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242236 · Mitteilungsvorlage

Berichterstattung über die Arbeit der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft

Nummer
242236
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
17.01.2025
Letzte Änderung
02.11.2026
  • Graurheindorf Ortsteil· Bonn Hauptort
  • Bennerscheidweg Straße· Holzlar, Beuel
  • Am Holzlarer See Straße· Holzlar, Beuel
  • Oberkasseler Straße Straße· Küdinghoven, Beuel
  • Pützchens Chaussee Straße· Pützchen, Beuel
  • Rauchlochweg Straße· Hoholz, Beuel
  • Weiers Wiesen Straße· Holzlar, Beuel
  • Alfterer Straße Straße· Meßdorf, Bonn
  • Flodelingsweg Straße· Endenich, Bonn
  • Heckelsgasse Straße· Küdinghoven, Beuel
  • Grootestraße Straße· Meßdorf, Bonn
  • Saime-Genc-Ring Straße· Meßdorf, Bonn
  • Gerhardstraße Straße· Vilich, Beuel
  • Philosophenring Straße· Heiderhof, Bad Godesberg
  • Nachtigallenweg Straße· Poppelsdorf, Bonn
  • Holzlarer Straße Straße· Holzlar, Beuel
  • Villiper Allee Straße· Röttgen, Bonn
  • kreuzberg Straße· Ippendorf, Bonn
  • Münsterplatz Straße· Bonn-Zentrum, Bonn
  • Sudetenstraße Straße· Dransdorf, Bonn
  • Tannenbusch Ortsteil· Bonn
  • Endenich Ortsteil· Bonn
  • Oberkassel Ortsteil· Beuel
  • Dransdorf Ortsteil· Bonn
  • Buschdorf Ortsteil· Bonn
  • Heiderhof Ortsteil· Bad Godesberg
  • Ippendorf Ortsteil· Bonn
  • Dottendorf Ortsteil· Bonn
  • Venusberg Ortsteil· Bonn
  • Bonn Stadtbezirk
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  • Hardtberg Stadtbezirk
  • Siegaue siedlung· Geislar, Beuel
  • Ennert siedlung· Ramersdorf, Beuel
  • Kottenforst siedlung· Röttgen, Bonn
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 05.03.2025 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Naturschutzbeirates 18.02.2025 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
242236
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Berichterstattung über die Arbeit der Biologischen
Station Bonn/Rhein-Erft
Beratungsfolge
Naturschutzbeirat 18.02.2025 Kenntnisnahme
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
05.03.2025 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Im Rahmen der Beschlussfassung über den Beitritt der Bundesstadt Bonn zum
Verein Biologische Station Bonn / Rhein-Erft e. V. wurde die jährliche Vorlage
eines Tätigkeitsberichtes festgelegt. Die Stadtverwaltung, hier das Amt für
Umwelt und Stadtgrün/ die Untere Naturschutzbehörde, arbeitet mit
dem Biologische Station Bonn / Rhein Erft e. V. eng in vielen Natur- und
Artenschutzprojekten zusammen.
Der Jahresbericht 2023 ist als Anlage beigefügt.
Der Leiter der Biologischen Station wird zum Tätigkeitsbericht in der Sitzung
des Naturschutzbeirates sowie in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt,
Klima und lokale Agenda über den Zeitrahmen 2023 bis 2024 vortragen und
steht bei Bedarf zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung.
Anlage/n
1 Jahresbericht 2023 (öffentlich)Seite 1 von 83
Biologische Station
Bonn/Rhein-Erft e.V.
Jahresbericht 2023Seite 2 von 83
Biologische Station Bonn / Rhein-Erft Jahresbericht 2023
Bericht über die im Zeitraum 2023 bearbeiteten Projekte.............................................................. 1
Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7) ...................................................................... 1
Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten ......................................................................................................................... 1
Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz außerhalb der
Schwerpunktgebiete ......................................................................................................................... 17
Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben ......................................................................... 23
Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn ......................................................................................... 23
Projekt 5: Artenschutz in Bonn ...................................................................................................... 24
Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 30
Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 13) ........................................................................... 30
Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten ....................................................................................................................... 32
Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete im
Rhein-Erft-Kreis ............................................................................................................................... 37
Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis.......................................... 44
Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis ....................................................................... 44
Projekt 12: Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis .................................................................................... 48
Projekt 13: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 59
Drittmittel-Projekte.................................................................................................................... 61
Projekt „Lebensnetz Börde – Insektenfördernde Maßnahmen in der Jülich-Zülpicher Börde“ ....... 61
LVR-Projekt „Naturspürnasen unterwegs“........................................................................................ 64
LEADER-Projekt „Zukunftsdörfer in der Zülpicher Börde“ ................................................................ 66
Weitere Zusatzprojekte im Jahr 2023 ............................................................................................... 69
Projekte 7 und 14: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit in Bonn und im Rhein-Erft-Kreis 71
Veröffentlichungen und Arbeiten von Mitarbeitenden sowie betreute Studienarbeiten ............... 76
Dank .......................................................................................................................................... 77
Pressearbeit ............................................................................................................................... 77Seite 3 von 83
1
Bericht über die im Zeitraum 2023 bearbeiteten Projekte
Der vorliegende Jahresbericht umfasst Projekte, die über die Förderrichtlinie Biologische Stationen
(FöBS) gefördert wurden und im Arbeits- und Maßnahmenplan AMP verankert sind, sowie Beispiele
von Projekten aus dem sonstigen Förderbereich und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Da viele
Tätigkeiten in den einzelnen Gebieten sich jährlich wiederholende Daueraufgaben sind und in den
Vorjahresberichten bereits mehrfach beschrieben wurden, legen wir den Schwerpunkt auf
abweichende Besonderheiten.
Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7)
Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten
FFH-Gebiet Siegaue und Siegmündung
Im Jahr 2023 wurden sieben Altbäume innerhalb des FFH-Gebiets und 28 der nachgesetzten jungen
Bäume geschnitten. Auch 2023 sind weitere Altbäume zusammengebrochen oder aufgrund der
Brüchigkeit nicht mehr schneidbar gewesen. An zwei Aktionstagen Ende Februar wurde das
Schnittmaterial mit Hilfe von 40 Helfer*innen aufbereitet und an insgesamt 50 Interessierte
abgegeben. Das Interesse am Weidenmaterial ist gleichbleibend hoch.
Der floristisch-vegetationskundlich wertvolle Sommerdeich wurde an zwei Pflegeeinsätzen im Januar
und im Juli gemäht. Aufgrund des hohen Anteils an stickstoffliebenden Neophyten, die nur durch
konsequente Pflege zurückgedrängt werden können, wird es noch einige Jahre dauern, bis der
Sommerdeich zumindest in den von uns wieder gepflegten Bereichen seinen ursprünglich hohen Wert
zurückerhalten wird. Partiell zeigen sich aber erste Erfolge, wie z.B. das vergrößerte Vorkommen des
Doldigen Milchsterns auf dem Sommerdeich.
Vorkommen des Doldigen
Milchsterns (Ornithogalum
umbellatum) auf dem
Sommerdeich.Seite 4 von 83
2
Die aufwändige Beseitigung alter Schwemmguthaufen und vom Hochwasser abgelegten alten
Heuballen zur Verbesserung der Lebensraumbedingungen für interessante Pflanzenarten gelang in
2023 noch nicht, bleibt also eine Aufgabe für die kommenden Jahre.
Das Management im Grünland auf den Vertragsnaturschutzflächen beschränkte sich erneut weit-
gehend auf die Aussparung von Teilflächen bei der ersten Mahd, um Blühaspekte und Rückzugsbe-
reiche für die Fauna zu erhalten. Angesichts der überwiegend noch sehr nährstoffreichen Bestände
findet auch hier nur eine recht langsame floristische Entwicklung statt und die Aussparungen umfassen
oft die gleichen Flächen wie im Vorjahr. Eine Nutzung für die beim ersten Heuschnitt ausgesparten
Biomasse wie in den Vorjahren gab es in 2023 nicht, da keine Mahdgutübertragung anstand.
Anfang Juni wurden wir von dem Landwirt im Vertragsnaturschutz darauf aufmerksam gemacht, dass
auf einem Teil seiner Flächen ohne seine Kenntnis und Zustimmung von jemand Drittem eine vorzeitige
Mahd durchgeführt worden war. Trotz Dokumentation des Vorgangs und Anzeige wegen Diebstahls
von Heu konnte ein Tatverdächtiger nicht ermittelt werden und das Verfahren wurde im Oktober
eingestellt.
Angesichts des deutlich geschrumpften Vorkommens des Fluss-Greiskrauts (Senecio sarracenicus)
wurden im Herbst einige Samen von fruchtenden Exemplaren gesammelt, um eine kleine
Vermehrungszucht für diese in Nordrhein-Westfalen stark gefährdete Art aufzubauen. In Verbindung
mit der ab 2024 bewilligten Bekämpfung des auch diese Art bedrängenden Japanischen
Staudenknöterichs (Fallopia japonica) sollen die nachgezogenen Exemplare an verschiedenen Stellen
im NSG wieder ausgebracht werden.
Monitoring Wiesenaufwertung: Die über das im Vorjahr abgeschlossene Sonderprojekt mittels
einsaatgestützter Mahdgutübertragung angelegten Streifen wurden vor dem ersten Heuschnitt
aufgesucht und erfasst. Hierbei zeigte sich, dass durch das sehr wüchsige Frühjahr bei dem vor zwei
Jahren angelegten Streifen westlich der Siegbrücke nur vergleichsweise wenige der eingebrachten
Arten zur Blüte gekommen sind. Noch dominieren Obergräser den Bestand und die Kräuter können
sich noch nicht durchsetzen, sind aber im Unterstand immerhin in größerer Anzahl enthalten. Ganz
anders und leider nicht positiv das Ergebnis auf den in 2022 angelegten Streifen östlich der Siegbrücke.
Hier zeigte sich eine absolute Dominanz der Gräser ohne nennenswerte Anteile an Kräutern. Nun
haben wir bei der Anlage von Einsaatstreifen in anderen Projekten bereits mehrfach die Beobachtung
gemacht, dass sich aus anfänglich dominanten Grasbeständen noch floristisch reichhaltige Flächen
entwickelt haben, ob dies hier auch gelingen wird ist angesichts des bisherigen Ergebnisses aber
fraglich. Nichtsdestotrotz wollen wir dem Streifen noch ein bis zwei Jahre geben, bevor wir den Erfolg
oder Misserfolg endgültig bewerten. Ein Grund für die enorme Gräserdominanz könnte das
aufgebrachte Mahdgutmaterial sein, welches erst zu einem relativ späten Zeitpunkt übertragen wurde
und möglicherweise einen sehr hohen Anteil an Grassamen enthalten hat. Sollte sich das Bild in 2024
und 2025 nicht deutlich besser darstellen, würden wir im Herbst 2025 die Streifen erneut umbrechen
lassen und ausschließlich über eine Einsaat eine Aufwertung erreichen wollen.
Besucherlenkung: An der im Vorjahresbericht geschilderten Situation zu den illegalen Nutzungen im
Naturschutzgebiet hat sich in 2023 nichts geändert. Der Nutzungsdruck auf das Gebiet mit zahlreichen
illegalen Trampelpfaden sowie Bade- und Feuerstellen ist enorm und lässt sich ohne eine regelmäßige
Kontrolle durch den Ordnungsaußendienst mit konsequenter Ansprache und Ahndung der Verstöße
nicht in den Griff bekommen. Unsere mehrfachen diesbezüglichen Anregungen in die Politik wurden
aufgegriffen und die Einrichtung von sogenannten Ranger-Stellen für Kontrollen inSeite 5 von 83
3
Naturschutzgebieten im Stadtgebiet beschlossen, allerdings in 2023 noch nicht umgesetzt. Wir sehen
zur Einrichtung dieser Stellen keine echten Alternativen, wenn man den aus naturschutzrechtlicher
und -fachlicher Sicht unhaltbaren Zustand relevant ändern will. Nur in einer vor Ort spürbaren Präsenz
mit Aufklärung und Sensibilisierung, aber auch mit der Aufnahme von Personalien und dem
konsequenten verteilen von „Knöllchen“ im Wiederholungsfall besteht eine echte Chance, den Ist-
Zustand nachhaltig zu verbessern. In dieser Einschätzung stimmen wir auch mit der Unteren
Naturschutzbehörde und dem Landesbetrieb Wald und Holz als Eigentümer großer Flächen im NSG
überein. Die Arbeitsgruppe zur Besucherlenkung mit den beiden Institutionen tagte in 2023 nur
einmal, mit der Aussicht ab 2024 dank der Unterstützung der Ranger zielgerichteter agieren zu können.
Schwerpunkt der Sitzung waren die Verbesserungsmöglichkeiten für die Besucherlenkung in Richtung
Kemper Werth. Hier bedarf es dringend der Instandsetzung des einzigen legalen Weges, der aktuell
durch Treibgutablagerung und unterlassene Pflege nicht mehr nutzbar ist. Dadurch hat sich parallel
dazu auf der Wiese ein neuer Trampelpfad gebildet, sodass streng genommen aktuell jede Person auf
dem Weg zum Kemper Werth eine Ordnungswidrigkeit begeht, da sie gegen das Verbot das NSG
abseits der offiziellen Wege zu betreten, verstößt.
Reger Badebetrieb im Sommer an der Sieg mit permanenten und zahlreichen Verstößen
gegen die NSG-Verordnung.Seite 6 von 83
4
FFH-Gebiet, Siebengebirge/ Teilbereich Ennert
Im strukturreichen Ennert nimmt die Biologische Station zahlreiche Aufgaben im Zusammenhang mit
dem Vorkommen besonders stark gefährdeter Tierarten wahr.
2023 wurden die Bestände des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous) regulär wie in den
Vorjahren an drei, mindestens zehn Tage auseinander liegenden Terminen kontrolliert.
Erfreulicherweise konnten wieder deutlich mehr Tiere beobachtet werden als in den drei Jahren zuvor.
Allerdings ist die Gesamtzahl mit 37 Individuen immer noch sehr klein und die Population nach wie vor
extrem gefährdet. Nachdem der Falter aufgrund der vorangegangenen trocken-heißen Extremjahre
nahezu vollständig verschwunden war, lässt der Wiederanstieg der Population aber immerhin wieder
hoffen, dass sich die Population in den kommenden Jahren weiter erholen wird. Eine weitere
Optimierung der Pflege erscheint kaum möglich ohne eine sinnvolle landwirtschaftliche
Bewirtschaftung zu gefährden. Ohne diese Bewirtschaftung im Vertragsnaturschutz wäre die Pflege
der Pützchens Wiesen aber nicht finanzierbar. Letztendlich hängt das Schicksal der Population bei
weiterhin gewährleisteter sachgerechter Pflege vor allem von der Witterung ab. Eine Wiederholung
der Serie von extremen Hitzesommern, wie in den vergangenen Jahren stattgefunden, dürfte die
Population nicht überleben.
Zählung des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous) auf den Pützchens Wiesen
im NSG „Siebengebirge“ 2002 bis 2023 (in den ersten Jahren nur stichprobenhaft) .
