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260554 · Mitteilungsvorlage

Klimaanpassung: Anschlussförderung im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie und redaktionelle Ergänzung des integrierten Klimaanpassungskonzepts

Nummer
260554
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
12.05.2026
Letzte Änderung
24.10.2026
  • Zentrum-Rheinviertel siedlung· Bonn-Zentrum, Bonn Hauptort
  • Berliner Platz Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Schützenstraße Straße· Nordstadt, Bonn
  • Mainzer Straße Straße· Schweinheim, Bad Godesberg
  • Endenicher Allee Straße· Weststadt, Bonn
  • Reuterstraße Straße· Südstadt, Bonn
  • Theaterplatz Straße· Alt-Godesberg, Bad Godesberg
  • Sternstraße Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • F Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
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  • Röttgen Ortsteil· Bonn
  • Mehlem Ortsteil· Bad Godesberg
  • Küdinghoven Ortsteil· Beuel
  • Oberkassel Ortsteil· Beuel
  • Vilich-Müldorf Ortsteil· Beuel
  • Auerberg Ortsteil· Bonn
  • Nordstadt Ortsteil· Bonn
  • Brüser Berg Ortsteil· Hardtberg
  • Tannenbusch Ortsteil· Bonn
  • Vilich Ortsteil· Beuel
  • Bonn Stadtbezirk
  • Bad Godesberg Stadtbezirk· Alt-Godesberg
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  • Hardtberg Stadtbezirk
  • Kottenforst siedlung· Röttgen, Bonn
  • Ennert siedlung· Ramersdorf, Beuel
  • Baumschulviertel siedlung· Weststadt, Bonn
  • Vor dem Sterntor siedlung· Nordstadt, Bonn
  • Wichelshof siedlung· Castell, Bonn
  • Godesberg-Zentrum siedlung· Alt-Godesberg, Bad Godesberg
  • Neu-Tannenbusch siedlung· Tannenbusch, Bonn
  • Alt-Tannenbusch siedlung· Tannenbusch, Bonn
  • Duisdorf-Zentrum siedlung· Duisdorf, Hardtberg
  • Bonner Talviertel siedlung· Südstadt, Bonn
  • Rheinaue siedlung· Hochkreuz, Bad Godesberg
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 15.07.2026 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 19.05.2026 Aktuelle Informationen der Verwaltung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 12,1 MB Öffnen ↗

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Mitteilungsvorlage
öffentlich
260554
Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Klimaanpassung: Anschlussförderung im Rahmen
der Deutschen Anpassungsstrategie und
redaktionelle Ergänzung des integrierten
Klimaanpassungskonzepts
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
19.05.2026 Aktuelle
Informationen
der Verwaltung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
23.06.2026 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Das Bundesklimaanpassungsgesetz (§12 KAnG) sieht eine Verpflichtung zur
Erstellung kommunaler Klimaanpassungskonzepte vor. Das integrierte
Klimaanpassungskonzept für Bonn wurde im September 2025 vom Rat der
Stadt Bonn (DS253014) beschlossen. Die Konzepterstellung wurde durch eine
Förderung des Bundesumweltministeriums im Rahmen der Deutschen
Anpassungsstrategie unterstützt.
Der durch das Bundesumweltministerium beauftragte Projektträger Zukunft –
Umwelt – Gesellschaft (ZUG) forderte im Ergebnis seiner Berichtsprüfung
Nacharbeiten am erarbeiteten Klimaanpassungskonzept ein. Diese
beschränken sich auf die Kapitel 2 „Bonn und der Klimawandel“, Kapitel 3
„Betroffenheitsanalyse“ sowie die Verstetigungsstrategie. Die Absicht, das
Thema Klimaanpassung durch das Konzept insbesondere durch
Standardisierung und Prozessintegration dauerhaft zu organisieren, durchdringt
zwar das gesamte Konzept – die ZUG bestand jedoch formell auf einem
eigenständigen Kapitel. Die im Konzept bereits vorhandenen Bestandteile im
Sinne einer Verstetigung wurden daher zusammenfassend in einem
eigenständigen Kapitel zusammengetragen. Anlage 1 zeigt das überarbeitete
Konzept, die bearbeiteten bzw. ergänzten Seiten sind zur besseren
Nachverfolgbarkeit farblich mit einer roten Linie am Seitenrand markiert. Die
vorgenommenen Änderungen stellen keine wesentliche Änderung am Konzept
dar, Änderungen an weiteren Kapiteln oder dem Maßnahmenkatalog sind nicht
erfolgt. Eine erneute Beschlussfassung des Klimaanpassungskonzeptes ist
daher nicht erforderlich.
Die Verwaltung hat gemäß Beschluss des Rates vom 4. September 2025 eine
Anschlussförderung (A.2 Umsetzungsphase) beantragt (DS253014). DieseSeite 1 von 174
Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Förderung wurde der Stadt Bonn im November 2025 durch den Projektträger
ZUG bewilligt. Für die Projektlaufzeit vom 1.2.2026 – 31.1.2029 wird demnach
insbesondere die Personalstelle für das Klimaanpassungsmanagement,
angesiedelt im Amt für Umwelt und Stadtgrün, weiterhin gefördert. Daneben
können auch Ausgaben im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und Beteiligung
bezuschusst werden. Insgesamt erhält die Stadt Bonn gemäß des
Zuwendungsbescheides eine Anteilfinanzierung von 79,67% der
zuwendungsfähigen Ausgaben, höchstens jedoch 222.629,28€ innerhalb der
genannten Laufzeit.
Hinweis der Verwaltung:
Wie aus der Vorlage ersichtlich, entfaltet die Mitteilungsvorlage finanzielle
Auswirkungen und erfolgt vorbehaltlich der weiteren Prüfung im Rahmen des
laufenden Projektes zur Aufgabenkritik und der Aufstellung des HH-
Planentwurfes 2027/2028 sowie der mittelfristigen Finanzplanung.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.14 Umweltschutz 1.14.03 Umweltvorsorge und -planung
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen 86.404,15 €
91.793,08 €
87.270,09 €
13.971,96 €
156001403
/ 721000
2026
2027
2028
2029
91.793,08 €
87.270,09 €
13.971,96 €
Einzahlungen /
Erträge
68.838,19 €
73.131,55 €
69.528,08 €
11.131,46 €
156001403
/ 611000
2026
2027
2028
2029
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/nSeite 2 von 174
Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
1 KLAKi mit Änderungen (öffentlich)Seite 3 von 174
Seite 4 von 174
Seite 5 von 174
Auftraggeberin:
Stadt Bonn
Amt für Umwelt und Stadtgrün
Klimaanpassung und -vorsorge (67-41)
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Ansprechpartnerinnen und Bearbeitung:
Jessica Löffler
Nadine Walkembach
Lea Gockel
Projektbearbeitung:
Prof. Dr. Martin Berchtold
M.Sc. Lena Aumüller
M.Sc. Magnus Heilmann
M.Sc. Sarah Zwanzger
Schützenstraße 8a
76137 Karlsruhe
mail@berchtoldkrass.de
www.berchtoldkrass.de
Förderinformationen:
Bonn, Mai 2025, mit redaktioneller Überarbeitung Februar 2026
IMPRESSUMSeite 6 von 174
INHALTSVERZEICHNIS
1. Warum ein Konzept zur Klimaanpassung 2
• Ablauf der Erarbeitung 4
2. Bonn und der Klimawandel 6
• Bonns besonderes Klima 6
• Oft zu nass und dann wieder zu trocken - Klimwandel in Bonn 8
• Es wird heißer 8
• Zu viel Wasser auf einmal 12
• Dauerhaft eher zu wenig Wasser 14
3. Darauf lässt sich aufbauen: ein Blick auf schon Erarbeitetes 16
• Scheinwerfer auf: Die Bonner Biodiversitätsstrategie 21
• Scheinwerfer auf: internationale Aktivitäten 22
• Klimarisiken im Fokus – Die Betroffenheitsanalyse für Bonn 24
• Räumliche Betroffenheit 24
• Funktionale Betroffenheit 28
4. Bonn macht mit! Die Beteiligung zur Klimaanpassung 34
• Gemeinsam, wirkungsvoll, umsetzen – Die Ämterbeteiligung 34
• Drei Workshops – ein gemeinsamer Lernprozess 34
• Scheinwerfer auf: Hitzevorsorge in der verbindlichen Bauleitplanung 37
• Der Weg zur Umsetzung 40
• Klimaanpassung – einfach machen! Die Öffentlichkeitsbeteiligung 40
• Gemeinsam wird´s gut! Die Stakeholder-Beteiligung 44
• Unsere Zukunft läuft heiß! Die Schüler*innenbeteiligung 45
5. Gesamtstrategie 48
• Zunächst - eine Positionsbestimmung 48
• Richtungsweisend - Ziele der Klimaanpassung 55
• Bonn bleibt cool - Hitzevorsorge 55
• Bonn sitzt nicht auf dem Trockenen - Trockenheitsvorsorge 56
• Bonn lässt niemanden im Regen stehen - Starkregenvorsorge 57
• Gemeinsam klimafit – Vulnerabilität reduzieren 57Seite 7 von 174
• Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft 58
• Gesamtstrategie zur Klimaanpassung 60
6. Der Kern des Ganzen – Der Maßnahmenkatalog 62
7. Wissen schafft Veränderung! Die Kommunikationsstrategie 118
• Kommunikation nach außen 118
• Schritt für Schritt – zu Bewusstsein, Akzeptanz und Umsetzung 120
• Ausgestaltung der Kommunikationsarbeit 128
• Gut aufgestellt – Kommunikation innerhalb der Verwaltung 129
8. Verstetigungsstrategie 130
9. Erkennen, wo es klemmt: Das Monitoring 132
• Echte Werte! Die Indikatoren 132
• Der Einstieg: Monitoring zur Klimaanpassung, die Erste! 135
• Wohin die Reise geht! Die Monitoring-Vision 136
10. Kurz und kompakt: Der Fahrplan zu mehr Klimaanpassung 137
• Der Zeitplan 137
• Der Finanzplan 140
11. Wie geht es weiter? 143
12. Anhang I
• Bausteine der Klimaanpassung II
• Der Bonner Klimaatlas XISeite 8 von 174
ABBILDUNGEN
Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch Quelle: Benjamin Westhoff 1
Abb. 2: Aufbau des Konzeptes, Darstellung berchtoldkrass space&options 5
Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag
(PET) (rechts), Quelle: Geo-Net 7
Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW,
Quelle: LANUK NRW nach DWD 8
Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019, Quelle: Bundesstadt Bonn 8
Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr, Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW 8
Abb. 8: Die RCP-Szenarien 2.6 und 8.5 aus dem 5. Bericht des IPCC, dargestellt nach
Kreienkamp et al. 2022: Empfehlungen für die Charakterisierung ausgewählter Klimaszenarien. 9
Abb. 7: Entwicklung von Kenntagen in Bonn für die Klimanormalperioden pro Jahr,
Quelle: LANUK NRW (2025): Klimaatlas NRW 9
Abb. 9: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET)(links) ;
Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET)(rechts), Quelle: Geo-Net 10
Abb. 10: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht im Jahr 2023 (PET)(links) ;
Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für eine Nacht im Jahr 2035 (PET)(rechts), Quelle: Geo-Net 11
Abb. 11: Überflutung Mainzer Straße Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt 12
Abb. 12: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024,
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 13
Abb. 13: Entwicklung der Kenntage in Bonn für die Klimanormalperioden pro Jahr,
Quelle: LANUK NRW (2025) 13
Abb. 14: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024,
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 14
Abb. 15: Entwicklung der Trockentage in Bonn für die Klimanormalperioden, Quelle: LANUK NRW (2025) 15
Abb. 16: Übersicht über bestehende relevante Konzepte und Planungen der Stadt Bonn,
Darstellung: berchtoldkrass 17
Abb. 17: Sitz der UN in Bonn Planungen Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 22
Abb. 18: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu verschiedenen Themen von Resilienz,
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 23
Abb. 20: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und das Umweltzebra von La Paz erklären Kin-
dern den Klimawandel, Quelle: Julia Merkelbach 23
Abb. 19: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszentrum Cape Coast (Ghana) mit jungen Klimabot-
schaftler*innen, Quelle: Julia Merkelbach 23
Abb. 21: Thermische Hot Spots - überzeichnet auf Basis der Planungshinweiskarte, Quelle: berchtoldkrass 24
Abb. 22: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete, Quelle: Bundesstadt Bonn 24
Abb. 23: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung von Gebieten mit besonders hohen Wasserstands-
tiefen nach Starkregenereginissen, Quelle: Bundesstadt Bonn 25
Abb. 24: Personen unter 6 Jahre (ab 3 Personen/ha), Quelle: berchtoldkrass 26
Abb. 25: berchtoldkrassPersonen über 65 Jahre (ab 10 Personen/ha), Quelle: berchtoldkrass 26Seite 9 von 174
Abb. 26: Gesamtbevölkerungsdichte (ab 65 Personen/ha), Quelle: berchtoldkrass 26
Abb. 27: Personen in Grundsicherung (ab 3 Personen/ha), Quelle: berchtoldkrass 26
Abb. 28: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha), Quelle: berchtoldkrass 26
Abb. 29: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren, Quelle: berchtoldkrass 27
Abb. 30: Funktionale Klimarisikoanalyse, Quelle: berchtoldkrass 29
Abb. 31: zeitliche Abfolge der Beteiligungsformate, Darstellung: berchtoldkrass 34
Abb. 32: Einblick in die Bürgerbeteiligung, Quelle: Bundesstadt Bonn 40
Abb. 33: Einblick in die Bürgerbeteiligung II, Quelle: Bundesstadt Bonn 40
Abb. 34: online Beteiligung auf bonn-macht-mit.de, Quelle: Bundesstadt Bonn 41
Abb. 35: Maßnahmen pro Stadtbezirk, Darstellung berchtoldkrass 41
Abb. 36: Priorisierung der Maßnahmensteckbriefe durch die Teilnehmenden der zweiten Beteiligungsphase,
Darstellung: berchtoldkrass 42
Abb. 37: Wünsche von Unterstützungsmöglichkeiten durch die Stadt, Darstellung: berchtoldkrass 43
Abb. 38: Informationsbedarf durch Kanäle, Darstellung: berchtoldkrass 43
Abb. 39: konkrete Ideen zur Klimaanpassung, Darstellung: berchtoldkrass 43
Abb. 40: Anzahl der Maßnahmen aus dem Stakeholderdialog, Quelle: berchtoldkrass 44
Abb. 41: Themen aus der Schüler*innenbeteiligung, Darstellung: berchtoldkrass 45
Abb. 42: Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft: Herausforderungen und Lösungswege
für die Bonner Stadtverwaltung, Quelle: Doris Kube 59
Abb. 43: Zukunftsbild der klimaangepassten Stadt Bonn, Quelle: berchtoldkrass 63
Abb. 44: Handlungsfelder der Klimaanpassung, Quelle: berchtoldkrass 64
Abb. 45: Aussenansicht Windeckbunker, Quelle: Isabel Klotz/Bundesstadt Bonn 66
Abb. 46: Regentonne im Garten, Quelle: Schulzie/Adobe Stock 68
Abb. 47: Dachbegrünung und Solarpanele,Quelle: Ren Notenbomer/Adobe Stock 70
Abb. 48: Bundesministerium für Umwelt Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz,
Quelle: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn 72
Abb. 49: Visualisierung der bevorstehenden Neugestaltung des Stiftsplatzes Bonn-Innenstadt,
Quelle: scape Landschaftsarchitekten GmbH 74
Abb. 50: Staudenbeete Stadtpark Godesberg, Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 76
Abb. 51: Baumpflanzung, Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 78
Abb. 52: Endenicher Allee, Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 80
Abb. 53: Reuterstraße, Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 82
Abb. 54: begrüntes Wetterschutzhäuschen, Quelle: Martin Magunia/Stadtwerke Bonn 84
Abb. 55: Alter Friedhof, Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 88
Abb. 56: Kleingartenverein Bonn-Süd e.V., Quelle: TGP Landschaftsarchitekten 90
Abb. 57: Bachlauf im Kottenforst, Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 92Seite 10 von 174
Abb. 58: Muldenversickerung Panoramapark, Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 94
Abb. 59: Spielnetz Panoramapark, Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 96
Abb. 60: Karlschule Visualisierung, Quelle: MUST Städtebau 98
Abb. 61: Reuterpark, Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 100
Abb. 62: Trinkwasserbrunnen, Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 102
Abb. 63: Beratungsstand, Quelle: Doris Kube 104
Abb. 64: Pflanzeninsel Paulusschule, Quelle: Sascha Engst/ Bundesstadt Bonn 106
Abb. 65: Die Infotafeln sollen bereits vorhandene Infotafeln, welche heute schon an Pflanzenbeeten aufgestellt
werden und hier dargestellt sind, sinnvoll ergänzen und das Bewusstsein für Klimaanpassung stärken,
Quelle: Nadine Walkembach/Bundesstadt Bonn 110
Abb. 66: Beispiel Projektkarte Schwammstadt, Quelle: links (von oben): MUST Städtebau GmbH, Bundesstadt
Bonn; rechts (von oben):KGS am Domhof, scape Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH, SWB/Ben-
jamin Westhoff 114
Abb. 67: Kommunikationsziele, Darstellung Bundesstadt Bonn und berchtoldkrass,
angelehnt an Prutsch et al., 2014 119
Abb. 68: Beispielhafte Darstellung der Projektkarte zur Klimaanpassung,
Quelle: links (von oben): MUST Städtebau GmbH, Bundesstadt Bonn; Bildrechte
rechts (von oben):KGS am Domhof, scape Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH,
SWB/Benjamin Westhoff 120
Abb. 69: Geplante Maßnahmen zur Bewusstseinsstärkung und Sensibilisierung (Ziel 1),
Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 121
Abb. 70: Geplante Maßnahmen zur Aktzeptanzsteigerung (Ziel 2),
Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 122
Abb. 71: Geplante Maßnahmen zur Stärkung der Handlungskompetenz bei Hitze (Ziel 3),
Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 124
Abb. 72: Geplante Maßnahmen der Risikokommunikation zur Starkregen- und Hochwasservorsorge (Ziel 3),
Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 125
Abb. 73: Geplante Maßnahmen zur Erhöhung der Motivation, selbst aktiv zu werden im Bereich Klimaanpas-
sung (Ziel 4), Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 127
Abb. 74: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren, Quelle: berchtoldkrass XIXSeite 11 von 174
Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch
Quelle: Benjamin Westhoff
VORWORT
Liebe Bonner*innen, liebe Interessierte,
die Klimakrise ist längst keine ferne Bedrohung mehr – sie ist Realität. Mit wachsender Dringlichkeit führen uns
Extremwetterereignisse rund um den Globus ihre Konsequenzen vor Augen. Auch hier in Bonn spüren wir die Aus-
wirkungen: drückende Hitze mit Temperaturen über 40°C, plötzlich anschwellende Bäche, die in kürzester Zeit
Überflutungen verursachen, oder Stadtgrün, das unter langanhaltender Trockenheit leidet.
