211104-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Alternativen zur Radschnellroute durch den Rheinauenpark
Kerndaten
- Nummer
- 211104-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 25.08.2021
- Letzte Änderung
- 15.09.2026
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 211104-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Alternativen zur Radschnellroute durch den Rheinauenpark Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 25.08.2021 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Verwaltung empfiehlt, dem Bürgerantrag nicht zu folgen und das Projekt weiter zu verfolgen. Nachstehend werden die Gründe hierfür benannt und die zugrunde liegenden Erwägungen dargelegt. Es gibt keine Alternativstrecke zur Routenführung entlang des Rheins in der Rheinaue, die für die Radfahrenden ähnlich attraktiv ist. In der Rheinaue finden Radfahrer direkte Wege vor, die vollkommen frei von MIV-Verkehr sind. Hier können sie unterbrechungsfrei und sicher durch eine optisch sehr ansprechende Landschaft fahren. Sobald die Wege breit genug ausgebaut sind, können Radfahrer jeden Alters und jedes Erfahrungsstandes („8-80 Jahre“) hier absolut stressfrei und sicher fahren. Ein gutes Wegeangebot mit einer weitgehenden und eindeutigen Trennung von Fuß- und Radverkehr soll in Zukunft dafür sorgen, dass der bereits heute schon hohe und angestrebt steigende Radverkehrsanteil auf der Route zu keiner Beeinträchtigung von Fußgängern führt. Für Berufspendler stellen die Rheinauenradwege eine entspannte direkte Wegeverbindung dar, auf der man vor oder nach der Arbeit Energie durch eine Fahrt durchs Grüne tanken kann und dabei unterbrechungsfrei ohne Wartezeiten an Ampeln fahren und dem Autostau entgehen kann. Für Menschen, die mit Kindern unterwegs sind, stellt sie eine sichere Strecke dar, auf denen auch die Kinder selber fahren können, ohne, dass es zu gefährlichen Situationen mit anderen Verkehrsteilnehmern kommt. Für Menschen in höherem Alter stellt sie eine Strecke dar, auf der jeder sein eigenes Tempo fahren kann und sich keine ungeduldigen Autofahrer vorbeidrängeln. Für Menschen, die neu oder nach langer Zeit wieder aufs Rad umsteigen, ist sie eine simple Route auf der man sich gut aufs Fahrradfahren konzentrieren kann und nicht auf konfliktreiche Einmündungen, Ausfahrten und Hindernisse, wie sie entlang von Hauptstraßen auftreten, achten muss.Seite 1 von 8 Seite 2 Die Route ist sowohl für den Alltags- als auch für den Freizeitverkehr enorm attraktiv. Für die Bürger*innen Bonns gehört es zum Leben in Bonn durch ihre Rheinaue zu spazieren, zu laufen, zu skaten und Rad zu fahren. Am Rhein entlang zu fahren, ist auch für den überregionalen Radverkehr und für den Tourismus äußerst interessant. Es handelt sich bei den Rheinradwegen um bereits lang bestehende, etablierte und sehr beliebte Routen (der Abschnitt durch die Rheinaue ist Teil 3 überregionaler Deutschlandrouten, 3 internationaler Eurovelo-Routen, des Erlebnisweg Rheinschiene, dem Radweg der Deutschen Einheit und der Wasserburgen-Route). Gerade die Zahlen im Radtourismus sind in den vergangenen Jahren massiv angestiegen. Diese Entwicklung hat nicht nur die Corona-Pandemie angestoßen, sondern auch das steigende Bewusstsein fürs Klima macht Urlaub „zu Hause“ in Deutschland