Während auf den Wiesenflächen die Pflege gut eingespielt ist, gab es in der Vergangenheit durch
vorzeitige Mahd der umgebenden Straßenränder und Gräben immer wieder Konflikte mit dem
Artenschutz, da auch hier zum Teil bedeutende Vorkommen des Großen Wiesenknopfs wachsen und
diese in der Vergangenheit für die Population des Dunklen Moorbläulings eine nicht unerhebliche Rolle
gespielt haben. In 2023 fand daher, geregelt durch einen Auftrag des Tiefbauamts eine sachgerechte
Pflege der Gräben durch Biologische Station statt.
Bei den allgemeinen Zustands- und Erfolgskontrollen der Pützchens Wiesen erwiesen sich die Flächen
erneut als ausgesprochen blüten- und insektenreich. Sie stellen das letzte noch halbwegs großflächigeSeite 7 von 83
5
Feucht- und Nasswiesengebiet im Stadtgebiet von Bonn dar und haben deshalb einen besonders
hohen naturschutzfachlichen Wert. Nirgendwo sonst in Bonn tritt der Große Wiesenknopf als
Nahrungspflanze für den Dunklen Ameisenbläuling so zahlreiche auf wie hier. Besonders gut hat sich
u.a. auch der Bestand der Färberscharte (Serratula tinctoria) entwickelt. Er umfasst mittlerweile mehr
als einhundert Exemplare und ist damit größer als der aktuelle Bestand in der Kohlkaulwiesen, dem
zweiten ursprünglichen Vorkommensgebiet der Art in der Stadt Bonn. Neu entdeckt wurde in 2023 ein
großes Vorkommen, der ansonsten im Bonner Stadtgebiet nicht vorkommenden Trauben-Trespe
(Bromus racemosus), die bisher nur in wenigen Exemplaren in den Pützchens Wiesen gefunden wurde.
Erfreulich ist auch das seit Jahren sichere Vorkommen des Neuntöters, der auch von den umgebenden
Wegen aus gut mit dem Fernglas bei der Nahrungssuche und der Fütterung der Jungtiere beobachtet
werden kann.
Das Gemeine Grünwidderchen (Adscita statices), Schmetterling des Jahres 2023, war im
Juni sehr häufig auf den blütenreichen Pützchens Wiesen anzutreffen.
Artenschutzmaßnahmen für die Gelbbauchunke: Nachdem im Jahr 2022 die
Gelbbauchunkengewässer an den vier Standorten des Ennert zum großen Teil wiederhergestellt
worden waren, und damit eine gute Grundlage für die Tiere gegeben war, zeigte sich, dass die hohen
Sommer-Temperaturen und die geringen Niederschläge im Jahr 2022 dazu führten, dass die Gewässer
frühzeitig austrockneten und es daher kaum Reproduktion gab (siehe Bericht 2022). Wir beantragten
eine Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Bonn 40 der bestehenden
Gewässermulden nachträglich mit Wasserbaubeton abzudichten. Nach einem nassen Frühjahr 2023
mit Frost bis in den März hinein, konnte am 15.3.2023 endlich mit der Herstellung der
Betonabdichtungen begonnen werden. Die Arbeiten sollten als Werkvertrag durch einen bisherSeite 8 von 83
6
ehrenamtlich für uns tätigen Handwerker durchgeführt werden. Nach der erfolgreichen Anlage von 5
Gewässern stellte dieser jedoch unverhofft die Arbeit ein und war auch nicht mehr zu erreichen. Eine
Übernahme der Arbeiten durch unser Landschaftspflegeteam war im Frühjahr zeitlich vor der
Gelbbauchunkensaison nicht mehr zu leisten. Die daraufhin geplante Fertigstellung durch unser Team
im Herbst wurde durch hohes Arbeitsaufkommen und wiederum schlechte, weil zu nasse Wetterlagen
verhindert. Die Fertigstellung soll nun 2024 erfolgen.
Auch im Jahr 2023 trockneten die Gewässer wegen Wassermangel teilweise frühzeitig aus und es kam
im Hochsommer zu Reproduktionsausfällen. Im Frühjahr konnten vor allem am Standort Wildwiese
einige Metamorphlinge nachgewiesen werden. Hinzu kamen 35 adulte und subadulte Unken bei einer
Begehung. Am Bennerscheidweg fanden wir maximal 15 Tiere gleichzeitig, am Holzlarer See 12 und
am Röckesberg maximal 5.
Neu angelegte Betongewässer am Bennerscheidweg im Mai 2023 .
Schutzzaun an der Oberkasseler Straße: Die Biologische Station betreut den Amphibienschutzzaun an
der Oberkasseler Straße im Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Siebengebirge, Teilgebiet Ennert, im 24. Jahr.
Die täglichen Kontrollen übernahmen weitgehend ehrenamtliche Helfer*innen. Der Station oblagen
Auf- und Abbau des Zauns mit 59 Fangeimern, einige Kontrollen, die fachliche Betreuung vor allem der
erstmals teilnehmenden Helfer*innen sowie die Dokumentation und Auswertung der Daten.
2023 wurde der temporäre Schutzzaun am 16. Februar aufgestellt, die Kontrollen erfolgten vom 17.
Februar bis 3. April, also über knapp 7 Wochen mit 47 Kontrolltagen.Seite 9 von 83
7
Fangzahlen am Amphibienzaun an der Oberkasseler Straße von 1993 bis 20 23 (im Jahr
1999 wurde keine Zählung durchgeführt) .
Die Wanderung konzentrierte sich an sechs Nächten mit Schwerpunkt direkt zu Anfang am 18. und 19.
Februar mit etwa 100 Tieren je Nacht. Ab dem 21. März waren nur noch einstellige Zahlen und ab dem
27. März keine Tiere mehr zu verzeichnen. Am 4. April wurden während des Zaun-Abbaus nochmal 2
Tiere gefunden.
Die Wanderzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen und 300 Tiere pro Nacht wie 2022
wurden gar nicht erreicht. Ob sich hier die trockenen Sommer, die bereits an anderen Zäunen und
auch Amphibienvorkommen insgesamt zu Bestandseinbrüchen führten, bemerkbar machen, muss die
Zukunft zeigen. Neben 521 Erdkröten wurden 17 Grasfrösche, 43 Feuersalamander und 16 Bergmolche
durch den Schutzzaun aufgefangen, insgesamt also 589 Amphibien. Obwohl nur „Beifang“ und stark
vom Zufall bzw. Wetter im April abhängig, ist die erneut hohe Zahl an Salamandern aufgrund des
grassierenden tödlichen Chytrid-Pilzes sehr positiv. Berücksichtigt man, dass die am Zaun gefangenen
und geretteten Tiere nur einen Teil der gesamten Erdkröten-Population des Dornheckensees
ausmachen, handelt es sich um ein auch Nordrhein-Westfalen weit sehr großes und damit
überregional bedeutsames Vorkommen. In den 24 Jahren wurden hier 16.177 Amphibien vor dem
Straßentod gerettet.
Da die Amphibienschutzzäune jedes Jahr betreut werden, hoffen wir weiterhin auf engagierte
Helfer*innen! Interessierte bitten wir daher, sich zu melden, damit wir auch in den kommenden Jahren
die zwei Schutzzäune und die dort wandernden Amphibien gut bei ihrer Straßenquerung betreuen
können.
Schutzzaun an der Pützchens Chaussee: Die dort wandernde Erdkröten-Population wird
erfreulicherweise ab der Saison 2023 durch ein dauerhaftes Leitsystem mit 2 Tunneln geschützt. Dies
macht eine Betreuung durch ehrenamtliche Helfer*innen überflüssig und ist als ganzjährige
Unterquerungsmöglichkeit dieser stark befahrenen Straße nicht nur für Amphibien, sondern auch für
andere bodenlebende Wildtiere für das Gebiet insgesamt eine sehr gute Entwicklung. Der Zaun und
die Durchlässe werden jährlich von uns durch einen Zusatzauftrag des Tiefbauamtes gepflegt, sodass
die Funktion uneingeschränkt erhalten bleibt.Seite 10 von 83
8
Ein großer Fortschritt wurde auch im Bereich der Fläche „Alter Sportplatz“ an der B 42 erzielt. Die
artenreiche Wiesenfläche wurde nach langjährigen Abstimmungen mit allen beteiligten Behörden
durch den Landesbetrieb Straßen mit einem stabilen Zaun aus Knotengeflecht zum Rauchlochweg hin
abgetrennt. Ein Betreten abseits der Wege ist in diesem Bereich nun nicht mehr ohne höheren
Aufwand möglich und ein zusätzlicher Bereich zum Wohle der Natur beruhigt. Ein weiterer Fortschritt
konnte hier über das Projekt Chance7 erzielt werden. Die Fläche, die wir mehr als zwanzig Jahre
zweimal im Jahr gemäht haben und die zu den blütenreichsten Flächen im Stadtgebiet zählt, wird
zukünftig mit einer Mischherde aus Schafen und Ziegen beweidet. Eine Probebeweidung fand Mitte
April und Ende Juli statt. Dabei wurden zumindest beim zweiten Beweidungsgang Teilflächen von uns
mit einem Elektrozaun abgesteckt, so dass sie unbeweidet blieben. Dies soll in den folgenden Jahren
mit jeweils bei jedem Beweidungsgang wechselnden Teilflächen fortgesetzt werden. Allerdings haben
wir uns für die Verschiebung des zweiten Beweidungsgangs in den Spätsommer ausgesprochen, um
eine längere Ruhe- und Erholungsphase für die Fläche zu bekommen. Die jetzt vorgesehene Früh-Spät-
Beweidung, mit Nachpflege durch die Biostation, bietet aus unserer Sicht die besten Voraussetzungen,
den blütenreichen Bestand nicht nur für Insekten, sondern auch für verschiedene Reptilienarten
weiterhin optimal zu entwickeln. Die Fläche wird zukünftig im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet.
Der neue Zaun am ehemaligen Sportplatz .
Auch die von Chance7 in den vergangenen Jahren freigestellten Hänge oberhalb der B 42 und der
Stingenberg-Steinbruch am Kuckstein wurden testweise erstmals beweidet, was ebenfalls im
Vertragsnaturschutz fortgeführt werden soll. Wir sehen die in 2023 gestartete Beweidung als einen bis
dato gelungenen Fortschritt in der Pflege zum Erhalt der wertvollen Offenlandlebensräume. Es bleibt
aber auch hier ein ergänzender Vorbereitungs- und Nachpflegebedarf in besonders sensiblen
Bereichen. Auch muss das Areal im Steinbruch vorab von Scherben gereinigt werden, damit die
Weidetiere sich nicht verletzen. Die Scherben stammen von Flaschen, die vom sog. Skywalk
heruntergeworfen werden. Eine Folgeerscheinung der Nutzung mit Störung und Beeinträchtigung des
Gebietes, über die bei der Genehmigung des Skywalks vor ein paar Jahren wohl nicht nachgedacht
wurde.Seite 11 von 83
9
Ein Bild wie aus einem Wild-West-Film: Der Stingenberg-Steinbruch nach der ersten
Beweidung.
Sonder-VE Besucherlenkung und Trampelpfade: Der zweite größere Infotag fand am 19.3.2023 statt.
Mitarbeitende des Landesbetrieb Wald und Holz, der Unteren Naturschutzbehörde Bonn und der
Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft präsentierten an ihren Info-Ständen verschiedene Roll-Ups,
Poster und weiteres Infomaterial und standen vielen Besucher*innen Rede und Antwort (s. auch
https://www.bonn.de/pressemitteilungen/maerz-2023/informationstag-im-ennert-100-jahre-
naturschutzgebiet-siebengebirge.php).
Im Jahresverlauf gab es ein weiteres Treffen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz, der Unteren
Naturschutzbehörde Bonn und dem Naturpark Siebengebirge, um beim Thema Besucherlenkung
weiterzukommen.
Die mittels eines Grafik-Programms kartierten Trampelpfade aus dem Jahr 2021 wurden in ein GIS-
Shape übertragen und zeigen die massive Beeinträchtigung für das Naturschutzgebiet. Die
Beeinträchtigung vor allem in den südwestexponierten Hanglagen wird dabei in der nachfolgenden
Karte besonders deutlich. Bei einer Störwirkung von nur 50 m rechts und links eines illegalen
Trampelpfades ergibt sich nahezu kein Rückzugs- und Ruheraum mehr für störungsempfindliche Arten
in diesem Korridor.Seite 12 von 83
10
In 2023 wurden an drei Tagen Trampelpfade im Bereich des Hardtweihers zugelegt, da hier die
Dynamik der Zerstörung, gerade in den Pandemiejahren, deutlich zugenommen hat.
Bei den Trampelpfaden unterhalb des Rheinhöhenweges konnten wir erste Erfolge verzeichnen. Wege
die wir in den vergangenen Jahren immer wieder verbaut hatten, werden mittlerweile nicht mehr
genutzt.
FFH-Gebiet Waldreservat Kottenforst
Nach Abschluss des LIFE+ Projekts zum Jahresende 2020 übernahm die Biostation die Arbeiten im
Kottenforst wieder in den AMP, wobei insbesondere die sog. After-LIFE-Verpflichtungen hier zu
erhöhtem Aufwand führten, die durch eine Erhöhung der Grundförderung abgesichert werden.
Drittes Geburtshelferkröten-Monitoring im Kottenforst im Rahmen des After-LIFE-Plans: Im Rahmen
des von der EU- und vom Land NRW geförderten LIFE-Projekt „Villewälder- Wald- und Wasserwelten“
wurde das kurz vor dem Erlöschen stehende, einzige verbliebene linksrheinische Vorkommen der
Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) durch Gewässer-Wiederherstellungsmaßnahmen und
Gewässer-Neuanlagen unterstützt. Im Frühjahr 2023 stand die erste Überarbeitung der
Projektgewässer an. Der Turnus von drei Jahren wurde im Rahmen der regelmäßig stattfindenden
Projektbegleitenden Arbeitsgruppen festgelegt.
Rot markiert alle illegalen
Trampelpfade im Bereich
zwischen Dornheckensee und
Kuckstein. Kaum Platz für
störungsempfindliche
Tierarten.Seite 13 von 83
11
Am 17.02.2023 wurden fünf der Gewässer durch den Landesbetrieb Wald & Holz freigestellt, in die
2019 und 2020 Larven eingebracht worden waren. Zusätzlich wurde ein mögliches Trittsteingewässer
freigestellt, das 2019 angelegt wurde. Die Gewässer waren stark von Brombeeren, Birken, Erlen und
Pappeln bewachsen. Durch die Beschattung waren viele ufernahe Rufplätze der Geburtshelferkröte
nicht mehr in geeigneter Weise verfügbar.
Bei der Freistellung wurde ein spezieller Forstmulcher verwendet, der die Ufer in einer geringen Tiefe
zwischen 10 und 30 cm bearbeitete. Auf diese Weise entstanden am Ufer wieder Stellen, an denen
Rohboden zu sehen war. Die Maßnahme wurde erstmals durchgeführt, um die Ufer freizustellen.
