220209-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Angsträume in Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 220209-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 21.03.2022
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Kenntnisnahme
- Sitzung des Schulausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung des Hauptausschusses Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Kenntnisnahme
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 220209-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 33 Bürgerdienste Dezernat: Dez. I Angsträume in Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 30.03.2022 Kenntnisnahme Schulausschuss 12.05.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 06.04.2022 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Bonn 05.04.2022 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Bad Godesberg 27.04.2022 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Beuel 27.04.2022 Kenntnisnahme Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 07.04.2022 Kenntnisnahme Hauptausschuss 28.04.2022 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von Straftaten und/oder Ordnungswidrigkeiten sind fester Bestandteil der Arbeit, insbesondere auch der Ordnungsbehörde, in Zusammenarbeit mit der Polizei und auch den verschiedenen sozialen Trägern in der Stadt. Daher werden die im Antrag angesprochenen Punkte auch als Aufgaben für die Bürgerdienste, hier insbesondere den Bereichen der Ordnungsbehördlichen Maßnahmen und der Kriminalprävention gesehen und dort durch die Geschäftsstelle für Kriminalprävention zusammengeführt. Der Vermeidung des Entstehens von Angsträumen gilt bereits jetzt ein besonderes Augenmerk. Es handelt sich um eine Aufgabe, die nicht mit einer Konzeption abgeschlossen werden kann, sondern als ständige Aufgabe fortgeschrieben werden muss. Veränderungen in einem Wohn-/Aufenthalts-Bereich haben häufig Verdrängungseffekte und/oder die Schaffung neuer Anziehungspunkte zur Folge, die dann neu zu bewerten sind. Daher wird eine einmalige Konzeptionsentwicklung nicht ausreichen, sondern es sind dauerhafte Fortschreibungen erforderlich. Hieran sind regelmäßig verschiedene Fachbereiche der Verwaltung beteiligt. Das Erfordernis der Präventionsarbeit und eine Beteiligung an einer Gesamtkonzeption im Rahmen der personellen Möglichkeiten wird fachbereichsübergreifend gesehen. Es ist vorgesehen, diese Querschnittsaufgabe bei Amt 33 – Geschäftsstelle für Kriminalprävention zu etablieren. Eine Konzeptentwicklung in dem beantragten Zeitrahmen ist auf Grund der personellen Rahmenbedingungen und der Prioritäten in der Gesamtverwaltung nicht realistisch. Bereits vorliegendeSeite 1 von 295 Seite 2 Anträge zur Kriminalprävention werden im Rahmen einer Gesamtkonzeption unter Einbeziehung der Beteiligten berücksichtigt (siehe bspw. DS 220379). Die Universität Tübingen hat eine Studie mit einem Werkzeugkasten insbesondere zur Vermeidung von Angsträumen vorgelegt, die als Anlage beigefügt ist. Anlage/n 1 Werkzeugkasten (öffentlich)Seite 2 von 295 1 WERKZEUGKASTEN DER (KRIMINAL-) PRÄVENTIONSeite 3 von 295 2 Prof. Dr. Rita Haverkamp Unter Mitarbeit von: Dr. Meike Hecker Dr. Tim Lukas Ina Hennen Benjamin Coomann Dr. Ines Hohendorf Stiftungsprofessur für Lehrstuhl für Bevölkerungsschutz, Kriminalprävention und Katastrophenhilfe und Risikomanagement Objektsicherheit rita.haverkamp@uni-tuebingen.de lukas@uni-wuppertal.de Ein herzlicher Dank für die engagierte Unterstützung geht an die studentischen Hilfskräfte: Tobias Meisner Fabian Dudda Mona Ziegele Kira Burgart Lucas Ferl Saskia Kretschmer (seit Juli 2020 wiss. Mitarbeiterin) Ann-Kathrin Langefeld Helena RüttgerSeite 4 von 295 3 INHALTSVERZEICHNIS Die Idee hinter dem Werkzeugkasten ............................................................................................................................ii Aufbau des Werkzeugkastens .........................................................................................................................................iii Navigation.............................................................................................................................................................................. 5 Einführung ............................................................................................................................................................................. 6 IST-Situation .................................................................................................................................................................... 6 SOLL-Situation ................................................................................................................................................................ 7 Im Blickpunkt................................................................................................................................................................. 10 Sicherheitsempfinden .................................................................................................................................................... 10 Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen und Sauberkeit .................................................................................. 12 Kriminalität...................................................................................................................................................................... 13 Aufenthaltsqualität........................................................................................................................................................ 14 Bahnhofsviertel im Wandel .......................................................................................................................................... 15 Institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung ................................................................................................. 15 Das Wichtigste in Kürze .................................................................................................................................................. 19 Fragen, die sich stellen.................................................................................................................................................... 21 Wozu?.............................................................................................................................................................................. 21 Wo? .................................................................................................................................................................................. 21 Wann? ............................................................................................................................................................................. 21 Wer?................................................................................................................................................................................. 21 Maßnahmenübersicht ..................................................................................................................................................... 22 Sammlung der Maßnahmen.......................................................................................................................................... 23 Subjektive Sicherheit ................................................................................................................................................ 23 Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen....................................................................................................... 26 Kriminalität .................................................................................................................................................................. 30 Aufenthaltsqualität ................................................................................................................................................... 33 Sauberkeit .................................................................................................................................................................... 36 Bahnhofsviertel im Wandel .................................................................................................................................... 39 Institutionelle Verankerung & Bürgerbeteiligung ............................................................................................. 41 Linksammlung ................................................................................................................................................................. 283 Verzeichnis der Einzelmaßnahmen ........................................................................................................................... 284 Literaturverzeichnis ....................................................................................................................................................... 287Seite 5 von 295 ii DIE IDEE HINTER DEM WERKZEUGKASTEN Herausforderung Wer sich unsicher fühlt, meidet angsteinflößende Orte oder bewegt sich dort nur un- gern. Solche Orte sind vielfach die großstädtischen Bahnhofsgebiete. In ihnen findet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen auf engem Raum, die sich überhaupt nicht kennen und sich sonst nicht oft begegnen. In stärkerem Maße prallen hier Ge- gensätze tagtäglich aufeinander: arm und reich, jung und alt oder auch krank und gesund. Ungeachtet ihrer Herkunft und Lebenssituation eint sie aber der Wunsch nach einem sicheren Aufenthalt im Bahnhofsgebiet. Forschungsverbund Dieses allgemeine Grundbedürfnis nach Sicherheit bildete den Ausgangspunkt für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundpro- jekt „Sicherheit im Bahnhofsviertel (SiBa)“ (August 2017 - Dezember 2020). Den bei- den wissenschaftlichen Verbundpartnern, der Stiftungsprofessur für Kriminalpräven- tion und Risikomanagement1 der Universität Tübingen und dem Lehrstuhl für Bevöl- kerungsschutz, Katastrophenhilfe und Objektsicherheit2 der Bergischen Universität Wuppertal, ging es deshalb in Zusammenarbeit mit den Partnerstädten Düsseldorf, Leipzig und München darum, die Attraktivität ihrer jeweiligen Bahnhofsgebiete zu steigern. Dieses Ziel sollte erreicht werden, indem die Aufenthaltsqualität für alle und dadurch das Sicherheitsgefühl erhöht wird. Ergebnis dessen ist der hier vorgestellte Werkzeugkasten, an dem als Multiplikatoren auch die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), das Deutsch-Europäische Forum für Urbane Sicherheit e.V. (DEFUS) und der Deutsche Präventionstag (DPT) mitwirkten. Werkzeugkasten Über die Gewährleistung von Sicherheit herrschen ganz unterschiedliche Vorstellun- gen, die sich in großstädtischen Bahnhofsvierteln konzentrieren und reiben. Dies liegt an den vielfältigen (Sicherheits-)Interessen der dort Verkehrenden. Unter ihnen sind Anwohnende, Gewerbetreibende, Marginalisierte, Pendelnde und Reisende. Auch in- nerhalb der genannten Personengruppen gehen die Sicherheitswahrnehmungen und -bedürfnisse auseinander: So möchten junge Tourist*innen in einem lebendigen Um- feld gerne feiern und ältere Tourist*innen wünschen eine zentrale ruhige Lage, um Sehenswürdigkeiten fußläufig zu erreichen. Diese Vielzahl und Diversität der Men- schen steht der Erstellung eines einheitlichen Sicherheitskonzepts für Bahnhofsge- biete entgegen, das den Sicherheitsansprüchen aller im Bahnhofsgebiet gerecht wird. „One size fits all“ passt in diesem Kontext gerade nicht, so dass der Forschungsver- bund eine Zusammenstellung vielfältiger Maßnahmen und Strategien entwickelte. Aus diesem Werkzeugkasten, der vorrangig auf den Ergebnissen einer Stadtbevölke- rungsbefragung, Begehungen und Experteninterviews in den drei Partnerstädten ba- siert, können sich die Städte und andere Kommunen individuell „bedienen“. Der Werkzeugkasten gibt Denkanstöße für die Konzeption von Prävention mit ihren „Stolper- und Trittsteinen“3. Dem Ideenpool können je nach akuter, temporärer und/ oder dauerhafter Problemlage Maßnahmen entnommen werden. Damit eignet sich der Werkzeugkasten für ganz unterschiedliche Ausgangslagen: Ob kurz-, mittel- oder langfristig angelegt, ob Ergänzung oder Neujustierung (bestehender) kommunaler Präventionsstrategien, der Werkzeugkasten gibt für ausgewählte Herausforderungen in Bahnhofsvierteln Anregungen zur Implementation. Die Auflistung von Maßnah- men und Beispielen für deren Umsetzung ist dabei nicht erschöpfend. Berücksichti- gung fanden Maßnahmen, die in Städten und Gemeinden innerhalb und außerhalb des Forschungsprojektes zum Einsatz kommen. Darunter befinden sich evidenzba- sierte sowie vielversprechende, bisher nicht auf ihre präventive Wirkung hin evalu- ierte Maßnahmen. 