zunehmend attraktiver gegenüber Fernreisen ins Ausland. Die entsprechenden Radwegenetze, die nicht nur deutschlandweit, sondern sogar europaweit verlaufen gibt es – mitsamt Wegweisung und Beschilderung – in Bonn bereits. Das öffentliche Interesse an einem Ausbau der Rheinradwege ist nicht nur allgemein, aufgrund des Klimawandels, hoch. Die Stadtverwaltung erhält seit Jahren wiederkehrende Signale aus der Bürgerschaft und Politik deutliche Rückmeldungen, Beschwerden und Aufforderungen die Wege in der Rheinaue in Qualität und Breite zu verbessern. Diesen Forderungen soll mit einem Ausbau der sich an den Radschnellwegestandard des Landes NRW anlehnt (getrennte Fuß- und Radwege, Fußweg mindestens 2,50 m breit, Radweg mindestens 4,00 m breit) und allen Verkehrsteilnehmenden ein entspanntes Miteinander bietet, nachgekommen werden. Es gibt nahe der Rheinaue eine automatische Zählstelle, die Radfahrer erfasst. Diese zeigt an, dass auf diesem Abschnitt schon heute im Durchschnitt ca. 2.000 Fahrradfahrenden am Tag fahren. Tägliche Maximalwerte liegen bei über 7.000 Fahrradfahrenden an einem Tag. Angestrebt wird in den nächsten Jahren eine massive Verschiebung im Modal Split der Stadt Bonn. Bis zum Jahr 2030 sollen zwei Drittel aller Wege im Stadtgebiet mit dem sogenannten Umweltverbund (Bus & Bahn, Rad und Fuß) zurückgelegt werden. Hierzu muss der Anteil des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) von heute 41 % auf 25 % sinken. Die Zahl der Radfahrten soll also in den nächsten Jahren ansteigen. Hierzu werden natürlich auch Flächen die heute dem Autoverkehr zugewiesen sind umverteilt. Die Route durch die Rheinaue wird aber durch die komplette Trennung vom Kfz-Verkehr, ihre landschaftliche Gestaltung und die Rheinnähe immer eine äußerst attraktive Route darstellen. Die bestehenden Rheinauen-Radwege werden mit ihrer geringen Breite bereits dem heutigen Bedarf nicht gerecht. Begegnen sich zwei Radfahrer, so müssen sie knapp aneinander vorbeifahren, mit wenigenSeite 2 von 8 Seite 3 cm Abstand zwischen den Lenkern. Gegenseitiges Überholen ist oft nicht möglich. Treffen zwei breitere Fahrräder aufeinander wie z.B. Räder mit Kinderanhängern oder Lastenräder, muss ein Stück in die Grünfläche ausgewichen werden. Nebeneinanderfahren und sich unterhalten ist nicht möglich. Zudem befindet sich der Fahrbahnbelag 40 Jahre nach seinem Bau an vielen Stellen in keinem guten Zustand und ist sanierungsbedürftig. Es gibt zahlreiche Risse und Aufwürfe durch Baumwurzeln. Da auch bei einer nötigen Sanierung der Wege Baumwurzeln in Mitleidenschaft gezogen und somit Baumfällungen nötig würden, bietet es sich an, die Wege nicht nur zu sanieren, sondern gleichzeitig auch zu verbreitern um den gestiegenen Bedürfnissen angemessen zu begegnen. Damit es nicht zu den heraufbeschworenen Konflikten zwischen Rad und Fuß kommt braucht es den Ausbau und die klare Trennung der Wege. Diese erhöht die Sicherheit beider Verkehrsteilnehmer – zu Fuß Gehender und Radfahrender - sowohl objektiv als auch subjektiv. Es handelt sich bei dem Gebiet übrigens entgegen der Annahme des Antragstellers nicht um ein unfallfreies Gebiet. So ist z.B. im Mai dieses Jahres ein Unfall beim Überholvorgang zwischen einer Radfahrerin und einem radelnden Ehepaar auf dem schmalen Heimkehrerweg