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241618 · Beschlussvorlage

Neues Konzept zur Förderung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (JOBWÄRTS)

Nummer
241618
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
03.10.2024
Letzte Änderung
03.11.2026
  • Bonn Stadtbezirk Hauptort
  1. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 05.12.2024 Empfehlung
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 31.10.2024 Empfehlung
  3. Sitzung des Rates 12.12.2024 Entscheidung federführend
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Untergeordnet

  1. 241618-01 AA Änderungsantrag der Koalition - Neues Konzept zur Förderung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (JOBWÄRTS) Antrag zur Vorlage 241618

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Beschlussvorlage
öffentlich
241618
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Neues Konzept zur Förderung des betrieblichen
Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen
und Einrichtungen der Verwaltung gemäß
Steckbrief 3.3.2.1 des Klimaplans (JOBWÄRTS)
Beratungsfolge
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 10.10.2024 Empfehlung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
31.10.2024 Empfehlung
Rat 12.11.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Dem von der Verwaltung vorgeschlagenen neuen Konzept zur Förde-
rung des betrieblichen Mobilitätsmanagements in Bonner Unternehmen
und Einrichtungen der Verwaltung gemäß Steckbrief 3.3.2.1 des Klima-
plans (Jobwärts) wird zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, das neue Konzept ab 2025 umzuset-
zen. Die dafür kalkulierten Finanzmittel werden im Haushalt zur Verfü-
gung gestellt.
Begründung
Anlass
Am 12.12.2023 hat der Rat der Stadt Bonn das bestehende Programm
JOBWÄRTS bis 31.12.2024 verlängert und der Verwaltung gleichzeitig den
Auftrag erteilt, für die Weiterführung ab 2025 ein neues Konzept vorzulegen
(DS 220492-03). Grund dafür war das Ausscheiden des Rhein-Sieg-
Kreises (RSK) und der damit verbundene Wegfall von 50 % der Finanzierung
sowie eine Reihe an Kündigungen von Arbeitgebenden. Trotz des Ausstiegs
des Rhein-Sieg-Kreises empfahl die Stadtverwaltung eine Fortsetzung von
JOBWÄRTS, denn das Programm ist weiterhin sehr erfolgreich. Zudem wird mit
dem JOBWÄRTS-Programm dem im Klimaplan aufgeführten und
beschlossenen Steckbrief 3.3.2.1 „Betriebliches Mobilitätsmanagement“
nachgekommen.Seite 1 von 10
Seite 2
Ausgangssituation
JOBWÄRTS ist seit dem Programmstart 2020 sehr etabliert und hat bei
dutzenden Unternehmen das Mobilitätsmanagement optimiert. Die letzte
Wirkungsmessung aus 2023 hat ergeben, dass sich der Modal Split positiv im
Sinne der Mobilitätswende entwickelt hat. Im Vergleich zu 2019 haben bisher
insgesamt 6.317 Mitarbeitende ihre Pkw-Nutzung reduziert und damit 935
Tonnen CO2 eingespart. Darüber hinaus hat die Wirkungsmessung ein hohes
Umstiegspotenzial aufgezeigt, welches durch die Fortsetzung des
Programms mit gezielten Angeboten aktiviert werden kann. Als Ergebnis der
Befragung ist hervorzuheben, dass bereits weitere 2.500 Mitarbeitende eine
weitere Reduzierung der Pkw-Nutzung vornehmen möchten. 35 % der
befragten PKW-Nutzenden können sich einen Umstieg auf das Rad vorstellen,
wenn sich die Radinfrastruktur der Stadt und des Arbeitgebenden entsprechend
verbessert. Des Weiteren können sich 46 % der Befragten auch einen Umstieg
auf den ÖPNV vorstellen, wenn sich hier insbesondere die Betriebsqualität
verbessern würde.
