240371 · Beschlussvorlage
Finanzierung der Gemeinwesenarbeit in Trägerschaft des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG) im Quartier „Am Nippenkreuz" in den Jahren 2023 und 2024
Kerndaten
- Nummer
- 240371
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 29.02.2024
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit Entscheidung federführend
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Beschlussvorlage öffentlich 240371 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 50 Amt für Soziales und Wohnen Dezernat: Dez. V Finanzierung der Gemeinwesenarbeit in Trägerschaft des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG) im Quartier „Am Nippenkreuz" in den Jahren 2023 und 2024 Beratungsfolge Ausschuss für Soziales, Migration und Gesundheit 21.03.2024 Entscheidung Beschlussvorschlag Im Jahr 2023 wird die Gemeinwesenarbeit des Vereins für Gefährdetenhilfe gB- GmbH (VFG) im Quartier „Am Nippenkreuz“ in einem Umfang von bis zu 200.000 EUR und im Jahr 2024 in einem Umfang von bis zu 216.000 EUR fi- nanziert. Mit dieser Finanzierung werden die angemessenen Personal- und Sachkosten für 2,5 VZÄ (davon 1,5 VZÄ für Sozialarbeit incl. Leitung sowie 1 VZÄ für Hausmeistertätigkeiten) abgedeckt. Begründung „Die regelmäßigen Angebote sind für die Besucher feste Termine in ihren Wochenplanungen und geben Struktur und Halt“. (eine Sozialarbeiterin des VfG) Bereits seit dem Jahr 2010 ist der VfG im Quartier „Am Nippenkreuz“ im Stadt- eilcafé sozialarbeiterisch tätig. Er bietet für die Menschen im Quartier und im unmittelbaren Wohnumfeld eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit multi- plen Problemlagen. Das Stadtteilcafé mit seinem angeschlossenen Angebot der Sozialberatung ist mittlerweile zu einer festen Institution im Quartier geworden. Es bietet eine wichtige Anlaufstelle und „Aufenthaltsraum“ für die oftmals alleine lebenden Menschen, in dem sie sich aufhalten können, ohne finanzielle Mittel zu benöti- gen. Die soziale Teilhabe dieser Menschen wird somit ermöglicht. Gleichzeitig besteht durch die dazu gehörige Sozialberatung die Chance, Problemsituatio-Seite 1 von 18 Seite 2 nen frühzeitig aufzugreifen und entsprechende Lösungsansätze mit den Ratsu- chenden aus dem Quartier zu erarbeiten. Auswirkungen im Rahmen der Corona-Pandemie Im Jahr 2022 stand die Gemeinwesenarbeit des VfG „Am Nippenkreuz“ weiter- hin unter dem Einfluss der Veränderungen und auch der Einschränkungen durch die Pandemie. Manche Stammgäste fanden nur sehr langsam wieder ins Stadtteilcafé zurück. Das in die Einrichtung integrierte Angebot der Sozialbera- tung, das primär die Wiederherstellung der materiellen Existenz und Hand- lungsfähigkeit der ratsuchenden Person zum Ziel hat, wurde hingegen aus der direkten Nachbarschaft, aber auch der Umgebung stark nachgefragt. Aus den vorgenannten Gründen ist eine Fortführung der Finanzierung dieses Angebotes mit städtischen Mitteln aus Sicht des Amtes für Soziales und Woh- nen zu befürworten. Eine ausführliche Darstellung der Arbeit und der Situation im Quartier kann dem Jahresbericht 2022 entnommen werden, der als Anlage beigefügt ist. Die Förderung hat sich wie folgt entwickelt: 2021: 186.700 Euro, 2022: 202.000 Euro 2023: 200.000 Euro; 2024: 216.000 Euro Der Träger ist aufgrund seiner Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen geeignet, die geförderten Leistungen zu erbringen. Der Träger hat sich seit vie- len Jahren in dieser Aufgabenstellung bewährt. Die mit der Förderung verbun- denen formellen Auflagen (insbesondere die Vorlage eines Antrages sowie eines Verwendungsnachweises) wurden vom Träger bislang stets ordnungs- gemäß erfüllt. Finanzielle Auswirkungen: Haushalt 2023 Produktgruppe Produktgruppenbe- zeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.05.06 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Verein e,sonst.Träg. 15000050601 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Tr äg. Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereitzu- stellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver FinanzsaldoSeite 2 von 18 Seite 3 Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereitzu- stellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 200.000,00 EUR 150000506 / 73.1000 2023 0,00 EUR Einzahlungen / Erträge 0,00 EUR Haushaltsbelastung jährlich 200.000,00 EUR Haushaltsjahr 2024 Produktgruppe Produktgruppenbezeichnung Produkt Produktbezeichnung 1.05.06 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Träg. 15000050601 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,sonst.Träg. Investive Kosten der Maßnahme Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereitzu- stellen Deckung Auszahlungen Einzahlungen Investiver Finanzsaldo Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten Brutto Finanzstelle / FiPos Veranschlagt in Noch bereitzu- stellen Deckung Auszahlungen / Aufwendungen 216.000,00 EUR 150000506 / 73.1000 2024 0,00 EUR Einzahlungen / Erträge 0,00 EUR Haushaltsbelastung jährlich 216.000,00 EUR Anlage/n 1 Jahresbericht 2022-Stadtteilcafé am Nippenkreuz-Sozialberatung und GWA (öffentlich)Seite 3 von 18 VFG gemeinnützige Betriebs-GmbH Jahresbericht 2022 Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz www.vfg-bonn.de Bonn im April 2023Seite 4 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH INHALTSVERZEICHNIS I. Träger .............................................................................................................. 