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241904 · Beschlussvorlage

Klimaviertel Medinghoven

Nummer
241904
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
08.11.2024
Letzte Änderung
03.11.2026
  • Kottenforst siedlung· Röttgen, Bonn Hauptort
  • Am Hang Straße· Holzlar, Beuel
  • Stresemannstraße Straße· Brüser Berg, Hardtberg
  • Alt-Godesberg Ortsteil· Bad Godesberg
  • Duisdorf Ortsteil· Hardtberg
  • Hardtberg Stadtbezirk
  • Beuel Stadtbezirk· Beuel-Mitte
  • Bonn Stadtbezirk
  • Medinghoven siedlung· Duisdorf, Hardtberg
  1. Sitzung des Beirates Kinder- und Jugendbeteiligung 29.11.2024 Empfehlung
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 26.11.2024 Entscheidung federführend
  3. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 10.12.2024 Empfehlung
  4. Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg 26.11.2024 Empfehlung
  5. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 06.12.2024 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 241904-01 AA Koalitionsänderungsantrag: Klimaviertel Medinghoven Antrag zur Vorlage 241904
  2. 241904-02 Klimaviertel Medinghoven: Standort für das Nachbarschaftsbüro (Mitmachzentrum) im Klimaviertel Medinghoven

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Beschlussvorlage
öffentlich
241904
Die OberbürgermeisterinDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Federführung:
Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung
Dezernat:
Dez. OB
Klimaviertel Medinghoven
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
26.11.2024 Entscheidung
Bezirksvertretung Hardtberg 26.11.2024 Empfehlung
Beirat Kinder- und Jugendbeteiligung 29.11.2024 Empfehlung
Beirat Bürgerbeteiligung 06.12.2024 Empfehlung
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
10.12.2024 Empfehlung
Beschlussvorschlag
1. Dem Konzept für das Klimaviertel Medinghoven wird zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, eine Kooperation mit dem Bonner
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V.
als Koordinationsstelle des zivilgesellschaftlichen Konsortiums zur
Durchführung des Klimaviertels Medinghovens zu schließen.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, geeignete Räumlichkeiten für das
Mitmachzentrum zu finden und bis zu einer Warmmiete von maximal
2.000 € pro Monat anzumieten.
Begründung
Die Verwaltung hat mit der Beschlussvorlage „Mitwirkungsformate auf dem
Weg zur Klimaneutralität: Klimaviertel und Zukunftsforen“ (DS 240301) ein
Konzept für die im Klimaplan beschlossenen Klimaviertel vorgelegt. Es soll
2024 in jedem Bezirk ein Klimaviertel eingerichtet werden.
Das Umsetzungskonzept für ein Klimaviertel Medinghoven konkretisiert das
Konzept der Klimaviertel für den Stadtbezirk Hardtberg und stellt den
beschlossenen Klimavierteln Godesberg Nord (DS 240304) mit dem Fokus auf
gesellschaftliche Vielfalt und Beuel Mitte (DS 240303) mit dem Fokus auf Kultur
und engagierte Zivilgesellschaft, ein jugend- und teilhabeorientiertes Konzept
zur Seite.
Eine ausführliche Analyse des für die Einrichtung eines Klimaviertels im Bezirk
Hardtberg vorgeschlagenen Quartiers sowie das Umsetzungskonzept für das
Klimaviertel Medinghoven sind im Anhang zu finden.
Die Kosten für Miete und Betrieb des Mitmachzentrums können aus den für dasSeite 1 von 9
Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Klimaviertel Medinghoven zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden.
Nach Prüfung der Kosten von Referenzobjekten vor Ort werden dafür jährlich
bis zu 24.000 EUR veranschlagt. Die Immobilie soll zunächst bis Ende 2026
gemietet werden, mit der Option einer Verlängerung bei erfolgreichem Aufbau
des Klimaviertels.
Anlage/n
1 Konzept Klimaviertel Medinghoven (öffentlich)Seite 2 von 9
1
Klimaviertel Medinghoven
Ein Ort für Engagement und Unterstützung –
Familien, Kinder und Jugendgliche gestalten die Zukunft
Das Umsetzungskonzept für ein Klimaviertel Medinghoven konkretisiert das Konzept der
Klimaviertel (DS 240301) für den Stadtbezirk Hardtberg und stellt den beschlossenen
Klimavierteln Godesberg Nord (DS 240304) mit dem Fokus auf gesellschaftlicher Vielfalt und
Beuel Mitte (DS 240303) mit dem Fokus auf Kultur und engagierter Zivilgesellschaft, ein
jugend- und teilhabeorientiertes Konzept zur Seite.