Mit dem Bonner Klimaplan haben wir uns entschlossen auf den Weg gemacht, Treibhausgasemissionen konsequent
zu senken und bis 2035 klimaneutral zu werden – ein ambitioniertes, aber notwendiges Ziel im Sinne des Pariser
Klimaabkommens. Doch während wir lokal Fortschritte erzielen, zeigt der globale Blick: Wir sind nicht auf Kurs, um
die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Deshalb müssen wir den Klimaschutz mit der vorausschauenden An-
passung an die bereits unvermeidbaren Veränderungen verbinden. Gerade in Zeiten multipler Krisen wird deutlich,
dass viele Herausforderungen nur gemeinsam zu bewältigen sind. Klimaanpassung und der Schutz der Biodiversi-
tät gehen dabei oft Hand in Hand.
Das vorliegende integrierte Konzept zur Klimaanpassung knüpft an das bereits Erreichte an – denn wir stehen in
Bonn nicht mehr am Anfang. Vieles wurde bereits umgesetzt, weitere Maßnahmen sind geplant. Doch eines ist klar:
Ein „Weiter so“ wird nicht reichen. Wir müssen mutiger, entschlossener und schneller handeln, um unsere Stadt
widerstandsfähig zu machen – damit Bonn auch in Zukunft lebenswert bleibt, die Sommer erträglich bleiben und
unsere Natur widerstandsfähig.
Mit diesem Konzept halten wir nun unseren Fahrplan für ein klimaresilientes Bonn in den Händen. Ich freue mich
darauf, ihn gemeinsam mit Ihnen in die Tat umzusetzen.
Oberbürgermeisterin Katja Dörner
1Seite 12 von 174
1. Warum ein
Konzept zur
Klimaanpassung
Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist heu-
te drängender denn je. Die Veränderungen des Klimas
haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen.
Auch in Zukunft müssen wir mit einem weiteren Anstieg
von Extremwetterereignissen und deren Folgen rech-
nen. Besonders Städte stehen aufgrund ihrer hohen Be-
völkerungs- und Siedlungsdichte sowie einem hohen
Versiegelungsgrad vor komplexen Herausforderungen
in der Klimafolgenanpassung.
Am 01.07.2024 ist das erste bundesweite Klimaanpas-
sungsgesetz (KAnG) in Kraft getreten. Das neue Gesetz
bildet den strategischen Rahmen für die künftige Klima-
anpassung in Bund, Ländern und Kommunen. §12 KAnG
benennt die Verpflichtung zur Erstellung von Klimaan-
passungskonzepten und deren wesentliche Inhalte. Die
Länder sind auf Grundlage des KAnG angehalten, die
Pflicht zur Erstellung von Klimaanpassungskonzepten
näher zu bestimmen und auf die Städte und Gemeinden
zu übertragen. In NRW wird hierfür voraussichtlich eine
Anpassung des Landes-Klimaanpassungsgesetztes
(KlAnG) erfolgen.
Unabhängig von dieser anstehenden Verpflichtung zur
Erstellung von Klimaanpassungskonzepten hat die Stadt
Bonn im Rahmen eines durch die Deutsche Anpassungs-
strategie (DAS) geförderten Projektes bereits im August
2023 mit der Erarbeitung eines solchen für Bonn begon-
nen.
Mit dem vorliegenden Konzept schafft die Stadt Bonn
eine systematische Grundlage, um ihre Aktivitäten zur
Klimaanpassung auf ein höheres und zur Zielerreichung
erforderliches Ambitionsniveau zu heben. Dass eine
deutliche Verstärkung der Klimaanpassungsaktivitäten
mit Blick auf den sich weiter intensivierenden Klima-
wandel erfolgen muss, wurde durch die Fassung eines
Zielbeschlusses zur Klimaanpassung in Bonn bekräftigt.
Dieser Beschluss stützt sich auf bereits vorhandene Pla-
nungsgrundlagen zu Hitze, Trockenheit und Starkregen
sowie die darin ersichtlichen Handlungsschwerpunkte.
Zudem haben eindrückliche Ergebnisse aus dem For-
schungsvorhaben MUTABOR (2021-2023) vor Augen ge-
führt, dass die bisherigen eher punktuellen Aktivitäten
zur Hitzeanpassung nicht ausreichend sind, um dem Kli-
mawandel zu begegnen.
Das Konzept zur Klimaanpassung soll daher vor allem
dazu dienen:
• Relevante wiederkehrende Prozesse der Verwal-
tung im Sinne der Klimaanpassung anzureichern,
um das Thema zum integralen Bestandteil von
kommunaler Planung und Umsetzung zu machen,
• Klimaanpassung noch stärker als Querschnittsauf-
gabe innerhalb der Verwaltung aufzubauen und
Zuständigkeiten zu klären,
• den Übergang zur praktischen Umsetzung von
Klimaanpassungsmaßnahmen gezielt zu verstär-
ken,
• notwendige zusätzliche Maßnahmen und dafür
erforderliche Ressourcen zu benennen,
• parallel zur Konzepterarbeitung Maßnahmen
anzustoßen, die keine zusätzlichen Ressourcen
erfordern,
• einen Zeitplan für die Maßnahmenumsetzung in
den nächsten Jahren zu erstellen,
• Bürger*innen, Stakeholder und die Verwaltung zu
beteiligen und ihre Vorschläge einzubeziehen,
• Synergien insbesondere zum Klimaschutz und zur
Biodiversität zu heben,
• eine gute und umsetzungsbegleitende Kommuni-
kation vorzubereiten,
• sowie zur Verstetigung und kontinuierlichen
Verbesserung der Klimaanpassungsaktivitäten
durch die Implementierung eines Monitorings
beizutragen
2Seite 13 von 174
Daneben ist ein aktuelles Klimaanpassungskonzept in
einigen Programmen Grundlage für die erfolgreiche Ak-
quise von Fördermitteln. Für die Konzepterstellung und
im Anschluss für die Konzeptumsetzung wird zudem
eine befristete Personalstelle für das Klimaanpassungs-
management durch das Bundesumweltministerium ge-
fördert.
Mit diesem Konzept soll die Grundlage für eine effektive
Weiterentwicklung der Klimaanpassung in Bonn gelegt
werden. Damit diese Weiterentwicklung zielgerichtet
ausgearbeitet werden konnte, war zunächst eine um-
fassende Bestandserfassung notwendig. Hiermit konn-
ten folgende Fragen beantwortet werden: Wie sind die
Ausgangslage und die Betroffenheit in Bonn? In wel-
chen Ämtern laufen bereits welche Aktivitäten? In wel-
chen Abläufen ist die Klimaanpassung bereits gut als
Standard integriert?
Von Beginn an war es nicht das Ziel, mit diesem Konzept
viele neue Projekte auszulösen. Um die Klimaanpas-
sung dauerhaft als Qualität in städtisches Handeln ein-
zubetten, lag der Fokus im ersten Schritt darauf, für die
Klimaanpassung relevante, wiederkehrende Prozesse
zu ermitteln und auszuwerten, inwieweit diese bereits
standardisiert im Sinne der Klimaanpassung genutzt
werden. Erst im zweiten Schritt sollten dort, wo ohnehin
anstehende Planungen kein Potenzial bieten, neue Pro-
jekte beschrieben werden. Auch diese sollen jedoch
möglichst nicht als “Insel” bearbeitet werden, sondern
an andere Aktivitäten angebunden bzw. sinnvoll mit ih-
nen verknüpft werden. Dieser Ansatz soll mit Blick auf
Zeit und Kosten ein effizientes Vorgehen sicherstellen
und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Klimaanpassung
fester Bestandteil des Verwaltungshandelns wird. Die
Ausarbeitung neuer Projekte war jedoch mit Blick auf
die Finanzsituation und parallel zur Maßnahmenausar-
beitung stattfindenden Haushaltskonsolidierung nur in
deutlich eingeschränktem Rahmen möglich.
Der Beteiligung der Öffentlichkeit wurde ebenfalls ho-
her Stellenwert beigemessen. Akteur*innen aus der
Stadtgesellschaft erhielten die Möglichkeit, Bedarfe zu
benennen, Feedback zu geben und sich explizit neben
konkreten Maßnahmen auch zum Thema Kommunika-
tion zu äußern.
Die Weiterentwicklung der städtischen Kommunikati-
onsarbeit im Kontext der Klimaanpassung war seitens
der Verwaltung von vorneherein als großer Bedarf ge-
sehen worden.
Mit der Förderung der Personalstelle für das Klimaan-
passungsmanagement —sowohl für die Phase der Kon-
zepterarbeitung als auch für die Umsetzung (noch vorbehalt-
lich der Bewilligung der Anschlussförderung) — ergeben
sich in begrenztem Rahmen befristete Personalressour-
cen, welche auch explizit für die Verstärkung der Kom-
munikationsarbeit genutzt werden können.
3Seite 14 von 174
Ablauf der Erarbeitung
Den Startpunkt für die Erarbeitung des integrierten Kli-
maanpassungskonzepts stellte eine ausführliche Grund-
lagenermittlung dar (Abb. 2 auf Seite 5). Bestehende
Konzepte und Planungen mit Schnittmengen zum KLAKi
wurden analysiert, auf Grundlage bestehender Klima-
analysen wurde eine Betroffenheitsanalyse vorgenom-
men, und es wurden Ortsbegehungen zu laufenden
Projekten in der Stadt und in Hotspot-Gebieten durch-
geführt (vgl. Kap. 3).
Die durch die Förderrichtlinie vorskizzierten Handlungs-
felder wurden für Bonn spezifiziert und der Status Quo
wurde je Handlungsfeld mithilfe einer SWOT-Analyse
(strategische Analyse anhand von Stärken, Schwächen,
Chancen und Risiken) festgehalten. Die Erkenntnisse bil-
den die Zieldefinition für die Konzepterstellung (vgl.
Kap. 5).
Das Herzstück des KLAKi bildet der Maßnahmenkatalog
(vgl. Kap. 6). Hierfür wurden zum einen verwaltungs-
interne Prozesse und Bonner Ressourcen analysiert, um
in den zugehörigen Maßnahmen ohnehin laufende Pro-
zesse bestmöglich mit Themen der Klimaanpassung zu
synchronisieren. Aus handlungsprioritären Räumen und
projektbezogenen Gelegenheitsfenstern ergeben sich
Hinweise, wo im Stadtgebiet besonders großer Hand-
lungsdruck für die Umsetzung von räumlichen Klimaan-
passungsmaßnahmen herrscht. Der Block „Anpassung
weiter gedacht“ hat das Ziel, auszuformulieren, wie Kli-
maanpassung bestmöglich zu kommunizieren, zur Um-
setzung zu bringen und nachhaltig zu verankern ist.
Insbesondere die Identifikation betroffener Räume und
die Maßnahmenentwicklung haben in einem intensiven
Beteiligungsprozess mit Stadtverwaltung, Stakeholdern
und Bürger*innen und in mehreren Phasen stattgefun-
den (vgl. Kap. 4).
Für den Maßnahmenkatalog, und die Klimaanpassung
im Allgemeinen, wurde eine umfassende Kommunika-
tionsstrategie (vgl. Kap.7) sowie ein Monitoringkonzept
(vgl. Kap. 9) entwickelt, das die Umsetzung des KLAKi
und die Akzeptanz und Mitwirkung der Bevölkerung
langfristig sichern soll.
