240957-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
SPD-Bezirksfraktion: Quartiersentwicklung Alt-Tannenbusch
Kerndaten
- Nummer
- 240957-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 26.08.2024
- Letzte Änderung
- 17.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 240957-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V SPD-Bezirksfraktion: Quartiersentwicklung Alt- Tannenbusch Beratungsfolge Bezirksvertretung Bonn 27.08.2024 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: Zu der Anfrage der SPD-Bezirksfraktion Bonn nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung: Um ein strukturiertes Vorgehen mit transparenten Lösungsoptionen anbieten zu können, wurde die soziale Quartiersentwicklungsstrategie (221069) entwickelt und politisch beschlossen. Dabei wurde folgendes Verfahren zur Feststellung der geeigneten Strategie festgelegt: Verfahrensschritt 1: Erstellung eines Sozialraumprofils (Sozialdemografische Daten u. Infrastruktur- analyse) Verfahrensschritt 2: Identifizierung von Handlungsschwerpunkten anhand von Prüffragen Verfahrensschritt 3: Auswahl einer geeigneten Methode der Quartiersentwicklung Zu Verfahrensschritt 1: Es wurde ein Quartiersprofil für den Statistischen Bezirk 131 erstellt, außerdem wurde die Zielgruppenorientierte Sozialraumanalyse (ZiSo) des Amtes für Kin- der, Jugend und Familie berücksichtigt. Die dort enthaltenen Sozialraumindika- toren und die Angaben zur Infrastruktur der Betreuung und Bildung basieren auf den Jahren 2019/20, Angaben zu vorhandenen Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangeboten, zu Angeboten in der Jugendarbeit, Sport- und weite- re Freizeitangebote wurden in 2021/22 aktualisiert. Die Ergebnisse des Quar- tiersprofils sind tlw. unter „zu Verfahrensschritt 2“ aufgeführt.Seite 1 von 6 Seite 2 Zu Verfahrensschritt 2: Es wurden folgende Prüffragen betrachtet: 1. Soziale Situation: Wie ist die soziale Struktur des Stadtteils? Gibt es einen hohen Anteil an sozial benachteiligten Menschen, Arbeitslosigkeit, Armut, soziale Probleme? • Der Anteil an Arbeitslosigkeit ist sehr hoch im städtischen Vergleich (Rang 4), insbesondere bei U25-Jährigen (Rang 7) im städtischen Ver- gleich, • die Anzahl der U65-jährigen Transferleistungsempfänger*innen ent- spricht in etwa dem gesamtstädtischen Wert, • 30 Prozent der U65-Jährigen, die SGB XII-Leistungen erhalten, sind er- werbsgeminderte Personen, • der Anteil an SGB XII-Empfänger*innen bei Ü65-Jährigen (Altersarmut) entspricht in etwa dem gesamtstädtischen Wert. 2. Bevölkerungszusammensetzung: Wie ist die Bevölkerungszusammenset- zung im Stadtteil? Gibt es einen hohen Anteil an Migrant*innen, Alleiner- ziehenden, älteren Menschen oder Familien mit Kindern? • Der Stadtteil hat einen hohen Anteil an Familien, • der Jugendquotient (Rang 2) bestätigt eine hohe Anzahl von Kindern und Jugendlichen, • es gibt einen sehr hohen Anteil an Personen mit Zuwanderungshinter- grund (46,2% in Alt-Tannenbusch, gesamtstädtisch 32,6%), • über die Hälfte der U21-Jährigen hat einen Migrationshintergrund, • der Anteil der Alleinerziehenden-Haushalte, die auf Hilfen zur Erziehung angewiesen sind, ist überdurchschnittlich hoch. 3. Infrastruktur: Wie ist die Infrastruktur im Stadtteil? Gibt es ausreichend An- gebote und Einrichtungen für Bildung, Gesundheit, Freizeit und Kultur? Sind die öffentlichen Räume gut gestaltet und gut erreichbar? • Hinsichtlich der Versorgung mit zusätzlich erforderlichen Schulplätzen wird auf die Ausführungen der Vorlage mit der Drucksachennummer 240010 verwiesen. • Der