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241349 · Mitteilungsvorlage

Evaluationsbericht zum Projekt "Bönnsche Viertel - Lebendige Räume für Menschen"

Nummer
241349
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
30.08.2024
Letzte Änderung
17.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr 10.10.2024 Kenntnisnahme
  2. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 24.09.2024 Kenntnisnahme
  3. Sitzung des Beirates Kinder- und Jugendbeteiligung 13.09.2024 Kenntnisnahme
  4. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 25.09.2024 Kenntnisnahme
  5. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 17.09.2024 Kenntnisnahme
  6. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 20.09.2024 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
241349
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung
Dezernat:
Dez. OB
Evaluationsbericht zum Projekt "Bönnsche Viertel -
Lebendige Räume für Menschen"
Beratungsfolge
Beirat Kinder- und Jugendbeteiligung 13.09.2024 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Bonn 17.09.2024 Kenntnisnahme
Beirat Bürgerbeteiligung 20.09.2024 Kenntnisnahme
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
24.09.2024 Kenntnisnahme
Bezirksvertretung Beuel 25.09.2024 Kenntnisnahme
Ausschuss für Mobilität und Verkehr 10.10.2024 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Im Rahmen des Kommunikations- und Mitwirkungsprojekts "Bönnsche Viertel -
Lebendige Räume für Menschen" hat die Stabsstelle Bürgerbeteiligung das
Büro promediare sowie das Geographische Institut der Universität Bonn
beauftragt, das Projekt gemäß Ratsbeschluss vom 09. Juni 2022 (DS-Nr:
22094) wissenschaftlich zu begleiten und zu evaluieren. Der vorliegende
Evaluationsbericht ist Anlage 1 zu entnehmen.
Die Ziele des Mitwirkungsprozesses „Bönnsche Viertel“ waren, die Anliegen
und Akteur*innen in den Quartieren sichtbar zu machen (Sichtbarkeit), den
gesellschaftlichen Dialog zu fördern (Dialog) und die Akzeptanz für bereits
beschlossene und weiterführende Maßnahmen zu stärken (Akzeptanz). Eine
detaillierte Darstellung der Ergebnisse zu den Zielen Sichtbarkeit, Dialog und
Akzeptanz findet sich in Kapitel 4 und 5 des Evaluationsberichts.
Die Evaluation zeigt, dass das Projekt erfolgreich darin war, die Anliegen
verschiedener Akteur*innen sichtbar zu machen. Eine Mehrheit der Befragten
konnte ihre eigenen Ideen und Bedürfnisse im Rahmen der vielfältigen
Beteiligungsmöglichkeiten einbringen.
Die zahlreichen Veranstaltungen sowie die mediale Berichterstattung regten
den Dialog in den Modellvierteln an und trugen dazu bei, neue Informationen zu
vermitteln. Die direkte Beteiligung vor Ort ist positiv zu bewerten und stärkte die
Sichtbarkeit der Verwaltung. Die angebotenen Veranstaltungen hatten für die
Teilnehmenden oft auch klärenden Charakter, Missverständnisse wurden
beseitigt und es gab einen leichten Trend zu einer gesteigerten Akzeptanz vor
Ort durch den Dialog. Es wird empfohlen, dass in zukünftigen Projekten noch
weitere Formate angeboten werden, die sich ganz gezielt an schwierig zu
erreichende Personengruppen richten, wie beispielsweise
mobilitätseingeschränkte Personen.Seite 1 von 91
Seite 2
Im Evaluationsbericht wurden das große Auftaktfest der Bönnschen Viertel an
der Oper sowie die Tage der Bönnschen Viertel in den beiden Modellvierteln
sowie der Bönnsche Sommer positiv bewertet, da sie viele Gelegenheiten zum
Gespräch, aber auch zur eigenen Mitwirkung boten. Gleichzeitig waren die
großen Veranstaltungen für die Verwaltung sehr aufwendig in der Organisation
und Durchführung. Von den großen, stadtweit sichtbaren Formaten, welche für
den Auftakt und im Rahmen der Modellviertel durchaus zielführend waren,
möchte die Verwaltung deshalb den Fokus in zukünftigen Prozessen auf die
Sichtbarkeit und Ansprache aller beteiligten Zielgruppen in möglichst
wohnortnahen Formaten legen.
Insbesondere die aufsuchende Beteiligung in den Vierteln vor Ort erhielt viele
positive Rückmeldungen, da sie einen niederschwelligen und detaillierten
Informationsaustausch zwischen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Gruppen
sowie der Verwaltung ermöglichte. Für Beteiligungsprozesse im Rahmen
zukünftiger Bönnscher Viertel möchte die Verwaltung deshalb verstärkt auf
einfach umzusetzende, zielgruppengerechte und zugängliche Maßnahmen
setzen. Das können beispielsweise Dialogstände vor Ort, auf Wochenmärkten,
auf Stadtteilfesten, aber auch in Schulen, Vereinen und auf Plätzen des
öffentlichen Lebens sein sowie Stadtspaziergänge zu ausgewählten Themen.
Von den Gutachtern wird empfohlen, die Zusammenarbeit mit lokalen
zivilgesellschaftlichen Initiativen und der Bevölkerung weiter zu vertiefen, um
die Vielzahl von entstandenen Angeboten in den Bönnschen Vierteln
weiterzuentwickeln. Darüber hinaus empfiehlt der Bericht, verstärkt mit
zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Kulturschaffenden und Trägern der freien
Jugendhilfe zusammenzuarbeiten, um zukünftige Projekte und Veranstaltungen
zu planen und umzusetzen. Über Multiplikator*innen aus den unterschiedlichen
Gruppierungen können Informationen gestreut und für die Mitwirkung im
Rahmen der Bönnschen Viertel geworben werden. Die Verwaltung hat bereits
während der Bönnschen Tage sowie der Bönnschen Stadtstraßen positive
Erfahrungen in der gemeinsamen Zusammenarbeit mit Initiativen und
zivilgesellschaftlicher Kooperation gesammelt und möchte solche Formate
gerne fortführen und zivilgesellschaftliches Engagement erleichtern.
Im Evaluationsbericht wird empfohlen, den Markenkern der Bönnschen Viertel
in Zukunft stärker herauszuarbeiten. Einigen Beteiligten fehlte eine
ausreichende Klarheit darüber, wie der Prozess abläuft und was dessen
konkrete Ziele waren. Die Verwaltung plant daher, die gewonnenen
Erkenntnisse zu nutzen, um zukünftigen Beteiligungsprozessen einen klar
definierten Rahmen zu geben und diesen entsprechend zu kommunizieren.
Zudem soll bei zukünftigen Bönnschen Vierteln der Prozess von der Beteiligung
zur Planung bis zur Umsetzung von Anfang an deutlicher aufgezeigt werden.
Dazu sind die Erkenntnisse und noch folgenden Erfahrungen aus den
Modellvierteln hilfreich.
Die Verwaltung konnte feststellen, dass die größte inhaltliche Schnittmenge im
Rahmen der Beteiligung zu den Bönnschen Vierteln zu Themenbereichen der
Bonner Parkraumstrategie und den Parkraumkonzepten bestand. Im Rahmen
der Parkraumstrategie und der daraus abgeleiteten Parkraumkonzepte werden
der Umgang mit dem ruhenden Verkehr, aber auch die Gestaltung des
öffentlichen Raums (Platz für zu Fußgehende, Radabstellanlagen, Aufenthalt,
Begrünung) thematisiert. Gerade in der inneren Nordstadt führte dies dazu,Seite 2 von 91
Seite 3
dass es Unklarheiten darüber gab, welche Maßnahmen im Rahmen des schon
beschlossenen Parkraumkonzepts und welche im Rahmen der Bönnschen
Viertel umgesetzt werden. Im Combahnviertel konnten die Ergebnisse aus dem
Mitwirkungsprozess hingegen noch in das Parkraumkonzept einfließen. Da
beide Projekte jedoch unabhängig voneinander beauftragt wurden, werden
dennoch zwei Konzepte in die politische Beratung eingehen.
Für die Auswahl zukünftiger Bönnscher Viertel kann die Verwaltung der Politik
Vorschläge unterbreiten. Es hat sich herausgestellt, dass die Erstellung eines
Quartierskonzeptes ein sinnvolles Werkzeug für die Weiterentwicklung eines
Viertels ist. In diesen Konzepten werden neben den verkehrlichen Aspekten (z.
B. Verkehrsführung) auch weitere Themen, wie z. B. Stadtgrün, berücksichtigt.
Dabei können nach Möglichkeit auch bestehende Konzepte, wie z.B.
Klimaanpassungskonzepte, in die Betrachtung mit einfließen.
Für die im Bereich eines beschlossenen Parkraumkonzepts liegenden
zukünftigen Bönnschen Viertel, schlägt die Verwaltung vor, jeweils individuell
zu prüfen, ob das Projekt Bönnsche Viertel als Ergänzung auf das
Parkraumkonzept aufgesetzt werden kann. Diesbezüglich sind insbesondere
die räumlichen Grenzen der Parkraumgebiete und der geplanten Bönnschen
Viertel, die zeitliche Realisierbarkeit sowie die individuelle Ausgangs- bzw.
Problemlage in den Gebieten zu berücksichtigen.
Anlage/n
1 Evaluationsbericht: Bönnsche Viertel - Lebendige Räume für Menschen
(öffentlich)Seite 3 von 91
EVALUIERUNG DES
MITWIRKUNGSVERFAHRENS IN
DEN BÖNNSCHEN VIERTELN
Endbericht
Stand: 17. Mai 2024
Michael Lobeck, promediare
Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann, Geographisches Institut der Universität Bonn
Dr. Juliane Dame, Geographisches Institut der Universität Bonn
Kontaktadresse:
Michael Lobeck
Buschweg 39
53229 Bonn
lobeck@promediare.de
+49 163 257 9124
Unter Mitarbeit von:
Susanne Bell
Svenja Breuer
Eileen Czempinski
Lukas Dreßen
Lea Haack
Sophie Katzung
Klaus von der Ropp
Dr. Pamela VoigtSeite 4 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
II
Inhalt
Abbildungsverzeichnis ................................................................................................................................. III
Tabellenverzeichnis ..................................................................................................................................... IV
Kurzfassung mit wesentlichen Ergebnissen und Empfehlungen .................................................................. V
1 Einleitung............................................................................................................................................ 1
2 Bönnsche Viertel – Lebendige Räume für Menschen ........................................................................ 2
2.1 Ausgangslage ................................................................................................................................. 2
2.2 Kurzporträt der beiden „Bönnschen Viertel“ ................................................................................ 2
2.3 Übersicht der Formate .................................................................................................................. 5
3 Methodik der Evaluation .................................................................................................................... 9
4 Ergebnisse zu den Zielen Sichtbarkeit, Dialog und Akzeptanz ......................................................... 13
4.1 Akteur:innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar machen ................................................ 13
4.2 Den gesamtgesellschaftlichen Dialog fördern ............................................................................ 22
4.3 Die Akzeptanz für die beschlossenen Ziele fördern .................................................................... 27
5 Ausgewählte Gruppen und ihre Bedürfnisse ................................................................................... 38
5.1 Senior:innen / Mobilitätseingeschränkte Personen ................................................................... 38
5.2 Gewerbetreibende ...................................................................................................................... 40
5.3 Kinder und Jugendliche ............................................................................................................... 41
5.4 Erkenntnisse aus den Schulworkshops ....................................................................................... 41
6 Thesenhafte Zusammenschau der Erkenntnisse und Schlussfolgerungen
für weitere Beteiligungsprozesse ..................................................................................................... 43
6.1 Sichtbarkeit: Viele Akteur:innen und Anliegen wurden einbezogen .......................................... 43
6.2 Dialog angeregt mit vielen Anlässen und Gelegenheiten ........................................................... 44
6.3 Akzeptanz für beschlossene Ziele geringfügig verbessert, Polarisierung durch Dialog
begrenzt ...................................................................................................................................... 46
6.4 Vielfältige Formate – oft in Kooperation mit der Zivilgesellschaft.............................................. 47
6.5 Repräsentativität, Diversität und Barrierefreiheit – viele wurden erreicht, einige nicht .......... 49
6.6 Umfangreiche Berücksichtigung der Ergebnisse im Verwaltungsprozess .................................. 51
6.7 Ziele, Rahmenbedingungen und Prozesse klarer kommunizieren.............................................. 52
Quellen ....................................................................................................................................................... 55
Anhang ........................................................................................................................................................ 58Seite 5 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Altersstruktur im Combahnviertel und der Inneren Nordstadt .............................................. 3
Abbildung 2: Evaluation des Mitwirkungsprozesses „Bönnsche Viertel“ .................................................. 10
Abbildung 3: Pinnwand mit Ideen beim Auftaktfest an der Oper ............................................................. 13
Abbildung 4: Programmaushänge an Stromkästen im Combahnviertel .................................................... 15
Abbildung 5: Viele Ideen zu den Bönnschen Vierteln in der Feedback-Box............................................... 16
Abbildung 6: Informationswege zur Bekanntmachung des Mitwirkungsprojekts „Bönnsche Viertel“ ..... 21
Abbildung 7: Keine Einigkeit bei einigen Veränderungswünschen im Combahnviertel und der
Inneren Nordstadt.................................................................................................................. 32
Abbildung 8: Zustimmung zu vorgeschlagenen Maßnahmen in den „Bönnschen Vierteln“ in
Abhängigkeit von der Teilnahme an Veranstaltungen .......................................................... 35
Abbildung 9: Zufriedenheit mit dem Beteiligungsverfahren in Abhängigkeit von der Teilnahme
an Veranstaltungen ................................................................................................................ 36
Abbildung 10: Kinderbeteiligung beim Auftaktfest .................................................................................... 41Seite 6 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Charakterisierung der Modellviertel anhand ausgewählter Daten ............................................. 4
Tabelle 2: Besonders wichtige Themen in den Vierteln ............................................................................. 31Seite 7 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
V
Kurzfassung mit wesentlichen Ergebnissen und Empfehlungen
Die Stadt Bonn hat das Büro promediare und das Geographische Institut der Universität Bonn beauftragt,
das Kommunikations- und Mitwirkungsprojekt „Bönnsche Viertel – Lebendige Räume für Menschen“ zu
evaluieren. Im Rahmen der Evaluation wurde untersucht, inwieweit die drei selbst gesetzten Ziele erreicht
wurden: 1) Akteur:innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar zu machen, 2) den gesellschaftlichen
Dialog zu erhöhen, und 3) Akzeptanz für beschlossene Ziele zu fördern. Dazu wurde ein Methodenmix aus
quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden angewandt.
