260550 · Mitteilungsvorlage
Energie- und Treibhausgasbilanz Bonn - Fortschreibung 2023
Kerndaten
- Nummer
- 260550
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 09.04.2026
- Letzte Änderung
- 24.10.2026
Orte
- Bonn Hauptort
- Markt
Beratungsfolge
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Mitteilungsvorlage öffentlich 260550 Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Energie- und Treibhausgasbilanz Bonn - Fortschreibung 2023 Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 19.05.2026 Kenntnisnahme Mitteilung: Der Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda war von der Verwaltung zuletzt am 4.02.2025 über die Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen in Bonn von 1990 bis 2022 informiert worden (DS 252367). Die Fortschreibung für das Jahr 2023 liegt nun vor. Seit der Fortschreibung 2022 erfolgt die Veröffentlichung nicht mehr in Berichtsform, vielmehr werden die jährlich aktualisierten Bilanzdaten zeitnah nach Abschluss der Berechnungen in das Dashboard „Bonner Klimakompass“ übernommen. [https://www.bonn.de/themen-entdecken/klima/dashboard/index.php]. Von dort erfolgt auch eine Verlinkung zu allgemeinen Informationen über Methodik und Datengrundlage. Diese Informationen als pdf-Datei sowie die Datentabellen können auch wie bisher aus dem Open Data Portal der Stadt Bonn heruntergeladen werden [https://opendata.bonn.de/dataset/treibhausgasbilanz]. Die Abbildungen, auf die im nachfolgenden Text hingewiesen wird, sind dieser Vorlage angehängt. Methodik: Die Bonner Bilanzierung erfolgt nach der bundeseinheitlichen Systematik für kommunale Treibhausgasbilanzierungen BISKO. Grundlage der ermittelten Treibhausgasemissionen sind Endenergieverbräuche, die ausschließlich auf Bonner Stadtgebiet umgesetzt wurden (Territorialprinzip). Weitere wesentliche Eckpunkte des BISKO-Standards sind die Berücksichtigung aller nach Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) relevanten Treibhausgase und der Vorkettenemissionen, die Verwendung eines einheitlichen Emissionsfaktors für den Energieträger Strom, sowie eine standardisierte Methodik zur Berechnung der Emissionsfaktoren der Koppelprodukte bei Kraft- Wärme-Kopplungssystemen. Ergebnisse Treibhausgasausstoß: Nach der oben beschriebenen Betrachtungsmethodik wurden in Bonn im Jahr 2023 1,84 Millionen Tonnen an Treibhausgasen emittiert, das sind rund 36 Prozent weniger als im ersten Bilanzjahr 1990. Gegenüber dem Vorjahr 2022 reduzierte sich der Ausstoß um 6,1 Prozent (vgl. Abbildung 1 in der Anlage 2).Seite 1 von 19 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Bei den einzelnen Energieträgern dominiert mit 461.000 Tonnen nach wie vor das Erdgas. Die übrigen fossilen Energieträger, insbesondere auch das Heizöl, sind weiter auf dem Rückzug und waren 2023 für 134.000 Tonnen Treibhausgase verantwortlich (vgl. Abbildung 2 in der Anlage 2). Betrachtet man die Aufteilung auf die Verbrauchssektoren, so entfielen 70 Prozent der Treibhausgasemissionen auf den stationären Bereich, 30 Prozent wurden im Verkehrsbereich emittiert. Den stationären Bereich teilten sich die privaten Haushalte mit 35 Prozent und die Wirtschaftssektoren mit 32 Prozent. Die kommunalen Einrichtungen hatten einen Anteil von 3,4 Prozent an den Gesamtemissionen. Im Bereich Wirtschaft werden drei Viertel, also 24 Prozent der Gesamtemissionen vom Dienstleistungssektor verursacht gegenüber 8 Prozent des produzierenden Gewerbes (vgl. Abbildung 3 in der Anlage 2). Stromnebenbilanz: Mit dem Emissionsfaktor des Bundesstrommixes von 453 gCO2e/kWh ergeben sich aus dem Stromverbrauch Treibhausgasemissionen von insgesamt 635.000 Tonnen. Die lokale Stromproduktion auf Bonner Stadtgebiet