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253014 · Beschlussvorlage

Integriertes Klimaanpassungskonzept (KLAKi) für die Stadt Bonn

Nummer
253014
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
21.05.2025
Letzte Änderung
01.11.2026
  • Zentrum-Rheinviertel siedlung· Bonn-Zentrum, Bonn Hauptort
  • Berliner Platz Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Schützenstraße Straße· Nordstadt, Bonn
  • Mainzer Straße Straße· Schweinheim, Bad Godesberg
  • Endenicher Allee Straße· Weststadt, Bonn
  • Reuterstraße Straße· Südstadt, Bonn
  • F Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Theaterplatz Straße· Alt-Godesberg, Bad Godesberg
  • Sternstraße Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Markt Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Budapester Straße Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Stiftsplatz Straße· Nordstadt, Bonn
  • Bischofsplatz Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Auerberger Mitte Straße· Auerberg, Bonn
  • Kurfürstenplatz Straße· Ippendorf, Bonn
  • Clemens-August-Platz Straße· Poppelsdorf, Bonn
  • Moltkeplatz Straße· Alt-Godesberg, Bad Godesberg
  • Dorothea-Erxleben-Weg Straße· Vilich-Müldorf, Beuel
  • Dorotheenstraße Straße· Castell, Bonn
  • Nonnstraße Straße· Castell, Bonn
  • Rheingasse Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Kölnstraße Straße· Castell, Bonn
  • Wilhelmsplatz Straße· Nordstadt, Bonn
  • Sankt Augustiner Straße Straße· Vilich, Beuel
  • Combahnstraße Straße· Beuel-Mitte, Beuel
  • Poppelsdorfer Platz Straße· Poppelsdorf, Bonn
  • Römerstraße Straße· Nordstadt, Bonn
  • Nordfriedhof Straße· Auerberg, Bonn
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  • Schlesienstraße Straße· Tannenbusch, Bonn
  • Landgrabenweg Straße· Küdinghoven, Beuel
  • Alt-Godesberg Ortsteil· Bad Godesberg
  • Venusberg Ortsteil· Bonn
  • Buschdorf Ortsteil· Bonn
  • Weststadt Ortsteil· Bonn
  • Beuel-Ost Ortsteil· Beuel
  • Endenich Ortsteil· Bonn
  • Kessenich Ortsteil· Bonn
  • Pennenfeld Ortsteil· Bad Godesberg
  • Vilich-Müldorf Ortsteil· Beuel
  • Auerberg Ortsteil· Bonn
  • Küdinghoven Ortsteil· Beuel
  • Poppelsdorf Ortsteil· Bonn
  • Nordstadt Ortsteil· Bonn
  • Brüser Berg Ortsteil· Hardtberg
  • Tannenbusch Ortsteil· Bonn
  • Vilich Ortsteil· Beuel
  • Bonn Stadtbezirk
  • Bad Godesberg Stadtbezirk· Alt-Godesberg
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  • Hardtberg Stadtbezirk
  • Kottenforst siedlung· Röttgen, Bonn
  • Ennert siedlung· Ramersdorf, Beuel
  • Baumschulviertel siedlung· Weststadt, Bonn
  • Vor dem Sterntor siedlung· Nordstadt, Bonn
  • Wichelshof siedlung· Castell, Bonn
  • Godesberg-Zentrum siedlung· Alt-Godesberg, Bad Godesberg
  • Neu-Tannenbusch siedlung· Tannenbusch, Bonn
  • Alt-Tannenbusch siedlung· Tannenbusch, Bonn
  • Duisdorf-Zentrum siedlung· Duisdorf, Hardtberg
  • Bonner Talviertel siedlung· Südstadt, Bonn
  • Rheinaue siedlung· Hochkreuz, Bad Godesberg
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 10.07.2025 Empfehlung
  2. Sitzung des Rates 04.09.2025 Entscheidung federführend
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 8,8 MB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 253014-01 AA Änderungsantrag der Koalition - Integriertes Klimaanpassungskonzept (KLAKi) für die Stadt Bonn Antrag zur Vorlage 253014

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Beschlussvorlage
öffentlich
253014
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Integriertes Klimaanpassungskonzept (KLAKi) für
die Stadt Bonn
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
04.06.2025 Empfehlung
Rat 03.07.2025 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Der Rat beschließt das integrierte Klimaanpassungskonzept als
strategischen Rahmen zur Stärkung der kommunalen
Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels.
Klimaanpassung soll als ein leitendes Ziel dauerhaft in das
Verwaltungshandeln eingebunden werden. Bei relevanten
Entscheidungs- und Planungsprozessen – insbesondere in
flächenbezogenen Verfahren – ist sie systematisch zu berücksichtigen.
Dies erfolgt im Sinne eines integrierten Verwaltungshandelns, welches
beabsichtigt, die Klimaanpassung mit anderen öffentlichen Zielen in
Einklang zu bringen.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen des Förderschwerpunkts
A2 der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) eine Anschlussförderung
zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts zu beantragen.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Konzept dargestellten
Maßnahmensteckbriefe – vorbehaltlich verfügbarer personeller und
finanzieller Ressourcen sowie technischer Umsetzbarkeit – schrittweise
umzusetzen.
Begründung
Die Verwaltung informierte zuletzt anhand der DS 241621 über den aktuellen
Stand der Erarbeitung des integrierten Klimaanpassungskonzeptes (Klaki) für
Bonn. Das Konzept wird im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie
gefördert – bislang im Schwerpunkt A1 – und umfasst die Finanzierung einer
Personalstelle für das Klimaanpassungsmanagement sowie die Unterstützung
durch ein externes Büro für die Projektlaufzeit. Die aus dem
Bundesklimaanpassungsgesetz (KAnG) hervorgehende Pflicht für die
Erstellung von Klimaanpassungskonzepten wurde in Nordrhein-Westfalen
bisher nicht vom Land auf die Kommunen übertragen. Mit dem jetzt vorgelegtenSeite 1 von 163
Seite 2
Konzept kommt die Stadt Bonn dieser sich abzeichnenden Verpflichtung zuvor
und schafft damit die konzeptionelle Basis, die Stadt widerstandsfähiger
gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und wichtige
Förderzugänge für die Durchführung von Klimaanpassungsmaßnahmen sowie
die Fortführung des Klimaanpassungsmanagements zu eröffnen.
Bonn verfügt bereits über umfangreiche Grundlagen: Neben gesamtstädtischen
Planungsgrundlagen wie etwa der Starkregengefahrenkarten und der
Planungshinweiskarte “Hitze” auf Basis der Stadtklimaanalyse existieren
verschiedene Fachkonzepte wie der Bonner Freiraumplan, das
Schwammstadtkonzept und das Stadtbaumkonzept. Zahlreiche Projekte in den
Bereichen Stadtgestaltung und Begrünung unterstreichen das Engagement der
Stadt Bonn in Sachen Klimaanpassung. Dennoch zeigen nicht zuletzt die
Ergebnisse aus dem Projekt MUTABOR (DS 231924), dass die bisherigen
Maßnahmen nicht ausreichen, um den Herausforderungen des Klimawandels
vollumfänglich zu begegnen. Vor diesem Hintergrund fasste der Stadtrat den
Zielbeschluss zur Klimaanpassung (DS 231893), betonte die Notwendigkeit,
Maßnahmen zur Vorsorge bei Hitze, Starkregen und Trockenheit sowie zur
Reduktion der Vulnerabilität deutlich zu intensivieren und beauftragte die
Verwaltung damit, ein Klimaanpassungskonzept sowie einen Hitzeaktionsplan
mit konkreten zielführenden Maßnahmen auszuarbeiten.
Der Hitzeaktionsplan, welcher derzeit federführend durch das Gesundheitsamt
erarbeitet wird, konzentriert sich spezifisch auf den Gesundheitsschutz
während Hitzewellen und richtet sich vorrangig an besonders gefährdete
Bevölkerungsgruppen (DS 220226). Das vorliegende Klimaanpassungskonzept
verfolgt einen langfristigen, strategischen Ansatz zur Anpassung an vielfältige
Klimafolgen wie Hitze, Starkregen oder Trockenheit und formuliert vor allem
strukturelle und planerische Maßnahmen.
Neben zentralen Handlungsfeldern in Anlehnung an die Deutsche
Anpassungsstrategie adressiert das Klimaanpassungskonzept vor allem die
Intensivierung der Kommunikationsarbeit.
Die Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung soll nach Möglichkeit in
relevante Verwaltungsprozesse integriert werden, um eine nachhaltige und
kosteneffiziente Umsetzung zu gewährleisten. In diesem Zusammenhang
wurde identifiziert, in welchen Bereichen bisher Klimaanpassungsaspekte
berücksichtigt werden und wo noch Ergänzungsmöglichkeiten bestehen. Ziel ist
es, diese Prozesse sukzessive klimaangepasst zu erweitern – etwa durch
Klärung von Zuständigkeiten, Beantwortung organisatorischer sowie rechtlicher
Fragestellungen sowie durch Abstimmung von Standards.
Auf Grundlage des beschlossenen Konzepts kann eine Folgeförderung
(Förderschwerpunkt A2) für das Klimaanpassungsmanagement für weitere 36
Monate beantragt werden. Die in diesem Zusammenhang geförderte
Personalstelle ist erforderlich, um die beschriebenen Abstimmungen hin zu
Prozessstandards für die Klimaanpassung begleiten zu können sowie die
Aktivitäten im Bereich der Kommunikation auszubauen. Daneben fällt das
Controlling und die Berichterstattung in das Aufgabenspektrum des
Klimaanpassungsmanagements. Der Bund als Fördergeber hat erkannt, dass
das Klimaanpassungsmanagement als zentrale steuernde Stelle für den ErfolgSeite 2 von 163
Seite 3
der Weiterentwicklung der interdisziplinären Querschnittsaufgabe der
Klimaanpassung essentiell ist. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, im Zuge
der Umsetzung eine investive Förderung für eine ausgewählte Maßnahme zu
beantragen.
Damit über das Klimaanpassungsmanagement für die Umsetzung erster
Maßnahmen auch kurzfristig Finanzmittel zur Verfügung stehen, wurden für
den Doppelhaushalt 2025/2026 Mittel angemeldet. Diese Mittel sollen einen
raschen Start der Maßnahmen unterstützen, reichen jedoch nicht aus, um
sämtliche aufgeführte Maßnahmen umzusetzen. Zudem wurden mit dem
Änderungsantrag DS 240986-93 zur Einbringung der Haushaltssatzung für die
Haushaltsjahre 2025/2026 u.a. investive Mittelansätze für die Steigerung der
Biodiversität und Klimaanpassung sowie für die Schwammstadt in Höhe von
200.000€ für das Jahr 2025 und von 300.000€ für das Jahr 2026 beschlossen.
Im Zuge der Realisierung sind ergänzende Fördermittel oder zusätzliche
Anmeldungen für den Doppelhaushalt 27/28 notwendig. Zur Schonung des
städtischen Haushalts werden bei der Umsetzung geeignete Möglichkeiten
geprüft, um Fördermittel gezielt zur Finanzierung einzusetzen oder vorhandene
Haushaltsmittel zu ergänzen.
Die Verwaltung weist abschließend in aller Deutlichkeit darauf hin, dass eine
Weiterentwicklung der Klimaanpassung dringend erforderlich ist und ein „Weiter
wie bisher“ nicht ausreicht, um die Folgen des Klimawandels wirksam zu
bewältigen (vgl. Ergebnisse des Projektes MUTABOR DS 231924). Gleichzeitig
bestehen erhebliche Hemmnisse, insbesondere durch die angespannte
Haushaltslage, Fachkräftemangel in der Verwaltung und die damit
verbundenen Einschränkungen bei der Finanzierung und personellen
Ausstattung für die Umsetzung der Maßnahmen.
Vor diesem Hintergrund ist ein pragmatisches Vorgehen erforderlich, das auch
unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen eine Weiterentwicklung der
Klimaanpassung ermöglicht. Das von der Verwaltung vorgelegte integrierte
Klimaanpassungskonzept zeigt mit der prozessorientierten Umsetzung einen
Weg auf, Klimaanpassung ohne eine Vielzahl von neuen Einzelprojekten und
Personalstellen standardisiert umzusetzen. Dies erfordert von allen beteiligten
Stellen, die bestehenden Herausforderungen durch den Klimawandel
anzuerkennen, neue Lösungsansätze zu entwickeln, Synergien zu nutzen und
Prozesse effizienter zu gestalten.
Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass neben der
Finanzierungsfrage insbesondere die Akzeptanz für Maßnahmen eine
entscheidende Rolle spielt. Nur wenn es gelingt, breite Zustimmung in der
Stadtgesellschaft zu gewinnen, können Maßnahmen langfristig erfolgreich
umgesetzt werden. Angesichts der zentralen Bedeutung der Akzeptanz bei
Projekten zur klimaangepassten Stadtumgestaltung soll die Zusammenarbeit
mit den für die Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Bereichen
weiter intensiviert werden. Eine verstärkte Abstimmung und gegenseitige
Unterstützung können wesentlich dazu beitragen, die Akzeptanz der
Maßnahmen zu fördern und den Erfolg der Projekte nachhaltig zu sichern.
