253014 · Beschlussvorlage
Integriertes Klimaanpassungskonzept (KLAKi) für die Stadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 253014
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 21.05.2025
- Letzte Änderung
- 01.11.2026
Orte
- Zentrum-Rheinviertel Hauptort
- Berliner Platz
- Schützenstraße
- Mainzer Straße
- Endenicher Allee
- Reuterstraße
- F
- Theaterplatz
- Sternstraße
- Markt
- Budapester Straße
- Stiftsplatz
- Bischofsplatz
- Auerberger Mitte
- Kurfürstenplatz
- Clemens-August-Platz
- Moltkeplatz
- Dorothea-Erxleben-Weg
- Dorotheenstraße
- Nonnstraße
- Rheingasse
- Kölnstraße
- Wilhelmsplatz
- Sankt Augustiner Straße
- Combahnstraße
- Poppelsdorfer Platz
- Römerstraße
- Nordfriedhof
- Am Sonnenberg
- Königsberger Weg
- Morseweg
- Gaußstraße
- Schlesienstraße
- Landgrabenweg
- Alt-Godesberg
- Venusberg
- Buschdorf
- Weststadt
- Beuel-Ost
- Endenich
- Kessenich
- Pennenfeld
- Vilich-Müldorf
- Auerberg
- Küdinghoven
- Poppelsdorf
- Nordstadt
- Brüser Berg
- Tannenbusch
- Vilich
- Bonn
- Bad Godesberg
- Beuel
- Hardtberg
- Kottenforst
- Ennert
- Baumschulviertel
- Vor dem Sterntor
- Wichelshof
- Godesberg-Zentrum
- Neu-Tannenbusch
- Alt-Tannenbusch
- Duisdorf-Zentrum
- Bonner Talviertel
- Rheinaue
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Verwandte Vorlagen
Untergeordnet
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (100.000 Zeichen)
Beschlussvorlage öffentlich 253014 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Integriertes Klimaanpassungskonzept (KLAKi) für die Stadt Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 04.06.2025 Empfehlung Rat 03.07.2025 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Der Rat beschließt das integrierte Klimaanpassungskonzept als strategischen Rahmen zur Stärkung der kommunalen Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels. Klimaanpassung soll als ein leitendes Ziel dauerhaft in das Verwaltungshandeln eingebunden werden. Bei relevanten Entscheidungs- und Planungsprozessen – insbesondere in flächenbezogenen Verfahren – ist sie systematisch zu berücksichtigen. Dies erfolgt im Sinne eines integrierten Verwaltungshandelns, welches beabsichtigt, die Klimaanpassung mit anderen öffentlichen Zielen in Einklang zu bringen. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen des Förderschwerpunkts A2 der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) eine Anschlussförderung zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts zu beantragen. 3. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Konzept dargestellten Maßnahmensteckbriefe – vorbehaltlich verfügbarer personeller und finanzieller Ressourcen sowie technischer Umsetzbarkeit – schrittweise umzusetzen. Begründung Die Verwaltung informierte zuletzt anhand der DS 241621 über den aktuellen Stand der Erarbeitung des integrierten Klimaanpassungskonzeptes (Klaki) für Bonn. Das Konzept wird im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie gefördert – bislang im Schwerpunkt A1 – und umfasst die Finanzierung einer Personalstelle für das Klimaanpassungsmanagement sowie die Unterstützung durch ein externes Büro für die Projektlaufzeit. Die aus dem Bundesklimaanpassungsgesetz (KAnG) hervorgehende Pflicht für die Erstellung von Klimaanpassungskonzepten wurde in Nordrhein-Westfalen bisher nicht vom Land auf die Kommunen übertragen. Mit dem jetzt vorgelegtenSeite 1 von 163 Seite 2 Konzept kommt die Stadt Bonn dieser sich abzeichnenden Verpflichtung zuvor und schafft damit die konzeptionelle Basis, die Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und wichtige Förderzugänge für die Durchführung von Klimaanpassungsmaßnahmen sowie die Fortführung des Klimaanpassungsmanagements zu eröffnen. Bonn verfügt bereits über umfangreiche Grundlagen: Neben gesamtstädtischen Planungsgrundlagen wie etwa der Starkregengefahrenkarten und der Planungshinweiskarte “Hitze” auf Basis der Stadtklimaanalyse existieren verschiedene Fachkonzepte wie der Bonner Freiraumplan, das Schwammstadtkonzept und das Stadtbaumkonzept. Zahlreiche Projekte in den Bereichen Stadtgestaltung und Begrünung unterstreichen das Engagement der Stadt Bonn in Sachen Klimaanpassung. Dennoch zeigen nicht zuletzt die Ergebnisse aus dem Projekt MUTABOR (DS 231924), dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um den Herausforderungen des Klimawandels vollumfänglich zu begegnen. Vor diesem Hintergrund fasste der Stadtrat den Zielbeschluss zur Klimaanpassung (DS 231893), betonte die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Vorsorge bei Hitze, Starkregen und Trockenheit sowie zur Reduktion der Vulnerabilität deutlich zu intensivieren und beauftragte die Verwaltung damit, ein Klimaanpassungskonzept sowie einen Hitzeaktionsplan mit konkreten zielführenden Maßnahmen auszuarbeiten. Der Hitzeaktionsplan, welcher derzeit federführend durch das Gesundheitsamt erarbeitet wird, konzentriert sich spezifisch auf den Gesundheitsschutz während Hitzewellen und richtet sich vorrangig an besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen (DS 220226). Das vorliegende Klimaanpassungskonzept verfolgt einen langfristigen, strategischen Ansatz zur Anpassung an vielfältige Klimafolgen wie Hitze, Starkregen oder Trockenheit und formuliert vor allem strukturelle und planerische Maßnahmen. Neben zentralen Handlungsfeldern in Anlehnung an die Deutsche Anpassungsstrategie adressiert das Klimaanpassungskonzept vor allem die Intensivierung der Kommunikationsarbeit. Die Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung soll nach Möglichkeit in relevante Verwaltungsprozesse integriert werden, um eine nachhaltige und kosteneffiziente Umsetzung zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang wurde identifiziert, in welchen Bereichen bisher Klimaanpassungsaspekte berücksichtigt werden und wo noch Ergänzungsmöglichkeiten bestehen. Ziel ist es, diese Prozesse sukzessive klimaangepasst zu erweitern – etwa durch Klärung von Zuständigkeiten, Beantwortung organisatorischer sowie rechtlicher Fragestellungen sowie durch Abstimmung von Standards. Auf Grundlage des beschlossenen Konzepts kann eine Folgeförderung (Förderschwerpunkt A2) für das Klimaanpassungsmanagement für weitere 36 Monate beantragt werden. Die in diesem Zusammenhang geförderte Personalstelle ist erforderlich, um die beschriebenen Abstimmungen hin zu Prozessstandards für die Klimaanpassung begleiten zu können sowie die Aktivitäten im Bereich der Kommunikation auszubauen. Daneben fällt das Controlling und die Berichterstattung in das Aufgabenspektrum des Klimaanpassungsmanagements. Der Bund als Fördergeber hat erkannt, dass das Klimaanpassungsmanagement als zentrale steuernde Stelle für den ErfolgSeite 2 von 163 Seite 3 der Weiterentwicklung der interdisziplinären Querschnittsaufgabe der Klimaanpassung essentiell ist. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, im Zuge der Umsetzung eine investive Förderung für eine ausgewählte Maßnahme zu beantragen. Damit über das Klimaanpassungsmanagement für die Umsetzung erster Maßnahmen auch kurzfristig Finanzmittel zur Verfügung stehen, wurden für den Doppelhaushalt 2025/2026 Mittel angemeldet. Diese Mittel sollen einen raschen Start der Maßnahmen unterstützen, reichen jedoch nicht aus, um sämtliche aufgeführte Maßnahmen umzusetzen. Zudem wurden mit dem Änderungsantrag DS 240986-93 zur Einbringung der Haushaltssatzung für die Haushaltsjahre 2025/2026 u.a. investive Mittelansätze für die Steigerung der Biodiversität und Klimaanpassung sowie für die Schwammstadt in Höhe von 200.000€ für das Jahr 2025 und von 300.000€ für das Jahr 2026 beschlossen. Im Zuge der Realisierung sind ergänzende Fördermittel oder zusätzliche Anmeldungen für den Doppelhaushalt 27/28 notwendig. Zur Schonung des städtischen Haushalts werden bei der Umsetzung geeignete Möglichkeiten geprüft, um Fördermittel gezielt zur Finanzierung einzusetzen oder vorhandene Haushaltsmittel zu ergänzen. Die Verwaltung weist abschließend in aller Deutlichkeit darauf hin, dass eine Weiterentwicklung der Klimaanpassung dringend erforderlich ist und ein „Weiter wie bisher“ nicht ausreicht, um die Folgen des Klimawandels wirksam zu bewältigen (vgl. Ergebnisse des Projektes MUTABOR DS 231924). Gleichzeitig bestehen erhebliche Hemmnisse, insbesondere durch die angespannte Haushaltslage, Fachkräftemangel in der Verwaltung und die damit verbundenen Einschränkungen bei der Finanzierung und personellen Ausstattung für die Umsetzung der Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund ist ein pragmatisches Vorgehen erforderlich, das auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen eine Weiterentwicklung der Klimaanpassung ermöglicht. Das von der Verwaltung vorgelegte integrierte Klimaanpassungskonzept zeigt mit der prozessorientierten Umsetzung einen Weg auf, Klimaanpassung ohne eine Vielzahl von neuen Einzelprojekten und Personalstellen standardisiert umzusetzen. Dies erfordert von allen beteiligten Stellen, die bestehenden Herausforderungen durch den Klimawandel anzuerkennen, neue Lösungsansätze zu entwickeln, Synergien zu nutzen und Prozesse effizienter zu gestalten. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass neben der Finanzierungsfrage insbesondere die Akzeptanz für Maßnahmen eine entscheidende Rolle spielt. Nur wenn es gelingt, breite Zustimmung in der Stadtgesellschaft zu gewinnen, können Maßnahmen langfristig erfolgreich umgesetzt werden. Angesichts der zentralen Bedeutung der Akzeptanz bei Projekten zur klimaangepassten Stadtumgestaltung soll die Zusammenarbeit mit den für die Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Bereichen weiter intensiviert werden. Eine verstärkte Abstimmung und gegenseitige Unterstützung können wesentlich dazu beitragen, die Akzeptanz der Maßnahmen zu fördern und den Erfolg der Projekte nachhaltig zu sichern. Bestehende Schnittstellen sollen gezielt genutzt und ausgebaut werden, um die Grundlagen für eine wirksame und tragfähige Umsetzung weiterzuentwickeln.Seite 3 von 163 Seite 4 Die Auszahlung steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Haushaltes 2025/2026 durch die Bezirksregierung Köln. Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.14 Umweltschutz 1.14.03 Umweltvorsorge und - planung Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen 140.000 € 140.000 € 100.000 € 150.000 € 100.000 € 150.000 € 5560014033000/789100 5680013011600/785200 5680013014000/785200 2025 2026 2025 2026 2025 2026 Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 60.000 € 60.000 € 156001403/721000 156001403/721000 2025 2026 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich Anlage/n 1 Klaki_Bonn (öffentlich)Seite 4 von 163 Seite 5 von 163 Seite 6 von 163 Auftraggeberin: Stadt Bonn Amt für Umwelt und Stadtgrün Klimaanpassung und -vorsorge (67-41) Berliner Platz 2 53111 Bonn Ansprechpartnerinnen und Bearbeitung: Jessica Löffler Nadine Walkembach Lea Gockel Projektbearbeitung: Prof. Dr. Martin Berchtold M.Sc. Lena Aumüller M.Sc. Magnus Heilmann M.Sc. Sarah Zwanzger Schützenstraße 8a 76137 Karlsruhe mail@berchtoldkrass.de www.berchtoldkrass.de Förderinformationen: Bonn, Mai 2025 IMPRESSUMSeite 7 von 163 INHALTSVERZEICHNIS 1. Warum ein Konzept zur Klimaanpassung 2 • Ablauf der Erarbeitung 4 2. Bonn und der Klimawandel 6 • Bonns besonderes Klima 6 • Oft zu nass und dann wieder zu trocken - Klimwandel in Bonn 8 • Es wird heißer 8 • Zu viel Wasser auf einmal 10 • Dauerhaft eher zu wenig Wasser 11 3. Darauf lässt sich aufbauen: ein Blick auf schon Erarbeitetes 12 • Scheinwerfer auf: Die Bonner Biodiversitätsstrategie 17 • Scheinwerfer auf: internationale Aktivitäten 18 • Klimarisiken im Fokus – Die Betroffenheitsanalyse für Bonn 20 4. Bonn macht mit! Die Beteiligung zur Klimaanpassung 24 • Gemeinsam, wirkungsvoll, umsetzen – Die Ämterbeteiligung 24 • Drei Workshops – ein gemeinsamer Lernprozess 24 • Scheinwerfer auf: Hitzevorsorge in der verbindlichen Bauleitplanung 27 • Der Weg zur Umsetzung 30 • Klimaanpassung – einfach machen! Die Öffentlichkeitsbeteiligung 30 • Gemeinsam wird´s gut! Die Stakeholder-Beteiligung 34 • Unsere Zukunft läuft heiß! Die Schüler*innenbeteiligung 35 5. Gesamtstrategie 38 • Zunächst - eine Positionsbestimmung 38 • Richtungsweisend - Ziele der Klimaanpassung 45 • Bonn bleibt cool - Hitzevorsorge 45 • Bonn sitzt nicht auf dem Trockenen - Trockenheitsvorsorge 46 • Bonn lässt niemanden im Regen stehen - Starkregenvorsorge 47 • Gemeinsam klimafit – Vulnerabilität reduzieren 47 • Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft 48 • Gesamtstrategie zur Klimaanpassung 50Seite 8 von 163 6. Der Kern des Ganzen – Der Maßnahmenkatalog 52 7. Wissen schafft Veränderung! Die Kommunikationsstrategie 108 • Kommunikation nach außen 108 • Schritt für Schritt – zu Bewusstsein, Akzeptanz und Umsetzung 110 • Ausgestaltung der Kommunikationsarbeit 118 • Gut aufgestellt – Kommunikation innerhalb der Verwaltung 119 8. Erkennen, wo es klemmt: Das Monitoring 120 • Echte Werte! Die Indikatoren 120 • Der Einstieg: Monitoring zur Klimaanpassung, die Erste! 