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240693-03 · Beschlussvorlage

Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn

Nummer
240693-03
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
19.11.2025
Letzte Änderung
30.10.2026
  • Kapellenstraße Straße· Poppelsdorf, Bonn Hauptort
  • Endenich Ortsteil· Bonn
  • Poppelsdorf Ortsteil· Bonn
  • Bonn Stadtbezirk
  1. Sitzung des Rates 11.12.2025 Entscheidung federführend
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Übergeordnet

  1. 240693 Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn

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Beschlussvorlage
öffentlich
240693-03
Der OberbürgermeisterDokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
Federführung:
41 Kulturamt
Dezernat:
Dez. IV
Bau und Umzug von Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum Bonn
Beratungsfolge
Rat 11.12.2025 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Der Rat bekräftigt den Beschluss vom 20.06.2024 und stimmt dem Bau und
dem Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf dem bzw.
das Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich zu.
Die Verwaltung wird beauftragt, Fördermittel für die Realisierung zu eruieren
und zu beantragen sowie den Erbbaurechtsvertrag mit dem Erzbistum
endzuverhandeln.
Die Stadt Bonn verpflichtet sich, die nicht durch Drittmittel oder Fördermittel
gedeckten Kosten des Projektes „Bau und Umzug der Gedenkstätte und des
NS-Dokumentationszentrums Bonn“ bereitzustellen. Dieses Projekt wird bei der
Erstellung der künftigen Haushalte und Wirtschaftspläne des SGB
berücksichtigt.
Begründung
Sachstand
Der Rat hat in seiner Sitzung am 20.06.2024 beschlossen, dass Planung, Bau
und Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum auf das
Gelände des ehemaligen Klosters in Bonn-Endenich zugestimmt wird (DS-Nr.
240693).
Der o.g. Beschluss enthielt die Festlegung, dass mit dem Bau – und damit auch
der weiteren Planung – erst begonnen wird und städtische Mittel nur dann
eingesetzt werden, wenn die beantragten Fördermittel aus dem Programm
„Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ bewilligt
werden.
Die über das genannte Programm beantragte Förderung wurde, wie unter DS-
Nr. 240693-02 mitgeteilt, bedauerlicherweise ebenso wenig bewilligt, wie eine
ebenfalls beantragte Förderung aus dem Förderprogramm Kulturinvest 2023
des Bundes.
Daraufhin eruierte die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten und klärteSeite 1 von 15
Seite 2Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
parallel mit dem SGB die zeitliche Planung und das weitere Vorgehen.
Aufgrund der in Abstimmung mit dem SGB konkretisierten Informationen,
insbesondere zu den voraussichtlich anfallenden Kosten, stellte die Verwaltung
am 08.08.2025 einen leider am 10.09.2025 abgelehnten Antrag auf Förderung
durch das Landesprogramm Heimat-Zeugnis für Leistungsphase 3.
Als Begründung führte die Bezirksregierung an, dass es sich bei
Leistungsphase 3 um eine reine Entwurfsplanung handelt, wodurch
Heimatgeschichte nicht öffentlich erlebbar gemacht wird.
Ein am 12.08.2025 an die Landeszentrale für politische Bildung gestellter
Antrag auf Mittel aus dem Förderprogramm Gedenkstättenkonzeption zur
Weitergabe an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
(BKM) wurde ebenfalls abgelehnt. Die Landeszentrale, die für den BKM als
Vorprüfungsinstanz agiert, wies in ihrem ablehnenden Schreiben darauf hin, die
Prüfung der Antragsunterlagen habe ergeben, dass die erforderliche
Gegenfinanzierung der Bundesmittel nicht gegeben sei und daher keine
Antragseinreichung beim Bund erfolgen könne. So verweise u.a. der
übermittelte Finanzierungsplan (2027 – 2030) allgemein auf Eigenmittel der
Kommune (ohne Nennung konkreter Beträge). Die vorliegende
Ratsbeschlussvorlage aus 2024 sei jedoch nicht geeignet, die kommunale
Finanzierung zu begründen: Die Beschlussvorlage aus dem Jahr 2024 beziehe
sich nicht auf die Antragstellung im Rahmen der aktuellen
Gedenkstättenkonzeption, sondern auf eine Antragstellung zu einem anderen
Förderprogramm.