In Medinghoven leben viele Menschen mit begrenzten Teilhabemöglichkeiten, darunter
zahlreiche Kinder und Familien. Um den Auswirkungen der Klimakrise auch in einem sozio-
ökonomisch benachteiligten Viertel entgegenzuwirken, setzt das Klimaviertel einen
Schwerpunkt auf Teilhabe, Chancengleichheit und soziale Stabilität, um die gesellschaftliche
Resilienz zu stärken. Begegnungsorte sollen zur Förderung des sozialen Miteinanders sowie
zur Stärkung der sozialen Akzeptanz zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen
beitragen und die aktive Mitgestaltung der Lebensumgebung auch denjenigen ermöglichen,
die sich bisher weniger einbringen konnten.
Das Quartier:
 Statistischer Bezirk: Medinghoven (493)
 Lage: am Stadtrand im Westen des
Stadtbezirks
 Einwohner*innen: 4.479
(31.12.2022)
 Fläche 1,5 km²
1. Lebenslagen und soziale Struktur in Medinghoven
1.1. Stadtteilstruktur
Medinghoven, in den 1970er-Jahren als Wohnsiedlung für Bundesbedienstete errichtet, liegt
im Westen des Stadtbezirks Hardtberg, am Hang des Kottenforstes. Der Stadtteil gliedert sich
in drei sozial und städtebaulich unterschiedliche Bereiche, die durch Verkehrsinfrastruktur
geografisch getrennt sind. Während in den Randbereichen Einfamilienhäuser dominieren,
prägt mehrgeschossige Wohnbebauung aus den 1970er-Jahren die Kernsiedlung. Die ehemals
bedarfsdeckende Ladenzeile steht weitgehend leer und die Nahversorgung erfolgt
größtenteils in Duisdorf. Ein wichtiger Anlaufpunkt ist die seit vielen Jahren ansässige
Apotheke. Trotz zahlreicher Grünflächen fehlen Begegnungsorte und Treffpunkte für die
Nachbarschaft und insbesondere Jugendliche.Seite 3 von 9
2
1.2 Bevölkerungsprofil
Der statistische Bezirk Medinghoven hat sich seit der Verlegung des Regierungssitzes nach
Berlin stark verändert. Der Stadtteil ist heute von überdurchschnittlicher Armut betroffen:
28,2 % der Bewohner*innen leben in Bedarfsgemeinschaften (vgl. Bezirk Hardtberg: 12,0 %;
Gesamtstadt Bonn: 9,3 %), und die Arbeitslosenquote liegt bei 17,6 % (Hardtberg: 8,5 %;
Bonn: 6,6 %). Zudem ist der Anteil an Menschen ohne deutschen Pass (32,6 %) höher als in
den Bezirken Hardtberg (20,3 %) und Bonn (19,2 %). Diese und weitere Merkmale begründen
den sehr niedrigen Teilhabeindex in Medinghoven von 24,3 (Hardtberg: 53,2; Bonn: 60,6)1.
Eine weitere Besonderheit und zugleich eine wichtige Ressource Medinghovens ist seine
junge Bevölkerung – 25,8 % sind unter 18 Jahre alt (Hardtberg: 17,2% Bonn: 16,7%).
1.3 Soziale Infrastruktur: Bildung, Betreuung und Beratungsangebote
Der Ortsteil Medinghoven verfügt über eine soziale Infrastruktur, einschließlich vier Schulen
(Städtische Gemeinschaftsgrundschule Medinghoven, Margot-Barnard-Realschule, Königin-
Juliana-Schule, Derletalschule – die beiden letzteren sind Förderschulen), mehreren
Kindertageseinrichtungen (z. B. Kindergarten „Die Burgkinder“, Kita Wunderland mit
Familienzentrum in der Stresemannstraße und ein weiteres Familienzentrum in städtischer
Trägerschaft) sowie einer Kindertagespflege. Drei Einrichtungen werden als plusKita2
gefördert. Die Stadt Bonn gewährleistet Schulsozialarbeit und offene Ganztagsbetreuung an
der Grundschule. Das Stadtteilbüro des Diakonischen Werkes Bonn fungiert seit 2004 als
zentrale Anlaufstelle für soziale Notlagen sowie für Begegnung und Teilhabe und bietet u. a.