Bestehende Schnittstellen sollen gezielt genutzt und ausgebaut werden, um die
Grundlagen für eine wirksame und tragfähige Umsetzung weiterzuentwickeln.Seite 3 von 163
Seite 4
Die Auszahlung steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Haushaltes
2025/2026 durch die Bezirksregierung Köln.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.14 Umweltschutz 1.14.03 Umweltvorsorge und -
planung
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen 140.000 €
140.000 €
100.000 €
150.000 €
100.000 €
150.000 €
5560014033000/789100
5680013011600/785200
5680013014000/785200
2025
2026
2025
2026
2025
2026
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
60.000 €
60.000 €
156001403/721000
156001403/721000
2025
2026
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/n
1 Klaki_Bonn (öffentlich)Seite 4 von 163
Seite 5 von 163
Seite 6 von 163
Auftraggeberin:
Stadt Bonn
Amt für Umwelt und Stadtgrün
Klimaanpassung und -vorsorge (67-41)
Berliner Platz 2
53111 Bonn
Ansprechpartnerinnen und Bearbeitung:
Jessica Löffler
Nadine Walkembach
Lea Gockel
Projektbearbeitung:
Prof. Dr. Martin Berchtold
M.Sc. Lena Aumüller
M.Sc. Magnus Heilmann
M.Sc. Sarah Zwanzger
Schützenstraße 8a
76137 Karlsruhe
mail@berchtoldkrass.de
www.berchtoldkrass.de
Förderinformationen:
Bonn, Mai 2025
IMPRESSUMSeite 7 von 163
INHALTSVERZEICHNIS
1. Warum ein Konzept zur Klimaanpassung 2
• Ablauf der Erarbeitung 4
2. Bonn und der Klimawandel 6
• Bonns besonderes Klima 6
• Oft zu nass und dann wieder zu trocken - Klimwandel in Bonn 8
• Es wird heißer 8
• Zu viel Wasser auf einmal 10
• Dauerhaft eher zu wenig Wasser 11
3. Darauf lässt sich aufbauen: ein Blick auf schon Erarbeitetes 12
• Scheinwerfer auf: Die Bonner Biodiversitätsstrategie 17
• Scheinwerfer auf: internationale Aktivitäten 18
• Klimarisiken im Fokus – Die Betroffenheitsanalyse für Bonn 20
4. Bonn macht mit! Die Beteiligung zur Klimaanpassung 24
• Gemeinsam, wirkungsvoll, umsetzen – Die Ämterbeteiligung 24
• Drei Workshops – ein gemeinsamer Lernprozess 24
• Scheinwerfer auf: Hitzevorsorge in der verbindlichen Bauleitplanung 27
• Der Weg zur Umsetzung 30
• Klimaanpassung – einfach machen! Die Öffentlichkeitsbeteiligung 30
• Gemeinsam wird´s gut! Die Stakeholder-Beteiligung 34
• Unsere Zukunft läuft heiß! Die Schüler*innenbeteiligung 35
5. Gesamtstrategie 38
• Zunächst - eine Positionsbestimmung 38
• Richtungsweisend - Ziele der Klimaanpassung 45
• Bonn bleibt cool - Hitzevorsorge 45
• Bonn sitzt nicht auf dem Trockenen - Trockenheitsvorsorge 46
• Bonn lässt niemanden im Regen stehen - Starkregenvorsorge 47
• Gemeinsam klimafit – Vulnerabilität reduzieren 47
• Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft 48
• Gesamtstrategie zur Klimaanpassung 50Seite 8 von 163
6. Der Kern des Ganzen – Der Maßnahmenkatalog 52
7. Wissen schafft Veränderung! Die Kommunikationsstrategie 108
• Kommunikation nach außen 108
• Schritt für Schritt – zu Bewusstsein, Akzeptanz und Umsetzung 110
• Ausgestaltung der Kommunikationsarbeit 118
• Gut aufgestellt – Kommunikation innerhalb der Verwaltung 119
8. Erkennen, wo es klemmt: Das Monitoring 120
• Echte Werte! Die Indikatoren 120
• Der Einstieg: Monitoring zur Klimaanpassung, die Erste! 123
• Wohin die Reise geht! Die Monitoring-Vision 124
9. Kurz und kompakt: Der Fahrplan zu mehr Klimaanpassung 125
• Der Zeitplan 125
• Der Finanzplan 128
10. Wie geht es weiter? 131
11. Anhang I
• Bausteine der Klimaanpassung II
• Der Bonner Klimaatlas XISeite 9 von 163
ABBILDUNGEN
Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch; Quelle: Benjamin Westhoff 1
Abb. 2: Aufbau des Konzeptes; Darstellung berchtoldkrass space&options 5
Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag
(PET) (rechts), Quelle: Geo-Net 7
Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019; Quelle: Bundesstadt Bonn 8
Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr; Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW 8
Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW;
Quelle: LANUK NRW nach DWD 8
Abb. 7: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET) (links); Stadtklimaanalyse der
Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET) (rechts); Quelle: Geo-Net 9
Abb. 9: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024;
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 10
Abb. 8: Überflutung Mainzer Straße; Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt 10
Abb. 10: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024;
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW 11
Abb. 11: Übersicht über bestehende relevante Konzepte und Planungen der Stadt Bonn;
Darstellung: berchtoldkrass 13
Abb. 12: Sitz der UN in Bonn Planungen; Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 18
Abb. 13: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu verschiedenen Themen von Resilienz;
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca 19
Abb. 14: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszentrum Cape Coast (Ghana) mit jungen
Klimabotschaftler*innen; Quelle: Julia Merkelbach 19
Abb. 15: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und das Umweltzebra von La Paz
erklären Kindern den Klimawandel; Quelle: Julia Merkelbach 19
Abb. 16: Thermische Hot Spots - überzeichnet auf Basis der Planungshinweiskarte; Quelle: berchtoldkrass 20
Abb. 17: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete; Quelle: Bundesstadt Bonn 20
Abb. 18: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung von Gebieten mit besonders hohen
Wasserstandstiefen nach Starkregenereginissen; Quelle: Bundesstadt Bonn; berchtoldkrass 21
Abb. 19: Personen unter 6 Jahre (ab 3 Personen/ha): Quelle: berchtoldkrass 22
Abb. 21: Gesamtbevölkerungsdichte (ab 65 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22
Abb. 20: Personen in Grundsicherung (ab 3 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22
Abb. 22: Personen über 65 Jahre (ab 10 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22
Abb. 23: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha); Quelle: berchtoldkrass 22
Abb. 24: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren; Quelle: berchtoldkrass 23
Abb. 25: zeitliche Abfolge der Beteiligungsformate; Darstellung: berchtoldkrass 24
Abb. 26: Einblick in die Bürgerbeteiligung; Quelle: Bundesstadt Bonn 30
Abb. 27: Einblick in die Bürgerbeteiligung II; Quelle: Bundesstadt Bonn 30
Abb. 28: online Beteiligung auf bonn-macht-mit.de; Quelle: Bundesstadt Bonn 31
Abb. 29: Maßnahmen pro Stadtbezirk; Darstellung berchtoldkrass 31Seite 10 von 163
Abb. 30: Priorisierung der Maßnahmensteckbriefe durch die Teilnehmenden der zweiten Beteiligungsphase;
Darstellung: berchtoldkrass 32
Abb. 31: Wünsche von Unterstützungsmöglichkeiten durch die Stadt; Darstellung: berchtoldkrass 33
Abb. 32: Informationsbedarf durch Kanäle; Darstellung: berchtoldkrass 33
Abb. 33: konkrete Ideen zur Klimaanpassung; Darstellung: berchtoldkrass 33
Abb. 34: Anzahl der Maßnahmen aus dem Stakeholderdialog; Quelle: berchtoldkrass 34
Abb. 35: Themen aus der Schüler*innenbeteiligung; Darstellung: berchtoldkrass 35
Abb. 36: Der Weg in eine klimaangepasste Zukunft: Herausforderungen und Lösungswege für die Bonner
Stadtverwaltung; Quelle: Doris Kube 49
Abb. 37: Zukunftsbild der klimaangepassten Stadt Bonn; Quelle: berchtoldkrass 53
Abb. 38: Handlungsfelder der Klimaanpassung; Quelle: berchtoldkrass 54
Abb. 39: Aussenansicht Windeckbunker; Quelle: Isabel Klotz/Bundesstadt Bonn 56
Abb. 40: Regentonne im Garten; Quelle: Schulzie/Adobe Stock 58
Abb. 41: Dachbegrünung und Solarpanele; Quelle: Ren Notenbomer/Adobe Stock 60
Abb. 42: Bundesministerium für Umwelt Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz;
Quelle: Michael Sondermann/Bundesstadt Bonn 62
Abb. 43: Visualisierung der bevorstehenden Neugestaltung des Stiftsplatzes Bonn-Innenstadt; Quelle: scape
Landschaftsarchitekten GmbH 64
Abb. 44: Staudenbeete Stadtpark Godesberg; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 66
Abb. 45: Baumpflanzung; Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 68
Abb. 46: Endenicher Allee; Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 70
Abb. 47: Reuterstraße; Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 72
Abb. 48: begrüntes Wetterschutzhäuschen; Quelle: Martin Magunia/Stadtwerke Bonn 74
Abb. 49: Alter Friedhof; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 78
Abb. 50: Kleingartenverein Bonn-Süd e.V.; Quelle: TGP Landschaftsarchitekten 80
Abb. 51: Bachlauf im Kottenforst; Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 82
Abb. 52: Muldenversickerung Panoramapark; Quelle: Amt für Umwelt und Stadtgrün/Bundesstadt Bonn 84
Abb. 53: Spielnetz Panoramapark; Quelle: Michael Sondermann, Bundesstadt Bonn 86
Abb. 54: Karlschule Visualisierung; Quelle: MUST Städtebau 88
Abb. 55: Reuterpark; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 90
Abb. 56: Trinkwasserbrunnen; Quelle: Sascha Engst, Bundesstadt Bonn 92
Abb. 57: Beratungsstand; Quelle: Doris Kube 94
Abb. 58: Pflanzeninsel Paulusschule; Quelle: Sascha Engst/ Bundesstadt Bonn 96
Abb. 59: Infotafeln; Quelle: Nadine Walkembach/Bundesstadt Bonn 100
Abb. 60: Beispiel Projektkarte Schwammstadt; Quelle: links (von oben): MUST Städtebau GmbH, Bundesstadt
Bonn; rechts (von oben):KGS am Domhof, scape Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH,
SWB/Benjamin Westhoff 104Seite 11 von 163
Abb. 61: Kommunikationsziele; Darstellung Bundesstadt Bonn und berchtoldkrass angelehnt an Prutsch
et al., 2014
Prutsch, A.; Glas,N.; Grothmann,T.; Wirth,V.; Dreiseitl-Wanschura,B.; Gartlacher, S.; Lorenz,F. & Ger-
lich,W.: Klimawandel findet statt. Anpassung ist nötig. Ein Leitfaden zur erfolgreichen
Kommunikation. Umweltbundesamt, Wien, 2014, S.4 109
Abb. 62: Beispielhafte Darstellung der Projektkarte zur Klimaanpassung; Quelle: links (von oben): MUST
Städtebau GmbH, Bundesstadt Bonn; Bildrechte rechts (von oben): KGS am Domhof, scape
Landschaftsarchitekten, MUST Städtebau GmbH, SWB/Benjamin Westhoff 110
Abb. 63: Geplante Maßnahmen zur Bewusstseinsstärkung und Sensibilisierung (Ziel 1); Quelle: Bundesstadt
Bonn, Darstellung berchtoldkrass 111
Abb. 64: Geplante Maßnahmen zur Aktzeptanzsteigerung (Ziel 2); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung
berchtoldkrass 112
Abb. 65: Geplante Maßnahmen zur Stärkung der Handlungskompetenz bei Hitze (Ziel 3);
Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 114
Abb. 66: Geplante Maßnahmen der Risikokommunikation zur Starkregen- und Hochwasservorsorge
(Ziel 3); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 115
Abb. 67: Geplante Maßnahmen zur Erhöhung der Motivation, selbst aktiv zu werden im Bereich
Klimaanpassung (Ziel 4); Quelle: Bundesstadt Bonn, Darstellung berchtoldkrass 117Seite 12 von 163
Abb. 1: Oberbürgermeisterin Katja Dörner am Schreibtisch
Quelle: Benjamin Westhoff
VORWORT
Liebe Bonner*innen, liebe Interessierte,
die Klimakrise ist längst keine ferne Bedrohung mehr – sie ist Realität. Mit wachsender Dringlichkeit führen uns
Extremwetterereignisse rund um den Globus ihre Konsequenzen vor Augen. Auch hier in Bonn spüren wir die Aus-
wirkungen: drückende Hitze mit Temperaturen über 40°C, plötzlich anschwellende Bäche, die in kürzester Zeit
Überflutungen verursachen, oder Stadtgrün, das unter langanhaltender Trockenheit leidet.
Mit dem Bonner Klimaplan haben wir uns entschlossen auf den Weg gemacht, Treibhausgasemissionen konsequent
zu senken und bis 2035 klimaneutral zu werden – ein ambitioniertes, aber notwendiges Ziel im Sinne des Pariser
Klimaabkommens. Doch während wir lokal Fortschritte erzielen, zeigt der globale Blick: Wir sind nicht auf Kurs, um
die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Deshalb müssen wir den Klimaschutz mit der vorausschauenden An-
passung an die bereits unvermeidbaren Veränderungen verbinden. Gerade in Zeiten multipler Krisen wird deutlich,
dass viele Herausforderungen nur gemeinsam zu bewältigen sind. Klimaanpassung und der Schutz der Biodiversi-
tät gehen dabei oft Hand in Hand.
Das vorliegende integrierte Konzept zur Klimaanpassung knüpft an das bereits Erreichte an – denn wir stehen in
Bonn nicht mehr am Anfang. Vieles wurde bereits umgesetzt, weitere Maßnahmen sind geplant. Doch eines ist klar:
Ein „Weiter so“ wird nicht reichen. Wir müssen mutiger, entschlossener und schneller handeln, um unsere Stadt
widerstandsfähig zu machen – damit Bonn auch in Zukunft lebenswert bleibt, die Sommer erträglich bleiben und
unsere Natur widerstandsfähig.
Mit diesem Konzept halten wir nun unseren Fahrplan für ein klimaresilientes Bonn in den Händen. Ich freue mich
darauf, ihn gemeinsam mit Ihnen in die Tat umzusetzen.
Oberbürgermeisterin Katja Dörner
1Seite 13 von 163
1. Warum ein
Konzept zur
Klimaanpassung
Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist heu-
te drängender denn je. Die Veränderungen des Klimas
haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen.
Auch in Zukunft müssen wir mit einem weiteren Anstieg
von Extremwetterereignissen und deren Folgen rech-
nen. Besonders Städte stehen aufgrund ihrer hohen Be-
völkerungs- und Siedlungsdichte sowie einem hohen
Versiegelungsgrad vor komplexen Herausforderungen
in der Klimafolgenanpassung.
Am 01.07.2024 ist das erste bundesweite Klimaanpas-
sungsgesetz (KAnG) in Kraft getreten. Das neue Gesetz
bildet den strategischen Rahmen für die künftige Klima-
anpassung in Bund, Ländern und Kommunen. §12 KAnG
benennt die Verpflichtung zur Erstellung von Klimaan-
passungskonzepten und deren wesentliche Inhalte. Die
Länder sind auf Grundlage des KAnG angehalten, die
Pflicht zur Erstellung von Klimaanpassungskonzepten
näher zu bestimmen und auf die Städte und Gemeinden
zu übertragen. In NRW wird hierfür voraussichtlich eine
Anpassung des Landes-Klimaanpassungsgesetztes
(KlAnG) erfolgen.
Unabhängig von dieser anstehenden Verpflichtung zur
Erstellung von Klimaanpassungskonzepten hat die Stadt
Bonn im Rahmen eines durch die Deutsche Anpassungs-
strategie (DAS) geförderten Projektes bereits im August
2023 mit der Erarbeitung eines solchen für Bonn begon-
nen.
Mit dem vorliegenden Konzept schafft die Stadt Bonn
eine systematische Grundlage, um ihre Aktivitäten zur
Klimaanpassung auf ein höheres und zur Zielerreichung
erforderliches Ambitionsniveau zu heben. Dass eine
deutliche Verstärkung der Klimaanpassungsaktivitäten
mit Blick auf den sich weiter intensivierenden Klima-
wandel erfolgen muss, wurde durch die Fassung eines
Zielbeschlusses zur Klimaanpassung in Bonn bekräftigt.
Dieser Beschluss stützt sich auf bereits vorhandene Pla-
nungsgrundlagen zu Hitze, Trockenheit und Starkregen
sowie die darin ersichtlichen Handlungsschwerpunkte.
Zudem haben eindrückliche Ergebnisse aus dem For-
schungsvorhaben MUTABOR (2021-2023) vor Augen ge-
führt, dass die bisherigen eher punktuellen Aktivitäten
zur Hitzeanpassung nicht ausreichend sind, um dem Kli-
mawandel zu begegnen.