3 II. Zielgruppe der Gemeinwesenarbeit und der Sozialberatung .......................... 3 III. Ziele und Arbeitsinhalt ..................................................................................... 4 IV. Rahmenbedingungen....................................................................................... 4 V. Leistungserfassung Sozialberatung und Gemeinwesenarbeit…………..………5 VI. Darstellung der Gemeinwesenarbeit ................................................................ 8 1. Das Stadtteilcafé 2. Gemeinschaftsaktivitäten 3. Verbesserung der Wohnsituation 4. Kontakte zur Mehlemer Bevölkerung und Gruppen VII. Kooperationen ............................................................................................... 11 VIII. Zusammenfassung und Ausblick ................................................................... 14Seite 5 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 3 Der Träger Der Verein für Gefährdetenhilfe gB-GmbH (VFG), Mitglied im Paritätischen, ist Träger des Angebots „Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung Am Nippenkreuz“ in Bonn Mehlem. Der VFG unterhält verschiedene Einrichtungen der Wohnungslosen-, Arbeitslosen- und Suchtkrankenhilfe in Bonn und definiert sich nach seinem Leitbild als „Interessenvertreter für Menschen die hilfebedürftig sind, am Rande der Gesellschaft stehen und aus dem sozialen Netz heraus zu fallen drohen“. Die einzelnen Einrichtungen sind eng miteinander vernetzt, so dass ein Einstieg in das vielfältige Hilfesystem an jeder Stelle möglich ist. Die einzelnen Hilfeangebote können je nach vorhandenem Bedarf genutzt und miteinander kombiniert werden. II. Zielgruppe der Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung Der Arbeitsauftrag der „Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung Am Nippenkreuz“ richtet sich vorrangig an die Bewohner der Wohnanlage „Am Nippenkreuz“ sowie an die Mieter, die in den umliegenden Sozialwohnungen in Bonn-Mehlem leben. Dazu gehören auch Wohnungen auf der Mainzer Straße und am Severinsweg. Insgesamt fallen 233 Wohnparteien in den direkten Zuständigkeitsbereich der Einrichtung. Vermieter der sozial geförderten Wohnungen ist die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG (VEBOWAG). Bei den Häusern „Am Nippenkreuz“ und „Mainzer Straße 54-58“ mit insgesamt 101 Wohneinheiten, bewegt sich der Gesamtanteil von Menschen mit Transferleistungen wie auch in den vorausgehenden Jahren bei über 90 Prozent. Vorrangig leben in der Siedlung Personen die Arbeitslosengeld II beziehen. Ebenso leben in den Wohnungen viele Menschen mit Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII. Dazu gehören sowohl Altersrentner als auch Menschen mit einer Erwerbsminderung Insgesamt besteht bei den meisten Mieter*innen ein hoher Bedarf an sozialarbeiter- ischer Unterstützung zur Sicherung des Lebensunterhalts und zur Verbesserung der Lebensqualität. Die geringen finanziellen Mittel bedingen einen großen Teil des hohen Beratungs- und Unterstützungsbedarfs. Hinzu kommen auch besondere gesundheitliche Themen, wie Suchtmittelabhängigkeiten und psychische Erkrankungen, oft als Doppeldiagnosen. Außer von den Nachbarn werden die Angebote des Stadtteilcafés auch von Menschen aus dem näheren oder weiteren Umfeld der Einrichtung genutzt. Die Besucher*innen kommen aus unterschiedlichen Gründen. Es gibt Stammgäste, die zum Teil täglich auf einen Kaffee vorbeikommen. Einige halten sich dann auch länger bei uns auf und nutzen die Kontaktmöglichkeiten zum Team oder auch zu anderem Besucher*innen. Wieder andere kommen ausschließlich in die Sozialberatung und würden nie aus einem anderen Grund ihre Zeit im Café verbringen. Dabei handelt es sich vorrangig um Menschen mit Migrationshintergrund.Seite 6 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 4 Im Hinblick auf die bessere Integration der Zielgruppe in den Stadtteil stehen ebenfalls Mehlemer Bürger und Vereine im Blickfeld der Arbeit. Auch der regelmäßige Kontakt und Austausch mit den Ortvereinen der Bonner Parteien gehört zur Vernetzungsarbeit. III. Ziele und Arbeitsinhalte Die Ziele, die aus dem Konzept der Einrichtung hervorgehen, orientieren sich an den beiden Arbeitsschwerpunkten der Gemeinwesenarbeit und der Sozialberatung. Die Sozialberatung als Einzelfallhilfe ist Anlauf- und Clearingstelle für alle sozialen Probleme, die die Menschen vor Ort mitbringen. Die Unterstützung bei der Sicherung des Lebensunterhalts ist einer der Hauptthemen in der Sozialberatung. Dabei wird der jeweilige Hilfebedarf erfasst, und versucht unmittelbare Hilfe zu leisten oder auch an zuständige Fachdienste weiter zu vermitteln. Darüber hinaus gibt es viele weitere Themen mit denen Menschen in die