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261494 · Mitteilungsvorlage

Sonderbericht zur Kinder- und Jugendgesundheit

Nummer
261494
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
31.08.2026
Letzte Änderung
23.10.2026
  • Welschnonnenstraße Straße· Nordstadt, Bonn Hauptort
  • F Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Bonn Stadtbezirk
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
261494
Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Federführung:
53 Gesundheitsamt
Dezernat:
Dez. II
Sonderbericht zur Kinder- und Jugendgesundheit
Beratungsfolge
Ausschuss für Soziales, Migration,
Gesundheit, Wohnen und Senioren
15.09.2026 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Der vorliegende Bericht zur Kinder- und Jugendgesundheit bietet eine
Bestandsaufnahme über ausgewählte Ergebnisse des sozialpädiatrischen
Entwicklungsscreenings der Schuleingangsuntersuchungen.
Im Bericht wird zwischen Kindern mit deutscher und anderer Erstsprache
unterschieden, da während der Datenanalyse Unterschiede zwischen diesen
Gruppen festgestellt wurden.
Die ausgewählten Merkmale geben einen Überblick über die gesundheitliche
Situation der Kinder und deren sogenannten Vorläuferfähigkeiten. Folgende
Merkmale werden dargestellt: Körpergewicht, Masern-Impfquote,
Deutschkenntnisse, altersgerechte Sprachkompetenz, Zahlen- und
Mengenvorwissen, selektive Aufmerksamkeit, Visuomotorik, visuelles
Wahrnehmen und Schlussfolgern und Körperkoordination.
Abschließend werden Handlungsempfehlungen aufgrund der Datenlage für die
Stadt Bonn abgeleitet.
Der Gesundheitsbericht wird gemäß §§ 6, 21 und 24 ÖGDG NRW erstellt und
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Anlage/n
1 Gesundheitsbericht Kinder- und Jugendgesundheit (öffentlich)Seite 1 von 33
2026
Kinder- und
Jugendgesundheit
SONDERBERICHT: AUSGEWÄHLTE ERGEBNISSE
DES SOZIALPÄDIATRISCHEN
ENTWICKLUNGSSCREENINGS FÜR
SCHULEINGANGSUNTERUSCHUNGEN DER
EINSCHULUNGSJAHRGÄNGE 2015 BIS 2024 MIT
FOKUS AUF DIE ERSTSPRACHESeite 2 von 33
I
Impressum
Herausgeber:
Stadt Bonn
Der Oberbürgermeister
Gesundheitsamt
Stabsstelle Gesundheitsförderung
Welschnonnenstraße 2
53111 Bonn
Ansprechpartner:
Sebastian Schneller
Telefon: 0228 77 3771
E-Mail: Gesundheitsberichterstattung@bonn.de
Autoren:
Sebastian Schneller
Jonathan ZornerSeite 3 von 33
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ............................................................................................... III
Tabellenverzeichnis ................................................................................................... III
Abkürzungsverzeichnis .............................................................................................. IV
Vorwort ....................................................................................................................... V
1 Zusammenfassung der Ergebnisse...................................................................... 1
2 Schuleingangsuntersuchungen ............................................................................ 2
2.1 Kommunale Datenbank des LfGA ................................................................ 3
2.2 Auswahl der Indikatoren ............................................................................... 4
3 Soziodemografische Daten .................................................................................. 5
3.1 Anzahl der Untersuchten .............................................................................. 5
3.2 Erstsprache .................................................................................................. 6
3.3 Geschlecht ................................................................................................... 7
3.4 Bildungsindex ............................................................................................... 7
4 Gesundheitsmerkmale ......................................................................................... 9
4.1 Körpergewicht .............................................................................................. 9
4.2 Masern-Impfungen ..................................................................................... 11
5 Ergebnisse des Sozialpädiatrischen Entwicklungsscreenings für
Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS) ........................................................ 12
5.1 Zahlen- und Mengenvorwissen .................................................................. 12
5.2 Selektive Aufmerksamkeit .......................................................................... 14
5.3 Visuomotorik............................................................................................... 15
5.4 Visuelles Wahrnehmen und Schlussfolgern ............................................... 16
5.5 Körperkoordination ..................................................................................... 17
5.6 Deutschkenntnisse ..................................................................................... 18
5.7 Altersgerechte Sprachkompetenz .............................................................. 19
6 Handlungsempfehlung ....................................................................................... 21
7 Literaturverzeichnis ............................................................................................ 22Seite 4 von 33
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anzahl der untersuchten Kinder nach Einschulungsjahrgang ................ 6
Abbildung 2: Anteil der Kinder mit jeweiliger Erstsprache nach Einschulungsjahrgang
.............................................................................................................. 7
Abbildung 3: Bildungsindex nach Einschulungsjahrgang und Erstsprache ................ 8
Abbildung 4: Anteil übergewichtiger bzw. adipöser Kinder nach Erstsprache .......... 10
Abbildung 5: Anteil von Kindern mit (deutlichem) Untergewicht nach Erstsprache ... 10
Abbildung 6: Anteil zweifach gegen Masern geimpfter Kinder nach Erstsprache ..... 11
Abbildung 7: Anteil von Kindern mit auffälligen Zählergebnissen nach Erstsprache 13
Abbildung 8: Anteil von Kindern mit auffälligem Mengenvorwissen nach Erstsprache
............................................................................................................ 14
Abbildung 9: Anteil von Kindern mit auffälliger selektiver Aufmerksamkeit nach
Erstsprache ......................................................................................... 15
Abbildung 10: Anteil von Kindern mit auffälliger Visuomotorik nach Erstsprache ..... 16
Abbildung 11: Anteil von Kindern mit auffälliger visueller Wahrnehmung nach
Erstsprache ......................................................................................... 17
Abbildung 12: Anteil von Kindern mit auffälliger Körperkoordination nach Erstsprache
............................................................................................................ 18
Abbildung 13: Niveau der Deutschkenntnisse unter Kindern mit anderer Erstsprache
............................................................................................................ 19
Abbildung 14: Anteil von Kindern mit altersgerechter Sprachkompetenz nach
Erstsprache ......................................................................................... 20
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Anzahl und Anteil der Kinder nach Einschulungsjahrgang ......................... 7Seite 5 von 33
IV
Abkürzungsverzeichnis
DAT Daten-Auswertungs-Tool
LfGA NRW Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz
Nordrhein-Westfalen
SEU Schuleingangsuntersuchung
SOPESS Sozialpädiatrisches Entwicklungsscreening
für SchuleingangsuntersuchungenSeite 6 von 33
V
Vorwort
Liebe Bürger*innen,
die Gesundheit der Kinder bildet die Grundlage für ein gesundes und produktives
Leben. Sie prägt nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern hat auch
weitreichende Auswirkungen auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung
der Region. Gesunde Kinder haben bessere Chancen, ihre Fähigkeiten zu entfalten,
erfolgreich zu lernen und sich positiv in die Gesellschaft einzubringen. Daher ist es von
entscheidender Bedeutung, frühzeitig in ihre physische, psychische und soziale
Gesundheit zu investieren. Denn nur wenn Kinder und Jugendliche Zugang zu guter
Gesundheitsversorgung, Prävention und Förderung haben, können sie ihr volles
Potenzial entfalten und langfristig ein aktives, erfülltes Leben führen. Eine gute
gesundheitliche Förderung legt somit den Grundstein für eine lebenswerte Zukunft –
sowohl für die Einzelnen als auch für die Gesellschaft insgesamt.