Außerdem wurde bereits im Rahmen eines Gesprächs nach der Antragstellung
seitens der Vertreterin des BKM deutlich gemacht, dass das Förderprogramm
Gedenkstättenkonzeption die Förderung von Planungs- und Baukosten nur für
die Ausstellung vorsehe, jedoch nicht für die grundsätzliche Planung und
Herrichtung eines Gebäudes zur Unterbringung einer Gedenkstätte.
Die Kulturverwaltung sondiert laufend mögliche Förderungen. Da derzeit nicht
feststeht, ob und welche Fördermittel es für mögliche Antragstellungen geben
wird, kann seriös keine Förderquote angegeben werden. In der Vergangenheit
orientierten sich die Förderquoten zumeist zwischen 50 und 80 %.
Zeitplan und voraussichtliche Kosten
Die Leistungsphasen 3–9 können ab dem Jahr 2027 beginnen. Eine
Fertigstellung des Bauvorhabens soll bis Ende 2030 erfolgen. Die
Gesamtkosten des Baus (inkl. Planungskosten) werden auf rd. 13,2 Mio. Euro
geschätzt:
Baukosten 6,37 Mio. + 40% Risikozuschlag = 8.918.000,00 Euro
+ 3 Jahre Baupreissteigerung (6 %) ca. 1.605.240 Euro =
ca. 10.523.240,00 Euro
+ 25 % Kostengruppe 700 (Baunebenkosten LP 1-9)
von ca. 2.630.000,00 Euro = Gesamtkosten ca. 13.154.050,00 Euro
Die Kosten für die bauliche Realisierung der Ausstellung werden derzeit aufSeite 2 von 15
Seite 3Dokumentenklasse B (nur für den Dienstgebrauch)
zusätzlich rd. 1 Mio. Euro geschätzt.
Betriebskonzept
Zur konzeptionellen Ausarbeitung, zur zukünftigen Umsetzung der erweiterten
professionellen pädagogisch-didaktischen Vermittlungsarbeit und zur
Betriebsführung benötigt die Gedenkstätte eine verbesserte Grundlage
bezüglich Personal (z.B. Vermittlung, Aufsicht, Objektbetreuung etc.),
Ausstattung und Ressourcen.
Im Jahr 2024 beliefen sich die Betriebskosten für die Gedenkstätte inkl.
Personalkosten für festes Personal und Honorarkräfte auf rd. 580.000 EUR.
Davon waren rd. 61.000 EUR durch Zuweisungen des Landes NRW gedeckt.
Da zurzeit mit einem Betriebsbeginn frühestens im Jahr 2030 gerechnet wird,
legt die Verwaltung den zuständigen Gremien ein konkretes Betriebsmodell mit
Personalschlüssel und Sachmitteln im Rahmen der Haushaltsplanung 2029/30
vor.
Weiteres Vorgehen
Für kommendes Jahr ist für die bauliche Realisierung der Dauerausstellung ein
erneuter Antrag beim BKM vorgesehen (ca. 1 Mio. Euro). Auch beim
Landesprogramm Heimat-Zeugnis ist eine erneute Antragstellung geplant
(Förderquote derzeit 80 %) Parallel erfolgt eine kontinuierliche Drittmittelsuche
insbesondere für Fördermöglichkeiten für Planungs- und Baukosten.
Die erforderlichen städtischen Eigenmittel werden im Wirtschaftsplan 2027 des
Städtischen Gebäudemanagements angemeldet und dem Rat zur
Beschlussfassung vorgelegt.
Mit dem vorliegenden Beschluss werden die Voraussetzungen geschaffen, um
förderfähige Anträge einzureichen und die Umsetzung des Ratsbeschlusses
vom 20.06.2024 planmäßig fortzuführen.
Über die Eckpunkte des Erbbaurechtsvertrags konnte mit dem Erzbistum Köln
eine Einigung erzielt werden. Die Verwaltung wird eine gesonderte nicht-
öffentliche Beschlussvorlage über den Abschluss des Erbbaurechtsvertrages
voraussichtlich im Frühjahr 2026 einbringen.
