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240191 · Beschlussvorlage

Aufstellungsbeschluss für eine Denkmalbereichssatzung für das Combahnviertel im Beueler Zentrum

Nummer
240191
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
13.02.2024
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 28.02.2024 Empfehlung
  2. Sondersitzung des Unterausschusses Denkmalschutz 29.02.2024 Empfehlung
  3. Sitzung des Rates 14.03.2024 Entscheidung federführend
  4. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 06.03.2024 Empfehlung
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Untergeordnet

  1. 240191-01 AA CDU-Änderungsantrag: Aufstellungsbeschluss für eine Denkmalbereichssatzung für das Combahnviertel im Beueler Zentrum Antrag zur Vorlage 240191

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Beschlussvorlage
öffentlich
240191
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
61 Stadtplanungsamt
Dezernat:
Dez. III
Aufstellungsbeschluss für eine
Denkmalbereichssatzung für das Combahnviertel
im Beueler Zentrum
Beratungsfolge
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 28.02.2024 Empfehlung
Unterausschuss Denkmalschutz 29.02.2024 Empfehlung
Bezirksvertretung Beuel 06.03.2024 Empfehlung
Rat 14.03.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Für das Combahnviertel ist eine Denkmalbereichssatzung gem. § 10
Denkmalschutzgesetz NRW (DSchG NRW) aufzustellen. Der vorgesehene
Geltungsbereich ergibt sich aus der Begründung der Vorlage in Verbindung mit
dem als Anlage beigefügten Übersichtsplan.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die hierzu erforderlichen fachlichen
Unterlagen dem Rat jeweils zur Beschlussfassung über die weiteren
Verfahrensschritte vorzulegen.
Begründung
Die Erarbeitung der Denkmalbereichssatzung Combahnviertel, die vom Rat am
28.06.2021, DS-Nr. 210333) beschlossen wurde, wurde noch unter der Geltung
des Denkmalschutzgesetzes NRW (DSchG NRW) vom 11. März 1980 in der
zuletzt am 15.11.2016 geänderten Fassung begonnen. Da sich mit der
Novellierung des Denkmalschutzgesetzes vom 13.04.2022 Änderungen in
Bezug auf das Aufstellungsverfahren ergeben haben, ist für eine rechtssichere
Aufstellung der Satzung das gesamte formelle Verfahren erneut auf Grundlage
des aktuellen DSchG NRW durchzuführen. Weitere Einzelheiten über die
Gründe für die Verfahrenswiederholung können der Stellungnahme der
Verwaltung (DS-Nr. 231148-02) entnommen werden. Zur Begründung des
Aufstellungsbeschlusses, zu dessen Folgen und zu den weiteren Schritten wird
insofern noch einmal neu ausgeführt:
Anlass
Mit Schreiben des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR)
vom 25.11.2020 wurde die Stadt Bonn darüber unterrichtet, dass das Gebiet
des Combahnviertels die „Voraussetzungen zur Ausweisung einesSeite 1 von 33
Seite 2
Denkmalbereiches“ erfüllt. Umfang und Bedeutung wurden in einem Gutachten,
welches als externes Dokument angefügt ist, erläutert und die Stadt Bonn
gebeten, ein Satzungsverfahren zur Unterschutzstellung des
Denkmalbereiches einzuleiten.
Lage und Umfang des geplanten Geltungsbereichs
Das Gebiet des Satzungsentwurfs wird begrenzt durch den Rhein im Westen
mit Uferpromenade und anschließendem Gelände des früheren Endbahnhofs
der Bröltaleisenbahn, durch die südlich angrenzende Auffahrt zur
Kennedybrücke mit dem Konrad-Adenauer-Platz, der Sankt-Augustiner-Straße
im Osten und nach Norden durch den Bröltalbahnweg, der heute als Radweg
genutzt wird. Die genaue Abgrenzung ist der Anlage 1 (Übersichtsplan) zu
entnehmen.
Historische Bedeutung
Bei dem Combahnviertel handelt es sich um ein auf Basis eines von Hermann
Joseph Stübben und Karl Huppertz entwickelten Bebauungsplans angelegtes
Wohnviertel aus der Zeit um 1900, dessen städtebauliche Grundstruktur bis in
die heutige Zeit beibehalten und dessen Bebauung unter Berücksichtigung der
vorgegebenen Strukturen kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Es bezeugt,
dass durch die im Zuge der Industrialisierung rechtsrheinisch rasant
ansteigende Bevölkerungszahl die Ausweisung neuer Wohngebiete notwendig
wurde und es steht hierbei mit seiner historischen und jüngeren Bausubstanz
für die Anlage eines Viertels für das gehobene Bürgertum um die
Jahrhundertwende (19. zum 20.Jhd.), sowie für dessen gelungene
städtebauliche Fortschreibung bis in die Gegenwart.
Schutzgegenstand
Bei der Ausweisung als Denkmalbereich geht es im Wesentlichen um den
Erhalt der städtebaulichen Grundstruktur im Zusammenwirken mit der
Bausubstanz, die in verschiedenen Entwicklungsphasen – vor dem 1.
Weltkrieg, Zwischenkriegsphase, unmittelbare Nachkriegszeit, jüngere Bauten
der 1960er-80er Jahren - gestaltprägend ist.
Hier sind Parzellierung, Straßenraum mit Baumbestand, Vorgärten und
Freiflächen, sowie Blickbezüge als einige der städtebaulichen Kriterien zu
nennen, aber auch Gebäudekubatur, Fassadengestaltung und
Dachlandschaften. Dabei erfüllen einzelne Bauten die Kriterien als
Einzeldenkmal gem. §2 DSchG NW - größtenteils sind sie bereits in die
Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen, andere sind als erhaltenswerte
Bausubstanz herauszuheben.
Folgewirkung
Mit der Unterschutzstellung unterliegt der Denkmalbereich den Vorschriften des
Denkmalschutzgesetzes NRW. Es findet insbesondere §§ 9, 13 und 15 DSchG
NW (Erlaubnispflichten) Anwendung.
Verfahrensschritte
Die bisherige Beschlussvorlage zum Satzungsbeschluss, DS 231148, wird vonSeite 2 von 33
Seite 3
der Verwaltung nach der Sitzung des Unterausschusses Denkmalschutz am
14.02.2024, in der die o.g. Stellungnahme DS 231148-02 zur Kenntnisnahme
vorliegt, zurückgezogen.
Nach Fassung des hiermit vorgelegten Aufstellungsbeschlusses wird gem. § 10
Abs. 4 DSchG NRW eine erneute Offenlage des Satzungsentwurfs für einen
Monat erfolgen. Vor der erneuten Offenlage wird die Verwaltung den
Satzungsentwurf und die zugehörigen Unterlagen auf eventuelle
Aktualisierungsbedarfe prüfen. Die ggf. aktualisierten Unterlagen und der
Satzungsentwurf werden dem Rat anschließend zur Beschlussfassung der
Offenlage vorgelegt.
Nach erfolgter Beteiligung der Öffentlichkeit und Erörterung von eingehenden
Einwendungen mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR)
wird der Satzungsbeschluss vorbereitet und dem Rat zur Beratung vorgelegt.