123 • Wohin die Reise geht! Die Monitoring-Vision 124 9. Kurz und kompakt: Der Fahrplan zu mehr Klimaanpassung 125 • Der Zeitplan 125 • Der Finanzplan 128 10. Wie geht es weiter? 131 11. Anhang I • Bausteine der Klimaanpassung II • Der Bonner Klimaatlas XISeite 9 von 163 ABBILDUNGEN Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch; Quelle: Benjamin Westhoff 1 Abb. 2: Aufbau des Konzeptes; Darstellung berchtoldkrass space&options 5 Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag (PET) (rechts), Quelle: Geo-Net 7 Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019; Quelle: Bundesstadt Bonn 8 Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr; Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW 8 Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW; Quelle: LANUK NRW nach DWD 8 Abb. 7: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET) (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET) (rechts); Quelle: Geo-Net 9 Abb. 9: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024; Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 10 Abb. 8: Überflutung Mainzer Straße; Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt 10 Abb. 10: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024; Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 11 Abb. 11: Übersicht über bestehende relevante Konzepte und Planungen der Stadt Bonn; Darstellung: berchtoldkrass 13 Abb. 12: Sitz der UN in Bonn Planungen; Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 18 Abb. 13: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu verschiedenen Themen von Resilienz; Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 19 Abb. 14: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszentrum Cape Coast (Ghana) mit jungen Klimabotschaftler*innen; Quelle: Julia Merkelbach 19 Abb. 15: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und das Umweltzebra von La Paz erklären Kindern den Klimawandel; Quelle: Julia Merkelbach 19 Abb. 16: Thermische Hot Spots - überzeichnet auf Basis der Planungshinweiskarte; Quelle: berchtoldkrass 20 Abb. 17: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete; Quelle: Bundesstadt Bonn 20 Abb. 18: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung von Gebieten mit besonders hohen Wasserstandstiefen nach Starkregenereginissen; Quelle: Bundesstadt Bonn; berchtoldkrass 21 Abb. 19: Personen unter 6 Jahre (ab 3 Personen/ha): Quelle: berchtoldkrass 22 Abb. 21: Gesamtbevölkerungsdichte (ab 65 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22 Abb. 20: Personen in Grundsicherung (ab 3 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22 Abb. 22: Personen über 65 Jahre (ab 10 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22 Abb. 23: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22 Abb. 24: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren; Quelle: berchtoldkrass 23 Abb. 25: zeitliche Abfolge der Beteiligungsformate; Darstellung: berchtoldkrass 24 Abb. 26: Einblick in die Bürgerbeteiligung; Quelle: Bundesstadt Bonn 30 Abb. 27: Einblick in die Bürgerbeteiligung II; Quelle: Bundesstadt Bonn 30 Abb. 28: online Beteiligung auf bonn-macht-mit.de; Quelle: Bundesstadt Bonn 31 Abb. 29: Maßnahmen pro Stadtbezirk; Darstellung berchtoldkrass 31Seite 10 von 163 Abb. 30: Priorisierung der Maßnahmensteckbriefe durch die Teilnehmenden der zweiten Beteiligungsphase; Darstellung: berchtoldkrass 32 Abb. 31: Wünsche von Unterstützungsmöglichkeiten durch die Stadt; Darstellung: berchtoldkrass 33 Abb. 32: Informationsbedarf durch Kanäle; Darstellung: berchtoldkrass 33 Abb. 33: konkrete Ideen zur Klimaanpassung; Darstellung: berchtoldkrass 33 Abb. 34: Anzahl der Maßnahmen aus dem Stakeholderdialog; Quelle: berchtoldkrass 34 Abb. 35: Themen aus der Schüler*innenbeteiligung; Darstellung: berchtoldkrass 35 Abb. 36: Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft: Herausforderungen und Lösungswege für die Bonner Stadtverwaltung; Quelle: Doris Kube 49 Abb. 37: Zukunftsbild der klimaangepassten Stadt Bonn; Quelle: berchtoldkrass 53 Abb. 38: Handlungsfelder der Klimaanpassung; Quelle: berchtoldkrass 54 Abb. 39: Aussenansicht Windeckbunker; Quelle: Isabel Klotz/Bundesstadt Bonn 56 Abb. 40: Regentonne im Garten; Quelle: Schulzie/Adobe Stock 58 Abb. 41: Dachbegrünung und Solarpanele; Quelle: Ren Notenbomer/Adobe Stock 60 Abb. 42: Bundesministerium für Umwelt Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz; Quelle: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn 62 Abb. 43: Visualisierung der bevorstehenden Neugestaltung des Stiftsplatzes Bonn-Innenstadt; Quelle: scape Landschaftsarchitekten GmbH 64 Abb. 44: Staudenbeete Stadtpark Godesberg; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 66 Abb. 45: Baumpflanzung; Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 68 Abb. 46: Endenicher Allee; Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 70 Abb. 47: Reuterstraße; Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 72 Abb. 48: begrüntes Wetterschutzhäuschen; Quelle: Martin Magunia/Stadtwerke Bonn 74 Abb. 49: Alter Friedhof; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 78 Abb. 50: Kleingartenverein Bonn-Süd e.V.; Quelle: TGP Landschaftsarchitekten 80 Abb. 51: Bachlauf im Kottenforst; Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 82 Abb. 52: Muldenversickerung Panoramapark; Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 84 Abb. 53: Spielnetz Panoramapark; Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 86 Abb. 54: Karlschule Visualisierung; Quelle: MUST Städtebau 88 Abb. 55: Reuterpark; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 90 Abb. 56: Trinkwasserbrunnen; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 92 Abb. 57: Beratungsstand; Quelle: Doris Kube 94 Abb. 58: Pflanzeninsel Paulusschule; Quelle: Sascha Engst/ Bundesstadt Bonn 96 Abb. 59: Infotafeln; Quelle: Nadine Walkembach/Bundesstadt Bonn 100 Abb. 60: Beispiel Projektkarte Schwammstadt; Quelle: links (von oben): MUST Städtebau GmbH, Bundesstadt Bonn; rechts (von oben):KGS am Domhof, scape Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH, SWB/Benjamin Westhoff 104Seite 11 von 163 Abb. 61: Kommunikationsziele; Darstellung Bundesstadt Bonn und berchtoldkrass angelehnt an Prutsch et al., 2014 Prutsch, A.; Glas,N.; Grothmann,T.; Wirth,V.; Dreiseitl-Wanschura,B.; Gartlacher, S.; Lorenz,F. & Ger- lich,W.: Klimawandel findet statt. Anpassung ist nötig. Ein Leitfaden zur erfolgreichen Kommunikation. Umweltbundesamt, Wien, 2014, S.4 109 Abb. 62: Beispielhafte Darstellung der Projektkarte zur Klimaanpassung; Quelle: links (von oben): MUST Städtebau GmbH, Bundesstadt Bonn; Bildrechte rechts (von oben): KGS am Domhof, scape Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH, SWB/Benjamin Westhoff 110 Abb. 63: Geplante Maßnahmen zur Bewusstseinsstärkung und Sensibilisierung (Ziel 1); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 111 Abb. 64: Geplante Maßnahmen zur Aktzeptanzsteigerung (Ziel 2); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 112 Abb. 65: Geplante Maßnahmen zur Stärkung der Handlungskompetenz bei Hitze (Ziel 3); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 114 Abb. 66: Geplante Maßnahmen der Risikokommunikation zur Starkregen- und Hochwasservorsorge (Ziel 3); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 115 Abb. 67: Geplante Maßnahmen zur Erhöhung der Motivation, selbst aktiv zu werden im Bereich Klimaanpassung (Ziel 4); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 117Seite 12 von 163 Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch Quelle: Benjamin Westhoff VORWORT Liebe Bonner*innen, liebe Interessierte, die Klimakrise ist längst keine ferne Bedrohung mehr – sie ist Realität. Mit wachsender Dringlichkeit führen uns Extremwetterereignisse rund um den Globus ihre Konsequenzen vor Augen. Auch hier in Bonn spüren wir die Aus- wirkungen: drückende Hitze mit Temperaturen über 40°C, plötzlich anschwellende Bäche, die in kürzester Zeit Überflutungen verursachen, oder Stadtgrün, das unter langanhaltender Trockenheit leidet. Mit dem Bonner Klimaplan haben wir uns entschlossen auf den Weg gemacht, Treibhausgasemissionen konsequent zu senken und bis 2035 klimaneutral zu werden – ein ambitioniertes, aber notwendiges Ziel im Sinne des Pariser Klimaabkommens. Doch während wir lokal Fortschritte erzielen, zeigt der globale Blick: Wir sind nicht auf Kurs, um die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Deshalb müssen wir den Klimaschutz mit der vorausschauenden An- passung an die bereits unvermeidbaren Veränderungen verbinden. Gerade in Zeiten multipler Krisen wird deutlich, dass viele Herausforderungen nur gemeinsam zu bewältigen sind. Klimaanpassung und der Schutz der Biodiversi- tät gehen dabei oft Hand in Hand. Das vorliegende integrierte Konzept zur Klimaanpassung knüpft an das bereits Erreichte an – denn wir stehen in Bonn nicht mehr am Anfang. Vieles wurde bereits umgesetzt, weitere Maßnahmen sind geplant. Doch eines ist klar: Ein „Weiter so“ wird nicht reichen. Wir müssen mutiger, entschlossener und schneller handeln, um unsere Stadt widerstandsfähig zu machen – damit Bonn auch in Zukunft lebenswert bleibt, die Sommer erträglich bleiben und unsere Natur widerstandsfähig. Mit diesem Konzept halten wir nun unseren Fahrplan für ein klimaresilientes Bonn in den Händen. Ich freue mich darauf, ihn gemeinsam mit Ihnen in die Tat umzusetzen. Oberbürgermeisterin Katja Dörner 1Seite 13 von 163 1. Warum ein Konzept zur Klimaanpassung Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist heu- te drängender denn je. Die Veränderungen des Klimas haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. Auch in Zukunft müssen wir mit einem weiteren Anstieg von Extremwetterereignissen und deren Folgen rech- nen. Besonders Städte stehen aufgrund ihrer hohen Be- völkerungs- und Siedlungsdichte sowie einem hohen Versiegelungsgrad vor komplexen Herausforderungen in der Klimafolgenanpassung. Am 01.07.2024 ist das erste bundesweite Klimaanpas- sungsgesetz (KAnG) in Kraft getreten. Das neue Gesetz bildet den strategischen Rahmen für die künftige Klima- anpassung in Bund, Ländern und Kommunen. §12 KAnG benennt die Verpflichtung zur Erstellung von Klimaan- passungskonzepten und deren wesentliche Inhalte. Die Länder sind auf Grundlage des KAnG angehalten, die Pflicht zur Erstellung von Klimaanpassungskonzepten näher zu bestimmen und auf die Städte und Gemeinden zu übertragen. In NRW wird hierfür voraussichtlich eine Anpassung des Landes-Klimaanpassungsgesetztes (KlAnG) erfolgen. Unabhängig von dieser anstehenden Verpflichtung zur Erstellung von Klimaanpassungskonzepten hat die Stadt Bonn im Rahmen eines durch die Deutsche Anpassungs- strategie (DAS) geförderten Projektes bereits im August 2023 mit der Erarbeitung eines solchen für Bonn begon- nen. Mit dem vorliegenden Konzept schafft die Stadt Bonn eine systematische Grundlage, um ihre Aktivitäten zur Klimaanpassung auf ein höheres und zur Zielerreichung erforderliches Ambitionsniveau zu heben. Dass eine deutliche Verstärkung der Klimaanpassungsaktivitäten mit Blick auf den sich weiter intensivierenden Klima- wandel erfolgen muss, wurde durch die Fassung eines Zielbeschlusses zur Klimaanpassung in Bonn bekräftigt. Dieser Beschluss stützt sich auf bereits vorhandene Pla- nungsgrundlagen zu Hitze, Trockenheit und Starkregen sowie die darin ersichtlichen Handlungsschwerpunkte. Zudem haben eindrückliche Ergebnisse aus dem For- schungsvorhaben MUTABOR (2021-2023) vor Augen ge- führt, dass die bisherigen eher punktuellen Aktivitäten zur Hitzeanpassung nicht ausreichend sind, um dem Kli- mawandel zu begegnen. Das Konzept zur Klimaanpassung soll daher vor allem dazu dienen: • Relevante wiederkehrende Prozesse der Verwal- tung im Sinne der Klimaanpassung anzureichern, um das Thema zum integralen Bestandteil von kommunaler Planung und Umsetzung zu machen, • Klimaanpassung noch stärker als Querschnittsauf- gabe innerhalb der Verwaltung aufzubauen und Zuständigkeiten zu klären, • den Übergang zur praktischen Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen gezielt zu verstär- ken, • notwendige zusätzliche Maßnahmen und dafür erforderliche Ressourcen zu benennen, • parallel zur Konzepterarbeitung Maßnahmen anzustoßen, die keine zusätzlichen Ressourcen erfordern, • einen Zeitplan für die Maßnahmenumsetzung in den nächsten Jahren zu erstellen, • Bürger*innen, Stakeholder und die Verwaltung zu