260691 · Große Anfrage
BBB-Anfrage Einführung von Open-Source-Lösungen in der Verwaltung der Bundesstadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 260691
- Art
- Große Anfrage
- Veröffentlicht
- 15.04.2026
- Letzte Änderung
- 24.10.2026
Orte
- Bonn Hauptort
- Markt
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Große Anfrage öffentlich 260691 Fragesteller/in: BBB-Fraktion im Rat der Stadt Bonn Robert Viebahn 14.04.2026 BBB-Anfrage Einführung von Open-Source- Lösungen in der Verwaltung der Bundesstadt Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Digitalisierung, Dienstleistung und Verwaltungsmodernisierung 05.05.2026 Kenntnisnahme Fragestellung 1. Wurde die Einführung von sogenannter Open-Source-Software in der Stadtverwaltung Bonn geprüft und wenn ja, mit welchem Ergebnis hinsichtlich der Machbarkeit und der schrittweisen wie zeitlichen Umsetzbarkeit in den verschiedenen Anwendungsbereichen (Schreibprogramme, Mailsystem, Telefonsystem etc.pp) und wenn nein, warum nicht? 2. Würde die Stadt Bonn gänzlich oder in Teilen auf Open-Source- Anwendungen umsteigen, wie hoch wären jeweils die dann zu erwartenden Einsparungen im Vergleich zu den bisher anfallenden Lizenzgebühren? Begründung Die Landesverwaltung Schleswig-Holsteins hat mit der Umstellung auf verschiedene Open-Source-Anwendungen begonnen, um das Land unabhängiger von großen Unternehmen wie Microsoft zu machen und überdies Lizenzgebühren einzusparen (Vgl. Anlage). Auch wenn der eingeschlagene Weg im nördlichen Bundesland nicht frei von Problemen abläuft, hat sich die Anwendung von Open-Source dort als durchaus praxistauglich erwiesen und könnte zumindest in Teilen als Vorbild für Bonn dienen. Anlage/n 1 2026.05.05 DigitalA BBB-GA Anlage open-source-strategie (öffentlich)Seite 1 von 28 Die Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-HolsteinSeite 2 von 28 Inhaltsverzeichnis 1 Digitale Souveränität in der Verwaltung.......................................................................4 2 Open Innovation und Open Source Lösungen............................................................8 2.1 Digital Souveräne IT (DS).................................................................................... 8 2.2 Open Source Program Office (OSPO SH)..........................................................11 2.3 Ökosystem fördern............................................................................................. 11 2.4 DigitalHub Schleswig-Holstein...........................................................................12 2.5 Open Government..............................................................................................13 2.6 ZenDiS............................................................................................................... 14 3 Digital Souveränes Arbeiten in Schleswig-Holstein...................................................15 3.1 Digital Souveräner Arbeitsplatz Schleswig-Holstein (DSAPSH).........................15 3.1.1 +1.Linux...................................................................................................... 16 3.1.2 +1.LibreOffice..............................................................................................16 3.1.3 +1.Kollaboration und Groupware................................................................17 3.2 Digital Souveräne Basisdienste (DSBD)............................................................18 3.2.1 Fachverfahren............................................................................................. 18 3.2.2 Neue Telefonie............................................................................................ 18 3.3 Digital Souveräne RZ-Infrastrukturen (DSRZ)....................................................18 3.3.1 Teure Zugriffslizenzen reduzieren...............................................................18 3.3.2 +1.Neuer Verzeichnisdienst........................................................................19 3.3.3 Datenbanken...............................................................................................20 Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 2Seite 3 von 28 3.3.4 Virtualisierung von Arbeitsplätzen (VDI)......................................................20 3.3.5 Administration und Infrastrukturmanagement.............................................21 3.3.6 Deutsche Verwaltungscloud (DVC).............................................................21 4 Richtlinien und Rahmenbedingungen........................................................................22 4.1 Gesellschaft und Politik......................................................................................22 4.1.1 IT-Strukturen der Öffentlichen Verwaltung bundesweit...............................22 4.1.2 Kosten der Monopole..................................................................................23 4.1.3 Investition in die Handlungsfähigkeit des Staates (Open Source Business Case)......................................................................................................................... 24 4.2 Lizenzmanagement............................................................................................ 