geschehen. Die vom Antragsteller erwähnten „Kreuzungen“, vom Parkplaner Herrn Hansjakob als „Amöben“ bezeichneten Flächen, an denen sich die Wege des Parks treffen und kreuzen und auf denen die Radfahrenden durch Verschwenkungen etwas verlangsamt werden, werden bei der Planung nicht angetastet und in ihrer Form und Funktion 1:1 beibehalten. Mit dem Ausbau als Radschnellroute soll keine „Radautobahn“ geschaffen werden. Die zügige Reisegeschwindigkeit ergibt sich wie bereits erwähnt dadurch, dass Radfahrende am Rheinufer durchgängig am Stück fahren können und ein ständiges komplettes Stoppen und wieder Losfahren an Ampeln, Kreuzungen oder Einfahrten wegfällt. Zeitverluste werden minimiert und das Radfahren angenehmer. Die vom Antragsteller geforderte Alternativen-Prüfung (Führung über die Ludwig-Erhard-/Petra-Kelly-Allee, über die B9 oder über den Versorgungsweg zum Klärwerk) hat in der Vergangenheit bereits stattgefunden. Aufgrund der enorm hohen Verkehrsbelastung durch Kfz (20.000-40.000 pro Tag) mit den damit einhergehenden Rahmenbedingungen (Lärm- und Luftbelastung, Fahrtunterbrechungen durch Lichtsignalanlagen, Gefahr von Unfällen an Einmündungen und Ein-/Ausfahrten) sind diese Routen verglichen mit dem ruhigen, autoverkehrsfreien Rheinufer deutlich unattraktiver und für jüngere und ungeübte Fahrer gar nicht geeignet. Zu Freizeit- und Erholungszwecken würde hier außerdem niemand Radfahren. Diese Strecken sind lediglich wichtig für Menschen die unmittelbar an diesen Straßen ihre Quellen oder Ziele haben. Hinzukommt, dass für einen Ausbau auf diesen beiden AlternativroutenSeite 3 von 8 Seite 4 ein massiver Eingriff in den Baumbestand nötig wäre, da es sich bei beiden Straßenzügen um Alleen handelt. Dies ist nicht nur problematisch, da diese Bäume wichtig für Stadtklima und Verschattung entlang der Hauptstraßen sind, Alleenbäume unterstehen zudem gesetzlichem Schutz (§ 41 LNatSchG NRW). Eine ausführliche Erläuterung der Punkte, die zum Ausschluss der Alternativrouten geführt hat befindet sich im Anhang dieser Stellungnahme. Beschlussvorschlag für den Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger: Der Bürgerantrag wird entsprechend den Ausführungen in der Stellungnahme abgelehnt. Mit diesem Votum ist das in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von Bürgeranträgen vorgesehene Verfahren zum Abschluss gelangt. Anlage/n 1 Anhang Bürgerantrag Alternativrouten Rheinaue (öffentlich)Seite 4 von 8 Verworfene Alternativrouten zum Rheinauenradweg - Erläuterung Als Alternativrouten zur Wegeführung durch die Rheinaue kämen wie im Bürgerantrag erwähnt aufgrund räumlicher Lage und Topographie nur die Achse Ludwig-Erhard-Allee/Petra-Kelly-Allee oder die B9 in Frage. Im Folgenden wird erläutert, warum diese Routenalternativen im Planungsprozess verworfen wurden. Der Radweg entlang der Bahntrasse ist zwar ein sehr wichtiger Radweg, stellt aber aufgrund seiner räumlichen Entfernung zum Rhein keine Alternative dar. Alternative: Achse Ludwig-Erhard-Allee/Petra-Kelly-Allee Entlang der Rheinaue führt parallel zum Rhein in einem Abstand von ca. 800 m die Ludwig-Erhard- Allee, die nördlich des Autobahnanschlusses den Namen Petra-Kelly-Allee trägt. Bei dieser Straße handelt es sich um eine zwei- bis vierspurige Hauptverkehrsstraße, die