Die wesentlichen Ergebnisse sind:
 Das Ziel, Akteur:innen und deren Anliegen sichtbar zu machen, wurde weitgehend erreicht. Ein
Großteil der Befragten und der Interviewpartner:innen waren der Ansicht, dass sie eigene Ideen
und Bedürfnisse in den Prozess eingebringen konnten. Nicht alle Zielgruppen wurden dabei
gleichermaßen erreicht. Einige mobilitätseingeschränkte Gesprächspartner:innen äußerten, dass
sie Gespräche an einem geschützten Ort, zum Beispiel einer Begegnungsstätte, bevorzugen. Ge-
werbetreibende wurden mit einem Workshop zum Wirtschaftsverkehr angesprochen. Kinder
wurden als gesonderte Zielgruppe in vielen Veranstaltungen besonders adressiert. Für Jugendli-
che konnte das weniger beobachtet werden. Die Stadt sollte öffentlich dokumentieren, wie deren
Anliegen in die weitere Entwicklung der „Bönnschen Viertel“ einfließen.
 Das Ziel, den gesellschaftlichen Dialog zu verbessern, wurde durch das Schaffen von Austausch-
möglichkeiten bei zahlreichen Veranstaltungen und durch die mediale Berichterstattung über das
Projekt weitgehend erreicht. Ein Großteil der Befragten und der Interviewpartner:innen schil-
derte, dass auf den Veranstaltungen Gespräche mit Anwohnenden, Initiativen und der Verwal-
tung stattgefunden haben. Dies wird durch die Beobachtungsergebnisse der Evaluation bestätigt.
 Das Ziel, die Akzeptanz für beschlossene Ziele zu fördern, wurde nur eingeschränkt erreicht. Dies
ist als direktes Ziel für ein Mitwirkungsprojekt allerdings nicht überraschend. Einbindung in Dis-
kussion und Entscheidungsfindung kann Akzeptanz grundsätzlich steigern, ist jedoch immer – wie
auch hier – ergebnisoffen. Ein Feedbackkanal, über den Rückmeldung zu Vorschlägen der Bür-
ger:innen erfolgt, könnte die Akzeptanz grundsätzlich steigern. Berücksichtigt werden muss an
dieser Stelle auch, dass ein Großteil der Befragten und Interviewpartner:innen das grundsätzliche
gesellschaftliche Ziel der Mobilitätswende bereits unterstützt.
Die Evaluation hat zusätzlich zu der Einschätzung hinsichtlich der drei oben genannten Ziele weitere
Schlussfolgerungen für die Umsetzung von Folgeprojekten formuliert, die über die beiden Pilotquartiere
hinausgehen. Von zentraler Bedeutung sind:Seite 8 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
VI
– Die Kooperation mit lokalen Initiativen der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung hat vielfäl-
tige Angebote geschaffen und sollte als Konzept beibehalten werden.
– Die Ergänzung der größeren, zentral organisierten Events mit dezentral gestalteten kleineren
Veranstaltungen über einen gewissen Zeitraum bot für die Anwohnenden viele Gesprächsan-
lässe und könnte beibehalten werden.
– Eine zielgruppenspezifische Ansprache mit unterschiedlichen Formaten erscheint sinnvoll, um
jeweils spezifischen Mobilitätsbedürfnissen gerecht zu werden.
– Direkte, aufsuchende Beteiligung wurde von mehreren Zielgruppen als besonders wertschät-
zend und hilfreich wahrgenommen. Der direkte Kontakt erlaubte einen differenzierten Aus-
tausch von Informationen und ermöglichte im Dialog ein besseres Verständnis für Abwä-
gungsentscheidungen in politischen und Planungsprozessen.
– Eine aktive Kommunikation, zum Beispiel mit abonnierbaren Projekt-Newslettern, wäre mit
überschaubarem Ressourcenaufwand umsetzbar. Sie würde es den Bürger:innen ermögli-
chen, informiert zu bleiben. Die Verwaltung könnte eigene Kommunikations-Schwerpunkte
setzen und gegebenenfalls über einen Rückkanal die Möglichkeit eröffnen, Fragen zu klären
und Hinweise zu geben.
– Klar verständliche Informationen über Ziele, bestehende Rahmenbedingungen sowie die
Möglichkeiten und Grenzen von potentieller Beteiligung in einfacher Sprache stellen auch für
zukünftige „Bönnsche Viertel“ eine wichtige Basis für einen gelingenden Dialog dar.
– Einladungen in verschiedenen Sprachen könnten über Multiplikator:innen aus unterschiedli-
chen Communities bekanntgemacht werden.
Lesehinweis für eilige Leser:innen:
Eine kompakte Darstellung und Zusammenfassung finden Sie in Kapitel 6, in dem thesenhaft die Erkennt-
nisse aus der Evaluation zusammengefasst sind.Seite 9 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
1
1 Einleitung
Das Büro promediare (Michael Lobeck) wurde in Kooperation mit Prof. Dr. Kathrin Hörschelmann, Dr.
Juliane Dame und weiteren Mitarbeitenden der AG Kulturgeographie (Geographisches Institut, Univer-
sität Bonn) beauftragt, das Mitwirkungsverfahren „Bönnsche Viertel – Lebendige Räume für Men-
schen“ zu evaluieren. Der Rat der Stadt Bonn hatte der Verwaltung am 9. Juni 2022 den Auftrag erteilt,
„für die Bönnschen Viertel im ersten Schritt eine breite zivilgesellschaftliche Mitwirkung“ durchzufüh-
ren (Stadt Bonn 2022a). Als Ziel für das Mitwirkungsverfahren wurde festgelegt,
„durch verschiedene Formate Akteur*innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar zu ma-
chen, um diese in die konkrete Realisierung nachhaltiger Mobilitätskonzepte in Wohnquartie-
ren zu integrieren. Neben der Sichtbarmachung von Akteursbedürfnissen zielt die Mitwirkung
darauf ab, den gesamtgesellschaftlichen Dialog und die Akzeptanz für die beschlossenen Ziele
zu fördern“ (ebd.).
Aufgabe der Evaluation war es, zu untersuchen, ob und wie die angestrebten Ziele des Mitwirkungs-
verfahrens erreicht wurden und inwieweit die eingesetzten Formate zur Zielerreichung beigetragen
haben. Die Schlussfolgerungen aus dem vorliegenden Evaluationsbericht können als Empfehlungen für
zukünftige Mitwirkungsverfahren dienen. Die Realisierung von konkreten Maßnahmen des Mobilitäts-
konzepts findet erst im Anschluss an das untersuchte Mitwirkungsverfahren statt und ist daher nicht
Teil dieser Evaluation.
Nach einem kurzen Überblick über die einzelnen Formate des Beteiligungsprojekts „Bönnsche Viertel“
und die angewandte Methodik der begleitenden Evaluation wird erörtert, inwiefern die drei Teilziele
erreicht wurden. Zusätzlich werden ausgewählte Zielgruppen mit spezifischen Mobilitätsbedürfnissen
in den Blick genommen. Abschließend werden die Erkenntnisse aus der Begleitforschung zusammen-
gefasst und Schlussfolgerungen in einem Empfehlungskapitel dargestellt. Den Abschluss bilden die
Darstellung der genutzten Literatur sowie ein Anhang, in dem weitere Materialien der Evaluationsfor-
schung dokumentiert werden.Seite 10 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
2
2 Bönnsche Viertel – Lebendige Räume für Menschen
2.1 Ausgangslage
Der Bonner Stadtrat fasste am 09.06.2022 den „Grundsatzbeschluss zur Realisierung nachhaltiger Mo-
bilität in innerstädtischen Wohnquartieren im Rahmen Bönnscher Viertel.“ Darin wird eine breite zivil-
gesellschaftliche Mitwirkung als erster Schritt definiert (Stadt Bonn 2022a). Die Mitwirkung soll mittels
verschiedener Formate „Akteur*innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar“ machen, „um diese in
die konkrete Realisierung nachhaltiger Mobilitätskonzepte in Wohnquartieren zu integrieren“ (ebd.).
Als Ziele des Mitwirkungsprozesses formuliert der Beschluss des Rates eine „Sichtbarmachung von Ak-
teursbedürfnissen“ sowie eine Förderung sowohl des „gesamtgesellschaftlichen Dialog(s)“ als auch der
„Akzeptanz für die beschlossenen Ziele“ in der Umsetzung nachhaltiger Mobilitätskonzepte (ebd.).
Das Gesamtprojekt "zur Realisierung nachhaltiger Mobilität in innerstädtischen Wohnquartieren" so-
wie die Mitwirkung selbst basieren auf bereits beschlossenen Maßnahmen wie dem "Masterplan In-
nere Stadt", der "Emissionsfreien Innenstadt", dem "Radentscheid Bonn" und der "Parkraumstrate-
gie".
Diese Ausgangslage beschreibt zwei Grenzen für die im Grundsatzbeschluss angestrebte „breite zivil-
gesellschaftliche Mitwirkung“ (Stadt Bonn 2022a): Die politisch beschlossenen Ziele als Richtung und
die bereits verabschiedeten Maßnahmen als Leitplanken. Zusätzlich wird die Verwaltung beauftragt,
ein „Mobilitätskonzept für die beiden Modellviertel Innere Nordstadt und Combahnviertel" zu erstel-
len, das auf den Ergebnissen des Mitwirkungsprozesses aufbauen soll.
Neben der „Neugestaltung des ruhenden und fließenden Verkehrs“ soll das Projekt „Bönnsche Viertel“
zur Steigerung der Lebensqualität in den Modellvierteln beitragen: Eine „schrittweise Aufwertung frei-
werdender öffentlicher Räume durch verschiedene sukzessiv umzusetzende Maßnahmen im Rahmen
eines integrativen und partizipativen Prozesses“ (Stadt Bonn 2022a) wird angestrebt.
Die Stadt Bonn hat zur Umsetzung des Mitwirkungskonzepts einen Dienstleister beauftragt, die ifok
GmbH. Dieser Dienstleister hat die Stadt bei der Umsetzung verschiedener Dialogformate unterstützt
und einen Abschlussbericht vorgelegt (ifok 2023). Das Beteiligungsverfahren begann am 01.04.2023
mit einer Auftaktveranstaltung und endete am 23.09.2023.
2.2 Kurzporträt der beiden „Bönnschen Viertel“
Für das Beteiligungsprojekt „Bönnsche Viertel“ wurden zwei Quartiere ausgewählt, die sowohl Ähn-
lichkeiten als auch Unterschiede aufweisen: das Combahnviertel im Zentrum des Stadtbezirks BeuelSeite 11 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
3
und die Innere Nordstadt im Zentrum des Stadtbezirks Bonn. Als Modellviertel sollten sie für die Rea-
lisierung weiterer „Bönnscher Viertel“ im Stadtgebiet als Beispiel dienen. Beide Viertel liegen zent-
rumsnah, verfügen über eine gute ÖPNV-Erschließung und kurze Wege für die Nahversorgung. Die
Innere Nordstadt ist mit ca. 9.000 Einwohner:innen ungefähr dreieinhalb Mal so groß wie das Com-
bahnviertel mit gut 2.500 Einwohner:innen. Im Combahnviertel liegt das Durchschnittsalter mit 42 Jah-
ren etwas höher als in der Inneren Nordstadt (37 Jahre), auch wenn der Anteil von Kindern und Ju-
gendlichen bis 17 Jahren dort etwas höher ist (Abbildung 1).
Die Innere Nordstadt ist dichter bebaut, bietet eine Vielfalt an Ladenlokalen und Gastronomie, wäh-
rend das Combahnviertel vorwiegend ein Wohnviertel ist, in dem auch Freiberufler:innen ansässig sind
sowie ein kleiner Supermarkt und ein Café. Für die Innere Nordstadt wurde bereits ein Parkraumkon-
zept als eine Maßnahme im Themenfeld Mobilität verabschiedet (Stadt Bonn 2022a, 2022b, Stadt
Bonn 2024). Das Combahnviertel ist Teil des Beueler Zentrums und gehört damit zu einem Stadtteil
mit der höchsten Priorität für die Erarbeitung einer Parkraumstrategie (Stadt Bonn 2022c).
Abbildung 1: Altersstruktur im Combahnviertel und der Inneren Nordstadt.
(Daten: Amt für Statistik Bundesstadt Bonn, persönliche Mitteilung. Eigene Berechnung und Darstellung)
Auch beim zweiten Thema der „Bönnschen Viertel“, der Gestaltung des öffentlichen Raums, haben
beide Viertel Gemeinsamkeiten und besondere Ausgangsvoraussetzungen. In der Inneren Nordstadt
gibt es seit 1990 eine Denkmalbereichssatzung, während im Combahnviertel aktuell ein Satzungsver-
fahren beginnt (vgl. Stadt Bonn 2022a, 2022d), das aber noch nicht abgeschlossen ist (Willcke 2024).
12% 12%
28%
34%
15%
10%
17%
37%
28%
8%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
40%
0-17 18-25 26-40 41-65 66+
Altersgruppen
Combahnviertel %
Innere Nordstadt %Seite 12 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
4
Die Umfragedaten, die im Oktober 2023 im Rahmen der Evaluation erhoben wurden (Tabelle 1) zeigen,
dass die Lebensqualität im Quartier von den Bewohner:innen im Combahnviertel etwas besser einge-
schätzt wird als in der Inneren Nordstadt1. Zudem gaben die Befragten im Combahnviertel an, zu 74%
einen Zugang zu einem Balkon zu haben. 58% verfügen über einen Garten. Diese Werte sind in der
Inneren Nordstadt deutlich niedriger. Die Wohnlagen gemäß Mietspiegel sind in beiden Vierteln ähn-
lich attraktiv. Sie werden mit Ausnahme von Lagen an Durchgangsstraßen vom Gutachterausschuss für
Grundstückswerte überwiegend in die Kategorie „gut“ (11,5-14,0 Lagepunkte) eingeordnet. Die Innere
Nordstadt erhält dabei überwiegend 13,0 Lagepunkte, das Combahnviertel überwiegend 13,5 Lage-
punkte (vgl. Stadt Bonn o.D. a).