weitere OGS-Ausbau ist insbesondere abhängig von der fristge- rechten Fertigstellung der baulichen Notwendigkeiten. Unabhängig da- von wird die Situation des für einen weiteren Ausbau zusätzlich erfor- derlichen Personals maßgeblich durch die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen bestimmt, so dass auch hier die weiteren Entwick- lungen auf Landesebene abzuwarten sind. Grundsätzlich arbeitet die Stadt gemeinsam mit den OGS-Trägern bereits seit dem Beschluss zur Neuausrichtung der OGS daran, durch kreative Lösungen der Aus- und Weiterbildung sowohl den kontinuierlichen zahlenmäßigen Ausbau als auch die langfristige fachliche Qualität, die nur durch den Einsatz von Fachkräften erreicht werden kann, voranzutreiben. • es fehlen Beratungsangebote zu Kinderernährung (ZiSo),Seite 2 von 6 Seite 3 • es gibt Bedarf an Beratungsangeboten bei Erwachsenen, insbesondere mit Blick auf Gesundheitsfragen (ZiSo), • Beratungsangebote für junge Migrant*innen (Evaluation Quartiersent- wicklung 2023) fehlen, • es fehlen niederschwellige Hilfen (Evaluation Quartiersentwicklung 2023), • der Ausbau der Hausaufgabenbetreuung ist erforderlich (ZiSo). 4. Bedürfnisse der Bewohner: Welche Bedürfnisse haben die Bewoh- ner*innen des Stadtteils? Was sind ihre Wünsche und Anliegen in Bezug auf die Lebensqualität und das Zusammenleben im Stadtteil? Zur Beantwortung dieser Fragen ist eine Befragung erforderlich, die bisher nicht durchgeführt wurde. 5. Wie ist die allgemeine Versorgung des Einzugsgebietes zu bewerten (Nah- versorgung, Mobilität)? Das Quartier verfügt über ausreichende Versorgungsmöglichkeiten im Bereich der Nahversorgung. Zudem ist es an die Quartiere „Neu-Tannenbusch“ und „Dransdorf“ angebunden, die als „Versorger-Quartiere“ für Alt-Tannenbusch fungieren. 6. Gibt es strukturelle Ressourcen – z.B. Räume, Einrichtungen/Träger, Netzwerke, Vereine und Initiativen, aktive Einzelpersonen? Zu nennen sind in diesem Zusammenhang: u.a. 1. Bonner Showtanzclub e.V., Marokkanischer Sport- und Kulturverein Bonn e.V., V.T.A. Bonn e.V., Männer- reih und FC Tannenbusch, AWO, FIBB – Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung e.V., Diakonie. In der HiCoG-Siedlung ist zudem der Verein „Dünenfüchse Bonn Tannenbusch e.V.“ sehr aktiv. Die HiCoG-Siedlung besteht aus 399 Wohneinheiten, wovon ein erheblicher Teil aufgrund des Sanierungsbedarfes nicht belegt ist. Fertig sanierte Wohnun- gen werden zudem noch als Ausweichquartiere aufgrund der laufenden Strangsanierung freigehalten. Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, sollen die freien Wohnungen voraussichtlich an Bundesbedienstete vergeben werden. Es ist davon auszugehen, dass bei Vergabe der Wohnungen an Bedienstete des Bundes keine soziale Unverträglichkeit begründet wird. Die Sanierung der Wohnungen ist jedoch bei weitem noch nicht abgeschlos- sen. Dies liegt an Verzögerungen auf Seiten der Bundesanstalt für Immobilien- aufgaben (BImA). Die gesamten Sanierungsmaßnahmen sollen planmäßig En- de 2027 abgeschlossen sein. Die Pläne für die Siedlung - soweit sie der Verwaltung bekannt sind - sollen auch das Miteinander verbessern/ fördern. Der Umbau sollte bereits vor einem halben Jahr starten, wurde aber bisher nicht realisiert. Die Frage, ob und in welchen Umfang gegebenenfalls ein Angebot der Offenen Jugendarbeit in AltSeite 3 von 6 Seite 4 Tannenbusch bedarfsgerecht ist, wird in der Freizeitstättenbedarfsplanung be- handelt. Diese befindet sich aktuell in der Fortschreibung. Zum Verein „Dünenfüchse Bonn Tannenbusch e.V.