252904 · Beschlussvorlage
Weiterführung des Konzepts zur Förderung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (moveBonn)
Kerndaten
- Nummer
- 252904
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 03.06.2025
- Letzte Änderung
- 01.11.2026
Orte
- LVR-Klinik Hauptort
- Bonn
Beratungsfolge
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr Empfehlung
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 252904 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Weiterführung des Konzepts zur Förderung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (moveBonn) Beratungsfolge Ausschuss für Mobilität und Verkehr 18.06.2025 Empfehlung Rat 03.07.2025 Entscheidung Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 10.07.2025 Empfehlung Beschlussvorschlag 1. Der von der Verwaltung vorgeschlagenen dauerhaften Weiterführung der Förderung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (moveBonn) wird zugestimmt. 2. Die dafür kalkulierten Finanzmittel werden grundsätzlich im Haushalt über 2026 hinaus zur Verfügung gestellt. 3. Die Verwaltung wird beauftragt, zur Aufstellung des Haushaltes für die Jahre 2027ff weitere Kostenreduzierungen vorzuschlagen, um bei Weiterführung des Programms auch den Erfordernissen der Haushaltskonsolidierung Rechnung zu tragen. Begründung Am 12.12.2024 hat der Rat der Stadt Bonn das Programm moveBonn (ehemals JOBWÄRTS) zunächst bis 31.12.2025 verlängert und der Verwaltung gleichzeitig den Auftrag erteilt, für die Weiterführung ab 2025 das neue Konzept umzusetzen (DS 241618). Aufgrund des Ausscheidens des Rhein-Sieg- Kreises (RSK) und dem damit verbundenen Wegfall von 50 % der Finanzierung sowie einer Reihe an Kündigungen von Arbeitgebenden wurde das Programm neu aufgestellt. Trotz des Ausstiegs des Rhein-Sieg-Kreises empfahl die Stadtverwaltung eine Fortsetzung von JOBWÄRTS bzw. moveBonn, denn das Programm ist weiterhin sehr erfolgreich. Zudem wird mit dem moveBonn- Programm dem im Klimaplan aufgeführten und beschlossenen Steckbrief 3.3.2.1 „Betriebliches Mobilitätsmanagement“ nachgekommen.Seite 1 von 10 Seite 2 Voraussichtlich werden im IV. Quartal 2025 noch keine Fachausschüsse des neukonstituierten Rates gebildet sein. Allerdings ist rechtzeitig vor Jahresende eine Beschlussfassung im Rat über eine unterbrechungsfreie Fortführung des Programms ab 2026, insbesondere über notwendige inhaltliche Vergaben, erforderlich. Um dennoch eine Beratung in den sachlich berührten Fachausschüssen vor einer Beschlussfassung im Rat zu ermöglichen, bringt die Verwaltung schon jetzt diese Vorlage mit den im Folgenden näher erläuterten ersten Erfolgen ein. Ausgangssituation Das ehemalige Programm JOBWÄRTS war seit dem Start 2020 sehr etabliert und hat bei dutzenden Unternehmen das Mobilitätsmanagement optimiert. Die letzte Wirkungsmessung der Hochschule RheinMain aus 2023 hat ergeben, dass sich der Modal Split positiv im Sinne der Mobilitätswende entwickelt hat. Im Vergleich zu 2019 haben bisher insgesamt 6.317 Mitarbeitende ihre Pkw- Nutzung reduziert und damit 935 Tonnen CO2 eingespart. Wie bereits erläutert, gab es allerdings im Jahr 2023 einige Kündigungen von Arbeitgebenden. Hier wurden insbesondere bei den öffentlichen Arbeitgebenden die Teilnahmegebühren von ca. 5.000 € pro Jahr als Grund genannt, das Programm zu verlassen. Zudem stieg der Rhein-Sieg-Kreis als Partner aus, was zusammen zu einer deutlichen Reduzierung der finanziellen Mittel führte. Auch bei Angeboten an die Mitarbeitenden sank zuletzt die Nachfrage, beispielsweise bei den Mobilitäts-Testwochen (Bereitstellung von Anreizen, wie kostenlose E-Bike-Tests und Probetickets für den ÖPNV) oder den Fahrradsicherheits-Checks. Dies war vor allem darauf zurück zu führen, dass die Angebote zum einen sehr zeitintensiv waren in der Vorbereitung und Durchführung, zum anderen aber bereits viele Mitarbeitende die Maßnahmen vorher in Anspruch genommen haben. Des Weiteren haben Befragungen gezeigt, dass viele Mitarbeitende auf die Angebote wie Pedelecs oder Deutschland-Tickets umgestiegen sind. Das ist als klarer Erfolg des bisherigen Programms zu werten. Gleichzeitig zeigt die Wirkungsmessung noch ein hohes Umstiegspotenzial, welches durch die Fortsetzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements mit gezielten und veränderten Angeboten weiter aktiviert werden kann. Als Ergebnis der Befragung ist hervorzuheben, dass bereits zusätzlich 2.500 Mitarbeitende eine weitere Reduzierung der Pkw-Nutzung vornehmen möchten. 35 % der befragten PKW-Nutzenden können sich einen Umstieg auf das Rad vorstellen, wenn sich die Radinfrastruktur der Stadt und des Arbeitgebenden entsprechend verbessert. Des Weiteren können sich 46 % der Befragten auch einen Umstieg auf den ÖPNV vorstellen, wenn sich hier insbesondere die Betriebsqualität verbessern würde. Somit werden durch das Zusammenspiel mit den angedachten Infrastrukturmaßnahmen in diesen Bereichen in den nächsten Jahren weitere Umsteiger gewonnen werden können. Dazu unterstützt moveBonn seine Mitglieder*innen, den Umstieg ihrer Mitarbeitenden mit einer individuellen Mobilitäts-Strategie zu fördern. Unterstützung liefert moveBonn ebenfalls bei den teilweise verpflichtenden EU Nachhaltigkeits- Reportings, dem sog. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). moveBonn bietet zu diesem Thema Workshops an und stellt benötigte Daten im Rahmen der jährlichen Mitarbeiterbefragung zur Verfügung.Seite 2 von 10 Seite 3 Eine nähere Erläuterung zu den Gründen für die Veränderung des Programms ist in der Beschlussvorlage zur Weiterführung zu finden (DS 241618). Gemäß Aussage von Prof. Andrè Bruns, Professor an der Hochschule RheinMain und Vorsitzender der Deutschen Plattform für Mobilitätsmanagement e.V. betreibt die Bundesstadt Bonn mit moveBonn das derzeit umfangreichste Programm zur systematischen Unterstützung des Betrieblichen Mobilitätsmanagements in Deutschland. Die Bedeutung zeigt sich auch dadurch, dass Referenten für moveBonn zu zahlreichen Fachveranstaltungen in ganz Deutschland eingeladen werden. Umsetzung des neuen Konzeptes Seit dem 01.01.2025 legt moveBonn den neuen Schwerpunkt darauf, Arbeitgebende für eine zukunftsfähige betriebliche Mobilität ihrer Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg zu vernetzen und gut aufzustellen. Dafür wurden die kostspieligen Aktionen mit der Zielgruppe Mitarbeitende zurückgefahren und stattdessen die Ausbildung und Vernetzung der Mobilitätsbeauftragten und Unternehmen in den Vordergrund gestellt. Konkret wurden die folgenden Bausteine umgesetzt bzw. die Umsetzung vorbereitet, die im Weiteren näher erläutert werden. • Individuelle Analysen für Arbeitgebende. Anhand der bewährten Mobilitätsanalyse werden Potenziale für nachhaltige betriebliche Mobilität aufgezeigt. • Jährliche Mitarbeiterbefragungen mit dem Ergebnis einer unternehmensspezifischen Evaluierung der getroffenen Maßnahmen und Ermittlung des Modal-Splits zur Unterstützung der Arbeitgebenden in den kommenden verpflichtenden EU-Reportings (z.B. Scope 3) • Schulung der Ansprechpersonen in Unternehmen durch den mit der IHK gemeinsam