keine eigene Radverkehrsinfrastruktur aufweist und als Autobahnzubringer dient. Zurzeit ist auf dem Abschnitt zwischen Kennedyallee und Heinemannstraße Tempo 50 ausgewiesen. Auf dem Abschnitt zwischen Heinemannstraße und Sträßchensweg ist Tempo 70 angeordnet. Unter der Woche fahren auf der Ludwig-Erhard-Allee täglich über 20.000 Fahrzeuge. Auf der Ludwig-Erhard-Allee ist Radfahren in dem Abschnitt von Kennedyallee bis Heinemannstraße auf der Fahrbahn möglich, zusätzlich sind die Gehwege für Radfahrende freigegeben. Ab dem Eingang zur Rheinaue am Herbert-Wehner-Platz, auf Höhe der Heinemannstraße gibt es Richtung Norden benutzungspflichtige Wege im Seitenbereich. Der auf der östlichen Seite der Straße gelegene benutzungspflichtige gemeinsame Geh- und Radweg weist eine Breite von 2,30 m auf. Diese werden alle 30 Meter durch Laternenmasten auf 1,30 Meter eingeengt; für eine gemeinsame Führung mit Fußgänger*innen ist dies nach den geltenden Richtlinien keine ausreichende Breite. Zudem liegt in dem Bereich eine Bushaltestelle, durch die der Radfahrer unmittelbar hindurchgeführt wird, wodurch es hier zu Konfliktsituationen zwischen Fuß- und Radverkehr kommt. Auf der Petra-Kelly-Allee sind Rad- und Fußverkehr untersagt, es gibt keine Nebenanlagen. Dieser Abschnitt ist komplett dem motorisierten Individualverkehr (MIV) vorbehalten. Es gibt keine Mischverkehrsführung mit dem MIV. Zudem liegen in diesem Abschnitt der Petra-Kelly-Allee die Autobahnauf- und -abfahrten zur A 562. Radfahrende, die auf der Ludwig-Erhard-Allee in Richtung Petra-Kelly-Allee fahren, werden im letzten Abschnitt vor der Petra-Kelly-Allee in die Rheinaue auf gemeinsame Geh-/Radwege geleitet. In dem Bereich ist eine komplette Trennung des Fuß- und Radverkehrs zum MIV vorzufinden. Aus der Rheinaue führen mehrere Brückenbauwerke für zu Fuß Gehende und Radfahrende in die anliegenden Gebiete über die Petra-Kelly-Allee und die A 562 hinweg. Eine Verbreiterung der Wege entlang der Ludwig-Erhard-Allee und der Petra-Kelly-Allee würde einen massiven Eingriff in die Grünbereiche rechts und links der Straße bedeuten. Als Allee ist dieser Bereich durch viele straßenbegleitende Bäume geprägt, die unter Schutz stehen (§ 41 LNatSchG NRW). Auf der östlichen Straßenseite würde eine Verbreiterung nicht nur einen Eingriff in den Baumbestand der Allee, sondern auch in die Parklandschaft und den Baumbestand des Landschaftsschutzgebiets Rheinaue bedeuten. An dieser Stelle kommt zudem, anders als am Rheinufer, die Schwierigkeit hinzu, dass die Parklandschaft durch aufgeschüttete Hänge, die als Lärmschutz zur Straße dienen, geprägt ist. Eine Verbreiterung der Wege an dieser Stelle zum Radschnellweg (4,00 m Radweg + 2,50 m Gehweg) würde bedeuten, dass hier ein massiver Eingriff stattfinden, Bereiche der Hänge abgetragen werden und verändert werden müssten, um eine weitere Stabilität zu gewährleisten und ein Abrutschen zu verhindern. Hinzu kommen die Limitationen durch die bereits erwähnten bestehenden Brückenbauwerke, deren Fundamente in diesen Hängen untergebracht sind. Einem solchen Eingriff stünden zudem nicht nur diese baulichen und landschaftsschutzrechtlichen Hürden entgegen, er wäre auch nicht mit dem Denkmalschutz derSeite 5 von 8 Parklandschaft zu vereinen. Da eine Verbreiterung