252831 · Beschlussvorlage
Gewährung eines Zuschusses für das Projekt WERKstattSchule der Katholischen Jugendagentur Bonn gGmbH
Kerndaten
- Nummer
- 252831
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 16.04.2025
- Letzte Änderung
- 01.11.2026
Orte
- Bonn Hauptort
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 252831 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Gewährung eines Zuschusses für das Projekt WERKstattSchule der Katholischen Jugendagentur Bonn gGmbH Beratungsfolge Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 05.06.2025 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Die Katholischen Jugendagentur Bonn gGmbH erhält zur Fortführung des Angebotes WERKstattSchule eine Förderung in Höhe von bis zu 74.976,79 Euro für das Jahr 2025 und bis zu 77.226,09 Euro für das Jahr 2026. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit dem Träger einen Fördervertrag für die Jahre 2025 und 2026 abzuschließen. Begründung Seit 2009 entwickelte sich innerhalb der Katholischen Jugendagentur Bonn das Projekt WERKstattSchule aus dem Projekt „Betrieb statt Schule – Die Küche“ mit damals vier Praktikumsplätzen pro Jahr zu einer Berufsvorbereitungsmaß- nahme mit zurzeit 12 Plätzen für individuell beeinträchtigte und sozial benach- teiligte Jugendliche. Bei dieser Maßnahme handelt es sich um ein niedrigschwelliges werkpädago- gisches Angebot der Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII in Verbindung mit § 13 3. AG KJHG NRW. WERKstattSchule ist ein Alternativangebot für schul- müde junge Menschen und Schulabgänger*innen ohne Abschluss oder Ausbil- dungsverhältnis mit mehrfachen Problemlagen im Alter von 15 bis 20 Jahren, die in Schule und im Übergang von Schule zu Beruf in anderen Maßnahmen und Angeboten keine Perspektiven haben. WERKstattSchule bietet auf sehr niedrigschwelliger Basis ein Angebot zur Stärkung und zur Erlebbarmachung ihrer Selbstwirksamkeit, um sie zu befähi- gen, ihr Leben und berufliches Leben selbst gestalten zu können. Die oft zu- tiefst verunsicherten jungen Menschen werden in einem Rahmen der Gebor- genheit und individueller Förderung ermuntert, in WERKstattSchule anzukom- men und sich selbst erleben und entwickeln zu können. Hierzu gehört unbe- dingt die Gewährung der individuell benötigen Zeit, dies ohne Druck erreichen zu können.Seite 1 von 5 Seite 2 Ziele der Maßnahme sind der Aufbau einer verbindlichen Tagesstruktur, Ken- nenlernen der persönlichen Stärken und Schwächen, die Erfahrung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit die Förderung eigener Interessen und der Selbstständigkeit, das Erfahren von Zusammenhalt, Rückhalt und Vertrauen, die Freude am Arbeiten und am täglichen Miteinander sowie die Aufarbeitung schlechter Erlebnisse durch das Erleben positiver und neuer Erfahrungen mit dem Ziel für eine künftige zuversichtliche Lebensgestaltung. Der Einstieg in die Maßnahme erfolgt nach Kontaktaufnahme, durch Schule, Jugendberufshilfe, Träger der Jugendhilfe oder Eltern. Alle Bewerber*innen an einer Teilnahme im Projekt starten zunächst in der Qualifizierungsphase, um die anderen Praktikant*innen kennenzulernen und Anschluss zu finden. Dieje- nigen, die bereits fit fürs Praktikum sind, können nach 4 Wochen in ein Betrieb- spraktikum starten. Ein geeigneter Platz wird in der Eingewöhnungszeit ge- meinsam gesucht. Jedoch verbleiben ca. 80 % bis 90 % für längere Zeit in der Qualifizierungsphase, da Alltagsstrukturen und Kernkompetenzen, wie Pünkt- lichkeit, Verbindlichkeit aber auch Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen, nicht ausreichend entwickelt sind. Die anschließende Qualifizierungsphase dient dem Aufbau von Alltagsstruktu- ren und Kernkompetenzen. Die meisten der Jugendlichen, die in die Maßnah- me kommen, sind weit davon entfernt, ein Praktikum