durchgeführten Zertifikatslehrgang „Betriebliche/r Mobilitätsmanager/in (IHK)“ • Regelmäßige Themenvorträge und eine digitale Toolbox zu einzelnen Mobilitätsangeboten (wie Fahrrad-Leasing, Jobticket, Car-Sharing), mit denen Arbeitgebende ihre individuelle Mobilitätsstrategie erstellen können • Neue Vernetzungsformate zwischen den Arbeitgebenden, zur Weiterbildung und zum Austausch mit der Bundesstadt Bonn und untereinander Die ersten Erfolge des neuen Programms Am 25.02.2025 startete moveBonn mit einer Relaunch-Veranstaltung in die Umsetzungsphase des neuen Programms. Eingeladen waren alle bestehende 24 Arbeitgebenden, 18 ehemalige Arbeitgebende sowie mit der LVR Klinik undSeite 3 von 10 Seite 4 dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales auch zwei neue Arbeitgebende, die großes Interesse an einer Teilnahme bekundeten. Von den 18 ehemaligen Arbeitgebenden haben bisher 8 einen erneuten Einstieg in Aussicht gestellt. Zurzeit befinden sich die neuen Verträge im Versand. Es kann aber stark davon ausgegangen werden, dass noch weitere ehemalige Teilnehmende zurückgewonnen werden können. Geschätzt ist von ca. 12-15 Arbeitgebenden auszugehen, die allein durch die Umstellung auf das neue Konzept bei moveBonn einsteigen bzw. wiedereinsteigen möchten. Vor dem Hintergrund, dass die angedachte Akquise-Phase erst noch startet, ist ein Anstieg schon jetzt von ca. 50% sehr vielversprechend. Zusätzlich sollen auch neue Unternehmen, Behörden und Kommunen aus der Region für das Programm begeistert werden. In Kürze wird es zu diesem Zweck eine großangelegte Akquise-Aktion mit persönlichem Anschreiben von Frau OB Katja Dörner geben sowie Veranstaltungen für bestimmte Zielgruppen wie Kommunen oder Bundesbehörden. Ende 2024 fand erstmals der mit der IHK gemeinsam veranstaltete Lehrgang zum Betrieblichen Mobilitätsmanager*in statt. Diesen absolvierten sieben Mitarbeitende der unterschiedlichen Unternehmen erfolgreich. Für den zweiten Durchgang im April 2025 liegen bereits genügend Anmeldungen vor. Dies zeigt das große Interesse an solchen Fortbildungsveranstaltungen. Zudem konnten die ersten Maßnahmen und Veranstaltungen wie im Folgenden dargestellt durchgeführt und in die Wege geleitet werden: Neue Positionierung und stärkere Einbindung in die Verwaltung Die angestrebte stärkere Verknüpfung mit anderen Verwaltungsthemen ist erfolgreich angelaufen. So wurden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaftsförderung bereits mehrere gemeinsame Formate im Rahmen der Klimaschutzberatung und „Klimapartnerschaften Wirtschaft“ umgesetzt und geplant. Ein Workshop zum Thema „Nachhaltigkeitsberichtserstattungen und den CSRD-Vorgaben der EU“ hat bereits Anfang April stattgefunden. Weitere gemeinsame Termine vor Ort bei Arbeitgebenden und Unternehmen haben zu positiven Ergebnissen geführt. Für die Zukunft ist unter anderem eine Kooperation der verschiedenen Veranstaltungsformate geplant, in der die Teilnehmenden der beiden Programme bei den jeweils anderen Formaten mitmachen können. So sollen zum Beispiel Klimapartner der Wirtschaftsförderung an Vernetzungstreffen von moveBonn teilnehmen dürfen, wenn es thematische Überschneidungen gibt. Außerdem wird es Veranstaltungen geben, auf denen die Arbeitgebenden mit Expert*innen der Stadt Bonn zu den geplanten Infrastrukturmaßnahmen, z.B. im Radverkehr, Stadtbahnnetz, und zu den Leuchtturm-Projekten Seilbahn oder der Neugestaltung des ZOBs in den Austausch kommen können. Neuer Fokus auf die Unterstützung der anstehenden Baustellenproblematik Aufgrund der