Anlage/n
1 Kurzinformation zum Konzept Gedenkstätte in Endenich (öffentlich)Seite 3 von 15
1
Kurzinformation zum Konzept
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn
Erarbeitung und Realisierung einer Dauerausstellung im ehemaligen
Ghettolager Kloster Endenich
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum | Bonn
Visualisierung von der geplanten Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum am historischen Ort
Architekten waldorf-plan + Büro SchweitzerSeite 4 von 15
2
Inhalt
Seite
Zusammenfassung 3
1. Das Ghettolager Endenich – Stellenwert in der deutschen Erinnerungskultur
und Umzug an den historischen „authentischen“ Ort
1.1 Historische Bedeutung als Ghettolager im Westen 4
1.2 Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn 5
an den historischen Ort
2. Dauerausstellung am historischen Ort: Inhaltliches Konzept und Planungen 6
2.1 Das Raumprogramm für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
2.2 Die neue Dauerausstellung 8
2.3 Bildungsarbeit am neuen Standort – pädagogische Konzeption 10Seite 5 von 15
3
Zusammenfassung
Mit dem geplanten Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn aus
der Innenstadt an den historisch authentischen Standort des ehemaligen Ghettolagers
Kloster Endenich ist eine Neukonzeption der Dauerausstellung verbunden. Bei dem
historischen Ort handelt es sich um das im Frühjahr 1941 von der Gestapo beschlagnahmte
Benediktinerinnenkloster Mariahilf in Bonn-Endenich, in dem Jüdinnen und Juden aus Bonn
und dem Bonner Umland bis zu ihrer Deportation im Juni und Juli 1942 unter Aufsicht der
Gestapo interniert wurden. Zur jüdischen Selbstverwaltung und Zwangsarbeit gezwungen
war es strukturell ein Ghettolager.
Die Dauerausstellung wird die Vorgeschichte der Konfiskation im nationalsozialistischen
„Klostersturm“ berücksichtigen und thematisieren, dass es sich um das einzige Ghettolager
im Westen handelte. Auf die besondere Stellung Bonns als ehemalige Bundeshauptstadt mit
Regierungssitz und auf die lokale Erinnerungs- und Gedenkkultur sowie auf die
Gegenwartsperspektiven wird ebenfalls eingegangen.
Am Standort in Endenich soll eine nach neuesten Standards der Gedenkstättenpädagogik
konzipierte Ausstellung mit multimedialen Elementen und inklusivem partizipativem Ansatz
umgesetzt werden. Zudem wird das unmittelbare Umfeld wie die Außenanlagen und das
ehemalige Klostergelände in die gestalterische Umsetzung sowie die pädagogischen
Programme einbezogen. So werden neue Räume geöffnet, die den historischen Ort
ganzheitlich erfahrbar machen.
Es ist beabsichtigt das Projekt mit dem notwendigen Personal nach Abschluss der
Maßnahme zu verstetigen.Seite 6 von 15
4
1. Das Ghettolager Endenich – Stellenwert in der deutschen Erinnerungskultur und
Umzug an den historisch „authentischen“ Ort
Die „Lagergemeinschaft Kapellenstraße“, wie das von der Gestapo konfiszierte Kloster
Endenich in Bonn bezeichnet wurde, in dem Jüdinnen und Juden ab Juni 1941 interniert
waren, kennzeichnet wesentliche Strukturen eines Ghettolagers. Diese für Westdeutschland
singuläre Besonderheit macht den Standort Endenich zu einem überregional bedeutenden
historischen Ort, an dem Strukturen nationalsozialistischer Politik und Verfolgung deutlich
werden. Zudem sind die Wirtschaftsgebäude des Klosterkomplexes weitestgehend in ihrem
ursprünglichen Bauzustand erhalten. Das Hauptgebäude wurde nahezu originalgetreu
wiederaufgebaut, so dass es sich um einen „authentischen“ Erinnerungsort handelt.