4Seite 15 von 174
Abb. 2: Aufbau des Konzeptes
Darstellung berchtoldkrass space&options
5Seite 16 von 174
2. Bonn und der
Klimawandel
Bonns besonderes Klima
Die Stadt Bonn liegt im Süden des Bundeslandes Nord-
rhein-Westfalen im Übergang vom Mittelrheintal mit
seinen engen und steilen Hängen zur breiten, flachen,
niederrheinischen Bucht. Sie wird im Osten durch das
Siebengebirge mit dem großen Waldgebiet Ennert ein-
gegrenzt. Im Westen erstreckt sich der Ausläufer der Ei-
fel, der Kottenforst, in die Stadt hinein.
Der Rhein fließt durch die Stadt hindurch, wobei sich der
größte Teil des Stadtgebietes auf der linken Rheinseite
befindet. Südlich wird das Rheintal durch den Godesber-
ger Rheintaltrichter verengt. Nördlich dieses Trichters
öffnet sich die niederrheinische Bucht, sodass sich ein
Großteil der Stadt auf einem flachen, ebenen Niveau be-
findet.
Die Bonner Innenstadt weist Höhen von ca. 58m ü. NHN
auf. Die höchsten Erhebungen sind linksrheinisch der
Venusberg mit 171m sowie rechtsrheinisch der Paffels-
berg mit 195m ü. NHN.
Das Bonner Klima zeichnet sich durch milde, feuchte
Winter sowie warme Sommer aus. Durch seine geringe-
ren saisonalen Temperaturunterschiede zählt es zum
maritimen Klima. Die Tallage der Stadt Bonn führt je-
doch auch zu Veränderungen des maritimen Klimas,
unter anderem bedingt durch den städtischen Wärme-
inseleffekt sowie die Stauwirkungen des Siebengebir-
ges und des Kottenforstes.
Die Jahresmitteltemperatur lag in Bonn im Jahr 2024 bei
12,2 °C.1 Diese liegt über dem bundesdeutschen Durch-
schnitt von 10,9 °C2. In den Daten des Landesamtes für
Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (kurz:
LANUK NRW) zeigt sich außerdem die besondere Lage
Bonns. Denn während es insbesondere in den inner-
städtischen, besiedelten Bereichen wärmer ist (12,4 °C),
wiesen höher gelegene und deutlich aufgelockerte Be-
reiche wie der Kottenforst etwas niedrigere Temperatu-
ren auf (11,8 °C).
1 https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-pluskarte
2 https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.
html?nn=480164#buehneTop
Exkurs Stadtklima und städtischer Wärmeinseleffekt:
Das Stadtklima bezeichnet laut der World Meteorologi-
cal Organization (kurz: WMO) das durch Bebauung und
Emissionen gegenüber dem Umland veränderte Lokal-
klima. Meteorologische Parameter sind dementspre-
chend neben Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Strah-
lung und Wind auch beispielsweise Luftqualität und
Lärm3.
Die städtische Wärmeinsel beschreibt die Lufttempera-
turdifferenz zwischen der meist wärmeren Stadt und
dem kühleren Umland. Insbesondere bei anhaltenden
Hitzewellen wird der Effekt deutlich. In Bonn kann der
Temperaturunterschied zwischen Innenstadt und Um-
land bis zu 8 °C betragen.
Für eine ausgleichende Abkühlung des Stadtgebiets ist
die nächtliche Kaltluft ein wichtiger Faktor. Die Kaltluft
beschreibt eine Luftmasse, die im Vergleich zu ihrer Um-
gebung eine geringere Temperatur aufweist. Der Ab-
kühlungsprozess der Luftmasse ist über Wiesen, Acker-
und Brachflächen am höchsten, da dort die
Wärmekapazität (die Möglichkeit Wärme zu speichern)
geringer ist als zum Beispiel über Asphalt. Diese Kalt-
luftentstehungsgebiete speisen wiederum Kaltluft-
leitbahnen, die die Entstehungsgebiete mit den Sied-
lungsräumen verbinden und diese somit abkühlen.
Auch die Stadtklimaanalyse (vgl. Abb. 3) der Stadt Bonn
verdeutlicht, welche Bereiche in der Sommerzeit beson-
ders von hohen Temperaturen betroffen sind und wel-
che weniger (Lufttemperatur in der Nacht, PET4 am
Tage). Die Stadtklimaanalyse für Bonn wurde 2023 ak-
tualisiert, liegt als Kartendarstellung für die gesamte
Stadt in einer Auflösung von 5*5m vor und verdeutlicht
die Temperaturunterschiede zwischen Siedlungs-/Ver-
kehrsflächen sowie Grün-/Freiflächen in Bonn. Beson-
ders betroffene Bereiche sind stark verdichtete und ver-
siegelte Gebiete mit einem geringen Grünflächenanteil,
vor allem Stadtzentren, wie beispielsweise die Bonner
oder die Bad Godesberger Innenstadt. Die Lage insbe-
3 https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klima-
wirk/stadtpl/projekt_waermeinseln/projekt_waermeinseln_
node.html
4 PET = Physiologisch-Äquivalente Temperatur. Eine Maßeinheit
für die gefühlte Temperatur
6Seite 17 von 174
Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag (PET) (rechts)
Quelle: Geo-Net
7
sondere des nördlichen Bonns in der niederrheinischen
Bucht erschwert zudem die Durchlüftung mit abkühlen-
den Winden. Siedlungsgebiete in Hanglagen weisen
demnach eine bessere Versorgung mit nächtlicher Kalt-
luft auf als Gebiete in flacher Ebene. Der Rhein, der als
großer Wasserkörper mitten durch die Stadt fließt, hat
nur einen geringen abkühlenden Effekt auf sein direkt
umliegendes Gebiet, da er etwas tiefer liegt als die
Stadt und die Wassertemperatur im Sommer nachts hö-
her sein kann als die Lufttemperatur.
Die mittlere jährliche Niederschlagssumme lag im Jahr
2024 mit 828 mm unter der Summe NRWs mit 1028 mm
(LANUK NRW 2024). Der Niederschlag verteilt sich jedoch
nicht gleichmäßig über das Jahr, sondern weist in den
Monaten Mai bis September 2024 eine stärkere Ausprä-
gung auf. Auch Starkregenereignisse können insbeson-
dere in diesen Monaten auftreten, da die warme Luft in
der Sommerzeit mehr Wasser aufnehmen kann, das bin-
nen kürzester Zeit abregnen kann. Wie bei der Tempera-
tur sind in Bonn jedoch nicht alle Bereiche gleich von
Starkregen betroffen. Die der Stadt vorliegenden Stark-
regengefahrenkarten verdeutlichen, dass insbesondere
in der Nähe der Bäche sowie in Tal- und Hanglagen mit
einer erhöhten Gefahr durch Starkregen und im Extrem-
fall mit Überflutungen mit mehr als einem Meter Was-
serstand zu rechnen ist.Seite 18 von 174
Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019,
Quelle: Bundesstadt Bonn
Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr
Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW
Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW
Quelle: LANUK NRW nach DWD8
Oft zu nass und dann wieder zu
trocken - Klimwandel in Bonn
Die Folgen des Klimawandels sind in Bonn deutlich zu spüren.
Hitzewellen wie in den Jahren 2015, 2018 und 2022, vermehrt
auftretende Starkregen- und Überflutungsereignisse in den
letzten Jahren zwischen 2010-2021 sowie eine von 2018 bis
2022 anhaltende Dürreperiode verdeutlichen, dass eine kli-
maangepasste Stadtentwicklung immer wichtiger wird.
Bonn ist durch seine geographische Lage besonders von den
Folgen von Hitze, Trockenheit/Dürre und Starkregen sowie
Hochwasser betroffen, die im KLAKi in den Fokus der Klima-
folgenanpassung rücken.
Es wird heißer
Im Jahr 2019 wurde am 25. Juli der heißeste Tag seit Beginn
der Messungen in Bonn registriert. Über die Jahre hinweg wur-
de in Bonn generell ein kontinuierlicher Anstieg der Tempera-
turen gemessen. Mittlerweile verzeichnet Bonn eine Erwär-
mung von 1,9°C im Vergleich zum Beginn der Messungen im
Jahr 1881 (Abb. 5).
Eine bekannte Darstellung der steigenden Temperaturen sind
die sogenannten Warming Stripes nach dem britischen Klima-
tologen Ed Hawkins, die den Verlauf der Jahresmitteltempera-
tur nicht als Liniengraphen (Abb. 5), sondern als farbliche Strei-
fen abbilden (Abb. 6). Tiefblaue Streifen stehen für Jahre mit
einer niedrigen Jahresmitteltemperatur, tiefrote Streifen zei-
gen Jahre mit einer hohen Temperatur. Die Visualisierung der
Jahresmitteltemperaturen Bonns als Warming Stripes unter-
streicht noch einmal den Wandel, den das Klima in der Ver-
gangenheit bereits vollzogen hat.Seite 19 von 174
Abb. 7: Entwicklung von Kenntagen in
Bonn für die Klimanormalperioden pro
Jahr, Quelle: LANUK NRW (2025):
Klimaatlas NRW
RCP-Szenario
2.6
Klimaschutzmaßnahmen werden verstärkt umgesetzt. Bis 2030 werden die Treibhausgase drastisch
reduziert und nehmen bis Ende des Jahrhunderts ab. Mit Ende des 21. Jahrhunderts werden keine an-
thropogen verursachten Treibhausgase mehr emittiert. Die globale Erwärmung wird auf weniger als 2
°C gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt.
RCP-Szenario
8.5
Es werden weiterhin fossile Brennstoffressourcen ausgebeutet. Der weltweite Lebensstil bleibt ener-
gieintensiv. Dies erhöht die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre massiv. Bis Ende des 21. Jahr-
hunderts steigen die Treibhausgasemissionen an. Die klimatischen Veränderungen sind sehr stark. Glo-
bal kann eine durchschnittliche Erwärmung um bis zu 4 °C erreicht werden.
Exkurs RCP-Szenarien
Die oben beschriebenen Projektionen basieren auf den beiden
möglichen Zukunftsszenarien RCP2.6 und RCP8.5, die im 5. Be-
richt des IPCC aus dem Jahr 2013 beschrieben sind. Während
RCP8.5 ein Szenario mit wenigen oder gar keinen Klimaschutz-
maßnahmen zeigt, beschreibt RCP2.6 ein Szenario mit starkem
Abb. 8: Die RCP-Szenarien 2.6 und 8.5 aus dem 5. Bericht des IPCC, dargestellt nach Kreienkamp et al. 2022:
Empfehlungen für die Charakterisierung ausgewählter Klimaszenarien.
9
Kenntage 1971-2000 1991-2000 2031-2060 2071-2100
RCP 2.6 RCP 8.5 RCP 2.6 RCP 8.5
Sommertage
(max. ≥ 25 °C)
40 49 56 60 54 95
Heiße Tage
(max. ≥ 30 °C)
8 11 15 19 18 40
Tropennächte
(min. ≥ 20 °C)
keine Daten keine Daten 2 5 3 24
In Zukunft wird die Temperatur — bedingt durch den voran-
schreitenden Klimawandel — weiter steigen. Bis Ende des
Jahrhunderts wird – unter Annahme eines starken Klimawan-
dels nach dem RCP-Szenario 8.5 des IPCC – ein Anstieg der glo-
balen Durchschnittstemperatur von knapp 4 °C prognosti-
ziert5[NW1.1]. Bis 2035 wird für Bonn ein mittlerer
Temperaturanstieg von 2 °C erwartet, wenn keine Maßnah-
men zur Anpassung an heiße Temperaturen umgesetzt wer-
5 DKRZ (Deutsches Klimarechenzentrum). (ohne Datum). Globale
Mitteltemperatur, in: IPCC AR5 Ergebnisse. Abgerufen von:
https://www.dkrz.de/en/communication/climate-simulations/
cmip5-ipcc-ar5/ergebnisse/Mitteltemperatur-en
den.6 Die physiologisch äquivalente Temperatur (kurz: PET,
umgangssprachlich „gefühlte Temperatur“), die neben der
Lufttemperatur auch weitere Aspekte wie den Wind oder die
Strahlungsintensität berücksichtigt, wird in Zukunft vermehrt
über 43 °C steigen. Der Deutsche Wetterdienst (kurz: DWD)
gibt bereits ab einer PET von 32 °C Warnungen vor einer star-
ken Hitzebelastung heraus. Ab einer PET von 38 °C warnt der
DWD vor einer extremen Hitzebelastung.
6 Quelle: Bundesstadt Bonn (2023). MUTABOR - Mikroskalige Un-
tersuchung und Aktivierung der technischen und planerischen
Anpassungskapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hitze-
stresses. https://www.bonn.de/medien-global/amt-67/projek-
te-zur-klimaanpassung/MUTABOR_Ergebnisbericht.pdf
globalen Klimaschutz (siehe Abb. 7). In beiden Szenari-
en wird der Anstieg der Treibhausgase und die damit
verbundene Veränderung des Energiehaushalts der
Erde berücksichtigt. Der Bericht bezieht sich hauptsäch-
lich auf das Szenario RCP8.5, da dieses auf dem Vorsor-
geprinzip basiert.Seite 20 von 174
Abb. 9: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET)(links) ;
Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET)(rechts)
Quelle: Geo-Net
10
Mit dem Projekt MUTABOR hat die Stadt Bonn verschie-
dene Szenarien für das Jahr 2035 modelliert. Ein Ergeb-
nis war, dass sich die klimatische Situation bei einer
Nicht-Umsetzung von Maßnahmen der Hitzevorsorge
insbesondere in den schon heute stark belasteten Ge-
bieten wie den Bezirkszentren Innenstadt, Bad Godes-
berg und Beuel weiter verschärft. Neben einem deutli-
chen Anstieg der Sommer- und heißen Tage (Tage mit
Temperaturen über 25 °C bzw. 30 °C) werden voraus-
sichtlich auch die Tropennächte (Nächte mit einer Mini-
maltemperatur über 20 °C) zunehmen (vgl. Abb. 10).
Waren es im Jahr 2024 für das Zentrum von Bonn noch
52 Sommertage und 11 heiße Tage, wird es bis zum Jahr
2060 nach Daten des LANUK NRW eine Zunahme im Mit-
tel auf 60 Sommertage pro Jahr und 19 heiße Tage im
Jahr geben.Seite 21 von 174
Abb. 10: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht im Jahr 2023 (PET)(links) ;
Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für eine Nacht im Jahr 2035 (PET)(rechts)
Quelle: Geo-Net
11
Auch die Nächte werden heißer. So wird vom LANUK ein An-
stieg der Tropennächte bis 2060 im Mittel um 5 Nächte pro
Jahr prognostiziert. Dies bestätigen für das Jahr 2035 auch
die Klimaanalysekarten für die Nacht. Deutlich ersichtlich
wird, dass die Straßenräume sowie die stark versiegelten
Bereiche in der Innenstadt, aber auch Gewerbegebiete
(bspw. Beuel-Ost) nachts von Temperaturen über 22 °C be-
troffen sein werden.
Betroffen von dieser Hitzebelastung sind insbesondere
vulnerable Gruppen wie beispielsweise Senior*innen,
chronisch Erkrankte oder Kleinkinder. Im Hinblick auf die
zukünftige Entwicklung werden jedoch alle Bevölke-
rungsgruppen Auswirkungen auf das eigene Wohlbefin-
den und die Gesundheit spüren.Seite 22 von 174
Zu viel Wasser auf einmal
Abb. 11: Überflutung Mainzer Straße
Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt
In den letzten Jahren kam es in Bonn mehrfach zu er-
heblichen Schäden durch Starkniederschläge, zuletzt in
größerem Ausmaß im Jahr 2021.