Tabelle 1: Charakterisierung der Modellviertel anhand ausgewählter Daten
(Daten: Amt für Statistik der Stadt Bonn, eigene Erhebungen)
Statistische Daten Innere Nordstadt Combahnviertel
Einwohner:innen Gesamt 9.022 2.561
0-17 924 297
18-25 1.558 307
26-40 3.337 711
41-65 2.498 859
66 und älter 705 387
Umfragedaten* Innere Nordstadt Combahnviertel
Einschätzung der Lebensqualität im
Quartier: sehr hoch oder hoch 76% 90%
Zugang zu einem Garten 40% 58%
Zugang zu einem Balkon 58% 74%
Verfügbarkeit PKW 57% 72%
Verfügbarkeit Fahrrad 83% 77%
Verfügbarkeit eBike 5% 16%
Verfügbarkeit Lastenrad 3% 4%
Verfügbarkeit Monatsticket ÖPNV 55% 47%
*Umfrage im Oktober 2023, Teilnehmende (n): 915;
davon: Innere Nordstadt: 445, Combahnviertel: 470
Auch mit Blick auf die Ausgangslage zur Mobilität zeigen sich Unterschiede zwischen den Vierteln. So
gaben fast drei Viertel der Befragten (72%) im Combahnviertel an, dass sie über einen PKW verfügen
können - gegenüber 57% der Befragten in der Inneren Nordstadt. Die Nordstadtbewohner:innen ver-
fügten hingegen etwas häufiger über Fahrräder (83% zu 77% im Combahnviertel) und über ein ÖPNV-
1 Zur Einschätzung der Aussagekraft der Umfragedaten siehe Kap.3Seite 13 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
5
Monatsticket (55% zu 47%). Dabei ist zu berücksichtigen, dass gängige Mobilitätstypen in der Regel
nicht auf ein Verkehrsmittel zu reduzieren sind, sondern eine Vielfalt an Mobilitätsbedürfnissen be-
steht. Die individuellen Entscheidungen der oftmals multimodalen Nutzung unterschiedlicher Ver-
kehrsmittel sind unter anderem durch die individuelle Lebenssituation und spezifische Bedürfnisse,
aber auch soziodemographische und strukturelle Einflussfaktoren bedingt (Gebhardt & Oostendorp
2021).
2.3 Übersicht der Formate
Im Zeitraum vom 1. April bis 23. September 2023 wurden im Rahmen des Beteiligungsprojektes zahl-
reiche Formate umgesetzt. Die Liste der hier vorgestellten Formate beruht auf der Mitteilungsvorlage
231857 (Stadt Bonn 2023a). Ergänzt wurde der Aktionstag „Bönnsche Stadtstraßen“, da dieser in der
Auflistung zum „Bönnschen Mobilitätssommer“ im Endbericht von ifok (2023:15) aufgeführt und in
unterschiedlichen Kontexten als Abschlussevent der „Bönnschen Viertel“ angekündigt wurde.
Feste und Großveranstaltungen
Auftaktfest am 1.4.2023 – Bonner Oper
An der Auftaktveranstaltung, die auf dem Außengelände der Bonner Oper und im Opernfoyer statt-
fand, nahmen geschätzt bis zu 1000 Personen teil. Die Veranstaltung wurde zuvor öffentlich im Gene-
ral-Anzeiger und mit Plakaten in den Projektvierteln angekündigt. Zufällig ausgewählte Bewohner:in-
nen des Combahnviertels und der Inneren Nordstadt wurden zudem schriftlich per Post eingeladen.
Oberbürgermeisterin Katja Dörner informierte in der Eröffnungsrede über die Ziele des Projekts. In der
folgenden Podiumsdiskussion kamen Akteur:innen mit unterschiedlichen Perspektiven und Anliegen
zu Wort. Vertreter:innen der Stadtwerke, des Caritas Pflegedienstes, der Stadtbrotbäckerei und der
Organisation „Fridays for Future“ äußerten eine Reihe zentraler Zielkonflikte und regten so exempla-
risch zu einem offenen Austausch während der Veranstaltung und im Projekt an. Bürger:innen konnten
sich an Ständen verschiedener Akteursgruppen und der Stadtverwaltung zu unterschiedlichen Aspek-
ten der Mobilitätswende in Bonn und den Quartieren informieren sowie in Dialog treten und Vor-
schläge in Ideenwerkstätten und an Stellwänden einbringen.
Workshop “Zukunftsfähige Wirtschaftsverkehre in den Bönnschen Vierteln”, 25. April 2023
Auf Einladung des Amts für Wirtschaftsförderung nahmen Vertreter:innen von Logistikunternehmen,
Wirtschaftsverbänden sowie des Einzelhandels und Initiativen aus Bonn an dem zielgruppenspezifi-
schen Workshop teil. Die Evaluation hat diesen Workshop aus terminlichen Gründen nicht beobachtet.Seite 14 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
6
Tage der Bönnschen Viertel – am 13.5.2023 im Combahnviertel und am 17.6.2023 in der Inneren Nord-
stadt
Die „Tage der Bönnschen Viertel“ waren als Straßenfeste konzipiert. Eine Straßen- und Parkraumsper-
rung ermöglichte es, den öffentlichen Raum neu zu nutzen und Aktionen sowie Gesprächsmöglichkei-
ten anzubieten. Die Veranstaltung wurde zuvor durch Flyer in den Hauspostkästen im Viertel sowie
über Plakate beworben.
Das Format bot verschiedenen Akteur:innen und Initiativen die Möglichkeit, sich bei der Gestaltung
des Festes zu engagieren und sich zum Thema „Bönnsche Viertel“ einzubringen. Hierfür gab es ein
virtuelles Vorbereitungstreffen mit Ansprechpersonen von ifok und der Stadtverwaltung, um Ak-
teur:innen zu vernetzen, Ideen zu teilen und organisatorische Fragen zu klären. Auf den Veranstaltun-
gen waren verschiedene Organisationen und Initiativen ebenso vertreten wie Anwohner:innen mit Ti-
schen, Spielen, Kaffee, Suppe und Kleiderflohmarkt. Besucher:innen konnten an verschiedenen Stellen
Feedback hinterlassen.
Einzelveranstaltungen im „Bönnschen Sommer“
Der „Bönnsche Sommer“ bestand aus einer Reihe von Veranstaltungen, die von verschiedenen Initia-
tiven von Juni bis September 2023 in den beiden "Bönnschen Vierteln" umgesetzt wurden.
Workshops zu Feinstaubsensoren für Jugendliche
Die Stadt Bonn lud Jugendliche aus dem Combahnviertel und der Inneren Nordstadt ein, eigene Mess-
geräte zur Messung von Feinstaub zu bauen. Die jungen Menschen wurden per Zufallsprinzip aus den
Modellvierteln für die „Bönnschen Viertel“ ausgewählt. Unter Anleitung von Caspar Armster konnten
20 Jugendliche aus der Inneren Nordstadt einen eigenen Feinstaubsensor bauen und in Betrieb neh-
men, um „mit den Daten ein messbares Gefühl für das Thema Feinstaub zu bekommen“ (Stadt Bonn
2023b).
Freebox-Mobil im Combahnviertel
Unter dem Titel "New Placemaking" fand am Abend des 11.08.2023 eine Veranstaltung mit dem
Freebox-Mobil und dem Soundbike in Höhe der Combahnstr. 13 statt. Ungefähr 70 Menschen, im ge-
schätzten Alter von 30 und 65 Jahren, und ein paar Familien mit Kindern nahmen an der Veranstaltung
teil.
Vernissage Artpolis / Viertelbar
Am 09.09.2023 fand zwischen 19 und 21 Uhr in der Inneren Nordstadt auf zwei gesperrten Parkplätzen
Straßenmusik statt, die eine Vernissage in einem naheliegenden Haus unterstützte. Deutlich über 100Seite 15 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Menschen nutzten das Angebot, um sich im öffentlichen Raum oder der Außengastronomie aufzuhal-
ten, der Musik zuzuhören, zu tanzen und sich auszutauschen.
Anwohner:innen-Bänke in der Nordstadt
Im Zeitraum des „Bönnschen Sommers“ stellten Anwohner:innen in zwei Straßen der Inneren Nord-
stadt Begegnungsbänke auf. Dieses Engagement wurde im Rahmen der Evaluation nicht berücksich-
tigt.
Quartiersgespräch Macke-Viertel
Am 22.08.2023 fand auf Initiative des Quartiersmanagements Macke-Viertel ein Gespräch mit Bewoh-
ner:innen und Vertreter:innen der Verwaltung zu verschiedenen Themen der „Bönnschen Viertel“
statt. Die Verwaltung stellte die „Bönnschen Viertel“ vor. Das Beteiligungsformat und das Thema Par-
ken wurden besprochen. 16 Personen nahmen teil.
Kunstprojekt
In einer Kooperation mit der „Kunstkarre“ der Jugendkunstschule wurden von Juni bis September 2023
in der Inneren Nordstadt Kinder am Projekt beteiligt. Sie konnten in Kindergärten, Schulen und im
öffentlichen Raum an einem Zeichenwettbewerb teilnehmen. Altersgemäß beschäftigten sich die Kin-
der mit verschiedenen Fragestellungen. Die Antworten wurden künstlerisch auf Holzplatten darge-
stellt. Adressiert wurden die Fragen (vgl. Stadt Bonn o.D. e):
 Was möchtest du in deinem Viertel erleben?
 Was gefällt Dir in deinem Viertel?
 Was stört Dich dort, wo du mit deiner Familie lebst, am meisten?
 Wenn Du draußen spielst, wo spielst du und was stört dich?
 Wie fährst du bzw. gehst du zur Schule?
 Was möchtest Du in Deinem Viertel verändern?
Die Ergebnisse bewerteten die Teilnehmer:innen mit Klebepunkten. Sie wurden den beteiligten Äm-
tern zur Verfügung gestellt. Beim Aktionstag “Du und Dein Viertel” am Frankenbadplatz (s. unten) wur-
den mit Kindern und Jugendlichen zusätzlich leitfadengestützte Interviews geführt.
Aktionstag “Du und Dein Viertel” für Kinder und Jugendliche am 01.09.2023 am Frankenbadplatz
Der Aktionstag war als Abschlussfest der Kinder- und Jugendbeteiligung in der Inneren Nordstadt ge-
plant. Zahlreiche Akteur:innen waren vor Ort vertreten: Schulsozialarbeiter Stadt Bonn, Deutsche Pfad-
finderschaft Sankt Georg, DRK und Quartiersmanagement Mackeviertel, Feuerwehr, artefact Jugend-Seite 16 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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kunstschule, Mädchentreff Azade, Mobile Suchthilfe und Katholische Jugendagentur - Jugendsozialar-
beit - „Werk statt Schule“. Es gab eine Hüpfburg und das Spielmobil Max bot Kindern viele Möglichkei-
ten zu spielen.
Mobilitätstestwoche
Während der Mobilitätstestwoche im August 2023 verzichteten sechs Haushalte, die sich auf eine Aus-
schreibung beworben hatten, für eine Woche auf ihr Auto und testeten alternative Mobilitätsmöglich-
keiten. Sie hatten ein Deutschlandticket zur Verfügung, konnten Leih-(Lasten-)Räder kostenlos nutzen
und ohne Anmeldegebühren auf Carsharing-Fahrzeuge zugreifen. Dabei wurden sie vom ADFC beglei-
tet.
Aktionstag „Bönnsche Stadtstraßen“ und Mobilitätstag Münsterplatz, 23. September 2023
Am 23.09.2023 fand als Teil der europäischen Mobilitätswoche der Aktionstag „Bönnsche Stadtstra-
ßen“ mit mehreren Veranstaltungen statt. Auf dem Münsterplatz boten verschiedene Initiativen und
Organisationen, die zu mobilitätsrelevanten Themen arbeiten, Aktivitäten an. Zugleich wurden von der
Stadt Bonn in Kooperation mit dem Verein Artpolis sowie Kulturschaffenden und Anwohnenden in den
Stadtvierteln Innere Nordstadt (Michaelstraße) sowie Dottendorf (Kessenicher Straße) und Endenich
(Magdalenenstraße) dezentrale Veranstaltungen angeboten. Der Aktionstag wurde von einige Teilneh-
mer:innen als Abschlusstag der „Bönnschen Viertel“ verstanden. Andere nahmen ihn als gesonderte
Veranstaltungen wahr.
Online-Beteiligung
In der Zeit vom 01.-16.04.2023 gab es die Möglichkeit, auf der städtischen Beteiligungswebseite bonn-
macht-mit.de Beiträge zu den Themen „Ihre Ideen zu den Bönnschen Vierteln“ und „Ihre Gedanken
zur Mobilitätswende“ zu veröffentlichen, zu kommentieren und zu liken. Davon machten 13 Bürger:in-
nen durch das Einbringen von Vorschlägen und Kommentaren Gebrauch. Die Ergebnisse der Beteili-
gung sind auf bonn-macht-mit.de dokumentiert und flossen in die Auswertung durch die Verwaltung
und in die Dokumentation des Beteiligungsprozesses ein.Seite 17 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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3 Methodik der Evaluation
Um dem Mitwirkungsprojekt „Bönnsche Viertel“ mit seinen vielfältigen Formaten gerecht zu werden,
wurde für die Evaluation ein Ansatz gewählt, der unterschiedliche Forschungsmethoden kombiniert
(Mixed Methods). Es wurden insbesondere standardisierte Haushaltsbefragungen, qualitative Inter-
views, Gruppeninterviews, teilnehmende Beobachtungen und partizipative Workshops durchgeführt.
Die Evaluation untersuchte die Erreichung der selbstformulierten Ziele des Projekts.
In der Evaluation wurden insbesondere drei Teilziele betrachtet, die aus der Zielformulierung entnom-
men wurden (in Klammern die Abkürzungen, die an einigen Stellen im Bericht verwendet werden):
Die genannten Ziele enthalten keine quantifizierbaren Kriterien, anhand derer eindeutig ermittelt wer-
den könnte, ob ein Ziel erreicht wurde oder nicht. Da es sich bei dem Pilotprojekt „Bönnsche Viertel“
um ein vorwiegend exploratives Format handelte, das ausdrücklich als lernendes Projekt angesehen
wurde, um Erfahrungen für die Ausweitung auf andere Viertel zu sammeln, ist diese Unschärfe hin-
nehmbar.