durch beispielsweise Heizkraftwerk und Photovoltaik in einer Größenordnung von 22 Prozent des Gesamtstromverbrauchs bleibt dabei zunächst unberücksichtigt. Bezieht man diese jedoch im Rahmen einer sogenannten Stromnebenbilanz mit den entsprechenden Emissionsfaktoren in die Berechnungen ein, so reduziert sich der Emissionsfaktor des Stroms auf 441 gCO2e/kWh und die strombedingten Treibhausgasemissionen damit um 17.000 Tonnen auf 618.000 Tonnen (vgl. Abbildung 4 in der Anlage 2). Endenergieverbrauch: Der gesamte Endenergieverbrauch reduzierte sich 2023 mit 5.740 GWh gegenüber 2022 um 4,4 Prozent, gegenüber dem ersten Bilanzjahr 1990 um rund 14 Prozent (siehe Abbildungen 5 und 6 in der Anlage 2). Die Reduzierung fällt insgesamt geringer aus als die der Treibhausgasemissionen. Dies erklärt sich durch die Tatsache, dass die Reduktion der Treibhausgase überwiegend durch einen sinkenden Emissionsfaktor des Stroms begründet sind und nicht durch die tatsächliche Verbrauchsreduzierung. Die Aufteilung der Endenergie stellt sich ähnlich dar wie bei den Treibhausgasen. 28 % entfallen auf den Verkehrssektor, 39 % auf die privaten Haushalte und 30 % auf die Wirtschaftssektoren. Die kommunalen Einrichtungen sind für 3,6 % des Endenergieverbrauchs verantwortlich (vgl. Abbildung 7 in der Anlage 2). Der Anteil erneuerbarer Energien für Heiz- und Prozesswärme lag 2023 bei 9,5 %, getragen hauptsächlich durch erneuerbare Brennstoffe aus Biomasse mit 4,1 % sowie dem biogenen Anteil in der thermischen Abfallverwertung für die Fernwärmeproduktion mit 3,6 %. Geothermie und Solarthermie spielen mit 1,2 Prozent am gesamten Wärmeenergieverbrauch eine noch untergeordnete Rolle (vgl. Abbildung 8 in der Anlage 2). Den Sektor Mobilität dominiert nach wie vor der Verbrennungsantrieb mit 95 % des gesamtem Energieverbrauchs im Verkehrsbereich. Der Anteil erneuerbarer Energien am Kraftstoffverbrauch durch Beimischung lag bezogen auf den Energieverbrauch bei insgesamt 5,7 %. Im Straßenverkehr sind die PKW für 77 % des Energieverbrauchs verantwortlich. Hierzu sei nachrichtlich erwähnt, dass der Anteil an reinen Elektro-PKW im PKW-Bestand Bonns mit Stand Dezember 2025 2,8 % betrug.Seite 2 von 19 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Fazit und Ausblick: Mit der vorliegenden Bilanzierung für das Jahr 2023 können keine Rückschlüsse zum Einfluss einzelner Maßnahmen oder Aktivitäten auf die Entwicklung der Treibhausgasemissionen gezogen werden. Zum einen kann durch die Maßstabsebene sowie die komplexen Wirkzusammenhänge im Zusammenspiel einer Vielzahl von Akteuren und Instrumenten der Anteil einzelner Maßnahmen nicht quantifiziert werden. Zum anderen stellt sich eine Wirkung von Maßnahmen auf eine messbare Treibhausgasminderung erfahrungsgemäß erst nach mehreren Jahren ein. Die Verwaltung beobachtet den Fortschritt zusätzlich anhand von handlungsfeldspezifischen und aktivitätenbezogenen Indikatoren, die neben der Treibhausgasbilanz auch auf dem Bonner Klimakompass dargestellt werden. Anlage/n 1 Anlage 1: Methodik THG-Bilanz Bonn (öffentlich) 2 Anlage 2: Abbildungen THG-Bilanz Bonn (öffentlich)Seite 3 von 19 Seite 1 Amt für Umwelt und Stadtgrün Energie- und Treibhausgasbilanz Bonn Methodik und DatengrundlagenSeite 4 von 19 Seite 2 Inhaltsverzeichnis 1 Überblick ................................................................................................................................ 3 2 Methodik ................................................................................................................................ 4 Endenergiebasierter Territorialansatz .......................................................................................... 