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240672 · Anregungen und Beschwerden

Bürgerantrag: Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer

Nummer
240672
Art
Anregungen und Beschwerden
Veröffentlicht
14.01.2025
Letzte Änderung
02.11.2026
  • Schmidtbonnstraße Straße· Poppelsdorf, Bonn Hauptort
  • Rheinufer Straße· Mehlem, Bad Godesberg
  • Bonn Stadtbezirk
  1. Einreichung erledigt · 14.01.2025
  2. Terminierung erledigt
  3. Sitzung erledigt · zuletzt 27.08.2024

Soweit erfasst. Das Ergebnis der Beratung ist in den Daten nicht enthalten. Das vollständige Verfahren →

  1. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 27.08.2024 Entscheidung federführend
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 297,2 KB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 240672-03 Bürgerantrag Umbenennung "Schmidtbonn" hier: Streichung des Grab „Schmidtbonn“ aus der Ehrenliste
  2. 240672-02 AA Langer-Herboth-Poppe-Änderung zum Bürgerantrag: Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer Antrag zur Vorlage 240672
  3. 240672-04 Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Bonn-Poppelsdorf
  4. 240672-01 ST Bürgerantrag: Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer

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Anregungen und Beschwerden
öffentlich
240672
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
Geschäftsbereich OB-2: Strategische Programmsteuerung
Dezernat:
Dez. OB
11.04.2024
Bürgerantrag: Umbenennung der
Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie
Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im
Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Bonn 28.05.2024 Entscheidung
Inhalt der Anregungen und Beschwerden
Der Antrag ist auf eine Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-
Juchacz-Straße sowie eine Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers im
Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer gerichtet.
Einzelheiten zur Begründung ergeben sich aus dem beigefügten Bürgerantrag.
Der Antragsteller hat ausdrücklich um eine gemeinsame Behandlung seiner
Anliegen in der Bezirksvertretung Bonn gebeten.
Anlage/n
1 Bürgerantrag - komplett (nichtöffentlich)
2 Bürgerantrag (öffentlich)Seite 1 von 5
1
Bürgerantrag
Umbenennung der Schmidtbonnstraße in Marie-Juchacz-Straße sowie Umbenennung des
Schmidtbonn-Zimmers im Stadtmuseum in Moses-Hess-Zimmer
I. Schmidtbonnstraße:
https://stadtplan.bonn.de/neo/php/geodaten/extern/datenblatt/datenblatt.php?GeoId=1698&ThemaId=1779
0
II. Schmidtbonn-Zimmer im StadtMuseum: StadtMuseum Bonn - Museumsführer,
S. 39-41
Begründung:
Inhaltlich ist der Vorschlag zur Umbenennung im Hinblick auf die Unvereinbarkeit von Wirken und
Denkmustern Wilhelm Schmidtbonns (1876 - 1952, deutscher Schriftsteller und Dramatiker) mit den
Grundsätzen einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft bereits geprüft, siehe ausführliches Gutachten:
https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt41-203/stadtarchiv/aktuell/Kurzfassung.pdf.
Die Vorgehensweise der Landeshauptstadt Düsseldorf kann als Best-Practice-Beispiel übernommen werden.
Aus den Prüfergebnissen ergibt sich, dass eine Verzögerung der Umbenennung der Schmidtbonn Straße
sowie des Schmidtbonn Zimmers im Stadtmuseum in Bezug auf die Außenwirkung der Stadt Bonn kaum
förderlich, wenn nicht sogar unhaltbar geworden ist. Dies ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass
Wilhelm Schmidt demonstrativ eigenmächtig den Namen der Stadt Bonn als Bestandteil seines
ursprünglichen Familiennamens beansprucht, sondern auch damit begründet, dass sich das vom LVR
geförderte Projekt « Aktive Erinnerungskultur » bereits seit dem 01.01.2022 mit der öffentlichen
Erinnerung, damit auch mit Wilhelm Schmidtbonn befasst und zu den gleichen Ergebnissen kommt.
Angesichts seiner Relevanz wurde dieses Projekt bis zum 31.07.2024 verlängert. Erste Ergebnisse sind im
Positionspapier des Deutschen Städtetages publiziert: Erinnern ist Zukunft
Es handelt sich bei der historisch wissenschaftlichen Aufarbeitung der Identifikation der NS-Kontinuitäten
wie fortbestehendem Antisemitismus, Rassismus, Gewaltverherrlichung und weiterer ideologischer
Denkmuster um eine Querschnittsaufgabe von besonderer Bedeutung für die Bundesstadt Bonn. Die
Auseinandersetzung mit dieser historischen Schuld gilt bundesweit als ein maßgebliches Charakteristikum
der ersten geglückten deutschen Demokratie, der Bonner Republik, die damit europäisches und
internationales Ansehen zurückgewann. Dabei gelten Straßennamen und Widmungen in einem öffentlich
geförderten kommunalen Museum als ein besonders sichtbares Symbol ausdrücklicher Ehrung
verdienstvoller bedeutender Persönlichkeiten. So kann Wilhelm Schmidtbonn auch nicht mehr als
beispielhafter « Heimatdichter » von allgemeinem Interesse und Aushängeschild der internationalen Stadt
Bonn öffentlich dargestellt werden. Inzwischen weithin bekannte Zitate aus seinen Werken unterstreichen
die Dringlichkeit der Umbenennung.
• …neidisches England, du bist der Urfeind. Wir lassen nicht von Dir, bis du erwürgt hinfällst… - aus
dem « Kriegsvorspiel für die Bühne », 1914• Wir hörten alle Hitler-Reden und haben oft Tränen in den Augen vor Heimweh. Auch glauben wir an
