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240371 · Beschlussvorlage

Finanzierung der Gemeinwesenarbeit in Trägerschaft des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG) im Quartier „Am Nippenkreuz" in den Jahren 2023 und 2024

Nummer
240371
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
29.02.2024
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit 21.03.2024 Entscheidung federführend
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Beschlussvorlage
öffentlich
240371
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
50 Amt für Soziales und Wohnen
Dezernat:
Dez. V
Finanzierung der Gemeinwesenarbeit in
Trägerschaft des
Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG) im
Quartier „Am Nippenkreuz" in den Jahren 2023 und
2024
Beratungsfolge
Ausschuss für Soziales, Migration und
Gesundheit
21.03.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Im Jahr 2023 wird die Gemeinwesenarbeit des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-
GmbH (VFG) im Quartier „Am Nippenkreuz“ in einem Umfang von bis zu
200.000 EUR und im Jahr 2024 in einem Umfang von bis zu 216.000 EUR fi-
nanziert.
Mit dieser Finanzierung werden die angemessenen Personal- und Sachkosten
für 2,5 VZÄ (davon 1,5 VZÄ für Sozialarbeit incl. Leitung sowie 1 VZÄ für
Hausmeistertätigkeiten) abgedeckt.
Begründung
„Die regelmäßigen Angebote sind für die Besucher feste Termine
in ihren Wochenplanungen und geben Struktur und Halt“.
(eine Sozialarbeiterin des VfG)
Bereits seit dem Jahr 2010 ist der VfG im Quartier „Am Nippenkreuz“ im Stadt-
eilcafé sozialarbeiterisch tätig. Er bietet für die Menschen im Quartier und im
unmittelbaren Wohnumfeld eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit multi-
plen Problemlagen.
Das Stadtteilcafé mit seinem angeschlossenen Angebot der Sozialberatung ist
mittlerweile zu einer festen Institution im Quartier geworden. Es bietet eine
wichtige Anlaufstelle und „Aufenthaltsraum“ für die oftmals alleine lebenden
Menschen, in dem sie sich aufhalten können, ohne finanzielle Mittel zu benöti-
gen. Die soziale Teilhabe dieser Menschen wird somit ermöglicht. Gleichzeitig
besteht durch die dazu gehörige Sozialberatung die Chance, Problemsituatio-Seite 1 von 18
Seite 2
nen frühzeitig aufzugreifen und entsprechende Lösungsansätze mit den Ratsu-
chenden aus dem Quartier zu erarbeiten.
Auswirkungen im Rahmen der Corona-Pandemie
Im Jahr 2022 stand die Gemeinwesenarbeit des VfG „Am Nippenkreuz“ weiter-
hin unter dem Einfluss der Veränderungen und auch der Einschränkungen
durch die Pandemie. Manche Stammgäste fanden nur sehr langsam wieder ins
Stadtteilcafé zurück. Das in die Einrichtung integrierte Angebot der Sozialbera-
tung, das primär die Wiederherstellung der materiellen Existenz und Hand-
lungsfähigkeit der ratsuchenden Person zum Ziel hat, wurde hingegen aus der
direkten Nachbarschaft, aber auch der Umgebung stark nachgefragt.
Aus den vorgenannten Gründen ist eine Fortführung der Finanzierung dieses
Angebotes mit städtischen Mitteln aus Sicht des Amtes für Soziales und Woh-
nen zu befürworten. Eine ausführliche Darstellung der Arbeit und der Situation
im Quartier kann dem Jahresbericht 2022 entnommen werden, der als Anlage
beigefügt ist.
Die Förderung hat sich wie folgt entwickelt:
2021: 186.700 Euro, 2022: 202.000 Euro
2023: 200.000 Euro; 2024: 216.000 Euro
Der Träger ist aufgrund seiner Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen
geeignet, die geförderten Leistungen zu erbringen. Der Träger hat sich seit vie-
len Jahren in dieser Aufgabenstellung bewährt. Die mit der Förderung verbun-
denen formellen Auflagen (insbesondere die Vorlage eines Antrages sowie
eines Verwendungsnachweises) wurden vom Träger bislang stets ordnungs-
gemäß erfüllt.
Finanzielle Auswirkungen:
Haushalt 2023
Produktgruppe Produktgruppenbe-
zeichnung
Produkt Produktbezeichnung
1.05.06 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Verein
e,sonst.Träg.
15000050601 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Tr
äg.
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
FinanzsaldoSeite 2 von 18
Seite 3
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
200.000,00
EUR
150000506 /
73.1000
2023 0,00 EUR
Einzahlungen /
Erträge
0,00 EUR
Haushaltsbelastung
jährlich
200.000,00
EUR
Haushaltsjahr 2024
Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung
1.05.06 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Träg. 15000050601 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Träg.
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle
/ FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle
/ FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
216.000,00
EUR
150000506 /
73.1000
2024 0,00 EUR
Einzahlungen /
Erträge
0,00 EUR
Haushaltsbelastung
jährlich
216.000,00
EUR
Anlage/n
1 Jahresbericht 2022-Stadtteilcafé am Nippenkreuz-Sozialberatung und GWA
(öffentlich)Seite 3 von 18
VFG gemeinnützige Betriebs-GmbH
Jahresbericht 2022
Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung
Am Nippenkreuz
www.vfg-bonn.de
Bonn im April 2023Seite 4 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH
INHALTSVERZEICHNIS
I. Träger .............................................................................................................. 3
II. Zielgruppe der Gemeinwesenarbeit und der Sozialberatung .......................... 3
III. Ziele und Arbeitsinhalt ..................................................................................... 4
IV. Rahmenbedingungen....................................................................................... 4
V. Leistungserfassung Sozialberatung und Gemeinwesenarbeit…………..………5
VI. Darstellung der Gemeinwesenarbeit ................................................................ 8
1. Das Stadtteilcafé
2. Gemeinschaftsaktivitäten
3. Verbesserung der Wohnsituation
4. Kontakte zur Mehlemer Bevölkerung und Gruppen
VII. Kooperationen ............................................................................................... 11
VIII. Zusammenfassung und Ausblick ................................................................... 14Seite 5 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH
3
 Der Träger
Der Verein für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG), Mitglied im Paritätischen, ist
Träger des Angebots „Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung Am Nippenkreuz“ in
Bonn Mehlem.