beteiligen und ihre Vorschläge einzubeziehen, • Synergien insbesondere zum Klimaschutz und zur Biodiversität zu heben, • eine gute und umsetzungsbegleitende Kommuni- kation vorzubereiten, • sowie zur Verstetigung und kontinuierlichen Verbesserung der Klimaanpassungsaktivitäten durch die Implementierung eines Monitorings beizutragen 2Seite 14 von 163 Daneben ist ein aktuelles Klimaanpassungskonzept in einigen Programmen Grundlage für die erfolgreiche Ak- quise von Fördermitteln. Für die Konzepterstellung und im Anschluss für die Konzeptumsetzung wird zudem eine befristete Personalstelle für das Klimaanpassungs- management durch das Bundesumweltministerium ge- fördert. Mit diesem Konzept soll die Grundlage für eine effektive Weiterentwicklung der Klimaanpassung in Bonn gelegt werden. Damit diese Weiterentwicklung zielgerichtet ausgearbeitet werden konnte, war zunächst eine um- fassende Bestandserfassung notwendig. Hiermit konn- ten folgende Fragen beantwortet werden: Wie sind die Ausgangslage und die Betroffenheit in Bonn? In wel- chen Ämtern laufen bereits welche Aktivitäten? In wel- chen Abläufen ist die Klimaanpassung bereits gut als Standard integriert? Von Beginn an war es nicht das Ziel, mit diesem Konzept viele neue Projekte auszulösen. Um die Klimaanpas- sung dauerhaft als Qualität in städtisches Handeln ein- zubetten, lag der Fokus im ersten Schritt darauf, für die Klimaanpassung relevante, wiederkehrende Prozesse zu ermitteln und auszuwerten, inwieweit diese bereits standardisiert im Sinne der Klimaanpassung genutzt werden. Erst im zweiten Schritt sollten dort, wo ohnehin anstehende Planungen kein Potenzial bieten, neue Pro- jekte beschrieben werden. Auch diese sollen jedoch möglichst nicht als “Insel” bearbeitet werden, sondern an andere Aktivitäten angebunden bzw. sinnvoll mit ih- nen verknüpft werden. Dieser Ansatz soll mit Blick auf Zeit und Kosten ein effizientes Vorgehen sicherstellen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Klimaanpassung fester Bestandteil des Verwaltungshandelns wird. Die Ausarbeitung neuer Projekte war jedoch mit Blick auf die Finanzsituation und parallel zur Maßnahmenausar- beitung stattfindenden Haushaltskonsolidierung nur in deutlich eingeschränktem Rahmen möglich. Der Beteiligung der Öffentlichkeit wurde ebenfalls ho- her Stellenwert beigemessen. Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft erhielten die Möglichkeit, Bedarfe zu benennen, Feedback zu geben und sich explizit neben konkreten Maßnahmen auch zum Thema Kommunika- tion zu äußern. Die Weiterentwicklung der städtischen Kommunikati- onsarbeit im Kontext der Klimaanpassung war seitens der Verwaltung von vorneherein als großer Bedarf ge- sehen worden. Mit der Förderung der Personalstelle für das Klimaan- passungsmanagement —sowohl für die Phase der Kon- zepterarbeitung als auch für die Umsetzung (noch vorbehalt- lich der Bewilligung der Anschlussförderung) — ergeben sich in begrenztem Rahmen befristete Personalressour- cen, welche auch explizit für die Verstärkung der Kom- munikationsarbeit genutzt werden können. 3Seite 15 von 163 Ablauf der Erarbeitung Den Startpunkt für die Erarbeitung des integrierten Kli- maanpassungskonzepts stellte eine ausführliche Grund- lagenermittlung dar (Abb. 2 auf Seite 5). Bestehende Konzepte und Planungen mit Schnittmengen zum KLAKi wurden analysiert, auf Grundlage bestehender Klima- analysen wurde eine Betroffenheitsanalyse vorgenom- men, und es wurden Ortsbegehungen zu laufenden Projekten in der Stadt und in Hotspot-Gebieten durch- geführt (vgl. Kap. 3). Die durch die Förderrichtlinie vorskizzierten Handlungs- felder wurden für Bonn spezifiziert und der Status Quo wurde je Handlungsfeld mithilfe einer SWOT-Analyse (strategische Analyse anhand von Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken) festgehalten. Die Erkenntnisse bil- den die Zieldefinition für die Konzepterstellung (vgl. Kap. 5). Das Herzstück des KLAKi bildet der Maßnahmenkatalog (vgl. Kap. 6). Hierfür wurden zum einen verwaltungs- interne Prozesse und Bonner Ressourcen analysiert, um in den zugehörigen Maßnahmen ohnehin laufende Pro- zesse bestmöglich mit Themen der Klimaanpassung zu synchronisieren. Aus handlungsprioritären Räumen und projektbezogenen Gelegenheitsfenstern ergeben sich Hinweise, wo im Stadtgebiet besonders großer Hand- lungsdruck für die Umsetzung von räumlichen Klimaan- passungsmaßnahmen herrscht. Der Block „Anpassung weiter gedacht“ hat das Ziel, auszuformulieren, wie Kli- maanpassung bestmöglich zu kommunizieren, zur Um- setzung zu bringen und nachhaltig zu verankern ist. Insbesondere die Identifikation betroffener Räume und die Maßnahmenentwicklung haben in einem intensiven Beteiligungsprozess mit Stadtverwaltung, Stakeholdern und Bürger*innen und in mehreren Phasen stattgefun- den (vgl. Kap. 4). Für den Maßnahmenkatalog, und die Klimaanpassung im Allgemeinen, wurde eine umfassende Kommunika- tionsstrategie (vgl. Kap.7) sowie ein Monitoringkonzept (vgl. Kap. 8) entwickelt, das die Umsetzung des KLAKi und die Akzeptanz und Mitwirkung der Bevölkerung langfristig sichern soll. 4Seite 16 von 163 Abb. 2: Aufbau des Konzeptes Darstellung berchtoldkrass space&options 5Seite 17 von 163 2. Bonn und der Klimawandel Bonns besonderes Klima Die Stadt Bonn liegt im Süden des Bundeslandes Nord- rhein-Westfalen im Übergang vom Mittelrheintal mit seinen engen und steilen Hängen zur breiten, flachen, niederrheinischen Bucht. Sie wird im Osten durch das Siebengebirge mit dem großen Waldgebiet Ennert ein- gegrenzt. Im Westen erstreckt sich der Ausläufer der Ei- fel, der Kottenforst, in die Stadt hinein. Der Rhein fließt durch die Stadt hindurch, wobei sich der größte Teil des Stadtgebietes auf der linken Rheinseite befindet. Südlich wird das Rheintal durch den Godesber- ger Rheintaltrichter verengt. Nördlich dieses Trichters öffnet sich die niederrheinische Bucht, sodass sich ein Großteil der Stadt auf einem flachen, ebenen Niveau be- findet. Die Bonner Innenstadt weist Höhen von ca. 58m ü. NHN auf. Die höchsten Erhebungen sind linksrheinisch der Venusberg mit 171m sowie rechtsrheinisch der Paffels- berg mit 195m ü. NHN. Das Bonner Klima zeichnet sich durch milde, feuchte Winter sowie warme Sommer aus. Durch seine geringe- ren saisonalen Temperaturunterschiede zählt es zum maritimen Klima. Die Tallage der Stadt Bonn führt je- doch auch zu Veränderungen des maritimen Klimas, unter anderem bedingt durch den städtischen Wärme- inseleffekt sowie die Stauwirkungen des Siebengebir- ges und des Kottenforstes. Exkurs Stadtklima und städtischer Wärmeinseleffekt: Das Stadtklima bezeichnet laut der World Meteorologi- cal Organization (kurz: WMO) das durch Bebauung und Emissionen gegenüber dem Umland veränderte Lokal- klima. Meteorologische Parameter sind dementspre- chend neben Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Strah- lung und Wind auch beispielsweise Luftqualität und Lärm1. Die städtische Wärmeinsel beschreibt die Lufttempera- turdifferenz zwischen der meist wärmeren Stadt und dem kühleren Umland. Insbesondere bei anhaltenden Hitzewellen wird der Effekt deutlich. In Bonn kann der Temperaturunterschied zwischen Innenstadt und Um- land bis zu 8 °C betragen. Für eine ausgleichende Abkühlung des Stadtgebiets ist die nächtliche Kaltluft ein wichtiger Faktor. Die Kaltluft beschreibt eine Luftmasse, die im Vergleich zu ihrer Um- gebung eine geringere Temperatur aufweist. Der Ab- kühlungsprozess der Luftmasse ist über Wiesen, Acker- und Brachflächen am höchsten, da dort die Wärmekapazität (die Möglichkeit Wärme zu speichern) geringer ist als zum Beispiel über Asphalt. Diese Kalt- luftentstehungsgebiete speisen wiederum Kaltluft- leitbahnen, die die Entstehungsgebiete mit den Sied- lungsräumen verbinden und diese somit abkühlen. Die Jahresmitteltemperatur lag in Bonn im Jahr 2024 bei 12,2 °C.2 Diese liegt über dem bundesdeutschen Durch- schnitt von 10,9 °C2. In den Daten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (kurz: LANUK NRW) zeigt sich außerdem die besondere Lage Bonns. Denn während es insbesondere in den inner- städtischen, besiedelten Bereichen wärmer ist (12,4 °C), wiesen höher gelegene und deutlich aufgelockerte Be- reiche wie der Kottenforst etwas niedrigere Temperatu- ren auf (11,8 °C). 1 https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klima- wirk/stadtpl/projekt_waermeinseln/projekt_waermeinseln_ node.html 2 https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen. html?nn=480164#buehneTop 6Seite 18 von 163 Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag (PET) (rechts) Quelle: Geo-Net 7 Auch die Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn verdeutlicht, welche Bereiche in der Sommerzeit besonders von ho- hen Temperaturen betroffen sind und welche weniger (Lufttemperatur in der Nacht, PET1 am Tage). Die Stadt- klimaanalyse für Bonn wurde 2023 aktualisiert, liegt als Kartendarstellung für die gesamte Stadt in einer Auflö- sung von 5*5m vor und verdeutlicht die Temperaturun- terschiede zwischen Siedlungs-/Verkehrsflächen sowie Grün-/Freiflächen in Bonn. Besonders betroffene Berei- che sind stark verdichtete und versiegelte Gebiete mit einem geringen Grünflächenanteil, vor allem Stadtzen- tren, wie beispielsweise die Bonner oder die Bad Go- 1 PET = Physiologisch-Äquivalente Temperatur. Eine Maßeinheit für die gefühlte Temperatur desberger Innenstadt. Die Lage insbesondere des nörd- lichen Bonns in der niederrheinischen Bucht erschwert zudem die Durchlüftung mit abkühlenden Winden. Sied- lungsgebiete in Hanglagen weisen demnach eine bes- sere Versorgung mit nächtlicher Kaltluft auf als Gebiete in flacher Ebene. Der Rhein, der als großer Wasserkörper mitten durch die Stadt fließt, hat nur einen geringen abkühlenden Effekt auf sein direkt umliegendes Gebiet, da er etwas tiefer liegt als die Stadt und die Wassertem- peratur im Sommer nachts höher sein kann als die Luft- temperatur.Seite 19 von 163 Oft zu nass und dann wieder zu trocken - Klimwandel in Bonn Die Folgen des Klimawandels sind in Bonn deutlich zu spüren. Hitzewellen wie in den Jahren 2015, 2018 und 2022, vermehrt auftretende Starkregen- und Überflutungsereignisse in den letzten Jahren zwischen 2010-2021 sowie eine von 2018 bis 2022 anhaltende Dürreperiode verdeutlichen, dass eine kli- maangepasste Stadtentwicklung immer wichtiger wird. Bonn ist durch seine geographische Lage besonders von den Folgen von Hitze, Trockenheit/Dürre und Starkregen sowie Hochwasser betroffen, die im KLAKi in den Fokus der Klima- folgenanpassung rücken. Es wird heißer Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019, Quelle: Bundesstadt Bonn Im Jahr 2019 wurde am 25. Juli der heißeste Tag seit Beginn der Messungen in Bonn registriert. Über die Jahre hinweg wur- de in Bonn generell ein kontinuierlicher Anstieg der Tempera- turen gemessen. Mittlerweile verzeichnet Bonn eine Erwär- mung von 1,9°C im Vergleich zum Beginn der Messungen im Jahr 1881 (Abb. 5). Eine bekannte Darstellung der steigenden Temperaturen sind die sogenannten Warming Stripes nach dem britischen Klima- tologen Ed Hawkins, die den Verlauf der Jahresmitteltempera- tur nicht als Liniengraphen, sondern als farbliche Streifen ab- bilden (Abb. 6). Tiefblaue Streifen stehen für Jahre mit einer niedrigen Jahresmitteltemperatur, tiefrote Streifen zeigen Jahre mit einer hohen Temperatur. Die Visualisierung der Jah- resmitteltemperaturen Bonns als Warming Stripes unter- streicht noch einmal den Wandel, den das Klima in der Ver- gangenheit bereits vollzogen hat. Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW Quelle: LANUK NRW nach DWD8Seite 20 von 163 Abb. 7: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET)(links) ; Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET)(rechts) Quelle: Geo-Net In Zukunft wird die Temperatur — bedingt durch den vo- ranschreitenden Klimawandel — weiter steigen. Bis Ende des Jahrhunderts wird – unter Annahme eines star- ken Klimawandels nach dem RCP-Szenario 8.5 des IPCC – ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von knapp 4 °C prognostiziert.4 Bis 2035 wird für Bonn ein mittlerer Temperaturanstieg von 2 °C erwartet, wenn keine Maßnahmen zur Anpassung an heiße Temperatu- ren umgesetzt werden. Die physiologisch äquivalente Temperatur (kurz: PET, umgangssprachlich „gefühlte Temperatur“), die neben der Lufttemperatur auch wei- tere Aspekte wie den Wind oder die Strahlungsintensität berücksichtigt, wird in Zukunft vermehrt über 43 °C stei- gen. Der Deutsche Wetterdienst (kurz: DWD) gibt bereits ab einer PET von 32 °C Warnungen vor einer starken Hit- zebelastung heraus. Ab einer PET von 38 °C warnt der DWD vor einer extremen Hitzebelastung. Betroffen von dieser Hitzebelastung sind insbesondere vulnerable Gruppen wie beispielsweise Senior*innen, chronisch Erkrankte oder Kleinkinder. Im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung werden jedoch alle Bevölke- rungsgruppen Auswirkungen auf das eigene Wohlbefin- den und die Gesundheit spüren. 