Vorher wurde für solche Maßnahmen eine Baggerschaufel eingesetzt, die tiefer in den Boden
einwirkte. Die Methode wurde zum einen gewählt, um mögliche, tieferliegende und frostfreie
Überwinterungsplätze nicht zu zerstören und damit die zu dieser Jahreszeit wenig mobilen
Geburtshelferkröten nicht zu gefährden. Zum anderen bestand die Hoffnung, dass mit dem
Mulchvorgang vielleicht eher Gräser wie das Land-Reitgras gefördert würden. Dichtere „Grasmatten“
verhindern durch ihre Rhizome und den damit verbundenen Konkurrenzdruck von Raum, Wasser und
Nährstoffen den Aufwuchs von Gehölzen. Ein größerer Anteil von Gräsern an den Ufern und
Böschungen fördert zwar nicht zwingend die Landlebensräume von Geburtshelferkröte, verhindert
aber langfristig, dass die Rufplätze zu stark verschatten und sie dadurch mikroklimatisch zu kühl
werden. Beim sommerlichen Monitoring der Gewässer fiel allerdings auf, dass viele Gewässerufer
wieder voll bewachsen waren. Dies ist vermutlich zum einen mit der Mobilisierung von Nährstoffen
durch die Mulch-Methode verbunden. An einigen Gewässern konnte man beobachten, dass sich
Gräser (Binsen- und Land-Reitgras) gegenüber den Gehölzen zunächst durchsetzten. Das regenreiche
Frühjahr dürfte ebenso dazu geführt haben, dass sich die Ufer-Vegetation rasch wieder von der
Freistellungsmaßnahme erholte.
Rufgewässer der Geburtshelferkröte nach Freistellung der Ufer.
Im vierten Jahr nach Ausbringen der ersten Tiere wurden die Gewässer zwischen Mitte Mai und Anfang
Juli erneut auf Rufer untersucht. Zur Überprüfung des Fortpflanzungserfolgs wurden zusätzlich im
Herbst in sechs Gewässern Eimerreusen eingesetzt. Zwei dieser Gewässer befinden sich außerhalb des
Naturschutzgebiets, wurden aber im Rahmen des Monitorings mitberücksichtigt.Seite 14 von 83
12
Übersicht über die Erfassung der Geburtshelferkröte im Kottenforst 2022 und 2023
(n.ü. = nicht überprüft).
Im Jahr 2023 wurden deutlich weniger rufende Tiere angetroffen (8) als 2022 (20). Eine Ausnahme
bildete nur das Ursprungsgewässer „Senker Kuhle“ mit mehr Rufern als in den Vorjahren. Dennoch
fand an mindestens drei Gewässern Reproduktion statt.
Unklar ist, warum im Jahr 2023 an den neuen Gewässern kaum Rufaktivität erfolgte. War dies eine
Folge der kalten bzw. verhaltenen Witterung im Frühjahr, oder hat die Gesamtzahl der Tiere tatsächlich
innerhalb eines Jahres deutlich abgenommen? Die Lebens- und Nahrungsbedingungen für die
Geburtshelferkröte haben sich an den neugeschaffenen Projektgewässern innerhalb des letzten Jahres
augenscheinlich nicht verschlechtert. Denkbar sind folgende Faktoren:
• Tiere sind im Winter oder durch die maschinelle Bearbeitung im Frühjahr zu Tode gekommen.
• Krankheiten wie das Rana-Virus oder Batrachochytrium dendrobatidis sind möglich, wurden
2023 aber nicht überprüft.
• Der Einfluss der oben angesprochenen Wasserfrösche an den Gewässern bleibt ungeklärt.
• Schließlich ist das Abwandern von Tieren in andere Gewässer möglich.
Letzteres wurde nur stichprobenartig untersucht und blieb ohne Ergebnis. Zwar zeigen Tiere
bestehender Populationen kein ausgeprägtes Wanderverhalten, dafür sind Fernausbreitungen über
wenige Kilometer unter Umständen möglich. Im kommenden Untersuchungsjahr sollen zumindest
näher liegende Gewässer stichprobenartig auf rufende Tiere untersucht werden.
Die Entwicklung der Gewässerufer muss weiter beobachtet werden. Das Mulchen der Gewässer-
ränder hat nicht dazu geführt, dass sich langfristig Rohbodenstandorte erhalten konnten. Schon im
ersten Jahr wuchsen Gehölze, Gräser und Brombeeren derart stark auf, dass sich die Rohbodenflächen
nicht halten konnten.
Datum Senker Kuhle Koop 1 18 13a K H Gesamtzahl
Adulte
14.04.2022 5 Rufer n.ü. - - - - 5
05.05.2022 2 Rufer 1 Rufer 1 Rufer 1 Rufer - 2 Rufer 7
19.05.2022 3 Rufer + 1 3 Rufer 2 Rufer 2 Rufer 1 Rufer 8 Rufer 20
10.06.2022 2 Rufer n.ü. 1 Rufer 1 Rufer 1 Rufer 5 Rufer 10
14.09.2022 n.ü. n.ü. 2 Larven
Maximal/
Nacht
Bilanz 2022 20
18.05.2023 6 Rufer 1 Rufer - - 1 Rufer - 8
01.06.2023 4 n.ü. n.ü. - - - 4
15.06.2023 2 n.ü. - - - - 2
01.07.2023 3 Rufer + 2 n.ü. - - - - 5
23.08.2023 - - - - - -
26.09.2023 n.ü. n.ü. - - n.ü. 2 Larven
27.09.2023 7 Larven 6 Larven n.ü. n.ü. n.ü. n.ü.
Maximal/
Nacht
Bilanz 2023 7 Larven 6 Larven 2 Larven 8Seite 15 von 83
13
Im Naturschutzgebiet konnte nur 1 rufendes Tier in einer Nacht im Mai erfasst werden. Allerdings
konnten an einem anderen Gewässer im September große Larven festgestellt werden.
Foto links: Geburtshelferkröte an der Senker Kuhle am 01.0 7.2023.
Foto rechts: Geburtshelferkröten-Larve am Gewässer Koop 1 am 27.09.2023.
Grünland-Monitoring: Im LIFE+ Projekt wurden zwischen 2015 und 2019 neun Wiesenflächen im
Schutzgebiet „Waldreservat Kottenforst“ mit Hilfe von regionalem und lokalem Saatgut und gezielten
Anpflanzungen zu artenreichen Waldwiesen entwickelt. Insgesamt wurden 3,8 ha Fläche bearbeitet.
Ziel des Projektes war es, die europaweit geschützten Lebensraumtypen Glatthaferwiese (LRT 6510),
Pfeifengraswiese (LRT 6410) sowie Borstgrasrasen (LRT 6230) zu sichern und die Gesamtfläche dieser
Lebensräume im Schutzgebiet deutlich auszudehnen, die bis dahin im Kottenforst nur auf
Kleinstflächen vorkamen.
Alle Flächen konnten auch 2023 nach der LANUV-Methodik als FFH-Lebensraumtypen erfasst werden
(s. Tabelle unten). Insgesamt ist die Entwicklung der Wiesen weiterhin sehr positiv zu bewerten. Durch
die vielen Niederschlagsereignisse im Frühjahr 2023 waren alle Wiesen relativ wüchsig und der Anteil
der Gräser im Vergleich zum Vorjahr erhöht. Allerdings zeigte sich, dass die regelmäßige Austragsmahd
der letzten Jahre die konkurrenzschwächeren Kräuter und Gräser soweit unterstützt hat, dass sich der
Erhaltungszustand nicht verschlechterte oder mitunter sogar verbessert hat. Einzig die Wiese K40 hat
sich im Vergleich zu 2022 etwas verschlechtert, dennoch konnte sie weiterhin als „B“ bewertet
werden. Bemerkenswert gut ist die Entwicklung der Wiesen K21 Ost, K36 und K49. Alle drei Flächen
entwickeln sich zu gut ausgeprägten Borstgrasrasen (K21 Ost, K36) bzw. Pfeifengraswiesen (K49). Das
Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) hat sich auf den Flächen K51, K53 und K49 etabliert.
Es konnten deutlich mehr Orchideen als im vergangenen Jahr gezählt werden: Auf der Wiese K51
fanden sich 44 blühende Einzelpflanzen, auf der Wiese K53 26 blühende Exemplare und auf der Wiese
K49 8 blühende Exemplare. Die Wiese K36 zeigte die verhältnismäßig beste Entwicklung aller Wiesen.
Sie profitiert von der schrittweisen Aushagerung. Insbesondere der Teufels-Abbiss (Succisa pratensis)
und auch der Heil-Ziest (Betonica officinalis) haben sich auf einem Großteil der Wiese ausgebreitet.
Auf den Wiesen K36, K44, K51 und K53 fanden sich stellenweise große Bestände von Zittergras (Briza
media). Die Arnika (Arnica montana) ging im Vergleich zum Vorjahr zahlenmäßig weiter zurück.
Lediglich auf der Wiese K49 (10) und K53 (4) fanden sich blühende Pflanzen. Auf der Wiese K49 konnten
einige Individuen erfasst werden, die sich offenbar selber ausgesät hatten. Auf der Wiese K53 konnten
insgesamt nur noch 22 Exemplare erfasst werden. Auf den Wiesen K36 und K51 fanden sich einzelne
Pflanzen, die aber nicht in Blüte standen. Auf einigen Wiesen sind viele Teilbereiche zu lange vonSeite 16 von 83
14
Wasser überstaut und möglicherweise ist das der Grund, warum die Art sich vielfach nicht etablieren
kann. Die Wiesen im Kottenforst wurden 2023 bereits Anfang Juli gemäht und durch die üppigen
Niederschläge im Sommer kam es zu einer bemerkenswerten Zweitblüte im September. Dabei zeigten
insbesondere der Teufels-Abbiss auf den Wiesen K36, K49, K44, K51 und K53, aber auch die Heide (K53)
einen bemerkenswerten späten Blühaspekt.
Übersicht über die Bewertung der Wiesenflächen und Einsaatflächen im Kottenforst .
NSG Düne Tannenbusch
Die Wiesenpflege im Naturschutzgebiet wird seit vielen Jahren in Kooperation mit der Stadtförsterei
durchgeführt, wobei die Biostation die Flächen mäht, das Material zusammenrecht und auflädt, die
Stadtförsterei den Abtransport und die Entsorgung des mit Hundekot zum Teil stark belasteten
Schnittguts übernimmt. In der Regel findet eine zweimalige Pflege statt. Diese erfolgte in diesem Jahr
Mitte Juni und Ende Oktober und damit beim ersten Schnitt früher und beim zweiten Schnitt später
als im Jahr davor. Darüber hinaus wurde regelmäßig das aus Holzgeländern bestehende
Besucherleitsystem kontrolliert und kleinere Reparaturen durchgeführt.
Die Erfolgskontrolle Anfang Mai ergab einen leichten Rückgang der Silbergras-Zahlen (Corynephorus
canescens). Auch für den Kleinen Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) waren bei nach wie vor hohen
Bestandszahlen von fast 15.000 Exemplaren ein Rückgang um etwa ein Viertel zu verzeichnen. Eine
Schwankung in dieser Größenordnung ist aber für die kurzlebigen Arten der Sandmagerrasen typisch
und kein Grund zur Besorgnis. Die Platterbsenwicke (Vicia lathyroides) konnte ihren Bestand dagegen
um die Hälfte vergrößern. Insgesamt konnten in dem für sie sehr guten Jahr fast 6.500 Exemplare
gezählt werden, was in der mehr als zwanzigjährigen Erfassung einen neuen Höchststand bedeutet.
Bei den weiteren Rote-Liste-Arten waren von der Kahlen Gänsekresse (Arabis glabra) nur 66 Individuen
zu zählen und damit deutlich weniger als in den vergangenen beiden Jahren, in denen die Art noch mit
mehreren hundert Exemplaren festgestellt werden konnte. Von dem in NRW vom Aussterben
bedrohten Feld-Beifuß (Artemisia campestris) wurden 28 Exemplaren festgestellt und damit ein
nahezu unveränderter Bestand. Zur Förderung dieser besonders wichtigen Art am Westrand ihrer
Wiesen Größe
in ha
Anzahl
Saatstreifen
Lebensraumtyp ABC-Bewertung
ohne
Saatstreifen
ABC-Bewertung
Saatstreifen
K11A 0,27 Keine 6510 A (A/A/A) -
K11B 0,83 2 6510 A (A/A/A) A (A/A/A)
K20 0,36 1 6410 B (B/C/B) B (B/C/B)
K21 West 0,31 2 6410 C (C/B/B) B (B/B/B)
K21 Ost 0,27 1 6230 B (B/A/B) A (A/B/A)
K36 0,32 2 6410 B (A/B/B) A (A/B/A)
K40 0,25 1 6510 B (C/A/B) A (A/A/A)
K44 0,37 3 6410 B (B/B/B) B (B/A/B)
K49 0,24 2 6410 A (B/A/A) A (A/B/A)
K51 0,25 flächig 6230 A (A/A/B) -
K53 alt 0,078 Keine 6410 B (B/B/B) -
K53 neu 0,282 flächig 6230 A (A/A/A) -
Gesamt 3,83 3 x (6230) – 0,80 ha
6 x (6410) – 1,68 ha
3 x (6510) – 1,35 ha
5 x A
6 x B
1 x C
5 x A
3 x BSeite 17 von 83
15
Verbreitung wird auch weiterhin das im Sicherungsbeet der Biostation gewonnene Saat- und Pflanzgut
ergänzend auf der Düne ausgebracht. Allerdings hat die ergänzende Ausbringung von Saatgut alleine
in der Vergangenheit noch nicht zu einer stetigen Vergrößerung des Gesamtbestands geführt.
Entwicklung der Vorkommen von Silbergras, Platterbsenwicke und Kleinem Vogelfuß
auf der Düne Tannenbusch 2002 bis 2023.
Zählung der Rote-Liste-Arten Anfang Mai durch Föjler*innen und Praktikant*innen.Seite 18 von 83
16
FFH-Gebiet Rodderberg
Die beiden Beweidungsgänge mit gemischter Schaf- und Ziegenherde fanden etwas später als in den
Vorjahren von Anfang Mai bis Anfang Juni und von Mitte Oktober bis Anfang November statt. Die
Absprachen mit dem Schäfer zur Aussparung von wechselnden Teilflächen wurden eingehalten und
das Pflegeergebnis war entsprechend gut. Zur Durchführung eines Infotags beim Herbstauftrieb der
Tiere, wie wir ihn in den vergangenen beiden Jahren durchgeführt hatten, fehlte uns in 2023 durch
Krankheitsausfälle die Kapazität.
Dank der guten Pflege hat sich der Flügelginster (Genista sagittalis) (hier in voller
Blüte) auf der Windkuppe stark ausge breitet.
Ergänzend wurde im April der Zaun im Bereich des Heinrichsblicks erneuert und Gehölzrückschnitte in
der Tuffgrube im November durchgeführt. In etwa sechswöchigem Abstand wurde das
Besucherleitsystem auf Schäden kontrolliert und im Dezember kleinere Vandalismus-Schäden an den
Holzauflagen beseitigt.
