261135 · Mitteilungsvorlage
Beteiligung der Stadt Bonn am Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ – Bericht über das Jahr 2025 – Ausblick auf das Jahr 2026
Kerndaten
- Nummer
- 261135
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 12.06.2026
- Letzte Änderung
- 23.10.2026
Orte
- Dyroffstraße Hauptort
- Markt
- Auerberg
- Poppelsdorf
- Alt-Godesberg
- Tannenbusch
- Bonn
- Beuel
- Medinghoven
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Kenntnisnahme
Dateien
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Mitteilungsvorlage öffentlich 261135 Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Beteiligung der Stadt Bonn am Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ – Bericht über das Jahr 2025 – Ausblick auf das Jahr 2026 Beratungsfolge Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 01.07.2026 Kenntnisnahme Mitteilung: Mit dem Programm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ unterstützt das Land Nordrhein-Westfalen seit Juli 2020 den Auf- und Ausbau kommunaler Präventi- onsketten für Kinder, Jugendliche und Familien. Gefördert werden vorrangig strukturbildende Maßnahmen zur Stärkung der Vernetzung und strategischen Steuerung. Zentrales Element ist eine ämter- und dezernatsübergreifende Ko- ordinierungsstelle in der Verwaltung, die den Strukturaufbau und die Entwick- lung der kommunalen Präventionskette vorantreibt. Durch sie werden die Kräfte vor Ort gebündelt sowie die Zusammenarbeit und der Austausch aller Akteure wesentlich verbessert. All dies dient dem Ziel, die Chancen für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, ihre gesellschaftli- che Teilhabe zu fördern und die Folgen von Kinderarmut zu bekämpfen. Die kommunale Präventionskette umfasst alle Unterstützungsangebote für Kin- der, Jugendliche und Familien von der Schwangerschaft bis zum Übergang in Ausbildung, Studium, Beruf und ein selbstbestimmtes Leben. Die Bonner Koordinierungsstelle „kinderstark“ ist dem Sachgebiet Jugendhilfe- planung (Amt 51-03) zugeordnet, wo die Steuerung von Maßnahmen zu den originären Aufgaben gehört und eine enge Verzahnung bereits bestehender Angebote und zusätzlich erforderlicher Bestands- und Bedarfserhebungen in Abstimmung mit anderen kommunalen Planungen gewährleistet ist. Die Koor- dinierungsstelle kinderstark ist ausgelegt auf 3 Fachkraftstellen, eine der Stel- len ist derzeit vakant. Die Koordination der Angebote für Familien mit Kindern bis drei Jahre erfolgt über die bereits etablierte Struktur der Netzwerkkoordinierung Frühe Hilfen als 1. Baustein der kommunalen Präventionskette. Die Fachberatung und -betreuung der Frühen Hilfen fällt in die Zuständigkeit der Koordinierungsstelle kinderstark. Über „kinderstark“ fördert das Land prioritär Sach- und Personal- kosten für die Netzwerkkoordinierung für die Zielgruppe der Kinder ab vier Jah- re bis zum Übergang Schule – Beruf/Studium. Beide Systeme, Frühe Hilfen und „kinderstark“, entwickeln zusammen, in Zuständigkeit für den jeweiligen Alters- abschnitt, die kommunale Präventionskette weiter. Die Entwicklung eines inte- grierten Koordinationskonzepts für die gesamte kommunale PräventionsketteSeite 1 von 30 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) obliegt dabei der Netzwerkkoordinierung “kinderstark“. Das Projekt kinderstark ist mittel- bis langfristig angelegt. Historie: Die Beteiligung am Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ wurde im Jahr 2020 über einen Grundsatzbeschluss des Rats der Stadt Bonn (DS 200881) beschlossen. Der weiteren Beteiligung am Förderprogramm wur- de im Jahr 2021 zugestimmt (DS 202323). Seitdem erfolgt eine jährliche Be- richterstattung in Form von Mitteilungs- und Beschlussvorlagen an den Ju- gendhilfeausschuss (DS NR: 230432, 241273, 252798). Die Koordinierungs- stelle „kinderstark“ wurde im Juli 2020 im Amt für Kinder, Jugend und Familie eingerichtet. Hierfür konnten Landesmittel aus der ersten Förderphase des Programms „kinderstark – NRW schafft Chancen“ genutzt werden. Seitdem wird das Programm jährlich weitergefördert. Der kommunale Eigenanteil beträgt 20 Prozent der Gesamtkosten. Die NRW-weite Verteilung der Mittel wird nach den Kindern (3-17 Jahre) im SGB II-Bezug (Stand 2024) ermittelt. Für das För- derjahr stehen für Bonn 258.161 € an Fördermitteln zur Verfügung. Zuzüglich des Eigenanteils ergibt sich eine Summe von 347.646,59 Euro, die zur Umset- zung des Förderprogramms bereitstehen. Nicht verausgabte Fördergelder müssen an den Fördergeber zurückgesendet werden. Das Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ fördert kommuna- le Maßnahmen in sechs Handlungsfeldern: 1- Stärkung kommunaler Vernetzung und Koordinierung/Familienportal 2- Förderung von Familiengrundschulzentren 3- Lotsendienste in Geburtskliniken 4- Lotsendienste in Kinder- und Jugendarztpraxen 5- Kommunale Familienbüros 6- Ausbau aufsuchender Angebote Im Rahmen des Förderprogramms müssen die teilnehmenden Kommunen vor- gegebene Auflagen erfüllen, dazu gehören u.a. der Aufbau einer Gremienstruk- tur (s.u.), die Umsetzung einer Auftaktveranstaltung und die Entwicklung eines kommunalen Präventionsleitbilds. Um kommunale Präventionsketten aufbauen zu können, wird vom Land NRW vorrangig eine ämter- und dezernatsübergrei- fende Netzwerkkoordination gefördert. Daher sind Maßnahmen im Handlungs- feld 1 obligatorisch. Daneben können auch Maßnahmen in den fünf anderen Handlungsfeldern gefördert werden. Es folgt ein Rückblick auf das Förderjahr 2025 und ein Zwischenstand auf die Handlungsfelder, die in Bonn im Förderjahr 2026 über kinderstark gefördert werden. o Bericht über das Jahr 2025 HF 1: Stärkung kommunaler Vernetzung und Koordinierung Rückblick 2025: Die Koordinierungsstelle kinderstark hat im Jahr 2025 folgende Maß- nahmen ausgebaut, umgesetzt und fortgeführt und war bei den folgen- den Prozessen teils federführend beteiligt: Aufbau und Verstetigung von Netzwerkstrukturen: - Regelmäßige Organisation und Durchführung der verwaltungsin-Seite 2 von 30 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) ternen (Steuerungsgruppe und ämterübergreifende Fachgruppe) und übergreifender interdisziplinärer Gremien (Begleitgremium kinderstark und Koordinierungsgruppe Netzwerke). In der seit 2024 bestehenden Koordinierungsgruppe Netzwerke treffen sich die Koordinierenden der großen Bonner Netzwerke (Frühe Hil- fen, Kinderschutz, kinderstark, Gesundheit, Kinderbetreuung, In- tegration und Inklusion) mit dem Ziel Informationen über alle Netzwerke zu streuen, Planungen aufeinander abzustimmen, Synergieeffekte zu schaffen, die Fachkräfte auf operativer Ebe- ne gut zu informieren und gemeinsam auf den Aufbau der kom- munalen Präventionskette einzuzahlen. Mit dem Begleitgremium kinderstark wurde ein Workshop zum Thema Armut als Entwick- lungsrisiko durchgeführt. - Fortführung der Kooperation mit der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen auf Koordinationsebene im Sinne der kommunalen Prä- ventionskette - Teilnahme an verwaltungsinternen und -externen Arbeitskreisen und Gremien Information und Vernetzung: - Vorstellung der Arbeit der Koordinierungsstelle im städtischen Podcast: Bonn hört hin - Folge 48: Koordinierungsstelle Kinder- stark - Bereitstellung und Durchführung eines digitalen Veranstaltungs- formats "Netzwerk für Einsteiger*innen“. Das Format richtet sich an Fachkräfte rund um Kinder, Jugendliche und Familien in Bonn und bietet einen Einblick in und einen Überblick über die Netz- werklandschaft vor Ort. Nach einer Auftaktveranstaltung wurden in den Vertiefungsterminen die einzelnen Netzwerke vorgestellt. (Frühe Hilfen, Kinderbetreuung, Kinderschutz, Gesundheitsförde- rung, Inklusion, Integration und kinderstark/Prävention) - Pflege und Ausbau des Bonner Familienportals unter Nutzung des Online-Tools „Guter Start NRW“, das auf die Altersgruppe bis 18+ Jahre erweitert wurde. - Vorstellung des Landesprogramms und der Arbeit der Koordinie- rungsstelle kinderstark in unterschiedlichen Netzwerken und Gremien. - Das interdisziplinäre Netzwerktreffen „Gemeinsam Handeln im Kinderschutz“ ist im Jahr 2023 gestartet und wird jährlich mit ei- nem neuen Themenschwerpunkt fortgeführt. Im Jahr 2025 lag der Fokus auf der Partizipation von Kindern im Kinderschutz. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von kinderstark mit den Netz- werk Frühe Hilfen, dem Netzwerk Kinderschutz und dem Ar- beitskreis Opferschutz organisiert und durchgeführt. Die Veran- staltung war bereits am ersten Tag ausgebucht, sodass aufgrund der hohen Nachfrage der Hauptteil digital übertragen wurde. - Die Koordinierungsstelle hat im 2. Jahr präventive Angebote im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung vorgestellt. - In Kooperation mit den Frauenberatungsstellen Bonn wurde eine Kampagne zum Thema Vertrauliche Geburt auf den Weg ge- bracht und verstetigt. - Gemeinsam mit dem AK bewegt konnte eine Broschüre für Fa- milien mit behinderten Kindern herausgegeben werdenSeite 3 von 30 Seite 4Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) - Im Rahmen einer LVR-Veranstaltung für kinderstark- Koordinierende wurde die Bonner Netzwerkarbeit vorgestellt. Das Bonner Familienportal. Guter Start NRW: Seit dem Relaunch 2023 und der Alterserweiterung wird das Bonner Familienportal stetig ausgebaut. Im letzten Jahr wurde das Portal um die Sprachübersetzung in bis zu 17 Sprachen und die Angaben zur Barrie- refreiheit ergänzt. Es konnten neue Anbietende aus verschiedenen Al- tersklassen und Schwerpunkten dazugewonnen werden. In 2025 wurde das Bonner Familienportal weiter beworben und vorgestellt (u.a. Teil- nahme an der Digitalisierungs-Roadshow der Stadtverwaltung, Vorstel- lung des Familienportals im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der VHS). Das Portal befindet sich stets im Aufbau und Neuerungen werden schrittweise eingebaut. Auf Wunsch der Bonner Fachkräfte wurde zu- dem ein Erklärvideo zum Bonner Familienportal für die Elternarbeit ent- wickelt. Mit Stand 29.05.2026 befinden sich 771 Angebote von rund 176 Anbie- tern im Portal. Im Mai 2026 wurden am meisten die Angebote im Be- reich Sport und Bewegung, Krankenhäuser und Kliniken sowie Kinder- tagesstätten besucht. Thematische Zuordnung der Angebote in 2025 Jedem Angebot können bis zu 4 Themen zugeordnet werden. Die Be- reiche Erziehung und Alltag und Freizeit waren mit 630 bzw. 628 Ange- boten am stärksten vertreten, gefolgt vom Bereich Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt mit 278 Angeboten. Zum Thema Gesund- heit gab es 143 Einträge. Der Bereich Schule und Bildung (108) war zahlenmäßig stärker vertreten als im Vorjahr. Die Anzahl der Angebote in den Bereichen Hilfe in schwierigen Lebenssituationen (66), Kinderbe- treuung (59), finanzielle und rechtliche Unterstützung (26), Beruf und Familie (15) sind ungefähr gleichgeblieben. Insgesamt zeigt sich, dass das Bonner Familienportal ein breites Spektrum an Angeboten bietet, wobei der Fokus auf Freizeitgestaltung, Erziehung und frühkindlicher Unterstützung liegt. Bereiche wie finanzielle Hilfen oder Beruf und Fami- lie sind noch weniger präsent. Angebote nach Altersstruktur in 2025 Angebote müssen nicht auf eine einzelne Altersstufe begrenzt sein, sondern decken mehrere Altersgruppen ab und werden daher mehrfach zugeordnet, so dass aus diesen Zahlen nicht einfach auf die Anzahl der Angebote geschlossen werden kann. 320 Angebote waren als „altersu- nabhängig“ deklariert und daher für alle Altersstufen gedacht. Die An- zahl der Angebote ab 6 Jahre und älter lag bei 387 Angeboten (163 An- gebote sind für Kinder und Jugendliche von 6 bis 10 Jahren, 113 Ange- bote für 10 bis 16 Jahren, 81 Angebote für 16 bis 18 Jahren und 30 An- gebote für 18+ vorhanden). Für die 0- bis 6-Jährigen waren 593 Ange- bote im Portal vorhanden, wobei 304 Angebote eingeschränkt für 0- bis 1-Jährige sind. Zielgruppen der Angebote in 2025Seite 4 von 30 Seite 5Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Mit Ende des Jahres 2025 waren Angebote für 16 unterschiedliche Ziel- gruppen im Bonner Familienportal vertreten. Die meisten Angebote wurden für Eltern und Kinder (285) angeboten. Mit Abstand folgten An- gebote für Familien mit internationalem Hintergrund (179), junge Eltern (143), Einelternfamilien und Alleinerziehende (139), Regenbogenfamili- en und queere Eltern (135) und Kinder (131). An den Zahlen ist zu se- hen, dass inzwischen Angebote für viele unterschiedliche Zielgruppen im Bonner Familienportal zu finden sind. Vor allem die hohe Anzahl von Angeboten für Familien mit internationalem Hintergrund ist erfreulich. Zur Weiterentwicklung des vom Ministerium zur Verfügung gestellten Tools findet ein regelmäßiger Austausch mit anderen NRW-Kommunen statt. Bonner Fachkräfte nutzen das Portal u.a. in der Beratung. HF4: Lotsendienst Kinderarztpraxen Der Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen ist seit 2021 in Bonn tätig. Als Kooperationsprojekt mit den Frühe Hilfen hat der Lotsendienst in zwei Kinderarztpraxen gestartet. Nach der Erprobungsphase konnte der Dienst auf 2 weitere Praxen ausgeweitet werden. Seit 2025 sind 8 Praxen aus den Stadtteilen Auerberg, Medinghoven, Poppelsdorf, Bad Godesberg und Beuel vertreten. Neben regelmäßigen Sprechstunden in den Arztpraxen wird zudem Beratung auf Abruf durchgeführt. Das An- gebot richtet sich an Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren. Der Zugang zum Angebot ist für die Familien besonders niedrigschwel- lig, da sie den Kinderarzt seit vielen Jahren kennen und ein Vertrauens- verhältnis besteht. Die Kinderärzte bieten die freiwillige Beratungsmög- lichkeit durch die pädagogische Fachkraft in ihrer Sprechstunde an. Die Lotsin berät zu unterschiedlichen Fragestellungen (Erziehungsfragen, Schwierigkeiten in Schule/Tagesbetreuung, fehlende Kinderbetreuung, Umgang mit Medien, finanziellen Sorgen, Problemen innerhalb der Fa- milien oder mit Freunden, Freizeitgestaltung), vermittelt in passende Hilfsangebote und sucht mit den Eltern gemeinsam nach Lösungen. Auf Wunsch der Familien können Hausbesuche und eine Überleitung in Nachfolgeberatungen erfolgen. Darüber hinaus ist die Lotsin im jeweili- gen Quartier gut vernetzt. Das Angebot ist für Familien vertraulich, frei- willig und kostenfrei. Mit dem Lotsendienst ist es gelungen, ein niederschwelliges Angebot für junge Menschen und ihre Familien in einem Umfeld anzubieten, dem die Familien Vertrauen entgegenbringen. Seit dem Start des Lotsendiensts wurden über 160 Familien beraten. Meist werden im ersten Beratungs- kontakt multiple Problemlagen erkannt, die anschließend gemeinsam priorisiert und bearbeitet werden. Die Anzahl der Beratungskontakte steht in Zusammenhang mit den individuellen Problemlagen der Famili- en. Ziel des Lotsendienstes ist es, die Familien bei der Suche nach passgenauen Angeboten zu unterstützen und die Familien dort an- zubinden. Viele Familien, die den Lotsendienst in Anspruch nehmen, verfügen noch über keine oder wenige Systemkenntnisse. Oft wirkt sich die mangelnde Systemkenntnis negativ auf das gesamte Familiengefü- ge aus. Die Eltern erhalten durch die Beratung der Lotsin Stabilität und Sicherheit, die sich in den Familien positiv auswirkt. Vereinzelt über- brückt der Beratungskontakt zur Lotsin eine Anbindung an ein Regelan- gebot. Fester Bestandteil der Beratung ist die gemeinsame Sichtung der in Bonn vorhandenen Angebote.Seite 5 von 30 Seite 6Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Die Kinderärzte bezeichnen das Lotsen-Angebot als sehr entlastend und arbeitserleichternd. Während der Kinderarzt in seiner Beratungsleis- tung auf die medizinische Gesundheit fokussiert ist, kann die Lotsin über medizinische Belange hinaus tätig werden und besonders soziale Aspekte in den Blick nehmen. Bisher konnte der Stellenanteil der Lotsin über das Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ be- reitgestellt werden. H6: aufsuchende Angebote Mehrsprachige Beratung vor Ort: Seit 2025 wird eine mehrsprachige Be- ratung entlang des Bildungswegs in Bonn-Tannenbusch angebunden an das Haus Vielinbusch gefördert. Das Angebot wird in Kooperation von Familienbüro, Inklusionsbüro, Fibb e.V. und kinderstark durchgeführt. Ziel ist bestehendem Beratungsbedarf gerecht zu werden sowie den Abbau von Zugangshürden zu vorhandenen kommunalen Beratungsan- geboten voranzutreiben. Die mehrsprachige Beratung vor Ort soll dazu beitragen Bedingungen für gelingendes Aufwachsen zu verbessern und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, Vertrauen zu den kommunalen Beratungsangeboten und Bildungsstrukturen aufzubauen, bei Bedarf Brücken zu den beratenden Stellen der Kommune zu bauen und Zu- gang zu Informationen für schwer erreichbare Zielgruppen zu ermögli- chen. Durch den Abbau sprachlicher und kultureller Hürden sollen be- stehende Probleme von Kindern/Jugendlichen auf ihrem Bildungsweg schneller und effizienter bearbeitet werden. o Rückblick und Ausblick 2026: H1: Stärkung kommunaler Vernetzung und Koordinierung Im Förderjahr 2026 wird weiterhin die Kooperation auf Koordinations- ebene und der Ausbau der Netzwerkarbeit ein Thema sein. Hinzukommt das 5-jährige Jubiläum der Koordinierungsstelle kinderstark, welches mit einem Fachtag Prävention gefeiert wurde. In Absprache mit dem Begleitgremium kinderstark wurde der Weg für das neue Veranstal- tungsformat freigemacht. Am 05.05.2026 wurde im Rahmen eines knapp 4-stündigen Fachtags mit Vortragsteil und Best Practice- Beispielen und dem Markt der Präventionsangebote mit rund 120 Bon- ner Fachkräften das 5-jährige Jubiläum gefeiert. Die Rückmeldungen der Bonner Fachkräfte zum Mehrwert des Fachtags waren positiv. Die Möglichkeit die eigenen Angebote vorzustellen, neue Angebote kennen- zulernen und sich entlang der Kommunalen Präventionskette zu vernet- zen wurden gut angenommen. Darüber hinaus nehmen die Pflege der in Bonn entstandenen Struktur und des gebildeten Netzwerks um kinderstark einen großen Anteil des Tagesgeschäfts ein. Viertes Netzwerktreffen: Gemeinsam Handeln im Kinderschutz: Die Planungen für das Format „Gemeinsam Handeln im Kinderschutz“ laufen aktuell auf Hochtouren. Die Veranstaltung findet am 17.06.2026 mit dem Fokus auf Inklusion im Kinderschutz statt. Das Veranstaltungs- team bestehend aus den Netzwerkkoordinierenden der Netzwerke Frühe Hilfen, kinderstark, Kinderschutz und dem Arbeitskreis Opfer- schutz wird in diesem Jahr von der Bonner Behinderten-GemeinschaftSeite 6 von 30 Seite 7Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) unterstützt. Inzwischen haben sich über 200 Personen für die Veranstal- tung angemeldet. Koordinierungsgruppe Netzwerke: Die Netzwerkarbeit liegt weiterhin im Fokus der Koordinierungsstelle, daher wird die Kooperation mit weiteren Netzwerken in den Blick ge- nommen und ausgebaut. Dieser Zusammenschluss auf Koordinations- ebene ist ein wichtiges Element im Strukturaufbau um die Kommunale Präventionskette in Bonn. Beteiligt sind die Stabstelle Gesundheitsför- derung, das Kommunale Integrationszentrum, das Kommunale Integra- tionsmanagement, die Behindertengemeinschaft Bonn, das Netzwerk Bonn-Ort für Alle, das Forum Inklusion lebendig machen, die Netzwerke Kinderschutz, Frühe Hilfen und Kindertagespflege, das Familienbüro und kinderstark als Initiator. Alle beteiligten Netzwerke haben sich aus einer ganzheitlichen Perspektive, die auch die Stärkung der Eltern um- fasst, dem Ziel verschrieben, gesundes Aufwachsen für Kinder und Ju- gendliche in Bonn zu unterstützen. Das in der Koordinierungsgruppe Netzwerke entwickelte digitale Format „Netzwerk für Einsteiger*innen“ wurde evaluiert und wird im Jahr 2026 fortgesetzt. Das Veranstaltungsformat bietet neuen und alten Fachkräf- ten einen guten Überblick und Einstieg in die Bonner Netzwerkland- schaft. In einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung wird im September als Grundorientierung gestartet, angeschlossen daran finden bis zum Ende des Jahres fortlaufend digitale Vertiefungsveranstaltungen statt. Das Bonner Familienportal: Seit 2026 liegt die Administration des Bonner Familienportals vollständig in Zuständigkeit der Koordinierungsstelle kinderstark. Der stetige Aus- bau der Angebote, die Öffentlichkeitsarbeit rund um das Portal sowie die Optimierung des Planungstools nehmen viel Zeit in Anspruch. Per- spektivisch soll die vakante Fachkraftstelle schwerpunktmäßig das Bon- ner Familienportal betreuen. Um das Portal zu verbessern und auszu- bauen ist eine regelmäßige Pflege und Auseinandersetzung mit dem Tool wichtig, um eine Seite für Bürger, aber auch Fachkräfte bereitstel- len zu können, die aktuelle Angebote zu vielen verschiedenen Themen zeigt und Zugänge schafft. Um die Nutzung des Portals zu erleichtern, soll eine Schnittstelle einge- richtet werden, die es ermöglicht das Familienportal gemeinsam mit wei- teren Informationskanälen multiportalfähig zu machen. In diesem Jahr ist erstmals eine Öffentlichkeitskampagne gestartet, mit der das Bonner Familienportal über City Screens in der Stadt beworben wurde. Außer- dem wurden neue Flyer, Poster und Visitenkarten erstellt. H4: Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen Der Lotsendienst in den Kinderarztpraxen hat ebenfalls in 2026 sein 5-jähriges Jubiläum. Ein weiterer Ausbau des Angebotes in den zusätzlichen Kinder- und Ju- gendarztpraxen wird geprüft, da sich in Bonn weitere Pädiater für den Lotsendienst interessieren. H6: Aufsuchende Angebote In Zusammenarbeit mit dem Inklusions- und Familienbüro und Fibb e.V. soll die mehrsprachige Beratung in Bonn-Tannenbusch weitergeführtSeite 7 von 30 Seite 8Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) werden. Das Ziel ist es dem bestehenden Beratungsbedarf gerecht zu werden und einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratungsmöglichkei- ten zu schaffen. Die Beratung soll die gesellschaftliche Teilhabe fördern, indem sprachliche Hürden überwunden werden. Anlage/n 1 Jahresbericht Lotsendienst in Arztpraxen Bonn 2025 (öffentlich) 2 Jahresbericht Bonner Familienportal (öffentlich)Seite 8 von 30 Sandra Rommelfanger Caritasverband für die Stadt Bonn e.V. JAHRESBERICHT 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen Eine Kooperation von kinderstark Bonn und Frühe Hilfen Bonn. Mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.Seite 9 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 1 Inhalt 1. Aktuelle Entwicklungen aus dem Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen.........................2 2. Erreichte Familien ..............................................................................................................2 Anlass der Vermittlung in die Lotsendienst - Sprechstunde ...................................................3 Belastungs- und Risikofaktoren in den Familien ....................................................................3 Anbindung an passgenaue Hilfen .........................................................................................5 Herausforderungen in der Beratung ......................................................................................5 3. Kooperation und Vernetzung.............................................................................................7 Kooperation mit den Arztpraxen ...........................................................................................7 Vernetzung ..........................................................................................................................8 Öffentlichkeitsarbeit ............................................................................................................9 4. Fazit .................................................................................................................................9 