absolvieren zu können. Oft scheitert es bereits am morgendlichen Aufstehen. Pünktlich erscheinen und regelmäßig und verbindlich einer Tätigkeit nachzugehen, fällt vielen sehr schwer. In der Regel spielen ein geringes Selbstwertgefühlt und die Angst zu versagen eine zusätzliche große Rolle. Die Arbeit in diesem Bereich ist sehr niederschwellig angelegt und richtet sich in erster Linie nach den Vorausset- zungen der Praktikant*innen. Die Qualifizierungsphase findet von Montag bis Freitag von 08:00 – 14:00 Uhr statt. Innerhalb dieses Zeitrahmens haben die Praktikant*innen ihren Startvoraussetzungen entsprechend unterschiedliche Arbeitszeiten. Praktikant*innen, die noch sehr wenig belastbar sind, starten zunächst mit zwei Stunden pro Tag, in der Regel von 10:00 – 12:00 Uhr. Die Zeit wird dann Stück für Stück angepasst. In Form von Arbeitszeitnachweisen wird die tägliche Arbeitszeit der Praktikant*innen selbstständig festgehalten. Gesammelte Minusstunden müssen abgearbeitet, Plusstunden wiederum dür- fen für besondere Tage eingesetzt werden. Die Arbeit vor Ort ist ebenfalls sehr niederschwellig angelegt und dient vordergründig dem Aufbau von Selbstver- trauen und Selbstwertgefühl und der Entwicklung besagter Alltagsstrukturen. Dies wird gewährleistet durch: • die Arbeit mit Gleichaltrigen in einem kleinen Team • eine intensive Betreuung durch die Mitarbeiter*innen von WERKstatt- Schule • niederschwellige Aufgaben, die Erfolgserlebnisse ermöglichen • Aufgreifen von Interessen und Fähigkeiten durch entsprechende Ange- bote • Berufsorientierung durch selbstreflektierende Aufgaben. Verläuft die Teilnahme an der Qualifizierungsphase über einen längeren Zeit- raum stabil, wird gemeinsam nach einem Praktikumsplatz gesucht. Eine stabile Teilnahme wird beispielsweise an dem Grad der Verbindlichkeit, dem Sozial- verhalten, der Bereitschaft Aufgaben zu übernehmen und der physischen wie psychischen Belastbarkeit gemessen.Seite 2 von 5 Seite 3 In einer anschließenden Praktikumsphase finden Praktika in Betrieben und Ein- richtungen eigener Wahl statt. Die Praktikant*innen werden von dem Team bei der Suche, Kontaktaufnahme und dem Schreiben von Bewerbungen unter- stützt. Nach Vermittlung stehen die Betreuer*innen weiterhin als Ansprechpart- ner*innen sowie als vermittelnde und unterstützende Instanz zur Verfügung. Reflexionsgespräche werden in regelmäßigen Abständen mit Praktikant*innen und Betrieben durchgeführt. Die Zeit, die die Praktikant*innen in WERKstattSchule verbringen, ist nicht fest- gelegt, sondern richtet sich nach dem jeweiligen Tempo, mit dem sich jede*r Einzelne entwickelt. Der Schritt aus WERKstattSchule heraus erfolgt im Ideal- fall, wenn die Qualifizierungsphase und das Praktikum erfolgreich absolviert wurden und absehbar ist, dass die betreffende Person die nötige Reife und das nötige Selbstvertrauen besitzt, um den persönlichen Voraussetzungen entspre- chend in Schule, Ausbildung oder Arbeit überzugehen. Die Betreuer*innen von WERKstattSchule unterstützen bei der Suche nach Schulen und Stellen und bereiten Bewerbungen mit vor. WERKstattSchule versichert den Prakti- kant*innen nach der Teilnahme bei WERKstattSchule weitere maßvolle Betreu- ung und Rückhalt, sofern das Bedürfnis danach besteht. Insbesondere nach der langen Zeit der Pandemie, verbunden mit Unterrichts- ausfällen und dadurch bedingter Isolation vieler junger Menschen, ist eine deut- lich wachsender Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten deutlich geworden. Die Warteliste zählt mittlerweile so viele Interessent*innen, dass auch die Eröff- nung einer zweiten Gruppe den Bedarf nicht decken könnte. Folgende junge Menschen wurden in 2023 und 2024 erreicht: 2023 14 Jugendliche Davon im Anschluss 2 in Ausbildung, 2 zur Schule, um einen Abschluss zu machen, 3 in Arbeit, 6 vorzeitig abgebrochen, 1 in Absprache aus WERKstatt- Schule rausgenommen 12 Jugendliche auf der Warteliste 2024 17 Jugendliche Davon gingen im Anschluss 2 zur Schule, um einen Abschluss zu machen, 1 in ein FSJ, 1 ins Internat zur Berufsvorbereitungsklasse mit dem Ziel einer Schreinerausbildung, 1 Teilnahme trägerseits nach der 3. Abmahnung beendet. 