Der VFG unterhält verschiedene Einrichtungen der Wohnungslosen-, Arbeitslosen-
und Suchtkrankenhilfe in Bonn und definiert sich nach seinem Leitbild als
„Interessenvertreter für Menschen die hilfebedürftig sind, am Rande der Gesellschaft
stehen und aus dem sozialen Netz heraus zu fallen drohen“.
Die einzelnen Einrichtungen sind eng miteinander vernetzt, so dass ein Einstieg in
das vielfältige Hilfesystem an jeder Stelle möglich ist. Die einzelnen Hilfeangebote
können je nach vorhandenem Bedarf genutzt und miteinander kombiniert werden.
II. Zielgruppe der Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung
Der Arbeitsauftrag der „Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung Am Nippenkreuz“
richtet sich vorrangig an die Bewohner der Wohnanlage „Am Nippenkreuz“ sowie an
die Mieter, die in den umliegenden Sozialwohnungen in Bonn-Mehlem leben.
Dazu gehören auch Wohnungen auf der Mainzer Straße und am Severinsweg.
Insgesamt fallen 233 Wohnparteien in den direkten Zuständigkeitsbereich der
Einrichtung.
Vermieter der sozial geförderten Wohnungen ist die Vereinigte Bonner
Wohnungsbau AG (VEBOWAG).
Bei den Häusern „Am Nippenkreuz“ und „Mainzer Straße 54-58“ mit insgesamt 101
Wohneinheiten, bewegt sich der Gesamtanteil von Menschen mit Transferleistungen
wie auch in den vorausgehenden Jahren bei über 90 Prozent.
Vorrangig leben in der Siedlung Personen die Arbeitslosengeld II beziehen. Ebenso
leben in den Wohnungen viele Menschen mit Grundsicherungsleistungen nach dem
SGB XII. Dazu gehören sowohl Altersrentner als auch Menschen mit einer
Erwerbsminderung
Insgesamt besteht bei den meisten Mieter*innen ein hoher Bedarf an sozialarbeiter-
ischer Unterstützung zur Sicherung des Lebensunterhalts und zur Verbesserung der
Lebensqualität. Die geringen finanziellen Mittel bedingen einen großen Teil des
hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarfs. Hinzu kommen auch besondere
gesundheitliche Themen, wie Suchtmittelabhängigkeiten und psychische
Erkrankungen, oft als Doppeldiagnosen.
Außer von den Nachbarn werden die Angebote des Stadtteilcafés auch von
Menschen aus dem näheren oder weiteren Umfeld der Einrichtung genutzt.
Die Besucher*innen kommen aus unterschiedlichen Gründen. Es gibt Stammgäste,
die zum Teil täglich auf einen Kaffee vorbeikommen. Einige halten sich dann auch
länger bei uns auf und nutzen die Kontaktmöglichkeiten zum Team oder auch zu
anderem Besucher*innen.
Wieder andere kommen ausschließlich in die Sozialberatung und würden nie aus
einem anderen Grund ihre Zeit im Café verbringen. Dabei handelt es sich vorrangig
um Menschen mit Migrationshintergrund.Seite 6 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH
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Im Hinblick auf die bessere Integration der Zielgruppe in den Stadtteil stehen
ebenfalls Mehlemer Bürger und Vereine im Blickfeld der Arbeit.
Auch der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den Ortvereinen der Bonner
Parteien gehört zur Vernetzungsarbeit.
III. Ziele und Arbeitsinhalte
Die Ziele, die aus dem Konzept der Einrichtung hervorgehen, orientieren sich an den
beiden Arbeitsschwerpunkten der Gemeinwesenarbeit und der Sozialberatung.
Die Sozialberatung als Einzelfallhilfe ist Anlauf- und Clearingstelle für alle sozialen
Probleme, die die Menschen vor Ort mitbringen. Die Unterstützung bei der Sicherung
des Lebensunterhalts ist einer der Hauptthemen in der Sozialberatung.
Dabei wird der jeweilige Hilfebedarf erfasst, und versucht unmittelbare Hilfe zu
leisten oder auch an zuständige Fachdienste weiter zu vermitteln.
Darüber hinaus gibt es viele weitere Themen mit denen Menschen in die
Sozialberatung kommen. Dazu gehören unter anderem die Einleitung von
Maßnahmen zur Schuldenregulierung, Hilfen zum Erhalt und zur Verbesserung
vorhandenen Wohnraums und auch die Sicherstellung einer angemessenen
gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung.
Wir unterstützen beim Aufbau beruflicher Perspektiven, helfen bei Bewerbungen und
insgesamt bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Hinzu kommen häufig
Angelegenheiten zu verschiedenen Verträgen, zum Beispiel Handyverträge und
Haftpflicht- und Hausratversicherungen.
Geleistete Hilfen bei der Überwindung von Suchterkrankungen und psychischen
Erkrankungen sind auch ein relevanter Teil der Arbeit.
Den zweiten Arbeitsschwerpunkt stellt die Gemeinwesenarbeit dar. Als eine Methode
der Sozialen Arbeit zielt sie auf die Verbesserung der Lebensqualität und des
Miteinanders in den Wohnsiedlungen ab.
Wesentlicher Bestandteil ist das Stadtteilcafé als Ort der Begegnung und Kommun-
ikation für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Bei Projekten und Veranstaltungen, durch Freizeitgestaltung und Feste sollen die
Anwohner zur Selbsthilfe und Übernahme von Verantwortung in der Siedlung
motiviert werden.