den Nationalsozialismus… - geschrieben zur « Machtergreifung » 1933Seite 2 von 5
2
• Er beschwerte sich 1933 in seinem Schweizer Domizil über jüdische Emigranten,
In das frühere kleine
und einsame Dorf (…) sind schon seit zwei Jahren zahlreiche jüdische Millionäre eingebrochen, die sich
hier wahre Schlösser gebaut haben von deutschem Geld und den ganzen Ort verteuert und ekelhaft
gemacht.
• 1934 bezeichnete er das Interesse des Jüdischen Theaters in Berlin an einem seiner Stücke als
seelischen
Schmerz.• 1936 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn verliehen, 1941 erhielt er den Rheinischen
Literaturpreis. In seiner Dankesrede begrüßte der Schriftsteller das
durch den Führer geeinte
Großdeutschland und bezeichnete Adolf Hitler
als Sinnbild des deutschen Menschen : kühn,
willensstark, gütig.
• Angesichts seiner schweren Erkrankung und der daraus resultierenden finanziellen Notlage bat
Schmidtbonn das NS-Regime wiederholt um Unterstützung, sodass die Preußische Akademie der Künste
ihm nicht nur einen jährlichen Ehrensold gewährte, sondern ab 1934 auch eine monatliche
« Werkhilfe » zahlte und anlässlich seines 60. Geburtstags eine « Ehrengabe » von 3000 Reichsmark
übermittelte
Quelle : https://www.duesseldorf.de/vermessung/strassenbenennung/umbenennung-historisch-belasteter-
strassennamen (Abschlussbericht)
Marie Juchacz (deutsche Politikerin und Parlamentarierin, 1879 - 1956) hingegen repräsentiert als
Zeitgenossin von Wilhelm Schmidtbonn das demokratische Deutschland auf vorbildlichste Weise. Ihr sollte
die Ehre öffentlicher Aufmerksamkeit auch in der Bundesstadt Bonn zuteilwerden. Gerade im
Jubiläumsjahr des Grundgesetzes ruft die Auseinandersetzung mit Marie Juchacz die fortschrittlichen,
gleichberechtigten demokratischen Traditionen Deutschlands in Erinnerung.
In vielen Städten ist die Ehrung des außergewöhnlichen Denkens und Lebens von Marie Juchacz bereits
eine Selbstverständlichkeit. Marie Juchacz setzte sich Zeit ihres Lebens für Demokratie und sozialen
Fortschritt ein. Sie war eine Vorkämpferin zur Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland. Sie
gehörte als einzige Frau dem « Ausschuss zur Vorberatung des Entwurfs einer Verfassung des Deutschen
Reichs » an (https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Juchacz).
Als eine der ersten Parlamentarierinnen in der deutschen Geschichte und als erste Frau überhaupt spricht
Marie Juchacz am 19. Februar 1919 vor der Nationalversammlung in Weimar:Meine Herren und Damen! (Heiterkeit.)
Es ist das erste Mal, dass eine Frau als Freie und Gleiche im
Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution
gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat. (…) Ich möchte hier feststellen,
und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht
etwa im althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine
Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden
ist. Juchcz meinte damit das aktive und passive Frauenwahlrecht.
Quelle: https://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_wv_bsb00000010_00184.html
Bis 1933 war sie Mitglied des Reichstages. 1933 floh sie aus Deutschland. Nach einer Odyssee erreichte sie
1941 New York. Dort gründete sie die « Arbeiterwohlfahrt USA - Hilfe für die Opfer des
Nationalsozialismus », die nach Kriegsende mit Paketsendungen Menschen im zerstörten Land unterstützte.
Zuvor, bereits im Jahr 1919 gehörte sie zu den Gründern der Arbeiterwohlfahrt (AWO). 1949 kehrte sie
nach Deutschland zurück, um sich in der jungen Bundesrepublik am Wiederaufbau zu beteiligen und ihr
soziales Engagement als Ehrenvorsitzende der AWO fortzusetzen.Seite 3 von 5
3
Das Umbenennen der Schmidtbonn Strasse in Marie Juchacz-Straße erinnert gerade in einer Gegenwart,
die von Krisen geprägt ist, daran wie Vertreter und Vertreterinnen der demokratischen Traditionen
Deutschlands konsequent Lösungswege aufzeigten und lebten.
Diese demokratische Tradition wird gleichermaßen von dem großen Humanisten und Sohn der
Bundesstadt Bonn, Moses Hess (https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Hess) verkörpert. Als Philosoph und
Publizist, dessen Schriften schon damals europaweit und in den USA mit großem Interesse gelesen wurden,
war er maßgeblich an der Entwicklung fortschrittlicher demokratischer Prinzipien beteiligt.
Internationales Ansehen gewann Hess (1812 - 1875) als Vordenker des Staates Israel und des sozialen
gesellschaftspolitischen Ausgleichs. Die Umbenennung des Schmidtbonn-Zimmers/Stadtmuseum stellt im
Zuge des Denkmal-Projekts am Rheinufer (https://archivalia.hypotheses.org/198086) eine ethisch logische,
inhaltlich vertiefende und konstruktiv lebendige Umsetzung der Ergebnisse des Projekts « Aktive
Erinnerungskultur » in der Bundesstadt zu den Grundgesetz Feierlichkeiten dar. Bürgerantrag: Denkmal für
Moses Hess
Durch die öffentliche Ehrung dieser beiden herausragenden Persönlichkeiten gewinnt Bonn im Kontext
der ersten geglückten Demokratie Deutschlands an vielfältiger, Werte orientierter Strahlkraft und wird
ihrer Aufgabe als Bundesstadt gerechter.
Bonn, den 11. April 2024Seite 4 von 5
4
Anlage : Schmidtbonn-Zimmer im StadtMuseumSeite 5 von 5

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Datenstand: 02.11.2026, 22:04 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de