Der Bericht stellt ausgewählte Inhalte der Schuleingangsuntersuchungen dar und stellt
damit die grundlegenden entwicklungsspezifischen Fertigkeiten dar, um erfolgreich
Lerninhalte wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen. Diese Kompetenzen
stellen das grundlegende Fundament für einen erfolgreichen Schulstart dar. Die
dargestellten Ergebnisse bieten Eltern, Fachpersonal und der Politik eine wertvolle
Orientierung. Aufgrund dieser Erkenntnisse können Angebote bedarfsgerecht
angepasst und neue Maßnahmen entwickelt werden.
Gesundheit gelingt am besten, wo Familien und Institutionen zusammenarbeiten, um
die bestmöglichen Voraussetzungen für unsere Kinder zu ermöglichen. Neben dem
körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefinden spielt insbesondere die
Gesundheitskompetenz eine wichtige Rolle, um Zusammenhänge zu erkennen und
die richtigen Entscheidungen zu treffen. Als Kommune liegt es in unserer
Verantwortung, ihnen den besten Start in die eigene Zukunft zu ermöglichen.
Ich wünsche Ihnen eine aufschlussreiche Lektüre.
Dr. Susanne Engels
Amtsleiterin Gesundheitsamt BonnSeite 7 von 33
1
1 Zusammenfassung der Ergebnisse
• Der Anteil an Kindern mit einer anderen Erstsprache als Deutsch unter allen
Einschulungskindern nimmt im Betrachtungszeitraum von 31,2 Prozent auf
42,7 Prozent im Einschulungsjahr 2024 zu.
• Kinder mit einer anderen Erstsprache sind deutlich häufiger übergewichtig oder
adipös als Kinder mit Erstsprache Deutsch.
• Der Anteil an Kindern mit (deutlichem) Untergewicht unterscheidet sich kaum
zwischen Kindern mit deutscher und anderer Erstsprache. Im Zeitverlauf nimmt der
Anteil an Kindern mit (deutlichem) Untergewicht in beiden Gruppen leicht zu.
• Nach Einführung des Masernschutzgesetzes im Jahr 2020 nimmt in beiden Gruppen
der Anteil vollständig gegen Masern geimpfter Kinder zu. 2023 und 2024 liegt der
Anteil über der empfohlenen Durchimpfungsrate von 95 Prozent.
• Etwa 90 Prozent der Kinder mit Erstsprache Deutsch und 50 Prozent der Kinder mit
einer anderen Erstsprache weisen eine altersgerechte deutsche Sprachkompetenz
auf.
• Der Anteil von Kindern mit auffälligen Ergebnissen im Bereich Zahlen- und
Mengenvorwissen liegt bei Kindern mit einer anderen Erstsprache deutlich höher als
bei Kindern mit Erstsprache Deutsch und zudem meist über dem Grenzwert von
10 Prozent.
• In den Bereichen selektive Aufmerksamkeit und visuelle Wahrnehmung weisen
Kinder mit einer anderen Erstsprache häufiger auffällige Ergebnisse auf als Kinder
mit Erstsprache Deutsch, wobei der Grenzwert von 10 Prozent meist nicht
überschritten wird.
• Der Anteil von Kindern mit auffälliger Visuomotorik ist unter Kindern mit anderer
Erstsprache zwar stets deutlich höher, aber in den Einschulungsjahrgängen 2023
und 2024 überschritten auch Kinder mit Erstsprache Deutsch den Grenzwert von
10 Prozent.
• Der Anteil von Kindern mit auffälligen Ergebnissen im Bereich Körperkoordination
liegt in beiden Gruppen unterhalb des entsprechenden Grenzwerts.Seite 8 von 33
2
2 Schuleingangsuntersuchungen
Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) ist in Nordrhein-Westfalen gesetzlich vorgeschrieben
(§ 54 Schulgesetz NRW, § 12 Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW,
§ 34 Infektionsschutzgesetz, § 1 Ausbildungsordnung Grundschule NRW) und wird durch
den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst der Gesundheitsämter durchgeführt. Sie dient
dazu, den individuellen Gesundheits- und Entwicklungsstand eines Kindes kurz vor der
Einschulung zu erfassen. Ziel ist es, mögliche gesundheits- und schulrelevante
Beeinträchtigungen und Entwicklungsrisiken aufzudecken, die einen gelungenen Schulstart
und eine erfolgreiche Schullaufbahn erschweren können (Oldenhage et al. 2009).
Im Rahmen der SEU werden neben der körperlichen Untersuchung, inklusive Seh- und
Hörtest, Körpergröße und -gewicht, die schulischen Vorläuferfähigkeiten sowie der Impf- und
Vorsorgestatus überprüft. Werden Beeinträchtigungen oder Förderbedarfe festgestellt,
können vor Schulbeginn gezielte medizinische, therapeutische oder pädagogische
Maßnahmen empfohlen werden. Damit leistet die SEU einen wichtigen Beitrag zur
Chancengleichheit, da alle Kinder an dieser Untersuchung teilnehmen (Oldenhage et al.
2009).
Neben dem individuellen Nutzen hat die SEU auch eine bedeutsame Funktion für die
Gesundheits- und Bildungsplanung. Die erhobenen Daten fließen in ein standardisiertes
Dokumentationsverfahren – das Bielefelder Modell – ein. Dieses in NRW etablierte Verfahren
dient der einheitlichen Durchführung, Dokumentation und Qualitätssicherung kinder- und
jugendärztlicher Untersuchungen im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Dank dieser
Standardisierung können Untersuchungsergebnisse kommunenübergreifend verglichen und
für die kommunale sowie landesweite Gesundheitsberichterstattung und -planung genutzt
werden (Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz 2026a).