Darüber hinaus soll eine bessere Integration der Bewohner*innen der Sozial-
siedlungen in den Stadtteil erreicht werden.
IV. Rahmenbedingungen
Das Stadtteilcafé „Am Nippenkreuz“ liegt am Eingang der Wohnsiedlung „Am
Nippenkreuz“ auf der Hauptstraße in Mehlem, zwischen dem Ortskern und dem
Bahnhof. Die Siedlung der VEBOWAG mit 101 Wohneinheiten ist umgeben von
Bürogebäuden und der Bundesstraße.
Die Wohnsiedlung Severinsweg mit 114 Wohneinheiten und weiteren öffentlich
geförderte Wohnanlagen befinden sich in ca. 500 m Entfernung Richtung
Ortszentrum.
An das Stadtteilcafé sind die Büroräume zur Sozialberatung angegliedert, die sowohl
vom Café aus, als auch durch einen separaten Hauseingang zugänglich sind.Seite 7 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH
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Diese werden mit den Mitarbeitern des „Ambulant Betreuten Wohnen für sucht-
mittelabhängige Menschen“ geteilt.
Das Stadtteilcafé und auch die Sozialberatung sind an fünf Tagen in der Woche
geöffnet, täglich von 9-13 Uhr. Montags dienstags und donnerstags findet auch am
Nachmittag Beratung statt, alternativ aber auch Hausbesuche oder Begleitungen.
Für die Sozialberatung und die Gemeinwesenarbeit inklusive der Arbeit im Café
stehen 1,5 Stellen Sozialarbeit zur Verfügung. Eine weitere halbe Stelle ist mit einer
Nicht-Fachkraft besetzt, die hauptsächlich für die Tätigkeiten im Café zuständig ist.
V. Leistungserfassung Sozialberatung und Gemeinwesenarbeit
Die Sozialberatung und die Angebote in der Gemeinwesenarbeit wurden im letzten
Jahr von insgesamt 217 Personen in Anspruch genommen.
Von den erfassten Personen waren 80 Personen weiblich und 137 Personen
männlich.
Mit 73% wohnte der größte Teil der Klienten in Bonn-Mehlem.
Von den erfassten Personen aus Mehlem lebten 43% in den Wohnsiedlungen „Am
Nippenkreuz“, der „Mainzer Straße“ und dem „Severinsweg“.
Auch aus den angrenzenden Bad Godesberger Stadtteilen gab es immer wieder
Anfragen oder auch Besucher des Cafés.
So kamen im letzten Jahr 13% der Ratsuchenden aus Lannesdorf, Pennenfeld und
Rüngsdorf.
Aus den anderen Stadtteilen von Bad Godesberg nahmen insgesamt 11% die
Sozialberatung in Anspruch. Die verbleibenden 3% verteilten sich auf verschiedene
Bonner Stadtteile.
Auf die 217 erfassten Personen verteilten sich die Einkünfte wie folgt:
Art der Leistung Prozentualer Anteil
Arbeitslosengeld II (SGB II) 51 %
Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung (SGB XII)
20 %
Altersrente 6 %
Eigenes Einkommen 5 %
Rente und ergänzende Grundsicherung 11 %
Eigenes Einkommen und ergänzendes ALG II 5 %
Arbeitslosengeld I (SGB III) 2 %Seite 8 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
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Die Auswertung der Daten zur Haushaltsstruktur ergab keine relevanten
Veränderungen zum Vorjahr.
Die Singlehaushalte stellten mit 52 % wieder den höchsten Anteil dar.
Die zweitgrößte Gruppe in der Auswertung waren Zwei-Personen-Haushalte mit
einem Anteil von 17%.
Familien mit einem bis zu drei Kindern waren mit 18 % erfasst. Familien mit vier
Kindern und mehr wurden mit 8% dokumentiert.
Bei den meisten kinderreichen Familien handelte es sich um Familien mit Migrations-
hintergrund.
Alleinerziehende Mütter oder Väter, mit einem bis zu drei Kindern, waren mit fünf
Prozent vertreten
Die Sozialberatung und die Angebote der Gemeinwesenarbeit wurden wieder von
Menschen aus vielen verschiedenen Nationen genutzt.
Der Anteil der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit lag bei 57 Prozent.
Die verbleibenden 43 % verteilten sich auf viele verschiedene Nationen. Menschen
mit syrischer Herkunft machten 9 % aus, Menschen aus Marokko wurden mit 8 %
registriert. Die weiteren Beratungen fanden mit Ratsuchenden unter anderem aus
Tunesien und der der Türkei mit jeweils 4% statt. Danach ergeben sich geringe
Prozentzahlen aus Eritrea, Afghanistan, Pakistan, Sri Lanka und auch aus einigen
Osteuropäischen Staaten.
Anfragen von Menschen aus anderen europäischen Staaten waren eher selten.
Gemäß unserem Konzept kamen in 2022 in die Sozialberatung fast ausschließlich
Personen, die Transferleistungen erhielten.
Das Arbeitslosengeld II nahm hier wieder den größten prozentualen Anteil ein.
Die Beratung zu Ansprüchen nach dem SGB XII kam am zweithäufigstem vor.
Von den 217 erfassten Personen erhielten 56% Leistungen vom Jobcenter.
Hauptsächlich als vollständige Leistung und zu einem geringen Teil als ergänzende
Leistung zu einem Einkommen aus Erwerbstätigkeit.
Die Beratungen waren in ihrem Aufwand sehr unterschiedlich. In der Regel sind
Beratungen von alleinlebenden Personen in ihrer Klärung am einfachsten. Wenn es
aber zum Beispiel zur Prüfung von Bescheiden einer größeren Familie kommt,
handelt es sich oft um eine komplexe Angelegenheit. Daraus ergaben sich
wiederholte und intensive Termine.