Zum letzten Jahr haben allerdings 13 der 42 Arbeitgebenden gekündigt. In den
Gesprächen mit diesen Arbeitgebenden wurden hauptsächlich die
Teilnahmegebühren von ca. 5.000 € pro Jahr als Grund genannt, das
Programm zu verlassen. Dies betraf vor allem Arbeitgebende der öffentlichen
Hand und mittlere Unternehmen, die im Zuge der Wirtschaftsplan-
/Haushaltsplankonsolidierungen auf freiwillige Leistungen verzichten müssen.
Gleichzeitig sank auch das Interesse, wiederholt an den ressourcenintensiven
Aktionen für Mitarbeitende (Testwochen, Dankeschön-Aktionen, Fahrrad-
Checks etc.) teilzunehmen. Dagegen ist das Interesse an den
Mobilitätsanalysen und der Wirkungsmessung weiterhin hoch, da die somit
erhobenen Daten durch die bald verpflichtenden EU-Reportings,
sog. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Zukunft an
Bedeutung gewinnen werden. Die CSRD-Richtlinie der EU verpflichtet seit
2023 EU-Unternehmen zu einer nachhaltigen Berichterstattung. Bei der
wichtigen Kennzahl Pendelverkehr der Mitarbeitenden kann JOBWÄRTS die
Unternehmen unterstützen, indem es CO2-Äquivalente bzw. deren Erhebung
durch die Wirkungsmessung liefert. Um dem zu entsprechen, wird hier auch
einer der zukünftigen Schwerpunkte des Programms gesehen.
Die vielfältigen Mitarbeitenden-Aktionen von JOBWÄRTS haben dazu geführt,
dass die Außenwahrnehmung des Markenbildes von JOBWÄRTS nicht der
tatsächlichen Bandbreite der Angebote entspricht. JOBWÄRTS wird
zunehmend „nur“ als Initiator von Mitarbeitenden-Aktionen verstanden oder
sogar mit JOBRAD oder Jobbörsen verwechselt. Das JOBWÄRTS-Programm
wird zu wenig als Berater, Vernetzer und Impulsgeber für zukunftsfähige,
nachhaltige betriebliche Mobilität wahrgenommen. Gemäß Klimaplan soll dies
allerdings eine Hauptaufgabe von JOBWÄRTS werden. Als wesentliche
Leistung sollen Bonner Unternehmen, Forschungs- und Bundeseinrichtungen
sowie Unternehmen im Rhein-Sieg-Kreis bei der Etablierung eines
betrieblichen Mobilitätsmanagements inhaltlich und organisatorisch unterstützt
und kostenfreie Beratungsleistungen angeboten werden.Seite 2 von 10
Seite 3
Neuer Ansatz
In mehreren Workshops mit Arbeitgebenden wurde in Zusammenarbeit mit
Stakeholdern wie z.B. der IHK sowie den Empfehlungen der Hochschule
RheinMain (siehe Anlage 1) folgender neuer Ansatz abgestimmt:
JOBWÄRTS vernetzt und motiviert Arbeitgebende für eine zukunftsfähige
betriebliche Mobilität ihrer Unternehmen in der Region Bonn/Rhein-Sieg.
Anstatt aufwändige Mitarbeitenden-Aktionen wie Testwochen selbst
durchzuführen, gibt JOBWÄRTS Hilfestellung zur eigenständigen Organisation
in den Unternehmen. Konkret sollen die folgenden Bausteine umgesetzt
werden.
• Individuelle Analysen für Arbeitgebende. Anhand der bewährten
Mobilitätsanalyse werden Potenziale für nachhaltige betriebliche
Mobilität aufgezeigt.
• Jährliche Mitarbeiterbefragungen mit dem Ergebnis einer
unternehmensspezifischen Evaluierung der getroffenen Maßnahmen
und Ermittlung des Modal-Splits zur Unterstützung der Arbeitgebenden
in den kommenden verpflichtenden EU-Reportings (zb. Scope 3)
• Schulung der Ansprechpartner in Unternehmen durch den mit der IHK
gemeinsam durchgeführten Zertifikatslehrgang „Betriebliche/r
Mobilitätsmanager/in“
• Bereitstellung einer Mobilitäts-Toolbox mit „Best-Practices“ / “How to
dos“ / Leistungsverzeichnissen, Kommunikationsmitteln uvm.