Das Konzept zur Klimaanpassung soll daher vor allem
dazu dienen:
• Relevante wiederkehrende Prozesse der Verwal-
tung im Sinne der Klimaanpassung anzureichern,
um das Thema zum integralen Bestandteil von
kommunaler Planung und Umsetzung zu machen,
• Klimaanpassung noch stärker als Querschnittsauf-
gabe innerhalb der Verwaltung aufzubauen und
Zuständigkeiten zu klären,
• den Übergang zur praktischen Umsetzung von
Klimaanpassungsmaßnahmen gezielt zu verstär-
ken,
• notwendige zusätzliche Maßnahmen und dafür
erforderliche Ressourcen zu benennen,
• parallel zur Konzepterarbeitung Maßnahmen
anzustoßen, die keine zusätzlichen Ressourcen
erfordern,
• einen Zeitplan für die Maßnahmenumsetzung in
den nächsten Jahren zu erstellen,
• Bürger*innen, Stakeholder und die Verwaltung zu
beteiligen und ihre Vorschläge einzubeziehen,
• Synergien insbesondere zum Klimaschutz und zur
Biodiversität zu heben,
• eine gute und umsetzungsbegleitende Kommuni-
kation vorzubereiten,
• sowie zur Verstetigung und kontinuierlichen
Verbesserung der Klimaanpassungsaktivitäten
durch die Implementierung eines Monitorings
beizutragen
2Seite 14 von 163
Daneben ist ein aktuelles Klimaanpassungskonzept in
einigen Programmen Grundlage für die erfolgreiche Ak-
quise von Fördermitteln. Für die Konzepterstellung und
im Anschluss für die Konzeptumsetzung wird zudem
eine befristete Personalstelle für das Klimaanpassungs-
management durch das Bundesumweltministerium ge-
fördert.
Mit diesem Konzept soll die Grundlage für eine effektive
Weiterentwicklung der Klimaanpassung in Bonn gelegt
werden. Damit diese Weiterentwicklung zielgerichtet
ausgearbeitet werden konnte, war zunächst eine um-
fassende Bestandserfassung notwendig. Hiermit konn-
ten folgende Fragen beantwortet werden: Wie sind die
Ausgangslage und die Betroffenheit in Bonn? In wel-
chen Ämtern laufen bereits welche Aktivitäten? In wel-
chen Abläufen ist die Klimaanpassung bereits gut als
Standard integriert?
Von Beginn an war es nicht das Ziel, mit diesem Konzept
viele neue Projekte auszulösen. Um die Klimaanpas-
sung dauerhaft als Qualität in städtisches Handeln ein-
zubetten, lag der Fokus im ersten Schritt darauf, für die
Klimaanpassung relevante, wiederkehrende Prozesse
zu ermitteln und auszuwerten, inwieweit diese bereits
standardisiert im Sinne der Klimaanpassung genutzt
werden. Erst im zweiten Schritt sollten dort, wo ohnehin
anstehende Planungen kein Potenzial bieten, neue Pro-
jekte beschrieben werden. Auch diese sollen jedoch
möglichst nicht als “Insel” bearbeitet werden, sondern
an andere Aktivitäten angebunden bzw. sinnvoll mit ih-
nen verknüpft werden. Dieser Ansatz soll mit Blick auf
Zeit und Kosten ein effizientes Vorgehen sicherstellen
und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Klimaanpassung
fester Bestandteil des Verwaltungshandelns wird. Die
Ausarbeitung neuer Projekte war jedoch mit Blick auf
die Finanzsituation und parallel zur Maßnahmenausar-
beitung stattfindenden Haushaltskonsolidierung nur in
deutlich eingeschränktem Rahmen möglich.
Der Beteiligung der Öffentlichkeit wurde ebenfalls ho-
her Stellenwert beigemessen. Akteur*innen aus der
Stadtgesellschaft erhielten die Möglichkeit, Bedarfe zu
benennen, Feedback zu geben und sich explizit neben
konkreten Maßnahmen auch zum Thema Kommunika-
tion zu äußern.
Die Weiterentwicklung der städtischen Kommunikati-
onsarbeit im Kontext der Klimaanpassung war seitens
der Verwaltung von vorneherein als großer Bedarf ge-
sehen worden.
Mit der Förderung der Personalstelle für das Klimaan-
passungsmanagement —sowohl für die Phase der Kon-
zepterarbeitung als auch für die Umsetzung (noch vorbehalt-
lich der Bewilligung der Anschlussförderung) — ergeben
sich in begrenztem Rahmen befristete Personalressour-
cen, welche auch explizit für die Verstärkung der Kom-
munikationsarbeit genutzt werden können.
3Seite 15 von 163
Ablauf der Erarbeitung
Den Startpunkt für die Erarbeitung des integrierten Kli-
maanpassungskonzepts stellte eine ausführliche Grund-
lagenermittlung dar (Abb. 2 auf Seite 5). Bestehende
Konzepte und Planungen mit Schnittmengen zum KLAKi
wurden analysiert, auf Grundlage bestehender Klima-
analysen wurde eine Betroffenheitsanalyse vorgenom-
men, und es wurden Ortsbegehungen zu laufenden
Projekten in der Stadt und in Hotspot-Gebieten durch-
geführt (vgl. Kap. 3).
Die durch die Förderrichtlinie vorskizzierten Handlungs-
felder wurden für Bonn spezifiziert und der Status Quo
wurde je Handlungsfeld mithilfe einer SWOT-Analyse
(strategische Analyse anhand von Stärken, Schwächen,
Chancen und Risiken) festgehalten. Die Erkenntnisse bil-
den die Zieldefinition für die Konzepterstellung (vgl.
Kap. 5).
Das Herzstück des KLAKi bildet der Maßnahmenkatalog
(vgl. Kap. 6). Hierfür wurden zum einen verwaltungs-
interne Prozesse und Bonner Ressourcen analysiert, um
in den zugehörigen Maßnahmen ohnehin laufende Pro-
zesse bestmöglich mit Themen der Klimaanpassung zu
synchronisieren. Aus handlungsprioritären Räumen und
projektbezogenen Gelegenheitsfenstern ergeben sich
Hinweise, wo im Stadtgebiet besonders großer Hand-
lungsdruck für die Umsetzung von räumlichen Klimaan-
passungsmaßnahmen herrscht. Der Block „Anpassung
weiter gedacht“ hat das Ziel, auszuformulieren, wie Kli-
maanpassung bestmöglich zu kommunizieren, zur Um-
setzung zu bringen und nachhaltig zu verankern ist.
Insbesondere die Identifikation betroffener Räume und
die Maßnahmenentwicklung haben in einem intensiven
Beteiligungsprozess mit Stadtverwaltung, Stakeholdern
und Bürger*innen und in mehreren Phasen stattgefun-
den (vgl. Kap. 4).
Für den Maßnahmenkatalog, und die Klimaanpassung
im Allgemeinen, wurde eine umfassende Kommunika-
tionsstrategie (vgl. Kap.7) sowie ein Monitoringkonzept
(vgl. Kap. 8) entwickelt, das die Umsetzung des KLAKi
und die Akzeptanz und Mitwirkung der Bevölkerung
langfristig sichern soll.
4Seite 16 von 163
Abb. 2: Aufbau des Konzeptes
Darstellung berchtoldkrass space&options
5Seite 17 von 163
2. Bonn und der
Klimawandel
Bonns besonderes Klima
Die Stadt Bonn liegt im Süden des Bundeslandes Nord-
rhein-Westfalen im Übergang vom Mittelrheintal mit
seinen engen und steilen Hängen zur breiten, flachen,
niederrheinischen Bucht. Sie wird im Osten durch das
Siebengebirge mit dem großen Waldgebiet Ennert ein-
gegrenzt. Im Westen erstreckt sich der Ausläufer der Ei-
fel, der Kottenforst, in die Stadt hinein.
Der Rhein fließt durch die Stadt hindurch, wobei sich der
größte Teil des Stadtgebietes auf der linken Rheinseite
befindet. Südlich wird das Rheintal durch den Godesber-
ger Rheintaltrichter verengt. Nördlich dieses Trichters
öffnet sich die niederrheinische Bucht, sodass sich ein
Großteil der Stadt auf einem flachen, ebenen Niveau be-
findet.
Die Bonner Innenstadt weist Höhen von ca. 58m ü. NHN
auf. Die höchsten Erhebungen sind linksrheinisch der
Venusberg mit 171m sowie rechtsrheinisch der Paffels-
berg mit 195m ü. NHN.
Das Bonner Klima zeichnet sich durch milde, feuchte
Winter sowie warme Sommer aus. Durch seine geringe-
ren saisonalen Temperaturunterschiede zählt es zum
maritimen Klima. Die Tallage der Stadt Bonn führt je-
doch auch zu Veränderungen des maritimen Klimas,
unter anderem bedingt durch den städtischen Wärme-
inseleffekt sowie die Stauwirkungen des Siebengebir-
ges und des Kottenforstes.
Exkurs Stadtklima und städtischer Wärmeinseleffekt:
Das Stadtklima bezeichnet laut der World Meteorologi-
cal Organization (kurz: WMO) das durch Bebauung und
Emissionen gegenüber dem Umland veränderte Lokal-
klima. Meteorologische Parameter sind dementspre-
chend neben Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Strah-
lung und Wind auch beispielsweise Luftqualität und
Lärm1.
Die städtische Wärmeinsel beschreibt die Lufttempera-
turdifferenz zwischen der meist wärmeren Stadt und
dem kühleren Umland. Insbesondere bei anhaltenden
Hitzewellen wird der Effekt deutlich. In Bonn kann der
Temperaturunterschied zwischen Innenstadt und Um-
land bis zu 8 °C betragen.
Für eine ausgleichende Abkühlung des Stadtgebiets ist
die nächtliche Kaltluft ein wichtiger Faktor. Die Kaltluft
beschreibt eine Luftmasse, die im Vergleich zu ihrer Um-
gebung eine geringere Temperatur aufweist. Der Ab-
kühlungsprozess der Luftmasse ist über Wiesen, Acker-
und Brachflächen am höchsten, da dort die
Wärmekapazität (die Möglichkeit Wärme zu speichern)
geringer ist als zum Beispiel über Asphalt. Diese Kalt-
luftentstehungsgebiete speisen wiederum Kaltluft-
leitbahnen, die die Entstehungsgebiete mit den Sied-
lungsräumen verbinden und diese somit abkühlen.
Die Jahresmitteltemperatur lag in Bonn im Jahr 2024 bei
12,2 °C.2 Diese liegt über dem bundesdeutschen Durch-
schnitt von 10,9 °C2. In den Daten des Landesamtes für
Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (kurz:
LANUK NRW) zeigt sich außerdem die besondere Lage
Bonns. Denn während es insbesondere in den inner-
städtischen, besiedelten Bereichen wärmer ist (12,4 °C),
wiesen höher gelegene und deutlich aufgelockerte Be-
reiche wie der Kottenforst etwas niedrigere Temperatu-
ren auf (11,8 °C).
1 https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klima-
wirk/stadtpl/projekt_waermeinseln/projekt_waermeinseln_
node.html
2 https://www.dwd.de/DE/leistungen/zeitreihen/zeitreihen.
html?nn=480164#buehneTop
6Seite 18 von 163
Abb. 3: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für die Nacht (links); Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag (PET) (rechts)
Quelle: Geo-Net
7
Auch die Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn verdeutlicht,
welche Bereiche in der Sommerzeit besonders von ho-
hen Temperaturen betroffen sind und welche weniger
(Lufttemperatur in der Nacht, PET1 am Tage). Die Stadt-
klimaanalyse für Bonn wurde 2023 aktualisiert, liegt als
Kartendarstellung für die gesamte Stadt in einer Auflö-
sung von 5*5m vor und verdeutlicht die Temperaturun-
terschiede zwischen Siedlungs-/Verkehrsflächen sowie
Grün-/Freiflächen in Bonn. Besonders betroffene Berei-
che sind stark verdichtete und versiegelte Gebiete mit
einem geringen Grünflächenanteil, vor allem Stadtzen-
tren, wie beispielsweise die Bonner oder die Bad Go-
1 PET = Physiologisch-Äquivalente Temperatur. Eine Maßeinheit
für die gefühlte Temperatur
desberger Innenstadt. Die Lage insbesondere des nörd-
lichen Bonns in der niederrheinischen Bucht erschwert
zudem die Durchlüftung mit abkühlenden Winden. Sied-
lungsgebiete in Hanglagen weisen demnach eine bes-
sere Versorgung mit nächtlicher Kaltluft auf als Gebiete
in flacher Ebene. Der Rhein, der als großer Wasserkörper
mitten durch die Stadt fließt, hat nur einen geringen
abkühlenden Effekt auf sein direkt umliegendes Gebiet,
da er etwas tiefer liegt als die Stadt und die Wassertem-
peratur im Sommer nachts höher sein kann als die Luft-
temperatur.Seite 19 von 163
Oft zu nass und dann wieder zu
trocken - Klimwandel in Bonn
Die Folgen des Klimawandels sind in Bonn deutlich zu spüren.
Hitzewellen wie in den Jahren 2015, 2018 und 2022, vermehrt
auftretende Starkregen- und Überflutungsereignisse in den
letzten Jahren zwischen 2010-2021 sowie eine von 2018 bis
2022 anhaltende Dürreperiode verdeutlichen, dass eine kli-
maangepasste Stadtentwicklung immer wichtiger wird.
Bonn ist durch seine geographische Lage besonders von den
Folgen von Hitze, Trockenheit/Dürre und Starkregen sowie
Hochwasser betroffen, die im KLAKi in den Fokus der Klima-
folgenanpassung rücken.
Es wird heißer Abb. 4: Heißester Tag seit Beginn der Messungen in Bonn 2019,
Quelle: Bundesstadt Bonn
Im Jahr 2019 wurde am 25. Juli der heißeste Tag seit Beginn
der Messungen in Bonn registriert. Über die Jahre hinweg wur-
de in Bonn generell ein kontinuierlicher Anstieg der Tempera-
turen gemessen. Mittlerweile verzeichnet Bonn eine Erwär-
mung von 1,9°C im Vergleich zum Beginn der Messungen im
Jahr 1881 (Abb. 5).
Eine bekannte Darstellung der steigenden Temperaturen sind
die sogenannten Warming Stripes nach dem britischen Klima-
tologen Ed Hawkins, die den Verlauf der Jahresmitteltempera-
tur nicht als Liniengraphen, sondern als farbliche Streifen ab-
bilden (Abb. 6). Tiefblaue Streifen stehen für Jahre mit einer
niedrigen Jahresmitteltemperatur, tiefrote Streifen zeigen
Jahre mit einer hohen Temperatur. Die Visualisierung der Jah-
resmitteltemperaturen Bonns als Warming Stripes unter-
streicht noch einmal den Wandel, den das Klima in der Ver-
gangenheit bereits vollzogen hat.
Abb. 5: Lufttemperatur in Bonn (°C)/Jahr
Quelle: LANUK – Klimaatlas NRW
Abb. 6: Warming Stripes Stadt Bonn Deutscher Wetterdienst, bearbeitet durch LANUK NRW
Quelle: LANUK NRW nach DWD8Seite 20 von 163
Abb. 7: Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für den Tag im Jahr 2023 (PET)(links) ;
Stadtklimaanalyse der Stadt Bonn für einen Tag im Jahr 2035 (PET)(rechts)
Quelle: Geo-Net
In Zukunft wird die Temperatur — bedingt durch den vo-
ranschreitenden Klimawandel — weiter steigen. Bis
Ende des Jahrhunderts wird – unter Annahme eines star-
ken Klimawandels nach dem RCP-Szenario 8.5 des IPCC
– ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von
knapp 4 °C prognostiziert.4 Bis 2035 wird für Bonn ein
mittlerer Temperaturanstieg von 2 °C erwartet, wenn
keine Maßnahmen zur Anpassung an heiße Temperatu-
ren umgesetzt werden. Die physiologisch äquivalente
Temperatur (kurz: PET, umgangssprachlich „gefühlte
Temperatur“), die neben der Lufttemperatur auch wei-
tere Aspekte wie den Wind oder die Strahlungsintensität
berücksichtigt, wird in Zukunft vermehrt über 43 °C stei-
gen. Der Deutsche Wetterdienst (kurz: DWD) gibt bereits
ab einer PET von 32 °C Warnungen vor einer starken Hit-
zebelastung heraus. Ab einer PET von 38 °C warnt der
DWD vor einer extremen Hitzebelastung.