 Akteur:innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar machen (Sichtbarkeit)
 Den gesamtgesellschaftlichen Dialog fördern (Dialog)
 Die Akzeptanz der beschlossenen Ziele fördern (Akzeptanz)
"Ziel der Mitwirkung ist es durch verschiedene Formate Akteur*innen und Anliegen in den
Quartieren sichtbar zu machen, um diese in die konkrete Realisierung nachhaltiger Mobili-
tätskonzepte in Wohnquartieren zu integrieren. Neben der Sichtbarmachung von Akteursbe-
dürfnissen zielt die Mitwirkung darauf ab, den gesamtgesellschaftlichen Dialog und die Ak-
zeptanz für die beschlossenen Ziele zu fördern." (Stadt Bonn 2022a)Seite 18 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Abbildung 2: Evaluation des Mitwirkungsprozesses „Bönnsche Viertel“ (eigene Darstellung)
Der Mixed-Methods-Ansatz der Evaluation (Creswell 2014, Kuckartz 2014) kombinierte quantitative
und qualitative Erhebungsmethoden2 (Abb. 2):
 Im März (vor Beginn des Mitwirkungsprojekts) und im Oktober 2023 (nach Abschluss des Mit-
wirkungsprojekts) wurden zwei standardisierte Befragungen von Einwohner:innen durchge-
führt (Baur & Blasius 2019). In jedem Viertel wurden 2.000 Personen ab 12 Jahren per Zufalls-
stichprobe von der Stadt Bonn aus der Einwohnermeldedatei gezogen und per Post zur Teil-
nahme eingeladen. Die Angeschriebenen konnten per Link oder QR-Code auf eine Online-Um-
frage zugreifen, oder einen beigelegten Fragebogen auf Papier nutzen. Der Rücklauf betrug im
März 851 und im Oktober 971 vollständig ausgefüllte Fragebögen. Der Fragebogen im März
war in Deutsch, Englisch und Türkisch verfügbar. Der Fragebogen im Oktober wurde auf
2 Detailliertere Informationen zu den eingesetzten Methoden, ihren Möglichkeiten und Grenzen finden Sie im
Kapitel „Forschungsmethodik – Möglichkeiten und Grenzen“ (siehe Anhang).Seite 19 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Deutsch und Englisch zur Verfügung gestellt, da der türkischsprachige Fragebogen im März von
den Antwortenden nicht genutzt wurde. In beiden Erhebungsphasen gab es zusätzlich einen
angepassten Fragebogen für Kinder und Jugendliche. Der Rücklauf bei dem Fragebogen für
Kinder und Jugendliche betrug 33 vollständig ausgefüllte Fragebögen im März und 56 im Ok-
tober. Diese geringe Zahl ist bei der Bewertung der Aussagen im Bericht zu berücksichtigen.
 Die quantitativen Umfragen wurden durch verschiedene qualitative Methoden (Flick et al.
2017) ergänzt. Insgesamt 14 qualitative Interviews wurden im Frühsommer 2023 mit ausge-
wählten Anwohnenden aus beiden Modellvierteln geführt. Die Gesprächsteilnehmenden hat-
ten sich im Rahmen der ersten Umfrage freiwillig für die Teilnahme gemeldet. Die Interviews
folgten einem Leitfaden und hatten das Mobilitätsverhalten und die Mobilitätsbedürfnisse der
Gesprächspartner:innen sowie ihre Einschätzung des Mitwirkungsprojektes zum Inhalt.
 Um gesondert auf die Bedürfnisse von Senior:innen eingehen zu können, wurde am
02.09.2023 ein Gruppeninterview (Mattissek et al. 2013) mit einer selbstorganisierten Gruppe
von 25 Senior:innen im Alter von 70-90 Jahren in Beuel durchgeführt. Es ging um die Mobili-
tätsbedürfnisse der Teilnehmenden sowie um ihre Vorstellungen, wie sie sich in ein Beteili-
gungsprojekt wie die „Bönnschen Viertel“ einbringen können.
 Zusätzlich wurden leitfadengestützte Interviews (Flick et al. 2017) mit 16 Gewerbetreibenden
aus beiden Vierteln geführt. Diese hatten das Mobilitätsverhalten, spezifische Mobilitätsbe-
dürfnisse und die Einschätzung der „Bönnschen Viertel“ zum Thema.
 Zusätzlich zu den standardisierten Umfragen mit Kindern und Jugendlichen wurden im Rah-
men von drei partizipativen Workshops (von Unger 2013) die Einstellungen Jugendlicher zum
Mitwirkungsprojekt „Bönnsche Viertel“ ermittelt. Die Workshops fanden im Oktober und No-
vember 2023 an zwei Bonner Gesamtschulen statt (ein Workshop an der IGS Beuel; zwei Work-
shops mit unterschiedlichen Gruppen an der Marie-Kahle-Gesamtschule). An ihnen nahmen
Schüler:innen im Grund- bzw. Leistungskurs Geographie in der Oberstufe teil.
 Beim Auftaktfest in der Oper, den Tagen der „Bönnschen Viertel“ im Combahnviertel und in
der Inneren Nordstadt sowie den „Bönnschen Stadtstraßen“ wurde die ethnographische Me-
thode der teilnehmenden Beobachtung eingesetzt (Wintzer 2018). Drei bis fünf Beobachter:in-
nen erfassten mit Hilfe eines einheitlichen Beobachtungsbogens die Veranstaltungen und führ-
ten informelle Gespräche mit einzelnen Teilnehmer:innen, Initiativen und Mitarbeiter:innen
der Verwaltung. An den Einzelveranstaltungen des „Bönnschen Sommers“ nahm jeweils ein
Mitglied des Evaluationsteams teil. Die Beobachtungen wurden in Protokollen festgehalten
und intersubjektiv validiert.Seite 20 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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 Zusätzlich nahmen einzelne Mitglieder des Evaluationsteams an ausgewählten Vorbereitungs-
und Auswertungstreffen der Verwaltung teil. Die Beobachtungen aus diesen Treffen wurden
ebenfalls dokumentiert. Mit einigen der Initiativen, die aktiv an den Tagen der „Bönnschen
Viertel“ beteiligt waren, wurden vertiefende Gespräche geführt und dokumentiert.
Die durchgeführten Umfragen im März und Oktober erlauben trotz einer guten Übereinstimmung
bezüglich Altersstruktur und Geschlecht zwischen der befragten Stichprobe und der Gesamtbevöl-
kerung der Quartiere keine repräsentativen Aussagen zur Gesamtbevölkerung der Quartiere. Per-
sonen mit formal höherem Bildungsabschluss und Menschen, die in der letzten Kommunalwahl die
Grünen gewählt haben, sind in der Stichprobe im Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Quartiere
überrepräsentiert. Darüber hinaus ist zu beachten, dass Antworten auf Umfragen auch vermeint-
lich strategisch oder/und wahrheitswidrig gegeben werden können. Eine detailliertere Darstellung
der Methodik, ihrer Möglichkeiten und Grenzen finden Sie im Anhang.Seite 21 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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4 Ergebnisse zu den Zielen Sichtbarkeit, Dialog und Akzeptanz
Die Darstellung der Ergebnisse fokussiert in diesem Kapitel auf die Erreichung der drei Ziele: Sichtbar-
keit der Akteur:innen und Anliegen in den Quartieren, Förderung des gesamtgesellschaftlichen Dialogs
und Förderung der Akzeptanz für die beschlossenen Ziele (Kap. 3).
4.1 Akteur:innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar machen
Teilnehmende Beobachtungen und qualitative Interviews
Die Auftakt- und die Abschlussveranstaltung sowie die Tage der „Bönnschen Viertel“ verfolgten das
Ziel, die Anliegen der unterschiedlichen Akteur:innen und Anwohnenden in den Modellvierteln sicht-
bar zu machen.
Die Auftaktveranstaltung fand am 01.04.2023 in
der Bonner Oper statt. Bereits in der Begrüßung
wurden Besucher:innen aufgefordert, sich aktiv
einzubringen und die Mitwirkungsmöglichkeiten
vor Ort sowie online zu nutzen. An zahlreichen In-
foständen und Pinnwänden konnten Teilneh-
mer:innen mit Mitarbeiter:innen der Stadtverwal-
tung ins Gespräch kommen und auf Moderations-
karten Anregungen und Hinweise notieren. Diese
Möglichkeiten wurden umfassend genutzt. Von in-
teressierter Nachfrage bis zum konfliktorientierten
Meinungsaustausch konnten zahlreiche Gespräche
beobachtet werden und es wurde reichlich von der
Möglichkeit Gebrauch gemacht, Anmerkungen an
den thematisch geordneten Ständen zu hinterlas-
sen (Abbildung 3).
Sichtbarkeit für unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen wurde außerdem im Opernfoyer durch
den Stand des Behindertenbeauftragten der Stadt Bonn und durch interaktive Angebote sowie eine
Menti-Umfrage für Jugendliche geschaffen.
Ideen und Anmerkungen zu unterschiedlichen Themen wurden auf Pinnwänden erfasst:
 Ideen zu den Bönnschen Vierteln
 Was sollte sich verändern?
Abbildung 3: Pinnwand mit Ideen beim Auftaktfest an der
Oper (Foto: Evaluationsteam)Seite 22 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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 Was können wir gemeinsam tun? Was möchten Sie bei den Tagen der Bönnschen Viertel auspro-
bieren?
 Was verbinden Teilnehmende mit der Mobilitätswende?
 Was bedeutet eine Mobilitätswende in den Bönnschen Vierteln für Teilnehmende?
 Wünsche für die Tage der Bönnschen Viertel
 Feedback zur Veranstaltung
 Feedback an die Stadtverwaltung/Was wünschen sich TN von der Stadtverwaltung?
Aufmerksamkeit für unterschiedliche Akteur:innen wurde am Veranstaltungstag außerdem durch Pa-
villons verschiedener Initiativen sowie durch ausgestellte alternative Verkehrsmittel und Teststatio-
nen für Lastenräder und eScooter generiert. Im Außenbereich vertreten waren unter anderem: Pa-
rents4Future, das Quartiersmanagement Macke-Viertel, die Altstadtinitiative, Fuss e.V., Bolle Lasten-
räder (Bonn im Wandel), der ADFC, Radentscheid, CarFreiTag IGS. Besucher:innen konnten sich mit
Vertreter:innen der Initiativen zu Themen der „Bönnschen Viertel“ austauschen und Informationen zu
Themen erhalten, die sich mit den Interessen der Initiativen verknüpfen (z.B. „Verkehrswende“ oder
„Aufenthaltsqualität“). Die Pavillons schienen gut besucht zu sein und auch die Testangebote wurden
von mehreren Teilnehmer:innen genutzt. Wetter- und lagebedingt gab es nur wenige Besuche durch
zufällige Passant:innen, zumal das Thema der Veranstaltung von außen nicht klar erkennbar war.
In Gesprächen mit dem Evaluationsteam äußerten Vertreter:innen der beteiligten Initiativen sowie ei-
ner weiteren angefragten Organisation vereinzelt Kritik an der Kommunikation seitens der Stadt und
ifok. Es wurde der Wunsch nach besserer Vorab-Information und engerer Zusammenarbeit auf allen
Stufen des Projekts geäußert, damit die Erfahrungen und Expertise der Initiativen gewinnbringend und
auf Augenhöhe eingebracht werden können.
Insgesamt bot das Auftaktfest gute Möglichkeiten, verschiedene Akteur:innen und Anliegen sichtbar
zu machen und über die Mobilitätswende zu informieren. Besucher:innen äußerten sich in Gesprächen
ausschließlich positiv zur Veranstaltung und der Möglichkeit, sich zu informieren und einzubringen. Die
Ergebnisse der Auftaktveranstaltung wurden bei den Tagen der „Bönnschen Viertel“ an den Informa-
tionsständen ausgestellt und anschließend in die Dokumentation der Stadtverwaltung eingebracht.
Auch die „Tage der Bönnschen Viertel“ in beiden Modellstadtteilen haben zur Sichtbarkeit von Ak-
teur:innen und deren Anliegen beigetragen. Eine Straßen- und Parkraumsperrung am jeweiligen „Tag
der Bönnschen Viertel“ bot Initiativen und Anwohnenden die Möglichkeit, den öffentlichen Raum neu
zu nutzen und Aktionen sowie Gesprächsmöglichkeiten anzubieten. Zur Organisation der Tage der
Bönnschen Viertel mit Straßenfestcharakter gab es jeweils ein virtuelles Vorbereitungstreffen mit An-
sprechpersonen von ifok und der Stadtverwaltung, um Akteur:innen zu vernetzen, Ideen zu teilen und
organisatorische Fragen zu klären.Seite 23 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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In beiden Vierteln wurden die „Tage der
Bönnschen Viertel“ zuvor durch Flyer in den
Hauspostkästen im Viertel sowie über Pla-
kate im öffentlichen Raum beworben. Den-
noch wurden nicht alle Anwohnenden er-
reicht, sodass manche Teilnehmende - vor al-
lem im Combahnviertel - äußerten, erst am Veranstaltungstag davon erfahren zu haben und nicht ge-
nau gewusst zu haben, welches Fest ausgerichtet wird. Grundsätzlich ist es gelungen, durch die Aus-
richtung von Veranstaltungen mit Straßenfestcharakter Anwohnende über den Mitwirkungsprozess zu
informieren. Die Informationen zum detaillierten Tagesprogramm waren teils auf Stromkästen und
Absperrungen aufgehängt, aber nur begrenzt sichtbar.
Im Combahnviertel waren verschiedene Organisationen und Initiativen (ADFC, Radentscheid, Grüne,
CDU, Bolle Bonn, Lenz, Young Caritas, Twin Region) vertreten. Es gab außerdem Angebote von Anwoh-
ner:innen mit Tischen, Spielen, Kaffee, Suppe und Kleiderflohmarkt. Anwohner:innen konnten sowohl
an den Feedback-Inseln, die von ifok und der Stadt betreut wurden, Notizen hinterlassen als auch an
verschiedenen Stellen Zettel in vorbereitete Bo-
xen werfen. Sie wurden ausdrücklich auf diese
Möglichkeit hingewiesen. Auch in Gesprächen mit
der Stadtverwaltung haben sie ihre Anliegen ad-
ressieren können. Insgesamt wirkte die Zahl der
Anwesenden für ein Quartier mit ca. 3.000 Ein-
wohner:innen überschaubar, was teilweise witte-
rungsbedingt erklärbar ist. Im Vergleich zur Inne-
ren Nordstadt ist festzuhalten, dass diese ca. drei-
mal so viele Einwohner:innen sowie einen wesent-
lichen höheren Bestand an Geschäften und Gast-
ronomie hat, von denen einige den Tag nutzten,
um ihre Angebote vor den Ladenlokalen zu prä-
sentieren.
