252495 · Beschlussvorlage
Umstrukturierung der AIDS-Arbeit in der Bundesstadt Bonn
Kerndaten
- Nummer
- 252495
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 04.02.2025
- Letzte Änderung
- 02.11.2026
Orte
- Bonn Hauptort
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 252495 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 53 Gesundheitsamt Dezernat: Dez. II Umstrukturierung der AIDS-Arbeit in der Bundesstadt Bonn Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 20.02.2025 Empfehlung Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Vergabe 06.03.2025 Empfehlung Rat 20.03.2025 Entscheidung Beschlussvorschlag Die bisher der AIDS-Hilfe Bonn e. V. übertragene Aufgabe „Prävention bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM)“ wird ab dem 01.01.2025 der AIDS-Initiative Bonn e. V. übertragen. Die zur Aufgabenerfüllung der AIDS-Hilfe Bonn e. V. im Haushaltsplan vorgesehenen Mittel werden entsprechend verlagert und die Zuschussvereinbarung mit der AIDS-Initiative Bonn e. V. angepasst. Begründung Nach § 19 Abs. 2 S. 1 Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst NRW (ÖGDG NRW) hat das Gesundheitsamt an der Aufklärung und Beratung der Bevölkerung, insbesondere gefährdeter Bevölkerungsgruppen, zu AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) und an der Beratung infizierter und erkrankter Personen sowie deren Angehörigen mitzuwirken. Das Gesundheitsamt kann diese Aufgaben neben den sonstigen in der Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten anfallenden Aufgaben (HIV- und STI-Beratung, Testangebot, Prostituiertenberatung, etc.) nicht vollumfänglich für die Bedürfnisse einer Stadt mit rund 339.000 Einwohnern erfüllen. Dies gilt umso mehr hinsichtlich Zielgruppen mit besonderen Anforderungen, wie Drogengebrauchende, Menschen mit Herkunft aus Hochprävalenzländern und Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), die niedrigschwellige Beratungsangebote benötigen. Die Aufgaben wurden daher mittels Ratsbeschlüssen vom 07.11.2002 und 12.12.2002 („Neuordnung der Aufgabenwahrnehmung der AIDS-Arbeit für die Stadt Bonn“, DS 0212073NV2 und DS 0213981) an die Träger AIDS-Initiative Bonn e. V. (AIB) und AIDS-Hilfe Bonn e. V. (AHB) vergeben. Zur Ausgestaltung wurden mit den Trägern Zuschussvereinbarungen abgeschlossen. Mit Ratsbeschluss vom 20.10.2011 (DS 1112895) wurde die Regelung aktualisiert. Aktuell ist danach die AIB zuständig für die Bereiche Psychosoziale Beratung,Seite 1 von 7 Seite 2 Betreuung und Begleitung, Drogen und AIDS, AIDS und Migration sowie Querschnittsaufgaben. Die AHB war bisher zuständig für die Aufgabenbereiche MSM und Querschnittsaufgaben. Die AHB teilte am 25.11.2024 mit, dass sie die AIDS-Arbeit nicht über den 31.12.2024 hinaus fortgesetzt werden könne. Mit Beendigung der Tätigkeit der AHB entfällt eine Hauptsäule der zielgruppenspezifischen Bonner HIV-Präventionsarbeit, die niedrigschwellig und aufsuchend die gefährdetste Personengruppe erreicht. Gerade im Bereich der MSM sind nach wie vor die höchsten Neuinfektionsraten zu verzeichnen, trotz neuer Schutzmöglichkeiten, wie der Präexpositionsprophylaxe. Aufklärung und Informationsangebote auch bei szenenahen Events tragen wesentlich dazu bei, Infektionen zu verhindern, ebenso wie die zielgruppennahen, qualitätsgesicherten Testangebote. Stigmatisierung