• Neue Vernetzungsformate zwischen den Arbeitgebenden, zur
Weiterbildung und zum Austausch mit der Bundesstadt Bonn
Dieser neue Ansatz wurde bereits sowohl verwaltungsintern als auch im
Lenkungskreis JOBWÄRTS intensiv diskutiert und weiterentwickelt. Die
Rückmeldungen aus allen Bereichen waren sehr positiv.
Stärkere Einbindung in der Verwaltung
Um den gemeinschaftlichen Aspekt von JOBWÄRTS weiter in den Fokus zu
stellen, soll die Kooperation mit anderen Themen in der Verwaltung weiter
ausgebaut werden.
So wird eine Zusammenarbeit mit dem Team der Klimaschutzangebote beim
Amt für Wirtschaftsförderung, auch im dortigen Projekt Nachhaltigkeits-Hub
Region Bonn, angestrebt, weil sich die Konzepte sehr gut ergänzen. Hier gibt
es konkrete Überlegungen, das Thema betriebliches Mobilitätsmanagement in
die angedachte AG Mobilität des Projektes Klimapartnerschaften zu integrieren.
Das JOBWÄRTS-Team soll hier gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung zur
Vernetzung und Information von Arbeitgebenden in der AG Mobilität beitragen.
Zudem gibt es eine Reihe an Überlegungen für neue Formate, um den
Austausch zwischen Verwaltung und Arbeitgebenden zu stärken, z.B. ein
Runder Tisch oder Kamingespräche mit entscheidenden Personen der
Bundesstadt Bonn.Seite 3 von 10
Seite 4
Partnerschaften
Der ursprüngliche Programmpartner VRS / Zukunftsnetz NRW ist bestrebt, das
JOBWÄRTS-Programm in Köln und Leverkusen sowie den umliegenden
Kreisen auf Grund der positiven Erfahrungen und der nachgewiesenen Wirkung
im Bonner Raum zu initiieren. Hier steht die Verwaltung in engem Austausch
und verspricht sich weitere Synergieeffekte.
Betrachtung der Marke „JOBWÄRTS“
Aufgrund der inhaltlichen neuen Ausrichtung muss auch der Markenauftritt
geschärft und neu betrachtet werden. Bisher hat sich das Angebot und die
entsprechende Kommunikation im Schwerpunkt an die Arbeitnehmenden
gerichtet. Durch die Neuausrichtung des Angebots werden jetzt im
Schwerpunkt die Arbeitgebenden angesprochen. Dies bedeutet einen Ausbau
auf eine klare B2B-Marke (Business to Business) und weniger Fokus auf
Mitarbeitenden-Aktionen.
Das neu formulierte Ziel heißt deswegen:
Vernetzung und Information zur nachhaltigen betrieblichen Mobilität für
Entscheidungsträger*innen in Unternehmen und Instituten.
Das neue Konzept vernetzt und motiviert Arbeitgebende für eine zukunftsfähige
betriebliche Mobilität ihrer Unternehmen sowie die Verbesserung der Arbeits-
und Lebensqualität der pendelnden Mitarbeitenden in der Region Bonn/Rhein-
Sieg. Es trägt dazu bei, dass unsere Region ein attraktiver Standort bleibt – für
Menschen und Unternehmen. Damit bewegt es zur nachhaltigen Gestaltung
von Pendlermobilität und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag zur
Klimaneutralität 2035.
Die neue Marke von „JOBWÄRTS“
Um das Programm langfristig zu stärken und neue Teilnehmende zu gewinnen,
ist ein Neustart von JOBWÄRTS als starke Arbeitgebendenmarke geplant. Der
Ausstieg des Rhein-Sieg-Kreises wird zum Anlass für eine selbstbewusste
Weiterentwicklung des Programms genommen. Damit verbunden ist auch ein
neuer Markenname, der die strategischen Ziele und die Angebote des
Programms deutlicher kommuniziert und die Bundesstadt Bonn als Initiatorin
und Absenderin klar aufzeigt. Darüber hinaus wird eine Verwechslung mit
Jobbörsen und Jobrad-Angeboten verhindert. Nach verwaltungsinterner
Abstimmung wurde der neue Markenname „MoveBonn – Bewegt die Region
für nachhaltige betriebliche Mobilität“ entwickelt.