5. Ausblick............................................................................................................................9 6. Anhang ..........................................................................................................................10 Abbildung 1 Altersgruppen .....................................................................................................10 Abbildung 2 Familienstand der Eltern .....................................................................................10 Abbildung 3 Themen der Sprechstunde ..................................................................................11 Abbildung 4 Belastungsfaktoren auf Ebene des Kindes ...........................................................12 Abbildung 5 Gesellschaftliche und materielle Risikofaktoren ..................................................12 Abbildung 6 Familiäre Risikofaktoren......................................................................................13 Abbildung 7 Belastungsfaktoren Biografie der Eltern ...............................................................13 Abbildung 8 Weitervermittlung ...............................................................................................14Seite 10 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 2 1. Aktuelle Entwicklungen aus dem Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen Wie in den Vorjahren, so gab es auch in diesem Jahr im Lotsendienst eine Ausweitung: Im Januar 2025 wurden drei neue Praxen auf der Beueler Rheinseite aufgenommen. Diese Praxen konnten schnell mit den Abläufen vertraut gemacht werden und es hat sich rasch eine regelmäßige wöchentliche Sprechzeit etabliert. Mit der Beueler Rheinseite wurde ein komplett neues Einzugsgebiet für den Lotsendienst erschlossen. Aus diesem Grund ist die Lotsin weiterhin dabei, sich mit den ansässigen Institutionen ein Netzwerk aufzubauen. Inzwischen kooperieren damit acht Kinder- und Jugendarztpraxen im gesamten Bonner Stadtgebiet mit dem Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen. 2. Erreichte Familien Im Jahr 2025 haben 75 Familien die Beratung des Lotsendienstes in Anspruch genommen. Davon sind fünf (7%) Familien am Anfang des Jahres aus dem Vorjahr fortgeführt wurden. Im Jahresverlauf haben sich weitere acht bekannte Familien gemeldet, die erneuten Beratungsbedarf hatten. Insgesamt haben etwa 270 Familien seit dem Start des Lotsendienstes in Bonn eine Sprechstunde in Anspruch genommen. *von August-Dezember Jahr Familien 2025 75 2024 81 2023 57 2022 60 2021* 23Seite 11 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 3 Anlass der Vermittlung in die Lotsendienst - Sprechstunde In den meisten Fällen der Beratung war das Hauptthema die therapeutische Anbindung (32%). Hierzu gehört die Anbindung an Logopädie und Ergotherapie, an Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) und Frühförderstellen, aber auch an psychiatrische, psychologische und psychotherapeutische Praxen, sowie Facharztpraxen. Vier Familien (5%) wurden zu speziellen Reha Angeboten weitervermittelt, z.B. bei Adipositas, Sprachstörung und Lungenerkrankungen. (Abbildung 8 Weitervermittlung) Besonders einprägsam waren in diesem Jahr die Begleitung und Anbindung der Kinder mit der Diagnose oder dem Verdacht auf eine Autismus Spektrum Störung. Insgesamt waren zehn Familien (13%) davon betroffen. Vielen dieser Familien fehlten die entsprechenden Unterstützungs- und Entlastungsangebote. So fehlte z.B. eine entsprechende Kinderbetreuung oder die Familien sind zusätzlich belastet von Kurzzeitbeschulung, langen Eingewöhnungszeiten in den Kitas, fehlenden Schul- bzw. Kita-Assistenten und fehlendem Schultransport. Aber auch zeitnahe Zugänge zur Autismus - Therapie waren nicht vorhanden. Häufig ist das ganze Familiensystem betroffen: so sind nicht nur die Eltern schwer belastet, sondern auch die Geschwisterkinder von der Situation sehr betroffen. Für die Lotsin war es kaum bis gar nicht möglich, diesen Familien die nötigen Hilfsangebote zu organisieren, damit sie die so dringend notwendige Entlastung erfahren konnten. Entlastung gab es in diesem Jahr bei der Suche nach Betreuungsplätzen. Eltern ohne System- und Sprachkenntnisse brauchten weiterhin Unterstützung bei der Anmeldung in das Kita-Net Portal (digitales Anmeldeportal für Kindertagesstätten und -Kindertagespflege in Bonn). Viele Kinder haben einen Betreuungsplatz bekommen und lediglich Familien mit der Suche nach einem inklusiven Platz brauchten intensivere Unterstützung. Auch kamen Themen die Schule betreffend in diesem Jahr häufig vor (13%). Hierzu gehören Probleme mit der Schule oder Lehrer:innen, Anfragen zu Unterstützungsbedarf bei Schulwechsel in die weiterführende Schule, Themen wie Schulrückstellung und Förderbedarf, Schulangst, Schulabsentismus und Schulassistenz. 11% der Schüler:innen waren wegen Lernproblemen in der Beratung. (Siehe Abbildung 3 Themen der Sprechstunde) Belastungs- und Risikofaktoren in den Familien Auch in diesem Jahr umfassten die Beratungen häufig mehrere Themenbereiche, selbst wenn ursprünglich nur ein konkreter Anlass zur Sprechstunde führte. Erst aus dem Beratungskontext ergaben sich weitere Themen, die darauf hindeuten, dass die einzelnen Familien mit einer Vielzahl an Belastungen konfrontiert sind. Hinweise auf erhebliche Belastungsfaktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit oder Migration ergaben sich meist erst im Beratungskontext. Diese Faktoren waren nur selten der unmittelbare Grund für die Inanspruchnahme der Beratung, stellten jedoch häufig die zugrunde liegenden Ursachen der von den Familien geschilderten Anliegen dar. Zudem zeigte sich nicht selten ein gleichzeitiger Unterstützungsbedarf bei Geschwisterkindern. Auffallend war die Zahl der Familien, die von häuslicher Gewalt betroffen waren oder aktuell noch sind. So war das Thema bei vier Familien (5%) Teil der Beratung und insgesamt sechs Familien (8%) haben angegeben davon betroffen gewesen zu sein. Die Beratung hierzu ist sehr individuell und sehr abhängig von der akuten Situation der Familie. So stellt sich die Situation anders da, wenn die häusliche Gewalt schon sehr viel länger in der Vergangenheit liegt, als wenn sie erst gerade geschehen ist oder noch geschieht. Hier muss immer das Wohlergehen der betroffenenSeite 12 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 4 Kinder und die Interessen der (häufig-aber nicht immer) betroffenen Mütter genau erfasst und in Einklang gebracht werden, um der Familie in dieser Situation auch weiterhelfen zu können. Von den Ratsuchenden mit Migrationshintergrund sind diese Herkunftsländer am häufigsten in der Beratung vertreten gewesen: Syrien, Türkei, Albanien, Afghanistan, Irak, Ukraine, Somalia, Italien, Iran und Ghana. 