260376 · Mitteilungsvorlage
Sachstand Klimaviertel – Klimaplan Steckbriefe 2.1.1.1 und 1.3.1.1
Kerndaten
- Nummer
- 260376
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 24.03.2026
- Letzte Änderung
- 25.10.2026
Orte
- Neu-Tannenbusch Hauptort
- Kreuzstraße
- Friedrich-Breuer-Straße
- Kurfürstenallee
- Bonner Straße
- Friesdorfer Straße
- Europaring
- Markt
- F
- Theaterplatz
- Vilich-Müldorf
- Alt-Godesberg
- Lannesdorf
- Mehlem
- Endenich
- Auerberg
- Beuel-Mitte
- Godesberg-Nord
- Bonn
- Bad Godesberg
- Beuel
- Hardtberg
- Medinghoven
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Kenntnisnahme
- Sitzung des Beirates Kinder- und Jugendbeteiligung Kenntnisnahme
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Kenntnisnahme
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
260376
Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Federführung:
Co-Dezernat
Dezernat:
Dez. OB
Sachstand Klimaviertel – Klimaplan Steckbriefe
2.1.1.1 und 1.3.1.1
Beratungsfolge
Beirat Kinder- und Jugendbeteiligung 17.04.2026 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bonn 21.04.2026 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bad Godesberg 22.04.2026 Kenntnisnahme
Beirat Bürgerbeteiligung 24.04.2026 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Beuel 29.04.2026 Kenntnisnahme
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
29.04.2026 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Hardtberg 05.05.2026 Kenntnisnahme
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
19.05.2026 Kenntnisnahme
Mitteilung:
1 Hintergrund
Die Klimaviertel sind Bestandteil des Bonner Klimaplans 2035 (Steckbrief
2.1.1.1) und wurden auf Grundlage des Ratsbeschlusses vom 12. Dezember
2024 (DS 240301) als quartiersbezogene Beteiligungs- und
Umsetzungsstrukturen eingerichtet. Ziel ist es, Klimathemen vor Ort konkret
erleb- und gestaltbar zu machen, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken
und die Umsetzung des Klimaplans durch lokale Impulse zu unterstützen. Nach
der Konzeptionsphase 2024 standen im Jahr 2025 die Aktivierung der
Quartiere, die Umsetzung erster Projekte sowie die Durchführung zentraler
Beteiligungsformate im Mittelpunkt.
Die vorliegende Mitteilung gibt einen Überblick über den aktuellen Sachstand
der Klimaviertel, zentrale Meilensteine und beispielhafte Projekte sowie erste
Ergebnisse der externen Evaluation. Sie dient der Information über bisherige
Wirkungen, der Einordnung des erreichten Stands und einem Ausblick auf die
weitere Entwicklung der Klimaviertel. Aufgrund der großen inhaltlichen
Schnittmengen werden hier auch Aktivitäten des Steckbriefs 1.3.1.1 –
Zukunftsforen und KompetenzNetz Mitwirkung - vorgestellt.
Wie aus der Vorlage ersichtlich, entfaltet die Mitteilungsvorlage finanzielle
Auswirkungen und erfolgt mit dem Vorbehalt der weiteren Prüfung im Rahmen
des laufenden Projektes zur Aufgabenkritik und der Aufstellung des HH-
Planentwurfes 2027/2028 sowie der mittelfristigen Finanzplanung.Seite 1 von 108
Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
2 Kurzvorstellungen der vier Klimaviertel
In jedem Klimaviertel wurde durch die Trägerorganisationen ein detailliertes
Trägerkonzept erstellt. Diese finden sich in den Anlagen. Im Folgenden werden
die vier Viertel für einen schnellen Überblick steckbriefartig vorgestellt.
2.1 Klimaviertel Beuel
• Träger: Kulturzentrum Brotfabrik Bonn e.V.
• Arbeitsaufnahme: Dezember 2024
• Mitmachzentrum: Brotfabrik, Kreuzstraße 16, 53225 Bonn
• Thematischer Fokus: Sozial-ökologische Impulse durch Kultur
und Zivilgesellschaft
• Wichtige Partner (Auswahl): Bonner Energie Agentur,
Abenteuer Lernen e.V., Change Clubs, Beueler Kirchengemeinden,
Bürgerverein Vilich-Müldorf, Caritas, Theater Marabu, Förderverein Filmkultur
Bonn, Universität Bonn
• Zuwendungen für das Haushaltsjahr 2026: 160.000 Euro
2.1.1 Trägerstruktur und Mitmachzentrum
Das Klimaviertel Beuel wird vom Kulturzentrum Brotfabrik Bonn e.V. getragen.
Bonns größtes sozio-kulturelles Zentrum ist seit vielen Jahren ein zentraler
Anker im Bezirk. Die Brotfabrik verbindet Kultur, Bildung und bürgerschaftliches
Engagement und verfügt über gewachsene Netzwerke zu Vereinen, Initiativen
und engagierten Einzelpersonen. Gleichzeitig repräsentiert die Brotfabrik den
Leitgedanken des Klimaviertels Beuel – das Aufgreifen bestehenden
Engagements in Kultur und Zivilgesellschaft.
Die Koordination des Klimaviertels Beuel wird im Team umgesetzt. Wolfgang
Heisel und Wolfgang Lange teilen sich die inhaltlichen und administrativen
Aufgaben und sind vor Ort, im Mitmachzentrum in der Brotfabrik, ansprechbar.
Das Mitmachzentrum besteht aus dem fest eingerichteten und gut
erreichbaren Klimaviertelbüro sowie weiteren Räumen der Brotfabrik für
Veranstaltungen (Studio 5,6,7). Klimaviertel und Mitmachzentrum wurden durch
ein umfangreiches Kommunikationspaket in Q3/4 2025 sichtbarer. Es finden
regelmäßige Termine im Mitmachzentrum statt, u.a. Beratungen der BEA
nebenan, der BürgerSolarberatung und zukünftig eine offene Fahrradwerkstatt.
2.1.2 Aktivitäten und Projekte im Klimaviertel
Im Folgenden werden exemplarische Aktivitäten und Projekte aus dem
Klimaviertel Beuel vorgestellt. Weitere Projekte finden sich im Trägerkonzept in
der Anlage sowie auf Website und Instagram-Kanal des Klimaviertels.
Mit dem Klimaviertelfest im Mai 2025 wurde das Klimaviertel Beuel erstmals
öffentlich im Quartier sichtbar. Initiativen und Projektpartnerinnen präsentierten
Mitmach- und Informationsangebote und kamen mit Anwohnerinnen ins
Gespräch. Vorgestellt wurde zudem das gemeinsam entwickelte ZukunftsbildSeite 2 von 108
Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Beuel Mitte, das Visionen für ein klimafreundliches, lebenswertes und
solidarisches Viertel visualisierte und zur Diskussion über die Zukunft des
Quartiers einlud.
Das Theater Marabu verknüpfte die Produktionen Bad Bugs und SPLASH mit
Workshops und Klimaaktionen. Bei Aufführungen an Schulen und im
öffentlichen Raum wurden über 750 Menschen erreicht, überwiegend
Schüler*innen. Besonders gefragt waren anschließende Aktionen wie die
insektenfreundliche Bepflanzung von fünf Baumbeeten in der Friedrich-Breuer-
Straße.
Mit der Reihe World-Life-Balance wurde 2025 ein niedrigschwelliger
Nachhaltigkeitstreff umgesetzt. Das von Abenteuer Lernen e.V. getragene
Partnerprojekt setzte auf gemeinsames Tun und Austausch und sprach gezielt
Menschen mit bislang wenig Bezug zu Nachhaltigkeit an. Sechs
Abendveranstaltungen machten nachhaltiges Handeln alltagsnah erfahrbar.
Das Partnerprojekt Klima leicht erklärt verfolgt ebenfalls einen inklusiven
Ansatz: Autor*innen mit und ohne Down-Syndrom entwickelten gemeinsam mit
Fachexpert*innen verständliche Erklärungen zentraler Klimabegriffe.
Mit dem Zukunftsforum Beuel 2025 wurde ein zentrales Beteiligungsformat
umgesetzt. Rund 60 zufällig geloste Bürger*innen sowie zahlreiche Engagierte
nahmen teil. Das Forum brachte Menschen aus dem Viertel, Initiativen und
Projektpartnerinnen zusammen. Ein konkretes Ergebnis war die Gründung
eines dauerhaften Change-Clubs. Die externe Evaluation (s. u. und Anlage)
belegt den Mehrwert: Teilnehmende berichten von gestärktem Klimawissen,
erweiterten Engagementmöglichkeiten und intensiverer Vernetzung im Quartier.
2.1.3 Ausblick
Das Klimaviertel Beuel setzt 2026 mehrere der erfolgreichen Formate aus 2025
fort. Dazu zählt das Filmprojekt Film in Action: 2035 – und dann? Bei dem sich
Kinder und Jugendliche filmisch mit der Zukunft ihres Stadtteils
auseinandersetzen. In Zusammenarbeit mit professionellen Filmschaffenden
entstanden Kurzfilme zu klimarelevanten Themen, die öffentlich gezeigt und
digital verbreitet werden. Auch die Energieberatungen des BEA nebenan-
Teams werden fortgeführt. Das Projekt der Balkonscouts – Ehrenamtliche
unterstützen in der Nachbarschaft bei der Planung und Installation von Stecker-
Solaranlagen – wird aufgrund der großen Resonanz ausgebaut. Zu den
weiteren regelmäßigen Angeboten im Mitmachzentrum zählen eine offene
Fahrradwerkstatt sowie ein Mitmachgarten. Wie das Trägerkonzept ausführt,
soll 2026 noch stärker die Eigeninitiative der Bewohner*innen im Viertel
gestärkt werden. Während 2025 eine Vielzahl von Angeboten durch das
Koordinationsteam und Partner zur Teilnahme einluden, wird 2026 zusätzlich
die Unterstützung bei der Realisierung eigener Ideen im Zentrum stehen.
2.2 Klimaviertel unter der Godesburg
• Träger: Kultur verbindet e.V.
• Arbeitsaufnahme: Dezember 2024
• Mitmachzentrum: Rathaus Bad Godesberg (Interimslösung),
Kurfürstenallee 2-3, 53177 BonnSeite 3 von 108
Seite 4Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
• Thematischer Fokus: gemeinsames Engagement zur
Gestaltung des Wandels im Quartier; Stärkung einer guten, vielfältigen
Nachbarschaft im Viertel
• Wichtige Partner (Auswahl): Zentrenmanagement Bad
Godesberg, Change Clubs e.V., Haus der Familie, Bürger.Bad.Godesberg e.V.,
Trimum e.V., Ökozentrum Bonn e. V., Wir unter der Godesburg e. V.,
Quartiersmanagement Lannesdorf/Mehlem
• Zuwendungen für das Haushaltsjahr 2026: 160.000 Euro
2.2.1 Koordinationsteam und Mitmachzentrum
Das Klimaviertel unter der Godesburg wird seit Beginn von Michael Wiese
koordiniert. In dieser Personalie laufen alle Fäden zusammen. Herr Wiese
baute zunächst ein großes Netzwerk an Kooperationspartnern auf, um
gemeinsam Projekte zu entwickeln sowie Räumlichkeiten für die Aktivitäten zu
gewinnen. Der Koordinator wird in seiner Arbeit von einem Werksstudenten
sowie einer Minijobberin unterstützt. Zur Unterstützung des Vorstands wurde
ein Ehrenamtler über die Freiwilligenagentur gefunden, der auch im Projekt
Klimaviertel wertvolle Unterstützungsarbeit leistet.
Das Mitmachzentrum, ursprünglich gemeinsam mit dem Impuls-
Quartiersmanagement in der Bonner Str. 17 geplant, wurde aufgrund
gravierender Mängel an der Immobilie nicht bezogen. Interimsweise sind im
Rathaus Bad Godesberg von der Verwaltung ungenutzte Räume für
Bürotätigkeiten und kleine Gruppentreffen und -beratungen im August 2025
bezogen worden. Dieser Standort ermöglicht eine feste Anlaufstelle für
Interessierte und Aktivitäten, wenn auch nicht in dem Umfang, der für das
Mitmachzentrum ursprünglich vorgesehen war. Ein Lastenrad ermöglicht seit
Anfang 2026 auch mobile Angebote. Das aufgebaute Netzwerk ermöglicht es,
Aktivitäten auch in Räumen von Kooperationspartnern durchzuführen. Damit
kann das derzeit fehlende Mitmachzentrum kompensiert werden.
Im Rathaus Bad Godesberg bietet der Koordinator Herr Wiese jeden Mittwoch
von 14 bis 18 Uhr eine offene Sprechstunde an. Kultur verbindet e. V. bewirbt
die Aktivitäten im Klimaviertel in einem separaten Teil auf der vereinseigenen
Homepage. Auch der eigene Instagram-Kanal wird für Ankündigungen genutzt.
Es wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt ein erstes Werbemittelpaket erstellt,
um den neuen Standort im Rathaus bekannt zu machen (Straßenbanner,
Plakate, Postkarten, usw.).
2.2.2 Aktivitäten und Projekte im Klimaviertel
Im Folgenden werden exemplarische Aktivitäten und Projekte aus dem
Klimaviertel unter der Godesburg vorgestellt.
Mit dem Projekt G – Gesichter, Gesänge, Geschichten unter der
Godesburg wurde 2025 ein kulturorientierter Zugang zum Klimaviertel unter
der Godesburg erprobt. Über Interviews mit Bewohner*innen und die
künstlerische Verarbeitung ihrer Perspektiven entstand ein gemeinsames
„Heimatlied“, das öffentlich präsentiert wurde. Das Projekt stärkte
Beziehungsarbeit im Quartier und schuf eine emotionale Grundlage für weitere
Beteiligungs- und Klimaschutzaktivitäten. Das Projekt wurde unter dem TitelSeite 4 von 108
Seite 5Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
„Mein Bad Godesberg“ vertieft und erreichte schließlich ca. 100 Interviewte.
Ergebnisse aus dem Projekt wurden beim Theaterfest im Herbst 2025
präsentiert und flossen auch in das Programm „Heimat“ des
Beethovenorchesters Bonn ein.
Change Clubs / KliX³: Die Change-Clubs bieten Bürger*innen einen
strukturierten Rahmen, um sich gemeinsam mit alltagsnahen
Klimaschutzthemen auseinanderzusetzen. Nach einer stark nachgefragten
Auftaktveranstaltung entstanden mehrere selbstorganisierte Gruppen, die sich
regelmäßig austauschten. Das Format trug dazu bei, individuelles Engagement
zu verstetigen und das Klimaviertel als Lern- und Vernetzungsort zu etablieren.
Integriert wurde hier auch das deutschlandweite Projekt KliX³. Es wurden 10
neue Change Clubs gegründet. Das Angebot ist über die Bezirksgrenzen
gewachsen und mittlerweile auch in weiteren Klimavierteln zu finden.
Mit kreativen Workshops für Kinder wurden altersgerechte Zugänge zu
Themen wie Ressourcenschonung und Abfallvermeidung geschaffen. Die
Angebote setzten auf praktisches Tun und niedrigschwellige Vermittlung und
machten das Klimaviertel auch für Familien sichtbar und anschlussfähig.