1.1 Historische Bedeutung als Ghettolager im Westen
1941 beschlagnahmte die Gestapo das Benediktinerinnenkloster Mariahilf in Bonn-Endenich,
um es als Zwangslager für Jüdinnen und Juden aus Bonn und der Bonner Umgebung zu
nutzen.
Von einem Ghettolager spricht die Gedenkstätte Bonn aufgrund von gemeinsamen
Strukturmerkmalen mit Ghettolagern wie sie die Deutschen unter anderem im besetzten
Polen für die jüdische Bevölkerung betrieben. Den Ghettos kam eine zentrale Bedeutung als
Station zur systematischen Vernichtung zu. Anders als in der überwiegenden Zahl derSeite 7 von 15
5
Deportationslager auf deutschem Boden, wo der Verbleib der Menschen sich auf wenige
Tage oder Wochen belief, betrug dieser in Bonn-Endenich bis zu einem Jahr. Mit der
Vorgeschichte der Konfiskation im nationalsozialistischen „Klostersturm“ kennzeichnet das
ehemalige Kloster eine Besonderheit bzw. ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschen und
internationalen Gedenkstättenlandschaft: Es wäre in Zukunft die einzige Gedenkstätte in
einer derartigen Liegenschaft. Außerdem hebt es sich unter den Gedenkstätten an Stätten
der Deportationen von Jüdinnen und Juden bzw. Sinti und Roma in Deutschland und Europa
als Ghettolager hervor, dessen Internierte bis zu einem Jahr lang im Lager festgehalten und
zur jüdischen Selbstverwaltung und Zwangsarbeit gezwungen wurden. Diese im Verhältnis
lange Dauer der Internierung ließ besondere interne Strukturen in der Organisation und im
Zusammenleben im Lager sowie externe Bezüge mit dem Umland und der Stadtgesellschaft
entwickeln.Seite 8 von 15
6
1.2 Umzug der Gedenkstätte und des NS-Dokumentationszentrums Bonn an den
historischen Ort
Für die seit 40 Jahren bestehende Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn ist
der geplante Umzug an den historischen Standort der lang ersehnte und angestrebte Schritt
für die Umsetzung einer zeitgemäßen Gedenk- und Erinnerungsarbeit.
Mit dem Umzug erfolgen Modernisierung und Gestaltung einer neuen der Dauerausstellung,
die an die spezifischen Anforderungen des historischen Ortes angepasst sein wird. Auch für
die pädagogische Arbeit ergeben sich aus dem Standortwechsel neue Potenziale und
Herausforderungen. Das vorliegende Konzept zeigt die wesentlichen Leitlinien einer
Bildungsarbeit am Standort Endenich auf und bezieht sich dabei auf die Vorplanungen zur
Gestaltung der neuen Ausstellung am historischen Ort sowie auf gegenwärtige und aktuelle
Erfordernisse der politisch-historischen Bildungsarbeit und Erinnerungskultur.
Wesentlich ist, dass sich die Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
am Standort in Bonn-Endenich erweitern werden: Mit dem neuen Standort wird ein
historischer Ort bezogen, an dem Jüdinnen und Juden interniert waren, wodurch ein direkter
Bezug zur nationalsozialistischen Verfolgung besteht. Dies hat unmittelbare Auswirkungen
auf die Gedenkstätte und ihre Arbeit, da ihr eine Versinnbildlichungsfunktion zukommt. Sie
wird den Besucherinnen und Besuchern die Vergangenheit des Standorts nahebringen und
erfahrbar machen.
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind seit ihrer Gründung in den 1980er-
Jahren anerkannter Bildungsträger im Bereich der historisch-politischen Bildung. Seit 2021
existiert eine vollamtliche pädagogische Stelle im Stellenplan, die eine noch engmaschigere
pädagogische Betreuung und Fortentwicklung ermöglicht. Als Basis für die zukünftige
Bildungsarbeit kann auf 40 Jahre bestehende Erfahrung in der praktischen Arbeit mit
verschiedenen Zielgruppen zurückgegriffen werden. Dabei wird die Vermittlungsfunktion
inhaltlich und standortbezogen ausgebaut und das pädagogische Angebot neu aufgesetzt.