Anschließend bedarf die Satzung der Genehmigung durch die
Bezirksregierung. Liegt diese vor, kann die Satzung bekannt gemacht weden
und in Kraft treten.
Vorläufige Unterschutzstellung
Bisher ist keine vorläufige Unterschutzstellung des vorgesehenen
Satzungsgebietes wirksam geworden. Mit der ortsüblichen Bekanntmachung
des hiermit nach dem seit 2022 geltenden DSchG NRW gefassten
Aufstellungsbeschlusses wird der vorläufige Schutz des vorgesehenen
Satzungsgebietes gem. § 10 Abs. 3 DSchG NRW in Verbindung mit § 4 Abs. 1
DSchG NRW in Kraft treten. Er hat zur Folge, dass Maßnahmen gem. §§ 9, 13
und 15 DSchG NRW erlaubnispflichtig sind. Der vorläufige Schutz entfällt,
wenn die Denkmalbereichssatzung nicht binnen zwei Jahren in Kraft tritt.
Anlage/n
1 Übersichtsplan (öffentlich)
2 Gutachten des LVR-ADR zum Denkmalbereich Combahnviertel (öffentlich)Seite 3 von 33
Anlage 1
ÜbersichtsplanSeite 4 von 33
LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland
Postfach 21 40 ∙ 50250 Pulheim Datum und Zeichen bitte stets angeben
980-001-04.2019
Ihre Meinung ist uns wichtig!
Die LVR-Geschäftsstelle für Anregungen und Beschwerden erreichen Sie hier:
E-Mail: anregungen@lvr.de oder beschwerden@lvr.de, Telefon: 0221 809-2255
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LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland 50663 Köln, auf eines der nachstehenden Konten
50259 Pulheim (Brauweiler), Ehrenfriedstraße 19,
Bushaltestelle Abtei Brauweiler: Linien 949, 961, 962 und 980 Helaba
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25.11.2020
92010-20-Ja
Dr. Elke Janßen-Schnabel
Tel 02234 9854-556
Fax 0221 8284-2267
Elke.Janssen-Schnabel@lvr.de
Bonn, Combahnviertel, Denkmalbereich 92010
Gutachten gem. §22 (3) zur historischen Bedeutung als Denkmalbereich
gem. §2 DSchG NW.
Das Combahnviertel erfüllt die Voraussetzungen zur Ausweisung eines Denkmalbe-
reiches gem. § 5 DSchG NW.
Städtebauliche Planung: Hermann Joseph Stübben, Karl Huppertz, 1900/ 1901
Architekten der Entstehungszeit des Viertels: ortsansässige Architekten wie Michael
Nussbaum, Peter Schumacher und Architekten aus der näheren Umgebung wie der
Architekt und Bauunternehmer Peter Klein aus Vallendar, Zweigstelle in Beuel.
Lage
Das Combahnviertel ist ein planmäßig angelegtes Wohnviertel aus der Zeit um 1900.
Es liegt rechtsrheinisch, Bonn gegenüber, im Norden vom historischen Ortskern von
Beuel am Rhein auf der in Flussnähe hochwassergefährdeten Niederterrasse. Das
Viertel schließt heute nördlich an die Brückenauffahrt der Kennedybrücke und liegt
zwischen Konrad-Adenauer-Platz, St. Augustiner Straße (B56), dem Bröltaleisen-
bahnweg und dem Rhein.
Der Name leitet sich her von der seit dem Mittelalter bestehenden Ortschaft Combahn
(mittelalterlich „kumban“) und nimmt Bezug auf die topografischen Ausprägungen,
denn „Kumme“ steht für ein Gefäß, eine Schale oder auch eine Senke und Ban für
eine Schneise oder auch einen aufgeschütteten Weg in einer Niederung. Beide Merk-
male trafen auf die bearbeitete und genutzte Landschaft zu: Combahn bezeichnete
bis ins späte 19. Jahrhundert einen größeren topografischen Ausschnitt im ebenen
Uferbereich. Vom Flussufer abgerückt verband ein befestigter Weg auf einem leichtSeite 5 von 33
Seite 2
erhöhten Damm wohl schon seit dem Mittelalter Vilich mit Beuel (die heutige Rhein-
dorfer Straße). An bestehenden Wegen hatten sich bauliche Verdichtungen heraus-
gebildet. Siedlungsschwerpunkte lagen im Bereich der heutigen Rheindorfer Straße /
St. Augustinerstraße, im heutigen Zentrum von Beuel um die Friedrich-Breuer-Straße
und an der Oberen Wilhelmstraße, außerdem reihten sich Bauten eng beieinander an
der unmittelbar parallel zum Ufer geführten heutigen Rheinaustraße. Hier entwickelte
sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts an der Fähre nach Bonn bis hin zum Bröltal-
bahnhof ein Schwerpunkt mit Gaststätten und Geschäften.
1: Ausschnitt aus der Preußischen Uraufnahme 1843, Blatt Bonn, grüne Ellipse = Ortslage Combahn
Geschichte
1343 wird erstmals ein Ort „kumban“ urkundlich erwähnt1. Combahn gehörte als Teil
vom Vilicher Ländchen lange Zeit zur Herrlichkeit Vilich im Kurfürstentum Köln, Beuel
dagegen zum bergischen Amt Löwenburg. Seit dem 17. Jahrhundert verband (etwas
südlich des späteren Bröltalbahnhofs) eine Seilfähre (Gierponte, auch „fliegende Brü-
cke“ genannt) die rechte Seite mit der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn (Clausen
1987). Das Haus des Brückenmeisters Mehlem (das Mehlem‘sche Haus) aus dem Jahr
1785, Rheinaustraße 131, südlich der Kennedybrücke, zeugt in seiner stattlichen Aus-
prägung von der wirtschaftlichen Bedeutung der Fähre. Noch ein Jahr zuvor, 1784,
waren die Häuser unmittelbar am Ufer einem verheerenden Hochwasser zum Opfer
gefallen.
1Bestand Vilich im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Urkunde vom 3. April 1343, zitiert nach Johannes Bücher:
Alte und neue Straßennamen im Gebiet der ehemaligen Stadt Beuel. In: Stadt Bonn (Hrsg.): Studien zur
Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel. Band 22, Bonn 1980.Seite 6 von 33
Seite 3
2: Karte von Villich 1689, Ausschnitt, Norden = links, roter Kreis = Combahn
Nach Zugehörigkeit 1803-1815 zum französischen Großherzogtum Berg war Com-
bahn in preußischer Zeit Gemeinde in der Bürgermeisterei Vilich im Landkreis Bonn
der Provinz Jülich-Kleve-Berg, später der Rheinprovinz. 1892 wurde Combahn mit
Beuel als Gemeinde vereinigt. Beuel wurde gleichzeitig zum Hauptort der Bürgermeis-
terei Vilich und 4 Jahre später auch Amtssitz.