Betroffen von dieser Hitzebelastung sind insbesondere
vulnerable Gruppen wie beispielsweise Senior*innen,
chronisch Erkrankte oder Kleinkinder. Im Hinblick auf die
zukünftige Entwicklung werden jedoch alle Bevölke-
rungsgruppen Auswirkungen auf das eigene Wohlbefin-
den und die Gesundheit spüren.
9Seite 21 von 163
Zu viel Wasser auf einmal
Abb. 8: Überflutung Mainzer Straße
Quelle: Bundesstadt Bonn/Tiefbauamt
In den letzten Jahren kam es in Bonn mehrfach zu er-
heblichen Schäden durch Starkniederschläge, zuletzt in
größerem Ausmaß im Jahr 2021.
Heftige Niederschläge können grundsätzlich ganzjährig
auftreten. Aber vor allem in den Monaten Mai bis Sep-
tember kann es zu Starkregenereignissen kommen. Be-
sonders kritisch bei solchen Starkregenereignissen ist,
dass diese in sehr kurzer Zeit große Wassermassen mit
sich bringen und nur kurzfristig örtlich vorherzusagen
sind.
Auch in den Wintermonaten können sich heftige Regen-
güsse ereignen. Dabei ist vor allem mit eher langandau-
ernden, starken Niederschlägen zu rechnen, die erst
nach Stunden oder Tagen an vielen Stellen im Stadtge-
biet zu Überflutungen führen können. Bei Betrachtung
der Niederschlagswerte seit Beginn der Messungen
Ende des 19. Jahrhunderts ist für Nordrhein-Westfalen
eine leichte Zunahme der Jahres- und Winternieder-
schläge zu beobachten. In der jüngeren Vergangenheit
(1991-2024) zeigt sich jedoch in NRW eine signifikante
Abnahme der Sommer- und Herbstniederschläge ohne
Zunahme der Winterniederschläge. Zudem werden Ext-
remniederschläge in Zukunft weiter zunehmen und zu
einem erhöhten Überflutungsrisiko im Bonner Stadtge-
biet, sowohl an den Bonner Bächen als auch abseits der
Bachauen inmitten der Bebauung, führen.
Abb. 9: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1881 - 2024
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW10Seite 22 von 163
Abb. 10: Jährliche Niederschlagssumme für die Stadt Bonn im Zeitraum von 1991 - 2024
Quelle: LANUK - Klimaatlas NRW
Dauerhaft eher zu wenig Wasser
Der fortschreitende Klimawandel verändert auch den
Wasserhaushalt in Bonn. Zu viel oder zu wenig Wasser
kann zu großen Schäden führen. In den Jahren 2018 bis
2022 war Bonn von einer andauernden Dürreperiode
betroffen.
Die steigenden Temperaturen führen insgesamt zu
mehr Niederschlag, jedoch verändern sich auch die
räumlichen sowie zeitlichen Verteilungsmuster. Gerade
in den Sommermonaten ist mit Extremereignissen wie
längeren Trockenheitsphasen sowie Starkregenereig-
nissen zu rechnen. Gleichzeitig führen höhere Tempera-
turen auch zu einer größeren Verdunstung von Wasser,
wodurch die Böden trockener werden und nur wenig
Wasser während eines Regens aufnehmen können. Die
Folge ist ein geringes Angebot an Wasser, das der Vege-
tation zur Verfügung steht (nutzbare Feldkapazität) und
welche mit einem daraus resultierenden Trockenstress
der Pflanzen einhergeht. Modellierungen des DWD zum
pflanzenverfügbaren Wasser zeigen besonders für die
Jahre 2018 bis 2020 extrem niedrige Werte bei der Bo-
denfeuchte in NRW auf. In Zukunft ist mit einer Wieder-
holung solcher Extreme zu rechnen. Um das Stadtgrün
darauf vorzubereiten, ist ein nachhaltiger, naturnaher
Umgang mit dem Niederschlagswasser entscheidend
für eine lebenswerte und widerstandsfähige Stadt. Nur
eine vitale Stadtvegetation kann seine positiven Funk-
tionen zur Kühlung des Stadtklimas voll entfalten.
Um auf die Herausforderungen der steigenden Tempe-
raturen und der veränderten Niederschlagsmuster ef-
fektiv reagieren zu können, ist es entscheidend, bereits
bestehende Konzepte und Maßnahmen zu berücksichti-
gen und weiter auszubauen. In diesem Zusammenhang
bietet sich ein Blick auf die bereits erarbeiteten Grund-
lagen und laufenden Aktivitäten der Stadt Bonn an. Die-
se geben wertvolle Anhaltspunkte und ermöglichen es,
bestehende Synergien zu nutzen und zukünftige Maß-
nahmen optimal zu integrieren. Im folgenden Kapitel
wird daher eine Bestandsaufnahme der relevanten Kon-
zepte und deren Verknüpfung mit dem vorliegenden
Klimaanpassungskonzept vorgestellt.
11Seite 23 von 163
3. Darauf lässt sich
aufbauen: ein Blick
auf schon Erarbeitetes
zahlreiche
Integrierte
Konzepte /
PlanungenZURES &
erste Stadt-
klimaanalyse
12
Förderprogramm
Begrünung
Friedhofskonzept Stadtbaumkonzept
Spielflächenkonzept
Nachhaltigkeits-
strategie
Bonner Klimaplan
Hochwasserschutz-
konzept RheinSeite 24 von 163
Abb. 11: Übersicht über bestehende relevante
Konzepte und Planungen der Stadt Bonn
Darstellung: berchtoldkrass
Das integrierte
Klimaanpassungskonzept
für Bonn
Im Zuge der Bestandsaufnahme wurden alle relevanten
Konzepte und Grundlagen der Stadt Bonn gesichtet und
ausgewertet, um bereits geplante und laufende Aktivi-
täten der Stadt Bonn — die bereits vielfach das Ziel der
Klimaanpassung verfolgen — zu bündeln und mögliche
Synergien zwischen dem vorliegenden Konzept und be-
stehenden Konzepten zu schaffen und miteinzubezie-
hen (Abb. 11). Die integrierte Gesamtschau der Konzepu-
te umfasst Aspekte der Maßstabsebene und des Grades
der Umsetzung, den vorgesehenen Zeithorizont, den
räumlichen Detaillierungsgrad und die Finanzierungs-
planung.
13
Kleingarten-
entwicklungsplan
Hochwasserschutz-
konzept Godesber-
ger Bach
Biodiversitäts-
strategie
Hochwasserschutz-
konzept Hardtbach
Freiraumplan
Schwammstadtkonzept
MUTABOR & Planungs-
hinweiskarte HitzeSeite 25 von 163
Die jeweiligen Raumkulissen der Konzepte wurden
überlagert, sodass räumliche Schwerpunktbereiche
identifiziert werden konnten. Diese Räume beinhalte-
ten Aussagen aus bestehenden Rahmenplanungen,
konkreten Einzelmaßnahmen, ermittelten Gelegen-
heitsfenstern anstehender Planungen aus dem
Schwammstadtkonzept und spezifische Modellprojekte
aus dem Freiraumplan sowie dem Stadtbaumkonzept
und sind ein Hinweis, wo im „Huckepack-Prinzip“ Maß-
nahmen der Klimaanpassung integriert werden kön-
nen.
ZURES, 2018
ZURES (Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risiko-
analysen als Instrument zur Förderung der Resilienz von
Städten und urbanen Infrastrukturen) legt den Grund-
stein für eine hitzeangepasste Stadtentwicklung in
Bonn. Im Rahmen des Verbundvorhabens wurde eine
Stadtklimaanalyse und eine Planungshinweiskarte zur
Ersteinschätzung stadtklimatischer Belange erstellt.
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesstadt Bonn, 2018
Im Rahmen der Initiative „Global nachhaltige Kommune
in NRW“ wurde Bonn als eine von 15 Modellstädten aus-
gewählt, um eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie
zu entwickeln. Diese Strategie stellt das erste struktu-
rierte Steuerungsinstrument dar, das eine gezielte
Agenda für eine nachhaltige urbane Entwicklung fest-
legt. Inhaltlich orientiert sich das Konzept an den 17
Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 der UN und lei-
tet daraus kommunale Handlungsfelder ab. Es werden
insbesondere für die blau-grüne Entwicklung der Stadt
(Stadtentwicklung mit einem Fokus auf resilienten,
wassersensiblen Grünstrukturen) und für klimaange-
passte Siedlungsstrukturen Zielvorstellungen formu-
liert, die für das KLAKi von besonderer Relevanz sind.
Integrierte Handlungs-, Entwicklungs-, Stadtteil-
und Quartierskonzepte
Die Stadt Bonn erarbeitet ganzheitliche Konzepte für die
Stadtentwicklung, die verschiedene Herausforderun-
gen, Themen und Fachgebiete zusammenführen und
miteinander verknüpfen. Dabei sind immer auch stadt-
klimatisch relevante Themenfelder und Lösungsansätze
inbegriffen. Als Beispiele sind die Umgestaltung von
Theaterplatz und Fronhof in Bad Godesberg, kleinräumi-
ge Eingriffe im öffentlichen Raum der Inneren Stadt, die
geplante Aufwertung des Ortszentrums Buschdorf und
die Modellvorhaben - etwa im Combahnviertel - zu nen-
nen.
Die integrierten Konzepte umfassen unter anderem:
• ISEK Bonn-Beuel
• ISEK und Masterplan Innenstadt Bad Godesberg
• Masterplan Innere Stadt
• Grünrahmenplan Bundesviertel
• IEK Buschdorf
• Modellprojekte Bönnsche Viertel
Hochwasserschutzkonzepte
Bonn war in den vergangenen Jahrzehnten mehrmals
sowohl von Rheinhochwassern (sog. Jahrhunderthoch-
wasser 1993 und 1995) als auch von Überflutungen in-
folge von Starkregenereignissen (2010, 2013, 2016 und
2021) betroffen. Insbesondere Überflutungen an Meh-
lemer Bach, Godesberger Bach und zuletzt Hardtbach
führten zu hohen Schäden an Gebäuden und Infrastruk-
tur. Zum Schutz vor Überflutungen an den Fließgewäs-
sern hat die Stadt Bonn für den Rhein und die Bonner
Bäche Hochwasserschutzkonzepte erstellen lassen.
Ebenso wurden bereits verschiedene Hochwasser-
schutzmaßnahmen ergriffen, wie beispielsweise den
Entlastungskanal Mehlemer Bach. Ziel der Hochwasser-
schutzkonzepte ist, die Hochwassergefahr im Gebiet zu
reduzieren, Überflutungen mit hohem Schadenspoten-
tial zu mindern und durch Kombination verschiedener
struktureller und baulicher Maßnahmen einen mög-
lichst effektiven Hochwasserschutz zu erreichen. Gegen-
stand der Hochwasserschutzkonzepte ist die Prüfung
aller möglichen einzuleitenden Maßnahmen hinsicht-
lich ihrer Effektivität, Genehmigungsfähigkeit, Flächen-
verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dazu zählen Maß-
nahmen wie der Bau von Rückhaltebecken, die
Schaffung natürlicher Retentionsflächen, Hochwasser-
schutzelemente, die Entschärfung von Engpässen, Än-
derungen in der Landnutzung sowie Objektschutz.
Folgende Hochwasserschutzkonzepte liegen in Bonn
vor:
• Hochwasserschutzkonzept Rhein, 1997
• Hochwasserschutzkonzept Godesberger Bach, 2022
• Hochwasserschutzkonzept Hardtbach, 2025
Da sich die Einzugsgebiete der Bonner Bäche auch über
Gemeindegrenzen hinweg erstrecken, wurden im Rah-
men der bestehenden Hochwasserpartnerschaften die
Hochwasserkonzepte mit den Nachbargemeinden
Wachtberg und Alfter gemeinsam beauftragt.
14Seite 26 von 163
Förderprogramm Begrünung, 2021 bis heute
Das Förderprogramm Begrünung der Stadt Bonn ver-
folgt das Ziel, in der Breite auf privaten Grundstücken
die Flächen- und Gebäudebegrünung voranzutreiben.
Lokale Entsiegelungsmaßnahmen und anschließende
Begrünungen sind hier förderfähig und helfen so, die
gesamte Stadt besser auf Hitzeperioden vorzubereiten.
Friedhofskonzept, 2021
Das Friedhofskonzept sieht eine langfristige, ökologisch
sinnvolle Anpassung der insgesamt 40 Friedhofsflächen
vor. In Kooperation mit Naturschutzakteuren werden
Umgestaltungsmaßnahmen realisiert. Als Grünräume
mit oftmals wertvollem Baumbestand kommt den
Friedhöfen in Zukunft im Sinne der Mehrfachnutzung als
bioklimatische Entlastungsräume eine immer wichtige-
re Rolle zu.
Spielflächenkonzept, 2022
Das Spielflächenkonzept in Bonn betrachtet Spielflä-
chen als klimatische Ausgleichsräume und Teil der grü-
nen Infrastruktur, Das Konzept sieht vor, die Alltagsan-
forderungen an Spielflächen um weitere Aspekte wie
die Berücksichtigung von Klima, Biodiversität und le-
benswerter Freiraum zu ergänzen. Im Sinne des „Hucke-
pack-Prinzips“ kann die Klimaanpassung bei der Sanie-
rung und auch bei der Neuplanung von Spielplätzen
mitgedacht und zur Umsetzung gebracht werden.
Stadtbaumkonzept, 2023
Das Stadtbaumkonzept sieht die Anpflanzung neuer
Straßenbäume und die Aufwertung von Stadtteilen vor,
die besonders unter klimatischen Belastungen leiden
und stadtökologisch Schwächen aufweisen. Gerade in
dicht bebauten Stadtteilen sollen neue Straßenbäume
für klimatische Ausgleichseffekte sorgen – eine Maß-
nahme von großer Bedeutung angesichts knapper
Grünflächen und stark versiegelter Flächen.
Bonner Klimaplan 2035, 2023
Der Klimaplan, verabschiedet im Frühjahr 2023, fungiert
als Leitlinie auf dem Weg zur Klimaneutralität Bonns. Er
besteht aus zwei Teilen: einer Gesamtstrategie für die
Stadt sowie einem „Arbeitsprogramm Klimaschutz“ mit
fast 70 Maßnahmen in sieben Themenfeldern. Bisher
wurden daraus über 230 Einzelprojekte entwickelt, von
denen bereits einige erfolgreich abgeschlossen sind.
Auch hierbei bestehen Synergien zur Klimaanpassung:
insbesondere der ausgeprägte Schutz und die Neuanla-
ge standortgerechter Mischwälder, aber auch die Be-
strebungen zur nachhaltigen Umgestaltung von Mobili-
tätsräumen zugunsten von Langsamverkehr und
Grünstrukturen sind zu erwähnen.
MUTABOR und Planungshinweiskarte, 2023
Das MUTABOR-Projekt („Mikroskalige Untersuchung und
Aktivierung der technischen und planerischen Anpas-
sungskapazität der Stadt Bonn zur Reduzierung des Hit-
zestresses“) baut direkt auf den Erkenntnissen aus ZU-
RES auf und untersucht konkrete Handlungsspielräume
zur Hitzeminderung. Dabei wurden Maßnahmen hin-
sichtlich ihrer Kühlwirkung analysiert und drei Szenari-
en zur Hitzeentwicklung bis 2035 modelliert: ein Refe-
renzszenario ohne weitere Maßnahmen, ein „Weiter
wie bisher-Szenario und eines mit vollständiger Umset-
zung aller technisch realisierbaren Maßnahmen.