der Seitenbereiche aus oben genannten Gründen verworfen werden musste, wurde in Betracht gezogen, die äußeren Autofahrspuren auf dieser Achse umzuwandeln und dem Radverkehr zuzuweisen. Aufgrund des starken MIV-Anteils auf diesem Abschnitt und der Autobahnanschlussstelle käme nur eine baulich abgetrennte und somit gesicherte Führung für Radfahrer in Frage. Hierzu müsste der Bereich der Autobahnanschlussstelle komplett überplant und vollständig mit Signalanlagen nachgerüstet werden, um die Sicherheit der Radfahrenden zu gewährleisten. Aufgrund der erforderlichen Abstimmungen mit der Autobahn GmbH des Bundes und massiver negativer Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Anschlussstelle ist jetzt bereits absehbar, dass hier kaum Verbesserungen für den Radverkehr zu erzielen wären. Eine parallele Fußverbindung könnte aufgrund fehlender baulicher Seitenbereiche im Abschnitt Petra-Kelly-Allee nicht geschaffen werden. Im weiteren Verlauf Richtung Süden, ab der Heinemannstraße, verengt sich die Ludwig-Erhard-Allee von 4 auf 2 Autofahrspuren. Das bedeutet, dass der vorhandene Straßenraum in diesem Abschnitt keine ausreichende Breite mehr aufweisen würde um Flächen zu Gunsten einer Radwegführung umzuwandeln. Eine durchgehende baulich getrennte Führung des Radverkehrswäre hier nicht möglich. Radfahrer könnten theoretisch die Straßenseite wechseln und dann auf der Ostseite der Straße im Seitenbereich fahren. Hier treten aber weitere Probleme auf: Die heutigen Wege dort weisen mit 2,00 m keine den Richtlinien entsprechende Breite für eine Führung im Zweirichtungsverkehr auf. Die Wege sind des Weiteren sanierungsbedürftig und durch Baumwurzeln angehoben. Ein Ausbau mit Verbreiterung der Wege auf ein ausreichendes Maß würde auch hier wieder einen massiven Eingriff in den Baumbestand der Alleebäume und der Parkgestaltung bedeuten. Zudem geben die geltenden Regelwerke vor, einseitige Zweirichtungsradwege innerorts zu vermeiden, da diese Führung, statistisch nachgewiesen, deutlich unfallträchtiger ist. Autofahrende rechnen nur mit Radfahrenden aus der einen, nicht aber aus der „falschen“ Richtung. Dies führt zu Konfliktsituationen und erhöhten Unfallzahlen. Hinzukommt, dass Zweirichtungsradwege dazu führen, dass Radfahrende an Beginn und Ende in einer Richtung immer die Seite wechseln müssen um wieder auf die rechtsseitige Verkehrsführung zu gelangen. Dies stellt einerseits ein gewisses Sicherheitsrisiko dar und andererseits ist dies oft mit Wartezeiten verbunden, da man zum Teil nicht nur eine, sondern zwei Phasen der Schaltung einer Lichtsignalanlage braucht, um wieder auf der richtigen Seite weiterfahren zu können. Dauern diese Wartezeiten aufgrund verkehrsreicher Knoten länger, verführt dies zu Fehlverhalten – Radfahrende fahren auf der falschen Seite, z.B. auf dem Gehweg weiter, gefährden somit zu Fuß Gehende und an Einmündungen und Ausfahrten sich selber und queren dann oft im weiteren Verlauf ungesichert die Straße. Zudem ist eine Umwandlung der Autospuren und bauliche Abtrennung des Radweges im Bereich der Petra-Kelly-Allee schwierig durchzuführen, da die äußeren Spuren der Allee bei den Veranstaltungen in der Rheinaue durch Schranken abgetrennt und zu Parkplätzen umgewandelt werden. Da dies im gesamten Sommerhalbjahr regelmäßig