Während noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der rechten Rheinseite
neben der Landwirtschaft, Weinanbau und Fischerei sich Wäscherei und Bleicherei zu
wirtschaftlichen Schwerpunkten herausgebildet hatten - Bonn gegenüber und im
Dienste der Bonner Textilfabriken -, wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch
der Beueler Raum zunehmend industrialisiert und führte zu einer stärkeren Verdich-
tung in Beuel selbst. Zwischen 1891 bis 1916 stieg die Einwohnerzahl von etwas mehr
als 9.000 auf knapp 17.000 so enorm an, dass die Ausweisung von Wohnbauflächen
drängte. (Stadt Bonn, Karen Künstler-Brandtstädter, Objekt Rathausstr. 43, Gutach-
ten zum Denkmalwert, 2007)
Seit 1871 hatte Beuel einen eigenen Bahnhof an der Strecke Ehrenbreitstein-Köln-
Deutz. Seit 1891 war der Endbahnhof der vom Landesinneren über Niederpleis und
Hangelar kommenden Bröltalbahn („Brölthal-Eisenbahn“, BTE) am Flussufer im Nor-
den von Combahn in Betrieb, um von hieraus Eisenerz, Basaltsteine und andere GüterSeite 7 von 33
Seite 4
auf Lastschiffe zu verladen. Die endgültige Stilllegung der Bahnstrecke erfolgte 1967.
Erhalten sind das Empfangsgebäude, ein Fachwerkbau, 1906 um Warteraum und
Bahnsteigüberdachung erweitert, nördlich ein stark umgebautes Verwaltungsgebäude
von 1917 und die Fläche der Laderampen. Das Empfangsgebäude ist heute Gast-
stätte; auf der Bahntrasse liegt ein Radweg.
Seit 1900 bestand eine Bahnverbindung nach Großenbusch (zwischen Hangelar und
St. Augustin) zur dortigen Bonner Verblendstein- und Thonwaarenfabrik.
Ab 1898 verband eine Rheinbrücke Combahn mit Bonn, die, 1945 zerstört, 1948/
1949 durch die neue Rheinbrücke ersetzt wurde. Die Brücke trägt seit 1963 den Na-
men „Kennedybrücke“. 1902 fuhr die erste elektrische Straßenbahn über die Brücke
zum Beueler Bahnhof.
3 Ausschnitt aus der Karte „Beuel und Combahn im Jahr 1891“, Stadtarchiv BonnSeite 8 von 33
Seite 5
4: 1895, Ausschnitt aus der Preußischen Neuaufnahme
5: Ausschnitt aus dem Bebauungsplan von Stübben 1900, Druck 1903, heutiges
Combahnviertel(Stadtarchiv Bonn, Be 818)Seite 9 von 33
Seite 6
Kurz nach 1900 entstanden unter dem Vilicher Bürgermeister Friedrich Breuer in der
Ortslage Combahn zwei neue Wohngebiete. Die Arbeiter und kleinen Angestellten sie-
delten östlich jenseits der Bahn, auch in einer Werkssiedlung benachbart zu der ehe-
maligen Jutespinnerei. Für die betuchteren Neubürger von Beuel aus dem gehobenen
Bürgertum, zu denen damals Rentiers, Kaufleute, Beamte und Ärzte gehörten, er-
folgte die Erschließung eines neuen Wohnviertels, des heutigen Combahnviertels, zwi-
schen den bestehenden Siedlungsschwerpunkten von Combahn. Auf der Grundlage
des Fluchtlinienplans von Regierungsbaurat Karl Huppertz (1847-1919), seit 1892
Professor für Baukunde und Meliorationswesen an der Königlich Preußischen Land-
wirtschaftlichen Akademie zu Poppelsdorf, erstellte der Kölner Geheime Baurat und
Stadtbaumeister Hermann Joseph Stübben (1845-1936)1900/ 1901 einen Bebau-
ungsplan (Karnau 1996, S. 330) für Beuel (Druck 1903). Der Plan umfasste den Orts-
kern um St. Josef und betraf im nördlichen Teil den Bereich Combahn. Der Plan sah
hier (Abb.5),– angelehnt an vorhandene Wege und unter Aufnahme der bestehenden
Bauten -, die Anlage eines nahezu rechtwinkligen Straßennetzes mit baumbestande-
nen Grünachsen (heute: Kaiser-Konrad-Straße, Combahnstraße und Professor-Neu-
Allee) vor und südlich des Empfangsgebäudes des Bröhltal-Bahnhofseine Grünanlage
um das Denkmal (von 1877), die in die sich nach Süden erstreckende, mit drei Baum-
reihen gestaltete Rheinpromenade überging. Der Kirchenbau an der Kaiser-Konrad-
Straße/ Ecke Von-Sandt-Straße und die westlich anschließende Grünfläche wurden
nicht realisiert.
Bei der Erschließung der Kaiser-Konrad-Straße, der Von-Sandt-Straße und der Pro-
fessor-Neu-Allee traten örtliche Unternehmer in Vorleistung und verkauften anschlie-
ßend die Straßen an die Gemeinde.
1912 warb die Bürgervereinigung Beuel-Rheindorf für den Fremdenzuzug nach Beuel
mit dem niedrigen Steuersatz und mit allen anderen der Neuzeit entsprechenden Ein-
richtungen (Remig 1996, S. 157).Seite 10 von 33
Seite 7
6: 1913 Ausschnitt aus der Topografischen Karte
Bis 1918 waren 40% der Grundstücke bebaut, bis 1938 folgte der Block Von-Sandt-,
Combahn-, Rheindorfer Straße.
7: 1926/ 1933 Ausschnitt aus der Topografischen KarteSeite 11 von 33
Seite 8
8: 1959 Ausschnitt aus der Topografischen Karte
Während nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren weitere Ergänzungen
erfolgten, die die Blockränder schlossen,
9: 1966 roter Kreis = neue Erschließung, Ausschnitt aus der Topografischen KarteSeite 12 von 33
Seite 9
wurden in der nachfolgenden Zeit die Blockinnenbereiche mit neuen städtebaulichen
Elementen (mit Stich-, Wohnstraßen/ Wohnwegen) erschlossen. (s. Abb.9, 10, 11).
Seit der Gebietsreform von 1969 gehört Combahn mit Beuel zusammen zu Bonn.
10: 1972 roter Kreis = neue Erschließung, Ausschnitt aus der Topografischen Karte
Charakteristik- die städtebaulichen Aspekte
Das Combahnviertel ist ein nahezu reines städtisches Wohnviertel (mit wenigen Ge-
werbebetrieben und ehemals einzelnen Geschäften innerhalb des Viertels, heute am
Rand des Viertels) in Blockrandbebauung, wesentlich geprägt durch untereinander
ähnliche und gleichwertige Haustypen, Einfamilienhäuser, aus der Zeit kurz nach
1900. Es ergänzte damit die Vielfalt der Ortsstruktur von Beuel, die sich zu dieser Zeit
aus dem Beueler Ortszentrum, dem südlich angrenzenden Handwerkerviertel (Schiff-
fahrt, Wäschereien) zwischen Hermannstraße und Rhein sowie den Gewerbe- und In-
dustriebereich im Osten jenseits der Staatsbahn zusammensetzte.