und Diskriminierung muss weiterhin durch offen und akzeptierend gestaltete Präventionsarbeit entgegengewirkt werden. Nur so können bis dato relativ niedrige Fallzahlen auch im Stadtgebiet Bonn gehalten werden. Im Gegensatz zu allgemeinen Präventionsmaßnahmen für unbestimmte Zielgruppen („jedermann“), erfordert die Beratung im MSM-Bereich spezielle Kompetenzen hinsichtlich des Zugangs zu dieser Zielgruppe. Dies kann von Seiten des Gesundheitsamtes nicht kompensiert werden. Die AIB ist bereit, den Aufgabenbereich MSM zusätzlich zu übernehmen, sofern eine Finanzierung gewährleistet ist. Ein Umsetzungskonzept des Trägers ist dieser Vorlage beigefügt. Aufgrund der jahrelangen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Verwaltung erscheint die AIB geeignet, den Aufgabenbereich MSM zusätzlich zu übernehmen. Auch verfügt die AIB bereits über eine geeignete Struktur und hat Zugang zum betroffenen Personenkreis. Weitere geeignete Träger sind der Verwaltung nicht bekannt. Der Haushaltsplanentwurf sieht in der aktuellen Fassung Mittel für die AIDS- Arbeit der AIB nach der Zuschussvereinbarung ohne den Bereich MSM in Höhe von 237.100 EUR für 2025 sowie 242.350 EUR für 2026 vor. Für die AHB sind Zuschüsse in Höhe von 71.700 EUR für 2025 und 73.150 EUR für 2026 vorgesehen. Die AIB geht in ihrem Konzept von Personal- und Sachkosten für 2025 in Höhe von 71.700 EUR aus. Das Gesundheitsamt schlägt eine Verlagerung der für die AHB im Haushaltsplan vorgesehenen Mittel auf die AIB vor. Die Förderung erfolgt als Fehlbedarfsdeckung. Der bisherige Ansatz stellt dabei die Höchstgrenze dar. Die Zuschussvereinbarung wird entsprechend angepasst. Finanzielle Auswirkungen: Haushaltsjahr 2025 Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.53.00 Gesundheitsförderung 1.53.00.07.01 GesundheitsförderungSeite 2 von 7 Seite 3 Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 71.700 EUR 1.53.00.07.01/ 73.1000 Innenauftrag 5300008 0 EUR Innenauftrag 5300005 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 0 EUR Haushaltsjahr 2026 Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.53.00 Gesundheitsförderung 1.53.00.07.01 Gesundheitsförderung Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereit- zustellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 73.150 EUR 1.53.00.07.01/ 73.1000 Innenauftrag 5300008 0 EUR Innenauftrag 5300005 Einzahlungen / Erträge Haushaltsbelastung jährlich 0 EUR Anlage/n 1 Konzept MSM Prävention Schlussversion 1 (öffentlich)Seite 3 von 7 01/2025 Konzept: Prävention bei Schwulen und MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) Beschreibung des Trägers Der Verein AIDS-Initiative Bonn e.V. (AIB) wurde 2002 von Aktivist*innen der Aidsarbeit aus dem Bedürfnis heraus gegründet, für die Zukunft eine gute und erfolgreiche Arbeit in dem Bereich in Bonn zu sichern. Im gleichen Jahr beauftragte der Rat der Stadt Bonn die AIB mit den Schwerpunktbereichen psychosoziale Beratung, Betreuung und Begleitung, Drogen und AIDS, sowie Migration und AIDS. Unterstützt wird unsere Arbeit auch durch einen Zuschuss des Landes Nordrhein-Westfalens. Zu den Gründungsmitgliedern zählt Professor Jürgen Rockstroh, Leiter der Immunologischen Ambulanz der Uni-Klinik Bonn. In der AIB sind sowohl HIV-Positive als auch HIV-Negative Menschen aktiv. HIV/AIDS ist aus