241601 · Beschlussvorlage
Nachhaltige Kulturstrategie für die Bundesstadt Bonn 2035
Kerndaten
- Nummer
- 241601
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 18.09.2024
- Letzte Änderung
- 17.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung des Kulturausschusses Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Sportausschusses Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 241601 Die OberbürgermeisterinDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Federführung: Dezernat IV Dezernat: Dez. IV Nachhaltige Kulturstrategie für die Bundesstadt Bonn 2035 Beratungsfolge Sportausschuss 10.10.2024 Empfehlung Kulturausschuss 31.10.2024 Empfehlung Rat 12.12.2024 Entscheidung Beschlussvorschlag Der Rat nimmt die ihm vorgelegte Nachhaltige Kulturstrategie für die Stadt Bonn 2035 zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die ihr enthaltenen Maßnahmen zu priorisieren, konkret zu planen und bis 2035 nach und nach möglichst über Mittel des Klimaplans umzusetzen. Die Darstellung der finanziellen Auswirkungen sowie konkrete Beschlussfassungen werden über die Mittelanmeldungen je Doppelhaushalt sowie über Umsetzungsbeschlüsse zu den zugehörigen Steckbriefen des Klimaplans vorgenommen. Begründung Die Verwaltung wurde vom Rat in seiner Sitzung am 06.05.2021 (DS- Nr. 202383) beauftragt, das Kulturkonzept der Stadt Bonn 2012-2022 fortzuschreiben. Aufgrund der thematischen Relevanz wurde (siehe DS-Nr. 222086) der Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt. Zunächst haben eine digitale Umfrage sowie eine Auftaktveranstaltung mit Kulturakteur*innen stattgefunden, die für den Strategieprozess die notwendigen Grundlagen lieferten. Im September 2023 wurde die Koordinierungsstelle Kultur und Nachhaltigkeit im Dezernat gegründet, die den weiteren Strategieprozess koordinierte. Mitte Dezember 2024 wurde mit noch zur Verfügung stehenden Restmitteln die Kultur- und Nachhaltigkeitsberatung imorde.brütt beauftragt. Koordinierungsstelle und Agentur gestalteten den partizipativ angelegten ergebnisoffenen Strategieentwicklungsprozess unter dem Motto „bunter.bewegter.bewusster.“ inhaltlich weiter. Die zuvor gesammelten Ergebnisse aus digitaler Umfrage und Auftaktveranstaltung wurden ausgewertet, wodurch fünf für den Kulturbereich besonders wichtige SDGs priorisiert werden konnten. Auf dieser Basis wurden verschiedene Formate zu Wissen, Dialog und Visionen entwickelt, die in unterschiedlicher Weise auf den Strategieprozess eingezahlt haben und zwischen August 2023 und Januar 2024 umgesetzt wurden. Dazu zählten: - „Club-Abend Nachhaltigkeit“, 16.8.2023, Museum Koenig, 80 TeilnehmendeSeite 1 von 67 Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) - Sechsteilige digitale „Impulsreihe 5vor12“, insgesamt 81 Teilnehmende - Fokusgruppen • Klima, 30.08.2023, Salon 53177, 21 Teilnehmende • Bildung, 26.09.2023, Haus der Bildung, 23 Teilnehmende • Nachhaltige/r Konsum und Produktion, 19.10.2023, LVR- LandesMuseum, 18 Teilnehmende - Information/Beteiligung • Fokusgruppe Politik, 08.11.2023, Altes Rathaus, 15 Teilnehmende • Bürgerbeteiligung auf bonn-macht-mit.de zwischen dem 30.10. und 20.11.2023, 10 Teilnehmende - Kreativ-Workshop am 29.11.2023, Brotfabrik Bonn, ca. 60 Teilnehmende Insgesamt beteiligten sich an allen Formaten (inkl. Umfrage und Auftaktveranstaltung) rund 550 Köpfe (teils Mehrfachteilnehmende) aus rund 130 Organisationen an dem Prozess. Diese haben gemeinsam die Grundlage für das angefügte Strategiepapier gelegt. In den Fokusgruppen entstanden mehr als 700 Ideen, die von den Gruppen auf 12 priorisierte Maßnahmen fokussiert wurden. Diese bildeten das Gerüst für die Weiterarbeit und letztlich die Erstellung und Redaktion der vorliegenden Nachhaltigen Kulturstrategie, die von der Koordinierungsstelle Kultur und Nachhaltigkeit sowie der Kultur- und Nachhaltigkeitsagentur imorde.brütt in Rückkopplung mit den Sprecher*innen der Fokusgruppen, ausgewählten Expert*innen, sowie den Leitungen von Kulturamt, Sport- und Bäderamt, Amt für Internationales und Globale Nachhaltigkeit sowie Programmbüro Klimaneutrales Bonn übernommen wurde. Insgesamt werden nach einer längeren Herleitung zwei Leitlinien und neun Maßnahmen beschrieben. Die darin vorgestellten Maßnahmen sollen im nächsten Schritte priorisiert und in handhabbare Strukturen überführt werden. Im Wesentlichen ist vorgesehen, für die Einzelmaßnahmen entweder in thematischen AGs mit geeigneten bzw. interessierten Partnern aus Kultur, Sport, Nachhaltigkeit, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzukommen oder geeignete Kooperationspartner*innen zu finden, die sich gemeinsam mit der Koordinierungsstelle Kultur und Nachhaltigkeit um die jeweiligen Maßnahmen kümmern. Es gilt also, die Maßnahmen in AGs oder Kooperationsverhältnissen weiter zu besprechen, konkrete Aufgabenpakete zu definieren und Zeitpläne und Zuständigkeiten für die Umsetzung festzulegen. Hinzu kommt eine dezidierte Finanzplanung pro Maßnahme. Die Finanzierung soll dann über die in Zuständigkeit innerhalb des Dezernats liegenden Steckbriefe im Rahmen des Klimaplans Bonn 2035 erfolgen. Wo möglich werden Drittmittel eingeworben und Partnerschaften eingegangen. Die Maßnahmen sollen fortlaufend in geeigneter Weise evaluiert werden. Über den Fortlauf wird die Politik in regelmäßigen Abständen informiert.Seite 2 von 67 Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch) Anlage/n 1 Nachhaltige-Kulturstrategie-Bonn2035 (öffentlich)Seite 3 von 67 bunter. bewegter. bewusster. Nachhaltige Kulturstrategie für die Bundesstadt Bonn 2035Seite 4 von 67 Umsetzung und Beratung: imorde.brütt Kultur- und Nachhaltigkeitsberatung GbR (übergehend in IB SUSTAIN GmbH) Teile des Prozesses wurden mit freundlicher Unterstützung folgender Partner realisiert: Titelbild Das Titelbild zeigt eine Szene aus der Produktion „Wasser/Agua“, das im Rahmen der internationalen Projektpartnerschaft zwischen La Paz (Bolivien) und Bonn entstanden ist. Dabei erarbeiteten jeweils fünf Schauspieler*innen aus beiden Städten in zwei Arbeitsphasen ein Theaterstück für Kinder und Ju- gendliche passend zum Hauptthema der Weltklimakonferenz 2017, in deren Rahmen das Stück auch im Theater Marabu in Bonn aufgeführt wurde. Dieser Bericht darf nur unverkürzt vervielfältigt werden. Eine Veröffentlichung bedarf der Genehmigung durch die Stadt Bonn. Für Fragen und Anmerkungen zur Nachhaltigen Kulturstrategie steht die Koordinierungsstelle für Kultur und Nachhaltigkeit unter nachhaltige-kulturstrategie@bonn.de jederzeit zur Verfügung. Bildnachweis: Titel: Ursula Kaufmann, Theater Marabu S. 4: Benjamin Westhoff, Bundesstadt Bonn S. 5: Giacomo Zucca, Bundesstadt Bonn S. 6: Gabi Hoehne, Bundesstadt Bonn S. 7: Arnulf Marquard-Kuron S. 8: heikebecker.design/Bundesstadt Bonn S. 9: links: Künstlerforum Bonn; rechts: Jonas Schenk S. 10: Ulrika Eller-Rüter S. 11: Martin Stennes, Junges Theater Bonn S. 12: Michael Bergen S. 13: Bastian Geza Aschoff S. 14: Jennifer Merten S. 15: links: Thilo Beu, Theater Bonn; rechts: Yvonne Katzy, Bundesstadt Bonn S. 16: Michael Staab, Beethovenfest Bonn S. 17: Bundesstadt Bonn S. 18: Kolja Matzke S. 19: nodesign S. 20: David Ertl S. 21: Magdalena Bahr, m.kultur S. 22: Bundesstadt Bonn S. 23: Bundesstadt Bonn S. 24: Bundesstadt Bonn S. 25: Bundesstadt Bonn S. 29: Bundesstadt Bonn S, 30: Bundesstadt Bonn S. 38: Bundesstadt Bonn S. 40: Tanja Evers S. 41: Ursula Kaufmann, Theater Marabu S. 46: Thilo Beu, Theater Bonn S. 55: Jacob Ammentori Lund – iStock S. 58: Daniel Dittus S. 60: Arnulf Marquard-Kuron S. 61: Bundesstadt Bonn S. 62: links: Philipp Seliger; rechts: Daniel Breitfelder 2Seite 5 von 67 Inhalt Grußwort von Oberbürgermeisterin Katja Dörner 4 Grußwort von Sport- und Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger 5 Abstrakt 6 Einleitung 7 Bonns Strategien für eine nachhaltige Zukunft im internationalen Referenzrahmen .......................................................................8 Kultur und Nachhaltigkeit: Kooperation und Partnerschaft ............................. 11 Kultur und Nachhaltigkeit in Bonn: ein Feld des Experimentierens .................13 Nachhaltige Kulturstrategie Bonn 2035 20 Ergebnisse des Strategieprozesses 26 Steckbriefe: Maßnahmen im Detail 30 SDG 13: Klima- und Ressourcenschutz ........................................................... 31 SDG 12: Nachhaltige Produktion und Konsum.................................................39 SDG 4: Hochwertige Bildung............................................................................ 47 Gemeinsame Leitideen ..................................................................................54 Fazit und Ausblick 58 Konkrete Schritte.............................................................................................60 Transparenz und Kommunikation ..................................................................... 61 Erfolgsindikatoren............................................................................................ 62 Übersicht der Mitwirkenden 63 3Seite 6 von 67 Grußwort von Oberbürgermeisterin Katja Dörner Liebe Kulturakteurinnen und -akteure, liebe Sportaktive, liebe interessierte Bürgerinnen und Bürger, die Stadt Bonn – und das ist mir sehr wichtig – unternimmt viel für eine zukunftsfähige nach- haltige Stadtentwicklung im Sinne der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Den Rahmen dazu haben wir 2019 mit unserer kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie geschaffen. Mit dem Bonner Klimaplan und seinen zahlreichen Einzelmaßnahmen haben wir die konkreten Schritte eingeleitet, bis 2035 klimaneutral zu werden. Empfehlungen dazu sind auch im Mitwirkungs- verfahren „Bonn4Future – Wir fürs Klima“ entstanden. In unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir der Kultur und dem Sport eine wichtige Rolle zugewiesen. Entsprechend dieser Rolle hat sich der Kultur- und Sportbereich gemeinsam auf den Weg gemacht. Dies gilt für die verschiedenen kommunalen Kultureinrichtungen – allen voran Beethoven Orchester und Theater Bonn. Auch Kulturamt sowie Sport- und Bäderamt konnten über Mittel aus dem Klimaplan ihre regulären Förderungen für nachhaltige Projekte und Vorha- ben der nichtkommunalen Kultur- wie Sportlandschaft ausweiten. Aber selbstverständlich gilt dies auch für die freie Szene und die Sportvereine selbst, die sich nach ihren jeweiligen Möglichkeiten in ihren Teams und mit ihren Häusern immer nachhaltiger aufstellen. Aber – und das ist ein entscheidender Punkt – jenseits der eigenen Bestrebungen, ökologisch, ökonomisch und sozial immer nachhaltiger zu werden, kommen Sport und Kultur durch die ihnen zugrundeliegenden Potenziale und Kreativi- tät die besondere Rolle zu, die gesellschaftliche Transformation anzuregen und zu begleiten – also Krise als Krise zu kommunizieren und Utopien für eine bessere gemeinsame Zukunft zu malen. Daher ist es umso wichtiger, dass sich die Protagonistinnen und Protagonisten aus beiden Bereichen in dem durch- laufenen Strategieprozess auf gemeinsame Maßnahmen verständigt haben, die sie jenseits der eigenen individuellen Ansätze übergreifend umsetzen wollen. So wird auch an dieser Stelle deutlich: Nachhaltigkeit funktioniert nur im Team – durch die Motivation einer und eines jeden – und daher freue ich mich, dass die Kultur- und Sportlandschaft Teile unseres Teams für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft sind und sie alle mit uns diese bunter, bewegter und bewusster gestalten. Darauf freut sich Ihre Katja Dörner 4Seite 7 von 67 Grußwort von Sport- und Kulturdezernentin Dr. Birgit Schneider-Bönninger Liebe Sport- und Kulturakteurinnen und -akteure, sehr geehrte Damen und Herren, es war seit der digitalen Umfrage um den Jahreswechsel 2021/22 und spätestens mit der großen Auftaktveranstaltung im Mai 2022 in der Oper Bonn zur nachhaltigen Kulturstrate- gie deutlich, wie motiviert und leidenschaftlich die Kultur- und Sportakteur*innen unserer Stadt etwas bewegen wollen: sich selbst, aber auch die anderen, um mit positiven Beispie- len voranzuschreiten und andere mitzureißen in eine nachhaltige und lebenswerte Welt. Diese Transformation aus sich selbst heraus und für und mit allen passt perfekt zu den Zie- len der Bundesstadt Bonn, die die besondere Mission hat, „nachhaltige Zukünfte“ in Bewegung zu bringen. Ein Meilen- stein war die Einrichtung der Koordinierungsstelle „Kultur und Nachhaltigkeit“ im Sport- und Kulturdezernat, die mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir freuen uns sehr, dass an dem vom Sport- und Kulturdezernat angestoßenen Prozess zur nachhaltigen Kulturstrategie so viele Menschen – darunter Impulsgeber*innen, Mitstreiter*innen, Visionär*innen