260103-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Stellungnahme zum Bürgerantrag: Aufnahme von drei Persönlichkeiten in die Straßenbenennungsliste: Käte Strobel, Eva de Maizière, Sofie Garschagen
Kerndaten
- Nummer
- 260103-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 06.03.2026
- Letzte Änderung
- 25.10.2026
Orte
- Theaterplatz Hauptort
- Heiderhof
- Alt-Godesberg
- Hochkreuz
- Bonn
- Bad Godesberg
Beratungsfolge
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 260103-01 ST Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: 63 Bauordnungsamt Dezernat: Dez. III Stellungnahme zum Bürgerantrag: Aufnahme von drei Persönlichkeiten in die Straßenbenennungsliste: Käte Strobel, Eva de Maizière, Sofie Garschagen Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 29.04.2026 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Mit dem Bürgerantrag wird die Aufnahme der drei Namen Käte Strobel, Eva de Maizière und Sofie Garschagen in die vom Rat der Stadt Bonn beschlossene Benennungsliste beantragt. Im Zuge der Erstellung eines gesamtstädtischen Konzepts Erinnerungskultur werden neben den bestehenden Straßennamen auch die Vorschläge für die Benennungsliste wissenschaftlich überprüft und bewertet. Diese Überprüfung und Bewertung sind im Weiteren näher dargelegt. Danach bestehen gegen eine Aufnahme der Namen Käte Strobel und Eva de Maizière keine Bedenken. Von einer Aufnahme des Namens Sofie Garschagen sollte hingegen zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen werden. Grundsätzlich zur Benennungsliste wird darauf hingewiesen, dass die Liste mit circa 100 Vorschlägen derzeit sehr umfangreich ist. Diesen steht aber nur eine begrenzte Anzahl neu zu benennender Straßen gegenüber, sodass konkrete Straßenbenennungen nicht absehbar sind. Sofern sich der Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger dem Antrag hinsichtlich der beiden Namen Käte Strobel und Eva de Maizière anschließt, wird eine entsprechende Vorlage zur Aufnahme der Namen in die Benennungsliste für den Hauptausschuss, der Beschlusskompetenz hat, gefertigt. Die wissenschaftliche Überprüfung und Bewertung der drei genannten Vorschläge wurden mit folgendem Ergebnis durchgeführt: Käte Strobel, geb. Müller wurde 1907 in Nürnberg geboren. Sie war langjährige Bundestagsabgeordnete und die erste Bundesgesundheitsministerin der SPD. Zudem gehörte sie dem EuropäischenSeite 1 von 4 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Parlament an, dessen Vizepräsidentin sie war. Darüber hinaus übernahm sie dort den Vorsitz der sozialistischen Fraktion. Bereits 1921 trat Strobel in die Arbeiterjugend der USDP ein, 1925 wurde sie Mitglied der SPD sowie der sozialdemokratischen Organisation „Kinderfreunde“. 1928 heiratet sie den Schriftsetzer Hans Strobel, der sich ebenfalls politisch engagierte. 1934 wurde ihr Ehemann wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, war zweieinhalb Jahre im Konzentrationslager Dachau inhaftiert und wurde später in ein Strafbataillon eingezogen. Käte Strobel musste ihre beiden Töchter während des Zweiten Weltkriegs unter schwierigen Bedingungen großziehen. Nach 1945 engagierte sie sich erneut politisch in der bayerischen SPD. 1949 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt, dem sie bis 1972 angehörte. Als Bundesministerin für Gesundheitswesen setzte sie sich insbesondere für die Förderung der sexuellen Aufklärung ein. Der vom Ministerium geförderte Aufklärungsfilm „Helga" fand große öffentliche Resonanz, ebenso der veröffentlichte „Sexualkunde-Atlas" für Jugendliche. Von 1958 bis 1966 war Käte Strobel zusätzlich Mitglied des Europäischen Parlaments, unter anderem als Vizepräsidentin und später als Vorsitzende der sozialistischen Fraktion. 1972 schied sie aus dem Bundesministerium und dem Bundestag aus und war anschließend bis 1978 Mitglied des Nürnberger Stadtrats, zeitweise als Vorsitzende der SPD-Fraktion. Käte Strobel verstarb am 1996 in Nürnberg. Auszeichnungen • Bayerischer Verdienstorden (1962), • Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband (1969), • Ehrenbürgerin der Stadt Nürnberg (1980), • Waldemar-von-Knoeringen-Preis (1986), • Bayerische Verfassungsmedaille in Gold (1986), • Benennung einer Straße in Nürnberg, • Sonderbriefmarke in der Serie „Frauen der deutschen Geschichte“ (2000). Bewertung Nach vorläufiger fachlicher Bewertung kann der Name Käte Strobel in die Straßenbenennungsliste aufgenommen werden. Ein unmittelbarer biografischer Bezug zur Bundesstadt Bonn besteht nicht. Der Bonn-Bezug ergibt sich jedoch aus ihrer langjährigen parlamentarischen Tätigkeit im Deutschen Bundestag sowie aus ihrer Funktion als Bundesministerin in der damaligen Bundeshauptstadt. Eva de Maizière, geb. Werner, wurde 1915 in Hannover geboren. De Maizière war ausgebildete Cellistin, Hauswirtschaftslehrerin sowie Malerin und Bildhauerin. 