passiert (Rheinauenflohmarkt jeden dritten Samstag im Monat von April bis Oktober, Rhein in Flammen an jedem ersten Maiwochenende, Ballonfestival, Bierbörse, Familienfest, zahlreiche Konzerte) wäre dies mit einem Radweg – der gerade zu den Veranstaltungen besonders benötigt würde – nicht zu vereinen. Insgesamt wird der gesamte Bereich, der den offiziellen Eingang des Parks darstellt, bei Veranstaltungen stark von MIV- und Parksuchverkehren (auf dieser Seite des Rheinauenparks liegen zwei große Parkplatzflächen) dominiert. Zusätzlich zu den Parkvorgängen entsteht viel Fußverkehr auf den Wegen entlang und in den Park, wenn die Menschen von ihrem Auto in den Park gehen oder an dieser Stelle mit dem Bus ankommen. Bei Veranstaltungen empfiehlt es sich heute nicht, diese Route mit dem Fahrrad zu fahren, da es zu vielen Konflikten mit ein-/aus- und falschparkenden Autofahrern, aber auch mit Fußgänger*innen kommen kann. Hinzu kommt i diesem Bereich auch derSeite 6 von 8 Anlieferverkehr – hier werden für die Veranstaltungen Bühnenteile, Imbissbuden, Toilettenwagen und sonstige Infrastruktur in den Park gebracht. Grundsätzlich ist es fraglich, ob eine Route entlang dieser Straßen durch die Radfahrenden angenommen würde, da sie so stark durch den MIV belastet ist. Dies stellt für die Radfahrenden nicht nur eine potenzielle Gefahr durch Verkehrsunfälle, sondern auch eine Belastung durch Abgase und Lärm dar. Die meisten Radfahrenden kommen auf dem bestehenden Radwegenetz am Rhein an und wollen dort auch weiterfahren. Ein Schlenker über die Petra-Kelly-/Ludwig- Erhard-Allee würde einen Umweg von etwa einem halben Kilometer und das Überwinden einiger Höhenmeter bedeuten. Da die Radfahrenden von den bestehenden autofreien Wegen in der Rheinaue wissen und für gewöhnlich automatisch auf diese treffen, ist anzunehmen, dass ein Großteil der Radfahrenden nicht dazu zu überzeugen wäre, eine längere und deutlich weniger attraktive Route mit sehr viel Autoverkehr zu befahren. Gerade Freizeitradler werden diese Route nicht wählen und auch die Pendler werden, vor die Wahl gestellt, zu großen Teilen die autoärmere Führung wählen. Gesamtbewertung: Umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation für Radfahrende wären kaum möglich. Die angestrebten Verbesserungen für den Radverkehr lassen sich in dieser Variante nicht umsetzen. Es käme zu Umwegen. Eine Führung der Radschnellroute in diesem Bereich scheidet aus. Alternative: B9 Bei der B9 handelt es sich um eine vierspurige Bundesstraße mit einer Verkehrsbelastung von je nach Abschnitt ca. 30.-40.000 Kraftfahrzeugen pro Tag. Das erlaubte Tempo liegt abschnittsweise bei 70 km/h und 50 km/h und es gibt viele Kreuzungen und Einmündungen (in Richtung Norden 14 Kreuzungen, in Richtung Süden 11 Kreuzungen). Die B9 fungiert hier als Verbindung sowohl innerhalb der Stadt Bonn als auch überregional sowie als Verbindung zur A 562 und zum Godesberger Straßentunnel. Zusätzlich führt die Stadtbahntrasse teils unterirdisch, teils oberirdisch über die B9. Hier fahren die Stadtbahnlinien 66, 63 und 16. Rad- und Fußverkehr werden entlang der B9 im relevanten Streckenabschnitt auf beiden Seiten der Straße abgetrennt im Seitenbereich im Einrichtungsverkehr hinter den Alleebäumen geführt. Der Radweg ist 2 m breit, der Gehweg 