Zwischen dem Rhein im Westen und der Rheinbrücke im Süden in die dreieckige Flä-
che eingepasst, liegt dem Viertel ein planmäßig gerastertes Grundmuster aus fünf
Längsstraßen und zwei Querstraßen zugrunde, die bestehende Wegeverläufe aufneh-
men und in die vorhandene Struktur eingepasst ist. Von Norden nach Süden verlaufen
in etwa gleichem Abstand längs fünf Straßen parallel: am Rhein die Rheinaustraße
(der bestehende Rheinuferweg), im Osten die Rheindorfer Straße als Verbindungs-
straße der Ortskerne von Vilich-Rheindorf und Beuel auf der ersten Terrassenstufe,Seite 13 von 33
Seite 10
die Professor-Neu-Straße als südliche Verlängerung des Rheindamms parallel zur
Rheinaustraße, parallel dazu die Von-Sandt-Straße und östlich der Rheindorfer Straße
als 5. Straße die Rathausstraße. Quer gliedern zwischen Bröltalbahn und Kennedy-
brücke die beiden parallelen Straßen Kaiser-Konrad- Straße und Combahnstraße das
Viertel im Inneren. Durch diesen Plan entstehen 15 Blöcke, von denen 13 historische
Bausubstanz der Anlagezeit aufweisen und im Miteinander der Straßenzüge als histo-
rischer Kern des Combahnviertels den städtebaulichen Zusammenhang begründen.
Im städtischen Außenraum entstehen durch die beidseitig ähnliche Bebauung, durch
die mittige anfangs gepflasterte, heute geteerte Fahrbahn, die Trottoirs und einer
jeder Straße eigene Gestalt jeweils typische Straßenräume. Einzelne Straßenzüge
sind beidseitig mit Baumreihen bepflanzt (wie die Professor-Neu-Allee mit Japani-
schen Kirschen; die Kaiser-Konrad-Straße mit Birken). Einzelne Straßenzüge weisen
durchgehend Vorgärten auf, eingefriedet mit niedrigen Mauern und Pfeilern und ur-
sprünglich Latten-, heute Gitterzäunen (Kaiser-Konrad-Straße, Rathausstraße).
11: Rathaus-/ Combahnstraße,um 1920; Blick nach Nordosten
12: Rathaus-/ Combahnstraße, 2020; Blick nach NordostenSeite 14 von 33
Seite 11
Die die Einheit stiftenden Elemente im Inneren des Viertels sind die Häuserblöcke
insbesondere der Zeit um 1900 in ihrer Struktur (geschlossene Reihen in den Fluch-
ten, rückwärtig aneinanderstoßende Gärten in der Gesamtheit) und die straßenseiti-
gen Fronten in der Abwicklung der Zeilen und im Gegenüber mit der Schaffung von
Straßenräumen, die rückwärtig im Blockinneren die Welt der Gärten und Innenhöfe
nach außen abgrenzen.
13: Professor-Neu-Allee, Blick nach Süden, 2020 14: Kaiser-Konrad-Straße, Blick nach Osten, 2020
15: Combahnstr. 57, 55, 53,…., 2020
Doch die bauliche Entwicklung gliedert sich in weitere Phasen: Die Zwischenkriegszeit
und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der 1950er Jahre haben das
städtebauliche Konzept fortgeführt und kontinuierlich in schlichter, die Blockrandbe-
bauung in zeitgemäßer Architektur geschlossen und so den Wert des Viertels städte-
baulich als Stadtteil in seinen Merkmalen gestärkt. Seit den 1960er Jahren erfolgte
mit der Anlage von Stichstraßen innerhalb der nördlichen Blöcke städtebaulich die
Umsetzung einer neuen Wohnform. Gleichzeitig gewinnt die nach Westen gerichtete
Seite des Viertels an Bedeutung: soweit die Grundstücke es ermöglichen, öffnen sich
die Bauten mit Balkonen und Freisitzen mit Blick nach Westen auf den Rhein undSeite 15 von 33
Seite 12
führen das städtebauliche Konzept fort, indem sie jeweils zeitgemäß und in der Zu-
sammenschau das Thema „Wohnen am Rand von Beuel in Rheinnähe“ neu umsetzen
und ausgestalten.
Im Norden ist die Trasse der Bröltalbahn eine historisch begründete Grenze. Am öst-
lichen Ende der Combahnstraße, jenseits der St. Augustiner Straße, liegt der 1888
angelegte Pfarrfriedhof der katholischen Gemeinde St. Josef in Beuel, eingefasst mit
einer Ziegelmauer/ Grauwacke-Bruchsteinmauer. Vor der Friedhofskapelle St. Michael
steht an der Außenwand zur St. Augustiner Straße eine Christophorus-Plastik aus
Basaltlava. Christophorus ist u.a. der Patron der Fährleute und Schiffer und symboli-
siert ein Stück der mit dem Rhein verbundenen Ortsgeschichte von Beuel und auch
vom Combahnviertel. Doch die ausgebaute und stark befahrene St. Augustiner Straße
ist städtebaulich eine solche Zäsur nach Osten und Süden, dass der jenseits liegende
Friedhof als ein eigenes historisches Dokument gewertet und nicht in die Geltungsflä-
che des Denkmalbereichs einbezogen wird.
In der westlichen Verlängerung der Combahnstraße am Rhein beginnt an der Stelle
des früheren Fähranlegers nach Süden, rechtwinklig gefasst von 3 parallelen, in der
Höhe gestuften Basaltmauern, die Beueler Rheinuferpromenade mit Blick auf die Bon-
ner Stadtsilhouette. Nach Norden schließt heute der Promenadenweg im Verlauf der
Bröltalbahn mit dem Bahnhof an. Die rechtwinkligen Versprünge zum Rheinufer lassen
die ehemaligen Anlegerampen der Schiffe erkennen. In der Höhe der Combahnstraße,
am Übergang von Promenade und Bahntrasse, erinnert eine von der Gemeinde Com-
bahn 1877 errichtete Siegessäule des Bonner Bildhauers Johann Josef Olzem (1827-
1890) an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. An dieser Schnittstelle bil-
den Bahnhof, Kriegerdenkmal mit der teilweise gefassten Freifläche und das mit ver-
schiedenen Bäumen bepflanzte Umfeld (Lindenreihe an der Rheinaustraße bis zum
Bahnhof) ein kleines städtebauliches Ensemble.