1 https://uni-tuebingen.de/index.php?id=160609 2 https://www.buk.uni-wuppertal.de/ 3 Marks (2020, 17).Seite 6 von 295 iii AUFBAU DES WERKZEUGKASTENS 4 Teile Im vierteiligen Werkzeugkasten gibt der erste Teil eine thematische Einführung und allgemeine Hinweise für die Planung und Konzeption von kommunaler Kriminalprä- vention (Einführung). Eine Zusammenfassung dieser Hinweise enthält der zweite Teil mit der Checkliste für die Implementation anhand zentraler Fragen zur Umsetzung. Der dritte Teil besteht aus einer tabellarischen Übersicht möglicher Präventionsmaß- nahmen, die jeweils unterschiedlichen Handlungsfeldern in sieben übergeordneten Themenbereichen zugeordnet sind (Maßnahmenübersicht). Im vierten Teil werden die Präventionsmaßnahmen einzeln mit ihren Chancen- und Herausforderungen sowie Praxisbeispielen vorgestellt (Sammlung der Maßnahmen). Die Einführung (I) Beginnend mit der Ausgangslage (IST-Situation) geht es um die Voraussetzungen der kriminalpräventiven Arbeit im Bahnhofsviertel. Daran schließen sich die beiden Fra- gen an, was Kriminalprävention im Bahnhofsviertel leisten soll (SOLL-Situation) und welche (un-)erwünschten Nebeneffekte Kriminalprävention nach sich ziehen kann. Weitere Hinweise beziehen sich darauf, wie Projektziele systematisch erarbeitet wer- den können, um deren Erreichung überprüfen zu können. Im dritten Teil (Im Blick- punkt) stehen die sieben Themengebiete im Blickpunkt, die sich im Verbund für die Kriminalprävention im Bahnhofsviertel als zentral erwiesen haben: Sicherheitsemp- finden, subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Bahnhofsviertel im Wandel und institutionelle Verankerung und Bürger- beteiligung. Der vierte Teil (Auf dem Prüfstand) thematisiert die Wirksamkeit im Sinne von evidenzbasierter Kriminalprävention. Auch stehen hier Impulse auf die Frage im Fokus, wie Einzelmaßnahmen in eine übergeordnete, langfristig ausgelegte Präventionsstrategie eingebettet werden können. Die Checkliste (II) Die übergeordneten W-Fragen betreffen die Planung und Umsetzung von Kriminal- prävention im Bahnhofsviertel und zielen auf das Wozu, Wo, Wann und Wer der kri- minalpräventiven Arbeit ab: Wozu soll eine Maßnahme verfolgt werden? Wo soll eine Maßnahme umgesetzt werden? Wann soll die Umsetzung erfolgen? Wer soll einbezo- gen werden? Die Maßnahmen- übersicht (III) Für die Frage, welche Maßnahmen in Betracht kommen, liefert der dritte Teil (Maß- nahmenübersicht) eine systematische Darstellung zu möglichen Präventions- maßnahmen. Alle Präventionsmaßnah- men sind jeweils unterschiedlichen Handlungsfeldern in den sieben The- menbereichen zugeordnet. Zum The- menbereich „Subjektive Sicherheit“ ge- hört beispielsweise das Handlungsfeld Dunkelheit (s. Abb. 1). Eine mögliche Maßnahme in diesem Handlungsfeld ist der Lichtspaziergang, der Ex- pert*innen und Laien zusammen- bringt, um über die Beleuchtung an konkreten öffentlichen Plätzen zu spre- chen. Das Themengebiet Subjektive Sicherheit umfasst Handlungsfelder, die das individu- elle Sicherheitsempfinden beeinflussen können. Hierzu gehören u.a. Dunkelheit, Übersichtlichkeit und Sozialkontrolle. Bei subjektiv unerwünschten Verhaltenswei- sen geht es um Handlungsfelder wie etwa Drogenkonsum. Insbesondere in diesem Themengebiet prallen unterschiedliche Ordnungsvorstellungen aufeinander und sor- gen für Konfliktsituationen. Im Themengebiet Kriminalität befinden sich vor allem Maßnahme Lichtspaziergang Themenbereich Subjektive Sicherheit Handlungsfeld Dunkelheit Abbildung 1: Struktur des WerkzeugkastensSeite 7 von 295 iv Straftaten, die gehäuft in Bahnhofsvierteln vorkommen (z.B. Drogenhandel, Sachbe- schädigung, Taschendiebstahl). Aufenthaltsqualität enthält Handlungsfelder, die sich auf die Nutzung öffentlicher Räume beziehen (z.B. Baustellen, Verkehrslärm). Sau- berkeit hängt mit subjektiv unerwünschten Verhaltensweisen zusammen, ist aber als eigenes Themengebiet erfasst, da Verschmutzungen (z.B. Hundekot, Müll, Schrott- fahrräder) in der Bevölkerungsbefragung und in den Interviews eine besondere Be- deutung zukam. Bahnhofsviertel im Wandel adressiert langfristige städtische Ent- wicklungen, die sich auf die Sicherheit und Lebensqualität im Bahnhofsviertel aus- wirken können. Das breite Spektrum reicht von Mobilität und Verkehr bis hin zu Gen- trifizierungsprozessen und Verdrängungsdruck. Unter Institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung sind Handlungsfelder zur Koordination von Präventionsarbeit (z.B. Netzwerkarbeit) sowie Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung gefasst. Die Maßnahmen- sammlung (IV) Die Kurzbeschreibung der Maßnahmen enthält Informationen über bisherige Erfah- rungswerte, Chancen und Herausforderungen und weiterführende Quellenhinweise. Eine explizite Empfehlung für eine oder mehrere der angeführten Maßnahmen erfolgt nicht, da ihre Zweckmäßigkeit vom kriminalpräventiven Konzept und den Gegeben- heiten im jeweiligen Bahnhofsgebiet abhängt. Die alphabetische Auflistung der Maß- nahmen erleichtert die Navigation. Linksammlung Die Linksammlung enthält ausgewählte Internetadressen rund um das Thema „kom- munale Kriminalprävention“. Sie dient dazu, die Informationen des Werkzeugkastens zu ergänzen und stellt gleichzeitig hilfreiche Anlaufstellen zur Verfügung, wenn es um Erfahrungsaustausch und Erfahrungswerte, Evaluation, Forschungsprojekte, Imple- mentation, Strategiekonzepte, Vernetzung sowie weiterführende Literatur geht. Navigation Die Navigationsseite verlinkt auf die unterschiedlichen Abschnitte des Dokuments: EINFÜHRUNG, CHECKLISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION, MAßNAHMENÜBERSICHT, SAMM- LUNG DER MAßNAHMEN und LINKSAMMLUNG. Die Übersichtstabelle der Maßnahmen und die Sammlung der Maßnahmen sind direkt miteinander verknüpft: Mit dem Link am Seitenende der Maßnahmen gelangen Sie „zurück zur Maßnahmenübersicht“. Das gilt ebenso bei der Beschreibung der Einzelmaßnahmen. In allen anderen Teilen ha- ben Sie dagegen mit dem Link am Seitenende die Möglichkeit, „zurück zur Naviga- tion“ zu kommen.Seite 8 von 295 NAVIGATION EINFÜHRUNG CHECKLISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION MAßNAHMENÜBERSICHT SAMMLUNG DER MAßNAHMEN LINKSAMMLUNGSeite 9 von 295 EINFÜHRUNG 6 zurück zur Navigation EINFÜHRUNG IST-Situation Bahnhofsviertel sind besonders vielfältig und damit auch konfliktträchtig. Dort prallen Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen und -verhältnissen aufeinander, mit unterschiedlichen Lebenseinstellungen und -erfahrungen.4 In der Anonymität des Bahn- hofsumfelds können die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen verunsichern und die durch Andersartigkeit gekennzeichnete Atmosphäre in Bahnhofsgebieten als ängstigend empfunden werden. Nicht allein deswegen eilt Bahnhofsvierteln ein eher schlechter Ruf voraus. Sie gelten als Kriminalitätsbrennpunkte; denn ihre Anonymität und starke Fre- quentierung schafft ideale Voraussetzungen (viele potenzielle Opfer, zahlreiche Tatgele- genheiten, geschwächte informelle Sozialkontrolle5) zur Begehung von Straftaten. Hieraus ergibt sich ein Bedarf für kriminalpräventive Konzepte, die den besonderen Begebenheiten in Bahnhofsgebieten gerecht werden und dort die Aufenthaltsqualität für möglichst alle erhöhen, auch wenn höchst unterschiedliche Sicherheitsinteressen und -ansprüche beste- hen. Bahnhofsviertel stellen sehr unterschiedliche und komplexe Herausforderungen an die Ge- währleistung von Sicherheit und Sicherheitsgefühlen. Manche Beeinträchtigung des Wohlbefindens liegt auf der Hand: So löst eine dunkle und wenig frequentierte Unterfüh- rung, die nach Urin riecht, Unbehagen aus. Schwieriger wird es, wenn die geäußerte Un- sicherheit nicht mit einem konkreten Angstraum oder Gefahrenort6 in Verbindung ge- bracht werden kann. Bei vagen und unklaren Äußerungen lohnt sich eine Analyse der da- hinterstehenden Unsicherheitsgefühle im vorhandenen Präventionsgefüge. Zunächst las- sen sich folgende Überlegungen anstellen7: Was ist klar, was ist unklar? Um die Ist-Situation besser zu erfassen, ist zu fragen, welche Informationen und Fakten bereits vorliegen und welche Informationen noch fehlen. Zunächst erfordert eine Einschät- zung der Situation detaillierte Informationen über die Gegebenheiten vor Ort. Wichtiges Hintergrundwissen bieten Ursachen und Umstände, die zu der aktuellen veränderungsbe- dürftigen Situation geführt haben. Bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes spielen auch rechtliche Grundlagen, etwa zum Denkmalschutz, und soziale Bedingungen eine Rolle: Wer hält sich häufig in der Umgebung auf, welche Bedürfnisse haben diese Personen und welche Nutzungsmöglichkeiten sind angemessen und gewollt? Um bestehende krimi- nalpräventive Maßnahmen zu ergänzen und die bestehenden Ressourcen effektiv einzu- setzen, ist deren Bestandsaufnahme nötig. Falls Anhaltspunkte über die Wirkung dieser Maßnahmen vorliegen, sind diese ebenfalls zu berücksichtigen. Denn: Umso vollständiger das kriminalpräventive Mosaik des betrachteten Raumes ist, desto besser kann die Ist- Situation bewertet werden. Was ist strittig? In Bezug auf den öffentlichen Raum ist die Frage „Was ist strittig“ besonders relevant. Angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Menschen, die sich im öffentlichen Raum und insbesondere im Bahnhofsviertel begegnen, prallen sehr unterschiedliche Einstellungen, Bedürfnisse und Wahrnehmungen aufeinander. Um die Ist-Situation zu verstehen, sind 4 Kilb (2011, 8); Keim (2000, 67). 5 Zum Routine Activity Approach von Lawrence E. Cohen & Marcus Felson vgl. Eifler (2002, 54 f.). 6 Entsprechend der Abgrenzung im Verbundprojekt transit (2015, 1) sind „Angsträume […] subjek- tiv wahrgenommene Räume, die durch Abwesenheit sicherheitsrelevanter Aspekte auffallen […]. Als Gefahrenräume werden die Räume bezeichnet, in denen tatsächliche raumbezogene Krimina- lität sowie antisoziales und deviantes Verhalten nachgewiesen werden kann“. https://www.tran- sit-online.info/fileadmin/transit/Materialien/Berichte/Gegenueberstellung_von_Angstraeu- men_und_Gefahrenorten.pdf. 7 Angelehnt an die KUSS-Methode (s. Ries 2019, 101): Klar, Unklar, Strittig, Schlüsselpersonen.Seite 10 von 295 EINFÜHRUNG 7 zurück zur Navigation die unterschiedlichen Sichtweisen herauszuarbeiten und der Diskussionsbedarf festzustel- len. Dabei bedarf es einer kritischen Reflexion, warum gerade diese Situation an diesem Ort mehr Aufmerksamkeit als andere verdient. Wer sind die Schlüsselpersonen? Die Identifizierung und Benennung von Schlüsselpersonen sind im Gesamtprozess von der Planung bis zur Durchführung notwendig, um eine erfolgreiche Initiierung und Umset- zung der kriminalpräventiven Maßnahmen zu gewährleisten. Zu Beginn sind die Finan- zierung und das Controlling zu thematisieren und Förderungsmöglichkeiten auszuloten. Im Weiteren stellen sich folgende Fragen: Wer ist für den Erfolg des Projekts wichtig? Wer ist für die Projektbetreuung und wer ist für die Projektsteuerung verantwortlich? Schlüsselpersonen gibt es nicht nur in der administrativen und operativen Umsetzung der Maßnahme, sondern auch bei den Zielgruppen und möglichen Kooperationspartnern. In großstädtischen Bahnhofsgebieten finden sich viele (Sicherheits-)Akteure vor Ort. Exemp- larisch sind Beamt*innen der Bundes- und Landespolizeien zu nennen: Während die Bun- despolizei für die Gefahrenabwehr in Bahnhöfen zuständig ist, liegt die Verantwortlichkeit für die Bahnhofsgebiete bei der Landespolizei, die dort oft zusätzlich Kontaktbereichsbe- amte8 einsetzt. Darüber hinaus bilden sich Interessengemeinschaften aus Anwohnenden und/oder Gewerbetreibenden in Vereinen oder Initiativen. Unterschiedliche soziale Ein- richtungen kümmern sich um die Belange sozial benachteiligter Bevölkerungsteile und insbesondere Gruppen mit dem Lebensmittelpunkt auf der Straße. Die Diversität der (Si- cherheits-)Akteure macht hier schon deutlich, dass es nicht leicht ist, alle Aktiven in Bahn- hofsgebieten zu erfassen. Insbesondere erscheint die Zusammenarbeit in Netzwerken schwierig, weil die Akteure und Initiativen vor Ort eine unterschiedliche Ausrichtung ha- ben und interschiedliche Ziele verfolgen. Der Einbezug möglichst vieler (Sicherheits-)Ak- teure trägt zu ganzheitlichen Lösungen lokaler Problemlagen bei und stellt eine nachhal- tige Kriminalprävention auf eine solide Basis. Informationsgewinnung Der Werkzeugkasten der Kriminalprävention enthält hilfreiche Methoden und Instru- mente, um zusätzliche Informationen zu gewinnen, Zielgruppen zu ermitteln und Kontakt aufzunehmen. Beispielsweise geben Lichtspaziergänge Hinweise darauf, an welchen Or- ten es zu dunkel und unbehaglich ist oder eine Analyse der Aufenthaltsqualität zeigt an, wo und warum sich die Menschen im öffentlichen Raum gern aufhalten.9 In Zukunftswerk- stätten können unterschiedliche Personenkreise zu ihren Vorstellungen und Wünschen befragt werden (u.v.m.). SOLL-Situation Was soll Kriminalprävention erreichen? Ein zentrales Anliegen der sozialräumlichen Kriminalprävention ist die Herstellung urba- ner Sicherheit, die sich als ein Aspekt der Lebensqualität kaum ohne Bezüge zur Attrak- tivität und Aufenthaltsqualität städtischer Quartiere denken lässt.10 Besonders wenn kri- minalpräventive Bemühungen in Aktivitäten zur Stabilisierung benachteiligter Stadt- quartiere eingebettet werden, ist der Themenkomplex Sicherheit und Ordnung Bestandteil eines umfassenden Aufwertungsansatzes, der neben der Verbesserung der Lebensbedin- gungen auch kriminalpräventive Wirkungen entfalten soll. So kommt der Beseitigung von städtebaulichen Angsträumen auch bei der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel eine besondere Bedeutung zu.11 Maßnahmen für eine sichere Stadt sollen die subjektive Wahr- nehmung von Unsicherheit reduzieren und das negative Image benachteiligter Stadtquar- 8 Je nach Bundesland andere Bezeichnungen: Bezirksbeamte, Bürgernahe Beamte, Bürgerpolizis- ten, Kontaktbeamte, Kontaktpolizisten, Polizeibeamte, Regionalbereichsbeamte, Revierpolizisten, Schutzfrau/Schutzmann vor Ort. 9 https://fussverkehr.ch/fileadmin/redaktion/publikationen/20150909_Dokumentation-Aufenthalts- qualitaet_2015.pdf 10 Schubert, Veil (2011). 