5 Berücksichtigung von Vorketten und CO2-Äquivalenten ............................................................... 6 Bundesmix für den Emissionsfaktor des Stroms ........................................................................... 7 Exergetische Allokation bei Kraft-Wärme-Kopplungs-Systemen.................................................... 8 3 Datengrundlagen und Datengüte............................................................................................ 9Seite 5 von 19 Seite 3 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Energie- und Treibhausgasbilanz Bonn Die Stadt Bonn erstellt für das Stadtgebiet bereits seit 1995 gebietsbezogene Treibhausgasbilanzen. Die Zeitreihen reichen zurück bis zum Jahr 1990. Zwischenzeitliche methodische Änderungen konnten für die historischen Daten übernommen werden, weil der Endenergieverbrauch als Bilanzierungsgrundlage kontinuierlich beibehalten wurde. In diesem Dokument wird die Bilanzierungsmethodik und die Datengrundlage der Bonner Energie- und Treibhausgasbilanz beschrieben. Die Zeitreihen mit den aktuellen Bilanzierungsergebnissen werden im Dashboard Bonner Klimakompass dargestellt. https://dashboards.udp.bonn.de/superset/dashboard/klimakompass/?standalone=3&show_filters=0 Die Ergebnisse in Tabellenform können auch über das Open Data-Portal der Stadt Bonn heruntergeladen werden. https://opendata.bonn.de/dataset/treibhausgasbilanz Der Abschnitt “Überblick” gibt eine kurze Zusammenfassung, wie die kommunale THG-Bilanz erstellt wird. In den weiteren Abschnitten werden Methodik und Datengrundlage ausführlicher beschrieben. 1 Überblick Die Bonner Treibhausgasbilanzierung gibt einen Überblick über die jährlich auf Bonner Stadtgebiet freigesetzten Treibhausgasmengen. Die Daten reichen zurück bis zum Jahr 1990. Die Bilanzierung erfolgt nach dem kommunalen Bilanzierungsstandard BISKO (Bilanzierungssystematik Kommunal). Den Standard kennzeichnen folgende Merkmale: Basis der Berechnungen sind die Endenergieverbräuche auf dem Stadtgebiet (Territorialprinzip). Aus diesen Energieverbräuchen werden über energieträgerspezifische Faktoren die Treibhausgasemissionen ermittelt. Emissionen von außerhalb des Stadtgebiets produzierten Gütern finden keine Berücksichtigung. Berücksichtigt werden aber die Emissionen, die bei Förderung, Aufbereitung und Transport der Energieträger (auch außerhalb des Territoriums) entstehen, die sogenannten Vorkettenemissionen. Darüber hinaus werden zusätzlich auch die Emissionen der weiteren im Kyoto-Protokoll genannten Treibhausgase, beispielsweise Methan und Lachgas berücksichtigt.Seite 6 von 19 Seite 4 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Für den Energieträger Strom wird ein einheitlicher Emissionsfaktor verwendet, der sich aus dem Energieträgermix der gesamtdeutschen Stromproduktion (Bundesstrommix) errechnet. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass die Emissionen des Stroms nicht beim Verbrauch entstehen, sondern bei der Produktion. Einer Verbrauchsstelle einen bestimmten Energieträgermix zuzuordnen, beispielsweise beim Bezug von Ökostrom, ist bei der Darstellung einer kommunalen Gesamtbilanz nicht möglich. Für die Berechnung der Emissionsfaktoren von lokalen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (BHKW, Heizkraftwerke) werden die eingesetzten Brennstoffe nach ihrer exergetischen Wertigkeit auf den Strom- und Wärme-Output aufgeteilt. Mit dieser rein physikalischen Methode werden die den üblichen bilanziellen Methodiken der Brennstoffaufteilung anhaftenden Inkonsistenzen ausgeschlossen. Die Treibhausgasbilanzierung soll die Energieverbräuche im Stadtgebiet möglichst vollständig abbilden. Ein Großteil der Daten von beispielsweise