dem öffentlichen und privaten Bewusstsein größtenteils verdrängt worden und für viele ist es nur noch ein Problem „der Anderen“ oder eine behandelbare Krankheit geworden. Ihnen ist nicht klar, dass sich weiter Menschen mit dem HI-Virus infizieren und dies unbehandelt nach wie vor eine tödlich verlaufende Erkrankung darstellt. Häufig existiert nur ein gefährliches Halbwissen zu Übertragungswegen, Ansteckungsrisiken und den aktuellen Entwicklungen. Die AIDS-Initiative führt seit 2002 erfolgreich strukturelle HIV-Prävention bei Drogengebrauchenden und Menschen mit internationaler Geschichte auf allen drei Präventionsebenen durch. Beschreibung der Situation Rund ein Drittel der jährlichen HIV Neudiagnosen in Deutschland betreffen MSM (Epi Bulletin RKI), mit zum Teil völlig unterschiedlichem sozialen und kulturellen Hintergrund (z.B. Migration, Zugang zu Krankenversicherung). Es bedarf unverändert einer breit gefächerten Präventionsarbeit in dieser Hauptzielgruppe, um weiterhin Basiswissen zu verbreiten, dabei Tabuisierung und Diskriminierung entgegenzuwirken und Zugang zu Weiterentwicklungen in diesem Bereich wie der PrEP1 oder Schutz durch Therapie zu schaffen. Da die AIDS Hilfe Bonn e.V. ihre Arbeit in diesem Bereich zum Ende 2024 eingestellt hat, bietet die AIB an, die Präventionsarbeit in diesem Bereich wie nachfolgend beschrieben zu leisten. Dabei kommen Synergieeffekte sowohl durch die bisherige Arbeit z.B. im Bereich 1 Präexpositionsprophylaxe, Die PrEP ist eine Safer-Sex-Methode, bei der HIV-Negative ein HIV-Medikament einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützenSeite 4 von 7 Migration zum Tragen als auch durch bereits bestehende lokale Vernetzungen wie Praxen oder Gesundheitsamt. Ziele 1. HIV/AIDS-Prävention: Bereitstellung von Informationen zu verschiedenen Safer-Sex- Methoden und dem Schutz sowie dem Umgang mit STIs2 für Männer, die Sex mit Männern haben in der Bonner schwulen Szene 2. Förderung eigenverantwortlichen Risikomanagements durch Bereitstellung von Informationsmöglichkeiten 3. Aktivieren von Personen, die Wissen weitergeben 4. Auseinandersetzung mit Tabus und Diskriminierung in der schwulen Szene; Förderung einer Atmosphäre der Akzeptanz der Vielfalt von innen und außen 5. Aufbau, Stärkung, Vernetzung und Erhalt von Organisationen, die Angebote für Schwule und MSM bereithalten; Schaffung von Räumen zum Austausch und Begegnung in Bonn 6. Nutzung des Internets zur Erreichung von MSM durch Websites und soziale Medien Aufbau eines Herzenslust-Standortes HIV- und STI-Prävention für Schwule Männer Zielgruppe Unsere Hauptzielgruppen sind schwule, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben. Auch Männer, die nicht offen schwul leben, gehören zu unserer Zielgruppe. Diese versuchen wir, durch das Internet und Vor-Ort-Arbeit an anonymen Treffpunkten zu erreichen. Methoden und Angebote 1. Beratung (persönlich, telefonisch, online: GAY-Health-Chat) zu HIV, STIs und MPOX3 2. Beratung und Test-Angebote nach dem Konzept der Aidshilfe NRW niedrigschwellig in der AIB und aufsuchend, Beratung zu Selbst- und Einsendetests 3. Beratung von queeren Geflüchteten auch mithilfe von Sprachmittlung 4. PrEP-Beratung und Vermittlung in kooperierende Praxen 5. Beratung zu Chemsex (sexualisierter Substanzkonsum) 6. Sekundär/Tertiärprävention bei