65% der Familien waren mit fehlenden Systemkenntnissen in der Beratung. Es waren 13 Elternteile (17%) ohne Deutschkenntnisse in der Beratung und ebenso viele Familien (17%) mit wenigen Deutschkenntnissen. Die Verständigung hat dann oft nur mit deutschsprachigen Begleitpersonen, ehrenamtlichen Sprachmittler:innen, Telefon - Dolmetscherinnen oder einem mobilen Übersetzungsgerät funktioniert. Die Beratung beschränkt sich in diesen Fällen nur auf das Wesentliche und ist dann auch für beide Seiten häufig sehr unbefriedigend, da Themen nicht in ihrem ganzen Umfang betrachtet oder besprochen werden können. Informationen fehlen teilweise oder lassen sich nur ganz langsam zusammensetzen und es kann zu Missverständnissen führen. Es kommt vor, dass Eltern ihre eigenen Kinder für die Übersetzung mitbringen wollen. Diese Konstellation ist vom Lotsendienst jedoch nicht gewollt: Die Kinder sind häufig noch zu jung, um das Thema zu erfassen und die Verantwortung für ihre eigenen Angelegenheiten zu tragen. Gleichzeitig bleibt unklar, welche Inhalte überhaupt und wie übersetzt werden. Daher werden mit den Eltern andere Möglichkeiten für die Übersetzung gesucht. Weiteren Risiko- und Belastungsfaktoren für Kinder und Jugendliche sind in den Grafiken im Anhang abgebildet. Wie in den letzten Jahren ergab sich aus dem Beratungskontext, dass 60% der Ratsuchenden von Armut betroffen sind. So beziehen Familien Leistungen aus einem der Mindestsicherungssysteme SGB II, SGB XII und Asylbewerberleistungsgesetz, haben ein sehr geringes Einkommen oder sind ein alleinerziehendes Elternteil. (Siehe Abbildung 5 Gesellschaftliche und materielle Risikofaktoren) Zu den Risikofaktoren für Armut können unterschiedliche Familienkonstellationen zählen. Unter anderem besteht ein erhöhtes Risiko für alleinerziehende Elternteile (37%), die aufgrund der Betreuungssituation nicht bzw. nur in Teilzeit arbeiten können und somit weniger Geld zur Verfügung haben. (Abbildung 2 Familienstand der Eltern) Aber auch die Anzahl der Kinder, die mit in der Familie leben, erhöht das Risiko für Armut. Aufgrund der hohen Kinderzahl sind viele Ausgaben zu stemmen und es ist sehr herausfordernd, die familiären Grundbedürfnisse zu decken. Zu den Familien, die als „kinderreich“ gewertet werden, zählen solche mit drei oder mehr Kindern. In diesem Jahr hatten 20% der Familien mehr als drei Kinder. (Abbildung 7 Belastungsfaktoren Biografie der Eltern) Viele dieser Familien wurden durch die Lotsin über die Möglichkeiten der Inanspruchnahme von zusätzlichen Leistungen z.B. aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, dem Bonn-Ausweis zur Befreiung der Zahlung des Mittagessens, Wohngeld oder Kinderzuschlag aufgeklärt, da ihnen grundlegend schon wenige finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Zu den weiteren Risikofaktoren für Armut zählen Familien, zu denen ein Familienmitglied mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung gehört. Das war bei 19% der Ratsuchenden der Fall. Durch die eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten, aufgrund des Pflegebedarfs und der höheren Lebenshaltungskosten ist diese Gruppe besonders betroffen. (Abbildung 4 Belastungsfaktoren auf Ebene des Kindes)Seite 13 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 5 Viele Familien gaben auch Wohnungsprobleme als einen großen Belastungsfaktor an. Hierbei waren viel zu enge bzw. unzumutbare Wohnverhältnisse, wie Schimmel oder Ungeziefer ursächlich für ihre Wohnungsprobleme. Im Beratungskontext gaben 23% der Familien an, unter beengten Wohnungsbedingungen zu leben und für fünf Familien war es Thema der Beratung. Der Bonner Wohnungsmarkt lässt es bei diesen Familien nicht zu, ihre Wohnumstände zu verändern, da nur selten ein Wohnungswechsel möglich ist. (Abbildung 5 Gesellschaftliche und materielle Risikofaktoren) Anbindung an passgenaue Hilfen Der Fokus des Lotsendienstes besteht darin, Familien in passgenaue Hilfesysteme zu vermitteln, was erst nach einer sorgfältigen Analyse der individuellen Bedarfe und Lebensumstände möglich ist. Im Beratungskontext können den Ratsuchenden passende Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt werden und bei Bedarf kann ein erster Kontakt zu den entsprechenden Institutionen hergestellt werden. Oftmals ist es zudem hilfreich, wenn die Lotsin die Familie persönlich zu dem Unterstützungsangebot begleitet. 37 Familien (49%) wurden in andere Beratungsstellen weitervermittelt, z.B. die Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder, die Migrationsberatung, BOOFE (Beratung für Eltern mit Kind mit Behinderung oder chronischer Erkrankung) oder zur Sozialberatung, Adipositas Programm „durch dick und dünn“, Frauenberatungsstellen oder Hakuna Matata (Gruppenangebot für von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche). 18 Kinder (24%) wurden bei der Anmeldung zur Diagnostik bei einer Frühförderstelle oder einem SPZ unterstützt oder gar dorthin begleitet. Der Bereich „sonstige“ beinhaltet unter anderem Seiten im Internet, wie z.B. www.pflegewegweiser-nrw.de, aber auch Facharztpraxen, Mutter-Kind-Kuren, Rehaeinrichtungen, Standesamt, Eingliederungshilfe und Lern- und Sozialtrainings. (Abbildung 8 Weitervermittlung) Wie bereits in den vergangenen Jahren hat sich auch aktuell an der Situation der zügigen Weiterleitung in passende Hilfesysteme kaum etwas verändert. Die Dauer der Vermittlung ist weiterhin durch lange Wartezeiten geprägt, insbesondere im Bereich der Diagnostik und Therapie. Zudem erschweren fehlende Angebote und bestehende Kapazitätsengpässe eine zeitnahe Weitervermittlung erheblich. Bei komplexen Problemlagen sind häufig zusätzliche Beratungstermine erforderlich. In den Folgegesprächen zeigt sich jedoch oftmals eine größere Offenheit, wodurch die Lotsin vertiefte Einblicke in die familiäre Situation erhält. Diese zusätzlichen Informationen tragen dazu bei, eine möglichst passgenaue Weitervermittlung zu ermöglichen Herausforderungen in der Beratung Hoher Medienkonsum Ein besonderes Thema war der hohe Medienkonsum der Kinder und Jugendlichen, insbesondere bei Kleinkindern und die Auswirkungen auf die Entwicklung dieser Kinder. Allerdings war ein zu hoher Medienkonsum nur einmal der Anlass des Beratungstermins. Immer wieder aber konnte beobachtet werden, dass viele Kinder schon sehr früh ein Smartphone in die Hand gedrückt bekamen.Seite 14 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 6 Es scheint, dass vielen Eltern das Bewusstsein über die Auswirkungen auf das Verhalten und die Entwicklung ihrer Kinder fehlen. Dadurch war es häufig schwierig, das Thema Bildschirmzeiten zu thematisieren, da die Ansprache immer mit dem Stand des Vertrauensverhältnisses abgewogen werden musste. Bei Familien, mit denen nur ein kurzer Kontakt entstand, war es kaum möglich, das Thema intensiver zu besprechen. Viele Eltern haben die Einsicht, dass die hohe Bildschirmzeit ihrem Kind schadet, aber es fehlt häufig an anderen Handlungsstrategien ihr Kind altersgemäß zu beschäftigen. Immer wieder entstand der Eindruck, dass Kinder mit einer Autismus Spektrum Störung durch einen Bildschirm ruhig/stumm gestellt wurden. Eltern nutzten diese Strategie, um dadurch Entlastung zum Durchatmen zu erfahren oder aber auch Beratungsgespräche wie die des Lotsendienstes überhaupt ungestört durchführen zu können. Fortschreitende Digitalisierung Wichtig ist es auch, an dieser Stelle auf das Thema fortschreitende Digitalisierung und die digitale Teilhabe und Inklusion einzelner aufmerksam zu machen. So kommt es vor, dass einzelne Familien an Angeboten nicht mehr partizipieren können. Die Ursachen hierfür können unterschiedlich sein, zum Beispiel können die Zugänge und die Fähigkeiten zu digitalen Technologien fehlen. So kann ein funktionaler Analphabetismus oder fehlende Sprachkenntnisse auch ursächlich für das Fehlen eines E-Mail-Accounts sein. So kommt für diese Familien erschwerend hinzu, dass einige Facharzttermine oder die Anmeldung zu Freizeitangeboten nur noch mit einer Onlineregistrierung möglich sind. Um die Digitalisierung inklusiver zu gestalten, müssen daher nicht nur technologische, sondern auch sprachliche und bildungspolitische Maßnahmen ergriffen werden, die Menschen mit geringer Literalität unterstützen und ihnen den Zugang zur digitalen Welt ermöglichen. Jugendliche Nichtschwimmer Ein weiteres Problem sind jugendliche Nichtschwimmer, d.h. Kinder und Jugendliche, die während der Grundschulzeit aus unterschiedlichen Gründen das Schwimmen nicht erlernt haben. Diese fehlende Fähigkeit aufzuholen, ist in der gegenwärtigen Situation sehr schwierig. Zum einen ist es, wie in den Jahren zuvor schon benannt, in Bonn schwer einen Schwimmkurs Platz zu erlangen. Zum anderen stellt sich noch ein anderes Problem dar: Die Wassertiefe wird in den Anfängerkursen der Körpergröße der Schüler:innen angepasst. Variiert die Körpergröße stark, was in der Alterspanne der 6-16-Jährigen häufig der Fall ist, ist das Wasser für die Kinder/Jugendlichen entweder zu tief oder zu flach, um