leitungsgebundenen Energieträgern wie Strom, Erdgas und Fernwärme liegt als gemessene Zählerdaten vor. Der Verbrauch nicht leitungsgebundener Energieträger, z.B. Heizöl oder Kraftstoffe liegt in der Form nicht vor und muss deshalb über statistische Methoden abgeschätzt werden. Um die dadurch entstehende unterschiedliche Datenqualität zu berücksichtigen, wird bei der Erstellung der Bilanz jeder Verbrauchswert mit der Angabe einer Datengüte gekennzeichnet. Die Datengüte ist eine Kennzahl zwischen 1 für gemessene Daten und 0 für statistische bundesdeutsche Durchschnittswerte. Nach den Verbrauchsdaten gewichtet ergibt sich eine Gesamtdatengüte der Bilanz. Die zur Erstellung der Bilanzierung notwendigen statistischen Daten, insbesondere die Emissionsfaktoren liegen zum Teil erst bis zu zwei Jahre nach dem zu bearbeitenden Bilanzierungsjahr vor. Die THG-Bilanz eines Jahres kann deshalb erst mit entsprechender Verzögerung fertiggestellt werden. 2 Methodik Die Bonner Treibhausgas-Bilanzierung erfolgt nach der „Bilanzierungssystematik Kommunal“ (BISKO). Dieser Standard wurde 2014 vom ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg im Auftrag des Umweltbundesamtes entwickelt. Die wesentlichen Merkmale des BISKO sind: der endenergiebasierte Territorialansatz, die Berücksichtigung von Vorketten und CO2-Äquivalenten, der Bundesmix für den Emissionsfaktor des Stroms sowie die exergetische Allokation zur Ermittlung der Emissionsfaktoren bei Kraft-Wärme-Kopplungs-Systemen.Seite 7 von 19 Seite 5 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Endenergiebasierter Territorialansatz Eine CO2- oder Treibhausgasbilanz stellt die Treibhausgas-Emissionen dar, die innerhalb definierter Bilanzgrenzen durch den gesamten Energieverbrauch verursacht werden. Treibhausgasbilanzen gibt es auf unterschiedlichen Ebenen und mit unterschiedlichen Zielsetzungen, etwa auf Bundesebene über das nationale Treibhausgasinventar zur Klimarahmenkonvention, in Länderbilanzen oder auf kommunaler Ebene. Die hier vorliegende Art der Bilanzierung ist die gebietsbezogene nach dem Territorialprinzip. Im Gegensatz dazu steht das Verursacherprinzip. Dieses definiert als Bilanzgrenze kein geografisches Gebiet, sondern den Verantwortungs- und Einflussbereich des Einzelnen (Unternehmensbilanz, CO2-Fußabdruck). Die unterschiedlichen Bilanzierungsarten sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Bilanzgrenzen nicht miteinander vergleichbar. Beim Territorialprinzip werden alle endenergiebedingten Emissionen innerhalb der Bonner Stadtgrenzen bilanziert. Endenergie bezeichnet hierbei die Energieform, die von Verbrauchern an einem bestimmten Punkt, beispielsweise am Erdgaszähler, vom Lieferanten abgenommen wird. Auch im Sektor Verkehr werden nur die Fahrleistungen berücksichtigt, die auf Bonner Stadtgebiet anfallen. Emissionen aus bezogenen Waren und Produkten, die außerhalb der Stadtgrenzen anfallen, werden nicht berücksichtigt.Seite 8 von 19 Seite 6 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Berücksichtigung von Vorketten und CO2-Äquivalenten Die Treibhausgasemissionen werden aus den Endenergieverbräuchen durch Multiplikation mit spezifischen Emissionsfaktoren errechnet. Diese Emissionsfaktoren setzen sich aus mehreren Anteilen zusammen. Die Basis bildet dabei ein stoffbezogener Anteil, der sich aus den beim Verbrennungsvorgang freigesetzten Kohlendioxidmengen spezifisch für jeden Energieträger je nach Heizwert und Kohlenstoffgehalt ergibt. Zusätzlich werden die Emissionen berücksichtigt, die durch Förderung, Aufbereitung und Transport verursacht werden. Diese als Vorkette bezeichneten Emissionsanteile werden jährlich neu durch das ifeu ermittelt und auf den bei der