Beratungsdienste, Schuldner- und Sozialberatung sowie Bildungsangebote an. Weitere
Beratungsangebote umfassen Erziehungsberatung, Familienhilfen (Stadt Bonn) und den
Jugendmigrationsdienst (Heimstatt e.V. Bonn). Die Kinder- und Jugendarbeit wird durch
Angebote im Spielhaus (Stadt Bonn) und im Martin-Bucer-Haus (Evangelische Jugendhilfe)
sowie im Jugendzentrum St. Martin gefördert. Die Vernetzung der Kinder- und Jugendhilfe
erfolgt über den Stadtteil-Arbeitskreis Medinghoven. Konfessionelle Angebote sind durch
ökumenische Kooperationen und die Mormonengemeinde vertreten. Die evangelische
Kirchengemeinde Hardtberg ist unter anderem in der Begegnungs- und Jugendarbeit in den
Räumlichkeiten „DIE WOHNUNG“ tätig. Sportvereine (1. FC Hardtberg, TSG Bonn, TC Blau-
Weiß Duisdorf) bieten Freizeitmöglichkeiten, während kulturelle Angebote im Stadtteil
begrenzt und vorwiegend in Duisdorf zu finden sind.
2. Kriterien und Gründe für den Vorschlag Medinghovens als Klimaviertel
2.1 Heterogenität der Klimaviertel
Die Klimaviertel sollen sich durch eigenständige, auf die Bedarfe vor Ort abgestimmte
Konzepte klar voneinander abgrenzen. Die ersten vier Klimaviertel dienen als Modellprojekte
mit der Möglichkeit, auf weitere Quartiere ausgeweitet zu werden. Zu diesem frühen
1 Vgl. Bonn – soziale Probleme auf den zweiten Blick. Sozialbericht zur Lage der Stadt Bonn 2020.Caritasverband
für die Stadt Bonn e.V. und Diakonisches Werk Bonn und Region – gemeinnützige GmbH. Bonn 2020. S. 28.
2 Um für alle Kinder gerechte Bildungschancen von Anfang zu ermöglichen, erhalten Kindertageseinrichtungen,
die in ihrem Umfeld einen hohen Anteil Familien mit erschwerten Startbedingungen haben, eine zusätzliche
Förderung.Seite 4 von 9
3
Zeitpunkt ist daher die Heterogenität der einzelnen Viertel entscheidend, um eine Vielfalt an
Lösungsansätzen zu erproben und stadtweit anbieten zu können.
Im Vergleich zu den bereits beschlossenen Klimavierteln Godesberg Nord und Beuel Mitte hat
Medinghoven einen höheren Anteil an Grünflächen, was unter anderem auf die Lage am
Hang des Kottenforsts zurückzuführen ist. Die demografische Zusammensetzung des Viertels
zeichnet sich durch eine junge Bevölkerung aus, gepaart mit einem niedrigen sozialen
Teilhabeindex und einem relativ hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, auch
wenn dieser nicht das Niveau von Godesberg Nord erreicht. Diese Eigenschaften
unterscheiden Medinghoven deutlich von den anderen Klimavierteln (siehe dazu die u.s.
Grafik).
Abbildung: Heterogenität der Klimaviertel, Werte jeweils relativ zur Gesamtstadt (rote Markierung). Datenquelle:
Strukturdatenatlas 2023, Teilhabeindex 2020.
2.2. Bedeutung der Teilhabe von Menschen mit begrenzten Ressourcen im
Transformationsprozess zur Klimaneutralität
Warum ist es wichtig, Menschen in sozial schwierigen Lagen und mit
geringem Einkommen aktiv in den Klimawandel-Transformationsprozess
einzubeziehen, obwohl sie oft mit existenziellen Herausforderungen zu
kämpfen haben und geringere CO₂-Abdrücke haben?
Die Einbindung dieser Gruppen ist entscheidend, um …Seite 5 von 9
4
 Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu fördern: Menschen mit niedrigem Einkommen
sind oft stärker von den negativen Folgen des Klimawandels betroffen. Es ist wichtig,
den Menschen Zugang zu klimaangepassten, nachhalten Räumen und Maßnahmen zu
ermöglichen. Dazu beitragen können zum Beispiel kleine Begrünungsprojekte wie
PikoParks3 oder innovative Nutzungen des öffentlichen Raums wie temporäre
Spielstraßen. Gleichzeitig ist es bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen von
zentraler Bedeutung, die begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen der
Betroffenen zu berücksichtigen. Hier besteht die Notwendigkeit, Einsparmöglichkeiten
mit Klimaschutzanforderungen zu verknüpfen. Ein Beispiel hierfür können RepairCafés
und Sharing-Modelle sein, die sowohl zur Ressourcenschonung als auch zur
finanziellen Entlastung der Menschen beitragen.