HIV-positiven MSM, Vermittlung in weitere Teilhabe 7. Infoveranstaltungen und Aktionen vor Ort (z.B. Don`t tell mom, Infomaterial in Erotikkinos, Beethovens Bunte, CSD) 8. Vernetzungen mit Queer-Referat der Uni Bonn, R(h)einqueer mit Teilnahme bei Veranstaltungen 9. Aufbau Bonner Gruppe „Herzenslust NRW“ 10. Akquirierung von ehrenamtlich Mitarbeitenden und Stärkung der Selbsthilfe Öffentlichkeitsarbeit Infostände, Teilnahme an Beethovens Bunte, Aktionen Welt AIDS Tag Bekanntmachung in queeren Monatszeitungen (z.B. „Schwulissimo“) Nutzung Website und soziale Medien (facebook, instagram, youtube) 2 STI = sexuell transmitted infections = sexuell übertragbare Infektionen 3 MPOX = Deutsch früher AffenpockenSeite 5 von 7 Qualitätssicherung Austausch und Reflektion der Arbeit mit weiteren Herzenslust-Gruppen in NRW auf den Herzenslust-Koordinatoren-Treffen Partizipativer Ansatz durch Einbeziehung der Zielgruppe Bedarf Wie aus dem obigen Schaubild hervorgeht, haben sich 2024 in der Ipsos Studie 5 Prozent der Deutschen als lesbisch oder schwul und 4 Prozent als bisexuell identifiziert, insgesamt 9 Prozent. Wenn wir hier von der Hälfte ausgehen - 4,5 Prozent als Anteil der schwulen und bisexuellen Männer - und dies auf Bonn herunterbrechen, gehen wir bei einer Gesamteinwohnerzahl von 340 000 von 15 300 Menschen in der Zielgruppe aus. Da Bonn als Universitätsstadt generell einen jüngeren Bevölkerungsschnitt hat, ist diese Zahl eher konservativ berechnet. Zudem ist Bonn eine sehr internationale Stadt und Menschen mit internationaler Geschichte haben des Öfteren Probleme bezüglich ihres Outings. Kostenprognose Nach aktueller Schätzung entstehen Kosten in Höhe von 71.700 EUR. Diese setzen sich zusammen aus 60.000 EUR Personalkosten für eine Vollzeitstelle mit der Hauptaufgabe Beratung und Begleitung sowie 11.700 EUR Sachkosten.Seite 6 von 7 Folgende Arbeitsinhalte ergeben die Vollzeitstelle: Beratungs- und Testangebote für geschätzt 280 Personen x 4 Kontakten pro Jahr mit durchschnittlich 30 Minuten je Beratung oder Test => 560 Stunden Begleitung von HIV-Positiven für geschätzt 7 Kontakte x mtl. je 2,0 Stunden bei 11 Monaten => 154 Stunden Online Chat-Beratung für 2 x 3 Wochenstunden, davon einmal in den Abendstunden, bei etwa 45 Wochen => 270 Stunden Jährliche Vorbereitung und Durchführung von Infoständen, Infoveranstaltungen => 90 Stunden Aufbau Ehrenamtlergruppe und Treffen von 3 - 4 Stunden pro Monat für 11 Monate jährlich => 42 Stunden Pflege Social Media (Instagram, Facebook, TikTok) mit 1,5 Wochenstunden für jährlich 45 Wochen => 67,5 Stunden Vernetzung mit relevanten örtlichen Akteuren mit 7 Wochenstunden bei 45 Wochen => 315 Stunden Erledigung administrativer Aufgaben mit 2 Wochenstunden bei 45 Wochen => 90 Stunden Insgesamt fallen 1588,5 Jahresarbeitsstunden an. Hierfür fallen Kosten in Höhe von 60.000 EUR für eine Vollzeitstelle einschließlich des Arbeitgeberanteils an. Die Sachkosten setzen sich zusammen aus 15% Overheadkosten für Verwaltung, IT- Betreuung, Reinigung, Heizkosten, Strom, Arbeitsschutz, etc. (9.000 EUR), Give-Aways zur Vereinfachung der Kontaktaufnahme (1.000 EUR) sowie ca. 240 HIV-Antikörper-Testkits zu jeweils rund 7 EUR (1.700 EUR).Seite 7 von 7
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 18:06 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de