Ein zentrales Element innerhalb des Bielefelder Modells ist das Sozialpädiatrische
Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS). Dieses
standardisierte Testverfahren erfasst systematisch die für den Schulstart relevanten
Entwicklungsbereiche und ermöglicht dadurch eine objektive und vergleichbare
Einschätzung (Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz 2026b).Seite 9 von 33
3
Geprüft werden insbesondere:
• Sprache (Sprachentwicklung, Grammatik, phonologisches Arbeitsgedächtnis)
• Motorik (Grob- und Feinmotorik, Hand-Auge-Koordination)
• Kognitive Fähigkeiten (z. B. Erkennen von Zusammenhängen,
Mengenverständnis, Problemlösekompetenz, Aufmerksamkeit)
• Sozial-emotionale Kompetenzen (Kontaktverhalten, Verhalten in
Aufforderungssituation)
Die Durchführung erfolgt spielerisch und altersgerecht, sodass die Kinder ihre Fähigkeiten
möglichst ohne Prüfungsdruck zeigen können. Die Ergebnisse von SOPESS werden
zusammen mit den medizinischen Befunden der SEU ausgewertet. Ähnlich wie beim
Bielefelder Modell werden auffällige, behandelte und nicht behandelte Befunde dokumentiert.
Ggf. erhalten Eltern konkrete Empfehlungen, z. B. zur logopädischen, ergotherapeutischen
oder psychologischen Förderung, damit Unterstützungsmaßnahmen möglichst noch vor der
Einschulung greifen (Petermann 2009).
Schließlich werden die anonymisierten Ergebnisse eines Jahrgangs an das Landesamt für
Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA NRW) – ehemals Landeszentrum Gesundheit NRW –
übermittelt. Diese Daten fließen in die Gesundheitsberichterstattung ein und dienen dazu,
den Gesundheitszustand der Kinder in NRW zu beschreiben, Entwicklungen zu analysieren
und gezielte Präventions- und Förderstrategien zu entwickeln (Landesamt für Gesundheit
und Arbeitsschutz 2026a).
2.1 Kommunale Datenbank des LfGA
Die Datenbank des LfGA bietet Zugang zu den kommunalen Gesundheitsberichten der
verschiedenen Kreise und kreisfreien Städte in NRW. Das Gesundheitsamt Bonn übermittelt
jährlich auf elektronischem Weg die anonymisierten Ergebnisse der SEU an das LfGA. Das
LfGA überprüft die Datensätze, bereitet diese auf und pflegt sie in seine kommunale
Datenbank ein. Der Bundesstadt Bonn werden die aufbereiteten Daten mittels eines Daten-
Auswertungs-Tools (DAT) in Form von Häufigkeitstabellen zur Verfügung gestellt. Die
Datenbank des LfGA wird jährlich anhand eingehender Datensätze aktualisiert und
gegebenenfalls erweitert. Wenn dadurch die Vergleichbarkeit eines Merkmals nicht über den
gesamten Betrachtungszeitraum gegeben ist, wird an der entsprechenden Stelle darauf
hingewiesen. Für die Bundesstadt Bonn steht der 10-Jahres-Zeitraum der
Einschulungsjahrgänge 2015 bis 2024 zur Verfügung und kann via DAT ausgewertet werden.Seite 10 von 33
4
Die Datenbank des LfGA bildet die einzige Datenquelle aller in diesem Bericht vorhandenen
Daten.
2.2 Auswahl der Indikatoren
Die kommunale Datenbank des LfGA umfasst eine große Bandbreite an Daten zu
unterschiedlichen Aspekten der kindlichen Gesundheit und Entwicklung. Für den
vorliegenden Bericht finden nur solche Indikatoren Berücksichtigung, die eine besonders
hohe Aussagekraft in Bezug auf einen gelingenden Start in die Schule besitzen. Dabei ist
aus der Forschung und Praxis bekannt, dass der schulische Erfolg und die gesundheitliche
Ausgangslage eines Kindes nicht allein von klassischen medizinischen Faktoren abhängen.
Ebenso spielen vielfältige Einflüsse aus der Lebenswelt der Kinder eine entscheidende Rolle.
Dazu zählen unter anderem der familiäre Lebensstil, der Sozialstatus, ein möglicher
Migrationshintergrund sowie der Besuch bzw. die Dauer des Besuchs einer
Kindertagesstätte (Le Thi et al. 2019; Schulz et al. 2012; Oberwöhrmann et al. 2013). All
diese Faktoren können die körperliche und geistige Entwicklung sowie die
Gesundheitschancen eines Kindes maßgeblich prägen. Der Fokus dieses Berichts liegt auf
der Darstellung der Unterschiede zwischen Kindern mit Erstsprache Deutsch und Kindern
mit einer anderen Erstsprache.
Anhand folgender Merkmale werden Unterschiede dargestellt:
• Körpergewicht (Übergewicht/Untergewicht)
• Masern-Impfquote
• Deutschkenntnisse
• Altersgerechte Sprachkompetenz
• Zahlen- und Mengenvorwissen
• Selektive Aufmerksamkeit
• Visuomotorik
• Visuelles Wahrnehmen und Schlussfolgern
• Körperkoordination
Da die Daten nur für die Bundesstadt Bonn insgesamt zur Verfügung stehen und nicht auf
kleinräumiger Ebene vorhanden sind, entfällt die Betrachtung einzelner Quartiere oder
Bezirke. Die Daten liegen über zehn Jahre im Querschnitt vor. Dadurch lassen sich relative
Häufigkeiten und zeitliche Trends feststellen. Rückschlüsse über Ursache-Wirkungs-
Beziehungen lassen sie nicht zu.Seite 11 von 33
5
3 Soziodemografische Daten
Soziodemografische Daten sind quantitative Informationen über die soziale und
demografische Struktur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, im vorliegenden Fall der
Kinder der jeweiligen Einschulungsjahrgänge in Bonn. Mithilfe dieser Merkmale lässt sich die
Zusammensetzung von Bevölkerungsgruppen beschreiben. Zudem können Unterschiede
hinsichtlich verschiedener Ergebnisparameter anhand von Untergruppen der Bevölkerung
(z.B. Kinder mit Erstsprache Deutsch und Kinder anderer Erstsprache) dargestellt werden.
