210302-08 · Mitteilungsvorlage
Vorstellung der Evaluierungsergebnisse zu den Sonderspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring
Kerndaten
- Nummer
- 210302-08
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 17.06.2024
- Letzte Änderung
- 17.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 241006 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Vorstellung der Evaluierungsergebnisse zu den Sonderspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring Beratungsfolge Ausschuss für Mobilität und Verkehr 04.07.2024 Kenntnisnahme Mitteilung der Verwaltung: Einleitung In der Ratssitzung vom 28.10.2021 (DS-Nr. 210302) wurde der testweisen Einführung von "Umweltspuren" auf dem Hermann-Wandersleb- Ring zwischen dem Knoten "Auf dem Hügel / Frongasse" und dem Knoten "Provinzialstraße/Rochusstraße" zugestimmt. Die Verwaltung erhielt den Auftrag, die vorgelegten Planungen für die Radwegeführung vor Testbeginn zu überarbeiten. Diese Überarbeitung wurde am 09.05.2022 vom Rat gebilligt. Mit Umsetzung der Maßnahme wurde davon ausgegangen, dass es zu Reduzierungen und Verlagerungen (intermodal, zeitlich und räumlich) des MIV kommen wird. Für den ÖPNV wurde mit einer Beschleunigung und einem Rückgang der Verlustzeiten gerechnet. Der Radverkehr erhielt durch die Maßnahme eine weitere sichere und komfortable Verkehrsführung. Im Oktober 2022 begann die Neumarkierung und konnte im November 2022 maßgeblich abgeschlossen werden. Im Jahr 2023 kam es mehrmals und längerfristig durch unmittelbar angrenzende Baustellen (Rochusstraße/Provinzalstraße und Endenicher Ei) zu massiven Beeinträchtigungen des Verkehrs. Weitere Störungen durch Baustellen im weiteren Stadtgebiet waren und sind noch von Einfluss. Radverkehr Die Sonderspuren auf dem Hermann-Wandersleb-Ring stellen einen Baustein eines erweiterten Ost-West-Korridors für den ÖPNV und den Radverkehr dar. Für den Radverkehr wurde eine unvorteilhafte Infrastruktur, welcher auf dem HWR bislang lediglich mit Freigabe auf dem engen Fußweg verkehren durfte, verbessert. Die vorhandenen Alternativen für den Radverkehr, durch das Meßdorfer Feld sowie durch die Endenicher Mitte, stehen als Alternative zu den Sonderspuren weiterhin zur Verfügung. Bislang zeigt sich in Abhängigkeit von den jahreszeitlichen Schwankungen eine leichte Steigerung des Radverkehrs auf dem Hermann-Wandersleb-Ring. Vergleichbare Verkehrszählungen zwischen 2022 und 2023 auf dem Hermann-Wandersleb-Ring haben ca. 150 zusätzliche Radverkehrsbewegungen pro Tag ergeben. Es ist heute von rund 1.000 Radfahrenden auf den Umweltspuren pro Tag auszugehen. Diese Aussagen stellen einzelne Momentaufnahmen dar. Verlässlichere Werte könnten erst nach einer engmaschigeren Beobachtung über einen längeren Zeitraum getroffen werden. Weiter bleibt anzumerken, dass eine UmgestaltungSeite 1 von 4 Seite 2 des kurzen Abschnitts der Endenicher Straße westlich des Endenicher Eis, entgegen der vorherigen Beschlusslage, bislang nicht umgesetzt werden konnte. Für die Endenicher Straße ist in diesem Abschnitt die Einrichtung einer Fahrradstraße vorgesehen, die aufgrund von Abhängigkeiten zu anderen Projekten bislang nicht finalisiert werden konnte. Durch eine entsprechende Umsetzung der Fahrradstraße auf der Endenicher Straße geht die Verwaltung von einer weiteren Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs auf der Radachse Richtung Hardtberg aus. ÖPNV Die Stadtwerke Bonn haben zur Evaluation der Wirksamkeit Daten des rechnergestützten Betriebsleitsystems bereitgestellt. Dabei ist festzuhalten, dass sich die Vergleichszeiträume baustellenbedingt stark unterscheiden. Weiter lassen sich in den Pünktlichkeitsstatistiken der SWB jahreszeitliche Schwankungsmuster erkennen. Als Ergebnis von aktuellen Daten des 1. Quartals 2024 kann eine leichte Verbesserung