 Ungleichheiten zu vermeiden: Steigende (Energie-)Kosten stellen eine aktuelle
Belastung für viele Menschen mit niedrigem Einkommen dar. Inklusive Planung und
Beratung (z.B. durch die Bonner Energie Agentur und der Verbraucherzentrale NRW
e.V.) hilft, diese zu reduzieren und zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen zu
bieten.
 Soziale Akzeptanz zu stärken: Die Einbindung der Menschen vor Ort fördert die
Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen und mindert Konflikte, z.B. durch den
verstärkten Austausch bei Gemeinschaftsaktionen wie Stadtteilfesten.
 Lokales Wissen zu nutzen: Kern des Klimaviertel-Konzepts ist, die Erfahrungen der
Menschen für die gemeinsame Entwicklung praxisnaher Lösungen zu nutzen, z.B.
durch Zukunftswerkstätten und Dialogformate.
3. Rahmenbedingungen für die erfolgreiche Umsetzung eines Klimaviertels Medinghoven
Für die erfolgreiche Realisierung des Klimaviertels in Medinghoven und die Einbindung aller
Bürger*innen sind folgende Voraussetzungen entscheidend:
Systemische Einbindung von Kindern und Jugendlichen: Die aktive Beteiligung gerade auch
dieser Zielgruppen erfordert zwingend die Einbeziehung ihrer Familien und des sozialen
Umfelds, um eine ganzheitliche Betrachtung sicherzustellen. Dadurch werden sowohl
individuelle als auch gemeinschaftliche Bedürfnisse adressiert und nachhaltige
Entwicklungsprozesse gefördert.
Stabilität und Kontinuität: Ein fester Anlaufpunkt und Begegnungsort im Quartier ist
notwendig, um allen Bewohner*innen Stabilität und Austauschmöglichkeiten zu bieten.
Brückenpersonen und Beziehungsarbeit sind essenziell, um nachhaltige Strukturen und
Projekte zu etablieren.
Partizipation und Mitbestimmung: Die aktive Einbindung der Anwohner*innen in die
Quartiersgestaltung ist für den Erfolg unerlässlich. Niederschwellige Beteiligungsformate und
eine adressatengerechte Kommunikation sind notwendig. Dies umfasst insbesondere die
3 In Zusammenarbeit mit Wohnungsunternehmen entstehen im Quartier naturnahe, kleine Parkanlagen,
sogenannte „PikoParks“. Diese nachhaltig gestalteten Grünflächen wurden im Rahmen des Modellprojekts
„Treffpunkt Vielfalt – PikoPark“ entwickelt und erprobt. PikoParks dienen als Begegnungsorte für Menschen
und Natur und leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt, Klimaanpassung und
Gesundheit. Vgl. https://pikopark.de 16.10.2024.Seite 6 von 9
5
Verwendung von einfacher Sprache und Übersetzungsangebote für Menschen, die der
deutschen Sprache nicht mächtig sind. Angebote müssen regelmäßig angepasst werden, um
die Bedürfnisse der Bewohner*innen zu berücksichtigen und Akzeptanz und Wirksamkeit zu
sichern.
Belebung des öffentlichen Raums: Öffentliche Flächen müssen attraktiv und nutzbar sein.
Partizipative Ansätze und flexible Teilnahmeoptionen ermöglichen den Menschen die
eigenständige Gestaltung des Quartiers.
Förderung von Gemeinschaft und sozialer Vernetzung: Ein starkes Gemeinschaftsgefühl ist
essenziell für ein nachhaltiges Klimaviertel. Bestehende Strukturen sollen ausgebaut und
Synergien mit relevanten Akteur*innen (wie beispielsweise der Offenen Tür) genutzt
werden.4
Positives Image und hohe Aufenthaltsqualität: Medinghoven soll als lebenswertes Quartier
„jetzt und in Zukunft“ wahrgenommen werden. Maßnahmen zur Steigerung der
Aufenthaltsqualität und die Schaffung vielfältiger Begegnungsräume sind notwendig.