11 Lukas, Hauprich (2021).Seite 11 von 295 EINFÜHRUNG 8 zurück zur Navigation tiere umkehren. Kriminalprävention im Bahnhofsviertel ist auf diese Weise Teil einer Auf- wertungsdynamik, an dessen Ende – idealerweise – ein lebenswertes und sicheres Umfeld steht. Ambivalenzen der Kriminalprävention Das Sicherheitshandeln in öffentlichen Räumen bleibt nicht ohne Nebenfolgen. Als indi- rekte, nicht-intendierte Handlungsfolge vermögen Sicherheitslösungen potenziell neue Si- cherheitsprobleme hervorzurufen.12 So können Personen oder Personengruppen allein dadurch, dass Sicherheit für bestimmte Räume oder Situationen hergestellt wird, ausge- schlossen oder diskriminiert werden.13 Auch im Rahmen der Forschungsarbeit im SiBa- Projekt wurde deutlich, dass Aufwertungsprozesse Wirkungen entfalten, welche die Auf- enthaltsqualität und den Grad der sozialen Kontrolle auf öffentlichen Plätzen, aber auch die soziale Struktur des Bahnhofsviertels beeinflussen. Diese Veränderungen können am- bivalente Folgen für die Sicherheit und Sicherheitswahrnehmung im Bahnhofsviertel ha- ben. Vielfältigere und für die Mehrheitsgesellschaft attraktivere Nutzungsmöglichkeiten von öffentlichen Plätzen können zu einer höheren Aufenthaltsqualität und stärkeren Nut- zung verbunden mit einer stärker ausgeübten Sozialkontrolle führen. Neben der von den Sicherheitsakteuren ausgehenden formellen Sozialkontrolle lässt sich das Sicherheitsemp- finden im öffentlichen Raum durch informelle Mechanismen der Sozialkontrolle steigern. Die soziale Belebung des öffentlichen Raums kann bewirken, dass öffentliche Plätze von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen genutzt werden, was Unsicherheitsgefühle reduzieren hilft. Vor dem Hintergrund einer grundsätzlich wünschenswerten Aufwertung innerstädtischer Quartiere ist eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität zwar prinzipiell plausibel, sie kann jedoch auch zu einer ‚sanften‘ Verdrängung von bestimmten Bevölke- rungsgruppen führen, deren Folgen nur schwer zu kalkulieren und noch schwerer zu steu- ern sind. Häufig von marginalisierten Gruppen genutzte Rückzugsräume können im Rah- men einer Neugestaltung und Re-Vitalisierung verschwinden. Schwierig abzuschätzen ist dabei, an welchen Orten sich die betroffenen Menschen in der Folge aufhalten werden. Unsicher ist auch, ob nicht neue Konflikte durch eine größere räumliche Enge und eine Konzentration an anderen Orten im Umfeld entstehen können. Die Herstellung krimina- litätsbezogener Sicherheit kann insofern sowohl Konflikte in anderen Teilen der Stadt ver- schärfen als auch zu Bedrohungen der sozialen Sicherheit derjenigen führen, deren Le- bensbedingungen ohnehin bereits durch einen erhöhten Grad sozialer Unsicherheit ge- kennzeichnet sind. Für die Kriminalprävention in diesen Räumen bedeutet das, dass die Entwicklungen im Bahnhofsviertel viele kleinteilige Folgen haben können, die im Rahmen einer erfolgreichen Präventions- und Sicherheitsarbeit berücksichtigt werden sollten. Die Kriminalprävention ist besonders in diesen durch hohe Diversität und unterschiedliche Nutzungsinteressen geprägten Räumen nicht frei von Ambivalenzen14, die bei der Konzeption von Kriminal- prävention in Bahnhofsgebieten zu berücksichtigen sind. Ziele setzen Der Situation in Bahnhofsvierteln liegen häufig komplexe Ursachen zugrunde, so dass eine auf die jeweilige Kommune zugeschnittene Strategie der Kriminalprävention vor Ort er- forderlich ist. So unterschiedlich die Rahmenbedingungen für Kriminalprävention sind, so unterschiedlich können auch die Lösungswege sein. Mit der Zielsetzung wird entschieden, auf welche ursächlichen Faktoren eingewirkt werden soll und welche Maßnahmen hierfür angebracht sind. Um die Stoßrichtung von Kriminalprävention zu verdeutlichen, sind kon- kret ausformulierte Ziele hilfreich. Je konkreter die Ziele, desto augenscheinlicher wird der Erfolg oder Misserfolg eines Projektes. Geht es dann an die Formulierung von Projektzielen, bietet sich die in der Praxis gängige Managementmethode SMART an. SMART liegen folgende Kriterien für eine Zieldefinition 12 Lukas (2017). 13 Ammicht Quinn et al. (2016). 14 Schnur (2015).Seite 12 von 295 EINFÜHRUNG 9 zurück zur Navigation zugrunde: S = spezifisch, M = messbar, A = angemessen, R = realistisch und T = terminier- bar (vgl. Abb 2).15 Zunächst sollen die Ziele möglichst spezifisch und punktgenau formuliert sein. Es soll deutlich werden, was mit der Maßnahme erreicht werden und wer daran beteiligt sein soll. Die Projektziele können sachlich und örtlich eingegrenzt werden: Um welches Verhalten oder welche Phänomene geht es und wo genau soll eine Veränderung erreicht werden? Auch wenn die Wirkung von Präventionsmaßnahmen selten in konkreten Zahlen vorgege- ben werden kann, sind zumindest Kriterien festlegbar, anhand derer der Erfolg einer Maß- nahme eingeschätzt werden kann (messbar). Dabei knüpft die Messbarkeit direkt an eine spezifische Zielsetzung an. Umso konkreter die Ziele definiert sind, desto besser lässt sich der Erfolg einer Maßnahme abschätzen. Bei intendierten Veränderungen stellen sich die beiden Fragen, wann eine Veränderung überhaupt nachweisbar wird und wer diese Ver- änderung bewertet. Daran anknüpfend ist die Angemessenheit der Zielsetzung und der Mittel zur Zielerrei- chung zu diskutieren. Im Bahnhofsviertel treffen sehr unterschiedliche Lebensweisen und Einstellungen aufeinander. Entsprechend variieren die Vorstellungen darüber, was Kri- minalprävention leisten soll. Angemessenheit bedeutet, möglichst konsensfähige Projekt- ziele anzustreben und auch Interessen von Menschen zu berücksichtigen, die ihre Meinung weniger wirkungsvoll vertreten können. Ziele müssen erreichbar (realistisch) sein. Bei der Konkretisierung von Zielen ist also eine realistische Einschätzung der zur Verfügung stehenden Personal-, Zeit- und Sachmit- tel wichtig. Das kann mitunter bedeuten, dass Problemlagen nur abgemildert statt beho- ben werden. Zu einer realistischen Einschätzung der Ziele gehört eine zeitliche Komponente (termi- nierbar). Nicht nur eine Maßnahme selbst hat eine begrenzte Laufzeit, sondern auch die Wirkung von Präventionsmaßnahmen ist unter Umständen beschränkt. Viele Herausfor- derungen lassen sich langfristig nicht mit einer kurzfristigen bzw. vorübergehenden Lö- sung bewältigen. Abbildung 2: SMART-Methode 15 Drucker (1977). Angelehnt an George T. Doran, zitiert nach Ries (2019).Seite 13 von 295 EINFÜHRUNG 10 zurück zur Navigation Im Blickpunkt Im Rahmen des SiBa-Projektes wurden sieben zentrale Themengebiete für die Kriminal- prävention im Bahnhofsviertel identifiziert: Sicherheitsempfinden, subjektiv uner- wünschte Verhaltensweisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Bahnhofs- viertel im Wandel sowie institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung. Aus den In- terviews und der Bevölkerungsbefragung ergibt sich, dass das Sicherheitsempfinden bei einem Teil der Befragten im Bahnhofsviertel geschwächt war. Dies begründeten die Inter- viewten eher mit den örtlichen Gegebenheiten (subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen/ Sauberkeit) als mit einer Opferwerdung von Kriminalität. Dennoch bietet das Bahnhofs- viertel eine besondere Opportunitätsstruktur für Kriminalität, die zu erhöhten Fallzahlen registrierter Straftaten (Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung), auch durch ge- zielte Kontrolltätigkeiten der Polizei (Betäubungsmitteldelikte), führen kann. Die Aufent- haltsqualität ist eng mit Kriminalität, dem Sicherheitsempfinden und Sauberkeit ver- knüpft. Denn wenn Menschen länger im öffentlichen Raum verweilen, kann dies mit einer Stärkung der informellen Sozialkontrolle und des Sicherheitsempfindens einhergehen. Präventionsarbeit im Bahnhofsviertel steht zudem im Zeichen des Wandels. In städtebau- licher Hinsicht prägen oft große Bauprojekte über Jahre hinweg das Bild des Bahnhofs- viertels und mit den gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen wandelt sich das so- ziale, kulturelle und gewerbliche Gefüge vor Ort. Diese Entwicklungen müssen die Ver- antwortlichen für die lokale Kriminalprävention berücksichtigen, wenn nicht gar aktiv mitgestalten. Schließlich dürfen die hier vorgestellten, einzelnen Präventionsmaßnahmen nicht losgelöst voneinander betrachtet werden: Sie können aufeinander aufbauen und in- einander übergehen. Kriminalprävention setzt daher die Koordination und Kooperation verschiedener Beteiligter voraus, die unter institutionelle Verankerung und Bürgerbetei- ligung fallen. Die einzelnen Themengebiete der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel stellt die Praxis vor unterschiedliche Anforderungen, die im Folgenden kurz umrissen wer- den. Sicherheitsempfinden Subjektive und objektive Sicherheit Objektive und subjektive Sicherheit unterscheiden sich auch durch das Kriterium der Messbarkeit.16 Während objektive Sicherheit kalkulierbar ist, ist das Sicherheitsempfin- den nur eingeschränkt messbar. Dies liegt u.a. an der Diversität der Menschen mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Mentalitäten. Im Bahnhofsviertel treffen beson- ders viele und heterogene Menschen aufeinander, so dass die Einschätzungen über die dortige Sicherheitslage in den Interviews erheblich auseinandergehen: So zieht einige Menschen der Trubel und die Vielfalt im Bahnhofsviertel an, andere fühlen sich hingegen beklommen, wenn sie mit Bettelnden und der Trinkerszene konfrontiert werden. Insbe- sondere Auswärtige sind mit den dortigen Verhältnissen nicht vertraut und achten mehr auf Ordnungsstörungen (z.B. Müll), die für Beunruhigung sorgen können. Im Unterschied zu herkömmlichen Wohngebieten gelten Bahnhofsgebiete häufig als Krimina- litätsschwerpunkte, so dass die ge- fühlte Unsicherheit nachvollziehbar ist. Dennoch stimmen dort (Un-)Si- cherheitsgefühle und objektive Si- cherheitslage nicht unbedingt über- ein. Für die Entwicklung eines kriminal- präventiven Konzeptes ist es wichtig, Übereinstimmungen und Abwei- chungen zwischen objektiver Sicher- 16 Haverkamp, Arnold (2015, 341 f.). Abbildung 3: SicherheitsquadratSeite 14 von 295 EINFÜHRUNG 11 zurück zur Navigation heitslage und subjektiver Sicherheitsbefindlichkeit zu identifizieren. Dies ermöglicht das Sicherheitsquadrat (s. Abb. 3) auch mit Blick auf denkbare Präventionsmaßnahmen. Wäh- rend sich in den blauen Quadranten objektive Sicherheit und subjektive Sicherheit decken, ist dies nicht der Fall bei den grauen Quadranten, was Probleme bei der Herstellung von Sicherheit aufwirft. So können sich Menschen sicher fühlen, obwohl die tatsächliche Lage nicht sicher ist, oder es ist objektiv sicher, aber die Menschen fühlen sich unsicher. Be- kanntlich löst die Videoüberwachung unterschiedliche Reaktionen aus, noch dazu ist ihre kriminalpräventive Wirkung