241904 · Beschlussvorlage
Klimaviertel Medinghoven
Kerndaten
- Nummer
- 241904
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 08.11.2024
- Letzte Änderung
- 03.11.2026
Orte
- Kottenforst Hauptort
- Am Hang
- Stresemannstraße
- Alt-Godesberg
- Duisdorf
- Hardtberg
- Beuel
- Bonn
- Medinghoven
Beratungsfolge
- Sitzung des Beirates Kinder- und Jugendbeteiligung Empfehlung
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Empfehlung
- Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 241904 Die OberbürgermeisterinDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung Dezernat: Dez. OB Klimaviertel Medinghoven Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 26.11.2024 Entscheidung Bezirksvertretung Hardtberg 26.11.2024 Empfehlung Beirat Kinder- und Jugendbeteiligung 29.11.2024 Empfehlung Beirat Bürgerbeteiligung 06.12.2024 Empfehlung Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 10.12.2024 Empfehlung Beschlussvorschlag 1. Dem Konzept für das Klimaviertel Medinghoven wird zugestimmt. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Kooperation mit dem Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. als Koordinationsstelle des zivilgesellschaftlichen Konsortiums zur Durchführung des Klimaviertels Medinghovens zu schließen. 3. Die Verwaltung wird beauftragt, geeignete Räumlichkeiten für das Mitmachzentrum zu finden und bis zu einer Warmmiete von maximal 2.000 € pro Monat anzumieten. Begründung Die Verwaltung hat mit der Beschlussvorlage „Mitwirkungsformate auf dem Weg zur Klimaneutralität: Klimaviertel und Zukunftsforen“ (DS 240301) ein Konzept für die im Klimaplan beschlossenen Klimaviertel vorgelegt. Es soll 2024 in jedem Bezirk ein Klimaviertel eingerichtet werden. Das Umsetzungskonzept für ein Klimaviertel Medinghoven konkretisiert das Konzept der Klimaviertel für den Stadtbezirk Hardtberg und stellt den beschlossenen Klimavierteln Godesberg Nord (DS 240304) mit dem Fokus auf gesellschaftliche Vielfalt und Beuel Mitte (DS 240303) mit dem Fokus auf Kultur und engagierte Zivilgesellschaft, ein jugend- und teilhabeorientiertes Konzept zur Seite. Eine ausführliche Analyse des für die Einrichtung eines Klimaviertels im Bezirk Hardtberg vorgeschlagenen Quartiers sowie das Umsetzungskonzept für das Klimaviertel Medinghoven sind im Anhang zu finden. Die Kosten für Miete und Betrieb des Mitmachzentrums können aus den für dasSeite 1 von 9 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Klimaviertel Medinghoven zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden. Nach Prüfung der Kosten von Referenzobjekten vor Ort werden dafür jährlich bis zu 24.000 EUR veranschlagt. Die Immobilie soll zunächst bis Ende 2026 gemietet werden, mit der Option einer Verlängerung bei erfolgreichem Aufbau des Klimaviertels. Anlage/n 1 Konzept Klimaviertel Medinghoven (öffentlich)Seite 2 von 9 1 Klimaviertel Medinghoven Ein Ort für Engagement und Unterstützung – Familien, Kinder und Jugendgliche gestalten die Zukunft Das Umsetzungskonzept für ein Klimaviertel Medinghoven konkretisiert das Konzept der Klimaviertel (DS 240301) für den Stadtbezirk Hardtberg und stellt den beschlossenen Klimavierteln Godesberg Nord (DS 240304) mit dem Fokus auf gesellschaftlicher Vielfalt und Beuel Mitte (DS 240303) mit dem Fokus auf Kultur und engagierter Zivilgesellschaft, ein jugend- und teilhabeorientiertes Konzept zur Seite. In Medinghoven leben viele Menschen mit begrenzten Teilhabemöglichkeiten, darunter zahlreiche Kinder und Familien. Um den Auswirkungen der Klimakrise auch in einem sozio- ökonomisch benachteiligten