Im November fand das Zukunftsforum des Klimaviertels statt. Die Aktivitäten
des Zukunftsforums erstreckten sich über drei Wochen, zwischen einer
Auftaktveranstaltung bis zu einem Klimaviertelfest. Die rund 50 Teilnehmenden
konnten zahlreiche Workshops besuchen, von kreativen Angeboten für Kinder
über den Austausch zu Zukunftsbildern bis hin zu Energie- und
Solarberatungen. Es fanden Foodsharing- und Kochaktionen statt sowie
Upcycling- und Handarbeitskurse. Die Ergebnispräsentation beim
abschließenden Klimaviertelfest diente nicht nur der Vorstellung von
Projekten, sondern auch sehr erfolgreich der Vernetzung von Akteuren.
2.2.3 Ausblick
Etablierte Formate wie Beratungs- und Bildungsangebote (BEA, Change
Clubs), Foodsharing (regelmäßige Pop-Up-Verteiler), Upcycling sowie die
Müllsammelaktionen werden gefestigt und fortgeführt. Das aktuell laufende
Projekt „Büro für Zukunftsvisionen“ erfährt im Frühjahr 2026 seinen
Projektabschluss mit Ausstellung der Ergebnisse an verschiedenen Orten in
Bonn. Im Bereich Bildungs- & Qualifizierungsformate wird im Q1/2026 ein
besonderes Fortbildungsangebot „Vorurteilsbewusstes Arbeiten im Klimaviertel“
in Zusammenarbeit mit FIBB e.V. angeboten. Zur Entwicklung neuer Angebote
werden Gespräche u.a. mit dem DRK und dem evangelischen Kirchenkreis
geführt.
Mit Beginn des Frühjahrs sind Urban-Gardening-Projekte wie z.B. ein
Begrünungsprojekt an der Friesdorfer Straße mit dem Kooperationspartner „Wir
unter der Godesburg e.V." sowie Baumbeetpatenschaften mit der Gruppe
Nachhaltig Gärtnern in Godesberg geplant.
Das bestehende Angebot „Cooking to make a Difference“ wird weiterentwickelt
zum „Sustainable Talking Club“, eine Kombination aus nachhaltiger Ernährung
und Spracherwerb. Der Aspekt Sprachförderung soll auch in weitere Projekte
einfließen. Hierzu werden Gespräche mit dem Bildungswerk interKultur geführt.Seite 5 von 108
Seite 6Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Ein neues Nähkurs-Special, geplant für den 11.11., wird auch das rheinische
Brauchtum mit innovativen Kostümen versorgen.
Auch in 2026 wird das Klimaviertel unter der Godesburg an den einschlägigen
Festen des Jahres teilnehmen (bspw. Bad Godesberger Sommerfest). Ein
Newsletter informiert zukünftig alle Interessierten über aktuelle Angebote.
Netzwerktreffen mit den übrigen Klimaviertelträgern sorgen für Austausch und
gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten.
2.3 Klimaviertel Medinghoven
• Träger: Bonner Institut für Migrationsforschung und
interkulturelles Lernen (BIM) e.V.
• Arbeitsaufnahme: Dezember 2024
• Mitmachzentrum: MEDING:HOME, Europaring 40, 53123 Bonn
• Thematischer Fokus: Ein Ort für Engagement und
Unterstützung – Familien, Kinder und Jugendliche gestalten die Zukunft
• Partner (Auswahl): OGS Medinghoven, Jugendkunstschule arte
fact, Grundschule Medinghoven, Fachstelle für Suchtprävention „update“
(Caritas/Diakonie), Ladenzeilenbetriebe, SoLaWi Bonn/Rhein-Sieg e.V., Kinder-
und Jugendring Bonn e.V.
• Zuwendungen für das Haushaltsjahr 2026: 160.000 Euro
2.3.1 Trägerstruktur und Mitmachzentrum
Das Klimaviertel Medinghoven wird vom Verein Bonner Institut für
Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM e.V.) umgesetzt. BIM e.V.
ist ein gemeinnütziger Verein aus Bonn, der sich seit 1995 für ein offenes,
vielfältiges und solidarisches Zusammenleben in Deutschland einsetzt. Er
verbindet Migrationsforschung, interkulturelles Lernen und praktische
Integrationsarbeit. Saman Haddad und Ludmila Piters-Hofmann setzen das
Projekt vor Ort als Koordinator*innen des Klimaviertels für BIM e.V. um. Sie
arbeiten dabei eng mit einer Vielzahl von lokalen Akteur*innen zusammen, um
Projekte im Viertel zu verankern.
Mit dem MEDING:HOME wurde in Medinghoven ein dauerhaftes
Mitmachzentrum geschaffen, das als zentraler Ort für Klimaschutz, Bildung und
soziale Teilhabe im Quartier dient. Das barrierefreie Zentrum bietet Raum für
regelmäßige Projekte, Kooperationen und Beteiligungsformate und ist durch
seine zentrale Lage in der Ladenzeile niedrigschwellig im Alltag der
Anwohnenden präsent. Das MEDING:HOME fördert Begegnung, Austausch
und Vernetzung zwischen Quartiersbewohner*innen und lokalen Akteur*innen
und bildet den organisatorischen Rahmen für langfristige Klimaschutzaktivitäten
im Stadtteil. Online ist das Klimaviertel auf der Projektseite und auf Instagram
(„medinghome“) zu finden.
2.3.2 Aktivitäten und Projekte im Klimaviertel
Im Klimaviertel Medinghoven wurden 2025 vielfältige Aktivitäten geplant und
umgesetzt. Beispielhaft sind hier drei genannt:Seite 6 von 108
Seite 7Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Mit dem Eröffnungsfest im Juni 2025 wurde das MEDING:HOME offiziell im
Quartier eingeführt und erstmals öffentlich sichtbar. Das Fest bot Mitmach- und
Informationsangebote, machte Klimaschutz für die 200-300 Gäste erfahrbar
und lud Anwohnende zum Austausch ein. Gleichzeitig wurden erste Impulse für
ein aktives Nachbarschaftsleben gesetzt, etwa durch die Belebung der
Ladenzeile und die Verbesserung der Sauberkeit im Umfeld. Das Fest verband
Aktivierung, soziale Teilhabe und sichtbare Wirkung und legte den Grundstein
für die anschließende Beteiligung der Nachbarschaft.
Mit dem MEDING:TREFF wurde ein niedrigschwelliger Begegnungs- und
Beteiligungsraum im Klimaviertel etabliert. Anwohnende aller Altersgruppen
können hier in informeller Atmosphäre Kontakte knüpfen, Erfahrungen
austauschen und erste praktische Schritte zu Klimaschutzmaßnahmen
kennenlernen. Durch partizipative Mitmachaktionen wird Klimaschutz als
gemeinschaftliche und alltagsnahe Erfahrung erfahrbar gemacht. Das Format
stärkt gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt im Quartier und unterstützt die
Entwicklung von Akzeptanz und Motivation für nachhaltiges Handeln.
Mit MEDING:FOOD wird Klimaschutz praxisnah und handlungsorientiert
vermittelt. In wöchentlichen Veranstaltungen werden gerettete Lebensmittel
gemeinsam mit erfahrenen Köch*innen und Kindern verarbeitet, haltbar
gemacht und für die Alltagsnutzung vorbereitet. Das Projekt reduziert
Lebensmittelverschwendung, vermittelt Kompetenzen zu nachhaltiger
Ernährung und Ressourcenschonung und macht die Verbindung von
Klimaschutz und Alltagskompetenz konkret erfahrbar. Durch die Einbindung
lokaler Partner wie der Firma WECK werden praktische Handlungsfähigkeiten
gestärkt und die Wirkung in den Alltag der Teilnehmenden übertragen.
2.3.3 Ausblick
Bereits etablierte Projekte im Klimaviertel Medinghoven werden 2026
weitergeführt, um ihre positiven Effekte auf Beteiligung, Bildung und
Klimaschutz nachhaltig zu sichern. Formate wie MEDING:TREFF,
MEDING:FOOD, MEDING:SOUND und MEDING:ART verbinden Klimaschutz
mit Alltagskompetenzen, kreativer Bildung und sozialer Teilhabe und schaffen
niedrigschwellige Zugänge zur Mitwirkung im Quartier. Ergänzend werden
bewährte punktuelle Angebote wie die Jahreszeitenfeste fortgeführt, um
Klimaschutz als gemeinschaftliche Erfahrung sichtbar zu machen.
Ab 2026 werden zudem neue Projekte entwickelt, die bestehende Angebote
ergänzen und gezielt bislang weniger erreichte Zielgruppen ansprechen. Ein
Schwerpunkt liegt dabei auf der Verstetigung und dem Ausbau von
Kooperationen mit lokalen Initiativen und Trägern, insbesondere im Bereich
Bildung, Jugend- und Familienarbeit sowie kultureller Teilhabe. Ziel ist es,
Klimaschutz noch stärker mit sozialer Teilhabe, Bildung und konkreter
Alltagsentlastung zu verknüpfen.
Darüber hinaus werden neue Projekte umgesetzt, die konkrete Alltagsbedarfe
adressieren, etwa durch die Förderung von Balkonkraftwerken für Haushalte
mit niedrigem Einkommen oder durch partizipative Jugendformate wie
MEDING:VOICE, die Selbstwirksamkeit, Jugendbeteiligung und politische
Teilhabe stärken. Weitere Kooperationen eröffnen zusätzliche ThemenfelderSeite 7 von 108
Seite 8Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
wie Umweltbildung, Sport, Berufsorientierung und Zukunftsperspektiven.
Ergänzt wird das Angebot durch regelmäßig stattfindende Beteiligungsformate
wie Repair-Cafés oder nachbarschaftliche Unterstützungsangebote sowie
durch weitere zeitlich begrenzte, offene Aktionen wie Begrünungsmaßnahmen
oder ein Sommerkino, die niedrige Zugangshürden bieten und den öffentlichen
Raum aufwerten.
In einem Jahr soll das Klimaviertel Medinghoven als lebendiger und etablierter
Ort im Stadtteil verankert sein. Das MEDING:HOME wird als
selbstverständlicher Anlaufpunkt für Nachhaltigkeit, Alltagsthemen und
Nachbarschaft wahrgenommen. Langfristig kann das Klimaviertel als Modell für
sozial gerechte, partizipative und alltagsnahe Klimaschutzarbeit und
Begegnung in benachteiligten Quartieren dienen.
2.4 Dezentrales Klimaviertel Bezirk Bonn
• Träger: Wissenschaftsladen (WILA) Bonn e.V.
• Arbeitsaufnahme: Juli 2025
• Mitmachzentrum: Mobiles Mitmachzentrum
• Thematischer Fokus: Klimaschutz, Klimaresilienz und -
vorsorge, Katastrophenschutz
• Wichtige Partner (Auswahl): DRK Quartiersmanagement
Macke-Viertel, StadtSport Bund e.V., ADFC Bonn/Rhein-Sieg, Leerstand als
Begegnungsraum, Zukunftsforum Endenich e.V. (bürgerschaftlich organisierte
Gruppe), Lengsdorfer Bachfreunde, Stadtteilgarten Auerberg, Naturgarten e.
V., Stadtwerke Bonn, Bonner Energie Agentur, Haus der Natur.
• Zuwendungen für das Haushaltsjahr 2026: 150.000 Euro
2.4.1 Trägerstruktur und Mitmachzentrum
Der WILA ist seit über 40 Jahren eine unabhängige, interessenneutrale
Einrichtung und versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis.
Als Träger der Bildungsarbeit entwickelt der WILA innovative Bildungsformate
und bringt umfangreiche Erfahrung im Management komplexer Projekte mit.
Der WILA ist in Bonn weit vernetzt und arbeitet praxisnah mit sehr
unterschiedlichen Zielgruppen. Gemeinsam mit Hochschulen, der Stadt Bonn
und zivilgesellschaftlichen Akteuren wurden bereits Projekte zu
Klimaanpassung, Citizen Science, Beteiligung und nachhaltiger
Stadtentwicklung realisiert.
Gerald Knauf, Geschäftsführer WILA Bonn e. V., ist Projektleiter im Klimaviertel
Bonn Zentrum. Neben ihm ist Philipp Kirschbaum ebenfalls als Koordinator im
Klimaviertel tätig – vorrangig für die Umsetzung des mobilen Mitmachzentrums.
Weitere Expert*innen des Wissenschaftsladens werden bei
Konzeptionierungen und Umsetzung von Projekten einbezogen.
Die Größe des Bezirks Bonn erfordert einen flexiblen, wohnortnahen Ansatz,
um Klimaschutz- und Klimaanpassungsangebote wirksam zugänglich zu
machen. Unterschiedliche Klimarisiken in den Ortsteilen, eingeschränkte
Mobilität und begrenzte zeitliche Ressourcen vieler Bürger*innen machenSeite 8 von 108
Seite 9Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
niedrigschwellige, dezentrale Formate notwendig. Ein mobiles
Mitmachzentrum setzt gezielt vor Ort an und transferiert erfolgreiche Ansätze
zwischen den Quartieren. So werden bestehende Netzwerke aus
Quartiersmanagements, Vereinen, Initiativen und Hilfsorganisationen gestärkt
und Doppelstrukturen verhindert.
Als modular aufgebautes, interaktives und wissenschaftlich fundiertes Angebot
sensibilisiert das mobile Mitmachzentrum Bürger*innen in allen 20 Ortsteilen für
Klimaschutz und Klimaanpassung und befähigt sie zur aktiven Mitwirkung.
Unter dem Namen „Klimamobil“ macht es die Themen sichtbar, vernetzt
Akteure und Best-Practice-Beispiele und wird als E-Mobil mit autarker
Stromversorgung durch eine mobile Photovoltaikanlage betrieben. Neben der
Sichtbarkeit im öffentlichen Raum wird das Klimaviertel Bonn auf der
Trägerhomepage vorgestellt sowie auf dem hauseigenen Instagram-Kanal
beworben.
2.4.2 Aktivitäten und Projekte im Klimaviertel
Nach der Konzeptionsphase in Q3/2025 wurden seit Herbst 2025 im
Klimaviertel Bonn eine Reihe aufeinander abgestimmter Projekte initiiert, die
bürgerschaftliches Engagement stärken, Wissen vermitteln und konkrete
Handlungsräume eröffnen.
Den Auftakt bildet seit November 2025 die Projektwerkstatt „Ehrenamt im
Klimaviertel stärken“. Ehrenamtlich Engagierte, unter anderem aus
Blaulichtorganisationen, setzen sich hier mit Klimaschutz und Klimaanpassung
auseinander und werden gezielt darin unterstützt, eigenes Engagement
weiterzuentwickeln. Das Projekt wird vom WILA in Kooperation mit dem DRK
Quartiersmanagement Macke-Viertel durchgeführt.
