260592-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Stellungnahme zur Großen Anfrage der CDU-Liste: Förderung der Mehrsprachigkeit und interkulturellen Identität in Bonner Kindertageseinrichtungen. Weiterentwicklung der herkunftssprachlichen Bildung und interkulturellen Qualifizierung in der frühkindlichen Erziehung.
Kerndaten
- Nummer
- 260592-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 08.05.2026
- Letzte Änderung
- 24.10.2026
Orte
- Bonn Hauptort
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 260592-01 ST Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: 05 Amt für Integration und Vielfalt Dezernat: Dez. OB 01.04.2026 Stellungnahme zur Großen Anfrage der CDU-Liste: Förderung der Mehrsprachigkeit und interkulturellen Identität in Bonner Kindertageseinrichtungen. Weiterentwicklung der herkunftssprachlichen Bildung und interkulturellen Qualifizierung in der frühkindlichen Erziehung. Beratungsfolge Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration 13.05.2026 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: 1. Ausbau und Verstetigung bewährter Programme (Rucksack Kita) Wie viele Kitas in Bonn nehmen aktuell aktiv am „Rucksack“-Programm teil? Plant die Verwaltung eine Ausweitung auf Sozialräume, in denen bisher kein entsprechendes Angebot besteht? Derzeit werden 22 Rucksack KiTa-Gruppen in Bonn im Kitajahr 2025/2026 in Trägerschaft des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. und durch das Kommunale Integrationszentrum Bonn durchgeführt. Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. erhält für die Umsetzung von Rucksack Kita eine Förderung aus den Mitteln des Amtes für Integration und Vielfalt und stimmt sich in der Umsetzung mit dem Kommunalen Integrationszentrum Bonn ab. Das Kommunale Integrationszentrum Bonn hat stetig das Anliegen die Rucksack-Gruppen in verschiedene Sozialräume von Bonn im Rahmen der eigenen finanziellen und personellen Ressourcen auszuweiten. Inwieweit wird die Verzahnung zwischen den Elterngruppen (Stadtteilmüttern) und dem pädagogischen Fachpersonal gestärkt, um die Herkunftssprachen nicht nur als „Zusatz“, sondern als Ressource im Kita- Alltag zu verankern? Über die gemeinsame Arbeit in den Rucksack-Gruppe entsteht eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und KiTa, die Sprachkompetenz der Kinder sowohl in Deutsch als auch den Familiensprachen wird gefördert und Familien mit Migrationsgeschichte werden bei den Bildungsprozessen ihrer Kinder unterstützt. Durch einen regelmäßig stattfindenden Austausch zwischen den Elternbegleiterinnen und der zuständigen Fachkraft in der KiTa wird darauf geachtet die behandelten Inhalte der Rucksack-Gruppen auch in den Alltag der KiTa zu integrieren und konzeptionell zu verankern.Seite 1 von 5 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Die Anbindung der Elterngruppen an die Kindertageseinrichtung ist eine Bedingung für die Durchführung des Programms. Hier erfolgt die alltagsintegrierte allgemeine und mehrsprachige Sprachbildung parallel zu der thematischen Arbeit von und mit den Eltern/Familien. Die Kindertageseinrichtung und die Elterngruppe koordinieren dabei ihre Bildungsarbeit. Eltern/Familien und pädagogische Fachkräfte gehen dabei eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft ein. Die Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter werden zur Vorbereitung der Arbeit in der Elterngruppe und der Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen geschult. Grundsätzlich besteht ein guter Austausch zwischen den Rucksack-Gruppen und dem Kita- Personal. 2. Gezielte Fachkräfteschulung und Coaching Welche Fortbildungsmodule bietet das Kommunale Integrationszentrum (KI) Bonn aktuell explizit für Erzieher/-innen an, um die „alltagsintegrierte Sprachbildung“ in hochgradig heterogenen Gruppen umzusetzen? Das Kommunale Integrationszentrum (KI) bietet aktuell verschiedene Fortbildungsmodule und Qualifizierungsformate für Erzieherinnen an, um die alltagsintegrierte Sprachbildung in hochgradig heterogenen Gruppen umzusetzen. Zentral sind dabei die landesgeförderten Programme „griffbereitMINI“ und „Griffbereit“ sowie das durch kommunale Mittel finanzierte Programm „Rucksack Kita“, welche in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden. Diese Programme verbinden praktische Sprachbildung im Alltag mit einem kontinuierlichen fachlichen Austausch zwischen den Einrichtungen und dem KI. Dabei werden Bedarfe aus der Praxis aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt. Ergänzend dazu stellt das Projekt „Vielsprachig stark!