Am „Tag der Bönnschen Viertel“ in der Inneren Nordstadt nahmen ca. 30 angemeldete Initiativen und
Akteur:innen teil. Zeitgleich hatte die Altstadt-Initiative Bonn (AIB) ein Musikfest geplant, was größ-
tenteils in den gleichen Straßenzügen veranstaltet wurde. Auch diese Großveranstaltung bot verschie-
denen Akteur:innen und Initiativen die Möglichkeit, sich bei der Gestaltung des Festes zu engagieren
Abbildung 4: Programmaushänge an Stromkästen im Com-
bahnviertel (Foto: Evaluationsteam)
„Ich war neugierig auf dieses Format.“
„Da waren so ganz kleine, wirklich sehr interes-
sante Möglichkeiten der Partizipation, also man
konnte überall irgendwo sitzen und was basteln
und, und, und… Also konnte man auf kreative
Weise doch auch seine Ideen einbringen.“Seite 24 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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und sich zum Thema „Bönnsche Viertel“
einzubringen. Durch die Straßensperrun-
gen und den Charakter des Straßenfests
wurden alternative Nutzungen des öffent-
lichen Raumes für Kinder und Erwachsene
sichtbar und erlebbar. Hierzu dienten
Spielangebote und ein Fahrrad-Parcours
für Kinder, interaktive Angebote für Jugendliche (Kunstschule arte fact), Aufenthalts- und Gesprächs-
möglichkeiten (u.a. Bestuhlung, Waffeln, Café-Roller) sowie alternative Mobilitätsangebote (u.a. SWB,
Bolle Bonn, Cambio). Nicht nur auf den Bühnen der AIB, sondern auch im Rahmen des „Tages der
Bönnschen Viertel“ wurde ein Musikprogramm für – in einem gewissen Umfang – unterschiedliche
kulturelle Interessen zusammengestellt. 3 Spielangebote und das musikalische Programm erhöhten für
manche Teilnehmende die Attraktivität, sich im Rahmen dieses Formats am Mitwirkungsprozess zu
beteiligen. Der Straßenfestcharakter sowie die musikalischen Angebote wurden von anderen Anwoh-
nenden jedoch auch als störend und wenig passend empfunden.
Der Infostand der Stadt war unter anderem durch das Bonn-macht-
mit-Fahrrad gut sichtbar und neben einer Feedbackwand von ifok am
Eingang der Breite Straße platziert. Aus der Innenstadt kommend war
dieser Standort sehr gut gewählt. Teilnehmende, die aus anderen
Richtungen kommend das Fest besuchten wurden aber u.U. weniger
aufmerksam auf diese Stände und die Möglichkeiten der Mitwirkung.
Neben den Feedbackwänden von ifok gab es auch an diesem „Tag der
Bönnschen Viertel“ an mehreren Ständen vorbereitete Feedback-Bo-
xen, in denen Zettel mit Anregungen der Bürger:innen gesammelt
wurden (Abbildung 5). Am Stand der Stadt standen Mitarbeiter:innen
der Verwaltung für Informationen und Diskussionen zur Verfügung.
3 Die auf den Festen gespielte Musik hat einen kleinen Ausschnitt aus möglichen Genres bedient und prägte die
Atmosphäre der Veranstaltung. Zahlreiche in der Bevölkerung populäre Musikstile waren nicht vertreten: Deut-
sche Schlager, Musicals, Klassik, Volksmusik oder Oper (die zusammen von fast 50% der Bevölkerung „sehr gern“
gehört werden) (vgl. Statista 2023). Die Vermutung liegt nahe, dass Bevölkerungsgruppen, die diese Musik sehr
gerne hören, sich auf einem Straßenfest weniger wohl fühlen, auf dem eher Hiphop, Weltmusik, Techno, Blues
und Jazz zu hören ist.
„Und auf diese Weise (habe ich) eigentlich gesehen
was auch alles möglich ist, wenn kein Verkehr da ist.
Und das fand ich ehrlich gesagt das Interessante, dass
man den Bewohnern auch durch dieses Ereignis zeigt,
wie die Stadt nutzbar sein kann. Das fand ich wirklich
ein spürbares Erleben (…) meines Wohnviertels in ei-
nem anderen Gewand.“
Abbildung 5: Viele Ideen zu den Bönn-
schen Vierteln in der Feedback-Box (Foto:
Evaluationsteam)Seite 25 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Anders als im Combahnviertel wurde das Thema (mangelnde) Barrierefreiheit an den Infowänden nicht
thematisiert. Zusätzlich wurde auf die Möglichkeit der Online-Beteiligung auf bonn-macht-mit.de hin-
gewiesen.
Ein Projektseminar der Hochschule Niederrhein unter Leitung von Prof. Dr. Donja Amirpur befasste
sich im Vorfeld des „Tages der Bönnschen Viertel“ mit Bedürfnissen unterschiedlicher Gruppen der
Stadtgesellschaft, die nur begrenzt über den „Tag der Bönnschen Viertel“ erreicht werden können.
Hierzu zählten Jugendliche, Bewohnende einer Seniorenresidenz, obdach- und wohnungslose Perso-
nen. Die Bedürfnisse dieser Gruppen wurden auf dem Fest präsentiert und anschließend gebündelt an
die Stadtverwaltung weitergegeben.
Während die Rückmeldungen aus den Feedback-Boxen ebenfalls an die Stadtverwaltung übergeben
wurden, äußerten Vertreter:innen unterschiedlicher Initiativen in Gesprächen Unklarheit darüber, ob
und wie die Anregungen aus den Gesprächen an den diversen Ständen zusammengefasst wurden.
Auch bei einem Quartiersgespräch im Macke-Viertel war die Sichtbarkeit für die Akteur:innen und
deren Anliegen im direkten Kontakt zur Verwaltung vorhanden. Die Sichtbarkeit wurde aber als einge-
schränkt wahrgenommen durch den Hinweis, dass der Mitwirkungsprozess von Bürger:innen bereits
abgeschlossen sei, Daten bereits ausgewertet worden wären und Ergebnisse dieses Quartiersge-
sprächs somit nicht mehr in die Auswertung einfließen könnten.
Durch die Mobilitätstestwoche, an der sechs Haushalte teilnahmen, wurde Sichtbarkeit für die Ak-
teur:innen und die Anliegen in zwei Richtungen geschaffen. Zum einen für die Anbieter von Mobilitäts-
möglichkeiten – sowohl mit Blick auf die kleine Gruppe der Nutzer:innen als auch über Pressemittei-
lungen und Online-Artikel sowie zwei Artikel im General-Anzeiger und einen Bericht in der Lokalzeit
des WDR für die (Stadt-)Öffentlichkeit. Zum anderen wurde auch für die Mobilitätsbedarfe und Anlie-
gen der Testnutzer:innen, die vom ADFC engmaschig begleitet wurden, Sichtbarkeit geschaffen. Ihre
Hinweise waren gefragt und sollen in Verbesserungen einfließen. Wie und ob das geschieht, ist jedoch
zum Zeitpunkt der Evaluation nicht absehbar.
Der Aktionstag „Bönnsche Stadtstraßen“ am 23.09.2023 verfolgte das Ziel, Chancen und Potentiale
einer gelungenen Mobilitätswende zu beleuchten und konkrete verkehrspolitische Maßnahmen zu dis-
kutieren. Die dezentrale Veranstaltung wurde von der Stadt Bonn in Kooperation mit dem Verein Art-
polis sowie Kulturschaffenden und Anwohnenden organisiert. Hierzu fanden mehrere Vortreffen statt,
die gemeinsam von Artpolis und Vertreter:innen der Stadtverwaltung vorbereitet und moderiert wur-
den. Die Aktionen fanden ab 15h in drei Stadtteilen statt: Innere Nordstadt (Michaelstraße), Dotten-
dorf (Kessenicher Straße) und Endenich (Magdalenenstraße).Seite 26 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Zugleich wurde von 11 bis 17 Uhr auf dem Bonner Münsterplatz ein zentraler Mobilitätstag gestaltet.
In der Pressemitteilung der Stadt Bonn vom 18.09.2023 wurde dieser Tag – bis auf den ähnlich klin-
genden Titel, ähnlichen Inhalt und einen Verweis auf auch lesenswerte Texte – nicht mit den „Bönn-
schen Vierteln“ in Verbindung gebracht (Stadt Bonn 2023c). Da es sich bei den Teilnehmenden der
Veranstaltung auf dem Münsterplatz vor allem um Passant:innen handelte, war das Publikum alters-
gemischt.
Die Aktionen im Rahmen der „Bönnschen Stadtstraßen“ in drei Stadtteilen hatten Straßenfest-Cha-
rakter und können als aufsuchende Beteiligung verstanden werden.
In Endenich nutzten vor allem Familien und Personen aus der Nachbarschaft unterschiedliche Mit-
mach-Aktionen für verschiedene Altersgruppen (Spielangebote, Tanz, Bands) sowie Kuchen- und Ge-
tränkeverkauf und Möglichkeiten zum Verweilen. Informationen der Stadt (bezogen auf Maßnahmen
zur Stärkung des ÖPNV, Seilbahn, Stärkung des Fuß- und Radverkehrs, eMobilität und Teile der Aus-
stellung „Die Straße der Zukunft neu gedacht“) wurden an einer Leine präsentiert. Eine Mitarbeiterin
der Verwaltung stand für Rückfragen zur Verfügung. Eine moderierte Veranstaltung fand zumindest
nicht zum angekündigten Zeitpunkt statt. Eine bessere Kennzeichnung wäre hilfreich gewesen.
In der Nordstadt gab es ein breites Angebot an Aktivitäten. Die Verweil- und Verpflegungsmöglichkei-
ten wurden sehr gut angenommen. Familien und viele Personen aus der Nachbarschaft bzw. dem Vier-
tel waren anwesend und im regen Austausch. Die Gruppe der Teilnehmenden war altersgemischt und
es wurden verschiedene Sprachen gesprochen. Auch für Kinder- und Jugendliche gab es konkrete An-
gebote, wie eine Holzwerkstatt (für Street Buddies) und eine Graffitispray-Aktion. Auch hier präsen-
tierte die Stadt Infoblätter an einer Wäscheleine. Am Nachmittag fand ein Dialog zur Mobilitätswende
statt, der von zwei Mitarbeitenden der Stadtverwaltung moderiert wurde.
In Dottendorf gab es ebenfalls Essen, Getränke und Musikangebote sowie Kinderprogramm (Spiele,
Schminken, Verkleiden) und Flohmarktstände. Sitzgelegenheiten luden zum Verweilen ein. Es waren
vor allem Personen aus der Nachbarschaft anwesend. Die Zusammensetzung der Teilnehmenden war
altersgemischt. Am Nachmittag fand eine moderierte Diskussion zur Einrichtung einer Fahrradstraße
auf der Kessenicher Straße statt.
Das Format des Straßenfestes bot die Möglichkeit, Zielgruppen für eine Teilnahme am Mitwirkungs-
verfahren zu motivieren. So wurde dieses Format von Anwohner:innen beider Viertel in qualitativen
Interviews als sehr gute Idee hervorgehoben.Seite 27 von 91
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Kritisiert wurde teils eine zu geringe Vorabinformation über die Details zum Straßenfest (z.B. über Pla-
kate). Zugleich war das Format für manche Anwohner:innen, insbesondere Senior:innen und mobili-
tätseingeschränkte Personen, nicht attraktiv. Es wurde geäußert, dass das Verfahren u.a. aufgrund der
Großveranstaltungen als „Scheinbeteiligung“ wahrgenommen wurde und die Straßenfeste als „Par-
tys“, die nicht jede und jeden zur Teilnahme motivierten. Die Mehrheit der Interviewten in beiden
Quartieren wünschte sich andere Formen der Information über geplante Vorhaben und Maßnahmen
(z.B. Info-Flyer, Social Media) sowie andere Feedback-Möglichkeiten. Genannt wurden beispielsweise
eine Fragebogenerhebung, ein „Ideenmelder“, direkte Austauschveranstaltungen sowie Angebote in
unterschiedlichen Sprachen.
Umfrageergebnisse zur Erreichung des Ziels „Sichtbarkeit“
Das Teilziel „Akteur*innen und Anliegen in den Quartieren sichtbar machen“ wurde in den Umfragen
in den beiden Modellvierteln in mehreren Fragen adressiert:
 Haben Sie schon vor dieser Befragung von dem Projekt „Bönnsche Viertel“ etwas gehört oder
gelesen und wenn ja, wo?4
 Haben Sie an Veranstaltungen des Beteiligungsprozesses „Bönnsche Viertel“ teilgenommen?
 An welchen Veranstaltungen der Bönnschen Viertel haben Sie teilgenommen?
 Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: Es gab bei den Veranstaltungen für die Bürgerinnen
und Bürger ausreichend Möglichkeiten, ihre Ideen einzubringen?
 Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu: Ich habe meine Bedürfnisse zu Mobilität und meinem
Wohnviertel äußern können?
 Haben Sie selbst Aktivitäten im Rahmen der Bönnschen Viertel durchgeführt? (z.B. die Orga-
nisation von Straßenfesten oder die Gestaltung des öffentlichen Raums oder Veranstaltun-
gen mit Nachbarn/Nachbarinnen)
Um Akteur:innen und Anliegen im Rahmen der „Bönnschen
Viertel“ in den Quartieren sichtbar machen zu können, ist es
erforderlich, dass diese von dem Projekt erfahren. 60% der
teilnehmenden Erwachsenen gaben noch im März an, vom
Projekt „Bönnsche Viertel“ „noch gar nicht“ gehört zu haben.
4 In den beiden Befragungen wurde nicht ganz identisch aber sehr ähnlich gefragt: „In Ihrem Viertel möchte die
Stadt Bonn das Modellprojekt Bönnsche Viertel umsetzen. (Wo) haben Sie davon vor dieser Befragung schon mal
etwas gehört oder gelesen?“ (März) bzw. „Haben Sie schon vor dieser Befragung von dem Projekt ‚Bönnsche
Viertel‘ etwas gehört oder gelesen und wenn ja, wo?“ (Oktober).