anstehenden großen Baumaßnahmen im umliegenden Autobahn- und Schienennetz sowie im innerstädtischen Bereich wird der Bedarf an Kommunikation und unterstützenden Maßnahmen zu den Baustellen in denSeite 4 von 10 Seite 5 nächsten Jahren deutlich ansteigen. Für moveBonn ist hier eine zentrale Rolle angedacht, die am Programm teilnehmenden Arbeitgebenden und darüber mehr als 60.000 Mitarbeitende über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und mögliche Lösungsansätze zur Kompensation mit den Arbeitgebenden zu erarbeiten. Insbesondere für die Baustellen auf der A565 (Tausendfüßler, Endenicher Ei) und im Rahmen der Hochleistungskorridore der Deutschen Bahn sind schon konkrete Kommunikationsmaßnahmen in Planung. Der Bedarf nach Unterstützung in diesem Bereich ist mehrfach durch die moveBonn- Partner, wie zum Beispiel die IHK Bonn/Rhein-Sieg geäußert worden. moveBonn erarbeitet gerade intensiv erste Kommunikationskonzepte und befindet sich im engen Austausch mit go.Rheinland und der Autobahn GmbH. Partnerschaften Der ursprüngliche Programmpartner VRS / Zukunftsnetz NRW war bestrebt, das JOBWÄRTS-Programm in Köln und Leverkusen sowie den umliegenden Kreisen auf Grund der positiven Erfahrungen und der nachgewiesenen Wirkung im Bonner Raum zu initiieren. Wegen der auch auf Landesebene schwierigen Finanzsituation wurde ein entsprechender Förderantrag Stand April 2025 jedoch bereits mündlich abgelehnt. Das Interesse an dem neuen, kostengünstigeren Ansatz zu moveBonn ist deswegen hoch. Für das 2. Quartal dieses Jahres ist ein nächster Termin angestrebt, um in engem Austausch zu bleiben und weitere Synergieeffekte zu nutzen. Einführung der Marke „moveBonn“ Wie angekündigt erfolgte mit der Einführung des neuen Konzeptes die Umstellung vom Markenname JOBWÄRTS auf moveBonn. Damit verbunden war eine komplett neu erstellte Kommunikationskampagne, um die nun mehr im Fokus stehenden Arbeitgebenden gut ansprechen zu können. Vorgestellt wurde die Kampagne (siehe Anlage) erstmals im Auftakttermin am 25.02.2025. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Der neue Schwerpunkt auf die Arbeitgebenden und die damit verknüpften Maßnahmen werden als sehr sinnvoll angesehen. Finanzen Die angekündigte Umstellung auf ein beitragsfreies Programm ist von den Arbeitgebenden begrüßt worden. Bis Ende letzten Jahres wurde ein Mitgliedsbeitrag von 10 Euro pro Beschäftigten, gedeckelt auf max. 5000 Euro netto im Jahr fällig. Für den damit verbundenen Wegfall der Mitarbeitenden- Aktionen wie Mobilitäts-Testwochen oder Fahrradsicherheits-Checks gab es viel Verständnis. Der neue, kostengünstigere Ansatz des Programms ist deswegen und aufgrund der erwähnten Zusagen für Neueinstiege als Erfolg zu verbuchen und soll weitergeführt werden. Durch den dauerhaften Wegfall von Teilnahmegebühren wird die langjährige Mitgliedschaft, insbesondere öffentlicher Arbeitgebender ermöglicht. Für 2026 sind die notwendigen finanziellen Mittel bereits im Haushalt eingestellt. Um die notwendige Haushaltskonsolidierung zu unterstützen, werden für den nächsten Doppelhaushalt 2027/2028 weitere Einsparmöglichkeiten geprüft. Hierzu wurde im ersten Schritt auch die Streichung einer vakanten Personalstelle vorgenommen.Seite 5 von 10 Seite 6 Finanzielle Auswirkungen: Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.12. Verkehrsflächen und - anlagen, ÖPNV 1.12.07 Verkehrsplanung Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 246.980,00 EUR EUR (Sachkosten: 150.755,00 EUR, Konzeption: 39.300,00 EUR, Kommunikation: 56.925,00 EUR)) 161001207/ 