Annuellen-Fluren: Trotz des früheren Fräsens im Oktober des Vorjahres konnte das Ziel des Projektes,
nämlich die Förderung der im Gebiet verschollenen und in Deutschland vom Aussterben bedrohten
Klebrigen Miere (Minuartia viscosa) sowie Feinblättrige Miere (Minuartia hybrida) nicht erreicht
werden. Dennoch hat sich das dreijährige Experiment sehr gelohnt, da mit den offenen Frässtreifen
eine lokale Neuentwicklung von Pionierstadien initiiert wurde mit typischer Vegetation der mageren
Trocken- oder Halbtrockenrasen (LRT 6210). Da der Aufwand zur Anlage von Frässtreifen überschaubar
ist und mittlerweile mehrere unterschiedlich alte Frästreifen neben einander ein interessantes Mosaik
aus verschiedenen Altersstufen bilden, soll das Fräsen von einzelnen Streifen an unterschiedlichen
Zeitpunkten im Spätsommer und Herbst auch in den kommenden Jahren im Rahmen des Arbeits- und
Maßnahmenprogramms fortgeführt werden.
Der Fräsdurchgang in diesem Jahr fand erst gegen Ende November statt.Seite 19 von 83
17
Purpur-Sommerwurz: Im Vorjahr wurden die damaligen Wuchsorte der Purpur-Sommerwurz
(Orobanche purpurea) von der Beweidung ausgespart, um die Art damit gegebenenfalls zu fördern. Ein
positiver Effekt konnte in 2023 jedoch (noch) nicht beobachtet werden. Vielmehr konnten bei der
Erfassung Ende Mai lediglich acht blühende Exemplare nachgewiesen werden und damit deutlich
weniger als noch im Vorjahr. Immerhin gelang ein erneuter Nachweis, nachdem die Art zuvor über
viele Jahre hinweg völlig verschwunden zu sein schien. Das sehr schwankende Auftreten dieser auf
Schafgarbe vollschmarotzenden Art bleibt rätselhaft und lässt sich bisher nicht mit Pflege oder
Witterung in Übereinstimmung bringen.
Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz
außerhalb der Schwerpunktgebiete
NSG Nasswiesen und Bruchwald Kohlkaul (Kohlkaulwiesen)
Erfassungen: Durch das von grundsätzlich feuchten Lebensraumtypen geprägte Naturschutzgebiet
führen keine offiziellen Wege. Die Störung durch Trampelpfade war 2023 vergleichsweise gering.
Die beiden Dactylorhiza-Arten und die Färberscharte können als gute Indikatoren für den Zustand der
Feuchtwiesenbereiche gesehen werden. Vom Breitblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)
wurde die Rekordzahl von 680 Blütenständen gezählt. Das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza
maculata) verharrte mit 3.148 blühenden Pflanzen auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der
Färberscharte war der Bestand erneut klein mit nur noch 50 Exemplaren. Da sie nur an einem einzigen
Standort im Naturschutzgebiet vorkommt, ist das Aussterberisiko bei negativ wirkenden Faktoren
besonders hoch.
Praktische Maßnahmen: Die Absprachen und Vereinbarungen mit dem neuen Eigentümer auf
freiwilliger Basis waren weiterhin zeitaufwändig. Mitte Mai wurde dem Antrag auf vorzeitige Mahd
durch die UNB stattgegeben, hochwüchsige Teile der Flächen erstmals gemäht und das Mahdgut als
Heu verwendet. Die sensiblen Bereiche blieben stehen, ergaben Ende Juni einen sehr schönen
Blühaspekt und wurden nach Vereinbarung Mitte August geschnitten. Das Mahdgut war allerdings
nicht mehr als Heu nutzbar. Leider wurde bei diesem Durchgang - vermutlich allerdings auch durch
eine Kommunikationslücke seitens der Biostation - der nach europäischem Recht streng geschützte
Lebensraumtyp Pfeifengraswiese (LRT 6410) ebenfalls maschinell gemäht, was zu starken Schäden an
den Bulten des Pfeifengrases geführt hat.
Blühaspekt des Gefleckten Knabenkrauts (Dactylorhiza maculata) .Seite 20 von 83
18
Entwicklung von Vorkommen wertgebender Pflanzenarte n im NSG Kohlkaul 2003 bis
2023. Die Kuckuckslichtnelke hat sich so stark ausgebreitet und vermehrt, dass sie seit
2013 nicht mehr gezählt wird.
NSG Feuchte Grünlandbrachen und Mähweiden Kohlkaul (Kautex-Wiesen)
In den Kautex-Wiesen ist der Gesamtzustand aufgrund der intensiven Beweidung mit Pferden
unverändert schlecht. Die Ansprüche an die Qualität eines Naturschutzgebiets werden nicht erfüllt,
das vorhandene Potential aufgrund der Bodenbedingungen und des Wasserhaushalts nicht
ausgeschöpft. Eine sinnvolle Betreuung durch die Station wäre nur mit einem hohen zeitlichen
Aufwand und einer nachhaltigen behördlichen Unterstützung leistbar. Dies kann derzeit aber aufgrund
der für zusätzliche Aufgaben nicht auskömmlichen Finanzierung nicht geleistet werden.
NSG Weiers Wiesen
Die Mahd wurde erstmals durch die Stadtförsterei unter Aussparung von zwei Inseln durchgeführt und
das Mahdgut entsorgt. Nach der neuen Vereinbarung Ende Mai konnte die Wiese personalbedingt
aber erst Anfang Juli gemäht werden und war daher etwas überständig. Leider lässt sich in diesem
kleinen, ringsum von Bebauung umgebenen und von modernen Schleppern kaum erreichbaren
Schutzgebiet eine landwirtschaftliche Pflege und damit Nutzung des Mahdguts vermutlich nicht mehr
erreichen. Auf Anfrage des LANUV wurde für das landesweite Monitoring eine Biotoperfassung
durchgeführt und in GISPAD digitalisiert.
NSG Lyngsberg
Der ehemalige Basaltsteinbruch Lyngsberg, seit dem Jahr 2013 Naturschutzgebiet, wurde im Jahr 2023
erstmalig auf die Avifauna und fortführend auf die Flora untersucht (letzte systematische
Untersuchung 2015). 2024 sollen die Untersuchungen zu Flora und Reptilien fortgesetzt werden.Seite 21 von 83
19
Die vorgesehenen landschaftspflegerischen Maßnahmen bezüglich Wiesenentwicklung im Zentrum
und Rückschnitt von Gehölzjungwuchs in einem Teil der Böschungen wurden wie vorgesehen
umgesetzt: Aufgrund der stark erhöhten Störung durch Spaziergänger*innen mit und ohne Hund sowie
Personen, die ihren Müll dort ablegen, wurde der Bau des Zaunes um das Gebiet durch die Stadt
realisiert. Durch die erfolgreiche Brut eines Uhus im Gebiet konnte mit dem Bau allerdings erst im Juni
begonnen werden. Im Herbst wurde die Wiesenfläche vor der zentralen Felswand bearbeitet und
eingesät, um die Artenvielfalt auf der Fläche zu erhöhen. Anfang 2024 sollen weitere forstliche
Arbeiten durchgeführt werden, darunter die Freistellung der im Gebiet vorkommenden alten Mispeln
(Mespilus germanica).
Floristische Erfassung: Im Rahmen der floristischen Kartierung wurden alle Pflanzen-, Strauch- und
Baumarten bestimmt. Insgesamt konnten 226 Arten erfasst und so die Zahl der nachgewiesenen
Pflanzen im Vergleich zum bisher bekannten Spektrum aus den Erfassungen 2015 und 2019 nahezu
verdoppelt werden. Das unterstreicht die Wichtigkeit der Unterschutzstellung des Lyngsberg und
belegt die positive Entwicklung innerhalb der letzten Jahre.
Insgesamt wurde das Gebiet an vier Terminen von April bis August begangen, welche den Jahresverlauf
der Flora gut umfasst. Ergänzende Daten des dort tätigen Naturschutzwartes Oliver Schall wurden
integriert. Im April konnten die typischen Frühjahrsarten wie Maiglöckchen (Convallaria majalis),
Hohler Lerchensporn (Corydalis cava), Scharbockskraut (Ranunculus ficaria), Buschwindröschen
(Anemone nemorosa) und Große Sternmiere (Stellaria holostea) in einem teilweise frequenten
Vorkommen erfasst werden. Diese Arten prägen die Vegetation im Frühjahr vor allem im Wald
nordöstlich des ehemaligen Steinbruchs
Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) und Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius).
2023 konnten Arten wie der Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum), die Berg-
Platterbse (Lathyrus linifolius) und der Heilziest (Betonica officinalis) erneut erfasst werden (vgl. 2015).
Die lokale Ausbreitung von der im Stadtgebiet seltenen Rote-Liste-Art Büschel-Nelke (Dianthus
armeria) auf der Hangkuppe war deutlich zu erkennen, ebenso die Ausbreitung des Sanikel (Sanicula
europaea), von dem 2015 nur ein einziges Exemplar aufgenommen werden konnte.Seite 22 von 83
20
Avifaunistische Erfassung: Die gezielte avifaunistische Erfassung erfolgte an zwei Terminen. Des
Weiteren wurden Begleitbeobachtungen von Vogelarten an vier weiteren Erfassungstagen mit
aufgenommen. Insgesamt konnten 33 Arten beobachtet werden, 27 wurden in die Kategorie
„Brutverdacht / Brutnachweis“ kategorisiert. Brutnachweise konnten bei vielen Arten nicht erbracht
werden, obwohl diese mit einer hohen Wahrscheinlichkeit im Naturschutzgebiet brüten. Daher
wurden bei der Auswertung die Begriffe „Brutverdacht“ und „Brutnachweis“ zusammen kategorisiert.
Bei der Begehung des Gebiets konnten zwei Buntspechtvorkommen mit sicheren Brutnachweisen
festgestellt werden (Bettelrufe der Jungtiere). Des Weiteren kam es zum ersten Mal im Gebiet zu einer
erfolgreichen Uhu-Brut. Die Altvögel wurden mehrmals im Lyngsberg beobachtet und ein Nestling von
Stefan Brücher beringt. Die Beringung wurde vom WDR am 04.05.2023 begleitet. Zudem wurden im
Gebiet an verschiedenen Stellen Gewölle der großen Eulenart gefunden, was die Nutzung des
gesamten Lyngsbergs durch die Art belegt. Diese Faktoren sprechen für den Erfolg der
Unterschutzstellung des Gebiets. Die Umzäunung ist vor allem wegen des bestätigten Uhu-
Vorkommens sinnvoll und wird die Brutwand der störungsanfälligen Eulenart in Zukunft vor unnötigen
Störungen schützen.
Stefan Brücher bei der Beringung des Jung -Uhus und ein Uhu-Gewölle in der Nähe des
Brutplatzes.
Weitere erfreuliche Beobachtungen waren Birkenzeisig, Kuckuck, Nachtigall und Waldlaubsänger,
welche das Gebiet als Durchzugs- / Rastgebiet nutzen. Rot- und Schwarzmilan nutzten das Gebiet als
Nahrungshabitat und suchten die offenen Bereiche des Steinbruchs nach Beute ab.Seite 23 von 83
21
Vogelarten im NSG Lyngsberg 2023. BV = Brutverdacht/ Brutnachweis, D = Durchzügler
und N = Nahrungsgast.
Deutscher Artname Wissenschaftlicher
Artname
Erfassung
(2023)
RL NRW
(2021)
RL NRW NB
(2021)
1 Amsel Turdus merula BV * *
2 Birkenzeisig Acanthis flammea D * 1
3 Blaumeise Parus caeruleus BV * *
4 Buchfink Fringilla coelebs BV * *
5 Buntspecht Dendrocopos major BV * *
6 Eichelhäher Garrulus glandarius BV * *
7 Fitis Phylloscopus trochilus BV V 2
8 Gartenbaumläufer Certhia brachydactyla BV * *
9 Gartengrasmücke Sylvia borin BV * *
10 Grauschnäpper Muscicapa striata BV * 3
11 Grünspecht Picus viridis BV * *
12 Heckenbraunelle Prunella modularis BV * *
13 Kernbeißer Coccothraustes
coccothraustes BV * *
14 Kleiber Sitta europaea BV * *
15 Kohlmeise Parus major BV * *
16 Kuckuck Cuculus canorus D 2 1
17 Misteldrossel Turdus viscivorus BV * *
18 Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla BV * *
19 Nachtigall Luscinia megarhynchos D 3 1
20 Rabenkrähe Corvus corone BV * *
21 Ringeltaube Columba palumbus BV * *
22 Rotkehlchen Erithacus rubecula BV * *
23 Rotmilan Milvus milvus N * 3
24 Schwanzmeise Aegithalos caudatus BV * *
25 Schwarzmilan Milvus migrans N * *
26 Singdrossel Turdus philomelos BV * *
27 Sommergoldhähnchen Regulus ignicapilla BV * *
28 Star Sturnus vulgaris BV 3 3
29 Stieglitz Carduelis carduelis BV * *
30 Uhu Bubo bubo BV * *
31 Waldlaubsänger Phylloscopus sibilatrix D V 2
32 Zaunkönig Troglodytes troglodytes BV * *
33 Zilpzalp Phylloscopus collybita BV * *
NSG Melbtal
Nach den umfangreichen Erfassungen von Flora und Biotoptypen im Jahr 2022 erfolgen 2023 keine
Arbeiten in diesem Wald-Naturschutzgebiet.Seite 24 von 83
22
Obstwiesen
Die von uns betreuten Bäume der Obstbaumallee auf dem Annaberger Feld wurden geschnitten und
die Äpfel geerntet. Das Obst wurde Anfang Oktober mit einer mobilen Saftpresse im Rahmen eines
Aktionstages auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei zu leckerem Apfelsaft verarbeitet. An
diesem Tag wurde durch einen Infostand mit Verkostungsmöglichkeit der Lebensraum Streuobstwiese
und seine Bedeutung für den Naturschutz in den Mittelpunkt gestellt.
Kopfweiden
Außerhalb des NSG Siegmündung wurden 2023 entlang des Vilicher Baches 42 Kopfweiden
zurückgeschnitten. Insgesamt entwickeln sich die Bäume hier sehr gut. Sie hatten in den vergangenen
Jahren deutliche Zuwächse, sind aber größtenteils sehr stabil. Der Arbeitsaufwand für Schnitt und
Abtransport wächst durch die positive Entwicklung jedoch stetig. Das Material wurde im Anschluss an
einem Aktionstag an Bürger*innen abgegeben.
Kiesgruben
Die Pflegedurchgänge in den beiden von der Station betreuten ehemaligen Kiesgruben (Alfterer Straße
und Stuch) verliefen wie geplant im August und November. In der Kiesgrube an der Alfterer Straße
wurden dabei auch erweiterte Hangbereiche als Lebensräume für Wildbienen und Zauneidechse
freigestellt.