Sozialberatung kommen. Dazu gehören unter anderem die Einleitung von Maßnahmen zur Schuldenregulierung, Hilfen zum Erhalt und zur Verbesserung vorhandenen Wohnraums und auch die Sicherstellung einer angemessenen gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung. Wir unterstützen beim Aufbau beruflicher Perspektiven, helfen bei Bewerbungen und insgesamt bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Hinzu kommen häufig Angelegenheiten zu verschiedenen Verträgen, zum Beispiel Handyverträge und Haftpflicht- und Hausratversicherungen. Geleistete Hilfen bei der Überwindung von Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen sind auch ein relevanter Teil der Arbeit. Den zweiten Arbeitsschwerpunkt stellt die Gemeinwesenarbeit dar. Als eine Methode der Sozialen Arbeit zielt sie auf die Verbesserung der Lebensqualität und des Miteinanders in den Wohnsiedlungen ab. Wesentlicher Bestandteil ist das Stadtteilcafé als Ort der Begegnung und Kommun- ikation für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Bei Projekten und Veranstaltungen, durch Freizeitgestaltung und Feste sollen die Anwohner zur Selbsthilfe und Übernahme von Verantwortung in der Siedlung motiviert werden. Darüber hinaus soll eine bessere Integration der Bewohner*innen der Sozial- siedlungen in den Stadtteil erreicht werden. IV. Rahmenbedingungen Das Stadtteilcafé „Am Nippenkreuz“ liegt am Eingang der Wohnsiedlung „Am Nippenkreuz“ auf der Hauptstraße in Mehlem, zwischen dem Ortskern und dem Bahnhof. Die Siedlung der VEBOWAG mit 101 Wohneinheiten ist umgeben von Bürogebäuden und der Bundesstraße. Die Wohnsiedlung Severinsweg mit 114 Wohneinheiten und weiteren öffentlich geförderte Wohnanlagen befinden sich in ca. 500 m Entfernung Richtung Ortszentrum. An das Stadtteilcafé sind die Büroräume zur Sozialberatung angegliedert, die sowohl vom Café aus, als auch durch einen separaten Hauseingang zugänglich sind.Seite 7 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 5 Diese werden mit den Mitarbeitern des „Ambulant Betreuten Wohnen für sucht- mittelabhängige Menschen“ geteilt. Das Stadtteilcafé und auch die Sozialberatung sind an fünf Tagen in der Woche geöffnet, täglich von 9-13 Uhr. Montags dienstags und donnerstags findet auch am Nachmittag Beratung statt, alternativ aber auch Hausbesuche oder Begleitungen. Für die Sozialberatung und die Gemeinwesenarbeit inklusive der Arbeit im Café stehen 1,5 Stellen Sozialarbeit zur Verfügung. Eine weitere halbe Stelle ist mit einer Nicht-Fachkraft besetzt, die hauptsächlich für die Tätigkeiten im Café zuständig ist. V. Leistungserfassung Sozialberatung und Gemeinwesenarbeit Die Sozialberatung und die Angebote in der Gemeinwesenarbeit wurden im letzten Jahr von insgesamt 217 Personen in Anspruch genommen. Von den erfassten Personen waren 80 Personen weiblich und 137 Personen männlich. Mit 73% wohnte der größte Teil der Klienten in Bonn-Mehlem. Von den erfassten Personen aus Mehlem lebten 43% in den Wohnsiedlungen „Am Nippenkreuz“, der „Mainzer Straße“ und dem „Severinsweg“. Auch aus den angrenzenden Bad Godesberger Stadtteilen gab es immer wieder Anfragen oder auch Besucher des Cafés. So kamen im letzten Jahr 13% der Ratsuchenden aus Lannesdorf, Pennenfeld und Rüngsdorf. Aus den anderen Stadtteilen von Bad Godesberg nahmen insgesamt 11% die Sozialberatung in Anspruch. Die verbleibenden 3% verteilten sich auf verschiedene Bonner Stadtteile. Auf die 217 erfassten Personen verteilten sich die Einkünfte wie folgt: Art der Leistung Prozentualer Anteil Arbeitslosengeld II (SGB II) 51 % Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGB XII) 20 % Altersrente 6 % Eigenes Einkommen 5 % Rente und ergänzende Grundsicherung 11 % Eigenes Einkommen und ergänzendes ALG II 5 % Arbeitslosengeld I (SGB III) 2 %Seite 8 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 6 Die Auswertung der Daten zur Haushaltsstruktur ergab keine relevanten Veränderungen zum Vorjahr. Die Singlehaushalte stellten mit 52 % wieder den höchsten Anteil dar. Die zweitgrößte Gruppe in der Auswertung waren Zwei-Personen-Haushalte mit einem Anteil von 17%. Familien mit einem bis zu drei Kindern waren mit 18 % erfasst. Familien mit vier Kindern und mehr wurden mit 8% dokumentiert. Bei den meisten kinderreichen Familien handelte es sich um Familien mit Migrations- hintergrund. Alleinerziehende Mütter oder Väter, mit einem bis zu drei Kindern, waren mit fünf Prozent vertreten Die Sozialberatung und die Angebote der Gemeinwesenarbeit wurden wieder von Menschen aus vielen verschiedenen Nationen genutzt. Der Anteil der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit lag bei 57 Prozent. Die verbleibenden 43 % verteilten sich auf viele verschiedene Nationen. Menschen mit syrischer Herkunft machten 9 % aus, Menschen aus Marokko wurden mit 8 % registriert. Die weiteren Beratungen fanden mit Ratsuchenden unter anderem aus Tunesien und der der Türkei mit jeweils 4% statt. Danach ergeben sich geringe Prozentzahlen aus Eritrea, Afghanistan, Pakistan, Sri Lanka und auch aus einigen Osteuropäischen Staaten. Anfragen von Menschen