201156-1 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Hinweistafel auf General Lothar von Trotha
Kerndaten
- Nummer
- 201156-1 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 24.07.2020
- Letzte Änderung
- 18.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 201156-1 ST Der Oberbürgermeister Federführung: 68 Amt für Stadtgrün Dezernat: Dez. III Hinweistafel auf General Lothar von Trotha Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 25.08.2020 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Die Grabstätte „von Trotha“, in zentraler Lage des denkmalgeschützten Bereichs auf dem Poppelsdorfer Friedhof gelegen, löst bereits seit einiger Zeit Diskussionen über die Frage des richtigen Umgangs mit der Geschichte – in diesem konkreten Fall mit Kriegsverbrechen während der Kolonialzeit – aus. Diese Diskussionen zeigen, dass auch die Erinnerungskultur einem Wandel unterliegt. Erinnerungskultur bildet und manifestiert sich im individuellen wie im kollektiven Umgang mit der Geschichte. Bonn steht für eine lebendige, offene und durchaus streitbare Erinnerungskultur. Das gilt auch und insbesondere für die Themen Krieg und Gewalt, Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus, manifestiert in historischen Phänomenen und Gewaltherrschaften wie „Kolonialismus“ bzw. „Postkolonialismus“ oder „Nationalsozialismus“ sowie deren Wahrnehmbarkeit beispielsweise an Hand von „Denkmälern“ und „Straßennamen“. Um das Thema insgesamt, mit allen erforderlichen Facetten, wissenschaftlich fundiert und systematisch aufarbeiten zu können, plant die Verwaltung die Durchführung eines eigenen Projekts für die Erarbeitung eines Gesamtkonzeptes „Aktive Erinnerungskultur“. Aktive Erinnerungskultur bedeutet, im Dialog mit den verschiedenen Initiativen und Akteuren in der Stadt Diskursformate und neue Formen des Erinnerns zu entwickeln (u.a. auch künstlerische und digitale Zugänge), die historische Aufklärung ermöglichen und aufzeigen, was in einer Gesellschaft passieren kann, wenn sie zulässt, dass Demokratie und Menschenrechte beschädigt und zerstört werden. Hierzu wird die Verwaltung im Rahmen der kommenden Haushaltsberatungen einen konzeptionellen Vorschlag unterbreiten, der u.a. auch auf die Frage von Beteiligungsformen/-möglichkeiten sowie die erforderlichen Ressourcen eingehen wird. Bei dieser grundlegenden Aufarbeitung wird auch die Frage der geeigneten Dokumentation und Vermittlung eine wichtige Rolle spielen, für die es eine von der Politik zu beschließende und dann gesamtstädtisch umzusetzende Konzeption braucht. Die Verwaltung empfiehlt daher abweichend von den Antragstellern:Seite 1 von 2 Seite 2 Die Entscheidung über die Aufstellung einer Informationstafel auf dem Friedhofsgelände wird zurückgestellt, bis ein gesamtstädtisches Konzept zur Erinnerungskultur in Bonn erarbeitet und beschlossen ist. Die Hinweistafeln an den Eingängen des Poppelsdorfer Friedhofes werden kurzfristig erneuert. Der Hinweis auf die Grabstätte von Trotha wird entfallen. Zur Person Lothar von Trotha: Bezug nehmend auf den Beitrag von Jürgen Zimmerer, Prof. für die Geschichte Afrikas an der Universität Hamburg, der einen Beitrag in der Neuen Deutschen Biographie, erschienen 2016 über von Trotha verfasst hat (S. 455 f.), wird über Herrn Lothar von Trotha Folgendes festgehalten: Unbestreitbar ist von Trotha der Hauptverantwortliche für den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. Geboren als Adrian Dietrich Lothar von Trotha am 3. Juli 1848 begann er eine Militärlaufbahn, die ihn 1894 als Kommandeur der Schutztruppe und stellvertretenden Gouverneur nach Deutsch-Ostafrika führte. Bereits im Laufe dieser Tätigkeit wurde ihm eine große Brutalität bescheinigt. Im Mai 1904 wurde er zum Oberkommandierenden der deutschen Schutztruppe in Deutsch-Südwest- Afrika und wenige Wochen später auch zum Gouverneur bestellt. Hintergrund war der schwelende Krieg mit den dort lebenden Herero und Nama. Von Trotha, mittlerweile im Range eines Generalleutnants, führte einen regelrechten Vernichtungskrieg, dem unterschiedlichen Schätzungen zufolge 60.000 bis 80.000 Kinder, Frauen und Männer zum Opfer gefallen sind. Im November 1905 wurde er nach Deutschland zurückbeordert, da ihm eine „Befriedung“ der Kolonien nicht gelungen war. Er fiel in Ungnade und trat 1906 in den Ruhestand. Wenige Jahre vor seinem Tod ließ es sich in Bonn nieder, wo er am 31. März 1920 starb. Anlage/n KeineSeite 2 von 2
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 12:50 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de