Verbrennung entstehenden Anteil aufgeschlagen. Dadurch werden auch erneuerbaren Energieträgern Treibhausgasemissionen zugewiesen, die beispielsweise bei der Produktion der Anlagen entstehen. Neben Kohlendioxid haben auch andere durch natürliche und anthropogene Vorgänge emittierte Gase einen Anteil am Treibhauseffekt. Als wichtigste seien an dieser Stelle Methan (CH4) und Lachgas (N2O) genannt. Ihr Anteil an den Gesamtemissionen ist im Vergleich zum Kohlendioxid eher gering, ihre Treibhauswirkung aber um ein Vielfaches höher als die des Kohlendioxids. Über sogenannte Treibhauspotenzial-Faktoren (engl. Global Warming Potential- oder GWP-Faktoren) werden die emittierten Mengen der Treibhausgase in ihrer Wirkung auf das Kohlendioxid bezogen. Der GWP- Faktor gibt also an, wie viel eine bestimmte Menge eines Treibhausgases im Vergleich zur gleichen Menge CO2 in einem definierten Zeitraum zur globalen Erwärmung beiträgt. Diese Mengen werden als CO2-Äquivalent auf die Kohlendioxid-Mengen aufgeschlagen. In der Maßeinheit wird dies durch den Zusatz eq verdeutlicht. Treibhausgase Treibhausgas GWP*-Faktor Anteil am Treibhauspotenzial Kohlendioxid CO2 1 88,2 % Methan CH4 21 6,0 % Lachgas N2O 310 4,2 % Fluorkohlenwasserstoffe HFKW / FKW 12.400 Schwefelhexafluorid 23.500 1,7 % Stickstofftrifluorid 16.100 *: GWP: Global Warming Potential (Treibhauspotenzial bezogen auf CO2)Seite 9 von 19 Seite 7 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Während die bei Verbrennungsvorgängen freigesetzten Kohlendioxidmengen über die eingesetzten Energiemengen in der Praxis gut zu erfassen sind, ist die Erfassung der Vorkettenemissionen und der weiteren Treibhausgase wesentlich komplexer. Im BISKO-Standard werden diese Emissionen deshalb vereinfacht durch Aufschläge berücksichtigt. Diese Aufschläge werden für jeden Energieträger jährlich neu ermittelt und für die Bilanzierung nach BISKO vom Umweltbundesamt und vom ifeu zur Verfügung gestellt. Aufgrund der Komplexität der Berechnung liegen diese Daten für ein Bilanzjahr in der Regel erst mit einem Verzug von zwei Jahren vor. Stoffbezogene Menge Kohlendioxid gCO2 / kWh + Vorkette für Transport und Bereitstellung gCO2 / kWh + GWP-Äquivalente Mengen weiterer THG gCO2eq / kWh = Treibhausgasäquivalente Menge Gesamt gCO2eq / kWh Bundesmix für den Emissionsfaktor des Stroms Die zuvor beschriebene Vorgehensweise wird konsequent auch für den Emissionsfaktor des Stromverbrauchs angewendet. Am Verbrauchsort selbst verursacht Strom keine Emissionen, der stoffliche Anteil ist also Null. Die Emissionen entstehen bei der Erzeugung des Stroms, solange noch fossile Energieträger dazu genutzt werden. Die Produktion findet in der Regel, insbesondere wieder bei fossiler Erzeugung, außerhalb des Gebietes der Kommune statt mit einer Vielzahl verschiedener Energieträger in unterschiedlicher Zusammensetzung. Einer Verbrauchsstelle einzelne Energieträger aus diesem Mix zuzuordnen, wie es beispielsweise bei Bezug von Ökostrom der Fall ist, ist in der Gesamtdarstellung einer kommunalen Bilanz nicht möglich. Man betrachtet deshalb den Energie-Mix zur Stromproduktion in ganz Deutschland, bezieht die Gesamtemissionen auf den gesamtdeutschen Stromverbrauch, und erhält so einen einheitlichen Emissionsfaktor für den Stromverbrauch in Deutschland. Diese Betrachtungsweise überträgt das Prinzip der Vorkette auf den Strombereich und verteilt damit die Emissionen der Stromerzeugung auf alle Stromverbraucher. Die Methodik von BISKO stellt also den Energieverbrauch und die daraus resultierenden Treibhausgasemissionsmengen ins Zentrum der Betrachtungen. So wird vornehmlich das Voranschreiten bei der Energiebedarfsminderung sichtbar. Dieser Ansatz