241747 · Anregungen und Beschwerden
Bürgerantrag: Einberufen eines Projektes zur Verbesserung der Notfallrettung
Kerndaten
- Nummer
- 241747
- Art
- Anregungen und Beschwerden
- Veröffentlicht
- 07.10.2024
- Letzte Änderung
- 17.09.2026
Stand im Verfahren i
- Einreichung
- Terminierung
- Sitzung
Soweit erfasst. Das Ergebnis der Beratung ist in den Daten nicht enthalten. Das vollständige Verfahren →
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Entscheidung federführend
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Anregungen und Beschwerden öffentlich 241747 Die Oberbürgermeisterin Federführung: Geschäftsbereich OB-1: Dezernats- und Verwaltungssteue- rung Dezernat: Dez. OB 04.10.2024 Bürgerantrag: Einberufen eines Projektes zur Verbesserung der Notfallrettung Beratungsfolge Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 29.10.2024 Entscheidung Inhalt der Anregungen und Beschwerden Der Antrag lautet: Als Bürger der Stadt Bonn beantrage ich hiermit im Einklang mit den Forderun- gen des Deutschen Rats für Wiederbelebung von 2021 und den bereits 2015 gestellten Forderungen des Europäischen Rats für Wiederbelebung (ERC) das Einberufen eines interdisziplinären Projektes zur Verbesserung der regionalen rettungsdienstlichen Notfallversorgung (analog zu „Region Aachen rettet“), die Schaffung der Voraussetzungen für die Implementierung von Smartphone- basierter Ersthelferalarmierung und die Implementierung eines solchen Sys- tems innerhalb der nächsten 3 Jahre. Einzelheiten zur Begründung ergeben sich aus dem beigefügten Bürgerantrag. Anlage/n 1 Bürgerantrag - komplett (nichtöffentlich) 2 Bürgerantrag (öffentlich)Seite 1 von 6 Von: Gesendet: Freitag, 4. Oktober 2024 08:00 An: Buergerantrag <buergerantrag@Bonn.de> Betreff: Einberufen eines Projektes zur Verbesserung der Notfallrettung Sehr geehrte Damen und Herren, als Bürger der Stadt Bonn beantrage ich hiermit im Einklang mit den Forderungen des Deutschen Rats für Wiederbelebung von 2021 und den bereits 2015 gestellten Forderungen des Europäischen Rats für Wiederbelebung (ERC) das Einberufen eines interdisziplinären Projektes zur Verbesserung der regionalen rettungsdienstlichen Notfallversorgung (analog zu „Region Aachen rettet“), die Schaffung der Voraussetzungen für die Implementierung von Smartphone-basierter Ersthelferalarmierung und die Implementierung eines solchen Systems innerhalb der nächsten 3 Jahre. Begründung des Antrages: siehe Ausarbeitung anbei. Mit freundlichen GrüßenSeite 2 von 6 Einordnung der Datenlage zu Effizienz und Nutzen von Smartphone- basierten Ersthelferalarmierungsystemen beim präklinischen Herz- Kreislauf-Stillstand in Deutschland: Ein Bürgerantrag an die Bundesstadt Bonn. von *Dieses Schreiben wurde als Bürgerantrag verfasst und distanziert sich daher von jeglichen Interessenskonflikten zwischen dem Autor als rechtmäßiger Bürger der Bundesstadt Bonn, der Bundesstadt Bonn und dem Arbeitgeber des Autors. Abstrakt. Jährlich erleiden rund 120.00 Menschen in Deutschland außerhalb einer Klinik einen Herz-Kreislauf-Stillstand, rund 65 Prozent von ihnen im häuslichen Umfeld. Bei etwa der Hälfte aller Herzstillstände wird die Reanimation eingeleitet, die Überlebensrate beträgt jedoch nur etwa 11 Prozent.[1] Ein unverzüglicher Beginn der Wiederbelebung würde die Überlebenschance der Betroffenen um das Doppelte bis Dreifache erhöhen.[2][3] Bei einer durchschnittlichen Eintreffzeit des Rettungsdienstes in Deutschland von etwa 9 Minuten liegt diese weit über dem tolerierbaren, reanimationsfreien Intervall von maximal 5 Minuten, denn nach bereits drei bis fünf Minuten ohne Durchblutung gehen Hirnzellen irreversibel zugrunde.[4][5] Smartphone- basierte Ersthelferalarmierungsysteme, Apps (z.B. Corhelper, Katretter oder Mobile Retter) die dem frühzeitigen Hinzuziehen von fachkundigem Personal und Ersthelfern bei zeitkritischen, medizinischen Notfällen dienen, gewinnen daher im Deutschen Gesundheitsystem immer mehr an Aufmerksamkeit als valide Option, die Überlebensrate des Herzstillstandes signifikant zu erhöhen.