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241014 · Beschlussvorlage

Bürger*innenbefragung zu Klimaneutralität und Klimaanpassung (Klimaplan 1.1.1.1.)

Nummer
241014
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
06.06.2024
Letzte Änderung
17.09.2026
  1. Sitzung des Beirates Kinder- und Jugendbeteiligung 13.06.2024 Empfehlung
  2. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 22.08.2024 Entscheidung federführend
  3. Sitzung des Beirates Bürgerbeteiligung 21.06.2024 Empfehlung
  4. Sitzung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger 26.06.2024 Empfehlung
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Beschlussvorlage
öffentlich
241014
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung
Dezernat:
Dez. OB
Bürger*innenbefragung zu Klimaneutralität und
Klimaanpassung (Klimaplan 1.1.1.1.)
Beratungsfolge
Beirat Kinder- und Jugendbeteiligung 13.06.2024 Empfehlung
Beirat Bürgerbeteiligung 21.06.2024 Empfehlung
Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger
26.06.2024 Empfehlung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
03.07.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Dem Konzept der Verwaltung für die Bürger*innenbefragung zur
Klimaneutralität und Klimaanpassung (Klimaplan Steckbrief 1.1.1.1.) wird
zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Befragung in einem geeigneten
Rhythmus (vsl. alle zwei Jahre) regelmäßig bis 2035 durchzuführen und die
Ergebnisse den zuständigen Gremien vorzulegen.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die Durchführung der Befragung im Rahmen
einer Ausschreibung an ein geeignetes Institut bzw. eine
Forschungseinrichtung oder einen Befragungsdienstleister zu vergeben.
Begründung
1. Hintergrund
Im Zielbeschluss des Bonner Klimaplans 2035 (DS 222006) sieht Steckbrief
1.1.1.1. eine Bürger*innenbefragung vor. Es handelt sich um eine Erhebung zu
Einstellungen und Bedarfen der Bonner*innen zur Klimakrise und der
Akzeptanz städtischer Maßnahmen. Darüber hinaus sollen Änderungen im
klimarelevanten Verhalten von Bonner Haushalten über den Zeitverlauf erfasst
werden. Außerdem sollen Hürden und Unterstützungsbedarfe der Haushalte
auf dem Weg zur Klimaneutralität herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse
sollen für die Ausgestaltung der städtischen Klimamaßnahmen nutzbar
gemacht werden.
2. KonzepterarbeitungSeite 1 von 24
Seite 2
Die Verwaltung hat Anfang des Jahres das in Bonn ansässige Institute for
Environment and Human Security der United Nations University (UNU-EHS) mit
der Erarbeitung eines Befragungskonzeptes beauftragt. Im Rahmen der
Konzepterarbeitung wurden durch UNU-EHS zwei Verwaltungsworkshops
durchgeführt, in denen alle am Klimaplan beteiligten Fachämter eingeladen
waren, ihre Steckbrief-spezifischen Fragen und Datenbedarfe einzubringen.
Diese wurden anschließend in einem iterativen Prozess in das hier vorgelegte
Befragungskonzept (schriftliche Befragung und Fokusgruppendiskussionen)
und den Entwurf eines Fragebogens gegossen. Dabei fand eine enge
Abstimmung zwischen Wissenschaft und Verwaltung statt (s. Anhang).
Das Befragungsdesign und Teile des Fragebogens bauen auf dem
Kooperationsprojekt ZURES (09/2016-08/2019) auf, welches ebenfalls
zwischen der Bundesstadt und UNU-EHS realisiert wurde. Bei ZURES handelte
es sich um ein Verbundvorhaben zur Förderung der Resilienz von Städten
(ZURES - Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und Risikoanalysen als Instrument
zur Förderung der Resilienz von Städten und urbanen Infrastrukturen), das
sowohl in Planungsgrundlagen für Bonn als auch in wissenschaftlichen
Publikationen mündete. Damit bieten sich Möglichkeiten der Datenintegration
über einen längeren Zeitraum hinweg.
Darüber hinaus wurden für die Entwicklung der Bürger*innenbefragung
einschlägige Befragungen aus anderen Städten sowie z.B. die
deutschlandweiten Studien “Mobilität in Deutschland” und „Umweltbewusstsein
in Deutschland“ des Umweltbundesamtes herangezogen.
3. Inhalte der schriftlichen Befragung
Der Fragebogen besteht aus einem Basisteil, der sich über die Jahre
wiederholen soll, und spezifischen Fragen zu aktuellen städtischen
Maßnahmen und deren Akzeptanz/Nutzung. Diese können über die Jahre
ausgetauscht werden. Dies ermöglicht zum einen eine langfristige Betrachtung
von der Entwicklung in Bonn. Zum anderen erlaubt es die Bewertung und ggfs.
Steuerung aktueller Maßnahmen und ihrer Kommunikation.
In einem Mantelbogen werden Sozio-demographische Daten zu Alter, Herkunft,
Wohnort und Wohnumfeld erfragt. Der Wohnort erfasst dabei Aspekte zur
Frage, wie lange die Person bereits in Bonn lebt und ob es sich bei dem
Wohnraum um Miete oder Eigentum handelt. Zur statistischen Auswertung
werden daneben Daten zu Bildungsabschluss und Haushaltseinkommen
aufgenommen. Beim Wohnumfeld wird in den Fragestellungen Bezug auf
bereits bei ZURES erhobenen Daten genommen (zum Gebäudetyp, Anzahl der
Personen im Haushalt in den unterschiedlichen Altersgruppen etc.). Auch die
Verwurzelung im eigenen Viertel und die Wahrnehmung der eigenen
politischen Teilhabe werden an dieser Stelle erfasst.
Im Weiteren werden Risikowahrnehmung und die Betroffenheit durch
Extremereignisse wie Hitze oder Überschwemmungen abgebildet und es wird
auf Einstellungen zur Klimakrise allgemein und zur Bedeutung von städtischen
Aktivitäten der verschiedenen Klimaplan-Handlungsfelder eingegangen.
Anschließend werden die bereits erwähnten konkreten (und über die Jahre
austauschbaren) städtischen Maßnahmen in Bezug auf Kenntnis, Nutzung und
Bewertung abgefragt. Hierzu sollen in der ersten Runde u.a. einzelne
Förderprogramme, Mobilitätsangebote und Beteiligungsmöglichkeiten erfasst
werden.Seite 2 von 24
Seite 3
Der letzte Teil der Befragung ist mit offenen Fragen gestaltet und lässt
qualitative Rückschlüsse zu. Außerdem können die Teilnehmenden angeben,
ob sie bei einer erneuten Befragung bzw. einer Fokusgruppendiskussion
teilnehmen würden.