und auch Kritiker*innen – so hochmotiviert mitgewirkt haben. Hierfür sei allen an dieser Stelle noch einmal ein herz- liches Dankeschön gesagt! Das hier vorgelegte Ergebnis ist ein erster Schritt auf dem nun anstehenden gemeinsamen Weg. Sicherlich werden Sie alle auch weiterhin in Ihren Häusern und Ihren kulturellen wie sportlichen Gemeinschaften eigene Bestrebungen umsetzen – aber die hier vorgeschlagenen Maßnahmen bilden einen ersten gemeinsamen Nenner, hinter dem sich viele von Ihnen versammeln können. Wir werden von unserer Seite alles dafür tun, diese Maßnahmen mit Ihnen in den nächsten Jahren umzusetzen. Dabei wird es sicher auch notwendig werden, diese auf dem Weg weiterzuentwickeln, zu optimieren oder gar zu verändern. Danke, dass Sie sich darauf eingelassen haben, danke, dass Sie den Mut aufbringen, mit uns an der Vision „Klimage- rechte Sport- und Kulturstadt 2035“ weiterzuarbeiten, danke, dass Sie eintreten für Sport und Kultur und die Men- schen in unserer Stadt. Ihre Dr. Birgit Schneider-Bönninger 5Seite 8 von 67 6 Im Jahr 2021 erteilte der Bonner Stadtrat den Auftrag, das Kul- turkonzept 2012–2022 der Stadt fortzuführen. Angesichts der wachsenden Bedeutung nachhaltiger Entwicklung in allen Le- bensbereichen wurde entschieden, den Schwerpunkt auf den Bereich Nachhaltigkeit zu legen. Dem Leitgedanken folgend hat sich die Stadt Bonn zum Ziel gesetzt, eine führende Rolle in der Entwicklung und Umsetzung einer kommunalen nach- haltigen Kulturstrategie zu übernehmen. Gegenstand dieses Papiers ist die Darstellung des Bonner Prozesses zur nachhaltigen Kulturstrategie sowie der daraus resultierenden Erkenntnisse und Folgeschritte. Zusammenge- fasst sind die wesentlichen/zentralen Aspekte: 1. Ganzheitlicher und partizipativer Ansatz: Die Stadt Bonn hat einen ganzheitlichen und partizipativen Ansatz für die Entwicklung ihrer nachhaltigen Kulturstrategie gewählt, der kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Akteur*innen sowie Bürger*innen einbezieht. Deren engagierte Mitwir- kung bereicherten den Prozess bei Workshops, Umfragen und Veranstaltungen. 2. Integration der SDGs: Die Strategie orientiert sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, wobei ein spezieller Fokus auf fünf ausgewählten SDGs liegt, die als Handlungsgrundlage für die Entwicklung der nachhaltigen Kulturstrategie dienen. 3. Schwerpunkte der Strategie: Die Strategie konzentriert sich auf die Verbindung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimensionen innerhalb der kommunalen Zu- sammenhänge von Kultur, Sport, Wissenschaft, Verwal- tung, Wirtschaft und Bürger*innen. 4. Neue Werkzeuge und Methoden: Mit der Strategie geht die Einführung von partizipativen Formaten, die Entwicklung von Projektsteckbriefen, Erfolgsindikatoren und eines spe- ziellen Reifegradmodells zur systematischen Umsetzung und Steuerung der Strategie einher. 5. Fortlaufende Entwicklung und Anpassung: Die Strategie ist dynamisch und kann fortlaufend an neue Erkenntnisse und Bedürfnisse angepasst werden, um den Herausforderun- gen einer nachhaltigen Entwicklung effektiv zu begegnen. 6. Zielgerichtete Maßnahmen: Der Fokus liegt auf konkreten Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Kultur- und Sport- landschaft in Bonn beitragen und so die lokalen sowie glo- balen Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Abgeleitet von den UN-Nachhaltigkeitszielen wurden auf Bun- des-, Länder- und kommunaler Ebene Nachhaltigkeits- und Klimastrategien entwickelt, die den Rahmen für die nachhal- tige Kulturstrategie in Bonn bilden. Diese werden in der Einlei- tung erläutert und mit Beispielen aus der Bonner Kultur- und Sportlandschaft ergänzt, die das vielfältige Engagement für Nachhaltigkeit illustrieren. Darauf aufbauend erfolgen die Her- leitung und der Aufbau des Strategieprozesses mit den daraus resultierenden Maßnahmen und finalen Schlussfolgerungen. Abstrakt Blumenbeet im Garten der BildungSeite 9 von 67 7 Einleitung Bonn: UN-Standort und Drehscheibe für nachhaltige Entwicklung Demokratie und Nachhaltigkeit bildeten sich in den letzten Jahrzehnten als die zwei wichtigs- ten Stränge der DNA Bonns heraus. Vor 75 Jahren wurde hier in der Pädagogischen Akademie das Grundgesetz verabschiedet, das die Basis unseres freiheitlichen Zusammenlebens in der Bundesrepublik Deutschland bildet. Elementare Fragen des Zusammenlebens müssen heute, gerade auch im komplexen Rahmen der Nachhaltigkeit, neu gestellt und beantwortet wer- den. Demokratie und Nachhaltigkeit sind direkt miteinander verbunden und deswegen wer- den hierfür in Bonn Antworten gefunden. Gegenwärtig steht die Gesellschaft vor extrem großen Herausforderungen, insbesondere bezüglich der ökologischen Grundlagen ihrer Lebensweise. Bruno Latour schlug in seinem „Terrestrischen Manifest“ (2018) eine paradigmatische Wende zur Ermöglichung einer konse- quenten Politik der Nachhaltigkeit vor. Der Geologe Reinhold Leinfelder plädiert für ein neues Bewusstsein für die Auswirkungen des menschlichen Handelns in der anthropozänen Welt und prägt den Begriff des „Weltgärtners“, der eine gestaltende Verantwortung übernimmt. Unter der thematischen Klammer „UN Bonn – Nachhaltigkeit gestalten“ kooperieren in diesem Sinne über 25 UN-Organisationen, Bundesministerien und Bundesbehörden, rund 150 Nichtre- gierungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. „Diese Stadt hat sich zur Welthauptstadt für Nachhaltigkeit und Klimaschutz entwickelt. Für Menschheitsaufgaben, die heute drängender sind, denn je“, so brachte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in sei- ner damaligen Funktion als Bundesminister des Auswärtigen die hervorgehobene Rolle auf den Punkt. Bonn wurde – nach fünf Jahrzehnten als Parlaments- und Regierungssitz – 1994 der Status Bundesstadt verliehen und damit die Rolle als zweites politisches Zentrum der Bundesrepublik Deutschland festgeschrieben. Mit diesen Potenzialen ist die Bundesstadt in drei Jahrzehnten zu einem Kompetenzzentrum für globale Zukunftsthemen geworden, zu einem Nachhaltigkeitskno- tenpunkt, der auch die internationalen Aktivitäten der Kommune prägt und antreibt, beispiels- weise durch die Mitgliedschaft im Städtenetzwerk „Eurocities“ oder als UNESCO Learning City. Bei all diesen Bestrebungen engagiert sich Bonn vielfach sowohl auf internationaler als auch kommunaler Ebene für die Verwirklichung der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (folgend: SDGs). Auch der Bonner Nachhaltigkeitsbegriff orientiert sich maßgeblich daran. Dementsprechend sind die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – stets als gleichwertig und möglichst miteinander verzahnt im Sinne dieser über- geordneten Leitlinien zu betrachten: • Ökologische Dimension: Schutz der Umwelt und Bewältigung der Klimakrise • Ökonomische Dimension: Wirtschaftliche Entwicklung und Sicherung der Arbeitsplätze • Soziale Dimension: Verwirklichung von sozialen und kulturellen Bedürfnissen aller Menschen Im Sinne dieses ganzheitlichen Ansatzes engagieren sich Sport und Kultur in Bonn bereits in vielfältiger Weise für Nachhaltigkeit und spielen eine zentrale Rolle für die Erreichung der SDGs. Kultur, Sport und Nachhaltigkeit enger zu verzahnen und die Bonner Kultur- und Sport- landschaft dahingehend zu unterstützen, ist Ziel des hier dargelegten Strategieprozesses zur nachhaltigen Kulturstrategie Bonns. Kunst, Kultur und Sport sind Trei- ber und Korrektiv in der Gestaltung der nachhaltigen Zukunft. Gradmesser der kommunalen Nachhaltigkeitsbestrebungen ist, ob und in welchem Umfang der Zu- gang zu einem reichhaltigen Kultur- und Sportprogramm gegeben ist. Im Rahmen ihrer Verpflichtung zur Agenda 2030 für nachhaltige Ent- wicklung hat die Stadt Bonn einen Prozess angestoßen, der sich an den 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ori- entiert, um umfassende nachhaltige Entwicklungsmaßnahmen auf loka- ler Ebene umzusetzen. Die SDGs dienen als universelles Zielsystem, das von Armutsbe- kämpfung über Klimaschutz bis hin zur Förderung von gerechter Bil- dung und menschenwürdiger Arbeit reicht. Sowohl das Streben nach Umsetzung der 17 SDGs als auch das Wissen um die schwindenden planetaren Ressourcen bilden die Grundlage für diesen Strategie- prozess. Oberbürgermeisterin Katja Dörner begrüßt die Teilnehmenden des Kreativ-Workshops Ein Puzzlestück der Nachhaltigen Kulturstrategie, vorgestellt von Bernd Seibert, StadtsportbundSeite 10 von 67 „Wir machen Zukunft“ – Kooperationsprojekt zwischen der Stadt Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis zur Verbindung von bildender Kunst und Nachhaltigkeit Bonns Strategien für eine nachhaltige Zukunft im internationalen Referenzrahmen Von den UN-Nachhaltigkeitszielen ausgehend gibt es zahlreiche Referenzrahmen und Strate- gien, die für nachhaltiges und ressourcenschonendes Handeln auf übergeordneter wie lokaler Ebene relevant sind. Wegweisend – auch für die Entwicklung der nachhaltigen Kulturstrategie Bonns – ist dabei deren vertikale Integration. Das bedeutet, dass die verschiedenen Strate- gien, die auf den unterschiedlichen politischen Ebenen oder in verschiedenen thematischen Kontexten definiert werden, aufeinander abgestimmt und von UN- und EU-Ebene bis auf Lan- des- und Kommunalebene heruntergebrochen werden. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ziele auf allen Ebenen konsistent sind und entsprechende Synergien geschaffen und genutzt werden können. In diesem Sinne tragen insbesondere die folgenden ausgewählten Bonner Strategien zu den übergeordneten Klima- und Nachhaltigkeitszielen bei: AGENDA 2030 17 SDGs NACHALTIGE KULTUR STRATEGIE BONN 2035 EU KLIMAGESETZ IPCC BERICHTE DEUTSCHES KLIMAGESETZ VERTIKALE INTEGRATION VON NACHHALTIGKEIT- UND KLIMASCHUTZ EUROPEAN GREEN DEAL DEUTSCHE NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE NRW NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE BONNER NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE BEHINDERTENPOLITISCHER TEILHABEPLAN NRW KLIMASCHUTZPAKET KLIMAPLAN BONN 2035 SPORTENTWICKLUNGSPLAN 8Seite 11 von 67 Nachhaltigkeitsstrategie 2019 und Nachhaltigkeitsbericht Die Stadt sieht in der nachhaltigen Entwicklung eine Gemeinschaftsaufgabe, die in der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie von 2019 konkretisiert wird. Diese Strategie hebt sechs Kernberei- che hervor: Mobilität, Arbeit und Wirtschaft, natürliche Ressourcen und Umwelt, gesellschaft- liche Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit sowie globale Verantwortung. Durch die aktive Einbindung lokaler Akteur*innen und der Bürgerschaft in den Umsetzungsprozess strebt Bonn danach, die Lebensqualität aller Stadtbewohner*innen zu verbessern und gleichzeitig die Um- weltauswirkungen zu minimieren. Ziel ist es, Bonn als Modellstadt für nachhaltige Entwicklung zu etablieren. Bereits seit 2005 veröffentlicht die Stadt Bonn regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte. Seit 2020 berichtet Bonn zudem freiwillig zum Umsetzungsstand der Agenda 2030 an die Vereinten Na- tionen – zuletzt 2022 mittels des Berichtsrahmens „Nachhaltige Kommune“, der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung erarbeitet wurde. Dieses neuartige Format verbindet erstmals quan- titative Indikatoren und qualitative Berichtsaspekte in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Mit dem Bericht werden auch die Entwicklungen in den kommunalen Handlungsfeldern der Nachhaltigkeit seit Verabschiedung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie abgebildet. Klimaplan Bonn 2035 Um dem Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 – im Einklang mit dem Pariser 1,5-Grad- Abkommen – gerecht zu werden, ist der Klimaplan Bonn 2035 ein weiterer bedeutender Schritt. Der 2023 verabschiedete Klimaplan umfasst umfangreiche Maßnahmen unter ande- rem in den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Gebäude, Energie und Mobilität und verfolgt zwei Hauptstrategien: die Maximierung der Energieeffizienz und die Dekarbonisierung des verbleibenden Energieverbrauchs. Klar wird auch, dass ein klimaneutrales Bonn mehr braucht als die reine Fokussierung auf die Reduzierung der Treibhausgase. Dieser Ansatz erfordert eine umfassende Transformation aller Sektoren und die Betrachtung der notwendigen Ver- änderungen zu Klimaneutralität als systemische und agile Aufgabe, die Stadtverwaltung, Bürger*innen und Unternehmen gleichermaßen einbezieht. Im Klimaplan stehen vier Hauptdimensionen der Veränderungen im Mittelpunkt: Governance (Entscheidungsbeschleunigung und Umsetzung), Technik und Infrastruktur (Zugänglichkeit zu technischen Lösungen), Gesellschaft und Wirtschaft (lang- und kurzfristige Einflüsse auf die