[6][7][8] Eine Potenzialanalyse der ADAC Stiftung von Juni 2024 beleuchtet die aktuelle Situation von Smartphone-basierten Ersthelferalarmierungsystemen in Deutschland. Es ergibt sich eine Empfehlung, deren Umsetzung ich hiermit bei der Bundesstadt Bonn beantragen möchte. Ergebnisse der Potenzialanalyse der ADAC Stiftung von Juni 2024.[9] Während in den Ländern Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein bereits ein einheitliches Konzept der App-basierten Ersthelferalarmierung Anwendung findet, stehen für 62% der Bevölkerung noch keine der sechs, in Deutschland Anwendung findenden Ersthelfer-Apps zur Verfügung. Die Standards der Apps - bzgl. Qualifikation der registrierten Nutzer und wann sie alarmiert werden - können sowohl durch die Anbieter, aber auch durch die jeweiligen ärztlichen Leiter individuell festgelegt werden. Die ADAC Stiftung arbeitet hier jedoch an der Implementierung einheitlicher Standards, wie es für das Reporting-System des Qualitätsmanagements der Apps bereits der Fall ist. Die Bereitschaft zur Registrierung bei den Ersthelfer-Apps ist vorhanden, bei den befragten Personen mit medizinischer Vorausbildung jedoch höher als bei PersonenSeite 3 von 6 mit reinen Erste-Hilfe-Kenntnissen. Allerdings gab nur jeder fünfte Befragte an, sich unter dem Begriff Ersthelfer-App etwas vorstellen zu können. Von den befragten Leitstellen gaben 40% an, bereits die Smartphone-basierte Ersthelferalarmierung zu nutzen. Während 36% der Leitstellen die Implementierung eines solchen Systems bereits planen, gaben 24% an, derzeit kein solches System zu planen. Die flächendeckende Implementierung solcher Systeme steht jedoch vor einigen Herausforderungen: es wird ein langfristig tragfähiges Markt- und Finanzierungsmodell benötigt, eine Standardisierung der verschiedenen App-Systeme sowie eine Vernetzung dieser zur Erhöhung der technischen Interoperabilität. Leitstellen, die noch kein solches System planen, sehen nämlich vor allem diese Herausforderungen als Problem für die Umsetzung. Der Erfolg der Ersthelfer-Alarmierungsysteme ist jedoch durch ein Pilotprojekt in den Niederlanden statistisch erfasst worden: bei Einsatz von Smartphone-basierter Ersthelferalarmierung verzeichnete sich eine 11% höhere Krankenhausentlassungsrate ohne Folgeschäden. Diskussion. Die Notfallrettung der Bundesstadt Bonn erreicht in 84% aller Reanimationseinsätze den Einsatzort innerhalb der Hilfsfrist von 8 Minuten, im Vergleich erreichen hier sogar etwas mehr Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand lebend die Notaufnahme als statistisch erwartet. Der zusätzliche Einsatz einer First-Responder App, um das reanimationsfreie Intervall signifikant zu verkürzen, erfolgt aktuell jedoch nicht. Man stimme sich mit den benachbarten Regionen für eine einheitliche Lösung ab.[10] Viele der Bonner Nachbarregionen besitzen jedoch bereits ein solches System und sind der Stadt Bonn in Bezug auf die Digitalisierung des Rettungsdienstes um einiges voraus. Das Pilotprojekt „Region Aachen rettet“ schließt neben der Stadt Aachen auch die Kreise Euskirchen, Düren und Heinsberg ein. Im Rahmen dieses Projektes wird die App Corhelper bereits flächendeckend und erfolgreich eingesetzt: Mehr als 7.900 Ersthelfer*innen sind innerhalb des Pilotprojekts bei Corhelper registriert, welche bereits mehr als 4.100 Einsätze absolviert haben.[11] Durchschnittlich ist ein Corhelper- Ersthelfer innerhalb von 4,5 Minuten am Einsatzort.[12] Im Rheinisch-Bergischen Kreis habe man mit der App Katretter sehr positive Erfahrungen gemacht. Hier werden seitens des Kreises zur Gewinnung von qualifizierten Ersthelfern sogar regelmäßige Schulungen angeboten.[13] Die Stadt Köln arbeitet ebenfalls bereits konkrete Pläne aus, eine Ersthelfer-App unterstützend in der regulären Notfallrettung einzusetzen.[14] Die Stadt Bonn – ohne System in Planung - bildet zusammen mit dem Rhein-Sieg- Kreis im südlichen Nordrhein-Westfalen das Schlusslicht bezüglich Smartphone- basierter Ersthelferalarmierung. Dabei bieten die Systeme ein erhebliches Potenzial - denn was nützt das kommende Telenotarzt-System, wenn die Erste Hilfe versagt? Die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland besitzt ein Smartphone, darunter auch Menschen mit fundierten Kenntnissen in Erster Hilfe oder gar medizinischer Qualifikation. Durch die Einbindung dieser Personen mittelsSeite 4 von 6 standortbasierter Alarmierungen via Ersthelfer-Alarmierungsapps durch die regionale Leitstelle parallel zur Alarmierung des Rettungsdienstes, kann das therapiefreie Intervall bei einer Reanimation verkürzt und die Überlebenschance deutlich erhöht werden. Denn die flächendeckende Bereitschaft, sich bei einer solchen App zu registrieren und Leben zu retten, ist vorhanden.