Neben der schriftlichen Befragung sollen im zweiten Schritt auch qualitative
Fokusgruppen durchgeführt werden. Dabei sollen Ergebnisse der Befragung
vertieft und kontextualisiert werden. Hier bietet sich die Möglichkeit, besondere
Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche explizit anzusprechen.
4. Durchführung und Dokumentation
UNU-EHS skizziert in ihrem Konzept drei geeignete Varianten zur
Durchführung der Befragung. Die Auswahl sollte in Abstimmung mit dem
durchführenden Institut erfolgen, da unterschiedliche Voraussetzungen
bestehen.
1. Eine Umfrage, die per Post verschickt wird und dann online (präferiert) oder
per Brief beantwortet werden kann
2. Eine persönliche Umfrage durch trainierte Befrager*innen
3. Ein Mix aus postalischer bzw. online und persönlicher Befragung
In jedem Fall empfiehlt die UNU-EHS, das Untersuchungsgebiet mittels
stratifizierter Stichprobenziehung einzugrenzen.
Die erhobenen Daten werden durch die beauftragte Organisation ausgewertet.
Die Ergebnisse aus den Befragungen werden aufbereitet und den zuständigen
Gremien vorgelegt und verbleiben im Besitz der Stadt Bonn.
UNU-EHS steht für eine Vorstellung des Befragungsdesigns und der
Fragebogeninhalte im Rahmen der politischen Beratung im Ausschuss für
Umwelt, Klima und Lokale Agenda zur Verfügung.
5. Zeitplan (Stand Mai 2024)
Juni/Juli
- Ausschreibung und Vergabe Durchführung der Befragung gemäß Konzept
(siehe Anhang)
August/September
- Durchführung der schriftlichen Haushaltbefragung
- Oktober bis November
- Auswertung der Datensätze
- Durchführung von qualitativen Befragungen in Fokusgruppen
- Aufbereitung der Informationen für verschiedene Ämter (Ableitung von
Handlungsbedarfen in den einzelnen Fachbereichen)Seite 3 von 24
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Frühjahr 2025
- Präsentation der Ergebnisse in den Gremien
Der Steckbrief sieht für die Jahre 2023/24 ein Budget von 70.000 EUR vor.
Dieses teilt sich auf in ca. 20.000 EUR für die Konzeption der Befragung, sowie
ca. 50.000 EUR für Durchführung und Auswertung der schriftlichen
Haushaltsbefragung und die Fokusgruppen.
Die Mittel sind für den Doppelhaushalt 2025/2026 im Rahmen des Budgets des
Klimaplans angemeldet und in der mittelfristigen Haushaltsplanung
berücksichtigt.
Finanzielle Auswirkungen:
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
Strategische
Programmsteuerung
1.02.00.01.03 Verwaltungsführung 1.02.00.01.03.04
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereit-
zustellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
70.000 EUR 102000103/72.1000 2024
Einzahlungen /
Erträge
Haushaltsbelastung
jährlich
Anlage/n
1 Befragungs_Konzept_UNU_FINAL (öffentlich)Seite 4 von 24
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27.05.2024
Erhebung zu Klimaschutz und -anpassung Akzeptanz und
Verhalten von Bonner Haushalten: Entwurf für ein
Datenerhebungskonzept
Inhalt
1. Einleitung: Ziel und Zweck der Erhebung .................................................................. 2
2. Haushaltsbefragung ................................................................................................... 2
2.1 Auswahl der Befragungsgebiete in der Stadt ..................................................... 3
2.2 Befragungsmethode ............................................................................................ 5
2.3 Kernthemen und Struktur der Befragung .......................................................... 7
3. Fokusgruppen ............................................................................................................. 9
4. Konzept zur Datenauswertung ................................................................................. 10
4.1 Fragebogen ........................................................................................................ 10
4.2 Fokusgruppen .................................................................................................... 12
4.3 Gesamtergebnisse ............................................................................................. 12
5. Anhang....................................................................................................................... 15
5.1 Erarbeitung des Befragungskonzepts .............................................................. 15
5.2 Stichprobenauswahl ......................................................................................... 16
5.3 Strata .................................................................................................................. 18
5.4 Datenschutz ....................................................................................................... 20
6. Quellen ...................................................................................................................... 20Seite 5 von 24
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1. Einleitung: Ziel und Zweck der Erhebung
Die Stadt Bonn plant ab 2024 regelmäßige Erhebungen zur Akzeptanz von städtischen
Klimaschutz und –anpassungsstrategien und Maßnahmen, sowie der allgemeinen
Klimawandelwahrnehmung und entsprechendem Klimawandel-relevantem Verhalten
von Bonner Haushalten. Die Erhebungen setzen sich aus einer größer angelegten
Haushaltsbefragung, die Grundmuster in Akzeptanz, Wahrnehmung, und Verhalten
erfassen soll, und anschließenden, kleineren Fokusgruppen-Diskussionen, die bestimme
Themen und Ergebnisse der Befragung tiefergehend betrachten sollen, zusammen.
Ziel der Erhebungen ist es, für die Ämter der Stadt Bonn, die mit Steckbriefen am
Klimaplan der Stadt beteiligt sind, wichtige Daten bereitzustellen, die bisher noch nicht
erfasst wurden, jedoch für die Umsetzung der geplanten Klimaschutz- und -
anpassungsziele wichtig sind. So sollen beispielsweise Informationen zur Kenntnis, der
Teilnahme bzw. Nutzung und dem wahrgenommenen Nutzen bestimmter Maßnahmen
der Stadt Bonn generiert werden. Die erhobenen Daten sollen unter anderem auch dafür
genutzt werden, Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen oder
Stadtteilen herauszustellen. Dadurch wird ermöglicht, Barrieren für die Teilnahme bzw.
Nutzung an städtischen Maßnahmen zu identifizieren. Das ermöglicht den zuständigen
Ämtern gezielt Barrieren zu adressieren, um Klimaschutz- und -anpassung weiter
voranzutreiben und die gesteckten Ziele zu erreichen.
Letztlich soll die Erhebung auch als Informations- und Beteiligungsinstrument für die
Bevölkerung dienen, die durch offene Fragen bzw. die Möglichkeit zu Kommentaren in der
Haushalts-Befragung und der Teilnahme an Fokusgruppendiskussionen aktiver am
Diskurs teilhaben und diesen mitbestimmen kann.