Viertel entgegenzuwirken, setzt das Klimaviertel einen Schwerpunkt auf Teilhabe, Chancengleichheit und soziale Stabilität, um die gesellschaftliche Resilienz zu stärken. Begegnungsorte sollen zur Förderung des sozialen Miteinanders sowie zur Stärkung der sozialen Akzeptanz zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen beitragen und die aktive Mitgestaltung der Lebensumgebung auch denjenigen ermöglichen, die sich bisher weniger einbringen konnten. Das Quartier: Statistischer Bezirk: Medinghoven (493) Lage: am Stadtrand im Westen des Stadtbezirks Einwohner*innen: 4.479 (31.12.2022) Fläche 1,5 km² 1. Lebenslagen und soziale Struktur in Medinghoven 1.1. Stadtteilstruktur Medinghoven, in den 1970er-Jahren als Wohnsiedlung für Bundesbedienstete errichtet, liegt im Westen des Stadtbezirks Hardtberg, am Hang des Kottenforstes. Der Stadtteil gliedert sich in drei sozial und städtebaulich unterschiedliche Bereiche, die durch Verkehrsinfrastruktur geografisch getrennt sind. Während in den Randbereichen Einfamilienhäuser dominieren, prägt mehrgeschossige Wohnbebauung aus den 1970er-Jahren die Kernsiedlung. Die ehemals bedarfsdeckende Ladenzeile steht weitgehend leer und die Nahversorgung erfolgt größtenteils in Duisdorf. Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die seit vielen Jahren ansässige Apotheke. Trotz zahlreicher Grünflächen fehlen Begegnungsorte und Treffpunkte für die Nachbarschaft und insbesondere Jugendliche.Seite 3 von 9 2 1.2 Bevölkerungsprofil Der statistische Bezirk Medinghoven hat sich seit der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin stark verändert. Der Stadtteil ist heute von überdurchschnittlicher Armut betroffen: 28,2 % der Bewohner*innen leben in Bedarfsgemeinschaften (vgl. Bezirk Hardtberg: 12,0 %; Gesamtstadt Bonn: 9,3 %), und die Arbeitslosenquote liegt bei 17,6 % (Hardtberg: 8,5 %; Bonn: 6,6 %). Zudem ist der Anteil an Menschen ohne deutschen Pass (32,6 %) höher als in den Bezirken Hardtberg (20,3 %) und Bonn (19,2 %). Diese und weitere Merkmale begründen den sehr niedrigen Teilhabeindex in Medinghoven von 24,3 (Hardtberg: 53,2; Bonn: 60,6)1. Eine weitere Besonderheit und zugleich eine wichtige Ressource Medinghovens ist seine junge Bevölkerung – 25,8 % sind unter 18 Jahre alt (Hardtberg: 17,2% Bonn: 16,7%). 1.3 Soziale Infrastruktur: Bildung, Betreuung und Beratungsangebote Der Ortsteil Medinghoven verfügt über eine soziale Infrastruktur, einschließlich vier Schulen (Städtische Gemeinschaftsgrundschule Medinghoven, Margot-Barnard-Realschule, Königin- Juliana-Schule, Derletalschule – die beiden letzteren sind Förderschulen), mehreren Kindertageseinrichtungen (z. B. Kindergarten „Die Burgkinder“, Kita Wunderland mit Familienzentrum in der Stresemannstraße und ein weiteres Familienzentrum in städtischer Trägerschaft) sowie einer Kindertagespflege. Drei Einrichtungen werden als plusKita2 gefördert. Die Stadt Bonn gewährleistet Schulsozialarbeit und offene Ganztagsbetreuung an der Grundschule. Das Stadtteilbüro des Diakonischen Werkes Bonn fungiert seit 2004 als zentrale Anlaufstelle für soziale Notlagen sowie für Begegnung und Teilhabe und bietet u. a. Beratungsdienste, Schuldner- und Sozialberatung sowie Bildungsangebote an. Weitere Beratungsangebote umfassen Erziehungsberatung, Familienhilfen (Stadt Bonn) und den Jugendmigrationsdienst (Heimstatt e.V. Bonn). Die Kinder- und Jugendarbeit wird durch Angebote im Spielhaus (Stadt Bonn) und im Martin-Bucer-Haus (Evangelische Jugendhilfe) sowie im Jugendzentrum St. Martin gefördert. Die Vernetzung der Kinder- und