Modellflächen in Bonn
Die Pflege der Modellflächen am Flodelingsweg und am CvO-Gymnasium wurde 2023 nicht mehr
durchgeführt. Auf den Verkehrsinseln in Endenich wurden seitens der Stadt Bonn zusätzliche Bäume
gepflanzt. Durch die zunehmende Verschattung ergibt eine weitere Pflege der Blühfläche nur noch
wenig Sinn. Die Fläche am Ückesdorfer Gymnasium wurde aufgrund von Baumaßnahmen gänzlich
entfernt.
Sonstige Schutzflächen – LRT 6510-Erfassung
Im Jahr 2021 wurde erstmals auf ausgewählten Standorten im Bonner Stadtgebiet eine Erfassung des
FFH-Lebensraumtyps 6510 (Glatthafer- und Wiesenknopf-Silgenwiese) durchgeführt. Aufgrund der
aussagekräftigen Ergebnisse und des weiteren Bedarfs der Kartierung sonstiger Grünlandflächen
wurde die Erfassung 2023 im Rahmen eines Sonderprojektes fortgesetzt. Alle Grünland-Standorte in
Bonn werden bis einschließlich 2025 auf das Vorkommen des LRT 6510 hin untersucht. Die im Jahr
2023 untersuchten Flächen wurden über eine Luftbildanalyse mittels Google Earth und QGis
ausgewählt. Die nicht angefahrenen Flächen sollen als Grundlage weiterer Kartierungsflächen für 2024
und 2025 dienen. Insgesamt wurden in den Monaten Mai bis November 88 Flächen in Bonn
kontrolliert. Dafür wurde der Kartierbogen mit Kriterien für den Lebensraumtyp 6510 angepasst.
Von 41 der 88 Flächen wurde eine Grünland-Aufnahme erstellt. 26 Flächen entsprachen den Kriterien
des Lebensraumtyps 6510. Zwei Flächen wurden mit „A“ (hervorragend) eingestuft, weitere vier mit
„B“ (gut). Die Hälfte der 41 erfassten Flächen waren in einem mittleren bis schlechten
Erhaltungszustand („C“). Die sonstigen 15 Flächen erfüllten nicht die Kriterien des Lebensraumtyps
6510. Von 47 Grünlandflächen wurde keine Aufnahme erstellt. Diese Flächen wurden entweder
beweidet (30 Flächen) oder erhielten keine Bewertung aufgrund von Einzäunung oder einer frischenSeite 25 von 83
23
Mahd zum Zeitpunkt der Kontrolle. Fünf Flächen stellten sich bei der Vorort-Kartierung nicht als
„Grünland-“ sondern als „Ackerflächen“ heraus.
Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben
Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und
die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt überwiegend mit QGIS,
bei Projekten mit Datenaustausch mit dem LANUV in GISPAD.
Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn
Da in 2023 keine Verträge zur Verlängerung anstanden, war der Beratungsbedarf auf Seiten der
Landwirte vergleichsweise gering. Bei der Betreuung der Altverträge unterstützen wir die Landwirte
bei auftretenden Problemen, wie etwa dem Heudiebstahl (s. Siegaue) und bei Rückfragen durch die
Bewilligungsbehörde.
Ein größerer Aufwand entstand durch die Begleitung der Lengsdorfer Bachfreunde als neuem
Antragsteller im Vertragsnaturschutz, da ein Teil der beantragten Fläche noch nicht einem Feldblock
zugeordnet war. Auch unterstützten wir den Verein bei der Prüfung nach alternativen
Finanzierungsmöglichkeiten. Unterm Strich sind es am Ende zwei weitere Flächen im Stadtgebiet, die
zukünftig nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzes bewirtschaftet werden. Neu kam auch ein
durch die benachbarte Station im Rhein-Sieg-Kreis initiierter Vertrag mit einem Wanderschäfer für
Flächen im Ennert hinzu (s. dort).
Wie oben beschrieben, ist die Kartierung des LRT 6510 im Stadtgebiet erfolgreich angelaufen. Mit
dieser ist es möglich, die als LRT kartierten Flächen zukünftig auch außerhalb der Naturschutzgebiete
in den Vertragsnaturschutz aufzunehmen. Im ersten Jahr kam es noch nicht zu einem
Vertragsabschluss, aber die Grundlagen für einige in Aussicht stehende Flächen wurden durch die
Kartierung gelegt.
Die Markierung von blütenreichen Teilflächen wurde wie in den vergangenen Jahren in der Siegaue,
den Kohlkaulwiesen und auf dem Rodderberg vor dem ersten Schnitt durchgeführt, um sie temporär
von der Nutzung auszunehmen. Sie stehen damit als Rückzugsräume für die Fauna zur Verfügung. Auch
die übrigen Vertragsflächen wurden fast alle mindestens einmal, die meisten mehrfach während der
Vegetationsperiode aufgesucht, um Zustand und Entwicklung zu kontrollieren. Verstöße gegen die
Vertragsauflagen stellten wir, abgesehen von der bereits erwähnten vorzeitigen Mahd auf Teilflächen
in der Siegaue durch einen Dritten, nicht fest. Die weiterhin sehr erfreuliche Entwicklung der Grünland-
Vertragsflächen im Kottenforst wurde bereits im Kapitel „FFH-Gebiet Waldreservat Kottenforst“
dargestellt.
Trotz des hohen Anteils des Teilprojekts Regiosaatgut am Gesamtprojekt lässt sich dieser Teil nur durch
viele zusätzliche, nicht in die Abrechnung eingehende ehrenamtliche Stunden gewährleisten. Ohne
diese Stunden wäre es nicht möglich die kleine Anbaufläche in den Beeten der ehemaligen
Stadtgärtnerei zu erhalten und weiterhin Saatgut von zum Teil sehr seltenen Arten für die
verschiedenen Projekte zu gewinnen. Zwar sind wir dabei sicher noch weit von einem professionellen
Anbau entfernt, zumindest ist es aber auch in 2023 gelungen, die Hitze- und Trockenphasen des
Frühjahrs und frühen Sommers ohne größere Ausfälle zu bewältigen. Das Thema regionales
Wildpflanzensaatgut setzt sich immer weiter durch. Dabei helfen uns unsere langjährigenSeite 26 von 83
24
Praxiserfahrungen im Anbau und in der Verwendung sehr bei allen Beratungsanfragen von
Verwaltungen und Bürger*innen.
Projekt 5: Artenschutz in Bonn
Arten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
Das Projekt hat einen Schwerpunkt bei den praktischen Maßnahmen zum Erhalt der streng
geschützten Arten gemäß EU-Recht.
Die alljährlichen Pflegemaßnahmen zur Förderung der Mauereidechse an den Mauern in Oberkassel
fanden wie geplant statt. Ein Monitoring für das LANUV war 2023 nicht erforderlich, so dass nur
Zustandskontrollen und stichprobenhafte Begehungen stattfanden, allerdings mit zahlreichen
Sichtungen. Die Art scheint sich dank der Maßnahmen gut zu vermehren und breitet sich aus.
Die Gewässer für die Gelbbauchunke an der Heckelsgasse, die 2022 mit großem Aufwand überarbeitet
wurden, zeigten ja schon im Jahr 2022 Probleme beim Wasserstand, was zumindest zum Teil mit dem
neu eingebauten Wasserbauton zusammenhing. Dieser bildete bei Trockenheit tiefe Risse aus, die sich
später im Jahr auch nur schwer schlossen. Daher wurde es notwendig, die Gewässer für die
Gelbbauchunke 2023 ein weiteres Mal zu überarbeiten. Nach der Vorstellung der geplanten Arbeiten
im Naturschutzbeirat der Stadt Bonn und der Genehmigung durch die Untere Naturschutzbehörde
wurde ein Teil von den 20 Gewässern – zunächst fünf und später noch einmal neun – mit einer 5 cm
dicken, wasserdichten Betonschicht abgedichtet. Durch diese Maßnahmen hielten diese Gewässer
tatsächlich während des gesamten Sommers Wasser und die Gelbbauchunken konnten sich erfolgreich
darin reproduzieren. Die übrigen Gewässer
ohne zusätzliche Beton-Abdichtung bildeten
wieder tiefe Risse und trockneten komplett
aus. Die gesamte Population in der
Heckelsgasse ist stabil und an einem Tag
kann man insgesamt bis zu 100 erwachsene
und halbwüchsige Gelbbauchunken sehen.
Der Reproduktionserfolg der Population in
der Heckelsgasse war 2023 wieder so groß
(sicher mehr als 10.000 Kaulquappen), dass
ca. 1.000 Kaulquappen für das
Wiederansiedlungsprojekt von Chance7 zur
Verfügung gestellt werden konnten.
Für die Wechselkröte gibt es seit Jahren wenig positive Veränderungen auf dem Stadtgebiet von Bonn.
Sie wurde durch den Raumbedarf für Bebauung und Straßen verdrängt und ist zudem durch den
Klimawandel stark beeinträchtigt, da die notwendigen Flachgewässer häufig frühzeitig austrocknen.
Seit mehreren Jahren ist sie im Stadtgebiet von Bonn nur noch an fünf Stellen nachweisbar. Der Mangel
an Flächen mit offenen Böden und sonnigen Flachgewässern verhindert die weitere Ausbreitung. Die
im letzten Bericht vorgestellten Maßnahmen der Stadt Bonn sind weiterhin nur teilweise erfolgreich,
Näheres hierzu in nachfolgender Tabelle auf der nächsten Seite.Seite 27 von 83
25
Die Kreuzkröte ist im Stadtgebiet von Bonn seit ca. 25 Jahren nur noch rechtsrheinisch vorhanden. Der
Mangel an Lebensräumen – vor allem an gering bewachsenen Brachflächen und geeigneten Laich-
gewässern – und die immer kleiner werdenden, nicht verbauten Korridore verhindern hier eine
weitere Ausbreitung.
Aufstellung der bekannten Wechselkröten und Kreuzkrötenpopulationen im Stadtgebiet
von Bonn.
Ort Wechsel-
kröte Kreuzkröte Sonstige
Amphibien
Sonstige Arten,
Bemerkungen
Ehemalige Spargel- und
Erdbeeräcker an der
Grootestraße,
Dransdorf
Ca. 25
Adulte,
einige
Tausend
Larven
Außerhalb des
Vorkommens-
gebiets
Teichmolch,
Wasser-
frösche
Die 2020 angelegten
Gewässer haben noch
einen guten Zustand und
wurden von den Tieren zur
Reproduktion genutzt.
Ausgleichsfläche für
das Gewerbegebiet am
Saime-Genc-Ring,
Dransdorf
Ca. 5
Adulte,
einige
Tausend
Larven
Außerhalb des
Vorkommens-
gebiets
Wasser-
frösche,
Teichmolch,
Bergmolch
Die 2021 angelegten
Gewässer haben z.T. noch
einen guten Zustand und
wurden von den Tieren zur
Reproduktion genutzt. Das
Gebiet ist weiterhin frei
zugänglich und wird als
Hundespielwiese genutzt.
Beim nördlichsten wurde
durch Freizeitnutzung die
Abdeckung mit Krallmatte
und Kies stark beschädigt.
Es erfolgte keine Reparatur
durch die Stadt Bonn.
Ausgleichsfläche am
Friedhof Beuel Ca. 25
Adulte,
einige
Tausend
Larven
Ca. 40 Adulte,
einige Tausend
Larven
Teichmolch,
Bergmolch
Die Ausgleichsfläche eignet
sich immer noch gut für
Kreuz und Wechselkröte.
Die Fläche ist trotz
Ankündigung von 2013
bisher nicht mit einem
Zaun umgeben und ist
daher frei zugänglich.
Ausgleichsfläche in der
ehemaligen Kiesgrube
an der Gerhardstraße
in Beuel
Wurde
nicht
kartiert
Wurde nicht
kartiert
Ausgleichsfläche am
Georg-Elsen-Weg,
Buschdorf
1 Rufer
Außerhalb des
Vorkommens-
gebiets
Wasser-
frösche,
Teichmolch,
Bergmolch
Sie 2019/2020 angelegten
Gewässer haben einen
guten Zustand, es konnte
aber bisher nur ein
einzelnes männliches Tier
nachgewiesen werdenSeite 28 von 83
26
Sonder-VE Geburtshelferkröte im rechtsrheinischen Bonn
Im Jahr 2023 wurde das im Oktober 2021 im Arboretum Park Härle angelegte Dernotongewässer
erneut auf Reproduktion überprüft, aber auch im Jahr 2023 keine Larven festgestellt. Die Bedingungen
für die Geburtshelferkröte rund um das Gewässer sind grundsätzlich aber weiterhin gut. Die
Brombeeren, die in den Steinschüttungen aufwuchsen, wurden durch die Mitarbeiter des Arboretums
zurückgeschnitten. Auch das Gewässer selbst bietet weiterhin gute Bedingungen für
Geburtshelferkröten-Larven, wenngleich es von anderen Amphibien bereits erfolgreich zur
Reproduktion genutzt wird. Erstmals konnten im Gewässer Kammmolch-Larven festgestellt werden.
Auch der Feuersalamander reproduziert dort erfolgreich. Gelbbauchunken sind ebenfalls zumindest
rufend anwesend, durch den großen Prädationsdruck der Molch- und Feuersalamanderlarven
scheinen sie aber keinen Fortpflanzungserfolg zu haben. Die Ruferzahlen im Arboretum und Umfeld
stiegen gegenüber 2022 an. Bei einer Begehung am 29.06.2023 konnten insgesamt elf rufende
Geburtshelferkröten festgestellt werden, im vergangenen Jahr nur maximal acht. Zudem entdeckte
der Kurator des Parks ein laichschnurtragendes Männchen. Das bestehende Altgewässer im
Arboretum, in dem bei einer Erfassung im Jahr 2021 bereits große Geburtshelferkröten-Larven erfasst
werden konnten, hat sich dadurch verbessert, dass die großen Fische (Goldorfen) nicht mehr in dem
Gewässer vorkommen.
Die eDNA-Proben auf den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis, die am neuen
Artenschutzgewässer im Park Härle sowie am Blauen See genommen wurden, waren erfreulicher
Weise negativ.
Sonder-VE zur Zauneidechsenerfassung im Stadtgebiet
Die Zauneidechse war bis in die 2000er Jahre an vielen Stellen in Bonn zu finden. Der Datenbestand
der Biologischen Station umfasst etwas mehr als 1.200 Einzelmeldungen seit dem Jahr 1985. Ein
Großteil dieser Daten stammte aus dem Jahr 2007, in dem zwei Studentinnen gezielte Kartierungen
und Umfragen im Rahmen ihrer Diplomarbeiten durchführten. Hinzu kamen eigene Beobachtungen
und Meldungen von Bürger*innen. Diese Meldungen lassen sich grob ca. 62 größeren
zusammenhängenden Flächen zuordnen.
In den letzten Jahren mussten wir feststellen, dass wir nahezu keine Meldungen von Bürger*innen
mehr bekamen und auch eigene Beobachtungen seltener wurden. Das bewegte uns dazu, in Absprache
mit der Unteren Naturschutzbehörde Bonn eine Zauneidechsenkartierung für die Jahre 2023 bis 2025
in Angriff zu nehmen.