Die Ergebnisse zeigen eindeutig: Ein “Weiter wie bis-
her” reicht nicht aus. Nur eine breit angelegte, ehrgeizi-
ge Umsetzung von Maßnahmen – insbesondere grün-
blauer Art – führt zu wirksamer Entlastung. Empfohlen
werden vor allem naturbasierte Maßnahmen. Die
“Champions” der Klimaanpassung sind dabei eine Kom-
bination aus Bäumen, Entsiegelung mit anschließender
Begrünung sowie Begrünung von Gebäuden. Das integ-
rierte Klimaanpassungskonzept baut auf diesen Emp-
fehlungen auf und leitet konkrete Umsetzungsmaßnah-
men ein.
Bonner Freiraumplan, 2023
Ein besonders hohes Maß an Synergien besteht mit
dem Bonner Freiraumplan, der als übergeordnete Stra-
tegie für die Entwicklung sämtlicher Freiräume – auch
innerhalb der bebauten Stadt – fungiert. Seit 2024
dient er als informelle Grundlage für flächenbezogene
Entscheidungen.
Freiräume sind Klimaanpassung - als übergeordnetes
Querschnittsthema findet sie sich in jeder Ebene des
Freiraumplans – angefangen beim räumlichen Leitbild
mit den drei Leitbildthemen „Starke Landschaften“,
„Blau-Grüne-Netze“ und „Grüne Viertel“, über die Orte
und Handlungsräume und die zugehörigen Entwick-
lungsziele, bis hin zu den Schlüsselmaßnahmen und
Lupenräumen.
Die im Freiraumplan definierten Querschnittsziele,
Aufgaben und Maßnahmen haben in besonderem
Maße mit den KLAKi-Handlungsfeldern „öffentliche
Räume und Mobilitätsräume“ sowie „Grünräume und
Forstwirtschaft“ ausgeprägte Überschneidungen, bei-
15Seite 27 von 163
spielsweise in Bezug auf die Qualifizierung der grünen
und blauen Infrastruktur sowie die Multicodierung von
Freiflächen.
Schwammstadtkonzept, 2024
Die Stadt Bonn verfolgt das Ziel einer wassersensiblen
Stadtgestaltung mit den drei Schwerpunkten Hoch-
wasser-, Starkregen- sowie Hitze- und Trockenheitsvor-
sorge. Den Schwerpunkt des Schwammstadtkonzepts
bildet insbesondere die Stärkung des natürlichen Was-
serkreislaufs im Rahmen der Trockenheitsvorsorge. Die
Grundidee ist, Flächen so zu gestalten, dass sie Regen-
wasser speichern und bei Bedarf überflutet werden
können. Gleichzeitig sorgt Verdunstung für kühlende
Effekte auf das Mikroklima.
Zentrale Handlungsräume des Schwammstadtkonzepts
sind Stadtgrün, Gewässer und sonstige urbane Freiflä-
chen. Im Fokus stehen Maßnahmen zur Flächenentsie-
gelung, zur Erweiterung der blau-grünen Infrastruktur
und zum Schutz naturnaher Böden und Gewässer.
Biodiversitätsstrategie, 2025
Die Biodiversitätsstrategie beantwortet die Frage
nach den Instrumenten und Maßnahmen, die in Bonn
das Potenzial haben, die größte Wirksamkeit für den
Biodiversitätsschutz zu entfalten. In ihrem Aktionspro-
gramm 2030 setzt sie insbesondere auf die Umsetzung
von Maßnahmen im „Huckepack“ mit anderen Vorha-
ben und Planungen, indem Synergien zu vorgelager-
ten und parallel laufenden Planungsprozessen aufge-
zeigt und gezielt ausgenutzt werden.
Im Sinne der Klimaanpassung bieten insbesondere
die Handlungsansätze der Zukunftssäule II „Stadtna-
tur und Kulturlandschaft“ in räumlicher Hinsicht gute
Anknüpfungspunkte. In der Zukunftssäule III werden
zukünftige Aufgaben der „Bildung, Kommunikation
und Teilhabe“ formuliert – diese sind gemeinsam mit
der Kommunikationsstrategie und den zugehörigen
Maßnahmen des integrierten Klimaanpassungskon-
zepts zu verfolgen.
Kleingartenentwicklungsplan, 2025
Der Kleingartenentwicklungsplan formuliert Leitlinien
und Maßnahmen zur zukünftigen Entwicklung der
Kleingärten Bonns. Dies umfasst neben der Sicherung
bestehender und der Schaffung neuer Anlagen auch
die zukunftsgerechte Ausrichtung bestehender An-
lagen – auch im Hinblick auf ihre wichtige stadtklima-
tische Funktion, ihre Zugänglichkeit/Nutzbarkeit für
unterschiedliche Nutzergruppen sowie ihre zentrale
Rolle im Freiraumverbundsystem.
16Seite 28 von 163
Scheinwerfer auf: Die Bonner
Biodiversitätsstrategie
Die Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, um-
fasst die Vielfalt aller Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze und
Mikroorganismen), deren genetische Vielfalt und die
Vielfalt der Ökosysteme. Zusammen bilden diese Ebe-
nen die Grundlage allen Lebens.
Diese Lebensgrundlage ist akut gefährdet: Die Biodiver-
sitätskrise im Zusammenhang mit dem weltweiten Ar-
tensterben stellt neben der globalen Erderwärmung die
zweite menschengemachte Krise dar, mit der wir unsere
Zukunft gefährden. Beide Krisen hängen untrennbar
miteinander zusammen und können nur gemeinsam
gelöst werden. Daraus ergibt sich für die Bundesstadt
Bonn die Verantwortung, die biologische Vielfalt auf
kommunaler Ebene zu bewahren und dem Artenrück-
gang im Stadtgebiet aktiv entgegenzuwirken.
Die Bonner Biodiversitätsstrategie dient zu diesem
Zweck als kommunales Steuerungs- und Abwägungs-
instrument und bündelt effektiv sämtliche Aufgaben
zum Schutz und zur Förderung der biologischen Vielfalt
in Bonn. Die Strategie beantwortet die Frage, welche
Instrumente und Maßnahmen die größte Wirksamkeit
für den Biodiversitätsschutz aufweisen und zeigt den
Weg, vorhandene Ressourcen für diese Maßnahmen vo-
rausschauend, gezielt und effektiv einzusetzen. Dabei
wird Biodiversität als Querschnittsthema im Kontext an-
derer raumwirksamer Fachplanungen gedacht und ein
Fokus auf Schnittstellen und Umsetzungssynergien ge-
legt. Aus diesem Grund setzt die Biodiversitätsstrategie
bei der Maßnahmenumsetzung auf „Huckepack-Verfah-
ren“ gemeinsam mit anderen Vorhaben und Planungen.
Die lokale biologische Vielfalt kann nur dann langfristig
und effektiv geschützt werden, wenn ihr Erhalt als Ge-
meinschaftsaufgabe der gesamten Stadtgesellschaft
verstanden und gelebt wird. Aus diesem Grund wurde
die Bonner Biodiversitätsstrategie in einem partizipati-
ven Prozess von der Stadtverwaltung, lokalen Ak-
teur*innengruppen, politischen Entscheidungsträ-
ger*innen und der Bonner Bürger*innenschaft
gemeinsam entwickelt.
Für den Aufbau der Strategie wurden die in Bonn gel-
tenden Rahmenbedingungen analysiert, um daraus
konkrete Anforderungen abzuleiten. Als Ergebnis ver-
fügt die Strategie über drei Handlungsschwerpunkte,
die sogenannten Zukunftssäulen:
• Zukunftssäule I. Natur-, Biotop- & Artenschutz
• Zukunftssäule II. Stadtnatur & Kulturlandschaft
• Zukunftssäule III. Bildung, Kommunikation &
Teilhabe
Die in den Zukunftssäulen definierten Aktionsfelder,
strategischen Ziele und Handlungsempfehlungen die-
nen dazu, Biodiversität als existenzielle Grundlage zu
erhalten. Die strategischen Ziele geben die Ausrichtung
für den Biodiversitätsschutz in Bonn vor. Von den insge-
samt 36 Zielen wurden zehn Ziele priorisiert, deren Um-
setzung bis zum Jahr 2030 vorrangig angestoßen und
verfolgt werden soll. Die Handlungsempfehlungen ent-
halten allgemeine biodiversitätsfördernde Maßnah-
men, die nicht an bestimmte Gebiete gebunden sind
und meist über gesetzliche Anforderungen und Ver-
pflichtungen hinaus gehen.
Das Aktionsprogramm Biodiversität 2030 stellt inner-
halb der Strategie den Umsetzungsfahrplan dar. Es for-
muliert fünf Fokusthemen, in denen Maßnahmenemp-
fehlungen zur Erreichung der zehn priorisierten Ziele bis
2030 gebündelt sind. Die Fokusthemen lauten:
• Flächenaufwertung & Biotopvernetzung
• Gezielter Artenschutz
• Ökologischer Ausbau kleiner Fließgewässer
• Biodiversitäts- & klimaangepasste Siedlungsberei-
che & Gebäude
• Stärkung der interdisziplinären Kommunikation &
Zusammenarbeit
Die enge Verwandtschaft von Biodiversität und Klima-
anpassung wird beispielsweise im Fokusthema „Biodi-
versitäts- und klimaangepasste Siedlungsbereiche und
Gebäude“ der Biodiversitätsstrategie deutlich. Die Maß-
nahmenempfehlungen dieses Fokusthemas zahlen
gleichermaßen auf den Biodiversitätsschutz und die Kli-
maanpassung ein. Neben der verstärkten Begrünung
von Wohngebieten wird die naturnahe, biodiversitäts-
und klimaangepasste Gestaltung von Schulhöfen als Ge-
meinschaftsaufgabe verstanden, konzipiert und umge-
setzt.
Maßnahmen, die mit Blick auf den Biodiversitätsschutz
und die Klimaanpassung gemeinsam gedacht und im-
plementiert werden, haben das Potenzial, sich in ihrer
Wirkung gegenseitig zu verstärken. 17Seite 29 von 163
silienz und Biodiversität – die im Themenfeld Klimaan-
passung zusammentreffen und zusammenwirken. Seit
2008 – dem Jahr der 9. Weltnaturschutzkonferenz in
Bonn - engagiert Bonn sich beispielsweise im Globalen
Aktionsbündnis der Städte für biologische Vielfalt und
insbesondere im Beirat der Städte für die Konvention für
biologische Vielfalt, der von ICLEI koordiniert wird.
Seit 2010 engagiert sich Bonn gemeinsam mit ICLEI und
UNDRR, dem Büro der Vereinten Nationen für Katastro-
phenvorsorge, im Thema Resilienz und ist unter ande-
rem Mitzeichnerin der Durban Adaptation Charter, der
ersten Erklärung der kommunalen Ebene zur Klimaan-
passung aus dem Jahr 2011. Von 2010 bis 2019 richteten
Bonn und ICLEI gemeinsam die Kongressreihe Resilient
Cities zu Städten und Klimaanpassung aus. Bereits 2010
trat Bonn der Kampagne „Making Cities Resilient“ von
UNDRR (damals UNISDR) bei. Seit 2022 ist Bonn Mitglied
der neuen UNDRR Initiative „Making Cities Resilient
2030“ und seit 2023 eines der Europäischen Resilienz-
hubs, die andere Städte auf dem Weg zur Resilienz un-
terstützen. Andere Hubs in Europa sind unter anderem
Greater Manchester (UK) und Malmö (Schweden).
Klimaanpassung, Katastrophenvorsorge, Resilienz,
grün-blaue Lösungen – das alles muss zusammenspie-
len, um den Folgen des globalen Wandels lokal wie glo-
bal erfolgreich entgegenzutreten. Als Resilienzhub setzt
Bonn diese Bereiche miteinander in Verbindung und
wirkt mit Maßnahmen sowohl nach außen in Richtung
von Städten und Regionen weltweit, wie auch nach in-
nen in die Stadtgesellschaft.
Zu den auf drei Jahre angelegten Maßnahmen des Resi-
lienzhubs zählen Webinare zu verschiedenen Aspekten
von Resilienz mit wechselnden Partner*innen. Ein Bei-
spiel ist das Online-Event zur Resilienz von Land in urba-
nen Räumen und der Bedeutung von Geschlechterge-
rechtigkeit zum Resilienzaufbau, veranstaltet
gemeinsam mit ICLEI, der Konvention zur Bekämpfung
der Wüstenbildung, dem Zentrum für Entwicklungsfor-
schung der Universität Bonn und dem Netzwerk Gen-
der@International Bonn. Lokal vor Ort geht es darum,
die Aktivitäten zur Klimaanpassung und Resilienz für
eine breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen und Men-
schen für entsprechendes Handeln zu gewinnen. Global
ist es von Bedeutung, einerseits die Beiträge von Städ-
ten deutlich aufzuzeigen und andererseits die Zusam-
menarbeit der Regierungsebenen auf eine solidere Ba-
sis zu stellen.
Scheinwerfer auf: internationale
Aktivitäten
Bonn von lokal bis global – für Resilienz weltweit
Bonn ist derzeit Sitz von 26 Organisationen der Verein-
ten Nationen. Gemäß dem Motto „Nachhaltigkeit ge-
stalten“ haben sie sich ein thematisches Dach gegeben.
Sie alle helfen Regierungen und Menschen dabei, Ant-
worten und Wege für eine nachhaltige Zukunft zu fin-
den. Als wichtige Akteur*innen im Themenfeld Klima-
anpassung und Resilienz mit Sitz in Bonn sind hier vor
allem zu nennen:
• UNFCCC, die Klimarahmenkonvention
• UNCCD, die Konvention zur Bekämpfung von
Landdegradierung
• ein Büro von UNDRR, dem Büro des UN Generalse-
kretärs für Katastrophenvorsorge
• IPBES, der „Weltbiodiversitätsrat“ an der Schnittstel-
le zwischen Wissenschaft und Politik
• UNU, die Universität der Vereinten Nationen
• GWOPA, die Allianz der Betreiberpartnerschaften im
Wasser-/Abwasserbereich
Dazu kommen zahlreiche internationale NGOs, insbe-
sondere aus den Schwerpunktbereichen Umwelt und
Entwicklung, Organisationen der Entwicklungszusam-
menarbeit sowie aus Forschung und Politikberatung.
Eine besondere Rolle hat das internationale Städtenetz-
werk für Nachhaltigkeit, ICLEI, das seinen Hauptsitz in
Bonn hat. Hier ist Bonn seit 1999 Mitglied und engagiert
sich besonders in den Themensträngen Klimaschutz, Re-
Abb. 12: Sitz der UN in Bonn Planungen
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca18Seite 30 von 163
Die Aktivitäten des Resilienzhubs und das Engagement
bei ICLEI tragen Bonner Projekte und Anliegen auf die
globale Bühne. Unter dem Dach der Städtenetzwerke
wird in den globalen Debatten dafür geworben, mit
Städten konstruktiv zusammenzuarbeiten und sie bei
der Umsetzung von Resilienz zu unterstützen, auch fi-
nanziell. Eine Dialogplattform dafür ist jedes Jahr die
von ICLEI und Bonn gemeinsam veranstaltete Konferenz
„Daring Cities“, die Städtevertreter*innen, Wissenschaft,
Nationalregierungen und UN zusammenführt.
