252829 · Beschlussvorlage
Gewährung eines Zuschusses zum Projekt „Huckepack“ des Familienkreis e.V.
Kerndaten
- Nummer
- 252829
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 16.04.2025
- Letzte Änderung
- 01.11.2026
Orte
- Bonn Hauptort
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 252829 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 51 Amt für Kinder, Jugend und Familie Dezernat: Dez. V Gewährung eines Zuschusses zum Projekt „Huckepack“ des Familienkreis e.V. Beratungsfolge Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 05.06.2025 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Der Familienkreis e.V. erhält für das Angebot „Huckepack – Hilfe, die stark macht – Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern“ in den Jahren 2025 und 2026 einen finanziellen Zuschuss. 2. Der Zuschuss beträgt im Jahr 2025 bis zu 114.620,78 Euro und im Jahr 2026 bis zu 116.913,19 Euro. Begründung Kurzbeschreibung und Verortung des Angebots Das Patenangebot „Huckepack – Hilfe, die stark macht“ zielt darauf ab, mithilfe von ausgewählten und geschulten freiwilligen Pat*innen, Kindern von psychisch kranken Eltern einen kindgerechten Alltag sowie regelmäßige Kontakte zu bie- ten und ihre Teilhabechancen zu verbessern. Die Kinder erleben kompensie- rende Beziehungserfahrungen und eine Förderung ihrer altersgerechten Ent- wicklung. Eltern werden entlastet und erleben aufgrund dessen seltener ge- sundheitliche Krisen. Die Patenschaften sind langfristig ausgerichtet, im Ideal- fall bis zur Volljährigkeit des Kindes und darüber hinaus. Der Familienkreis e.V. hat „Huckepack“ bereits als Modellprojekt im Rahmen einer dreijährigen Startförderung durch die Aktion Mensch, die Stiftung Familie der Rhein Energie, die Kämpgen-Stiftung und die Software AG Stiftung seit dem 01.06.2019 mit Erfolg erprobt. Die dreijährige Projektfinanzierung endete am 31.05.2022. Der Zeitraum vom 01.06.-31.12.2022 wurde mithilfe einer vor- übergehenden Verlängerung der Stiftungsmittel überbrückt. Dem Angebot „Huckepack“ diente das erfolgreiche Modellprojekt des Vereins „Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern - AMSOC e.V.“ (Berlin) als Vorbild. Kinder von psychisch kranken Eltern sind aufgrund ihrer prekären Lebenslagen eine höchst vulnerable Zielgruppe. Angebote, die gezielt die betroffenen Kinder und ihre kindlichen Bedürfnisse in den Blick nehmen, liegen in Bonn in solch intensiver Form, wie es „Huckepack“ vorsieht, nicht vor. Kinder, die in diesenSeite 1 von 5 Seite 2 herausfordernden Lebenslagen aufwachsen, gilt es in besonderer Weise zu stärken und zu schützen. „Huckepack“ bietet den Familien eine – vom Kind aus gedachte – langfristige Unterstützung bis zum Ende des Jugendalters, welche über das vorhandene Beratungs- und ehrenamtliche Unterstützungsangebot in Bonn hinausgeht. Detaillierte Angebotsbeschreibung Die Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen/Suchterkrankungen sind einem höheren gesundheitlichen Risiko und besonderen Belastungen ausge- setzt. Aufgrund der schwierigen Lebenssituation können Kinder selbst Verhal- tensauffälligkeiten entwickeln, die in Verbindung mit einer nicht selten zeitweise eingeschränkten Beziehungs- und Erziehungskompetenz der erkrankten Eltern eine Negativspirale entstehen lässt. Folgen dieser Erkrankungen können z.B. auch die Trennung der Eltern, Stigmatisierung, Armut, Isolation und eine gerin- ge soziale Unterstützung sein. Erstmalig wurde mit „Huckepack“ nun ein aufsuchendes Resilienz-förderndes, präventives und langfristiges Angebot für Kinder psychisch erkrankter Eltern in Bonn geschaffen. Dieses wirkt dem weit verbreiteten Problem, betroffene Kin- der erst in den Fokus zu nehmen, wenn diese selbst Störungsbilder entwickelt haben, entgegen. Eine sichere Bindung von Kindern an erwachsene Bezugspersonen und ein altersangemessener offener Umgang mit der psychischen Erkrankung inner- halb der Familie sind ausschlaggebende Schutzfaktoren, die zur Resilienzför- derung und Ressourcenaktivierung der Kinder maßgeblich beitragen. „Huckepack“ setzt genau an diesen Punkten an und entlastet zudem die Eltern – nicht nur in organisatorischer Hinsicht während die Pat*innen Zeit mit dem Kind verbringen – sondern vor allem in emotionaler Hinsicht. Die Eltern und Kinder können sich auf die Pat*innen verlassen. Auf Seiten der Eltern ist eine Kooperationsbereitschaft, Freiwilligkeit und Krankheitseinsicht Voraussetzung für die Installation einer Patenschaft. Die Patenschaften sind auf Langfristigkeit, Beständigkeit und Verbindlichkeit ausge- legt. Dies wird dem kindlichen Bedürfnis nach Sicherheit, Verlässlichkeit und emotionaler Stabilität gerecht, welches bei Kindern in prekären Lebenssituatio- nen eine große Rolle spielt. Die Pat*innen verbringen 1x wöchentlich Zeit mit dem Kind sowie zusätzlich punktuell am Wochenende (mindestens 1x monat- lich). Zudem wird nicht jede häusliche Krise zur existenziellen Katastrophe für die Kinder, da die Pat*innen insbesondere in solchen Zeiten eine hohe Präsenz zeigen und die Situation, gegebenenfalls