241908 · Anregungen und Beschwerden
Bürgerantrag: Errichtung eines Denkmals für den Unbekannten Deserteur auf dem Friedensplatz
Kerndaten
- Nummer
- 241908
- Art
- Anregungen und Beschwerden
- Veröffentlicht
- 24.10.2024
- Letzte Änderung
- 17.09.2026
Stand im Verfahren i
- Einreichung
- Terminierung
- Sitzung
Soweit erfasst. Das Ergebnis der Beratung ist in den Daten nicht enthalten. Das vollständige Verfahren →
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Entscheidung federführend
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Verwandte Vorlagen
Untergeordnet
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (6.943 Zeichen)
Anregungen und Beschwerden öffentlich 241908 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-1: Dezernats- und Verwaltungssteue- rung Dezernat: Dez. OB 22.10.2024 Bürgerantrag: Errichtung eines Denkmals für den Unbekannten Deserteur auf dem Friedensplatz Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 10.12.2024 Entscheidung Inhalt der Anregungen und Beschwerden Der Antrag lautet: Es wird beantragt: Der Rat der Stadt Bonn möge beschließen: Auf dem Friedensplatz wird ein „Denkmal für den Unbekannten Deserteur“ er- richtet. Dazu wird ein öffentlicher Ausschreibungs- und Ideenwettbewerb einge- leitet. Einzelheiten zur Begründung ergeben sich aus dem beigefügten Bürgerantrag. Anlage/n 1 Bürgerantrag - komplett (nichtöffentlich) 2 Bürgerantrag (öffentlich)Seite 1 von 4 Betreff Bürgerantrag "Errichtung eines Denkmals für den Unbekannten Deserteur auf dem Friedensplatz" Ihr Antrag Antrag an den Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger des Rates der Stadt Bonn Es wird beantragt: Der Rat der Stadt Bonn möge beschließen: Auf dem Friedensplatz wird ein „Denkmal für den Unbekannten Deserteur“ errichtet. Dazu wird ein öffentlicher Ausschreibungs- und Ideenwettbewerb eingeleitet. Erstellt mit MACH formsolutions Artikel-Nr.: KFAS_01_002Seite 2 von 4 Begründung des Antrags Es ist an der Zeit, die Bedeutung des Friedensplatzes für das friedenspolitische Engagement der Stadtgesellschaft aufzuwerten. Durch die Inbetriebnahme des Labyrinthbrunnens 1989 erhielt der Platz seine heutige Gestalt, diese soll durch die Errichtung eines „Denkmals für den unbekannten Deserteurs“ erweitert werden. Der Friedensplatz ist in mehrfacher Hinsicht ein geschichtsträchtiger Ort von großer Bedeutung für die Bundesstadt Bonn als UN-Stadt und Stadt der „Mayors-for-Peace“ (Internationale Organisation von Bürgermeister*innen für atomare Abrüstung). Der Platz hieß in der Zeit des Nationalsozialismus bis zur Befreiung Bonns von der NS-Gewaltherrschaft – dies war bereits im März 1945 – Adolf-Hitler-Platz. Es war eine der ersten Amtshandlungen der Besatzungsmacht, das entsprechende Straßenschild zu beseitigen. Der Stadtrat hat dann im selben Jahr dem Platz seinen alten Namen FRIEDENSPLATZ zurückgegeben. Der Friedensplatz ist heute ein wichtiger Versammlungsort für Auftakt- und Schlusskundgebungen lokaler Gruppen und Initiativen z.B. im Rahmen der Ostermärsche, des Anti-Kriegstages bzw. anderer Mahnwachen und Demonstrationen wie anlässlich der im Stadtrat verhandelten (und beschlossenen) Bürgeranträge zum ICAN- Städteappell und zur Umbenennung von Hindenburgplatz und Hindenburgallee. Der vorliegende Antrag knüpft an die Ereignisse um den Friedensplatz am Anti-Kriegstag (1.9.) 