Es herrschte Unterstützungsbedarf zu verschiedenen Angelegenheiten. Dazu
gehörten zum Beispiel Weiterbewilligungsanträge, die Einreichung geforderter
Unterlagen oder die Überprüfung der Leistungsbescheide. Hinzu kamen aufwändige
Neuanträge, oft auch Widersprüche und Überprüfungsanträge.Seite 9 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
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Die Beratungen nach dem SGB XII erfolgten am zweithäufigsten. Hier sind zwei
Gruppen zu unterscheiden. Bei einem Teil handelt es sich um Altersrentner deren
Rente nicht zur Sicherstellung des Lebensunterhalts ausreicht, und diese damit einen
ergänzenden Sozialhilfeanspruch haben.
Die andere Gruppe besteht aus Menschen die vor der Erreichung der Altersrente
nicht mehr in der Lage sind mehr als drei Stunden täglich zu arbeiten und damit als
erwerbsgemindert gelten.
Die meisten Personen die in die Sozialberatung kommen, sind mit der Bewältigung
ihrer Angelegenheiten völlig überfordert.
Zum Teil liegt dies an Sprachbarrieren, oft aber auch an der grundsätzlichen
Schwierigkeit das Behördendeutsch zu begreifen.
Bei einigen Menschen führte diese Überforderung zu einer Verdrängung und damit
auch leider immer wieder zu einer Verschleppung der notwendigen Reaktionen auf
die Mitwirkungspflichten.
Es kam wieder regelmäßig vor, dass Fristen überschritten wurden, Weiterbe-
willigungen nicht gestellt wurden, was jeweils erhebliche Konsequenzen hatte.
Mangelnde Mitwirkung führte zur Leistungsstreichung und damit auch automatisch
zu Mietschulden. Leider passierte es immer wieder, dass Nachbar*innen erst dann zu
uns kamen, wenn die Probleme schon in großem Ausmaß vorhanden waren. Daraus
wiederum folgte ein großer zeitlicher Aufwand um die Angelegenheiten wieder zu
klären, was in der Regel aber gelang.
Immer wieder ließen wir Entbindungen von der Schweigepflicht unterschreiben, um
mit den Behörden oder auch mit Vermieter*innen bei verschiedenen Problemen in
Abwesenheit der Klient*innen Kontakt aufnehmen zu können.
Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise aber eher die Ausnahme, da die
Betroffenen auch ihre eigenen Ressourcen zur Klärung nutzen sollen und wir nur
unterstützend begleiten.
Die Verhinderung von Wohnungsverlust, die Vermeidung von Sanktionen und
natürlich die grundsätzliche Sicherung des Lebensunterhaltes hatten immer
Priorität in der Beratungsarbeit.
Die Sozialberatung und die anderen Unterstützungsangebote wurden in 2022 mit
1401 dokumentierten Kontakten wie immer gut angenommen. Die Zahlen
entsprechen denen aus dem Jahr 2020, sind aber geringer als in 2021.
Die folgende Tabelle aus 2022 zeigt die prozentuale Verteilung der erbrachten
Leistungen. Die Themen beziehen sich nicht nur auf die klassische Sozialberatung,
sondern auch auf andere Hilfen, die wir für die Nachbarn und allgemein für die
Menschen, die zu uns kommen, geleistet haben.Seite 10 von 18
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Klärung von Rechtsansprüchen nach dem SGB II 20,8 %
Hilfe bei Schriftverkehr / Papieren 16,0 %
Krisenintervention/ Entlastendes Gespräch 16.5 %
Klärung von Rechtsansprüchen nach dem SGB XII/ Sozialhilfe 13,2 %
Nachbarschaftshilfe und Schlichtung Streitigkeiten 10,8 %
Beschäftigung / Freizeitangebot 7,0 %
Schuldenberatung / Entschuldung 3,4 %
Mietrechtliche Angelegenheit 3,3 %
Vermittlung von Spenden 2,5 %
Die restlichen 6,5 Prozent der Kontakte setzten sich aus verschiedenen Themen-
gebieten zusammen. Zum Beispiel der Arbeitssuche, der Vermittlung von Hilfen für
Kinder und Jugendliche, der Klärung von Ansprüchen gegenüber verschiedenen
Versicherungen und natürlich auch die Weitervermittlung in andere Angebote oder
Hilfen.
VI. Darstellung der Gemeinwesenarbeit
1. Das Stadtteilcafé
Das „Stadtteilcafé Am Nippenkreuz“ wurde im Jahr 2011 eröffnet und stellt für viele
Anwohner der Siedlung „Am Nippenkreuz“ einen wichtigen und zentralen Treffpunkt
dar. Das Gleiche gilt auch für Menschen aus dem näheren und weiteren Umfeld. Die
meisten Gäste sind Mieter der VEBOWAG. Das Café stellt damit den Mittelpunkt der
Gemeinwesenarbeit dar.
Das Café ist an jedem Werktag von 9-13 Uhr geöffnet. Die Beratung findet zusätzlich
Montags-, Dienstags- und Donnerstagsnachmittags statt.
Die Gäste des Cafés können vor Ort preiswert Kaffee oder auch andere Getränke
erhalten. Es besteht keine Verzehrpflicht. Man kann im Café auch einfach nur
verweilen.
Die regelmäßigen Besucher des Stadtteilcafés nutzen den Rahmen um Zeitung zu
lesen, sich zu unterhalten und allgemein mit anderen Menschen im Kontakt zu sein.
Auch ein offenes W-Lan und ein Computer für die Besucher wird sehr gut ange-
nommen. Außerdem können die Gäste auch ein separates Telefon kostenlos nutzen.