für den Busverkehr über den Tag hinweg festgehalten werden. In den Spitzenzeiten ist die Beschleunigung dagegen deutlicher. Gerade beim Blick auf aktuelle Daten der Linie SB69, welche ausschließlich in den Spitzenstunden verkehrt, zeigt sich, dass Fahrzeitgewinne durchschnittlich pro Fahrt zwischen 0,5 bis 0,85 Minuten liegen. Dies entspricht einer deutlichen Verbesserung in den Spitzenzeiten. Von Seiten der SWB wurde weiter zurückgemeldet, dass der Radverkehr in Richtung Hardtberg auf dem Hermann-Wandersleb-Ring den Busverkehr mitunter behindert, da ein Überholen auf der Sonderspur teilweise nicht möglich ist. Vermutlich durch diesen Umstand kommt es bei der Datenanalyse im Messzeitraum stadteinwärts daher auch zu einer weitergehenden Beschleunigung des Linienbusverkehrs, da hier die Überholmöglichkeit in Teilen gegeben ist und der Radverkehr nicht die Steigung bewältigen muss. Eine weitere Steigerung des Radverkehrs könnte diesen Umstand verstärken und sollte daher im Fokus bleiben. Eine Anpassung der Lichtsignalanlagen war bereits im Arbeitsprogramm zur Busbeschleunigung enthalten und wurde bislang zurückgestellt. Mit einem positiven Evaluationsergebnis können die Planungen auf diesem Abschnitt angegangen werden, um eine weitere Verbesserung für alle Verkehrsträger zu erreichen. Insbesondere für den Linienbusverkehr ist bei entsprechenden Signalzeiten von einer weiteren Beschleunigung und weiter verbesserten Fahrplanstabilität auszugehen. Verkehrsstärke MIV Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass auf dem Hermann-Wandersleb- Ring eine Reduktion der MIV-Verkehrsmengen beobachtet wurde, dies gilt sowohl absolut als auch in den Spitzenstunden. Die Zähldaten zeigen über den Tag betrachtet eine deutliche Reduktion der Verkehrsbelastungen auf dem Hermann-Wandersleb-Ring sowie auch in der Fortsetzung auf der Rochusstraße und der Provinzialstraße. Die Reduktion über den Zählzeitraum liegt zwischen 11 % und 16 %. Eine gesicherte Ausweichroute über den Tag hinweg konnte in der Untersuchung nicht festgestellt werden, sodass davon ausgegangen werden kann, dass der reduzierte MIV-Verkehr hauptsächlich großräumig verlagert wird bzw. zugunsten anderer Verkehrsträger zurückgegangen ist. Die in Ortslage deutlichen Verkehrssteigerungen (Hochstadenring, Thomastraße, Wittelsbacherring, Sebastianstraße und Bonner Talweg) stehen dementsprechend mit aktuellen Baumaßnahmen in Verbindung und nicht mit Verlagerungen durch die Einführung der Umweltspuren.Seite 2 von 4 Seite 3 Reisezeit MIV Die Reduktion der Verkehrsmengen geht mit einer höheren Reisezeit einher. Hier zeigt sich ein Unterschied zwischen den Fahrtrichtungen. Stadtauswärts (Fahrtrichtung West) gibt es im Vorher-Zeitraum keine deutlich ausgeprägten Spitzenstunden hinsichtlich der Reisezeiten. Zwischen 7:30 Uhr und 9:00 Uhr sind geringe zeitliche Verzögerungen der Reisezeit gegenüber dem freien Verkehrsfluss nachts zu sehen, nachmittags ist kaum eine Spitzenstunde ausgeprägt. Mit Einführung der Umweltspuren stellt sich eine Veränderung ein, die den gesamten Tagesverlauf betrifft. Sowohl im Berufsverkehr, als auch am späten Vormittag / Mittag bleibt die Reisezeit im Vergleich zum freien Verkehrsfluss in den Nachtstunden auf einem erhöhten Niveau. Insbesondere im Nachmittagsverkehr nach 16:00 Uhr erhöht sich die Gesamtreisezeit. Vor Einrichtung der Umweltspuren betrug die größte durchschnittliche Reisezeit auf der Gesamtstrecke des Hermann-Wandersleb-Ring in Fahrtrichtung Westen nachmittags 2,8 Minuten (16:30 - 16:45 Uhr). Diese größte durchschnittliche Reisezeit erhöht sich nach Einführung der Umweltspuren auf 4,0 Minuten (16:15 - 16:30 Uhr). Stadteinwärts (Fahrtrichtung Ost) zeigt sich bereits im Vorher-Zeitraum, dass es im Berufsverkehr vormittags und nachmittags zu Verzögerungen im Vergleich