Seit Dezember 2025 richtet sich das Projekt „Fairplay fürs Klima – Vereine
übernehmen Verantwortung“ gezielt an Bonner Sportvereine. In Workshops,
Informationsveranstaltungen und einem Crowdmapping-Prozess werden dieses
Jahr Klimaschutzthemen mit Fragen der Vereinsverantwortung und
insbesondere der Inklusion verknüpft. Kooperationspartner ist der
StadtSportBund Bonn e.V., der rund 350 Mitgliedsvereine vertritt. Das Projekt
läuft bis Oktober 2026.
Ein künstlerisch-kreativer Zugang zum Thema Klimawandel wurde im
Dezember 2025 mit dem Projekt „Klimawandeldingsda“ eröffnet. In einer
musisch-künstlerischen Auseinandersetzung wurden Wissen, Wünsche und
Zukunftsideen ausgetauscht. Das Format wurde von der bildenden Künstlerin
und Transformationsmanagerin Sidika Kordes konzipiert und umgesetzt.
Von Dezember 2025 bis Februar 2026 fand zudem die Veranstaltungsreihe
„Klimakrise – Zustand und Perspektiven“ statt. In insgesamt acht
Veranstaltungen wurden Klimathemen mit Alltags- und Lebensbereichen wie
Gesundheit und Fitness, Schwammstadt, Kleidung und Konsum verknüpft. Das
Projekt wurde umgesetzt von der Initiative „Leerstand als Begegnungsraum“ in
Kooperation mit verschiedenen Dozent*innen und Initiativen, darunter
BürgerSolarBeratung und Scientists for Future.
In ihrer Gesamtheit zeigen die ersten Projekte, wie das Klimaviertel BonnSeite 9 von 108
Seite 10Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Zentrum auch in den ersten Monaten bereits zahlreiche Projekte und Themen
auf den Weg bringen konnte, die in verschiedenen Stadtteilen des Bezirks
umgesetzt werden – sowohl zu Klimaschutz als auch Fragen der
Klimaanpassung.
2.4.3 Ausblick
Die oben genannten Projekte werden 2026 fortgeführt und ausgebaut. Ein
weiteres Projekt einer Bonner Initiative des Klimaviertels ist „Endenich
klimatisch zukunftsfähig machen“. Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026
werden eine öffentliche Auftaktveranstaltung für Bürger*innen in Endenich,
mindestens vier Aufbauworkshops sowie die Gründung des Vereins
„Zukunftsforum Endenich e.V.“ realisiert. Träger ist die Initiative Zukunftsforum
Endenich.
Mit dem Vorhaben „Lebendige Vielfalt im Klimawandel“ wird ein
Schwerpunkt auf Biodiversität und klimafreundliches Gärtnern gelegt.
Workshops zur Artenkenntnis sowie Vernetzungstreffen bringen
Garteninitiativen, Kirchengemeinden sowie Uni- und Schulprojekte zusammen.
Die Umsetzung erfolgt in Kooperation mit den Lengsdorfer Bachfreunden, dem
Stadtteilgarten Auerberg und dem VHS-Garten der Bildung und läuft bis Juni
2026.
Aktuell läuft auch bereits das Format „Engagement bewegt“. In Form von
thematischen Fahrradtouren durch das Klimaviertel werden Bonner Initiativen,
Vereine und Blaulichtorganisationen sichtbar gemacht und miteinander
vernetzt. Das Angebot wird zusammen mit dem ADFC Bonn/Rhein-Sieg und
verschiedenen Vereinen durchgeführt und ist Teil der VHS-Reihe zum
Klimaplan.
Das Klimamobil wird ab März 2026 wöchentlich auf dem ökologischen Markt
von Stadt.Land.Markt e. V. auf dem Vorplatz der Marienkirche präsent sein
(Donnerstagabend). Weitere ähnliche Termine sind geplant, bspw. in Endenich
und im Bonner Norden. Das Klimamobil ist dabei als Botschafter unterwegs und
trägt Informationen zu eigenen Angeboten sowie Infos der
Blaulichtorganisationen zu Resilienz und Krisenthemen mit sich. Außerdem ist
immer dort, wo das Klimamobil aufschlägt, ein Treffpunkt für die Nachbarschaft.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass eine starke Nachbarschaft
Resilienz schafft gegenüber Krisen aller Art. Dazu lädt das Mobil in den
verschiedenen Stadtteilen zukünftig ein. Ausgestattet mit Faltpavillon,
Sitzgelegenheiten und weiteren Materialien können sich die Nachbarschaften
das Klimamobil zu Nutze machen, um ihre Gemeinschaft zu stärken.
Gleichzeitig findet ein Austausch über Bedarfe und gemeinsame Themen statt.
Eine gute Grundlage für die Entwicklung konkreter, lokaler Bedarfe bspw. zu
Themen wie Hitzeschutz.
3 Übergreifende Entwicklungen
3.1 KompetenzNetz Mitwirkung für ein klimaneutralesSeite 10 von 108
Seite 11Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Bonn
Das KompetenzNetz Mitwirkung für ein klimaneutrales Bonn ist eine stadtweite
Austausch- und Kooperationsstruktur zur Unterstützung der Klimaviertel und
benachbarter Mitwirkungsformate. Es übernimmt eine Scharnierfunktion
zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft und stärkt kooperative Ansätze zur
Umsetzung des Klimaplans.
Das KompetenzNetz trifft sich regelmäßig (2025 ca. alle sechs bis acht
Wochen; seit 08.2024 haben 11 Treffen stattgefunden) und bietet einen
geschützten Raum für kollegialen Austausch, gegenseitiges Lernen und die
Diskussion von Projektideen. Charakteristisch ist der Dreiklang aus Austausch
zwischen Trägern, Voneinanderlernen und Dialog mit der Verwaltung. Eine
allparteiliche Moderation der Stiftung Mitarbeit unterstützt den Prozess.
Erfahrungen aus dem ersten Jahr zeigen, dass das KompetenzNetz Vertrauen
zwischen Verwaltung und Trägern der Klimaviertel stärkt, die
Problemlösungskapazität erhöht und die Umsetzung fachlich-konzeptionell
unterstützt (weitere Informationen: Artikel). Gleichzeitig wird deutlich, dass die
Arbeit ressourcenintensiv ist. Daher wurde für das Jahr 2026 eine Reduktion
der Präsenztreffen vorgenommen.
3.2 Gesamtstädtisches Zukunftsforum
Das gesamtstädtische Zukunftsforum zur Fortschreibung des Bonner
Klimaplans fand am 11.07.2025 statt. Grundlage war ein Beschluss des
Bürgerausschusses vom 15.05.2025 (DS 252971). Ziel des Forums war es,
Erfahrungen aus der bisherigen Umsetzung des Klimaplans aufzugreifen,
bestehende Maßnahmen zu überprüfen und Weiterentwicklungsbedarfe für den
Zeitraum 2026–2028 zu identifizieren.
An dem Forum nahmen rund 80 zufällig geloste Bonner*innen teil; auf
Empfehlung des Beirats für Kinder- und Jugendbeteiligung waren 30 % der
Teilnehmenden 21 Jahre oder jünger. Mitarbeitende der Stadtverwaltung sowie
externe Expert*innen unterstützten den Austausch. Die Ergebnisse des
Zukunftsforums wurden dokumentiert und fließen in die aktuelle
Weiterentwicklung des Klimaplans ein und haben u.a. die anschließende
Onlinebeteiligung zum Klimaplan vorbereitet.
Besonderes Zusatzangebot war der Ideenmarkt, der im Anschluss des
Beteiligungsformats stattfand. 15 verschiedene Verbände und Initiativen stellten
sich vor. Die Teilnehmenden konnten sich zu Energiefragen beraten lassen, ein
Mobilitätsspiel spielen, Podcast-Projekte kennenlernen oder sich anderen
Engagierten anschließen.Seite 11 von 108
Seite 12Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
3.3 Kommunikationskampagne „Gemeinsam im
Klimaviertel“
Zur stadtweiten Sichtbarmachung der Klimaviertel wurde ab 2024 ein zentrales
Kommunikationskonzept entwickelt und schrittweise umgesetzt. Ziel war es, die
Klimaviertel zu etablieren, Identifikation auf Quartiersebene zu stärken und
insbesondere neue Zielgruppen zur Beteiligung zu aktivieren. Der Ansatz ist
eng mit der Rahmenkommunikation des Bonner Klimaplans 2035 abgestimmt
und setzt bewusst auf konkrete Geschichten, Menschen und Projekte vor Ort
statt auf abstrakte Klimaziele. Klimaschutz wird so als gemeinschaftliche
Aufgabe im Alltag erfahrbar gemacht. Ein zentrales Element war die stadtweite
Plakat- und Fotokampagne ab Frühjahr 2025. Sie zeigt engagierte
Bonner*innen und Projekte aus den Klimavierteln im öffentlichen Raum und
macht lokales Engagement sichtbar.
Ergänzend wurde die laufende Öffentlichkeitsarbeit ausgebaut. Seit dem
vierten Quartal 2025 bündelt der eigene Instagram-Kanal „Gemeinsam im
Klimaviertel“ die Aktivitäten aus allen Klimavierteln, macht Projekte und
Veranstaltungen sichtbar und lädt gezielt zum Mitmachen ein. Die
Kommunikation ist als lernender Prozess angelegt und wird durch die
begleitende Evaluation kontinuierlich weiterentwickelt.
3.4 Evaluation
Die Klimaviertel werden seit Mitte 2025 extern evaluiert. Die Anlage stellt das
Evaluationskonzept sowie Zwischenergebnisse und darauf aufbauende
Empfehlungen vor.
Die Evaluation ist als lernender Prozess angelegt und begleitet die Umsetzung
fortlaufend. Ziel ist es, Wirkungen, Gelingensbedingungen und
Entwicklungsbedarfe der Klimaviertel systematisch zu erfassen und für eine
Weiterentwicklung nutzbar zu machen. Untersucht werden u.a. die Reichweite
und Einbindung unterschiedlicher Zielgruppen, die Qualität und Wirkung von
Beteiligungsformaten, der Aufbau von Netzwerken sowie die Zusammenarbeit
zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Methodisch kommen qualitative
Interviews, Dokumentenanalysen, Beobachtungen ausgewählter Formate
sowie die Auswertung quantitativer Basisdaten zum Einsatz. Im Fokus der
bisherigen Auswertung stehen die Zukunftsforen in Beuel und Bad Godesberg.
Der Zwischenbericht bescheinigt eine insgesamt sehr positive Entwicklung und
liefert zugleich konkrete Hinweise für die Weiterarbeit. Besonders deutlich wird
die Wirkung der Zukunftsforen: In Beuel stieg das Verständnis für Ziele und
Funktion des Klimaviertels im Verlauf des Forums um 56 Prozentpunkte. In Bad
Godesberg gaben fast 75 % der Teilnehmenden an, nach dem Forum die Ziele
des Klimaviertels zu kennen (plus 18 %). Rund 50 % der Teilnehmenden in Bad
Godesberg und etwa 75 % in Beuel nahmen konkrete Ideen für nachhaltiges
Handeln im Alltag mit. Zudem berichteten 41 % in Bad Godesberg und 69 % in
Beuel, durch das Forum besser zu wissen, wie sie selbst aktiv werden können.
Die Foren erweisen sich damit als wirksame Ankerformate, um Wissen,
Vernetzung und Selbstwirksamkeit systematisch zu verbinden.Seite 12 von 108
Seite 13Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Auch über die Zukunftsforen hinaus zeigt die Evaluation, dass die Kombination
aus Mitmachformaten, Beratungsangeboten und kulturellen Zugängen
unterschiedliche Zielgruppen erreicht und soziale Netzwerke im Quartier stärkt.
Die Klimaviertel funktionieren zunehmend als verlässliche und bekannte lokale
Infrastruktur: Mitmachzentren, regelmäßige Gruppen wie Change Clubs und
stabile Kooperationsstrukturen schaffen wichtige Anlaufstellen im Stadtteil.
Aus Verwaltungssicht ist dabei ein weiterer Befund relevant: Die aufgebauten
Strukturen sind nicht ausschließlich auf Klimaschutzthemen begrenzt. Die
Evaluation hebt hervor, dass die geschaffenen sozialen Netzwerke,
Begegnungsorte und niedrigschwelligen Beteiligungsformate auch für andere
teilhabeorientierte Inhalte nutzbar sind – und bereits vielfältig genutzt werden.
Damit entwickeln sich die Klimaviertel zu einem lernenden Modell für lokale
Transformation, das sowohl Klimaschutz als auch gesellschaftlichen
Zusammenhalt stärkt und perspektivisch auch für weitere kommunale
Handlungsfelder anschlussfähig ist.
4 Anlagen
• Evaluation – Konzept und Zwischenbericht
• Trägerkonzepte
Anlage/n
1 Evaluation_Zwischenbericht (öffentlich)
2 Trägerkonzept Klimaviertel Bonn (öffentlich)
3 Trägerkonzept Klimaviertel Beuel (öffentlich)
4 Trägerkonzept Klimaviertel Godesberg (öffentlich)
5 Trägerkonzept Klimaviertel Medinghoven (öffentlich)Seite 13 von 108
Kontinuierliche Weiterentwicklung
der Bonner Klimaviertel
Zwischenbericht zur Evaluation
Verfasst von:
Viktoria Szabados, Frank Ulmer (Kommunikationsbu ro Ulmer
GmbH)
Februar 2026
Quelle: Stadt Bonn, Giacomo Zucca
Kulturzentrum Brotfabrik Bonn e.V.
Quelle: BIM e.V.Seite 14 von 108
Abstract
Der vorliegende Zwischenbericht dokumentiert die bisherige Evaluation der Bonner Kli-
maviertel und liefert konkrete Ansatzpunkte für die strategische Weiterentwicklung des
Gesamtkonzepts. Die Klimaviertel sind ein zentraler Baustein des Bonner Klimaplans
2035 und schaffen niedrigschwellige Räume im direkten Lebensumfeld der Bürger*in-
nen, in denen Klimaschutzmaßnahmen eigenständig und selbstbestimmt umgesetzt wer-
den können.
Die Evaluation basiert auf einem maßgeschneiderten, modularen Evaluationsbaukasten
sowie qualitativen Auswertungen von Projektberichten. Die Analyse zeigt bemerkens-
werte Erfolge bei der Zielerreichung: Die Klimaviertel stärken soziale Netzwerke und
nachbarschaftliche Begegnungen erheblich, wobei Integration von Geflüchteten, inter-
kultureller Austausch und generationenübergreifende Zusammenarbeit als roter Faden
durch die Projekte verlaufen. Dieser soziale Zusammenhalt erweist sich als zentrale Res-
source für kollektives Handeln und schafft resiliente Strukturen, die auch bei anderen
gesellschaftlichen Herausforderungen wirksam werden.