aus anderen europäischen Staaten waren eher selten. Gemäß unserem Konzept kamen in 2022 in die Sozialberatung fast ausschließlich Personen, die Transferleistungen erhielten. Das Arbeitslosengeld II nahm hier wieder den größten prozentualen Anteil ein. Die Beratung zu Ansprüchen nach dem SGB XII kam am zweithäufigstem vor. Von den 217 erfassten Personen erhielten 56% Leistungen vom Jobcenter. Hauptsächlich als vollständige Leistung und zu einem geringen Teil als ergänzende Leistung zu einem Einkommen aus Erwerbstätigkeit. Die Beratungen waren in ihrem Aufwand sehr unterschiedlich. In der Regel sind Beratungen von alleinlebenden Personen in ihrer Klärung am einfachsten. Wenn es aber zum Beispiel zur Prüfung von Bescheiden einer größeren Familie kommt, handelt es sich oft um eine komplexe Angelegenheit. Daraus ergaben sich wiederholte und intensive Termine. Es herrschte Unterstützungsbedarf zu verschiedenen Angelegenheiten. Dazu gehörten zum Beispiel Weiterbewilligungsanträge, die Einreichung geforderter Unterlagen oder die Überprüfung der Leistungsbescheide. Hinzu kamen aufwändige Neuanträge, oft auch Widersprüche und Überprüfungsanträge.Seite 9 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 7 Die Beratungen nach dem SGB XII erfolgten am zweithäufigsten. Hier sind zwei Gruppen zu unterscheiden. Bei einem Teil handelt es sich um Altersrentner deren Rente nicht zur Sicherstellung des Lebensunterhalts ausreicht, und diese damit einen ergänzenden Sozialhilfeanspruch haben. Die andere Gruppe besteht aus Menschen die vor der Erreichung der Altersrente nicht mehr in der Lage sind mehr als drei Stunden täglich zu arbeiten und damit als erwerbsgemindert gelten. Die meisten Personen die in die Sozialberatung kommen, sind mit der Bewältigung ihrer Angelegenheiten völlig überfordert. Zum Teil liegt dies an Sprachbarrieren, oft aber auch an der grundsätzlichen Schwierigkeit das Behördendeutsch zu begreifen. Bei einigen Menschen führte diese Überforderung zu einer Verdrängung und damit auch leider immer wieder zu einer Verschleppung der notwendigen Reaktionen auf die Mitwirkungspflichten. Es kam wieder regelmäßig vor, dass Fristen überschritten wurden, Weiterbe- willigungen nicht gestellt wurden, was jeweils erhebliche Konsequenzen hatte. Mangelnde Mitwirkung führte zur Leistungsstreichung und damit auch automatisch zu Mietschulden. Leider passierte es immer wieder, dass Nachbar*innen erst dann zu uns kamen, wenn die Probleme schon in großem Ausmaß vorhanden waren. Daraus wiederum folgte ein großer zeitlicher Aufwand um die Angelegenheiten wieder zu klären, was in der Regel aber gelang. Immer wieder ließen wir Entbindungen von der Schweigepflicht unterschreiben, um mit den Behörden oder auch mit Vermieter*innen bei verschiedenen Problemen in Abwesenheit der Klient*innen Kontakt aufnehmen zu können. Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise aber eher die Ausnahme, da die Betroffenen auch ihre eigenen Ressourcen zur Klärung nutzen sollen und wir nur unterstützend begleiten. Die Verhinderung von Wohnungsverlust, die Vermeidung von Sanktionen und natürlich die grundsätzliche Sicherung des Lebensunterhaltes hatten immer Priorität in der Beratungsarbeit. Die Sozialberatung und die anderen Unterstützungsangebote wurden in 2022 mit 1401 dokumentierten Kontakten wie immer gut angenommen. Die Zahlen entsprechen denen aus dem Jahr 2020, sind aber geringer als in 2021. Die folgende Tabelle aus 2022 zeigt die prozentuale Verteilung der erbrachten Leistungen. Die Themen beziehen sich nicht nur auf die klassische Sozialberatung, sondern auch auf andere Hilfen, die wir für die Nachbarn und allgemein für die Menschen, die zu uns kommen, geleistet haben.Seite 10 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 8 Klärung von Rechtsansprüchen nach dem SGB II 20,8 % Hilfe bei Schriftverkehr / Papieren 16,0 % Krisenintervention/ Entlastendes Gespräch 16.5 % Klärung von Rechtsansprüchen nach dem SGB XII/ Sozialhilfe 13,2 % Nachbarschaftshilfe und Schlichtung Streitigkeiten 10,8 % Beschäftigung / Freizeitangebot 7,0 % Schuldenberatung / Entschuldung 3,4 % Mietrechtliche Angelegenheit 3,3 % Vermittlung von Spenden 2,5 % Die restlichen 6,5 Prozent der Kontakte setzten sich aus verschiedenen Themen- gebieten zusammen. Zum Beispiel der Arbeitssuche, der Vermittlung von Hilfen für Kinder und Jugendliche, der Klärung von Ansprüchen gegenüber verschiedenen Versicherungen und natürlich auch die Weitervermittlung in andere Angebote oder Hilfen. VI. Darstellung der Gemeinwesenarbeit 1. Das Stadtteilcafé Das „Stadtteilcafé Am Nippenkreuz“ wurde im Jahr 2011 eröffnet und stellt für viele Anwohner der Siedlung „Am Nippenkreuz“ einen wichtigen und zentralen Treffpunkt dar. Das Gleiche gilt auch für Menschen aus dem näheren und weiteren Umfeld. Die meisten Gäste sind Mieter der VEBOWAG. Das Café stellt damit den Mittelpunkt der Gemeinwesenarbeit dar. Das Café ist an jedem Werktag von 9-13 Uhr geöffnet. Die Beratung findet zusätzlich Montags-, Dienstags- und Donnerstagsnachmittags statt. Die Gäste des Cafés können vor Ort