Zielerreichung), sowie Flächen und Ressourcen (raumplanerische Herausforderungen und nachhaltige Flächennutzung). Mit dem Zielbeschluss über den Klimaplan Bonn 2035 ist der Klimaschutz als Priorität veran- kert. Das Mitwirkungsverfahren „Bonn4Future: Wir fürs Klima“ untermauert die Priorisierung des Klimaschutzes aus zivilgesellschaftlicher Perspektive. Aus der Abschlussausstellung zu „Wir machen Zukunft“ Skizze einer Neugestaltung des Daches der Bundeskunsthalle 9Seite 12 von 67 Behindertenpolitischer Teilhabeplan Auf dem Weg zu einer sozial gerechten und nachhaltigen Stadt wurde bereits 2011 der Behindertenpolitische Teilhabeplan als wesentliches Instrument eingeführt. Dieser zielt darauf ab, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen und die Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der Stadt Bonn zu för- dern. Dabei wird der weite Begriff von Inklusion zugrunde gelegt. Er wurde in Zu- sammenarbeit mit Betroffenen, sozialen Einrichtungen, der Stadtverwaltung und der Politik entwickelt, um eine barrierefreie und gleichberechtigte Gesellschaft zu unterstützen. Der Plan umfasst Maßnahmen in allen Lebensbereichen wie Familie, Kinder, (Weiter-)Bildung, Arbeit, Wohnen, Teilhabe am kulturellen und gesellschaft- lichen Leben, Gesundheit und Pflege sowie Barrierefreiheit im weitesten Sinn, um die Lebenswirklichkeit der Menschen in Bonn spürbar zu verbessern. Ziel ist es, Diskriminierung abzubauen und Selbstbestimmung sowie das Recht der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft umzusetzen. Durch regelmäßige Überprüfungen wird der Teilhabeplan „Bonn Inklusiv“ kontinuierlich weiterentwickelt und an die aktuelle Situation dynamisch angepasst. Gutachten zur Sportentwicklung Mit dem Gutachten zur Sportentwicklung liegt seit 2019 ein Kompass für die zu- kunftsfähige Entwicklung der Sportlandschaft Bonns vor. Die enthaltenen Hand- lungsempfehlungen und acht Leitziele aus dem Gutachten dienen als Grundlage für alle weiteren Maßnahmen in den Bereichen Sportentwicklung und Sportstättenma- nagement. Sport wird als Querschnittsaufgabe verstanden, die sich auf die künf- tige Stadtentwicklung auswirkt. Die Empfehlungen machen deutlich, welche hohe gesellschaftliche Bedeutung der Sport hat und welche positiven Wirkungen von ihm ausgehen. Das Ziel ist es, den Sport in Bonn zu stärken und ihn weiterzuentwi- ckeln. Es gilt, bestmögliche Rahmenbedingungen für den Schul- und Vereinssport, aber auch für den informellen, selbst organisierten Sport im öffentlichen Raum zu schaffen, sodass alle Bürger*innen teilhaben können. Dort, wo Sport betrie- ben wird, sollen Orte der Bewegung und der Begegnung entstehen. Das Gutachten zur Sportentwicklung folgt unter anderem dem Leitmotiv einer „Sportstadt für alle Menschen“ für ein gesellschaftliches Miteinander und eine dynamische Sportland- schaft, die möglichst alle Bonner*innen in Bewegung bringt. Ein weiteres Leitmotiv zeigt auf, wie der Sport durch seine Vielfältigkeit einen wichtigen Beitrag zur Errei- chung nachhaltigen Stadtentwicklung Bonns leisten kann. Installationsansichten im Rahmen des SeaLevel-Lab im Victoriabad 10Seite 13 von 67 Die Solarthermieanlage auf dem Dach des Jungen Theater Bonns Kultur und Nachhaltigkeit: Kooperation und Partnerschaft Kultur nimmt als gesellschaftlicher Kompass seit jeher relevante Themen in den Blick. Daher ist es selbstverständlich, dass sich auch die Bonner Kulturlandschaft bereits intensiv mit dem Prozess der Nachhaltigkeitstransformation befasst. Von in- dividuellen Einrichtungen bis hin zu stadtweiten Initiativen wird vermehrt gefragt: Wie kann eine klimaaktive Kulturpolitik aussehen? Welche Strukturen und Unterstüt- zungen sind erforderlich, um nachhaltige Kulturarbeit zu fördern und zu etablieren? In diesem Prozess hat die Kultur einen aktiven Part: als Vordenkerin, Vermittlerin und Verbündete. Daher ist es der Stadt Bonn auch besonders wichtig, aktive Nachhaltigkeitspart- nerschaften, unter anderem auf interkommunaler beziehungsweise bundesweiter Ebene aufzubauen und zu pflegen. Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien Die Stadt Bonn war seit 2021 eine der ersten Partnerinnen des Aktionsnetzwer- kes Nachhaltigkeit in Kultur und Medien, das gemeinsame Projekte in den Vor- dergrund stellt und den Fokus auf den Austausch über betriebsökologische Maßnahmen und strukturelle Innovationen im kulturellen Sektor legt. Das Ak- tionsnetzwerk wird unter anderem durch die Beauftragte der Bundesregie- rung für Kultur und Medien gefördert. Beispielsweise bildet es bundesweit IHK-zertifizierte „Transformationsmanager*innen Nachhaltige Kultur“ aus. Seit 2024 baut die zentrale Green Culture Anlaufstelle des Bundes auf den An- geboten des Aktionsnetzwerks auf und erweitert diese um etwa Erstberatun- gen von Kulturinstitutionen zu ersten Schritten in Richtung Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeitsdeklaration für den Kulturbereich Im Dezember 2023 hat sich Bonn – gemeinsam mit zahlreichen anderen Kunst- und Kultureinrichtungen, Kulturverwaltungen, Kulturverbänden und Kulturakteur*innen – den Zielen der Nachhaltigkeitsdeklaration für wirksamen Klimaschutz im Kulturbe- reich im Rahmen der Initiative Culture4Climate angeschlossen. Diese Selbstver- pflichtung dient als Basis für die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, kulturelle Vielfalt und Klimaschutz. Die Nachhaltigkeitsdeklaration ist Teil einer Initiative, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der Nationalen Kli- maschutzinitiative gefördert wird, und zielt darauf ab, globale Klima- und Nachhal- tigkeitsziele im Kultursektor umzusetzen. Die Stadt Bonn engagiert sich mit anstecken- der Begeisterung für eine gesellschaftliche Transformation, die den kulturellen Wandel als wichtigsten Hebel erkannt hat und genau dort mit ihrer „nachhaltigen Kulturstrategie“ ansetzt. Ein Highlight dieser Strategie war die Auftaktveranstaltung im Mai 2022 im Opernhaus des Theaters Bonn, bei der nicht nur Bonner Kulturakteur*innen, sondern auch Interessierte aus der Umgebung in partizipativen und er- gebnisoffenen Formaten aufeinander trafen. Besonders wertvoll für den Prozess waren außerdem die Fokusgruppengespräche, bei denen sich die Teilnehmenden in kleiner Runde intensiv mit Themen wie „Klima“, „Konsum und Produktion“ und „Politik“ auseinandersetzen und untereinander vernetzen konnten.“ Dr. Carolin Baedeker, stellvertretende Leiterin der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH 11Seite 14 von 67 transform.NRW Das Sport- und Kulturdezernat beteiligt sich seit 2023 als außerwissenschaftlicher Akteur ak- tiv an dem wegweisenden Verbundprojekt transform.NRW. Dieses Projekt ist in Zusammen- arbeit mit 14 weiteren Partner*innen durch das Wuppertal Institut und die Fakultät für Design und Kunst der Bergischen Universität Wuppertal ins Leben gerufen worden. Ein wesentlicher Aspekt des Projekts ist die Entwicklung von Experimentierräumen und die Förderung neuer, positiver Narrative, um die Zivilgesellschaft zur aktiven Teilnahme an den notwendigen Trans- formationsprozessen zu motivieren. Interkommunale Zusammenarbeit über das NRW KULTURsekretariat Wuppertal Ebenfalls seit 2023 ist Bonn Teil des Programms zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung in der kommunalen Kulturarbeit des NRW KULTURsekretariat Wuppertal, das es gemeinsam mit den renommierten Partner*innen Wuppertal Institut und Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW eingeführt hat. Der Ansatz ist primär auf die ökologische Dimension der nachhaltigen Ent- wicklung ausgerichtet, wobei soziale und wirtschaftliche Dimensionen stets mitberücksichtigt werden. In der Zusammenarbeit und Vernetzung von Fachkräften der Kulturverwaltung und den einschlägigen Expert*innen der genannten Partnereinrichtungen sind konkrete Projektideen ent- standen, die 2024 weiterqualifiziert und im weiteren Prozess umgesetzt werden sollen. Themen sind unter anderem Materialverwaltung, Qualifizierung und klimafreundliche Veranstaltungen. Aus der Druckwerkstatt – ein Beispiel für Bildung für Nachhaltige Entwicklung im Haus der Natur Musiker*innen des Beethovenorchesters bei einer Veranstaltung des Orchester des Wandels 12Seite 15 von 67 Kultur und Nachhaltigkeit in Bonn: ein Feld des Experimentierens Was bedeutet Nachhaltigkeit im Alltag jeder einzelnen Einrichtung? Welche Rah- menbedingungen braucht eine klimaaktive Kulturpolitik? Welche Strukturen und Unterstützung sind notwendig, um eine nachhaltige Kulturarbeit zu leisten und zu verankern? Die Herausforderung besteht darin, eine nachhaltige, klimaaktive Kul- turstrategie in die einzelnen Organisationen zu integrieren. Dies erfordert spezifi- sche Rahmenbedingungen, Strukturen und Unterstützung, um nachhaltige Kultur- arbeit effektiv umzusetzen und dauerhaft zu etablieren. Ein zentrales Anliegen ist dabei, die 17 SDGs in die Sprache und Praxis des Kulturbetriebs zu übersetzen. Die Bonner Kulturlandschaft nimmt sich dieser Aufgabe an, indem sie durch ziel- gerichtete Maßnahmen und verschiedene Ansätze zur Nachhaltigkeit Verände- rungen vorantreibt. Dazu nutzen sie ihre Kernkompetenzen: ob ökologisch in der Betriebsführung, künstlerisch-kreativ im Schaffen und/oder diskursiv in der Aus- einandersetzung mit der Thematik. Kultur und Sport in Bonn tun das, was sie am besten können: Systeme betrachten, Strukturen erkennen, Menschen und Meinungen zusammenbringen, kritisch hinterfragen und dadurch stets Neues probieren. Die Premiere, die Vernissage, das entscheidende Spiel als Höhepunkt von kreativer und sportlicher Arbeit und Anstrengung stehen dabei stellvertretend für den Prozess des ständigen Strebens, Reflektierens und Transformierens. Vielfalt im nachhaltigen Engagement Die Bonner Kultur- und Sportlandschaft ist eine lebendige Szene, in der man das vielfältige Engagement für Nachhaltigkeit erleben kann. Dieses Engagement spie- gelt sich in einer Vielzahl von Projekten und Initiativen wider, die darauf abzielen, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren und die Bevölkerung für Menschheits- fragen zu sensibilisieren. Die folgenden Beispiele verdeutlichen die Bandbreite und Innovationskraft der Bon- ner Akteur*innen: Das Thema „Kultur und Nachhaltigkeit“ bildet seit einigen Jahren den Mittelpunkt meiner Berufstätigkeit. Für den Trimum e. V. und die Klima-Allianz Deutschland war ich mit diesem Thema in vielen Regionen und Städten zu Gast und habe dabei immer nach Orten Ausschau ge- halten, an denen sich etwas in Richtung „Klima- kultur“ bewegt und bewegen lässt. In Bonn bin ich erst seit Kurzem aktiv. Doch diese wenigen Monate haben ausgereicht, um mich ein trans- formatives Potential spüren zu lassen, wie ich andernorts nur selten erlebt habe. Ich glaube, dass Bonn alle Voraussetzungen dafür hat, zur Bundeshauptstadt des kulturell-ökologischen Wandels zu werden.“ Bernhard König, Trimum e. V. Studio Bonn: Globale Nervensysteme. Wie Katastrophen weltweit zusammenhängen, 2022 13Seite 16 von 67 Kultur Die Bonner Kultureinrichtungen in freier Trägerschaft setzen sich auf vielfältige Weise mit Nachhaltigkeit auseinander – von der Implementierung umweltfreund- licher Praktiken beziehungsweise klimaneutraler Umbaumaßnahmen bis hin zu programmatischen Angeboten, die sowohl zum Umdenken anregen und zur gesell- schaftlichen Transformation beitragen als auch den Zugang zu Kultur für alle Ziel- gruppen ermöglichen. Beispiele sind das Junge Theater Bonn mit seiner bereits erfolgten energietechni- schen Unabhängigkeit und einem geplanten digitalhybriden Theaterstück zu Nach- haltigkeitsthemen. Auch das fringe ensemble oder Tanzwerke Vanek Preuß setzen sich künstlerisch-kritisch mit Nachhaltigkeit auseinander, dies oft auch im inter- nationalen Kontext, wie beispielsweise in Zusammenarbeit mit Bonns Projektpart- nerstädten Cape Coast oder Minsk. So entstanden die Stücke „Black Water“ be- ziehungsweise „Triptychon Plastica“. Die Brotfabrik als das größte soziokulturelle Zentrum in Bonn hat zuletzt mit Veranstaltungen wie „Dinner für alle“ oder „Green Screen“ auf sich aufmerksam gemacht. Auch als eines der neuen vier Klimaviertel in der Stadt lädt die Brotfabrik die Besucher*innen in naher Zukunft ein, Teil der Lösung für eine nachhaltigere Gesellschaft zu werden. Auf kommunaler Ebene setzen sich Kulturträger*innen ebenfalls intensiv mit Nach- haltigkeit in all seinen Facetten auseinander. Während das Beethovenfest mit einer CO2-Bilanzierung beispielsweise betriebsökologische Aspekte in den Blick nimmt, engagieren sich unter anderem die Volkshochschule und das Theater Bonn in zahl- reichen Formaten für die Sensibilisierung und Bildung zu nachhaltiger Entwicklung. Das Beethoven Orchester wurde im Jahr 2021 vom UN- Klimasekretariat für die Dauern von zwei Jahren zum „United Nations Climate Change Goodwill Ambassa- dor“ ernannt und ist damit zu einem international wahrgenommenen Multiplika- tor und Botschafter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz geworden. Musiker*innen sind Mitglieder der Bewegung „Orchester des Wandels e. V.