Schwimmern zu erlernen. Die Teilnahme der Jugendlichen an Schwimmkursen für Kinder ist somit nicht möglich. Von daher wäre es notwendig, insbesondere in den Ferienzeiten, den älteren Kindern und Jugendlichen ein Schwimmlernangebot zu bieten, dass zu ihrem Alter und der Körpergröße passt. Zumal das Erlernen von Schwimmen mit Gleichaltrigen, auch die Hemmungen und das Schamgefühl reduzieren würde.Seite 15 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 7 3. Kooperation und Vernetzung Kooperation mit den Arztpraxen Anfang des Jahres 2025 wurden drei weitere Kinder- und Jugendarztpraxis im Beueler Stadtgebiet aufgenommen. Hierzu gehören die Praxis von Dr. Hepping, die Praxis von Dr. Lehnen (die im Sommer 2025 von Frau Dr. Erich übernommen wurde) und die Gemeinschaftspraxis von Dr. Steiner und Dr. Schmidt. Die Praxen konnte sehr gut und schnell in den Ablauf des Lotsendienstes integriert werden. In der zweiten Jahreshälfte wurde das Buchungsprogramm „bookings“ zur besseren Terminkoordination für diese drei Praxen testweise eingeführt und hat sich bisher als zuverlässig erwiesen. So können die einzelnen Praxen direkt vor Ort in der Praxis mit ihren Patienten:innen einen Termin für den Lotsendienst buchen. Dies hat den Vorteil, dass zeitnah Termine gebucht werden können und nicht so viele Termine verfallen. Anfang des Jahres fand das mittlerweile jährliche Austauschtreffen statt. Zu dem Austauschtreffen sind neben den teilnehmenden Pädiater:innen auch Vertreterinnen der Koordinierungsstelle „kinderstark“ eingeladen. In diesem Gremium können aktuelle Themen und Exkurs¿.Dauer.der.Begleitung.durch.den.Lotsendienst. Immer wieder wird gefragt, wie lange die Begleitung der Familien durch die Lotsin dauert. Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden. Ziel des Lotsendienstes ist es, Familien an passgenaue Hilfen anzubinden. Familien, die mit einer Fragestellung zu einem spezifischen Themenbereich in die Beratung kommen, sind oft mit einer Antwort zufrieden und schnell in eine passgenaue Hilfe weitergeleitet. Diese Familien sieht die Lotsin häufig auch nur einmal. Familien, die mit mehreren Themen, die sich im erschwerenden Fall auch noch gegenseitig bedingen, in die Beratung kommen, sind nicht so einfach weiterzuvermitteln. Diesen Familien fällt es oft auch schwer, ihr Anliegen in der Beratung zu formulieren. So kommt es auch vor, dass es nicht das gleiche Anliegen ist, welches die Arztpraxis in ihren Anfragebogen vorab mitgeteilt hat. Eine derartige Ausgangslage macht es deutlich schwerer, eine passgenaue Unterstützungsmöglichkeit für die Familie zu finden. Z.B. kommen mehrere Hilfen in Frage oder es gibt kein passgenaues Angebot oder keine freien Kapazitäten. Es braucht viel Feingefühl und auch Erfahrung, um dem ursächlichen Problem auf den Grund zu gehen, bevor dann das passende Angebot gemeinsam mit der Familie gefunden werden kann. Immer wieder kommt es auch vor, dass Familien nicht bei der entsprechenden Stelle ankommen oder Termine nicht wahrnehmen. So ist es in diesem Jahr auch vorgekommen, dass einzelne Familien lange begleitet werden mussten, bis die Familie bereit war, sich auf ein Angebot einzulassen. Dies war nur mit einem hohen zeitlichen Einsatz, Unterstützung und Vertrauensaufbau möglich. Nach einer engen und langen Begleitung fällt es den Familien wiederum oft schwerer, sich wieder von der Lotsin zu verabschieden.Seite 16 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 8 Anliegen sowie Verbesserungsvorschläge besprochen werden. Hier wurde unter anderem auch das Thema der nächsten Mitarbeitenden-Schulung festgelegt. Im Herbst wurde eine Mitarbeitenden-Schulung mit einer erfahrenden Supervisorin / Coachin in Form eines Workshops zum Thema „Tipps & Tricks im Umgang mit herausfordernden Eltern“ organisiert und angeboten. Es haben sich insgesamt 20 Personen aus den teilnehmenden Praxen angemeldet; Pädiater:innen und medizinische Fachangestellte gleichermaßen. Anhand der mitgebrachten Fallbeispiele wurden gemeinsame Lösungsstrategien erarbeitet und festgehalten. Diese Veranstaltung wurde mit durchweg positivem Feedback der teilnehmenden Personen evaluiert. Aussagen der Teilnehmenden: Vernetzung Ein wesentlicher Bestandteil der Tätigkeit des Lotsendienstes in Kinder- und Jugendarztpraxen ist die Netzwerkarbeit. Um Familien schnell weitervermitteln zu können, sind Kontakte zu entsprechenden Institutionen sowie ein aktuelles Wissen über deren Angebote und Ansprechpersonen erforderlich. Diese Kontakte müssen aufgebaut und kontinuierlich gepflegt werden, damit sie im Bedarfsfall schnell genutzt werden können. Die Vernetzungsarbeit ist eine zeitintensive Aufgabe für die Lotsin, da die sehr differenzierten Themen fortlaufend erweitert und aktualisiert werden müssen. Von daher hat die Lotsin in diesem Jahr an folgenden Netzwerk Veranstaltungen teilgenommen: • Interdisziplinären Qualitätszirkel Sozialpädiatrie • Netzwerktreffen Frühe Hilfen • Stadtteil Arbeitskreis in Medinghoven • Fachkräfte Café des Kinderschutzbundes • Austausch- und Informationstreffen mit Lotsen und Lotsinnen aus anderen Kommunen im Rahmen von „kinderstark NRW schafft Chancen“ • Dialogforum: „Über Armut sprechen“ • Arbeitskreis Kinderschutz • Arbeitskreis Kinder- und Jugendgesundheit „Sehr interessanter, schöner und bereichernder Workshop.“ „Es war eine sehr nette Runde; eine sehr gute Referentin“Seite 17 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 9 Öffentlichkeitsarbeit Die Materialien der Öffentlichkeitsarbeit wurden farblich und inhaltlich neu angepasst und in den teilnehmenden Praxen verbreitet. Ein Konzept für den Lotsendienst wurde in diesem Jahr erstellt und kann hier eingesehen werden: Konzept Lotsendienst in Bonner Kinder- und Jugendarztpraxen 4. Fazit In allen Bereichen haben sich Abläufe verstetigt und aufgrund der guten Zusammenarbeit zwischen Lotsin und Praxispersonal (Pädiater:innen und Medizinischen Fachangestellten) konnte ein gutes Vertrauensverhältnis und Grundverständnis für einen geregelten Ablauf der Lotsendienst Sprechstunde geschaffen werden. So konnten auch in diesem Jahr die neuen Praxen gut etabliert werden. Auch sind durch die gestiegene Anzahl der Praxen, die Schwankungen der Nachfrage nicht mehr so stark spürbar gewesen und die Anfragen haben sich insgesamt besser über das Jahr verteilt. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass ein paar Familien in diesem Jahr die Begleitung der Lotsin etwas intensiver und länger in Anspruch nahmen. 5. Ausblick Im Sommer 2026 kann der Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen auf ein fünfjähriges Bestehen blicken. Im Frühjahr 2026 ist ein Austauschtreffen mit den Pädiater:innen und der Koordinierungsstelle „kinderstark“ geplant. Dieses Gremium dient dazu, aktuelle Themen zu diskutieren, Abstimmungen vorzunehmen und den Austausch untereinander zu fördern. Der Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen verfolgt das Ziel, für alle Beteiligten einen Mehrwert zu schaffen: Die Praxen profitieren durch Entlastung, die Familien erhalten neue Perspektiven und Möglichkeiten, ihre individuelle Situation zu verbessern. Zugleich lassen sich Versorgungslücken erkennen und Hinweise zur Optimierung der Versorgung ableiten. Im kommenden Jahr soll das Thema Bildschirmzeiten und deren Auswirkungen vertieft werden. Ziel ist es, besser mit Eltern ins Gespräch zu kommen und sie zu dem Thema sensibilisieren und andere Handlungsstrategien erarbeiten zu können. Kontakt: Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen Sandra Rommelfanger Caritasverband für die Stadt Bonn e.V. Dyroffstr. 