Besonders hervorzuheben ist die erfolgreiche Vermittlung von Selbstwirksamkeit und
konkreten Handlungsmöglichkeiten: Praktische Formate wie das Anlegen von Hochbee-
ten oder der Bau von Instrumenten aus Recyclingmaterial erzeugen unmittelbare Erfolgs-
erlebnisse. Die Zukunftsforen haben zudem gemeinsame Narrative und attraktive Zu-
kunftsbilder entwickelt, die zeigen, wie eine nachhaltige Gesellschaft aussehen kann –
ohne Verzichtsnarrative, sondern mit Fokus auf motivierende Visionen von gutem Leben
im Viertel. Der Blick auf die Zukunftsforen zeigt zudem, dass die Ziele der Klimaviertel
gut vermittelbar sind, wenn Menschen Gelegenheit zur Auseinandersetzung erhalten.
Gleichzeitig identifiziert die Evaluation zentrale Herausforderungen: Die begrenzte All-
tagszeit stellt für viele Bürger*innen das Haupthindernis für nachhaltiges Engagement
dar. Formate müssen daher stärker in bestehendes Alltagshandeln integrierbar sein. Zu-
dem erweist sich die Projektverstetigung als strukturelles Problem kurzfristiger Förderun-
gen – dauerhafte Strukturen wie Mitmachzentren oder feste Gruppen sind wichtiger als
viele einmalige Projekte. Weiterhin benötigen kleine Trägerorganisationen systematische
Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit und Projektmanagement.
Detaillierte Handlungsempfehlungen zur Weiterentwicklung der Zukunftsforen und zur
strategischen Ausrichtung der Klimaviertel finden sich ab Seite 17 (Kapitel 4). Interes-
sierte Leser*innen mit begrenzter Zeit können dort direkt konkrete Ansatzpunkte nach-
lesen.Seite 15 von 108
Inhalt
1. Einleitung: Die Klimaviertel im Überblick ............................................................................. 1
2. Evaluationskonzept und Datenerhebung.............................................................................. 2
2.1 Der Evaluationsbaukasten – maßgeschneidert und adaptiv ............................................ 3
2.2 Fokusgruppeninterviews ............................................................................................... 5
2.3 Datenerhebung ............................................................................................................. 5
3. Ergebnisse und Diskussion .................................................................................................. 6
3.1 Gesamtblick auf die Klimaviertel.................................................................................... 6
3.1.1 Kulturelle und kreative Zugänge: Emotionale Aktivierung für Klimathemen ............... 7
3.1.2 Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Vom Wissen zum Handeln .................... 8
3.1.3 Sichtbarmachung durch Kommunikation .............................................................. 10
3.1.4 Partizipative Zukunftsgestaltung: Die Zukunftsforen als Anker ............................... 11
3.2 Die Zukunftsforen im Detail ......................................................................................... 11
3.2.1 Wissenserwerb und Verständnis ............................................................................ 12
3.2.2 Bewusstsein für Nachhaltiges Handeln ................................................................. 13
3.2.3 Fähigkeitsgewinn und Selbstwirksamkeitsgefühle .................................................. 14
3.2.4 Annahme der Angebote ........................................................................................ 15
3.2.5 Entwicklung gemeinsamer Ideen und Wünsche im Viertel ...................................... 16
3.2.6 Strahlungseffekte: Vom Zukunftsforum zum Change Club ...................................... 17
4. Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen .............................................................. 17
Literaturverzeichnis .............................................................................................................. 22
Anhang I: Ergänzungen zum Evaluationsbaukasten ............................................................... 23
Anhang II: Weitere Statistiken ............................................................................................... 24Seite 16 von 108
1
1. Einleitung: Die Klimaviertel
im Uberblick
Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit
weiterer Fortschritte im Klimaschutz,
geht die Stadt Bonn mit den Klimavier-
teln voran, um eine lokal verankerte
Nachhaltigkeitstransformation voranzu-
treiben1.
Das Projekt ist Baustein des Bonner
Klimaplans 2035, der die Stadt auf Kli-
maneutralität ausrichtet. Dabei wird an-
erkannt, dass über 60 % der notwendi-
gen Emissionsreduktionen außerhalb
des direkten Einflussbereichs der Stadt-
verwaltung liegen. Somit ist die gesamte
Stadtgesellschaft – von privaten Haus-
halten bis zum lokalen Gewerbe – gefor-
dert, aktiv an dieser Transformation mit-
zuwirken.
Mit den Klimavierteln schafft die Bun-
desstadt Bonn Räume im direkten Le-
bensumfeld der Bürger*innen, in denen
sie Maßnahmen eigenständig und selbst-
bestimmt „vor der eigenen Haustür“ um-
setzen können.
Die Klimaviertel werden dabei von einer
Vielzahl an verschiedenen Zielen ge-
prägt, die den Klimaschutz auf allen Wir-
kungsebenen – sowohl im privaten als
auch gesellschaftlichen Raum – voran-
treiben und die Basis für Evaluation und
kontinuierliche Weiterentwicklung bil-
den. Diese sind:
+ Kultur des Wandels im Viertel,
z.B. Stärkung gesellschaftlicher
1 Die stadtweite Bonner Klimabefragung
2024/2025 mit über 2.300 Teilnehmenden
zeigte, dass über 60% der Bonner*innen künftig
Teilhabe und gemeinschaftlichen
Handelns
+ Lebenswerte und klimaresiliente
öffentliche Räume, z.B. Begrü-
nung/Verschattung und Schaf-
fung städtischer oder privater Be-
gegnungsräume
+ Emissionen im Viertel reduzieren,
z.B. Maßnahmen zur Verbesse-
rung des Klimaschutzes im Viertel
(Balkon-PV, etc.)
+ Stärkung von Wissen/Bewusst-
sein für die Klimakrise, z.B. Bil-
dungsangebote für Kinder und Ju-
gendliche sowie Beratungsange-
bote
+ Entwicklung von Vorstellungen
vom guten Leben im Viertel, z. B.
Sichtbarmachen von Best-Prac-
tice Beispielen, welche zukunfts-
fähige Ansätze bereits ausprobie-
ren
+ Selbstwirksamkeit und konkrete
Handlungsmöglichkeiten für
jede*n Einzelne*n, z.B. Stärkung
des eigenen Engagements, Sicht-
barmachen und Wertschätzung
bestehenden Engagements
+ Innovative Nachhaltigkeitslösun-
gen, z.B. Energiesparmaßnah-
men, Tausch-, Sharing- oder Ver-
leihmodelle in Bereichen wie Mo-
bilität, Konsum, Wohnen, Repara-
tur und Upcycling, Lösungen für
lokale Lieferketten und Kreislauf-
wirtschaft
+ Stärkung sozialer Netzwerke, z.B.
Stärkung des nachbarschaftli-
chen Austausches durch
stärker zum Klimaschutz beitragen wollen. Die
vollständigen Ergebnisse sind verfügbar unter:
www.bonn.de/klimaplanSeite 17 von 108
2
Unterstützungsstrukturen, Förde-
rung der Verständigung z. B. zwi-
schen Menschen unterschiedli-
cher Altersklassen, Sprachen, ge-
sellschaftlicher Gruppen u.v.m.
In den Klimavierteln Beuel im Bezirk
Beuel, Medinghoven in Hardtberg, Bonn
Zentrum im Bezirk Bonn und im Klima-
viertel Unter der Godesburg in Bad
Godesberg erhält die Bevölkerung hier-
bei eine große Auswahlmöglichkeit an
Mitwirkungsmöglichkeiten. Ein wesentli-
ches Merkmal der Klimaviertel ist dabei
die zivilgesellschaftliche Trägerschaft.
Vereine vor Ort übernehmen Verantwor-
tung und erhalten finanzielle sowie orga-
nisatorische Unterstützung durch die
Stadt.
Die Arbeit der Träger*innen in den Klima-
vierteln wird zur Evaluation und für pro-
zessbegleitende Verbesserungsimpulse
von der Kommunikationsbüro Ulmer
GmbH seit März 2025 begleitet (im Wei-
teren Evaluationsteam oder Evaluie-
rende genannt) .
Die Evaluationsarbeit für und in den Bon-
ner Klimavierteln ist auf die vielschichti-
gen Anforderungen ausgerichtet. Die
Viertel und ihre jeweiligen Maßnahmen
sind keine standardisierten Modelle,
sondern Unikate. Sie werden nach den
spezifischen sozialen und räumlichen
Gegebenheiten der jeweiligen Stadtteile
gestaltet.
Unterschiedliche Formate, diverse Ziel-
gruppen, unterschiedliche Maßnahmen
und ein variierender Entwicklungsstand
der einzelnen Viertel – dies erfordert ein
hohes Maß an Flexibilität und Kontextse-
nsibilität hinsichtlich der Vorgehens-
weise der Evaluation.
Die Evaluation der Arbeit in den jeweili-
gen Klimavierteln findet de-
mentsprechend passgenau unter
Berücksichtigung der jeweiligen Geg-
ebenheiten statt. Gleichzeitig wird im
Rahmen der Evaluation – trotz der Unter-
schiedlichkeiten – eine gewisse Ver-
gleichbarkeit angestrebt.
Dabei stehen die Wirksamkeitsmessung
sowie die Gestaltung eines kontinuierli-
chen Lernprozesses innerhalb der Klima-
viertel im Fokus der Arbeit des Evaluati-
onsteams.
2. Evaluationskonzept und Da-
tenerhebung
Die Evaluation der Wirksamkeit der Kli-
maviertel verfolgt zwei Ziele:
+ Messung des Erfolges der Klima-
viertel über bestimmte – für Dritte
nachvollziehbare – Indikatoren
(„Leistungsbilanz“) im Rahmen
der Evaluation
+ Identifikation von Ansatzpunkten,
die zu echten Verbesserungen in
den Klimavierteln führen können
und einen kontinuierlichen Ver-
besserungsprozess vorantreiben
Zur Erfüllung der Ziele wird auf einen Me-
thodenmix aus quantitativen und qualita-
tiven Komponenten gesetzt. Dabei wer-
den ein Evaluationsbaukasten einge-
setzt, sowie Fokusgruppeninterviews
durchgeführt, um eine möglichst ganz-
heitliche Wirksamkeitsmessung zu er-
möglichen.Seite 18 von 108
3
2.1 Der Evaluationsbaukasten – maß-
geschneidert und adaptiv
Die Wirksamkeit der Klimaviertel wird
durch die Evaluation der jeweiligen Pro-
jekte innerhalb der Viertel gemessen. Da
die Projekte und ihre jeweiligen Ziele die
Klimaviertel erst “erlebbar” machen,
sind sie das richtige Messobjekt für das
Erfassen der Wirksamkeit.
Dabei ist es wichtig zu betonen, dass
nicht die Formate als solche bewertet
werden (bsp. “Hat dir das heutige Format
gefallen?”), sondern vielmehr untersucht
wird, inwiefern sich Wirksamkeit für die
jeweiligen Ziele entfaltet (bsp.
Selbstwirksamkeit: “Ich wurde heute
motiviert, selbst aktiv zu werden”).
Bei der Entwicklung des Evalua-
tionskonzeptes wurde auf bereits beste-
hende Befragungen und Projekte, wie
beispielsweise die Bonner Klimabefra-
gung, zurückgegriffen. Die stadtweite
Bonner Klimabefragung, durchgeführt
von November 2024 bis April 2025
durch das Institut für Umwelt und
menschliche Sicherheit der Universität
der Vereinten Nationen (UNU-EHS), lie-
fert hierfür wichtige Vergleichswerte.
Die Ergebnisse zeigen unter anderem,
dass über 60 Prozent der Befragten künf-
tig stärker zum Klimaschutz beitragen
wollen und 80 Prozent bereits Klima-
schutz im Alltag betreiben. Bei der Inter-
pretation der Evaluationsergebnisse aus
den Klimavierteln wird dieses stadtweite
Stimmungsbild mitgedacht, um den Kli-
maschutz und -wandel in der Bun-
desstadt thematisch und ganzheitlich
verknüpft zu denken.
Im Zentrum des Evaluationskonzepts
steht ein modularer Ansatz (“Baukasten-
prinzip“) (Abbildung 1), der für die
Erstellung der Evaluationsmaßnahmen in
den Projekten angewandt wird.
Hierbei steht zunächst die Auswahl der
Methodik im Fokus (Methoden-Baukas-
ten, siehe Abbildung 6, Anhang I). Me-
thoden beinhalten hierbei klassische
Zählungen, Fragebögen und qualitative
und/oder niederschwellige Methoden.
Die Auswahl orientiert sich dabei unter
anderem an Gruppengröße, Zielgruppe
Abbildung 1: Baukasten zur Evaluation der Bonner Klimaviertel, eigene DarstellungSeite 19 von 108
4
und dem Format der durchgeführten
Projekte.
Weiterhin wird festgelegt, welche Pro-
jektziele besonders im Fokus stehen sol-
len. Zur Auswahl stehen die insgesamt
acht, vordefinierten Ziele der Klima-
viertel, darunter etwa die Stärkung von
Selbstwirksamkeit, der Wissensaufbau
zur Klimakrise, die Förderung le-
benswerter und klimaresilienter Orte
sowie die Unterstützung sozialer
Netzwerke oder innovativer Lösung-
sansätze.
Jedem der Ziele werden Indikatoren
hinterlegt (exemplarisch Abbildung 7,
Anhang I). Die Wahl des jeweiligen Indi-
kators zur Messung des Ziels im jeweili-
gen Projekt erfolgt im Einklang mit der
zuvor gewählten Methodik.
So können Teilnehmende von DIY-Work-
shops exemplarisch im Nachgang dazu
befragt werden, inwiefern sie im Ver-
gleich zum Beginn des Workshops eine
erhöhte Handlungszuversicht und ein
Befähigungsgefühl entwickelt haben. Hi-
erbei kommen Mentimeter-Umfragen
mit diversen Fragen oder qualitative In-
terviews mit einzelnen Leitfragen (z.B.
„Was hat dir heute Mut gemacht oder
das Gefühl gegeben, etwas bewegen zu
können?“) zum Einsatz.
Ebenso werden auch z.B. Zählungen in-
stallierter Balkonkraftwerke nach
Beratungsangeboten in den Klima-
vierteln genutzt, um zu erfassen, wie
Emissionen reduziert werden können.
Dabei können sowohl die Handlungsab-
sicht unmittelbar im Anschluss an das
Beratungsangebot erfragt und/oder die
tatsächliche Anzahl installierter Kraft-
werke erfasst werden.
Ebenso werden die individuellen Geg-
ebenheiten des Klimaviertels betrachtet.
So wird in Vierteln mit einer hohen Spra-
chvielfalt beispielsweise die Möglichkeit
eröffnet, beim Einsatz klassischer
Fragebögen, Übersetzungen anzubieten.
Dies verringert das Risiko, Teilnehmende
aufgrund von Sprachbarrieren
auszuschließen.
Durch den Evaluationsbaukasten wird
die Evaluation zu einem iterativen
Prozess, der sowohl Wirkung aufzeigt, als
auch die Weiterentwicklung der Formate
im Laufe des Zeitraumes individuell be-
fördert und berücksichtigt.
Das Baukastenprinzip bildet dabei den
verbindlichen Rahmen der Evaluation,
wird allerdings nicht individuell durch die
Viertel verändert, sondern zentral vom
Evaluationsteam kuratiert. So werden
Vergleichbarkeit und Qualitätssicherung
über den Gesamtprozess hinweg garan-
tiert werden.