Die Stammgäste des Cafés kennen sich untereinander meist sehr gut und unter-
stützen sich gegenseitig in den verschiedensten Belangen der Nachbarschaftshilfe.
Die Kontakte, die im Café geknüpft werden, tragen zur Annäherung der Nachbarn bei
und es entwickeln sich immer wieder Freundschaften, die auch über die
Räumlichkeiten hinaus Bestand haben.Seite 11 von 18
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Das Café und die Büros der Sozialberatung befinden sich im gleichen Gebäude und
boten damit immer wieder schnelle Hilfen für verschiedenen Fragestellungen von
den Besucher*innen.
Im informellen Bereich des Cafés entwickelten sich immer wieder Gespräche, zum
Beispiel über Schwierigkeiten mit dem Jobcenter oder auch über Alltagsprobleme,
die dann unmittelbar vor Ort oder auch im Büro geklärt werden konnten. Im letzten
Jahr war auch bei uns der Ukraine Krieg, die gestiegenen Lebensmittelpreise und
auch die erhöhten Energiekosten, ein wichtiges Thema.
Viele der Stammgäste suchten immer wieder den Kontakt zum Team im Cafébereich
um entstandene Probleme in der Siedlung zu besprechen. Dabei handelte es sich
vielfach um Nachbarschaftsstreitigkeiten, meist bedingt durch Lärmbelästigungen.
Diese Probleme sind oft nicht vollständig zu lösen, weil es immer wieder Mieter gibt
die keine Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen. Ein Gespräch konnte aber auch
immer wieder zur Entlastung beitragen.
Leider gab es zur allgemeinen Beunruhigung im letzten Jahr insgesamt vier
Wohnungsbrände auf dem Gelände „Am Nippenkreuz“. Davon zwei Brandstiftungen
und zwei weitere Brände, die aus Unachtsamkeit im Umgang mit möglichen
Brandquellen verursacht wurden.
Neben den Schäden in den Brandwohnungen, kam es auch zu mehreren Folge-
schäden in darunter liegenden Wohnungen durch das Löschwasser. Für alle
betroffenen Personen bedeutete dies eine schwierige Zeiten, weil auch die
Beseitigung der Schäden lange Zeit dauerte. Es mussten Trockengeräte aufgestellt
werden und erst nach Austrocknung der Wohnungen konnten diese saniert werden.
Für einige Mieter war die gesamte Situation anstrengend und auch mit vielen
Ärgernissen verbunden. Einige mussten umziehen, da die Wohnungen nicht mehr
bewohnbar waren. Wir haben die betroffenen Personen natürlich soweit wir konnten
unterstützt und mittlerweile ist bezüglich dieses Themas wieder Ruhe eingekehrt.
Das Stadtteilcafé hatte viele Jahre verschiedene feste Angebote, die im letzten Jahr,
nach Beendigung der Einschränkungen durch die Corona Schutzverordnung, zum
Teil wieder aufgenommen werden konnten.
Seit dem Sommer 2022 findet wieder wöchentlich ein Frühstück im Café statt.
Jeden Mittwoch wurde von 9.30 bis 12.00 Uhr ein reichhaltiges Frühstücksangebot
gegen einen Unkostenbeitrag angeboten.
Anfangs kamen nur wenige Besucher*innen, im Laufe des Jahres aber wieder mehr
Gäste, die sich zum gemeinsamen Frühstück trafen.
Auch die Kaffeetafel haben wir wieder angeboten. Jeweils einmal im Monat haben
wir zu einer Runde mit Kaffee und Kuchen eingeladen, was vor allen Dingen
weibliche Interessentinnen angezogen hat.
Die regelmäßigen Angebote sind für die die Besucher feste Termine in ihren
Wochenplanungen und geben Struktur und Halt. Gemeinsames Essen fördert ein
Gemeinschaftsgefühl und trägt zu einer besseren Nachbarschaft bei.Seite 12 von 18
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2. Gemeinschaftsaktivitäten
Die gemeinschaftlichen Angebote mussten im letzten Jahr neu organisiert werden
und wir haben erst nach und nach wieder Möglichkeiten anbieten können.
Im Bereich Ausflüge und allgemeine Freizeitgestaltung hat im letzten Jahr leider
noch nichts stattgefunden.
Nach der langen Zeit der Veränderungen durch die Corona-Pandemie war es nicht
möglich, einfach alle ursprünglichen Strukturen wieder aufzunehmen, da sich bei uns
auch personell viel verändert hatte. Das hat den Neustart sehr erschwert.
So haben wir erst im Dezember 2022 wieder in alter Tradition weihnachtliche
Veranstaltungen angeboten.
Dies begann Ende November mit der Teilnahme unserer Einrichtung am Mehlemer
Weihnachtsmarkt. Dort waren wir, wie in den Jahren vor Corona, mit einem
Waffelstand am Mehlemer Marktplatz für einen Tag vertreten.
Vereine, Schulen und auch der Ortsausschuss waren als Teilnehmer auf dem
Weihnachtsmarkt vertreten und alte Kontakte konnten vor Ort im persönlichen
Austausch wieder reaktiviert werden.
Die Teilnahme diente aber auch der Präsentation unserer Einrichtung und dem
Kontakt mit den Mehlemer Bürger*innen.
Auch der beliebte Adventskaffee fand im Dezember 2022 wieder statt.
In weihnachtlicher Stimmung nahmen viele Nachbarn und Anwohner das kostenlose
Angebot wahr und erfreuten sich am gemütlichen Beisammensein.
Es wurde erneut deutlich wie sehr den Menschen der Kontakt in der langen Corona
Zeit gefehlt hat, was sich in besonderer Dankbarkeit ausdrückte.
Einen Tag vor Heiligabend wurde ein Adventsnachmittag mit einem Weihnachts-
essen angeboten.
Jahrelang hatte eine Kollegin federführend an Heiligabend ein Essen angeboten,
dieses Jahr aber bereits am 23.12.2022.
