← Vorlagen

261010-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Stellungnahme zu Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund in Bonn

Nummer
261010-01 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
09.08.2026
Letzte Änderung
23.10.2026
  • Bonn Stadtbezirk Hauptort
  1. Sitzung des Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration 03.09.2026 Kenntnisnahme
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 78,7 KB Öffnen ↗

Übergeordnet

  1. 261010 Unternehmer/innen mit Migrationshintergrund in Bonn

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (6.448 Zeichen)
Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
261010-01 ST
Der Oberbürgermeister
Federführung:
03 Amt für Wirtschaftsförderung
Dezernat:
Dez. OB
Stellungnahme zu Unternehmer/innen mit
Migrationshintergrund in Bonn
Beratungsfolge
Ausschuss für Chancengerechtigkeit und
Integration
03.09.2026 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Wirtschaftliche Bedeutung von Unternehmen mit Migrationshintergrund
für den Wirtschaftsstandort Bonn
Die im Antrag erbetenen Angaben zur Anzahl der Unternehmen von Menschen
mit Migrationshintergrund sowie zu deren Beschäftigtenzahlen, Steuer- und
Sozialabgaben können derzeit nicht vollständig auf Grundlage der verfügbaren
amtlichen Statistiken erhoben werden, da der Migrationshintergrund von Unter-
nehmensinhaberinnen und Unternehmensinhabern in den einschlägigen Regis-
tern nicht systematisch erfasst wird. Unabhängig hiervon liegen jedoch ver-
schiedene kommunale, regionale und wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die
den wirtschaftlichen Beitrag von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Mi-
grationsgeschichte bzw. internationalem Hintergrund für den Wirtschaftsstand-
ort Bonn belegen.
Bereits im Beratungsalltag der Wirtschaftsförderung Bonn zeigt sich die hohe
Bedeutung dieser Zielgruppe. Nach den Auswertungen der Wirtschaftsförde-
rung Bonn wurden im Jahr 2024 insgesamt 159 Gründungsvorhaben intensiv
begleitet. Rund die Hälfte der beratenen Gründerinnen und Gründer hatte einen
Migrationshintergrund. Dies verdeutlicht die hohe Relevanz internationaler
Gründungsaktivitäten für den Wirtschaftsstandort Bonn und spiegelt die interna-
tionale Prägung der Bonner Gründungsszene wider.
Auch die allgemeine Wirtschaftsstruktur Bonns bietet hierfür einen entspre-
chenden Rahmen. Nach dem Jahreswirtschaftsbericht der Wirtschaftsförderung
Bonn verfügt die Bundesstadt Bonn über 15.538 Niederlassungen mit insge-
samt 171.040 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. 99,3 % aller Betriebe
gehören den kleinen und mittleren Unternehmen an; in diesen Unternehmen
sind rund 53 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten tätig.
Ergänzend hierzu liegen regionale Daten der Industrie- und Handelskammer
Bonn/Rhein-Sieg zur Internationalität der Unternehmenslandschaft vor. Die
Studie „Ausländische Unternehmen im Rheinland“ (Stand 2019) betrachtet
ausdrücklich Unternehmen mit ausländischer Inhaberschaft bzw. mehrheitlich
ausländischem Gesellschaftskapital und nicht Unternehmen von Personen mitSeite 1 von 3
Seite 2
Migrationshintergrund. Danach waren im Kammerbezirk Bonn/Rhein-Sieg
5.440 Unternehmen ausländischer Herkunft ansässig. Dies entspricht 9,8 %
aller IHK-Mitgliedsunternehmen, sodass nahezu jedes zehnte Mitgliedsunter-
nehmen einen internationalen Unternehmenshintergrund aufweist. Gegenüber
2016 ist ihre Zahl um 11 % gestiegen; die Zahl der im Handelsregister einge-
tragenen Unternehmen nahm sogar um 19 % zu. Insgesamt stammen diese
Unternehmen aus 135 Herkunftsländern, was die hohe internationale Vielfalt