[9] Die dadurch möglich werdende Reduktion des therapiefreien Intervalls auf unter 5 Minuten[9] muss das oberste Ziel bei der Abhandlung von Reanimationseinsätzen im Rahmen der Notfallrettung werden – auch für die Stadt Bonn. Ein Herantreten an die Öffentlichkeit seitens der Stadt bei Planung der Implementierung eines solchen Systems wäre auch im Interesse der Außenwirkung der Stadt Bonn sicherlich zu befürworten. Mehr Menschen müssen über diese Möglichkeiten der ersten Hilfe aber auch über Erste Hilfe allgemein informiert, geschult und eingesetzt werden können. Da das Bundesministerium für Gesundheit ebenfalls dieser Meinung ist[1], sehe ich die Stadt Bonn hier in der Handlungsverantwortung. Als Bürger der Stadt Bonn beantrage ich hiermit im Einklang mit den Forderungen des Deutschen Rats für Wiederbelebung von 2021 und den bereits 2015 gestellten Forderungen des Europäischen Rats für Wiederbelebung (ERC) das Einberufen eines interdisziplinären Projektes zur Verbesserung der regionalen rettungsdienstlichen Notfallversorgung (analog zu „Region Aachen rettet“), die Schaffung der Voraussetzungen für die Implementierung von Smartphone-basierter Ersthelferalarmierung und die Implementierung eines solchen Systems innerhalb der nächsten 3 Jahre.Seite 5 von 6 Literaturverzeichnis. [1] Bundesministerium für Gesundheit (2024). Herz-Kreislauf-Stillstand und Wiederbelebung. Herz-Kreislauf-Stillstand und Wiederbelebung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/h/herz-kreislauf-stillstand [2] Larsen MP, Eisenberg MS, Cummins RO, Hallstrom AP (1993). Predicting survival from out-of-hospital cardiac arrest: a graphic model. Ann Emerg Med 22:1652–1658 [3] Holmberg M, Holmberg S, Herlitz J (2000). Effect of bystander cardiopulmonary resuscitation in out-of-hospital cardiac arrest patients in Sweden: Resuscitation 47:59–70 [4] Horriar L, Rott N, Böttiger BW (2022). Die neuen Reanimationsleitlinien 2021 und der hohe Stellenwert der Laienreanimation: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 65 (10), S. 972–978 [5] Bundesanstalt für Straßenwesen: Schmiedel R, Behrendt H (2019). Leistungen des Rettungsdienstes 2016/17 [6] Ringh M, Rosenqvist M, Hollenberg J, Jonsson M, Fredman D, Nordberg P, Järnbert-Pettersson H, Hasselqvist-Ax I, Riva G, Svensson L (2015). Mobile-phone dispatch of laypersons for CPR in out-of-hospital cardiac arrest [7] Böttiger BW, Becker LB, Kern KB, Lippert F, Lockey A, Ristagno G, Semeraro F, Wingen S (2020). BIG FIVE strategies for survival following out-of-hospital cardiac arrest [8] Oving I, Graaf C, Masterson S, Koster RW, Zwinderman AH, Stieglis R, AliHodzic H, Baldi E, Betz S, Cimpoesu D, Folke F, Rupp D, Semeraro F, Truhlar A, Tan HL, Blom MT; ESCAPE-NET Investigators (2020). European first responder systems and differences in return of spontaneous circulation and survival after outof-hospital cardiac arrest: A study of registry cohorts [9] Smartphone-basierte Ersthelferalarmierungssysteme: Große Chancen und Herausforderungen bei der nachhaltigen Etablierung der Systeme. ADAC Stiftung (06/2024) https://stiftung.adac.de/app/uploads/2024/06/Potentialanalyse_Ersthelferalarmierungssysteme_ADAC_Stiftung_2024_0 6.pdf [10] https://notfallrettung.swr.de [11] https://regionaachenrettet.de/ruckblick-auf-die-veranstaltung-region-aachen-rettet-ehrung-der-ersthelferinnen- 2024/ [12] https://www.corhelper.de/ [13] https://www.ksta.de/region/rhein-berg/ersthelfer-werden-im-rheinisch-bergische-kreis-per-app-alarmiert-649201 [14] https://www.ksta.de/koeln/koeln-neue-ersthelfer-app-soll-notfallversorgung-in-koeln-verbessern-691390Seite 6 von 6
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 18:09 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de