“ ein gezieltes Qualifizierungsangebot dar. Hier werden sowohl pädagogische Fachkräfte (Erzieher*innen) als auch Kita-Leitungen systematisch in den Bereichen Mehrsprachigkeit, diversitätsbewusste Pädagogik und alltagsintegrierte Sprachbildung geschult und begleitet. Darüber hinaus organisiert der Bereich Frühe Bildung des KI regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Mehrsprachigkeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einem jährlich stattfindenden großen Fachtag, der sich intensiv mit Mehrsprachigkeit, Diagnostik und Fördermöglichkeiten der alltagsintegrierten Sprachbildung auseinandersetzt und einen interdisziplinären Austausch ermöglicht. Insgesamt setzt das KI auf eine Kombination aus praxisnahen Programmen, gezielten Qualifizierungen und fachlichem Austausch, um Erzieherinnen bei der Umsetzung alltagsintegrierter Sprachbildung in vielfältigen Gruppen nachhaltig zu unterstützen. Gibt es Überlegungen, ein mobiles Coaching-Team zu etablieren, das Kitas direkt vor Ort bei der Umsetzung von Mehrsprachigkeitskonzepten berät? Im Rahmen des Projekts „Vielsprachig stark!“ ist vorgesehen, Kitas fachlich zu begleiten und zu beraten. Durch die einrichtungsübergreifende Qualifizierungsmaßnahme sowie die Inhouse-Schulungen werden die Kita- Einrichtungen auch direkt vor Ort unterstützt. Gleichzeitig wird durch die gemeinsamen Veranstaltungen der Aufbau eines Netzwerkes gefördert, in dem sich Fachkräfte zu Herausforderungen und pädagogischen Ansätzen bei der Umsetzung von Mehrsprachigkeitskonzepten austauschen können.Seite 2 von 5 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) 3. Zentrale Ressourcensteuerung und „Medienkoffer“ Prüft die Stadt die Einrichtung eines zentralen Leihpools oder die Bereitstellung von „Medienkoffern“ über die Stadtbibliothek oder das KI, um Kitas unbürokratisch mit diversitätssensiblen Lernmaterialien auszustatten? Im Rahmen des Projektes „Vielsprachig stark“ (Laufzeit: 1.1.2026-31.12.2027) wurden 2026 Materialkisten an die 16 Bonner Kitas ausgegeben, die am Projekt teilnehmen. Nach erfolgreicher Teilnahme am Projekt, verbleiben die Materialkisten in den Kitas. Die Materialkisten enthalten mehrsprachige Bücher in verschiedenen Sprachkombinationen und für verschiedene Altersstufen, zweisprachige Memorys, mehrsprachiges Aushängematerial und verschiedene diversitätsbewusste Spiel- und Malmaterialien. Zudem wurde den Kitas eine Broschüre mit zu den Materialien passenden Aktivitätsideen ausgehändigt. Die Materialkiste wird im Rahmen des Projektes durch verschiedene Qualifizierungs- und Beratungsmaßnahmen begleitet, um den Einsatz der Materialkiste und den förderlichen pädagogischen Umgang mit Mehrsprachigkeit und Diversität in den Einrichtungen nachhaltig zu sichern. Kitas können für ihre Einrichtung einen kostenlosen Institutionsausweis in der Stadtbibliothek beantragen und damit in allen Zweigstellen unkompliziert auf das gesamte Medienangebot zugreifen. Die Stadtbibliothek verfügt über ein großes Angebot an diversitätssensiblen, bilingualen, mehr- und fremdsprachigen Bilderbüchern (u.a. Englisch, Spanisch, Französisch, Ukrainisch, Italienisch, Russisch, Arabisch, Persisch, Türkisch). Tonies sind in den Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar (weitere Sprachen sind derzeit noch nicht lieferbar). Es besteht immer die Möglichkeit, eine individuell zusammengestellte Mediensammlung über das auf der Homepage verfügbare Online-Formular („Medienkisten“) zu beantragen: https://www.bonn.de/themen- entdecken/bildung-lernen/kinder-jugendliche.php. Hier können Angaben zum Thema, zur Altersgruppe sowie zum gewünschten Medienumfang gemacht werden. Eine Abholung ist in allen Zweigstellen möglich, sodass Kitas vor Ort in den Stadtteilen mit den entsprechenden Medienkisten versorgt werden. Die Stadtbibliothek Bonn hat zudem drei feste Medienkoffer zum Thema „Klischeefreie