9Seite 21 von 163 Zu viel Wasser auf einmal Abb. 8: Überflutung Mainzer Straße Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt In den letzten Jahren kam es in Bonn mehrfach zu er- heblichen Schäden durch Starkniederschläge, zuletzt in größerem Ausmaß im Jahr 2021. Heftige Niederschläge können grundsätzlich ganzjährig auftreten. Aber vor allem in den Monaten Mai bis Sep- tember kann es zu Starkregenereignissen kommen. Be- sonders kritisch bei solchen Starkregenereignissen ist, dass diese in sehr kurzer Zeit große Wassermassen mit sich bringen und nur kurzfristig örtlich vorherzusagen sind. Auch in den Wintermonaten können sich heftige Regen- güsse ereignen. Dabei ist vor allem mit eher langandau- ernden, starken Niederschlägen zu rechnen, die erst nach Stunden oder Tagen an vielen Stellen im Stadtge- biet zu Überflutungen führen können. Bei Betrachtung der Niederschlagswerte seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts ist für Nordrhein-Westfalen eine leichte Zunahme der Jahres- und Winternieder- schläge zu beobachten. In der jüngeren Vergangenheit (1991-2024) zeigt sich jedoch in NRW eine signifikante Abnahme der Sommer- und Herbstniederschläge ohne Zunahme der Winterniederschläge. Zudem werden Ext- remniederschläge in Zukunft weiter zunehmen und zu einem erhöhten Überflutungsrisiko im Bonner Stadtge- biet, sowohl an den Bonner Bächen als auch abseits der Bachauen inmitten der Bebauung, führen. Abb. 9: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024 Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW10Seite 22 von 163 Abb. 10: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024 Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW Dauerhaft eher zu wenig Wasser Der fortschreitende Klimawandel verändert auch den Wasserhaushalt in Bonn. Zu viel oder zu wenig Wasser kann zu großen Schäden führen. In den Jahren 2018 bis 2022 war Bonn von einer andauernden Dürreperiode betroffen. Die steigenden Temperaturen führen insgesamt zu mehr Niederschlag, jedoch verändern sich auch die räumlichen sowie zeitlichen Verteilungsmuster. Gerade in den Sommermonaten ist mit Extremereignissen wie längeren Trockenheitsphasen sowie Starkregenereig- nissen zu rechnen. Gleichzeitig führen höhere Tempera- turen auch zu einer größeren Verdunstung von Wasser, wodurch die Böden trockener werden und nur wenig Wasser während eines Regens aufnehmen können. Die Folge ist ein geringes Angebot an Wasser, das der Vege- tation zur Verfügung steht (nutzbare Feldkapazität) und welche mit einem daraus resultierenden Trockenstress der Pflanzen einhergeht. Modellierungen des DWD zum pflanzenverfügbaren Wasser zeigen besonders für die Jahre 2018 bis 2020 extrem niedrige Werte bei der Bo- denfeuchte in NRW auf. In Zukunft ist mit einer Wieder- holung solcher Extreme zu rechnen. Um das Stadtgrün darauf vorzubereiten, ist ein nachhaltiger, naturnaher Umgang mit dem Niederschlagswasser entscheidend für eine lebenswerte und widerstandsfähige Stadt. Nur eine vitale Stadtvegetation kann seine positiven Funk- tionen zur Kühlung des Stadtklimas voll entfalten. Um auf die Herausforderungen der steigenden Tempe- raturen und der veränderten Niederschlagsmuster ef- fektiv reagieren zu können, ist es entscheidend, bereits bestehende Konzepte und Maßnahmen zu berücksichti- gen und weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang bietet sich ein Blick auf die bereits erarbeiteten Grund- lagen und laufenden Aktivitäten der Stadt Bonn an. Die- se geben wertvolle Anhaltspunkte und ermöglichen es, bestehende Synergien zu nutzen und zukünftige Maß- nahmen optimal zu integrieren. Im folgenden Kapitel wird daher eine Bestandsaufnahme der relevanten Kon- zepte und deren Verknüpfung mit dem vorliegenden Klimaanpassungskonzept vorgestellt. 11Seite 23 von 163 3. Darauf lässt sich aufbauen: ein Blick auf schon Erarbeitetes zahlreiche Integrierte Konzepte / PlanungenZURES & erste Stadt- klimaanalyse 12 Förderprogramm Begrünung Friedhofskonzept Stadtbaumkonzept Spielflächenkonzept Nachhaltigkeits- strategie Bonner Klimaplan Hochwasserschutz- konzept RheinSeite 24 von 163 Abb. 11: Übersicht über bestehende relevante Konzepte und Planungen der Stadt Bonn Darstellung: berchtoldkrass Das integrierte Klimaanpassungskonzept für Bonn Im Zuge der Bestandsaufnahme wurden alle relevanten Konzepte und Grundlagen der Stadt Bonn gesichtet und ausgewertet, um bereits geplante und laufende Aktivi- täten der Stadt Bonn — die bereits vielfach das Ziel der Klimaanpassung verfolgen — zu bündeln und mögliche Synergien zwischen dem vorliegenden Konzept und be- stehenden Konzepten zu schaffen und miteinzubezie- hen (Abb. 11). Die integrierte Gesamtschau der Konzepu- te umfasst Aspekte der Maßstabsebene und des Grades der Umsetzung, den vorgesehenen Zeithorizont, den räumlichen Detaillierungsgrad und die Finanzierungs- planung. 13 Kleingarten- entwicklungsplan Hochwasserschutz- konzept Godesber- ger Bach Biodiversitäts- strategie Hochwasserschutz- konzept Hardtbach Freiraumplan Schwammstadtkonzept MUTABOR & Planungs- hinweiskarte HitzeSeite 25 von 163 Die jeweiligen Raumkulissen der Konzepte wurden überlagert, sodass räumliche Schwerpunktbereiche identifiziert werden konnten. Diese Räume beinhalte- ten Aussagen aus bestehenden Rahmenplanungen, konkreten Einzelmaßnahmen, ermittelten Gelegen- heitsfenstern anstehender Planungen aus dem Schwammstadtkonzept und spezifische Modellprojekte aus dem Freiraumplan sowie dem Stadtbaumkonzept und sind ein Hinweis, wo im „Huckepack-Prinzip“ Maß- nahmen der Klimaanpassung integriert werden kön- nen. ZURES, 2018 ZURES (Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risiko- analysen als Instrument zur Förderung der Resilienz von Städten und urbanen Infrastrukturen) legt den Grund- stein für eine hitzeangepasste Stadtentwicklung in Bonn. Im Rahmen des Verbundvorhabens wurde eine Stadtklimaanalyse und eine Planungshinweiskarte zur Ersteinschätzung stadtklimatischer Belange erstellt. Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn, 2018 Im Rahmen der Initiative „Global nachhaltige Kommune in NRW“ wurde Bonn als eine von 15 Modellstädten aus- gewählt, um eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln. Diese Strategie stellt das erste struktu- rierte Steuerungsinstrument dar, das eine gezielte Agenda für eine nachhaltige urbane Entwicklung fest- legt. Inhaltlich orientiert sich das Konzept an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der UN und lei- tet daraus kommunale Handlungsfelder ab. Es werden insbesondere für die blau-grüne Entwicklung der Stadt (Stadtentwicklung mit einem Fokus auf resilienten, wassersensiblen Grünstrukturen) und für klimaange- passte Siedlungsstrukturen Zielvorstellungen formu- liert, die für das KLAKi von besonderer Relevanz sind. Integrierte Handlungs-, Entwicklungs-, Stadtteil- und Quartierskonzepte Die Stadt Bonn erarbeitet ganzheitliche Konzepte für die Stadtentwicklung, die verschiedene Herausforderun- gen, Themen und Fachgebiete zusammenführen und miteinander verknüpfen. Dabei sind immer auch stadt- klimatisch relevante Themenfelder und Lösungsansätze inbegriffen. Als Beispiele sind die Umgestaltung von Theaterplatz und Fronhof in Bad Godesberg, kleinräumi- ge Eingriffe im öffentlichen Raum der Inneren Stadt, die geplante Aufwertung des Ortszentrums Buschdorf und die Modellvorhaben - etwa im Combahnviertel - zu nen- nen. Die integrierten Konzepte umfassen unter anderem: • ISEK Bonn-Beuel • ISEK und Masterplan Innenstadt Bad Godesberg • Masterplan Innere Stadt • Grünrahmenplan Bundesviertel • IEK Buschdorf • Modellprojekte Bönnsche Viertel Hochwasserschutzkonzepte Bonn war in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals sowohl von Rheinhochwassern (sog. Jahrhunderthoch- wasser 1993 und 1995) als auch von Überflutungen in- folge von Starkregenereignissen (2010, 2013, 2016 und 2021) betroffen. Insbesondere Überflutungen an Meh- lemer Bach, Godesberger Bach und zuletzt Hardtbach führten zu hohen Schäden an Gebäuden und Infrastruk- tur. Zum Schutz vor Überflutungen an den Fließgewäs- sern hat die Stadt Bonn für den Rhein und die Bonner Bäche Hochwasserschutzkonzepte erstellen lassen. Ebenso wurden bereits verschiedene Hochwasser- schutzmaßnahmen ergriffen, wie beispielsweise den Entlastungskanal Mehlemer Bach. Ziel der Hochwasser- schutzkonzepte ist, die Hochwassergefahr im Gebiet zu reduzieren, Überflutungen mit hohem Schadenspoten- tial zu mindern und durch Kombination verschiedener struktureller und baulicher Maßnahmen einen mög- lichst effektiven Hochwasserschutz zu erreichen. Gegen- stand der Hochwasserschutzkonzepte ist die Prüfung aller möglichen einzuleitenden Maßnahmen hinsicht- lich ihrer Effektivität, Genehmigungsfähigkeit, Flächen- verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dazu zählen Maß- nahmen wie der Bau von Rückhaltebecken, die Schaffung natürlicher Retentionsflächen, Hochwasser- schutzelemente, die Entschärfung von Engpässen, Än- derungen in der Landnutzung sowie Objektschutz. Folgende Hochwasserschutzkonzepte liegen in Bonn vor: • Hochwasserschutzkonzept Rhein, 1997 • Hochwasserschutzkonzept Godesberger Bach, 2022 • Hochwasserschutzkonzept Hardtbach, 2025 Da sich die Einzugsgebiete der Bonner Bäche auch über Gemeindegrenzen hinweg erstrecken, wurden im Rah- men der bestehenden Hochwasserpartnerschaften die Hochwasserkonzepte mit den Nachbargemeinden Wachtberg und Alfter gemeinsam beauftragt. 14Seite 26 von 163 Förderprogramm Begrünung, 2021 bis heute Das Förderprogramm Begrünung der Stadt Bonn ver- folgt das Ziel, in der Breite auf privaten Grundstücken die Flächen- und Gebäudebegrünung voranzutreiben. Lokale Entsiegelungsmaßnahmen und anschließende Begrünungen sind hier förderfähig und helfen so, die gesamte Stadt besser auf Hitzeperioden vorzubereiten. Friedhofskonzept, 2021 Das Friedhofskonzept sieht eine langfristige, ökologisch sinnvolle Anpassung der insgesamt 40 Friedhofsflächen vor. In Kooperation mit Naturschutzakteuren werden Umgestaltungsmaßnahmen realisiert. Als Grünräume mit oftmals wertvollem Baumbestand kommt den Friedhöfen in Zukunft im Sinne der Mehrfachnutzung als bioklimatische Entlastungsräume eine immer wichtige- re Rolle zu. Spielflächenkonzept, 2022 Das Spielflächenkonzept in Bonn betrachtet Spielflä- chen als klimatische Ausgleichsräume und Teil der grü- nen Infrastruktur, Das Konzept sieht vor, die Alltagsan- forderungen an Spielflächen um weitere Aspekte wie die Berücksichtigung von Klima, Biodiversität und le- benswerter Freiraum zu ergänzen. Im Sinne des „Hucke- pack-Prinzips“ kann die Klimaanpassung bei der Sanie- rung und auch bei der Neuplanung von Spielplätzen mitgedacht und zur Umsetzung gebracht werden. Stadtbaumkonzept, 2023 Das Stadtbaumkonzept sieht die Anpflanzung neuer Straßenbäume und die Aufwertung von Stadtteilen vor, die besonders unter klimatischen Belastungen leiden und stadtökologisch Schwächen aufweisen. Gerade in dicht bebauten Stadtteilen sollen neue Straßenbäume für klimatische Ausgleichseffekte sorgen – eine Maß- nahme von großer Bedeutung angesichts knapper Grünflächen und stark versiegelter Flächen. Bonner Klimaplan 2035, 2023 Der Klimaplan, verabschiedet im Frühjahr 2023, fungiert als Leitlinie auf dem Weg zur Klimaneutralität Bonns. Er besteht aus zwei Teilen: einer Gesamtstrategie für die Stadt sowie einem „Arbeitsprogramm Klimaschutz“ mit fast 70 Maßnahmen in sieben Themenfeldern. Bisher wurden daraus über 230 Einzelprojekte entwickelt, von denen bereits einige erfolgreich abgeschlossen sind. Auch hierbei bestehen Synergien zur Klimaanpassung: insbesondere der ausgeprägte Schutz und die Neuanla- ge standortgerechter Mischwälder, aber auch die Be- strebungen zur nachhaltigen Umgestaltung von Mobili- tätsräumen zugunsten von Langsamverkehr und Grünstrukturen sind zu erwähnen. MUTABOR und Planungshinweiskarte, 2023 Das MUTABOR-Projekt („Mikroskalige Untersuchung und Aktivierung der technischen und planerischen Anpas- sungskapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hit- zestresses“) baut direkt auf den Erkenntnissen aus ZU- RES auf und untersucht konkrete Handlungsspielräume zur Hitzeminderung. Dabei wurden Maßnahmen hin- sichtlich ihrer Kühlwirkung analysiert und drei Szenari- en zur Hitzeentwicklung bis 2035 modelliert: ein Refe- renzszenario ohne weitere Maßnahmen, ein „Weiter wie bisher-Szenario und eines mit vollständiger Umset- zung aller technisch realisierbaren Maßnahmen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Ein “Weiter wie bis- her” reicht nicht aus. Nur eine breit angelegte, ehrgeizi- ge Umsetzung von Maßnahmen – insbesondere grün- blauer Art – führt zu wirksamer Entlastung. Empfohlen werden vor allem naturbasierte Maßnahmen. Die “Champions” der Klimaanpassung sind dabei eine Kom- bination aus Bäumen, Entsiegelung mit anschließender Begrünung sowie Begrünung von Gebäuden. Das integ- rierte Klimaanpassungskonzept baut auf diesen Emp- fehlungen auf und leitet konkrete Umsetzungsmaßnah- men ein. Bonner Freiraumplan, 2023 Ein besonders hohes Maß an Synergien besteht mit dem Bonner Freiraumplan, der als übergeordnete Stra- tegie für die Entwicklung sämtlicher Freiräume – auch innerhalb der bebauten Stadt – fungiert. Seit 2024 dient er als informelle Grundlage für flächenbezogene Entscheidungen. Freiräume sind Klimaanpassung - als übergeordnetes Querschnittsthema findet sie sich in jeder Ebene des Freiraumplans – angefangen beim räumlichen Leitbild mit den drei Leitbildthemen „Starke Landschaften“, „Blau-Grüne-Netze“ und „Grüne Viertel“, über die Orte und Handlungsräume und die zugehörigen Entwick- lungsziele, bis hin zu den Schlüsselmaßnahmen und Lupenräumen. Die im Freiraumplan definierten Querschnittsziele, Aufgaben und Maßnahmen haben in besonderem Maße mit den KLAKi-Handlungsfeldern „öffentliche Räume und Mobilitätsräume“ sowie „Grünräume und Forstwirtschaft“ ausgeprägte Überschneidungen, bei- 15Seite 27 von 163 spielsweise in Bezug auf die Qualifizierung der grünen und blauen Infrastruktur sowie die Multicodierung von Freiflächen. Schwammstadtkonzept, 2024 Die Stadt Bonn verfolgt das Ziel einer wassersensiblen Stadtgestaltung mit den drei Schwerpunkten Hoch- wasser-, Starkregen- sowie Hitze- und Trockenheitsvor- sorge. Den Schwerpunkt des Schwammstadtkonzepts bildet insbesondere die Stärkung des natürlichen Was- serkreislaufs im Rahmen der Trockenheitsvorsorge. Die Grundidee ist, Flächen so zu gestalten, dass sie Regen- wasser speichern und bei Bedarf überflutet werden können. Gleichzeitig sorgt Verdunstung für kühlende Effekte auf das Mikroklima. Zentrale Handlungsräume des Schwammstadtkonzepts sind Stadtgrün, Gewässer und sonstige urbane Freiflä- chen. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Flächenentsie- gelung, zur Erweiterung der blau-grünen Infrastruktur und zum Schutz naturnaher Böden und Gewässer. Biodiversitätsstrategie, 2025 Die Biodiversitätsstrategie beantwortet die Frage nach den Instrumenten und Maßnahmen, die in Bonn das Potenzial haben, die größte Wirksamkeit für den Biodiversitätsschutz zu entfalten. In ihrem Aktionspro- gramm 2030 setzt sie insbesondere auf die Umsetzung von Maßnahmen im „Huckepack“ mit anderen Vorha- ben und Planungen, indem Synergien zu vorgelager- ten und parallel laufenden Planungsprozessen aufge- zeigt und gezielt ausgenutzt werden. Im Sinne der Klimaanpassung bieten insbesondere die Handlungsansätze der Zukunftssäule II „Stadtna- tur und Kulturlandschaft“ in räumlicher Hinsicht gute Anknüpfungspunkte. In der Zukunftssäule III werden zukünftige Aufgaben der „Bildung, Kommunikation und Teilhabe“ formuliert – diese sind gemeinsam mit der Kommunikationsstrategie und den zugehörigen Maßnahmen des integrierten Klimaanpassungskon- zepts zu verfolgen. Kleingartenentwicklungsplan, 2025 Der Kleingartenentwicklungsplan formuliert Leitlinien und Maßnahmen zur zukünftigen Entwicklung der Kleingärten Bonns. Dies umfasst neben der Sicherung bestehender und der Schaffung neuer Anlagen auch die zukunftsgerechte Ausrichtung bestehender An- lagen – auch im Hinblick auf ihre wichtige stadtklima- tische Funktion, ihre Zugänglichkeit/Nutzbarkeit für unterschiedliche Nutzergruppen sowie ihre zentrale Rolle im Freiraumverbundsystem. 16Seite 28 von 163 Scheinwerfer auf: Die Bonner Biodiversitätsstrategie Die Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, um- fasst die Vielfalt aller Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen), deren genetische Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Zusammen bilden diese Ebe- nen die Grundlage allen Lebens. Diese Lebensgrundlage ist akut gefährdet: Die Biodiver- sitätskrise im Zusammenhang mit dem weltweiten Ar- tensterben stellt neben der globalen Erderwärmung die zweite menschengemachte Krise dar, mit der wir unsere Zukunft gefährden. Beide Krisen hängen untrennbar miteinander zusammen und können nur gemeinsam gelöst werden. Daraus ergibt sich für die Bundesstadt Bonn die Verantwortung, die biologische Vielfalt auf kommunaler Ebene zu bewahren und dem Artenrück- gang im Stadtgebiet aktiv entgegenzuwirken. Die Bonner Biodiversitätsstrategie dient zu diesem Zweck als kommunales Steuerungs- und Abwägungs- instrument und bündelt effektiv sämtliche Aufgaben zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt in Bonn. Die Strategie beantwortet die Frage, welche Instrumente und Maßnahmen die größte Wirksamkeit für den Biodiversitätsschutz aufweisen und zeigt den Weg, vorhandene Ressourcen für diese Maßnahmen vo- rausschauend, gezielt und effektiv einzusetzen. Dabei wird Biodiversität als Querschnittsthema im Kontext an- derer raumwirksamer Fachplanungen gedacht und ein Fokus auf Schnittstellen und Umsetzungssynergien ge- legt. Aus diesem Grund setzt die Biodiversitätsstrategie bei der Maßnahmenumsetzung auf „Huckepack-Verfah- ren“ gemeinsam mit anderen Vorhaben und Planungen. Die lokale biologische Vielfalt kann nur dann langfristig und effektiv geschützt werden, wenn ihr Erhalt als Ge- meinschaftsaufgabe der gesamten Stadtgesellschaft verstanden und gelebt wird. Aus diesem Grund wurde die Bonner Biodiversitätsstrategie in einem partizipati- ven Prozess von der Stadtverwaltung, lokalen Ak- teur*innengruppen, politischen Entscheidungsträ- ger*innen und der Bonner Bürger*innenschaft gemeinsam entwickelt. Für den Aufbau der Strategie wurden die in Bonn gel- tenden Rahmenbedingungen analysiert, um daraus konkrete Anforderungen abzuleiten. Als Ergebnis ver- fügt die Strategie über drei Handlungsschwerpunkte, die sogenannten Zukunftssäulen: • Zukunftssäule I. Natur-, Biotop- & Artenschutz • Zukunftssäule II. Stadtnatur & Kulturlandschaft • Zukunftssäule III. Bildung, Kommunikation & Teilhabe Die in den Zukunftssäulen definierten Aktionsfelder, strategischen Ziele und Handlungsempfehlungen die- nen dazu, Biodiversität als existenzielle Grundlage zu erhalten. Die strategischen Ziele geben die Ausrichtung für den Biodiversitätsschutz in Bonn vor. Von den insge- samt 36 Zielen wurden zehn Ziele priorisiert, deren Um- setzung bis zum Jahr 2030 vorrangig angestoßen und verfolgt werden soll. Die Handlungsempfehlungen ent- halten allgemeine biodiversitätsfördernde Maßnah- men, die nicht an bestimmte Gebiete gebunden sind und meist über gesetzliche Anforderungen und Ver- pflichtungen hinaus gehen. Das Aktionsprogramm Biodiversität 2030 stellt inner- halb der Strategie den Umsetzungsfahrplan dar. Es for- muliert fünf Fokusthemen, in denen Maßnahmenemp- fehlungen zur Erreichung der zehn priorisierten Ziele bis 2030 gebündelt sind. Die Fokusthemen lauten: • Flächenaufwertung & Biotopvernetzung • Gezielter Artenschutz • Ökologischer Ausbau kleiner Fließgewässer • Biodiversitäts- & klimaangepasste Siedlungsberei- che & Gebäude • Stärkung der interdisziplinären Kommunikation & Zusammenarbeit Die enge Verwandtschaft von Biodiversität und Klima- anpassung wird beispielsweise im Fokusthema „Biodi- versitäts- und klimaangepasste Siedlungsbereiche und Gebäude“ der Biodiversitätsstrategie deutlich. Die Maß- nahmenempfehlungen dieses Fokusthemas zahlen gleichermaßen auf den Biodiversitätsschutz und die Kli- maanpassung ein. Neben der verstärkten Begrünung von Wohngebieten wird die naturnahe, biodiversitäts- und klimaangepasste Gestaltung von Schulhöfen als Ge- meinschaftsaufgabe verstanden, konzipiert und umge- setzt. Maßnahmen, die mit Blick auf den Biodiversitätsschutz und die Klimaanpassung gemeinsam gedacht und im- plementiert werden, haben das Potenzial, sich in ihrer Wirkung gegenseitig zu verstärken. 17Seite 29 von 163 silienz und Biodiversität – die im Themenfeld Klimaan- passung zusammentreffen und zusammenwirken. Seit 2008 – dem Jahr der 9. Weltnaturschutzkonferenz in Bonn - engagiert Bonn sich beispielsweise im Globalen Aktionsbündnis der Städte für biologische Vielfalt und insbesondere im Beirat der Städte für die Konvention für biologische Vielfalt, der von ICLEI koordiniert wird. Seit 2010 engagiert sich Bonn gemeinsam mit ICLEI und UNDRR, dem Büro der Vereinten Nationen für Katastro- phenvorsorge, im Thema Resilienz und ist unter ande- rem Mitzeichnerin der Durban Adaptation Charter, der ersten Erklärung der kommunalen Ebene zur Klimaan- passung aus dem Jahr 2011. Von 2010 bis 2019 richteten Bonn und ICLEI gemeinsam die Kongressreihe Resilient Cities zu Städten und Klimaanpassung aus. Bereits 2010 trat Bonn der Kampagne „Making Cities Resilient“ von UNDRR (damals UNISDR) bei. Seit 2022 ist Bonn Mitglied der neuen UNDRR Initiative „Making Cities Resilient 2030“ und seit 2023 eines der Europäischen Resilienz- hubs, die andere Städte auf dem Weg zur Resilienz un- terstützen. Andere Hubs in Europa sind unter anderem Greater Manchester (UK) und Malmö (Schweden). Klimaanpassung, Katastrophenvorsorge, Resilienz, grün-blaue Lösungen – das alles muss zusammenspie- len, um den Folgen des globalen Wandels lokal wie glo- bal erfolgreich entgegenzutreten. Als Resilienzhub setzt Bonn diese Bereiche miteinander in Verbindung und wirkt mit Maßnahmen sowohl nach außen in Richtung von Städten und Regionen weltweit, wie auch nach in- nen in die Stadtgesellschaft. Zu den auf drei Jahre angelegten Maßnahmen des Resi- lienzhubs zählen Webinare zu verschiedenen Aspekten von Resilienz mit wechselnden Partner*innen. Ein Bei- spiel ist das Online-Event zur Resilienz von Land in urba- nen Räumen und der Bedeutung von Geschlechterge- rechtigkeit zum Resilienzaufbau, veranstaltet gemeinsam mit ICLEI, der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, dem Zentrum für Entwicklungsfor- schung der Universität Bonn und dem Netzwerk Gen- der@International Bonn. Lokal vor Ort geht es darum, die Aktivitäten zur Klimaanpassung und Resilienz für eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen und Men- schen für entsprechendes Handeln zu gewinnen. Global ist es von Bedeutung, einerseits die Beiträge von Städ- ten deutlich aufzuzeigen und andererseits die Zusam- menarbeit der Regierungsebenen auf eine solidere Ba- sis zu stellen. Scheinwerfer auf: internationale Aktivitäten Bonn von lokal bis global – für Resilienz weltweit Bonn ist derzeit Sitz von 26 Organisationen der Verein- ten Nationen. Gemäß dem Motto „Nachhaltigkeit ge- stalten“ haben sie sich ein thematisches Dach gegeben. Sie alle helfen Regierungen und Menschen dabei, Ant- worten und Wege für eine nachhaltige Zukunft zu fin- den. Als wichtige Akteur*innen im Themenfeld Klima- anpassung und Resilienz mit Sitz in Bonn sind hier vor allem zu nennen: • UNFCCC, die Klimarahmenkonvention • UNCCD, die Konvention zur Bekämpfung von Landdegradierung • ein Büro von UNDRR, dem Büro des UN Generalse- kretärs für Katastrophenvorsorge • IPBES, der „Weltbiodiversitätsrat“ an der Schnittstel- le zwischen Wissenschaft und Politik • UNU, die Universität der Vereinten Nationen • GWOPA, die Allianz der Betreiberpartnerschaften im Wasser-/Abwasserbereich Dazu kommen zahlreiche internationale NGOs, insbe- sondere aus den Schwerpunktbereichen Umwelt und Entwicklung, Organisationen der Entwicklungszusam- menarbeit sowie aus Forschung und Politikberatung. Eine besondere Rolle hat das internationale Städtenetz- werk für Nachhaltigkeit, ICLEI, das seinen Hauptsitz in Bonn hat. Hier ist Bonn seit 1999 Mitglied und engagiert sich besonders in den Themensträngen Klimaschutz, Re- Abb. 12: Sitz der UN in Bonn Planungen Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca18Seite 30 von 163 Die Aktivitäten des Resilienzhubs und das Engagement bei ICLEI tragen Bonner Projekte und Anliegen auf die globale Bühne. Unter dem Dach der Städtenetzwerke wird in den globalen Debatten dafür geworben, mit Städten konstruktiv zusammenzuarbeiten und sie bei der Umsetzung von Resilienz zu unterstützen, auch fi- nanziell. Eine Dialogplattform dafür ist jedes Jahr die von ICLEI und Bonn gemeinsam veranstaltete Konferenz „Daring Cities“, die Städtevertreter*innen, Wissenschaft, Nationalregierungen und UN zusammenführt. Abb. 13: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu verschiedenen Themen von Resilienz Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca Wichtigste Partner des Resilienzhubs Bonn sind ICLEI Städte für Nachhaltigkeit und das Bonner Netzwerk In- ternationaler Katastrophenschutz und Risikomanage- ment. Das