Gleichzeitig werden Befragungen durch
die Mitwirkenden der Viertel umgesetzt,
um so die Einbindung der Freiwilligen in
die Evaluation und den Lernprozess zur
Formatverbesserung zu befördern. So si-
chert der Prozess auch bei den Evaluier-
ten einen kontinuierlichen Kompetenzer-
werb.
Ein iterativer Prozess für die Evaluation
ist üblich und immer dann von Vorteil,
wenn die einzelnen Formate sehr indivi-
duell sind.
So basiert das Gesamtkonzept darauf,
möglichst viele Mehrwerte zu schaffen:
+ Geringer Aufwand für die Trä-
ger*innen bei gleichzeitiger akti-
ver Mitwirkung der KlimaviertelSeite 20 von 108
5
bei der Datensammlung und
damit in der Evaluation
+ Bedarfsgerechte und praxisnahe
Anpassungen – an Klimaviertel,
Formate, Zielgruppen
+ Methodische Qualitätssicherung
– Evaluationsteam behält das
“Big Picture” im Blick und achtet
auf methodische Robustheit der
Evaluationsmaßnahmen
+ Zentrale Datensammlung
Auch wenn aufgrund der Vielfältigkeit
der Viertel keine statistische Vergleich-
barkeit zwischen den Klimavierteln
angestrebt werden sollte, erlaubt der
kombinierte Einsatz qualitativer und
quantitativer Methoden eine aus-
sagekräftige Bewertung der jeweiligen
Formate.
Erste Ergebnisse zeigen: Die Konzeption-
sidee bewährt sich – sogar unter
Gewährleistung der Vergleichbarkeit.
2.2 Fokusgruppeninterviews
Die Fokusgruppeninterviews richten sich
an die Träger*innen der jeweiligen Klima-
viertel und verfolgen das Ziel, den Impact
der Klimaviertel vollumfänglich abzu-
bilden.
Hierzu gehört nicht nur die Bewertung
der stringenten Erfüllung der Klima-
viertelziele anhand der durchgeführten
Formate in den Vierteln, sondern auch
die Auswertung der entstandenen Or-
ganisationsstrukturen innerhalb der
Viertel.
Vor allem Ziele wie die Stärkung sozialer
Netzwerke werden dort besonders
gefördert, wo Träger*innen der Klima-
viertel Mitmachzentren oder Begeg-
nungsräume schaffen. Deshalb ist es
wichtig zu beobachten, wie sich diese
Orte entwickeln und welche Vernet-
zungsstrukturen dort entstehen.
Hierzu werden Fokusgruppeninterviews
mit den Träger*innen der Viertel sowie
Vertreter*innen der Abteilung Bürger-
beteiligung Bonn durchgeführt. Diese
werden im Frühjahr 2026 stattfinden.
2.3 Datenerhebung
Im Folgenden werden die Projekte der
Klimaviertel zunächst ganzheitlich
betrachtet, ehe die Kernergebnisse der
Evaluationen der Zukunftsforen in Beuel
sowie Bad Godesberg genauer
betrachtet und vorgestellt werden.
Über die Zukunftsforen hinaus wurden
im Evaluationszeitraum über 30 weitere
kooperative Projekte und Aktionen in den
Klimavierteln betrachtet. Hierzu zählten
unter anderem auch Beratungsformate,
Mitmachaktionen und Beteiligungsfor-
mate, Bildungs- und Qualifizierungsfor-
mate sowie kulturelle und sozialräumli-
che Formate.
Hierzu wurden Sachberichte und Ver-
wendungsnachweise bereits durchge-
führter Projekte ausgewertet. Diese Pro-
jektdokumentationen liefern wichtige
qualitative Einblicke in die praktische
Umsetzung der Klimaviertel-Aktivitäten,
erreichte Teilnehmendenzahlen, Koope-
rationsstrukturen und Herausforderun-
gen im Projektverlauf.
Sie ergänzen die quantitativen Daten der
Zukunftsforen-Evaluation umSeite 21 von 108
6
kontextuelle Informationen über die Viel-
falt der Formate und die spezifischen Ge-
gebenheiten in den drei Klimavierteln.
Die systematische Auswertung dieser
Projektberichte ermöglicht es, Muster er-
folgreicher Formate und Wirkungszu-
sammenhänge ganzheitlich zu identifi-
zieren und Formate effizient weiterzuent-
wicklen und Lernerfahrungen zwischen
den Vierteln zu teilen.
Die vorliegenden Daten der Zukun-
ftsforen wurden im Oktober und Novem-
ber 2025 erhoben. Jedes Zukunftsforum
wurde dabei durch einen Fragebogen,
sowie begleitende Maßnahmen (z.B.
Teilnehmendenzählungen) evaluiert. Hi-
erbei wurde der Evaluationsbaukasten
zur Qualitätssicherung angewandt.
Diesem Prinzip folgend sind bis ein-
schließlich Sommer 2026 auch Evalua-
tionen der Zukunftsforen in Hardtberg
und Bonn sowie weiterer Projekte aller
Klimaviertel vorgesehen.
Bei der Betrachtung der Zukunftsforen
ist zu beachten, dass das Zukunftsforum
in Beuel nur aus Teilnehmenden der
Zufallsauswahl zusammengesetzt war,
während die Zufallsauswahl in Bad Go-
desberg nicht gut angenommen wurde
und nur 16 Prozent der Befragten anga-
ben, über die Zufallsauswahl auf das Fo-
rum aufmerksam geworden zu sein. In
Bad Godesberg gaben viele Teilneh-
mende an, über Freund*innen, Familie,
Bekannte oder lokale Initiativen auf die
Veranstaltung aufmerksam geworden zu
sein.
2 Aufgrund des späteren Startzeitpunktes des Kli-
maviertels im Bezirk Bonn, wird dieses im Rah-
men des Zwischenberichtes zunächst noch
3. Ergebnisse und Diskussion
3.1 Gesamtblick auf die Klimaviertel
Die drei Klimaviertel in Bad Godesberg,
Beuel und Hardtberg haben im Evalua-
tionszeitraum ein vielfältiges Spektrum
an Formaten und Projekten umgesetzt2.
Diese werden zunächst grundsätzlich be-
trachtet, ehe sich eine vertiefte Analyse
der Zukunftsforen in Beuel und Bad
Godesberg in Kapitel 3.2 anschließt.
Insgesamt erreichten die vielfältigen For-
mate in den drei Klimavierteln mehrere
tausend Menschen in unterschiedlicher
Kontaktintensität. In Beuel nahmen bei-
spielsweise rund 580 Personen an den
vier Aufführungen von „Bad Bugs" teil,
etwa 300 Personen beteiligten sich am
Projekt „Acker - Kochtopf - Teller" und
ca. 56 Jugendliche wirkten beim Doku-
mentarfilmprojekt „Film in Action" mit.
Die Eröffnung von MEDING:HOME in
Hardtberg zog 200-300 Besucher*innen
an. In Bad Godesberg nahmen ca. 2.600-
2.700 Personen direkt an Veranstaltun-
gen teil. Zu den besonders gut besuchten
Formaten zählten dort unter anderem
das Büro für Zukunftsvisionen (ca. 130
Teilnehmende bisher), eine Foodsharing-
Weihnachtsaktion (ca. 105 Teilneh-
mende), sowie KliX³ und die Change
Clubs (ca. 70 Teilnehmende).
Über alle Viertel hinweg zeigt sich: Die
Kombination verschiedener Formate –
von Großveranstaltungen bis zu kontinu-
ierlichen Kleingruppen – ermöglicht es,
viele Menschen zu erreichen.
ausgeklammert. Auch das Bonner Klimaviertel ist
Gegenstand der Evaluation und wird im weiteren
Verlauf der Evaluation eingeschlossen.Seite 22 von 108
7
Für die Evaluation ist von Interesse, wie
die durchgeführten, unterschiedlichen
Projekte auf die jeweiligen strategischen
Ziele der Klimaviertel einzahlen.
3.1.1 Kulturelle und kreative Zugange:
Emotionale Aktivierung fur Klimathe-
men
Ein zentraler strategischer Ansatz vieler
Klimaviertel-Projekte liegt in der Verbin-
dung von Themen aus dem Alltag wie
beispielsweise Kleidung, Essen oder
Energie sowie Sozialem, Kunst und Kul-
tur in Verbindung mit Klimaschutz. Diese
Formatwahl ist deshalb bedeutsam, weil
kulturelle Zugänge emotionale und äs-
thetische Erfahrungsräume eröffnen und
Menschen erreichen, die durch rein in-
formative oder kognitive Angebote nicht
angesprochen werden.
Kulturelle Interventionen schaffen zu-
dem niedrigschwellige Berührungs-
punkte im Alltag und können Klima-
schutz als integralen Bestandteil von Le-
bensqualität erfahrbar machen.
Die untersuchten kulturellen Projekte
setzten den Fokus dabei primär auf fol-
gende strategische Ziele:
+ Stärkung von Wissen/Bewusst-
sein für die Klimakrise
+ Selbstwirksamkeit und konkrete
Handlungsmöglichkeiten für
jede*n Einzelne*n
+ Stärkung sozialer Netzwerke
+ Innovative Nachhaltigkeitslösun-
gen
+ Entwicklung von Vorstellungen
von gutem Leben im Viertel
Somit stand zunächst einmal vor allem
die soziale Komponente der Klimaviertel,
die alltagsnahe Wissensvermittlung und
Austausch in den Fokus setzte und an
der Lebensrealität der Teilnehmenden
anknüpfen sollte, im Mittelpunkt.
Besonders in sozial fragmentierten
Stadtteilen ist dieser behutsame Ansatz
notwendig, um zunächst Begegnung und
Vertrauensbildung zu ermöglichen, be-
vor der Klimaschutz explizit thematisiert
wird. So zeigt auch die gängige Literatur,
dass soziale Kontakte als ein zentraler
Faktor für kollektive Handlungsprozesse
beschrieben werden. Dort wo erlebte so-
ziale Zugehörigkeit durch Anerkennung,
Sicherheit und Vertrauen entsteht, kön-
nen Transformationsprozesse angesto-
ßen werden.
So erreichte beispielsweise das Musik-
theater „Bad Bugs“ in Beuel rund 580
Personen an Schulen und im öffentlichen
Raum. Dem Theater folgte dabei eine
praktische Auseinandersetzung mit Bio-
diversität, indem Schüler*innen bei-
spielsweise die Biodiversität auf ihren
Schulhöfen erkundeten und konkrete
Ideen für eine insektenfreundlichere Ge-
staltung entwickelten.
Auch in Hardtberg wurde die nieder-
schwellige Wissensvermittlung mit ei-
nem künstlerischen Ansatz befördert. So
wurden Kinder im Rahmen wöchentli-
cher Musikworkshops ("ME-
DING:SOUND") dazu befähigt, aus alten
Haushaltsgegenständen neue Musikin-
strumente zu bauen und gemeinsam zu
musizieren. So konnte Musik als nieder-
schwelliger Anker für Gemeinschaft ge-
nutzt werden, der innovative Nachhaltig-
keitslösungen mit den eigenen Alltagsin-
teressen (z.B. Musik) verknüpft.Seite 23 von 108
8
Auch zeigt sich, dass vor allem die kultu-
rellen Projekte der Klimaviertel soziale
Räume weiter öffnen und Begegnungs-
räume schaffen, in denen interkulturelles
Verständnis befördert werden kann.
Das Projekt "G hoch 4 – Gesänge, Ge-
sichter, Geschichten" in Bad Godesberg
beispielsweise sammelte knapp 60 bio-
graphische Interviews und schuf durch
musikalische Interventionen in verschie-
denen Einrichtungen (Seniorenkreis,
Haus der Familie, Seniorenheim, KGS am
Domhof, Flüchtlingshilfe) kulturelle Brü-
cken. Die entstandene "Lieder- und Ge-
schichtensammlung" dokumentiert die
Vielfalt der Perspektiven im Stadtteil und
thematisiert Heimat und Zugehörigkeit,
Migration und Integration, religiöse Viel-
falt sowie nachbarschaftliche Konflikte
und Gestaltungsmöglichkeiten und dient
als Basis für weitere Projekte.
Eines davon ist zum Beispiel die Fortset-
zung „Vielstimmige Heimatsuche", die
auf insgesamt ca. 100 Interviews zielt,
um ein klares Bild gesellschaftlicher Be-
darfe zu ermitteln und konkrete Hand-
lungsschritte abzuleiten. Die Koopera-
tion mit dem Theater Bonn zeigt zudem,
wie professionelle Kulturinstitutionen in
die Klimaviertel-Arbeit eingebunden wer-
den können.
So kann nicht nur das nachbarschaftli-
che soziale Netz durch neue Begegnun-
gen gestärkt werden, sondern es entste-
hen Möglichkeiten, sichtbar zu machen,
welche Schwerpunkte zukünftige Pro-
jekte setzen müssen, um Wissen und Be-
fähigung im Rahmen der Klimaviertel zu
vermitteln.
Die Kooperation mit dem interkulturellen
Mädchentreff Azade im Rahmen des
Dokumentarfilmprojekt "Film in Action:
2035 – und dann?" in Beuel implemen-
tiert diesen Ansatz beispielsweise be-
reits, indem technische Fertigkeiten (Ka-
meraführung, Schnitt) mit lokalem Kli-
mawissen verbunden wurden. Dass da-
bei vor allem in der Klimakommunikation
tendenziell unterrepräsentierte Gruppen
(junge Mädchen mit Migrationsge-
schichte) gezielt auf künstlerische Art für
Klimathemen begeistert wurden, betont
das Gelingen von alltags- und interessen-
nahen, niederschwelligen Angeboten.
Die Verbindung von künstlerischem Erle-
ben und praktischer Umsetzung (z.B.
Theater plus Workshop, Musik plus In-
strumentenbau aus Recyclingmaterial)
erweist sich als besonders wirksam.
3.1.2 Bildung fur nachhaltige Entwick-
lung (BNE): Vom Wissen zum Handeln
Neben kulturellen Zugängen spielten
auch niedrigschwellige Bildungsange-
bote eine zentrale Rolle, die nachhaltiges
Handeln im Alltag erlebbar machten. Die
strategische Bedeutung dieser Formate
liegt darin, dass sie über reine Wissens-
vermittlung hinausgehen und konkrete
Handlungskompetenzen aufbauen. Sie
folgen damit dem in der Fachliteratur gut
dokumentierten Befund, dass Verhal-
tensänderungen nicht primär und aus-
schließlich durch Wissen, sondern durch
positive Erfahrungen der Selbstwirksam-
keit angestoßen werden (vgl. Hunecke
2013, Hamann et al. 2016).