2. Haushaltsbefragung
In Anlehnung an vorherige Datenerhebungen zum Thema Klimaanpassung an Hitzestress
in der Stadt Bonn im Zuge des Projekts „Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und
Risikoanalysen als Instrument zur Förderung der Resilienz von Städten und urbanen
Infrastrukturen (ZURES, https://www.bonn.de/themen-entdecken/klima/klimaan-
passung/zures.php), soll eine Haushaltsumfrage durchgeführt werden. Die Befragung
vereint die Themen Klimaschutz, also die Senkung von Klima-relevanten Treibhausgas-
Emissionen, wie etwa Kohlenstoffdioxid (CO2), und Klimaanpassung, also die Bekämpfung
der Auswirkungen des Klimawandels, wie verstärkte Hitze oder Starkregenereignisse. Im
ZURES Projekt hatte sich die Haushalts-Befragung als sehr erfolgreich erwiesen, wichtige
Informationen von Bonner Bürger*innen zum Thema Klimawandel zu generieren, die
durch andere Befragungsinstruments, wie etwa dem Zensus der Stadt, nicht abgedeckt
sind. Weitere Informationen zum genauen Prozess der Entwicklung befinden sich im
Anhang im Abschnitt 5.Seite 6 von 24
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2.1 Auswahl der Befragungsgebiete in der Stadt
Die Haushaltsbefragung soll Bewohner*innen über alle vier Bezirke der Stadt Bonn hinweg
einschließen. Eine Vollbefragung würde vorhandene Ressourcen (z.B. finanziell oder
zeitlich) übersteigen und ist daher weder in Praxis noch Forschung üblich ist. Für die
Auswahl der Stichprobe, also eines gewissen Anteils der Stadtbevölkerung, der befragt
wird, gibt es mehrere Möglichkeiten.
Optionen für die Eingrenzung des Untersuchungsgebiets und der Befragten
Mögliche Optionen für die Auswahl des Untersuchungsgebiets sind: 1) Befragung im
gesamten Stadtgebiet oder 2) stratifizierte Stichprobenziehung.
Befragung im gesamten Stadtgebiet
Zufällig ausgewählte Haushalte im gesamten Stadtgebiet werden befragt, ohne vorher
eine genaue Auswahl von Standorten auszuwählen. Vorteil ist die, vergleichsweise,
geringere Vorbereitungszeit. Nachteile sind eine im Vergleich geringere Möglichkeit, den
Rücklauf nach relevanten Faktoren (siehe unten) zu analysieren und eine größere
„Willkür“ da keine gleichmäßige Befragung im gesamten Gebiet garantiert werden kann.
Stratifizierte Stichprobenziehung
Bei dieser Vorgehensweise soll ein möglichst breites Spektrum der Bevölkerung in Bezug
auf Wohnort, soziodemographische und -ökonomischen Faktoren, wie etwa
Haushaltszusammensetzung und Einkommen, und die Exposition gegenüber
Naturgefahren, wie innerstädtischen Hitzegebieten oder Überflutungsgebiete,
eingeschlossen werden. Eine detaillierte Übersicht dieser Kriterien ist im Anhang beigefügt
(Tabelle 5).
Dieses Vorgehen, das in der Wissenschaft auch als stratifizierte Stichprobenziehung
bekannt und etabliert ist, soll ermöglichen, die Ergebnisse später besser zwischen
verschiedenen Faktoren vergleichen zu können. So können beispielsweise Einflüsse etwa
des Einkommens, oder des Wohnorts auf die Nutzung bzw. Teilnahme an städtischen
Maßnahmen herausgearbeitet werden. Zudem wird dadurch sichergestellt, dass spezielle
Bevölkerungsgruppen, die von besonderem Interesse sind und solche, die besonders
anfällig bzw. verwundbar gegenüber den Folgen des Klimawandels sind (z.B. Senior:innen),
repräsentiert werden. Vorteil gegenüber der Befragung im gesamten Stadtgebiet ist, dass
Gruppen erreicht werden, die sonst unterrepräsentiert wären. Die Ergebnisse werden
somit aussagekräftiger für eine tiefergehende Analyse von Akzeptanz und Verhalten von
Bonner Haushalten nach verschiedenen Gruppen, auf die in der Folge Instrumente besser
angepasst werden könnten.
Mit Hilfe der genannten Kriterien für die stratifizierte Stichprobe wurden auf Basis von
Daten im Strukturatlas der Stadt Bonn verschiedene statistische Bezirke für dieSeite 7 von 24
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Haushaltsbefragung ausgewählt, die einzelne Kriterien besonders repräsentieren. So
umfasst das vorgeschlagene Umfragegebiet beispielweise innerstädtische Hitzegebiete,
einkommensstarke, bzw. -schwache Bezirke, und solche mit hohen und geringen Alters-
und Jugendquotienten. Insgesamt wurden 13 verschiedene statische Bezirke für die
Befragung ausgewählt. Eine detaillierte Übersicht über die ausgewählten
Befragungsgebiete ist im Anhang (Tabelle 6) abgebildet. Im letzten Schritt werden
Haushalte dann per Zufall innerhalb dieser 13 statistischen Bezirke für die Befragung
ausgewählt.
Die Wahl der statistischen Bezirke für die Befragung bietet außerdem die Möglichkeit,
diese als Standorte für zukünftige Befragungen zu behalten. So kann eine größere
Vergleichbarkeit der Ergebnisse über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden, auch
wenn nicht immer dieselben Personen befragt werden. Idealerweise würde eine Befragung
mit derselben Personengruppe wiederholt. Aufgrund von Datenschutz und Fluktuation
der Bevölkerung (d.h. mit jeder Wiederholung der Befragung würde die Gruppe der zu
Befragenden kleiner durch Wegzug) ist das nur bedingt möglich und erfordert einen sehr
hohen Aufwand. Auch hier kann die stratifizierte Stichprobenziehung eine gute Alternative
bieten.
Weiter sind auf Basis von statistischen Auswertungskriterien pro Gebiet mindestens 30
Haushalte zu befragen, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen. Für beide
vorgestellte Möglichkeiten der Befragung wird eine Mindestanzahl von 455 ausgefüllten
Fragebögen empfohlen (35 je Strata). Dabei ist zu beachten, dass üblicherweise nicht jeder,
der einen Brief zugestellt bekommt oder angesprochen wird, auch einen Fragebogen
ausfüllt oder ihn vollständig beantwortet, das heißt der Aufwand pro ausgefüllte
Fragebögen übersteigt die Zeit einer einzelnen Befragung erheblich.