2,50 m und entspricht somit nicht dem Radschnellverbindungsstandard des Landes NRW. Im straßenbegleitenden Einrichtungsverkehr sind Radwegebreiten von mindestens 3 Meter vorgesehen. Auch hier gilt wieder der Grundsatz, dass Radfahrende sich gegenseitig sicher überholen können sollen, auch mit Kinderanhänger oder Lastenrad und auch ein Nebeneinanderfahren möglich sein soll. Ein entsprechender Ausbau des Weges ist nicht möglich, da dafür die Alleebäume gefällt werden müssten, was keine Option darstellt – einerseits da diesen straßenbegleitenden Bäumen eine hohe Bedeutung für Verschattung und Stadtklima beigemessen werden und andererseits, da ein Alleencharakter nicht einfach verändert werden darf und Alleen in Nordrhein-Westfalen – wie bereits bei der Ludwig-Erhard-Allee erwähnt – gesetzlichem Schutz unterstehen (§ 41 LNatSchG NRW). Durch die vielen Einmündungen durch Seitenstraßen hat die B9 viele lichtsignalgesteuerte Knotenpunkte. Mehrere Fahrtunterbrechungen und Wartezeiten lassen sich dadurch für Radfahrende, die entlang dieser Straße fahren, nicht vermeiden. Hinzu kommen diverse Ein- und Ausfahrten zu Parkplätzen und Tiefgaragen durch die vielen großen Gebäude entlang der Strecke. Diese Einmündungen und Einfahrten stellen stets einen potenziellen Gefahrenpunkt für Radfahrende und zu Fuß Gehende dar. Die meisten Unfälle zwischen Auto- und Fahrradfahrern passieren an Knotenpunkten, viele davon beim Abbiegen von Kraftfahrzeugen. In der Hauptverkehrszeit ist die Verkehrsbelastung sehr hoch, was viel Konzentration und Voraussicht von allen Verkehrsteilnehmern erfordert. Diese Route ist daher insbesondere für ungeübte und junge Radfahrende nicht geeignet.Seite 7 von 8 Gesamtbewertung: Auch hier sind kaum Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation für Radfahrende möglich. Die angestrebten Verbesserungen für den Radverkehr lassen sich in dieser Variante nicht umsetzen. Es käme zu weiten Umwegen. Eine Führung der Radschnellroute in diesem Bereich scheidet aus. Alternative Weg am Klärwerk/Martin-Luther-King-Str.: Eine Führung der Radroute entlang der Stadtbahnhaltestelle unter der Autobahnbrücke und über den Weg am Klärwerk vorbei zur Martin-Luther-King-Straße stellt keine Option dar, da die Radfahrer hierbei über die gemeinsam genutzten Wege mitten durch den Park geführt werden. Die entspricht einerseits nicht den Standards einer Radschnellverbindung, bei der eine klare Trennung von Fuß- und Radverkehr angestrebt wird und verträgt sich andererseits nicht mit den anderen Nutzungen, vor allem den regelmäßigen Veranstaltungen im Park. Bei jedem Rheinauenflohmarkt (jeden dritten Samstag im Monat von April bis Oktober) sowie bei Rhein in Flammen, der Bierbörse, Konzerten, dem Familienspielefest etc. wäre diese Route nicht nutzbar. Gesamtbewertung: Eine Führung der Radroute mitten durch den Park auf den gemeinsam genutzten geschwungenen Wegen zu konfliktträchtig. Es käme zu keiner Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung für beide Verkehrsteilnehmende. Diese Variante kollidiert regelmäßig mit Veranstaltungen im Park. Eine Führung der Radschnelloute in diesem Bereich scheidet daher aus.Seite 8 von 8
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 11:39 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de