preiswert Kaffee oder auch andere Getränke erhalten. Es besteht keine Verzehrpflicht. Man kann im Café auch einfach nur verweilen. Die regelmäßigen Besucher des Stadtteilcafés nutzen den Rahmen um Zeitung zu lesen, sich zu unterhalten und allgemein mit anderen Menschen im Kontakt zu sein. Auch ein offenes W-Lan und ein Computer für die Besucher wird sehr gut ange- nommen. Außerdem können die Gäste auch ein separates Telefon kostenlos nutzen. Die Stammgäste des Cafés kennen sich untereinander meist sehr gut und unter- stützen sich gegenseitig in den verschiedensten Belangen der Nachbarschaftshilfe. Die Kontakte, die im Café geknüpft werden, tragen zur Annäherung der Nachbarn bei und es entwickeln sich immer wieder Freundschaften, die auch über die Räumlichkeiten hinaus Bestand haben.Seite 11 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 9 Das Café und die Büros der Sozialberatung befinden sich im gleichen Gebäude und boten damit immer wieder schnelle Hilfen für verschiedenen Fragestellungen von den Besucher*innen. Im informellen Bereich des Cafés entwickelten sich immer wieder Gespräche, zum Beispiel über Schwierigkeiten mit dem Jobcenter oder auch über Alltagsprobleme, die dann unmittelbar vor Ort oder auch im Büro geklärt werden konnten. Im letzten Jahr war auch bei uns der Ukraine Krieg, die gestiegenen Lebensmittelpreise und auch die erhöhten Energiekosten, ein wichtiges Thema. Viele der Stammgäste suchten immer wieder den Kontakt zum Team im Cafébereich um entstandene Probleme in der Siedlung zu besprechen. Dabei handelte es sich vielfach um Nachbarschaftsstreitigkeiten, meist bedingt durch Lärmbelästigungen. Diese Probleme sind oft nicht vollständig zu lösen, weil es immer wieder Mieter gibt die keine Rücksicht auf die Nachbarschaft nehmen. Ein Gespräch konnte aber auch immer wieder zur Entlastung beitragen. Leider gab es zur allgemeinen Beunruhigung im letzten Jahr insgesamt vier Wohnungsbrände auf dem Gelände „Am Nippenkreuz“. Davon zwei Brandstiftungen und zwei weitere Brände, die aus Unachtsamkeit im Umgang mit möglichen Brandquellen verursacht wurden. Neben den Schäden in den Brandwohnungen, kam es auch zu mehreren Folge- schäden in darunter liegenden Wohnungen durch das Löschwasser. Für alle betroffenen Personen bedeutete dies eine schwierige Zeiten, weil auch die Beseitigung der Schäden lange Zeit dauerte. Es mussten Trockengeräte aufgestellt werden und erst nach Austrocknung der Wohnungen konnten diese saniert werden. Für einige Mieter war die gesamte Situation anstrengend und auch mit vielen Ärgernissen verbunden. Einige mussten umziehen, da die Wohnungen nicht mehr bewohnbar waren. Wir haben die betroffenen Personen natürlich soweit wir konnten unterstützt und mittlerweile ist bezüglich dieses Themas wieder Ruhe eingekehrt. Das Stadtteilcafé hatte viele Jahre verschiedene feste Angebote, die im letzten Jahr, nach Beendigung der Einschränkungen durch die Corona Schutzverordnung, zum Teil wieder aufgenommen werden konnten. Seit dem Sommer 2022 findet wieder wöchentlich ein Frühstück im Café statt. Jeden Mittwoch wurde von 9.30 bis 12.00 Uhr ein reichhaltiges Frühstücksangebot gegen einen Unkostenbeitrag angeboten. Anfangs kamen nur wenige Besucher*innen, im Laufe des Jahres aber wieder mehr Gäste, die sich zum gemeinsamen Frühstück trafen. Auch die Kaffeetafel haben wir wieder angeboten. Jeweils einmal im Monat haben wir zu einer Runde mit Kaffee und Kuchen eingeladen, was vor allen Dingen weibliche Interessentinnen angezogen hat. Die regelmäßigen Angebote sind für die die Besucher feste Termine in ihren Wochenplanungen und geben Struktur und Halt. Gemeinsames Essen fördert ein Gemeinschaftsgefühl und trägt zu einer besseren Nachbarschaft bei.Seite 12 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 10 2. Gemeinschaftsaktivitäten Die gemeinschaftlichen Angebote mussten im letzten Jahr neu organisiert werden und wir haben erst nach und nach wieder Möglichkeiten anbieten können. Im Bereich Ausflüge und allgemeine Freizeitgestaltung hat im letzten Jahr leider noch nichts stattgefunden. Nach der langen Zeit der Veränderungen durch die Corona-Pandemie war es nicht möglich, einfach alle ursprünglichen Strukturen wieder aufzunehmen, da sich bei uns auch personell viel verändert hatte. Das hat den Neustart sehr erschwert. So haben wir erst im Dezember 2022 wieder in alter Tradition weihnachtliche Veranstaltungen angeboten. Dies begann Ende November mit der Teilnahme unserer Einrichtung am Mehlemer Weihnachtsmarkt. Dort waren wir, wie in den Jahren vor Corona, mit einem Waffelstand am Mehlemer Marktplatz für einen Tag vertreten. Vereine, Schulen und auch der Ortsausschuss waren als Teilnehmer auf dem Weihnachtsmarkt vertreten und alte Kontakte konnten vor Ort im persönlichen Austausch wieder reaktiviert werden. Die Teilnahme diente aber auch der Präsentation unserer Einrichtung und dem Kontakt mit den Mehlemer Bürger*innen. Auch der beliebte Adventskaffee fand im Dezember 2022 wieder statt. In weihnachtlicher Stimmung nahmen viele Nachbarn und Anwohner das kostenlose Angebot wahr und