Besondere Zielgruppe: Kinder und Jugendliche
Die Perspektive von Kindern und Jugendlichen ist beim Thema Klimaschutz und -
anpassung von besonderer Bedeutung. Sie benötigen bei der schriftlichen Befragung ein
angepasstes Format. Der Fragebogen für Erwachsene wird zu diesem Zweck auf die
relevanten Fragen für die Zielgruppe gekürzt und sprachlich angepasst. Dies wird im
Rahmen der Umsetzung erfolgen, analog zu den Übersetzungen in die wichtigsten
Fremdsprachen.
Bei der Auswahl der zu befragenden Kinder und Jugendlichen wird in Zusammenarbeit mit
der Stabsstelle Bürgerbeteiligung ein geeignetes Verfahren entwickelt. Denkbar sind u.a.
die Verteilung der Fragebögen/QR-Codes an ausgewählten Schulen der gesamten
Bandbreite, sowie eine direkte postalische Befragung analog zu Option 1 im folgenden
Abschnitt.Seite 8 von 24
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2.2 Befragungsmethode
Für die Durchführung der Befragung bestehen nach Sondierungen in Vorgesprächen mit
der Stadt Bonn im Wesentlichen 3 Möglichkeiten:
1. Eine Umfrage, die per Post verschickt wird und dann online (präferiert) oder per
Brief beantwortet werden kann
2. Eine persönliche Umfrage durch trainierte Befrager:innen (Enumerator:innen)
3. Ein Mix aus postalischer bzw. online und persönlicher Befragung
Option 1: Postalische Befragung
Die Fragebögen und eine entsprechende Information werden basierend auf den
Informationen im Melderegister per Post an die ausgewählten Haushalte versendet. Der
Fragebogen wird in deutscher Sprache direkt verschickt, das Anschreiben enthält aber
zudem auch einen QR-Code bzw. Link zu einer digitalen Version des Fragebogens. Für die
digitale Version ist geplant, mehrere Sprachen anzubieten und das im Anschreiben zu
erläutern.
Der Vorteil dieser Umfrageart ist der relativ geringe Aufwand, da keine Befrager:innen für
die Umfrage eingearbeitet werden und von Haus zu Haus gehen müssen, sowie die
Unabhängigkeit von der Zeit der Befragung, da die ausgewählten Haushalte den
Fragebogen selbstständig ausfüllen können, wann es ihnen passt. Eine zusätzliche Option
kann das Angebot sein, bei Bedarf telefonisch durch den Fragebogen geleitet zu werden.
Als Nachteil steht dem die oft geringe Rücklaufrate der ausgefüllten Fragebögen
gegenüber sowie die fehlende Möglichkeit, generell oder bei Fragen Hilfe angeboten zu
bekommen. Zwar liegt eine konservative Rate laut Studien bei 10% (siehe Shih und Fan,
2008), diese hängt aber von unterschiedlichen Faktoren ab (Natalja, 2015). Im ZURES-
Projekt wurde neben Bonn auch in Ludwigsburg befragt. dort wurde die postalische
Befragung als Methode verwendet, mit einem Rücklauf zwischen 20 und 30%. Allerdings
ist davon auszugehen, dass der Rücklauf vergleichsweise hoch war, da das Projekt zu
diesem Zeitpunkt bereits bekannt und weitgehend positiv bewertet war. Daraus ergibt
sich, dass jedem ausgefülltem Fragebogen bis zu 10 verschickte Briefe und ein oder
mehrere Erinnerungsschreiben (alternativ der Versand an weitere Haushalte)
gegenübersteht.
Wichtig für die Planung und Durchführung dieser Form der Befragung ist, die wiederholte
Kontaktierung bzw. in einem zweiten Schritt auch das Anschreiben weiterer Haushalte in
die zeitliche Planung einzuplanen. Daneben hat sich in ZURES erwiesen, dass weitere
Maßnahmen wie begleitende Informationen durch Zeitungsartikel oder andere Medien zur
Teilnahme motivieren und den Rücklauf erhöhen können.Seite 9 von 24
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Option 2: Persönliche Befragung
Bei dieser Methode gehen vorher eingearbeitete Befrager:innen persönlich zu den
ausgewählten Haushalten in den verschiedenen Bezirken. Die Befragung findet dann
direkt am Wohnort des Befragten Haushalts statt. In der Praxis werden die Befragungen
dann meist mit Hilfe von Tablets durchgeführt. Dadurch kann der Fragebogen entweder
vom Haushalt selbst am Tablet oder aber von den Befrager:innen durch Vorlesen der
Fragen ausgefüllt werden.
Der Vorteil dieser Befragung ist die Unterstützung der Befrager:innen, die vor Ort Fragen
beantworten können und somit zu einem besseren Verständnis der Fragen führen können.
Zudem ist der Anteil der teilnehmenden Haushalte deutlich größer (und üblicherweise
breiter gestreut) als bei postalischen Umfragen. Die persönliche Ansprache kann dabei
helfen, Gruppen zu erreichen, die bei einer postalischen Befragung systematisch
unterrepräsentiert sein können. Letztlich können die Befrager:innen im Anschluss an die
Befragung des Haushalts auch noch zusätzliche Daten selbst erheben, wie etwa die Art des
Gebäudes, die Anbindung des Wohnorts an den ÖPNV, sichtbare Klimaschutz- oder
Anpassungsmaßnahmen wie etwa Solaranlagen, etc.
Der Nachteil ist der erhöhte Aufwand, auch verbunden mit limitierten Zeiten, an denen
Personen im Haushalt zuhause anzutreffen sind und Zeit für die Befragung haben. Zudem
kann die Anwesenheit der Befrager:innen ggf. die Ergebnisse beeinflussen, speziell bei
sogenannten “sozial-erwünschten” Antworten, wie etwa der Einstellung des befragten
Haushalts zum Klimawandel. Im ZURES-Projekt wurden durchschnittlich 3-4 Personen
angesprochen pro ausgefüllte Fragebögen, die Zahlen schwankten aber erheblich je nach
Standort, Tag und Tageszeit.