Insgesamt konnten wir im ersten Jahr der Erfassung 87 potenziell geeignete Flächen begutachten,
darunter auch ein Großteil der bisher bekannten Vorkommen. Dabei reicht auf potentiell geeigneten
Flächen eine einmalige Begehung nicht aus, um ein Vorkommen der Art auszuschließen, sodass jede
Fläche mehrere Male abgelaufen werden muss. Andere Flächen kann man schon bei der ersten
Begehung ausschließen, da sie für die Art offensichtlich nicht mehr geeignet sind. Das ist z.B. der Fall,
wenn die Fläche bebaut oder anderweitig komplett verändert wurde oder sie der Sukzession
anheimgefallen und z. B. mit einem dichten Bestand aus hohen Gräsern, Brombeeren oder Büschen
bestanden ist.
Die Ergebnisse aus dem Jahr 2023 sind wenig ermutigend:
• Es konnten keine neuen Fundorte entdeckt werden.
• Von den bekannten Fundorten konnte bisher nur 18 % bestätigt werden (= 11), wobei 43 % (=
27) noch nicht ausreichend untersucht wurden.Seite 29 von 83
27
• Mindestens 29 % der ursprünglichen Fundorte waren im Jahr 2023 ungeeignet und
beherbergten mit Sicherheit keine Zauneidechsen mehr.
• Von diesen wurden 33 % (= 6) ohne uns bekannte Beachtung des Artenschutzes und
ausgleichende Artenschutzmaßnahmen bebaut. 66 % (= 12) gingen durch Sukzession verloren.
Tabellarische Zusammenfassung der Ergebnisse.
Bisheriger Stand der aktuellen Zauneidechsenerfassung (gelbe Punkte sind die
Fundpunkte bis 2015).
Grund
Aktuell vorhanden Anzahl (Prozent) bebaut Sukzession
Ja 11 (18 %)
Nein 18 (29 %) 6 (33 %) 12 (66 %)
bisher keine Tiere (mehrfache Begehungen) 6 (10 %) unbekannt
noch nicht oder zu selten kontrolliert 27 (43 %)Seite 30 von 83
28
Umsetzung des Artenschutzkonzepts Bonn West
Die im Sonderprojekt „Umsetzung des Artenschutzkonzepts Bonn West“ durchgeführten Arbeiten
und Ergebnisse im Jahr 2023 waren:
• Artenschutz Wechselkröte: Das Monitoring des Wechselkrötenbestands an der Grootestraße
fand 2023 auf den beiden für den gesetzlichen Artenschutz für CEF-Maßnahmen vorgesehenen
bzw. schon dienenden Flächen als Auftrag der Firma Langen an die Station statt, ebenso wie die
Konzeption für Maßnahmen ab Herbst 2023. Im Rahmen des Artenschutzkonzepts wurden die
umliegenden Flächen gemäht und das Mahdgut abgefahren, Gewässer zweimalig entschlammt
und von Algen befreit, Müll eingesammelt, Landverstecke wieder hergerichtet sowie Gehölze
zurückgeschnitten. Ebenso erfolgte hier das Monitoring von anderen Flächen in Buschdorf und
Dransdorf und die Kontaktaufnahme zu Grundstücksbesitzen und -nutzern in dem Bereich.
• Artenschutz Zauneidechse: Die Zielart Zauneidechse wurde im Gebiet kartiert und es fand eine
Feinabstimmung inkl. Ortstermin in der Kiesgrube Alfterer Straße zur Stärkung ihres dortigen
Vorkommens auf städtischen Flächen statt. Als erste Umsetzung wurden – über die jährlichen
Arbeiten im AMP hinaus – durch Entfernung von Stauden und Brombeeren zusätzliche Hänge
freigestellt.
• Vertragsnaturschutz: Die bestehenden Flächen an der Grootestraße und im Meßdorfer Feld
wurden kontrolliert und der Zustand dokumentiert, mit den Landwirten Austausch- und
Beratungsgespräche geführt. Aufgrund des massiven und flächendeckenden Aufwuchses der
Ackerkratzdistel auf dem Meßdorfer Feld, verbunden mit Beschwerden von Anwohner* innen,
erfolgten eine Recherche und Beratung mit Landwirtschaftskammer und Bewirtschafter zum
Zustand der Flächen und Änderungsmöglichkeiten.
• Einsaaten: Gemäß der 2022 durchgeführten Potentialanalyse Ortsteil Graurheindorf wurden für
Flächen „Auf dem Lausacker“ lokale Akteure beraten, Saatgutmischungen zusammengestellt
und Flächen ausgewählt: Als Resultat wurde die Einsaat von mehrjährigen Kräutermischungen
auf ca. 5.800 qm und die Mahd von 4.300 qm bereits eingesäter, bestehender Blühflächen
vereinbart und vorbereitet.
• Die Interessensgemeinschaft IG Lausacker Bonn wurde bei der Bekämpfung von
unerwünschtem Aufwuchs (Jakobs-Greiskraut und Riesen-Goldrute) unterstützt.
• Abstimmungen und Informationsaustausch mit Behörden und weiteren Akteuren inkl.
Ortstermine (dauerhafte Maßnahme): Für Maßnahmen im Bereich Lausacker erfolgten mehrere
Besprechungen und Ortstermine mit der Interessengemeinschaft IG Lausacker Bonn und der
UNB. Für eine Brache in Buschdorf wurde der Kontakt mit der BUND-Kreisgruppe Bonn
aufgenommen. Zur Finanzierung der praktischen Maßnahmen (Saatgut, Nisthilfen) wurde die
Förderung im Rahmen anderer Projekte eingeworben (Regiosaatgut vom LVR,
Gartenschläferkisten vom BUND NRW).
Bisherige Bilanz
• Wechselkröte: Im dritten Jahr nach der Anlage standen die zehn Artenschutzgewässer an der
Grootestraße auch 2023 zur Verfügung. Bei insgesamt sieben Begehungen wurden max. 31
adulte Wechselkröten (verteilt auf acht der neun Gewässer, in vieren allerdings nur Einzeltiere)
und in drei Gewässern Larven nachgewiesen. Die Gewässer waren jedoch zeitweise stark veralgt
und beinhalten zunehmend Prädatoren (Larven von Libellen und anderen Wasserinsekten,
Molche bisher wenig). Die Anlage von zwei weiteren Gewässern und die Pflege der bestehenden
Gewässer wurden daher mit der Firma Langen vereinbart. In den Gewässern zwischen der
Grootestraße und der Bahnlinie wurden nur wenige Wechselkröten, in Buschdorf keine Tiere
nachgewiesen.
• Zauneidechse: Die Erfassung der Zauneidechse ergab eine Verschlechterung der Bestände; die
detaillierten Ergebnisse finden sich gesammelt im Kapitel Sonder-VE zur Zauneidechsen-
erfassung im Stadtgebiet.Seite 31 von 83
29
• Vertragsnaturschutz: Die vier im Jahr 2021 eingesäten Blühflächen im Meßdorfer Feld
bestanden weiterhin, waren allerdings stark vor allem mit Ackerkratzdisteln verunkrautet. Durch
den veränderten Anbau (Bio) entstanden zwar erneut an mehreren Ackerrändern schöne
Blühaspekte von Ackerwildkräutern (Klatschmohn dominant, daneben Kornblume und andere
Beikräuter). Auf nahezu allen Anbauflächen dominierte aber die Ackerkratzdistel, deren
massenhafte Aussamung zu vielen negativen Reaktionen führte. Weitere Maßnahmen wie
Infotafeln oder Blühstreifen wurden daher seitens der Biostationen vorerst nicht weiterverfolgt
und sollen erst wieder aufgegriffen werden, wenn dieses Grundproblem gelöst ist. Der 2.000 qm
große Blühstreifen eines anderen Landwirts an der Grootestraße besteht weiterhin als
freiwillige, kostenfreie Leistung, da kein Vertrag angefragt wurde. Die Bilanz von insg. 7,2 ha
Blühflächen, davon 3,2 im Stadtgebiet von Bonn ist daher unverändert. Weitere Verträge im VNS
konnten aufgrund der weiterhin unsicheren Situation hinsichtlich 4 % verpflichtender Brach-
flächen im Rahmen der GAP und damit Notwendigkeit von Flächenverfügbarkeit nicht
eingeworben werden.
• Einsaaten: Im Oktober wurden 5.800 qm Fläche eingesät und im November zwei Flächen mit
insg. knapp 4.300 qm gemäht.
• Weitere Artenschutzmaßnahmen: Das Aufstellen von Nisthilfen für Turmfalken und
Schleiereule sowie Kästen für Fledermäuse und Gartenschläfer wurden mit
Flächennutzer*innen und –eigentümer*innen recherchiert, abgesprochen und vorbereitet.
• Gehölzarbeiten zur Vergrößerung des Lebensraums für Zauneidechse und Wildbienen in der
Kiesgrube Alfterer Straße (mehrjährig).
• Anlässlich verschiedener Entwicklungen und der Kontaktaufnahme zu
Grundstücksbesitzer*innen und -nutzer*innen Bilanzierung, Flächenplanung für die
Wechselkröte und Erstellung einer Potenzialanalyse anhand zur Verfügung stehender Flächen
zwischen Grootestraße und Bahnstrecke (einmalig).
• Prüfung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten zur Umsetzung weiterer geplanter
Naturschutzmaßnahmen im Ortsteil Graurheindorf (einmalig).
Zudem ist zur Planung und Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen aufwendige Recherchearbeit –
insbesondere bei der Ermittlung von Eigentums- und Nutzungsverhältnissen – erforderlich. Ungeklärt
ist weiterhin die Finanzierung von Materialien, die über die Anteile in den Verrechnungseinheiten
hinausgehen. Maßnahmen wie der Bau von Zäunen, die Anlage von Gewässern, aber auch das
Aufhängen größerer Mengen an Nistkästen können ohne entsprechende finanzielle Ressource nicht
konkretisiert und durchgeführt werden. Konkretisiert werden muss ebenfalls, wie die Unterstützung
anderer Akteure, insbesondere gemeinnütziger Vereine und ehrenamtlich organisierter Gruppen, bei
praktischen Arbeiten aussehen kann und soll.
Es besteht aus unserer Sicht weiterhin die Dringlichkeit und Notwendigkeit, die Umsetzung über einen
längeren Zeitraum zu fördern, insbesondere, um bestimmte Tierarten im Stadtgebiet von Bonn nicht
vollständig zu verlieren (Wechselkröte, Rebhuhn).
Sonstige Artenschutzmaßnahmen
Amphibienschutz an Straßen: Der etwa 150 m lange und mit zehn Fangeimern bestückte Amphibien-
schutzzaun bei Oberholtorf wurde nach Aufbau durch die Biologische Station am 17. Februar von
mehreren Familien aus dem Ort selbständig betreut. Nach dem katastrophalem Ergebnis 2022 sind die
Zahlen im Jahr 2023 etwas besser, aber immer noch sehr schlecht, so dass sich – vor allem bei den
ehrenamtlichen Helfenden – die Frage nach der Zukunft dieser Aktion stellt: neben 41 Erdkröten
konnten neun Molche vor dem Straßentod gerettet werden. Die Ursache für den langjährigen
Rückgang ist weiterhin unklar.Seite 32 von 83
30
Entwicklung der Anzahl wandernder Amphibien am Schutzzaun Oberholtorf 2002 –2023.
Straßensperrung Heiderhof: Bei der einzigen Straßensperrung für Amphibien im Stadtgebiet Bonn am
Philosophenring auf dem Heiderhof werden neben den Beständen der besonders geschützten Erd-
kröte auch der nach Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützte Springfrosch bei der Wanderung
zum Laichgewässer vor dem Straßentod bewahrt. Der Biostation obliegt hier die fachliche Beratung,
insbesondere zum Zeitpunkt von Auf- und Abbau der Sperren sowie Umleitung eines Linienbusses.
Des Weiteren stellte die Biostation an sieben alten und zwei neuen Stellen im Stadtgebiet Amphibien-
schutzschilder zur Wanderzeit auf: Oberkasseler Straße, Pützchens Chaussee, Oberholtorf,
Nachtigallenweg, Finkenberg, Holzlarer Straße, Villiper Allee sowie neu Kreuzberg und Annaberger
Straße. Am Röttgener Tonweiher wurden 2023 mehrfach die Gullys an der Villiper Allee auf gefangene
Amphibien (besonders Erdkröten) hin kontrolliert.
Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben
Zentraler Bestandteil dieses Projektes ist der regelmäßige Austausch mit den Fachämtern der Stadt
(u. a. Quartalsgespräche mit der UNB) und den Projektpartnern beim Landesbetrieb Wald und Holz.
Neben Beratungen von Mitarbeiter*Innen weiterer Ämter bestimmen die Anfragen und
Beratungserwartungen von Bonner Bürger*nnen und aus der Politik die Inhalte des Projektes.
Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 13)
Im Jahr 2023 ist unsere Geschäftsstelle im Friesheimer Busch dank des neu begonnenen BPBV-
Projektes „Lebensnetz Börde“ personell und räumlich weitergewachsen. Dankenswertweise wurde
uns bereits letztes Jahr vom Umweltnetzwerk ein weiterer Büroraum zur Verfügung gestellt, den wir
mit Projektmitteln anmieten konnten. Für die Unterbringung von Geräten und Materialien schaffte das
Umweltnetzwerk einen Container an, der im Betriebsbereich des Umweltzentrums aufgestellt wurde
und den wir ebenfalls über Projektmittel anmieten konnten. Damit konnte zumindest vorrübergehend
eine Lösung für unseren räumlichen Engpass im Umweltzentrum gefunden werden.Seite 33 von 83
31
Für die Unterbringung von Geräten und Materialien des BPBV-Projektes wurde vom
Umweltnetzwerk ein Container angemietet.
Die Planung eines Neubaus für die Weiterentwicklung der Biologischen Station im Rhein-Erft-Kreis
wurde auch 2023 mit dem NABU Rhein-Erft, den Architekturdozenten*innen und -studierenden der
RWTH Aachen, dem Umweltnetzwerk sowie der Stadt Erftstadt bei verschiedenen Terminen diskutiert.
In diesem Zusammenhang wurde auch ein Gesamtplanungskonzept für alle baulichen Vorhaben im
Bereich des Umweltzentrums von der RWTH erstellt. Noch ist offen, ob sich unsere Vorstellungen und
Notwendigkeiten mit den Interessen des UMNET in Einklang bringen lassen. Auch ist unklar, ob die
dringend notwendige Erneuerung von Versorgungsleitungen für neue Gebäude der Biologischen
Station ohne die Umsetzung anderer Vorhaben realisiert werden kann. Wegen dieser Unsicherheiten
prüfen wir derzeit, ob wir unsere Vorstellungen für die Erweiterung der Biologischen Station an einem
ein anderer Standort besser umsetzen können.