16. + 17. Empfangsgebäude Brölbahnhof, Kriegerdenkmal um 1906 (Schneider 2000, S.32) und vor 1914 (Höroldt 1989, S.332)
18. Empfangsgebäude Brölbahnhof, Kriegerdenkmal, 2020Seite 16 von 33
Seite 13
Der Denkmalbereich
Ein Denkmalbereich ist nach dem Denkmalschutzgesetz NW über eine entsprechende
Satzung ein Instrument zum Schutz von städtebaulichen Qualitäten, die sich nicht
durchgehend in einheitlich dichter denkmalwerter Substanz, sondern sich auch im
Zusammenwirken von Struktur und Substanz und in der Konzentration von ortsge-
schichtlich bedeutsamen Themen in jeweils zeittypischer und beispielhafter Bausub-
stanz ausdrücken können. Das Combahnviertel erfüllt diese Kriterien. Es ist in seiner
historischen Substanz nicht vollständig homogen dicht geschlossen, vielmehr wurde
es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts angelegt, weitergebaut und ergänzt,
wobei das führende Thema das „Wohnviertel um 1900“ auf der Grundlage des Bebau-
ungsplans von Stübben und Huppertz ist. Der städtebauliche Entwurf nimmt beste-
hende Wege auf, integriert bestehende Bauten und gibt den neuen Straßen und Ob-
jekten ein schematisches Grundmuster vor; auf dieser Grundlage bilden die Häuser
zusammenhängende Häuserzeilen und im Gegenüber Straßenräume. Die späteren
Zeitschichten nehmen das Thema auf, interpretieren Wohnen in einem bevorzugten
Wohnviertel zeitgemäß, ergänzen den Bestand und sorgen somit für eine kontinuier-
liche Fortentwicklung.
Die bauliche Entwicklung lässt sich in einzelne anschaulich erlebbaren Phasen glie-
dern: vor dem Ersten Weltkrieg; Zwischenkriegszeit; unmittelbare Nachkriegszeit;
1960er/ 70er und 80er Jahre. Das Viertel ist im Zusammenwirken von Grundriss (aus
Straßen, Gärten, Höfen) und Bauten und in der substantiellen Verdichtung histori-
scher Schichten insgesamt sowohl städtebaulich als auch ortsgeschichtlich ein aussa-
gekräftiges und erhaltenswertes Dokument, so dass die in der Substanz ablesbare
Gesamtentwicklung die Ausweisung des Denkmalbereiches begründet.
Die Besonderheiten des Viertels schlagen sich in konkreten Schutzgegenständen des
Denkmalbereiches nieder: im örtlichen Grundriss, in der aufgehenden Bausubstanz,
in historischen Freiflächen, im Baumbestand und Bewuchs und in charakteristischen
Blickbezügen.
Der örtliche Grundriss
Der örtliche Grundriss setzt sich zusammen aus Straßenführung, Parzellenteilung und
aus der Verteilung von bebauter und unbebauter Flächen. Die Straßenführung ist ge-
radlinig und rasterförmig, die untereinander etwa gleichbreiten Straßenräume beste-
hen seit der Trassierung aus Fahrbahn, seitlichen Bürgersteigen und größtenteils
beidseitigen Baumreihen. Für einzelne Straßenzüge (Kaiser-Konrad-Straße, Rathaus-
straße) sah der Plan von 1900 begleitend zu den Bürgersteigen durchgehende
schmale Streifen von Vorgärten vor. Diese wurden umgesetzt, sind heute erhalten
und zeichnen im Zusammenwirken mit den Baureihen diese Straßenräume aus. Die
Parzellenzuschnitte sind, – der Blockbebauung entsprechend –, in den geraden Ab-
schnitten lang und schmal, an den Ecken annähernd quadratisch.
Schutzziel ist die Erhaltung des Grundrisses in seiner Struktur. Der örtliche Grundriss
sollte in der Straßenführung, im Straßenprofil, in der Gliederung (Fahrbahn, Bürgers-
teig, Baumbestand) erhalten bleiben, sowie in der Maßstäblichkeit der Parzellentei-
lung und in der Verteilung von bebauter und unbebauter Fläche.Seite 17 von 33
Seite 14
Die aufgehende Bausubstanz
Die Bauten um 1900
Die Blockrandbebauung der ersten und für das Viertel grundlegenden Bauphase be-
steht aus meist über hohen Kellersockeln traufständigen, dreiachsigen Wohnhäusern
und wenigen Wohn- und Geschäftsbauten in geschlossenen Zeilen in einer Flucht drei-
geschossige, zum Teil zweigeschossige Zeilen, abschnittsweise mit schmalen Vorgär-
ten. Die Bauten sind hell (in Weiß-, Grau-, Blau- und Gelbtönen) verputzte Massiv-
bauten. Sie zeichnen sich durch eine vielgliedrige Gestaltung der straßenseitigen Fas-
saden in für die Zeit kurz nach 1900 überregional üblicher Formensprache mit zahl-
reichen architektonischen Details und reicher Bauzier im Stil des Klassizismus, Ne-
oklassizismus, Historismus oder auch Jugendstils gestaltet. Architektonische Gliede-
rungselemente sind Erker, Risalite mit Übergiebelungen, Ecktürmchen, Balkone, Log-
gien, unterschiedliche Fensterformate (Fensterkonstruktionen aus Holz, Flügel- und
Scheibengliederung) und stukkierte Schmuckfassaden mit ornamentalen Motiven.
Lisenen, Pilastern, Säulen, profilierten Gesimskanten, Tür- und Gewänderahmungen,
profilierte Verdachungen gliedern die straßenseitigen Fassaden, die zusätzlich ge-
schmückt sind mit Stuckornamenten. Die Dächer sind in Mansard- oder Satteldach-
form ausgebildet, mit Schiefer oder Ziegelpfannen gedeckt. Zum Teil sind die Dach-
geschosse ausgebaut, weisen kleine Gauben und einzelne große Giebelhäuser/
Zwerchhäuser in der Hauptgliederungsachse der Fassaden auf, zum Teil schließen die
Bauten mit Mezzaningeschossen ab.
Besonders aufwändige Gebäude stehen in der Professor-Neu-Allee, der früheren Kai-
serstraße. Ursprünglich waren in den Eckgebäuden des Viertels kleine Läden zur täg-
lichen Versorgung wie Metzgereien oder Bäckereien.
Die Bauten bilden in gleichmäßiger Verteilung städtische Muster und machen in rhyth-
mischer Reihung die Häuserzeilen als Ganzes zu städtischen Elementen und auch zu
einheitlichen Blöcken. Rückwärtig sind die Gebäude um schmale Anbauten in die Blo-
ckinnenbereiche verlängert, die Gartenfassaden durch Loggien und vorgelagerte
Treppen gegliedert, die Höfe vereinzelt über Tordurchfahrten erschlossen. In den Blo-
ckinnenbereichen stehen vorwiegend kleinteilige im Volumen und in der Gestaltung
den Wohnhäusern nachgeordneten schlicht und zweckmäßig gestalteten Nebenge-
bäuden in Massivbauweise. Die Gärten sind oft durch Mauern voneinander getrennt.