Berücksichtigung materieller Voraussetzungen: Alle Maßnahmen müssen an die sozialen und
wirtschaftlichen Lebensumstände der Bewohner*innen angepasst sein. Projekte wie
Tauschbörsen können materielle Ressourcen nachhaltig nutzen und den Zusammenhalt
stärken.
Diese Grundsätze sind wegweisend für die Umsetzung eines Klimaviertels in Medinghoven
und gewährleisten, dass die Maßnahmen effektiv, inklusiv und nachhaltig gestaltet werden.
4. Erste Schritte zur Umsetzung des Klimaviertels: Ansätze und Maßnahmen
In Medinghoven wird ein Mitmachzentrum als zentrale Anlaufstelle für Aktivitäten und
Projekte eingerichtet. Dieses Zentrum soll auch als Begegnungsort für die Anwohner*innen
fungieren. Die Verwaltung prüft aktuell intensiv die Anmietung geeigneter Räumlichkeiten,
wobei vorrangig leerstehende Flächen in der Ladenzeile in Betracht gezogen werden. Falls
diese Option nicht realisierbar ist, werden alternative Standorte identifiziert und angemietet.
Die Räumlichkeiten sind zudem für weitere Angebote und Akteur*innen im Viertel, wie die
Gemeinwesenarbeit, zu nutzen.
Eine enge Zusammenarbeit mit den vor Ort aktiven sozialen Einrichtungen und Trägern,
Akteur*innen sowie Wohnbaugesellschaften wie Vonovia und LEG wird angestrebt. In der
Konzeption haben bereits vielfältige Gespräche stattgefunden. Diese sollen in Form eines
Runden Tisches unter Einbeziehung der Anwohner*innen verstetigt werden, um die
Entwicklung des Klimaviertels kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln. So soll ein
stabiles Netzwerk entstehen, in dem verschiedene Perspektiven berücksichtigt und
bestehende Strukturen verknüpft und gestärkt werden.
4 Die Gemeinwesenarbeit der Diakonie ist beispielsweise ein wichtiger Bestandteil in Medinghoven und
übernimmt Aufgaben, die das Klimaviertel nicht ersetzen kann. Beide Bereiche verfolgen unterschiedliche Ziele
und ergänzen sich auf wertvolle Weise. Durch eine gute Zusammenarbeit können sie voneinander profitieren,
ohne sich gegenseitig einzuschränken oder zu überschneiden. Eine enge Abstimmung ist entscheidend, um
Doppelstrukturen zu vermeiden und die jeweiligen Stärken optimal einzubringen.Seite 7 von 9
6
In der ersten Phase des Klimaviertels steht die Gemeinschaftsbildung im Vordergrund. Ziel ist
es, das Mitmachzentrum als Anlaufstelle und Begegnungsort bekannt zu machen und die
sozialen Dynamiken im Stadtteil zu erfassen.
Geplant sind zunächst niederschwellige Angebote, die den Bedürfnissen der Bewohner*innen
entsprechen. Mögliche Maßnahmen sind ein Auftaktfest, temporäre Spielstraßen und
gemeinschaftliches, interkulturelles Kochen mit Austausch zu Ideen für nachhaltigen Zukunft
Medinghovens. Zudem wird die Einrichtung eines zeitweiligen Cafés im Mitmachzentrum
angestrebt, um einen Treffpunkt für Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen.
Ein akutes Problem in Medinghoven ist die Müllentsorgung. Daher sind in der Anfangsphase
Maßnahmen zur Verbesserung der Mülltrennung und -entsorgung zu planen, wobei auch die
Angebote zur Umweltbildung von Bonn Orange genutzt werden können.
Des Weiteren ist angedacht, Innenhöfe in Abstimmung mit den Wohnungsbaugesellschaften
sowie temporär nutzbare Parkplätze für Begegnungs- und Freizeitaktivitäten zu erschließen.
Die umliegende Natur, insbesondere der Kottenforst, soll in die Aktivitäten integriert und für
die Menschen vor Ort erfahrbar gemacht werden.