“: Zweck des Vereins ist die Förderung der Bildung, unter anderem auf den Ge- bieten der Kultur, des Naturschutzes und des Denkmalschutzes. Auch ist es Ziel, das bürgerschaftliche Engagement zugunsten gemeinnütziger Zwecke im Stadtteil Bonn Tannenbusch zu fördern. Zentrum des Vereins ist der „Pavillon“ neben dem Hochhaus Im Tannenbusch 3. Der Verein bietet verschiedene An- gebote an, z.B. Sozialsprechstunde, Mieterberatung, Schülernachhilfe, gemein- sames Essen, Lese- und Filmabende. Auch erfolgt die Bewirtschaftung eines Gemeinschaftsgartens, an dem sich auch die lokalen Schulen beteiligen. Die Wege und verschiedene Arten von Beeten werden so angelegt, dass auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen mitmachen können. Weiter erfolgt die Teilnahme an gemeinnützigen Aktionen, z.B. den von der Stiftung Denkmalschutz veranstalteten Tagen des Offenen Denkmals und an Bonn Picobello. Zudem erfolgen Kooperationen mit anderen Vereinen in und außerhalb von Bonn. Die Angebote der „Dünenfüchse“ stehen nicht nur den Bewohnern der HiCoG- Siedlung offen, sondern allen Interessierten in Bonn, insbesondere allen Be- wohner*innen in Tannenbusch. Auch der Kontakt zum Quartiersmanagement (QM) Neu-Tannenbusch besteht. Veranstaltungen, welche durch das QM Neu- Tannenbusch organisiert werden, werden bei den „Dünenfüchsen“ beworben. Die Schlesienstraße wird jedoch als Grenze gesehen. Dies hat mit der Entwick- lungsgeschichte von Tannenbusch zu tun. Vorbehalte und Hemmungen beste- hen insbesondere bei langjährigen Bewohnern höheren Alters. Folgende Problematiken sehen die „Dünenfüchse“ aktuell: - nicht alle Zielgruppen werden angesprochen, insbesondere Angebote für Kin- der und Jugendliche fehlen - zu wenig Helfer Seitens der „Dünenfüchse“ wünscht man sich eine „professionelle“ Unterstüt- zung mit ausreichend Zeit, auch und insbesondere für organisatorische Tätig- keiten. Aufgrund der guten Vernetzung und des bereits bestehenden Programms ist festzuhalten, dass die „Dünenfüchse“ unterstützt und das ehrenamtliche Enga- gement somit weiter gefördert werden sollten. Dies wäre u.a. im Rahmen der Richtlinienförderung denkbar. Auch wäre die Zusammenarbeit mit der Freiwilli- genagentur ratsam. Insbesondere fehlt es in Alt-Tannenbusch an Angeboten für Kinder und Ju- gendliche, so dass die Installierung konkreter sozialer Unterstützungs- u. För- derangebote für diese Personengruppe seitens des zuständigen Fachamtes geprüft werden sollte. 7. Wie zugänglich sind soziale Angebote in benachbarten Quartieren? (Aspekte: Mobilität, Barrierefreiheit) Kinder und Jugendliche sind mobil, die Wege nach Neu-Tannenbusch sind kurz. Die Schlesienstraße wird von Kindern jedoch als „Grenze“ betrachtet. Für Senior*innen, die im Hinblick auf eine Angebotsstruktur eine sogenannteSeite 4 von 6 Seite 5 „Pantoffelnähe“ brauchen, werden Angebote rund um den zentralen Paulus- platz und im Lotte-Lemke-Haus vorgehalten. Dieses erreicht mit seinen Ange- boten ca. 150 Personen im offenen Bereich sowie bei kostenpflichtigen Ange- boten, ca. 4.850 Personen bei Einzelveranstaltungen und 75 Stammgäste. Die Stadt Bonn hat anteilig den barrierefreien Ausbau der Toilettenanlage bezu- schusst, so dass die Einrichtung für einen größeren Kreis der Senior*innen nutzbar wird. Zu Verfahrensschritt 3: Dabei soll auch der Aspekt in Betracht gezogen werden, ob ein Quartiersma- nagement für den gesamten Stadtteil Tannenbusch sinnvoller sein könnte und den speziellen Anforderungen des Stadtteils Alt-Tannenbusch damit gerecht werden könnte. Das Quartiersmanagement wird in Neu-Tannenbusch von BASTA vorgehalten. Es