berücksichtigt aber nicht die Entwicklung der lokalen Erzeugungs-Leistung aus erneuerbaren Energien. Der Ausbau der lokalen erneuerbaren Energie-Erzeugungsleistung ist jedoch für die Erreichung der nationalen Klimaschutz-Ziele eine unverzichtbare Voraussetzung. Um dem Rechnung zu tragen, wird in der Bonner THG-Bilanz deshalb ein zweiter Strommix und Emissionsfaktor unter Berücksichtigung der lokalen Erzeugung berechnet und dargestellt. Da sich die Stromerzeugung in Bonn aber neben der Photovoltaik und einiger kleinerer Blockheizkraftwerke zum überwiegenden Teil aus der Produktion des Heizkraftwerks der SWB generiert, deren Energieeinsatz sich wiederum zuSeite 10 von 19 Seite 8 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) etwa drei Viertel aus Erdgas und nicht biogenem Abfall zusammensetzt, unterscheidet sich der für Bonn ermittelte lokale Emissionsfaktor nur geringfügig vom Bundesmix. Exergetische Allokation bei Kraft-Wärme-Kopplungs-Systemen Zur Steigerung der Effizienz kann bei der Stromproduktion durch Brennstoffe die freiwerdende Abwärme ausgekoppelt und als Heiz- oder Prozesswärme genutzt werden. Dadurch können Gesamtwirkungsgrade von über 75 Prozent erreicht werden. Auf diese Weise werden Blockheizkraftwerke betrieben, auch das Heizkraftwerk der SWB arbeitet grundsätzlich nach diesem Prinzip. Unter Beachtung des endenergiebasierten Ansatzes des BISKO müssen die Emissionen des oder der zur Energieproduktion eingesetzten Energieträger auf die Ausgangsprodukte Strom und Wärme aufgeteilt werden, um diesen auf der Verbrauchsseite zugerechnet werden zu können. Es existiert eine Vielzahl von Methoden zur Allokation. Die Mehrzahl dieser Methoden ist bilanzieller Natur, wobei die Bilanzgrenzen für Strom und Wärme, oft interessengeleitet, unterschiedlich gezogen sind. Zur Vermeidung dadurch entstehender Inkonsistenzen und zur Sicherstellung einer einheitlichen Betrachtungsweise im kommunalen Bilanzierungsstandard BISKO wurde für die lokale Stromerzeugung eine Methodik auf physikalischer Grundlage entwickelt, die die KWK-Anlage als geschlossenes System betrachtet. Den Koppelprodukten Strom und Wärme wird dabei eine Wertigkeit auf Basis der Exergie zugewiesen, einer physikalischen Größe der Thermodynamik. Während die Energiemenge in einem abgeschlossenen System immer konstant ist, ist die Exergie nur der Teil der Energie, der in der Lage ist, Arbeit zu verrichten. Exergie kann auch beispielsweise durch Wärmeverluste verloren gehen. Konkret bedeutet das, dass zum Beispiel Strom eine hohe Exergie besitzt, weil er ohne Verluste in Wärme umgewandelt werden kann. Wärme dagegen kann nicht beliebig wieder in Strom oder mechanische Energie umgewandelt werden, weil es hier unweigerlich zu Wärmeverlusten kommt. Für einen Kraft-Wärme-Kopplungs-Prozess bedeutet dies, dass dem Strom immer eine höhere exergetische Wertigkeit gegenüber der Wärme zugerechnet wird. In der gängigen Praxis ergibt sich das Verhältnis Exergie Strom zu Exergie Wärme bei üblichen Auskopplungstemperaturen mit etwa 4 zu 1. Dementsprechend werden die Emissionen dann auf Strom und Wärme aufgeteilt. Da Kraftwerksbetreiber zur Allokation zum Teil andere Methodiken nutzen, weichen die nach der exergetischen Methode berechneten Emissionsfaktoren bisweilen von den durch die Kraftwerksbetreiber genannten ab. Für die BISKO-Bilanz ist aber wichtig, dass die Emissionen des Energieeinsatzes vollständig den Ausgangsprodukten Strom und Wärme zugerechnet werden können.Seite 11 von 19 Seite 9 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) 3 Datengrundlagen und Datengüte Die nach BISKO erstellten Treibhausgasbilanzen sollen ein möglichst vollständiges Abbild der Verbrauchs- und Emissionssituation