26 Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 3Seite 4 von 28 1 Digitale Souveränität in der Verwaltung Digitale Souveränität bedeutet für Individuen und Institutionen über Fähigkei- ten und Möglichkeiten zu verfügen, ihre Rollen in der digitalen Welt selbststän- dig, selbstbestimmt und sicher ausüben zu können. Diese Fähigkeiten und Möglichkeiten lassen sich nur ausprägen, wenn in der digitalen Transformation ausreichend Gestaltungsmacht vorhanden ist. Die Bedeutung digitaler Souveränität für den Staat wird mit einem Blick auf die Tätigkeit der Öffentlichen Verwaltung deutlich. Das Handeln der öffentlichen Verwaltung wird längst nicht mehr nur durch digitale Systeme unterstützt, sondern sie ist vom Einsatz digitaler Systeme geprägt und ein reibungsloses Funktionieren ohne den Einsatz von IT ist undenk- bar. Die Durchdringung der Digitalisierung ist so stark, dass die Verwaltung ohne IT nicht mehr arbeitsfähig wäre. Die IT der Verwaltung ist zu einem geschäftskritischen Teil geworden und de- ren Funktionsfähigkeit systemrelevant. Diese Entwicklung wird sich zukünftig weiter verstärken, da die Veränderungen in der Ar- beitsweise von Verwaltungen sich im Zuge der Möglichkeiten der Digitalisierung rasant wandeln. Die Zukunft der öffentlichen Verwaltung folgt dabei einem völlig veränderten Leit- motiv: Die Zukunft der Verwaltung ist cloudifiziert, algorithmisiert, automatisiert und daten- basiert. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 4Seite 5 von 28 Die öffentliche Verwaltung benötigt stärker als heute in der Zukunft zur Erledigung ihrer Aufgaben verlässliche IT-Komponenten, deren Anschaffung Wahlfreiheit, Anpassungsmög- lichkeiten, Wettbewerb und deren Betrieb die umfassende Kontrolle über die eigene digita- le Infrastruktur gewährleistet. Dazu gehört in erster Linie Software, aber auch Schnittstel- len, Austauschformate, technische Geräte, Netze, Dienste und Infrastrukturkomponenten. Dennoch nutzt die Öffentliche Verwaltung in Bund, Ländern und Kommunen für den Groß- teil ihrer Aufgabenerledigung bislang Software und Lösungen, die aus der Feder nur weni- ger Softwareanbieter stammen. Das gilt insbesondere für die Arbeitsplatzinfrastruktur. In der Vergangenheit haben sich dementsprechend starke Abhängigkeiten zu einzelnen Technologieanbietern entwickelt. Und dies, obwohl die Sicherstellung der digitalen Souveränität mindestens so wichtig ist, wie die Energiesouveränität. Die Bedeutung von Souveränität und Unabhängigkeit ist in Bezug auf die Energieversor- gung in den letzten Jahren der gesamten Gesellschaft sehr deutlich vor Augen geführt worden. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 5Seite 6 von 28 Für die Zukunft gilt deshalb mehr denn je, dass einzelne, monopolartige wirtschaftliche oder technologische Abhängigkeiten vermieden werden müssen, wenn der Staat die Kon- trolle über die von ihm eingesetzten IT-System behalten und Herr über die Daten seiner Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sein möchte. Aus diesem Grund ist es zwin- gend, bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und den Weg in die digitale Souveränität zu gehen. Es ist insbesondere für öffentliche Stellen nicht vertretbar und zulässig, den Ver- lust der Vertraulichkeit oder der Integrität der Datenverarbeitung, eine fehlende Kontrolle im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Lösungen oder die unzureichende Umsetzung neuer bzw. geänderter gesetzlicher Vorgaben hinzunehmen, weil einzelne Anbieter exklu- sive Gestaltungshoheit über die eingesetzte Software und den IT-Betrieb besitzen. Das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die technologische Souveränität des Staa- tes, insbesondere in die Beachtung der Schutzziele der Informations- und Datensicherheit und des Datenschutzes entlang der DSGVO, hat höchste Priorität im Hinblick auf den Ein- satz von Software-Lösungen. Daher verfolgt die Landesregierung einen neuen nachhalti- gen Weg im Kontext der IT-Infrastruktur, um zu mehr Herstellerunabhängigkeit, Informati- ons- und Datensicherheit sowie DSGVO basierten Datenschutz zu gelangen. Digitale Souveränität heißt, dass die Landesregierung ihre Aufgaben selbstständig und si- cher in der digitalen Welt ausführen kann. Die Unabhängigkeit von einzelnen IT-Anbietern und damit die Sicherstellung der digitalen Souveränität des Landes wird durch eine vielfältige Anbieterland- schaft, offene Standards und das Nutzen von Open Source-Lösungen ge- währleistet. Das Ziel der Sicherstellung der digitalen Souveränität wurde in der Digitalstrategie veran- kert und vom Kabinett beschlossen. Sie ist zudem fester Bestandteil des Arbeitspro- gramms der Landesregierung. Selbstkritisch gilt es einzuräumen, dass mit den aktuell eingesetzten Produkten des Stan- dard IT-Arbeitsplatzes keine digitale Souveränität zu erreichen sein wird. Der Grund dafür ist, dass Hersteller proprietärer IT-Produkte zunehmend ihre Anwendungen als Cloud- dienste in das Internet verlagern, verbunden mit einem unerwünschten oder durch Nut- zung erzwungenen Datenabfluss. Dies ist im IT-Umfeld der öffentlichen Verwaltungen aus Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 6Seite 7 von 28 Gründen der Informationssicherheit (Verfügbarkeit, Vertraulichkeit, Integrität von IT-Syste- men und Daten) bedenklich und datenschutzrechtlich nicht zugelassen. Der Zwang, Hersteller-Cloudsysteme zu verwenden mit den damit einhergehenden erheb- lichen nahezu unverhandelbaren Lizenzbedingungen und -kosten sind weitere schwerwie- gende Gründe, sich mit Alternativen zu den IT-Systemen von marktdominierenden Herstel- lern auseinanderzusetzen. Die Lizenzpolitiken großer Hyperscaler sind als kritisch bzw. sehr problematisch einzuordnen. Neben sehr hohen Lizenzkosten schränken die uner- wünschten Funktionalitäten wie Produktaktivierungen in großem Umfang, Telemetriedaten- abflüsse aus den verwendeten Produkten und Lizenzauditierungen die Handlungsfähigkeit entscheidend ein. Ein Umstieg auf digital souveräne IT-Produkte ergibt sich daher schon aus diesen Gründen zwingend. Zudem könnten die zeitlichen Voraussetzungen für einen Umstieg kaum