Durch das im Herbst neu begonnene LEADER-Projekt Zukunftsdörfer, die zusätzlichen Mittel des vom
Rhein-Erft-Kreis geförderten Projektes „Kommunaler Insektenschutz“ sowie unser laufendes LVR-
Projekt „Zukunftsperspektiven für Obstwiesen“ konnten wir in 2023 unsere Präsenz im Rhein-Erft-Kreis
durch Infostände und Bildungsangebote weiter steigern. Die Angebote stießen bei „kleinen
Naturforscher*innen“ und naturbegeisterten Erwachsenen auf großes Interesse. Wir beabsichtigen
auch in den kommenden Jahren mit einem breiten Bildungsangebot in allen Kommunen des Rhein-
Erft-Kreises Bürger*innen für das Thema Natur- und Artenschutz zu sensibilisieren und für
Mitmachaktionen zu gewinnen. Hierfür wird insbesondere die Fortsetzung des erfolgreichen Projektes
„Kommunaler Insektenschutz“ angestrebt.Seite 34 von 83
32
Durch verschiedene Zusatzprojekte konnten wir in 2023 unsere Präsenz im Rhein-Erft-
Kreis mit Infoständen und Bildungsangeboten weiter steigern.
Auf den folgenden Seiten werden Projekte im Rhein-Erft-Kreis für das Jahr 2023 beschrieben. Der
Schwerpunkt liegt wie üblich auf der Darstellung der besonderen Ereignisse und der Mitteilung
aktueller Untersuchungsergebnisse.
Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in
Schwerpunktgebieten
NSG Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch
Das Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ ist mit über 50 ha eines der
bedeutendsten Naturschutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis. Der Charakter des Gebietes wird geprägt
durch ausgedehnte Grünlandflächen und die typischen Erdwälle aus der früheren Nutzung als
Munitionsdepot. Die Offenlandflächen sind kreisweit einzigartig und haben sich in der südlichen
Niederrheinischen Bucht zu bedeutenden Magerrasen- und Heidestandorten entwickelt. Zudem
belegen Brutvogelkartierungen und Erfassungen verschiedener Insektengruppen die herausragende
Bedeutung des Schutzgebietes für den Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis.
Das Gebiet wurde bis 1994 von den belgischen Streitkräften als Munitionsdepot genutzt. Im Jahr 2003
übernahm der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflege auf rund 35 ha des Gebietes. Viele Flächen
werden dabei von einer Schaf- und Ziegenherde von der Verbuschung freigehalten. Der NABU Rhein-
Erft wird im Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ von der Biologischen
Station Bonn/ Rhein-Erft bei verschiedenen landschaftspflegerischen Arbeiten und beim Monitoring
gefährdeter Tier- und Pflanzenarten unterstützt.Seite 35 von 83
33
Arnica montana hat sich im Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot
Friesheimer Busch“ inzwischen gut etabliert.
Flora: Jedes Jahr werden in den Nasswiesen die Knabenkräuter (Dactylorhiza maculata, D.
praetermissa und ihre Hybriden) gezählt. Nachdem bis 2018 die Anzahl der Orchideen zugenommen
hat, haben die Bestände in den Trockenjahren 2018 bis 2020 und 2022 sichtbar gelitten. Es wurden oft
nur Kümmerexemplare entwickelt, bei denen die Samenbildung unterblieben ist. In 2023 ist die Blüte
der beiden genannten Orchideenarten wieder üppiger ausgefallen. Die Bienenragwurz (Ophrys
apifera) ist im Munitionsdepot, wie in anderen Vorkommensgebieten auch, nicht sonderlich
standorttreu. Die Art vagabundiert auf der Fläche ist aber, in stark schwankender Individuenzahl, im
Schutzgebiet regelmäßig vorhanden. Die Bienenragwurz (Ophrys apifera) ist auffallend an das Umfeld
des befahrbaren Hauptweges gebunden, wo der Unterbau aus Betonschutt vermutlich für höhere pH-
Werte sorgt. Verschollen sind nach wie vor die vor Jahren ebenfalls in Einzelexemplaren aufgetretenen
Orchideenarten Platanthera bifolia (Zweiblättrige Waldhyazinthe) und Gymnadenia conopsea
(Mücken-Händelwurz). Eine weitere Erholung war 2023 bei Erica tetralix (Glockenheide) und dem
Waldläusekraut (Pedicularis sylvatica) festzustellen. Andere Arten feuchter Standorte haben ebenfalls
von den wieder höheren Niederschlägen sichtbar profitiert und weiter erholt. Die Massenblüten vom
Teufelsabbiss (Succisa pratensis) setzen im späten Jahr prachtvolle Blühaspekte. Aufgrund der höheren
Niederschlagsmengen rechnen wir im kommenden Jahr auch mit einer Zunahme von Arnica montana
(Bergwohlverleih) durch Selbstaussaat.
Vögel und Insekten: Beim 2023 durchgeführtem, stichprobenartigem Vogelmonitoring von Zielarten,
konnten Baumpieper, Neuntöter, Schwarzkehlchen und die Turteltaube während der Brutzeit im
Gebiet bestätigt werden. Bei letzterer Art wurden Nachweise erst relativ spät im Juni erbracht, sodass
unklar ist, ob die Turteltaube das Gebiet in 2023 als Bruthabitat genutzt hat. In der nicht weit
entfernten Kiesgrube Niederberg wurden während der Brutzeit mindestens 2 Reviere der Turteltaube
festgestellt. Die Heidelerche konnte 2023 als Brutvogel im Naturschutzgebiet „EhemaligesSeite 36 von 83
34
Munitionsdepot Friesheimer Busch“ nicht bestätigt werden. Im angrenzenden Waldgebiet wurden
2023 wieder Pirol und Kolkrabe während der Brutzeit festgestellt. Außerdem wurde ein Brutversuch
des Rotmilan dokumentiert. Der Brutnachweis für den Wespenbussard konnte zwar nicht erbracht
werden, aber die Beobachtungsergebnisse deuten auf das Vorhandensein eines Brutrevieres im
Waldgebiet Friesheimer Busch hin. Die nächste umfassende Kartierung der Brutvogelbestände wird in
2025 durchgeführt.
Während der Heideblüte wurden stichprobenartig das Vorhandensein der oligolektischen
Wildbienenarten Andrena fuscipes (Heidekraut-Herbstsandbiene) und Colletes succinctus (Heidekraut-
Seidenbiene) überprüft. Beide Arten sind auf Heidekraut als Pollenquelle spezialisiert. Während in den
trockenen Sommern 2018 bis 2022 nur Colletes succinctus vereinzelt im Gebiet beobachtet werden
konnte, wurden 2023 beide Arten mit zahlreichen Individuen im Gebiet beobachtet. Darüber hinaus
konnte mit der Schmalbiene Lasioglossum politum ein weiterer Neunachweis bei den Wildbienen
erbracht werden. In den letzten zwei Jahren wurden drei neue wärmeliebende Wildbienenarten im
Gebiet gefunden. Wir gehen davon aus, dass sich das Artenspektrum im Gebiet seit der letzten
umfassenden Untersuchung in 2007 und 2008 deutlich verändert hat. Da es sich bei diesem
Schutzgebiet um einen Kernlebensraum für Wildbienen und andere Insekten im Rhein-Erft-Kreis
handelt, wäre die Aktualisierung des Datenbestandes von Bedeutung.
Die Heidekraut-Sandbiene (Andrena fuscipes) sammelt ausschließlich Pollen von spät
blühenden Heidekrautgewächsen, wie der Besenheide (Calluna vulgaris), zur
Versorgung ihrer Brutzellen.Seite 37 von 83
35
Kontrolle von Laichgewässern des Springfrosches: In 2023 erfolgte im Rahmen des
Springfroschmonitorings die Erfassung der Laichballen bzw. Larven in den Kleingewässern am 10.03.,
17.03. und 23.03. Zu Beginn der Springfroschwanderung waren die Gewässer im Friesheimer Busch
sehr gut bespannt und Fahrspuren und Nasswiesen großflächig überstaut.
Gut gefüllte Gewässer und überstaute Nasswiese n zum Beginn der Laichzeit.
Im Erfassungszeitraum befanden sich Wildschweine auf dem Gelände des Munitionsdepots, die einige
Gewässer als Suhle verwendet haben. Dadurch waren diese trüb und eine Kartierung der Laichballen
schwierig. Es ist davon auszugehen, dass die Wühl- und Fraßaktivitäten der Wildschweine zu einem
verminderten Reproduktionserfolg im Jahr 2023 geführt haben. Nicht nur aus Sicht des
Amphibienschutzes, sollten die Wildschweine intensiv bejagt und die Zäune repariert werden.
Bei der ersten Erfassung am 10.03.2023 waren die randlich abgelegten Laichballen in mindestens drei
Gewässern durch Frost geschädigt. Einige Laichballen waren ganz frisch abgelegt. Da bei der zweiten
Kontrolle die Wasserstände bereits deutlich sanken und überstaute Flächen und Fahrspuren
trockenfielen, wurden Laichballen aus Fahrspuren entnommen und in die zuverlässig wasserführenden
Gewässer überführt (6 Laichballen). Am 24.3. wurden weitere 10 Laichballen umgesetzt sowie drei
frisch abgelegte Laichballen erfasst. Bei Stichprobenkontrollen an den Folgetagen wurden keine neu
abgelegten Ballen mehr erfasst und auch an den Amphibienzäunen in der Umgebung wurden keine
anwandernden Springfrösche mehr dokumentiert.
Bei der ersten Erfassung wurden insgesamt 63 Laichballen dokumentiert. Das Maximum an Laichballen
wurde am 2. Kartierdatum (17.03.2023) mit 85 Laichballen erfasst. Mit den frisch nachgelegten Ballen
vom 24.03.2023 konnten so insgesamt 88 Laichballen dokumentiert werden. Insgesamt wurde in 17
Gewässern, Mulden oder Fahrspuren abgelaicht. In fast allen im Januar 2023 entkrauteten Gewässern
wurden Laichballen abgelegt. Gegenüber der Vorjahresbestände ging die maximale Laichballenzahl
weiterhin zurück, obwohl die Witterung in diesem Jahr mit den zunächst hohen Wasserständen eher
günstig zu bewerten war (2023: 85 Ballen, 2022: max. 100 Ballen, 2021: max. 95 Ballen, 2020: 205
Ballen). In den folgenden Tagen fielen die Wasserstände weiter. Ein ausreichend hoher Wasserstand
zur Entwicklung der Quappen blieb letztlich nur in zwei nordwestlich gelegenen Gewässern bestehen.Seite 38 von 83
36
Die im Winter freigestellten Gewässer wurden bereits wieder zum Ablaichen genutzt.
Auf Grund der angespannten Wassersituation und stark rückläufigen Springfroschreproduktion sollte
zeitnah über die Abdichtung von Gewässern mit Folien oder die Anlage zusätzlicher Dernotongewässer
beraten werden.
Fledermäuse im Waldbestand des Friesheimische Busches: Durch die Trockenheit der letzten Jahre
zeigt der Waldbestand des Friesheimer Busches ein rasant fortschreitendes Alteichen-Sterben. Auch
jüngere Altersklassen und weitere Baumarten sind hiervon betroffen. Neben dem Quartierverlust für
Fledermausarten, die Baumhöhlen bewohnen, ist auch mit einer starken strukturellen Veränderung
der Quartierhabitate zu rechnen. Zur Unterstützung der im Friesheimer Busch beheimateten
Wochenstuben-Populationen des Kleinen Abendseglers (Nyctalus leisleri) und des Braunen Langohres
(Plecotus auritus), wurde 2023 damit begonnen Fledermaus-Kastenreviere zu begründen. Das erste
Revier aus 30 Rundkästen und einem Winterkasten wurde vom LIONS-Club Erftstadt finanziert und die
Kästen an die Bäume angebracht. Die Gruppe sichert langfristig die Reinigung der Kästen und plant ein
weiteres Kastenrevier zu finanzieren. Im Spätsommer fand, ebenfalls durch den LIONS CLUB
unterstützt, die erste Kontrolle der Kästen statt. Erfreulicherweise konnten bereits in einem Kasten 14
Tiere der Kleinabendseglerkolonie nachgewiesen werden.
Weitere Kästen wurden durch zusätzliche Mittel des Kreises angeschafft und im Dezember ebenfalls
im Friesheimer Busch durch unser Landschaftspflegeteam aufgehangen. Die regelmäßige Reinigung
dieser Kästen sowie die Kontrolle aller Kästen auf Fledermausbesatz erfolgt zukünftig im Rahmen des
Arbeits- und Maßnahmenplans.
Etablierung eines Kastenreviers durch den LIONS CLUB Erftstadt.Seite 39 von 83
37
Kontrolle der Kästen auf Fledermausbesatz (links), Aufhängen des
Überwinterungskastens (rechts).
Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der
Schwerpunktgebiete im Rhein-Erft-Kreis
Im Rhein-Erft-Kreis wurden bislang 44 Naturschutzgebiete ausgewiesen (Stand 2024). Darüber hinaus
gibt es außerhalb der Schutzgebiete Flächen, wie Obstwiesen oder aufgelassene Kiesgruben, die für
den Artenschutz von herausragender Bedeutung sind. Die Tätigkeiten in Projekt 9 verteilen sich auf
Naturschutzgebiete oder naturschutzfachlich interessante Gebiete, in denen keine systematischen
Kontrollen durchgeführt werden können. Einen Überblick über diese Gebiete mit Kurzdarstellung der
in 2023 durchgeführten Arbeiten werden tabellarisch dargestellt (s.u.). Ausführlicher dargestellt
werden die regelmäßigen Kontrollen im NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg.
Tabellarische Darstellung der Tätigkeiten in verschiedenen Naturschutzgebieten.
Gebiet Tätigkeiten in 2023
FFH-Gebiet Kerpener Bruch und Parrig (328 ha) Begehungen mit Vertretenden des Rhein-Erft-
Kreises (Biotopbaumschutz bei
Verkehrssicherungsmaßnahmen).
FFH-Gebiet Dickbusch, Lörsfelder Busch,
Steinheide (448 ha)
Dickbusch, Lörsfelder Busch: Begehungen im
Rahmen des Gelbbauchunken- und
Springfroschmonitorings.
Erfassung autochthoner Gehölzbestände.
FFH-Gebiet Königsdorfer Forst
(329 ha)
Begehung mit allgemeiner Gebietskontrolle.
NSG Teilfläche des Nordhangs im Restfeld
Vereinigte Ville (2,4 ha)
Begehung mit Schäfer,
Grundstückseigner*innen, Vertretende der
Naturschutzverbände, Behördenvertrende und
Mitarbeitende der Forschungsstelle
Rekultivierung.Seite 40 von 83
38
Forts. Tabellarische Darstellung de r Tätigkeiten in verschiedenen Naturschutzgebieten.
NSG Ehemalige Kiesgrube bei Türnich (15 ha) Erfassung Brutvögel im Auftrag der UNB des
Rhein-Erft-Kreises. Fotodokumentation der
Entwicklung des Gebietes nach dem
Hochwasserereignis in 2021.