Von 60% auf
33% in sechs MonatenSeite 28 von 91
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Dieser Wert hatte sich nach Durchführung des Projektes in der zweiten Umfrage im Oktober auf 33%
reduziert. Die Veranstaltungen selbst und die Kommunikation darüber scheinen entsprechend einen
erheblichen Teil von Bewohner:innen der beiden Quartiere erreicht zu haben.5
In beiden Befragungen waren die Antworten von Bewohner:innen der Inneren Nordstadt mit der Ka-
tegorie „noch gar nicht“ mit 80% im März und 45% im Oktober erheblich höher als die aus dem Com-
bahnviertel mit 52% im März und 20% im Oktober. Ob die geringere Größe des Combahnviertels und
die dadurch relativ höhere Reichweite der persönlichen Einladungen der Stadt an eine Stichprobe der
Bewohner:innen zur Auftaktveranstaltung, eine geringere Dichte an konkurrierenden Aktivitäten oder-
andere Faktoren hier eine Rolle gespielt haben, kann nicht geklärt werden. Die Bewohner:innen der
Inneren Nordstadt wurden mit den vorhandenen Kommunikationsmaßnahmen weniger gut erreicht
als die Bewohner:innen des Combahnviertels.
Die Teilnehmenden der zweiten Umfrage gaben an, dass sie auf unterschiedlichen Wegen von dem
Mitwirkungsprojekt erfahren haben ("Haben Sie schon vor dieser Befragung von dem Projekt 'Bönn-
sche Viertel' etwas gehört oder gelesen und wenn ja, wo?") (vgl. Abb. 6). Dabei hatte die persönliche
Einladung durch die Stadt vor Presseberichten (eventuell durch eine städtische Pressemitteilung ange-
stoßen) die höchste Wirkung auf die Kenntnis des Projekts.
Von den befragten Kindern und Jugendlichen hatten 19 von 33 im März „noch gar nicht“ von dem
Projekt gehört und 30 von 56 im Oktober.6 Auch wenn die Gesamtzahl der Teilnehmenden gering ist,
zeigt die Zusammenschau mit Ergebnissen aus den weiteren Erhebungsmethoden, dass Kinder und
Jugendliche von der Kommunikation schlechter erreicht wurden als Erwachsene. Wege, über die Kin-
der und Jugendliche erreicht wurden, waren vor allem „Freunde/Bekannte“ (8 und 10) sowie „durch
eine Einladung“ (3 und 8).
5 Um zu beurteilen, ob 33% der Antwortenden, die nach einem halben Jahr Projektlaufzeit „noch gar nicht“ vom
Projekt gehört haben, ein eher hoher oder eher niedriger Wert ist, kann ein Vergleichswert aus einer Stadt hel-
fen, die das Geographische Institut sechs Jahre im Rahmen eines Smart-City-Projektes begleitet hat. Am Ende
der sechsjährigen Projektphase, die von zahlreichen Kommunikations- und Marketingmaßnahmen begleitet
wurde, gaben immer noch 14% der Bürger:innen an, vom stadtweiten Projekt in ihrer Stadt noch nicht gehört zu
haben (Hatzelhoffer et al. 2012:171).
6 Diese Veränderung ist jedoch aufgrund der geringen Teilnehmendenzahl (33 im März und 56 im Oktober) kein
belastbarer Hinweis auf eine Veränderung.Seite 29 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
21
Abbildung 6: Informationswege zur Bekanntmachung des Mitwirkungsprojekts „Bönnsche Viertel“ im Oktober 2023
(eigene Erhebungen)
Im Sinne des breit angelegten Mitwirkungsprozesses gab es vielfältige Beteiligungsformate, an denen
nach eigenen Angaben 22 % aller Befragten der Umfrage im Oktober 2023 teilgenommen haben. Im
Combahnviertel lag der Anteil bei 28 % der Befragten und in der Inneren Nordstadt bei 16 %. Selbst
Aktivitäten durchgeführt haben insgesamt 6 % der Befragten aus beiden Modellvierteln (51 Personen).
Diese „Aktiven“ waren auf jeden Fall „sichtbar“ und konnten ihren Anliegen Sichtbarkeit verschaffen.
Die 203 Personen, die insgesamt an mindestens einer Veran-
staltung teilgenommen hatten, nannten die folgenden Veran-
staltungen als meistbesuchte (in absteigender Reihenfolge,
Mehrfachnennung möglich):
 Tag der „Bönnschen Viertel“ im Combahnviertel (56 %),
 Tag der „Bönnschen Viertel“ in der Nordstadt (29 %),
 Auftaktveranstaltung in der Oper (28 %),
 Veranstaltung „Bönnsche Stadtstraßen“ (9 %) und
 „New Placemaking“ im Combahnviertel (8 %).
53 % derjenigen, die an Veranstaltungen teilgenommen hatten, stimmten der Aussage: „Es gab bei den
Veranstaltungen für die Bürgerinnen und Bürger ausreichend Möglichkeiten, ihre Ideen einzubringen“
vollkommen (20 %) oder eher (33 %) zu.
31% 29%
15% 13%
10% 10%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
n=915, Mehrfachantworten möglich
22 % Teilnehmende
6 % AktiveSeite 30 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
22
Der Aussage „Ich habe meine Bedürfnisse zu Mobilität und
meinem Wohnviertel äußern können“ stimmten 54 % der Be-
fragten vollkommen (25 %) oder eher (29 %) zu. Ein Großteil
der Befragten konnte folglich seine Ideen und Bedürfnisse ein-
bringen. Welche Gründe dazu führten, dass 10 % hier eher
nicht oder 7% überhaupt nicht zustimmen, bleibt unklar.
Auf die Frage „Haben Sie sich zum Thema Bönnsche Viertel
auf der Internetplattform bonn-macht-mit.de beteiligt?“ in der Oktober-Umfrage haben 31 Personen
(3 %) angegeben „Ja, ich habe einen eigenen Beitrag verfasst oder Beiträge anderer kommentiert.“
Allerdings haben auf bonn-macht-mit.de nur 13 Teilnehmende7 insgesamt 45 Beiträge und 10 Kom-
mentare zu den Themen „Ihre Ideen zu den Bönnschen Vierteln“ und „Ihre Gedanken zur Mobilitäts-
wende“ verfasst (vgl. Stadt Bonn o.D. b). 8 Die Reichweite dieses Formats war somit äußerst gering.
In den offenen Antwortmöglichkeiten der Umfrage äußerten Anwohnende den Wunsch, vermehrt
über Beteiligungsangebote und konkrete planerische Maßnahmen der Stadt informiert zu werden. Der
Einbezug von Bürger:innen im Rahmen des Beteiligungsprojekts „Bönnsche Viertel“ wurde als positiv
wahrgenommen. Einige Teilnehmende kritisierten konkret den geringen Bekanntheitsgrad des Mitwir-
kungsverfahrens „Bönnsche Viertel“.
4.2 Den gesamtgesellschaftlichen Dialog fördern
Teilnehmende Beobachtungen und qualitative Interviews
Die Auftaktveranstaltung zahlte gut auf das Ziel ein, den gesamtgesellschaftlichen Dialog zu fördern.
An zahlreichen Infoständen und Pinnwänden konnten Teilnehmer:innen mit Mitarbeiter:innen der
Stadtverwaltung ins Gespräch kommen und auf Moderationskarten Anregungen und Hinweise notie-
ren. Auch der Austausch wurde durch Stellwand-Informationen angeregt.
7 Die Einträge auf bonn-macht-mit.de sind mit Kennnummern gekennzeichnet. Da die Plattform nur mit Anmel-
dung genutzt werden kann, entsprechen unterschiedliche Kennnummern unterschiedlich angemeldeten Perso-
nen.
8 Möglicherweise hat ein Teil der Antwortenden vermeintlich erwünschte Antworten gegeben oder sich zu an-
deren Mitwirkungsprozessen auf der Plattform geäußert. Zur Struktur der Teilnehmenden an der Umfrage im
Vergleich zur Gesamtbevölkerung der Viertel siehe im Anhang den Abschnitt „Forschungsmethodik – Möglich-
keiten und Grenzen“.
53 % bringen Ideen ein
54 % äußern BedürfnisseSeite 31 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
23
Für den Austausch unter den Besucher:innen standen zudem im Rahmen einer „Ideenwerkstatt“ Ge-
sprächstische zu verschiedenen Themen bereit. Neben einer schriftlichen Anleitung auf den Tischen
und Pinnwänden für Kommentare zu den Themen Mobilitätsverhalten, öffentliche Räume und Mobi-
lität und Verkehr war von dem Evaluationsteam keine organisierte Moderation zu beobachten. Die
thematische Zuordnung sowie Zielsetzung schienen nicht eindeutig. Die Akustik machte es zum Teil
schwierig, den Gesprächen zu folgen. Dennoch wurden die Gesprächstische von zahlreichen Besu-
cher:innen genutzt, um sich zu informieren und Ideen einzubringen. Mitarbeiter:innen der Stadtver-
waltung, die zu den Tischen kamen, halfen die Gespräche zu strukturieren. Rund um die Tische und
thematischen Stellwände nutzten einige Teilnehmer:innen auch die Gelegenheit, sich für Aktionen im
„Bönnschen Sommer“ zu vernetzen.
Beobachtbar war eine auffällig hohe Präsenz von Familien mit Kindern und älteren Besucher:innen.
Jugendliche und Menschen mit körperlichen Behinderungen erschienen dagegen unterrepräsentiert.
Als niederschwelliges Angebot mit dem Ziel, zum Austausch über vielfältige und divergierende Per-
spektiven anzuregen, war die Auftaktveranstaltung ein gelungenes Format, das von Teilnehmer:innen
im Gespräch mit dem Evaluationsteam und auf den Pinnwänden positiv bewertet wurde. So kommen-
tierte eine Person: „Es ist toll, dass mit uns gesprochen wird und wir sagen können, was wir denken.”
Die „Tage der Bönnschen Viertel“ trugen ebenfalls zum Ziel der Förderung des Dialogs zwischen Be-
wohner:innen der Modellviertel bei.
Die beobachteten Gespräche im Combahnviertel, die an verschiedenen Ständen (Feedback-Insel,
Stadtverwaltung, CDU, Grüne, ADFC, Radentscheid) stattfanden, förderten den gesellschaftlichen Dia-
log. Die Möglichkeiten zum Verweilen (Café-Roller, Bewohner:innen-Tische, Bierbänke bei Spielstraße)
und die Informationsangebote der Initiativen und Organisationen ermöglichten zusätzlich zu Gesprä-
chen mit der Verwaltung auch Kontakte zwischen den Bewohner:innen. Die Idee der selbstorganisier-
ten Combahn-Camps, in denen sich Anwohnende zu selbst gewählten Themen austauschen können,
wurde hingegen von den Teilnehmenden nicht genutzt.
Auch beim „Tag der Bönnschen Viertel“ in der Inneren Nordstadt waren an der Feedback-Insel von
ifok Anregungen und Kommentare vom Auftaktfest zusammengestellt, die kommentiert, weiterge-
führt und diskutiert werden konnten. Über den Infostand der Stadt und eine Feedback-Insel von ifok
hinausgehend konnten Bürger:innen an verschiedenen Ständen und bei unterschiedlichen Aktionen in
den Dialog treten. Insbesondere an Orten mit Verpflegung wurde diese Möglichkeit genutzt. Es gab
Mitmachaktionen von Parteien (Grüne, CDU) sowie zivilgesellschaftlichen Akteur:innen (u.a. eine „Mo-
dellstraße“ von Parents4Future sowie einen interaktiven Rundgang, der von einem Projektseminar der
Hochschule Niederrhein gestaltet wurde). Auch am Stand der Initiative Macke-Viertel wurden vieleSeite 32 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
24
Gespräche geführt. Zudem war der Austausch mit Initiativen und zu Angeboten zur Mobilitätswende
(u.a. Carsharing, ADFC/Radentscheid, SWB) möglich. Der Straßenfestcharakter führte dazu, dass zu-
sätzlich Läden und Privathaushalte – teils spontan – Aktionen zur Nutzung des öffentlichen Raumes
anboten, die rege genutzt wurden.
Im Rahmen des Quartiersgesprächs im Macke-Viertel (Innere Nordstadt) fand ein Dialog mit der Ver-
waltung und zwischen Bewohner:innen statt. Dazu bot das Quartiersgespräch Anlass und einen mode-
rierten Rahmen. So konnten unterschiedliche und gleichlautende Auffassungen über Ziele und For-
mate der „Bönnschen Viertel“ ausgetauscht werden.
Die Mobilitätstestwoche trug als Gesprächsanlass und durch ihre Öffentlichkeitswirksamkeit (Online-
Artikel, Zeitungsartikel, Fernsehbeitrag) zum gesamtgesellschaftlichen Dialog bei. Durch die über-
schaubare Teilnehmer:innenzahl war zwar die direkte Dialog-Wirkung überschaubar, die indirekte je-
doch erheblich. Nicht geprüft werden konnte, inwieweit die Berichterstattung tatsächlich zu Dialog in
der Bevölkerung geführt hat.
Das Ziel, den gesamtgesellschaftlichen Dialog zu fördern, stand bei der zentralen Veranstaltung des
Aktionstags „Bönnsche Stadtstraßen“ auf dem Münsterplatz nicht im Vordergrund. Dennoch bot sich
den Bürger:innen die Möglichkeit, sich mit Mitarbeitenden der Verwaltung und Vertreter:innen der
anwesenden Initiativen auszutauschen. Die Veranstaltung trug laut Gesprächen mit einzelnen Ak-
teur:innen auch zum Austausch zwischen den Initiativen bei. Einzelne äußerten sich gegenüber dem
Evaluationsteam enttäuscht darüber, dass das Beteiligungsprojekt „Bönnsche Viertel“ „gerade an
Fahrt gewonnen hat“, nun aber leider schon vorbei ist.
Der Straßenfestcharakter und die temporäre Sperrung der Straßen so-
wie Aufhebung der Parkmöglichkeit boten Gelegenheiten, den Straßen-
raum im Rahmen der „Bönnschen Stadtstraßen“ anders nutz- und er-
lebbar zu machen. Dieses Angebot wurde von den Nachbarschaften gut
angenommen und die Gelegenheit zum Verweilen und nachbarschaft-
lichen Austausch rege genutzt. Auch der Dialog mit Mitarbeitenden der
Verwaltung, die in allen Stadtteilen präsent waren, wurde genutzt.
Aus den Gesprächen mit Gewerbetreibenden wurde deutlich, dass sie ihre Interessen gegenüber der
Stadtverwaltung und der Stadtöffentlichkeit ansprechen konnten.
„Man hatte schon das Gefühl,
ich habe heute (beim Straßen-
fest) neue Nachbarn und
Nachbarinnen kennenge-
lernt.“Seite 33 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
25
Das Gespräch mit einer Gruppe von Senior:innen hinterließ den Eindruck, dass die „Bönnschen Viertel“
nicht dazu beitragen konnten, diese Zielgruppe in einen gesamtgesellschaftlichen Dialog einzubezie-
hen. Dazu wären offenbar noch stärker aufsuchende Formate des persönlichen Dialogs erforderlich als
Großveranstaltungen in Stadtteilen oder zentrale Veranstaltungen in der Oper.