Das Angebot wurde von über 30 Personen gerne angenommen und schon am
Nachmittag trafen die ersten Gäste zu Kaffee und Gebäck ein.
Später wurde gemeinsam gegessen und dank einer großzügigen Spende der
VEBOWAG gab es auch Weihnachtsgeschenke.
Vor allem für die vielen Alleinstehenden hatte dieses Weihnachtsessen eine große
Bedeutung und wurde mit großer Freude angenommen.
3. Verbesserung der Wohnsituation
Zur Verbesserung der Wohnsituation gehört im Wesentlichen die Unterstützung bei
der Vermittlung von Kontakten zum Vermieter, zu Handwerker*innen oder zum
Hausmeister der VEBOWAG.
Der Wunsch und auch die Notwendigkeit nach Unterstützung bei Wohnungsange-
legenheiten war wieder deutlich höher als die Möglichkeiten, die wir anbieten
konnten.Seite 13 von 18
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Wenn wir nicht helfen konnten, ist es manchmal gelungen Kontakte zu Nachbarn zu
vermitteln, die sich dann untereinander helfen konnten. Das war aber eher die
Ausnahme, da viele Menschen in der Siedlung kaum in der Lage sind ihre eigenen
Dinge zu bewerkstelligen, geschweige denn anderen zu helfen.
Dazu sind die gesundheitlichen Einschränkungen bei vielen Anwohne*innen zu
gravierend.
Ein regelmäßiger Kontakt mit den Wohnungsverwaltern der VEBOWAG fand sowohl
in der Einzelfallhilfe, als auch bei allgemeinen Themen statt. Oft ging es dabei um
Lärmbelästigungen und Konflikten in den Häusern. Wir informierten auch immer
wieder über Müllansammlungen vor Häusern oder in den Hausfluren.
4. Kontakte zur Mehlemer Bevölkerung und Gruppen
Da letzte Jahr war anfänglich noch geprägt von verschiedenen Einschränkungen
durch die Corona Verordnung. Die meisten Kooperationen lagen lange brach und
mussten reaktiviert werden. Ab Frühjahr 2022 kehrte in den meisten Kontaktbereichen
wieder eine relative Normalität ein. Eine gute Kontaktpflege zu den lokalen
Institutionen und zur Mehlemer Bevölkerung ist ein wichtiger Bestandteil der
Gemeinwesenarbeit.
Auch wenn es natürlich zu einer langen Unterbrechung gekommen war, zeigte sich,
dass durch die vorherigen jahrelangen Veranstaltungen im Ort und auch im
Stadtteilcafé stabile Kontakte zu verschiedenen Gruppierungen entstanden waren.
Dies konnten nun nach und nach wieder aufgenommen werden.
Die Zusammenarbeit mit dem Ortsausschuss, mit den Kolleg*innen aus den nahe-
liegenden Quartiersmanagement Einrichtungen, und auch die Teilnahme an lokalen
Gremien, wurden wieder etabliert. Auch die Kontaktpflege zu Einzelpersonen der
örtlichen politischen Parteien und zu Mehlemern Bürgern konnte wieder regulär
stattfinden.
VII. Kooperationen
Die Arbeit unserer Einrichtung umfasst ein breites Themenspektrum, so dass wir an
vielen Stellen mit den unterschiedlichsten Personen und Institutionen zusammen-
arbeiten.
Eine enge Kooperation existiert mit der „Vereinigten Bonner Wohnungsbau AG“, der
VEBOWAG.
Als Vermieter der Wohnungen am Nippenkreuz und auch von vielen weiteren
Wohnungen in Mehlem stehen wir mit den zuständigen Mitarbeite*innen aus dem
Bad Godesberger Büro sehr regelmäßig im Kontakt.
Dazu gehören die Wohnungsverwalter und die zuständige Sozialarbeiterin.
Häufig wegen Mietschulden, aber auch wegen verschiedener anderer Probleme rund
um und in den Häusern. Gemeinsam versuchen wir Lösungen zu finden, um die
Situation vor Ort für alle zu verbessern.Seite 14 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
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Voraussetzung ist natürlich auch immer die Mitwirkung der Anwohner, woran es
manchmal leider mangelt.
Auch im letzten Jahr gab es wieder einige Fälle von Mietschulden die wir mit oder
auch für die VEBOWAG klären konnten. Diese Schulden entstehen aus unter-
schiedlichen Gründen.
Oft wird von den Mietern versäumt ihre Mietanpassungen an die zuständigen
Behörden weiterzuleiten. So wird dann über lange Zeiträume eine zu geringe
Mietzahlung geleistet. Wenn die Mieter dann immer mehr Mahnungen erhielten,
meldeten sie sich bei uns in der Sozialberatung um sich Hilfe zu holen.
Es kam auch leider wieder vor, dass Menschen aus den Leistungen gefallen waren
und für ein oder auch mehrere Monate die gesamte Miete nicht gezahlt hatten.
Trotz des niederschwelligen Beratungsangebots gab es einzelne Personen, die keine
Hilfe in Anspruch nahmen, oder sich so spät meldeten, dass bereits eine fristlose
Kündigung oder sogar eine Räumungsklage erfolgt war.
Mit einzelnen Schweigepflichtsentbindungen zwischen der zuständigen Sozial-
arbeiterin der VEBOWAG und unserem Team, konnten verschiedene Versäumnisse
von Mietern auch gemeinsam geklärt werden.
Im Jahr 2022 ist es aber am Ende „Am Nippenkreuz“ zu keiner Räumung ge-
kommen, was sicherlich auch mit unserem Angebot zu tun hat.
Wir standen auch wieder in beständigem Austausch mit der Bad Godesberger
Polizei, was beiden Seiten zu Gute kommt.