3.1 Anzahl der Untersuchten
Jährlich werden etwa 3.300 Kinder zur Einschulungsuntersuchung in das Gesundheitsamt
einbestellt. Durch Datenbereinigungsverfahren reduziert sich diese Zahl auf knapp über
3.000 Kinder, die jährlich in die Auswertung einfließen (vgl. Abbildung 1). Außerdem konnten
aufgrund der Covid-19-Pandemie im Einschulungsjahr 2020, aber auch in den
darauffolgenden Jahren, nicht alle Bonner Kinder zur Einschulungsuntersuchung einbestellt
werden. In dieser Zeit wurden vorrangig Kinder einbestellt, bei denen Auffälligkeiten bereits
im Kindergarten bzw. mit Anmeldung zur Einschulung festgestellt oder vermutet worden sind,
um diesen Kindern möglichst frühzeitig passende Fördermaßnahmen und
Unterstützungsleistungen zu empfehlen. Dieses Vorgehen führt zu systematischen
Unterschieden zwischen den Jahrgängen, sodass die Einschulungsjahrgänge 2020 bis 2022
nicht mit den anderen Jahrgängen vergleichbar sind und für die weitere Analyse
ausgeschlossen werden. Erst die Kinder des Einschulungsjahrgangs 2023, die im Zeitraum
von November 2022 bis August 2023 untersucht wurden, sind wieder nahezu vollständig zur
SEU einbestellt worden und gehen daher in die Analyse ein.Seite 12 von 33
6
Abbildung 1: Anzahl der untersuchten Kinder nach Einschulungsjahrgang
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung
3.2 Erstsprache
Die Erfassung des Migrationshintergrundes erfolgt mit der Frage nach der Erstsprache. Die
Erstsprache bezieht sich auf die Sprache, die in den ersten vier Lebensjahren überwiegend
mit dem Kind gesprochen wurde. Unterschieden wird ausschließlich zwischen Kindern mit
Erstsprache Deutsch und Kindern mit einer anderen Erstsprache.1 Eine genauere
Aufgliederung der anderen Erstsprachen erfolgt nicht.
Bis zum Einschulungsjahr 2019 lag der Anteil an Kindern mit Erstsprache Deutsch bei etwa
zwei Dritteln. Ein Drittel der untersuchten Kinder besaß eine andere Erstsprache. In den
vergangenen zwei Jahren des Betrachtungszeitraums ist der Anteil der Kinder mit einer
anderen Erstsprache angestiegen und betrug über 40 Prozent. Der Anteil an Kindern mit
Erstsprache Deutsch sank dementsprechend unter 60 Prozent (vgl. Abbildung 2).
1 Wenn bei zweisprachig aufgewachsenen Kindern ein Elternteil als Erstsprachler*in mit dem Kind Deutsch spricht, wird Deutsch als
Erstsprache festgelegt.
2.833
3.044 3.042 3.033 3.070
949
1.733 1.773
2.682
3.108
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024Seite 13 von 33
7
Abbildung 2: Anteil der Kinder mit jeweiliger Erstsprache nach Einschulungsjahrgang
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
3.3 Geschlecht
Das Geschlecht wird im Rahmen der SEU anhand der von den Sorgeberechtigten
gemachten Angaben erfasst und kann für die Analyse von geschlechtsspezifischen
Unterschieden in Entwicklung, Gesundheit oder Bildungserfolg herangezogen werden. Es
wird ausschließlich zwischen Jungen und Mädchen unterschieden. In allen
Einschulungsjahrgängen nahmen etwas mehr Jungen teil (vgl. Tabelle 1). Das
Geschlechterverhältnis unterscheidet sich nicht nach Erstsprache (nicht abgebildet).
Tabelle 1: Anzahl und Anteil der Kinder nach Einschulungsjahrgang
Einschulungsjahr Geschlecht
Junge Mädchen Gesamt
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl
2015 1.505 53,1% 1.328 46,9% 2.833
2016 1.542 50,7% 1.502 49,3% 3.044
2017 1.618 53,2% 1.424 46,8% 3.042
2018 1.541 50,8% 1.492 49,2% 3.033
2019 1.543 50,3% 1.527 49,7% 3.070
2020-2022*
2023 1.470 54,8% 1.212 45,2% 2.682
2024 1.679 54,0% 1.429 46,0% 3.108
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
3.4 Bildungsindex
Der eingesetzte Bildungsindex bei der SEU stützt sich auf die freiwillige Selbstauskunft zur
schulischen und beruflichen Ausbildung der Eltern. Für jeden Elternteil wird der Index separat
68,8% 69,7% 65,4% 64,3% 68,0%
53,6% 57,3%
31,2% 30,3% 34,6% 35,7% 32,0%
46,4% 42,7%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2015 2016 2017 2018 2019 2020-2022* 2023 2024
Erstsprache Deutsch Andere ErstspracheSeite 14 von 33
8
berechnet; anschließend wird der höhere Wert dem Haushalt zugeordnet. Der Index soll
Aufschluss über das Bildungsniveau und das familiäre Umfeld geben, das wiederum die
Entwicklung des Kindes beeinflussen kann (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-
Westfalen 2023). Grundsätzlich wird den meisten Kindern eine hohe Bildung zugeordnet.
Auffällig ist der Unterschied zwischen den Kindern mit deutscher und anderer Erstsprache.
Kinder mit Erstsprache Deutsch besitzen seltener einen niedrigen Bildungswert. Dieser lag
bis 2019 bei etwa 5 Prozent, 2023 und 2024 etwas höher. Kinder mit einer anderen
Erstsprache wiesen bis 2019 etwa doppelt so häufig ein niedriges Bildungsniveau auf. 2023
und 2024 gehörten sogar fast ein Viertel der Kinder dieser Kategorie an. Demgegenüber
sank der Anteil von Kindern mit hohem Bildungsniveau bei Kindern mit einer anderen
Erstsprache von ca. 60 Prozent in den Jahren 2015 bis 2019 auf 50 Prozent in den letzten
beiden Jahren des Betrachtungszeitraums (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Bildungsindex nach Einschulungsjahrgang und Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5,1% 10,4% 5,4% 12,7% 5,2% 9,1% 6,1% 10,7% 5,4% 11,4% 8,3%
23,9%
7,2%
23,4%
23,5%
31,1%
19,9%
29,2%
23,4%
30,6%
21,9%
29,7%
20,9%
30,0%
23,5%
27,3%
20,3%
26,5%
71,4%
58,5%
74,8%
58,1%
71,4%
60,3%
72,0%
59,6%
73,7%
58,6% 68,2%
48,8%
72,4%
50,1%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
Erstsprache Deutsch
Andere Erstsprache
2015 2016 2017 2018 2019 2020-2022* 2023 2024
Niedrige Bildung Mittlere Bildung Hohe BildungSeite 15 von 33
9
4 Gesundheitsmerkmale
Zu den klassischen Gesundheitsmerkmalen, die bei der SEU geprüft werden, zählen das
Körpergewicht und der Impfstatus der Kinder. Übergewicht und Adipositas im Kindesalter
stellen ein bedeutendes gesundheitsrelevantes Problem dar. Dabei gilt insbesondere das
Einschulungsalter als sensibler Zeitraum für die Manifestation von Übergewicht und
Adipositas.
Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten medizinischen
Präventionsmaßnahmen. Im Gesundheitsamt wird im Rahmen der SEU der Impfstatus
anhand des Impfausweises geprüft. Die Eltern werden bei fehlenden Impfungen informiert
und beraten.
4.1 Körpergewicht
Ein gesundes Körpergewicht ist ausschlaggebend für die körperliche und psychische
Entwicklung. Sowohl Untergewicht als auch Übergewicht können zu verschiedenen
Erkrankungen, wie zum Beispiel Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen
(Carrasquilla et al. 2024; Baker et al. 2007; Pappa 2022). Starkes Übergewicht bzw.
Adipositas kann zudem mit Stigmatisierungserfahrungen einhergehen (Warschburger 2022).
Von Übergewicht im Kindesalter wird gesprochen, wenn der jeweilige BMI oberhalb des 90.
Perzentils einer Referenzstichprobe liegt, also über dem BMI von 90 Prozent der Kinder
dieser Referenzstichprobe. Liegt der BMI sogar oberhalb des 97. Perzentils spricht man von
Adipositas.2 Fasst man Kinder mit Übergewicht und Adipositas zusammen, sollten folglich
auch in Bonn nicht mehr als 10 Prozent der Kinder hierzu gehören. Es zeigt sich, dass ihr
Anteil unter Kindern mit Erstsprache Deutsch von 2014 bis 2019 fast konstant bei 9 Prozent
liegt, während der entsprechende Anteil unter Kinder mit einer anderen Erstsprache bei etwa
16 Prozent liegt. Auch unter den Einschulungsjahrgängen 2023 und 2024 lag der Anteil an
übergewichtigen bzw. adipösen Kindern unter Kindern mit einer anderen Erstsprache
deutlich höher als bei Kindern mit Erstsprache Deutsch (vgl. Abbildung 4).
2 Referenzwerte von Kromeyer-Hauschild 2001Seite 16 von 33
10
Abbildung 4: Anteil übergewichtiger bzw. adipöser Kinder nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
Ähnlich wie Übergewicht sollte auch (deutliches) Untergewicht im Kindesalter möglichst
vermieden werden. Kinder, deren BMI unterhalb des 10. bzw. 3. Perzentils der
Referenzstichprobe liegt, besitzen Untergewicht bzw. deutliches Untergewicht. Abbildung 5
zeigt, dass der Anteil von Kindern mit (deutlichem) Untergewicht bei Kindern mit Erstsprache
Deutsch und Kindern mit einer anderen Erstsprache im betrachteten Zeitraum sehr ähnlich
ist. In den Jahren 2023 und 2024 lag der Anteil an Kindern mit (deutlichem) Untergewicht in
beiden Gruppen zwar etwas höher als zu Beginn des Betrachtungszeitraums, aber deutlich
unterhalb von 10 Prozent.
Abbildung 5: Anteil von Kindern mit (deutlichem) Untergewicht nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
0%
2%
4%
6%
8%
10%
12%
14%
16%
18%
2015 2016 2017 2018 2019 2020-2022* 2023 2024
Erstprache Deutsch Andere Erstsprache Grenzwert 10%
0%
2%
4%
6%
8%
10%
12%
2015 2016 2017 2018 2019 2020-2022* 2023 2024
Erstprache Deutsch Andere Erstsprache Grenzwert 10%Seite 17 von 33
11
4.2 Masern-Impfungen
Masern sind eine hochinfektiöse Virusinfektion, die oft mit unspezifischen grippeähnlichen
Beschwerden und einem Ausschlag beginnt und zu schweren Komplikationen wie einer
Lungen- oder Gehirnentzündung führen kann. Um die Ausbreitung innerhalb der
Bevölkerung effektiv zu unterbrechen, wird eine Durchimpfungsrate von mindestens 95%
angestrebt. Zu diesem Zweck wurde am 01. März 2020 in Deutschland das
Masernschutzgesetz eingeführt. Das Masernschutzgesetz schreibt den Nachweis einer
Immunität/Kontraindikation oder einer zweimaligen Impfung gegen Masern für Kinder ab dem
vollendeten zweiten Lebensjahr vor Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung wie den
Kindergarten oder der Grundschule vor (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen
2023). Sollten Kinder zum Zeitpunkt der SEU nicht ausreichend geimpft sein, müssen sie bis
zum Schulstart die Impfung nachholen und gegenüber der Grundschule nachweisen.
Alle Impfquoten beziehen sich auf Kinder, für die ein Impfheft vorgelegt wurde. Für etwa 5
Prozent der Kinder legen die Eltern kein Impfheft vor.
Im Untersuchungszeitraum lag der Anteil zweifach geimpfter Kinder unter Kindern mit
Erstsprache Deutsch stets oberhalb von 95 Prozent, nach Einführung des
Masernschutzgesetzes im Jahr 2020 bei über 98 Prozent. Kinder mit einer anderen
Erstsprache waren seltener gegen Masern zweifach geimpft. Nach Einführung des
Masernschutzgesetzes stieg auch unter diesen Kindern die Impfquote an – auf über
96 Prozent (vgl. Abbildung 6).
Abbildung 6: Anteil zweifach gegen Masern geimpfter Kinder nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
80%
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Erstprache Deutsch Andere Erstsprache Empfohlene Durchimpfungsrate von 95%Seite 18 von 33
12
5 Ergebnisse des Sozialpädiatrischen Entwicklungsscreenings für
Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS)
Entwicklungsstörungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen bei Kindern im
Einschulungsalter. Zur SEU gehört deshalb auch die Beurteilung des Entwicklungsstands in
schulrelevanten Teilleistungsbereichen. Seit der Einschulung in das Schuljahr 2010/2011
wird dieser in den meisten Kommunen durch das standardisierte Sozialpädiatrische
Entwicklungsscreening für Schuleingangsuntersuchungen (SOPESS) schulärztlich
untersucht und erfasst. Dieses Screening wurde vom Landesinstitut für Gesundheit und
Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen (heute LfGA NRW) in Zusammenarbeit mit den
Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten der Gesundheitsämter Nordrhein-Westfalens und
der Universität Bremen entwickelt (Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz 2026b).