Heftige Niederschläge können grundsätzlich ganzjährig
auftreten. Aber vor allem in den Monaten Mai bis Sep-
tember kann es zu Starkregenereignissen kommen. Be-
sonders kritisch bei solchen Starkregenereignissen ist,
dass diese in sehr kurzer Zeit große Wassermassen mit
sich bringen und nur kurzfristig örtlich vorherzusagen
sind.
Auch in den Wintermonaten können sich heftige Regen-
güsse ereignen. Dabei ist vor allem mit eher langandau-
ernden, starken Niederschlägen zu rechnen, die erst
nach Stunden oder Tagen an vielen Stellen im Stadtge-
biet zu Überflutungen führen können. Bei Betrachtung
der Niederschlagswerte seit Beginn der Messungen
Ende des 19. Jahrhunderts ist für Nordrhein-Westfalen
eine leichte Zunahme der Jahres- und Winternieder-
schläge zu beobachten. In der jüngeren Vergangenheit
(1991-2024) zeigt sich jedoch in NRW eine signifikante
Abnahme der Sommer- und Herbstniederschläge ohne
Zunahme der Winterniederschläge. Zudem werden Ext-
remniederschläge in Zukunft weiter zunehmen und zu
einem erhöhten Überflutungsrisiko im Bonner Stadtge-
biet, sowohl an den Bonner Bächen als auch abseits der
Bachauen inmitten der Bebauung, führen.
Um die Betroffenheit einzuschätzen, liegen der Stadt
Bonn Starkregengefahrenkarten für 50-, 100-jährliche
und Extremereignisse vor. Diese geben neben den be-
troffenen Orten auch die Intensität der Überflutungen in
den unterschiedlichen Szenarien an. Besonders betrof-
fen von Überflutungen sind die Umgebungen der Bon-
ner Bäche Endenicher Bach, Godesberger Bach und Meh-
lemer Bach. Hier haben Starkregenereignisse der
vergangenen Jahre zu schweren Überschwemmungen
mit hoher Schadensfolge geführt.
12Seite 23 von 174
Abb. 12: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW
Abb. 13: Entwicklung der Kenntage in Bonn für die Klimanormalperioden pro Jahr,
Quelle: LANUK NRW (2025)
13
Kenntage 1971-2000 1991-2000 2031-2060 2071-2100
RCP 2.6 RCP 8.5 RCP 2.6 RCP 8.5
Niederschlagssumme
in mm
643 646 674 685 661 696
Starkniederschlagstag
10mm
14 16 16 17 16 18
Starkniederschlagstag
20mm
3 4 4 4 4 5
Starkniederschlagstag
50mm
0 0 0,2 0,3 0,3 0,3Seite 24 von 174
Der fortschreitende Klimawandel verändert auch den
Wasserhaushalt in Bonn. Zu viel oder zu wenig Wasser
kann zu großen Schäden führen. In den Jahren 2018 bis
2022 war Bonn von einer andauernden Dürreperiode
betroffen.
Die steigenden Temperaturen führen insgesamt zu
mehr Niederschlag, jedoch verändern sich auch die
räumlichen sowie zeitlichen Verteilungsmuster. Gerade
in den Sommermonaten ist mit Extremereignissen wie
längeren Trockenheitsphasen sowie Starkregenereig-
nissen zu rechnen. Gleichzeitig führen höhere Tempera-
turen auch zu einer größeren Verdunstung von Wasser,
wodurch die Böden trockener werden und nur wenig
Wasser während eines Regens aufnehmen können. Die
Folge ist ein geringes Angebot an Wasser, das der Vege-
tation zur Verfügung steht (nutzbare Feldkapazität) und
welche mit einem daraus resultierenden Trockenstress
der Pflanzen einhergeht. Modellierungen des DWD zum
pflanzenverfügbaren Wasser zeigen besonders für die
Jahre 2018 bis 2020 extrem niedrige Werte bei der Bo-
denfeuchte in NRW auf.
Dies wirkt sich in Bonn auf die Grünanlagen im städti-
schen Bereich, aber vor allem auf die Waldflächen Kot-
tenforst und Ennert aus. Die Waldbrandgefahr für diese
Bereiche lag laut LANUK NRW (2024)7 in der Klimanor-
malperiode 1991-2020 bei 11 Tagen pro Jahr im Mittel.
In Zukunft (Klimanormalperiode 2031 bis 2060) wird
sich die Anzahl unter Annahme eines starken Klimawan-
dels um 6 Tage pro Jahr im Mittel erhöhen.
In Zukunft ist daher mit einer Wiederholung solcher Ex-
treme zu rechnen (vgl. auch Abb. 15). Um das Stadtgrün
darauf vorzubereiten, ist ein nachhaltiger, naturnaher
Umgang mit dem Niederschlagswasser entscheidend
für eine lebenswerte und widerstandsfähige Stadt. Nur
eine vitale Stadtvegetation kann seine positiven Funk-
tionen zur Kühlung des Stadtklimas voll entfalten.
7 https://www.klimaatlas.nrw.de/klima-nrw-pluskarte
Abb. 14: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW
Dauerhaft eher zu wenig Wasser
14Seite 25 von 174
Um auf die Herausforderungen der steigenden Tempe-
raturen und der veränderten Niederschlagsmuster ef-
fektiv reagieren zu können, ist es entscheidend, bereits
bestehende Konzepte und Maßnahmen zu berücksichti-
gen und weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang
bietet sich ein Blick auf die bereits erarbeiteten Grund-
lagen und laufenden Aktivitäten der Stadt Bonn an. Die-
se geben wertvolle Anhaltspunkte und ermöglichen es,
bestehende Synergien zu nutzen und zukünftige Maß-
nahmen optimal zu integrieren. Im folgenden Kapitel
wird daher eine Bestandsaufnahme der relevanten Kon-
zepte und deren Verknüpfung mit dem vorliegenden
Klimaanpassungskonzept vorgestellt.
15
Abb. 15: Entwicklung der Trockentage in Bonn für die Klimanormalperioden,
Quelle: LANUK NRW (2025)
Kenntage 1971-2000 1991-2000 2031-2060 2071-2100
RCP 2.6 RCP 8.5 RCP 2.6 RCP 8.5
Trockentage (< 1mm
Niederschlag)
243 241 240 241 241 251Seite 26 von 174
3. Darauf lässt sich
aufbauen: ein Blick
auf schon Erarbeitetes
zahlreiche
Integrierte
Konzepte /
PlanungenZURES &
erste Stadt-
klimaanalyse
16
Förderprogramm
Begrünung
Friedhofskonzept Stadtbaumkonzept
Spielflächenkonzept
Nachhaltigkeits-
strategie
Bonner Klimaplan
Hochwasserschutz-
konzept RheinSeite 27 von 174
Abb. 16: Übersicht über bestehende relevante
Konzepte und Planungen der Stadt Bonn
Darstellung: berchtoldkrass
Das integrierte
Klimaanpassungskonzept
für Bonn
Im Zuge der Bestandsaufnahme wurden alle relevanten
Konzepte und Grundlagen der Stadt Bonn gesichtet und
ausgewertet, um bereits geplante und laufende Aktivi-
täten der Stadt Bonn — die bereits vielfach das Ziel der
Klimaanpassung verfolgen — zu bündeln und mögliche
Synergien zwischen dem vorliegenden Konzept und be-
stehenden Konzepten zu schaffen und miteinzubezie-
hen (Abb. 16). Die integrierte Gesamtschau der Konzep-
te umfasst Aspekte der Maßstabsebene und des Grades
der Umsetzung, den vorgesehenen Zeithorizont, den
räumlichen Detaillierungsgrad und die Finanzierungs-
planung.
17
Kleingarten-
entwicklungsplan
Hochwasserschutz-
konzept Godesber-
ger Bach
Biodiversitäts-
strategie
Hochwasserschutz-
konzept Hardtbach
Freiraumplan
Schwammstadtkonzept
MUTABOR & Planungs-
hinweiskarte HitzeSeite 28 von 174
Die jeweiligen Raumkulissen der Konzepte wurden
überlagert, sodass räumliche Schwerpunktbereiche
identifiziert werden konnten. Diese Räume beinhalte-
ten Aussagen aus bestehenden Rahmenplanungen,
konkreten Einzelmaßnahmen, ermittelten Gelegen-
heitsfenstern anstehender Planungen aus dem
Schwammstadtkonzept und spezifische Modellprojekte
aus dem Freiraumplan sowie dem Stadtbaumkonzept
und sind ein Hinweis, wo im „Huckepack-Prinzip“ Maß-
nahmen der Klimaanpassung integriert werden kön-
nen.
ZURES, 2018
ZURES (Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risiko-
analysen als Instrument zur Förderung der Resilienz von
Städten und urbanen Infrastrukturen) legt den Grund-
stein für eine hitzeangepasste Stadtentwicklung in
Bonn. Im Rahmen des Verbundvorhabens wurde eine
Stadtklimaanalyse und eine Planungshinweiskarte zur
Ersteinschätzung stadtklimatischer Belange erstellt.
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn, 2018
Im Rahmen der Initiative „Global nachhaltige Kommune
in NRW“ wurde Bonn als eine von 15 Modellstädten aus-
gewählt, um eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie
zu entwickeln. Diese Strategie stellt das erste struktu-
rierte Steuerungsinstrument dar, das eine gezielte
Agenda für eine nachhaltige urbane Entwicklung fest-
legt. Inhaltlich orientiert sich das Konzept an den 17
Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der UN und lei-
tet daraus kommunale Handlungsfelder ab. Es werden
insbesondere für die blau-grüne Entwicklung der Stadt
(Stadtentwicklung mit einem Fokus auf resilienten,
wassersensiblen Grünstrukturen) und für klimaange-
passte Siedlungsstrukturen Zielvorstellungen formu-
liert, die für das KLAKi von besonderer Relevanz sind.
Integrierte Handlungs-, Entwicklungs-, Stadtteil-
und Quartierskonzepte
Die Stadt Bonn erarbeitet ganzheitliche Konzepte für die
Stadtentwicklung, die verschiedene Herausforderun-
gen, Themen und Fachgebiete zusammenführen und
miteinander verknüpfen. Dabei sind immer auch stadt-
klimatisch relevante Themenfelder und Lösungsansätze
inbegriffen. Als Beispiele sind die Umgestaltung von
Theaterplatz und Fronhof in Bad Godesberg, kleinräumi-
ge Eingriffe im öffentlichen Raum der Inneren Stadt, die
geplante Aufwertung des Ortszentrums Buschdorf und
die Modellvorhaben - etwa im Combahnviertel - zu nen-
nen.
Die integrierten Konzepte umfassen unter anderem:
• ISEK Bonn-Beuel
• ISEK und Masterplan Innenstadt Bad Godesberg
• Masterplan Innere Stadt
• Grünrahmenplan Bundesviertel
• IEK Buschdorf
• Modellprojekte Bönnsche Viertel
Hochwasserschutzkonzepte
Bonn war in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals
sowohl von Rheinhochwassern (sog. Jahrhunderthoch-
wasser 1993 und 1995) als auch von Überflutungen in-
folge von Starkregenereignissen (2010, 2013, 2016 und
2021) betroffen. Insbesondere Überflutungen an Meh-
lemer Bach, Godesberger Bach und zuletzt Hardtbach
führten zu hohen Schäden an Gebäuden und Infrastruk-
tur. Zum Schutz vor Überflutungen an den Fließgewäs-
sern hat die Stadt Bonn für den Rhein und die Bonner
Bäche Hochwasserschutzkonzepte erstellen lassen.
Ebenso wurden bereits verschiedene Hochwasser-
schutzmaßnahmen ergriffen, wie beispielsweise den
Entlastungskanal Mehlemer Bach. Ziel der Hochwasser-
schutzkonzepte ist, die Hochwassergefahr im Gebiet zu
reduzieren, Überflutungen mit hohem Schadenspoten-
tial zu mindern und durch Kombination verschiedener
struktureller und baulicher Maßnahmen einen mög-
lichst effektiven Hochwasserschutz zu erreichen. Gegen-
stand der Hochwasserschutzkonzepte ist die Prüfung
aller möglichen einzuleitenden Maßnahmen hinsicht-
lich ihrer Effektivität, Genehmigungsfähigkeit, Flächen-
verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dazu zählen Maß-
nahmen wie der Bau von Rückhaltebecken, die
Schaffung natürlicher Retentionsflächen, Hochwasser-
schutzelemente, die Entschärfung von Engpässen, Än-
derungen in der Landnutzung sowie Objektschutz.
Folgende Hochwasserschutzkonzepte liegen in Bonn
vor:
• Hochwasserschutzkonzept Rhein, 1997
• Hochwasserschutzkonzept Godesberger Bach, 2022
• Hochwasserschutzkonzept Hardtbach, 2025
Da sich die Einzugsgebiete der Bonner Bäche auch über
Gemeindegrenzen hinweg erstrecken, wurden im Rah-
men der bestehenden Hochwasserpartnerschaften die
Hochwasserkonzepte mit den Nachbargemeinden
Wachtberg und Alfter gemeinsam beauftragt.
18Seite 29 von 174
Förderprogramm Begrünung, 2021 bis heute
Das Förderprogramm Begrünung der Stadt Bonn ver-
folgt das Ziel, in der Breite auf privaten Grundstücken
die Flächen- und Gebäudebegrünung voranzutreiben.
Lokale Entsiegelungsmaßnahmen und anschließende
Begrünungen sind hier förderfähig und helfen so, die
gesamte Stadt besser auf Hitzeperioden vorzubereiten.
Friedhofskonzept, 2021
Das Friedhofskonzept sieht eine langfristige, ökologisch
sinnvolle Anpassung der insgesamt 40 Friedhofsflächen
vor. In Kooperation mit Naturschutzakteuren werden
Umgestaltungsmaßnahmen realisiert. Als Grünräume
mit oftmals wertvollem Baumbestand kommt den
Friedhöfen in Zukunft im Sinne der Mehrfachnutzung als
bioklimatische Entlastungsräume eine immer wichtige-
re Rolle zu.
Spielflächenkonzept, 2022
Das Spielflächenkonzept in Bonn betrachtet Spielflä-
chen als klimatische Ausgleichsräume und Teil der grü-
nen Infrastruktur, Das Konzept sieht vor, die Alltagsan-
forderungen an Spielflächen um weitere Aspekte wie
die Berücksichtigung von Klima, Biodiversität und le-
benswerter Freiraum zu ergänzen. Im Sinne des „Hucke-
pack-Prinzips“ kann die Klimaanpassung bei der Sanie-
rung und auch bei der Neuplanung von Spielplätzen
mitgedacht und zur Umsetzung gebracht werden.
Stadtbaumkonzept, 2023
Das Stadtbaumkonzept sieht die Anpflanzung neuer
Straßenbäume und die Aufwertung von Stadtteilen vor,
die besonders unter klimatischen Belastungen leiden
und stadtökologisch Schwächen aufweisen. Gerade in
dicht bebauten Stadtteilen sollen neue Straßenbäume
für klimatische Ausgleichseffekte sorgen – eine Maß-
nahme von großer Bedeutung angesichts knapper
Grünflächen und stark versiegelter Flächen.