“ In diesen Rollen nutzt das Beethoven Orchester innovative Konzertformate und vielfältige musikalische Wege, um nachhaltige Impulse und Prozesse in die Gesellschaft zu tragen und an- zustoßen. Gleichzeitig hat es für sich ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept er- arbeitet, welches zunächst die drei Handlungsfelder Betriebsökologie, inhaltlich- künstlerische Vermittlung sowie Kommunikation in den Mittelpunkt stellt und das Beethoven Orchester Bonn dazu befähigt, einen unmittelbaren Beitrag zu den loka- len wie globalen Klima- und Nachhaltigkeitszielen zu leisten. Im globalen Kontext ist sein Engagement als Projektpate beim „Lokanga Forest“ hervorzuheben, das als Aufforstungs- und Bildungsprojekt in Madagaskar unter der Führung des Vereins ebenholz e. V. umgesetzt wird. Gemeinsam mit verschiedenen Partnereinrichtun- gen engagiert sich das Orchester dabei für den Anbau von nachhaltigen Klanghöl- zern, die für den Bau von Musikinstrumenten verwendet werden. Viele Good-Practice-Beispiele lassen sich in der sogenannten freien Kulturszene finden. Sie arbeitet in lokalen, regionalen und internationalen Bezügen und bringt – durch sowohl ihre eigene Auseinandersetzung mit dem Thema als auch durch ihre verschiede- nen Netzwerke – innovative Ansätze für mehr Nachhaltigkeit mit nach Bonn. Das Beethoven-Haus ist eines der wenigen Kulturhäuser, die bislang eine Gemeinwohl- bilanz vorgelegt haben. Die dabei entwickelten Maßnahmen sind im Umsetzungsprozess. Das Beethovenfest demonstriert durch die Erstellung einer CO2-Bilanz und die Imple- mentierung entsprechender Maßnahmen sein Engagement für den Klimaschutz und eine nachhaltige Veranstaltungsorganisation. Das Beethoven Orchester agiert seit seinem Titel als „United Nations Climate Change Goodwill Ambassador“ als internationaler Multiplikator und Botschafter für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Es hat ein eigenes Nachhaltigkeitskonzept erarbeitet und arbeitet u.a. in verschiedenen Kooperationsprojekten. Die Musiker*innen sind Teil des Orchesters des Wandels e. V. Urban Gardening im Innenhof der Brotfabrik 14Seite 17 von 67 Das Theater Bonn hat sowohl eine Nachhaltigkeits-AG als auch eine interne Lenkungsgruppe für Inklusion eingerichtet, um in diesen Bereichen möglichst kon- krete Ziele und praktische Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. So werden beispielsweise Möglichkeiten zum Energiesparen in den dazugehörigen Theaterlie- genschaften geprüft und umgesetzt beziehungsweise zeitgemäße Formen der Mo- bilität eingeführt. Auch in die künstlerische Auseinandersetzung fließen Nachhal- tigkeitsthemen ein, beispielsweise in den Produktionen „Unsere Welt neu denken“ und „Recht auf Jugend“ im Schauspiel Bonn. Die Volkshochschule Bonn ist mit speziellen Themenreihen bundesweit Vorreiterin bei der Vermittlung der 17 Nachhaltigkeitsziele. Langjährige Projekte tragen eben- so zum Thema bei wie die aktive Mitgliedschaft im globalen UNESCO-Netzwerk „Learning Cities“, durch die Bildungsangebote zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Amt für Internationales und globale Nachhaltigkeit er- möglicht und umgesetzt werden. So wurde als Projekt der Learning City Bonn im Rahmen eines Feldbotschafterlehrgangs der „Garten der Bildung“ angelegt. Es ist ein Nutzgartenprojekt, beim dem über ein wissenschaftlich begleitetes Monitoring auch Fragen der Biodiversität untersucht werden. Auch beim fortlaufenden Pro- jekt der „Digitalen Akademie“ wird das Thema „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ mit akzentuiert und beispielhaft gezeigt, wie Technologie umweltfreundlich genutzt werden kann. Im Kulturamt ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema, das sich quer durch die fa- cettenreichen Vermittlungs- und Veranstaltungsformate zieht. Das dazugehörige Stadtmuseum konnte sich im Rahmen des Kooperationsprojekts „ZUsammen- KUNFT: Erkundungen am Epochenrand“ bereits mit Partner*innen wie der Volks- hochschule Bonn, Bonn im Wandel e. V. und dem und.Institut für Kunst, Kultur und Zukunftsfähigkeit e. V. in interdisziplinären Formaten und Aktionen mit Fragen und Herangehensweisen zur Gestaltung einer nachhaltigen und wünschenswerten Zu- kunft befassen. Im Jahr 2023 drehten sich die gemeinsamen Erkundungen beispiels- weise um die Frage: Wo gibt es Ermutigendes, Inspirierendes, das Kraft spendet für konstruktives Handeln? In diesem Zuge gab es auch eine Lichtinstallation, die das Ernst-Moritz-Arndt-Haus vollständig über – vorher durch Solar aufgeladene – Batterien illuminierte. Das Theater Bonn geht innovative Wege in den Bereichen Nachhaltigkeit und Inklusion. Durch die Gründung spezifischer Arbeits- gruppen, die sowohl die interne Struktur als auch das Gebäude, die Mobilität sowie die Formate selbst nachhaltiger und inklusiver gestalten. Die Volkshochschule Bonn zeigt mit langjäh- rigen Themenreihen zu den SDGs, dass Bildung der Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist. Mit dem Amt für Internationales und globale Nachhaltig- keit fördert sie als aktives Mitglied im globalen UNESCO-Netzwerk „Learning Cities“ Vernet- zungs-und Bildungsangebote zu nachhaltiger Stadtentwicklung. Projekte zur Biodiversität – hier insbesondere im Rahmen des „Gartens der Bildung“ – bauen praktisches Wissen sowie Handlungs - kompetenzen auf. „ZUsammenKUNFT“ ist eine Zusammen- arbeit von und.Institut für Kunst, Kultur, Zukunftsfähigkeit e. V., dem Stadtmuseum Bonn, der Volkshochschule und Bonn im Wandel e. V. Nachhaltigkeit wird hier im Dialog mit der Vergangenheit gedacht. Die Inszenierung „Recht auf Jugend“des Theater Bonns Über Solarpanele gespeiste Lichtinstallation am Ernst-Moritz-Arndt-Haus 15Seite 18 von 67 Unter dem Titel „Wir machen Zukunft!“ erforschen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kreative Ideen und Wege für ein nachhaltiges Leben. Mit Unterstüt- zung von bildenden Künstler*innen und Expert*innen aus dem großen Feld der Nachhaltigkeit untersuchen sie, wie unsere Lebenswelt heute aussieht und wie wir sie nachhaltig gestalten können. Seit 2022 ist „Wir machen Zukunft!“ ein Projekt des Kulturamts der Stadt Bonn und des Regionalen Bildungs-, Kultur- und Sportbüros des Rhein-Sieg-Kreises, welches gemeinsam mit der freien Szene, dem Künstlerforum Bonn und der Jugendkunstschule im arte fact in Bonn konzipiert und durchgeführt wird. 2025 wird das Projekt durch das interdisziplinäre kulturelle Bildungsprojekt „Unsere Welt, unsere Vision – entdecken, erleben, verändern“ abgelöst. Mit einer „Klimakunst-Förderung“ unterstützte das Kulturamt der Bundesstadt Bonn im Jahr 2022 die künstlerische Auseinandersetzung mit Klima(wandel) und Nachhaltigkeit. Dabei sollten in Bonn ansässige Künstler*innen, Künstlergruppen und Kulturinstitutionen Projekte entwickeln, die auf innovative künstlerische Weise einen Beitrag zu globaler Erderwärmung, Energiewende, zu Ressourcenschonung und Konsum, zu Klimapolitik und Klimafolgenanpassung sowie zu Modellen nach- haltiger Lebensweisen leisten. Eines der geförderten Projekte war hier beispiels- weise das SEA-Level-Lab – eine Licht- und Sound-Installation im Viktoriabad Bonn von Ulrika Eller-Rüter. Seit 2019 hat die Künstlerin auf ihren Reisen Proben aus unterschiedlichen Gewässern der Welt entnommen, archiviert und mikroskopiert. In einer Mischung aus Fotografie, Klanginstallation, Tanz und Geschichten aus ver- schiedenen Sprach- und Lebensräumen der Welt – rund um das Thema Wasser – spann sich im November 2022 ein multiperspektivischer Einblick an einem ehema- ligen Wasser- und Sportort in dieses so wichtige Element und den nachhaltigen Um- gang damit. Seit 2024 konnte die reguläre Projektförderung des Kulturamts durch Mittel des Klimaplans 2035 durch einen fünfstelligen Betrag aufgestockt werden. Sport Sport und Klimaschutz sind in Bonn bereits eine enge Verbindung eingegangen. Seit 2019 gibt es das Gutachten zur Sportentwicklung, das unter anderem konkre- te Maßnahmen in der Verbindung zur nachhaltigen Stadtentwicklung aufweist. Zur Prüfung, Umsetzung und Konkretisierung der Maßnahmen und Empfehlungen tagt seit Herbst 2020 regelmäßig die Lenkungsgruppe Sportentwicklungsplanung unter Beteiligung des Stadtsportbundes Bonn e. V. sowie dem Sport- und Bäderamt dem Schulamt, dem Amt für Soziales und Wohnen, dem Amt für Kinder, Jugend und Fami- lie, dem Gesundheitsamt, dem Stadtplanungsamt, dem Amt für Umwelt und Stadt- grün und dem Städtischen Gebäudemanagement (SGB). 2021 wurden im Sport- und Bäderamt zwei sportwissenschaftliche Mitarbeiter*innen eingestellt, um die Sportentwicklungsplanung umzusetzen und zu evaluieren. Die Themen Nachhaltig- keit, Sportentwicklungsplanung, informelle Sport- und Bewegungsräume im öffent- lichen Raum, Leistungssportentwicklung, Sport und Bewegung in Bildungseinrich- Die im Jahr 2022 einmalig durchgeführte „Klimakunst-Förderung“ ist über die Finanzie- rung aus dem Klimaplan 2035 seit 2024 in der regulären Projektförderung des Kulturamts Bonn aufgegangen. Sie stellt die direkte Verbin- dung zwischen Kunst und Umweltbewusstsein her und fördert Kunst- und Kulturprojekte die sich kreativ, inhaltlich und betriebsöko- logisch mit Klimawandel und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Das Thema wird immer wieder auch in den kulturamtseigenen Projekten der Kulturellen Bildung mit vielen Partner*innen sowie in seiner Zusammenarbeit mit Bonns internationalen Projektpartnerstädten umgesetzt. Gemeinsam mit seinen verschiedenen Partner*innen innerhalb und außerhalb der Verwaltung ist das Sport- und Bäderamt treibende Kraft für mehr Nachhaltigkeit in allen seinen Säulen. So wurden u. a. die Ziele und Kriterien der Sportförderung entsprechend erweitert und angepasst. Bei eigenen (Um-)Bau- und Renovierungs- maßnahmen werden die verschiedenen Vorgaben zur Nachhaltigkeit proaktiv beachtet, abgewogen und umgesetzt. Meditation zur Zeitenwende im Rahmen des Beethovenfestes 2023 16Seite 19 von 67 tungen, Inklusion im Sport wurden in die bestehende Organisationsstruktur des Sport- und Bäderamtes aufgenommen. Auch die Sportförderung orientiert sich inzwischen an Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung und konnte sogar aufgestockt werden. Damit soll auch der Sport in seiner breiten gesellschaftlichen Bedeutung und als wichtiger Multiplikator einen Beitrag zum Ziel der Stadt Bonn leisten, die Agenda 2030 der UN auf kommunaler Ebene umzusetzen. Dazu wurden 2022 die Sportförderrichtlinien auf der Grundlage der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie angepasst und das Förderungsziel „Nachhal- tigkeit“ explizit aufgenommen. Seitdem können Sportvereine, die Trendsportange- bote, Angebote für spezielle Zielgruppen (zum Beispiel Menschen mit besonderen Belastungen) oder innovative Angebote aufnehmen wollen und hierfür einen Be- darf nachweisen, projektbezogene Anschubunterstützung erhalten. Sportvereine, die ihre Betreuungs-, Sozial- und Sportarbeit auf Stadtteile mit einer hohen Anzahl an Menschen mit geringer Teilhabe am Sport neu ausrichten wollen, werden eben- falls projektorientiert unterstützt. Vereine, die im Bereich Nachhaltigkeit Projekte durchführen und beispielhafte Erfolge vorweisen, erhalten zusätzliche Förderungen. Bei Sanierungs- und Neubaumaßnahmen werden die Kriterien der Nachhaltig- keit des Bundesinstituts für Sportwissenschaft zugrunde gelegt. Das SGB setzt diese dann um. Bauvorhaben werden grundsätzlich einer Nachhaltigkeitsprüfung (ökonomisch, ökologisch, sozial, sportlich) unterzogen. Weit vor Inkrafttreten der EU-Richtlinie, die ab 2031 den Verkauf von (Produkten mit) Mikroplastik verbietet, verwendet das Sport- und Bäderamt anstelle von Kunstrasengranulat/Gummigra- nulaten bei Neubau oder Austausch von Befüllungen der rund 35 städtischen Kunst- rasen-Spielfelder andere Materialien. Ab 2019 wurde vorerst eine Kork-Verfüllung verwendet. Der neue Kunstrasen verfügt seither über eine geänderte Faserstruktur und wird inzwischen nur mit Sand verfüllt. Damit kann auf Mikroplastik verzichtet werden, ohne die idealen sporttechnischen Eigenschaften zu beeinträchtigen. Als erste inklusiv gestaltete Parkanlage in Bonn gilt der Reuterpark als Zukunftspro- jekt, welches einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur inklusiven Sportstadt leis- tet. Der Reuterpark ist ein Schlüsselprojekt in der Entwicklung von Bewegungs- und Begegnungslandschaften im öffentlichen Raum. Durch demografischen Wandel und Digitalisierung hat sich das Bewegungs- und Sportverhalten gewandelt: Neue Bedürfnisse und Anforderungen sind entstanden. Es benötigt daher mehr Integrati- on, Inklusion, Diversität und wirksame Maßnahmen für die Klimaanpassung. Einfa- che Anpassungen wurden bereits umgesetzt, um dem demografischen Wandel ge- recht zu werden. Barrierefreie Wege helfen älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Klimatische Veränderungen wurden mitgedacht: Bäume, Sträucher und Grünflächen tragen bei, natürlichen Schatten zu spenden, Niederschlagswasser zu speichern und die Umgebung zu kühlen. Mit dem umgestalteten Reuterpark wie auch dem neuangelegten Skatepark Bonn sind Leuchtturmprojekte im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit entstanden. Auch zahlen viele der Kooperationen des Sport- und Bäderamts mit diversen Partner*innen auf die Erreichung von integrativen und inklusiven Zielsetzungen des Sports ein. Ein sehr spannender Prozess, der deutlich macht, dass durch gemeinsames Handeln neue Projekte angestoßen werden können. So können die Akteur*innen aus den Bereichen Sport und Kultur mit- und voneinander lernen und sich gegenseitig zur Nachhaltigkeit motivieren. Ich persönlich habe viele neue Kontakte knüpfen können.