Der Name ist ein Appell an alle Arbeitgebenden in Bonn und der Region:
„Geht mit uns in Richtung Zukunft: für nachhaltige betriebliche Mobilität, die
Unternehmen attraktiver macht und Mitarbeitende auf dem Weg zum Job
entlastet.“
Finanzen
Um weitere Kündigungen durch Arbeitgebende, insbesondere aus demSeite 4 von 10
Seite 5
öffentlichen Bereich zu vermeiden, wird zukünftig auf Mitgliedsbeiträge
verzichtet (aktuell 10 € netto pro Mitarbeitenden, max. 5000 € netto pro Jahr).
Gerade die Kommunen in der umliegenden Region sind wichtige Partner als
Multiplikatoren im Programm. Auch die zahlreichen Bundesinstitutionen bilden
mit ihrer hohen Anzahl an Beschäftigten ein enormes Potenzial zur Erreichung
einer nachhaltigen Pendlermobilität. Daher sind insbesondere diese
Arbeitgebenden unbedingt als Teilnehmende zu halten. Dies kann nur
langfristig durch den Verzicht von Mitgliedsbeiträgen erfolgen, da aufgrund des
hohen Kostendrucks öffentliche Institutionen zuerst auf freiwillige
Kostenverpflichtungen verzichten. Außerdem haben ausgestiegene
Arbeitgebende mehrfach signalisiert, bei einem Wegfall von Beiträgen wieder in
das Programm einsteigen zu wollen. Nach Auffassung der Verwaltung ist damit
durch den Verzicht auf Beiträge ein deutlich höheres Potenzial an
teilnehmenden Arbeitgebenden zu erreichen und damit der Projekterfolg
erheblich zu steigern.
Der Verzicht auf Mitgliedsbeiträge kann durch den Wegfall der hohen Kosten
für die Mitarbeitenden-Aktionen wie Mobilitäts-Testwochen oder
Fahrradsicherheits-Checks kompensiert werden. Die letzten Jahre haben
gezeigt, dass gerade im Bereich der Pedelecs eine starke Zunahme zu
verzeichnen ist. Dies ist auch auf neue attraktive Leasingangebote sowie
deutliche Preisreduzierungen zurückzuführen. Daher sind kostenintensive
Anreize und Angebote in diesem Bereich nicht mehr notwendig.
Trotz höherer Ansätze für die jährliche Wirkungsmessung zur Ermittlung der
CO2-Daten sowie für Austauschformate, um den Fokus mehr auf Vernetzung
und Information zu legen, kann der Gesamtansatz im Vergleich zur
ursprünglichen Planung zum Haushaltsansatz 2025/2026 langfristig gesenkt
werden.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.12. Verkehrsflächen und -anlagen,
ÖPNV
1.12.07 Verkehrsplanung
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich FolgekostenSeite 5 von 10
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Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
241.800,00
EUR EUR
(Sachkosten:
142.050,00
EUR,
Konzeption:
48.000,00 EUR,
Kommunikation:
51.750,00 EUR)
161001207/
73.1000
(Innenauftrag
6102002,
Jobwärts)
2025
Einzahlungen /
Erträge 0,00 EUR
Haushaltsbelastung
jährlich
241.800,00
EUR
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
246.980,00
EUR EUR
(Sachkosten:
150.755,00
EUR,
Konzeption:
39.300,00 EUR,
Kommunikation:
56.925,00
EUR))
161001207/
73.1000
(Innenauftrag
6102002,
Jobwärts)
2026
Einzahlungen /
Erträge
0,00 EUR
Haushaltsbelastung
jährlich
246.980,00
EUR
Anlage/n
1 Anlage 1 Empfehlungen JOBWÄRTS HSRM (öffentlich)Seite 6 von 10
Perspektiven für eine Weiterentwicklung des
Programms JOBWÄRTS aus wissenschaftlicher