Bonner Klimaplan 2035, 2023
Der Klimaplan, verabschiedet im Frühjahr 2023, fungiert
als Leitlinie auf dem Weg zur Klimaneutralität Bonns. Er
besteht aus zwei Teilen: einer Gesamtstrategie für die
Stadt sowie einem „Arbeitsprogramm Klimaschutz“ mit
fast 70 Maßnahmen in sieben Themenfeldern. Bisher
wurden daraus über 230 Einzelprojekte entwickelt, von
denen bereits einige erfolgreich abgeschlossen sind.
Auch hierbei bestehen Synergien zur Klimaanpassung:
insbesondere der ausgeprägte Schutz und die Neuanla-
ge standortgerechter Mischwälder, aber auch die Be-
strebungen zur nachhaltigen Umgestaltung von Mobili-
tätsräumen zugunsten von Langsamverkehr und
Grünstrukturen sind zu erwähnen.
MUTABOR und Planungshinweiskarte, 2023
Das MUTABOR-Projekt („Mikroskalige Untersuchung und
Aktivierung der technischen und planerischen Anpas-
sungskapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hit-
zestresses“) baut direkt auf den Erkenntnissen aus ZU-
RES auf und untersucht konkrete Handlungsspielräume
zur Hitzeminderung. Dabei wurden Maßnahmen hin-
sichtlich ihrer Kühlwirkung analysiert und drei Szenari-
en zur Hitzeentwicklung bis 2035 modelliert: ein Refe-
renzszenario ohne weitere Maßnahmen, ein „Weiter
wie bisher-Szenario und eines mit vollständiger Umset-
zung aller technisch realisierbaren Maßnahmen.
Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Ein “Weiter wie bis-
her” reicht nicht aus. Nur eine breit angelegte, ehrgeizi-
ge Umsetzung von Maßnahmen – insbesondere grün-
blauer Art – führt zu wirksamer Entlastung. Empfohlen
werden vor allem naturbasierte Maßnahmen. Die
“Champions” der Klimaanpassung sind dabei eine Kom-
bination aus Bäumen, Entsiegelung mit anschließender
Begrünung sowie Begrünung von Gebäuden. Das integ-
rierte Klimaanpassungskonzept baut auf diesen Emp-
fehlungen auf und leitet konkrete Umsetzungsmaßnah-
men ein.
Bonner Freiraumplan, 2023
Ein besonders hohes Maß an Synergien besteht mit
dem Bonner Freiraumplan, der als übergeordnete Stra-
tegie für die Entwicklung sämtlicher Freiräume – auch
innerhalb der bebauten Stadt – fungiert. Seit 2024
dient er als informelle Grundlage für flächenbezogene
Entscheidungen.
Freiräume sind Klimaanpassung - als übergeordnetes
Querschnittsthema findet sie sich in jeder Ebene des
Freiraumplans – angefangen beim räumlichen Leitbild
mit den drei Leitbildthemen „Starke Landschaften“,
„Blau-Grüne-Netze“ und „Grüne Viertel“, über die Orte
und Handlungsräume und die zugehörigen Entwick-
lungsziele, bis hin zu den Schlüsselmaßnahmen und
Lupenräumen.
Die im Freiraumplan definierten Querschnittsziele,
Aufgaben und Maßnahmen haben in besonderem
Maße mit den KLAKi-Handlungsfeldern „öffentliche
Räume und Mobilitätsräume“ sowie „Grünräume und
Forstwirtschaft“ ausgeprägte Überschneidungen, bei-
19Seite 30 von 174
spielsweise in Bezug auf die Qualifizierung der grünen
und blauen Infrastruktur sowie die Multicodierung von
Freiflächen.
Schwammstadtkonzept, 2024
Die Stadt Bonn verfolgt das Ziel einer wassersensiblen
Stadtgestaltung mit den drei Schwerpunkten Hoch-
wasser-, Starkregen- sowie Hitze- und Trockenheitsvor-
sorge. Den Schwerpunkt des Schwammstadtkonzepts
bildet insbesondere die Stärkung des natürlichen Was-
serkreislaufs im Rahmen der Trockenheitsvorsorge. Die
Grundidee ist, Flächen so zu gestalten, dass sie Regen-
wasser speichern und bei Bedarf überflutet werden
können. Gleichzeitig sorgt Verdunstung für kühlende
Effekte auf das Mikroklima.
Zentrale Handlungsräume des Schwammstadtkonzepts
sind Stadtgrün, Gewässer und sonstige urbane Freiflä-
chen. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Flächenentsie-
gelung, zur Erweiterung der blau-grünen Infrastruktur
und zum Schutz naturnaher Böden und Gewässer.
Biodiversitätsstrategie, 2025
Die Biodiversitätsstrategie beantwortet die Frage
nach den Instrumenten und Maßnahmen, die in Bonn
das Potenzial haben, die größte Wirksamkeit für den
Biodiversitätsschutz zu entfalten. In ihrem Aktionspro-
gramm 2030 setzt sie insbesondere auf die Umsetzung
von Maßnahmen im „Huckepack“ mit anderen Vorha-
ben und Planungen, indem Synergien zu vorgelager-
ten und parallel laufenden Planungsprozessen aufge-
zeigt und gezielt ausgenutzt werden.
Im Sinne der Klimaanpassung bieten insbesondere
die Handlungsansätze der Zukunftssäule II „Stadtna-
tur und Kulturlandschaft“ in räumlicher Hinsicht gute
Anknüpfungspunkte. In der Zukunftssäule III werden
zukünftige Aufgaben der „Bildung, Kommunikation
und Teilhabe“ formuliert – diese sind gemeinsam mit
der Kommunikationsstrategie und den zugehörigen
Maßnahmen des integrierten Klimaanpassungskon-
zepts zu verfolgen.
Kleingartenentwicklungsplan, 2025
Der Kleingartenentwicklungsplan formuliert Leitlinien
und Maßnahmen zur zukünftigen Entwicklung der
Kleingärten Bonns. Dies umfasst neben der Sicherung
bestehender und der Schaffung neuer Anlagen auch
die zukunftsgerechte Ausrichtung bestehender An-
lagen – auch im Hinblick auf ihre wichtige stadtklima-
tische Funktion, ihre Zugänglichkeit/Nutzbarkeit für
unterschiedliche Nutzergruppen sowie ihre zentrale
Rolle im Freiraumverbundsystem.
20Seite 31 von 174
Scheinwerfer auf: Die Bonner
Biodiversitätsstrategie
Die Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, um-
fasst die Vielfalt aller Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze und
Mikroorganismen), deren genetische Vielfalt und die
Vielfalt der Ökosysteme. Zusammen bilden diese Ebe-
nen die Grundlage allen Lebens.
Diese Lebensgrundlage ist akut gefährdet: Die Biodiver-
sitätskrise im Zusammenhang mit dem weltweiten Ar-
tensterben stellt neben der globalen Erderwärmung die
zweite menschengemachte Krise dar, mit der wir unsere
Zukunft gefährden. Beide Krisen hängen untrennbar
miteinander zusammen und können nur gemeinsam
gelöst werden. Daraus ergibt sich für die Bundesstadt
Bonn die Verantwortung, die biologische Vielfalt auf
kommunaler Ebene zu bewahren und dem Artenrück-
gang im Stadtgebiet aktiv entgegenzuwirken.
Die Bonner Biodiversitätsstrategie dient zu diesem
Zweck als kommunales Steuerungs- und Abwägungs-
instrument und bündelt effektiv sämtliche Aufgaben
zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt
in Bonn. Die Strategie beantwortet die Frage, welche
Instrumente und Maßnahmen die größte Wirksamkeit
für den Biodiversitätsschutz aufweisen und zeigt den
Weg, vorhandene Ressourcen für diese Maßnahmen vo-
rausschauend, gezielt und effektiv einzusetzen. Dabei
wird Biodiversität als Querschnittsthema im Kontext an-
derer raumwirksamer Fachplanungen gedacht und ein
Fokus auf Schnittstellen und Umsetzungssynergien ge-
legt. Aus diesem Grund setzt die Biodiversitätsstrategie
bei der Maßnahmenumsetzung auf „Huckepack-Verfah-
ren“ gemeinsam mit anderen Vorhaben und Planungen.
Die lokale biologische Vielfalt kann nur dann langfristig
und effektiv geschützt werden, wenn ihr Erhalt als Ge-
meinschaftsaufgabe der gesamten Stadtgesellschaft
verstanden und gelebt wird. Aus diesem Grund wurde
die Bonner Biodiversitätsstrategie in einem partizipati-
ven Prozess von der Stadtverwaltung, lokalen Ak-
teur*innengruppen, politischen Entscheidungsträ-
ger*innen und der Bonner Bürger*innenschaft
gemeinsam entwickelt.
Für den Aufbau der Strategie wurden die in Bonn gel-
tenden Rahmenbedingungen analysiert, um daraus
konkrete Anforderungen abzuleiten. Als Ergebnis ver-
fügt die Strategie über drei Handlungsschwerpunkte,
die sogenannten Zukunftssäulen:
• Zukunftssäule I. Natur-, Biotop- & Artenschutz
• Zukunftssäule II. Stadtnatur & Kulturlandschaft
• Zukunftssäule III. Bildung, Kommunikation &
Teilhabe
Die in den Zukunftssäulen definierten Aktionsfelder,
strategischen Ziele und Handlungsempfehlungen die-
nen dazu, Biodiversität als existenzielle Grundlage zu
erhalten. Die strategischen Ziele geben die Ausrichtung
für den Biodiversitätsschutz in Bonn vor. Von den insge-
samt 36 Zielen wurden zehn Ziele priorisiert, deren Um-
setzung bis zum Jahr 2030 vorrangig angestoßen und
verfolgt werden soll. Die Handlungsempfehlungen ent-
halten allgemeine biodiversitätsfördernde Maßnah-
men, die nicht an bestimmte Gebiete gebunden sind
und meist über gesetzliche Anforderungen und Ver-
pflichtungen hinaus gehen.
Das Aktionsprogramm Biodiversität 2030 stellt inner-
halb der Strategie den Umsetzungsfahrplan dar. Es for-
muliert fünf Fokusthemen, in denen Maßnahmenemp-
fehlungen zur Erreichung der zehn priorisierten Ziele bis
2030 gebündelt sind. Die Fokusthemen lauten:
• Flächenaufwertung & Biotopvernetzung
• Gezielter Artenschutz
• Ökologischer Ausbau kleiner Fließgewässer
• Biodiversitäts- & klimaangepasste Siedlungsberei-
che & Gebäude
• Stärkung der interdisziplinären Kommunikation &
Zusammenarbeit
Die enge Verwandtschaft von Biodiversität und Klima-
anpassung wird beispielsweise im Fokusthema „Biodi-
versitäts- und klimaangepasste Siedlungsbereiche und
Gebäude“ der Biodiversitätsstrategie deutlich. Die Maß-
nahmenempfehlungen dieses Fokusthemas zahlen
gleichermaßen auf den Biodiversitätsschutz und die Kli-
maanpassung ein. Neben der verstärkten Begrünung
von Wohngebieten wird die naturnahe, biodiversitäts-
und klimaangepasste Gestaltung von Schulhöfen als Ge-
meinschaftsaufgabe verstanden, konzipiert und umge-
setzt.
Maßnahmen, die mit Blick auf den Biodiversitätsschutz
und die Klimaanpassung gemeinsam gedacht und im-
plementiert werden, haben das Potenzial, sich in ihrer
Wirkung gegenseitig zu verstärken. 21Seite 32 von 174
silienz und Biodiversität – die im Themenfeld Klimaan-
passung zusammentreffen und zusammenwirken. Seit
2008 – dem Jahr der 9. Weltnaturschutzkonferenz in
Bonn - engagiert Bonn sich beispielsweise im Globalen
Aktionsbündnis der Städte für biologische Vielfalt und
insbesondere im Beirat der Städte für die Konvention für
biologische Vielfalt, der von ICLEI koordiniert wird.
Seit 2010 engagiert sich Bonn gemeinsam mit ICLEI und
UNDRR, dem Büro der Vereinten Nationen für Katastro-
phenvorsorge, im Thema Resilienz und ist unter ande-
rem Mitzeichnerin der Durban Adaptation Charter, der
ersten Erklärung der kommunalen Ebene zur Klimaan-
passung aus dem Jahr 2011. Von 2010 bis 2019 richteten
Bonn und ICLEI gemeinsam die Kongressreihe Resilient
Cities zu Städten und Klimaanpassung aus. Bereits 2010
trat Bonn der Kampagne „Making Cities Resilient“ von
UNDRR (damals UNISDR) bei. Seit 2022 ist Bonn Mitglied
der neuen UNDRR Initiative „Making Cities Resilient
2030“ und seit 2023 eines der Europäischen Resilienz-
hubs, die andere Städte auf dem Weg zur Resilienz un-
terstützen. Andere Hubs in Europa sind unter anderem
Greater Manchester (UK) und Malmö (Schweden).
Klimaanpassung, Katastrophenvorsorge, Resilienz,
grün-blaue Lösungen – das alles muss zusammenspie-
len, um den Folgen des globalen Wandels lokal wie glo-
bal erfolgreich entgegenzutreten. Als Resilienzhub setzt
Bonn diese Bereiche miteinander in Verbindung und
wirkt mit Maßnahmen sowohl nach außen in Richtung
von Städten und Regionen weltweit, wie auch nach in-
nen in die Stadtgesellschaft.
Zu den auf drei Jahre angelegten Maßnahmen des Resi-
lienzhubs zählen Webinare zu verschiedenen Aspekten
von Resilienz mit wechselnden Partner*innen. Ein Bei-
spiel ist das Online-Event zur Resilienz von Land in urba-
nen Räumen und der Bedeutung von Geschlechterge-
rechtigkeit zum Resilienzaufbau, veranstaltet
gemeinsam mit ICLEI, der Konvention zur Bekämpfung
der Wüstenbildung, dem Zentrum für Entwicklungsfor-
schung der Universität Bonn und dem Netzwerk Gen-
der@International Bonn. Lokal vor Ort geht es darum,
die Aktivitäten zur Klimaanpassung und Resilienz für
eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen und Men-
schen für entsprechendes Handeln zu gewinnen. Global
ist es von Bedeutung, einerseits die Beiträge von Städ-
ten deutlich aufzuzeigen und andererseits die Zusam-
menarbeit der Regierungsebenen auf eine solidere Ba-
sis zu stellen.
Scheinwerfer auf: internationale
Aktivitäten
Bonn von lokal bis global – für Resilienz weltweit
Bonn ist derzeit Sitz von 26 Organisationen der Verein-
ten Nationen. Gemäß dem Motto „Nachhaltigkeit ge-
stalten“ haben sie sich ein thematisches Dach gegeben.