Option 3: "Kombinierter Ansatz“ – Per Post und durch Enumerator*innen
Diese Option zur Befragungsmethode verbindet Option 1 und Option 2. Wie in Option 1
werden Fragebögen per Post an die Haushalte versendet. Bei unzureichender
Rücklaufquote könnten dann Befrager:innen die Haushalten persönlich aufsuchen, von
denen noch keine Rückmeldung vorliegt, um diese einzuholen. Zusätzlich bietet diese
Befragungsart die Möglichkeit, im Anschreiben zu erwähnen, dass bei Bedarf ein
Enumerator die Befragung persönlich durchführen kann.
Der Nachteil dabei ist der hohe Aufwand durch die Kombination der Methoden. Zudem ist
die Zusammenführung der beiden Datensätze wissenschaftlich schwieriger zu
argumentieren, da sie ggf. nicht direkt miteinander vergleichen.Seite 10 von 24
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Tabelle 1: Zusammenfassung der verschiedenen Erhebungsmöglichkeiten mit Empfehlung für Wahl
2.3 Kernthemen und Struktur der Befragung
Der Fragebogen ist in Blöcken unterteilt. Tabelle 2 stellt diese dar. Innerhalb jedes Blockes
sind die einzelnen Variablen zu finden. Diese sind im Dokument an Unterthemen
gegliedert, die dem Fluss und den Narrativ der Befragung darstellen. Genaueres zu den
Variablen kann im Anhang, im Abschnitt 5 gefunden werden.Seite 11 von 24
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Tabelle 2: Blöcke und Struktur des Fragebogens
Thema (Blöcke) Variablen (Unterthemen) Ungefähre Dauer
„Einstiegsfragen“: Haushalt
und Wohnumfeld
• Alter,
• Geschlecht,
• Staatsbürgerschaft,
• Wohnhistorie,
• Zufriedenheit mit eigenem Viertel,
• Haushaltsstruktur/Wohnkonstellation,
• Charakteristika der Wohnung (v.a.
Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr, Art
von Strom und Heizung, Sanierung)
• Wohnumfeld/ Viertel
5-6 Minuten
Risikowahrnehmung &
Betroffenheit
• Allgemeine Risikowahrnehmung,
• Wahrnehmung von
Klimawandelrisiken,
• Risikowahrnehmung von spezifischen
Naturgefahren,
• Betroffenheit von Naturgefahren
7-8 Minuten
Kenntnis & Einstellung zu
Klimaschutzmaßnahmen
• Generelle Einstellung zu Klimaschutz-
Maßnahmen,
• Eigenes Handeln (gefühlte
Verantwortung und Möglichkeiten zur
Bekämpfung des Klimawandels),
• Kenntnis und Einstellung gegenüber
konkreten Maßnahmen der Stadt Bonn
(Konkret für Fragebogen 2024:
Förderprogramm solares Bonn,
Förderprogramm Begrünung,
Beratungsangebot der Bonner
Energieagentur, Verkehrsmaßnahmen),
• Geplantes/ Zukünftiges eigenes
Handeln
11-15 Minuten
Sozio-ökonomische Daten und
Mobilitätsmuster
• Bildung,
• Einkommen,
• Erwerbstätigkeit,
• Mobilität
5 Minuten
Ausblick • Eigene Meinung zur Rolle der Stadt in
der Zukunft,
• Interesse an weiterer Information,
• Interesse an weiterer Teilnahme &
Interesse an Fokusgruppen
3 MinutenSeite 12 von 24
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3. Fokusgruppen
Neben der Befragung sollen auch Fokusgruppen-Diskussionen durchgeführt werden. Im
Gegensatz zu typischen quantitativen Befragungen handelt es sich bei einer Fokusgruppe
um eine moderierte und fokussierte Diskussion einer Gruppe. Dabei werden in Form einer
moderierten Diskussion ein bestimmtes Thema oder bestimmte Maßnahmen diskutiert
und Meinungen ausgetauscht. Die konkreten Themen werden sich auch aus den
Ergebnissen der schriftlichen Befragung ergeben und diese teilweise weiter vertiefen.
Dabei bauen die beiden Instrumente aufeinander auf. Zunächst werden über den
quantitativ ausgerichteten Fragebogen Häufigkeiten und Verteilungen erhoben. Für deren
Interpretation helfen Fokusgruppen.
Durch den gegenseitigen Austausch und die Konfrontation mit Wahrnehmungen,
Meinungen und Ideen anderer Diskussionsteilnehmenden gewinnen darüber hinaus die
Teilnehmenden mehr Informationen als bei der Beantwortung eines Fragebogens.
Die Planung für die exakten Themen und Teilnehmenden wird in Abstimmung mit der
Stabsstelle Bürgerbeteiligung erfolgen, sobald eine kritische Masse (ca. 50%) an
ausgefüllten Fragebögen vorliegt. Mögliche Themenfelder sind:
• Weiterführende Diskussion zu Akzeptanz bestimmter Klimaschutz- und
Anpassungsmaßnahmen (allgemeine Akzeptanz im Fragebogen erfasst) und wie
Zustimmung vergrößert werden kann, ggf. unterschieden nach bestimmten
Bevölkerungsgruppen und Standorten
• (Weiter-)Denken bestehender Maßnahmen, und Diskussion möglicher neuer
Maßnahmen und Mittel für mehr Teilhabe durch die Bonner Bevölkerung,
aufbauend auf Fragen nach Akzeptanz und eigenen Maßnahmen auf
Haushaltsebene
Die Fokusgruppen von etwa 20-25 Teilnehmenden werden moderiert und etwa 2-2.5h
dauern. Die Moderation erfolgt “neutral”, d.h. nicht durch die Stadt Bonn, die aber je nach
Thema durch ihre Mitarbeitenden als Teilnehmer vertreten sein sollte. Mindestens eine der
Fokusgruppen wird sich konkret an Kinder und Jugendliche richten und in Inhalt und Form
entsprechend angepasst werden. Ob auch mehrsprachige Fokusgruppen angeboten
werden können, sollte im Verlauf der Durchführung geprüft werden.Seite 13 von 24
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4. Konzept zur Datenauswertung
4.1 Fragebogen
Nach Beendigung der Befragung werden zunächst die Daten bereinigt und unvollständig
ausgefüllte Fragebögen entfernt. Danach erfolgt die Analyse in zwei Schritten.
Im ersten Schritt werden über einfachere statistische Auswertungen deskriptive
Statistiken erstellt, um den jeweiligen Ämtern schnell erste Ergebnisse zu Grundmustern,
wie Mittelwerte und Häufigkeitsverteilungen, zu den Befragungsthemen zur Verfügung
stellen zu können. Ein besonderer thematischer Fokus soll dabei auf die allgemeine
Klimawahrnehmung sowie die Kenntnis, Nutzung bzw. Nachfrage, und Bewertung
städtischer Maßnahmen liegen. Zur besseren Übersicht und Verständlichkeit der
Ergebnisse sollen neben den Statistiken an sich auch Diagramme erstellt und mit den
entsprechenden Ämtern geteilt werden.