begrenzt. Einige fühlen sich beispielsweise vor Gewalt sicher; dabei verhindert die Videoüberwachung die oft spontan begangenen Gewalttaten gerade nicht, sondern erleichtert nur deren Aufklärung. Hier ist der graue Quadrant des Sicher- heitsquadrats betroffen: subjektiv vermeintlich sicher, aber objektiv unsicher. Es lässt sich somit festhalten: Je nachdem, ob die objektive Sicherheitssituation und/oder das subjek- tive Empfinden geschwächt sind/ist, kann kommunale Kriminalprävention nur dort sinn- voll anknüpfen. Was bedeutet es, sich unsicher zu fühlen? Unsicherheitsgefühle berühren sowohl die gesellschaftliche als auch die individuelle Ebene. Auf gesellschaftlicher Ebene können steigende Kriminalitätsraten Besorgnis her- vorrufen und auf individueller Ebene beispielsweise Berichte über Wohnungseinbrüche in der Nachbarschaft.17 In der vertrauten Umgebung fühlen sich die Menschen sicherer als in fremden Gegenden, wie es das Bahnhofsviertel für viele oftmals ist. Dementsprechend wägen Menschen in verschiedenen Situationen die Wahrscheinlichkeit einer Opferwer- dung unterschiedlich ab: So achten Tourist*innen an ihnen unbekannten Orten mehr auf ihre Habseligkeiten als in ihrer Wohnumgebung. Die erhöhte Wachsamkeit ist zudem Aus- druck eines Schutzverhaltens. Außerdem trauen sich einige Personen aus Furcht vor Über- griffen bei Dunkelheit nicht ins Bahnhofsviertel.18 Was sind die Ursachen von Unsicherheit? Gefühlte Unsicherheit hängt von vielen individuellen und gesellschaftlichen Faktoren ab. In Umfragen hat sich wiederholt gezeigt, dass Frauen und ältere Menschen stärker zu Unsicherheit neigen bzw. Unsicherheit eher äußern. Paradoxerweise werden diese Perso- nengruppen in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) weniger häufig als Opfer regis- triert (sog. „Kriminalitätsfurchtparadoxon“). Daher wird der Grund für ihre Furcht eher in den Eigenschaften gesucht, die diese Personengruppen gemein haben, wie ihrer emp- fundenen körperlichen Unterlegenheit, sich gegen einen körperlichen Angriff zur Wehr setzen zu können. Auch ist das Sicherheitsempfinden bei Menschen mit sozialen Abstiegs- ängsten tendenziell schwächer, da Kriminalitätsfurcht eine Projektionsfläche für schwer fassbare soziale Ängste (Armut, Krankheit, Überforderung) sein kann.19 Ebenso steht Un- sicherheit in Zusammenhang mit dem Bildungsstand. Allgemein gilt: Je höher die Bildung ist, desto mehr Quellen benutzen Individuen, um sich Kenntnisse über die Sicherheit in ihrem Umfeld und auf gesellschaftlicher Ebene zu verschaffen.20 Dies trifft auch auf die Nutzung der (sozialen) Medien zu: Bewegt sich eine Person ausschließlich in ihrer Echokammer21 oder interessiert sie sich für eine differenzierte und neutrale Berichterstat- tung? Trotzdem entsteht auch in seriösen Medien ein verzerrtes Bild von der Realität, weil seltene Vorfälle (z.B. Mord und Totschlag) überrepräsentiert sind.22 Bahnhofsviertel er- halten oft ungute mediale Aufmerksamkeit, was den Eindruck von einem sozialen und Kriminalitätsbrennpunkt verfestigt. 17 Zur Unterscheidung von sozialen und personellen Kriminalitätseinstellungen vgl. Boers (1991). 18 Daher wird zwischen einer kognitiven, einer affektiven und einer konativen Komponente von Kri- minalitätsfurcht unterschieden. 19 Boers (1991, 288). 20 Baier et al. (2011, 9). 21 Menschen tauschen sich zunehmend nur noch unter ihresgleichen in geschützten Räumen (z.B. Facebook) aus. 22 Haverkamp, Arnold (2015, 355).Seite 15 von 295 EINFÜHRUNG 12 zurück zur Navigation Warum ist das Sicherheitsempfinden wichtig? Gefühlte Unsicherheit kann sich negativ auf das individuelle Wohlbefinden und das ge- sellschaftliche Klima auswirken. Auch das Sozialverhalten kann beeinträchtigt sein, wenn Individuen Bahnhofsviertel meiden oder diese nur noch mit Schutzvorrichtungen (z.B. Mitsichführen eines Pfeffersprays) betreten. Hieraus lässt sich überdies ein gewisses Miss- trauen gegenüber staatlichen Institutionen und in die Durchsetzungskraft des staatlichen Gewaltmonopols durch die Polizei ableiten.23 In Bahnhofsvierteln häufen sich soziale Prob- lemlagen, städtische Unordnung durch Müll und andere Verunreinigungen sowie Krimi- nalität. Die vermehrt wahrgenommene Unsicherheit in Bahnhofsgebieten zeigt, dass dort gesellschaftliche Probleme und prekäre Lebensbedingungen besonders sichtbar sind. Im Mikrokosmos Bahnhofsviertel sammeln sich also unterschiedliche Problemlagen (z.B. Ar- mut, fehlende soziale Teilhabe und Integration von Minderheiten), die durch ein Präven- tionskonzept für ein sicheres Bahnhofsviertel nicht behoben werden können, sondern flan- kierender kriminal- und sozialpolitischer Anstrengungen auf Länder- und Bundesebene bedürfen.24 Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen und Sauberkeit Was haben Ordnung und Sauberkeit mit Kriminalprävention zu tun? In der Kriminologie werden Ordnung und Sauberkeit prominent seit den 1980er Jahren mit Sicherheit in Verbindung gebracht. Der in der Praxis beliebte Broken Windows An- satz25 beschreibt eine Abwärtsspirale: Wenn einfache Regeln des Zusammenlebens – zum Beispiel seinen Müll zu entsorgen – nicht funktionieren, scheint niemand Verantwortung für seine Umgebung zu übernehmen.26 Diese ange- nommene Regellosigkeit kann Verunsicherung auslösen und zur Meidung des öffentlichen Raums führen, so dass die soziale Kontrolle schwindet27 und Straftaten und Ordnungswidrigkeiten weiter zunehmen.28 Dieser Zusammenhang ist in der kriminologischen Diskussion umstritten.29 Dennoch stehen in der kommunalen Kriminalprävention häufig furcht- auslösende Faktoren bei der Gestaltung öffentli- cher Plätze im Fokus, zu denen Unübersichtlich- keit, schlechte Beleuchtung oder Verschmutzun- gen gehören und die besonders in Bahnhofsvierteln eine Rolle spielen. Dies spiegelt sich in den Antwor- ten der Bevölkerungsbefragung wider, nach denen eine bessere Beleuchtung neben Polizeistreifen obenan steht.30 Was bedeutet unerwünscht? Große individuelle Unterschiede existieren darüber, welche Verhaltensweisen oder Perso- nengruppen im öffentlichen Raum als störend empfunden werden. Angesichts der Menge und Vielfalt der sich begegnenden Menschen unterscheiden sich die Vorstellungen und Meinungen über das gesellschaftliche Zusammenleben und die individuelle Lebensfüh- rung beträchtlich. Der öffentliche Raum mutet jedem Menschen unerwünschte Begegnun- gen und Konfliktsituationen zu und verlangt den Menschen die Fähigkeit ab, mit diesen 23 Hirtenlehner, Hummelsheim (2015, 459). 24 Hirtenlehner, Hummelsheim (2015, 463). 25 Wilson, Kelling (1982). 26 Lüdemann (2006, 288). 27 Noack (2015, 183). 28 https://www.rug.nl/staff/e.m.steg/keizerlindenbergstegdisorder.pdf 29 Keuschnigg, Wolbring (2015); O’Brien, Farrell, Welsh (2019). 30 Quelle: Daten der schriftlich-postalischen Bewohnendenbefragung im Forschungsprojekt SiBa.Seite 16 von 295 EINFÜHRUNG 13 zurück zur Navigation Phänomenen umzugehen (Ambiguitätstoleranz). Dies fällt ängstlichen Menschen schwe- rer, da sie sensibler auf Störungen im öffentlichen Raum reagieren und mehr Situationen als bedrohlich wahrnehmen.31 Bestenfalls hilft Kriminalprävention, klare und konsensfä- hige Grenzen des Tolerierbaren und ganzheitliche Lösungen für möglichst alle Menschen in Bahnhofsvierteln zu finden. Welches Verhalten von wem ist unerwünscht? Orte, an denen Müll herumliegt und es nach Urin stinkt, laden nicht zum Verweilen ein. Die beeinträchtigte Aufenthaltsqualität ist für viele ein Ärgernis und kann zusätzlich ver- unsichern. In Bahnhofsvierteln werden die genannten Phänomene häufig marginalisierten Menschen zugeschrieben, für die es zum Verweilen an diesen Orten kaum eine Alternative gibt. Allerdings gibt es auch viele andere Menschen, die ihren Müll achtlos auf die Straße werfen, und vor allem Männer, die sich öffentlich erleichtern. Das Aufstellen von kosten- losen und regelmäßig gereinigten Toiletten sowie weiteren Mülleimern mit zusätzlichen Leerungen kann Abhilfe schaffen. Allerdings stören sich einige Menschen schon am An- blick marginalisierter Menschen, die verwahrlost und/ oder alkoholisiert wirken oder sonst sozial auffällig erscheinen. Dies führt immer wieder zu der Forderung, dass beispielsweise Obdachlose oder Suchtkranke aus dem Stadtbild verschwinden sollen, um das Sicherheits- empfinden und die Aufenthaltsqualität anderer Menschen zu stärken. Aus den Gesprä- chen mit Praktiker*innen geht allerdings deutlich hervor: Gerade aus dem Bahnhofsvier- tel sind Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht wegzudenken und gehören ebenso dazu. Kriminalprävention richtet sich also bestenfalls ausschließlich gegen be- stimmte Verhaltensweisen. Niemand ist (per se) unerwünscht. Kriminalität Städtische Gebiete rund um Hauptbahnhöfe gelten als Krimi- nalitätsschwerpunkte. Sie erfüllen eine Zentrumsfunktion, in- dem sie eine räumlich konzentrierte Infrastruktur für Mobili- tät, den Erwerb von Lebensmitteln oder auch Freizeitvergnü- gungen anbieten. Die vorherrschende Anonymität und man- gelnde informelle Sozialkontrolle lassen mehr Tatgelegenhei- ten zur Begehung von Straftaten zu als andere Stadtviertel. Kriminalität ist nicht zufällig in Raum und Zeit verteilt. Die gute Erreichbarkeit und der leichte Zugang machen das Bahnhofsviertel zum idealen Tatort: “[e]asy entrance and exit”32 Potenzielle Täter*innen gelangen schnell und ungehin- dert hinein und können nach der Tat in der Menge schnell untertauchen. Die im Bahn- hofsviertel aktiven Ordnungsinstanzen (Deutsche Bahn, Bundespolizei, örtliche Polizei, kommunale Ordnungsdienste und/oder private Sicherheitsdienste) können nicht zu jeder Zeit an jedem Ort sein. Infolge der Anonymität und hohen Fluktuation in Bahnhofsvierteln bemerken viele Passanten Straftaten gar nicht oder sie machen nichts. Einigen ist die Um- gebung fremd, andere wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen; es fehlt an einer Verant- wortungsübernahme in Gegenwart vieler Menschen33, was die Entstehung eines effektiven kollektiven Schutzes verhindert.34 Sozialkontrolle stärken, formell wie informell. Formelle und informelle Kontrolle vermindern das Aufkommen von Kriminalität und Ord- nungsstörungen. Auf der einen Seite erfolgt eine Stärkung von Sicherheits- und Ordnungs- behörden (durch Ressourcen, Vernetzung, Kooperationen) und auf der anderen Seite geht es darum, die Motivation zu gesetzeskonformen Verhalten zu erhöhen. Letztere lässt sich 31 Häfele (2013, 54 f.). 32 Piza, Kennedy (2003, 4). 33 Verantwortungsdiffusion, vgl. Bierhoff (1982, 292). 34 Ceccato, Uittenbogaard (2014).Seite 17 von 295 EINFÜHRUNG 14 zurück zur Navigation durch die Gestaltung öffentlicher Plätze beeinflussen, indem sozial abweichende Verhal- tensweise mehr auffallen. Dies geschieht anhand von Maßnahmen, die die Übersichtlich- keit und Einsehbarkeit (z.B. Grünschnitt) verbessern, aber auch die soziale Durchmi- schung und Verantwortungsübernahme für den öffentlichen Raum fördern. Die Ausübung informeller Sozialkontrolle funktioniert vor allem in stabilen und lang andauernden Nach- barschaften. Hingegen fällt sie schwächer aus, wenn die Fluktuation hoch ist, die Bewoh- nenden in eher prekären Lebensverhältnissen leben und keine gemeinsamen Normen und Werte teilen.35 Wenn es gelingt, einen Raum der Begegnung zu schaffen, stärkt dies nicht nur Kontakte und Beziehungen zwischen Anwohnenden, sondern fördert auch ihre Fähig- keit zum gemeinsamen Engagement für die Lösung lokaler Problemlagen und Verantwor- tungsübernahme.36 Aufenthaltsqualität Welche Bedeutung hat der öffentliche Raum? In den vergangenen Jahrzehnten wurde der öffentliche Raum vielfach nur in seiner Ver- kehrsfunktion als Transitort wahrgenommen.37 Mittlerweile hat ein Umdenken durch die stetige Verknappung des öffentlichen Raums eingesetzt. Dies liegt u.a. an der Nachver- dichtung und Überbauung einhergehend mit mehr Parkzonen für Kraftfahrzeuge auf- grund eines größeren Wohnflächenbedarfs und Bevölkerungswachstums. Immer mehr Menschen bewegen sich im öffentlichen Raum, so dass mehr Nutzungskonflikte und Kon- kurrenz um öffentliche Flächen entstehen. Innenstadtbereiche erfahren eine Kommerzia- lisierung von ehemals öffentlichen Freiflächen, die nur noch der zahlenden Kundschaft zur Verfügung stehen. Die kommerzielle Nutzung schließt insbesondere weniger kaufkräftige Teile der Stadtbevölkerung aus und verhindert eine soziale Durch- mischung. Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien über die kommerzielle Nutzung hinaus sind allerdings für alle nötig, da öffentliche Räume das „pulsierende Herz“ einer städtischen Gesellschaft sind, was auch das nebenstehende Zitat verdeutlicht.38 Welche Anforderungen gibt es an den öffentlichen Raum? Die Anforderungen an den öffentlichen Raum sind vielfältig: Kinder und Jugendliche kom- men ihrem Bewegungsdrang nach und möchten ungestört von Erwachsenen ihre Freunde treffen, (ältere) Menschen möchten spazieren gehen, verweilen und sich unterhalten. Ebenso vielfältig sind die Facetten von Aufenthaltsqualität: positive Sinneseindrücke (Farben, Begrünung), Schutz vor negativen Einflüssen (Regen, Wind, Schmutz, Lärm), gute Anbindung, Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und subjektive Sicherheit.39 Der öf- fentliche Raum steht allen im Rahmen der geltenden Regelungen offen, was unweigerlich zu Nutzungskonflikten zwischen unterschiedlichen Personen und Personengruppen führt. Im Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Interessen kommt der Gewährleistung von Si- cherheit eine große Bedeutung zu und ist ein wichtiger Baustein der Kriminalprävention in geschäftigen Bahnhofsvierteln mit wenig öffentlichem Raum für ein breites Publikum. 35 Collective efficacy, vgl. Sampson, Raudenbush, Earls (1997). 36 Hecker, Starcke (2017, 225). 37 Vgl. Ideal der autogerechten Stadt in den 1950er Jahren (Bernhardt 2017). 38 Zitat Betz im Interview mit HESS: https://www.hess.eu/de/news/experten-interviews/urbane-oeffentliche-raeume 39 Für einen Überblick der Qualitätsmerkmale des öffentlichen Raumes vgl. das Stadtentwicklungs- konzept der Stadt Wien, S. 40: https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008522.pdf „Öffentliche Räume sind das Kommunika- tionszentrum der Gesellschaft. Dort findet Gesellschaft statt. Sie symbolisieren das Verständnis der Städte (…), auch wie man mit der Gesellschaft umgeht.“ (Wolfgang Betz von WES LandschaftsArchitektur)Seite 18 von 295 EINFÜHRUNG 15 zurück zur Navigation Was hat Aufenthaltsqualität mit Kriminalprävention zu tun? Belebung, Durchmischung und Verantwortung für den öffentlichen Raum sind Schlüssel- begriffe, die die Aufenthaltsqualität mit subjektiver Sicherheit, subjektiv unerwünschten Verhaltensweisen und Kriminalität verbinden. Wenn sich Menschen gern im Bahnhofs- viertel aufhalten, fühlen sie sich sicherer. Bahnhofsviertel im Wandel Wie äußert sich der Wandel des Bahnhofsviertels? Die Bahnhofsviertel deutscher Großstädte verändern ihr Gesicht. Wo einst wenig einla- dende Brachflächen das Umfeld der Bahnhöfe prägten, entstehen nunmehr neue Wohn- viertel und Geschäftszentren. Vielerorts geraten die vormals vernachlässigten Bahnhofs- viertel „aus dem Dornröschenschlaf in den Fokus der Stadtentwicklung“40. Unter der wachsenden Anziehungskraft der Städte geraten insbesondere die innerstädtischen Quar- tiere unter einen zunehmenden Aufwertungsdruck, der Prozesse der Gentrifizierung an- stoßen kann. Gentrifizierung beschreibt einen Prozess, „in dessen Verlauf Haushalte mit höheren Einkommen Haushalte mit geringeren Einkommen aus einem Wohnviertel ver- drängen und dabei den grundsätzlichen Charakter und das Flair der Nachbarschaft ver- ändern“.41 Benachteiligte Stadtgebiete wie Bahnhofsviertel können diesen Prozessen be- sonders stark unterworfen sein, wenn sie unter ‚Aufwertungsdruck‘ geraten, denn hier sind in der Regel große Gewinne im Mietbereich zu erwarten, und es besteht die Gefahr, dass sich insbesondere die sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen entsprechende Mietsteigerungen nicht leisten können.42 Haben Aufwertungsprozesse Einfluss auf die Sicherheit im Bahnhofsviertel? Aufwertungsprozesse bedrohen so nicht nur die soziale Sicherheit der Menschen mit dem Lebensmittelpunkt auf der Straße, sondern auch die der Bestandsbewohner im Bahnhofs- viertel. Der beschleunigte soziale Wandel des Bahnhofsviertels erzeugt auf diese Weise Verdrängungsdruck nicht nur auf Seiten der marginalisierten Gruppen, die aufgrund ihrer prekären Lebensumstände auf das Umfeld des Hauptbahnhofs als Kommunikations- und Schutzraum angewiesen sind, sondern auch für die Bestandsbevölkerung, die fürchtet, sich die eigene Wohnung zukünftig nicht mehr leisten zu können.43 Welche Folgen können Aufwertungsprozesse für das Bahnhofsviertel haben? Prozesse der Aufwertung können sich darüber hinaus auch auf den Bestand und die An- siedlung von sozialen und kulturellen Einrichtungen auswirken, die häufig nur über ein begrenztes finanzielles Budget verfügen. Verdrängungsdruck erfasst eben nicht nur die marginalisierten Gruppen und Bestandbewohnenden, sondern auch die Angebotsstruktu- ren, die den besonderen Charakter des Bahnhofsumfelds häufig erst ausmachen. Neben anderen Bereichen im Stadtgebiet ist es notwendig, dass soziale Hilfeeinrichtungen auch in Bahnhofsnähe vertreten und abgesichert sind, um die dortigen sozialen Problemlagen zu bewältigen. Auch können kulturelle Einrichtungen, die einen zentralen Beitrag zur Be- lebung und kulturellen Vielfalt des Viertels leisten, durch Aufwertungsprozesse verdrängt werden. Auf diese Weise kann die Re-Vitalisierung sozial benachteiligter Quartiere zu ei- nem Wegbereiter der Gentrifizierung werden.44 Institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung Grundlage kommunaler Kriminalprävention ist die Zusammenarbeit und Vernetzung der beteiligten Akteure auf lokaler Ebene: städtische Politik und Verwaltung, engagierte Teile der Stadtbevölkerung, Investoren, Gewerbetreibende, öffentlicher Personennahverkehr, 40 Reichle (2018, 290). 41 Holm (2014, 103). 42 BBSR (2019). 43 Üblacker, Lukas (2018). 44 Bridge, Butler, Lees (2012).Seite 19 von 295 EINFÜHRUNG 16 zurück zur Navigation soziale Einrichtungen, Stadtmarketing, Stadtplanung und Wohnungswirtschaft u.v.m. In- stitutionelle Verankerung erleichtert die Umsetzung von Präventionsprojekten, indem be- stehende Kräfte gebündelt werden. Bürgerbeteiligung kann mehr Akzeptanz für Verände- rungen im Bahnhofsviertel schaffen. Was bedeutet institutionelle Verankerung? Die institutionelle Verankerung der Präventionsarbeit ist in den Kommunen sehr unter- schiedlich geregelt und an die individuellen Bedürfnisse und Strukturen angepasst. Ent- scheidendes Element der institutionellen Verankerung ist die Definition von klaren Rol- len, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten. Idealerweise existiert eine zentrale Organi- sationseinheit, wo alle Fäden zusammenlaufen, um den Überblick über die teils vielfältige und wandelbare Präventionslandschaft zu behalten. Eine zentrale Stelle mit ausreichend Ressourcen hat es leichter, mit den unterschiedlichen Akteuren der Kriminalprävention in Kontakt zu treten und extensive Netzwerke zu pflegen. Eine solche Organisationsein- heit kann frühzeitig Probleme und Herausforderungen erkennen und Lösungsansätze so- wie Handlungsempfehlungen entwickeln. Warum Bürgerbeteiligung? Eine Brücke zur Anwohnerschaft ist für eine lokal verankerte Präventionsarbeit zentral, denn die Bürgerinnen und Bürger haben einen besonderen Zugang zu den örtlichen Bege- benheiten, dort ist ihr Lebensmittelpunkt und sie kennen sich aus. In den vielfältigen Bahnhofsvierteln ist die Beteiligung eines breiteren Adressatenkreises (z.B. Feiernde, Ge- werbetreibende, Immobilieneigentümer, Pendelnde, Marginalisierte) erwägenswert. Denn sie alle haben Sicherheitsansprüche und können im öffentlichen Raum Einfluss auf die Sicherheit und das Sicherheitsempfinden nehmen. Ihre Einbeziehung vor Ort kann Prä- ventionsmaßnahmen zu einer stärkeren Akzeptanz verhelfen. Mitsprache bei lokalen Ent- wicklungen stärkt zudem die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt und ihrem Quartier. Wie können Bürgerinnen und Bürger eingebunden werden? Kommunale Kriminalprävention erfordert detaillierte und aktuelle Kenntnisse über die Situation, Probleme und Sorgen der unterschiedlichen Menschen im Bahnhofsviertel. Be- teiligende Verfahren können ein Meinungsbild einholen, Diskussionen anregen, den Be- darf abfragen (Was brauchen wir? Wozu brauchen wir das? Wie viel brauchen wir davon? Wo wäre der optimale Platz dafür?45) oder als Ideenwettbewerb gestaltet werden. In die- sem Rahmen bietet eine offene Anlaufstelle einerseits Zugang zu vielfältigen Informatio- nen und andererseits bekommen Menschen eine Ansprechperson für ihre Probleme und Beschwerden. Viele Menschen ärgern sich beispielsweise über Baustellen, insbesondere verursachen sie im Bahnhofsviertel noch mehr Stress: durch Umwege, die Lautstärke, die Unübersichtlichkeit und mehr Gedränge durch die verengte Wegführung. Um Akzeptanz für solche Bautätigkeiten herzustellen, ist ein offener Dialog über deren Notwendigkeit und Dauer der Beeinträchtigung erforderlich. Ein (interaktives) Abstimmungssystem kann die Betroffenen einbeziehen und mit offenen Fragen zu Verbesserungsmöglichkeiten Vorschläge einholen. Wer kann im Bahnhofsviertel beteiligt werden? Im Bahnhofsviertel steht die Bürgerbeteiligung vor besonderen Herausforderungen. Auf der einen Seite halten sich sehr viele Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen und Bedürfnissen im Bahnhofsviertel auf (z.B. Feiernde, Gewerbetreibende, Immobilieneigen- tümer*innen, Marginalisierte, Pendelnde), auf der anderen Seite lassen sich viele dieser Gruppen schwer für eine Beteiligung gewinnen. Teilweise fehlt es an einer (engagierten) Wohnbevölkerung, da die Wohn- oder Aufenthaltsdauer im Bahnhofsviertel häufig eher kurz ist. Auch sind lokale Interessenvertretungen, Vereine oder Verbände nicht vorhanden oder vom Engagement einzelner Persönlichkeiten abhängig. Darüber hinaus sind die in den Gemeindeordnungen vorgesehenen Beteiligungsformen nicht bekannt oder es fehlt schlichtweg das Interesse und die Zeit, sich zu engagieren. Oft sind daher differenzierte, 45 Stadtentwicklung Wien, S. 22.Seite 20 von 295 EINFÜHRUNG 17 zurück zur Navigation zielgruppenspezifische Verfahren nötig, um unterschiedliche Perspektiven und Bedürf- nisse zu erreichen (z.B. aufsuchende Befragungen von Bettelnden, Feiernden oder Tou- rist*innen).46 Diese Verfahren sind aufwendig: Deshalb setzt erfolgreiche Partizipation ne- ben dem Engagement der Zivilgesellschaft auch ein andauerndes und ehrliches Commit- ment aus Politik und Verwaltung voraus.47 Auf dem Prüfstand Eine jede Maßnahme schließt eine kritische Reflexion ihrer Wirkung ein.48 Denn sonst wissen wir nicht, ob die Maßnahme überhaupt (oder nur punktuell) wirksam war und ob eine Verlagerung der Problematik im Bahnhofsviertel in ein angrenzendes Stadtviertel stattgefunden hat. Umso präziser die angestrebten Ziele einer Maßnahme sind, desto leichter fällt eine Bewertung des Erfolgs im Projektverlauf oder nach Projektabschluss. Die Evaluation von Präventionsmaßnahmen ist angesichts der Vielzahl möglicher Ein- flussfaktoren auf städtische Phänomene und der unterschiedlichen Zielvorstellungen bei der Umsetzung nicht einfach. Dennoch bleibt nur die wissenschaftliche Begleitung einer Maßnahme, um ihre Wirkungsweise zu verstehen.49 Als Gütekriterium für wirksame Prä- ventionsmaßnahmen hat sich daher der Begriff der evidenzbasierten Kriminalprävention durchgesetzt. Evidenzbasierte Maßnahmen basieren auf Erkenntnissen der empirischen Forschung und werden nach dem besten verfügbaren Wissen implementiert.50 Bei der Kon- zeption und Umsetzung evidenzbasierter Kriminalprävention stellen sich üblicherweise die folgenden Fragen: Präventionsarbeit gleicht mitunter einer Sisyphusarbeit. Im Unterschied dazu wird nicht nur ein Steinbrocken immer wieder einen Berg hochgerollt, sondern es werden situations- bedingt viele unterschiedliche und neue Steine bewegt. Zum einen ist die Beilegung vieler Konflikte oder Probleme längerfristig angelegt und zum anderen befinden sich Bahnhofs- gebiete im steten Wandel. Plakativ lässt sich sagen: >> nach dem Präventionsprojekt ist vor dem Präventionsprojekt<<. Darüber hinaus wirken viele Präventionsprojekte lediglich auf die Symptome ein, können aber nicht die Ursachen unerwünschter Phänomene behe- ben. Dies liegt u.a. an zu kurzfristigen Maßnahmen, zu geringen personellen und finanzi- ellen Ressourcen, politischen Wechseln auf Kommunalebene und Problematiken, die nur mithilfe des Bundes und/oder des Landes bewältigt werden können. Um bestehende und zukünftige kriminalpräventive Projekte sinnvoll aufeinander abzu- stimmen, bietet sich eine übergeordnete und langfristig ausgelegte Präventionsstrategie an. Aus einem solchen Konzept gehen die städtischen Prioritäten hervor, versehen mit Erläuterungen zu spezifischen und neuralgischen Themen und Schwerpunkten. Die kon- sequente Evaluation einzelner Maßnahmen hilft bei der Entscheidung, welche Maßnah- men in eine städtische Präventionsstrategie eingebunden werden sollten. 46 Zentrum Öffentlicher Raum, S. 20. 47 Zentrum Öffentlicher Raum, S. 28. 