Während im Inneren des Viertels reine Wohnstraßen liegen, sind die äußeren Stra-
ßenzeilen (an der St. Augustiner Straße) historisch um ein Geschoss höher. Es sind
vom Haustyp Wohn- und Geschäftshäuser mit Ladenräumen im Erdgeschoss. In ge-
schlossener Bauweise schirmen sie das Viertel optisch und akustisch zu der heute
stark befahrenen Ausfallstraße ab.Seite 18 von 33
Seite 15
19: Combahnstraße 20: Professor Neu Allee, 2020
städtebauliche Merkmale der Gesamtheit: rhythmische Gliederung der Straßenfront durch ähnliche Ele-
mente
Die Bauten der späteren Phasen sind bescheidener und schmucklos gestaltet. Es
sind stilistisch Zweckbauten der 20er/30er und der 50er Jahre, der Zwischen- und der
Nachkriegszeit. Sie bilden als Blockränder und Zeilenabschnitte ebenfalls städtebau-
liche Elemente, die dem angelegten System folgen und die in ihrer schlichten einheit-
lichen Gestalt die jeweiligen Straßenräume im Gesamteindruck prägen: Kaiser-Kon-
rad-Str.19-33, 39-49, 68-72, Combahnstr.30-36/ Rheindorfer Straße 25. Sie sind im
Nebeneinander von städtebaulicher Bedeutung; wie Kaiser-Konrad-Straße 19-33: von
der Straße zurückgesetzt eine durchgehende Zeile aus schlichten zweigeschossigen,
zweiachsigen, traufständigen hellen Putzbauten mit glatten Lochfassaden und mit
dunklen Ziegeln gedeckten Satteldächern mit straßenseitig wenigen kleinen
Schleppgauben. Die Bauten Kaiser-Konrad-Straße 39-49 bilden ein zusammenhän-
gendes städtebauliches Element: Es sind in der Straßenflucht in geschlossener Bau-
weise schlichte zweigeschossige, traufständige Putzbauten mit glatten Lochfassaden
und mit dunklen Ziegeln gedeckten Satteldächern, durchgehender Traufkante. In der
Combahnstraße steht in der Straßenflucht eine durchgehende Zeile aus schlichten
zweigeschossigen, zweiachsigen, traufständigen hellen Putzbauten mit glatten Loch-
fassaden und mit dunklen Ziegeln gedeckten Mansarddächer und durchgehenden pro-
filierten Traufkanten. Horizontal auskragende Wetterschutzkonstruktionen aus Beton
betonen die Eingänge. Die Bauten der unmittelbaren Nachkriegszeit nehmen die Stel-
lung der älteren Gebäude zur Straße, die Geschossigkeit und die geputzten Oberflä-
chen auf, sind in der architektonischen Gestalt zweckmäßig schlicht und gestalterisch
unauffällig.
Eine auf den Charakter des Viertels bezogene besondere Stellung nimmt die Rhein-
austraße ein. Die parallel zum Rhein geführte Straße war Ende des 19. Jahrhunderts
als Verbindungs- und Durchgangsstraße in Bahnhofsnähe beidseitig unregelmäßig be-
baut. Der von Huppertz und Stübben erstellte Bebauungsplan bezog die bestehenden
Bauten ein, ohne den Bestand zu überplanen, so dass diese älteren Bauten in derSeite 19 von 33
Seite 16
Formensprache späteren Ersatzbauten andere Maßstäbe vorgaben und Voraussetzun-
gen boten, die sich von dem inneren Viertel in Kubaturen und architektonischen Aus-
prägungen unterscheiden. Hier, im westlichen und rheinnahen Teil des Viertels lässt
sich an einzelnen Bauten der 1960er Jahre ablesen, wie auf der Grundlage der städ-
tebaulichen Besonderheiten die Wohnungen über nach Westen, zum Licht, zur Sonne
und zum Rhein gerichtete große Fenster und Balkone zusätzliche Merkmale aufweisen
und damit an Wohnqualität gewinnen (Professor-neu-Allee 35, Rheinaustraße 83, 91,
93). Das Doppelhaus Rheinaustraße 75,77, ein späterer Bau (wohl aus den 1980er
Jahren), wird als Antwort auf die architektonischen und städtebaulichen Vorgaben des
Viertels und als Schließung der Blockrandbebauung und der Zeit entsprechender Bau-
form gewertet. Insofern ist zwar die Planungszeit die tragende Schicht, aber der
Denkmalbereich umfasst in der Bausubstanz inhaltlich die fortgeführte Entwicklung
und zeigt damit Werte auf, die von architektonischen und städtebaulichen Entwick-
lungen jüngerer Zeitschichten zeugen.
Trotz der Anlage und Entwicklung des Viertels über einen relativ langen Zeitraum
ergibt sich ein weitgehend geschlossenes inneres Bild der Straßenräume und des Vier-
tels.
Denkmäler und historisch erhaltenswerte Bausubstanz
Einzelne Häuser sind als denkmalwert in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen
(s. Abb. 28: rot = Denkmal). Zahlreiche Bauten sind auf Grund von Veränderungen
der Originalsubstanz nicht denkmalwert, tragen jedoch zu dem führenden Charakter
der Entstehungszeit des Viertels und in Abschnitten einheitlichen Gesamteindruck des
Viertels bei. Diese Bauten sind innerhalb des Denkmalbereiches in ihrer nach außen
wirksamen Erscheinung erhaltenswert (s. Abb. 28: pinkfarben = historisch erhaltens-
werte Bausubstanz).
Erhaltenswerte Bausubstanz im Sinne des § 25 DSchG NW (Denkmalpflegeplan) ist
aus geschichtlichen Gründen erhaltenswert (aus wissenschaftlichen, ortsgeschichtli-
chen, städtebaulichen) und weist historische Substanz auf. Erhaltenswerte Bausub-
stanz umfasst Gebäude/bauliche Anlagen (wie Mauern, Treppen, Terrassen), die -
aufgrund baulicher Veränderungen oder geringer historischer Bedeutung - nicht denk-
malwert sind, die jedoch zur Anschauung und Erlebbarkeit eines historischen Gesamt-
zusammenhangs beitragen: in einem Ort, Stadtteil, Straßenzug. Ein Verlust der er-
haltenswerten Bausubstanz schmälert den historischen Aussagewert des betrachteten
Ganzen.
Nach dem äußeren Erscheinungsbild wird zahlreichen Objekten Erhaltungswert zuge-
sprochen, die historische Substanz aufweisen und denen sowohl ein architektonischer
als auch ein städtebaulicher Wert zugesprochen wird, indem sie die Blockränder
schließen und so als Einzelbauten oder gereiht zu einer städtebaulichen Großform
innerhalb des Viertels beitragen. Alle übrigen Objekte unterliegen in Kubatur, Bau-
körperstellung und Architektur den allgemeinen Bestimmungen der Denkmalbereichs-
satzung.Seite 20 von 33
Seite 17
Konkret werden aus historischen Gründen erhaltenswert solche Objekte gewertet, die
auf Grund baulicher Veränderung / Purifizierung/ straßenseitiger Verkleidung die Kri-
terien eines Denkmals nicht erfüllen, deren Substanz in Konstruktion und Architek-
turformen jedoch wesentlich erhalten ist und die somit den Gesamteindruck der Bau-
zeile, des Straßenraums und des Viertels stärken. Das trifft auf einzelne Bauten der
ersten Bauphase zu. Beispiele sind Professor-Neu-Allee 2, 4, 7 oder auch Nr. 9.
21: Professor-Neu-Allee 7-13, 2020
Bauten der 1930er/40er und 50er Jahre sind dann erhaltenswert, wenn sie in ihrer
Substanz die Blockrandbebauung einer Zeitstellung schließen und damit städtebaulich
ein zusammenhängendes Element bilden. Beispiele sind Combahnstraße 30-36.