im Stadtgebiet wiedergeben. Dem steht aber eine sehr heterogene Datenverfügbarkeit entgegen. Die Verbräuche der leitungsgebundenen Energieträger Strom, Erdgas und Fernwärme liegen als gemessene Verbrauchsdaten vor und werden unter anderem von den Stadtwerken Bonn als Netzbetreiber nach Bilanzierungssektoren differenziert zur Verfügung gestellt. Die Datenverfügbarkeit ist hier für einen Großteil des Gesamtenergieverbrauchs als sehr gut zu bezeichnen. Nicht leitungsgebundene Energieträger wie Heizöl, Flüssiggas oder Festbrennstoffe werden dagegen von den Verbraucherinnen und Verbrauchern am freien Markt beschafft. Eine vollständige Erhebung dieser Verbräuche wäre sehr aufwendig und scheitert zunehmend an einer mit dem Datenschutz begründeten Zurückhaltung von möglichen Datenlieferanten. Die Ermittlung dieser Verbräuche erfolgt über andere Quellen zum Teil über statistische Methoden. Dies führt zu einer gewissen Unschärfe der Ergebnisse bezogen auf die Situation in einer Kommune. Um die unterschiedlichen Datenqualitäten im Bilanzergebnis sichtbar zu machen, sind im BISKO- Standard sogenannte Datengüten definiert. Die Daten werden je nach Herkunft mit einer Klassifizierung in vier Datengütestufen zwischen 0 und 1 bewertet. Datengüte Beschreibung Primärstatistische lokale Daten In der Regel gemessene Verbräuche, deren Daten auch verfügbar sind. Darunter fallen die leitungsgebundenen Energieträger Strom, Erdgas und Fernwärme sowie auch alle Daten der kommunalen Verwaltung. Regionale Daten hochgerechnet Daten, die nicht direkt zur Verfügung stehen, aber aus lokalen Primärdaten berechnet werden können. Dies sind zum Beispiel Daten aus einem Förderprogramm oder die Fahrleistungsdaten des Straßenverkehrs. Regionale Daten von Landesebene heruntergerechnet Daten, die aus regionalen Kennwerten und Statistiken auf die Kommune heruntergerechnet werden. Beispiel sind die Daten nichtleitungsgebundener Energieträger wie Heizöl oder Biomasse. Diese werden auf Landesebene erfasst und auf das Stadtgebiet Bonn heruntergerechnet. Bundesdurchschnittsdaten Daten, die aus bundesweiten Kennwerten ermittelt werden.Seite 12 von 19 Seite 10 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Im Endergebnis werden die Datengüten nach dem Wert der zugehörigen Energiedaten gewichtet gemittelt. Die nachfolgende Tabelle skizziert, wie die Daten der einzelnen Energieträger der aktuellen Bilanz ermittelt wurden und gibt die damit verbundene Einordnung der Datengüte beispielhaft an. Energieträger Beschreibung Datengüte Strom Die Stromverbrauchsdaten werden von den Stadtwerken Bonn sektorenscharf zur Verfügung gestellt. Heizenergieverbräuche werden differenziert nach Wärmepumpen und Speicherheizungen separat erfasst. Heizöl Die Daten wurden vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK NRW) für das Emissionskataster NRW erhoben und der Stadt Bonn zur Verfügung gestellt. Für die fehlenden Jahre werden die Daten inter- bzw. extrapoliert und mit den Leistungsdaten des Anlagenbestandes abgeglichen. Erdgas Die Erdgasverbrauchsdaten werden von den Stadtwerken Bonn sektorenscharf zur Verfügung gestellt. Eine weitergehende Differenzierung erfolgt nicht. Fernwärme Die Fernwärmeverbrauchsdaten werden sektorenscharf von den Stadtwerken Bonn zur Verfügung gestellt. Die Ermittlung des Emissionsfaktors erfolgt unter Zugrundelegung der eingesetzten Energiemengen von Erdgas und Mülldampf im HKW sowie der produzierten Strom- und ausgekoppelten Wärmemengen nach der im BISKO vorgegeben exergetischen Methode. Flüssiggas Die Erfassung erfolgt analog zum Energieträger Heizöl.Seite 13 von 19 Seite 11 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Steinkohle/ Braunkohle Die