Perspektive
Policy Brief für die Bundesstadt Bonn
Prof. Dr.-Ing. André Bruns,
Fachgruppe Mobilitätsmanagement
im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen
19.08.2024Seite 7 von 10
Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms JOBWÄRTS aus
wissenschaftlicher Perspektive
Prof. Dr.-Ing. André Bruns
19.08.2024 Seite 1
1 HINTERGRUND UND AUFGABENSTELLUNG
Mit JOBWÄRTS betreibt die Bundesstadt Bonn (und initial auch der Rhein-Sieg-Kreis sowie das
Zukunftsnetz NRW) das derzeit umfangreichste Programm zur systematischen Unterstützung des
Betrieblichen Mobilitätsmanagements (BMM) in Deutschland. Aus verkehrswissenschaftlicher
Perspektive stellt das Mobilitätsmanagement (MM) neben dem Infrastruktur- und
Verkehrsmanagement die dritte instrumentelle Säule des Verkehrswesens dar. Dass MM hat in dieser
Trias die spezifische Funktion, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern.
MM basiert dabei insb. auch auf theoretischen Grundlagen und Methoden aus den
Sozialwissenschaften. Darüber hinaus fungiert das MM explizit als das Instrument, mit dem die
Kooperation zwischen staatlichen und privaten Akteuren bei der Lösung von Verkehrsproblemen
gefördert werden soll, im BMM mit etwa mit Unternehmen.
Mit dem JOBWÄRTS-Programm hat die Bundestadt Bonn und der umliegende Kreis erfolgreich
grundlegende organisatorische, inhaltlich-/methodische und kommunikatorische Strukturen
geschaffen, um das BMM bei den teilnehmenden Arbeitgebern zu verankern und dauerhaft zu
fördern. Die Fachgruppe Mobilitätsmanagement (FGMM) der Hochschule RheinMain hat seit 2021 in
nunmehr drei Wellen im Auftrag der Bundesstadt Bonn standardisierte Messungen zur Wirksamkeit
des Programms durchgeführt. Die Ergebnisse der Wirkungsmessungen zeigen Veränderungen in der
Verkehrsmittelwahl auf Arbeitswegen vom Motorisierten Individualverkehr (MIV) hin zu den
Verkehrsmitteln des Umweltverbundes und insbesondere den Radverkehr, die sich zum Teil explizit
auf das Programm, bzw. in dessen Rahmen durchgeführte Maßnahmen zurückführen lassen.
Im Zusammenhang der dritten Wirkungsmessung wurde die FGMM, aufgefordert, Perspektiven für
eine Weiterentwicklung des Programms aus wissenschaftlicher Perspektive zu formulieren. Diesem
Wunsch kommen wir im Folgenden gerne nach.
2 ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN FÜR DAS JOBWÄRTS-PROGRAMM
Die Ergebnisse der Wirkungsmessungen zeigen insbesondere ein erhebliches Potenzial für kurz- und
insbesondere mittelfristige Verhaltensänderungen. Dieser Befund steht im Einklang mit Erkenntnissen
der Mobilitätsforschung, nach denen Verhaltensänderungen im Bereich der Arbeitswege teils
umfangreiche Anpassungen von Alltagspraktiken erfordern, die in Stufen ablaufen und einerseits
entsprechende zeitliche Vorläufe und andererseits spezifische Unterstützung erfordern. Dies Befunde
bestätigen den in Bonn gewählter Ansatz, JOBWÄRTS als dauerhaftes Programm (und nicht zeitlich
begrenztes Projekt), einzuführen, da so Menschen über entsprechende Maßnahmen der Arbeitgeber
langfristig bei Veränderungen ihres Mobilitätsverhaltens unterstützt werden können.