48 Lektürehinweis Handbuch Evaluation des Umweltbundesamtes: https://www.umweltbundes- amt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/evaluation_zaehlt_ein_anwendungshand- buch_fuer_die_kommunale_verkehrsplanung.pdf 49 Haverkamp, Heesen (2014). 50 Armborst (2018, 7 ff). Evidenzbasierte Kriminalprävention: Gibt es bereits einschlägige Erkenntnisse aus der kriminologi- schen Grundlagenforschung zu Risiken und Schutzfaktoren? Wie kann dieses Wissen ausgenutzt werden, um eine Präven- tionsmaßnahme zu konzipieren? Wie wirkt sich die konzipierte Maßnahme in der Praxis aus? Wie können bestehende Maßnahmen weiterentwickelt wer- den?Seite 21 von 295 EINFÜHRUNG 18 zurück zur Navigation Der Blick wird geweitet für die Perspektiven einer Stadt und des öffentlichen Raumes. Wie möchten die Menschen in der Stadt zusammenleben, welche Themen beschäftigen sie und welche langfristigen Veränderungen stehen bevor? Dies geschieht in vielen Städten im ständigen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern. Tabelle 1 enthält eine Auswahl städ- tischer Konzepte zur Inspiration: Tabelle 1: Stadtentwicklungs- und Präventionskonzepte Augsburg https://kriminalpraevention-augsburg.de Basel https://www.entwicklung.bs.ch/grundlagen/stadtleben/sicherheit-oeffentlicher- raum.html Düsseldorf https://www.duesseldorf.de/stadtplanungsamt/stadtentwicklung/raumwerkd.html Dortmund https://www.dortmund.de/media/p/masterplan_kommunale_sicherheit/Master- plan_Kommunale_Sicherheit.pdf Hamburg https://www.hamburg.de/konzepte-strategien/ Hannover https://www.hannover.de/Media/01-DATA-Neu/Downloads/Landeshauptstadt-Hanno- ver/Politik/Bürgerbeteiligung/Mein-Hannover-2030/Stadtentwicklungskonzept-"Mein- Hannover-2030" Heilbronn https://www.heilbronn.de/no_cache/rathaus/buergerservice-a-z/inhalt/kommunale- kriminalpraevention.html Leipzig https://www.leipzig.de/bauen-und-wohnen/stadtentwicklung/stadtentwicklungskon- zept-insek/die-fachkonzepte-des-stadtentwicklungskonzepts-insek-2030/ Lübeck https://www.luebeck.de/de/stadtentwicklung/stadtplanung/integriertes-stadtentwick- lungskonzept.html München https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und- Bauordnung/Stadtentwicklung/EntwicklungsFlaechennutzungsplanung/ Innenstadtkon- zept.html Norderstedt https://www.norderstedt.de/Wirtschaft-und-Entwicklung/Stadtplanung-und- Bauen/Gesamtstädtische-Konzepte Stuttgart https://www.stuttgart.de/leben/sicherheit/kriminalpraevention.php Wien https://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/pdf/b008522.pdfSeite 22 von 295 EINFÜHRUNG 19 zurück zur Navigation DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE Implementation Vor der Implementation einer kriminalpräventiven Maßnahme stehen vielfältige Überlegungen über ihren Sinn, Nutzen und Einsatzort an. Aufbauend auf einer um- fassenden Problemanalyse werden möglichst spezifische, messbare, angemessene, re- alistische und terminierte Ziele formuliert, bevor eine kriminalpräventive Maßnahme zur Erreichung dieser Ziele gewählt wird. Eine Analyse der Ist-Situation ist einer Ana- lyse der Soll-Situation voranzustellen. Falls noch kein Kooperationsnetzwerk für das Bahnhofsviertel besteht, empfiehlt es sich ein solches aufzubauen. Die Verantwortli- chen und Beteiligten aus unterschiedlichen Interessengruppen müssen sich dann weitgehend einig darüber sein, an welchen Orten im Bahnhofsviertel etwas zu verän- dern ist und welche Maßnahmen für welche Zielgruppen in Betracht kommen. Die rechtlichen, baulichen und sozialen Hintergründe finden Berücksichtigung, um den Rahmen für die denkbaren, im Idealfall evidenzbasierten Präventionsmaßnahmen ab- zustecken. Für die erfolgreiche Implementation der ausgewählten kriminalpräven- tiven Maßnahmen sind Schlüsselpersonen zu identifizieren und zu benennen. Krimi- nalprävention geschieht dabei im Bewusstsein, dass die gewünschten Effekte (nicht oder teilweise) eintreten und zugleich nicht intendierte Nebenfolgen auftreten kön- nen. Schon allein deswegen ist eine Evaluierung der kriminalpräventiven Maßnah- men anzuraten. Die 7 Themen des Werkzeugkastens Als wichtigste Themengebiete der Kriminalprävention im Bahnhofsviertel haben sich im SiBa-Projekt erwiesen: Sicherheitsempfinden, subjektiv unerwünschte Verhaltens- weisen, Kriminalität, Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Bahnhofsviertel im Wandel so- wie institutionelle Verankerung und Bürgerbeteiligung. Sicherheits- empfinden Unabhängig von der tatsächlichen Kriminalitätsbelastung fühlen sich viele Menschen in Bahnhofsvierteln unsicher. Dort ist also das Sicherheitsempfinden ein beherrschen- des kriminalpräventives Thema. Als Drehscheibe der Mobilität prägt der Bahnhof die nähere Umgebung: Das Leben ist quirlig, bunt und einfach anders als sonst im Stadt- gebiet. Dieses Andere kann ein Gefühl der Fremdheit und damit Unsicherheit erzeu- gen. Bei Dunkelheit erhöht sich das Unsicherheitsgefühl insbesondere bei Älteren und Frauen und dies noch mehr in Bahnhofsvierteln. In den vergangenen Jahren richten sich Maßnahmen zur Stärkung des Sicherheitsempfindens häufig auf die räumliche Gestaltung durch mehr Beleuchtung und Grünschnitt sowie die verstärkte Präsenz von Sicherheitskräften wie Polizei und kommunalen Ordnungsdiensten. Allerdings lässt sich der schlechte Ruf des Bahnhofsgebietes nicht leicht ablegen, diesbezüglich bedarf es einer kontinuierlichen und anhaltenden Strategie, die öffentlich und medial kommuniziert wird. Abgesehen davon zeigen Erkenntnisse aus der kriminologischen Forschung, dass das Sicherheitsempfinden komplex ist und schwer zu beeinflussende individuelle und gesellschaftliche Ursachen hineinspielen. So beeinträchtigt Krimina- lität weniger das Sicherheitsempfinden als dies soziale Probleme der Individuen tun (prekäre Lebensverhältnisse, Lebensqualität im Wohnumfeld, soziale Teilhabe). Subjektiv unerwünschte Verhaltensweisen Mit dem Sicherheitsempfinden steht die Wahrnehmung subjektiv unerwünschter Ver- haltensweisen in einem Zusammenhang. Als Paradebeispiel dient die Vermüllung in Bahnhofsvierteln, denn in der Anonymität und Masse fällt das Wegwerfen von Müll auf Bürgersteige und Straßen nicht unbedingt auf. Die Ausübung der informellen So- zialkontrolle ist geschwächt, was verunsichernd wirken kann. Allerdings sind die To- leranzgrenzen gegenüber sozial abweichenden Verhaltensweisen sehr unterschiedlich ausgeprägt: Während einige weggeworfene Zigarettenkippen stören, heben andere Pfanddosen auf und weitere finden Graffiti anregend und kreativ. Diese heterogenen Perspektiven müssen einer kritischen Diskussion unterzogen werden, um zu klären, wann, wo, wie und für wen kommunale Kriminalprävention Anwendung findet. Es bedarf einer Gesamtabwägung, die versucht, den unterschiedlichen Bedarfen nach Si- cherheit und Ordnung entgegenzukommen und die urbane Kompetenz zu fördern, d.h.Seite 23 von 295 EINFÜHRUNG 20 zurück zur Navigation mit den Irritationen durch das Zusammentreffen verschiedener Lebenswelten auf en- gem Raum und mit daraus entstehenden Konflikten leben zu lernen. Kriminalität Das Bahnhofsviertel bietet eine besondere Opportunitätsstruktur für Kriminalität an- gesichts der guten Infrastruktur, den vielen Menschen und Einkaufsmöglichkeiten. Die gute Verkehrsanbindung des Bahnhofsviertels sichert einen schnellen Zugang und gute Möglichkeiten, in der Masse unterzutauchen. Der rege Strom von Pendeln- den, Reisenden, Anwohnenden, Gewerbetreibenden oder marginalisierten Gruppen kann formellen Kontrollinstanzen den Überblick erschweren und die Menschen selbst bemerken oder achten nicht auf die Begehung von Straftaten. Kriminalprävention stärkt u.a. die formelle Sozialkontrolle beispielsweise durch Ausstattung, Vernetzung und Kooperationen der Sicherheitsakteure. Aufenthaltsqualität Der öffentliche Raum ist schon längst nicht mehr nur Verkehrsraum, sondern auch ein begehrter Aufenthaltsraum (Aufenthaltsqualität). Städtischer Raum ist knapp be- messen, was zu Nutzungskonflikten zwischen kommerziellen Anbietern und nicht zur Kundschaft gehörenden Personen und zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen (Eltern mit Kindern, Jugendliche, Menschen mit dem Lebensmittelpunkt auf der Straße, Senior*innen) führt. In Bahnhofsvierteln mit wenig öffentlichem Raum be- steht die Herausforderung, die verschiedenen Bevölkerungsteile anzusprechen und viele Nutzungsmöglichkeiten zu eröffnen. Bahnhofsviertel im Wandel Rund um die großen Bahnhöfe entstehen in zahlreichen Städten neue Wohnanlagen, Hotels, Geschäfts- und Dienstleistungszentren, die zu einer Aufwertung der Bahn- hofsviertel führen sollen (Bahnhofsviertel im Wandel). Bahnhofsviertel können als Orte beschleunigter urbaner Transformation beschrieben werden, die zu Visitenkar- ten der Städte entwickelt werden sollen. Der urbane Wandel erfasst nicht nur die Menschen vor Ort, sondern auch die vorhandenen Angebotsstrukturen, die den beson- deren Charakter des Bahnhofsumfelds erst auszeichnen. Besonders in Bahnhofsnähe ist es notwendig, dass soziale Hilfeeinrichtungen vertreten und abgesichert sind, um die dortigen sozialen Problemlagen zu bewältigen. Institutionelle Verankerung & Bürgerbeteiligung Institutionelle Verankerung setzt eine zentrale Organisationseinheit voraus, welche die vielfältigen städtischen Bemühungen zu Kriminalprävention langfristig koordi- niert, Netzwerke pflegt und die unterschiedlichen Akteure bündelt. Zu diesen Akteu- ren gehören ebenso die Menschen, die im Bahnhofsviertel leben, arbeiten, oder ihre Freizeit verbringen; sie kennen die Gegebenheiten vor Ort gut und haben Ideen, wo, wozu oder wie viel Kriminalprävention im Bahnhofsviertel benötigt wird. Bürgerbe- teiligung braucht Engagement aus der Zivilgesellschaft, aber auch andauerndes und ehrliches Commitment aus Politik und Verwaltung. Dabei sind Überlegungen zentral, welche Personen oder Gruppen beteiligt werden sollen und welche Rollen und Kompe- tenzen ihnen zugedacht werden. Checkliste Die hier angestellten Vorüberlegungen finden sich zusammengefasst in der CHECK- LISTE FÜR DIE IMPLEMENTATION wieder. Dort werden zentrale Fragen zum WOZU, WO, WANN und WER der Präventionsarbeit aufgeworfen, die sich zu jedem Zeitpunkt im Projektverlauf stellen lassen. • Zu Beginn der Projektplanung: Wozu soll eine Maßnahme verfolgt werden? Wo soll eine Maßnahme umgesetzt werden? Wann soll die Umsetzung erfolgen? Und wer soll einbezogen werden? • Im Projektverlauf: Eignet sich die Maßnahme für den gewünschten Zweck? Wurde der richtige Ort gewählt? Soll die Maßnahme verlängert, verkürzt oder verschoben werden? Und sind die richtigen Leute in die Umsetzung eingebunden? • Nach Projektende: Hat das Projekt seinen Zweck erfüllt? Hat das Projekt an dem gewählten Ort funktioniert? War der Zeitpunkt gut gewählt oder die Dauer ange- messen? Und hat das Projekt alle Menschen erreicht, die adressiert werden soll- ten?Seite 24 von 295 CHECKLISTE 21 zurück zur Navigation FRAGEN, DIE SICH STELLEN WOZU? ☐ Welche Probleme sollen mit der Maßnahme verbessert werden? ☐ Sollen mit der Maßnahme kurz-, mittel- oder langfristige Effekte erzielt werden? ☐ Welche Ziele werden mit der Maßnahme verfolgt? (politische, soziale, kulturelle) ☐ Wer hat die Maßnahme angestoßen und warum? WO? ☐ An welchem Ort (Platz, Park, Straße o.ä.) soll die Maßnahme umgesetzt werden? ☐ Darf die Maßnahme an diesem Ort umgesetzt werden? (Beachtung gesetzlicher Regelungen, Denkmal- schutzvorgaben o.ä.) ☐ Gibt es bereits Maßnahmen an diesem Ort? ☐ Wohin könnte sich bei Umsetzung der Maßnahme das Problem verschieben? ☐ Wurde die Maßnahme schon einmal angewendet? (Wenn ja, welche Effekte hatte sie auf den Ort?) WANN? ☐ In welcher Form soll die Maßnahme Anwendung finden? (temporär, dauerhaft, regelmäßig) ☐ In welchem Zeitfenster soll die Maßnahme Anwendung finden? (ganzjährig, saisonal, tagsüber, nachts) ☐ Gibt es spezielle Anlässe, an denen die Maßnahme durchgeführt werden soll? (Festivals, Märkte, Volks- feste) ☐ Ist es sinnvoll die Maßnahme zeitlich zu begrenzen? ☐ Wurde die Maßnahme schon einmal angewendet? (Wenn ja, wie lange ist das her und welche Effekte hatte sie?) WER? ☐ An wen richtet sich die Maßnahme? (Bedürfnisse der Zielgruppe, Adressaten o.