← Vorlagen

253725 · Dringlichkeitsantrag

Stellungnahme des Naturschutzbeirates zum Biodiversitätskonzept der Bundesstadt Bonn

Nummer
253725
Art
Dringlichkeitsantrag
Veröffentlicht
05.09.2025
Letzte Änderung
30.10.2026
  • Dottendorf Ortsteil· Bonn Hauptort
  • Bonn Stadtbezirk
  1. Einreichung erledigt · 05.09.2025
  2. Terminierung erledigt
  3. Sitzung erledigt · zuletzt 03.09.2025

Soweit erfasst. Das Ergebnis der Beratung ist in den Daten nicht enthalten. Das vollständige Verfahren →

  1. Sitzung des Naturschutzbeirates 03.09.2025 Entscheidung federführend
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 71,2 KB Öffnen ↗

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (6.230 Zeichen)
Dringlichkeitsantrag
öffentlich
253725
Antragsteller/in:
Herr Kehren - Vorsitzender
03.09.2025
Stellungnahme des Naturschutzbeirates zum
Biodiversitätskonzept der Bundesstadt Bonn
Beratungsfolge
Naturschutzbeirat 03.09.2025 Entscheidung
Inhalt des Dringlichkeitsantrags
Die nachfolgende Stellungnahme des Arbeitskreises des Naturschutzbeirates
wird beschlossen:
Der Naturschutzbeirat begrüßt, dass die Stadt Bonn eine Biodiversitätsstrategie
mit dazugehörigem Aktionsprogramm erarbeitet hat. Allerdings erscheint das
Ergebnis weit hinter dem Möglichen zurück und wird, weil in allen Punkten vage
bleibend und nicht über Gemeinplätze herausgehend kaum dazu beitragen
können, den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten. Die Biodiver-
sitätsstrategie bleibt aufgrund von verschiedensten Einschränkungen in weiten
Teilen zu unverbindlich. Der Naturschutzbeirat fordert die Stadt Bonn auf, ihre
Biodiversitätsstrategie auf die konkreten Gefährdungen der biologischen Vielfalt
in Bonn zu fokussieren, messbare Ziele für Arten und Lebensräume zu formu-
lieren und Erfolge und Misserfolge der Maßnahmen zu erheben um bei der ge-
planten Überarbeitung des Aktionsprogramms sowie eine Überarbeitung der
Biodiversitätsstrategie nachbessern zu können.
Außerdem fordert der Naturschutzbeirat die grundsätzliche Verwendung von
einheimischen Wildpflanzen auf Grünflächen, nicht nur bei Einsaaten, sondern
auch bei Baumpflanzungen und in Staudenmischpflanzungen, da einheimische
Wildpflanzen die biologische Vielfalt auf Grund der Koevolution von Fauna,
Flora und Mikrobiom am besten fördern, gerade auch in der Klimakrise (Auf-
derheide et. al. 2024, Schuch et al. 2024).
Im Einzelnen begründet der Naturschutzbeirat seine Kritik an folgenden Bei-
spielen:
In der Biodiversitätsstrategie werden die globalen und nationalen Bedrohungen
der biologischen Vielfalt ausführlich referiert, eine Erhebung des Ist-Zustandes
im Bereich der Stadt Bonn erfolgt nur sehr oberflächlich, indem die vorhande-
nen Schutzgebiete und Verantwortungsarten vorgestellt werden. Über den Zu-
stand der biologischen Vielfalt wird nur festgestellt, dass sich in Bonn „eine
große Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten ausgesprochen wohlfühlt“. Dass der
Zustand der biologischen Vielfalt in Bonn nicht in den Blick genommen wird, ist
schon am Literaturverzeichnis erkennbar, in dem sogar der Biodiversitätsbe-
richt aus dem Jahr 2008 nicht erscheint. Auch leicht verfügbare Veröffentli-
chungen wie die von Liesen et al. (2021) über den Rückgang zahlreicher Vo-
gelarten in Dottendorf seit den 1960er Jahren werden übersehen.Seite 1 von 3
Seite 2
Einen großen Raum nimmt die Darstellung vorhandener Planungen und Kon-
zepte ein, die als der Weg von der Theorie zur Praxis dargestellt werden. Die
vorhandenen Konzepte und Planungen haben aber bis jetzt noch nicht zu einer
