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240672-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung

Bürgerantrag: Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer

Nummer
240672-01 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
23.05.2024
Letzte Änderung
17.09.2026
  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 27.08.2024 Kenntnisnahme
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  1. 240672 Bürgerantrag: Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
240672-01 ST
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
41 Kulturamt
Dezernat:
Dez. IV
11.04.2024
Bürgerantrag: Umbenennung der
Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie
Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im
Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bonn 28.05.2024 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Wilhelm Schmidtbonn steht seit längerem aufgrund seiner Nähe zum
Nationalsozialismus – er gehörte im März 1933 zu den Unterzeichnern einer
Loyalitätserklärung der Deutschen Akademie der Dichtung an das NS-Regime
– in der Kritik. Schmidtbonn ließ sich im „Dritten Reich“ bereitwillig
vereinnahmen und trat öffentlich als Vertreter des NS-Kulturbetriebs in
Erscheinung. Zwar sind seine Werke nicht dezidiert antisemitisch oder
rassistisch, jedoch äußerte sich Wilhelm Schmidtbonn in Briefen und Reden
dezidiert als Anhänger des NS-Regimes.
Bereits das Projekt „Aktive Erinnerungskultur“ hat einen kritischen Umgang mit
der Person Wilhelm Schmidtbonns angeregt. Dazu gehört auch eine
Auseinandersetzung mit der Schmidtbonnstraße. Im Arbeitsprogramm „Aktive
Erinnerungskultur“ befindet sich der Umgang mit Wilhelm Schmidtbonn auf der
Prioritätenliste und wird in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden
personellen Ressourcen bearbeitet. Eine Empfehlung für den Umgang
(Kontextualisierung, Straßenumbenennung) mit der Schmidtbonnstraße kann
erst nach Vorlage des wissenschaftlichen Gutachtens erfolgen.
Die Verwaltung wird einen Beschlussvorschlag zum Umgang mit der
Schmidtbonnstraße in der nächsten Sitzung in die zuständigen Gremien
einbringen.
Die Schmidtbonnstraße wurde durch Beschluss des Rates der Stadt Bonn vom
03.12.1959 benannt. Eine Umbenennung dieser Straße würde für die dort
gemeldeten 40 Anlieger und Anliegerinnen sowie für die
Grundstückseigentümer zu einer Adressenänderung und den damit
verbundenen, nicht unerheblichen Kosten und Umständen führen. Dazu
gehören zum Beispiel die Benachrichtigung Dritter, die Änderung der
Geschäftspapiere, die Ummeldung nach dem Bundesmeldegesetz und die
Änderung von Dokumenten nach dem Personalausweisgesetz und der
Fahrzeugzulassungsverordnung. Darüber hinaus wären nach ständiger
Rechtsprechung sowie nach bisher in der Bundesstadt Bonn geübter PraxisSeite 1 von 2
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alle betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner im Rahmen einer Anhörung an
einem solchen Verfahren zu beteiligen. Neben der Anliegerproblematik führen
Umbenennungen auch zu entsprechenden Änderungen u.a. bei Herstellern von
Karten und Navigationssystemen, bei Versorgungsträgern, beim Grundbuchamt
und im Kataster, sowie bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten.
Das "Schmidtbonn-Zimmer", das in der Dauerausstellung des Stadtmuseums in
den Franziskanerstraße 9 gezeigt wird, rekonstruiert ein Zimmer des Bonner
Schriftstellers Wilhelm Schmidtbonn. Das Mobiliar stammt aus seinem
Nachlass, der 1966 in den Besitz der Stadt Bonn kam. Seit der Eröffnung der
Dauerausstellung des Stadtmuseums 1998 in der Franziskanerstraße wurden
diese präsentiert und mit weiteren Exponaten aus der Sammlung ergänzt.
Das "Schmidtbonn-Zimmer" ist bereits aktuell für Besucher*innen nicht mehr
zugänglich und wird schon vorab in Vorbereitung auf den Auszug leergeräumt.
Der Raum wird bis zum endgültigen Verlassen der Räumlichkeiten zunächst für
die Inventarisierung der Sammlung „Memoria“ des Sammlers Thomas B.
Schumann in Vorbereitung des „Forum Exilkultur“ genutzt und anschließend
verschiedene Formate und Objekte im Zuge der Neukonzeption präsentieren.
Das Projekt „Aktive Erinnerungskultur“ hat das "Schmidtbonn-Zimmer" bereits
im Jahr 2022/23 in Rahmen des Formats „Wie erinnern?!“ in Workshops und
Führungen analysiert und neue Wege der Darstellung diskutiert. Diese
Ergebnisse fließen in die Neukonzeption des Stadtmuseums mit ein.
Beschlussvorschlag für Bezirksvertretung Bonn:
Die Bezirksvertretung nimmt Kenntnis von der Stellungnahme der Verwaltung
und befürwortet die vorgeschlagene Vorgehensweise. Mit diesem Votum ist das
in § 24 GO NRW für die formelle Beratung von Bürgeranträgen vorgesehene
Verfahren abgeschlossen.
Anlage/n
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Datenstand: 02.11.2026, 23:23 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de