1989 an, als der Friedensplatz für wenige Stunden Standort des von Mehmet Aksoy geschaffenen „Denkmal(s) des Unbekannten Deserteurs“ war und dort anlässlich des 50. Jahrestages des Überfalls des NS-Regimes auf Polen am 1. September 1939 an den von Nazi-Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieg erinnert wurde. Dieser zwei Meter hohe Marmorblock mit einer menschlichen Silhouette als Durchbruch steht seit dem 2.9.1990 auf dem Platz der Einheit in Bonns Partnerstadt Potsdam. Auch das künftige Denkmal/Mahnmal soll an alle Wehrmachtssoldaten erinnern, die während des Zweiten Weltkriegs gegen den Kriegsdienst und die faschistische NS-Terrorherrschaft Widerstand leisteten, desertierten und oftmals zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Schätzungsweise 30.000 „Fahnenflüchtige“ und „Wehrkraftzersetzer“ wurden von der NS-Militärjustiz zum Tode verurteilt, etwa 20.000 hingerichtet. Tausende kamen in Konzentrationslagern oder Strafbataillonen um. Sie wurden noch nach dem Krieg jahrzehntelang von weiten Teilen der Bevölkerung und politisch Verantwortlichen als „Feiglinge“ und „Volksverräter“ diffamiert. Das Denkmal soll den Mut und die Standhaftigkeit dieser Deserteure und Widerstandskämpfer symbolisieren. Bonn tut sich bisher schwer mit „seinen“ Deserteuren, den aus Bonn stammenden Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg Fahnenflucht begangen haben; es ist bisher nur einiges erforscht und recherchiert worden.: für Helmut Hengstler z.B. gibt es vor seinem noch existierenden Wohnhaus einen sog. Stolperstein (Berta-Lungstras- Straße 35), die Einrichtung „Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn“ erinnert auf drei Tafeln außer an Helmut Hengstler auch an Michael Jovy und Lothar Schmitz. Es ist an der Zeit, auch die mehr als 20 bisher bekannten weiteren Deserteure aus Bonn angemessen zu würdigen, die auf diese Weise ihr klares NEIN gegen den Krieg zum Ausdruck gebracht haben. Der Friedensplatz ist der geeignete Ort, sowohl an die Deserteure aus Bonn als auch an alle Deserteure der Wehrmacht ehrend zu erinnern. Bonn leistet mit der Errichtung eines Deserteurs-Denkmals einen weiteren wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur: -Jährlich wird am 10. Mai vor dem Alten Rathaus am Erinnerungsmal Bücherverbrennung an die Verbrennung von Büchern während der NS-Gewaltherrschaft verfemter Autoren erinnert. -Am 6.8. wird am Hiroshima-Mahnmal in Beuel der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (6. und 9.8.1945) gedacht. -Am 9.11. wird an unterschiedlichen Orten (Synagogenplatz in Beuel, Synagogenmahnmal am Moses-Hess-Ufer in Nähe der Innenstadt) der Opfer der Pogromnacht (9./10.11. 1933) gedacht. Zum Anti-Kriegstag (1.9.) könnte künftig der Friedensplatz als traditioneller Kundgebungsort mit einem Deserteurs-Denkmal auch zu einem Gedenk- und Erinnerungsort für diese erst 2002 posthum rehabilitierten Menschen werden. Das neue Deserteursdenkmal soll in den "Weg der Demokratie" integriert und gestalterisch mit einer entsprechenden großen Text-/Bildtafel wie an den anderen Stationen des Weges ergänzt werden. Die Tafel sollte sich sowohl auf die Geschichte des Friedensplatzes als auch auf das Deserteursdenkmal beziehen. Die Tafel sollte auch ein Foto des Friedensplatzes als "Adolf-Hitler-Platz" zeigen, um an die Zeit des Nationalsozialismus zu erinnern. Zahlreiche weitere Städte in Deutschland haben bereits ein Deserteursdenkmal errichtet: z.B. Bremen (1983), Potsdam (1990), Erfurt (1995), Bernau (1998), Köln (2009), Flensburg (2014), Darmstadt (2014 bzw. 2018). Erstellt mit MACH formsolutions Artikel-Nr.: KFAS_01_002Seite 3 von 4 Bürgerschaftliches Engagement hat auch dort der gesellschaftlichen und friedenspolitischen Debatte neue Dynamik verliehen. Die Antragsteller sind sich bewusst, dass ein solches neues Denkmal mit Kosten verbunden ist, die nicht nur aus dem städtischen Haushalt zu tragen sind. Die Antragstellerinnen und Antragsteller verpflichten sich daher, Spenden von Bürgerinnen und Bürgern für das Denkmal zu sammeln. Ziel sollte eine etwa hälftige Finanzierung durch Stadt und Bürgerinnen und Bürgern sein. Hiermit bestätige ich, dass ich seit mindestens drei Monaten in Bonn wohne. Erstellt mit MACH formsolutions Artikel-Nr.: KFAS_01_002Seite 4 von 4
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 22:50 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de