Erfassung erfolgt analog zum Energieträger Heizöl. Biomasse Für die Bonner Situation wird angenommen, dass es sich ausschließlich um die Nutzung von Holz als Brennstoff handelt. Die Daten stammen aus dem Emissionskataster NRW und werden analog zum Verfahren der anderen nicht leitungsgebundenen Energieträger (Heizöl, etc.) weiterverarbeitet und auf die Verbrauchssektoren aufgeteilt. Die in der Bonner MVA thermisch verwerteten Anteile an Biomasse aus Abfällen finden an dieser Stelle keine Berücksichtigung. Sie werden über den Abdampf im Heizkraftwerk Nord zur Fernwärmeproduktion genutzt und gehen über den Emissionsfaktor der Fernwärme in die Bilanzierung ein. Umweltwärme Über Statistiken zum Wärmepumpenzubau wird die Anzahl der installierten Wärmepumpen in Bonn abgeschätzt. Durch Vergleich mit dem Gesamtstromverbrauch der Wärmepumpen werden diese Zahlen verifiziert. Die erzeugte Wärmeenergie wird dann über eine mittlere angenommene Arbeitszahl berechnet. Solarthermie Datengrundlage bietet die Anzahl und Flächengröße der geförderten Solarthermieanlagen, über eine statistische Hochrechnung wird auch die Anzahl der nicht geförderten Anlagen auch auf Neubauten abgeschätzt. Aus der Gesamtflächengröße wird über statistische Kenngrößen die erzeugte Wärmeenergie ermittelt. Biogase Ein nennenswertes Aufkommen im Bereich Biogas ergibt sich in Bonn durch die Nutzung der Faulgasmengen in den Kläranlagen. Die gemessenen Daten werden vom Tiefbauamt zur Verfügung gestellt.Seite 14 von 19 Seite 12 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Kraftstoffe/Strom (Straßenverkehr) Basis der Energiedaten sind streckenfeine Verkehrsdaten der bundesweiten Straßenverkehrszählungen, die durch das vom UBA betriebene Software-Tool GRETA (Gridding Emission Tool for ArcGis) auf die lokalen Gegebenheiten heruntergerechnet werden. Aus diesen Daten errechnet das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) über das Modell TREMOD (Transport Emission Modell) die absoluten Fahrleistungen und damit verbundenen Energieverbräuche je Gemeinde für alle Straßen- und Fahrzeugkategorien. Die Ergebnisdaten werden den Kommunen über das Bilanzierungstool „Klimaschutz- Planer“ zur Verfügung gestellt. Kraftstoffe/Strom (Schienenverkehr) Der Umweltbereich der DB AG erhebt jährlich streckenfeine Fahrleistungs- und Energieverbrauchsdaten für alle Zuggattungen im Personen- und Güterverkehr. Auf dieser Grundlage leitet das ifeu Energiedaten und Aufteilungen auf die verschiedenen Zuggattungen für jede Gemeinde ab. Die Daten für den Bonner Nahverkehr werden von den Stadtwerken Bonn zur Verfügung gestellt. Im Bereich Schienenverkehr stehen Daten des Bahnstromverbrauchs zur Verfügung, beim Busverkehr erfolgt eine Auswertung der Fahrplandaten.Seite 15 von 19 Energie- und Treibhausgasbilanz Bonn - Fortschreibung 2023 - Abbildungen Abbildung1: Treibhausgase nach Sektoren in Kilotonnen Äquivalente Abbildung 2: Treibhausgase nach Energieträgern in Kilotonnen ÄquivalenteSeite 16 von 19 Abbildung 3: Aufteilung der THG-Emissionen auf die Sektoren und Energieträger 2023 in Kilotonnen Abbildung 4: Stromnebenbilanz - Vergleich der Stromzusammensetzung und -emissionen ohne (nach BISKO) und mit Berücksichtigung der lokalen ErzeugungSeite 17 von 19 Abbildung 5: Endenergieverbrauch nach Sektoren in Gigawattstunden Abbildung 6: Endenergieverbrauch nach Sektoren in Gigawattstunden witterungskorrigiertSeite 18 von 19 Abbildung 7: Aufteilung der Endenergieverbräuche auf die Sektoren und Energieträger 2023 in Gigawattstunden Abbildung 8: Endenergie für Heiz- und Prozesswärme nach Energieträgern in Gigawattstunden witterungskorrigiertSeite 19 von 19
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