Umfrageergebnisse zur Erreichung des Ziels „Dialog“
Um einzuschätzen, ob das Ziel der Förderung des gesamtgesellschaftlichen Dialogs erreicht wurde, in-
tegrierte die zweite Umfrage - nach Abschluss des Mitwirkungsprozesses – gezielte Fragen nach Infor-
mationen und Kenntnissen über städtische Maßnahmen sowie Dialogmöglichkeiten:
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Ich
fühle mich von der Stadt Bonn über bereits geplante
und sich in der Umsetzung befindende Maßnahmen
im Quartier gut informiert?
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Ich
habe bei den Veranstaltungen, die ich besucht habe,
neue Informationen zu geplanten Maßnahmen der
Stadt in meinem Viertel erhalten?
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Ich
konnte mit anderen Anwohnenden oder Ansprech-
personen aus der Stadtverwaltung, der Politik oder
der beteiligten Organisationen über die Bönnschen
Viertel ins Gespräch kommen?
24 % der Befragten stimmten der Aussage „Ich fühle mich von der Stadt Bonn über bereits geplante
und sich in der Umsetzung befindende Maßnahmen im Quartier gut informiert“ vollkommen (5 %)
oder eher (19 %) zu. 46 % hingegen stimmten eher nicht (29 %) oder gar nicht zu (17 %). Unentschieden
waren 26 % („unentschieden, teils/teils“). Neun der Kinder und Jugendlichen aus den beiden Umfragen
aus März und Oktober mit insgesamt 89 Teilnehmer:innen stimmten der oben genannten Aussage
vollkommen oder eher zu, während 48 ihr eher nicht oder überhaupt nicht zustimmten.
Von den Teilnehmenden stimmten 58 % der Aussage: „Ich habe bei den Veranstaltungen, die ich be-
sucht habe, neue Informationen zu geplanten Maßnahmen der Stadt in meinem Viertel erhalten“ voll-
kommen (20 %) oder eher (38 %) zu. 15 % stimmten eher nicht zu, 3 % überhaupt nicht. Der Rest (19
%) wählte „unentschieden, teils/teils“ als Antwort.
Während die generelle Information über Maßnahmen im Quartier offenbar wenig Wirkung erzielte
und fast doppelt so viele Menschen angaben, sich eher schlecht als gut informiert zu fühlen (bei den
Kindern und Jugendlichen sogar fünf Mal so viele), scheinen die Veranstaltungen hier einen Beitrag zu
mehr Information geleistet zu haben.
24 % gut informiert
58 % neue Infos
63% Gespräche
%Seite 34 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
26
Bei den Veranstaltungen bestand für viele Befragte auch „die Möglichkeit mit anderen Anwohnenden
oder Ansprechpersonen aus der Stadtverwaltung, der Politik oder der beteiligten Organisationen über
die Bönnschen Viertel ins Gespräch kommen zu können“. So stimmten 63 % der entsprechenden Aus-
sage vollkommen (26 %) oder eher (37 %) zu. 13 % stimmten der Aussage eher nicht (10 %) oder gar
nicht (3 %) zu.
Zusammenfassend scheinen die Veranstaltungen zu einer Förderung des gesamtgesellschaftlichen Di-
alogs beigetragen zu haben. Grundsätzlich ist es wichtig einen Rahmen zu schaffen, zu dem sich auch
den Zielen des Projektes skeptisch gegenüberstehe Menschen eingeladen fühlen.9
Denn ergänzend zu den standardisierten Antworten wurden in den offenen Antwortmöglichkeiten un-
terschiedliche Bedürfnisse und diverse Mobilitätskonflikte angesprochen. Von einigen Befragten
wurde hier Barrierefreiheit gefordert und die Benachteiligung von Menschen mit Rollstuhl, Rollator
oder Kinderwagen kritisiert. Insbesondere die Belange von Fußgänger:innen sowie die Verkehrssicher-
heit von Kindern schienen vielen zu wenig berücksichtigt. Zusätzlich benannt wurde eine konkurrie-
rende Nutzung von Gehwegen durch Fußgänger:innen und Fahrradfahrende. Zudem zeichnete sich ein
Konflikt zwischen PKW-Nutzer:innen und Fahrradfahrer:innen ab, wobei immer wieder die Priorisie-
rung der jeweils anderen Gruppe beklagt wurde.
Auch in den qualitativen Interviews mit Bewohner:innen wurde die Relevanz des gesamtgesellschaft-
lichen Dialogs deutlich. In beiden Stadtvierteln nahmen Anwohner:innen unterschiedliche Mobilitäts-
konflikte wahr. Einzelne äußerten hier den Wunsch nach einer Moderationsfunktion durch die Stadt.
Als Konflikt wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen zwischen Fußgänger:innen und
Fahrradfahrer:innen sowie Fahrradfahrer:innen und PKW-Nutzerinnen sowie durch sogenanntes
„Fremdparken“ und eScooter beschrieben. Diese Darstellung wurde von Personen mit unterschiedli-
chem persönlichen Mobilitätsverhalten (z.B. vorwiegend Fahrradfahrende, Autofahrende, multimo-
dale Nutzer:innen) geteilt. Die Teilnehmenden haben auch Bedürfnisse spezifischer Gruppen ange-
merkt, die durch den Dialog in den Stadtteilen offensichtlich wurden. Hierzu zählten z.B. Handwerks-
betriebe oder Externe und Anwohner:innen, die Entladezonen benötigen. Diese unterschiedlichen Be-
dürfnisse sollten nebeneinandergestellt sichtbar gemacht und in Dialogen thematisiert werden. Von
9 Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die angegeben hatten an Veranstaltungen der Bönnschen Viertel teil-
genommen zu haben war zu gering (8 Personen), als dass eine quantitative Auswertung zu Erfahrungen im Pro-
zess sinnvoll gewesen wäre.Seite 35 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
27
Bewohner:innen beider Viertel wurde der Wunsch geäußert, kontinuierliche Begegnungs- und Aus-
tauschmöglichkeiten für Bewohner:innen zu schaffen.
4.3 Die Akzeptanz für die beschlossenen Ziele fördern
Teilnehmende Beobachtungen und qualitative Interviews
Bei der Auftaktveranstaltung waren alle relevanten Ämter der Stadt präsent. Anhand der informativen
Karten und Übersichten an den Stellwänden war es leicht für Besucher:innen, mit den Vertreter:innen
der Stadt ins Gespräch zu kommen. Dies wurde in informellen Gesprächen explizit und mehrfach ge-
lobt.
Der Aufbau im Opernfoyer und die Beschilderung erschwerten jedoch die Orientierung. Sichtbares In-
formationsmaterial zum Projekt und eine abschließende Zusammenfassung der Eindrücke, die die
Stadtverwaltung aus den Gesprächen mit Besucher:innen gewinnen konnte - und wie mit den Ergeb-
nissen weitergearbeitet wird - wären hilfreich gewesen.
Gespräche, die an den „Tagen der Bönnschen Viertel“ im Combahnviertel sowie in der Inneren Nord-
stadt an verschiedenen Ständen (u.a. Feedback-Insel, Stadtverwaltung, CDU, Grüne, ADFC, Radent-
scheid) geführt wurden, hatten sowohl informierenden als auch um Akzeptanz werbenden oder Ziel-
konflikte diskutierenden Charakter und trugen somit zur Akzeptanz bei. Fehlende oder falsche Infor-
mationen zu konkreten Planungen konnten in Gesprächen mit der Verwaltung korrigiert werden. Die
Komplexität von Fragen der Mobilitätsgestaltung wurde einigen Besucher:innen in der konkreten Aus-
einandersetzung deutlich.
Am Infostand der Stadt wurden im Rahmen der Großveranstaltungen geplante Maßnahmen auf Karten
präsentiert. Teilweise war dies hilfreich, um für Akzeptanz der Maßnahmen zu werben. Auch wenn
Mitarbeitende der Stadtverwaltung für Rückfragen und Gespräche zur Verfügung standen, ist bei einer
ausschließlichen Darstellung mittels Karten und offiziellen Plänen zu berücksichtigen, dass diese für
viele, insbesondere unterschiedliche marginalisierte Bevölkerungsgruppen, kaum oder nur schwer zu-
gänglich und verständlich sind.Seite 36 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
28
Die Grenzen der Mitbestimmung hätten noch deutlicher kommuniziert werden können, um eine po-
tentielle Resignation von Teilnehmenden zu verhindern. Insbesondere das bereits verabschiedete
Parkraumkonzept, das bei der Veranstaltung in der Inneren Nordstadt auf zwei Parallelkarten (vor-
her/nachher) präsentiert wurde, sowie der Radentscheid wurden bereits vom Rat der Stadt Bonn ver-
abschiedet. Es war nicht allen Teilnehmenden klar, dass hier nur wenig Einflussmöglichkeiten bestan-
den.
Durch das Quartiersgespräch im Macke-Viertel
entstand Verständnis für Verwaltungshandeln
und es konnten Informationen vermittelt und
Missverständnisse ausgeräumt werden. Aller-
dings wurde bei der Gesprächsrunde von Teil-
nehmenden auch die Sorge geäußert, dass der
Eventcharakter im Vordergrund stünde, aber die
Möglichkeiten der Beteiligung begrenzt blieben.
Auch wenn bei einigen Teilnehmer:innen Vorbe-
halte erkennbar waren, inwieweit die Vorschläge
und Hinweise der Bürger:innen tatsächlich be-
rücksichtigt würden, überwog eine positive Wahrnehmung des Dialogs.
Grundsätzlich traf der Mobilitätstest auf bereits sehr wohlwollende Nutzer:innen. Alle Teilnehmer:in-
nen würden erneut teilnehmen, wünschten sich jedoch einen längeren Testzeitraum. Der Titel des
Printartikels im General-Anzeiger „Da ist noch Luft nach oben“ (Königs 2023), fasste die Einschätzung
der Teilnehmer:innen gut zusammen. Die realen Bedürfnisse sind komplexer als „mit Handgepäck von
A nach B zu fahren“. Die kurze Zeit der Tests führte nicht zu einer „was wäre wenn“-Situation, sondern
eher zu einem Vergleich mit der bisherigen Situation. Dadurch blieb der Eindruck der Notwendigkeit
des eigenen Autos, welches in der Regel vorhanden ist, bestehen. Dies wurde verstärkt durch wahrge-
nommene einzelne Unzulänglichkeiten der Alternativen, besonders bei der Bewältigung komplexer
Wegeketten, die im Alltag typischerweise vorkommen oder das Fehlen einer einheitlichen Mobilitäts-
App, in der alle verschiedenen Angebote buchbar sind. Durch die Testwoche wurde Akzeptanz für ein-
zelne Elemente wie zum Beispiel ein Leihlastenrad erhöht, welches „vielleicht in Zukunft ab und zu
genutzt wird“.
„Zudem ändert sich durch Teilnahme an dem
Aktionstag nichts. Da würde ich sagen, das ist
eine Scheinbeteiligung. Da kann ja jeder am
Stand irgendwo mal ein Zettelchen reinwerfen.
Das ist so, als wenn Sie Kindern sagen: ‚Stellt
euch mal vor, wie es bei euch aussieht‘. Da ma-
len die Kinder Bilder, dann werden die im Rat-
haus ausgehängt und dann kommt die Bürger-
meisterin und sagt: ‚Oh, ist das aber toll, was
ihr da gemalt habt‘ Und das war's dann.“Seite 37 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
29
Ebenso unterstützten nahezu alle zusätzlich befragten Anwohner:innen bereits grundsätzlich die Mo-
bilitätswende, wenn auch in unterschiedlichem Maße und mit unterschiedlicher Priorisierung bei der
möglichen Ausgestaltung. Häufig wurde ein „Gesamtkonzept“ betont, das unterschiedliche Mobilitäts-
muster unterstützt und die diversen Bedürfnisse verschiedener Bevölkerungsgruppen berücksichtigt.
Eine ältere und auf das Auto angewiesene Person themati-
sierte, dass ein starker Fokus auf Fahrradfahrende von
manchen Personengruppen kritisch bewertet wird. Meh-
rere Teilnehmende betonten die Relevanz zivilgesellschaft-
licher Partizipation und den Wunsch nach verstärkter städ-
tischer Kommunikation im Zuge der Mobilitätswende.
Alle schätzten ihr jeweiliges Viertel als besonders lebenswert ein, auch
wenn von einzelnen Bewohner:innen aus der Inneren Nordstadt Konflikte
durch Lärm, Müll oder Drogenkriminalität benannt wurden. Bewohner:in-
nen der Nordstadt äußerten Sorge vor einer weiteren Gentrifizierung des
Viertels. Eine Seniorin hielt fest, „dass es auch weiter Möglichkeiten geben
muss, mit dem Auto in diesem Viertel zu leben.“
In Interviews äußerten einige Gewerbetreibende, dass sie die grundsätzliche Zielsetzung der Mobili-
tätswende nachvollziehen können. Es fiel dabei auf, dass – wie bei den Bewohner:innen generell –
insbesondere diejenigen Gewerbetreibenden die „Bönnschen Viertel“ unterstützen oder positiv be-
werten, die sich gut informiert fühlen und die an einer der Veranstaltungen der „Bönnschen Viertel“
partizipieren konnten. Unabhängig von der Akzeptanz der Zielsetzung gab es viele Bedenken bezüglich
der Erreichbarkeit von Praxen und Ladenlokalen für Lieferant:innen und Kund:innen. Ein Vertreter ei-
nes Lieferdienstes wies darauf hin, dass Haushalte generell erreichbar sein müssen, ohne in der zwei-
ten Reihe zu parken. Es wurden auch Lösungsvorschläge geäußert: Anwohnerparken auch für Gewer-
bemieter, den Praxen und Ladenlokalen zugeordnete Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Men-
schen, die Einrichtung von ausreichend vielen Ladezonen.
Es wurde mehrfach geäußert, dass unklar sei, welche Maßnahmen beschlossen seien oder noch nicht.
Teilweise wurden unzutreffende Informationen artikuliert, z.B.: „Alle Parkplätze im Combahnviertel
sollen entfallen“ oder „Die komplette Altstadt soll autofrei werden.“ Diese lösen entsprechende Ab-
wehrreaktionen aus.