Abb. 13: Der Resilience Hub veranstaltet regelmäßig Webinare zu
verschiedenen Themen von Resilienz
Quelle: Bundesstadt Bonn, Giacomo Zucca
Wichtigste Partner des Resilienzhubs Bonn sind ICLEI
Städte für Nachhaltigkeit und das Bonner Netzwerk In-
ternationaler Katastrophenschutz und Risikomanage-
ment. Das Netzwerk wurde 2017 gegründet und bringt
Akteur*innen für Resilienz und Katastrophenvorsorge
aus allen staatlichen Ebenen zusammen - von Feuer-
wehr bis Universität, von Forschungsinstitut bis humani-
täre Hilfe, von UNO bis Bundesamt. Das Netzwerk hat
eine wichtige Rolle in Kommunikation und Bildung für
Resilienz und vernetzt zentrale Stellen.
Weitere interdisziplinäre Netzwerke gibt es in Bonn zu
den Themen Biodiversität, Klima, Geschlechtergerech-
tigkeit und Wasser. Diese interdisziplinären Netzwerke
haben alle vielfältige Anknüpfungspunkte zu Fragen
von Klimaanpassung und Resilienz. Dies wird in den Ak-
tivitäten des Resilienzhubs Bonn deutlich sichtbar.
Nicht nur für Resilienz ganz konkret, sondern auch für
den Standort Bonn ist dieses Engagement von großer
Bedeutung. So waren für die Ansiedlung von GWOPA/UN
Habitat die exzellenten Vernetzungsmöglichkeiten in
Bonn ein wichtiges Argument.
Abb. 14: Klimaanpassung leicht gemacht: Umweltbildungszent-
rum Cape Coast (Ghana) mit jungen Klimabotschaftler*innen
Quelle: Julia Merkelbach
Abb. 15: Klimapartnerschaft mit La Paz: Der Bonner Löwe „Bonni“ und
das Umweltzebra von La Paz erklären Kindern den Klimawandel
Quelle: Julia Merkelbach
Auch in der Zusammenarbeit in insgesamt sechs Projekt-
partnerstädten Bonns spielen Klimaanpassung und Re-
silienz eine große Rolle, da einige von ihnen bereits
wesentlich stärker von den Folgen des Klimawandels
betroffen sind. Zusammen mit der ghanaischen Stadt
Cape Coast wurde an der Renaturierung einer Lagune
gearbeitet und ein Umweltbildungszentrum eingerich-
tet. 2022 – 2023 führte ICLEI durch Vermittlung der Stadt
Bonn ein Projekt zur Sicherung der urbanen Naturräume
in Cape Coast durch. Mit der bolivianischen Stadt La Paz
wurde von 2016 – 2019 ein mehrjähriges Projekt zur
Stärkung der Resilienz der Stadtverwaltung durchge-
führt. Dabei wurde innerhalb der Stadtverwaltung La
Paz ein breit angelegtes Weiterbildungsprogramm zu
Themen des Klimawandels durchgeführt, eine Informa-
tionskampagne zum ressourcenschonenden Umgang
durchgeführt und nachhaltige Energieversorgung und
effiziente Wassernutzung gefördert. Nachdem die Stadt
La Paz akut von großen Überflutungen betroffen waren,
standen Themen wie Resilienz und Katastrophenprä-
vention auch im Fokus eines Fachbesuchs im September
2024, um die Expertise der in Bonn ansässigen Netzwer-
ke zu nutzen.
19Seite 31 von 163
Die Abbildung verdeutlicht, dass gerade in den dicht be-
bauten und stark versiegelten Bereichen von Bonn die
höchsten Wärmebelastungen auftreten. Darunter weite
Bereiche der Innenstädte von Bonn, Bonn Bad Godes-
berg und Bonn Beuel. Weitere Belastungsschwerpunkte
befinden sich in nahezu allen Bonner Gewerbegebie-
ten. Besonders hervor stechen die großflächigen Hot-
spots rund um die Gewerbegebiete „Am Verteilerkreis“,
„Am Vogelsang“ und „Weststadt“ sowie in Beuel-Ost und
Bad Godesberg Nord (Abb. 17).
Es kam daher nicht von ungefähr, dass in früheren Kli-
mauntersuchungen die sogenannten Klimatop-Defini-
tionen verwendet wurden. Klimatope beschreiben Ge-
biete mit ähnlichen mikroklimatischen Ausprägungen.
Diese unterschieden neben verschiedenen klassifizier-
ten Freiflächen-Klimatopen im Siedlungsbereich vor
allem zwischen „Stadtrand-Klimatop“, „Innenstadt-Kli-
matop“ und „Gewerbe/Industrie-Klimatop“.
Abb. 16: Thermische Hot Spots - überzeichnet
auf Basis der Planungshinweiskarte
Quelle: berchtoldkrass
Klimarisiken im Fokus – Die
Betroffenheitsanalyse für Bonn
Wie bereits zuvor erläutert, ist Bonn deutlich vom Klima-
wandel betroffen. Veränderungen sind stadtweit und
selbstverständlich darüber hinaus in der Region festzu-
stellen. Im Rahmen der Betroffenheitsanalyse geht es
daher nicht mehr um die Frage, ob Betroffenheiten vor-
liegen, sondern wo und in welcher Art sich diese beson-
ders deutlich ausprägen. Kenntnis darüber ermöglicht
zum einen eine Priorisierung, zum anderen ein zielge-
richtetes Vorgehen je nach Art bzw. Zielgruppe der Be-
troffenheit.
Für eine vertiefende Analyse kann in Bonn auf Karten
und Daten zurückgegriffen werden, die in den letzten
Jahren entwickelt wurden: die Stadtklimaanalyse bzw.
Planungshinweiskarte (Hitze), die Starkregengefahren-
karte sowie verfügbare statistische Daten, welche für
die Frage nach besonders vulnerablen Personen heran-
gezogen werden können.
Die Bereiche, die gemäß Planungshinweiskarte Hitze
(2023) in Handlungspriorität 1 oder 2 liegen, wurden
grafisch überzeichnet, um die besonderen Hitze-Hot-
spots von Bonn deutlich hervorzuheben (Abb. 16).
Abb. 17: Übersicht über die 18 Bonner Gewerbegebiete
Quelle: Bundesstadt Bonn20Seite 32 von 163
Auch für das Thema Starkregengefahren wurde eine
Überzeichnung anhand der vorliegenden Starkregen-
gefahrenkarten erstellt (Abb. 18). Eine ausschließliche
Darstellung der überzeichneten Bereiche und Kommu-
nikation dieser Flächen als besonders risikoreiche Area-
le ist jedoch nicht zielführend. Zwar bilden sich in diesen
Bereichen in Folge von Starkregenereignissen die
höchsten Wasserstände, allerdings sind diese alleine
nicht vollumfänglich als Indikator für das Risiko wäh-
rend solcher Extremereignisse. Die vorhandene Stark-
regengefahrenkarte stellt beispielsweise keine Fließ-
wege dar. Gefahrensituationen können jedoch im
akuten Starkregenfall nicht nur dort entstehen, wo sich
viel Wasser aufgrund tiefer gelegener Punkte ansam-
melt, sondern auch dort, wo sich beispielsweise entlang
von Straßen in Gefällerichtung temporär Wasserströme
bilden. Gerade im Sinne der Bewusstseinsbildung für
Abb. 18: Starkregengefahrenkarte 2019, inkl. Überzeichnung
von Gebieten mit besonders hohen Wasserstandstiefen nach
Starkregenereginissen
Quelle: Bundesstadt Bonn; berchtoldkrass
eine ausreichende Eigenvorsorge soll daher auf die
ausschließliche Darstellung von überzeichneten Ge-
fahrenschwerpunkten anhand der Starkregengefah-
renkarte verzichtet werden. Stattdessen wurden die
Überzeichnungen in die Starkregengefahrenkarte ein-
gearbeitet. Eigentümer*innen und Mieter*innen ist
meist noch eher bewusst, dass sich durch eine Lage an
einem Bach oder in einer Mulde besondere Gefahren
ergeben. Weniger ausgeprägt ist das Risikobewusst-
sein jedoch ggf. dort, wo Niederschlagsmassen nicht
bekanntermaßen „stehen“, sondern nur kurz entlang
fließen. Auch hier sind Maßnahmen zur Eigenvorsorge
wie das Schließen bzw. Abdichten von Kellerfenstern
wichtig.
Praktisch können sich Starkregensituationen im ge-
samten Stadtgebiet ereignen (Abb. 18). Aufgrund der
Topografie der Stadt ist gerade im Bereich der alten
Rheinarme sowie in der Nähe zu Bächen jedoch mit
besonders hohen Wasserständen zu rechnen.
21Seite 33 von 163
Abb. 22: Personen über 65 Jahre
(ab 10 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 23: Erwerbslose (ab 2 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 20: Personen in Grundsicherung
(ab 3 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Abb. 19: Personen unter 6 Jahre (ab 3 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
stadtlagen mit hoher Hitzebelastung und stark nachge-
fragten Nutzungen bergen daher eine hohe Hitzeexpo-
sition und ein daraus resultierendes hohes Risiko für
eine Betroffenheit. Konkret werden in Bonn seit dem
Sommer 2018 die Passantenfrequenzen in der Post-, Re-
migius- und Sternstraße gemessen. In den Sommermo-
naten Juli bis September werden in diesen drei Straßen
zusammen täglich regelmäßig zwischen 60.000 und
100.000 Passanten gezählt. Während der Starkregenpe-
riode im Juli 2021 („Ahrtal-Hochwasser“) sanken die
Passantenzahlen in diesen drei Straßen um zehn Pro-
zent, während der Hitzeperioden Ende Juli 2019 bzw.
2022 sanken die Passantenzahlen um fast 20 Prozent.
Gerade Kleinkinder und ältere Personen leiden beson-
ders stark unter Hitze. Weitere Faktoren wie Vorerkran-
Abb. 21: Gesamtbevölkerungsdichte
(ab 65 Personen/ha)
Quelle: berchtoldkrass
Neben den physikalischen Karten zu Hitze und Starkre-
gen wurden zudem statistische Daten genutzt, welche
Parameter beschreiben, die im Zusammenhang mit ei-
ner erhöhten Verwundbarkeit relevant sind.
Relevant ist zum ersten, wie viele Personen einem Risi-
ko bzw. einer Belastung ausgesetzt sind. Hierfür wurde
die Gesamtbevölkerungsdichte ausgewertet. Die nach-
folgende Grafik stellt in orange die Bereiche heraus, in
welchen 65 Personen und mehr je Hektar (ha) gemeldet
sind.Für die Exposition und das daraus entstehende Ri-
siko ist neben der Frage, wo besonders viele Menschen
wohnen, auch die Frage, wo sich besonders viele Men-
schen tagsüber aufhalten, relevant. Gerade auf zentra-
len Plätzen, an Anlaufstellen und Wegeverbindungen
herrscht in der Regel eine hohe Frequenz. Die Innen-
22Seite 34 von 163
kungen spielen eine Rolle, konnten jedoch nicht ausge-
wertet werden, da hierzu keine nutzbaren Daten
vorlagen.
Als Indikatoren, die weiterhin herangezogen werden
können, um sowohl die Betroffenheit, aber auch die
eigene Anpassungsfähigkeit zu beschreiben, wurden
Daten zur Erwerbslosigkeit und Grundsicherung ausge-
wertet. Zum einen sind erwerbslose Personen bzw. Per-
sonen in Grundsicherung tendenziell häufiger gesund-
heitlich beeinträchtigt, zum anderen verfügen sie über
verhältnismäßig weniger finanzielle Mittel, um sich
durch kleine Maßnahmen im eigenen Umfeld besser vor
Hitze und Starkregen zu schützen. Zudem wohnen Men-
schen mit geringeren finanziellen Mitteln verhältnismä-
ßig häufiger in Gebieten, in denen sie erhöhten Um-
weltbelastungen ausgesetzt sind (z.B. in der Nähe von
stark befahrenen Straßen/Autobahnen oder produzie-
rendem Gewerbe).
Die abgebildeten Karten können gut für die Planung
und Organisation einer zielgerichteten Ansprache be-
sonders betroffener Bevölkerungsgruppen genutzt wer-
den. Z.B. Besucher*innen der Innenstadt oder Senior*in-
nen in Hitze-Hotspots. Ebenso relevant, jedoch nicht
separat abgebildet, sind die Standorte von Einrichtun-
gen, in denen sich besonders vulnerable Personengrup-
pen aufhalten, wie Kindertagesstätten, Betreuungsein-
Abb. 24: Überlagerung der verschiedenen Vulnerabilitätsfaktoren
Quelle: berchtoldkrass
richtungen für Senior*innen und behinderte Menschen,
Schulen, Spielplätze, Arztpraxen bzw. Kliniken und Kran-
kenhäusern. Daneben sollten auch Sportstätten mitbe-
rücksichtigt werden, da sich hier hohe Expositionsgrade
im Zusammenhang mit starker körperlicher Anstren-
gung ergeben und zu gesundheitlichen Gefährdungen
führen können.
Die nachfolgende Überlagerung (Abb. 24) zeigt zudem,
in welchen Bereichen innerhalb von Bonn sich gleich
mehrere der beschriebenen Vulnerabilitäten besonders
stark ausprägen.
In den statistischen Bezirken Alt Endenich, Baumschul-
viertel, Vor dem Sterntor, Wichelshof, Beuel Zentrum
und Godesberg-Zentrum sind alle 5 beschriebenen Vul-
nerabilitätsfaktoren stark ausgeprägt. In Neu-Tannen-
busch, Alt-Tannenbusch, Duisdorf-Zentrum, Zentrum-
Rheinviertel, Bonner Talviertel, Kessenich und in
Pennenfeld überlagern sich jeweils 3-4 Vulnerabilitäts-
faktoren. Diese Auswertung kann insbesondere zur Prio-
risierung von Maßnahmen herangezogen werden.
Über die hier für die Analyse beschriebenen Daten hin-
aus eignen sich — je nach Zielgruppe und Maßnahme —
weitere Informationsquellen für die spezifische Planung
der Ansprache. Im Rahmen der kommunalen Wärmepla-
nung wurde beispielsweise eine gesamtstädtische
Übersicht über die Energieeffizienzklassen von Be-
standsgebäuden in Bonn erstellt. In Gebäuden, die sich
in einem schlechten energetischen Zustand befinden,
steigen die Innenraumtemperaturen bei Hitze beson-
ders schnell. Halten sich in solchen Gebäuden besonders
vulnerable Personen(-gruppen) auf, sind Maßnahmen
zur Klimaanpassung bzw. in diesen Fällen auch zur ener-
getischen Sanierung der Gebäude besonders prioritär.
Dies betrifft neben den bereits beschriebenen Einrich-
tungen, in denen sich besonders vulnerable Gruppen
aufhalten wie Schulen, Kindergärten etc., auch Wohnun-
gen, in denen sich alte und ggf. vorerkrankte Personen
aufhalten.