Trendwende geführt. Konzept- und Maßnahmenentwicklung sind außerdem nur
ein erster Schritt und müssen mit einem Monitoring des Erfolges verbunden
werden. So bezieht sich die Evaluation des Aktionsprogrammes Biodiversität
aus dem Jahr 2010 ausschließlich auf die Frage, ob die geplanten Maßnahmen
umgesetzt wurden, nicht, ob sich der gewünschte Erfolg der Maßnahmen ein-
gestellt hat. Auch im aktuellen Aktionsprogramm wird nicht deutlich, dass und
wie der Erfolg der Maßnahmen überprüft werden soll.
Die wichtigste Herausforderung, nämlich Flächenverbrauch und Zerstörung von
Lebensräumen zu vermindern, wird explizit ignoriert: „Gleichzeitig soll durch
den Biodiversitätsschutz das geltende Baurecht möglichst nicht eingeschränkt
werden. Der Biodiversitätsschutz im bebauten Bereich wird oftmals bereits auf
Ebene von Plänen und Projekten sowie bei Genehmigungsverfahren berück-
sichtigt“ Die langjährige Erfahrung des Naturschutzbeirates ist, dass die Belan-
ge von Natur und Landschaft in der Regel nur unzureichend in die Planungen
einfließen. Da hilft auch keine „Anwendung erprobter Planungsprinzipien“.
Ein ähnliches Vermeiden von tatsächlicher Veränderung wird bei der Umset-
zung des Beschlusses des Rates der Stadt Bonn aus dem Jahr 2019, dass
landwirtschaftliche Flächen im Besitz der Stadt vorrangig ökologisch bewirt-
schaftet werden sollen, und für den derzeit, also nach 6 Jahren, ein „Kriterien-
katalog“ entwickelt wird, deutlich: „Die Erfahrung zeigt, dass neben der vorran-
gigen ökologischen Bewirtschaftung auch weitere ökologische, ökonomische
und soziale Kriterien berücksichtigt werden sollten.
Wir begrüßen, dass Planungs- und Bildungsarbeit einen hohen Stellenwert ha-
ben. Etwa die Hälfte der Maßnahmen (23) können der Kommunikation, Bildung
und Öffentlichkeitsarbeit zugeordnet werden. Man kann aber nicht davon aus-
gehen, dass Bürgerinnen und Bürger die biologische Vielfalt retten werden,
wenn sie nur gut genug informiert werden, die Bereitschaft zu einer Transfor-
mation des kommunalen Handelns ist prioritär und wird vermisst. Als Verwal-
tungshandeln werden in der Regel Maßnahmen beschrieben, zu denen die
Stadt Bonn auf Grund von geltendem Recht sowieso verpflichtet ist (z.B. Ge-
wässer-WRRL).
Die als „Bonner Stadtbaumliste“ fungierende „Liste der Zukunftsbäume“ der
GALK (Gartenamtsleiterkonferenz) hat nicht die Förderung der Biologischen
Vielfalt zum Ziel. Das zeigen die u.g. Arbeiten von Schuch et al. (2024) und
Aufderheide et al. (2024).
Quellen:
Ulrike Aufderheide, Christoph Peters, Karsten Mody, Heinke Marxen-Drewes
(2024): Zukunfts- und Klimabäume: Wie gut sind die Arten zur Förderung der
Biodiversität geeignet? Naturschutz und Landschaftsplanung 56(8), 14-23
Liesen, Jörg & Specht, Rudolf & Stefan, Abrahamczyk & Katz, Eva-Christina &
Stiels, Darius. (2021). Altes neu entdeckt - Bonn-Dottendorf heute und vor 50
Jahren: Städtische Vogelgemeinschaft im Wandel. Der Falke 68 (7), 30-33.
Schuch, Sebastian & Kahnis, Tobias & Floren, Andreas & Dorow, Wolfgang &
Rabitsch, Wolfgang & Gossner, Martin & Blank, Stephan & Liston, Andrew &
Segerer, Andreas & Sobczyk, Thomas & Nuss, Matthias. (2024). Die Bedeu-Seite 2 von 3
Seite 3
tung von Gehölzen für einheimische, phytophage Insekten. The importance of
woody plants for native, phytophagous insects. Natur und Landschaft 99(4),
174-179
Begründung
Erfolgt mündlich.
Anlage/n
KeineSeite 3 von 3

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 02.11.2026, 19:27 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de