Jugendhilfe erfolgt über den Stadtteil-Arbeitskreis Medinghoven. Konfessionelle Angebote sind durch ökumenische Kooperationen und die Mormonengemeinde vertreten. Die evangelische Kirchengemeinde Hardtberg ist unter anderem in der Begegnungs- und Jugendarbeit in den Räumlichkeiten „DIE WOHNUNG“ tätig. Sportvereine (1. FC Hardtberg, TSG Bonn, TC Blau- Weiß Duisdorf) bieten Freizeitmöglichkeiten, während kulturelle Angebote im Stadtteil begrenzt und vorwiegend in Duisdorf zu finden sind. 2. Kriterien und Gründe für den Vorschlag Medinghovens als Klimaviertel 2.1 Heterogenität der Klimaviertel Die Klimaviertel sollen sich durch eigenständige, auf die Bedarfe vor Ort abgestimmte Konzepte klar voneinander abgrenzen. Die ersten vier Klimaviertel dienen als Modellprojekte mit der Möglichkeit, auf weitere Quartiere ausgeweitet zu werden. Zu diesem frühen 1 Vgl. Bonn – soziale Probleme auf den zweiten Blick. Sozialbericht zur Lage der Stadt Bonn 2020.Caritasverband für die Stadt Bonn e.V. und Diakonisches Werk Bonn und Region – gemeinnützige GmbH. Bonn 2020. S. 28. 2 Um für alle Kinder gerechte Bildungschancen von Anfang zu ermöglichen, erhalten Kindertageseinrichtungen, die in ihrem Umfeld einen hohen Anteil Familien mit erschwerten Startbedingungen haben, eine zusätzliche Förderung.Seite 4 von 9 3 Zeitpunkt ist daher die Heterogenität der einzelnen Viertel entscheidend, um eine Vielfalt an Lösungsansätzen zu erproben und stadtweit anbieten zu können. Im Vergleich zu den bereits beschlossenen Klimavierteln Godesberg Nord und Beuel Mitte hat Medinghoven einen höheren Anteil an Grünflächen, was unter anderem auf die Lage am Hang des Kottenforsts zurückzuführen ist. Die demografische Zusammensetzung des Viertels zeichnet sich durch eine junge Bevölkerung aus, gepaart mit einem niedrigen sozialen Teilhabeindex und einem relativ hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, auch wenn dieser nicht das Niveau von Godesberg Nord erreicht. Diese Eigenschaften unterscheiden Medinghoven deutlich von den anderen Klimavierteln (siehe dazu die u.s. Grafik). Abbildung: Heterogenität der Klimaviertel, Werte jeweils relativ zur Gesamtstadt (rote Markierung). Datenquelle: Strukturdatenatlas 2023, Teilhabeindex 2020. 2.2. Bedeutung der Teilhabe von Menschen mit begrenzten Ressourcen im Transformationsprozess zur Klimaneutralität Warum ist es wichtig, Menschen in sozial schwierigen Lagen und mit geringem Einkommen aktiv in den Klimawandel-Transformationsprozess einzubeziehen, obwohl sie oft mit existenziellen Herausforderungen zu kämpfen haben und geringere CO₂-Abdrücke haben? Die Einbindung dieser Gruppen ist entscheidend, um …Seite 5 von 9 4 Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu fördern: Menschen mit niedrigem Einkommen sind oft stärker von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen. Es ist wichtig, den Menschen Zugang zu klimaangepassten, nachhalten Räumen und Maßnahmen zu ermöglichen. Dazu beitragen können zum Beispiel kleine Begrünungsprojekte wie PikoParks3 oder innovative Nutzungen des öffentlichen Raums wie temporäre Spielstraßen. Gleichzeitig ist es bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen von zentraler Bedeutung, die begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen der Betroffenen zu berücksichtigen. Hier besteht die Notwendigkeit, Einsparmöglichkeiten mit Klimaschutzanforderungen zu verknüpfen. Ein Beispiel hierfür können RepairCafés und Sharing-Modelle sein, die sowohl zur Ressourcenschonung als auch zur finanziellen Entlastung der Menschen beitragen. Ungleichheiten