Dabei zahlten die Bildungsformate pri-
mär auf folgende Ziele ein:
+ Stärkung von Wissen/Bewusst-
sein für die KlimakriseSeite 24 von 108
9
+ Selbstwirksamkeit und konkrete
Handlungsmöglichkeiten für
jede*n Einzelne*n
+ Stärkung sozialer Netzwerke
+ Innovative Nachhaltigkeitslösun-
gen
+ Entwicklung von Vorstellungen
von gutem Leben im Viertel
+ Emissionen im Viertel reduzieren
Umgesetzt werden konnten die Ziele un-
ter anderem durch die Integration ver-
schiedener Wissensformen auf Augen-
höhe (zum Beispiel durch Peer-Learn-
ing). Das Projekt "Acker - Kochtopf - Tel-
ler" in Beuel erreichte beispielsweise
rund 300 Personen. Dabei wurden ge-
meinsam Hochbeete angelegt, nachhal-
tige Kochpraktiken vermittelt und Re-
zepte unterschiedlicher kulinarischer
Traditionen ausgetauscht.
Erneut stand ein alltagsnaher Ansatz
(Thema Kochen) verknüpft mit prakti-
scher Wissensvermittlung (z.B. gemein-
sames Anlegen der Hochbeete) im Fo-
kus, sodass die Förderung von Selbst-
wirksamkeitsgefühle praktisch mit der
Wissenvermittlung verknüpft wurde.
Gleichzeitig wurden neue Sozialräume
und Netzwerke geschaffen, denn es
wurde gezielt befördert, dass Geflüch-
tete als Lehrende agierten und unter an-
derem über einen ressourcenschonen-
den Umgang mit Lebensmitteln referier-
ten.
Zudem wurden – häufig als sehr abstrakt
wahrgenommene – Nachhaltigkeitskon-
zepte, wie die 17 globalen Nachhaltig-
keitsziele (SDGs) durch die Anknüpfung
an praktische Aktivitäten im Rahmen der
Veranstaltungsreihe "World Life Ba-
lance" in Beuel erlebbar.
Aktivitäten, wie in diesem Fall klimaneut-
rales Kochen, ein Stadtwildnis-Spazier-
gang, Brotbacken, Upcycling oder der
Bau von Vogelfutterstationen machen
die eigenen Handlungsmöglichkeiten
sichtbar und füllen abstrakte Konzepte
mit alltagsnahen, individuellen Möglich-
keiten, um in die Umsetzung zu kommen.
Hierzu gehörten unter anderem auch
Müllsammelaktionen wie der World
Cleanup Day in Bad Godesberg, der ei-
nen niedrigschwelligen Einstieg ins Kli-
maviertel bot, da es ohne Vorkenntnisse
funktioniert, sichtbare Ergebnisse liefert
und ein Gemeinschaftsgefühl schafft
und fördert. So konnten beispielsweise
sieben Partnerorganisationen für die Ak-
tion gewonnen werden. Aufgrund des gu-
ten Zuspruchs wurde die Maßnahme ver-
stetigt und findet seitdem in monatli-
chem Rhythmus statt.
Die erprobten Formate lehnen sich an die
etablierten Vermittlungskonzepte „Bil-
dung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE)
an und zeigen, dass die Kombination aus
Wissensvermittlung, Emotionalisierung
und praktischem Handeln besonders
wirksam ist. Hierbei spielt auch das Er-
zeugen unmittelbarer, sichtbarer Erfolgs-
erlebnisse (z.B. Bau einer Vogelfuttersta-
tion) eine große Rolle. Dieser bildet eine
wichtige Basis, um Motivation dafür zu
entwickeln, auch im Privaten in ein nach-
haltiges Handeln zu kommen.
Menschen lernten nicht nur kognitiv über
Klimaschutz, sondern erlebten emotio-
nal die Freude am gemeinsamen „Schaf-
fen“ und erwarben praktisch die Fähig-
keit, selbst aktiv zu werden. Ein weiterer
Erfolgsfaktor bestand hier außerdem er-
neut in der Alltagsrelevanz: Projekte, dieSeite 25 von 108
10
an konkreten Alltagsthemen ansetzten
(Essen, Wohnen, Konsum), wurden als
direkt umsetzbar wahrgenommen.
Neben den beschriebenen Formaten, die
vor allem auf Gruppenlernen und ge-
meinsames Erleben setzen, erwiesen
sich individualisierte Beratungsangebote
als wichtiger Baustein für niedrigschwel-
ligen Klimaschutz. Diese ermöglichen es
Bürger*innen, konkrete Fragen zu ihrer
persönlichen Wohn- und Lebenssituation
zu klären und maßgeschneiderte Lösun-
gen zu entwickeln.
Allein in Bad Godesberg wurde 2025 eine
Vielzahl kontinuierlicher und regelmäßig
stattfindender Beratungen angeboten.
So gab es unter anderem eine Energiebe-
ratung durch die Bonner Energie Agen-
tur, ein WEG-Café für Wohnungseigentü-
mergemeinschaften sowie die Bür-
ger.Solar.Beratung Bonn. Insgesamt
standen den Bürger*innen ca. 82 Bera-
tungstermine im Jahr 2025 zur Verfü-
gung – ein dichtes Netz niedrigschwelli-
ger Unterstützung für konkrete Klima-
schutzmaßnahmen im eigenen Haushalt.
Die Kombination aus kollektiven Lernfor-
maten (Workshops, Kochaktionen, Spa-
ziergänge) und individuellen Beratungs-
angeboten ermöglicht es, sowohl Ge-
meinschaft zu stiften als auch persönli-
che Handlungshürden abzubauen.
3.1.3 Sichtbarmachung durch Kommuni-
kation
Multiplikatoreffekte entstehen vor allem
dort, wo erfolgreiche Beispiele entste-
hen, positive Narrative sichtbar werden
und andere zur Nachahmung anregen.
Begleitend zu den praktischen Aktivitä-
ten wurde deshalb eine kontinuierliche
Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Dabei
sprechen die Klimaviertel eine Vielzahl
an Bürger*innen über diverse An-
sprachekanäle (z.B. Social Media,
Newsletter, Webseite) an.
Das Klimaviertel in Bad Godesburg be-
trieb beispielsweise eine systematische
Social-Media-Strategie auf Instagram.
Zwischen September 2025 und Januar
2026 wurden so 17 Beiträge veröffent-
licht, die insgesamt über 17.000 Aufrufe
erzielten und durchschnittlich 252 Kon-
ten erreichten.
Besonders wirksam erwies sich die Kom-
bination verschiedener Formate: Wäh-
rend Event-Beiträge wie das Stadtteilfest
(3.007 Aufrufe) und das Zukunftsforum
(1.891 Aufrufe) Aufmerksamkeitsspitzen
generierten, sorgten regelmäßige Bei-
träge zu kleineren Aktivitäten für konti-
nuierliche Präsenz.
Die thematische Vielfalt der kommuni-
zierten Inhalte kann dabei helfen, auch
Menschen zu erreichen, die sich nicht
primär als "klimainteressiert" verstehen,
sondern über andere Einstiegsthemen
(Kultur, Nachbarschaft, Kreativität) zum
Thema finden.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass profes-
sionelle Öffentlichkeitsarbeit Ressour-
cen erfordert, über die kleine Trägerorga-
nisationen oft nicht verfügen. Während
Instagram im konkreten Fall gut funktio-
nierte, zeigte Facebook deutlich gerin-
gere Reichweite (durchschnittlich nur 29
Aufrufe pro Beitrag) – ein Hinweis da-
rauf, dass die Plattformauswahl und die
Zielgruppenkenntnis entscheidend sind.Seite 26 von 108
11
Hier könnte zentrale Unterstützung (z.B.
koordinierte Social-Media-Betreuung,
Schulungen für Träger) helfen, die Sicht-
barkeit der Klimaviertel systematisch zu
erhöhen.
3.1.4 Partizipative Zukunftsgestaltung:
Die Zukunftsforen als Anker
Ein weiteres, zentrales Element der Kli-
maviertel liegt in den Zukunftsforen. Sie
verbinden systematische Beteiligung
(durch Losverfahren), Wissensvermitt-
lung (durch Workshops), Vernetzung
(durch Begegnung) und Aktivierung
(durch konkrete Handlungsimpulse).
Die hier dargestellte Vielfalt der Aktivitä-
ten wird deshalb im Folgenden durch
eine vertiefende Analyse der Zukunftsfo-
ren in Bad Godesberg und Beuel ergänzt.
Während der Gesamtblick die Breite der
Ansätze und die Vielfalt der Zielerrei-
chung zeigt, vermittelt die quantitative
Auswertung der Zukunftsforen-Befra-
gungen einen tiefergehenden Einblick in
die Wirkungen eines spezifischen, be-
sonders zentralen Formats.
3.2 Die Zukunftsforen im Detail
Im Folgenden werden die Kerner-
gebnisse der Evaluationen des Zukun-
ftsforums im Klimaviertel in Bad Godes-
berg (Oktober 2025) und des Zukun-
ftsforums in Beuel (November 2025)
vorgestellt.
Die Zukunftsforen verfolgen das Ziel,
Räume zu schaffen, in denen Bürger*in-
nen, Initiativen und Expert*innen ge-
meinsam aktiv für den Klimaschutz
werden. Hierbei wird auf eine Zufallsaus-
wahl der Beteiligten gesetzt, um die
Bekanntheit der Viertel zu steigern und
auch Personengruppen zu aktivieren, die
nicht bereits proaktiv am Angebot der
Klimaviertel teilnehmen.
Dabei setzen die Foren vor allem das Ziel,
Selbstwirksamkeit und konkrete Hand-
lungsmöglichkeiten bei den individuellen
Teilnehmenden zu stärken in den Fokus.
Außerdem liegt der Fokus auf der
Stärkung sozialer Netzwerke und der ge-
meinsamen Entwicklung von Vorstel-
lungen vom guten Leben im Viertel.
Abbildung 2: Teilnehmendenstruktur der Befragten in den Zukunftsforen, eigene DarstellungSeite 27 von 108
12
Die Zielerfüllung wird dementsprechend
anhand folgender Faktoren gemessen
und vorgestellt:
+ Wissenserwerb und Verständnis
+ Bewusstsein für Nachhaltiges
Handeln
+ Fähigkeitsgewinn und Selbstwirk-
samkeitsgefühle
+ Annahme der Angebote
+ Entwicklungen gemeinsamer
Ideen und Wünsche im Viertel
Diese Faktoren werden hier besonders
hoch gewichtet, da sie in der einschlägi-
gen wissenschaftlichen Literatur als
zentrale Voraussetzungen für nachhalti-
ges Handeln beschrieben werden. Die
bisherigen Ergebnisse der Evaluationen
bestätigen diese Annahmen bereits, so-
dass ihnen auch im weiteren Verlauf der
Arbeit eine hohe Bedeutung zukommt.
Am Zukunftsforum in Beuel (8. Novem-
ber 2025) nahmen 63 per Losverfahren
ausgewählte Bürger*innen teil, unter-
stützt von rund 20 engagierten Personen
aus Initiativen, Vereinen und Partneror-
ganisationen, die Workshops leiteten und
die Veranstaltung mitgestalteten.
Beim Zukunftsforum in Bad Godesberg
(Oktober 2025) nahmen ca. 130 Perso-
nen teil (gemeinsam mit dem Klimavier-
telfest). Die Teilnahme erfolgte überwie-
gend über persönliche Netzwerke –
nicht alle Teilnehmenden waren hier
durch die Zufallsauswahl auf das Forum
aufmerksam geworden.
Die unterschiedliche Rekrutierung führte
zu unterschiedlichen Teilnehmenden-
profilen: Beuel erreichte gezielt Men-
schen außerhalb bereits bestehender
Klimaschutz-Netzwerke, während Bad
Godesberg stärker bereits engagierte
Personen ansprach.
Abbildung 2 vermittelt einen Überblick
über die Teilnehmendenstruktur der Be-
fragten, die an der Fragebogenumfrage
zum Ende der Zukunftsforen teilgenom-
men haben.
3.2.1 Wissenserwerb und Verstandnis
Die Auswertung der Zukunftsforen zeigt
einen deutlichen Verständniszuwachs
bei den Teilnehmenden. In Bad Godes-
berg geben fast 75 Prozent der Teilneh-
menden an, nach dem Zukunftsforum zu
wissen, welche Ziele hinter dem Klima-
viertel in Bad Godesberg stünden (z.B.
Emissionsreduktion im Viertel, Stärkung
sozialer Netzwerke). Im Vergleich zum
Vor-Forumswert verzeichnet sich hierbei
ein Verständnisanstieg um rund 18 Pro-
zentpunkte (Abbildung 3). In Beuel ist
sogar ein Zuwachs um 56 Prozentpunkte
zu verzeichnen, was zusätzlich auf eine
gelungene Zufallsauswahl, also vielfäl-
tige Gruppe, hinweist (Abbildung 4).
Es zeigt sich, dass das Verständnis für die
Ziele des Viertels bei einem zufällig aus-
gewählten Bevölkerungsquerschnitt nur
bei knapp 25 Prozent liegt, durch die Zu-
kunftsforen jedoch gut vermittelt wird.
Die Funktion und Ziele der Klimaviertel
sind dementsprechend gut erklärbar und
leicht verständlich vermittelbar. Die For-
schung zeigt, dass der prinzipielle Wis-
senserwerb im Bezug auf Nachhaltigkeit-
sthemen besonders hohe Bedeutung bei
Personen hat, die dem grundsätzlichen
Nachhaltigkeitskonzept bereits positiv
gegenüberstehen. Diese können durch
mehr Wissen, inbesondere vonSeite 28 von 108
13
handlungsbezogenem Wissen mit Bezug
auf konkrete Verhaltensänderungen,
dann schlussendlich ins Handeln ge-
bracht werden.
Zudem wird deutlich, dass die Zukun-
ftsforen vor allem als Raum für Inspira-
tion und neue Lernprozesse fungieren.
So geben in Bad Godesberg rund 50 Pro-
zent, in Beuel rund 75 Prozent der
Teilnehmenden an, durch die Angebote
des Zukunftsforums neue Ideen
mitgenommen zu haben, um ein “Na-
chhaltiges Handeln” in ihren beste-
henden Alltag zu integrieren (Abbildung
8, Anhang II).
3.2.2 Bewusstsein fur Nachhaltiges Han-
deln
Die Ergebnisse deuten nicht nur auf
einen Wissenszuwachs für Nachhaltiges
Handeln hin, sondern auch auf eine
Bewusstseinsstärkung.
0% 25% 50% 75% 100%
Jetzt weiß ich, was das "Klimaviertel
Beuel-Mitte" ist.
Ich wusste vor dem Forum, was mit
dem "Klimaviertel Beuel-Mitte"
gemeint ist.
Keine Angabe Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu
Teils/teils Trifft zu Trifft voll zu
Abbildung 4: Wissenserwerb Beuel, eigene Darstellung
0% 25% 50% 75% 100%
Jetzt weiß ich, was das "Klimaviertel
unter der Godesburg" ist.
Ich wusste vor dem Forum, wass mit
dem "Klimaviertel unter der
Godesburg" gemeint ist.
Keine Angabe Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu
Teils/teils Trifft zu Trifft voll zu
Abbildung 3: Wissenserwerb Bad Godesberg, eigene DarstellungSeite 29 von 108
14
So zeigt sich, dass eine Mehrheit angibt,
durch das Forum besser verstanden zu
haben, dass das persönliche, nachhal-
tige Handeln wichtig und notwendig sei.