Ähnlich wie beim ZURES Projekt zu Hitzestressrisiko und –anpassung in Kooperation mit
der Stadt Bonn kann so beispielsweise die allgemeine Risikowahrnehmung bestimmter
Naturgefahren herausgestellt werden oder das Empfinden bestimmter Belastungen, wie
beispielsweise Hitzestress, an speziellen Orten in der Stadt (siehe Abbildung 1), dargestellt
werden. Die Ergebnisse, die beispielsweise zeigen, dass Hitze besonders stark in
öffentlichen Verkehrsmitteln und in der Innenstadt empfunden wird, wurde dann als
Einstiegspunkt für die Diskussion von Anpassungsmaßnahmen genutzt, beispielsweise für
Gespräche mit Verkehrsverbünden.
Abbildung 1: Wahrnehmung von Hitzestress an verschiedenen Orten in Bonn basierend auf Daten der Haushaltsbefragung
2018. Quelle: Sandholz & Sett 2019Seite 14 von 24
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Im zweiten Schritt können komplexere Analysen berechnet und erfasste Daten
kontextualisiert werden. Beispielsweise können verschiedene Faktoren, wie z.B. Bildung
und die Kenntnis von städtischen Klimaschutz-Maßnahmen, durch Korrelations- und
Regressions-Analysen in Beziehung zueinander gesetzt werden. Dadurch können
Zusammenhänge herausgefunden werden, die dann gezielt durch Maßnahmen
angegangen werden könnten. Wurde etwa ein Zusammenhang zwischen Einkommen und
der Nutzung bzw. Nachfrage an bestimmen städtischen Programmen identifiziert,
könnten diese Ergebnisse genutzt werden, um beispielsweise finanzielle Anreize für
geringere Einkommensgruppen zu entwerfen und somit die Nachfrage bzw. Nutzung zu
erhöhen. Durch das Design des Fragebogens können Zusammenhänge zwischen vielen
verschiedenen sozio-ökonomischen Faktoren, wie Bildung, Alter, Haushaltsgröße, etc.
und Maßnahmen der Stadt analysiert werden. Somit können spezielle Profile der
Stadtbevölkerung erstellt werden, die dabei helfen, städtischen Maßnahmen noch
spezifischer an einzelne Bevölkerungsgruppen anzupassen.
Im ZURES Projekt wurden solche Profile für verschiedene Bevölkerungsgruppen im
Hinblick auf ihr Risiko für Hitzestress analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass verschiedene
Bevölkerungsgruppen, die sehr unterschiedlich von Hitzestress betroffen sind, sich
deutlich in Ihren Möglichkeiten unterscheiden, auf Hitzestress zu reagieren. Beispielsweise
wurde herausgefunden, dass Senior:innen trotz einer hohen Hitzeempfindlichkeit deutlich
bessere Möglichkeiten haben, auf Hitzestress zu reagieren als beispielsweise Studierende
(Siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Möglichkeiten zur Reaktion (”coping capacity”) auf Hitzestress zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen
basierend auf Daten der Haushaltsbefragung 2018. Quelle: Sandholz, Sett et al. 2021Seite 15 von 24
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Diese Ergebnisse waren sehr hilfreich, um auf verwundbare Gruppen, die oft nicht in
Klimaanpassungs-Diskursen berücksichtigt werden, aufmerksam zu machen, damit
spezielle Maßnahmen getroffen werden können.
Die geplante Erhebung geht dabei noch über die hier beispielhaft dargestellten Ergebnisse
aus ZURES hinaus, indem zusätzlich Fokusgruppen durchgeführt und mit den Ergebnissen
des Fragebogens zusammengeführt werden (siehe Abbildung 3).
4.2 Fokusgruppen
Die Diskussionen und Ergebnisse der Fokusgruppen werden dokumentiert. Nach
Möglichkeit werden die Gespräche aufgezeichnet, um die Dokumentation zu erleichtern,
falls das nicht möglich ist, werden Gesprächsthemen und Diskussionspunkte protokolliert.
In beiden Fällen werden die entsprechenden Dokumente intern und vertraulich verwendet,
was auch den Teilnehmenden vor Beginn kommuniziert wird.
Ergebnis der Fokusgruppe ist ein anonymisiertes Ergebnisdokument, das auch zu der
tiefergehenden Analyse der Befragung dient. Das Dokument wird die Diskussionspunkte,
dominante Sichtweisen der Teilnehmenden und (je nach Thema) Herausforderungen und
Möglichkeiten für verbesserten Klimaschutz- und Klimaanpassung herausarbeiten. Im
Gegensatz zur Befragung liegt der Schwerpunkt auf einer tiefergehenden, deskriptiven
Analyse.
Falls mehrere Fokusgruppen zum gleichen Thema durchgeführt werden (z.B. in den
verschiedenen Klimavierteln), wird ein gemeinsames Ergebnisdokument erstellt, die
Ergebnisse zusammenführt und verglichen.
4.3 Gesamtergebnisse
Die Durchführung einer Befragung mit begleitenden Fokusgruppen erlaubt eine
tiefergehende Analyse und Interpretation der Ergebnisse.
Aus wissenschaftlicher Sicht dient ein solcher Maßnahmen-Mix der Validierung der
Ergebnisse aus den jeweiligen Maßnahmen, die Ergebnisse werden wissenschaftlich
belastbarer.
Auch für die konkrete Arbeit der Stadt Bonn ergibt sich aus dem Zusammenbringen
quantitativer Daten der Befragung mit qualitativen Daten ein wichtiger Mehrwert.
Beispielsweise können über die Fokusgruppen Sichtweisen auf Klimawandel und
bestimmte Maßnahmen der Stadt Bonn tiefergehend diskutiert werden, was der
Interpretation der Bewertungen im Fragebogen dient. Falls bestimmte Maßnahmen der
Stadt Bonn eher negativ bewertet werden können die Fokusgruppen helfen, die Gründe zuSeite 16 von 24
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verstehen und Maßnahmen besser an die Zielgruppen anzupassen oder anders darüber zu
informieren.