“ Stefan Günther, Leiter des Sport- und Bäderamtes Pressefoto zur Präsentation der fairen Fußbälle vor der Bonner Oper 17Seite 20 von 67 Mit dem Umbau der ehemaligen Jugendverkehrsschule in einen modernen Skate- park mit den Disziplinen „Street“ und „Bowl“ wurde durch den Verein SuBCulture Bonn e. V. mit der Initiative BETON FÜR BONN und seinen Förderern ein öffentli- cher Ort geschaffen, an dem Sport, Kultur und Freizeit in Einklang gebracht werden können. Der Skatepark Bonn soll Jugendlichen als Treffpunkt, Trainingsstätte, Er- holungsort aber auch zur kulturellen und künstlerischen Entfaltung dienen. Darüber hinaus ist das Sport- und Bäderamt zahlreiche Kooperationen und Partner- schaften eingegangen, die auf die verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit einzahlen. 2022 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Bonn und dem Stadt- sportbund Bonn (SSB) abgeschlossen. Mit dem Vertrag werden die Grundlagen für die gemeinsame Zukunftsaufgabe „Sportentwicklung“ und den Ausbau der Bonner Sportlandschaft vorangetrieben, um das Profil Bonns als dynamische Sport- und Bewegungsstadt zu stärken. Gemeinsame strategisches Ziele und Themenschwer- punkte sind unter anderem ein Nachhaltigkeitskonzept, stärkere Sozialraumorien- tierung, die Stärkung der Kooperationen mit Bildungseinrichtungen oder die Ent- wicklung eines sportbezogenen Leitbildes. Das Netzwerk „Bonn – Ort für alle“ setzt sich in allen Bereichen der Gesellschaft dafür ein, dass Bonn zu einem inklusiven, lebenswerten Ort für alle wird. Die Mit- glieder des Netzwerkes, zu denen unter anderem auch das Sport- und Bäderamt und das Theater Bonn gehören, definieren Inklusion so: Jeder Mensch hat Zugang zu allen Lebensbereichen und kann sich an allen gesellschaftlichen Prozessen be- teiligen. Gleichberechtigt und unabhängig von Behinderung, sozialer oder ethni- scher Herkunft, Geschlecht, Alter, Einkommen, sexueller Identität, Weltanschau- ung, Religion oder sonstiger individueller Merkmale und Fähigkeiten. Ein wichtiger Schritt für Inklusion im Sport war die Ausrichtung der Landesspiele Special Olympics NRW im Jahr 2022 in Bonn und dass Bonn Host Town bei den Spe- cial Olympics World Games 2023 in Berlin war. Beide Veranstaltungen setzten ein wichtiges Zeichen und haben den inklusiven Sport in Bonn gestärkt. Vor Ort ist das Thema durch das Netzwerk „Sport und Inklusion“ als Zusammenar- beit der Stadt Bonn mit dem SSB, Special Olympics NRW (SONRW) und der Behin- derten-Gemeinschaft Bonn seit 2022 aktiv vertreten. Auf dem Weg zu einer inklu- siveren Sportlandschaft bringt das Netzwerk Menschen und Gruppen zusammen, um Herausforderungen gemeinsam anzugehen, Impulse zu geben und den Ausbau von inklusiven Sportangeboten in den Bonner Sportvereinen zu fördern. Ziel ist es, inklusive Strukturen aufzubauen und eine selbstbestimmte Teilhabe nachhaltig zu verankern. So wurde im März 2024 erstmalig auch ein „Fachtag Sport und Inklusi- on“ umgesetzt, der Vereinen, Interessierten und Betroffenen (Kinder, Jugend, Schu- le im Bereich Sport) einen Ort bot, an dem sie sich austauschen und informieren konnten, wie Inklusion im Sport lebendig ist und im Alltag umgesetzt werden kann. Ein zweiter Fachtag wird für 2025 geplant. Ich freue mich sehr, dass der Stadtsportbund Bonn in den Prozess der Entwicklung einer nach- haltigen Kulturstrategie in Bonn eingebunden ist. Es ist spannend zu sehen, wie vielfältig die Herangehensweise und wie unterschiedlich die Ergebnisse in einem partizipativen Prozess sein können, wenn sich Akteur*innen aus den ver- schiedensten Bereichen der Stadtgesellschaft aktiv beteiligen. Der Blick über den eigenen Tellerrand war schon immer lohnenswert, und gerade im Prozess, eine nachhaltige Kulturland- schaft zu schaffen, geht es auch darum, offen für Neues und Ungewohntes zu sein, einen wei- ten Horizont zu haben und neue Perspektiven einzunehmen und zuzulassen. Ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf des Prozesses.“ Bernd Seibert, Geschäftsführer, Stadtsportbund Bonn e. V. Kinder auf dem Gelände des neu gestalteten Reuterparks beim Fußballspielen 18Seite 21 von 67 Aus der AG Sport und Nachhaltigkeit, bei der neben Sport- und Bäderamt auch der Stadtsportbund sowie andere relevante Ämter der Stadtverwaltung mitwirken, hat sich eine impulsgebende Einheit gebildet, die seitdem kontinuierlich Maßnah- men an der Schnittstelle von Sport und Nachhaltigkeit anstößt. Resultate sind un- ter anderem die zentrale Anschaffung von nachhaltig produzierten Fußbällen sowie entsprechende Handlungsoptionen auf der Internetseite des Stadtsportbunds. Es folgen ab Sommer 2024 konkrete, sportartspezifische Empfehlungen mit Check- listen als Hilfestellung für die Bonner Sportakteur*innen, die derzeit von der neu- gegründeten Initiative „Nachhaltigere Sportvereine in Bonn“, bestehend aus dem Stadtsportbund Bonn, Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) der Universität Witten/Herdecke und dem Sport- und Bäderamt gemeinsam mit mög- lichst vielen Bonner Sportvereinen entwickelt werden. Städten und Gemeinden kommt in Kernaufgaben unserer Zukunftsvorsorge wie dem Natur- und Artenschutz, der Förderung von Naturbewusstsein oder der Fra- ge nachhaltiger Flächennutzung eine bedeutende Rolle und Verantwortung zu. Die Stadt Bonn hat daher vor einigen Jahren mit dem Aktionsprogramm Biodiversität 2010 erstmals eine Biodiversitätsstrategie unter der Federführung des Amtes für Umwelt und Stadtgrün entwickelt, die seit 2021 fortgeschrieben wird. Das Sport- und Bäderamt wirkt am Arbeitskreis für die Fortschreibung und Umsetzung mit, bringt Ideen und Anregungen ein. Zum Beispiel werden zur Förderung der Biodi- versität auf Bonner Sportanlagen Sportvereine mit dem gemeinsamen Programm des SSB und des Sport- und Bäderamtes gefördert, die auf ihrem Gelände mit der Anlage von Blühwiesen, Anpflanzung von Obstbäumen oder Anlage eines Gartens, wo Kinder an das Thema „naturnahe Gartengestaltung“ herangeführt werden, ei- nen Beitrag leisten möchten. Anfang 2024 wurde die Bundesstadt Bonn als Unterstützer des Positionspapiers der Fokusgruppe „Nachhaltigkeit und Sport im Westen“ aufgenommen. Das Gre- mium aus 21 Expert*innen aus den Feldern Sport und Nachhaltigkeit, die im Rah- men der RENN.west-Kampagne „Ziele brauchen Taten“ im Jahr 2021 gegründet wurde, wendet sich mit dem Papier an die Bundesregierung, damit Sport als Ak- teur, Multiplikator und Motor für Nachhaltige Entwicklung stärker in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie einbezogen wird. Diese herausgegriffenen Beispiele verdeutlichen das Engagement und die Vielfalt der Ansätze in Bonn, um Nachhaltigkeit in Kultur und Sport voranzutreiben. Bonn ist in einem bemerkenswerten Transformationsprozess hin zu mehr Nachhaltigkeit in Kultur und Sport. Durch die Implementierung innovativer Maßnahmen und die Einbindung der 17 SDGs zeigen lokale Kultur- und Sporteinrichtungen ihr Engage- ment für einen umweltbewussten und sozial verantwortlichen Betrieb. Sie agieren nicht nur als wichtige Akteur*innen in der ökologischen, ökonomischen und sozia- len Optimierung, sondern auch als Medium und Raum für die Auseinandersetzung Eine neue Zusammenarbeit von Sport- und Bäderamt, Stadtsportbund und dem Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten-Herdecke wird zu prakti- schen, umsetzbaren Werkzeugen für Sport- vereine führen. In der Entwicklung ist eine Checkliste, die Sportvereine dabei helfen soll, ihre Umweltauswirkungen zu minimieren. Um Sportvereine zu unterstützen, ist eine zusätz- liche Fördermöglichkeit im Klimaplan 2035 geschaffen worden. Das Beethovenorchester im Base Camp Bonn 19Seite 22 von 67 mit der globalen Klimakrise und ihren Auswirkungen. Deutlich wird ihre Bedeutung bei der Vermittlung der Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Biodiversität, in- dem sie Missstände aufzeigen, Denkanstöße geben und Utopien entwerfen. Trotz dieser umfassenden Bemühungen bleibt weiterhin Raum für Entwicklung und Ver- besserung. Kultur und Sport tragen eine wichtige Rolle zur Bewusstseinsbildung bei und un- terstützen den Transformationsprozess hin zu einem sozialen, ökologischen und ökonomischen Handeln in Bonn. Gleichzeitig durchläuft die Kultur- und Sportszene selbst einen Transformationsprozess und benötigt hierfür Unterstützung. Nachhaltige Kulturstrategie Bonn 2035 Für die Entwicklung der nachhaltigen Kulturstrategie der Stadt Bonn hat das Dezernat für Sport und Kultur einen ganzheitlichen und partizipativen Ansatz gewählt, der sowohl die SDGs als zentrales Element adressiert als auch an die schon bestehenden Strategien anschließt. Auftrag Im Jahr 2021 erteilte der Bonner Stadtrat den Auftrag, das Kulturkonzept 2012– 2022 der Stadt fortzuführen. Angesichts der wachsenden Bedeutung nachhaltiger Entwicklung in allen Lebensbereichen wurde entschieden, den Schwerpunkt auf den Bereich Nachhaltigkeit zu legen. Dem Leitgedanken folgend hat sich die Stadt Bonn zum Ziel gesetzt, eine führende Rolle in der Entwicklung und Umsetzung ei- ner kommunalen nachhaltigen Kulturstrategie zu übernehmen. Dieser Entschluss basiert auf der Erkenntnis, dass Kultur und Sport essenzielle Bestandteile einer le- bendigen, zukunftsfähigen Gemeinschaft sind und daher in einer Weise gefördert werden müssen, die Nachhaltigkeit und Teilhabe priorisiert. Dies verdeutlichen die Vision und das Bestreben, Bonn als einen Ort zu gestalten, der Nachhaltigkeit und Innovation in Kultur und Gesellschaft voranbringt. Kunstinstallation „Wetterbericht“ in der Bundeskunsthalle 20Seite 23 von 67 Ausgangspunkte In diesem Sinne wurde im Zusammenspiel von Kulturamt und der m.kultur Kultur- agentur 2021 der Prozess zur Entwicklung der nachhaltigen Kultur in Bonn eingeleitet und erste Bedarfe der Kultur- und Sportlandschaft gesammelt. Um den Jahreswech- sel 2021/22 wurde eine digitale Umfrage durchgeführt, an der sich 120 Personen beteiligten. Die Auswertung dieser Umfrage führte zur Auftaktveranstaltung „Nach- haltige Kultur“ im Mai 2022 in der Oper Bonn, an der ebenfalls rund 120 Personen teilnahmen. Hier wurde der erste Grundstein für die weitere Entwicklung gelegt. Auf vielfachen Wunsch der Teilnehmenden dieser Auftaktveranstaltung wurde im Dezernat für Sport und Kultur im September 2022 eine Koordinierungsstelle für Kultur und Nachhaltigkeit eingerichtet. Zusätzlich wurde im Januar 2023 die Nachhaltigkeits- und Strategieberatung I•B – imorde brütt – beauftragt, einen Entwicklungsprozess für die nachhaltige Kultur- strategie auszuarbeiten. Unter dem Slogan „bunter. bewegter. bewusster.