NSG Kiesgrube „Am Buchenhof“
(4,5 ha)
Begehung mit Kolleg*innen der Biologischen
Station Düren, Begutachtung durchgeführter
Pflegemaßnahmen.
NSG Brühler Schlosspark (48 ha) Begehung im Frühjahr 2023 mit Dokumentation
des Geophyten- und Frühblüherbestandes.
Mahd der kräuterreichen neu angelegten
Wiesen und Kräutersäume.
Ausstiegshilfen für Amphibien (Springbrunnen
Barockgarten).
Beratung BLB NRW (Anlage und Pflege von
Kräutereinsaaten in bestehendes Grünland).
NSG Entenfang Wesseling (16 ha) Gebietskontrolle. Entfernung unerwünschter
Gehölze im Grünlandbereich.
NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg (26 ha) Dokumentation des Wasserstandes,
Zustandskontrollen und Anleitung von
Pflegemaßnahmen. Weitere Erläuterungen s.u.
NSG Kernzone Erftaue
Gymnich (136 ha)
Gebietskontrolle. Brutvogelkartierung im
Übergangsbereich zum NSG Ehemalige
Kiesgrube Türnich.
NSG Kernzone Ommelstal (14 ha) Keine Begehungen in 2023.
NSG Am Schnorrenberg (9,4 ha)
Begehungen im Rahmen des Projektes
Erstellung von Managementpläne für 13
Naturschutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis.
NSG Wäldchen bei Gut Neuheim (7,16 ha)
NSG Fürstenbergmaar (19,77 ha)
NSG Forellenteich (6,96 ha)
NSG Binsenweiher (8,36 ha)
NSG Am Karauschenweiher (6,92 ha)
NSG Zwillings-See (8,49 ha)
NSG Ententeich (12,41 ha)
NSG Berggeistweiher (3,68 ha)
NSG Nordfeldweiher (22,69 ha)
NSG Orrer Wald, Große Laache (59,99 ha)
NSG Quellgebiet
Glessener Bach (19 ha)
NSG Rübenbusch (3 ha)
GLB Bliesheimer Hang Keine Begehungen in 2023.Seite 41 von 83
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Forts. Tabellarische Darstellung der Tät igkeiten in verschiedenen Naturschutzgebieten.
Kiesgruben außerhalb von Schutzgebieten Niederberg: Zielartenmonitoring Avifauna
(Turteltaube, Neuntöter) und Amphibien
(Kreuzkröte). Pflegemaßnahmen (Entfernung
Besenginster, Wurzelaustrieb Balsampappel,
Robinien). Planung und Anleitung der Arbeiten
zum Einsatz eines Forstmulchers.
Obstwiesen Schnittpflege und Ersatzpflanzungen (s.u.).
Sonstige schützenswerte Flächen (Gewässer,
Hohlwege, Rekultivierungsflächen, Brachen,
etc.)
Ortstermine, Begehungen und
Stichtagkontrollen in der Rekultivierung
Garzweiler, an den Klärteichen Elsdorf, am
Wiebachteich, verschiedene Artenschutzflächen
(Ausgleichsflächen).
Erosionsrinne des Hochwasserereignisses von 2021 am südlichen Rand des NSG
Ehemalige Kiesgrube Türnich (September 2023).
NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg
Im Jahr 2018 wurde von der Biologischen Station ein Maßnahmenkonzept für die Bedburger Klärteiche
erstellt. Schwerpunktaufgaben sollen neben der Beseitigung unerwünschter Gehölze, die
Besucherlenkung und vor allem die Regulierung der Wasserstände in den Klärteichen sein. Im Winter
2022/ 2023 wurden in begrenztem Umfang Pflegemaßnahmen durchgeführt (s. Jahresbericht 2022).
Im Dezember 2023 und Januar 2024 konnten mit zusätzlichen FÖNA-Mitteln des Rhein-Erft-Kreises
weitere Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, bei denen insbesondere stark durchgewachseneSeite 42 von 83
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Gehölze an den Gewässerrändern entfernt wurden. Bei der Pflege der Böschungen wurde die
Biologische Station dankenswerterweise von Mitarbeitenden des Erftverbands unterstützt. Bei einem
Feldversuch wurde die Möglichkeit getestet, eine Mulchraupe für die Pflege der Böschungen
einzusetzen. Die durchweg guten Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz dieses Gerätes in Zukunft eine
gute Ergänzung zur Bearbeitung mit Freischneider und Motorsäge sein kann. Es wurde mit der UNB
des Rhein-Erft-Kreises vereinbart, auch im Winter 2024/2025 über zusätzliche finanzielle Mittel die
notwendigen Pflegemaßnahmen fortzuführen.
Feldversuch mit einer Mulchraupe des Erftverbandes zur Pfl ege der Böschungen an den
Gewässerrändern.
Durch FÖNA-Mittel des Rhein-Erft-Kreises konnten im Winter 2023/ 2024 umfangreiche
ergänzende Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Ehemalige Klärteiche Bedburg
durchgeführt werden.Seite 43 von 83
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Hinsichtlich des geplanten Wassermanagements erfolgten 2023 weitere Beratungen mit der UNB des
Rhein-Erft-Kreises. Vermutlich können 2024 mit der Installation einer leistungsfähigen Pumpe die
Voraussetzungen für eine ausreichende Bespannung der Gewässer zwei bis vier geschaffen werden.
Um den Gehölzbewuchs zurückzudrängen und weiteren Bewuchs zu verhindern, ist von April bis
September eine ausreichende Bespannung der Gewässer notwendig.
Die Wasserbespannung der einzelnen Gewässer war 2023 trotz höherer Niederschläge vergleichsweise
schlecht. Zwischen März und September 2023 wurden nur geringe Unterschiede bei den
Wasserständen beobachtet. Erst ab November 2023 stiegen die Wasserstände deutlich an. Von den
großen Schlammflächen während des Vogelzuges im Herbst profitierten zahlreiche Limikolen. So
wurden erstaunlich hohe Individuenzahlen von Grünschenkel und Bekassine beobachtet.
Wasserbespannung von Gewässer 2 (oben, März 2023 unten August 2023).Seite 44 von 83
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Im Herbst profitierten Limikolen, wie Grünschenkel (oben) und Bekassine (unten) , von
den großen Schlammflächen und niedrigen Wasserständen der Gewässer im
Naturschutzgebiet Ehemalige Klärteiche Bedburg .Seite 45 von 83
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Streuobstwiesen
Auf den Streuobstwiesen in den Auen verschiedener Fließgewässer im Rhein-Erft-Kreis werden neben
Instandsetzungs- und Pflegearbeiten auch jährliche Kontrollen durchgeführt. Bei unserer
Obstpressaktion, die 2023 im Rahmen des Herbstfestes im Umweltzentrum Friesheimer Busch
stattfand, vermittelten wir das Thema Streuobstwiesenschutz der breiten Öffentlichkeit.
Beim Herbstfest im Umweltzentrum Friesheimer Busch wurde mit einem Infostand das
Thema „Streuobstwiesenschutz im Rhein -Erft-Kreis“ präsentiert.
Die Arbeiten im Streuobstwiesenschutz konnten wir auch 2023 dank der Förderung des LVR-Projektes
„Zukunftsperspektiven für Streuobstwiesen“ sowie mit zusätzlichen Mitteln des Rhein-Erft-Kreises für
Pflegearbeiten umfänglicher durchführen. Neben dem Obstbaumschnitt standen Kontrollen des
Zustandes von Altbäumen und Neuanpflanzungen sowie unser Angebot von Obstbaumschnittkursen
im Vordergrund. Im Rahmen des Projektes „Zukunftsperspektiven“ wurde die Suche nach alten Sorten
fortgeführt.
Ganz allgemein machen in den letzten Jahren verschiedene, z. T. sehr ansteckende Erkrankungen und
Befall mit Schädlingen vermehrt Probleme im Streuobst. In diesem Jahr hatten wir zum Beispiel erste
Ausfälle durch Diplodia mutila (Schwarzer Rindenbrand). Der Pilz war ursprünglich vor allem in
wärmeren Gebieten Europas verbreitet und tritt mittlerweile auch bei uns als Schwächeparasit v.a. in
trockenen Sommern auf. Ebenfalls stark zugenommen haben Schäden durch Käferfraß (Pracht- und
Splintholzkäfer). Da derartige Erkrankungen nicht nur einen einzelnen Baum sondern den gesamten
Bestand gefährden, sind regelmäßige Kontrollen und rasches Eingreifen zunehmend notwendig.Seite 46 von 83
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Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis
Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und
die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt bei Daten, die an das
LANUV übermittelt werden, in GISPAD. Im Rahmen anderer Projekte werden GIS-Darstellungen
inzwischen ausschließlich mit der Software QGIS erstellt und bearbeitet.
Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis
Die Biologische Station berät Landwirt*innen bei der Auswahl geeigneter Vertragsnaturschutz-
maßnahmen, begleitet die Antragsstellung bei der Unteren Naturschutzbehörde im Rhein-Erft-Kreis
und steht für fachliche Fragen bei der praktischen Umsetzung zur Verfügung.
In 2023 hat die neue GAP-Förderperiode (Gemeinsame Agrarpolitik) mit einer Laufzeit von fünf Jahren
bis 2027 begonnen. Wie schon im Übergangsjahr 2022, stellten die Neuerungen uns und vor allem die
Landwirt*innen vor einige Herausforderungen. Durch die GAP-Konditionalitäten-Verordnung
veränderten sich einige wichtige Rahmenbedingungen auch für den Vertragsnaturschutz. Die lange
Ungewissheit in der Auslegung einiger neuer Regelungen, Probleme bei der technischen Umsetzung
der Digitalisierung des Antragsverfahrens sowie die Rückläufe aus den neuen Kontrollverfahren haben
uns das ganze Jahr in der Beratung und Betreuung unserer Landwirt*innen und Flächen intensiv
gefordert.
Im Jahr 2023 konnten erstmals ausschließlich Neuanträge gestellt werden, Übergangsverträge mit
kürzerer Laufzeit, wie in den Vorjahren, waren nicht mehr möglich. Hier war eine gewisse Unsicherheit
seitens der Landwirt*innen zu spüren, da gleichzeitig das Thema Konditionalitäts-Brachen,
Anrechenbarkeit freiwilliger Maßnahmen, Verpflichtung zur Selbstbegrünung oder deren
Aussetzungen zugunsten der Nahrungsmittelproduktion auf Bundesebenen ungeklärt war. Einige
Landwirt*innen haben daher nur Teile ihrer bisherigen Vertragsnaturschutzflächen neu beantragt,
andere sind zunächst keine neuen Verpflichtungen über den Vertragsnaturschutz eingegangen.
Dennoch konnten 2023 mit 23 Landwirt*innen im Vertragsnaturschutz Verträge über rund 77 ha
Acker- und 22 ha Grünlandfläche abgeschlossen werden. Dies waren vornehmlich Landwirt*innen, die
bereits seit vielen Jahren am Vertragsnaturschutz teilnehmen.
Neu ist seit diesem Jahr auch, dass Landwirt*innen ihre Verträge elektronisch über das ELAN
(Elektronische Antragstellung für Landwirte) einreichen mussten. Hier leisteten wir in vielen Fällen
Unterstützung, da die technische Umsetzung und damit die Möglichkeit der fristgerechten Einreichung
der Anträge nicht problemlos verlief.
Insgesamt konnten die wichtigsten Flächen für den Artenschutz 2023 gesichert werden. Eine aktive
Akquise von Neulandwirt*innen haben wir auf Grund des Beratungsaufwandes in diesem Jahr nicht
betreiben können.
Zunächst sah es Ende des Jahres 2023 danach aus, dass die Landwirt*innen auch die Mehrzahl der
beantragten Flächen mit Beginn der Laufzeit 1.1.2024 umsetzen werden. Vor dem Hintergrund der
politischen Lage mit den erheblichen Protesten der Landwirtschaft ist allerdings unsicher, ob die
bewilligten Verträge im Frühjahr zur Auszahlung beantragt werden.Seite 47 von 83
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Große Probleme auf den Vertragsnaturschutzflächen ergaben sich in 2023 durch das starke
Aufkommen vor allem der Ackerkratzdistel (Cirsium arvense). Vor allem auf älteren Vertragsflächen
zeigten sich teils große Aufkommen. Dort wo Brutvorkommen von Feldvögeln ausgeschlossen werden
konnten, wurden mit den Landwirt*innen nach Vorortterminen mit unserer Unterstützung bei der
Bewilligungsbehörde das Schröpfen der Flächen auf ca. 40 cm Stoppelhöhe beantragt. Durch die neuen
Restriktionen der GAP-Konditionalitätenverordnung dürfen die neuen Vertragsflächen allerdings nicht
mehr wie noch zur vorherigen Förderperiode nach Erteilung einer Ausnahmegenehmigung frühzeitig
geschröpft werden. Hierfür öffnen sich zukünftig Bearbeitungsfenster erst ab dem 01.07. bzw. dem
15.08. Dies sind Zeiträume die zur Reduktion des Distelsamenfluges deutlich zu spät liegen. Hier
erhoffen wir uns zukünftige eine Änderung der Verordnung, da ansonsten die Akzeptanz und
Bereitschaft Blühbrachen anzulegen seitens der Landwirt*innen deutlich sinken wird.
Bei der Beratung der Landwirt*innen wurden wir auch in diesem Jahr wieder von den Biodiversitäts-
berater*innen der Landwirtschaftskammer unterstützt und freuen uns, dass diese Kooperation auch
weiterhin gefördert und aufrecht gehalten wird. Auch in diesem Jahr erfolgte die Beratung der
Landwirt*innen, die in mehreren Kreisen (Düren, Euskirchen, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis-Neuss) ihre
Betriebsflächen haben, gemeinschaftlich mit den Kolleg*innen der anderen Biostationen, was bei den
betroffenen Landwirt*innen auf große Akzeptanz stößt.
Infotreffen und Öffentlichkeitsarbeit
Im November dieses Jahres ist unser durch die Deutsche Postcode Lotterie gefördertes Projekt
„Blühende Meilen zwischen Inseln der Vielfalt“ ausgelaufen. Potentielle Vertragsnaturschutz-
Landwirt*innen erhielten im Projekt eine Einstiegsförderung, um Maßnahmen zu erproben oder
Flächen für die nächste Beantragungsphase im Vertragsnaturschutz zu sichern. Ziel hierbei war es
Flächen zu gewinnen, die zur Vernetzung von Insektenlebensräumen in der Ackerbaulandschaft
beitragen. Durch das Projekt konnten wir 13,5 ha für ein bis drei Jahre als Blühflächen sichern.
Weiterhin konnten wir bei einer Fahrradexkursion und einer Wintervogelerfassung mit Bürger*innen
Flächen besuchen und deren Nutzen für den Artenschutz zeigen.
Am 27.09.2023 fand wieder ein Landwirt*innen-Treffen an der Gymnicher Mühle statt. Die
Veranstaltung wurde gemeinsam von den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung und der Biologischen
Station organisiert. Es bietet den Landwirt*innen e

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Datenstand: 02.11.2026, 22:39 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de