erfreuten sich am gemütlichen Beisammensein. Es wurde erneut deutlich wie sehr den Menschen der Kontakt in der langen Corona Zeit gefehlt hat, was sich in besonderer Dankbarkeit ausdrückte. Einen Tag vor Heiligabend wurde ein Adventsnachmittag mit einem Weihnachts- essen angeboten. Jahrelang hatte eine Kollegin federführend an Heiligabend ein Essen angeboten, dieses Jahr aber bereits am 23.12.2022. Das Angebot wurde von über 30 Personen gerne angenommen und schon am Nachmittag trafen die ersten Gäste zu Kaffee und Gebäck ein. Später wurde gemeinsam gegessen und dank einer großzügigen Spende der VEBOWAG gab es auch Weihnachtsgeschenke. Vor allem für die vielen Alleinstehenden hatte dieses Weihnachtsessen eine große Bedeutung und wurde mit großer Freude angenommen. 3. Verbesserung der Wohnsituation Zur Verbesserung der Wohnsituation gehört im Wesentlichen die Unterstützung bei der Vermittlung von Kontakten zum Vermieter, zu Handwerker*innen oder zum Hausmeister der VEBOWAG. Der Wunsch und auch die Notwendigkeit nach Unterstützung bei Wohnungsange- legenheiten war wieder deutlich höher als die Möglichkeiten, die wir anbieten konnten.Seite 13 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 11 Wenn wir nicht helfen konnten, ist es manchmal gelungen Kontakte zu Nachbarn zu vermitteln, die sich dann untereinander helfen konnten. Das war aber eher die Ausnahme, da viele Menschen in der Siedlung kaum in der Lage sind ihre eigenen Dinge zu bewerkstelligen, geschweige denn anderen zu helfen. Dazu sind die gesundheitlichen Einschränkungen bei vielen Anwohne*innen zu gravierend. Ein regelmäßiger Kontakt mit den Wohnungsverwaltern der VEBOWAG fand sowohl in der Einzelfallhilfe, als auch bei allgemeinen Themen statt. Oft ging es dabei um Lärmbelästigungen und Konflikten in den Häusern. Wir informierten auch immer wieder über Müllansammlungen vor Häusern oder in den Hausfluren. 4. Kontakte zur Mehlemer Bevölkerung und Gruppen Da letzte Jahr war anfänglich noch geprägt von verschiedenen Einschränkungen durch die Corona Verordnung. Die meisten Kooperationen lagen lange brach und mussten reaktiviert werden. Ab Frühjahr 2022 kehrte in den meisten Kontaktbereichen wieder eine relative Normalität ein. Eine gute Kontaktpflege zu den lokalen Institutionen und zur Mehlemer Bevölkerung ist ein wichtiger Bestandteil der Gemeinwesenarbeit. Auch wenn es natürlich zu einer langen Unterbrechung gekommen war, zeigte sich, dass durch die vorherigen jahrelangen Veranstaltungen im Ort und auch im Stadtteilcafé stabile Kontakte zu verschiedenen Gruppierungen entstanden waren. Dies konnten nun nach und nach wieder aufgenommen werden. Die Zusammenarbeit mit dem Ortsausschuss, mit den Kolleg*innen aus den nahe- liegenden Quartiersmanagement Einrichtungen, und auch die Teilnahme an lokalen Gremien, wurden wieder etabliert. Auch die Kontaktpflege zu Einzelpersonen der örtlichen politischen Parteien und zu Mehlemern Bürgern konnte wieder regulär stattfinden. VII. Kooperationen Die Arbeit unserer Einrichtung umfasst ein breites Themenspektrum, so dass wir an vielen Stellen mit den unterschiedlichsten Personen und Institutionen zusammen- arbeiten. Eine enge Kooperation existiert mit der „Vereinigten Bonner Wohnungsbau AG“, der VEBOWAG. Als Vermieter der Wohnungen am Nippenkreuz und auch von vielen weiteren Wohnungen in Mehlem stehen wir mit den zuständigen Mitarbeite*innen aus dem Bad Godesberger Büro sehr regelmäßig im Kontakt. Dazu gehören die Wohnungsverwalter und die zuständige Sozialarbeiterin. Häufig wegen Mietschulden, aber auch wegen verschiedener anderer Probleme rund um und in den Häusern. Gemeinsam versuchen wir Lösungen zu finden, um die Situation vor Ort für alle zu verbessern.Seite 14 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 12 Voraussetzung ist natürlich auch immer die Mitwirkung der Anwohner, woran es manchmal leider mangelt. Auch im letzten Jahr gab es wieder einige Fälle von Mietschulden die wir mit oder auch für die VEBOWAG klären konnten. Diese Schulden entstehen aus unter- schiedlichen Gründen. Oft wird von den Mietern versäumt ihre Mietanpassungen an die zuständigen Behörden weiterzuleiten. So wird dann über lange Zeiträume eine zu geringe Mietzahlung geleistet. Wenn die Mieter dann immer mehr Mahnungen erhielten, meldeten sie sich bei uns in der Sozialberatung um sich Hilfe zu holen. Es kam auch leider wieder vor, dass Menschen aus den Leistungen gefallen waren und für ein oder auch mehrere Monate die gesamte Miete nicht gezahlt hatten. Trotz des niederschwelligen Beratungsangebots gab es einzelne Personen, die keine Hilfe in Anspruch nahmen, oder sich so spät meldeten, dass bereits eine fristlose Kündigung oder sogar eine Räumungsklage erfolgt war. Mit einzelnen Schweigepflichtsentbindungen zwischen der zuständigen Sozial- arbeiterin der VEBOWAG und unserem Team, konnten verschiedene Versäumnisse von Mietern auch gemeinsam geklärt werden. Im Jahr 2022 ist es aber am Ende „Am Nippenkreuz“ zu keiner Räumung ge- kommen, was sicherlich auch mit unserem Angebot zu tun hat. Wir standen auch wieder in