Sie alle helfen Regierungen und Menschen dabei, Ant-
worten und Wege für eine nachhaltige Zukunft zu fin-
den. Als wichtige Akteur*innen im Themenfeld Klima-
anpassung und Resilienz mit Sitz in Bonn sind hier vor
allem zu nennen:
• UNFCCC, die Klimarahmenkonvention
• UNCCD, die Konvention zur Bekämpfung von
Landdegradierung
• ein Büro von UNDRR, dem Büro des UN Generalse-
kretärs für Katastrophenvorsorge
• IPBES, der „Weltbiodiversitätsrat“ an der Schnittstel-
le zwischen Wissenschaft und Politik
• UNU, die Universität der Vereinten Nationen
• GWOPA, die Allianz der Betreiberpartnerschaften im
Wasser-/Abwasserbereich
Dazu kommen zahlreiche internationale NGOs, insbe-
sondere aus den Schwerpunktbereichen Umwelt und
Entwicklung, Organisationen der Entwicklungszusam-
menarbeit sowie aus Forschung und Politikberatung.
Eine besondere Rolle hat das internationale Städtenetz-
werk für Nachhaltigkeit, ICLEI, das seinen Hauptsitz in
Bonn hat. Hier ist Bonn seit 1999 Mitglied und engagiert
sich besonders in den Themensträngen Klimaschutz, Re-
Abb. 17: Sitz der UN in Bonn Planungen
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca22Seite 33 von 174
Die Aktivitäten des Resilienzhubs und das Engagement
bei ICLEI tragen Bonner Projekte und Anliegen auf die
globale Bühne. Unter dem Dach der Städtenetzwerke
wird in den globalen Debatten dafür geworben, mit
Städten konstruktiv zusammenzuarbeiten und sie bei
der Umsetzung von Resilienz zu unterstützen, auch fi-
nanziell. Eine Dialogplattform dafür ist jedes Jahr die
von ICLEI und Bonn gemeinsam veranstaltete Konferenz
„Daring Cities“, die Städtevertreter*innen, Wissenschaft,
Nationalregierungen und UN zusammenführt.
Abb. 18: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu
verschiedenen Themen von Resilienz
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca
Wichtigste Partner des Resilienzhubs Bonn sind ICLEI
Städte für Nachhaltigkeit und das Bonner Netzwerk In-
ternationaler Katastrophenschutz und Risikomanage-
ment. Das Netzwerk wurde 2017 gegründet und bringt
Akteur*innen für Resilienz und Katastrophenvorsorge
aus allen staatlichen Ebenen zusammen - von Feuer-
wehr bis Universität, von Forschungsinstitut bis humani-
täre Hilfe, von UNO bis Bundesamt. Das Netzwerk hat
eine wichtige Rolle in Kommunikation und Bildung für
Resilienz und vernetzt zentrale Stellen.
Weitere interdisziplinäre Netzwerke gibt es in Bonn zu
den Themen Biodiversität, Klima, Geschlechtergerech-
tigkeit und Wasser. Diese interdisziplinären Netzwerke
haben alle vielfältige Anknüpfungspunkte zu Fragen
von Klimaanpassung und Resilienz. Dies wird in den Ak-
tivitäten des Resilienzhubs Bonn deutlich sichtbar.
Nicht nur für Resilienz ganz konkret, sondern auch für
den Standort Bonn ist dieses Engagement von großer
Bedeutung. So waren für die Ansiedlung von GWOPA/UN
Habitat die exzellenten Vernetzungsmöglichkeiten in
Bonn ein wichtiges Argument.
Abb. 19: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszent-
rum Cape Coast (Ghana) mit jungen Klimabotschaftler*innen
Quelle: Julia Merkelbach
Abb. 20: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und
das Umweltzebra von La Paz erklären Kindern den Klimawandel
Quelle: Julia Merkelbach 23
Auch in der Zusammenarbeit in insgesamt sechs Projekt-
partnerstädten Bonns spielen Klimaanpassung und Re-
silienz eine große Rolle, da einige von ihnen bereits
wesentlich stärker von den Folgen des Klimawandels
betroffen sind. Zusammen mit der ghanaischen Stadt
Cape Coast wurde an der Renaturierung einer Lagune
gearbeitet und ein Umweltbildungszentrum eingerich-
tet. 2022 – 2023 führte ICLEI durch Vermittlung der Stadt
Bonn ein Projekt zur Sicherung der urbanen Naturräume
in Cape Coast durch. Mit der bolivianischen Stadt La Paz
wurde von 2016 – 2019 ein mehrjähriges Projekt zur
Stärkung der Resilienz der Stadtverwaltung durchge-
führt. Dabei wurde innerhalb der Stadtverwaltung La
Paz ein breit angelegtes Weiterbildungsprogramm zu
Themen des Klimawandels durchgeführt, eine Informa-
tionskampagne zum ressourcenschonenden Umgang
durchgeführt und nachhaltige Energieversorgung und
effiziente Wassernutzung gefördert. Nachdem die Stadt
La Paz akut von großen Überflutungen betroffen waren,
standen Themen wie Resilienz und Katastrophenprä-
vention auch im Fokus eines Fachbesuchs im September
2024, um die Expertise der in Bonn ansässigen Netzwer-
ke zu nutzen.Seite 34 von 174
Abb. 21: Thermische Hot Spots - überzeichnet
auf Basis der Planungshinweiskarte
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 22: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete
Quelle: Bundesstadt Bonn24
Jahren entwickelt wurden: die Stadtklimaanalyse bzw.
Planungshinweiskarte (Hitze), die Starkregengefahren-
karte sowie verfügbare statistische Daten, welche für
die Frage nach besonders vulnerablen Personen heran-
gezogen werden können.
Die Bereiche, die gemäß Planungshinweiskarte Hitze
(2023) in Handlungspriorität 1 oder 2 liegen, wurden
grafisch überzeichnet, um die besonderen Hitze-Hot-
spots von Bonn deutlich hervorzuheben (Abb. 21).
Die Abbildung verdeutlicht, dass gerade in den dicht be-
bauten und stark versiegelten Bereichen von Bonn die
höchsten Wärmebelastungen auftreten. Darunter weite
Bereiche der Innenstädte von Bonn, Bonn Bad Godes-
berg und Bonn Beuel. Weitere Belastungsschwerpunkte
befinden sich in nahezu allen Bonner Gewerbegebie-
ten. Besonders hervor stechen die großflächigen Hot-
spots rund um die Gewerbegebiete „Am Verteilerkreis“,
„Am Vogelsang“ und „Weststadt“ sowie in Beuel-Ost und
Bad Godesberg Nord (Abb. 22).
Klimarisiken im Fokus – Die
Betroffenheitsanalyse für Bonn
Wie bereits zuvor erläutert, ist Bonn deutlich vom Klima-
wandel betroffen. Veränderungen sind stadtweit und
selbstverständlich darüber hinaus in der Region festzu-
stellen. Im Rahmen der Betroffenheitsanalyse geht es
daher nicht mehr um die Frage, ob Betroffenheiten vor-
liegen, sondern wo und in welcher Art sich diese beson-
ders deutlich ausprägen. Um die Betroffenheit der Stadt
Bonn zu ermitteln, wurde zum einen untersucht, welche
Gebiete in Bonn am stärksten von den Auswirkungen
des Klimawandels betroffen sind (räumliche Betroffen-
heit). Zum anderen wurden die Klimawirkungen auf die
einzelnen kommunalen Handlungsfelder betrachtet
(funktionale Betroffenheit). Mittels einer SWOT-Analyse
wurde im Anschluss die Sensitivität (Anfälligkeit) und
Anpassungskapazität für Bonn bewertet (Kapitel 5).
Kenntnis darüber ermöglicht zum einen ein zielgerich-
tetes Vorgehen je nach Handlungsfeld bzw. Zielgruppe
der Betroffenheit, zum anderen eine Priorisierung von
Maßnahmen.
Räumliche Betroffenheit
Für eine vertiefende Analyse kann in Bonn auf Karten
und Daten zurückgegriffen werden, die in den letztenSeite 35 von 174
Abb. 23: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung
von Gebieten mit besonders hohen Wasserstandstiefen nach
Starkregenereginissen
Quelle: Bundesstadt Bonn
25
nicht vollumfänglich als Indikator für das Risiko wäh-
rend solcher Extremereignisse. Die vorhandene Stark-
regengefahrenkarte stellt beispielsweise keine Fließ-
wege dar. Gefahrensituationen können jedoch im
akuten Starkregenfall nicht nur dort entstehen, wo
sich viel Wasser aufgrund tiefer gelegener Punkte an-
sammelt, sondern auch dort, wo sich beispielsweise
entlang von Straßen in Gefällerichtung temporär Was-
serströme bilden. Gerade im Sinne der Bewusstseins-
bildung für eine ausreichende Eigenvorsorge soll da-
her auf die ausschließliche Darstellung von
überzeichneten Gefahrenschwerpunkten anhand der
Starkregengefahrenkarte verzichtet werden. Stattdes-
sen wurden die Überzeichnungen in die Starkregen-
gefahrenkarte eingearbeitet. Eigentümer*innen und
Mieter*innen ist meist noch eher bewusst, dass sich
durch eine Lage an einem Bach oder in einer Mulde be-
sondere Gefahren ergeben. Weniger ausgeprägt ist
Zentrale Begriffe
Klimawirkung: Die möglichen oder bereits eingetroffe-
nen Folgen von Klimarisiken (=Potenzial für negative
Folgen) auf natürliche und menschengemachte Syste-
me. Klimawirkungen beziehen sich im Allgemeinen auf
Auswirkungen auf Leben, Lebensgrundlagen, Gesund-
heit und Wohlbefinden, Ökosysteme und Arten, wirt-
schaftliche, soziale und kulturelle Werte, Dienstleistun-
gen (einschließlich Ökosystemdienstleistungen) und
Infrastruktur.
Klimarisiko: Ein Klimarisiko ist das Potenzial für negati-
ve Folgen für menschliche und ökologische Systeme,
das sich aus der Exposition, Anfälligkeit und Anpas-
sungskapazität gegenüber einer Klimagefahr ergibt.
Eine Klimagefahr beschreibt dabei die “potenzielle
Schadensquelle” infolge der Klimaveränderung, z.B. ex-
treme Wetterereignisse oder der Anstieg des Meeres-
spiegels.
Sensitivität (Anfälligkeit oder Empfindlichkeit) be-
schreibt das Ausmaß, zu dem ein System durch Schwan-
kungen oder Änderungen des Klimas vor- oder nachtei-
lig beeinflusst wird (angelehnt an Agard et al. 2014).
Faktoren für Sensitivität sind zum Beispiel die Baumar-
tenzusammensetzung oder die Altersstruktur der Bevöl-
kerung. Je höher die Sensitivität ist, umso stärker ist ten-
denziell die Klimawirkung ausgeprägt.
Anpassungskapazität: Fähigkeit von Systemen, Institu-
tionen, Menschen und anderen Lebewesen, sich auf
potenzielle Schäden einzustellen, Vorteile zu nutzen
oder auf Auswirkungen zu reagieren.
(UBA, 2022)
Es kam daher nicht von ungefähr, dass in früheren Kli-
mauntersuchungen die sogenannten Klimatop-Defini-
tionen verwendet wurden. Klimatope beschreiben Ge-
biete mit ähnlichen mikroklimatischen Ausprägungen.
Diese unterschieden neben verschiedenen klassifizier-
ten Freiflächen-Klimatopen im Siedlungsbereich vor
allem zwischen „Stadtrand-Klimatop“, „Innenstadt-Kli-
matop“ und „Gewerbe/Industrie-Klimatop“.
Auch für das Thema Starkregengefahren wurde eine
Überzeichnung anhand der vorliegenden Starkregen-
gefahrenkarten erstellt (Abb. 23). Eine ausschließliche
Darstellung der überzeichneten Bereiche und Kommu-
nikation dieser Flächen als besonders risikoreiche Area-
le ist jedoch nicht zielführend. Zwar bilden sich in diesen
Bereichen in Folge von Starkregenereignissen die
höchsten Wasserstände, allerdings sind diese alleineSeite 36 von 174
Abb. 28: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 27: Personen in Grundsicherung
(ab 3 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 24: Personen unter 6 Jahre
(ab 3 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Relevant ist zum ersten, wie viele Personen einem Risi-
ko bzw. einer Belastung ausgesetzt sind. Hierfür wurde
die Gesamtbevölkerungsdichte ausgewertet. Die nach-
folgende Grafik stellt in Orange die Bereiche heraus, in
welchen 65 Personen und mehr je Hektar (ha) gemeldet
sind. Für die Exposition und das daraus entstehende Ri-
siko ist neben der Frage, wo besonders viele Menschen
wohnen, auch die Frage, wo sich besonders viele Men-
schen tagsüber aufhalten, relevant. Gerade auf zentra-
len Plätzen, an Anlaufstellen und Wegeverbindungen
herrscht in der Regel eine hohe Frequenz. Die Innen-
stadtlagen mit hoher Hitzebelastung und stark nachge-
fragten Nutzungen bergen daher eine hohe Hitzeexpo-
sition und ein daraus resultierendes hohes Risiko für
eine Betroffenheit. Konkret werden in Bonn seit dem
Sommer 2018 die Passantenfrequenzen in der Post-, Re-
migius- und Sternstraße gemes-
sen. In den Sommermonaten Juli
bis September werden in diesen
drei Straßen zusammen täglich re-
gelmäßig zwischen 60.000 und
100.000 Passanten gezählt. Wäh-
rend der Starkregenperiode im
Juli 2021 („Ahrtal-Hochwasser“)
sanken die Passantenzahlen in
diesen drei Straßen um zehn Pro-
zent, während der Hitzeperioden
Ende Juli 2019 bzw. 2022 sanken
die Passantenzahlen um fast 20
Prozent.
Abb. 26: Gesamtbevölkerungsdichte
(ab 65 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
das Risikobewusstsein jedoch ggf. dort, wo Nieder-
schlagsmassen nicht bekanntermaßen „stehen“, son-
dern nur kurz entlang fließen. Auch hier sind Maßnah-
men zur Eigenvorsorge wie das Schließen bzw.
Abdichten von Kellerfenstern wichtig.
Praktisch können sich Starkregensituationen im gesam-
ten Stadtgebiet ereignen (Abb. 23). Aufgrund der Topo-
grafie der Stadt ist gerade im Bereich der alten Rhein-
arme sowie in der Nähe zu Bächen jedoch mit
besonders hohen Wasserständen zu rechnen.
Neben den physikalischen Karten zu Hitze und Starkre-
gen wurden zudem statistische Daten genutzt, welche
Parameter beschreiben, die im Zusammenhang mit ei-
ner erhöhten Verwundbarkeit relevant sind.
Abb. 25: berchtoldkrassPersonen über 65 Jahre
(ab 10 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
26Seite 37 von 174
Gerade Kleinkinder und ältere Personen leiden beson-
ders stark unter Hitze. Weitere Faktoren wie Vorerkran-
kungen spielen eine Rolle, konnten jedoch nicht ausge-
wertet werden, da hierzu keine nutzbaren Daten
vorlagen.
Als Indikatoren, die weiterhin herangezogen werden
können, um sowohl die Betroffenheit, aber auch die
eigene Anpassungsfähigkeit zu beschreiben, wurden
Daten zur Erwerbslosigkeit und Grundsicherung ausge-
wertet. Zum einen sind erwerbslose Personen bzw. Per-
sonen in Grundsicherung tendenziell häufiger gesund-
heitlich beeinträchtigt, zum anderen verfügen sie über
verhältnismäßig weniger finanzielle Mittel, um sich
durch kleine Maßnahmen im eigenen Umfeld besser vor
Hitze und Starkregen zu schützen. Zudem wohnen Men-
schen mit geringeren finanziellen Mitteln verhältnismä-
ßig häufiger in Gebieten, in denen sie erhöhten Um-
weltbelastungen ausgesetzt sind (z.B. in der Nähe von
stark befahrenen Straßen/Autobahnen oder produzie-
rendem Gewerbe).