Auch im Rahmen der drei Straßenfeste am 23.09.2023 wurde in Gesprächen mit Verwaltungsmitar-
beiter:innen sowie teils in moderierten Gesprächsrunden um Akzeptanz für Maßnahmen der Mobili-
tätswende geworben. Im Rahmen des Straßenfestes in Dottendorf fand eine moderierte Diskussion
Mein Wunsch: „…dass man auf Betei-
ligungsprojekte oder auf Anregun-
gen, die man gibt, irgendeine Art von
Antwortmail bekommt.“
„In unserem Viertel ist
die Lebensqualität von
Klasse.“Seite 38 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
30
zum Thema „Kessenicherstraße wird Fahrradstraße – was ändert sich?“ statt, an der ca. 20-25 Perso-
nen teilnahmen. Ziel war die Beantwortung von Fragen der Bürger:innen zu dem geplanten Vorhaben.
Dabei wurden vor allem Argumente zwischen vorwiegend Autofahrenden und Fahrradfahrenden aus-
getauscht, Überlegungen zur Reduktion von Parkplätzen kontrovers diskutiert sowie Fragen zur Schul-
wegsicherheit thematisiert. Die Zielgruppe wurde mit der Veranstaltung in der genannten Zahl er-
reicht. Inwieweit die Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen erreicht werden konnte, bleibt offen.
Einige Bürger:innen schlossen sich im Anschluss an das Gespräch zusammen, um eine Beschwerde bei
der Stadt bezüglich der Fahrradstraßen einzureichen.
In der Nordstadt gab es einen Dialog zur Mobilitätswende, der von zwei Verwaltungsmitarbeitenden
moderiert wurde. Es nahmen etwas mehr als 20 Personen teil. Dabei wurde das Parkraumkonzept für
die Nordstadt vorgestellt sowie die Einführung von Anwohnerparkausweisen und Gebühren für so ge-
nannte „Fremdparker“. Gleichzeitig wurde darüber informiert, dass Mobilitätsalternativen und eine
autoreduzierte Zone geschaffen werden sollen. Ausnahmen für bestimmte Gruppen wie Pflegedienste,
Handwerker:innen und Lieferdienste sind vorgesehen. Insbesondere das Parkraumkonzept wurde
kontrovers diskutiert. Die Mitarbeitenden der Verwaltung konnten auf Fragen eingehen und Informa-
tionen teilen. Zielkonflikte wurden gut moderiert.
Umfrageergebnisse zur Erreichung des Ziels „Akzeptanz“
Um einschätzen zu können, ob durch die „Bönnschen Viertel“ die Akzeptanz für beschlossene Ziele
gefördert wurde, erfasste die Umfrage zunächst, welche Veränderungen die Anwohner:innen für ihr
Viertel wünschen, da bei einer großen Diskrepanz zwischen bestehenden Wünschen und Projektzielen
eine Akzeptanz schwieriger zu erreichen ist.
Eine weitere wichtige Frage war die nach der grundsätzlichen Zustimmung zu einer Mobilitätswende.
Dazu wurden die ausgewählten Teilnehmer:innen gefragt, inwieweit sie der folgenden Aussage zustim-
men: „Die Veränderung der Mobilität hin zu mehr Fuß- und Radverkehr, mehr Nutzung von Bussen
und Bahnen und weniger Nutzung des privaten Autos halte ich für wünschenswert“.
Um einen Eindruck zu erhalten, ob die Stadt grundsätzlich als verlässlicher Akteur der Mobilitätswende
wahrgenommen wird, wurde erhoben, ob die Befragten der Ansicht sind, dass sich die Stadt für die
Mobilitätswende engagiert. Zwei weitere Fragen zielten direkt und indirekt auf die Zielformulierung
der Akzeptanz.
 Wenn Sie Ihr Wohnquartier verändern könnten, was müsste sich ändern? Was wäre Ihnen am
Wichtigsten?
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Die Stadt Bonn engagiert sich für die Umset-
zung der Mobilitätswende?Seite 39 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
31
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Meine Zustimmung zu den im Rahmen der
Bönnschen Viertel vorgeschlagenen Maßnahmen hat durch das Beteiligungsprojekt zugenom-
men?
 Inwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Ich bin zufrieden mit dem Beteiligungsver-
fahren „Bönnsche Viertel“?
Bei der Frage, was sich im Wohnquartier ändern müsste, konnten die Teilnehmenden maximal fünf
Aspekte aus zehn vorgegebenen Möglichkeiten sowie einer offenen Antwortmöglichkeit auswählen.
Betrachtet man zuerst, welche Themen überhaupt ausgewählt wurden (Summe der Antwortmöglich-
keiten „mehr davon“ und „weniger davon“), erhält man einen Überblick darüber, welche Themen die
Teilnehmenden generell als wichtig erachten.
Sowohl in der ersten Umfrage im März 2023 als
auch in der zweiten im Oktober 2023 stand das
Thema „Grünflächen“ sowohl bei den Erwachsenen
als auch bei den Kindern und Jugendlichen an ers-
ter Stelle (Tabelle 2). Die Plätze zwei bis fünf glei-
chen sich fast, wobei die relativ kleinen Unterschiede auf den Plätzen 2 und 3 (Platz für Radfahrer /
Parkplätze für Autos) sowie 4 und 5 (Verkehrsberuhigung / Platz für Fußgänger) im Rahmen des allge-
meinen Stichprobenfehlers liegen und die Veränderung von März bis Oktober daher für die jeweilige
Gesamtbevölkerung der Quartiere nicht aussagekräftig ist.
Tabelle 2: Besonders wichtige Themen in den Vierteln (Mehrfachnennung möglich) (eigene Erhebungen)
Erwachsene
n=818 n=915
Rang März Oktober
1 Grünflächen 60% Grünflächen 53%
2 Radfahrer 53% Parkplätze 53%
3 Parkplätze 50% Radfahrer 50%
4 Verkehrsberuhigung 47% Fußgänger 46%
5 Fußgänger 46% Verkehrsberuhigung 43%
Kinder und Jugendliche
n=33 n=56
Rang März Oktober
1 Grünflächen 76% Grünflächen 66%
2 Radfahrer 67% Radfahrer 64%
3 Aufenthaltsorte 58% Verkehrsberuhigung 50%
4 Verkehrsberuhigung 48% Parkplätze 45%
5 Fußgänger 45% Spielplätze 45%
6 Spielplätze 45% Fußgänger 43%
7 Parkplätze 33% Aufenthaltsorte 43%
Grünflächen sind am wichtigsten –
aber nicht im CombahnviertelSeite 40 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
32
Das Thema Spielplätze, das bei den Erwachsenen nach eScootern auf Platz 8 landete, kam bei den
Kindern und Jugendlichen auf Platz 6 im März und Platz 5 im Oktober. Das Thema Aufenthaltsorte/Sitz-
gelegenheiten kam mit 41 % im März und 39 % im Oktober auf Platz sechs, bei den Kindern und Ju-
gendlichen auf Platz 3 im März und Platz 7 im Oktober. Weniger wichtig waren den befragten Erwach-
senen sowie Kindern und Jugendlichen gleichermaßen eScooter, Spielplätze, Leih-Lastenräder und Car-
sharing-Parkplätze.
Interessant ist ebenfalls, dass es Themenbereiche gibt, bei denen
eine große Einigkeit der teilnehmenden Erwachsenen und auch der
Kinder und Jugendlichen besteht und andere, die sehr unterschied-
lich bewertet wurden.Während bei den Themen „mehr Grünflä-
chen“, „mehr Platz für Radfahrer“, „mehr Platz für Fußgänger“,
„mehr Verkehrsberuhigung“, „mehr Aufenthaltsorte/Sitzgelegen-
heiten“, „mehr Spielplätze“ und „weniger E-Scooter“ eine große Ei-
nigkeit herrscht und die Bewertungen ihre jeweiligen Gegenpole
(„Mehr“ – „Weniger“) jeweils mit weitem Abstand überragen, ist
dies vor allem bei dem von insgesamt vielen ausgewählten Thema
Parkplätze für Autos weniger eindeutig.
Viel Einigkeit – außer
bei Parkplätzen
25% mehr
26% weniger
Abbildung 7: Keine Einigkeit bei einigen Veränderungswünschen im Combahnviertel und der Inneren Nord-
stadt (eigene Erhebungen)
(eigene Erhebungen)Seite 41 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Auch bei den von weniger Teilnehmer:innen gewählten Themen Carsharing-Parkplätze und Leih-/Las-
tenräder zwischen „Mehr“ und „Weniger“ ist die Sicht in der Oktober-Umfrage der Erwachsenen nicht
eindeutig (Abbildung 7). Die Kinder und Jugendlichen interessieren sich für diese beiden Themen
kaum.
Besonders beim Thema Parkplätze für Autos gibt es viele Befürworter:innen von „Mehr“ und gleich-
zeitig viele Befürworter:innen für „Weniger“. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass hier ein besonders
hoher Bedarf an gesellschaftlichem Dialog vorhanden ist, damit die Menschen, die unterschiedliche
Positionen vertreten, die Interessen der jeweils anderen Seite nachvollziehen können. Die Bewertung
der Teilnehmenden aus dem Combahnviertel weicht von der Bewertung der Teilnehmenden aus der
Inneren Nordstadt graduell ab.
In den offenen Eingabemöglichkeiten der Umfrage äußerten sich Teilnehmende aus der Inneren Nord-
stadt grundsätzlich eher positiv dazu, dass der Autoverkehr reduziert wird. Das Ideal der autoverkehrs-
reduzierten Stadt ist laut den Antworten vieler Teilnehmer:innen wünschenswert. Es wurde die Erwar-
tung geäußert, dass weniger Verkehr im Zentrum die Lebensqualität steigert. Neben den Einschrän-
kungen des Autoverkehrs durch die von einigen wahrgenommene Priorisierung des Radverkehrs und
Veränderungen des Verkehrsaufkommens im Viertel, sind Anliegen im Zusammenhang mit dem
Thema Parken besonders dominant. Es zeigte sich ein Konflikt zwischen denjenigen, die einen Mangel
an Parkmöglichkeiten bedauern und denjenigen, die den Parkraum zu Gunsten anderer Nutzungen im
öffentlichen Raum reduziert sehen wollen. Anliegen im Zusammenhang mit der Parksituation wurden
allgemein in Hinblick auf die Anzahl der Parkmöglichkeiten, Kosten von Parkplätzen und die Frage des
Zugangs zu Parkplätzen adressiert. Mehrere Teilnehmende betonten die Unterscheidung zwischen
„auswärtigen Parkenden“ bzw. „Fremdparkenden“, wie Nutzer:innen des Gastronomieangebotes, und
den Bewohner:innen des Viertels.
Veränderungen, die den Fahrradverkehr betreffen, wurden in den offenen Antworten des Fragebo-
gens kontinuierlich kommentiert und häufig als positiv bewertet. Zugleich wurde Fahrradfahren in
Bonn von einigen Teilnehmer:innen insgesamt als gefährlich wahrgenommen. Fußgänger:innen sehen
Gefahren durch Fahrradfahrende.
Der ÖPNV war insbesondere in der ersten Umfrage eines der am häufigsten kommentierten Themen.
Für viele der Teilnehmer:innen stellte er den Schlüsselbereich für eine gelungene Bonner Mobilitäts-
wende dar und es wurde offenbar begrüßt, dass sich dem Thema angenommen wird. Zugleich wurde
viel Kritik an der gegenwärtigen Situation geäußert und konkrete Punkte wie hohe Kosten, Unzuver-
lässigkeit, Überlastung, die Dauer von Fahrten und eine ungünstige Taktung zurückgeführt.Seite 42 von 91
Evaluierung des Mitwirkungsverfahrens in den Bönnschen Vierteln
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Das Thema Sicherheit spielte unter Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle und wurde von Teil-
nehmenden der Umfrage für Erwachsene sowie für diese Zielgruppe geäußert – in der Regel als Wahr-
nehmung von Unsicherheit. Vielfach wurde Sicherheit in Zusammenhang mit dem Autoverkehr ver-
handelt. In beiden Modellvierteln wurde von Kindern und Jugendlichen der Spielplatz als Lieblingsort
im Viertel angegeben. Eine ähnliche Wertschätzung erfuhr das Rheinufer in Beuel. In mehreren Ant-
worten wurde der Wunsch nach noch „mehr Spielplätzen“ geäußert. Eine andere Person betont: „Es
wäre toll, wenn es in Zukunft mehr Grünflächen und mehr Sitzbänke, Parks oder Spielplätze gäbe.“
Der Frage, ob die Teilnehmenden eine Veränderung
der Mobilität hin zu mehr Fuß- und Radverkehr, mehr
Nutzung von Bussen und Bahnen und weniger Nut-
zung des privaten Autos für wünschenswert halten,
stimmten 75% der Befragten vollkommen (57%) oder
eher (18%) zu. Nur 12% stimmten eher nicht (5%) oder überhaupt nicht (7%) zu.10 Das ist eine große
Mehrheit für eine gesellschaftliche Veränderung, was aber nichts darüber aussagt, welche Maßnah-
men dazu eine ebenso große Zustimmung erzielen würden.
Bei der Frage, wie die Teilnehmenden einschätzen,
ob sich die Stadt Bonn für die Mobilitätswende enga-
giert, war knapp die Hälfte (48% im März und 50% im
Oktober) der Ansicht, dass sich die Stadt für die Umsetzung der Mobilitätswende engagiert. 9% stimm-
ten der Aussage im März und Oktober vollkommen zu, 39% bzw. 41% im Oktober stimmten eher zu,
ein knappes Drittel (31 %) ist im März und Oktober unentschieden und 12% im März bzw. 10% im
Oktober stimmten eher oder vollkommen nicht zu.
Auf die direkte Frage, ob ihre Zustimmung zu den im Rahmen
der „Bönnschen Viertel“ vorgeschlagenen Maßnahmen durch
das Beteiligungsprojekt zugenommen habe, antworteten 15 %
in der Tendenz positiv (4 % „stimme vollkommen zu“, 11 %
10 Die genannten Zahlen beziehen sich auf die Oktober-Umfrage. Die Werte der März-Umfrage zeigen das gleiche
Muster: 79% stimmen vollkommen (62%) oder eher (17%) zu, 10 % stimmen eher nicht (4%) oder überhaupt
nicht (6%) zu.
Knapp die Hälfte hält die
Stadt für engagiert.
Teilnahme erhöht
Zustimmung.
75% wünschen mehr Um-
weltverbund und we

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Datenstand: 02.11.2026, 22:41 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de