der regionalen Wirtschaft unterstreicht.
Innerhalb des Kammerbezirks bildet die Bundesstadt Bonn den wichtigsten
Standort dieser Unternehmen. Von den 849 im Handelsregister eingetragenen
Unternehmen ausländischer Herkunft haben 402 Unternehmen (47,3 %) ihren
Sitz in Bonn. Hinzu kommen 1.875 Kleingewerbetreibende (40,8 %) mit auslän-
discher Inhaberschaft.
Die Branchenstruktur verdeutlicht zugleich die wirtschaftliche Breite dieser Un-
ternehmen. Sie sind keineswegs auf einzelne Wirtschaftszweige beschränkt,
sondern insbesondere im Handel, bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und
technischen Dienstleistungen, den wirtschaftlichen Dienstleistungen, dem Ver-
arbeitenden Gewerbe sowie im Bereich Information und Kommunikation vertre-
ten.
Die regionale Entwicklung wird zudem durch den IHK NRW-Gründungsreport
2025 bestätigt. Danach haben rund 27 % der Selbstständigen in Nordrhein-
Westfalen eine Einwanderungsgeschichte. Ergänzend weist der KfW-
Gründungsmonitor 2023 darauf hin, dass trotz der wirtschaftlich schwierigen
Rahmenbedingungen im Jahr 2022 noch 22 % aller Unternehmensgründungen
in Deutschland auf Migrantinnen und Migranten entfielen. Gleichzeitig zeigt die
Studie, dass Menschen mit Migrationshintergrund weiterhin eine überdurch-
schnittlich hohe Gründungsneigung aufweisen und ein wichtiges Potenzial für
das Gründungsgeschehen in Deutschland darstellen.
Diese Erkenntnisse werden durch aktuelle wissenschaftliche Studien gestützt.
Der ifo Migrationsmonitor 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen mit
Migrationsgeschichte überdurchschnittlich häufig Unternehmen gründen und
damit einen wichtigen Beitrag zu Innovation, Beschäftigung und regionalem
Wirtschaftswachstum leisten. Die MIRAN-Studie des Instituts Arbeit und Tech-
nik zur Migrantenökonomie in der Stadt Essen zeigt darüber hinaus, dass Un-
ternehmen von Menschen mit Migrationsgeschichte wesentlich zur Schaffung
von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, zur Nahversorgung, zur Belebung von
Innenstädten sowie zur wirtschaftlichen Vielfalt beitragen.
Zusammenfassend sprechen sowohl die Erfahrungen der Wirtschaftsförderung
Bonn als auch die regionalen Unternehmensdaten sowie aktuelle wissenschaft-
liche Untersuchungen dafür, dass Unternehmerinnen und Unternehmer mit
Migrationsgeschichte bzw. internationalem Hintergrund einen wichtigen Beitrag
zur wirtschaftlichen Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Bonn leisten. Sie
stärken die Gründungsdynamik, schaffen Beschäftigung, fördern Innovationen
und tragen zur Vielfalt sowie zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschaftsstandortes Bonn bei. Auch wenn eine vollständige statistische Er-
fassung auf kommunaler Ebene derzeit nicht möglich ist, lassen die vorliegen-
den Erkenntnisse den Schluss zu, dass diese Unternehmen einen festen und
wachsenden Bestandteil der Bonner Wirtschaftsstruktur bilden.Seite 2 von 3
Seite 3
Quellen:
• Wirtschaftsförderung Bonn: Auswertung der Gründungsberatung 2024.
• Wirtschaftsförderung Bonn: Jahreswirtschaftsbericht.
• Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (2019): Ausländische
Unternehmen im Rheinland.
• IHK NRW (2025): Gründungsreport Nordrhein-Westfalen 2025.
• KfW Research (2023): Volkswirtschaft Kompakt Nr. 243 – Auch migran-
tische Gründungstätigkeit in der Polykrise verhaltener.
• ifo Institut (2025): ifo Migrationsmonitor – Migrantische Unternehmens-
gründungen.
• Institut Arbeit und Technik (IAT): MIRAN – Migrantenökonomie in der
Stadt Essen.
Anlage/n
KeineSeite 3 von 3

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 03.11.2026, 21:37 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de