Die abgebildeten Karten können gut für die Planung
und Organisation einer zielgerichteten Ansprache be-
sonders betroffener Bevölkerungsgruppen genutzt wer-
den. Z.B. Besucher*innen der Innenstadt oder Senior*in-
nen in Hitze-Hotspots. Ebenso relevant, jedoch nicht
separat abgebildet, sind die Standorte von Einrichtun-
gen, in denen sich besonders vulnerable Personengrup-
Abb. 29: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren
Quelle: berchtoldkrass
pen aufhalten, wie Kindertagesstätten, Betreuungsein-
richtungen für Senior*innen und behinderte Menschen,
Schulen, Spielplätze, Arztpraxen bzw. Kliniken und Kran-
kenhäusern. Daneben sollten auch Sportstätten mitbe-
rücksichtigt werden, da sich hier hohe Expositionsgrade
im Zusammenhang mit starker körperlicher Anstren-
gung ergeben und zu gesundheitlichen Gefährdungen
führen können.
Die nachfolgende Überlagerung (Abb. 29) zeigt zudem,
in welchen Bereichen innerhalb von Bonn sich gleich
mehrere der beschriebenen Vulnerabilitäten besonders
stark ausprägen.
In den statistischen Bezirken Alt Endenich, Baumschul-
viertel, Vor dem Sterntor, Wichelshof, Beuel Zentrum
und Godesberg-Zentrum sind alle 5 beschriebenen Vul-
nerabilitätsfaktoren stark ausgeprägt. In Neu-Tannen-
busch, Alt-Tannenbusch, Duisdorf-Zentrum, Zentrum-
Rheinviertel, Bonner Talviertel, Kessenich und in
Pennenfeld überlagern sich jeweils 3-4 Vulnerabilitäts-
faktoren. Diese Auswertung kann insbesondere zur Prio-
risierung von Maßnahmen herangezogen werden.
27Seite 38 von 174
28
Funktionale Betroffenheit
Neben der Frage, wo sich der Klimawandel räumlich in
Bonn auswirkt, wurde auch der Frage nachgegangen,
welche kommunalen Handlungsfelder in Bonn beson-
ders stark von den Auswirkungen des Klimawandels be-
troffen sind. Ein kommunales Handlungsfeld beschreibt
einen Themen- und Aufgabenbereich, um den sich eine
Kommune kümmert. In Orientierung an der Deutschen
Anpassungsstrategie (DAS) wurden die Handlungsfelder
für Bonn abgeleitet. Dabei wurden die für Bonn relevan-
ten ausgewählt, weiterentwickelt und teils übergeord-
neten, räumlich fokussierten Handlungsfeldern bzw.
Bereichen zugeordnet. Das Handlungsfeld Wirtschaft
wurde im späteren Verlauf maßnahmenorientiert dem
Handlungsfeld „Gebäude und Bauwesen” zugeordnet.
Das Handlungsfeld „Gewässer- und Wasserhaushalt“8
wurde im späteren Verlauf maßnahmenübergreifend
ebenfalls in die anderen Handlungsfelder integriert:
• Gebäude und Bauwesen
• Öffentliche Räume und Mobilitätsräume: Öffentli-
che Aufenthaltsräume, Verkehr/Verkehrsinfrastruk-
tur
• Grünräume und Forstwirtschaft: Stadtgrün, Boden
und Biologische Vielfalt, Wald und Forstwirtschaft
• Wirtschaft und Tourismus
• Menschliche Gesundheit
• Gewässer- und Wasserhaushalt
Um das potenzielle Ausmaß der Betroffenheit für die
einzelnen Handlungsfelder zu ermitteln, wurden ver-
schiedene Faktoren innerhalb der für Bonn zutreffenden
Handlungsfelder hinsichtlich ihrer Sensitivität (Anfällig-
keit) betrachtet, wie z.B. das Bonner Stadtgrün, die Bo-
denbeschaffenheit, die Gebäudebeschaffenheit und In-
frastruktur. Diese Einschätzung geschah in einem
partizipativen Prozess, in dem mittels Hinzuziehens von
internen Daten und Informationen im Rahmen einer
SWOT-Analyse die Ausgangslage und dabei konkret
Chancen und Risiken (=Anfälligkeit) sowie die Stärken
und Schwächen (=Anpassungsfähigkeit) in Bonn ermit-
telt wurden (siehe auch Kapitel 5). Diese Betrachtung
der Ausgangslage, Anfälligkeit und Anpassungsfähig-
keit ermöglicht es für die einzelnen Handlungsfelder
das Potenzial für negative Folgen (Klimarisiken) einzu-
schätzen und lässt erkennen, wo notwendige Maßnah-
men hergeleitet werden müssen.
8 Die Stadt Bonn verfügt über ein eigenständiges, im April 2024
beschlossenes, Schwammstadtkonzept. Dieses beinhaltet um-
fangreiche Maßnahmen zur Vorsorge vor zunehmender Trocken-
heit. Maßnahmen aus dem Schwammstadtkonzept wurden
nicht erneut im Klaki dargestellt, im Zuge der Fortschreibung des
Klaki sowie des aufzubauenden Monitorings werden die Maß-
nahmenkataloge zusammengeführt. www.bonn.de/schwamm-
stadt
Die nachfolgende Tabelle zeigt die zu erwartenden Kli-
mawirkungen innerhalb der für Bonn zutreffenden
Handlungsfelder im Cluster. Für die Bewertung der Kli-
marisiken innerhalb der einzelnen Handlungsfelder
wird nachfolgend auf jedes Handlungsfeld einzeln ein-
gegangen, da hier die Betrachtung der Ausganslage und
somit Anfälligkeit und Anpassungskapazität eine Rolle
spielt.
Mögliche Klimawirkungen
Handlungsfeld ... Hitze
Gebäude und
Bauwesen
• Schäden durch thermische Spannung: Risse, Dachs
sung, Verformung/Verziehen von Bauteilen
• erhöhte Intensität und Häufigkeit von Schäden an G
• Verschlechterung der Innenraumtemperaturen dur
kung und infolge Beeinträchtigung der Gebäudenu
• erhöhter Kühlungs- bzw. Energiebedarf in Gebäud
Hitzeeinwirkung
Öffentliche Räume
und Mobilitäts-
räume
• Gefährdung von Infrastrukturen durch Überhitzung
Straßenbelags)
• Intensivierung des Wärmeinseleffekts auf versiege
• eingeschränkte Mobilität durch Hitzeexposition: Ve
Ausfälle im ÖPNV (z.B. bei Ausfall Klimaanlage), Be
Verkehrskomforts für Fuß- und Radverkehr)
• Unfallgefahr durch Hitzebelastung der Verkehrstei
Gewässer und Was-
serhaushalt
• Ökologische Schäden aufgrund von Rückgang der G
Fließ- und Stehgewässern (Bonner Bäche, Rhein, R
Hitzestress, Sauerstoffmangel, Eutrophierung
Grünräume und
Forstwirtschaft
• Hitzestress der Vegetation und erhöhte Anfälligkei
• Zunehmende Auslastung und Abnutzung von Grünfl
wachsende Nachfrage
• Veränderung der Artenzusammensetzung und Pop
• Zunahme von Schädlingsbefällen aufgrund von wä
trockener Bedingungen
Menschliche
Gesundheit
• erhöhtes Risiko hitzebedingter Mortalität insbeson
len Menschen
• Beeinträchtigung für den menschlichen Organismu
tung (z.B. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstöru
tionsprobleme)
• Gesundheitsschäden (z.B. Sonnenbrand, Hautkrebs
lung
• Belastung sozialer Infrastrukturen (Kitas, Schulen, S
• Beeinträchtigung des Bewegungsradius sowie spo
• Zunahme von Pollenallergien aufgrund längerer u
Pollensaison durch milderes Klima
• erhöhtes Risiko für Vektorkrankheiten durch stärke
schädlicher Arten (z.B. Mücken, Zecken)
Wirtschaft und
Tourismus
• Beeinträchtigung von Wirtschaftsleistung und Arbe
• Beeinträchtigung von Freizeitangeboten im Außen
Outdoor-Angebote)
• Verringerte Aufenthaltsqualität in für den Tourismu
Außenbereichen (v.a. Innenstadt)
• Abnahme des Shoppingtourismus an heißen Tagen
• Verringerter Städtetourismus im Sommer (rückläufiSeite 39 von 174
29
... Trockenheit ... Starkregen
schäden, Putzablö-
Gebäuden
rch Hitzeeinwir-
utzung
den infolge von
- • erhöhtes Schadensrisiko durch Überflutung
• erhöhte Intensität und Häufigkeit von Scha-
densereignissen
g (bspw. des
elten Flächen
erspätung und
eeinträchtigung des
ilnehmenden
• Schädigung von Verkehrsgrün und Einzelbaumbeständen • Beeinträchtigung des Verkehrsablaufs oder
Ausfall von Verkehrswegen durch Überflutun-
gen
• Verspätungen und Ausfälle im ÖPNV durch
Überschwemmungen
• Erhöhte Unfallgefahr durch Aquaplaning und
schlechte Sicht
Gewässerqualität in
Rheinausee):
• Absinken des Grundwasserspiegels
• Zunehmende Knappheit von Trinkwasser, in Folge Einschränkun-
gen in Bezug auf die Grund-/Trinkwassernutzung
• Austrocknung von Fließgewässern in Trockenperioden
• Beeinträchtigung des Schiffahrtsverkehrs
• Zunahme von Sturzfluten und Überschwem-
mungen (Bonner Bäche, Rhein)
it für Schädlinge
flächen durch
pulation
ärmerer und
• Trockenstress der Vegetation und Bäume
• erhöhter Bewässerungsbedarf und somit zunehmender Aufwand
zur Unterhaltung und Pflege städtischer Grünflächen
• Rückgang des Grundwasserspiegels
• geringere Versickerungsleistung durch ausgetrocknete Böden
• erhöhtes Waldbrand- und Vegetations-Brandrisiko
• Erosion des Bodens durch Abfolgenwechsel von Extremwetter-er-
eignissen (extreme Trockenheit - extremer Niederschlag)
• Erosion des Bodens durch Abfolgenwechsel von
Extremwetterereignissen (extreme Trockenheit
- extremer Niederschlag)
• Schäden an Böden und Vegetation durch
Starkregen und Vernässung
• Belastung von Böden und Gewässern durch
unkontrollierten Schadstoffeintrag
ndere bei vulnerab-
us durch Hitzebelas-
ungen, Konzentra-
s) durch UV-Strah-
Sportplätze, etc.)
ortlicher Aktivitäten
und intensiverer
ere Verbreitung
• Rückgang der Gewässerqualität bei Dürre: erhöhtes Gesundheits-
risiko durch steigende Infektionsgefahr
• Personenschäden durch Überflutungen
eitsbedingungen
nbereich (z.B. Sport,
us wichtigen
n
fige Saisonalität)
- • Wirtschaftliche Schäden infolge von Schäden an
kritischer Infrastruktur (u.a. Energie, Wasser,
ÖPNV, Notfallversorgung)
Abb. 30: Funktionale Klimarisikoanalyse
Quelle: berchtoldkrassSeite 40 von 174
30
Cluster Gebäude und Bauwesen
Hitze, Starkregen und Stürme führen zu einem erhöhten
Beschädigungsrisiko an Gebäuden, was erhöhte In-
standhaltungs- und Reparaturkosten mit sich bringt und
die Kosten für Versicherungen erhöht. In Gebäuden, die
sich in einem schlechten energetischen Zustand befin-
den, steigen zudem die Innenraumtemperaturen bei
Hitze besonders schnell. Halten sich in solchen Gebäu-
den besonders vulnerable Personen(-gruppen) auf, sind
Maßnahmen zur Klimaanpassung bzw. in diesen Fällen
auch zur energetischen Sanierung der Gebäude beson-
ders prioritär. Dies betrifft neben den bereits beschrie-
benen Einrichtungen, in denen sich besonders vulnera-
ble Gruppen aufhalten wie Schulen, Kindergärten etc.
auch Wohnungen, in denen sich alte und ggf. vorer-
krankte Personen aufhalten.
Um die Ausgangslage für Bonn zu ermitteln, liefert eine
im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung erstellte,
gesamtstädtische Übersicht Einblick in die Energieeffi-
zienzklassen von Bestandsgebäuden in Bonn. Der
hohe Anteil sanierungsbedürftiger und denkmalge-
schützter Gebäude in Bonn bedeutet ein hohes Klima-
risiko für starke Hitzeeinwirkung und in Folge erhöhten
Kühlungs- und Energiebedarf. Auch das Risiko für Ge-
bäudeschäden durch Extremwetterereignisse ist mit
Blick auf zunehmende Überschwemmungsgefahren in
Bonn erhöht. Bei den städtischen Gebäuden betrifft dies
vorwiegend die große Anzahl unsanierter Bonner Schul-
gebäude, in denen vor allem die Hitzeeinwirkung im
Sommer ein Gesundheitsrisiko für Bonner Schüler*in-
nen darstellt.
Cluster Öffentliche Räume und Mobilitätsräume
Auch in den Bereichen “öffentlicher Raum” und “Ver-
kehrsinfrastruktur” liegen zahlreiche Risiken vor, die
zum einen die menschliche Gesundheit und zum ande-
ren die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur gefährden.
Auf vollversiegelten und unbeschatteten Flächen, wie
z.B. öffentlichen Plätzen, Haltestellen und Gehwegen,
trägt die Versiegelung zu einer Intensivierung des Wär-
meinseleffekts bei, was gesundheitliche Folgen auf-
grund von Hitzebelastung mit sich bringt und die Auf-
enthaltsqualität beeinträchtigt. Auch für Radfahrer und
Fußgänger stellen hitzeexponierte Straßenräume und
Gehwege eine gesundheitliche Gefahr sowie einen ein-
geschränkten Verkehrskomfort dar. Extremwetterereig-
nisse, wie Hitze, Starkregen und Überschwemmung,
führen zudem zu Beeinträchtigungen im Straßenver-
kehr aufgrund von Ausfällen im ÖPNV, erhöhter Unfall-
gefahr und Behinderung der Wege.
Mit der Umsetzung des Bonner Stadtbaumkonzept und
laufenden Kooperationen mit den Stadtwerken Bonn
und STRÖER zur Begrünung von Haltestellen hat die
Stadt Bonn bereits einen wichtigen Grundstein gelegt
zur Begrünung und Beschattung der Bonner Straßenräu-
me. Vorbehalte gegenüber den Maßnahmen, beispiels-
weise wenn Parkplätze zugunsten von Grünflächen re-
duziert werden, können allerdings die Umsetzung
verzögern und den gesellschaftlichen Konsens gefähr-
den. Auch auf öffentlichen Plätzen verringern Nutzungs-
konflikte und bauliche Probleme (z.B. aufgrund unter-
irdischer Infrastruktur) die Anpassungskapazität und
schränken so die Möglichkeiten ein. Hier gilt es kreative
Lösungen zu finden, um insbesondere die Auswirkun-
gen von Hitze im öffentlichen Raum zu minimieren.