besser sein. Der klare Trend hin zum kollaborativen ortsunabhängigen Zusammenarbeiten in der Cloud bietet die einmalige Chance, den Weg in die digitale Souveränität zu einem Zeitpunkt zu gehen, zu dem ein grundlegender Wandel in der Ar- beitskultur ohnehin ansteht. Open Source Software, nachfolgend „OSS“, bietet sich einerseits als Alternative zu beste- henden Systemen an, ist aber auch in der Lage, gleichzeitig viele dieser zukünftigen Ver- änderungen zu adressieren. Insofern ist OSS eines der wichtigsten Werkzeuge, um Sou- veränität zu schaffen. Auch wenn das Beispiel der Digitalen Souveränität an Hand der Verwaltung besonders prägnant darstellbar ist, gilt es, diese Frage über die Grenzen des reinen Verwaltungshan- dels hinaus größer zu denken. Es geht um Fragen eines souveränen digitalen Ökosys- tems und einer digital souveränen Gesellschaft insgesamt, welche Wirtschaft, Wissen- schaft, Verwaltung, Vereine und Verbände, Stiftungen und Zivilgesellschaft umfasst. Die Landesregierung setzt daher an verschiedenen Stellen an, um digitale Souveränität in all ihren Ausprägungen und Aspekten zu schaffen. Eines dieser Handlungsfelder ist die un- mittelbare Landesverwaltung mit ihren IT-Systemen. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 7Seite 8 von 28 2 Open Innovation und Open Source Lösungen 2.1 Digital Souveräne IT (DS) Um das Ziel der digitalen Souveränität auf Ebene der Landes-IT zu erreichen, ist ein Um- bau der Standard-IT-Arbeitsplatzarchitektur erforderlich. Der zukünftige digital souveräne IT-Arbeitsplatz soll auf einem OSS Betriebssystem basieren und in eine Infrastruktur ein- gebettet werden, die unter anderem im Rahmen des Programms „Open Source Vorhaben SH“ entwickelt wird. Dazu gehören ein OSS basierter Verzeichnisdienst, die Integration ei- nes webbasierten Kollaborationsservice und einer web-basierten Groupware, ein auf OSS basierender Telefonieservice sowie ein OSS Officepaket. Die Nutzung von quelloffenen Systemen ist eine wichtige Anforderung im Bereich der Digi- talstrategie und Technikfolgenabschätzung des Landes Schleswig-Holstein. Der Technolo- giewandel hin zu einem digital souveränen IT-Arbeitsplatz wird den Handlungsspielraum, die Informationssicherheit, die Datensicherheit und den -schutz und die Finanzsituation für den Einsatz von IT deutlich verbessern. Das Zentrale IT-Management in der Staatskanzlei (ZIT-SH) hat daher ein praxisnahes Vor- gehen erarbeitet, welches es schrittweise ermöglicht, sich unabhängiger von Herstellerdo- minanz und -zwängen aufzustellen und somit die Abhängigkeit der Landesverwaltung von einzelnen Softwareanbietern zu verringern und die digitale Souveränität, die Datensicher- heit und den -schutz sowie die Informationssicherheit des Landes Schleswig-Holstein zu verbessern. Hierdurch werden die Voraussetzungen für einen zukünftigen ordnungsgemä- ßen IT-Betrieb in der Landesverwaltung geschaffen. Mit OSS zum digital souveränen Verwaltungsarbeitsplatz. Es besteht das kla- re politische Bekenntnis in Schleswig-Holstein, sich vermehrt freien und quell- offenen OSS Systemen zuzuwenden, um so unabhängiger von Anbietern pro- prietärer Software zu werden sowie die Informationssicherheit und den Daten- schutz weiter zu verbessern. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 8Seite 9 von 28 Im Rahmen des Programms „Open Source Vorhaben Schleswig-Holstein“ wird ein digital souveräner Arbeitsplatz entwickelt, der auf quelloffener Software basiert und in einer über- wiegend auf OSS basierenden Infrastruktur betrieben wird. Voraussetzung für die Nutzung und Akzeptanz eines flächendeckenden Ein- satzes von OSS Produkten ist, dass die gewohnten Funktionalitäten mindes- tens in gleicher Qualität und kompatibel mit anderen Verfahren verlässlich funktionieren sowie verfügbar sind. Ein Wechsel auf OSS Lösungen bedeutet eine Umstellung der Arbeitsweisen der Nutzenden. Das Ziel ist es, derartige Umstellungen so reibungslos wie möglich zu gestalten, sowie dass sich alle Nutzenden sicher und vertraut mit der neuen Software fühlen. Dies werden wir über einen gut geplanten Migrationsprozess und durch weitere Schulungen der Mitarbeitenden unterstützen. Das strategische Vorgehen zum Einsatz von Open Source in den IT Systemen des Landes wurde im Regierungsprogramm der schleswig-holsteinischen Landesregierung fest veran- kert. So besteht Einigkeit, dass offene Schnittstellen, Standards und Software die Verbrau- chersouveränität erhöhen und der Sicherung einer souveränen Verwaltung unter Beach- tung von Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit nutzen. Schleswig-Holstein verfolgt somit den vordringlichen Einsatz von quelloffener und frei li- zenzierter Software, um Abhängigkeiten der öffentlichen Verwaltung von einzelnen Soft- wareanbietern soweit wie möglich zu reduzieren. Eine vollständige Ablösung heute eingesetzter proprietärer Software wird langfristig angestrebt. Es war daher nur konsequent, dass sich Schleswig-Holstein dieser Herausforderung des Zweiten Nationalen Aktionsplans Deutschlands gestellt und folgende konkrete Schritte un- ternommen hatte: • Entwicklung künftiger Fachverfahren unter offener Lizenz und Veröffentlichung des Quellcodes Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 9Seite 10 von 28 • Bereitstellen einer Plattform zur Kollaboration und Veröffentlichung von OSS, die in der Landesverwaltung eingesetzt wird • Pilotprojekt zur Verwendung des Open-Document-Formats und zum Einsatz von LibreOffice als Standard auf Verwaltungsarbeitsplätzen • Vermehrter Aufbau von OSS Infrastrukturen im Rechenzentrum von Dataport (z.B. Einsatz von Linux als Server-Betriebssystem und quelloffenen Datenbankmanage- mentsystemen) Die Landesregierung führt mit dieser Schwerpunktsetzung die Softwarestrategie des Lan- des vorausschauend fort, um eine moderne und leistungsfähige Verwaltung zu gewährleis- ten und möglichst viele Verfahren bei wesentlichen Änderungen oder der Neuvergabe auf OSS umzustellen. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 10Seite 11 von 28 2.2 Open Source Program Office (OSPO SH) Die Anstrengungen der Landesregierung zum Einsatz von OSS Lösungen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft insgesamt umfasst. Zu dieser ganzheitlichen Betrachtung gehört der Aufbau eines Open Source Programm Offices, eines OSPO, in der Landesverwaltung Schleswig-Holstein. Ziele des OSPO SH sind: • Nahtlose Einbettung von OSS in die IT-Produktion. • Abfedern der Besonderheiten von OSS. • Bereicherung des OSS Ökosystems. • Sichtbarkeit erhöhen in den Communities. Das OSPO SH vermittelt zwischen dem Zentralen IT-Management und anderen OS-Sta- keholdern und fördert den Einsatz von OSS. Bereits existierendes Fachwissen der Verwal- tung (wie z.B. rechtliche Bewertung von Lizenzbedingungen) wird eingebunden, zur Ver- meidung von Doppelstrukturen aber nicht erneut aufgebaut. 2.3 Ökosystem fördern Der Einsatz von OSS reduziert Abhängigkeiten. Gerade im Unternehmenseinsatz ver- schwinden diese jedoch nie vollständig, denn alleine aufgrund der Größe der IT-Infrastruk- tur geht man immer eine gewisse technologische Abhängigkeit ein - auch in der Verwen- dung von OSS. Die Verwendung von OSS ist mit der Herausforderung verbunden, dass die Entwicklung der Software unerwartet eingestellt werden könnte. Das erzeugt Unsicherheiten, technolo- gische Staus oder die Notwendigkeit, dass die Entwicklung selbst gemanaged oder fortge- führt werden muss. Man muss anerkennen, dass die Lizenzzahlungen für proprietäre Software genau dieses Risiko abdecken. Damit werden Entwicklerteams finanziert, die die Software aktuell halten und fortschreiben. Gleichzeitig hat man jedoch auf die Entwicklungsrichtung als Lizenz- Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 11Seite 12 von 28 nehmer keinen Einfluss. Das wird derzeit ganz besonders sichtbar bei der Portfoliotrans- formation vieler Softwarehersteller Richtung Cloud, was auf Herstellerseite von größerem Interesse ist als auf Nutzerseite. Der Weg in die Cloud kann zu noch stärkeren Abhängig- keiten beitragen. OSS wird hingegen oft von Freiwilligen erstellt oder von Entwicklern, die auf Spenden an- gewiesen sind. Den Entwicklern hilft es wirtschaftlich nicht, wenn ihre Software millionen- fach eingesetzt wird. Auch nicht, wenn diese für besonders wohltätige Zwecke genutzt wird. Die Frage nach dem Fortbestand einer Software wird lediglich dadurch beantwortet, ob sich jemand findet, der in der Lage ist, die Software dauerhaft zu betreuen. Das ist oft- mals keine Frage der Freiwilligkeit, sondern der finanziellen Möglichkeiten. Weil es im besonderen Interesse der Landesverwaltung ist, OSS dauerhaft einzusetzen, wird die Entwicklung der OSS auch direkt durch die Steuerung des Mitteleinsatzes unter- stützt. An Stelle der Finanzierung von Lizenzgebühren werden diese Mittel eingesetzt, um Entwicklungsaufträge oder Supportverträge zu finanzieren. Daraus resultiert bei Einbin- dung der heimischen Digitalwirtschaft eine Stärkung des jeweiligen Standorts. Mit der Schaffung von digitaler Souveränität durch den Einsatz von OSS Lösungen ist also eine Industriepolitik für die Digitalwirtschaft verbunden. 2.4 DigitalHub Schleswig-Holstein Den Ansatz der Industrie- und damit Standortpolitik nimmt u.a. auch der DigitalHub des Landes Schleswig-Holstein auf. Im Sinne der Digitalstrategie des Landes soll auch die Verwaltung zu einem Treiber des digitalen Fortschritts werden. Auf diesem Weg spielt der DigitalHub.SH eine wichtige Rolle. Der Hub verknüpft die Bedarfe des öffentlichen Sektors und Ideen aus der Digitalwirtschaft miteinander, bringt Projektpartner zusammen und un- terstützt Innovationen, um effizientere, offenere Prozesse zu schaffen. Das kommt der ge- samten Gesellschaft zugute. Der DigitalHub.SH ist ein weiterer Baustein, um offene Innovation in der Verwaltung und Gesellschaft zu befördern. Der Hub übernimmt verschiedene Aufgaben für die öffentliche Verwaltung, Vereine und Unternehmen: • Netzwerkarbeit Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 12Seite 13 von 28 ◦ Schleswig-Holsteins öffentliche und gemeinnützige Institutionen mit der regiona- len Digitalwirtschaft vereinen. Dabei adressieren die Projekte reale Bedarfe und bieten nachhaltige Lösungen für die öffentliche Hand. Die finanzielle Unterstüt- zung vom Land und die enge Begleitung durch den Digital-Hub.SH sollen zur er- folgreichen Entwicklung und Implementierung von offenen Innovationen beitra- gen. • Unterstützung ◦ Digitalisierung fördern und den Einsatz von OSS vorantreiben. ◦ Persönliche Beratung zur Förderung von OSS. • Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen Darüber hinaus koordiniert der DigitalHub.SH die Durchführung von Förderprogrammen und Konzeptwettbewerben. Beispielsweise richtet sich der Call „Landesprogramm Offene Innovation“, der mit einem Volumen von zwei Millionen Euro ausgestattet ist, an öffentliche und gemeinnützige Organisationen mit konkreten Digitalisierungsbedarfen – in Kooperati- on mit regionalen Unternehmen der schleswig-holsteinischen Digitalwirtschaft. Der Fokus liegt dabei auf OSS, die anpassbare, kostengünstige, und landesweit nachnutzbare Lö- sungen ermöglicht. 