1944 heiratete sie Ulrich de Maizière. Im Jahr 1950 zog die Familie nach Bonn, nachdem ihr Ehemann um Mitarbeit beim Neuaufbau der Streitkräfte gebeten worden war. Eva de Maizière brachte vier Kinder zur Welt, darunter den späteren Bundesminister Thomas de Maizière. Nach zwischenzeitlichen, familiär bedingten Wohnortwechseln kehrte die Familie 1964 nach Bonn zurück. Die de Maizières lebten im Ortsteil Heiderhof in Bad Godesberg. Seit Beginn der 1970er Jahre intensivierte Eva de Maizière ihre künstlerischeSeite 2 von 4 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Ausbildung. Sie nahm Unterricht im Malen und Aktzeichnen sowie Modellier- und Töpferkursen in Hannover, München, Mailand und Bonn. 1977 besuchte sie die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. In den frühen 1980er Jahren war sie zudem als Mallehrerin in Brasilien, Westafrika, Spanien, Israel und in der DDR tätig. Insgesamt sind über 90 Ausstellungen im In- und Ausland dokumentiert. Eva de Maizière war Mitglied im Bonner Kunstverein sowie in der Fédération Internationale Culturelle Féminine. Sie verstarb im Jahr 2003. Eva de Maizière ist gemeinsam mit ihrem Ehemann auf dem Waldfriedhof Heiderhof in Bonn beigesetzt. Kunstwerke im Bonner Stadtgebiet (Auswahl) • 1978: Bonn, Ortsteil Alt-Godesberg, Theaterplatz, Begegnung (Auftraggeber: Stadt Bonn) • 1986/1987: Bonn, Ortsteil Heiderhof, Mädchen, im Garten stehend (im April 2008 als Schenkung an den Bürgerverein Heiderhof übergeben) • 1987: Sankt Augustin, Skulptur Geschwister am Eingang der Kinderklinik • Bonn, Ortsteil Heiderhof, Immanuelkirche, Kreuz auf dem Altar • Bonn, Ortsteil Heiderhof, Friedhofskapelle, Kruzifix Bewertung Nach vorläufiger fachlicher Bewertung kann der Name Eva de Maizière (weiblich mit Bonn-Bezug) in die Straßenbenennungsliste aufgenommen werden. Im Zusammenhang mit der Person ist jedoch auf ihren Ehemann Ulrich de Maizière (1912-2006) hinzuweisen. Er war ein deutscher Offizier der Wehrmacht und diente in den letzten Kriegsmonaten des Zweiten Weltkriegs als Erster Generalstabsoffizier in der Operationsabteilung des Generalstabs des Heeres. Nach dem Krieg war Ulrich de Maizière am Aufbau der Bundeswehr beteiligt und wurde später Generalinspektor der Bundeswehr. Sein Biograf John Zimmermann (2012) verweist darauf, dass Ulrich de Maizière seine Rolle in der Wehrmacht nur eingeschränkt kritisch reflektierte. Zugleich weist er aber auch darauf hin, dass de Maizière nach der Kriegsgefangenschaft zu denjenigen zählte, die ihre Haltung überprüften und sich aktiv für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft einsetzten. Sofie Garschagen wurde 1856 in Elberfeld geboren. Sie war einer Verfechterin der vegetarischen Ernährung in Verbindung mit alternativen Heilmethoden. Im Jahr 1904 eröffnete sie in ihrer Geburtsstadt Wuppertal-Elberfeld eine Pension mit Kuranwendungen und vegetarischer Diätkost. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten – unter anderem wegen anhaltender Auseinandersetzungen mit der Verwaltung – verlegte sie ihren Wirkungsort im Jahr 1910 nach Godesberg. Dort führte sie ihre Tätigkeiten zunächst räumlich getrennt weiter. 1918 vereinte sie beide Bereiche in der Villa Rosenburg unter der Bezeichnung „Vegetarisches Kurhaus“. Anlässlich ihres 70. Geburtstages im Jahr 1926 erschien eine Würdigung im General-Anzeiger Bonn. Zudem veröffentlichte Hedwig Neumeier ein „Vegetarisches Kochbuch“ mit einem Porträt Garschagens sowie „erprobten Rezepten aus dem Kurhaus Garschagen in Godesberg am Rhein“. Sofie Gerschagen verstarb im Jahr 1938 und wurde auf dem Friedhof Godesberg Hochkreuz (heute: Zentralfriedhof) beigesetzt.Seite 3 von 4 Seite 4Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Bewertung Nach derzeitigem Kenntnisstand liegen zur Person Sofie Garschagen lediglich zwei Aufsätze aus dem Umfeld örtlicher Geschichtsvereine vor. Diese bieten jedoch keine ausreichende Grundlage für eine fundierte fachliche Bewertung. Darüber hinaus ist die Rolle von Garschagen und ihrer Familie während der Zeit des Nationalsozialismus nicht hinreichend belegt. Das von ihr gegründete Kurhaus wurde in dieser Zeit als „rein arisches Unternehmen“ geführt. Von einer Aufnahme in die Straßenbenennungsliste ist daher zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen. Sofern künftig eine breitere wissenschaftliche Aufarbeitung beziehungsweise zusätzliche Publikationen vorliegen, kann eine erneute Stellungnahme erfolgen. Beschlussvorschlag für den Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger: Der Ausschuss nimmt Kenntnis von der Stellungnahme der Verwaltung und befürwortet die vorgeschlagene Vorgehensweise. Mit diesem Votum ist das in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von Bürgeranträgen vorgesehene Verfahren abgeschlossen. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 01:55 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de