Der langjährige Ansprechpartner ist im Herbst 2022 in Rente gegangen. Mit dem
neuen Ansprechpartner haben wir zeitnah ein Treffen vereinbart, sodass es auch mit
dem Nachfolger zu einem regelmäßigen Kontakt kam. Für uns war es zum Beispiel
hilfreich, wenn wir Personen aus dem Wohnumfeld vermissten.
Dann konnten wir unbürokratisch nach Hilfe fragen und es wurde zum Beispiel
festgestellt, dass die Person zurzeit im Krankenhaus ist.
Leider mussten wir auch in der Siedlung am Nippenkreuz wieder einige Male die
Polizei rufen, weil der Verdacht bestand, dass jemand alleine in seiner Wohnung
verstorben sein könnte. In drei Fällen hat sich dies leider bewahrheitet. Hinzu kamen
drei weitere Todesfälle von Personen, mit denen wir in regelmäßigem Kontakt
standen.
Von den Verstorbenen war nur eine Person über 60 Jahre alt.
Wenn Menschen in einer stationären Behandlung waren, kam es vielfach zum
Austausch mit den Sozialdiensten verschiedener Krankenhäuser und mit Pflege- und
Betreuungsdiensten. Es waren vorrangig alleinstehende Anwohner, die uns als
Kontaktpersonen bei einem Krankenhausaufenthalt angaben, da sie weder
Verwandte noch Freunde benennen konnten.
Bei Menschen mit einer Suchtproblematik oder auch psychiatrischen Diagnosen
waren wir immer wieder im Kontakt mit Fachkliniken, behandelnden Ärzten und auch
mit dem Bonner Gesundheitsamt.
Selbstverständlich bestand auch weiter eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den
Kolleg*innen aus dem Verein für Gefährdetenhilfe.Seite 15 von 18
Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz
des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH
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Wir standen auch im Kontakt zu einigen gesetzlichen Betreuern, da es einige
Menschen in Nachbarschaft gibt, die unter rechtlicher Betreuung stehen. Hier sind
wir oft Ansprechpartner, wenn z.B. jemand nicht erreicht wird oder wir informieren,
wenn Besonderheiten in der Lebenssituation des Einzelnen von uns wahrgenommen
wurden.
Auch mit den Bewährungshelfern gab es immer wieder Kontakt und Austausch.
Die engste Kooperation innerhalb der Einrichtung stellt die Zusammenarbeit mit den
Kolleg*innen aus dem „Ambulant Betreuten Wohnen für suchtmittelabhängige
Menschen“ (BeWo nach § 78/90/99 und 113 SGB IX) dar.
Wir bilden ein gemeinsames Team mit insgesamt 4 Fachkräften und zwei Nicht-
Fachkräften.
Bis auf eine Kollegin haben alle eine Teilzeitstelle zwischen 10 und 28 Stunden.
Diese Konstellation stellt für alle Teammitglieder, aber vor allen Dingen auch für die
Besucher*innen und Klient*innen, einen großen Vorteil dar.
Die Bildung eines größeren Teams ermöglicht es die Öffnungszeiten des Cafés und
auch die vielen Beratungsanfragen kontinuierlich anzubieten, da wir uns in Einzel-
fällen auch untereinander vertreten.
In gemeinsamen Teamsitzungen werden organisatorische Dinge besprochen und
Fallbesprechungen durchgeführt. Auch die Supervision absolvieren wir als
Gesamtteam.
Wir planen Freizeitaktivitäten und Festivitäten zusammen und führen sie auch
gemeinsam durch.
Darüber hinaus reflektieren wir immer wieder als Gesamtteam die Entwicklungen auf
dem Gelände und versuchen Strategien zu entwickeln, um mit den Besonderheiten
des Umfeldes konstruktiv umzugehen.
Der regelmäßige Austausch dient der Reflektion des eigenen Handelns und damit
dem professionellen Arbeiten und der Qualitätssicherung.
Die Kolleg*innen des „Ambulant Betreuten Wohnens“ betreuten im letzten Jahr im
Durchschnitt 20 Personen gleichzeitig.
Davon lebten die meisten Klient*innen in Wohnungen in der näheren Umgebung des
Stadtteilcafés, hauptsächlich „Am Nippenkreuz“. Vereinzelt gab es auch Betreuungen
außerhalb Mehlems.
Wenn Menschen neu in die Siedlung oder in unsere Nähe ziehen und ambulant
betreut werden, bietet das Stadtteilcafé einen guten Zugang zu Kontakten und
Informationen. Damit können sich diese Personen oft besser ins Wohnumfeld
integrieren.
Beim Cafébesuch können die neuen Mieter ihre Nachbarn kennenlernen und auch
verschiedene Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen.
Auch wenn das Ambulant Betreute Wohnen irgendwann endet, bleibt bei fast allen
ehemaliger Klient*innen der Kontakt zur Einrichtung erhalten.
Behördliche Angelegenheiten können dann in der Sozialberatung geklärt werden. Die
Hemmschwelle Unterstützung zu erfragen ist automatisch niedrig ist, weil die
benannten Personen alle Teammitglieder bereits kennen.Seite 16 von 18
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Ein weiterer regelmäßiger Kontakt bestand mit dem Tierarztmobil des Europäischen
Tier- und Naturschutz e.V. (etn Einsatz für Tiere in Not).
Das Tierarztmobil hat einen festen Platz an jedem Donnerstag bei uns gefunden.
Der Verein bietet eigentlich ausschließlich für bedürftige Senior*innen eine fast
kostenlose Möglichkeit für die Behandlung ihrer Haustiere an.
Als Ausnahmen profitierten aber auch viele jüngere Tierhalter aus der Nachbarschaft
von dem Angebot. Vorrangig Hunde und Katzen wurden dort behandelt und auch
operiert.
Die Mitarbeiterinnen vom Tierarztmobil bringen auch fast jedes Mal Spenden mit
(Tierfutter, Zubehör und anderes), was der Nachbarschaft unmittelbar zugutekommt.