Gleichzeitig hat das Forum es geschafft
zu vermitteln, welche Verbesserungen
für eine nachhaltige Entwicklung im
eigenen Viertel wichtig sind (Ab-
bildungen 9 und 10, Anhang II).
Bei beiden Teilnehmendengruppen zeigt
sich bereits vor der Teilnahme an den Zu-
kunftsforen eine bestehende
Bereitschaft, eigene Gewohnheiten im
Sinne des Klimaschutzes zu überdenken
und ein mehrheitliches Gefühl, dass das
eigene Handeln einen Einfluss auf
Entwicklungen im Viertel habe. Entspre-
chend gehen theoretische Modelle da-
von aus, dass diese Gruppe grundsätz-
lich leichter zu aktivieren ist als Perso-
nengruppen mit gering ausgeprägter Ei-
genmotivation, bei denen die Förderung
nachhaltigen Handelns stärker über sozi-
ale Normen und externe Anreizstruktu-
ren erfolgen muss (Hamann et al.
(2016)).
Diese Ergebnisse fügen sich in das Ge-
samtbild der stadtweiten Bonner
Klimabefragung ein, bei der 82 Prozent
der Befragten angaben, dass mehr Um-
welt- und Klimaschutz auch mehr Le-
bensqualität für alle bedeutet. Die Klima-
viertel können somit auf eine bereits vor-
handene grundsätzliche Offenheit in der
Bonner Bevölkerung aufbauen und diese
durch konkrete, niedrigschwellige Ange-
bote in Handlung überführen.
3.2.3 Fahigkeitsgewinn und
Selbstwirksamkeitsgefuhle
Die Hauptziele der Foren beinhalten un-
ter anderem die Stärkung der
Selbstwirksamkeitsgefühle der Teilneh-
menden. Dies wurde ebenfalls durch die
Foren erreicht. So geben 41 Prozent der
Teilnehmenden in Bad Godesberg und
69 Prozent der Teilnehmenden in Beuel
wider, durch das Forum vermittelt
bekommen zu haben, wie sie selbst aktiv
werden können (Abbildung 11 und 12,
Anhang II).
Diese Werte sind wichtig für die weitere
Verstetigung: Denn passgenaue Ideen,
mit hoher Anschlussfähigkeit an das
eigene Alltagshandeln sind zentraler
Baustein, um ins Handeln zu kommen.
Auf diese Weise kann Selbstwirksamkeit
über die individuelle Ebene hinaus an Be-
deutung gewinnen und zu erweiterten
kollektiven Handlungsmöglichkeiten bei-
tragen, die die Entwicklung und Umset-
zung gesellschaftlicher Transformations-
prozesse begünstigen (Hamann et al.
(2016), Hunecke (2013)).
Der große Werteunterschied zwischen
den beiden Vierteln lässt sich dabei sehr
wahrscheinlich auf die unterschiedliche
Teilnehmendenzusammensetzung
zurückführen. So geben zum Beispiel 36
Prozent in Bad Godesberg an, bereits
viele Maßnahmen und Ideen für das
eigene Handeln zu kennen. Dieser hohe
Basiswert lässt vermuten, dass geringere
Aktivierungserfolge im Rahmen des Fo-
rums notwendig und möglich sind als
dies in Beuel – mit seiner reinen
Zufallsauswahl – der Fall ist.Seite 30 von 108
15
Dabei fungiert das Forum – wie bereits
angedeutet – vor allem als Begegnungs-
, Vernetzungs- und Informationsraum
(Abbildung 5). Teilnehmende geben an,
Selbstwirksamkeit vor allem durch neue
Netzwerke mit anderen Teilnehmenden
und Informationen für eigene Initiativen
gewonnen zu haben.
Somit zeigt sich, dass Zukunftsforen vor
allem als stärkende Räume für das indi-
viduelle als auch gemeinschaftliche Han-
deln bieten – zwei wichtige Pfeiler für
Transformationsprozesse.
Gleichzeitig dürfen Befähigungsgefühle
und Motivation nicht in einem Vakuum
betrachtet werden. Auch die stadtweite
Bonner Klimabefragung identifizierte die
begrenzte Alltagszeit als zentrales Hin-
dernis für nachhaltiges Engagement.
Dies unterstreicht, dass die Herausforde-
rung nicht viertelspezifisch ist, sondern
stadtgesellschaftlich besteht. Und auch
in diesem Fall wird deutlich, dass Enga-
gement im Alltag bei den meisten Teil-
nehmenden an der eigenen Zeit scheitert
(Abbildung 13, Anhang II).
Umso wichtiger ist die Vermittlung von
Kompetenzen, welche im Rahmen des
eigenen Alltags ohne größeren Aufwand
oder Einsparungen des eigenen Kom-
forts umgesetzt werden können. Diesen
Anspruch erfüllen die Zukunftsforen in
Teilen, lassen jedoch Räume für weitere
Verbesserungen. Soziale Kontakte
werden in der Literatur vielfach als ein
zentraler Faktor für kollektive Hand-
lungsprozesse beschrieben. Erlebte sozi-
ale Zugehörigkeit steht dabei in Zusam-
menhang mit gesteigertem subjektivem
Wohlbefinden sowie mit positiven Erfah-
rungen von zum Beispiel Anerkennung,
Sicherheit und Vertrauen. Vor diesem
Hintergrund gilt die Schaffung von Be-
gegnungs- und Erfahrungsräumen als
wesentliches Element zur Ermöglichung
von Selbstwirksamkeitserfahrungen
(Vgl. Hamann et al. (2016), Hunecke
(2013)).
3.2.4 Annahme der Angebote
Prinzipiell zeigt sich eine hohe Zufrieden-
heit mit dem Format des Zukun-
ftsforums. So geben beispielsweise 100
14%
33%
27%
24% 2%
19%
29%
23%
29%
0%
Ich kenne neue Maßnahmen, die ich gut und
leicht in meinen Alltag integrieren kann.
Ich habe Leute kennengelernt, mit denen ich
gemeinsam ins Handeln komme.
Ich habe eine Angebot in Bad
Godesberg/Beuel-Mitte kennengelernt, das ich
wahrnehmen werde.
Ich weiß, wo ich Unterstützung und
Informationen finde, wenn ich selbst etwas
anstoßen möchte.
Ich habe keine (neuen) Ansatzpunkte
kennengelernt.
Bad
Godes
berg
Beuel
Abbildung 5: Befähigungsmaßnahmen Zukunftsforen, eigene DarstellungSeite 31 von 108
16
Prozent in Beuel und 86 Prozent in Bad
Godesberg an, dass die Foren an-
sprechend und interessant gestaltet
worden seien. Gleichzeitig bieten die
Foren Raum für neue Impulse, in denen
die Teilnehmenden Spaß haben, sich ein-
zubringen und angeben, das Gefühl
bekommen zu haben, dass ihre Meinung
gehört wurde. Dieser Befund ist sehr
entscheidend: Die vorliegende Literatur
zeigt eindeutig und vielfach, dass das Ge-
fühl in einer Gruppe “gehört zu werden”,
einer der wichtigsten Vorbedingungen ist
zur Verstetigung von nachhaltigem Han-
deln.
Die Foren bieten jedoch nicht nur einen
Erlebnisraum, sondern schaffen auch die
Anknüpfung an weitere Formate und
Veranstaltungen innerhalb der Viertel. So
geben 86 Prozent in Bad Godesberg und
94 Prozent in Beuel an, dass sie auch zu-
künftig an einer ähnlichen Veranstaltung
teilnehmen würden. Diese Ergebnisse
stützen die in der Forschung vertretene
Annahme, dass Angebote insbesondere
dann nachhaltig wirksam sind, wenn sie
einen deutlichen Bezug zur Lebenswelt
der Zielgruppe herstellen und Informati-
onen sowohl zielgruppengerecht und
einfach aufbereitet sind als auch an
bestehenden Wissensständen
anknüpfen (Hamann et al. (2016)).
Ebenso geben alle Befragten in Beuel an,
dass sie es gut finden, dass die Stadt
Bonn die Klimaviertel initiierte. Diese
Ergebnisse decken sich ebenfalls mit
den Ergebnissen der Onlinebeteiligung
zum Klimaplan 2025. Bei einer
Gesamtheit von 166 Rückmeldungen zu
den Klimavierteln, bewerten ungefähr 93
Prozent als eher und sehr wichtige
Maßnahme für das eigene Engagement
für ein klimafreundliches Bonn und 94
Prozent als eher und sehr wichtige
Maßnahme für die Erreichung der
Klimaneutralität in Bonn.
3.2.5 Entwicklung gemeinsamer Ideen
und Wunsche im Viertel
Ein zentrales Element der Zukunftsforen
in Beuel und Bad Godesberg war die Ent-
wicklung gemeinsamer Zukunftsbilder
durch sogenannte "Zukunftsbäume".
Diese niedrigschwellige, visuelle Me-
thode lädt Teilnehmende ein, ihre Wün-
sche, Vorstellungen und Ideen für ein le-
benswertes Klimaviertel auf Karten zu
schreiben und an großformatigen Baum-
Grafiken anzubringen.
In beiden Vierteln dominieren trotz nie-
derschwelliger Abfrage („Wie sieht ein le-
benswertes Bad Godesberg/Beuel für
dich in einem Jahr aus?“) sehr konkrete
Wünsche. Diese reichen von Begeg-
nungsräumen ("Ein Bad Godesberg, wo
man sich begegnet und einander kennt",
"Mehr miteinander in Kontakt kom-
men"), zu grüneren, lebenswerteren
Stadtteilen ("Mehr Bäume und Wasser-
spender"), und mehr sozialem Zusam-
menhalt ("Bewegung statt Stillstand",
"Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen
tauschen sich aus und reden miteinan-
der").
Unterstützt durch die Methode der Zu-
kunftsbäume als niedrigschwelliges, vi-
suell ansprechendes und produktives In-
strument, etstehen so im Rahmen des
Zukunftsforums gemeinsame Vorstellun-
gen vom guten Leben im Viertel.Seite 32 von 108
17
3.2.6 Strahlungseffekte: Vom Zukun-
ftsforum zum Change Club
Die Betrachtung des Sachberichtes im
Nachgang zum Zukunftsforum in Beuel
zeigt: Das Zukunftsforum Beuel am 8.
November 2025 führte nicht nur zu kurz-
fristigen Wissensgewinnen, sondern zur
Gründung eines Change Clubs – einer
festen Gruppe von etwa einem Dutzend
engagierten Personen, die sich seitdem
zweimal monatlich in der Brotfabrik trifft.
Der Erfolg dieser Verstetigung ist dabei
kein Zufall. Im Rahmen des Forums
wurde gezielt ein Workshop angeboten
("Zukunft gestalten in Beuel mit Change
Clubs"), in dem die Teilnehmenden das
Konzept der Change Clubs kennenlern-
ten und erste Umsetzungsschritte für ei-
gene Projekte erarbeiteten. Dabei wurde
das Change-Club-Modell nicht abstrakt
erklärt, sondern die Teilnehmenden ent-
wickelten konkrete eigene Vorstellungen
von einem guten Leben im Stadtteil und
lernten, wie sie diese Ideen dauerhaft ge-
meinsam weiterverfolgen können.
Im Allgemeinen zeigen die Change Clubs
ein hohes Potenzial für Verstetigung. In
Bad Godesberg wurden beispielsweise
durch KliX³ und die Change Clubs in ei-
nem Jahr mehr als 10 neue Change Clubs
gegründet, die sich regelmäßig zu The-
menabenden treffen (z.B. zu Konsum
und Lebensstil in Kooperation mit FEM-
NET, zu Energie in Kooperation mit der
Verbraucherzentrale NRW). Die nied-
rigschwelligen Gruppen, in denen Men-
schen gemeinsam ihren ökologischen
Fußabdruck verkleinern und ihren positi-
ven Handabdruck vergrößern können
ziehen ca. 70 Teilnehmende in Bad
Godesberg an und zeigen, dass
kontinuierliche Angebote Menschen
dauerhaft binden können.
4. Zusammenfassung und
Handlungsempfehlungen
Der Zwischenbericht der Evaluation der
Bonner Klimaviertel beschreibt den bis-
herigen Umsetzungsstand und ordnet
diesen, vor dem Hintergrund der Ge-
samtstrategie, hinsichtlich seiner Aus-
richtung und Wirksamkeit ein. Der Be-
richt liefert insbesondere konkrete An-
satzpunkte für die Weiterentwicklung
von Maßnahmen und das Gesamtkon-
zept.
Ergebnisse der bisherigen Arbeit
Die qualitative Auswertung von vorlie-
genden Sachberichten aus den Klima-
vierteln, sowie die Auswertung der Daten
aus dem entwickelten, modularen Evalu-
ationsbaukasten, haben sich bewährt.
Die beschriebenen Datenerhebungsme-
thoden haben in der Praxis, trotz der un-
terschiedlichen Ausgangsbedingungen
der Klimavierteln, eine aussagekräftige
Wirksamkeitsmessung hervorgebracht.
Durch die Evaluation zeigen sich kon-
krete Erfolge bei der Zielerreichung:
+ Stärkung sozialer Netzwerke: Die
Foren fördern Begegnung und
Vernetzung im Viertel. Teilneh-
mende berichten: "Wir kennen
uns in den Vierteln und treten in
Kontakt." Dies wurde ebenfalls
über alle Projekte hinweg erreicht
– von interkultureller Begegnung
beim Kochen, Musikinstrumente
bauen und vielen weiterenSeite 33 von 108
18
Bereichen und bis zur Etablierung
des Change Clubs in verschiede-
nen Klimavierteln. Dies zeigt, dass
die Klimaviertel auch als soziale
Infrastruktur funktionieren, die
Verwurzelungen im eigenen Vier-
tel stärken können, nachbar-
schaftliche Begegnung ermögli-
chen und einen direkten Kontakt
zu städtischen Angeboten her-
stellen.
Die Integration von Geflüchteten,
interkulturelle Begegnung, inter-
generationeller Austausch und
Stärkung des nachbarschaftli-
chen Zusammenhalts ziehen sich
dabei als roter Faden durch alle
Projekte. Dies zeigt, dass Klima-
schutz nicht als isoliertes Politik-
feld, sondern als integraler Be-
standteil einer umfassenden
Transformation hin zu lebenswer-
teren, inklusiveren und resiliente-
ren Stadtteilen verstanden wird.
Diese soziale Dimension ist er-
folgskritisch, weil sozialer Zusam-
menhalt eine zentrale Ressource
für kollektives Handeln darstellt
(vgl. Renn et al. 2020). Darüber-
hinaus ist dieser Erfolg auch für
andere Themen und weitere poli-
tische Ziele nutzbar. Ist ein sozia-
les Netzwerk installiert, wird es
auch in anderen Lagen unterstüt-
zend wirken (beispielsweise in
Krisenlagen, wie Starkhitzetagen,
ist in dieser Strukutur kooperati-
ves Handeln in der Bevölkerung
erwartbarer).