72.1000 (Innenauftrag 6103002, Klimaziel 3.3.2.1 "Betriebliches MM" MoveBonn) 2026 Einzahlungen / Erträge 0,00 EUR Haushaltsbelastung jährlich 246.980,00 EUR Anlage/n 1 Anlage BV Weiterführung moveBonn 2026 (öffentlich) 2 Anlage Empfehlung moveBonn der Hochschule RheinMain (öffentlich)Seite 6 von 10 Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Anlage Ein Beispiel für die neue Kommunikationskampagne. Quelle: moveBonnSeite 7 von 10 Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms „moveBonn“ aus wissenschaftlicher Perspektive Policy Brief für die Bundesstadt Bonn Update W4/2025 Prof. Dr.-Ing. André Bruns, Fachgruppe Mobilitätsmanagement im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen 14.04.2025Seite 8 von 10 Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms moveBonn aus wissenschaftlicher Perspektive Prof. Dr.-Ing. André Bruns 14.04.2025 Seite 1 1 HINTERGRUND UND AUFGABENSTELLUNG Mit „moveBonn“ (vormals „JOBWÄRTS“) betreibt die Bundesstadt Bonn (und initial auch der Rhein- Sieg-Kreis sowie das Zukunftsnetz NRW) das derzeit umfangreichste Programm zur systematischen Unterstützung des Betrieblichen Mobilitätsmanagements (BMM) in Deutschland. Die Fachgruppe Mobilitätsmanagement (FGMM) der Hochschule RheinMain hat seit 2021 in nunmehr vier Wellen im Auftrag der Bundesstadt Bonn standardisierte Messungen zur Wirksamkeit des Programms durchgeführt. Im Zusammenhang der dritten Wirkungsmessung 2024 hat die FGMM in einem Policy Brief Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms aus wissenschaftlicher Perspektive formuliert. Die zentralen Empfehlungen aus dem Jahr 2024 waren: I. Fokus auf strategische Beratungsleistungen (statt operativer Durchführung von Maßnahmen), II. Intensivere Nutzung der in moveBonn ermittelten Daten, etwa als Grundlage für die Planung von Mobilitätskonzepten oder für das Nachhaltigkeitsreporting der Arbeitgeber. III. Fokus auf Vernetzung der Unternehmen und Moderation von Prozessen. IV. Stärkere Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der kommunalen Verwaltung, etwa der Stadtplanung oder der Wirtschaftsförderung. Nachfolgend werden diese Empfehlungen auf Basis der Ergebnisse der vierten Welle sowie der erfolgten Neuaufstellung des Programms fortgeschrieben. 2 BEURTEILUNG DER BISHERIGEN ENTWICKLUNG (1) Wirkungen des Programms: a. Die Ergebnisse der Wirkungsmessungen (Wellen 1-4) zeigen Veränderungen in der Verkehrsmittelwahl auf Arbeitswegen vom Motorisierten Individualverkehr (MIV) hin zu den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes und insbesondere den Radverkehr. Entsprechende Fragen im Rahmen der Wirkungsmessung sowie ergänzenden qualitative Interviews lassen aus Sicht der verfassen den Schluss zu, dass sich diese Veränderungen das Programm, bzw. in dessen Rahmen durchgeführte Maßnahmen zurückführen lassen. b. Während der Anteil des MIV in den ersten drei Wellen kontinuierlich zurückging, ist in der vierten Wellen nun insgesamt gesehen ein leichter Anstieg des MIV-Anteils zu erkennen. Dieser Anstieg ist aus Sicht der Verfasser plausibel auf eine Reduzierung des Anteils des Mobilen Arbeitens bei den Arbeitgebern zurückzuführen. c. Weiterhin zeigen die Messungen jedoch, dass die Maßnahmen des Programms wirken und Menschen dabei unterstützen, den MIV weniger zu nutzen. Die Anzahl der Personen, die den MIV-Anteil auf Arbeitswegen reduziert haben liegt jedoch in der Welle 4 deutlich unter den Zahlen der anderen Wellen. Als Gründe hierfür können auf Basis von Erkenntnissen aus ähnlichen Projekten oder Analogieschlüssen folgende Entwicklungen vermutet werden: • Gewöhnungseffekte: bisherige Maßnahmen z.B. zur Förderung von Pedelecs „nutzen sich ab“, d.h. erreichen die Zielgruppe weniger stark, das Potenzial wird langsam ausgeschöpft.Seite 9 von 10 Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms moveBonn aus wissenschaftlicher Perspektive Prof. Dr.