Vielfalt und Diversität in Familien und Lebensweisen“ des Vereins klische*esc e.V. im Bestand. Zwei davon richten sich an Kitas (Zielgruppe 1-5 Jahre), einer an Kitas/Grundschulen/weiterführende Schulen (Zielgruppe 5-11 Jahre). Diese enthalten sowohl Kinderbücher als auch Fachbücher. Auf der Homepage des Vereins heißt es dazu: „Der Medienkoffer rückt stereotype Vorurteile und diskriminierende Ausgrenzung in den Fokus pädagogischer Arbeit: vorurteilsbewusste Arbeit besteht darin, Kinder zu stärken, indem sie positive Resonanz erleben auf das, was sie mitbringen und was sie ausmacht. Kinder sollen in ihrer Identitätsentwicklung und Selbstbestimmung gefördert werden und lernen, mit Menschen, die anders sind als sie selbst, respektvoll zusammen zu sein.“ (https://klischeesc.de/medienkoffer/klischeesc-medienkoffer-1/). Darüber hinaus erhalten Familien in Bonn über die Stadtbibliothek Bonn den Zugang zur stadtweit lizenzierten App „Polylino“, welche eine Vielfalt an mehrsprachigen Kinderbüchern bereithält. Kitas erhalten einen eigenen Institutionszugang für die App über das Inklusionsbüro: https://www.bonn.de/themen-entdecken/bildung-lernen/polylino- bonn-alle-lesen.phpSeite 3 von 5 Seite 4Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Gibt es zweckgebundene Mittel aus dem Integrationsbudget, die für die Anschaffung solcher Materialien durch die Träger abgerufen werden können? Derzeit finanziert das Kommunale Integrationszentrum das Projekt „Vielsprachig stark“ und die hierbei ausgehändigten Materialkisten durch Fördergelder des Landes NRW. Die Präsenzbibliothek stammt aus den kommunalen Mitteln des Kommunalen Integrationszentrums. Die direkte Abrufung von kommunalen Mitteln durch die Träger von KiTas ist uns nicht bekannt. 4. Best Practices und Modellstandorte Beabsichtigt die Verwaltung, ein „Netzwerk der Best Practice“ zu moderieren, in dem Modell-Kitas (z. B. solche mit Schwerpunkt Sprache) ihre Konzepte zur Einbindung von Familiensprachen an andere Einrichtungen weitergeben? Sprachbildung gelingt besonders gut in Zusammenarbeit mit den Familien und der Kita. Eltern und Kita-Personal sind die ersten Sprachvorbilder; ihr Sprechen und ihr Umgang mit Sprache prägen die Kinder entscheidend. Sprache entwickelt sich im Alltag. Deshalb ist es in der frühen Bildung entscheidend, Kindern eine sprachlich reichhaltige tägliche Umgebung zu bieten. Dazu gehören anregende Gespräche, Geschichten, Lieder, Spiele und eine wertschätzende Haltung gegenüber den Beiträgen der Kinder. Eine solche Umgebung fördert die Sprachentwicklung und Teilhabe, und zwar alltagsintegriert. Alltagsintegrierte Sprachbildung hat sich als besonders wirksam erwiesen, weil sie Sprache nicht isoliert übt, sondern in alltägliche Situationen einbettet. Kinder erleben Sprache beim Erzählen, Spielen, bei Konflikten oder im Austausch mit Erwachsenen und Gleichaltrigen in für sie bedeutsamen Situationen. Das Rucksack-Programm richtet sich an Kinder, die noch keinen Kita-Platz haben, daher bietet das Programm einen guten Übergang und Kennenlernen des Kita-Alltags und Umgebung mit sicherer Begleitung durch die Sorgeberechtigung. Das Kommunale Integrationszentrum plant für die Zeit nach dem Projekt „Vielsprachig stark!“, eine Veranstaltung für die Fachkräfte aus der Kita, um hier die Möglichkeit zu schaffen, sich dadurch zu vernetzen und von den Einrichtungen zu erfahren, wie Mehrsprachigkeit als Ressource im Kita Alltag gelebt werden kann. Wäre es möglich, die in Bonn existierende Programme wie Rucksack Kita oder Griffbereit mit der „alltagsintegrierten Sprachbildung“ (Landesförderung NRW) strategisch zu verknüpfen? Eine strategische Verknüpfung ist sehr sinnvoll und das findet auch bereits statt. Es wird von Seiten des Landes auch so gedacht. „griffbereitMINI“, „Griffbereit“ und „Rucksack Kita“ sind praktisch konkrete Programme, mit denen die alltagsintegrierte Sprachbildung umgesetzt und ergänzt wird. Hier werden Eltern aktiv einbezogen und Sprachbildung auch in das familiäre Umfeld übertragen. Anlage/n KeineSeite 4 von 5 Seite 5Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)Seite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 23:38 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de