“ hat I•B einen partizipativen und ergebnisoffenen Strategieprozess gestaltet und begleitet. Damit verbundenes Ziel ist, ein robustes Gerüst für eine zukunftsfähige und nach- haltige Kultur- und Sportlandschaft in Bonn zu schaffen. Abgeleitet aus den vorgelagerten Strategien der Stadt Bonn basiert die nachhaltige Kulturstrategie auf drei zentralen Ausgangspunkten: 1. Integration der drei Nachhaltigkeitsdimensionen: Einbeziehung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte in alle kulturellen Projekte und Initiativen 2. Breite Partizipation: Aktive Einbindung von Vertreter*innen aus Kultur- und Sporteinrichtungen, der Stadtverwaltung, der Nachhaltigkeit, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft sowie der Bürger*innen 3. Priorisierung und evidenzbasierter Ansatz: In Bereichen ohne lokale Daten werden externe Datenquellen zur Entscheidungsfindung zur Grundlage. Kultur und Sport orientieren sich zum Beispiel an den Daten von Julie’s Bicycle aus Eng- land, die als Benchmark für die Priorisierung von CO2 Reduktionszielen dienen. Integration und Priorisierung innerhalb der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Für die nachhaltige Kulturstrategie bilden die 17 SDGs den Referenzrahmen. Aus den Ergebnissen der digitalen Umfrage und des Auftakttermins 2022 wurden fünf Schwerpunkt-SDGs abgeleitet und durch die Nachhaltigkeitsdeklaration von Culture4Climate bestätigt. Diese fünf SDGs bildeten daher die inhaltliche und strukturelle Basis innerhalb des Strategieprozesses. Während der wesentliche Fokus für Kultur und Sport in Bonn auf diesen fünf SDGs liegt, bestehen selbstverständlich Querverweise und Schnitt- stellen zu zahlreichen weiteren SDGs. Die Vision der Stadt Bonn ist klar: Bonn ist klimaneutral, die Ressourcen werden effizient genutzt und alle Bürgerinnen und Bürger haben Zugang zu vielfältigen kulturellen und sportli- chen Angeboten. In Bonn wird Kultur und Sport als vier- te Dimension der nachhaltigen Entwicklung gedacht. Die Auftaktveranstaltung im Opernhaus war eine wichtige Initialzündung. Sie hat nicht nur aufge- zeigt, wer sich in unserer Stadt bereits mit Nach- haltigkeitsfragestellungen beschäftigt, sondern uns allen ist wohl deutlich geworden, was drin- gend notwendig ist: Aufbruch! Und zwar in Form der Bereitstellung von Räumen für Austausch und Vernetzung sowie der Wissensvermittlung beziehungsweise -aneignung. So kann die Kultur die ihr zur Verfügung stehenden transformatori- schen Potenziale voll entfalten.“ Susanne König, Leiterin des Kulturamts Ich fand es beeindruckend, dass durch die ver- schiedenen Professionen und Blickwinkel der Teilnehmenden so unterschiedliche Perspek- tiven auf ein Thema geworfen wurden. Gerade weil es im Kontext der Nachhaltigkeit oft nicht eine einzige und richtige Lösung gibt, sind die- se Austauschprozesse so wichtig und wertvoll. Dies entspricht zu 100 % auch dem Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dieses um- fassende Bildungskonzept der UNESCO befähigt Menschen dazu, zukunftsfähig zu denken und zu handeln. Ein erster Schritt ist dazu die Multiper- spektivität.“ Bianca Bilgram, Leiterin der Geschäftsstelle „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Deutschen UNESCO-Kommission Jacob Bilabel vom Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien bei der Auftaktveranstaltung 21Seite 24 von 67 Diese fünf SDGs wurden im Prozess weiter definiert und durch die Bonner Kultur- und Sportakteur*innen mit Leben gefüllt: Den Rahmen bilden: SDG 11 – nachhaltige Städte und Gemeinden „Wir handeln als diskursive, kritische, kreative und reflek- tierende Nachhaltigkeitsakteur*innen, die innerhalb der Gesellschaft Freiräume und Perspektiven öffnen. Deshalb entwickeln wir Interaktionen und partizipative Angebote und wirken damit in die Gesellschaft.“ SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele „Wir koordinieren unsere Bemühungen zu Nachhaltig- keit mit anderen Kultureinrichtungen sowie mit weiteren öffentlichen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und privaten Organisationen. Wir vernetzen uns mit regiona- len, nationalen sowie internationalen Partner*innen und Nachhaltigkeitsakteur*innen.“ Den Kern bilden: SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz „Wir organisieren in unserer Einrichtung, unserer Programm- planung und unseren Veranstaltungen zusammen mit unseren Beschäftigten einen wirksamen Klima-, Umwelt- und Ressour- censchutz.“ SDG 4 – hochwertige Bildung „Wir betreiben kulturelle Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung als Schlüssel, um Werte und Kompetenzen zu vermitteln und Menschen zu befähigen, vorausschauend zu denken und nachhaltig zu handeln.“ SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion „Wir verpflichten uns zu sektorübergreifend bewährten Um- welt-, Sozial- und Arbeitsstandards und verabschieden eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie, die Aktionsfelder, Ziele, Indikatoren und Maßnahmen umfasst.“ Vorstellung der genutzten 6-3-5-Methode bei der Fokusgruppe Produktion und Konsum NACHHALTIGE STÄDTE UND GEMEINDEN KLIMASCHUTZ BILDUNG KONSUM & PRODUKTION NACHHALTIGE PARTNERSCHAFTEN 22Seite 25 von 67 Drei Stränge und deren Formate Wie können Kultur und Sport zu einer nachhaltigen Entwicklung Bonns beitragen? Basierend auf dieser zentralen Frage wurde der Strategieprozess in drei ineinan- dergreifenden Strängen aufgesetzt. Diese sind Dialog, Wissen und Visionen. Die- sen Strängen folgen fünf dazu entwickelten Formate, die darauf ausgerichtet sind, eine breite und interdisziplinäre Beteiligung zu ermöglichen: Der erste Club-Abend Nachhaltigkeit hat 2023 erfolgreich eine Vielzahl von Akteur*innen – darunter Kultur-, Sport-, Nachhaltigkeitsexpert*innen, NGO-Ver- treter*innen, Bürger*innen und Wirtschaftsakteur*innen – im Museum Koenig zusammengeführt. Er diente als Auftakt für einen Prozess, der auf regelmäßigen Dialog und den Austausch über Sektorengrenzen hinweg abzielt. Das durchweg po- sitive Feedback motiviert, die Club-Abende fortzusetzen, um weiterhin Inspiration und Impulse für die Arbeit der Beteiligten zu bieten. Die Reihe „Impulse 5vor12“ ergänzte diese Bemühungen, indem sie als digitale In- spirations- und Wissensplattform fungierte, auf der Expert*innen aus verschiede- nen Bereichen um die Mittagszeit Einblicke in ihre Arbeit gaben. Diese Kombination aus praktischen Erfahrungen und Impulsen zielte darauf ab, notwendiges Wissen für einen klimafreundlichen Kulturbetrieb aufzubauen und den Sektor in Richtung ressourcenschonender Kulturproduktionen zu motivieren. Fokusgruppengespräche zu den Kern-SDGs „Klimaschutz“, „Hochwertige Bil- dung“ und „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ brachten Expert*innen aus un- terschiedlichen Bereichen zusammen. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit war essenziell, um innovative Ideen zu entwickeln. In einem Fokusgruppengespräch „Politik“ wurden die priorisierten Ideen vorge- stellt und rückgekoppelt. Dementsprechend wurden auch die Bürger*innen über die Plattform www.bonn- macht-mit.de beteiligt. Im Rahmen der frühzeitigen Einbindung von Politik und Be- völkerung sind weitere Perspektiven aus der Stadtgesellschaft in die Entwicklung der nachhaltigen Kulturstrategie eingeflossen. Im darauffolgenden Kreativ-Workshop in der Brotfabrik, der alle Zwischenergebnis- se zusammenfasste, konnten die bisher entwickelten Maßnahmen auf ihre Praxis- tauglichkeit geprüft und weiterentwickelt werden. Es war ermutigend zu erfahren, wie viele Bonner Kultur-Akteur*innen sich bereits auf den Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz gemacht haben. Neue Impulse und positive Energie waren vor allem beim Club-Abend spürbar, als Kultur- und Nachhaltigkeitsexpert*innen Ideen für mehr Nachhaltigkeit in Kultur und Sport austauschten. Das Vernetzen unterschiedlicher Akteur*innen mit dem gleichen Ziel ist ein Baustein auf dem Weg zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Stadt.“ Marion Wilde, Programmbüro Klimaneutrales Bonn 2035 Da ich mich aufgrund meines fachlichen Hin- tergrundes schon viele Jahre mit Fragen von Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit einer breiteren gesellschaftlichen Implementierung von nachhaltigem Handeln beschäftige, hatte ich bislang vor allem immer auch die Hemmnisse und Probleme im Blick. Zu sehen, was innerhalb der Bonner Kulturinstitutionen bereits passiert, hat mich beeindruckt. Die Zusammenkunft der Fokusgruppe Politik wiederum hat mir sehr deutlich gezeigt, dass es das Wichtigste ist, poli- tische Entscheidungsträger*innen bereits in die Entwicklung von Konzepten für eine nachhaltige Kultur einzubinden. So können unterschiedliche Rationalitäten bereits frühzeitig in die Begeg- nung gebracht und zielführende Prozesse ange- stoßen werden.“ Prof. Dr. Eva Nöthen, Geographisches Institut, Universität Bonn Speed-Dating-Runde beim 1. Club-Abend Nachhaltigkeit im Museum Koenig 3 STRÄNGE DER STRATEGIE DIALOG! WISSEN! VISION! 23Seite 26 von 67 Teilnehmende am Kreativ-Workshop in der Brotfabrik Gemeinschaftsleistung und Auszeichnung An den insgesamt 14 verschiedenen Veranstaltungen innerhalb des Strategieprozesses (inklusive Umfrage und Auftaktveranstaltung) beteiligten sich 550 Personen – darunter eine große Anzahl an Mehrfachteilnehmenden – aus rund 130 Organisationen. Der Stra- tegieprozess und die daraus resultierenden Maßnahmen fußen auf der breiten Partizipa- tion und aktiven Einbindung von zahlreichen, interdisziplinären Akteur*innen. Aufgrund dieses partizipativen Ansatzes wurde die Nachhaltige Kulturstrategie der Stadt Bonn in den vierten deutschen Staatenbericht zur Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen aufgenom- men. Zum einen spiegelt die Zusammensetzung der Beteiligten die Diversität der Bonner Kultur- und Sportlandschaft wider, zum anderen wurde der Strategieprozess – im Sinne der Nachhaltigkeit als Querschnittsthema – bewusst geöffnet. Die Entwicklung der Bonner Nachhaltigkeitsstrategie in Kultur und Sport ist damit als Gemeinschaftsleistung zu werten, bei der freie Kulturakteur*innen und Vertreter*innen aus Kultureinrichtungen in kommunaler wie in freier Trägerschaft von unterschiedlicher Größe und Förderstruktur, aus dem Stadtsportbund als Dachverband für 380 Sportverei- ne, aus Organisationen der Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Wissenschaft sowie der Ver- waltung und der Zivilgesellschaft beteiligt waren. 24Seite 27 von 67 Beleuchtung des Prozesses Der gewählte partizipative Ansatz ermöglichte es, eine Vielzahl von Ideen und Maß- nahmen zu generieren, die im Prozess kontinuierlich weiterentwickelt wurden. Ins- besondere die Fokusgruppengespräche und der Kreativ-Workshop beförderten einen offenen und konstruktiven Austausch, in dem die Teilnehmenden ihre Mei- nungen, Erfahrungen und Bedürfnisse einbringen konnten. Die Einbeziehung der politischen Ebene und die Fokussierung auf übergreifende, gemeinsame Maßnah- men ermöglichten es, eine gemeinschaftliche Basis und Zustimmung für die Wei- terführung der Strategie zu schaffen. Negative Kritik, insbesondere bezüglich der zeitlichen Begrenzung der Fokusgruppen, wurde ernst genommen und wird in zu- künftigen Planungen Berücksichtigung finden. Gleichzeitig konnte durch die enge zeitliche wie personelle Begrenzung der Fokusgruppen, sichergestellt werden, dass die eigeladenen Personen an der strategischen Entwicklung teilnehmen konnten. Die, durch die verschiedenen Perspektiven entstandenen Handlungsoptionen und Maßnahmen bilden eine solide Grundlage für den zukünftigen Erfolg und die Nach- haltigkeit der Kultur- und Sportlandschaft in Bonn. Die Entwicklung der nachhalti- gen Kulturstrategie kann zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht als beendet betrach- tet werden. Vielmehr muss es zukünftig darum gehen, die aufgenommenen Fäden und die bisher gesponnenen Bande weiter zu unterstützen und kontinuierlich mit Ressourcen zu unterfüttern. Der Zusammenschluss so vieler unterschied- licher Akteur*innen aus Kultur und anderen Bereichen (zum Beispiel Sport- und Bäderamt, bonnorange) sowie die Offenheit und das Ver- ständnis seitens der Kulturpolitik im Rahmen der Vorstellung vor der Fokusgruppe Politik waren für mich erkenntnisreich und sehr motivierend. Der Prozess lief zielgerichtet, aktivierend und verbindend. Außerdem wurde für mich bestätigt: Das Engagement der Bonner Kulturakteur*innen ist groß und durch ihren Zusammenschluss kom- men wir dem Ziel von nachhaltigem Agieren in der Kultur näher! Durch den direkten Austausch und das gemeinsame Arbeiten wurde das Enga- gement, die Unterstützung und der Umsetzungs- wille aller Akteur*innen nochmal viel deutlicher.