-Ing. André Bruns 14.04.2025 Seite 2 • Geringere Maßnahmenintensität: Aufgrund der Neuausrichtung des Programms finden temporär weniger Maßnahmen statt, die sich direkt an die Beschäftigten der teilnehmenden Arbeitgeber richten. Derartige Effekte sind aus langlaufenden Programmen wie in München oder Frankfurt RheinMain bekannt und erwartbar. Die Erfahrungen lassen jedoch erwarten, dass mit der Intensivierung bestehender oder Einführung neuer Maßnahmen wieder größere Effekte eintreten, insb. dann, wenn die Maßnahmen spezifischer auf die Situation der jeweiligen Arbeitgeber angepasst werden, wie es nun intendiert wird. d. Die Wirkungsmessung zeigt ein nach wie vor hohes kurz- bis mittelfristige Potenzial für eine weitere Erhöhung des Anteils des Umweltverbundes, die sich 1. durch eine Fortsetzung des Programms und 2. eine Erhöhung der Maßnahmenintensität realisieren ließen. (2) Strategische Neuausrichtung des Programms: Durch die erfolgreiche Neuausrichtung des moveBonn-Programms wurden die eingangs genannten Empfehlungen I. bis III. aus dem Jahr 2024 weitgehend umgesetzt. Aus Sicht der Verfasser wurden somit erfolgreich grundlegende organisatorische, inhaltlich-/methodische und kommunikatorische Strukturen geschaffen, um a. die Effektivität des Programms insg. zu erhöhen und b. das BMM im nächsten Schritt als (Governance-)Instrument für kooperative verkehrliche Problemlösungsstrategien nutzen, z.B. zur Minderung der negativen Auswirkungen von Infrastrukturgroßvorhaben. 3 EMPFEHLUNGEN FÜR DIE WEITERE ENTWICKLUNG DES PROGRAMMS I. Fortführung des Programms, um die bestehenden Potenziale realisieren zu können II. Erhöhung der Maßnahmenintensität der Arbeitgebenden einmal o durch den geplanten Wissenstransfer der Unternehmen, insb. Beratung zu bestehenden Potenzialen, die sich z.B. in den daten der Wirkungsmessung zeigen und o ggf. ergänzende Anreize, z.B. ein Zertifizierungssystem analog etwa der Region Frankfurt RheinMain. III. (Analog Policy Brief 2024) Koordination der durch die AG umgesetzten MM-Maßnahmen, um so konkrete verkehrlicher Herausforderungen etwa im Kontext von Großprojekten im Bereich der Infrastrukturerneuerung zu bewältigen. Durch koordinierte, temporäre Maßnahmen, wie etwa der Erhöhung des Anteils des Mobilen Arbeitens oder der Incentivierung des Umstiegs auf andere Verkehrsmittel als den MIV, kann aufgrund der Menge der an moveBonn beteiligten Unternehmen, bzw. deren Arbeitnehmer:innen eine signifikante Reduzierung des Verkehrsaufkommens erreicht werden. Beispiele aus den Niederlanden, z.B. Maastricht, Belgien und aktuell auch Aachen zeigen die Effektivität dieser Strategie. IV. (Analog Policy Brief 2024) Stärkere Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der kommunalen Verwaltung, etwa der Stadtplanung oder der Wirtschaftsförderung. Perspektivisch scheint auch eine stärkere verwaltungsinterne Koordination verschiedener Bereiche des MM, z.B. auch des schulischen MM im Sinne eines Kommunalen Mobilitätsmanagements sinnvoll. V. Konsequente Evaluation der Wirkungen von Maßnahmen als Grundlage für die Weiterentwicklung der Maßnahmenkonzepte bei den Arbeitgebenden.Seite 10 von 10
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