7 - 53113 Bonn - Tel.: 0228 108 227Seite 18 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 10 6. Anhang Abbildung 1 Altersgruppen Abbildung 2 Familienstand der Eltern Ehe-/ Lebensgemeinschaft 63% Alleinerziehend 37% Familienstand ElternSeite 19 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 11 Abbildung 3 Themen der Sprechstunde 1% 1% 3% 4% 4% 4% 4% 5% 5% 5% 5% 5% 5% 7% 11% 13% 13% 13% 16% 16% 17% 21% 23% 32% 44% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% 40% 45% 50% erhöhter Medienkonsum keine E-Mail Adresse finanzielle Themen Kitaprobleme Trennung der Eltern geringe Literalität/ funktionaler Analphabetismus Diskriminierung Freizeitgestaltung Erziehungsunsicherheiten Häusliche Gewalt Adipositas Reha Angebot Pflege Themen Wohnungssuche/ -probleme Schul-/ Lernprobleme geistige u./o. körperliche Beeinträchtigung Autismus Schulthemen fehlender Betreuungsplatz fehlende Deutschkenntnisse Verhaltens- und emotionale Störung Sprachentwicklungsverzögerung/-störung Entwicklungsverzögerung/-Störung Therapeutenanbindung Akute Belastungssituation THEMEN DER SPRECHSTUNDESeite 20 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 12 Abbildung 4 Belastungsfaktoren auf Ebene des Kindes Abbildung 5 Gesellschaftliche und materielle RisikofaktorenSeite 21 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 13 Abbildung 6 Familiäre Risikofaktoren Abbildung 7 Belastungsfaktoren Biografie der ElternSeite 22 von 30 Jahresbericht 2025 Lotsendienst in Kinder- und Jugendarztpraxen 14 Abbildung 8 WeitervermittlungSeite 23 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 Jahresbericht 2025 Bonner FamilienportalSeite 24 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 1 1 Bonner Familienportal Das Bonner Familienportal ist ein digitaler Angebotskatalog basierend auf dem Tool Guter Start NRW, das vom MKJFGFI den Kommunen in NRW kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ziel des Bonner Familienportals ist es, Angebote von Bonner Einrichtungen für Familien, Kinder und Jugendliche von 0 bis 18+sichtbar zu machen und Nutzer*innen eine zentrale, bedarfsorientierte Suche nach Angeboten zu ermöglichen. Die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen Bonn1 setzt das Tool bereits seit 2019 ein, um die Angebote für Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren zeitgemäß und übersichtlich zu präsentieren. Dank der Förderung durch das Programm kinderstark wurde der Angebotskatalog in Bonn ab 2020 auf die Altersstufe bis 6 Jahre ausgeweitet. Seit Mitte November 2023 können im Bonner Familienportal nun Angebote für die gesamte Altersgruppe von 0 bis 18+ Jahren erfasst werden. Die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen übernimmt seitdem weitergehende administrative Aufgaben – auch über die Altersgruppe der 0-3jährigen hinaus. Gemeinsam arbeiten die Koordinierungsstellen kinderstark und Frühe Hilfen bis 2025 daran, das Portal auszubauen und bekannter zu machen. In 2026 endet die Zusammenarbeit. Derzeit sind im Bonner Familienportal rund 830 Angebote von etwa 160 Bonner Einrichtungen erfasst. Die überwiegende Anzahl der Angebote wird direkt von den jeweiligen Einrichtungen eingetragen und gepflegt. Aufgaben der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen Die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen war bis Ende 2025 im Auftrag der Koordinierungsstelle kinderstark als Servicestelle für das Portal tätig und Ansprechpartnerin für Netzwerkpartner und eintragende Einrichtungen. Sie kümmerte sich z.B. um die Registrierung neu hinzukommender Einrichtungen, half bei Problemen mit Passwort und Einloggen und übernimmt die Kontaktpflege. Die Träger wurden durch regelmäßige Rundschreiben und Ansprache bei Netzwerk- und Gremientreffen über Neuerungen informiert und motiviert, neue Angebote regelhaft einzutragen. Außerdem war die Koordinierungsstelle für die Qualitätssicherung der vorhandenen Angebote zuständig, z.B. durch stichprobenartige Überprüfung der Aktualität oder Gültigkeit der angegebenen Links. Regelmäßig wurden Online-Schulungen und -Sprechstunden für die Akteure angeboten – individuelle Nachfragen wurden telefonisch geklärt. Die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen stellte einen Leitfaden bereit, der regelmäßig aktualisiert wurde. Insgesamt wurden 2025 33 neue Benutzerzugänge vergeben oder bereits Existierende aktualisiert. 1 Die Koordinierungsstelle Frühe Hilfen Bonn wird in Bonn von Familienkreis e.V. und Caritasverband für die Stadt Bonn e.V. betrieben und ist im Auftrag der Stadt Bonn tätig. Die Aufgaben das Familienportal betreffend sind organisatorisch an den Familienkreis e.V. angegliedert und werden durch das Landesprogramm kinderstark finanziert sowie Eigenmittel der Stadt Bonn.Seite 25 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 2 2 Statistik 2025 Zu Beginn des Jahres 2026 waren ca. 800 Angebote von ca. 160 Anbietern im Bonner Familienportal erfasst. Die Zahl variiert, weil abgelaufene Angebote automatisch ins Archiv einer Einrichtung verschoben werden, damit nicht mehr sichtbar sind und auch nicht gezählt werden. Thematische Zuordnung der Angebote Jedem Angebot können bis zu 4 Themen zugeordnet werden. Das Diagramm zeigt die Verteilung der Angebote im Bonner Familienportal nach verschiedenen Themenbereichen. Die Bereiche Erziehung und Alltag und Freizeit waren mit 630 bzw. 628 Angeboten am stärksten vertreten, gefolgt vom Bereich Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt mit 278 Angeboten. Zum Thema Gesundheit gab es 143 Einträge. Der Bereich Schule und Bildung (108) war zahlenmäßig stärker vertreten als im Vorjahr. Die Anzahl der Angebote in den Bereichen Hilfe in schwierigen Lebenssituationen (66), Kinderbetreuung (59), finanzielle und rechtliche Unterstützung (26), Beruf und Familie (15) sind ungefähr gleichgeblieben. Insgesamt zeigt sich, dass das Bonner Familienportal ein breites Spektrum an Angeboten bietet, wobei der Fokus auf Freizeitgestaltung, Erziehung und frühkindlicher Unterstützung liegt. Bereiche wie finanzielle Hilfen oder Beruf und Familie sind hingegen weniger präsent. 630 628 278 143 108 66 59 40 26 15 0 100 200 300 400 500 600 700 Zuordnung zu Themen Erziehung und Alltag Freizeit Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt Gesundheit Schule und Bildung Hilfe in schwierigen Lebenssituationen Kinderbetreuung Erwachsenwerden Finanzielle und rechtliche Unterstützung Beruf und FamilieSeite 26 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 3 3 Angebote nach Altersstruktur Die Anbieter konnten ihren Angeboten mehrere Altersstufen zuweisen oder das Angebot als „altersunabhängig“ definieren, z. Bsp. bestimmte Beratungsangebote oder die Untersuchung in der Kinderarztpraxis. Das folgende Diagramm zeigt die Verteilung der definierten Altersbereiche. Angebote müssen nicht auf eine einzelne Altersstufe begrenzt sein, sondern decken mehrere Altersgruppen ab und werden daher mehrfach zugeordnet, so dass aus diesen Zahlen nicht einfach auf die Anzahl der Angebote geschlossen werden kann. 320 Angebote waren als „altersunabhängig“ deklariert und daher für alle Altersstufen gedacht. Die Anzahl der Angebote ab 6 Jahre und älter lag bei 387 Angeboten (163 Angebote sind für Kinder und Jugendliche von 6-10 Jahren, 113 Angebote für 10 bis 16 Jahren, 81 Angebote für 16 bis 18 Jahren und 30 Angebote für 18+ vorhanden). Für die 0- bis 6-Jährigen waren 593 Angebote im Portal vorhanden, wobei 304 Angebote eingeschränkt für 0-1jährige sind. Angebotsart Die Art der im Bonner Familienportal sichtbaren Angebote waren ebenfalls vielfältig. Auch hier ist es möglich einem Angebot mehrere Begriffe zuzuordnen. Der Schwerpunkt lag 2025 klar bei Gruppenangeboten (260), gefolgt von Kursen/Workshops (199) und Beratungsangeboten (190). Die hohe Zahl bei Gruppenangeboten und Kursen ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Angebote der Familienbildung erfasst wurden wie zum Bsp. Eltern-Kind-Gruppen. Unterstützt wurden die Träger der Familienbildung durch die Kufer Schnittstelle, eine (halb-) automatische Schnittstelle zu Guter Start. 53 Angebote waren Veranstaltungen, 67 Angebote betrafen die medizinische Versorgung, 41 waren Online Veranstaltungen und 79 Angebote waren keiner der genannten Angebotsarten zuzuordnen. 