Netzwerk wurde 2017 gegründet und bringt Akteur*innen für Resilienz und Katastrophenvorsorge aus allen staatlichen Ebenen zusammen - von Feuer- wehr bis Universität, von Forschungsinstitut bis humani- täre Hilfe, von UNO bis Bundesamt. Das Netzwerk hat eine wichtige Rolle in Kommunikation und Bildung für Resilienz und vernetzt zentrale Stellen. Weitere interdisziplinäre Netzwerke gibt es in Bonn zu den Themen Biodiversität, Klima, Geschlechtergerech- tigkeit und Wasser. Diese interdisziplinären Netzwerke haben alle vielfältige Anknüpfungspunkte zu Fragen von Klimaanpassung und Resilienz. Dies wird in den Ak- tivitäten des Resilienzhubs Bonn deutlich sichtbar. Nicht nur für Resilienz ganz konkret, sondern auch für den Standort Bonn ist dieses Engagement von großer Bedeutung. So waren für die Ansiedlung von GWOPA/UN Habitat die exzellenten Vernetzungsmöglichkeiten in Bonn ein wichtiges Argument. Abb. 14: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszent- rum Cape Coast (Ghana) mit jungen Klimabotschaftler*innen Quelle: Julia Merkelbach Abb. 15: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und das Umweltzebra von La Paz erklären Kindern den Klimawandel Quelle: Julia Merkelbach Auch in der Zusammenarbeit in insgesamt sechs Projekt- partnerstädten Bonns spielen Klimaanpassung und Re- silienz eine große Rolle, da einige von ihnen bereits wesentlich stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Zusammen mit der ghanaischen Stadt Cape Coast wurde an der Renaturierung einer Lagune gearbeitet und ein Umweltbildungszentrum eingerich- tet. 2022 – 2023 führte ICLEI durch Vermittlung der Stadt Bonn ein Projekt zur Sicherung der urbanen Naturräume in Cape Coast durch. Mit der bolivianischen Stadt La Paz wurde von 2016 – 2019 ein mehrjähriges Projekt zur Stärkung der Resilienz der Stadtverwaltung durchge- führt. Dabei wurde innerhalb der Stadtverwaltung La Paz ein breit angelegtes Weiterbildungsprogramm zu Themen des Klimawandels durchgeführt, eine Informa- tionskampagne zum ressourcenschonenden Umgang durchgeführt und nachhaltige Energieversorgung und effiziente Wassernutzung gefördert. Nachdem die Stadt La Paz akut von großen Überflutungen betroffen waren, standen Themen wie Resilienz und Katastrophenprä- vention auch im Fokus eines Fachbesuchs im September 2024, um die Expertise der in Bonn ansässigen Netzwer- ke zu nutzen. 19Seite 31 von 163 Die Abbildung verdeutlicht, dass gerade in den dicht be- bauten und stark versiegelten Bereichen von Bonn die höchsten Wärmebelastungen auftreten. Darunter weite Bereiche der Innenstädte von Bonn, Bonn Bad Godes- berg und Bonn Beuel. Weitere Belastungsschwerpunkte befinden sich in nahezu allen Bonner Gewerbegebie- ten. Besonders hervor stechen die großflächigen Hot- spots rund um die Gewerbegebiete „Am Verteilerkreis“, „Am Vogelsang“ und „Weststadt“ sowie in Beuel-Ost und Bad Godesberg Nord (Abb. 17). Es kam daher nicht von ungefähr, dass in früheren Kli- mauntersuchungen die sogenannten Klimatop-Defini- tionen verwendet wurden. Klimatope beschreiben Ge- biete mit ähnlichen mikroklimatischen Ausprägungen. Diese unterschieden neben verschiedenen klassifizier- ten Freiflächen-Klimatopen im Siedlungsbereich vor allem zwischen „Stadtrand-Klimatop“, „Innenstadt-Kli- matop“ und „Gewerbe/Industrie-Klimatop“. Abb. 16: Thermische Hot Spots - überzeichnet auf Basis der Planungshinweiskarte Quelle: berchtoldkrass Klimarisiken im Fokus – Die Betroffenheitsanalyse für Bonn Wie bereits zuvor erläutert, ist Bonn deutlich vom Klima- wandel betroffen. Veränderungen sind stadtweit und selbstverständlich darüber hinaus in der Region festzu- stellen. Im Rahmen der Betroffenheitsanalyse geht es daher nicht mehr um die Frage, ob Betroffenheiten vor- liegen, sondern wo und in welcher Art sich diese beson- ders deutlich ausprägen. Kenntnis darüber ermöglicht zum einen eine Priorisierung, zum anderen ein zielge- richtetes Vorgehen je nach Art bzw. Zielgruppe der Be- troffenheit. Für eine vertiefende Analyse kann in Bonn auf Karten und Daten zurückgegriffen werden, die in den letzten Jahren entwickelt wurden: die Stadtklimaanalyse bzw. Planungshinweiskarte (Hitze), die Starkregengefahren- karte sowie verfügbare statistische Daten, welche für die Frage nach besonders vulnerablen Personen heran- gezogen werden können. Die Bereiche, die gemäß Planungshinweiskarte Hitze (2023) in Handlungspriorität 1 oder 2 liegen, wurden grafisch überzeichnet, um die besonderen Hitze-Hot- spots von Bonn deutlich hervorzuheben (Abb. 16). Abb. 17: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete Quelle: Bundesstadt Bonn20Seite 32 von 163 Auch für das Thema Starkregengefahren wurde eine Überzeichnung anhand der vorliegenden Starkregen- gefahrenkarten erstellt (Abb. 18). Eine ausschließliche Darstellung der überzeichneten Bereiche und Kommu- nikation dieser Flächen als besonders risikoreiche Area- le ist jedoch nicht zielführend. Zwar bilden sich in diesen Bereichen in Folge von Starkregenereignissen die höchsten Wasserstände, allerdings sind diese alleine nicht vollumfänglich als Indikator für das Risiko wäh- rend solcher Extremereignisse. Die vorhandene Stark- regengefahrenkarte stellt beispielsweise keine Fließ- wege dar. Gefahrensituationen können jedoch im akuten Starkregenfall nicht nur dort entstehen, wo sich viel Wasser aufgrund tiefer gelegener Punkte ansam- melt, sondern auch dort, wo sich beispielsweise entlang von Straßen in Gefällerichtung temporär Wasserströme bilden. Gerade im Sinne der Bewusstseinsbildung für Abb. 18: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung von Gebieten mit besonders hohen Wasserstandstiefen nach Starkregenereginissen Quelle: Bundesstadt Bonn; berchtoldkrass eine ausreichende Eigenvorsorge soll daher auf die ausschließliche Darstellung von überzeichneten Ge- fahrenschwerpunkten anhand der Starkregengefah- renkarte verzichtet werden. Stattdessen wurden die Überzeichnungen in die Starkregengefahrenkarte ein- gearbeitet. Eigentümer*innen und Mieter*innen ist meist noch eher bewusst, dass sich durch eine Lage an einem Bach oder in einer Mulde besondere Gefahren ergeben. Weniger ausgeprägt ist das Risikobewusst- sein jedoch ggf. dort, wo Niederschlagsmassen nicht bekanntermaßen „stehen“, sondern nur kurz entlang fließen. Auch hier sind Maßnahmen zur Eigenvorsorge wie das Schließen bzw. Abdichten von Kellerfenstern wichtig. Praktisch können sich Starkregensituationen im ge- samten Stadtgebiet ereignen (Abb. 18). Aufgrund der Topografie der Stadt ist gerade im Bereich der alten Rheinarme sowie in der Nähe zu Bächen jedoch mit besonders hohen Wasserständen zu rechnen. 21Seite 33 von 163 Abb. 22: Personen über 65 Jahre (ab 10 Personen/ha) Quelle: berchtoldkrass Abb. 23: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha) Quelle: berchtoldkrass Abb. 20: Personen in Grundsicherung (ab 3 Personen/ha) Quelle: berchtoldkrass Abb. 19: Personen unter 6 Jahre (ab 3 Personen/ha) Quelle: berchtoldkrass stadtlagen mit hoher Hitzebelastung und stark nachge- fragten Nutzungen bergen daher eine hohe Hitzeexpo- sition und ein daraus resultierendes hohes Risiko für eine Betroffenheit. Konkret werden in Bonn seit dem Sommer 2018 die Passantenfrequenzen in der Post-, Re- migius- und Sternstraße gemessen. In den Sommermo- naten Juli bis September werden in diesen drei Straßen zusammen täglich regelmäßig zwischen 60.000 und 100.000 Passanten gezählt. Während der Starkregenpe- riode im Juli 2021 („Ahrtal-Hochwasser“) sanken die Passantenzahlen in diesen drei Straßen um zehn Pro- zent, während der Hitzeperioden Ende Juli 2019 bzw. 2022 sanken die Passantenzahlen um fast 20 Prozent. Gerade Kleinkinder und ältere Personen leiden beson- ders stark unter Hitze. Weitere Faktoren wie Vorerkran- Abb. 21: Gesamtbevölkerungsdichte (ab 65 Personen/ha) Quelle: berchtoldkrass Neben den physikalischen Karten zu Hitze und Starkre- gen wurden zudem statistische Daten genutzt, welche Parameter beschreiben, die im Zusammenhang mit ei- ner erhöhten Verwundbarkeit relevant sind. Relevant ist zum ersten, wie viele Personen einem Risi- ko bzw. einer Belastung ausgesetzt sind. Hierfür wurde die Gesamtbevölkerungsdichte ausgewertet. Die nach- folgende Grafik stellt in orange die Bereiche heraus, in welchen 65 Personen und mehr je Hektar (ha) gemeldet sind.Für die Exposition und das daraus entstehende Ri- siko ist neben der Frage, wo besonders viele Menschen wohnen, auch die Frage, wo sich besonders viele Men- schen tagsüber aufhalten, relevant. Gerade auf zentra- len Plätzen, an Anlaufstellen und Wegeverbindungen herrscht in der Regel eine hohe Frequenz. Die Innen- 22Seite 34 von 163 kungen spielen eine Rolle, konnten jedoch nicht ausge- wertet werden, da hierzu keine nutzbaren Daten vorlagen. Als Indikatoren, die weiterhin herangezogen werden können, um sowohl die Betroffenheit, aber auch die eigene Anpassungsfähigkeit zu beschreiben, wurden Daten zur Erwerbslosigkeit und Grundsicherung ausge- wertet. Zum einen sind erwerbslose Personen bzw. Per- sonen in Grundsicherung tendenziell häufiger gesund- heitlich beeinträchtigt, zum anderen verfügen sie über verhältnismäßig weniger finanzielle Mittel, um sich durch kleine Maßnahmen im eigenen Umfeld besser vor Hitze und Starkregen zu schützen. Zudem wohnen Men- schen mit geringeren finanziellen Mitteln verhältnismä- ßig häufiger in Gebieten, in denen sie erhöhten Um- weltbelastungen ausgesetzt sind (z.B. in der Nähe von stark befahrenen Straßen/Autobahnen oder produzie- rendem Gewerbe). Die abgebildeten Karten können gut für die Planung und Organisation einer zielgerichteten Ansprache be- sonders betroffener Bevölkerungsgruppen genutzt wer- den. Z.B. Besucher*innen der Innenstadt oder Senior*in- nen in Hitze-Hotspots. Ebenso relevant, jedoch nicht separat abgebildet, sind die Standorte von Einrichtun- gen, in denen sich besonders vulnerable Personengrup- pen aufhalten, wie Kindertagesstätten, Betreuungsein- Abb. 24: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren Quelle: berchtoldkrass richtungen für Senior*innen und behinderte Menschen, Schulen, Spielplätze, Arztpraxen bzw. Kliniken und Kran- kenhäusern. Daneben sollten auch Sportstätten mitbe- rücksichtigt werden, da sich hier hohe Expositionsgrade im Zusammenhang mit starker körperlicher Anstren- gung ergeben und zu gesundheitlichen Gefährdungen führen können. Die nachfolgende Überlagerung (Abb. 24) zeigt zudem, in welchen Bereichen innerhalb von Bonn sich gleich mehrere der beschriebenen Vulnerabilitäten besonders stark ausprägen. In den statistischen Bezirken Alt Endenich, Baumschul- viertel, Vor dem Sterntor, Wichelshof, Beuel Zentrum und Godesberg-Zentrum sind alle 5 beschriebenen Vul- nerabilitätsfaktoren stark ausgeprägt. In Neu-Tannen- busch, Alt-Tannenbusch, Duisdorf-Zentrum, Zentrum- Rheinviertel, Bonner Talviertel, Kessenich und in Pennenfeld überlagern sich jeweils 3-4 Vulnerabilitäts- faktoren. Diese Auswertung kann insbesondere zur Prio- risierung von Maßnahmen herangezogen werden. Über die hier für die Analyse beschriebenen Daten hin- aus eignen sich — je nach Zielgruppe und Maßnahme — weitere Informationsquellen für die spezifische Planung der Ansprache. Im Rahmen der kommunalen Wärmepla- nung wurde beispielsweise eine gesamtstädtische Übersicht über die Energieeffizienzklassen von Be- standsgebäuden in Bonn erstellt. In Gebäuden, die sich in einem schlechten energetischen Zustand befinden, steigen die Innenraumtemperaturen bei Hitze beson- ders schnell. Halten sich in solchen Gebäuden besonders vulnerable Personen(-gruppen) auf, sind Maßnahmen zur Klimaanpassung bzw. in diesen Fällen auch zur ener- getischen Sanierung der Gebäude besonders prioritär. Dies betrifft neben den bereits beschriebenen Einrich- tungen, in denen sich besonders vulnerable Gruppen aufhalten wie Schulen, Kindergärten etc., auch Wohnun- gen, in denen sich alte und ggf. vorerkrankte Personen aufhalten. Daneben ist die Grünraumversorgung (bzw. Erreichbar- keit und Zugänglichkeit) in den jeweiligen Bereichen ein mitentscheidender Faktor. Große Parkanlagen, aber auch kleinere Parks oder die schattige Bank unter einem Baum dienen bereits als Ausgleichsräume und können aktiv zur Abkühlung aufgesucht werden. Umfassende Daten und Informationen hierzu liefert der Bonner Frei- raumplan. Die ausgleichenden Klimafunktionen der städtischen Grünflächen sind mit Blick auf deren Integ- ration in die Stadtklimaanalyse bereits indirekt Teil die- ser Betroffenheitsanalyse. 