Mit dem JOBWÄRTS-Programm wurden somit erfolgreich grundlegende organisatorische, inhaltlich-
/methodische und kommunikatorische Strukturen geschaffen, um das BMM bei den teilnehmenden
Arbeitgebern in Bonn und Umgebung zu verankern und dauerhaft zu fördern. Ziel sollte es vor diesem
Hintergrund sein, das JOBWÄRTS-Programm als Baustein einer verkehrlichen Gesamtstrategie 1. zu
verstetigen und 2. inhaltlich weiterzuentwickeln, um dessen Wirkpotenziale auszuschöpfen.
Aus wissenschaftlicher Perspektive, aber insb. auch mit Blick auf die Erfahrungen aus ähnlichen
Programmen z.B. in München, der Region Frankfurt RheinMain und Aachen (aber auch Beispiele aus
dem europäischen Ausland) bestehen aus Sicht der Verfasser Potenziale insbesondere darin, zum
einen das Programm stärker strategisch auszurichten und zum anderen Synergien mit anderen
kommunalen Handlungsbereichen, z.B. Stadtplanung und Wirtschaftsförderung zu suchen.Seite 8 von 10
Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms JOBWÄRTS aus
wissenschaftlicher Perspektive
Prof. Dr.-Ing. André Bruns
19.08.2024 Seite 2
In folgenden Bereichen werden aus Sicht der Verfasser die größten Potenziale gesehen:
1. JOBWÄRTS als (Governance-)Instrument für kooperative verkehrliche
Problemlösungsstrategien nutzen.
Hierbei geht es zunächst um die Koordination der durch die AG umgesetzten MM-
Maßnahmen, um so konkrete verkehrlicher Herausforderungen etwa im Kontext von
Großprojekten im Bereich der Infrastrukturerneuerung zu bewältigen. Durch koordinierte,
temporäre Maßnahmen, wie etwa der Erhöhung des Anteils des Mobilen Arbeitens oder der
Incentivierung des Umstiegs auf andere Verkehrsmittel als den MIV, kann aufgrund der
Menge der an JOBWÄRTS beteiligten Unternehmen, bzw. deren Arbeitnehmer:innen eine
signifikante Reduzierung des Verkehrsaufkommens erreicht werden. Beispiele aus den
Niederlanden, z.B. Maastricht, Belgien und zuletzt auch Aachen zeigen die Effektivität dieser
Strategie. JOBWÄRTS könnte hier eine aktiv koordinierende Rolle einnehmen und
entsprechende Gesprächsrunden mit den Baulastträgern und Unternehmen moderieren.
2. Über JOBWÄRTS Arbeitgeber an Verkehrsplanungsprozessen beteiligen.
Über die Bewältigung konkreter verkehrlicher Probleme hinaus bietet auch eine eher
strategisch ausgerichtete Zusammenarbeit im Kontext verkehrlicher Planungen Chancen. So
könnten etwa an JOBWÄRTS und/oder im BMM allgemein engagierte Unternehmen stärker in
verkehrliche Planungsprozesse wie der Verkehrsentwicklungsplanung (oder Sustainable Urban
Mobility Plans) und insbesondere der Nahverkehrsplanung eingebunden werden. Die im
Rahmen des BMM erhobenen Daten könnten so als Planungsgrundlage genutzt werden,
zugleich können die Unternehmen die Effektivität öffentlicher Maßnahmen erhöhen, in dem
sie diese durch eigene Maßnahmen flankieren. Auch hier könnte JOBWÄRTS eine
moderierende Funktion einnehmen und zugleich durch standardisierte Erhebung von Daten
(„1-Minute-Befragung“ und Wirkungsmessung) eine einheitliche Datenqualität gewährleisten.