+ Selbstwirksamkeit und konkrete
Handlungsmöglichkeiten: Die Fo-
ren haben den Teilnehmenden er-
folgreich neue Ideen und Hand-
lungsansätze vermittelt. Die Ge-
samtschau der Aktivitäten zeigt,
dass besonders praktische For-
mate (Hochbeete anlegen, Instru-
mente aus Recyclingmaterial
bauen, Vogelfutterstationen kon-
struieren) unmittelbare Erfolgser-
lebnisse erzeugten. Der Schlüssel
liegt im "Selbermachen": Nicht
Belehrung, sondern eigene Erfah-
rungen der Selbstwirksamkeit
schaffen Motivation. Der nächste
Schritt besteht darin, Teilneh-
menden das praktische Hand-
werkszeug für die Umsetzung ih-
rer Ideen im eigenen Umfeld zu
geben, um zu weiteren messba-
ren Erfolgen zu kommen.
+ Entwicklung von Vorstellungen
von gutem Leben im Viertel: Die
Zukunftsforen haben gemein-
same Narrative und Zukunftsbil-
der erfolgreich entwickelt. Die
"Zukunftsbäume" aus Beuel und
Bad Godesberg dokumentieren,
dass trotz unterschiedlicher sozi-
aler Ausgangsbedingungen be-
merkenswerte Übereinstimmun-
gen existieren – Wünsche nach
Begegnungsräumen, grüneren
Stadtteilen und sozialem Zusam-
menhalt ziehen sich als roter Fa-
den durch beide Viertel. Dabei
liegt der Fokus nicht auf Verzicht-
narrativen, sondern attraktiven,
motivierenden Zukunftsbildern.
Diese Erkenntnisse bestätigen
sich auch in wissenschaftlicherSeite 34 von 108
19
und populärer Literatur: „Wir
brauchen eine Vorstellung davon,
wie schön eine nachhaltige Ge-
sellschaft sein kann“ (vgl. Schaller
et al. 2023).
Die Auswertung der Zukunftsforen in
Beuel und Bad Godesberg verdeutlicht
das Potenzial partizipativer Formate für
die lokale Transformation und steht da-
mit im Einklang mit entsprechenden Be-
funden der einschlägigen Forschung. Be-
sonders bemerkenswert ist der deutliche
Wissenszuwachs im Rahmen der Zu-
kunftsforen: In Beuel stieg das Verständ-
nis für die Klimaviertelziele um 56 Pro-
zentpunkte, in Bad Godesberg um 18
Prozentpunkte.
Dies zeigt, dass die Ziele und Funktionen
der Klimaviertel grundsätzlich gut ver-
mittelbar sind, wenn Menschen die Gele-
genheit erhalten, sich damit auseinan-
derzusetzen.
Diese Befunde decken sich auch mit den
Ergebnissen der stadtweiten Bonner
Klimabefragung, die eine hohe grund-
sätzliche Bereitschaft zum Klimaschutz
in der Bevölkerung dokumentiert. Die Kli-
maviertel schaffen genau jene nied-
rigschwelligen Beteiligungsmöglichkei-
ten im lokalen Umfeld, die laut Klimabe-
fragung und Onlinebefragung zum Kli-
maplan von vielen Bonner*innen ge-
wünscht werden.
Die Foren erfüllen dabei ihre Kernauf-
gabe als Befähigungs- und Vernetzungs-
räume. Teilnehmende berichten von ge-
stärkten Selbstwirksamkeitsgefühlen,
neuen Handlungsideen und wertvollen
Kontakten. Die hohe Bereitschaft zur
weiteren Teilnahme von 86 bis 94 Pro-
zent unterstreicht die Akzeptanz des
Formats und bietet eine gute Grundlage
für den Aufbau langfristiger Engage-
ment-Strukturen, die vielfältig genutzt
werden können. In diesem Zusammen-
hang ist die Gründung des Change Clubs
in Beuel – einer festen Gruppe von etwa
einem Dutzend Personen, die sich seit-
dem zweimal monatlich trifft – ein sich
aktuell verstetigender erfolgreicher An-
satz.
Erkannte Herausforderungen
Gleichzeitig werden auch Herausforde-
rungen sichtbar: Die begrenzte Alltags-
zeit stellt für viele Bürger*innen das zent-
rale Hindernis für nachhaltiges Engage-
ment dar. Dieser Befund deutet darauf
hin, dass die meisten Bürger*innen keine
zusätzlichen Verhaltensweisen lernen
wollen, sondern bestehende Verhaltens-
weisen modifizieren möchten (beispiels-
weise durch verändertes Kaufverhal-
ten). Die Ideen der Klimaviertel müssen
daher in das bestehende Alltagshandeln
integriert werden können. Dies wird
durch die Praxis der Projekte bestätigt:
Formate, die an konkreten Alltagsthe-
men ansetzten (Essen, Wohnen, Kon-
sum), wurden als direkt umsetzbar wahr-
genommen.
Fast alle Projektberichte thematisieren
zudem die Schwierigkeit der Projekt-
verstetigung. Dies ist ein strukturelles
Problem projektbasierter Förderung.
Kurzfristige Kleinprojekte können Be-
geisterung wecken, aber ohne An-
schlussfinanzierung verpufft die Wir-
kung. Dauerhafte Strukturen (Mitmach-
zentren, regelmäßige Formate, feste
Gruppen) sind wichtiger als viele einma-
lige Projekte.Seite 35 von 108
20
Die unterschiedliche Teilnehmendenzu-
sammensetzung in den Zukunftsforen
macht deutlich, dass zwischen (teils
nicht funktionierender) Zufallsauswahl
und selbstmotivierter Teilnahme diffe-
renziert werden muss, da beide Gruppen
unterschiedliche Voraussetzungen und
Bedarfe mitbringen. Mehrere Projekte
berichten, dass bestimmte Gruppen
schwer zu erreichen sind. Gleichzeitig
zeigt sich, dass Teilnehmende aus der
Zufallsauswahl sich gerne durch moti-
vierte Teilnehmende inspirieren lassen.
Für die Zukunftsforen sind daher For-
mate in Betracht zu ziehen, bei denen
"Zufallsbürger*innen" und "Motivierte"
gezielt kombiniert werden.
Mehrere Projekte reflektieren zudem Ka-
pazitätsgrenzen bei der Öffentlichkeits-
arbeit. Kleine Trägerorganisationen sind
oft Vereine ohne professionelle PR-
Strukturen. Zentrale Unterstützung (z.B.
zentrale Social-Media-Kanäle der Klima-
viertel, professionelle Beratung) könnte
hier helfen.
Die systematische Analyse der Zielbei-
träge zeigt, dass die Projekte sehr gut auf
soziale Ziele einzahlen, aber gewisse
Schwächen bei technischen Zielen (di-
rekte Emissionsreduktion, technologi-
sche Innovationen) aufweisen. Dies ist
nachvollziehbar, weil die Klimaviertel als
Beteiligungsformate konzipiert sind,
nicht als Technik-Förderprogramme. Ihre
Stärke liegt darin, die soziale und kultu-
relle Grundlage für technische Verände-
rungen durch gesteigerte Handlungsab-
sichten zu schaffen.
Handlungsempfehlungen für die Weiter-
entwicklung
Für die Weiterentwicklung der Zukunfts-
foren und anderer Formate ergeben sich
folgende Handlungsempfehlungen:
+ Niedrigschwellige Alltagsintegra-
tion stärken: Formate sollten ver-
stärkt konkrete Handlungsoptio-
nen vermitteln, die sich mit über-
schaubarem Zeitaufwand und
ohne erheblichen Komfortverlust
umsetzen lassen. Der Fokus auf
Quick-Wins und praktisch um-
setzbare Maßnahmen kann die
Lücke zwischen Motivation und
tatsächlichem Handeln verrin-
gern. Die erfolgreichen Formate
zeigen, dass die Kombination von
Wissen, Emotion und prakti-
schem Handeln besonders wirk-
sam ist.
+ Zielgruppenspezifische Ange-
bote verstärken: Die Unter-
schiede zwischen bereits klimaaf-
finen Teilnehmenden und neu er-
reichten Zielgruppen erfordern
differenzierte Formate. Vertie-
fende Workshops für Engagierte
und niedrigschwellige Einstiegs-
formate für Erstinteressierte soll-
ten parallel angeboten werden.
Die Vielfalt der Formate – von
kulturellen Zugängen über prakti-
sche Workshops bis zu partizipati-
ven Formaten – sollte deshalb be-
wusst beibehalten werden, da un-
terschiedliche Menschen unter-
schiedliche Zugänge brauchen.
+ Kontinuität durch Anschlussfor-
mate und Verstetigung sichern:Seite 36 von 108
21
Die hohe Bereitschaft zur weite-
ren Teilnahme sollte durch kon-
krete Folgeangebote genutzt wer-
den. Regelmäßige Treffen, thema-
tische Vertiefungsworkshops oder
projektbezogene Arbeitsgruppen
(wie der Change Club in Beuel)
können die entstandene Motiva-
tion verstetigen. Die Verstetigung
sollte priorisiert werden: Dauer-
hafte Strukturen (z.B. Mitmach-
zentren, regelmäßige Formate,
feste Gruppen) sind wichtiger als
viele einmalige Projekte.
Für die strategische Weiterentwicklung
der Klimaviertel ergeben sich außerdem
folgende Empfehlungen:
+ Organisationsstrukturen versteti-
gen: Die im Rahmen der Fokus-
gruppeninterviews im Frühjahr
2026 zu gewinnenden Erkennt-
nisse über Mitmachzentren und
Begegnungsräume sollten ge-
nutzt werden, um dauerhafte Inf-
rastrukturen für Vernetzung und
Engagement zu etablieren.
+ Professionelle Qualität sicher-
stellen und Träger unterstützen:
Projekte, bei denen professionelle
Fachkräfte (Musiker*innen, Fil-
memacher*innen, Theaterpäda-
gog*innen, BNE-Expert*innen)
die Teilnehmenden anleiteten, er-
zielten hohe Qualität bei gleich-
zeitig hoher Motivation. "Nied-
rigschwelligkeit" bedeutet nicht
"Laienhaftigkeit" – professionelle
Rahmung erhöht die Wertschät-
zung. Gleichzeitig brauchen
kleine Trägerorganisationen
systematische Unterstützung bei
Öffentlichkeitsarbeit, Projektma-
nagement und Evaluation. Zent-
rale Unterstützungsstrukturen
(professionelle Social-Media-Be-
treuung, Verwaltungsservice,
Evaluationsunterstützung) kön-
nen die Träger entlasten, ohne
ihre fachliche Autonomie einzu-
schränken.
+ Erfolge sichtbar machen und tei-
len: Best-Practice-Beispiele aus
den Vierteln sollten stadtweit
kommuniziert werden, um Multi-
plikatoreffekte zu erzeugen.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass
die Klimaviertel den notwendigen gesell-
schaftlichen Wandel „vor der eigenen
Haustür" anstoßen können. Mit gezielten
Weiterentwicklungen und konsequenter
Qualifikation und Supervision, auf Basis
von Evaluation, lässt sich das Transfor-
mationspotenzial der Klimaviertel noch
weiter ausschöpfen. Sind die Strukturen
einmal etabliert, sind diese auch für an-
dere Themen nutzbar.Seite 37 von 108
22
Literaturverzeichnis
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Zukunftsbilder 2045: Eine Reise in die Welt von morgen. oekom verlag. https://www.oe-
kom.de/buch/zukunftsbilder-2045-9783962383862Seite 38 von 108
23
Anhang I: Erganzungen zum Evaluationsbaukasten
Abbildung 7: Indikatoren-Baukasten (Exemplarische Auswahl von drei Zielen und Indikatoren), eigene Darstellung
Abbildung 6: Methoden-Baukasten, eigene DarstellungSeite 39 von 108
24
Anhang II: Weitere Statistiken
50%
0%
36%
14%
Bad Godesberg
Ja Nein Nein, weil ich schon viele Maßnahmen kannte. Keine Angabe
Beuel
75%
3%
9%
13%
Abbildung 8: "Ich habe neue Ideen mitgenommen, wie ich „Nachhaltiges Handeln“ in meinen bestehenden Alltag bes-
ser integrieren kann (z.B. durch Upcycling).", eigene Darstellung
0% 25% 50% 75% 100%
Durch das Forum weiß ich besser, welche
Verbesserungen für eine nachhaltige Entwicklung in
meinem Viertel wichtig sind (z.B. Grünflächen, Mobilität).
Durch das Forum habe ich besser verstanden, dass mein
persönliches, nachhaltiges Handeln wichtig und
notwendig ist.
Ich habe das Gefühl, dass mein persönliches Handeln
einen Einfluss auf nachhaltige Entwicklungen in meinem
Viertel hat.
Klimaschutz ist Teil nachhaltiger Entwicklung – er ist mir
so wichtig, dass ich meine Gewohnheiten überdenke (z.
B. weniger Fleisch essen).
Keine Angabe Trifft gar nicht zu. Trifft nicht zu.
Teils/teils Trifft zu. Trifft voll zu.
Abbildung 9: Bewusstsein und Wahrnehmung Bad Godesberg, eigene DarstellungSeite 40 von 108
25
Abbildung 10: Bewusstsein und Wahrnehmung Beuel, eigene Darstellung
0% 25% 50% 75% 100%
Durch das Forum weiß ich besser, welche
Verbesserungen für eine nachhaltige Entwicklung in
meinem Viertel wichtig sind (z.B. Grünflächen,
Mobilität).
Durch das Forum habe ich besser verstanden, dass
mein persönliches, nachhaltiges Handeln wichtig und
notwendig ist.
Ich habe das Gefühl, dass mein persönliches Handeln
einen Einfluss auf nachhaltige Entwicklungen in
meinem Viertel hat.
Klimaschutz ist Teil nachhaltiger Entwicklung – er ist
mir so wichtig, dass ich meine Gewohnheiten
überdenke (z. B. weniger Fleisch essen).
Keine Angabe Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu
Teils/teils Trifft zu Trifft voll zu
0% 25% 50% 75% 100%
Ich wurde heute motiviert, selbst aktiv zu
werden.
Durch das Forum weiß ich, wie ich selbst
aktiv werden kann.
Keine Angabe Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu
Teils/teils Trifft zu Trifft voll zu
Abbildung 11: Selbstwirksamkeitsgefühl Bad Godesberg, eigene DarstellungSeite 41 von 108
26
0% 25% 50% 75% 100%
Ich wurde heute motiviert, selbst aktiv zu
werden.
Durch das Forum weiß ich, wie ich selbst
aktiv werden kann.
Keine Angabe Trifft gar nicht zu Trifft nicht zu
Teils/teils Trifft zu Trifft voll zu
28%
3%
12%
12%
9%
18%
6%
12% 29%
9%
6%
15%
9%
3%
6%
23%
…mir fehlt die Zeit im Alltag.
…ich weiß nicht genau, wo ich mich einbringen kann.
…mir fehlt das Wissen oder die Erfahrung, um anzufangen.
…ich habe andere Prioritäten oder Verpflichtungen.
…ich kenne niemanden, mit dem ich gemeinsam aktiv
werden könnte.
…ich kenne keine passenden Ang Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 18:04 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de