Das vorliegende Konzept dafür bezieht den historischen Standort unmittelbar mit ein und
erweitert das Programm um digitale, inklusive und partizipative Angebote.
Das Grundstück und die Gebäude sollen als Besitz des Erzbistums Köln im Rahmen einer
Erbpachtregelung übernommen werden. Die Leistungsphasen 1 und 2 sind abgeschlossen.
Eine Planungsgemeinschaft hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Bereits in der
Grundlagenermittlung und Vorplanung wurde von der Bundesstadt Bonn eine klare
Projektstruktur mit regelmäßigen Jours fixs und Meilensteinplanungen aufgesetzt. Der Bau-
und Umzugsbeschluss durch den Stadtrat wurde im Juni 2024 herbeigeführt.Seite 9 von 15
7
2. Dauerausstellung am historischen Ort: Inhaltliches Konzept und Planungen
Zentrale Aufgaben von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum sind auch am neuen
Standort Bildung, Information und Dokumentation auf Basis von wissenschaftlichen
Forschungen. Grundpfeiler hierfür sind eine moderne an neuesten Standards ausgerichtete
Ausstellung, eine profilierte Bildungsarbeit und ein Veranstaltungsprogramm für eine
interessierte Öffentlichkeit und für das Fachpublikum. Ergänzend zur Ausstellung soll ein
Katalog erstellt werden. Eine Fachbibliothek und die Archivbestände werden unter
Berücksichtigung moderner konservatorischer Standards zugänglich gemacht.
2.1 Das Raumprogramm für Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum
Das vorgesehene Raumprogramm greift die genannten Funktionen auf, indem es
entsprechende Flächen für a) die Dauerausstellung „Endenich ist noch vielleicht das Ende
nich“ (Felix Hausdorff) von rund 250 m², b) die Bildungsarbeit (70 m²) und c) die
Dokumentation mit Archiv und Bibliotheksräumen (60 m²) vorsieht. Der Gedenkraum soll
eine Größe von rund 40 m² haben. Für Veranstaltungen ist ein 180 m² großer Saal
vorgesehen.
Um den Ort des Geschehens möglichst authentisch sichtbar und spürbar bleiben zu lassen,
werden die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar sein und werden nicht verputzt
oder gedämmt. Auch die Fenster bleiben erhalten und werden durch neue
Fensterkonstruktionen bauphysikalisch sinnvoll ergänzt.
Alle dienenden Funktionen, wie Garderoben- und Toilettenanlagen sowie Lager und
technische Räume, werden in einem neuen Untergeschoss untergebracht, das dem
Bestandsgebäude 1 vorgelagert ist. Mit diesen Maßnahmen soll ein Maximum an Variabilität
und Nutzbarkeit für die Dauerausstellung, Sonderausstellungen und Veranstaltungen
geboten werden.Seite 10 von 15
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Die barrierefreie Erreichbarkeit aller Ebenen wird durch einen Lift garantiert, der im neuen
turmartigen Treppenhaus vorgesehen ist.
Die Außenanlagen des heutigen Priesterseminars werden in die Konzeption einbezogen:
Schülergruppen können sich in der Nähe des Gebäudeeingangs auf einem Sitzplatzbereich
für einen Rundgang sammeln oder nach dem Besuch der Ausstellung gemeinsam das Erlebte
reflektieren. In Kombination mit den Baumachsen sollen Pflanzbereiche die kontemplative
Atmosphäre eines friedlich schönen Gartens erzeugen.Seite 11 von 15
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An drei Stellen des Gartens könnten Kunstobjekte die Abläufe der brutalen Geschehnisse an
diesem Gedenkort wie an nachgebildeten Stationen thematisieren: Registration, Selektion
und Abtransport der Opfer. Die Objekte wären gleichzeitig so zu entwickeln, dass
beispielsweise der Zugangsbereich der Gedenkstätte an der Straße leicht erkennbar wird,
zum anderen ein Sammelpunkt bei Außenveranstaltungen oder ein fester Ort für
Gedenkveranstaltungen entsteht.