Daneben ist die Grünraumversorgung (bzw. Erreichbar-
keit und Zugänglichkeit) in den jeweiligen Bereichen
ein mitentscheidender Faktor. Große Parkanlagen, aber
auch kleinere Parks oder die schattige Bank unter einem
Baum dienen bereits als Ausgleichsräume und können
aktiv zur Abkühlung aufgesucht werden. Umfassende
Daten und Informationen hierzu liefert der Bonner Frei-
raumplan. Die ausgleichenden Klimafunktionen der
städtischen Grünflächen sind mit Blick auf deren Integ-
ration in die Stadtklimaanalyse bereits indirekt Teil die-
ser Betroffenheitsanalyse. 23Seite 35 von 163
4. Bonn macht mit!
Die Beteiligung zur
Klimaanpassung
Ein zentrales Element bei der Entwicklung des integrier-
ten Klimaanpassungskonzepts für Bonn war die intensi-
ve Beteiligung von Bürger*innen, Schüler*innen und
Stakeholdern sowie der Stadtverwaltung selbst. Einer-
seits konnten so verschiedene Akteur*innen aktiv in den
Beteiligungsprozess mit einbezogen und Transparenz
und Multiplikation „nach außen“ geschaffen, anderer-
seits auch der wichtige lokale Blick für die Verhältnisse
in Bonn integriert werden. Die Beteiligung wurde in
einem mehrstufigen Verfahren aufgebaut.
Abb. 25: zeitliche Abfolge der Beteiligungsformate
Darstellung: berchtoldkrass
Gemeinsam, wirkungsvoll,
umsetzen – Die Ämterbeteiligung
Die Entwicklung eines Klimaanpassungskonzeptes er-
fordert nicht nur die Einbindung der Öffentlichkeit, son-
dern auch eine enge Zusammenarbeit mit den verschie-
denen Stellen innerhalb der Verwaltung. Die Ämter
spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung von Maß-
nahmen, da sie in ihren täglichen Abläufen, Planungs-
prozessen und Entscheidungsstrukturen entscheidend
zur Klimaanpassung beitragen können. Um die Bereit-
schaft hierzu zu fördern und das in den Ämtern vorhan-
dene Wissen gezielt in die Konzepterstellung einzubrin-
gen, wurden die relevanten Fachbereiche im Rahmen
von drei Workshops beteiligt.
Drei Workshops – ein gemeinsamer
Lernprozess
Die Workshops dienten dazu, die Expertise der Fachäm-
ter systematisch zu erfassen, bestehende Prozesse zu
analysieren und gemeinsame Lösungsansätze zu entwi-
ckeln.
24Seite 36 von 163
1. Workshop: Grundlagen und
bestehende Prozesse
Folgende Leitfragen standen im Fokus:
• Welche wiederkehrenden Abläufe sind für die
Klimaanpassung relevant?
• In welchen Planungs- und Entscheidungsprozessen
wird Klimaanpassung bereits berücksichtigt, und
wo besteht Nachholbedarf?
• Wie lassen sich bestehende Strukturen für Klimaan-
passungsmaßnahmen nutzen?
Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse:
Die Prozessanalyse wurde mit Blick auf die kommuna-
len Handlungsradien strukturiert. Folgende Prozesse
mit grundsätzlichem Hebel auch für die Klimaanpas-
sung wurden im Rahmen des Workshops durch die Teil-
nehmenden aus der Verwaltung zusammengetragen:
Handlungsradius 1 – Kommunale Liegenschaften und
Infrastruktur:
• Neubau und Sanierung städtischer Gebäude
• Neubau und grundhafte Sanierung von Straßen
• Neubau und Sanierung von Straßenbahngleisen
• Fernwärmeausbau
• Neubau und Austausch von Wetterschutzhäuschen
• Kanalneubau
• Schaffung neuer Baumstandorte
• Neubau und Sanierung von Grünanlagen
• Neubau und Sanierung von Spielflächen
• Neubau und Sanierung von Schulhofanlagen
• Neubau und Sanierung von Außenanlagen an Kitas
• Neuanlage und Sanierung von Verkehrsbegleitgrün
• Entwicklung von Friedhofsflächen
• Bachrenaturierungen / Umsetzung WRRL
• Veräußerung und Verpachtung städtischer Grund-
stücke
• Neubau und Sanierung von Sportaußenanlagen
• Hochwasserschutz am Rhein und den Bonner
Bächen
• Bäderentwicklung
Handlungsradius 2 – Beeinflussung Dritter durch
kommunale und übergeordnete Planung:
• Planfeststellungsverfahren
• Regionalplanung
• Verbindliche Bauleitplanung (Bebauungspläne)
• Vorbereitende Bauleitplanung (Flächennutzungs-
planung)
• Wettbewerbsverfahren (städtebaulich, hochbaulich
freiraumplanerisch)
• Konzeptvergaben
• Integrierte Stadtentwicklungskonzepte
• Baugenehmigungsverfahren
• Bonner Baulandmodell
• Master- und Rahmenpläne
• Parkraumkonzepte
• Freiraumplanung
• Sportentwicklungsplanung
Handlungsradius 3 – Angebote zur Auslösung
freiwilliger Maßnahmen bei Dritten
• Förderprogramme bzw. Finanzielle Anreize
• Beratungsangebote
• Beteiligungsangebote
• Veranstaltungen und Netzwerke
Möglichkeiten zur Optimierung bei Planung und
Umsetzung
Die Teilnehmenden der Verwaltung setzten sich in die-
sem Workshop intensiv mit den klimabezogenen Pro-
zessen in ihren Ämtern auseinander. Es wurde deutlich,
dass Neubaumaßnahmen und grundhafte Sanierungen
sich als Gelegenheit anbieten, um ergänzend Klimaan-
passungsmaßnahmen umzusetzen – im Gegensatz zu
einfachen Reparaturen oder Ausbesserungen, die hier-
für weniger geeignet sind.
Obwohl die Verwaltung bemüht war, zusätzliche An-
satzpunkte zur Integration der Klimaanpassung im Rah-
men von Planungsprozessen zu identifizieren, zeigte
sich, dass in vielen Bereichen der relevanten Ämter be-
reits am Limit gearbeitet wird und die Arbeitsbelastung
sehr hoch ist. Daraus folgt, dass eine effektive Vorge-
hensweise darauf setzen sollte, Klimaanpassung künftig
stärker in die bestehenden Arbeitsprogramme einzu-
betten und weniger eigenständige, zusätzliche Projekte
auszuarbeiten. Die Erwartung, weitere Anpassungspro-
jekte im Bereich Planen und Bauen realisieren zu kön- 25Seite 37 von 163
nen, muss unter Berücksichtigung der knappen perso-
nellen Ressourcen gedämpft werden.
Bereits etablierte Prozesse wie die verbindliche Bauleit-
planung, Wettbewerbsverfahren oder integrierte Stadt-
entwicklungskonzepte demonstrieren, dass eine dauer-
hafte Integration der Klimaanpassung in
Verwaltungsabläufe gut möglich ist. Ziel des Klimaan-
passungskonzeptes ist es daher, weitere wiederkehren-
de Verwaltungsprozesse dahingehend zu erweitern,
dass Klimaanpassung als fester Bestandteil in der Pla-
nung und Umsetzung verankert wird – ein Ansatz, der
über reine Projektarbeit hinaus zur Verstetigung im Ver-
waltungshandeln beiträgt und damit sehr zielführend
ist.
Ein konkreter Weiterentwicklungsbedarf besteht etwa
beim Neubau und der grundhaften Sanierung von Stra-
ßen, wo zukünftig stärker geprüft werden soll, wie As-
pekte der Klimaanpassung – insbesondere das
Schwammstadtprinzip – berücksichtigt werden können.
Ziel der Umsetzungsphase des Klimaanpassungskon-
zeptes ist es, möglichst weitreichend die aufgeführten
Prozesse im Sinne der Klimaanpassung anzureichern.
Hierzu sollen sukzessive Abstimmungen mit den verant-
wortlichen Stellen getroffen werden.
Bestehende Beratungsangebote stärken und
ausbauen
Im Rahmen des Workshops wurden verschiedene be-
reits bestehende Beratungsangebote identifiziert, die
für die Klimaanpassung genutzt oder weiterentwickelt
werden können. Genannt wurde etwa das Pilotprojekt
im Gewerbegebiet Bonn-Beuel, das seit 2023 auf alle
fünf weiteren Gewerbegebiete in Beuel ausgeweitet
wurde und 2024 auch im Gebiet Bonn-West gestartet ist.
Ergänzend dazu wurde die neue Vollzeitstelle eines Ge-
werbegebietsmanagers für Klima geschaffen, um Un-
ternehmen gezielt zu unterstützen. Zudem wurden
2024 neue Beratungsangebote für die Wirtschaft ins
Leben gerufen, unter anderem im Rahmen der Klima-
partnerschaften mit der Wirtschaft.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Beratungsangebo-
te insbesondere für Privathaushalte. Dazu zählt das
Portfolio der Bonner Energie Agentur und der Verbrau-
cherzentrale. Im Amt für Umwelt und Stadtgrün werden
Beratungen zum Förderprogramm Begrünung sowohl
für Eigentümer*innen privater als auch gewerblich ge-
nutzter Grundstücke und Gebäude angeboten.
Die Teilnehmenden sahen großes Potenzial in einer bes-
seren verwaltungsinternen Abstimmung, insbesondere
zwischen Fachbereichen, die thematisch verwandte
Aufgaben übernehmen und bereits Informationsange-
bote für Bürger*innen bereitstellen. Zudem könnten be-
stehende Strukturen der Wirtschaftsförderung stärker
genutzt werden, um Klimaanpassung gezielt zu integ-
rieren. Dafür wäre eine noch passgenauere Aufberei-
tung der Informationen für Unternehmen sinnvoll.
Förderprogramme und finanzielle Anreize zur
Klimaanpassung
Ein zentrales Instrument ist das städtische Förderpro-
gramm Begrünung, das Zuschüsse zur Gebäudebegrü-
nung sowie zur Entsiegelung bereitstellt. Die Teilneh-
menden sprachen sich für eine Verstetigung des
Programms sowie eine bedarfsgerechte Anpassung der
Förderrichtlinie aus – beispielsweise mit Blick auf das
Konzept der Schwammstadt.
Ein weiterer finanzieller Anreiz ist die mögliche Reduk-
tion der Niederschlagswassergebühr, die nach der Ins-
tallation einer Dachbegrünung beantragt werden kann.
Darüber hinaus bestehen Fördermöglichkeiten über
den Verfügungsfonds des Innenstadtmanagements, der
ebenfalls für Projekte zur Klimaanpassung genutzt wer-
den könnte. Um dies stärker zu forcieren, wäre ggf. eine
gezielte Bewerbung dieser Möglichkeit sinnvoll.
Auch die Sportförderung orientiert sich inzwischen an
Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung. Dazu wurden
2022 die Sportförderrichtlinien auf der Grundlage der
Bonner Nachhaltigkeitsstrategie angepasst und das För-
derungsziel „Nachhaltigkeit” explizit aufgenommen.
Zukünftig soll als Maßnahme aus dem Klimaplan ein Kli-
mafonds eingerichtet werden, dessen genaue Ausge-
staltung noch aussteht. Bereits jetzt zeichnet sich jedoch
ab, dass dieser als innovative Finanzierungsmöglichkeit
auch für Klimaanpassungsprojekte genutzt werden
könnte.
Beteiligungsangebote, Veranstaltungen und Netz-
werke
In Bonn gibt es zahlreiche Vernetzungsmöglichkeiten,
die auch zur Klimaanpassung erweitert werden könn-
ten. Die im Klimaplan umgesetzten Klimaviertel sowie
etablierte Quartiersmanagement-Strukturen bieten
ideale Anknüpfungspunkte, um Angebote der Klimaan-
passung z.B. durch Infovorträge und -workshops zum
Förderprogramm Begrünung zu integrieren. Bonn ist zu-
dem geprägt von einem sehr starken zivilgesellschaft-
lichen Engagement – Bürger*innenvereine und Initiati-
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ven organisieren bereits eigene Aktionstage und
Projekte. Durch Kooperationen mit diesen Akteur*innen
können städtische Angebote besser beworben und Öf-
fentlichkeitsarbeit zur Klimaanpassung betrieben wer-
den. Zahlreiche Veranstaltungen wie der Frühlings-
markt, die Bonner Energietage, der Tag der Artenvielfalt
oder der Tag der Vereinten Nationen werden bereits
genutzt, um über städtische Klimaanpassungsaktivitä-
ten zu informieren und Maßnahmen zur Eigenvorsorge
bei Extremwetterereignissen zu vermitteln. Daneben
wurden Veranstaltungen z.B. des Bürger*innenvereins
Vilich-Müldorf oder des Innenstadt-Managements mit
Vortrags- und Infoangeboten ergänzt.
Scheinwerfer auf: Hitzevorsorge
in der verbindlichen
Bauleitplanung
Ein gelungenes Beispiel für die Integration von Klima-
anpassung in die Stadtentwicklung ist die systematische
Einbindung der Hitzevorsorge in die verbindliche Bau-
leitplanung. Die verbindliche Bauleitplanung ist ein
zentrales Element der Stadtplanung, bei dem für ein be-
stimmtes Gebiet verbindlich festgelegt wird, wie die
Flächen genutzt werden dürfen und wie sich die Bebau-
ung entwickeln soll. Dieser bereits im Sinne der Klima-
anpassung optimierte Prozess zeigt, dass es möglich ist,
klimatische Aspekte dauerhaft in Verwaltungsabläufe
zu implementieren und somit die Stadtentwicklung kli-
maresilient zu gestalten.
Hochauflösende Stadtklimaanalyse und partizipative
Planung
Ein zentraler Baustein war die Entwicklung einer Stadt-
klimaanalyse im Jahr 2019 mit einer Auflösung von
10×10 m. Das 100-m²-Raster ermöglichte relativ klein-
räumige konkrete Aussagen zum Stadtklima, die in die
Bauleitplanung einfließen können. In einem partizipa-
tiven Prozess, in dem verschiedene Ämter der Verwal-
tung in Workshops zusammenarbeiteten, wurden die
Karten so gestaltet, dass sie optimal in der Planungspra-
xis eingesetzt werden können. Die Fertigstellung fiel in
einen besonders heißen Sommer, wodurch das Thema
Hitzevorsorge sowohl in der Öffentlichkeit als auch in-
nerhalb der Verwaltung verstärkt Beachtung fand. Im
Projekt MUTABOR wurden die Karten 2023 auf eine noch
höhere Auflösung von 5×5 m aktualisiert.
Frühe Richtungsentscheidungen durch den
Zielbeschluss
Der Bonn-eigene „Zielbeschluss“ erfolgt bereits vor der
intensiven Planungsphase zu einem Gebiet. Bevor grö-
ßere Planungskapazitäten eingesetzt werden, treffen
die politischen Gremien eine erste Richtungsentschei-
dung – etwa zur baulichen Entwicklung eines bisher als
Grünfläche ausgewiesenen Areals. Dieser zusätzliche
Schritt im frühen Planungsstadium erleichtert es auch,
grundlegende klimatische Argumente einzubringen,
bevor Entwürfe in der weiterentwickelten Planung das
„Wie“ bestimmen.
Integration klimatischer Anforderungen in
Wettbewerbe
Bei städtebaulichen, hochbaulichen und freiraum-
planerischen Wettbewerben fließt die Hitzevorsorge
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konsequent in alle Phasen ein. In die Auslobung wer-
den Stadtklimainformationen und Kartenausschnitte
eingearbeitet sowie konkrete Aufgabenstellungen und
Bewertungskriterien definiert, um klimatische Anfor-
derungen in den Entwurfsprozessen zu verankern. Im
Rahmen des Schwammstadtkonzepts wurden zudem
spezielle Textbausteine für die Trockenheitsvorsorge
erarbeitet, die beispielsweise beim Projekt „Zukunfts-
ort Dransdorfer Berg (Alte Stadtgärtnerei)“ Anwen-
dung fanden.