zum freien Verkehrsfluss nachts kommt. Mit der Installation der Umweltspuren erhöht sich die Reisezeit auch für diese Fahrtrichtung auf dem Hermann-Wandersleb-Ring. Die Veränderung ist aber aufgrund der bereits bestehenden Belastung vor Einrichtung der Umweltspuren geringer. Die größte durchschnittliche Reisezeit betrug vor Einführung der Umweltspur 4,3 Minuten (15:15 – 15:30 Uhr) und erhöht sich mit Bestehen der Umweltspur auf 4,5 Minuten (15:15 – 15:30 Uhr). Verkehrssicherheit Die erfolgte Sicherheitsanalyse wurde auf Basis der Videodetektionen der Verkehrserhebungen durchgeführt. Der Vergleich umfasste die Situation vor der Einführung der Sonderspuren als auch die Situation nach der Einführung der Sonderspuren. Die Knotenpunkte Hermann-Wandersleb-Ring/Auf dem Hügel und Hermann-WanderslebRing/Erich-Hoffmannstraße wurden analysiert. Gefährliche Situationen und die Regelverstöße der Verkehrsteilnehmer haben sich reduziert. Insbesondere der vor der testweisen Einführung der Umweltspuren kritische Knotenpunktraum Hermann-Wandersleb-Ring/Auf dem Hügel kann nun von zu Fuß gehenden Personen besser auch in Spitzenstunden gequert werden. Radfahrende und Fußgänger sind hinsichtlich der Verkehrssicherheit die wesentlichen Gewinner der eingeführten Verkehrsführung an den betrachteten Abschnitten. Optimierungsmöglichkeiten Folgende Maßnahmen konnten durch die Evaluation und durch Rückmeldungen und Beobachtungen identifiziert werden. Aus Sicht der Fachverwaltung ergeben sich daraus folgende weiter zu verfolgende Optimierungsmöglichkeiten: • Anpassung der Lichtsignalschaltungen Eine Überplanung der Lichtsignalanlagen (LSA) auf dem Abschnitt der eingerichteten Sonderspuren zwischen Provinzialstraße bis Auf dem HügelSeite 3 von 4 Seite 4 umfasst mindestens sechs LSA und sollte im Rahmen der Busbeschleunigung ohnehin mittelfristig durchgeführt werden. Bei einer Einplanung der Sonderspuren in die Programme der LSA bzw. die Busbeschleunigung, ist mit verstärkten Fahrzeitgewinnen der Busse auf den Abschnitten zu rechnen. Hierdurch könnte die bisherige Wirkung der Sonderspur noch einmal verbessert werden und die positiven Effekte kämen weiter zum Tragen. • Fortführung der Sonderspuren über die Endenicher Straße in Richtung Innenstadt Zusammen mit einer bereits in einer Machbarkeitsstudie untersuchten Fortführung der Sonderspuren auf der Endenicher Straße (östlich des Endenicher Eis) wäre eine weitere Stärkung der ÖPNV-Infrastruktur möglich. Fazit Trotz der Schwierigkeiten in der Beobachtung, ausgelöst durch Baustellen und weitere externe Ereignisse, konnte die testweise Einführung hinreichend analysiert werden. Die Umsetzung der Maßnahme hat zu Veränderungen im Verkehrssystem geführt. Es wurde aufgenommen, dass die erwarteten Steigerungen im Radverkehr nur im geringen Umfang stattgefunden haben. Reduzierungen und Verlagerungen im MIV sowie aufgetretene Reisezeitverluste konnten quantifiziert werden. Weder die Reisezeitverluste noch die MIV-Verlagerungen werden von Seiten der Verwaltung als kritisch angesehen. Die in der Vergangenheit festgestellten Verlustzeiten der Buslinien konnten vornehmlich nicht mehr beobachtet werden. Vielmehr zeigt sich auf aktuellen Daten eine Beschleunigung der Buslinien, welche besonders in den Spitzenstunden und in der Fahrtrichtung Innenstadt aufgenommen wurde. Bei einer signaltechnischen Anpassung auf dem Abschnitt kann von weiteren Zeitgewinnen für den Linienbusverkehr ausgegangen werden. Die Hinweise von Behinderungen des Buslinienverkehrs durch den Radverkehr sollten weiter beobachtet werden. Die Verwaltung wird die Anpassung der Signalsteuerung, mit Fokus auf eine Busbeschleunigung, als laufendes Geschäft vornehmen. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 08:41 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de