Nach der ersten Phase mit vertrauensbildenden Aktivitäten und intensiver Beziehungsarbeit
ist das Ziel, gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen sowie Familien vor Ort Themen, Aktivitäten
und Projekte zu entwickeln. Mögliche Initiativen sind ein plastikfreies Picknick und die
Aufwertung und Renovierung öffentlicher Plätze. Ziel ist es, dass die Bewohner*innen aller
Altersgruppen gemeinsam Ideen und Projekte für ihr Lebensumfeld entwickeln, sich für ein
lebenswertes Medinghoven engagieren und sich mit Fragen der Klimaveränderung durch
niederschwellige Angebote und adressatengerechte Ansprache auseinandersetzen. Zudem
sollen sie die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse im Kontext des Klimawandels zu
artikulieren. Über das Klimaviertel sollen Brücken zu den Wohnungsbaugesellschaften, in die
Verwaltung und zu politischen Vertreter*innen gestärkt werden, um Anregungen und
Wünsche zur Veränderung einzubringen. Wie in allen Klimavierteln wird auch in Medinghoven
ein zentrales Beteiligungsformat das Zukunftsforum sein. Seine Ausgestaltung wird im ersten
Jahr gemeinsam mit den Engagierten vor Ort entwickelt.
Zusätzliche Maßnahmen, Projekte und Methoden können umfassen:
 Unterstützung der Initiative „Jedem Kind ein Fahrrad“ an der Grundschule
Medinghoven sowie des Frauen-Fahrrad-Projekts durch die Schulsozialarbeit durch
Bereitstellung von personelle Ressourcen und Räumen für Fahrradreparatur. Hier ist
ein gemeinsames Gespräch mit den Wohnungsbaugesellschaften erforderlich, um
Lösungen zu finden, da es oft an sicheren Abstellmöglichkeiten für Fahrräder mangelt.
 Gestaltung eines grünen Klassenzimmers auf dem stark versiegelten Schulhof der
Grundschule in Zusammenarbeit mit den Kindern.
 Einrichtung gemeinsamer Kräuter- und Gemüsebeete.
 Beteiligungsmöglichkeiten innerhalb des Klimaviertels durch Streetwork-Beteiligung,
partizipative Spaziergänge und Haustürgespräche.
 Schüler*innenprogramme wie die Ausbildung von „Green Event Managern“.
 Durchführung von Umwelt-Thementagen mit mobilen Kulturangeboten.
 Organisation von Kleidertauschpartys.Seite 8 von 9
7
 Einrichtung eines RepairCafés.
5. Struktur und Trägerschaft des Klimaviertels Medinghoven
Wie im Gesamtkonzept der Klimaviertel (DS 240301) erläutert, sollen alle Klimaviertel
zivilgesellschaftlich getragen werden. Dabei übernimmt eine Trägerorganisation die
Koordination, den Betrieb des Mitmachzentrums und den Kontakt zur Verwaltung. Daneben
bringen sich Partnerorganisationen entsprechend ihrer Möglichkeiten ein. Nach intensiven
Gesprächen mit den ansässigen Akteuren schlägt die Verwaltung vor, das Bonner Institut für
Migrationsforschung und Interkulturelles Lernen (BIM) e.V. mit der Trägerschaft des
Klimaviertels Medinghoven zu betrauen. Das BIM verfügt über umfassende Expertise in der
Förderung von interkultureller Kultur- und Netzwerkarbeit in Bonn. Ihr Ansatz
„Begegnungsorte für Teilhabe“ und die Zusammenarbeit mit gesellschafts- und
kulturpolitischen Einrichtungen gewährleisten eine partizipative und diskriminierungssensible
Umsetzung der Projekte. Der Verein zeichnet sich durch ressourcenschonende Konzepte aus,
die eine nachhaltige Kultur- und Quartiersarbeit sicherstellen. Das BIM steht für eine
pluralistische Gesellschaftsvision, in der kulturelle Vielfalt als Bereicherung betrachtet und
aktiv gefördert wird. Die Ziele des Trägers decken sich mit den Anforderungen des
Klimaviertels, indem sie die aktive Einbindung der Bewohnerschaft in die Gestaltung eines
lebenswerten und klimafreundlichen Medinghovens fördern. (Vgl. https://migrapolis.de/bim-
e-v.de 16. Oktober 2024). Neben dem BIM konnte die Diakonie als starker Partner für die
Unterstützung des Klimaviertels vor Ort gewonnen werden. Mit ihrer langjährigen
Gemeinwesenarbeit verfügt sie über eine tiefe Verwurzelung im Quartier und detaillierte
Kenntnisse der Bedarfe und Akteure in Medinghoven.Seite 9 von 9

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 03.11.2026, 10:12 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de