Der Entwurf des Fragebogens ermöglicht es, wie in Abschnitt 4.1 erwähnt, auch
komplexere statistische Methoden anzuwenden. Dabei kann die Auswertung über
simplere deskriptive Statistiken wie beispielsweise allgemeine die Bewertung bestimmter
Maßnahmen hinausgehen, sondern komplexere Beziehungen erfassen und teilweise
erklären. Dazu gehören die Identifikation von Faktoren, die mit der jeweiligen Akzeptanz
bestimmter Bevölkerungsgruppen oder in bestimmten Bezirken zusammenhängen.
Für eine vertiefende Analyse können dann zusätzlich die Ergebnisse der Fokusgruppen
herangezogen werden. Solche Ergebnisse ermöglichen tiefere Einsichten, die für die
zukünftige Planung der Stadt Bonn relevant sein können. Abbildung 3 verdeutlicht anhand
eines Beispiels die möglichen Ergebnisse der geplanten, miteinander verzahnten
Aktivitäten.Seite 17 von 24
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Abbildung 3: Geplante Aktivitäten und Ergebnisse, erläutert anhand eines BeispielsSeite 18 von 24
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5. Anhang
5.1 Erarbeitung des Befragungskonzepts
Das Konzept für die Befragung wurde in einem mehrmonatigen Prozess gemeinsam mit
der Stadt Bonn erarbeitet. Elementarer Bestandteil der Entwicklung waren zwei
Workshops mit Vertreter:innen verschiedener Ämter, um deren Bedarf für die jeweiligen
Steckbriefe zu erfassen und weitmöglichst in den Fragebogen aufzunehmen. Der
Fragebogen wurde bereits mehrfach getestet (durch UNU Mitarbeiter:innen/Studierende,
und Mitarbeiter:innen der Stadt Bonn) um Verständlichkeit und Dauer zu überprüfen und
nachfolgend anzupassen. Tabelle 3 beschreibt die einzelnen Schritte des Prozesses.
Tabelle 3: Überblick über die Schritte der Erarbeitung des Befragungskonzepts
Inhalt Akteure Zeitrahmen
Vergabe der Konzepterstellung an
UNU
31.01.2024
1. Verwaltungsworkshop zur
Identifikation der Wünsche und
Erkenntnisinteressen der vertretenen
Ämter im Hinblick auf die jeweiligen
Steckbriefe
UNU, Stadt Bonn 18.03.2024
Präsentation & Diskussion der
Ergebnisse aus dem 1. Workshop
UNU, Stadt Bonn 27.03.2024
2. Verwaltungsworkshop zur
Vorstellung und Diskussion der
Fragebogenstruktur
UNU, Stadt Bonn 17.04.2024
Erster Entwurf des Fragebogens
(Intern)
UNU 26.04.2024 – 02.05.2024
Diskussion zum Entwurf des
Fragebogens, Identifikation von
Lücken und
Verbesserungsmöglichkeiten
Stadt Bonn, UNU 03.05.2024
Kommentierung des Fragebogens Stadt Bonn 04.05.2024
Überarbeitung des Fragebogens,
Anpassung von Struktur und
Überarbeitung einiger Fragen
basierend auf Kommentaren aus der
Stadtverwaltung
UNU 05-09.05.2024
Folgediskussion zum Entwurf des
Fragebogens, mit Inputs aus
verschiedenen Ämtern
Stadt Bonn, UNU 10.05.2024
Überarbeitung und Test (insb. zu
Verständlichkeit der Formulierungen
UNU 11.-17.05.2024Seite 19 von 24
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und Dauer, um maximale
Befragungszeit von 45 min nicht zu
überschreiten) des Fragebogens,
basierend darauf und nächste
Fassung des Fragebogens;
Erster schriftliche Fassung des
Befragungskonzept
Diskussion zu Fragebogen und
Befragungskonzept
Stadt Bonn, UNU 17.05.2024
Überarbeitung /Ergänzung des
Befragungskonzepts
UNU 18-21.05.2024
Kommentierung und Test (Fokus auf
von Verständlichkeit und Dauer) des
Fragebogens bei Mitarbeiter:innen der
Stadt Bonn
Stadt Bonn 23.05.2024
Zweiter Entwurf des
Befragungskonzept (mit
aufgearbeiteten Kommentaren)
UNU 23.05.2024
5.2 Stichprobenauswahl
In Abschnitt 2.1 wurden bereits die Kriterien zur Auswahl der ‘Strata‘ und somit die
Stichprobenauswahl dargelegt. Genauer können die technischen Kriterien in Tabelle 4
gefunden werden
Tabelle 4; Technische Kriterien zur Definition von Strata
Was Wie Beschreibung Anwendung
Methode zur Wahl
der Stichprobe
Stratifizierte
Ziehung (Sampling)
Bildung von Einheiten
(„Strata“) mit hoher
interner Homogenität und
externer Heterogenität
bezogen auf ausgewählte
Charakteristika (z.B. Alter,
Einkommen, …).
Strata werden
basierend auf
Statistischen Bezirken
gewählt. Alle 4
statistischen Bezirke
werden berücksichtigt
Auswahl der
Haushalte
innerhalb einer
Strata
Disproportionale,
stratifizierte
Zufallsstichproben
(„Random
disproportionate
stratified sampling)
Ziehung einer Zufälligen
Auswahl an Haushalten mit
gleicher Stichproben-Größe
für alle ausgewählte Strata.
Anhand einer Liste von
Haushalten in einem
Strata werden per
Zufall eine gewisse
Anzahl gewählt. Diese
Anzahl ist gleich in
allen Strata.
Anzahl der
Haushalte pro
Strata
Anwendung nach
Bonnet & Wright
(2000)
Nach Ermessungen des
Artikels, muss die Größe
einer Stichprobe (innerhalb
Pro Strata sollen
mindestens 30Seite 20 von 24
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einer Strata) eine Größe
von mindestens 25 haben.
Erst dann kann man von
interner Homogenität
reden (Stabilisierung der
internen Korrelationen).
Haushalte befragt
werden.
Anzahl der
Haushalte die in
Bonn insgesamt
befragt werden
Anwendung der
Cochrane-Formel
für Stichproben wie
in World Bank
(2020) und Wang &
Ji (2020)
𝑛 = 𝑡𝛼
2 × 𝑃(1 − 𝑃)
𝐸2
𝑛: Stichprobengröße
𝑡𝛼
2: Konstante bezogen zu
einem Konfidenzintervall
(typisch zu dem in 95%)
𝑃: Bevölkerung (ca. 338.000
in Bonn)
𝐸: Maximal akzeptable
Fehlermarge
(typischerweise 5%)
Nach der Anwendung
der Formel müsste
man in Bonn
mindestens 384
Haushalte befragen.