mit Unterstützung auffangen können. Die Pat*innen werden durch eine professionelle Freiwilligenkoordination aus- gewählt, intensiv qualifiziert ausgebildet und angeleitet. Pädagogische, psycho- logische und therapeutische Fachkräfte begleiten den Prozess der Patenver- mittlung in den ersten zwei Jahren sehr intensiv und im späteren Verlauf regel- haft. Es finden regelmäßige Aktivitäten zur Entstigmatisierung des Themas „Psychisch erkrankte Eltern“ sowie Freizeitaktivitäten für Pat*innen, Patenkin- der, aber auch nicht vermittelte betroffene Eltern und Kinder statt. So wird unter anderem ein niedrigschwelliger Zugang für weitere Adressat*innen ermöglicht. Auch eine flankierende intensive Beratung der Eltern durch die vorhandenen Fachkräfte ist Teil des Angebots. Der Familienkreis e.V. weist durch seine langjährige Erfahrung und fachliche Qualifizierung eine hohe Expertise in der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen auf. Die Schulung und Begleitung der Pat*innen bilden den Grundstein für eineSeite 2 von 5 Seite 3 erfolgreiche Beziehungsarbeit mit der Familie, vordergründig dem Kind sowie seiner bedürfnisorientierten Entwicklungsförderung. Netzwerkarbeit bildet das Fundament für eine erfolgreiche Patenarbeit. „Huckepack“ ist in den Netzwerken „JuPs – Gemeinsam stark für Kinder psy- chisch-/suchtkranker Eltern in Bonn“ sowie den „Frühen Hilfen“ etabliert und die Fachkräfte vor Ort stehen im regelmäßigen Austausch mit einer Vielzahl an Kooperationspartnern. Der Familienkreis e.V. hat die konzeptionellen Grundlagen und Strukturen im Rahmen der Projektförderung mit zwei Fachkräften aufgebaut. Ein vergleichba- res Angebot liegt in Bonn und den angrenzenden Kommunen nicht vor. Trotz der pandemischen Bedingungen konnten in der vergangenen Projektlauf- zeit 28 Familien erreicht, kennengelernt und intensiv beraten werden. Das erste Jahr der Pilotphase wurde zum Strukturaufbau und zur Schulung der ersten Freiwilligen genutzt. Aufgrund der pandemischen Lage konnten erst im zweiten Jahr Patenschaften vermittelt werden. Insgesamt konnten 16 Pat*innen ausge- bildet und neun von ihnen vermittelt werden. Bislang wurde keine einzige Pa- tenschaft abgebrochen. Sechs weitere Patenschaften befinden sich zurzeit im Vermittlungsprozess. Jährlich könnten so 8-10 langfristige Patenschaften ver- mittelt werden. Aktuell und insbesondere als Folge der Corona-Pandemie ist zudem von einem steigenden Bedarf eines solchen Angebotes auszugehen. Die Projektphase machte deutlich, dass der Vermittlungsprozess, das Kennen- lernen und die Zeit des Beziehungsaufbaus aufwändig sind. Der Zugang zu psychisch erkrankten Eltern muss sensibel gestaltet werden, der Vertrau- ensaufbau benötigt viel Zeit und die Ansprache durch die Koordinatorinnen wird intensiver benötigt als bei nicht erkrankten Eltern. Es hat sich bestätigt, dass eine Integration in eines der bestehenden Angebote nicht möglich ist, sondern ein auf die Erfordernisse der Zielgruppe abgestimmtes Angebot benötigt wird. Auch der Auswahlprozess der Freiwilligen wird intensiver gestaltet. So wurde ein eigener Bewerbungsprozess entwickelt, der unter anderem aus Kinder- schutzgründen mehrstufig und sensibel gestaltet ist. Die Freiwilligen werden intensiv für ihre Patenschaft qualifiziert und fortgebildet und im Weiteren Verlauf stetig begleitet. Das Angebot wird stetig partizipativ bedarfsorientiert und qualitativ fortentwi- ckelt. So trägt „Huckepack“ zur Verringerung der Versorgungslücke zwischen Jugendhilfe und psychiatrischer Unterstützungsleistung bei. Eine Weiterführung des Projektes ist ohne kommunale Förderung nicht mög- lich; andere Finanzierungsmöglichkeiten stehen nicht mehr zur Verfügung bzw. sind ausgeschöpft. Der Förderbetrag umfasst insbesondere die Personalkosten für die Projektko- ordination sowie Sach- und Verwaltungskosten. Im Haushalt 2023/2024 wurde eine Förderung in Höhe von 109.100,30 EUR (2023) und 112.373,31 EUR (2024) bewilligt. Die hierfür erforderlichen Haushaltsmittel wurden im Rahmen der Haushalts- planaufstellung angemeldet. Die Förderung entspricht den Regelungen des § 82 GO NRW.Seite 3 von 5 Seite 4 Finanzielle Auswirkungen: 2025 Produktgruppe Produktgruppenbe- zeichnung Produkt Produktbezeichnung 151000605 Sonst. Leistungen zur Förderung junger Men- schen und Familien 1.50.30.06.05.01 Allgemeine Förderung der Erzie- hung in der Familie Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 114.620,78 EUR 151000605/ 73.1000 2025 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 114.620,78 EUR 2026: Produktgruppe Produktgruppenbe- zeichnung Produkt Produktbezeichnung 151000605 Sonst. Leistungen zur Förderung junger Men- schen und Familien 1.50.30.06.05.01 Allgemeine Förderung der Erzie- hung in der Familie Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 116.913,19 EUR 151000605/ 73.1000 2026Seite 4 von 5 Seite 5 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 116.913,19 EUR Anlage/n KeineSeite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 17:12 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de