SOPESS ermöglicht eine orientierende Überprüfung des Entwicklungsstands anhand der
Testung sogenannter Vorläuferfähigkeiten. Vorläuferfähigkeiten sind Grundfertigkeiten, die
noch keine eigentliche schulische Kompetenz darstellen, aber Voraussetzung für späteres
Lesen, Schreiben und Rechnen sind. Kinder, die diese Fähigkeiten gut entwickeln, haben es
leichter, den Anforderungen der Schule gerecht zu werden und erfolgreich zu lernen
(Daseking et al. 2006; Kastner-Koller et al. 2023). Das Screening besteht aus insgesamt
zwölf Untertests, die den Merkmalsbereichen Visuomotorik, selektive Aufmerksamkeit,
Zahlen- und Mengenvorwissen, visuelle Wahrnehmung und Schlussfolgern, Sprache und
Sprechen sowie Körperkoordination zugeordnet werden. In den einzelnen Aufgaben können
unterschiedlich viele Punkte erzielt werden. Für jede Aufgabe gibt es Ergebnisbereiche, die
erlauben, die erzielte Punktzahl in drei Kategorien einzuordnen: auffällig, grenzwertig,
unauffällig. Werte, die von weniger als 10 Prozent der Kinder einer Referenzstichprobe
erreicht wurden, gelten als auffällig, Ergebnisse zwischen 10 und 25 Prozent als grenzwertig
und Leistungen oberhalb von 25 Prozent der Kinder als unauffällig (Petermann 2009). Auf
diese Weise lassen sich die Resultate der SEU einordnen und bewerten. Wünschenswert
wäre demnach, dass höchstens 10 Prozent der Kinder in Bonn in den auffälligen Bereich
fallen bzw. mindestens 75 Prozent der Kinder unauffällige Werte erzielen.
5.1 Zahlen- und Mengenvorwissen
Das Zahlen- und Mengenvorwissen wird als ein wichtiger Prädiktor für das Auftreten einer
(umschriebenen) Rechenstörung angesehen. Ähnlich wie beim Erwerb der Schriftsprache
sind auch für mathematische Fähigkeiten bestimmte Vorläuferkompetenzen bekanntSeite 19 von 33
13
(Desoete 2019; Mazzocco et al. 2013; Gallit et al. 2018). Bleibt eine medizinisch relevante
Rechenstörung unbehandelt oder wird sie nicht ausreichend therapiert, kann dies zu
erheblichen und dauerhaft bleibenden Beeinträchtigungen beim Kind führen (Mazzocco et al.
2013; Vigna et al. 2022). Die Erfassung der Zählfertigkeit erfolgt auf Deutsch. Kinder, die ein
ausreichendes Zahlenverständnis in einer anderen Erstsprache als Deutsch vorweisen,
werden trotz vorhandener Fähigkeiten als auffällig kategorisiert, da die Ergebnisse nicht auf
Deutsch verbalisiert werden.
Der Anteil an Kindern, die im Teilbereich Zählen auffällige Ergebnisse erzielen, unterscheidet
sich erheblich zwischen Kindern mit Erstsprache Deutsch und Kindern mit einer anderen
Erstsprache. Kinder mit Erstsprache Deutsch weisen zu ca. 5 Prozent auffällige Ergebnisse
auf und liegen damit deutlich unterhalb des Grenzwerts von 10 Prozent. Unter Kindern mit
einer anderen Erstsprache ist der Anteil mit ca. 15 Prozent bis 2019 deutlich höher. In den
Einschulungsjahrgängen 2023 und 2024 lag der Anteil sogar bei etwa 18 Prozent (vgl.
Abbildung 7).
Abbildung 7: Anteil von Kindern mit auffälligen Zählergebnissen nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
Neben den erhöhten Anteilen an auffälligen Ergebnissen, weisen Kinder mit einer anderen
Erstsprache auch deutlich häufiger grenzwertige Ergebnisse auf als Kinder mit Erstsprache
Deutsch. Insgesamt zeigen sich in den Jahren 2023 und 2024 nur 57 Prozent der Kinder mit
einer anderen Erstsprache beim Zählen unauffällig. Bei Kindern mit Erstsprache Deutsch
sind es mehr als 80 Prozent (nicht abgebildet).
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Erstprache Deutsch Andere Erstsprache Grenzwert 10%Seite 20 von 33
14
Ein ähnliches Bild zeigt sich im Mengenvorwissen der Kinder. Der Anteil an Kindern, die im
Teilbereich Mengenvorwissen auffällige Ergebnisse erzielen, liegt unter Kindern mit einer
anderen Erstsprache in allen Einschulungsjahrgängen höher als unter Kindern mit
Erstsprache Deutsch. Während der Anteil von Kindern mit auffälligem Mengenvorwissen
unter Kindern mit Erstsprache Deutsch im Betrachtungszeitraum tendenziell etwas abnahm
und 2024 bei weniger als 4 Prozent lag, schwankte der Anteil unter Kindern mit anderer
Erstsprache zwischen 8 und 14 Prozent (vgl. Abbildung 8). Auch grenzwertige Ergebnisse
liegen deutlich häufiger für Kinder mit anderer Erstsprache vor (nicht abgebildet).
Abbildung 8: Anteil von Kindern mit auffälligem Mengenvorwissen nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.2 Selektive Aufmerksamkeit
Die selektive Aufmerksamkeit bezeichnet die Fähigkeit, auf relevante Reize schnell und
angemessen zu reagieren und Störungen gezielt auszublenden. Aufgrund dessen gilt sie als
Grundfähigkeit für alle schulischen und kognitiven Lernprozesse (King und Markant 2022;
Plebanek und Sloutsky 2019).
In allen Einschulungsjahrgängen liegt der Anteil an Kindern mit auffälligen Ergebnissen unter
Kindern mit anderer Erstsprache höher als unter Kindern mit Erstsprache Deutsch. In beiden
Gruppen nahm der Anteil von Kindern mit auffälliger selektiver Aufmerksamkeit bis 2019
tendenziell etwas ab. In den letzten beiden Jahren des Betrachtungszeitraums lag der Anteil
unter Kindern mit anderer Erstsprache mit etwa 9 Prozent deutlich höher – aber noch
unterhalb des Grenzwerts – als unter Kindern mit Erstsprache Deutsch mit ca. 4 Prozent (vgl.