Aufgrund der Wahl
mindestens 30
Haushalte pro Strata zu
haben, müssten
mindestens 390
Haushalte in Bonn
befragt werden. Die
tatsächliche Zahl kann
darüber liegen und
wird durch das
verfügbare Budget
bestimmt.
Die in Kapitel 2.1 beschriebenen Kriterien zur Wahl bestimmter Strata beschrieben werden in
Tabelle 5 genauer erläutert.
Tabelle 5: Kriterien zur Wahl der Strata
Kategorie Kriterium Begründung
Sozioökonomische
Daten
Alter: Altenquotient,
Jugendquotient
Wahrnehmung, Meinungen, und
Maßnahmen in Haushalten
unterscheiden sich üblicherweise nach
Alter.
Einkommen/Arbeitslosenquote Wahrnehmungen, Meinungen,
Maßnahmen in Haushalte
unterscheiden sich nach Einkommen.
Das Einkommen lässt zusätzlich
Rückschlüsse auf Bildungs-, und
Handlungsmöglichkeiten des
Haushalts zu.
Haushalte mit Kind Haushalte mit Kindern treffen oft
andere Entscheidungen als HaushalteSeite 21 von 24
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ohne Kinder, oft andere
Risikoeinschätzung.
Kulturell: Anteil an
Zuwanderern
Ggf. ein Faktor für Wahrnehmung,
Meinungen, und Maßnahmen in
Haushalten, ebenso wie für frühere
Betroffenheit von Naturgefahren.
Anteil des Wohneigentums Perspektiven von Mietern und
Vermietern können sehr verschieden
sein, Mieter können weniger
Handlungsspielraum haben.
Wohnumfeld Approximationen verschiedener
relevanter Kriterien:
Gebäudeart, Anbindung an
ÖPNV
Approximation verschiedener
relevanter Kriterien: Gebäudeart,
Anteil Eigentumswohnung, Anbindung
an ÖPNV.
Naturgefahren Hitzewellen Unterschiedliche Betroffenheit von
Naturgefahren kann Verhalten und
Bewusstsein ändern.
Hochwasser: Pluvial, Fluvial
Zusammengefasst soll deswegen die Stichprobenauswahl aufgrund zweier Gruppen an
Kriterien bestimmt werden. Wie in Tabelle 4 beschrieben, besteht die erste Gruppe aus den
Kriterien zur Methodik zur Wahl der Stichprobe, die Größe der dafür definierten Strata,
sowie die Größe, die die Stichprobe mindestens haben soll. Die zweite Gruppe enthält
sozioökonomische Daten, den Urbanisierungsgrad eines statistischen Bezirks, sowie die
Inzidenz an Naturgefahren. Diese erlauben es, eine Spanne an Haushalte zu befragen, die
für das Ziel der Befragung besonders wichtig sind.
5.3 Strata
In Abschnitt 2.1 wird beschrieben, wie die Strata für Stichprobenauswahlen gewählt
werden. Die genaue Anwendung der Kriterien aus Tabelle 5 auf Bonn kann in Tabelle 6
gefunden werden.Seite 22 von 24
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Tabelle 6: Gewählte Strata – Statistische BezirkeSeite 23 von 24
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5.4 Datenschutz
Die gesammelten Daten wie etwa zu Einkommen, persönlichen Einstellungen oder
Verhalten sind sensibel und müssen entsprechend behandelt werden. Datenschutz-
Richtlinien und ethische Grundprinzipien wissenschaftlicher Arbeit müssen befolgt
werden.
Das schließt die Aufklärung der Beteiligten bezüglich des Zwecks und Inhalts der
Erhebungen, sowie die vorgesehene Verwendung der erhobenen Daten ein. Zudem
werden die Ergebnisse anonymisiert, so dass keine Zuordnung der Ergebnisse zu
einzelnen Befragten möglich ist. Die erhobenen Daten müssen geschützt werden, um den
ungewollten Zugriff Dritter zu verhindern. Richtlinien zur internen Verwendung und
späteren Veröffentlichen von Daten sollen über eine für die Erhebung ausgearbeitete
Datenverwendungsrichtlinie geregelt werden.
Darüber hinaus ist im Rahmen der Durchführung zu bestimmen, wo die Rohdaten gelagert
werden, um sie für die künftige Verwendung und den Vergleich mit Folgebefragungen zur
Verfügung zu haben.
6. Quellen
Bonnet, D. G. und Wright, T. A. (2000). Sample Size Requirement for Estimating Pearson, Kendall
and Spearman Correlations. Psychometrics, 65, 23-28.
http://dx.doi.org/10.1007/BF02294183.
Himelein, K., Eckman, S., Kastelic, J., McGee, K., Wild, M. und Yoshida, N. (2020). High Frequency
Mobile Phone Surveys of Households to Assess the Impacts of COVID-19: Guidelines on
Sampling Design. World Bank.
https://documents1.worldbank.org/curated/en/742581588695955271/pdf/Guidelines-on-
Sampling-Design.pdf.
Natalja, M. (2015). Schriftlich-postalische Befragung. GESIS – Leibniz Institut für
Sozialwissenschaften (Survey Guidelines). https://www.doi.org/10.15465/gesis-sg_018.
Sandholz, S. und Sett, D. (2019). Erfahrungen und Bedarfe von Akteuren der Stadtplanung im
Hinblick auf Vulnerabilität gegenüber Hitzestress: Ergebnisse einer Haushalts-Umfrage
zum Hitzeempfinden in Bonn. ZURES Working Paper 2.
Sandholz, S., Sett, D., Greco, A., Wannewitz, M. and Garschagen, M. (2021). Rethinking urban heat
stress: Assessing risk and adaptation options across socioeconomic groups in Bonn,
Germany. Urban Climate, 37, 100857. https://www.doi.org/10.1016/j.uclim.2021.100857.
Shih, T. H. und Fan. X. (2008). Comparing Response Rates from Web and Mail Surveys: A Meta-
Analysis. Field Methods, 20(3), 249-271. https://www.doi.org/10.1177/1525822x08317085.
Wang, X. und Ji, X. (2020). Sample Size Estimation in Clinical Research: From Randomized
Controlled Trials to Observational Studies. Chest, 158(1), 12-20.
https://www.doi.org/10.1016/j.chest.2020.03.010Seite 24 von 24

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Datenstand: 02.11.2026, 18:38 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de