Cluster Grünräume und Forstwirtschaft
Mit zunehmender Trockenheit und Hitze bei gleichzeitig
geringerer Wasserverfügbarkeit sind städtische Grünflä-
chen im Sommer verstärkt Trocken- und Hitzestress aus-
gesetzt. Dies führt zu vertrockneten Grünflächen im
Sommer, bis hin zu Schäden an Vegetation und Baum-
beständen. Auch Schädlingsbefall und Krankheiten neh-
men zu, da geschwächte Bäume anfälliger sind, Schäd-
linge sich aufgrund veränderter Klimabedingungen in
nördlicheren Regionen ausbreiten und die Aktivität ei-
niger Pflanzenschädlinge mit höheren Temperaturen
zunimmt. So können einige tierische Schädlinge (z.B.
die Platanennetzwanze) in warmen Jahren mehr Gene-
rationen bilden oder sind in warmen Jahren länger ak-
tiv, wie z.B. Blattläuse9, wodurch sie größere Schäden
verursachen können. In Folge nimmt der Unterhaltungs-
und Pflegeaufwand durch die städtische Grünpflege zu.
Aber selbst mit intensiver Grünpflege wird es eine Zu-
nahme des Baumsterbens nicht klimaangepasster
Baumbestände geben.
Mit einem Anteil von 5,5% städtischer Park- und Grün-
anlagen (knapp 22 m2 pro Einwohner) und über 30.000
Straßenbäumen (knapp 11 Bäume pro Einwohner) hat
Bonn bereits eine solide Ausgangslage im Vergleich mit
anderen Großstädten, was die Grünraumversorgung
(bzw. Erreichbarkeit und Zugänglichkeit) betrifft. Die
Grünraumversorgung ist ein mitentscheidender Faktor
für die Betroffenheit eines Gebiets, insbesondere durch
Hitze. Große Parkanlagen, aber auch kleinere Parks oder
die schattige Bank unter einem Baum dienen bereits als
Ausgleichsräume und können aktiv zur Abkühlung auf-
9 Ziesche, T.M., Ordon, F., Schliephake, E., Will, T. (2023). Long-term
data in agricultural landscapes indicate that insect decline pro-
motes pests well adapted to environmental changes. https://
link.springer.com/article/10.1007/s10340-023-01698-2Seite 41 von 174
31
gesucht werden. Die vielfältigen Landschaftsräume und
innerstädtischen Grünflächen erfüllen wertvolle Klima-
funktionen und sind mit Blick auf deren Integration in
die Stadtklimaanalyse bereits indirekt Teil der räumli-
chen Betroffenheitsanalyse. Der Erhalt und Ausbau der
städtischen Grünflächen spielt vor allem angesichts der
zunehmenden Hitzebelastung eine wichtige Rolle. Trotz
guter Ausgangslage ist aber auch hier die Anpassungs-
kapazität beeinträchtigt. Denn auch in Bonn führt die
Konkurrenz zwischen Wohnraumentwicklung, Gewer-
beflächen, Verkehrsflächen und dem Erhalt bzw. der Er-
weiterung von Grünräumen zu Zielkonflikten.
Was die Anfälligkeit des Stadtgrüns betrifft, ist Bonn in
einer moderaten Ausgangslage. So wurden durch die
Bonner Grünunterhaltung bereits umfassende Erfahrun-
gen zu klimaresilienten Arten gesammelt und beispiels-
weise trockenheitsverträgliche Staudenmischungen
entwickelt. Allerdings können Hitzewellen, Starkregen
und Dürren auch die bereits klimaangepasste Vegetati-
on an ihre Grenzen bringen, ein Risiko, das nicht voll-
ständig ausgeschlossen werden kann. Auch personelle
Engpässe erhöhen das Risiko, dass notwendige Anpas-
sungsmaßnahmen beim Stadtgrün nicht in dem not-
wendigen Ausmaß realisiert werden können. Dieses
Risiko besteht auch für den Bonner Stadtwald, der mit
einem Flächenanteil von rund einem Drittel des Stadt-
gebiets eine wertvolle Klimafunktion einnimmt und
dessen Waldzustand erheblich von äußeren Einflüssen
und Pflege- und Verjüngungsmaßnahmen abhängt.
Auch die Bonner Bodenverhältnisse bieten, trotz Her-
ausforderungen wie teils schlechter Versickerungsfähig-
keit oder Altlasten, Potenziale für die Speicherung
pflanzenverfügbaren Regenwassers im Sinne des
Schwammstadt-Prinzips. Die Wassermenge, die der Bo-
den pflanzenverfügbar speichern kann, ist im überwie-
genden Teil des Bonner Stadtgebiets mittel bis sehr
hoch: Insbesondere im Stadtbezirk Hardberg, in einigen
Bereichen der westlichen Ortsteile des Bezirks Bonn so-
wie in Teilen Bad Godesbergs verfügen die Böden über
eine sehr hohe Wasserspeicherkapazität10. Da das Re-
genwasser so verstärkt in den oberen Bodenschicht ge-
halten wird und der Vegetation zur Verfügung steht, ist
diese Ausgangslage für die Wasserversorgung der Vege-
tation in Bonn zunächst als günstig zu bewerten. Lang
anhaltende Trockenheit gefährdet diese aber dennoch,
da es infolge zu einer Beeinträchtigung der Bodenfunk-
tion kommt und die Pflanzen bei unzureichender Was-
10 Analyse der Bodenverhältnisse im Rahmen des Bonner
Schwammstadtkonzepts (2024), S. 69, www.bonn.de/
schwammstadt
serzufuhr unter Trockenstress leiden. Eine weitere Folge
dieser Verminderung der Bodenfunktionen ist der Rück-
gang der Bodenbiodiversität.
Die geringere Versickerungsleistung der Böden stellt in-
folge von Starkregenereignissen allerdings ein erhöhtes
Risiko für Vernässung, Oberflächenabfluss und Über-
schwemmungen dar. Anhaltende Staunässe führt bei
Pflanzen, die darauf nicht angepasst sind, zu Wurzelfäu-
le und Nährstoffmangel. Zunehmende Trockenheit und
Starkregen können zudem zu Bodenerosion führen, die
in den innerstädtischen Bereichen Bonns zwar weniger
ein Problem ist, wenn auf Grünflächen durch Begrünung
dem Verlust des Bodenmaterials entgegengewirkt wird.
Die Topografie Bonns ist in den westlichen und südli-
chen Stadtteilen Poppelsdorf, Bonner Hardthöhe, Ippen-
dorf, Röttgen, Venusberg, über Bad Godesberg bis hin
nach Mehlem sowie rechtsrheinisch im Bereich des En-
nerts und des nördlichen Siebengebirges bei Küdingho-
ven und Oberkassel allerdings durch Hanglagen ge-
kennzeichnet, die ein erhöhtes Erosionsrisiko vor allem
durch Wasser bergen. Insbesondere nach lang andau-
erndem Regen und Starkregenereignissen kann es hier
zu Hangrutschungen kommen.
Gewässer und Wasserhaushalt
Bonn ist eine Stadt, die von Wasser geprägt wird. Beson-
ders der Rhein und die Sieg mit ihren Uferbereichen bil-
den das zentrale Element des Bonner Gewässer- und
Freiraumsystems. Zusätzlich durchziehen viele Bäche
das Stadtgebiet. Im Stadtgebiet gibt es außerdem zahl-
reiche künstlich angelegte Wasserflächen wie Teiche,
Weiher und Becken, die ebenfalls einen bedeutenden
Beitrag zur Verdunstungskühlung leisten. Gewässer sind
einer der Schlüsselfaktoren, da sie einen wichtigen
funktionalen wie auch gestalterischen Beitrag für die Er-
haltung und Verbesserung der Lebens- und Aufenthalts-
qualität für die Menschen in Bonn leisten. Da die stehen-
den Wasserflächen in Bonn größtenteils mit
zuführendem Regenwasser gespeist werden, kann bei
anhaltender Trockenheit ein Absinken des Wasserpe-
gels, Austrocknen und Kippen der Gewässer drohen.
Auch die Ansiedlung von Mücken stellt infolge des Kli-
mawandels ein Problem dar. Bei größeren Gewässern
reguliert sich diese in der Regel aufgrund vorhandener
Fressfeinde auf natürliche Weise, stellt aber insbesonde-
re im Umfeld von Wohnungen eine Problematik dar,
wenn natürliche Fressfeinde nicht vorhanden sind und
stehende Wasserflächen zu Brutstätten werden.Seite 42 von 174
32
Angesichts zunehmender Dürre und Starkregenereig-
nisse ist die Speicherfähigkeit für Regenwasser in ei-
ner Stadt ein weiterer entscheidender Faktor, um die
Auswirkungen des Klimawandels abmildern zu können.
Denn steigende Lufttemperaturen und langandauernde
Trockenheitsphasen können bei geringer Speicherfähig-
keit zu einem Absinken des Grundwasserspiegels füh-
ren, schädigen die Vegetation und verstärken aufgrund
geringerer Verdunstungsleistung den Hitzeeffekt.
Den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken ist dabei ei-
nes der obersten Ziele einer wassersensitiven Stadtent-
wicklung. Im Rahmen des Bonner Schwammstadtkon-
zepts (2024) wurde die Ausgangslage Bonns für eine
wassersensitive Stadtentwicklung angesichts der räum-
lichen Ausgangsbedingungen, der Transformationspro-
zesse und der breiten Akzeptanz als relativ günstig be-
wertet. Die größten Herausforderungen liegen in der
Lösung von Raumnutzungskonkurrenzen (insb. Wohn-
raum, ruhender Verkehr) sowie in der Entwicklung
möglichst kosteneffizienter und konfliktfreier Maßnah-
men.
Cluster Wirtschaft und Tourismus
Bonn ist mit rund 16.000 angesiedelten mittelständi-
schen Unternehmen ein dynamischer Wirtschaftsstand-
ort. Aus der engen Vernetzung von Wirtschaft und Wis-
senschaft sind zukunftsweisende Technologiefelder
beispielsweise in der Informations- und Kommunikati-
onswirtschaft oder dem Gesundheitssektor hervorge-
gangen. Auch als bedeutender Standort der Vereinten
Nationen mit 27 Einrichtungen hat Bonn ein internatio-
nales Profil entwickelt. Das starke Wachstum in den wis-
sensorientierten Dienstleistungen und die enge Verzah-
nung zwischen Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft
machen Bonn besonders attraktiv: So wird Bonn mit das
größte Bevölkerungswachstum aller Städte und Kreise
in Nordrhein-Westfalen vorausgesagt.
Die klimatischen Veränderungen können allerdings ne-
gativen Einfluss auf die Wirtschaft in Bonn haben. Ein
großer Faktor ist die Hitzebelastung für Arbeitnehmen-
de in Bonn, die insbesondere in den Gewerbegebieten
und in unsanierten Bürogebäuden ein Risiko darstellt
und zu Leistungsabfall sowie zu Ausfällen führen kann.
Um Arbeitsprozesse aufrechtzuerhalten, entsteht für
Unternehmen ein erhöhter Bedarf an Gebäudekühlung
während Hitzeperioden, was einen erhöhten Energie-
verbrauch zur Folge hat. Auch für die Lagerung von hit-
zeempfindlichen Waren und Produktionsprozessen
kann es zu erhöhtem Kühlaufwand kommen.
Darüber hinaus ist die Beethoven- und Kulturstadt Bonn,
mitunter auch durch ihre Hauptstadtvergangenheit,
eine beliebte Tourismusdestination. Mit fast 1,3 Milliar-
den Euro Umsatz in 2019 ist der Tourismus in Bonn ein
bedeutender Wirtschaftsfaktor. Bonn punktet vor allem
im Kultur- und Museumsbereich mit touristischen Ange-
boten, aber auch mit den Naherholungsgebieten Rhein,
Kottenforst und Siebengebirge. Mit sich ändernden kli-
matischen Bedingungen ist laut einer Studie des Minis-
teriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Ener-
gie NRW11 für den Städte- und Kulturtourismus eine
rückläufige Saisonalität zu erwarten, mit Chancen für
den Tourismus im Frühjahr und Herbst. Steigendes Inte-
resse für Outdoorangebote beim Städtetourismus kön-
nen in Bonn durch die Naherholungsgebiete Rhein, Kot-
tenforst sowie Freizeitparks gedeckt werden, an denen
es sich auch an heißen Tagen gut aufhalten lässt. Jedoch
besteht an Hitzetagen die Gefahr, dass es zu einer Beein-
trächtigung von Freizeitangeboten im Außenbereich
kommt (z.B. Outdoorevents, Sportangebote, Stadtrund-
fahrten), wenn die Aufenthaltsqualität aufgrund von
Hitzebelastung sinkt. Heiße Temperaturen wirken sich
auch negativ auf den Shoppingtourismus aus, was sich
bereits im besonders ausgeprägten Hitzesommer 2018
an negativen Besucherzahlen im deutschen Einzelhan-
del gezeigt hat.12 Umso wichtiger ist es, mit Informati-
onsangeboten auch im Tourismusbereich über Verhal-
ten im Extremwetterfällen (z.B. Notanlaufstellen,
Trinkwasserspender, kühle Orte) aufzuklären und Frei-
zeitangebote sowie öffentliche Orte bestmöglich an
Hitzebedingungen anzupassen.
Da zunehmende Hitze- und auch Starkregentage auch
Chancen für die Nachfrage nach wetter- und klimaunab-
hängigen Indoorangeboten bieten, sind klimabedingte
Einbrüche in den Tourismuszahlen insgesamt weniger
zu erwarten (MWIKE NRW). Insgesamt haben Themen
mit Indoor-Orientierung (Business-, Städte-, Kultur-,
Eventtourismus) in Bonn eine hohe ökonomische Be-
deutung. Wichtig ist aber sowohl im vorwiegend In-
door-orientierten Kultur- und MICE-Segment (Geschäfts-
tourismus) als auch im Leisure-Segment
(Freizeitbereich), dass auch an heißen Tagen die Aufent-
haltsqualität im Freien gewahrt wird und es ausrei-
chend Angebote kühler sowie wettergeschützter Orte
mit Aufenthaltsmehrwert gibt.
11 MWIKE NRW, Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und
Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (2019). Tourismus und
Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspekti-
ven. www.wirtschaft.nrw
12 Hielscher, H. (2018, 20.09.). Sommerhitze drückte Besucherwelle
im Einzelhandel unter Vorjahreswert. Wirtschaftswoche. https://
www.wiwo.de/unternehmen/handel/einzelhandel-sommer-
hitze-drueckt-besucherfrequenz-im-einzelhandel-unter-vorjah-
reswert/23090970.htmlSeite 43 von 174
33
Cluster Menschliche Gesundheit
Wie in Kapitel 2 erläutert, ist in Bonn bis zum Jahr 2060
ein deutlicher Anstieg an heißen Tagen zu erwarten. Ins-
besondere in den dicht besiedelten und stark bebauten
Räumen wird dies zu einer extremen Wärmebelastung
führen, wie die Projektionen der Klimaanalysekarten
für Bonn bereits für das Jahr

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 02.11.2026, 19:09 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de