131 304 289 262 163 113 81 30 320 0 50 100 150 200 250 300 350 Altersstrukuktur der Angebote Vor der Geburt 0 bis 1 Jahre 1 bis 3 Jahre 3 bis 6 Jahre 6 bis 10 Jahre 10 bis 16 Jahre 16 bis 18 Jahre 18+ Jahre AltersunabhängigSeite 27 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 4 4 Zielgruppen der Angebote Mit Ende des Jahres 2025 waren Angebote für 16 unterschiedliche Zielgruppen im Bonner Familienportal vertreten. Die meisten Angebote wurden für Eltern und Kinder (285) angeboten. Mit Abstand folgten Angebote für Familien mit internationalem Hintergrund (179), junge Eltern (143), Einelternfamilien und Alleinerziehende (139), Regenbogenfamilien und queere Eltern (135) und Kinder (131). An den Zahlen ist zu sehen, dass inzwischen Angebote für viele unterschiedliche Zielgruppen im Bonner Familienportal zu finden sind. Vor allem die hohe Anzahl von Angeboten für Familien mit internationalem Hintergrund ist erfreulich. 260 199 190 79 67 53 41 0 50 100 150 200 250 300 Art des Angebotes Gruppenangebot Kurs / Workshop Beratung andere Angebotsart Medizinische Versorgung Veranstaltung Online Angebot 285 179 143 139 135 131 125 124 110 90 80 57 29 18 16 10 0 50 100 150 200 250 300 Zielgruppen der Angebote Eltern und Kinder Familien mit internationalem Hintergrund Junge Eltern Einelternfamilien und Alleinerziehende Regenbogenfamilien und queere Eltern Kinder Patchworkfamilien Familien mit drei Kindern oder mehr Pflegefamilien Eltern Jugendliche (Werdende Mütter) (Werdende Väter) Fachkräfte Mehrelternfamilien Familienmitglieder mit Behinderungen / Pflegebedarf / FörderbedarfSeite 28 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 5 5 Registrierungsformulare Im Jahr 2024 wurden in Zusammenarbeit mit der Koordinierungsstelle kinderstark Kriterien für Einrichtungen zur Nutzung des Bonner Familienportals erarbeitet, um sowohl qualitative als auch formale Voraussetzungen sicherzustellen. Hierzu zählten unter anderem die Unterzeichnung der Kinderschutzverordnung der Stadt Bonn sowie die Gemeinnützigkeit der Anbieter in Verbindung mit einer öffentlichen Förderung durch die Stadt Bonn. Diese Kriterien sind von den Einrichtungen im Rahmen der Beantragung der Aufnahme in das Bonner Familienportal verbindlich zu bestätigen. Zu diesem Zweck wurde ein Formular entwickelt, über das die Einrichtungen ihre Kontaktdaten übermitteln, die Erfüllung der Kriterien erklären und der Geltung der Nutzungsbedingungen für das Bonner Familienportal zustimmen. Nachdem der Rücklauf der Formulare im Jahr 2024 nur zögerlich erfolgte, wurden im Jahr 2025 sämtliche Einrichtungen erneut angeschrieben. Von den zu diesem Zeitpunkt bereits registrierten Anbietern sendeten dann 2025 56 Einrichtungen das ausgefüllte Formular zurück. Anbieter, die sich im Jahr 2025 neu registrierten, waren verpflichtet, das Formular als Voraussetzung für die Vergabe der Zugangsdaten einzureichen. Kooperation und Vernetzung Im Jahr 2025 wurde das Bonner Familienportal weiter bei zahlreichen Treffen vorgestellt. Zweimal jährlich fanden kommunale Austauschtreffen mit anderen nordrhein-westfälischen Kommunen wie Köln, Düsseldorf, Dortmund, Leverkusen und Duisburg statt. Diese Treffen bieten eine wertvolle Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitarbeitenden, die mit Guter Start NRW arbeiten. Themen waren z.B. die Nutzung des Portals, die Frage, wer Angebote einpflegt und veröffentlichen darf, sowie Strategien zur Öffentlichkeitsarbeit. Auch Probleme und Hürden im Umgang mit Guter Start NRW wurden diskutiert. Die gewonnenen Erkenntnisse flossen in die Arbeit in Bonn ein und trugen zur Weiterentwicklung des Bonner Familienportals bei. Im Rahmen eines von Bonn veranstalteten kommunalen Austauschtreffens erarbeiteten die Kommunen eine Liste mit Änderungswünschen zu Funktionen im Bonner Familienportal, sowohl für die Angbeotserfassung als auch für die Angebotssuche aus Sicht der Nutzer*innen. Diese wurde der Landeskoordinierungsstelle zur Verfügung gestellt. Nach einem anschließenden Austausch mit den zuständigen Verantwortlichen konnten zahlreiche dieser Anregungen – soweit es die finanziellen Rahmenbedingungen zuließen – in Guter Start NRW umgesetzt werden. Öffentlichkeitsarbeit Auch im Jahr 2025 wurden Flyer an interessierte Einrichtungen verteilt. Groß war die Nachfrage nach Flyern in den Geburtskliniken, in denen Frühe Hilfen-Lotsinnen diese bei ihren Besuchen an Eltern verteilen. In Zeitungen von KÄNGURU – Das Familienportal in Köln/Bonn wurden 2025 in den Ausgaben Schwangerschaft und Gesundheit Anzeigen zum Bonner Familienportal geschaltet.Seite 29 von 30 Familienkreis e.V. Jahresbericht Bonner Familienportal 01.01.-31.12.2025 6 6 Derzeit ist das Bonner Familienportal für Nutzer*innen über die Webseiten der Stadt Bonn, der Koordinierungsstelle Frühe Hilfen Bonn oder direkt per Link zu finden. Eintragende Einrichtungen können sich sowohl über die Websites der Stadt Bonn und der Frühen Hilfen oder direkt per Link in Guter Start NRW einloggen. Auf der Website der Stadt Bonn gibt es einen Bereich mit Informationen für eintragende Einrichtungen. Fazit Seit Beginn des Jahres 2025 ist eine Übersetzungsfunktion im Frontend installiert, die eine mehrsprachige Anzeige der Angebote ermöglicht. Es ist gelungen, das Bonner Familienportal im Jahr 2025 um neue Anbieter u.a. aus dem Inklusionsbereich zu erweitern, die registrierten Einrichtungen technisch und organisatorisch zu unterstützen und das Portal über verschiedene Kanäle in Bonn bekannter zu machen. Das Bonner Familienportal bietet als digitale Angebotsübersicht einen wichtigen Zugang für Eltern zu Angeboten rund um das Thema Familie. Die offenen Punkte und Hürden beim Einsatz von "Guter Start NRW" wurden an die Landeskoordinierungsstelle und d-NRW weitergeleitet sowie in den kommunalen Austauschtreffen besprochen. Damit unterstützten die Bonner Koordinierungsstellen Frühe Hilfen und kinderstark die Weiterentwicklung des Portals im Sinne eines guten Zugangs für Familien. Ab dem 01.01.2026 endet die Zuständigkeit des Familienkreis e.V. für das Bonner Familienportal und die komplette Administration des Familienportals geht in die Zuständigkeit von kinderstark über. Der Übergang wurde gemeinsam gestaltet und hatte für die Eintragenden und Nutzer:innen keine Nachteile. Die Entscheidung für die Neuausrichtung ist u.a. auf den in 2023 erfolgten Relaunch und die damit verbundene neue Oberfläche des Portals zurückzuführen und wurde nach sorgfältiger Abwägung getroffen. Ausschlaggebend waren insbesondere die Notwendigkeit einer besseren Einbindung in verwaltungsinterne (städtische) Abläufe, die Einhaltung formaler Anforderungen an die Administration sowie die zunehmende Bedeutung von Datenschutz und Datensicherheit. Durch die Bündelung der Zuständigkeiten in der Verwaltung kann sichergestellt werden, dass das Familienportal auch in Zukunft zuverlässig, rechtskonform und nutzerfreundlich betrieben wird. Die Zusammenarbeit der Koordinierungsstellen Frühe Hilfen (hier Familienkreis e.V. in freier Trägerschaft) und kinderstark (öffentliche Trägerschaft) endet Ende 2025. Der Familienkreis e.V. dankt seiner Mitarbeiterin Claudia Klug für die langjährige intensive Auf- und Ausbauarbeit für das Bonner Familienportal. Ihre Innovationskraft, die Überzeugung in der Sache und ihre unermüdliche Bereitschaft und Geduld, auch schwierige technische Details allen Kolleg:innen und Fachkräften verständlich zu erklären. All das hat maßgeblich zur Entwicklung und zum Erfolg des Bonner Familienportals beigetragen. Ebenfalls dankt der Familienkreis e.V. der Stadt Bonn für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit für das Bonner Familienportal und wünscht viel Erfolg für die weitere Arbeit.Seite 30 von 30
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:39 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de