handelt sich dabei nicht um einen Träger der freien Wohlfahrtspflege, son- dern um ein Planungs- und Architekturbüro. Das Quartiersmanagement hat derzeit ein begrenztes Stundenkontingent, um die bestehenden Aufgaben durchzuführen, die vornehmlich im Bereich der Vernetzung sowie der Beglei- tung der Maßnahmen aus städtebaulichen Konzepten liegen. Zum jetzigen Zeitpunkt begleitet das Quartiersmanagement die Aktiven bei Veranstaltungen zur Vernetzung der Vereine und Einrichtungen in Alt- Tannenbusch. Bei dem letzten Treffen in diesem Kontext im April 2024 wurde als besonderer Mangel das Fehlen von Angeboten für Kinder und Jugendliche ausgemacht. Auch in diesem Zusammenhang wurde dargestellt, dass die Schlesienstraße von den Kindern und Jugendlichen wie eine Barriere wahrge- nommen werde, sodass diese die vielfältigen Angebote in Neu-Tannenbusch, die grundsätzlich auch für sie offen wären, nicht annähmen. Anzumerken ist, dass Alt-Tannenbusch den für Neu-Tannenbusch bereitgestell- ten Quartiersfonds in Anspruch nehmen kann. Eine grundsätzliche Ausweitung des Auftrages von BASTA auf Alt- Tannenbusch ist nach Ansicht der Verwaltung nicht möglich, da es in Alt- Tannenbusch an konkreten Angeboten fehlt, die BASTA selbst nicht durch- führen kann. Nach heutiger Einschätzung sind folgende Optionen denkbar: Eine Alternative zum Quartiersmanagement könnte die Förderung von Einzel- maßnahmen oder Projekten im Stadtteil sein. Diese Einzelmaßnahmen könnten beispielsweise durch Förderprogramme, Projektförderungen oder kurzfristige Initiativen umgesetzt werden, was aber auch mit Koordinationsaufwand bei der Stadt Bonn verbunden ist. a) Option 4 (221069) Installierung konkreter sozialer Unterstützungs- u. Förderangebote für defi- nierte Zielgruppen, sofern eher ein Bedarf an einem konkreten sozialen An- gebot für eine bestimmte Zielgruppe gegeben ist (wie etwa der Beratung, der Begegnung oder der Förderung für eine bestimmte Zielgruppe), jedoch keine darüberhinausgehenden, allgemeinen Quartiersmanagement- Aufgaben vonnöten sind. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang anSeite 5 von 6 Seite 6 Angebote für Kinder und Jugendliche zu denken. b) Option 3 (221069) Stärkung einer vorhandenen Einrichtung der Gemeinwesenar- beit/Multifunktions-Einrichtung, sofern ein Akteur bereits regelmäßig über seine Einrichtung hinausreichende Vernetzungs- und Koordinationsakti- vitäten für das Quartier vorhält, wachsenden Bedarfen jedoch Rechnung getragen werden soll. Als Akteur könnten die „Dünenfüchse“ in Frage kom- men. Zu einer konkreten Empfehlung hinsichtlich der Auswahl einer geeigneten Quartiersentwicklung ist die Bedarfslage noch nicht ausreichend eruiert wor- den. Insbesondere ist auch diesbezüglich der intensive Austausch mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie dem Gesundheitsamt erforderlich. Es wird daher empfohlen ein Beteiligungsformat mit und für Kinder bzw. Ju- gendliche durchzuführen. Im Rahmen dieses Beteiligungsformates soll ermittelt werden, warum die Schlesienstraße als Grenze betrachtet wird und welche Maßnahmen diese imaginäre Grenze aufheben könnte. Das Beteiligungsformat sollte durch das Amt für Soziales und Wohnen und das Quartiersmanagement Neu- Tannenbusch in Kooperation mit der Stabsstelle Bürgerbeteiligung (OB- 22) unter Beteiligung des Amtes für Kinder, Jugend und Familie, und ggf. der örtlich ansässigen Polizeidienststelle durchgeführt werden. Anlage/n KeineSeite 6 von 6
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 23:24 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de