12 aktuelle Teilnehmende (4 Jungen, 6 Mädchen, 2 Trans-Jungen, Alter zwi- schen 15 und 18) 13 Jugendliche auf der Warteliste Die Finanzierung des Projektes WERKstattSchule wurde seit Start des Projek- tes zunächst ausschließlich aus eigenen Mitteln des Trägers erfüllt. Aufgrund allgemein angestiegener Kosten sowie sinkender Eigenmittel, die der Träger in das Projekt einbringen konnte, war die Fortführung des Projektes ab dem Jahr 2024 nur noch durch einen städtischen Zuschuss aus Mitteln des Kinder- und Jugendförderplans möglich. Hierfür bewilligte der Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie in der Sitzung am 18.10.2023 eine Förderung für das Jahr 2024 von bis zu 73.000 Euro (vgl. DS 231753). Die ursprünglich zugesicherte Ein-Seite 3 von 5 Seite 4 bringung von Eigenmitteln zur Kofinanzierung des Projektes kann die Katholi- sche Jugendagentur nicht mehr aufrechterhalten. Die wirtschaftliche Situation des Trägers hat sich im Jahr 2024 so weit verschlechtert, dass der Träger ein Schutzschirmverfahren eröffnen musste und sich seit dem 1.2.2025 in einem Eigenverwaltungsverfahren zur wirtschaftlichen Stabilisierung befindet. Dennoch ist es erklärtes Ziel der Katholischen Jugendagentur, das Angebot WERKstattSchule auch zukünftig anbieten und durchführen zu können. Aller- dings können zukünftig nur noch acht bis zehn Plätze auf Basis der „Sockelfi- nanzierung“ durch die Stadt Bonn verlässlich angeboten werden. Weitere Plät- ze darüber hinaus stellt der Träger zur Verfügung, wenn er in der Lage ist, Ei- gen- und Drittmittel einzusetzen und befristete Personalressourcen aufzusto- cken. Seitens der städtischen Beratungsstelle für Jugendberufshilfe wird das Projekt WERKstattSchule als geeignete und erfolgreiche Maßnahme der Jugendsozi- alarbeit für junge Menschen im Übergang Schule/Beruf und damit zur Errei- chung des im Kinder- und Jugendförderplan gesetzten Ziels (s.o.) eingeschätzt. Ebenso sehen die Fachkräfte der Beratungsstelle für Jugendberufshilfe drin- genden Bedarf in Bonn für diese Maßnahme als niedrigschwelligste Ergänzung der anderen Maßnahmen der Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe (Jugend- werkstatt, Job Coach, beraten & begleiten). Mindestens die Bereitstellung der Teilnahmeplätze auf Grundlage der städtischen Förderung (8-10 TN) wird als notwendig und bedarfsgerecht gesehen. Die Verwaltung empfiehlt daher drin- gend die Förderung des Projektes WERKstattSchule. Die erforderlichen Mittel sind in den Haushaltsanmeldungen 2025/2026 des Amtes 51 enthalten. Die Förderung entspricht den Regelungen des § 82 GO NRW (vorläufige Haushaltsführung). Finanzielle Auswirkungen: 2025 Produktgruppe Produktgruppenbe- zeichnung Produkt Produktbezeichnung 151000605 Sonst. Leistungen zur Förderung junger Men- schen und Familien 1.50.30.06.05.05 Jugendsozialarbeit Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen DeckungSeite 4 von 5 Seite 5 Auszahlungen / Aufwendungen 74.976,79 EUR 151000605/ 73.1000 2025 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 74.976,79 EUR 2026 Produktgruppe Produktgruppenbe- zeichnung Produkt Produktbezeichnung 151000605 Sonst. Leistungen zur Förderung junger Men- schen und Familien 1.50.30.06.05.05 Jugendsozialarbeit Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 77.226,09 EUR 151000605/ 73.1000 2026 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 77.226,09 EUR Anlage/n KeineSeite 5 von 5
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