2.5 Open Government Damit die Bürgerinnen und Bürger auf Datensicherheit und -schutz sowie Informationssi- cherheit vertrauen können, ist u.a. der verstärkte Einsatz von unabhängig überprüfbarer Hard- und Software und Open Source Technologie zu fördern. In diesem Zuge hat sich Schleswig-Holstein auch am Zweiten Nationalen Aktionsplan Deutschlands im Rahmen der Open Government Partnership (OGP) mit einem Beitrag zum Thema „OSS in der öffentlichen Verwaltung“ beteiligt. Offenes Regierungs- und Ver- waltungshandeln, nachfolgend als „Open Government“ bezeichnet, wird durch die Lan- desregierung Schleswig-Holstein als ein ganzheitlicher Ansatz zur Belebung der Demokra- tie mit dem Ziel verstanden, die Arbeit des öffentlichen Sektors transparent, partizipativ Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 13Seite 14 von 28 und kooperativ zu gestalten. Der systematische Einbezug von Bürgerinnen und Bürgern in politischen Entscheidungen führt dabei zu einer Verbesserung staatlicher Leistungen. Die von der öffentlichen Verwaltung angebotenen und genutzten digitalen Dienste sind eine wichtige Infrastruktur unserer Demokratie. Eine umfassende Kontrolle über die eingesetzte Software und den Betrieb ist Voraussetzung für deren Vertrauenswürdigkeit. 2.6 ZenDiS Sowohl auf der Produktebene, als auch auf der strategischen Ebene möchte Schleswig- Holstein dazu beitragen, dass OSS Lösungen mindestens so gut eingesetzt werden kön- nen wie die bisher eingesetzten proprietären Lösungen. Das gilt sowohl für die landeseige- ne Verwaltung, als auch in Folge für Unternehmen, die Forschung, den Privatsektor und andere Behörden – bundesweit. Digitale Souveränität ist ein Eckpfeiler der Open Source Strategie in Schleswig-Holstein. Deshalb besteht im Land ein großes Interesse, der ZenDiS GmbH beizutreten. Die ZenDiS GmbH koordiniert und steuert OSS Entwicklungsvorhaben und bildet dafür die zentrale Anlaufstelle für die Öffentliche Verwaltung. Auch der Bund hat ein hohes Interesse daran, dass sich möglichst viele Länder an der ZenDiS GmbH beteiligen. Derzeit muss der Bund den Ländern noch die Beteiligungsmöglichkeit eröffnen. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 14Seite 15 von 28 3 Digital Souveränes Arbeiten in Schleswig-Holstein 3.1 Digital Souveräner Arbeitsplatz Schleswig-Holstein (DSAPSH) Der zukünftige digital souveräne Arbeitsplatz besteht – wie schon der heutige Arbeitsplatz – aus einer Kombination proprietärer und quelloffener Softwarelösungen, wobei der Anteil quelloffener Software stetig erhöht wird. Auch die für den ordnungsgemäßen Betrieb der Arbeitsplätze benötigte Infrastruktur setzt auf einen steigenden Anteil an quelloffenen Lö- sungen. Die neue Arbeitsplatz-Modelllinie bietet Anwenderinnen und Anwendern alle Funk- tionalitäten, die sie für ihre Arbeit benötigen. Neben der Bürosoftware, wie eine Textverar- beitung und eine Tabellenkalkulation sowie Software für die Kommunikation gehören dazu auch alle Anwendungen, die für die Erledigung der jeweiligen Fachaufgaben erforderlich sind. In der nachstehenden Abbildung werden im Überblick alle relevanten Komponenten des Standard IT-Arbeitsplatzes und deren geplanter Transformation im Hinblick auf digitale Souveränität dargestellt. Das Produktportfolio der in der Landesverwaltung einzusetzenden Standardsoftware wird stetig mit dem Blick auf die Zielstellung digitale Souveränität weiterentwickelt und über die Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 15Seite 16 von 28 betreffenden Gremien abgestimmt, denn Voraussetzung für eine erfolgreiche Migration auf die neue Arbeitsplatz-Modelllinie ist die Akzeptanz durch die Anwenderinnen und Anwen- der. Bei der Entwicklung liegen Schwerpunkte daher auf intuitiv bedienbaren Bedienober- flächen und auf der Bereitstellung moderner Anwendungen wie z.B. Chatprogrammen/ Messenger, die vielen Nutzenden bereits geläufig sind, sei es von dem aktuellen Arbeits- platz oder aus dem privaten Bereich. Nachfolgend wird auf die einzelnen Komponenten eingegangen. 3.1.1 +1.Linux Als Betriebssystem ist auf dem digital souveränen Arbeitsplatz eine für den Behördenein- satz geeignete und professionell unterstützte Linux-Distribution vorgesehen. Für eine opti- mierte Nutzererfahrung (UX) und ein standardisiertes Erscheinungsbild (Branding) steht eine moderne Bedienoberfläche zur Verfügung. Anwenderinnen und Anwender können diese nach ihren individuellen Bedürfnissen anpassen, u.a. Desktop-Hintergrund, Schrift- größen, Symbolgröße. Sicherheitsrelevante Einstellungen wie z.B. Kennwortschutz oder Sperrung des Bild- schirms nach Nichtnutzung über einen definierten Zeitraum werden zentral gesteuert und können nicht individuell geändert werden. 3.1.2 +1.LibreOffice Wesentliche Meilensteine auf dem Weg zum Digital Souveränen IT-Arbeitsplatz sind die Umstellung auf das offene „Open Document Dateiformat (ODF)“ sowie die Umstellung der Office-Software auf LibreOffice. LibreOffice kann sowohl auf Windows als auch auf Linux basierenden Endgeräten ausgeführt werden und bildet damit die ideale Office-Kommuni- kationsumgebung. LibreOffice ist entsprechend angepasst für die Landesverwaltung in Schleswig-Holstein und kann auf jedem +1.Arbeitsplatz ausgeführt werden. Das Bürokom- munikationswerkzeug LibreOffice wurde und wird umfassend für den Einsatz in der Lan- desverwaltung optimiert, unterstützt die E-Akte in SH sowie die Dachmarke und kann so- fort und problemlos parallel zum bestehen-den Microsoft Office-Paket auf dem +1-Arbeits- platz installiert werden. Ein umfassendes und niedrigschwelliges Schulungsangebot (An- Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 16Seite 17 von 28 leitungen, Handbuch, eLearning/Videoschulung, Präsenzschulungen und ein Forum) ist vorhanden und wird bedarfsgerecht fortgeschrieben. Das Bürokommunikationswerkzeug LibreOffice ist ein vollständiges Officepaket analog zu dem bisherigen Microsoft Office und besteht im Einzelnen aus: • Textverarbeitung in Writer • Tabellenkalkulation in Calc • Präsentationen in Impress • Datenverarbeitung in Base • Grafikerstellung in Draw Die Anbindung von LibreOffice an das System der E-Akte SH sowie der Dachmarke ist er- folgreich umgesetzt und die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente mittels eines durch SH initiierten und in LibreOffice integrierten Assistenten wird bereitgestellt. 