22: Combahnstraße 30-36, 2020
Bauten der 1960er und 70er Jahre sind dann erhaltenswert, wenn sie die Merkmale
des Wohnviertels aufnehmen und zeitgemäß interpretieren oder einen aus der ZeitSeite 21 von 33
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erklärbaren neuen thematischen Zusammenhang einführen und damit die grundle-
genden Merkmale des Wohnviertels als bevorzugte Wohnlage mit neuen Anforderun-
gen (wie Ausrichtung nach Westen zum Licht, zur Sonne, mit Blick auf den Rhein)
füllen und der Zeit entsprechend mit gereihten Architekturelementen wie Balkonen
ausbilden. Beispiele an der Rheinaustraße, alten Verbindungsstraße parallel zum
Rhein, sind Nr. 83, 91 oder auch 93. Wenigen Bauten späterer Jahrzehnte gelingt es,
die Merkmale und Qualitäten des Viertels aufzunehmen, zurückhaltend neu zu be-
stimmen und sich einzufügen. Dazu zählen die Bauten Rheinaustraße 75,77 in anklin-
gender postmoderner Formensprache.
23: Rheinaustr.83 24: Rheinaustraße 75,77. 2020
Der Umgang mit historisch erhaltenswerter Bausubstanz
Eine Denkmalbereichssatzung, die das Wesen eines Stadtteils, den definierten inne-
ren Zusammenhang schützt, schützt inhaltlich, sie erhält nicht das Abbild, sondern
sie erhält die bauliche Substanz, so dass aus historischen Gründen erhaltenswerte
Bauten innerhalb des Satzungsgebietes in der nach außentretenden Substanz ge-
schützt sind.
Doch die Ausweisung von Einzeldenkmälern und die Benennung von erhaltenswerten
Objekten alleine treffen immer noch keine umfassende Aussage zu dem Stadtteil als
Gesamtheit und werden seinem einheitlichen Erscheinungsbild noch nicht gerecht.
Auch straßenräumliche Details wie Hauseingangstreppen, Vorgärten mit Mauern, Zäu-
nen, Bewuchs, auch Straßenbäume gestalten das Innere des Viertels und sind aus
historischen Gründen im städtebaulichen Zusammenhang erhaltenswert. Die gestuf-
ten Einfassungen am Rhein, die Ufermauern, und die Gliederungen der ehemaligen
Bahnhof-Verladezone sind ebenfalls erhaltenswert.Seite 22 von 33
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Der dichteste Bestand insgesamt findet sich in Abschnitten von Combahnstraße, Kai-
ser-Konrad-, Professor-Neu-, und Rathausstraße. Hier weist die historische Substanz
städtische Merkmale mit eigenem Wert auf: Häuserzeilen, Straßenräume, Blöcke,
stimmige Blockausschnitte und erlebbare Ausschnitte der Dachlandschaft.
Die Dachlandschaft, Dachansichten
Diese Bauten bilden nicht nur rhythmische Straßenfronten sondern auch eine zusam-
menhängende Dachlandschaft. Zusammenhängende Teilstücke wirken in die Straßen-
räume und sind als Teil der Hausansichten sichtbar. Die Dächer der ersten Bauphase
setzen sich zusammen aus untereinander ähnlichen Flächen. Sie sind größtenteils in
Mansard- und Sattelform ausgebildet, als weitgehend kleinstrukturiert geschlossene
Flächen mit Schiefer, Pfannen oder mit Ziegeln gedeckt. Die historischen Dachauf-
bauten sind - der Nutzung entsprechend - Teil der jeweiligen Architektur. Insbeson-
dere die Dachhäuser und Giebel gliedern die Dachlandschaft, Hausansichten und wir-
ken zu den Straßen. (Abb. 25)
25: Professor-Neu-Allee, 2020, Dachlandschaft
Die späteren Bauphasen bilden durchgehende zusammenhängende, weitgehend ge-
schlossene, von regelmäßig gesetzten kleinen Gauben/ Fenstern gegliederte und
kleinstrukturierte Dachflächen. (Abb. 22)
Die Schauseite
Die Qualität des Viertels liegt vor allem in der Wirkung im Inneren des Viertels. Zum
Rhein hin zeigt sich das Viertel mit dem durch Mauern gestalteten und mit Bäumen
begrünten Uferbereich und der hier endenden Beueler Promenade. Nördlich schließt
parallel zur Trasse der Brölbahn ein Sandstrand und ein in Grünflächen übergehender
Uferbereich an. Die Bautenreihe zum Ufer ist sehr heterogen, so dass eine städtebau-
lich-architektonische Zwiesprache in Form einer Schauseite zum Rhein und zur ge-
genüberliegenden Uferseite oder einer prägnanten Silhouette heute nicht ausgebildet
ist.Seite 23 von 33
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26. Ansicht von Combahn zum Rhein, 1894, Postkarte (Ausschnitt), Stadtarchiv, DA02 15538
Zusammenfassend begründet die bauliche Substanz der Zeit um 1900 den histori-
schen Wert des Viertels. Sie besteht größtenteils aus untereinander gleichwertigen
Bauten. Die Objekte bilden im Nebeneinander, in der Reihe und im Gegenüber ein
architektonisches, ein straßenräumliches und in der Summe der Straßen und Plätze
ein städtebauliches Miteinander, ein städtisches Gefüge, das die Anlage dokumentiert.
Die späteren Bauphasen entwickeln sich städtebaulich aus den Gegebenheiten des
Viertels. Der Denkmalbereich lässt insbesondere mit den Bauten der 1960er bis
1980er Jahre neue Themen anklingen und positioniert sich so als städtebauliches In-
strument zur Dokumentation der kontinuierlichen und historisch bedeutsamen Ent-
wicklung des Viertels bis in die jüngste Zeit.
Schutzziel zur Wahrung des geschlossenen Gesamteindrucks - bezogen auf die Bau-
substanz im Combahnviertel - ist die Erhaltung des Miteinanders der Bauten, ihres
Verhältnisses zueinander: der Maßstäblichkeit, auch der rückwärtigen Bebauung, der
gleichförmigen Reihung im Rhythmus der Häuser in der Straßenflucht und im Stra-
ßenraum. Einen eigenen Gesamteindruck der Straßenräume vermitteln die Straßen-
züge mit den Vorgärten.
Schutzziel ist außerdem die Erhaltung der den Straßenraum gliedernden und auf his-
torische Entwicklung verweisenden Details wie Treppen, Mauern, Zäune.
Die historischen Freiflächen:
Es können verschiedene Arten von Freiflächen historischen Ursprungs unterschieden
werden, die bis heute den Gesamteindruck wesentlich prägen:
Jede Freifläche ist Teil des Raumprogramms des zugehörigen Hauses und damit bei
denkmalwerten und historisch erhaltenswerten Bauten ebenfalls erhaltenswert. Üb-
rige Freiflächen sind erhaltenswert, wenn sich im Blockinnenbereich Gesamtflächen
ergeben. Denn in den Blockinnenbereichen bilden die aneinanderstoßenden Gärten
und Höfe von Bauten umschlossene begrünte, ruhige oder auch gewerblich genutzte
Freiflächen/ Freiräume mit eigener städtischer Ausprägung. Durch das Miteinander
der Gärten entsteht jeweils eine zusammenhängende Grünfläche, ein eigenes städti-
sches Element mit einem Mehrwert für die Wohnhäuser.