ä. ermitteln und beachten) ☐ Wer ist formal für die Umsetzung der Maßnahme verantwortlich? ☐ Wie viele Personen werden zur Umsetzung/ Durchführung der Maßnahme benötigt? ☐ Wer sind aktive Partner*innen vor Ort zur Durchführung der Maßnahme? ☐ Wer kontrolliert die Effekte der Maßnahme (Evaluation)? ☐ Wer kommt für die Anschaffungskosten auf? ☐ Wer kommt für die Instandhaltung/ laufenden Kosten auf? (Materialschäden, Säuberung, Personal) ☐ Wer kommt für die Entsorgungskosten auf? ☐ Wer ist inwieweit und in welcher Form über die Maßnahme zu informieren?Seite 25 von 295 MAßNAHMENÜBERSICHT 22 zurück zur Navigation MAßNAHMENÜBERSICHT Zu den einzelnen Themengebieten → SUBJEKTIVE SICHERHEIT Dunkelheit, Image Bahnhofsviertel, Sicherheit für marginalisierte Gruppen, Sozialkontrolle, Übersichtlichkeit, Unterführungen → SUBJEKTIV UNERWÜNSCHTE VERHALTENSWEISEN (Übermäßiger) Alkoholkonsum, (aggressives) Betteln, Campieren, Drogenkonsum, Kommunikation im Konfliktfall, Konfliktfähigkeit, Lärm, Pöbeleien/ Streitereien, Prostitution, unerwünschtes/ unbefugtes Betreten → KRIMINALITÄT Drogenhandel und -besitz, Fahrraddiebstahl, Graffiti/ Tags, Körperverletzung, Ladendiebstahl, Polizeiarbeit, Prostitution im Sperrbezirk, Risikogruppten/ Opfer- und Täterarbeit, Taschendiebstahl, Terrorismus, zerstörte/ kaputte Gegenstände → AUFENTHALTSQUALITÄT Aufenthaltsangebote (kostenfrei), Baustellen, Falschparken, Schatten, Verkehr(slärm), verwaiste öffentliche Plätze/ geringe soziale Durchmischung, zu wenig Platz/ enge Wege → SAUBERKEIT Hundekot, leere Flaschen/ Flaschen sammeln, Müll, öffentliches Urinieren, Schmutz, Schrottfahrräder, Zigarettenkippen → BAHNHOFSVIERTEL IM WANDEL Bedarfe Gewerbe, Gentrifizierung und Verdrängung, Infrastruktur für soziale Einrichtungen, soziale Segregation/ soziale Spaltung, Verbreitung von Spielhallen/ Wettbüros, Verkehr und Mobilität → INSTITUTIONELLE VERANKERUNG & BÜRGERBETEILIGUNG Ansprechpersonen für Menschen vor Ort, Beteiligungsformate, Empowerment, Interesse von Anwohnenden, Koordination von Prävention, Netzwerkarbeit, sozialer ZusammenhaltSeite 26 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 23 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN SUBJEKTIVE SICHERHEIT Handlungsfeld Maßnahme Dunkelheit Begleitservice Belebung zu verschiedenen Tageszeiten Besseres Beleuchtungskonzept Bewegungsmelder Einsehbarkeit verbessern Farbgestaltung Frauentaxi Gute Sichtachsen Lichtspaziergang Nachtwanderungen Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen Image Bahnhofsviertel Bahnhofspaten Begehung Bürger-App Gezielte Imagekampagne Gezielte Infokampagnen Kommunale Öffentlichkeitsarbeit Nachtwanderungen Ordnungspatenschaft Präventionsrallye Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Quartiersfest, Straßenfest Quartiersspaziergang Sicherheitstag Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst) Toleranz fördern Sicherheit für marginalisierte Gruppen Alternative Angebote für marginalisierte Gruppen/Szenen Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen/Szenen Arbeitercafé (z.B. für Tagelöhnende, Prostituierte) Benachteiligte Gruppen einbeziehen Duschmobil Einschreiteschwellen festlegen Erfrierungsschutz Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und PolizeiSeite 27 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 24 Gewaltprävention für wohnungslose Opfer Hygienecenter Konfliktmanagement Kontaktbereichsbeamte Mobile ärztliche Versorgung Mobile Sozialarbeit Notschlafstelle Öffentlich zugängliche Waschmöglichkeiten Personenpatenschaft Pfandspenden Präventionsrallye Quartiersbox Raum (Zimmer) für aufsuchende Sozialarbeit Schließfächer für Randgruppen Sozialarbeit/ Streetwork Soziale Durchmischung fördern Sozialstadtplan Suchmaschine für Soziales Toleranz fördern Trinkerstube Übernachtungsschutz/ Kälteschutz Wohnbox Sozialkontrolle Bahnhofspaten Begleitservice Belebung öffentlicher Plätze Belebung zu verschiedenen Tageszeiten Kampagnen zur Zivilcourage Kommunaler Ordnungsdienst Kontaktbereichsbeamte Nachtwanderer Notrufsäule Ordnungspatenschaft Parkläufer*innen Polizeipräsenz Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Sauberkeitsbotschafter*innen Schließfächer für Randgruppen Soziale Durchmischung fördern TrinkerstubeSeite 28 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 25 Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen Videoüberwachung Übersichtlichkeit Bauliche Gestaltung Besseres Beleuchtungskonzept Einsehbarkeit verbessern Gute Sichtachsen Klare Wegführung Spiegel Zonierung durch unterschiedliche Bodentexturen Unterführungen Aufwertung und Instandhaltung von Unterführungen Besseres Beleuchtungskonzept Notrufsäule Vermeidung von Unterführungen Verteidigungs- und SchutzmaßnahmenSeite 29 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 26 SUBJEKTIV UNERWÜNSCHTE VERHALTENSWEISEN Handlungsfeld Maßnahme (übermäßiger) Alkoholkonsum Alkoholverbot Alkoholverkaufsverbot Alternative Angebote für marginalisierte Gruppen Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen Benachteiligte Gruppen einbeziehen Einschreitschwellen festlegen Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei Kommunaler Ordnungsdienst Konfliktmanagement Mobile ärztliche Versorgung Mobiler Drogenkonsumraum Mobile Sozialarbeit Nachbürgermeister*in Nachtwanderer Parkläufer*innen Personenpatenschaft Sozialarbeit/ Streetwork Sozialstadtplan Sperrzeiten der Gastronomie Suchmaschine für Soziales Trinkerstube (aggressives) Betteln Alternative Angebote schaffen für Bettelnde Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen Alphabetisierungsprogramme Benachteiligte Gruppen einbeziehen Einschreitschwellen festlegen Kommunaler Ordnungsdienst Parkläufer*innen Personenpatenschaft Platzpaten aus der Szene Sicherheitswacht Sozialarbeit/ Streetwork Sozialstadtplan Sprachkurse Suchmaschine für SozialesSeite 30 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 27 Campieren Benachteiligte Gruppen einbeziehen Defensive/ Hostile Architecture Einschreitschwellen festlegen Erfrierungsschutz Mobile ärztliche Versorgung Mobile Sozialarbeit Notschlafstelle Ombudsperson/Beschwerdestelle Parkläufer*innen Platzpaten aus der Szene Personenpatenschaft Schließfächer für Randgruppen Sozialstadtplan Suchmaschine für Soziales Übernachtungsschutz/ Kälteschutz Wärmebus Wohnbox Drogenkonsum Benachteiligte Gruppen einbeziehen Drogenkonsumraum Fallkonferenzen Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei Kontaktcafé Mobile ärztliche Versorgung Mobiler Drogenkonsumraum Mobile Sozialarbeit Personenpatenschaft Sozialarbeit/ Streetwork Substitutionspraxis Kommunikation im Konfliktfall Aus- und Weiterbildung von Akteuren der Prävention Community Organizing Konfliktmanagement Nachtwanderer Ombudsperson/ Beschwerdestelle Ordnungspatenschaft Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Sensibilisierung für Konfliktlösungsstrategien Zentrale Ansprechstelle oder -person für SicherheitsfragenSeite 31 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 28 Konfliktfähigkeit Kampagnen zur Zivilcourage Toleranz fördern Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen Urbane Kompetenz Lärm Alkoholverbot Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen Bäume Kommunaler Ordnungsdienst Konfliktmanagement Lärmschutzwand Mobiles Grünes Zimmer Nachtbürgermeister*in Nachtwanderer Parkläufer*innen Sicherheitswacht Sperrzeiten der Gastronomie Pöbeleien/ Streitereien Alkoholverbot Alternative Plätze für marginalisierte Gruppen/Szenen Einschreitschwellen festlegen Kampagnen zur Zivilcourage Kommunaler Ordnungsdienst Kontaktbereichsbeamte Nachtwanderer Parkläufer*innen Platzpaten aus der Szene Sicherheitswacht Prostitution Allgemeine Sozialberatung (ProstSchG) Alternative Örtlichkeiten für Prostitution Arbeitercafé (z.B. für Tagelöhnende, Prostituierte) Ausstiegsberatung Bußgeld für unnützes Hin- und Herfahren Kommunaler Ordnungsdienst Mobile Sozialarbeit Öffentlich zugängliche Waschmöglichkeiten Sozialstadtplan Sperrbezirke Suchmaschine für Soziales Übernachtungsangebote für Prostituierte VerrichtungsboxenSeite 32 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 29 Unbefugtes/ unerwünschtes Betreten Bewegungsmelder Defensive/ Hostile Architecture Poller Private Sicherheitsdienste Zaun Zonierung durch unterschiedliche Bodentexturen ZufahrtsschutzSeite 33 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 30 KRIMINALITÄT Handlungsfeld Maßnahme Drogenhandel und -besitz Besondere polizeiliche Einsätze im Bahnhofsviertel Drogenkonsumraum Fallkonferenzen Kommunaler Ordnungsdienst Kontaktcafé Mobiler Drogenkonsumraum Mobile Sozialarbeit Polizeipräsenz Sozialarbeit/ Streetwork Substitutionspraxis Verzahnung von Bundes- und Landespolizei Fahrraddiebstahl Fahrradparkplätze Kampagnen zur Zivilcourage Kommunaler Ordnungsdienst Polizeipräsenz Programm Wachsamer Nachbar Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst) Videoüberwachung Warnschilder, Warnvideos Graffiti/ Tags Anti-Graffiti-Mobil Bahnhofspaten Belebung öffentlicher Plätze Belebung zu verschiedenen Tageszeiten Bürger-App Graffitiabweisende Oberfläche/ Graffitisprühschutz Graffitis, Tags und illegale Plakatierungen schnell entfernen Kommunaler Ordnungsdienst Legale Spray-Flächen Polizeipräsenz Parkläufer*innen Sicherheitswacht Videoüberwachung Körperverletzung Besondere polizeiliche Einsätze im Bahnhofsviertel Gewaltprävention für wohnungslose Opfer Kampagnen zur Zivilcourage Kommunaler OrdnungsdienstSeite 34 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 31 Nachtbürgermeister*in Polizeipräsenz Waffenverbotszone Ladendiebstahl Alarmanlage Aufklärungskampagnen Ladendiebstahl Private Sicherheitsdienste Videoüberwachung Polizeiarbeit Besondere polizeiliche Einstätze im Bahnhofsviertel Bodycams Community Policing Gemeinsame Streife von Sozialarbeit und Polizei Kontaktbereichsbeamte Polizei im Bürgerbüro Polizeipräsenz Predictive Policing Sicherheitstag Verzahnung von Bundes- & Landespolizei Prostitution im Sperrbezirk Allgemeine Sozialberatung Ausstiegsberatung Alternative Örtlichkeiten für Prostitution Bußgeld für unnützes Hin- und Herfahren Kommunaler Ordnungsdienst Parkläufer*innen Polizeipräsenz Sozialarbeit/ Streetwork Videoüberwachung Verrichtungsboxen Risikogruppen/ Opfer- und Täterarbeit Arbeit mit Straffälligen Anti-Graffiti-Mobil Gewaltprävention für wohnungslose Opfer Präventionsrallye Sozialstadtplan Suchmaschine für Soziales Taschendiebstahl Aufklärungskampagnen Taschendiebstahl Gute Sichtachsen (soziale Kontrolle) Klare Wegführung Kommunaler Ordnungsdienst Parkläufer*innen Polizeipräsenz SicherheitswachtSeite 35 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 32 Theateraufführungen zur Problemsensibilisierung (Aktionskunst) Videoüberwachung Warnschilder, Warnvideos Terrorismus Poller Vorhänge aus Ringgeflecht Zaun Zufahrtsschutz Zerstörte/ Kaputte Gegenstände Bahnhofspaten Belebung öffentlicher Plätze Belebung zu verschiedenen Tageszeiten Bürger-App Generelle Aufwertung des Stadtbilds Gute Sichtachsen (soziale Kontrolle) Kommunaler Ordnungsdienst Ordnungspatenschaft Parkläufer*innen Platzpaten aus der Szene Polizeipräsenz Sicherheitswacht Videoüberwachung Zügige ReparaturenSeite 36 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 33 AUFENTHALTSQUALITÄT Handlungsfeld Maßnahme Aufenthaltsangebote (kostenfrei) Grätzloase Hochbeete Konsumfreie Sitzgelegenheiten Mobiles Grünes Zimmer Nutzbare Grün- und Freiflächen Parkbänke Parklets Pocket-Park Sommerstraße Spielplatz Transitory/ Transition Gardening Wasserspender, Trinkwasserbrunnen Zwischennutzung Baustellen Bahnhofspaten Baustellen-Buddys Besseres Beleuchtungskonzept Einsehbarkeit verbessern Farbgestaltung Info-Zentrum Kurznachrichten-Newsletter Lärmschutzwand Mobile Begrünung Mobiles Grünes Zimmer Öffentliche Baustellenführung Sichtfenster Unterführungen/Bauzäune/Gerüste für Kunstprojekte, Infor- mationen zur Baustelle etc. nutzen Vergünstigte Angebote für Baustellengeplagte Wegführung und Piktogramme Zaun Falschparken Alternative/ zentrale Parkplätze Bußgeld für Halte- und Parkverstöße Falschparken-App Falschparker*innen abschleppen Klebezettel Kommunaler OrdnungsdienstSeite 37 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 34 Parkplatz-App Sicherheitstag Sicherheitswacht Schatten Bäume Begrünung Grätzloase Hochbeete Mobiles Grünes Zimmer Parklets Pocket-Park Verkehr(-slärm) Alternative/ zentrale Parkplätze Alternative Verkehrskonzepte Autofreie Innenstädte Autofreie Wochenenden, autofreie Tage Fahrradverkehr stärken Fahrradstraßen Fahrrad-Servicestationen Fußverkehr stärken Fußverkehrsverantwortliche Mitfahrbänke Öffentlichen Nahverkehr stärken Parkflächen entsiegeln Radschnellwege Radverkehrsbeauftragte Shared Space Sommerstraße Verkehrsberuhigung Verwaiste öffentliche Plätze/ geringe soziale Durchmischung Begrünung Belebung öffentlicher Plätze Belebung zu verschiedenen Tageszeiten Einsehbarkeit verbessern Farbgestaltung Food-Truck Grätzloase Hochbeete Hundewiese Kaffeewagen, Kaffeefahrrad Konsumfreie Sitzgelegenheiten KulturveranstaltungenSeite 38 