zu vermeiden: Steigende (Energie-)Kosten stellen eine aktuelle Belastung für viele Menschen mit niedrigem Einkommen dar. Inklusive Planung und Beratung (z.B. durch die Bonner Energie Agentur und der Verbraucherzentrale NRW e.V.) hilft, diese zu reduzieren und zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen zu bieten. Soziale Akzeptanz zu stärken: Die Einbindung der Menschen vor Ort fördert die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen und mindert Konflikte, z.B. durch den verstärkten Austausch bei Gemeinschaftsaktionen wie Stadtteilfesten. Lokales Wissen zu nutzen: Kern des Klimaviertel-Konzepts ist, die Erfahrungen der Menschen für die gemeinsame Entwicklung praxisnaher Lösungen zu nutzen, z.B. durch Zukunftswerkstätten und Dialogformate. 3. Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung eines Klimaviertels Medinghoven Für die erfolgreiche Realisierung des Klimaviertels in Medinghoven und die Einbindung aller Bürger*innen sind folgende Voraussetzungen entscheidend: Systemische Einbindung von Kindern und Jugendlichen: Die aktive Beteiligung gerade auch dieser Zielgruppen erfordert zwingend die Einbeziehung ihrer Familien und des sozialen Umfelds, um eine ganzheitliche Betrachtung sicherzustellen. Dadurch werden sowohl individuelle als auch gemeinschaftliche Bedürfnisse adressiert und nachhaltige Entwicklungsprozesse gefördert. Stabilität und Kontinuität: Ein fester Anlaufpunkt und Begegnungsort im Quartier ist notwendig, um allen Bewohner*innen Stabilität und Austauschmöglichkeiten zu bieten. Brückenpersonen und Beziehungsarbeit sind essenziell, um nachhaltige Strukturen und Projekte zu etablieren. Partizipation und Mitbestimmung: Die aktive Einbindung der Anwohner*innen in die Quartiersgestaltung ist für den Erfolg unerlässlich. Niederschwellige Beteiligungsformate und eine adressatengerechte Kommunikation sind notwendig. Dies umfasst insbesondere die 3 In Zusammenarbeit mit Wohnungsunternehmen entstehen im Quartier naturnahe, kleine Parkanlagen, sogenannte „PikoParks“. Diese nachhaltig gestalteten Grünflächen wurden im Rahmen des Modellprojekts „Treffpunkt Vielfalt – PikoPark“ entwickelt und erprobt. PikoParks dienen als Begegnungsorte für Menschen und Natur und leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt, Klimaanpassung und Gesundheit. Vgl. https://pikopark.de 16.10.2024.Seite 6 von 9 5 Verwendung von einfacher Sprache und Übersetzungsangebote für Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Angebote müssen regelmäßig angepasst werden, um die Bedürfnisse der Bewohner*innen zu berücksichtigen und Akzeptanz und Wirksamkeit zu sichern. Belebung des öffentlichen Raums: Öffentliche Flächen müssen attraktiv und nutzbar sein. Partizipative Ansätze und flexible Teilnahmeoptionen ermöglichen den Menschen die eigenständige Gestaltung des Quartiers. Förderung von Gemeinschaft und sozialer Vernetzung: Ein starkes Gemeinschaftsgefühl ist essenziell für ein nachhaltiges Klimaviertel. Bestehende Strukturen sollen ausgebaut und Synergien mit relevanten Akteur*innen (wie beispielsweise der Offenen Tür) genutzt werden.4 Positives Image und hohe Aufenthaltsqualität: Medinghoven soll als lebenswertes Quartier „jetzt und in Zukunft“ wahrgenommen werden. Maßnahmen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und die Schaffung vielfältiger Begegnungsräume sind notwendig. Berücksichtigung materieller Voraussetzungen: Alle Maßnahmen müssen an die sozialen und wirtschaftlichen Lebensumstände der Bewohner*innen angepasst sein. Projekte wie Tauschbörsen können materielle Ressourcen nachhaltig nutzen und den Zusammenhalt stärken. Diese Grundsätze sind wegweisend für die Umsetzung eines Klimaviertels in Medinghoven und gewährleisten, dass die Maßnahmen effektiv, inklusiv und nachhaltig gestaltet werden. 