Checkliste und externe Klimagutachten
Die Bonner Checkliste für nachhaltiges Planen wird in
Bauleitplanverfahren genutzt, um systematisch die The-
men der Nachhaltigkeit – darunter auch der Klimaan-
passung - zu überprüfen. Um die Verfahren effizient zu
gestalten sowie im Rahmen der Evaluation der Check-
liste, wird ihre Anwendung und ihre inhaltliche Ausge-
staltung bei Bedarf an aktuelle Rahmenbedingungen
angepasst.
Zusätzlich wird für relevante Projekte ein externes De-
tail Klimagutachten beauftragt. Mithilfe mikroskaliger
Modellierungen werden die Auswirkungen auf thermi-
sche Belastung und Durchlüftung analysiert, um konkre-
te Empfehlungen zur Verbesserung der stadtklimati-
schen Situation abzuleiten.
Maßnahmen zur Begrünung und Wassernutzung
Seit 2010 schreibt jeder neue Bebauungsplan mindes-
tens eine extensive Dachbegrünung vor. In den letzten
Jahren wurde diese Vorgabe erweitert: Neben Dachbe-
grünungen ist auch die Prüfung und Umsetzung von Fas-
sadenbegrünungen auf geeigneten Flächen verpflich-
tend. Im Rahmen des Schwammstadtkonzepts wurden
Textbausteine entwickelt, die eine dezentrale Speiche-
rung und Nutzung von Niederschlagswasser priorisie-
ren, um die Ableitung über Fließgewässer oder die Ka-
nalisation zu reduzieren.
Innovative Ansätze und technologische
Entwicklungen
Die Berücksichtigung der Klimaanpassung im Rahmen
der Bauleitplanung wird kontinuierlich weiterentwi-
ckelt. Ein Beispiel ist das Projekt „Im Rosenfeld“, in dem
erstmals das Prinzip des Berliner Biotopflächenfaktors
angewandt wird – eine Kennziffer, die naturhaushalts-
wirksame Flächen und eine hohe Durchgrünungsquali-
tät im Quartier sicherstellen soll. Parallel werden auch
die Standards für Dach- und Fassadenbegrünung wei-
terentwickelt, sodass beispielsweise Solargründächer
vermehrt berücksichtigt werden.
Zudem ermöglichen erste am Markt verfügbare KI-ge-
stützte Plug-ins für GIS-Systeme, dass Verwaltungsmit-
arbeitende stadtklimatische Auswirkungen eigenstän-
dig bewerten können, ohne aufwendige externe
Gutachten einholen zu müssen. Die Anwendung solcher
Instrumente wäre auch für Bonn interessant.
Abwägung und politische Entscheidung
Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass der Belang Stadt-
klima einer von vielen Abwägungsthemen in der Bau-
leitplanung ist. Auch wenn Klimaanpassung bestmög-
lich berücksichtigt wird, kann es in der Gesamtabwägung
dazu kommen, dass andere Belange Vorrang erhalten.
Aufgabe und Ziel der Verwaltung ist es, die Bedeutung
des Belangs im konkreten Planungsraum transparent
darzustellen und Möglichkeiten optimal und verhältnis-
mäßig in den Prozess einzubringen. Die letztendliche
Entscheidung darüber, in welchem Umfang stadtklima-
tische Aspekte in der Planung berücksichtigt werden,
obliegt jedoch den gewählten Vertreter*innen in den
politischen Gremien.
Langfristige Perspektiven
Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Bauleitpla-
nung im Sinne der Klimaanpassung zeigt, dass langfris-
tig tragfähige Strukturen geschaffen werden können.
Die Verwaltung setzt diesen Weg fort, um die Resilienz
der Stadt gegenüber Klimaveränderungen zu stärken
und Gelegenheitsfenster durch Planungsvorhaben für
die Klimaanpassung zu nutzen.
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2. Workshop: Räumliche Prioritäten
und Synergien
Folgende Leitfragen standen im Fokus:
• Wo gibt es besonders dringlichen Handlungsbe-
darf?
• Welche laufenden Planungen bieten Anknüpfungs-
punkte für Klimaanpassung?
• Wo muss Klimaanpassung selbst als Treiber für neue
Maßnahmen fungieren?
Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse:
Dringlicher Handlungsbedarf
Eine zu Beginn gezeigte Präsentation sensibilisierte die
Teilnehmenden nochmals sehr deutlich für die konkreten
Auswirkungen des Klimawandels auf Bonn. In Form von
Hitze- und Starkregengefahrenkarten wurden die unter-
schiedlich starken Betroffenheiten erläutert. Ergänzend
dazu wurden Auswertungen gezeigt, die im Zusammen-
hang mit der Verwundbarkeit der Bevölkerung bzw. be-
sonders betroffenen Personengruppen relevant sind (sie-
he Kapitel Betroffenheitsanalyse).
Anknüpfen an laufende Planungen
Es wurden bestehende Planungen identifiziert, bei de-
nen Klimaanpassungsmaßnahmen integriert werden
können. Hierzu zählten formelle Planungen wie die Auf-
stellung von Bebauungsplänen und informelle Ansätze
wie die Schulhofoffensive des Bonner Freiraumplans, die
Verortung der Klimaviertel sowie Aktivitäten aus dem
ISEK Bonn Bad Godesberg. Diese Nennungen erfolgten
als Ergänzung der Planungen, welche bereits aus der Kar-
te der Gelegenheitsfenster des Schwammstadtkonzepts
bekannt waren. Mit dem starken Fokus auf diesem Ansatz
wurde zudem den Rückmeldungen der Teilnehmenden
aus dem 1. Verwaltungsworkshop Rechnung getragen,
wonach insbesondere die ohnehin zu leistenden Planun-
gen für die Klimaanpassung genutzt werden sollten, um
die Fachämter nicht zu überlasten.
Stärkung der Maßnahmen in bereits adressierten
Bereichen
In den klimatisch besonders belasteten Bereichen der In-
nenstadt und in Gewerbegebieten werden etwa im Rah-
men des Masterplans Innere Stadt oder des ISEK Bad
Godesberg und durch Aktivitäten wie Unternehmensbera-
tungen in den Gewerbegebieten, wie Beuel-Ost, bereits
sehr zielführende Ansätze umgesetzt. Um dem hohen
Handlungsdruck in diesen Bereichen gerecht zu werden,
sollten hier fortlaufend weitere Möglichkeiten zur Verstär-
kung der Anpassungsaktivitäten geprüft werden.
Initiierung zusätzlicher Projekte außerhalb bestehen-
der Planungen
Für Bereiche, die bislang nicht durch laufende Aktivitä-
ten verändert werden, stehen kaum personelle Res-
sourcen für zusätzliche Projekte in den dafür relevanten
Ämtern zur Verfügung. Hier wird empfohlen, durch ge-
zielte Öffentlichkeitsarbeit und Förderangebote die frei-
willige Umsetzung von Maßnahmen Dritter anzuregen.
Diese Aktivitäten können in Abstimmung mit dem Pres-
seamt federführend durch das Klimaanpassungsma-
nagement geleistet werden, wo hierzu befristet Res-
sourcen für die Dauer der Bundesförderung zur
Verfügung stehen. Zudem liefert die Analyse der Hitze-
hotspots und der Standorte mit vielen vulnerablen Per-
sonen wichtige Ansatzpunkte für den vom Gesundheits-
amt zu entwickelnden Hitzeaktionsplan.
3. Workshop: Kommunikationsarbeit
Folgende Leitfragen standen im Fokus:
• Welche Ideen aus der zweiten Öffentlichkeitsbetei-
ligung zur Kommunikationsarbeit sind umsetzbar?
• Welche Erfahrungen haben die Ämter mit Kommu-
nikationsarbeit?
• Wie kann eine wirksame Kommunikationsstrategie
für die Klimaanpassung aussehen?
Umsetzbare Ideen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung
Es wurden konkrete Vorschläge gesammelt, wie die
Kommunikationsarbeit aus Sicht der Verwaltung ver-
bessert werden kann. Die Ideen, die aus Bürger*innen-
beteiligungsprozessen hervorgingen, wurden auf ihre
Umsetzbarkeit und Wirkung hin geprüft. Dabei zeigte
sich, dass zwar nicht alle Ansätze angesichts der be-
grenzten Kapazitäten realisiert werden können, jedoch
einige umsetzbar sind und oft auch mit den Vorschlägen
der Verwaltung übereinstimmen.
Erfahrungen der Ämter mit Kommunikationsarbeit
Die Fachämter betonten, dass eine professionelle Kom-
munikationsarbeit für die Klimaanpassung unabdingbar
ist. Beispielsweise wurde berichtet, dass bei Maßnah-
men wie der Pflanzung zusätzlicher Stadtbäume erheb-
liche Widerstände der Anwohnenden aufgetreten sind
oder eine mineralische Mulchung als Schottergarten
wahrgenommen wurde. Eine verbesserte Kommunika- 29Seite 41 von 163
tion kann diese Widerstände und Missverständnisse
nicht vollständig beseitigen, jedoch dazu beitragen, sie
zu reduzieren und das Verständnis für städtische Aktivi-
täten zu fördern.
Entwicklung einer wirksamen Kommunikations-
strategie
Für eine effektive Ansprache, insbesondere zur Aktivie-
rung von privaten Haushalten und Gewerbetreibenden,
bedarf es einer motivierenden und zielgerichteten
Kommunikation. Die Strategie soll ein Zusammenspiel
aus analogen und digitalen Angeboten beinhalten: So
sollen etwa geplante oder realisierte städtische Anpas-
sungsmaßnahmen im Stadtgebiet mittels Schildern
sichtbarer gemacht und auf der Website (bonn.de) so-
wie über eine digitale Projektkarte näher erläutert wer-
den. Zudem wird eine gezielte Ansprache relevanter
Zielgruppen sowie die klare Definition von Zielen und
Botschaften angestrebt, um einen roten Faden in der
Kommunikationsarbeit zu etablieren.
Zusammenfassend verdeutlicht der Workshop, dass es
ein starkes Bewusstsein für die Notwendigkeit profes-
sioneller Kommunikation gibt, um sowohl Widerstände
zu reduzieren als auch freiwillige Maßnahmen zu för-
dern. Die gesammelten Ideen und Erfahrungen fließen
in die Kommunikationsstrategie ein und sollen dazu
beitragen, die Klimaanpassungsaktivitäten in Bonn ef-
fektiver und nachvollziehbarer darzustellen.
Der Weg zur Umsetzung
Die Ergebnisse der Workshops wurden umfassend doku-
mentiert und flossen direkt in die Entwicklung des Kli-
maanpassungskonzeptes ein. Sie bildeten die Grundla-
ge für die Maßnahmensteckbriefe und halfen,
zukünftige Projekte festzulegen. Besonders wertvoll
war der interne Austausch für die Kommunikationsstra-
tegie: Die Erwartungen der Öffentlichkeit konnten auf
Basis der Ergebnisse der Öffentlichkeitsbeteiligung ge-
nauso besprochen werden wie die internen Herausfor-
derungen der Verwaltung.
Die Beteiligung der Verwaltung hat gezeigt: Klimaan-
passung ist nicht nur eine fachliche Aufgabe, sondern
erfordert eine koordinierte und transparente Zusam-
menarbeit. Durch die frühzeitige Einbindung der Fach-
ämter konnte dabei unterstützt werden, Synergien zu
erkennen und zu nutzen, relevante Prozesse zu optimie-
ren und zur verwaltungsinternen Sensibilisierung für
Klimaanpassungsmaßnahmen beizutragen.
Abb. 26: Einblick in die Bürgerbeteiligung
Quelle: Bundesstadt Bonn
Abb. 27: Einblick in die Bürgerbeteiligung II
Quelle: Bundesstadt Bonn
Die erste Bürger*innenbeteiligung im April 2024 diente
zur Information der Bevölkerung zur Thematik der Kli-
maanpassung und deren Notwendigkeit. Darüber hin-
aus hatten die Bürger*innen die Möglichkeit, in Klein-
gruppenarbeit auf Grundlage der vermittelten
Informationen über Hitze, Trockenheit und Starkregen
ihre Ideen in die Konzepterstellung einzubringen und zu
schildern, wo Handlungsbedarf oder Problemlagen ge-
sehen werden. Zudem konnten räumlich konkrete Maß-
nahmen zur Klimaanpassung vorgeschlagen werden.
Nach der Workshoprunde fanden eine Blitzlichtrunde
und eine Diskussion über die Gruppenarbeit im Plenum
statt.
Klimaanpassung – einfach
machen! Die Öffentlichkeitsbetei-
ligung
Die Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der Erstel-
lung des Klimaanpassungskonzepts wurde in zwei Pha-
sen gegliedert. Die erste Phase wurde im Frühjahr 2024
durchgeführt. Die zweite Phase fand im Herbst 2024
statt.
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Abb. 28: online Beteiligung auf bonn-macht-mit.de
Quelle: Bundesstadt Bonn
Parallel zur Veranstaltung gab es die Möglichkeit, sich im
Rahmen einer 6-wöchigen Online-Beteiligung über das
Beteiligungsportal „BONN MACHT MIT!“ aktiv am integ-
rierten Klimaanpassungskonzept zu beteiligen. Die Teil-
nehmenden hatten hierbei die Möglichkeit, räumlich
konkrete Maßnahmenvorschläge zu den drei Hand-
lungsfeldern Hitze, Trockenheit und Starkregen im
Stadtgebiet zu verorten. Im Rahmen der Online-Beteili-
gung sind über 250 Kommentare eingegangen.
Die Ergebnisse aus beiden Beteiligungssträngen wur-
den zunächst ausgewertet und zur weiteren Analyse im
Geoinformationssystem verräumlicht. Außerdem konn-
ten durch Mehrfachnennungen weitere lokale Eingriffs-
möglichkeiten im Sinne von Bausteinen der Klimaan-
passung (vgl. Anhang „Bausteine der Klimaanpassung“)
identifiziert werden: Verwendung von Flächenmateria-
lien mit geringer Wärmeleit- und Speicherkapazität,
Haltestellen und Wartebereiche begrünen und verschat-
ten sowie die Implementierung einer klimaangepass-
ten Vegetation.
Im Oktober 2024 fand die zweite vor-Ort-Beteiligung im
Rahmen des Konzeptes statt, zu der auch die Teilneh-
menden aus der Stakeholder-Beteiligung eingeladen
wurden (vgl. nächstes Kapitel).
Der Fokus dieser Beteiligung lag auf der Vorstellung des
Maßnahmenkatalogs mit seinen bis dahin 22 Maßnah-
menpaketen sowie der Präsentation der Vorschläge aus
der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung. Darüber hinaus
konnten die Teilnehmenden in einer aktiven Workshop-
phase die Maßnahmen mit Hilfe von Klebepunkten hin-
sichtlich ihrer Wichtigkeit priorisieren, Vorschläge zur
Kommunikationsarbeit zu den jeweiligen Maßnahmen
liefern sowie letzte Hinweise geben. Weiterhin bestand
die Möglichkeit, erste Ideen und Anregungen zur Kom-
munikationsstrategie zu machen.
Neben der vor-Ort-Beteiligung hatten die Bürger*innen,
wie bereits im Rahmen der ersten Öffentlichkeitsbetei-
ligung, die Möglichkeit, sich im Rahmen einer 3-wöchi-

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Datenstand: 03.11.2026, 00:45 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de