23Seite 35 von 163 4. Bonn macht mit! Die Beteiligung zur Klimaanpassung Ein zentrales Element bei der Entwicklung des integrier- ten Klimaanpassungskonzepts für Bonn war die intensi- ve Beteiligung von Bürger*innen, Schüler*innen und Stakeholdern sowie der Stadtverwaltung selbst. Einer- seits konnten so verschiedene Akteur*innen aktiv in den Beteiligungsprozess mit einbezogen und Transparenz und Multiplikation „nach außen“ geschaffen, anderer- seits auch der wichtige lokale Blick für die Verhältnisse in Bonn integriert werden. Die Beteiligung wurde in einem mehrstufigen Verfahren aufgebaut. Abb. 25: zeitliche Abfolge der Beteiligungsformate Darstellung: berchtoldkrass Gemeinsam, wirkungsvoll, umsetzen – Die Ämterbeteiligung Die Entwicklung eines Klimaanpassungskonzeptes er- fordert nicht nur die Einbindung der Öffentlichkeit, son- dern auch eine enge Zusammenarbeit mit den verschie- denen Stellen innerhalb der Verwaltung. Die Ämter spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Maß- nahmen, da sie in ihren täglichen Abläufen, Planungs- prozessen und Entscheidungsstrukturen entscheidend zur Klimaanpassung beitragen können. Um die Bereit- schaft hierzu zu fördern und das in den Ämtern vorhan- dene Wissen gezielt in die Konzepterstellung einzubrin- gen, wurden die relevanten Fachbereiche im Rahmen von drei Workshops beteiligt. Drei Workshops – ein gemeinsamer Lernprozess Die Workshops dienten dazu, die Expertise der Fachäm- ter systematisch zu erfassen, bestehende Prozesse zu analysieren und gemeinsame Lösungsansätze zu entwi- ckeln. 24Seite 36 von 163 1. Workshop: Grundlagen und bestehende Prozesse Folgende Leitfragen standen im Fokus: • Welche wiederkehrenden Abläufe sind für die Klimaanpassung relevant? • In welchen Planungs- und Entscheidungsprozessen wird Klimaanpassung bereits berücksichtigt, und wo besteht Nachholbedarf? • Wie lassen sich bestehende Strukturen für Klimaan- passungsmaßnahmen nutzen? Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse: Die Prozessanalyse wurde mit Blick auf die kommuna- len Handlungsradien strukturiert. Folgende Prozesse mit grundsätzlichem Hebel auch für die Klimaanpas- sung wurden im Rahmen des Workshops durch die Teil- nehmenden aus der Verwaltung zusammengetragen: Handlungsradius 1 – Kommunale Liegenschaften und Infrastruktur: • Neubau und Sanierung städtischer Gebäude • Neubau und grundhafte Sanierung von Straßen • Neubau und Sanierung von Straßenbahngleisen • Fernwärmeausbau • Neubau und Austausch von Wetterschutzhäuschen • Kanalneubau • Schaffung neuer Baumstandorte • Neubau und Sanierung von Grünanlagen • Neubau und Sanierung von Spielflächen • Neubau und Sanierung von Schulhofanlagen • Neubau und Sanierung von Außenanlagen an Kitas • Neuanlage und Sanierung von Verkehrsbegleitgrün • Entwicklung von Friedhofsflächen • Bachrenaturierungen / Umsetzung WRRL • Veräußerung und Verpachtung städtischer Grund- stücke • Neubau und Sanierung von Sportaußenanlagen • Hochwasserschutz am Rhein und den Bonner Bächen • Bäderentwicklung Handlungsradius 2 – Beeinflussung Dritter durch kommunale und übergeordnete Planung: • Planfeststellungsverfahren • Regionalplanung • Verbindliche Bauleitplanung (Bebauungspläne) • Vorbereitende Bauleitplanung (Flächennutzungs- planung) • Wettbewerbsverfahren (städtebaulich, hochbaulich freiraumplanerisch) • Konzeptvergaben • Integrierte Stadtentwicklungskonzepte • Baugenehmigungsverfahren • Bonner Baulandmodell • Master- und Rahmenpläne • Parkraumkonzepte • Freiraumplanung • Sportentwicklungsplanung Handlungsradius 3 – Angebote zur Auslösung freiwilliger Maßnahmen bei Dritten • Förderprogramme bzw. Finanzielle Anreize • Beratungsangebote • Beteiligungsangebote • Veranstaltungen und Netzwerke Möglichkeiten zur Optimierung bei Planung und Umsetzung Die Teilnehmenden der Verwaltung setzten sich in die- sem Workshop intensiv mit den klimabezogenen Pro- zessen in ihren Ämtern auseinander. Es wurde deutlich, dass Neubaumaßnahmen und grundhafte Sanierungen sich als Gelegenheit anbieten, um ergänzend Klimaan- passungsmaßnahmen umzusetzen – im Gegensatz zu einfachen Reparaturen oder Ausbesserungen, die hier- für weniger geeignet sind. Obwohl die Verwaltung bemüht war, zusätzliche An- satzpunkte zur Integration der Klimaanpassung im Rah- men von Planungsprozessen zu identifizieren, zeigte sich, dass in vielen Bereichen der relevanten Ämter be- reits am Limit gearbeitet wird und die Arbeitsbelastung sehr hoch ist. Daraus folgt, dass eine effektive Vorge- hensweise darauf setzen sollte, Klimaanpassung künftig stärker in die bestehenden Arbeitsprogramme einzu- betten und weniger eigenständige, zusätzliche Projekte auszuarbeiten. Die Erwartung, weitere Anpassungspro- jekte im Bereich Planen und Bauen realisieren zu kön- 25Seite 37 von 163 nen, muss unter Berücksichtigung der knappen perso- nellen Ressourcen gedämpft werden. Bereits etablierte Prozesse wie die verbindliche Bauleit- planung, Wettbewerbsverfahren oder integrierte Stadt- entwicklungskonzepte demonstrieren, dass eine dauer- hafte Integration der Klimaanpassung in Verwaltungsabläufe gut möglich ist. Ziel des Klimaan- passungskonzeptes ist es daher, weitere wiederkehren- de Verwaltungsprozesse dahingehend zu erweitern, dass Klimaanpassung als fester Bestandteil in der Pla- nung und Umsetzung verankert wird – ein Ansatz, der über reine Projektarbeit hinaus zur Verstetigung im Ver- waltungshandeln beiträgt und damit sehr zielführend ist. Ein konkreter Weiterentwicklungsbedarf besteht etwa beim Neubau und der grundhaften Sanierung von Stra- ßen, wo zukünftig stärker geprüft werden soll, wie As- pekte der Klimaanpassung – insbesondere das Schwammstadtprinzip – berücksichtigt werden können. Ziel der Umsetzungsphase des Klimaanpassungskon- zeptes ist es, möglichst weitreichend die aufgeführten Prozesse im Sinne der Klimaanpassung anzureichern. Hierzu sollen sukzessive Abstimmungen mit den verant- wortlichen Stellen getroffen werden. Bestehende Beratungsangebote stärken und ausbauen Im Rahmen des Workshops wurden verschiedene be- reits bestehende Beratungsangebote identifiziert, die für die Klimaanpassung genutzt oder weiterentwickelt werden können. Genannt wurde etwa das Pilotprojekt im Gewerbegebiet Bonn-Beuel, das seit 2023 auf alle fünf weiteren Gewerbegebiete in Beuel ausgeweitet wurde und 2024 auch im Gebiet Bonn-West gestartet ist. Ergänzend dazu wurde die neue Vollzeitstelle eines Ge- werbegebietsmanagers für Klima geschaffen, um Un- ternehmen gezielt zu unterstützen. Zudem wurden 2024 neue Beratungsangebote für die Wirtschaft ins Leben gerufen, unter anderem im Rahmen der Klima- partnerschaften mit der Wirtschaft. Darüber hinaus gibt es verschiedene Beratungsangebo- te insbesondere für Privathaushalte. Dazu zählt das Portfolio der Bonner Energie Agentur und der Verbrau- cherzentrale. Im Amt für Umwelt und Stadtgrün werden Beratungen zum Förderprogramm Begrünung sowohl für Eigentümer*innen privater als auch gewerblich ge- nutzter Grundstücke und Gebäude angeboten. Die Teilnehmenden sahen großes Potenzial in einer bes- seren verwaltungsinternen Abstimmung, insbesondere zwischen Fachbereichen, die thematisch verwandte Aufgaben übernehmen und bereits Informationsange- bote für Bürger*innen bereitstellen. Zudem könnten be- stehende Strukturen der Wirtschaftsförderung stärker genutzt werden, um Klimaanpassung gezielt zu integ- rieren. Dafür wäre eine noch passgenauere Aufberei- tung der Informationen für Unternehmen sinnvoll. Förderprogramme und finanzielle Anreize zur Klimaanpassung Ein zentrales Instrument ist das städtische Förderpro- gramm Begrünung, das Zuschüsse zur Gebäudebegrü- nung sowie zur Entsiegelung bereitstellt. Die Teilneh- menden sprachen sich für eine Verstetigung des Programms sowie eine bedarfsgerechte Anpassung der Förderrichtlinie aus – beispielsweise mit Blick auf das Konzept der Schwammstadt. Ein weiterer finanzieller Anreiz ist die mögliche Reduk- tion der Niederschlagswassergebühr, die nach der Ins- tallation einer Dachbegrünung beantragt werden kann. Darüber hinaus bestehen Fördermöglichkeiten über den Verfügungsfonds des Innenstadtmanagements, der ebenfalls für Projekte zur Klimaanpassung genutzt wer- den könnte. Um dies stärker zu forcieren, wäre ggf. eine gezielte Bewerbung dieser Möglichkeit sinnvoll. Auch die Sportförderung orientiert sich inzwischen an Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu wurden 2022 die Sportförderrichtlinien auf der Grundlage der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie angepasst und das För- derungsziel „Nachhaltigkeit” explizit aufgenommen. Zukünftig soll als Maßnahme aus dem Klimaplan ein Kli- mafonds eingerichtet werden, dessen genaue Ausge- staltung noch aussteht. Bereits jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass dieser als innovative Finanzierungsmöglichkeit auch für Klimaanpassungsprojekte genutzt werden könnte. Beteiligungsangebote, Veranstaltungen und Netz- werke In Bonn gibt es zahlreiche Vernetzungsmöglichkeiten, die auch zur Klimaanpassung erweitert werden könn- ten. Die im Klimaplan umgesetzten Klimaviertel sowie etablierte Quartiersmanagement-Strukturen bieten ideale Anknüpfungspunkte, um Angebote der Klimaan- passung z.B. durch Infovorträge und -workshops zum Förderprogramm Begrünung zu integrieren. Bonn ist zu- dem geprägt von einem sehr starken zivilgesellschaft- lichen Engagement – Bürger*innenvereine und Initiati- 26Seite 38 von 163 ven organisieren bereits eigene Aktionstage und Projekte. Durch Kooperationen mit diesen Akteur*innen können städtische Angebote besser beworben und Öf- fentlichkeitsarbeit zur Klimaanpassung betrieben wer- den. Zahlreiche Veranstaltungen wie der Frühlings- markt, die Bonner Energietage, der Tag der Artenvielfalt oder der Tag der Vereinten Nationen werden bereits genutzt, um über städtische Klimaanpassungsaktivitä- ten zu informieren und Maßnahmen zur Eigenvorsorge bei Extremwetterereignissen zu vermitteln. Daneben wurden Veranstaltungen z.B. des Bürger*innenvereins Vilich-Müldorf oder des Innenstadt-Managements mit Vortrags- und Infoangeboten ergänzt. Scheinwerfer auf: Hitzevorsorge in der verbindlichen Bauleitplanung Ein gelungenes Beispiel für die Integration von Klima- anpassung in die Stadtentwicklung ist die systematische Einbindung der Hitzevorsorge in die verbindliche Bau- leitplanung. Die verbindliche Bauleitplanung ist ein zentrales Element der Stadtplanung, bei dem für ein be- stimmtes Gebiet verbindlich festgelegt wird, wie die Flächen genutzt werden dürfen und wie sich die Bebau- ung entwickeln soll. Dieser bereits im Sinne der Klima- anpassung optimierte Prozess zeigt, dass es möglich ist, klimatische Aspekte dauerhaft in Verwaltungsabläufe zu implementieren und somit die Stadtentwicklung kli- maresilient zu gestalten. Hochauflösende Stadtklimaanalyse und partizipative Planung Ein zentraler Baustein war die Entwicklung einer Stadt- klimaanalyse im Jahr 2019 mit einer Auflösung von 10×10 m. Das 100-m²-Raster ermöglichte relativ klein- räumige konkrete Aussagen zum Stadtklima, die in die Bauleitplanung einfließen können. In einem partizipa- tiven Prozess, in dem verschiedene Ämter der Verwal- tung in Workshops zusammenarbeiteten, wurden die Karten so gestaltet, dass sie optimal in der Planungspra- xis eingesetzt werden können. Die Fertigstellung fiel in einen besonders heißen Sommer, wodurch das Thema Hitzevorsorge sowohl in der Öffentlichkeit als auch in- nerhalb der Verwaltung verstärkt Beachtung fand. Im Projekt MUTABOR wurden die Karten 2023 auf eine noch höhere Auflösung von 5×5 m aktualisiert. Frühe Richtungsentscheidungen durch den Zielbeschluss Der Bonn-eigene „Zielbeschluss“ erfolgt bereits vor der intensiven Planungsphase zu einem Gebiet. Bevor grö- ßere Planungskapazitäten eingesetzt werden, treffen die politischen Gremien eine erste Richtungsentschei- dung – etwa zur baulichen Entwicklung eines bisher als Grünfläche ausgewiesenen Areals. Dieser zusätzliche Schritt im frühen Planungsstadium erleichtert es auch, grundlegende klimatische Argumente einzubringen, bevor Entwürfe in der weiterentwickelten Planung das „Wie“ bestimmen. Integration klimatischer Anforderungen in Wettbewerbe Bei städtebaulichen, hochbaulichen und freiraum- planerischen Wettbewerben fließt die Hitzevorsorge 27Seite 39 von 163 konsequent in alle Phasen ein. In die Auslobung wer- den Stadtklimainformationen und Kartenausschnitte eingearbeitet sowie konkrete Aufgabenstellungen und Bewertungskriterien definiert, um klimatische Anfor- derungen in den Entwurfsprozessen zu verankern. Im Rahmen des Schwammstadtkonzepts wurden zudem spezielle Textbausteine für die Trockenheitsvorsorge erarbeitet, die beispielsweise beim Projekt „Zukunfts- ort Dransdorfer Berg (Alte Stadtgärtnerei)“ Anwen- dung fanden. Checkliste und externe Klimagutachten Die Bonner Checkliste für nachhaltiges Planen wird in Bauleitplanverfahren genutzt, um systematisch die The- men der Nachhaltigkeit – darunter auch der Klimaan- passung - zu überprüfen. Um die