4. Erste Schritte zur Umsetzung des Klimaviertels: Ansätze und Maßnahmen In Medinghoven wird ein Mitmachzentrum als zentrale Anlaufstelle für Aktivitäten und Projekte eingerichtet. Dieses Zentrum soll auch als Begegnungsort für die Anwohner*innen fungieren. Die Verwaltung prüft aktuell intensiv die Anmietung geeigneter Räumlichkeiten, wobei vorrangig leerstehende Flächen in der Ladenzeile in Betracht gezogen werden. Falls diese Option nicht realisierbar ist, werden alternative Standorte identifiziert und angemietet. Die Räumlichkeiten sind zudem für weitere Angebote und Akteur*innen im Viertel, wie die Gemeinwesenarbeit, zu nutzen. Eine enge Zusammenarbeit mit den vor Ort aktiven sozialen Einrichtungen und Trägern, Akteur*innen sowie Wohnbaugesellschaften wie Vonovia und LEG wird angestrebt. In der Konzeption haben bereits vielfältige Gespräche stattgefunden. Diese sollen in Form eines Runden Tisches unter Einbeziehung der Anwohner*innen verstetigt werden, um die Entwicklung des Klimaviertels kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln. So soll ein stabiles Netzwerk entstehen, in dem verschiedene Perspektiven berücksichtigt und bestehende Strukturen verknüpft und gestärkt werden. 4 Die Gemeinwesenarbeit der Diakonie ist beispielsweise ein wichtiger Bestandteil in Medinghoven und übernimmt Aufgaben, die das Klimaviertel nicht ersetzen kann. Beide Bereiche verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich auf wertvolle Weise. Durch eine gute Zusammenarbeit können sie voneinander profitieren, ohne sich gegenseitig einzuschränken oder zu überschneiden. Eine enge Abstimmung ist entscheidend, um Doppelstrukturen zu vermeiden und die jeweiligen Stärken optimal einzubringen.Seite 7 von 9 6 In der ersten Phase des Klimaviertels steht die Gemeinschaftsbildung im Vordergrund. Ziel ist es, das Mitmachzentrum als Anlaufstelle und Begegnungsort bekannt zu machen und die sozialen Dynamiken im Stadtteil zu erfassen. Geplant sind zunächst niederschwellige Angebote, die den Bedürfnissen der Bewohner*innen entsprechen. Mögliche Maßnahmen sind ein Auftaktfest, temporäre Spielstraßen und gemeinschaftliches, interkulturelles Kochen mit Austausch zu Ideen für nachhaltigen Zukunft Medinghovens. Zudem wird die Einrichtung eines zeitweiligen Cafés im Mitmachzentrum angestrebt, um einen Treffpunkt für Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Ein akutes Problem in Medinghoven ist die Müllentsorgung. Daher sind in der Anfangsphase Maßnahmen zur Verbesserung der Mülltrennung und -entsorgung zu planen, wobei auch die Angebote zur Umweltbildung von Bonn Orange genutzt werden können. Des Weiteren ist angedacht, Innenhöfe in Abstimmung mit den Wohnungsbaugesellschaften sowie temporär nutzbare Parkplätze für Begegnungs- und Freizeitaktivitäten zu erschließen. Die umliegende Natur, insbesondere der Kottenforst, soll in die Aktivitäten integriert und für die Menschen vor Ort erfahrbar gemacht werden. Nach der ersten Phase mit vertrauensbildenden Aktivitäten und intensiver Beziehungsarbeit ist das Ziel, gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen sowie Familien vor Ort Themen, Aktivitäten und Projekte zu entwickeln. Mögliche Initiativen sind ein plastikfreies Picknick und die Aufwertung und Renovierung öffentlicher Plätze. Ziel ist es, dass die Bewohner*innen aller