beständigem Austausch mit der Bad Godesberger Polizei, was beiden Seiten zu Gute kommt. Der langjährige Ansprechpartner ist im Herbst 2022 in Rente gegangen. Mit dem neuen Ansprechpartner haben wir zeitnah ein Treffen vereinbart, sodass es auch mit dem Nachfolger zu einem regelmäßigen Kontakt kam. Für uns war es zum Beispiel hilfreich, wenn wir Personen aus dem Wohnumfeld vermissten. Dann konnten wir unbürokratisch nach Hilfe fragen und es wurde zum Beispiel festgestellt, dass die Person zurzeit im Krankenhaus ist. Leider mussten wir auch in der Siedlung am Nippenkreuz wieder einige Male die Polizei rufen, weil der Verdacht bestand, dass jemand alleine in seiner Wohnung verstorben sein könnte. In drei Fällen hat sich dies leider bewahrheitet. Hinzu kamen drei weitere Todesfälle von Personen, mit denen wir in regelmäßigem Kontakt standen. Von den Verstorbenen war nur eine Person über 60 Jahre alt. Wenn Menschen in einer stationären Behandlung waren, kam es vielfach zum Austausch mit den Sozialdiensten verschiedener Krankenhäuser und mit Pflege- und Betreuungsdiensten. Es waren vorrangig alleinstehende Anwohner, die uns als Kontaktpersonen bei einem Krankenhausaufenthalt angaben, da sie weder Verwandte noch Freunde benennen konnten. Bei Menschen mit einer Suchtproblematik oder auch psychiatrischen Diagnosen waren wir immer wieder im Kontakt mit Fachkliniken, behandelnden Ärzten und auch mit dem Bonner Gesundheitsamt. Selbstverständlich bestand auch weiter eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen aus dem Verein für Gefährdetenhilfe.Seite 15 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 13 Wir standen auch im Kontakt zu einigen gesetzlichen Betreuern, da es einige Menschen in Nachbarschaft gibt, die unter rechtlicher Betreuung stehen. Hier sind wir oft Ansprechpartner, wenn z.B. jemand nicht erreicht wird oder wir informieren, wenn Besonderheiten in der Lebenssituation des Einzelnen von uns wahrgenommen wurden. Auch mit den Bewährungshelfern gab es immer wieder Kontakt und Austausch. Die engste Kooperation innerhalb der Einrichtung stellt die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen aus dem „Ambulant Betreuten Wohnen für suchtmittelabhängige Menschen“ (BeWo nach § 78/90/99 und 113 SGB IX) dar. Wir bilden ein gemeinsames Team mit insgesamt 4 Fachkräften und zwei Nicht- Fachkräften. Bis auf eine Kollegin haben alle eine Teilzeitstelle zwischen 10 und 28 Stunden. Diese Konstellation stellt für alle Teammitglieder, aber vor allen Dingen auch für die Besucher*innen und Klient*innen, einen großen Vorteil dar. Die Bildung eines größeren Teams ermöglicht es die Öffnungszeiten des Cafés und auch die vielen Beratungsanfragen kontinuierlich anzubieten, da wir uns in Einzel- fällen auch untereinander vertreten. In gemeinsamen Teamsitzungen werden organisatorische Dinge besprochen und Fallbesprechungen durchgeführt. Auch die Supervision absolvieren wir als Gesamtteam. Wir planen Freizeitaktivitäten und Festivitäten zusammen und führen sie auch gemeinsam durch. Darüber hinaus reflektieren wir immer wieder als Gesamtteam die Entwicklungen auf dem Gelände und versuchen Strategien zu entwickeln, um mit den Besonderheiten des Umfeldes konstruktiv umzugehen. Der regelmäßige Austausch dient der Reflektion des eigenen Handelns und damit dem professionellen Arbeiten und der Qualitätssicherung. Die Kolleg*innen des „Ambulant Betreuten Wohnens“ betreuten im letzten Jahr im Durchschnitt 20 Personen gleichzeitig. Davon lebten die meisten Klient*innen in Wohnungen in der näheren Umgebung des Stadtteilcafés, hauptsächlich „Am Nippenkreuz“. Vereinzelt gab es auch Betreuungen außerhalb Mehlems. Wenn Menschen neu in die Siedlung oder in unsere Nähe ziehen und ambulant betreut werden, bietet das Stadtteilcafé einen guten Zugang zu Kontakten und Informationen. Damit können sich diese Personen oft besser ins Wohnumfeld integrieren. Beim Cafébesuch können die neuen Mieter ihre Nachbarn kennenlernen und auch verschiedene Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen. Auch wenn das Ambulant Betreute Wohnen irgendwann endet, bleibt bei fast allen ehemaliger Klient*innen der Kontakt zur Einrichtung erhalten. Behördliche Angelegenheiten können dann in der Sozialberatung geklärt werden. Die Hemmschwelle Unterstützung zu erfragen ist automatisch niedrig ist, weil die benannten Personen alle Teammitglieder bereits kennen.Seite 16 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 14 Ein weiterer regelmäßiger Kontakt bestand mit dem Tierarztmobil des Europäischen Tier- und Naturschutz e.V. (etn Einsatz für Tiere in Not). Das Tierarztmobil hat einen festen Platz an jedem Donnerstag bei uns gefunden. Der Verein bietet eigentlich ausschließlich für bedürftige Senior*innen eine fast kostenlose Möglichkeit für die Behandlung ihrer Haustiere an. Als Ausnahmen profitierten aber auch viele jüngere Tierhalter aus der Nachbarschaft von dem Angebot. Vorrangig Hunde und Katzen wurden dort behandelt und auch operiert. Die Mitarbeiterinnen vom Tierarztmobil bringen auch fast jedes Mal Spenden mit (Tierfutter, Zubehör