Verfahren effizient zu gestalten sowie im Rahmen der Evaluation der Check- liste, wird ihre Anwendung und ihre inhaltliche Ausge- staltung bei Bedarf an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst. Zusätzlich wird für relevante Projekte ein externes De- tail Klimagutachten beauftragt. Mithilfe mikroskaliger Modellierungen werden die Auswirkungen auf thermi- sche Belastung und Durchlüftung analysiert, um konkre- te Empfehlungen zur Verbesserung der stadtklimati- schen Situation abzuleiten. Maßnahmen zur Begrünung und Wassernutzung Seit 2010 schreibt jeder neue Bebauungsplan mindes- tens eine extensive Dachbegrünung vor. In den letzten Jahren wurde diese Vorgabe erweitert: Neben Dachbe- grünungen ist auch die Prüfung und Umsetzung von Fas- sadenbegrünungen auf geeigneten Flächen verpflich- tend. Im Rahmen des Schwammstadtkonzepts wurden Textbausteine entwickelt, die eine dezentrale Speiche- rung und Nutzung von Niederschlagswasser priorisie- ren, um die Ableitung über Fließgewässer oder die Ka- nalisation zu reduzieren. Innovative Ansätze und technologische Entwicklungen Die Berücksichtigung der Klimaanpassung im Rahmen der Bauleitplanung wird kontinuierlich weiterentwi- ckelt. Ein Beispiel ist das Projekt „Im Rosenfeld“, in dem erstmals das Prinzip des Berliner Biotopflächenfaktors angewandt wird – eine Kennziffer, die naturhaushalts- wirksame Flächen und eine hohe Durchgrünungsquali- tät im Quartier sicherstellen soll. Parallel werden auch die Standards für Dach- und Fassadenbegrünung wei- terentwickelt, sodass beispielsweise Solargründächer vermehrt berücksichtigt werden. Zudem ermöglichen erste am Markt verfügbare KI-ge- stützte Plug-ins für GIS-Systeme, dass Verwaltungsmit- arbeitende stadtklimatische Auswirkungen eigenstän- dig bewerten können, ohne aufwendige externe Gutachten einholen zu müssen. Die Anwendung solcher Instrumente wäre auch für Bonn interessant. Abwägung und politische Entscheidung Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass der Belang Stadt- klima einer von vielen Abwägungsthemen in der Bau- leitplanung ist. Auch wenn Klimaanpassung bestmög- lich berücksichtigt wird, kann es in der Gesamtabwägung dazu kommen, dass andere Belange Vorrang erhalten. Aufgabe und Ziel der Verwaltung ist es, die Bedeutung des Belangs im konkreten Planungsraum transparent darzustellen und Möglichkeiten optimal und verhältnis- mäßig in den Prozess einzubringen. Die letztendliche Entscheidung darüber, in welchem Umfang stadtklima- tische Aspekte in der Planung berücksichtigt werden, obliegt jedoch den gewählten Vertreter*innen in den politischen Gremien. Langfristige Perspektiven Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Bauleitpla- nung im Sinne der Klimaanpassung zeigt, dass langfris- tig tragfähige Strukturen geschaffen werden können. Die Verwaltung setzt diesen Weg fort, um die Resilienz der Stadt gegenüber Klimaveränderungen zu stärken und Gelegenheitsfenster durch Planungsvorhaben für die Klimaanpassung zu nutzen. 28Seite 40 von 163 2. Workshop: Räumliche Prioritäten und Synergien Folgende Leitfragen standen im Fokus: • Wo gibt es besonders dringlichen Handlungsbe- darf? • Welche laufenden Planungen bieten Anknüpfungs- punkte für Klimaanpassung? • Wo muss Klimaanpassung selbst als Treiber für neue Maßnahmen fungieren? Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse: Dringlicher Handlungsbedarf Eine zu Beginn gezeigte Präsentation sensibilisierte die Teilnehmenden nochmals sehr deutlich für die konkreten Auswirkungen des Klimawandels auf Bonn. In Form von Hitze- und Starkregengefahrenkarten wurden die unter- schiedlich starken Betroffenheiten erläutert. Ergänzend dazu wurden Auswertungen gezeigt, die im Zusammen- hang mit der Verwundbarkeit der Bevölkerung bzw. be- sonders betroffenen Personengruppen relevant sind (sie- he Kapitel Betroffenheitsanalyse). Anknüpfen an laufende Planungen Es wurden bestehende Planungen identifiziert, bei de- nen Klimaanpassungsmaßnahmen integriert werden können. Hierzu zählten formelle Planungen wie die Auf- stellung von Bebauungsplänen und informelle Ansätze wie die Schulhofoffensive des Bonner Freiraumplans, die Verortung der Klimaviertel sowie Aktivitäten aus dem ISEK Bonn Bad Godesberg. Diese Nennungen erfolgten als Ergänzung der Planungen, welche bereits aus der Kar- te der Gelegenheitsfenster des Schwammstadtkonzepts bekannt waren. Mit dem starken Fokus auf diesem Ansatz wurde zudem den Rückmeldungen der Teilnehmenden aus dem 1. Verwaltungsworkshop Rechnung getragen, wonach insbesondere die ohnehin zu leistenden Planun- gen für die Klimaanpassung genutzt werden sollten, um die Fachämter nicht zu überlasten. Stärkung der Maßnahmen in bereits adressierten Bereichen In den klimatisch besonders belasteten Bereichen der In- nenstadt und in Gewerbegebieten werden etwa im Rah- men des Masterplans Innere Stadt oder des ISEK Bad Godesberg und durch Aktivitäten wie Unternehmensbera- tungen in den Gewerbegebieten, wie Beuel-Ost, bereits sehr zielführende Ansätze umgesetzt. Um dem hohen Handlungsdruck in diesen Bereichen gerecht zu werden, sollten hier fortlaufend weitere Möglichkeiten zur Verstär- kung der Anpassungsaktivitäten geprüft werden. Initiierung zusätzlicher Projekte außerhalb bestehen- der Planungen Für Bereiche, die bislang nicht durch laufende Aktivitä- ten verändert werden, stehen kaum personelle Res- sourcen für zusätzliche Projekte in den dafür relevanten Ämtern zur Verfügung. Hier wird empfohlen, durch ge- zielte Öffentlichkeitsarbeit und Förderangebote die frei- willige Umsetzung von Maßnahmen Dritter anzuregen. Diese Aktivitäten können in Abstimmung mit dem Pres- seamt federführend durch das Klimaanpassungsma- nagement geleistet werden, wo hierzu befristet Res- sourcen für die Dauer der Bundesförderung zur Verfügung stehen. Zudem liefert die Analyse der Hitze- hotspots und der Standorte mit vielen vulnerablen Per- sonen wichtige Ansatzpunkte für den vom Gesundheits- amt zu entwickelnden Hitzeaktionsplan. 3. Workshop: Kommunikationsarbeit Folgende Leitfragen standen im Fokus: • Welche Ideen aus der zweiten Öffentlichkeitsbetei- ligung zur Kommunikationsarbeit sind umsetzbar? • Welche Erfahrungen haben die Ämter mit Kommu- nikationsarbeit? • Wie kann eine wirksame Kommunikationsstrategie für die Klimaanpassung aussehen? Umsetzbare Ideen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung Es wurden konkrete Vorschläge gesammelt, wie die Kommunikationsarbeit aus Sicht der Verwaltung ver- bessert werden kann. Die Ideen, die aus Bürger*innen- beteiligungsprozessen hervorgingen, wurden auf ihre Umsetzbarkeit und Wirkung hin geprüft. Dabei zeigte sich, dass zwar nicht alle Ansätze angesichts der be- grenzten Kapazitäten realisiert werden können, jedoch einige umsetzbar sind und oft auch mit den Vorschlägen der Verwaltung übereinstimmen. Erfahrungen der Ämter mit Kommunikationsarbeit Die Fachämter betonten, dass eine professionelle Kom- munikationsarbeit für die Klimaanpassung unabdingbar ist. Beispielsweise wurde berichtet, dass bei Maßnah- men wie der Pflanzung zusätzlicher Stadtbäume erheb- liche Widerstände der Anwohnenden aufgetreten sind oder eine mineralische Mulchung als Schottergarten wahrgenommen wurde. Eine verbesserte Kommunika- 29Seite 41 von 163 tion kann diese Widerstände und Missverständnisse nicht vollständig beseitigen, jedoch dazu beitragen, sie zu reduzieren und das Verständnis für städtische Aktivi- täten zu fördern. Entwicklung einer wirksamen Kommunikations- strategie Für eine effektive Ansprache, insbesondere zur Aktivie- rung von privaten Haushalten und Gewerbetreibenden, bedarf es einer motivierenden und zielgerichteten Kommunikation. Die Strategie soll ein Zusammenspiel aus analogen und digitalen Angeboten beinhalten: So sollen etwa geplante oder realisierte städtische Anpas- sungsmaßnahmen im Stadtgebiet mittels Schildern sichtbarer gemacht und auf der Website (bonn.de) so- wie über eine digitale Projektkarte näher erläutert wer- den. Zudem wird eine gezielte Ansprache relevanter Zielgruppen sowie die klare Definition von Zielen und Botschaften angestrebt, um einen roten Faden in der Kommunikationsarbeit zu etablieren. Zusammenfassend verdeutlicht der Workshop, dass es ein starkes Bewusstsein für die Notwendigkeit profes- sioneller Kommunikation gibt, um sowohl Widerstände zu reduzieren als auch freiwillige Maßnahmen zu för- dern. Die gesammelten Ideen und Erfahrungen fließen in die Kommunikationsstrategie ein und sollen dazu beitragen, die Klimaanpassungsaktivitäten in Bonn ef- fektiver und nachvollziehbarer darzustellen. Der Weg zur Umsetzung Die Ergebnisse der Workshops wurden umfassend doku- mentiert und flossen direkt in die Entwicklung des Kli- maanpassungskonzeptes ein. Sie bildeten die Grundla- ge für die Maßnahmensteckbriefe und halfen, zukünftige Projekte festzulegen. Besonders wertvoll war der interne Austausch für die Kommunikationsstra- tegie: Die Erwartungen der Öffentlichkeit konnten auf Basis der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung ge- nauso besprochen werden wie die internen Herausfor- derungen der Verwaltung. Die Beteiligung der Verwaltung hat gezeigt: Klimaan- passung ist nicht nur eine fachliche Aufgabe, sondern erfordert eine koordinierte und transparente Zusam- menarbeit. Durch die frühzeitige Einbindung der Fach- ämter konnte dabei unterstützt werden, Synergien zu erkennen und zu nutzen, relevante Prozesse zu optimie- ren und zur verwaltungsinternen Sensibilisierung für Klimaanpassungsmaßnahmen beizutragen. Abb. 26: Einblick in die Bürgerbeteiligung Quelle: Bundesstadt Bonn Abb. 27: Einblick in die Bürgerbeteiligung II Quelle: Bundesstadt Bonn Die erste Bürger*innenbeteiligung im April 2024 diente zur Information der Bevölkerung zur Thematik der Kli- maanpassung und deren Notwendigkeit. Darüber hin- aus hatten die Bürger*innen die Möglichkeit, in Klein- gruppenarbeit auf Grundlage der vermittelten Informationen über Hitze, Trockenheit und Starkregen ihre Ideen in die Konzepterstellung einzubringen und zu schildern, wo Handlungsbedarf oder Problemlagen ge- sehen werden. Zudem konnten räumlich konkrete Maß- nahmen zur Klimaanpassung vorgeschlagen werden. Nach der Workshoprunde fanden eine Blitzlichtrunde und eine Diskussion über die Gruppenarbeit im Plenum statt. Klimaanpassung – einfach machen! Die Öffentlichkeitsbetei- ligung Die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Erstel- lung des Klimaanpassungskonzepts wurde in zwei Pha- sen gegliedert. Die erste Phase wurde im Frühjahr 2024 durchgeführt. Die zweite Phase fand im Herbst 2024 statt. 30Seite 42 von 163 Abb. 28: online Beteiligung auf bonn-macht-mit.de Quelle: Bundesstadt Bonn Parallel zur Veranstaltung gab es die Möglichkeit, sich im Rahmen einer 6-wöchigen Online-Beteiligung über das Beteiligungsportal „BONN MACHT MIT!“ aktiv am integ- rierten Klimaanpassungskonzept zu beteiligen. Die Teil- nehmenden hatten hierbei die Möglichkeit, räumlich konkrete Maßnahmenvorschläge zu den drei Hand- lungsfeldern Hitze, Trockenheit und Starkregen im Stadtgebiet zu verorten. Im Rahmen der Online-Beteili- gung sind über 250 Kommentare eingegangen. Die Ergebnisse aus beiden Beteiligungssträngen wur- den zunächst ausgewertet und zur weiteren Analyse im Geoinformationssystem verräumlicht. Außerdem konn- ten durch Mehrfachnennungen weitere lokale Eingriffs- möglichkeiten im Sinne von Bausteinen der Klimaan- passung (vgl. Anhang „Bausteine der Klimaanpassung“) identifiziert werden: Verwendung von Flächenmateria- lien mit geringer Wärmeleit- und Speicherkapazität, Haltestellen und Wartebereiche begrünen und verschat- ten sowie die Implementierung einer klimaangepass- ten Vegetation. Im Oktober 2024 fand die zweite vor-Ort-Beteiligung im Rahmen des Konzeptes statt, zu der auch die Teilneh- menden aus der Stakeholder-Beteiligung eingeladen wurden (vgl. nächstes Kapitel). Der Fokus dieser Beteiligung lag auf der Vorstellung des Maßnahmenkatalogs mit seinen bis dahin 22 Maßnah- menpaketen sowie der Präsentation der Vorschläge aus der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung. Darüber hinaus konnten die Teilnehmenden in einer aktiven Workshop- phase die Maßnahmen mit Hilfe von Klebepunkten hin- sichtlich ihrer Wichtigkeit priorisieren, Vorschläge zur Kommunikationsarbeit zu den jeweiligen Maßnahmen liefern sowie letzte Hinweise geben. Weiterhin bestand die Möglichkeit, erste Ideen und Anregungen zur Kom- munikationsstrategie zu machen. Neben der vor-Ort-Beteiligung hatten die Bürger*innen, wie bereits im Rahmen der ersten Öffentlichkeitsbetei- ligung, die Möglichkeit, sich im Rahmen einer 3-wöchi-
Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:45 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de