“ Johannes Leuschner, Bereichsleitung Development, Internationale Beethovenfeste Bonn gGmbH Brainstorming mit Hilfe des Ideen-Kompass 25Seite 28 von 67 Ergebnisse des Strategieprozesses Innerhalb der Fokusgruppengespräche und der Bürgerbeteiligung sowie im Rah- men der weiteren Handlungsstränge sind zahlreiche Ideen und Maßnahmen ent- standen, sowie bereits bestehende Erfahrungen und adaptierbare Ansätze identifi- ziert worden. Die unterschiedlichen Ideen wurden im Laufe des Prozesses und der Formate priorisiert und von Kultur- und Sportakteur*innen kontinuierlich weiterent- wickelt und ausgestaltet. Aus den anfänglichen Überlegungen und dem Entwerfen von gemeinsamen Ideen wurden gemeinsame Ziele formuliert, die den Weg zu einer nachhaltigen Kultur- und Sportlandschaft ebnen. Die SDGs wurden adaptiert, erweitert und von den handelnden Akteur*innen an ihre Bedarfe angepasst und insbesondere auf ihre zentralen Kernpunkte fokussiert. Verankerung nachhaltiger Praktiken in der Kultur- und Sportlandschaft (SDG 12 und 13) Mit Fokus auf Klimaschutz und nachhaltigen Konsum werden Projekte initiiert, die sowohl das Bewusstsein als auch die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen fördern und den CO2-Ausstoß der Kultur- und Sportszene signifikant mindern. Aufbau von Partnerschaften und Kooperationen (SDG 17) Die Förderung effektiver Partnerschaften zwischen kulturellen, sportlichen und bildungspolitischen Einrichtungen, der Stadtverwaltung, dem privaten Sektor und der Zivilgesellschaft, insbesondere aber auch mit den Expert*innen des Be- reiches Nachhaltigkeit wird von allen beteiligten Akteur*innen als das zentrale Element für das Gelingen einer nachhaltigen Zukunft genannt. Da Kultur- und Sportakteur*innen lokal, regional und national strukturiert sind, werden auf den verschiedenen Ebenen Netzwerke ermöglicht und Projekte sind umsetzbar. Nachhaltige Städte und Gemeinden (SDG 11) Stärkung der kulturellen Vielfalt und des Breitensports: Als Beitrag zu nachhaltigen, inklusiven, sicheren und widerstandsfähigen Städten und Gemeinden werden die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und die Förde- rung des interkulturellen Austausches betont. Damit wird der Punkt „Nachhaltige Gemeinden“ um einen zentralen Punkt ergänzt. Förderung von Bildung und Wissenstransfer (SDG 4) Bildungsangebote im Bereich Kultur und Nachhaltigkeit, sowie die enge Vernet- zung von Kultur-, Sport- und Bildungseinrichtungen sind wichtige Impulsgeber/ zentrale Elemente, um inklusive und gleichberechtigte Bildung/Nachhaltigkeit für die gesamte Stadtgemeinschaft sichtbar und Bildung durch Förderung von Lern- und Denkprozessen erlebbar zu machen. Dabei setzt die Vernetzung innerhalb Bonns auf inklusive, interkulturelle und klimagerechte Maßnahmen, die zu nach- haltigem Handeln befähigen. Konkretisierung der SDGs bezogen auf die Maßnahmenentwicklung 26Seite 29 von 67 Vision Die Konkretisierung der SDGs als identifizierte gemeinsame Ziele sowie die gewon- nenen Einsichten im Laufe des Prozesses lassen den Kern einer Bonner Vision für eine nachhaltige Kultur- und Sportlandschaft deutlich erkennen. Im Zentrum aller Gespräche stand die Entwicklung einer Gemeinschaft in Bonn, die auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit, effektiven Kommunikation und einer tiefen Verbindung zwischen Kultur und Sport, sowie deren Kompetenzen im Bereich der außerschulischen Bildung mit allen weiteren Sektoren der Nachhaltigkeit fußt. Die- se Gemeinschaft schafft Räume, die ein suffizientes und erfülltes Leben ermögli- chen und allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich sind. Die Vision umfasst eine le- benswerte, zukunftsfähige Gemeinschaft, die durch nachhaltige Energieerzeugung, effektive Kommunikation und die enge Verbindung von Kultur und Sport geprägt ist. Während des gesamten Entwicklungsprozesses wurde diese Vision stets von ver- schiedenen Akteur*innen umrissen und prozesshaft formuliert. Die Analyse der Maßnahmen und die Auswertung der Protokolle lässt eine Konkretisierung sowie eine Definition übergeordneter, strategischer Ziele zu. Die Vision der Beteiligten zeichnet sich durch zwei übergeordnete Leitideen aus: 1. Casual Learning als gemeinsame Leitidee, das Bildung und Kultur in alltägli- chen, ungezwungenen Kontexten integriert, lebenslanges Lernen außerhalb tra- ditioneller Bildungsinstitutionen fördert und die kulturelle Teilhabe durch nied- rigschwellige Angebote erhöht. 2. Die „Beutegemeinschaft“ als weitere gemeinsame Leitidee, die die verschiede- nen Akteur*innen regelmäßig zusammenführt, um kreativen Austausch und eine gemeinsame Nutzung von Wissensressourcen zu etablieren sowie daraus resul- tierend eine gemeinsame Fördermittelakquise möglich macht. Der Begriff der „Beutegemeinschaft“ wurde in der Fokusgruppe Bildung geprägt. Er meint in positiver Weise den inklusiven Zusammenschluss von Akteur*innen jedweder Größe mit der gemeinsamen Zielsetzung einer nachhaltigen Zukunft und ist als Gegenmodell zu einer wettbewerbsorientierten Haltung gedacht. Die Maßnahmensteckbriefe von neun einzelnen Maßnahmen, die sich aus den übergeordneten Leitideen ableiten und die in die drei Kern-SDGs sortiert sind, bil- den den Hauptteil der gemeinsamen Strategiearbeit. Sie fokussieren nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und Bildung und betonen die Rolle von Kultur und Sport als Treiber gesellschaftlicher Veränderung. Gemeinsam gedacht bildet dieser Dreiklang die nachhaltige Kulturstrategie für die Bundesstadt Bonn 2035: „bunter. bewusster. bewegter.“. Der Austausch und die Vernetzung mit anderen Akteur*innen war für mich das Besondere an dem Prozess, den ich als kommunikativ, inter- aktiv und impulsgebend beschreiben würde. Gut gefallen haben mir bei der Fokusgruppe die „Spiele“ – innerhalb von kurzer Zeit haben wir viele Ideen zusammengestellt und uns in- tensiv darüber ausgetauscht. In verschiedens- ten Gesprächen konnte ich herausfinden, was andere Kolleg*innen schon machen und wie sie mit schwierigen Fragestellungen umgehen. Der Stadtverwaltung ist das Thema wichtig, allerdings fehlen insbesondere dem Kulturbe- reich die Mittel, um die großen Veränderungen umsetzen zu können. Aber wir sitzen in einem Boot und können den Wandel nur gemeinsam hinbekommen.“ Berit Baumhoff, Geschäftsführerin, Haus der Springmaus e. V. Von außen wie innen formulierte Erwartungen und Ziele an den Kultur- und Sportsektor: 1. Minimierung ökologischer Fußabdruck! 2. Maximierung positiver Handabdruck! Die Stärkung des Sektors bringt direkte positive Einflüsse auf die Gesellschaft mit sich: gesellschaftliche Prozesse brauchen Orte der Reflexion. Als Sektor stellen sie notwendige Freiräume im individuellen und kollektiven Handeln bereit. Kultur, Sport und Bildung sind die Schlüsselakteur*innen für gelingende Transformation. FOKUSGRUPPEN BÜRGER*INNEN- BETEILIGUNG FOKUSGRUPPE POLITIK KREATIV- WORKSHOP 770 IDEEN 12 IDEEN 1 VISION 2 LEITIDEEN 9 STECKBRIEFE IDEEN & ERGÄNZUNG PRIORISIERUNG 27Seite 30 von 67 Die verschiedenen Ideen sind im Rahmen der Stränge und Formate von zahlreichen Akteur*innen in unterschiedlichen Gruppen(-größen) aufgekommen, wurden wei- terentwickelt und ausgestaltetet. Die Zusammenführung der verschiedenen Pers- pektiven und Herangehensweisen aus den unterschiedlichen Formaten und Grup- penzusammensetzungen trug sowohl zur interdisziplinären Verzahnung bei, war aber zweifelsohne auch eine Herausforderung für die Ergebnisableitung. Die Zusammenführung und Kondensierung der Ideen auf konkrete Maßnahmen stellte eine Kernaufgabe dar, die auch zukünftig weiterer Koordination, Austausch- formate und Netzwerkaktivitäten bedarf. Die enge Zusammenarbeit aller Beteilig- ten gewährleistet, dass diese Strategie reale Veränderungen in der Stadt bewirkt. Zur Formulierung der Maßnahmen wurden alle Protokolle und Ergebnisse der ver- schiedenen umgesetzten Formate ausgewertet und in Steckbriefe überführt. Die Darstellung dieser Maßnahmen in Steckbriefen folgt dem Aufbau des Klimaplans 2035 und soll die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsprozesse gewährleisten. Allerdings wurden in den Steckbriefen der nachhaltigen Kulturstra- tegie zum Teil andere Rubriken gewählt. Es finden sich Zielkonflikte und Synergie- effekte, ergänzt wurden unter anderem Erfolgsindikatoren. Neu eingeführt wurde auch ein Stufenmodell zum Reifegrad der Projektideen. Reifegrad Um die Ergebnisse zu systematisieren, wird das von der I•B entwickelte Stufen- modell eingesetzt, das dazu dienen kann, langfristige Veränderungsprozesse er- folgreich zu gestalten. Dieses Modell dient als Gerüst, um den Fortschritt der ver- schiedenen Initiativen und Projekte systematisch zu erfassen und zu steuern. Eine klare Kommunikation über die Funktionsweise dieses Modells, insbesondere die Definition und Abgrenzung der einzelnen Stufen sowie die Übergangsmechanismen zwischen diesen, ist essenziell für das Verständnis und die erfolgreiche Umsetzung der Strategie. Das Stufenmodell unterteilt den Prozess der Entwicklung der Maßnahmen und de- ren Umsetzung in fünf aufeinanderfolgende Stufen, wobei jede spezifische Voraus- setzung (Reifegrad) umfasst, um zum nächsten Schritt überzugehen. Die Stufen sind wie folgt definiert: So unterschiedlich die Ideen auch waren, die für die nachhaltige Kulturstrategie entwickelt wurden – es wurde immer deutlich, dass Nach- haltigkeit in der Branche nur gelingen kann, wenn sich alle Akteur*innen zusammentun und ihre Möglichkeiten zusammenführen. Das war ein roter Faden durch alle Gespräche und Vorschläge.“ Christopher Franz, Nachhaltigkeitsthemen in Wissenschaft und Wirtschaft, Stabsstelle Wissenschaft, Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn 9 MAßNAHMEN bunter. bewegter. bewusster. NACHHALTIGE STÄDTE UND GEMEINDEN CASUAL LEARNING ALS LEITIDEE BEUTEGEMEINSCHAFT ALS LEITIDEE KLIMASCHUTZ BILDUNG KONSUM & PRODUKTION PARTNERSCHAFTEN ZUR ERREICHUNG DER ZIELE KULTURSTRATEGIE FÜR DIE BUNDESSTADT BONN 2035 1 VISION 2 LEITIDEEN 28Seite 31 von 67 Stufe 1/Reifegrad 1 Kooperative Entwicklung Kollaboration: Die Idee wird kooperativ entwickelt, mindestens drei Akteur*innen sind beteiligt Priorisierung: von zwei Ideen Stufe 2/Reifegrad 2 Einbindung der Bürger*innen und Feed- back-Mechanismen Feedback-Mechanismen: Einrichtung von Feedback- und Partizipationskanälen, über die die Bevölkerung aktiv Vorschläge einbringen und Feedback geben kann Kollaborative Weiterentwicklung Stufe 3/Reifegrad 3 Planung und Priorisierung Rollenklärung: Präzisierung der Akteur*innen und Rollen, Einbindung von Unternehmen und Bildungsakteur*innen Finanzierung: konkrete Kostenplanung und Konkretisierung von Finanzierungsmodellen, Identifikation von eigenen Ressourcen sowie möglichen Quellen wie öffentliche Fördermittel, private Sponsor*innen, Crowdfunding Die Idee wird von der Politik unterstützt. Stufe 4/Reifegrad 4 Kooperative Weiter- entwicklung Projektklarheit: Klare Definition der Kosten, Projektphasen und Meilensteine Verantwortlichkeiten: Detaillierte Beschreibung der Funktionen und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten Akteur*innen Vielfalt: Einbeziehung einer Vielzahl von Akteur*innen, mindestens drei Schlüs- selgruppen sind beteiligt Die finale Entscheidung der Politik zur Umsetzung ist erfolgt. Stufe 5/Reifegrad 5 Umsetzung Finanzsicherung: Die Finanzierung ist gesichert und es gibt einen Plan zur Kostendeckung. Umsetzung und Implementierung: Start der Umsetzung der Maßnahmen mit einem klaren Zeitplan und Verantwortlichkeiten Für einen erfolgreichen Übergang zwischen den Stufen sind klar definierte Kriterien und Prozesse entscheidend. Diese Über- gänge sollten transparent kommuniziert werden, um allen Beteiligten ein einheitliches Verständnis der jeweiligen Anforderun- gen und des Fortschritts zu ermöglichen. Durch ständiges Evaluieren beispielsweise über regelmäßige Audits kann die Strate- gie flexibel auf Veränderungen reagieren und ihre Wirksamkeit maximieren. Die klare Definition und Kommunikation des Stufenmodells sind somit grundlegende Bausteine für die Realisierung der nach- haltigen Kulturstrategie Bonn 2035. Sie ermöglichen eine strukturierte und zielgerichtete Vorgehensweise, die nicht nur die erfolgreiche Implementierung der nachhaltigen Kulturstrategie Bonn 2035 fördert, sondern auch die breite Partizipation und Unterstützung aller relevanten Akteur*innen sichert. Methodisches Arbeiten bei der Fokusgruppe Produktion und Konsum im LVR-LandesMuseum 29Seite 32 von 67 Steckbriefe: Maßnahmen im Detail Überprüfung der Sinnhaftigkeit der Maßnahme „Digitale Kultur-, Sport- und Mobilitätskarte“Seite 33 von 67 31 Als kommunales Unternehmen setzen wir uns für eine hohe Lebensqualität ein und begleiten diverse nachhaltige CSR-Projekte, unter denen sich auch viele kulturelle Aktivitäten befinden. Gerne unterstützen wir daher auch die Entwick- lung einer nachhaltigen Kulturstrategie. Wir danken allen Beteiligten und Institutionen für die fruchtbare Zusammenarbeit und freuen uns darauf, weiterhin aktiv zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele beizutragen. Wir richten unser Engagement nach dem städtischen Klima- plan 2035 aus, insbesondere zu Klimaschutz und Vielfalt. Wir sind stolz darauf, Teil des Prozesses zu sein und werden weiterhin unseren Beitrag leisten, Bonn zu einer noch lebenswerteren Stadt zu machen.