2.2 Die neue Dauerausstellung
Die Dauerausstellung wird begleitend zum geplanten Umzug der Gedenkstätte und des NS-
Dokumentationszentrums in Zusammenarbeit des Teams der Gedenkstätte mit externen
Expertinnen und Experten entwickelt.
Folgende Themen werden in insgesamt fünf Stationen der Ausstellung dargestellt und bilden
den Erzählstrang für die einzelnen Inhalte:
1. Ghettolager Endenich: Vorgeschichte des Klosters, planmäßige Aufhebung von
Klöstern im Nationalsozialismus, Stationen der nationalsozialistischen
Vernichtungspolitik: Definition, Enteignung, Ausschluss und Konzentration (nach
Raul Hilberg), Situation im Ghettolager, Deportationen, Ermordung
2. „Volksgemeinschaft“ und Ausschluss – Die Bonner Stadtgesellschaft im
Nationalsozialismus zwischen Alltag und Terror: Stadtgesellschaft im
Nationalsozialismus
3. Biografien – Lebenswege – Mikrogeschichte und Fallrekonstruktion
4. Nachwirkungen des Nationalsozialismus in Bonn und der „Bonner Republik“:
Vergangenheitspolitik – Entwicklungen in der Nachkriegsgesellschaft und Umgang
mit den nationalsozialistischen Verbrechen
5. Raum des Gedenkens
Zur historischen Narration:
Bei der Entwicklung stehen Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor der
Herausforderung, die Institutionsgeschichte und die Bedeutung des historischen Ortes
miteinander verständlich darzustellen: Seit ihrer Gründung 1984 verstehen sich
Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum in Bonn sich als Erinnerungs- und
Dokumentationsort für alle Verfolgten des Nationalsozialismus. Das Alleinstellungsmerkmal
dieses historischen Ortes und dessen Bedeutung und Funktion als Ghettolager und damit als
ein wesentlicher Schritt der systematischen Verfolgung und Ermordung aller Jüdinnen und
Juden, wird den Schwerpunkt der Ausstellung ausmachen. Mit Blick auf die für heutige
Standards unabdingbare Erweiterung der Perspektive auf Fragen der Täter, Mitläufer und
„Zuschauer“ gilt es zudem, alle diese verschiedenen Teilaspekte in einer sinnvollen und für
Besuchende nachvollziehbaren Weise zu verknüpfen.Seite 12 von 15
10
Erreicht werden soll dies, indem die Ausstellung NS-Ideologie und gesellschaftliche
Wirklichkeiten im NS-Staat kontrastiert. Dazu sind die nationalsozialistischen Ideenwelten
und Propaganda den Prozessen von Entmenschlichung, Exklusion und Verfolgung sowie den
gesellschaftlichen Realitäten im nationalsozialistischen Deutschland gegenüberzustellen.
Dieses Motiv soll sich als roter Faden durch die verschiedenen Ausstellungseinheiten ziehen.
Ausstellungsarchitektur und -design am neuen Standort:
Für die bauliche Ertüchtigung und Vorbereitung der Gebäudeteile für Gedenkstätte und NS-
Dokumentationszentrum am historischen Ort und die vorbereitende Planung der Räume für
ihre Nutzungen als Ausstellungsräume, Bildungs- und Veranstaltungsräume, Büros,
Funktionsräume, Foyer, Bibliothek, sanitäre Einrichtungen wurde parallel ein
Architektenbüro beauftragt. Siehe beiliegende Unterlagen des Architektenbüros
Waldorfplan.
Für die Umsetzung des Ausstellungsdesigns, innenarchitektonischer Einbauten und
Ausstellungsmöbel wird ein Gestaltungsbüro mit Erfahrung im Gedenkstättenbereich
beauftragt, das auf Grundlage der inhaltlichen Vorgaben des Teams konkrete Vorschläge
erarbeitet und für die baulich vorbereiteten Räume realisiert.Seite 13 von 15
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2.3 Bildungsarbeit am neuen Standort – Pädagogische Konzeption
Mit dem Umzug wird auch ein neuer museums- und gedenkstättenpädagogischer Ansatz
erarbeitet. Der historisch „authentisch“ wirkmächtige Ort fordert nahezu eine
Auseinandersetzung mit der unmittelbaren Verortung der NS-Verbrechen, die gerade auch
für die pädagogische Arbeit wertvoll ist.