3.1.3 +1.Kollaboration und Groupware Für die Zusammenarbeit innerhalb der Landesverwaltung sowie mit Externen steht künftig eine leistungsfähige und vielseitige OSS Kollaborationsplattform auf Basis von Nextcloud zur Verfügung. Diese Plattform ermöglicht das einfache Teilen sowie das gemeinsame und gleichzeitige Bearbeiten von Dokumenten. Im Zuge des Projektes „Ablösung der bestehenden Groupware-Lösung auf Basis von Microsoft Exchange durch Open-Xchange“ wird die Zusammenarbeit mit Blick auf E-Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landes eben- falls auf quelloffene Lösungen umgestellt. Realisiert wird dies mit Hilfe von zwei Software- produkten, Open-Xchange und als ergänzender Mailclient Thunderbird. Open-Xchange stellt über die Web-Oberfläche den Zugriff auf die Funktionalitäten sicher. Zusätzlich kann Thunderbird genutzt werden, um auf die Daten in der Groupwarelösung zuzugreifen. Neue Funktionalitäten ermöglichen dabei einen für Anwenderinnen und Anwender verbesserten Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 17Seite 18 von 28 Einsatz, wie u.a. die deutliche Erweiterung der Postfachgrößen für alle oder das einfache Öffnen von zusätzlichen Postfächern auch über Smartphones. 3.2 Digital Souveräne Basisdienste (DSBD) 3.2.1 Fachverfahren Fachverfahren sind überwiegend plattformunabhängig zu gestalten, der Zugriff erfolgt ide- alerweise über den Browser. Schnittstellen zu anderen Anwendungen – z.B. Office-An- wendungen oder andere Fachverfahren – werden standardisiert und können durch mehre- re Anwendungen bedient werden (beispielsweise sowohl durch Microsoft Word als auch durch LibreOffice Writer). So ist sichergestellt, dass Fachanwendungen von allen Arbeits- platz-Modelllinien heraus genutzt werden können. 3.2.2 Neue Telefonie Mit OSKAR (Open Source Kommunikationsarchitektur) entsteht im Rechenzentrum von Dataport aktuell eine auf OSS basierende IP-Telefonanlage. Ziel von OSKAR ist die Ablö- sung der heutigen heterogenen Telefonie-Landschaft der Landesverwaltung. Durch den Aufbau der Anlage auf Basis von OSS Komponenten bei Dataport führt OSKAR zu einer Stärkung der digitalen Souveränität. Ab Ende des Jahres 2024 wird OSKAR die aktuell auf proprietärer Technik ba-sierende Flexport-Telefonie der Telekom schrittweise ablösen. OSKAR wird im Standard als Telefonie-Endgerät das Softphone anbieten und ist damit die passende Technologie für ein modernes flexibles und mobiles Arbeiten. 3.3 Digital Souveräne RZ-Infrastrukturen (DSRZ) Digitale Souveränität wird häufig mit Arbeitsplätzen in Verbindung gebracht. De facto ent- stehen viele Lizenzkosten aber durch Abhängigkeiten, die im Backend gewachsen sind. 3.3.1 Teure Zugriffslizenzen reduzieren Einen großen Kostentreiber von Lizenzverträgen einer On-Premise Infrastruktur stellen Zugriffslizenzen dar. Diese Lizenzform erlaubt die Nutzung der separat zu lizenzierenden Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 18Seite 19 von 28 Software. Insofern müssen viele Dienste streng genommen doppelt lizenziert (einmal für den Betrieb und einmal für die Nutzung) werden, um schließlich produktiv genutzt werden zu dürfen. Damit überlässt man die eigene Infrastruktur der Lizenzwillkür der Hersteller. Besonders im Fall von Zugriffslizenzen wird deutlich, wie sehr die Hersteller die Lizenz- konditionen diktieren, um einen langfristig gesicherten Kostenstrom zu erzeugen. Oftmals müssen Zugriffslizenzen für die gesamte Infrastruktur oder das gesamte Rechenzentrum beschafft werden. Eine bedarfsorientierte Beschaffung lohnt sich oftmals nicht und ist im Falle von großen Infrastrukturen schlichtweg mit einem zu großen Verwaltungsaufwand verbunden. Hersteller kommen dem Kunden entgegen, indem sie eine Bündelung von Zugriffslizenzen zu augenscheinlich günstigeren Konditionen im Vergleich zum Einzelkauf anbieten. Diese Bündelung führt allerdings zur Steigerung der Abhängigkeit gegenüber dem Hersteller, weil dann „der kleine Rest“ ebenfalls „gratis“ im Paket ist und hierfür keine Alternative ge- sucht werden muss. Es muss festgehalten werden, dass Zugriffslizenzen einen konstruier- ten Kostenblock darstellen, der anschaulich macht, wie sehr man von den Produkten eines Herstellers abhängig ist. Ein Hersteller löst ein künstliches Produkt wie die Zugriffslizenzen nur dann auf, wenn man sich in anderer Form stärker an ihn bindet. Es ist leicht verständlich, dass der Entfall die- ser Lizenzform den Wechsel in Cloudinfrastrukturen besonders schmackhaft macht. All diese Abhängigkeiten gilt es deshalb zukünftig auch im Backend aufzulösen. Das führt im Umkehrschluss auch dazu, dass die Infrastruktur großflächig verändert werden muss, um die Lizenzierung von Zugriffslizenzen auslaufen lassen zu können. 