3. Integration JOBWÄRTS in anderen kommunalen Handlungsfeldern.
Hierbei geht es vor allem darum, die durch JOBWÄRTS geschaffenen Grundlagen auch für
andere kommunale Aufgabenbereiche nutzbar zu machen, was anhand zweier Beispiele
konkretisiert werden soll:
a. Die Stellplatzsatzung der Bundesstadt Bonn ermöglicht es, durch Vorlage eines
Mobilitätskonzepts, die Pflicht zu Erstellung von Stellplätzen in Teilen (bis zu 30%)
auszusetzen. Voraussetzung hierfür ist ein qualifiziertes und dauerhaft betriebenes
Mobilitätskonzept. Im Rahmen des JOBWÄRTS-Programms sind fachliche Grundlagen
für derartige Konzepte erarbeitet worden. JOBWÄRTS könnte somit Unternehmen bei
der Erstellung und Umsetzung von Mobilitätskonzepten beraten und gleichzeitig durch
entsprechende Evaluationen deren langfristige Effektivität sicherstellen.
b. Anknüpfungspunkte ergeben sich insbesondere auch im Bereich der
Wirtschaftsförderung. So könnte das Beratungsangebot von JOBWÄRTS gezielt als
Angebot der Wirtschaftsförderung eingesetzt werden, um ansässige oder
ansiedlungswillige Unternehmen im Themenfeld Mobilität zu unterstützen. Hierbei
kann auf aktuelle Themen wie die Fachkräftegewinnung oder Nachhaltigkeits-(ESG-
)Reporting Bezug genommen werden. Insbesondere die durch die EU konstituierte
Pflicht, Nachhaltigkeitsindikatoren wie etwa THG-Emissionen auch für Arbeitswege zu
berichten, ist aktuell ein starker Treiber für BMM. Die im Rahmen von JOBWÄRTS
erhobenen Daten können unmittelbar für das Reporting eingesetzt werden.Seite 9 von 10
Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Programms JOBWÄRTS aus
wissenschaftlicher Perspektive
Prof. Dr.-Ing. André Bruns
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Die zuvor skizzierten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung von JOBWÄRTS erfordern ebenso
operative Veränderungen mit Blick auf das Aufgabenportfolio des JOBWÄRTS-Teams, hierzu gehören
insb. die folgenden Aspekte:
I. Fokus auf strategische Beratungsleistungen (statt operativer Durchführung von Maßnahmen),
d.h. eher Fokus auf die Beratung der Arbeitgeber, um diese bei der Planung und Umsetzung
von Maßnahmen zu unterstützen. Dieses Beratungsmodell hat sich etwa in der Region
Frankfurt RheinMain aber auch in der Stadt München als langfristig erfolgreich erwiesen.
Hierzu gehört auch die Förderung entsprechender Fachkompetenzen, etwa durch die
Koordination von Fort- und Weiterbildungsangeboten für betriebliche
Mobilitätsmanager:innen (z.B. Kooperation mit der IHK Bonn, hier liegen umfangreiche
Erfahrungen aus anderen Teilen NRWs vor) sowie die Qualitätssicherung im Rahmen von
Zertifizierungen von Mobilitätskonzepten (analog etwa des Zertifizierungsverfahrens der ivm
GmbH in Kooperation mit den IHKen der Region Frankfurt).
II. Intensivere Nutzung der in JOBWÄRTS ermittelten Daten, etwa als Grundlage für die Planung
von Mobilitätskonzepten oder für das Nachhaltigkeitsreporting der Arbeitgeber. Darüber
hinaus jedoch auch gezielte Aufbereitung und Nutzung der Daten in datenschutzrechtlich
geeigneter Form für städtische Planungsprozesse.
III. Fokus auf Vernetzung der Unternehmen und Moderation von Prozessen etwa zur
Koordinierung von Maßnahmen im Sinne des oben genannten Ansatzes kooperativer
Lösungsstrategien.
IV. Stärkere Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der kommunalen Verwaltung, etwa der
Stadtplanung oder der Wirtschaftsförderung. Perspektivisch scheint auch eine stärkere
verwaltungsinterne Koordination verschiedener Bereiche des MM, z.B. auch des schulischen
MM im Sinne eines Kommunalen Mobilitätsmanagements sinnvoll.Seite 10 von 10

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Datenstand: 03.11.2026, 08:03 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de