Bisher bewährte Angebote, Veranstaltungen und die gedenkstättenpädagogische Arbeit
werden fortgesetzt und um neue inklusive und partizipative Formate vor Ort sowie in den
Stadtteilen ergänzt, die Geschichten von Verfolgten, sozialem Umfeld und Tätern in
besonderer Weise aufgreifen.
Bei den neu zu entwickelnden Angeboten zur Verfolgung der Bonner Jüdinnen und Juden
und denen aus dem Bonner Umland, die im Ghettolager interniert waren, kann auf
langjährige Recherchen der Gedenkstätte zu den Lebensgeschichten zurückgegriffen
werden.
Zusätzliche neue Themen für Bildungsformate sind neben dem Leben im Ghettolager auch
die Zwangsarbeit und die Arbeitsstätten, zu denen die Menschen, sichtbar für jeden, zu Fuß
gehen mussten, die Reaktion der Bewohnerinnen und Bewohner in den benachbarten
Stadtteilen Endenich und Poppelsdorf und die Geschichte des „Klostersturms“ im Kontext
der Reaktion der katholischen Kirche.
Insgesamt wird die Bildungsarbeit der zukünftigen Gedenkstätte diverser, überregional bzw.
international ausgerichtet: Als Bundes- bzw. ehemalige Bundeshauptstadt mit Sitz von
Universität, Institutionen der Vereinten Nationen und Fachhochschulen in der Region bietet
Bonn zahlreiche Anknüpfungspunkte für Kooperationen und überregionale Netzwerke. Allein
die Vereinten Nationen waren 2023 mit 26 Institutionen und etwa 1.000 Mitarbeitenden in
der Bundesstadt vertreten. Angestrebt wird daher eine aktive Zusammenarbeit mit Gruppen
der UN, mit politischen Stiftungen und mit Trägern von Breiten- und Spitzensport wie den
Baskets Bonn.
In diesem Kontext kann die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum Bonn auf
langjährige etablierte Kooperationen zurückgreifen: Fachlich kooperiert die Gedenkstätte
Bonn mit nationalen und internationalen Gedenkstätten, überregional im Arbeitskreis
Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen und Instituten und Fachbereichen der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die Gedenkstätte arbeitet seit ihrer Entstehung mit
verschiedenen bürgerschaftlichen Partnern und Bildungseinrichtungen zusammen. Dies ist
auch durch die frühere Organisationsform eines Trägervereins bedingt. Diese Struktur, die
professionelles und bürgerschaftliches Engagement verbindet, wurde nach dem Übergang
der Gedenkstätte in städtische Trägerschaft zum 1. Januar 2021 in den Förderverein
überführt, der aus dem Trägerverein hervorgegangen ist. Kooperationen bestehen im
lokalen Bereich mit anderen Häusern und Institutionen der Geschichts- und musealen
Vermittlung, wie etwa dem Stadtarchiv, dem Stadtmuseum und dem August-Macke-Haus.Seite 14 von 15
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Daneben kooperiert die Gedenkstätte, mit der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und
Geschichtsvereine Bonn, der Stadtbibliothek und der VHS. Der Gedenktag am 27. Januar
wird jährlich mit wechselnd weiterführenden Bonner Schulen, Künstlerinnen und Künstlern
und dem Theater der Stadt inhaltlich vorbereitet und durchgeführt. Mehrere Schulen sind
Mitglied im Förderverein. Die Gedenkstätte organisiert den Jahrestag der
Bücherverbrennung am 10. Mai gemeinsam mit AStA und Studierendenparlament der
Universität. Das Gedenken an die Novemberpogrome am 10. November wird ebenfalls
federführend in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG-Bonn, der
Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.
Bonn und anderen Akteuren vorbereitet und durchgeführt.Seite 15 von 15

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

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Datenstand: 03.11.2026, 05:14 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de