3.3.2 +1.Neuer Verzeichnisdienst Der digital souveräne Arbeitsplatz wird in eine zentrale im Dataport Rechenzentrum betrie- bene Infrastruktur eingebunden. Diese umfasst u.a. zentrale Dienste, wie den revisionssi- cheren Verzeichnisdienst, das Unified Endpoint Management, die Endpoint Security und den Fileservice. Die Infrastruktur wird mittels einer Kombination aus proprietären und quelloffenen Lösungen umgesetzt. Das Zusammenspiel dieser Lösungen ist ein entschei- Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 19Seite 20 von 28 dender Faktor für den reibungslosen Betrieb der Infrastruktur und somit auch der daran angebundenen Arbeitsplätze. Diese umfasst u.a. folgende zentrale Dienste: • Revisionssicherer Verzeichnisdienst • Unified Endpoint Management • Endpoint Security • Mail • Fileservice Über diese zentrale Infrastruktur werden u.a. die Arbeitsplätze konfiguriert (Konfigurations- management), Benutzerinnen und Benutzer authentifiziert sowie Postfächer und Dateiab- lagen bereitgestellt. 3.3.3 Datenbanken Die Verwaltung der Zukunft arbeitet verstärkt datenorientiert. Die Digitalisierung und das Thema Open Data führt dazu, dass Datenverarbeitung und -haltung in den Fokus der Dis- kussion um die Digitale Souveränität rücken. Das Land wird die Verwendung proprietärer Datenbanksysteme genau prüfen und alterna- tive und offene Datenbanken dort einsetzen, wo es möglich ist. 3.3.4 Virtualisierung von Arbeitsplätzen (VDI) Die Virtualisierung von Arbeitsplätzen und Applikationen basiert bislang auf proprietären Lösungen. Dabei ist die Einbindung virtualisierter Funktionalitäten ein wichtiger Bestandteil der Leistungserbringung mancher Ressorts. In sensiblen Bereichen der Landesverwaltung führt das zu einer kritischen Abhängigkeit. Die bereits heute zu beobachtende Verlagerung von Virtualisierungskomponenten in die Cloud führt mittelfristig zu der Frage, wie Virtualisierung digital souverän umgesetzt wer- den kann. Schleswig-Holstein setzt sich hier für die Verwendung von offenen VDI Lösun- gen ein. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 20Seite 21 von 28 3.3.5 Administration und Infrastrukturmanagement Eine Verlagerung der IT-Infrastruktur in die Cloud führt zu Veränderungen in den bisheri- gen Support- und Administrationsprozessen. Das ist einerseits technologisch begründet, weil Basisdienste wie der Verzeichnisdienst und damit auch die Administrationswerkzeuge in die Cloud verschoben werden und in Tei- len ausschließlich dort bereitgestellt werden. Andererseits ändert sich durch Automation und den Wegfall von Systemen auch die Organisation und das Personal des bisherigen Verwaltungsteams. Genau das führt zu einem Verlust der Digitalen Souveränität, weil die Steuerung und In- standhaltung der Infrastruktur von der Verfügbarkeit einer externen Lösung abhängig wird. Gleichzeitig liegen sensible Daten außerhalb des direkten Hoheitsbereiches 3.3.6 Deutsche Verwaltungscloud (DVC) Die Deutsche Verwaltungscloud stärkt die Digitale Souveränität und ergänzt die Open Source Strategie des Landes an genau der Stelle, wo es auf Kooperation und bundeswei- te Zusammenarbeit ankommt. Sie schließt die Lücke zwischen proprietären Hersteller- clouds und dem Eigenbetrieb über den IT-Dienstleister Dataport. Überall dort, wo Anforde- rungen spezifisch werden, besondere Fachexpertise gefordert wird, übergreifende Zusam- menarbeit Teil der Leistungserbringung ist oder wo Skaleneffekte durch einen gemeinsa- men Verfahrensbetrieb genutzt werden sollen, kommt die DVC ergänzend zum Einsatz. Das Land beteiligt sich weiterhin aktiv an der Entwicklung der DVC und wird dafür sorgen, dass geeignete Cloud-Service Angebote bereitgestellt werden. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 21Seite 22 von 28 4 Richtlinien und Rahmenbedingungen 4.1 Gesellschaft und Politik Für den Großteil ihrer Aufgabenerledigung nutzen die Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen Softwarelösungen, die von nur wenigen Anbieter hergestellt wurden. Das gilt insbesondere für die Arbeitsplatzinfrastruktur. Diese Homogenität der Landschaft mini- miert zwar die Kosten für Bereitstellung und Support der Endgeräte, sorgt aber für eine starke Abhängigkeit und einen eingeschränkten Handlungsspielraum für die IT-Verantwort- lichen. 4.1.1 IT-Strukturen der Öffentlichen Verwaltung bundesweit Bislang hat noch keine größere Verwaltung in Deutschland einen flächendeckenden Um- stieg auf OSS im Bereich der Arbeitsplätze vollzogen. Die gängige Ausstattung kommt tra- ditionell von Microsoft und deckt weite Teile der Infrastruktur ab mit Produkten wie • Microsoft Windows, • Microsoft Office, • Microsoft Exchange, • Microsoft Windows Server, • Microsoft SQL Server, • Microsoft SharePoint, • Microsoft Skype for Business, • Microsoft Teams. Produkte von Microsoft versorgen nahezu vollständig die Arbeitsplatzsysteme, sind kriti- sche Komponenten im Backend und bilden zudem auf der Anwendungsebene die Basis für einige Dienste. Für moderne hybride Zusammenarbeitsformen setzen einige Verwal- tungen mittlerweile ebenso ausschließlich auf Microsoft Komponenten. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 22Seite 23 von 28 Eine solch breite Abdeckung der IT-Produktion bietet derzeit kein anderer Anbieter und kein anderer Anbieter findet in Breite und Tiefe tatsächlich seinen Weg auf die Arbeits- platzsysteme der Öffentlichen Verwaltung. Insofern muss man feststellen, dass Microsoft im Bereich der Ausstattung der Öffentlichen Verwaltung ein Monopol inne hat. 4.1.2 Kosten der Monopole Obwohl die eingesetzten Softwareprodukte die Leistungsfähigkeit der Verwaltungen si- cherstellen und durch ihre Integrationstiefe auch unterstützen, ist das Vorhandensein ei- nes Monopols in diesem sensiblen Bereich dennoch kritisch. Anhand der Ausgaben des Bundes für Software von Microsoft lässt sich das veranschaulichen. Über die vergangenen knapp 10 Jahre hat sich gezeigt, dass der Bund seine Ausgaben für Microsoft Produkte mehr als vervierfacht hat. Eine solche Steigerung ist signifikant und nicht alleine dadurch zu erklären, dass neue Dienste und Arbeitsplätze hinzukommen. Sol- che Preissteigerungen erzeugen Haushaltsrisiken und werfen unmittelbar Fragen nach der Angemessenheit auf. Die starken Preisanstiege können entstehen, weil sich die Bundes-IT in einem monopolistischen Markt befindet. Es besteht eine technologische Abhängigkeit, Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 23 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2024 0 50 100 150 200 250 Ausgaben des Bundes für Produkte von Microsoft Kosten in Mio. €Seite 24 von 28 keine echte Wahlfreiheit und die Wechselkosten sind sehr hoch. Für den Monopolauf- schlag muss die Allgemeinheit aufkommen. 