VIII. Zusammenfassung und Ausblick
Das Stadtteilcafé mit seiner Sozialberatungsstelle ist seit Jahren für viele Menschen
zu einem festen Bestandteil des Wohnviertels geworden. Auch neue Mieter nehmen
unsere Angebote immer wieder gerne an.
Die zahlreichen alleinlebenden Menschen haben vor Ort einen Raum, in dem sie sich
einfach aufhalten können, auch ohne zwingend Geld auszugeben. Dies bietet eine
Möglichkeit zur sozialen Teilhabe und beugt einer größeren Vereinsamung vor.
Es gibt Stammgäste für die der tägliche Cafébesuch ihre Tagesstruktur darstellt. Die
anderen Gäste und wir als Team, sind für viele die einzigen sozialen Kontakte.
Im letzten Jahr standen wir noch einige Zeit unter dem Einfluss der Veränderungen
und auch der Einschränkungen durch die Corona Pandemie.
Nur sehr langsam haben wir es geschafft wieder in die alten Routinen zurück zu
kehren. Viele Menschen, die regelmäßig ins Café kamen, sind zunächst nicht wieder-
gekommen. Es brauchte insgesamt eine angemessene Zeit um unser Angebot
wieder publik zu machen und wieder mehr Menschen als unsere Gäste begrüßen zu
können.
Dies galt allerdings nicht für die Sozialberatung. Die Möglichkeit bei uns in die
Beratung zu kommen, hatte auch während der Einschränkungen durch die Corona
Pandemie, durchgehend bestanden. Hier gab es weiter sehr viele Anfragen sowohl
aus der direkten Nachbarschaft, als auch aus der gesamten Region von Bad
Godesberg.
Für die Anwohner*innen versuchten wir in der Regel unbürokratisch und zeitnah zu
helfen. Der andere Personenkreis musste sinnvollerweise vorher einen Termin bei
uns vereinbaren, damit auch in Ruhe ihre Angelegenheiten geklärt werden konnten.
Grundsätzlich war das vergangene Jahr personell sehr schwierig.
Eine langjährige Kollegin hat den Verein Mitte des Jahres wegen Umzugs verlassen
und ein Kollege, der im Wesentlichen das Stadtteilcafé geleitet hat, war durchgehend
krank.
Gerade die Stelle der Nichtfachkraft war schwer zu besetzen. Erst im September
2022 konnte eine Bewerberin eingestellt werden. In den Monaten davor mussten die
Fachkräfte immer wieder den Cafédienst übernehmen. Dadurch kamen andere
Tätigkeiten automatisch zu kurz.Seite 17 von 18
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Für viele Menschen, die als Gäste oder Ratsuchende zu uns kommen, ist ein
Personalwechsel nicht einfach. Viele Klient*innen kennen die Mitarbeiter*innen
schon über zehn Jahre und gerade für Menschen, die kaum soziale Kontakte haben,
sind kontinuierliche Ansprechpartner*innen ein wichtiger Punkt für ihre Stabilität.
Wie auch in den Jahren davor lag der Fokus der Arbeit in der Einzelfallhilfe.
Natürlich hatte auch Corona dazu geführt, dass gemeinsame Veranstaltungen nur
eingeschränkt möglich waren, aber der Bedarf der Menschen aus der Nachbarschaft
ist als Schwerpunkt eindeutig und wiederholt in den individuellen Hilfen zu verorten.
Unser Konzept setzt sich aus den Bereichen Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung
zu gleichen Teilen zusammen. In den Jahren seit Bestehen der Einrichtung hat sich
aber die Verteilung immer weiter verschoben. Die Aspekte der Gemeinwesenarbeit
sind deutlich schwerer zu realisieren als in den Anfängen der Einrichtung. Dagegen
sind es immer mehr Einzelfallhilfen geworden die unsere Arbeitskraft fordern.
Dies liegt sicherlich an der veränderten Bewohnerstruktur im Laufe der Zeit.
Waren zur Eröffnung noch viele alteingesessene Nachbar*innen in den Siedlungen,
sind diese nach und nach weggezogen, oder auch verstorben.
Die neuen Mieter sind hauptsächlich Männer, die oftmals mit schwerwiegenden
gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Diese Nachbarn sind zum großen
Teil nicht in der Lage und auch nicht interessiert, an Gruppenveranstaltungen
teilzunehmen. Entsprechend problematisch ist auch der nachbarschaftliche
Zusammenhalt geworden.
Viele Bewohner*innen kümmern sich nur noch um ihre persönlichen Belange und
interessieren sich nicht für ihr Wohnumfeld und die gemeinsamen Interessen in der
Nachbarschaft. Umso mehr ist es unsere Aufgabe, diese Veränderungen wachsam
zu beobachten und z.B. durch persönliche Ansprache zu versuchen, negativen
Entwicklungen entgegenzuwirken.
Insgesamt kommt unsere gesamte Arbeit nicht nur den Anwohnern und Rat.-
suchenden zugute, sondern entlastet auch an vielen Stellen diverse Behörden und
verschiedene Einrichtungen und Personen, die beruflich mit den Betroffenen zu tun
haben.
Auch in Zukunft ist es sinnvoll und notwendig, die bewährten Angebote der Ein-
richtung zu festigen und neue Angebote zu etablieren, um die schwierigen Wohn-
und Lebensverhältnisse weiter zu stabilisieren.
Unsere Arbeit hilft den Bewohner*innen und Klient*innen bei der Bewältigung vieler
verschiedener Probleme und unterstützt eine soziale Teilhabe, was aus meiner Sicht
für diesen Personenkreis unerlässlich ist.
Bonn im April 2023
Susanne BrüggenSeite 18 von 18

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Datenstand: 02.11.2026, 17:53 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de