Abbildung 9).
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Erstprache Deutsch Andere Erstsprache Grenzwert 10%Seite 21 von 33
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Abbildung 9: Anteil von Kindern mit auffälliger selektiver Aufmerksamkeit nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.3 Visuomotorik
Die Visuomotorik gilt als Vorläufer für die Schreibfähigkeit, da komplexe Systeme wie die
Augen, das Gehirn und die Muskeln der Hand präzise koordiniert werden müssen. Defizite
in der Visuomotorik können das Erlernen des Schreibens erschweren (Taverna et al. 2020;
Weil und Cunningham Amundson 1994).
Auffällige Visuomotorikergebnisse sind in allen Einschulungsjahrgängen häufiger unter
Kindern mit einer anderen Erstsprache festzustellen. In beiden Gruppen schwankte der Anteil
von Kindern mit auffälliger Visuomotorik bis 2019 auf gleichbleibendem Niveau, bei Kindern
mit Erstsprache Deutsch auf Höhe des Grenzwerts, bei Kindern mit anderer Erstsprache bei
etwa 15 Prozent. 2023 und 2024 nahm der Anteil in beiden Gruppen zu und lag deutlich über
dem Grenzwert von 10 Prozent (vgl. Abbildung 10).
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Abbildung 10: Anteil von Kindern mit auffälliger Visuomotorik nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.4 Visuelles Wahrnehmen und Schlussfolgern
Das visuelle Wahrnehmen beschreibt die Fähigkeit, visuelle Reize aus der Umwelt
aufzunehmen, zu unterscheiden, zu verarbeiten und sinnvoll einzuordnen. Es umfasst nicht
nur das reine Sehen, sondern auch das Erkennen von Formen, Farben, Größen, Abständen,
Mustern und räumlichen Beziehungen. So wird das Herstellen von Analogien und Kategorien
ermöglicht (Waal et al. 2018). Für die schulische Entwicklung ist ein gut ausgebildetes
visuelles Wahrnehmungsvermögen und Schlussfolgern entscheidend, da es eine wichtige
Grundlage für viele Lernprozesse bildet – zum Beispiel beim Lesen, Schreiben, Rechnen
oder bei der Orientierung im Raum (Aladwan et al. 2023).
Im Betrachtungszeitraum lag der Anteil von Kindern mit auffälliger visueller Wahrnehmung
bei Kindern mit anderer Erstsprache jedes Jahr höher – zumeist bei etwa 8 Prozent – als bei
Kindern mit Erstsprache Deutsch (ca. 3 Prozent), jedoch stets unter dem Grenzwert von
10 Prozent. Im Verlauf des zehnjährigen Betrachtungszeitraums ist keine wesentliche
Veränderung in beiden Gruppen zu beobachten (vgl. Abbildung 11).
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Abbildung 11: Anteil von Kindern mit auffälliger visueller Wahrnehmung nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.5 Körperkoordination
Motorische Störungen oder Beeinträchtigungen der Körperkoordination im Kindesalter
können die psychosoziale Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Eine verzögerte oder
problematische motorische Entwicklung kann zu einer verminderten sozialen Teilhabe führen
(Hill et al. 2024). Solche Ausgrenzungen, negative Erlebnisse bei motorischen Aufgaben
sowie der ständige Vergleich mit Gleichaltrigen können Verhaltensauffälligkeiten
begünstigen und die Ausbildung eines gesunden Selbstwertgefühls beeinträchtigen (Nobre
et al. 2023). Daneben stellen eine ausreichende Bewegung und motorische
Leistungsfähigkeit einen gesundheitlichen Schutzfaktor für beispielsweise Adipositas, Herz-
Kreislauf-Erkrankungen sowie Gelenk- und Haltungsschäden dar. Da Bewegung und
motorische Leistungsfähigkeit in jedem Lebensabschnitt eine wichtige Rolle spielen, wirken
sich entsprechende Einschränkungen auf die Gesundheit ein Leben lang aus (Gao und Wang
2018; Liu et al. 2023).
Der Anteil von Kindern mit auffälliger Körperkoordination unterscheidet sich zwischen den
Untersuchungsgruppen in den meisten Einschulungsjahrgängen nur geringfügig. In manchen
Jahren fällt dieser Anteil unter Kindern mit anderer Erstsprache geringer aus als unter
Kindern mit Erstsprache Deutsch. Beide Gruppen unterschreiten den Grenzwert von
10 Prozent in allen Einschulungsjahrgängen (vgl. Abbildung 12).
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Abbildung 12: Anteil von Kindern mit auffälliger Körperkoordination nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.6 Deutschkenntnisse
Die Sprachkenntnisse sind ein entscheidender Faktor für die soziale Teilhabe, insbesondere
für Menschen mit Migrationshintergrund oder Unterstützungsbedarf. Der Erwerb der
Landessprache ermöglicht eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, Zugang zu
Bildung und Arbeit sowie die Nutzung von gesundheitlichen Dienstleistungen und Angeboten
(Pandey et al. 2021; Zorlu und Hartog 2018). Die Beurteilung der Deutschkenntnisse erfolgt
nur bei Kindern, mit denen zu Hause in den ersten vier Lebensjahren nicht überwiegend
deutsch gesprochen wurde, also bei Kindern mit einer anderen Erstsprache. Die Kinder
werden anhand ihrer Deutschkenntnisse in fünf Kategorien eingeteilt, die wiederum in zwei
Hauptkategorien münden:
1. Deutschkenntnisse: Kinder, die entweder fehlerfrei Deutsch sprechen, oder mit
leichten oder erheblichen Fehlern flüssig Deutsch sprechen
2. Keine Deutschkenntnisse: Kinder, die nur radebrechend Deutsch sprechen oder kein
Deutsch sprechen
Der Anteil von Kindern mit Deutschkenntnissen unter Kindern mit einer anderen Erstsprache
lag im Betrachtungszeitraum zwischen 75 und 85 Prozent. In den Einschulungsjahrgängen
2018 und 2019 konnten etwa 85 Prozent der Kinder mit einer anderen Erstsprache Deutsch
sprechen, in den Jahrgängen 2023 und 2024 nur etwa 75 Prozent. Neben dieser
Schwankung fällt auf, dass der Anteil von Kindern, die mit erheblichen Fehlern Deutsch
sprechen können, seit 2015 deutlich zugenommen hat. Demgegenüber ist der Anteil an
0%
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Kindern, die nur mit leichten Fehlern flüssig Deutsch sprechen, rückläufig. Dadurch liegt
gemäß obiger Kategorisierung der Anteil von Kindern mit Deutschkenntnissen 2024 zwar fast
auf gleicher Höhe wie 2015. Das Niveau der dahinterliegenden Deutschkenntnisse ist 2024
aber geringer (vgl. Abbildung 13).