Altersgruppen gemeinsam Ideen und Projekte für ihr Lebensumfeld entwickeln, sich für ein lebenswertes Medinghoven engagieren und sich mit Fragen der Klimaveränderung durch niederschwellige Angebote und adressatengerechte Ansprache auseinandersetzen. Zudem sollen sie die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse im Kontext des Klimawandels zu artikulieren. Über das Klimaviertel sollen Brücken zu den Wohnungsbaugesellschaften, in die Verwaltung und zu politischen Vertreter*innen gestärkt werden, um Anregungen und Wünsche zur Veränderung einzubringen. Wie in allen Klimavierteln wird auch in Medinghoven ein zentrales Beteiligungsformat das Zukunftsforum sein. Seine Ausgestaltung wird im ersten Jahr gemeinsam mit den Engagierten vor Ort entwickelt. Zusätzliche Maßnahmen, Projekte und Methoden können umfassen: Unterstützung der Initiative „Jedem Kind ein Fahrrad“ an der Grundschule Medinghoven sowie des Frauen-Fahrrad-Projekts durch die Schulsozialarbeit durch Bereitstellung von personelle Ressourcen und Räumen für Fahrradreparatur. Hier ist ein gemeinsames Gespräch mit den Wohnungsbaugesellschaften erforderlich, um Lösungen zu finden, da es oft an sicheren Abstellmöglichkeiten für Fahrräder mangelt. Gestaltung eines grünen Klassenzimmers auf dem stark versiegelten Schulhof der Grundschule in Zusammenarbeit mit den Kindern. Einrichtung gemeinsamer Kräuter- und Gemüsebeete. Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb des Klimaviertels durch Streetwork-Beteiligung, partizipative Spaziergänge und Haustürgespräche. Schüler*innenprogramme wie die Ausbildung von „Green Event Managern“. Durchführung von Umwelt-Thementagen mit mobilen Kulturangeboten. Organisation von Kleidertauschpartys.Seite 8 von 9 7 Einrichtung eines RepairCafés. 5. Struktur und Trägerschaft des Klimaviertels Medinghoven Wie im Gesamtkonzept der Klimaviertel (DS 240301) erläutert, sollen alle Klimaviertel zivilgesellschaftlich getragen werden. Dabei übernimmt eine Trägerorganisation die Koordination, den Betrieb des Mitmachzentrums und den Kontakt zur Verwaltung. Daneben bringen sich Partnerorganisationen entsprechend ihrer Möglichkeiten ein. Nach intensiven Gesprächen mit den ansässigen Akteuren schlägt die Verwaltung vor, das Bonner Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. mit der Trägerschaft des Klimaviertels Medinghoven zu betrauen. Das BIM verfügt über umfassende Expertise in der Förderung von interkultureller Kultur- und Netzwerkarbeit in Bonn. Ihr Ansatz „Begegnungsorte für Teilhabe“ und die Zusammenarbeit mit gesellschafts- und kulturpolitischen Einrichtungen gewährleisten eine partizipative und diskriminierungssensible Umsetzung der Projekte. Der Verein zeichnet sich durch ressourcenschonende Konzepte aus, die eine nachhaltige Kultur- und Quartiersarbeit sicherstellen. Das BIM steht für eine pluralistische Gesellschaftsvision, in der kulturelle Vielfalt als Bereicherung betrachtet und aktiv gefördert wird. Die Ziele des Trägers decken sich mit den Anforderungen des Klimaviertels, indem sie die aktive Einbindung der Bewohnerschaft in die Gestaltung eines lebenswerten und klimafreundlichen Medinghovens fördern. (Vgl. https://migrapolis.de/bim- e-v.de 16. Oktober 2024). Neben dem BIM konnte die Diakonie als starker Partner für die Unterstützung des Klimaviertels vor Ort gewonnen werden. Mit ihrer langjährigen Gemeinwesenarbeit verfügt sie über eine tiefe Verwurzelung im Quartier und detaillierte Kenntnisse der Bedarfe und Akteure in Medinghoven.Seite 9 von 9
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