und anderes), was der Nachbarschaft unmittelbar zugutekommt. VIII. Zusammenfassung und Ausblick Das Stadtteilcafé mit seiner Sozialberatungsstelle ist seit Jahren für viele Menschen zu einem festen Bestandteil des Wohnviertels geworden. Auch neue Mieter nehmen unsere Angebote immer wieder gerne an. Die zahlreichen alleinlebenden Menschen haben vor Ort einen Raum, in dem sie sich einfach aufhalten können, auch ohne zwingend Geld auszugeben. Dies bietet eine Möglichkeit zur sozialen Teilhabe und beugt einer größeren Vereinsamung vor. Es gibt Stammgäste für die der tägliche Cafébesuch ihre Tagesstruktur darstellt. Die anderen Gäste und wir als Team, sind für viele die einzigen sozialen Kontakte. Im letzten Jahr standen wir noch einige Zeit unter dem Einfluss der Veränderungen und auch der Einschränkungen durch die Corona Pandemie. Nur sehr langsam haben wir es geschafft wieder in die alten Routinen zurück zu kehren. Viele Menschen, die regelmäßig ins Café kamen, sind zunächst nicht wieder- gekommen. Es brauchte insgesamt eine angemessene Zeit um unser Angebot wieder publik zu machen und wieder mehr Menschen als unsere Gäste begrüßen zu können. Dies galt allerdings nicht für die Sozialberatung. Die Möglichkeit bei uns in die Beratung zu kommen, hatte auch während der Einschränkungen durch die Corona Pandemie, durchgehend bestanden. Hier gab es weiter sehr viele Anfragen sowohl aus der direkten Nachbarschaft, als auch aus der gesamten Region von Bad Godesberg. Für die Anwohner*innen versuchten wir in der Regel unbürokratisch und zeitnah zu helfen. Der andere Personenkreis musste sinnvollerweise vorher einen Termin bei uns vereinbaren, damit auch in Ruhe ihre Angelegenheiten geklärt werden konnten. Grundsätzlich war das vergangene Jahr personell sehr schwierig. Eine langjährige Kollegin hat den Verein Mitte des Jahres wegen Umzugs verlassen und ein Kollege, der im Wesentlichen das Stadtteilcafé geleitet hat, war durchgehend krank. Gerade die Stelle der Nichtfachkraft war schwer zu besetzen. Erst im September 2022 konnte eine Bewerberin eingestellt werden. In den Monaten davor mussten die Fachkräfte immer wieder den Cafédienst übernehmen. Dadurch kamen andere Tätigkeiten automatisch zu kurz.Seite 17 von 18 Jahresbericht 2022 – Gemeinwesenarbeit / Sozialberatung Am Nippenkreuz des Vereins für Gefährdetenhilfe gB-GmbH 15 Für viele Menschen, die als Gäste oder Ratsuchende zu uns kommen, ist ein Personalwechsel nicht einfach. Viele Klient*innen kennen die Mitarbeiter*innen schon über zehn Jahre und gerade für Menschen, die kaum soziale Kontakte haben, sind kontinuierliche Ansprechpartner*innen ein wichtiger Punkt für ihre Stabilität. Wie auch in den Jahren davor lag der Fokus der Arbeit in der Einzelfallhilfe. Natürlich hatte auch Corona dazu geführt, dass gemeinsame Veranstaltungen nur eingeschränkt möglich waren, aber der Bedarf der Menschen aus der Nachbarschaft ist als Schwerpunkt eindeutig und wiederholt in den individuellen Hilfen zu verorten. Unser Konzept setzt sich aus den Bereichen Gemeinwesenarbeit und Sozialberatung zu gleichen Teilen zusammen. In den Jahren seit Bestehen der Einrichtung hat sich aber die Verteilung immer weiter verschoben. Die Aspekte der Gemeinwesenarbeit sind deutlich schwerer zu realisieren als in den Anfängen der Einrichtung. Dagegen sind es immer mehr Einzelfallhilfen geworden die unsere Arbeitskraft fordern. Dies liegt sicherlich an der veränderten Bewohnerstruktur im Laufe der Zeit. Waren zur Eröffnung noch viele alteingesessene Nachbar*innen in den Siedlungen, sind diese nach und nach weggezogen, oder auch verstorben. Die neuen Mieter sind hauptsächlich Männer, die oftmals mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben. Diese Nachbarn sind zum großen Teil nicht in der Lage und auch nicht interessiert, an Gruppenveranstaltungen teilzunehmen. Entsprechend problematisch ist auch der nachbarschaftliche Zusammenhalt geworden. Viele Bewohner*innen kümmern sich nur noch um ihre persönlichen Belange und interessieren sich nicht für ihr Wohnumfeld und die gemeinsamen Interessen in der Nachbarschaft. Umso mehr ist es unsere Aufgabe, diese Veränderungen wachsam zu beobachten und z.B. durch persönliche Ansprache zu versuchen, negativen Entwicklungen entgegenzuwirken. Insgesamt kommt unsere gesamte Arbeit nicht nur den Anwohnern und Rat.- suchenden zugute, sondern entlastet auch an vielen Stellen diverse Behörden und verschiedene Einrichtungen und Personen, die beruflich mit den Betroffenen zu tun haben. Auch in Zukunft ist es sinnvoll und notwendig, die bewährten Angebote der Ein- richtung zu festigen und neue Angebote zu etablieren, um die schwierigen Wohn- und Lebensverhältnisse weiter zu stabilisieren. Unsere Arbeit hilft den Bewohner*innen und Klient*innen bei der Bewältigung vieler verschiedener Probleme und unterstützt eine soziale Teilhabe, was aus meiner Sicht für diesen Personenkreis unerlässlich ist. Bonn im April 2023 Susanne BrüggenSeite 18 von 18
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 17:53 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de