“ Jürgen Winterwerp, Leiter Kommunikation und Marketing der Stadtwerke Bonn SDG 13: Klima- und Ressourcenschutz Die Zielsetzung in Bonn ist eindeutig: Die Stadt Bonn ist bis zum Jahr 2035 klima- neutral. Ein entscheidender Schritt hierfür war die Ausrufung des Klimanotstandes im Sommer 2019. Bonns Entschluss Ende 2019, Klimaneutralität bis 2035 zu errei- chen, unterstreicht die Dringlichkeit und das hohe Engagement der Stadt im Kampf gegen die Klimakrise. Der Klimaplan 2035 setzt dafür einen systematischen Rah- men und legt offen, dass das CO2-Budget der Stadt von 15,7 Millionen Tonnen im Jahr 2020 auf 2,85 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2035 reduziert werden muss, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Dies erfordert eine signifikante Verrin- gerung der Emissionen in allen Sektoren. Im Rahmen des Klimaplans 2035 wird bezogen auf die städtischen Immobilien der- zeit eine Strategie für einen klimaneutralen Gebäudebestand erarbeitet und in der Folge umgesetzt. Im Kultur- und Sportbereich offenbart der Blick nach England aber auch erste CO2-Bilanzen in Deutschland, dass insbesondere der Energieverbrauch für Strom, Wärme- und Kälteerzeugung sowie die Mobilität im Sinne des vom Publi- kum sowie intern verursachten Verkehrsaufkommens von größter Bedeutung sind: 1. Energieverbrauch: Die Notwendigkeit, den Energieverbrauch zu minimieren, zeigt sich deutlich in der Herausforderung, Kultur- und Sportstätten energie- effizient zu gestalten. Trotz der Komplexität, die vermietete Liegenschaften und begrenzte Möglichkeiten für strukturelle Anpassungen mit sich bringen, müssen innovative Lösungen zur Energieeinsparung priorisiert werden. 2. Mobilität: Die Berücksichtigung der gesamten Mobilität, einschließlich der Anreise von Gästen, ist nach der ISO-Norm für die Bilanzierung von Kultur- und Sportstät- ten unabdingbar. Der Klimaplan 2035 macht deutlich, dass eine Umgestaltung der Mobilitätskonzepte erforderlich ist, um den CO2-Ausstoß signifikant zu reduzieren. Diese Ansätze zeigen die Dringlichkeit auf, insbesondere in den Bereichen Energie und Mobilität im Kultur- und Sportsektor, umfassende und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die nicht nur zur Erreichung der Klimaneutralität beitragen, sondern auch die Lebensqualität in Bonn nachhaltig verbessern. Diese werden in den fol- genden drei Maßnahmen berücksichtigt: • Sensibilisierung und Anreize für nachhaltiges Mobilitätsverhalten • Entwicklung einer digitalen Kultur-, Sport- und Mobilitätskarte • Aufbau von Energieberatungen und Klima-ToolboxSeite 34 von 67 Sensibilisierung und Anreize für nachhaltiges Mobilitätsverhalten Handlungsschwerpunkt Wirkungsentfaltung Reifegrad Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13) Mittel- bis langfristig 2 Historie der Maßnahme Beteiligte an Maßnahmenentwicklung Fokusgruppe Klimaschutz, Bürger*innenbeteiligung, Kreativ-Workshop Kultur, Sport, Verwaltung, Bürger*innen Einführung Das Mobilitätsverhalten spiegelt den zentralen Transformationshebel zur Reduktion von CO2-Emissionen wider. Das belegen Klimabilanzierungen für den Sport- und Kulturbereich. Sie zeigen, dass neben Logistik und Mitarbeitendenmobilität insbesondere die An- und Abreise des Publikums oder der Besucher*innen eine wesentliche Rolle spielen. Diese Tatsache ist dem Publikum oder den Besucher*innen häufig aller- dings nicht bekannt. Gleichzeit liegt der Ausbau von Verkehr und Infrastruktur in der Regel in der Ver- antwortung anderer städtischer Akteur*innen, so dass Kultur und Sport nur beschränkte Einflussmög- lichkeiten auf das Handlungsfeld Mobilität haben. Allerdings können sie neue und kreative Denkanstöße liefern. Daraus entstanden ist die Idee, zielgruppenspezifische Kommunikationsformate und Anreize zu entwickeln, die das Thema in das Bewusstsein rücken und in einem zweiten Schritt auf das Mobilitäts- verhalten des Publikums und der Besucher*innen einwirken. Ziel Zentrale Ziele sind der Aufbau von regelmäßigen Kommunikationsmaßnahmen sowie die Entwicklung von kreativen Anreizen und Angeboten, die das Publikum und die Besucher*innen dazu motivieren und aktivieren, klimafreundliche Anreisemöglichkeiten zu wählen und das optimierte Mobilitätsverhalten sichtbar machen und honorieren. Im Mittelpunkt stehen dabei zunächst individuelle Ansätze in den je- weiligen Kultur- und Sportbetrieben, aus denen sukzessive auch Kooperationen und gemeinsame For- mate entstehen können. Eine besondere Herausforderung dabei ist, passende und konkrete – auch bar- rierefreie – Formate für die verschiedenen Zielgruppen und ihre jeweiligen Bedürfnisse, (Sicherheits-) Bedenken und Reiseabhängigkeiten zu gestalten und zu schaffen. Strategie • Erfassung des Mobilitätsverhaltens des Publikums und der Besucher*innen, zum Beispiel durch Befra- gung und Monitoring, um einen Überblick über das bestehende Mobilitätsverhalten sowie die Bedürf- nisse der unterschiedlichen Zielgruppen zu erhalten • Einführung von Kommunikationsformaten zur Bewusstseinsschärfung für nachhaltiges Mobilitätsver- halten in den einzelnen Einrichtungen • Zielgruppenspezifische Ansprache, zum Beispiel über verschiedene digitale und analoge Kanäle sowie mit Blick auf unterschiedliche Bedarfe seitens Familien, Senioren, Menschen mit besonderen Bedürf- nissen et cetera, beispielsweise in Form von - Darstellung individueller Initiativen „Das machen wir im Betrieb schon anders“ (zum Beispiel Einsatz von Lastenfahrrädern, der Tubist auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Probe) bis hin zu einer gemein- samen Social Media Kampagne: „Kultur und Sport: das machen wir in Bonn schon anders" - Sichtbarmachung von nachhaltigen Anreisemöglichkeiten auf der jeweiligen Homepage durch ei- nen sog. „Green Rider“ (zusammengestellte Informationen zu nachhaltigen Anreisemöglichkeiten pro Ort), den Tickets oder als Aushänge in den Räumlichkeiten vor Ort - Informative Ansagen und motivierende Aufrufe oder Danksagungen vor und nach den Veranstaltungen • Entwicklung von in den jeweiligen Einrichtungen individuell realisierbaren zielgruppenspezifischen An- reizen und Belohnungssystemen, beispielsweise in Form von - Stempel- oder Rabattkarten (vergleichbar mit Coffee-to-go-Karten) - Freigetränken bei x nachweislichen Anreisen mit klimafreundlichen Verkehrsmitteln - Vergünstigungen beim weiteren Erwerb von Programmheften oder Eintrittskarten, letzteres gegebe- nenfalls auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen - Gewinnspielen 32Seite 35 von 67 - Organisation von pre-Events, die den Weg zur Veranstaltung bereits attraktiv und unterhaltend ge- stalten, zum Beispiel durch Konzerte in der Bahn oder eine gemeinsame Radtour zum Veranstal- tungsort in Kooperation mit dem ÖPNV oder ADFC - Kooperationen mit städtischen und zivilgesellschaftlichen Partner*innen, zum Beispiel sozialer Rad- werkstatt, die die Fahrräder während der Kultur- und Sportveranstaltungen kontrolliert • Kontinuierliche Evaluierung des Mobilitätsverhaltens des Publikums und der Besucher*innen, um Ver- änderungen und Erfolge des Mobilitätsverhaltens sichtbar zu machen und zu honorieren Akteur*innen Zielgruppen • Kultur- und Sportakteur*innen • städtischer ÖPNV, ADFC und andere Mobilitätsakteur*innen • Verwaltung und Politik • Besucher*innen der Kultur- und Sportangebote Meilensteine/Zeitschiene Dauer der Aktivität • Einführung von ersten Kommunikationsforma- ten mit regelmäßiger Umsetzung ab Herbst 2025 • Aufbau individueller „GreenRider“ • Schaffung individueller Anreize ab 2025/26 und sukzessiver Ausbau zu einem Belohnungs- system – auch in Kooperation untereinander – in den Folgejahren? • Schnittstelle mit ÖPNV-/ADFC-Angeboten ab 2026 • Fortlaufend bis 2035 Sachkosten Finanzierungsansatz Projektkostenermittlung ist ein erforderlicher Fol- geschritt. Identifikation möglicher Finanzierungsansätze ist ein erforderlicher Folgeschritt. Nachhaltige Dimensionen Kulturstrategie Einflussbereich städtische Strategien • SDG 4: Hochwertige Bildung • SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden • SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz • SDG 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziele • Beitrag zu Handlungsfeldern „Gesellschaft“ und „Mobilität“ des Klimaplans 2035 • Beitrag zu den Schwerpunkten „Mobilität“, „Klima und Energie“, sowie „Gesellschaftliche Teilhabe und Gender“ der Bonner Nachhaltig- keitsstrategie Synergieeffekte Zielkonflikte • Entlastung des Verkehrs bei Großveranstaltungen • Erhöhung der Attraktivität und Akzeptanz des ÖPNV • Bessere Erschließung des ÖPNV • Berücksichtigt Vorschläge aus Bürger*innenbeteiligung • Barrierefreiheit • Witterungsverhältnisse • Taktung und Erreichbarkeit des ÖPNV • Sicherheit und angstfreie Räume im öffentlichen Raum Erfolgsindikatoren • Steigende Anzahl der Gäste, die mit ÖPNV, zu Fuß, mit dem Rad kommen/verändertes Mobilitäts- verhalten anhand des Monitorings der Gäste • Anzahl der Nutzenden der Belohnungsangebote 33Seite 36 von 67 Entwicklung einer digitalen Kultur-, Sport- und Mobilitätskarte Handlungsschwerpunkt Wirkungsentfaltung Reifegrad Maßnahmen zum Klimaschutz (SDG 13) Mittel- bis langfristig 2 Historie der Maßnahme Beteiligte an Maßnahmenentwicklung Auftaktveranstaltung, digitale Umfrage, Fokus- gruppe Klimaschutz, Bürger*innenbeteiligung, Kreativ-Workshop Kultur, Sport, Stadtwerke Bonn, Verwaltung, Bürger*innen Einführung Die Vielfalt an Kultur- und Sportangeboten in Bonn ist genauso groß wie die verschiedenen Verkehrsan- bindungen und Anreiseoptionen. Passgenaue verlässliche und verständliche Informationen zu den Ver- anstaltungsorten und den vielfältigen Anreiseoptionen zu erhalten, gestaltet sich daher oftmals schwie- rig. Um dem Mehraufwand entgegenzuwirken, der durch die Recherche nachhaltiger Anreiseoptionen entstehen kann und nachhaltige Mobilitätsmöglichkeiten attraktiver und zugänglicher zu gestalten, wird eine zentrale innovative und digitale Informationsplattform gewünscht. Auch wenn die Teilnehmenden diese Maßnahme aufgrund ihrer Komplexität beim Workshop in Frage gestellt haben, wird sie an dieser Stelle aufgeführt und zunächst mit einem Prüfauftrag verbunden. Ziel Mit der Entwicklung und Veröffentlichung einer übersichtlichen digitalen Veranstaltungs- und Mobili- tätsplattform wird ein barrierearmer Überblick und Zugang geschaffen, der die zahlreichen Bonner Kul- tur- und Sportveranstaltungen vereint und mit den dazugehörigen Mobilitätsoptionen verbindet. Durch die transparente und gebündelte Information wird ein einmaliges Serviceangebot erstellt, welches es den Gästen erleichtert, nachhaltige An- und Abreisemöglichkeiten zu identifizieren und im Idealfall aus- zuwählen. So soll niedrigschwellig und langfristig das Bewusstsein für nachhaltige Mobilität geschärft und positive Verhaltensänderungen erleichtert und bewirkt werden, die letztendlich den Individualver- kehr und die damit verbundenen CO2-Emissionen in Bonn reduzieren. Strategie Aufbau einer digitalen Plattform mit gebündelten Informationen aller Sport- und Kulturveranstaltungen und entsprechenden Mobilitätsoptionen, die • verständliche, zuverlässige und aktuelle Informationen enthält zu unter anderem: - Anbindung und Taktung an den ÖPNV - Leihangeboten und entsprechenden Abstellmöglichkeiten von Fahrrädern, eScootern, Carsharing - Sichere Stellplätze für Fahrräder und Autos - Ladestationen für eBikes und eAutos - Mögliche Shuttleangebote - Verkehrsaufkommen - Wetterlage - Barrierefreiheit der jeweiligen An- und Abreiseoptionen • Laufende Aktualisierung und Ergänzung der Plattform • Bewerbung und Einbettung der Plattform auf allen individuellen Internetseiten der Kultur- und Sportakteur*innen sowie in den Häusern vor Ort • Langfristige Schaffung von Schnittstellen und Kooperationen mit ÖPNV, ADFC et cetera • Langfristige Verknüpfung der Eintrittskarten mit ÖPNV-Tickets 34Seite 37 von 67 Akteur*innen Zielgruppen • Kultur- und Sporteinrichtungen • Verwaltung, insbesondere Presseamt, Geodaten und IT • Kooperationen mit ÖPNV, ADFC und anderen Mobilitätsakteur*innen • Besucher*innen der Kultur- und Sport- einrichtungen Meilensteine/Zeitschiene Dauer der Aktivität • Positive Prüfung der Maßnahme • Definition von Zuständigkeiten und Arbeitsgrup- pen (2026) • Technischer und inhaltlicher Aufbau der Platt- form (2027) • Veröffentlichung der Plattform (2027) • Laufende Aktualisierung und Verbesserung der Plattform (ab 2027) • Fortlaufend bis 2035 Sachkosten Finanzierungsansatz Projektkostenermittlung ist ein erforderlicher Folgeschritt. Identifikation möglicher Finanzierungsansätze ist ein erforderlicher Folgeschritt. Nachhaltige Dimensionen Kulturstrategie Einflussbereich städtische Strategien • SDG 11: Nachhaltige Städte und Gemeinden • SDG 13: Maßnahmen zum Klimaschutz • SDG 17: Partnerschaften zur Erreichung der Ziel
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