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 35 Mischnutzung anliegender Gebäude Mobiles Grünes Zimmer Nutzbare Grün- und Freiflächen Parklet Pocket-Park Regionale Märkte Sandkasten (mit Spielzeug) Spielmobil Spielplatz Quartiersfest, Straßenfest Transitory/ Transition Gardening Urban Gardening Wasserspiele Weihnachtsmarkt WLAN-Hotspot (gratis) Zu wenig Platz/ enge Wege Alternative/ zentrale Parkplätze Alternative Verkehrskonzepte Autofreie Innenstädte Autofreie Wochenenden, autofreie Tage Fahrradparkplätze Fahrradverkehr stärken Fußverkehrsverantwortliche Öffentlichen Nahverkehr stärken Privately Owned Public Space (POPS) Radverkehrsbeauftragte Shared SpaceSeite 39 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 36 SAUBERKEIT Handlungsfeld Maßnahme Hundekot Bahnhofspaten Fußverkehrsverantwortliche Hundewiese Kommunaler Ordnungsdienst Kotbeutelspender Ordnungspatenschaft Parkläufer*innen Putzaktionen Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Sicherheitswacht Leere Flaschen/ Flaschen sammeln Mülleimer Pfandspenden Pfandkisten Pfandringe Putzaktionen Müll Abfallfahndung Bahnhofspaten Bürger-App Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung Gum Wall Häufige Reinigung Kampagnen zur Müllentsorgung Kommunaler Ordnungsdienst Mülleimer Müllmelde-App Müllentsorgung im Rahmen von Schulprojekten Müllkrähen Nachtwanderer Ordnungspatenschaft Parkläufer*innen Platzpaten aus der Szene Putzaktionen Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Sauberkeitsbotschafter*innen SicherheitswachtSeite 40 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 37 Öffentliches Urinieren Austeilen von Toiletten-Jetons Bahnhofspaten Bewegungsmelder Bußgeld für öffentliches Urinieren Gute Sichtachsen (Sozialkontrolle) Hygienecenter Kommunaler Ordnungsdienst Komposttoilette (mobil) Konzept Die Nette Toilette Nachtwanderer Öffentliche Toiletten Öffentliche Urinale Parkläufer*innen Pinkelbeete Platzpaten aus der Szene Rückspritzlack oder -kacheln Sicherheitswacht Schmutz Bahnhofspaten Farbgestaltung Generelle Aufwertung des Stadtbilds Gum Wall Häufige Reinigung Hundewiese Ordnungspatenschaft Putzaktionen Schrottfahrräder Abfallfahndung Bahnhofspaten Bürger-App Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung Fahrrad-Servicestationen Müllmelde-App Putzaktionen Radverkehrsbeauftragte Regelmäßiges entfernen von SchrottfahrrädernSeite 41 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 38 Zigarettenkippen Bußgeld für wilden Müll und unsachgemäße Müllentsorgung Kommunaler Ordnungsdienst Müllkrähen Putzaktionen Sauberkeitsbotschafter*innen Taschenaschenbecher Voting binsSeite 42 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 39 BAHNHOFSVIERTEL IM WANDEL Handlungsfeld Maßnahme Bedarfe Gewerbe Alternative/ zentrale Parkplätze Konfliktmanagement Quartiersbox Runder Tisch Sicherheits-Jour-Fixe Sicherheitspartnerschaft im Bahnhofsviertel Zusammenarbeit verschiedener Akteure Gentrifizierung & Verdrängung Bodenbevorratung (Erbbaurecht, kommunales Vorkaufsrecht) Community Organizing (Bürgerplattformen) Erhaltungs- und Zweckentfremdungssatzungen Förderung freier Szenen Gemeinnützigkeit (Genossenschaften) Gewerbliche Durchmischung Kommunale Wohnungsbaugesellschaften Mietpreisbremse Mietenbegrenzung (Mietendeckel) Mietvertragssicherheit Programm Soziale Stadt Quartiersmanagement Quoten für den sozialen Wohnungsbau Re-Kommunalisierung Zwischennutzung Infrastruktur für soziale Einrichtungen Mietvertragssicherheit Raum (Zimmer) für aufsuchende Sozialarbeit Vereinfachte Immobilien- und Standortsuche Soziale Segregation/ soziale Spaltung Erhaltungs- und Zweckentfremdungssatzungen Mietpreisbremse Programm Soziale Stadt Quartiersmanagement Sozialer Wohnungsbau Verbreitung von Spiel- hallen & Wettbüros Beschränkung und Regulierung Gewerbliche Durchmischung Soziale Durchmischung fördern Verkehr & Mobilität Alternative/ zentrale Parkplätze Alternative Verkehrskonzepte BegrünungSeite 43 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 40 Fußverkehrsverantwortliche Mitfahrbänke Öffentlichen Nahverkehr stärken Quartiersbox Radschnellwege Radverkehrsbeauftragte Shared SpaceSeite 44 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 41 INSTITUTIONELLE VERANKERUNG & BÜRGERBETEILIGUNG Handlungsfeld Maßnahme Ansprechpersonen für Menschen vor Ort Anwaltsplanung Bahnhofspaten Bürgerbüro Bürgerräte Bürgerzentrum Community Organizing (Bürgerplattformen) Konfliktmanagement Kontaktbereichsbeamte Nachtbürgermeister*in Ombudsperson/ Beschwerdestelle Ordnungspatenschaft Platzpaten aus der Szene Quartiersbüro Quartierskümmernde, Quartiershausmeister*in Sauberkeitsbotschafter*innen Zentrale Ansprechstelle oder -person für Sicherheitsfragen Beteiligungsformate Anwaltsplanung Bahnhofspaten Begehung Benachteiligte Gruppen einbeziehen Bürger-App Bürgerräte Co-Creation Community Organizing (Bürgerplattformen) Dialogformate in Planungsverfahren Diskussionsveranstaltungen Konfliktmanagement Ordnungspatenschaft Platzpaten aus der Szene Runder Tisch Sicherheits-Jour-Fixe Empowerment Anwaltsplanung Community Organizing Gemeinwesenarbeit QuartiersmanagementSeite 45 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 42 Interesse von Anwohnenden Begehung Bürger-App Diskussionsveranstaltungen Gezielte Imagekampagnen Gezielte Info-Kampagnen Internetplattform für Nachbarschaftshilfe Kommunale Öffentlichkeitsarbeit Kulturveranstaltungen Lokale Identität stärken Nachtwanderungen Quartiersfest, Straßenfest Quartiersspaziergang Koordination von Prävention Förderverein Kommunalpräventiver Rat Quartiersbüro Quartiersmanagement Runder Tisch Netzwerkarbeit Austausch mit anderen Städten Suchmaschine für Soziales Zusammenarbeit verschiedener Akteure Sozialer Zusammenhalt Belebung öffentlicher Plätze Bürgerzentrum Diskussionsveranstaltungen Grätzloase Internetplattform für Nachbarschaftshilfe Lokale Identität stärken Mitfahrbänke Programm Soziale Stadt Programm Wachsamer Nachbar Quartiersfest, Straßenfest QuartiersmanagementSeite 46 von 295 WERKZEUGESeite 47 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 44 Abfallfahndung Um illegaler Müllbeseitigung im öffentlichen Raum zu begegnen, kann der Einsatz von Müllfahndenden (auch: Müllde- tektive, Waste Watcher) sinnvoll sein. Angestellte der Abfallwirtschaft kontrollieren zu Fuß oder im Auto festgelegte geografische Zonen mit hohem Müllaufkommen bzw. gehen, etwa per → Müllmelde-App, von Bürger*innen gemelde- ten Hinweisen auf illegale Abfallstätten nach. Ziel ist das Aufspüren von illegalen Abfallentsorgenden. Dazu stellen die Mitarbeitenden zunächst fest, ob der Müll im öffentlichen Raum liegt und sichten den Müll, um Hinweise auf die Ver- ursachenden zu erhalten, Beweise zu sichern und im Fall der Identifizierung Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten. Sie veranlassen auch die Abholung und korrekte Entsorgung durch die Abfallwirtschaft. Flankierend empfehlen sich → gezielte Informationskampagnen, um nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursa- chen illegaler Müllentsorgung zu bekämpfen. Chancen und Herausforderungen Erhöhung Umweltbewusstsein und Problemwahrnehmung Erhöhung Sicherheitsempfinden Abschreckung durch Präsenz, Entlastung der Stadtverwaltung bzw. des Ordnungsamts von Beschwerden Aufklärung und Beratung von Täter*innen Hohes Aufkommen an Bußgeldern Mehr Symptom- als Ursachenbekämpfung Verlockung zur Entsorgung von Müll im öffentlichen Raum (Motto: „Wird ja eh abgeholt“) Punktuell, d.h. räumlich begrenzte Maßnahme Finanzierung der Personalkosten durch Bußgelder möglich Zielsetzung Müllaufkommen reduzieren Stadtbild verbessern Bürger*innen aufklären Praxisbeispiel Gelsenkirchen, Hannover, Mönchengladbach Zu beachten ➢ Welche Orte sind besonders müllbelastet? ➢ Geht das Personal inkognito oder erkennbar auf Streife? ➢ Wie lassen sich Bürger*innen zum Umdenken bewegen? INFOBOX Mülldetektive, Gelsenkirchen (Medienbericht) https://www.deutschlandfunk.de/nordrhein-westfalen-gelsenkirchens-kampf-gegen-illegale.1769.de.html?dram:ar- ticle_id=428968 Abfallfahnder, Hannover (Medienbericht) https://www.sueddeutsche.de/wissen/abfall-hannover-abfallfahnder-beseitigen-tausende-wilde-muellablagen-dank-app- dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200121-99-565417 Mülldetektive, Mönchengladbach https://mags.de/abfallwirtschaft-strassenreinigung/muelldetektive/Seite 48 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 45 Alarmanlage Alarmanlagen, Überfall- und Einbruchmeldeanlagen sind einbruchhemmende Sicherheitsmaßnahmen u.a. für privat oder gewerblich genutzte Wohn-, Geschäfts- und Lagerräume. Ziel ist in Abstimmung mit baulichen und organisatori- schen Gegebenheiten die Wahrscheinlichkeit zur Tatbegehung zu minimieren, das Entdeckungsrisiko zu maximieren und ein hohes Maß an Abschreckung zu erreichen. Insbesondere Überfall- und Einbruchmeldeanlagen erhöhen durch ihre Meldewirkung das Entdeckungsrisiko für Täter*innen. Alarmanlagen als technische Präventionsvorrichtungen sind, je nach Ausführung, rasch installiert und betriebsbereit, d.h. es handelt sich um eine Maßnahme, die schnell und einfach vorgenommen werden kann. Chancen und Herausforderungen Wirken abschreckend Einfache Installation (insb. Funkt-Alarmsysteme) Erhöhung Sicherheitsgefühl Je nach Ausführung z.T. hohe Kosten Fehlalarme Wartungsaufwand Zielsetzung Einbrüchen vorbeugen Täter*innen abschrecken 💡 Praxisbeispiel Leipzig Zu beachten ➢ Wo sind sie am besten anzubringen, um gut sichtbar zu sein? ➢ Wer ist für die Wartung zuständig? INFOBOX Sicherheitstipps für Haus und Wohnung der Stadt Leipzig https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/sicherheit-und-ordnung/praevention/schutz-vor-wohnungsein- bruch/technische-praevention/ Förderprogramm Kriminalprävention durch Einbruchsicherung der KfW https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilie/Einbruchschutz/ EVALUATIONSERGEBNISSE KFN-Studie Wohnungseinbruch https://kfn.de/wp-content/uploads/Forschungsberichte/FB_133.pdfSeite 49 von 295 SAMMLUNG DER MAßNAHMEN zurück zur Maßnahmenübersicht 46 Alkoholverbot Häufig fallen stark Alkoholisierte im öffentlichen Raum durch Belästigungen auf, die Außenstehende verunsichern kön- nen (u.a. zerschlagene Bierflaschen und grölende Gruppen Betrunkener). Als Reaktion darauf wurden in einigen Städten Alkoholverbote an öffentlichen Plätzen ausgesprochen, um leichter auf Alkoholisierte zugreifen zu können und alko- holbedingter Ruhestörung, Sachbeschädigung oder Gewalttätigkeit vorzubeugen. Allerdings hielten die Alkoholverbote einer rechtlichen Überprüfung oft nicht stand. Dies lag nicht nur an einer fehlenden Verordnungsermächtigung im Lan- desgesetz, sondern auch an zu allgemeinen und weitreichenden Alkoholverboten. Da nicht der Alkoholkonsum an sich das Problem ist, sondern die sich aus übermäßigem Konsum ergebenden Folgen in der Öffentlichkeit, schränkt ein Al- koholverbot die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs. 1 GG) und den Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 Abs. 1 GG) emp- findlich ein. Eine Ungleichbehandlung zeigt sich, weil ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum alle alkoholkonsumieren- den Personen – egal, ob sie sich unauffällig oder auffällig verhalten – erfasst und nicht Personen, die sich in Gastwirt- schaften betrinken und dann stören. Aus rechtlicher Perspektive muss für den Erlass eines Alkoholverbots eine abs- trakte Gefahrenlage nachgewiesen werden. Mehrere Bundesländer ergänzten ihre Polizeigesetze um eine Ermächti- gungsgrundlage und einige Städte die Straßenverordnung um ein Alkoholverbot an öffentlichen Einrichtungen, um den Allgemeingebrauch von Bushaltestellen oder bestimmten Plätzen zu gewährleisten. Des Weiteren dient ein Alkohol- verbot dem Jugendschutz auf Spielplätzen oder in der Nähe von Schulen. Chancen und Herausforderungen Verringerung von (Lärm-)Belästigungen Jugendschutz Inklusion durch integratives Konzept oder weitere Exklusion von Alkoholkranken? Verlagerung der Trinkerszene/ Umgehung durch unauffälligeres Trinken Rechtliche Vorgaben (Grundrechte, Landesgesetze) Zielsetzung Gewaltpotenzial verringern Ruhestörungen & Verunreinigungen verringern Sachbeschädigungen verringern Praxisbeispiel Duisburg, Gelsenkirchen, München, Solingen Zu beachten ➢ Wo, zu welcher Tageszeit und wie lange? ➢ Auf welcher rechtlichen Grundlage? ➢ Wie wird mit Alkoholkranken, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist, umgegangen? INFOBOX Praxisbeispiele Duisburg, Gelsenkirchen, Solingen (Beitrag von k
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 11:35 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de