Abbildung 13: Niveau der Deutschkenntnisse unter Kindern mit anderer Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
5.7 Altersgerechte Sprachkompetenz
Sprache und Sprechen sind zentrale Voraussetzungen für die aktive Teilnahme am
Unterricht und den Erwerb von Lesen und Schreiben (Hogan et al. 2005). Bereits im
Vorschulalter lassen sich wichtige Vorläuferfähigkeiten erfassen, besonders die
phonologische Bewusstheit, aber auch das Verständnis grammatikalischer Strukturen und
die auditive Merkspanne (Clark et al. 2012; Stringer 2021).
Bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern ist die Unterscheidung zwischen einer
Sprachentwicklungsstörung und erwerbsbedingten Sprachschwierigkeiten oft schwierig.
Eine niedrige auditive Merkspanne, z. B. erfasst durch das Nachsprechen von
Pseudowörtern, kann hier auf eine Störung hinweisen (Clark et al. 2012; Lammertink et al.
2020). Bleibt eine medizinisch relevante Sprachentwicklungsstörung unbehandelt, kann dies
zu bleibenden Beeinträchtigungen führen (Sansavini et al. 2021). Bei Bedarf empfiehlt die
Schulärztin bzw. der Schularzt weitere Diagnostik und stimmt sich nach Möglichkeit mit
zuständigen Institutionen ab.
14,7% 15,4% 13,0% 7,3% 7,1% 8,5% 6,4%
8,8% 9,5% 8,6%
6,9% 7,7%
15,8% 19,2%
17,4% 22,3% 24,8%
26,0% 27,4%
27,8% 28,8%
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40,5% 38,5%
29,5% 31,1%
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Spricht fehlerfrei
Deutsch
Spricht flüssig
Deutsch, aber mit
leichten Fehlern
Spricht flüssig
Deutsch, aber mit
erheblichen Fehlern
Spricht
radebrechend
Keine
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20
Für den Bereich Sprache und Sprechen wird der Gebrauch von Präpositionen, die
Pluralbildung und das Nachsprechen von Pseudowörtern erfasst.3 Zudem werden
Auffälligkeiten in der Artikulation anhand der Spontansprache und einer Sprachtafel des
Kindes notiert. Eine nicht altersgerechte deutsche Sprachkompetenz wird dann festgestellt,
wenn in mindestens einem der Bereiche ein auffälliges Ergebnis besteht oder allenfalls mit
erheblichen Fehlern Deutsch gesprochen wird (Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-
Westfalen 2023). Das LfGA errechnet seit dem Einschulungsjahr 2017 anhand der
genannten Bereiche und unter Einbezug der Deutschkenntnisse den Index zur
altersgerechten Sprachkompetenz.
Der Anteil an Kindern mit altersgerechter deutscher Sprachkompetenz unterscheidet sich
deutlich zwischen Kindern mit Erstsprache Deutsch und einer anderen Erstsprache.
Während etwa 90 Prozent der Kinder mit Erstsprache Deutsch eine altersgerechte
Sprachkompetenz aufweisen, liegt der entsprechende Anteil unter Kindern mit einer anderen
Erstsprache in allen betrachteten Einschulungsjahrgängen bei weniger als 50 Prozent.4 Im
Einschulungsjahr 2024 konnten nur 41 Prozent dieser Kinder altersgerecht Deutsch
sprechen (vgl. Abbildung 14). Hierbei ist zu beachten, dass etwa 25 Prozent der Kinder mit
einer anderen Erstsprache allein durch die mangelnden Deutschkenntnisse keine
altersgerechte deutsche Sprachkompetenz beigemessen werden. In den Jahren 2018 und
2019 waren es nur ca. 15 Prozent (vgl. Abschnitt 5.6).
Abbildung 14: Anteil von Kindern mit altersgerechter Sprachkompetenz nach Erstsprache
Quelle: LfGA NRW, eigene Darstellung; *Unvollständige Einbestellung durch Covid-19-Pandemie, siehe Abschnitt 3.1
3 Wenn bei Kindern mit einer anderen Erstsprache die Deutschkenntnisse für die sprachgebundenen Items (Pluralbildung und
Präpositionen) nicht ausreichen, werden diese Aufgaben nicht zur Beurteilung einer Sprachentwicklungsstörung herangezogen.
4 Kindern mit Erstsprache Deutsch kann per Definition nicht anhand mangelnder Deutschkenntnisse „keine altersgerechte
Sprachkompetenz“ beschieden werden, sondern nur anhand von Auffälligkeiten in den untersuchten Teilbereichen der Sprache.
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6 Handlungsempfehlung
Die Zahl der Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch ist in den letzten zehn Jahren
stark gestiegen. Auffällig ist, dass diese Kinder fast durchgängig schlechtere
Untersuchungsergebnisse als Kinder mit deutscher Erstsprache, aufweisen. Des Weiteren
zeigt sich, dass ca. 50 Prozent der Kinder mit einer anderen Erstsprache eine nicht
altersgerechte deutsche Sprachkompetenz aufweisen.
Eine fehlende deutsche Sprachkompetenz kann gravierende Auswirkungen auf den
Bildungsweg und die Gesundheitskompetenz haben. Kinder, die mit schlechteren Chancen
ihren Bildungsweg beginnen, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit ihren Schulabschluss
erfolgreich zu erwerben und in den Arbeitsmarkt einzumünden. Des Weiteren führt eine
gering ausgeprägte Gesundheitskompetenz langfristig zu häufigeren Erkrankungen und zu
einer Fehlnutzung des Gesundheitssystems. Langfristig bedeutet das für die Bundesstadt
Bonn, dass eine immer größer werdende Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
ihr Potenzial nicht vollständig nutzen und darüber hinaus zusätzliche Kosten verursachen
wird.
Die Förderung der Sprachkompetenz stellt somit eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche
und soziale Zukunft der Bundesstadt Bonn dar.
Die zuständigen Fachbereiche sollen im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeiten prüfen,
inwieweit den festgestellten Bedarfen durch eine bedarfsgerechte Ausrichtung und
Vernetzung bestehender Angebote und Förderstrukturen Rechnung getragen werden kann.
Dabei sind die vorhandenen personellen, finanziellen und räumlichen Ressourcen zugrunde
zu legen.Seite 28 von 33
22
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