen verringern
 Sachbeschädigungen verringern
Praxisbeispiel Duisburg, Gelsenkirchen, München, Solingen
Zu beachten
➢ Wo, zu welcher Tageszeit und wie lange?
➢ Auf welcher rechtlichen Grundlage?
➢ Wie wird mit Alkoholkranken, deren Lebensmittelpunkt die
Straße ist, umgegangen?
INFOBOX
Praxisbeispiele Duisburg, Gelsenkirchen, Solingen (Beitrag von k

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 03.11.2026, 11:35 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de