4.1.3 Investition in die Handlungsfähigkeit des Staates (Open Source Business Case) Zunächst müssen die Monopole der IT-Infrastruktur aufgebrochen werden. Die Transfor- mation der IT und das Umsetzen einer Multi-Vendor-Strategie führt das IT-Management zurück in eine aktive Rolle. Die Infrastruktur wird erneuert, variabler und nicht alle Preisfor- derungen müssen hingenommen werden. Dabei ist die Verwendung von Open Source zu- nächst nicht zwingend erforderlich. Allerdings stehen der Verwaltung in Zukunft einige Her- ausforderungen bevor: • die Arbeit der Öffentlichen Verwaltung wird sich wandeln, • es wird weniger Personal geben, • neue Technologien müssen eingebunden werden, • neue Zusammenarbeitsformen entstehen, • Daten werden zunehmend Teil der Wertschöpfung, • die Gesellschaft fordert eine digitale Verwaltung, • gleichzeitig bestehen immer höhere Anforderungen an die IT-Sicherheit. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 24Seite 25 von 28 OSS bietet sich einerseits als Alternative zu bestehenden Systemen an, ist aber auch in der Lage, gleichzeitig viele dieser zukünftigen Veränderungen zu adressieren. Insofern ist Open Source eines der wichtigsten Werkzeuge, um die Multi-Vendor-Strategie umzuset- zen. Die Einführung einer Multi-Vendor-Strategie entspricht dabei einer klassischen Investition. Es entstehen kurzfristig erhöhte Aufwände, die in den Folgejahren einen Nutzen stiften. Initial ergibt sich beim Schwenk auf eine Multi-Vendor-Strategie ein Mehraufwand, der durch Schulungen, neue technische Prozesse, technische Herstellung der Betriebsbereit- schaft und organisatorische Anpassungen geprägt ist. In dieser Phase ist ein Vergleich zum „Weiter-so“ in der alten Infrastruktur teurer. Nach Initiierung der Multi-Vendor-Strategie folgt für dieses Betriebsmodell ein Kostenpla- teau, das sich über einen längeren Zeitraum erstreckt. Lizenzkosten verlieren ihre Bedeu- tung, denn es können langfristige Support- und Entwicklungsverträge abgeschlossen wer- den. Zudem ist stets ein Wechsel von Software, Entwicklern, Beratern und Support mög- lich. In dieser Phase der technologischen Kontinuität beginnt das monopolistische Be- triebsmodell, seinen kurzfristigen Kostenvorteil zu verlieren und schließlich sogar teurer zu werden. Die Nachteile des Monopols beginnen sich auszuwirken, indem die Lizenzkosten Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 25 Initial Kontinuität Technologiesprung Lizenzkosten Zeit Multi-Vendor Monopol Monopolaufschlag Kostenströme verschiedener BetriebsmodelleSeite 26 von 28 überproportional ansteigen. Das führt in Folge zu starken Anstiegen der Gesamtkosten, sofern die Monopolstruktur, d.h. die Ausstattung der IT-Infrastruktur, aufrecht erhalten wird. Sobald ein disruptiver Technologiesprung ansteht (z.B. der sprunghafte Anstieg der Nut- zung von Videokonferenzsystemen während der Corona-Pandemie oder die Einführung von VoIP Telefonie und Instant Messaging in den 2010er Jahren), entsteht im Betriebsmo- dell der Multi-Vendor-Strategie wieder ein direkter und zeitlich unmittelbarer Investitions- aufwand. Lizenzmodelle von Monopolisten sind üblicherweise so aufgebaut, dass die Kos- ten für neue Technologien und Produkte verzögert beim Kunden anfallen. Das betrifft pri- mär die Kosten für die direkte Lizenzierung von Produkten, wirkt sich aber sekundär auch auf die folgenden Zeiträume aus, weil neue Abhängigkeiten eingegangen werden, die wie- derum noch höhere Preisanstiege in Zukunft ermöglichen. Der Lock-in-Effekt schränkt die Möglichkeit eines Wechsels noch weiter ein. Der Einsatz von OSS hat nicht das Ziel, Lizenzkosten zu eliminieren. Die Nut- zung von OSS unterstützt das Ziel, aus der Preissteigerungsspirale auszustei- gen. 4.2 Lizenzmanagement Voraussetzung für einen erfolgreichen Rollout von OSS ist, dass man seine IT-Landschaft kennt. Noch vor der Softwaremigration zu OSS wurde 2020 in der Landesverwaltung ein Lizenzmanagementsystem eingeführt. Durch eine Kombination aus organisatorischen Maßnahmen und technischer Systemkomponenten kann damit die eingesetzte Software auf den standardisierten Arbeitsplatzsystemen erkannt und bewertet werden. Es stehen taggenaue Lizenzbedarfe aller Ressorts zur Verfügung. Dieses ermöglicht es, den Lizenz- bedarf zu optimieren und Lizenzkosten zu sparen. Im Kontext einer Migration zu OSS ist es unabdingbar, die eingesetzten Lizenzmengen und Produkte zu kennen. Somit lässt sich besser abschätzen, welchen Umfang die Migra- tionen einzelner Softwareprodukte haben werden. Zudem sichert eine dauerhaft geprüfte und ausgeglichene Lizenzbilanz ab, dass die verbliebenen proprietären Softwarelizenzen korrekt und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Somit wird das Risiko eines Urheber- rechtsverstoßes minimiert. Open Innovation und Open Source Strategie des Landes Schleswig-Holstein 26Seite 27 von 28 Verantwortliche Stelle: Der Ministerpräsident Staatskanzlei Düsternbrooker Weg 104 24105 Kiel Version 1.00 20.11.2024Seite 28 von 28
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