In einzelnen Straßenzügen bilden die Vorgärten schmale abwechslungsreich be-
pflanzte Distanzstreifen zwischen Bürgersteig und Hauszeile, sind Teil der Architek-
turqualität, gliedern den Straßenraum und vermitteln einen eigenen Raumeindruck.
Schutzziel ist die Bewahrung des Stadtteilcharakters durch Erhaltung der Freiflächen
und des Zusammenwirkens mit dem Grundriss und der aufgehenden Bausubstanz.
Auch die Freifläche der ehemaligen Verladezone des Bröltalbahnhofs ist erhaltens-
wert.Seite 24 von 33
Seite 21
Der Baumbestand und der Bewuchs
In einzelnen Straßenzügen sind Baumreihen (wie Japanische Kirschen, Birken, Lin-
den) Teil des Straßenraums.
Ein Schutzziel des Denkmalbereiches ist die Erhaltung der Bäume im Zusammenhang
mit baulichen Anlagen und mit dem städtischen Raum.
27: Kaiser-Konrad-Straße, Blick nach Westen, 2020
Die charakteristischen Sichtbezüge
Blicke und Blickwinkel auf markante Objekte (besonders ausgeprägte Eckbauten oder
auch Bauten/ bauliche Anlagen mit spezifischer Funktion) zeichnen das Viertel aus.
Durch diese Sichtverbindungen entsteht ein optisches Netz, das das Viertel als Einheit
erleben lässt und über das das Viertel in das übrige städtische Gefüge eingebunden
ist.
So verankern einzelne Blickbeziehungen das Viertel an den Kirchtürmen der umlie-
genden historischen Ortskerne: aus der Rheindorfer Straße ist im Blick nach Norden
der Kirchturm von St. Maria und St. Clemens, der Doppelkirche in Schwarzrheindorf,
Blickpunkt. Aus der Professor-Neu-Allee ist im Blick nach Süden der spitze Helm der
Beueler katholischen Pfarrkirche St. Josef als städtebauliche Dominante ein optischer
Fixpunkt, und aus dem Quartier nach außen über den Rhein sind die Doppeltürme der
neugotischen Stiftskirche St. Johann Baptist und Petrus in der Bonner Altstadt Blick-
fang. In der Blickachse der Combahnstraße nach Westen ist die Siegessäule am Rand
des Viertels vor dem Rheinufer ein wichtiger Festpunkt.
Außerdem übermitteln einzelne Blicke innerhalb des Ortes charakteristische Eindrücke
vom Inneren des Viertels.
Besonders reizvolle Blicke in das Viertel ergeben sich von Süden, aus der Hermann-
straße auf das Eckhaus mit rundem Erkerturm an der Professor-Neu-Allee / Konrad-
Adenauer-Platz, innerhalb der baumbestandenen Professor-Neu-Allee, in der Com-
bahnstraße, in oberen Kaiser-Konrad-Straße und der Rathausstraße auf die gründer-
zeitlichen Häuserreihen, mit malerischen Hausfassaden, zum Teil mit Vorgärten, ge-
fasst von niedrigen Mauern oder auch noch schmiedeeisernen Zäunen.
Die prägenden und erhaltenswerten Sichtbezüge sind in den Abbildungen 28 und 29
kartiert.Seite 25 von 33
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28: Karte zur Erläuterung des Denkmalbereichs „Combahnviertel“
rot = Denkmal, pink = historisch erhaltenswerte Bausubstanz,
gelb = prägendes Wegenetz, grün = historisch erhaltenswerte Freiflächen, die mit den historischen Bauten
eine Einheit bilden, blau: prägende und erhaltenswerte Blickbezüge
29: Blicke auf die Kirchtürme der umliegenden Orte: auf St. Josef in Beuel im Süden, auf die Doppelkirche
von Schwarzrheindorf im Norden und auf die beiden Türme der Bonner Stiftskirche im Westen = optische
Verankerung des Viertels im städtischen RaumSeite 26 von 33
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Bewertung
Das Combahnviertel ist bedeutend für die Geschichte des Menschen, für
Städte und Siedlungen, für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsver-
hältnisse.
Bedeutung für die Geschichte des Menschen
Bedeutend für die Geschichte des Menschen ist ein Bereich, wenn es einen Aussage-
wert für das Leben bestimmter Zeitepochen sowie für die politischen, kulturellen oder
sozialen Verhältnisse und Geschehensabläufe seiner Zeit hat. Es muss historische Er-
eignisse oder Entwicklungen heute und für zukünftige Generationen anschaulich ma-
chen.
Das Combahnviertel ist auf Grund der erhaltenen Substanz im Miteinander von Bau-
ten, Freiflächen, Ortsgrundriss und dem Bezug zu den topografischen Gegebenheiten
am Rheinufer in besonderem Maße geeignet, die geschichtliche Entwicklung und die
Ortsgeschichte von Beuel und den umliegenden Ortslagen/ Dörfern, die zum heutigen
Beuel zusammenwuchsen, und die sozialen und auch die wirtschaftlichen Verhältnisse
in der Zeit um 1900 einschließlich späterer Entwicklungen aufzuzeigen und zu erfor-
schen.
Mit der Neuanlage des Combahnviertels wurde Wohnraum für die zugezogenen Fami-
lien geschaffen. Es zeugt als Wohnviertel für die wohlhabende Mittelschicht, - gut
angebunden und in attraktiver Lage am Rhein, Bonn gegenüber, - vom Anwachsen
von Beuel vom Anwachsen der Orte in der Nähe zu Bonn in der Zeit um 1900 und hat
seine Bedeutung als bevorzugtes Wohnviertel in den nachfolgenden Jahrzehnten be-
wahrt und gefestigt.
Die historische Substanz, die Verteilung von Bauten, die Zuordnung der Baukörper,
die Bildung von Straßenräumen, die Lage der Gärten lassen die Plananlage, ihre Kon-
stanz und die Weiterentwicklung, im Bestand und Gesamteindruck als stimmiges
Wohnviertel und die Funktionstüchtigkeit als Stadtteil seit über 100 Jahren überzeu-
gend nachvollziehen.
Bedeutung für Städte und Siedlungen
Bedeutend für Städte und Siedlungen ist ein Bereich, wenn er einen besonderen Aus-
sagewert für die Baugeschichte (Architekturgeschichte) einer Stadt oder Siedlung,
aber auch einer Region hat, etwa weil es charakteristisch ist für Häuser einer be-
stimmten Schicht und Zeit. Bedeutend für Städte und Siedlungen ist darüber hinaus
ein Bereich, der den historischen Entstehungsprozess einer Stadt oder Siedlung be-
zeugt, etwa indem er durch seine Anordnung und Lage in der Örtlichkeit, durch seine
Gestaltung für sich allein oder in Verbindung mit anderen Anlagen den historischen
Entwicklungsprozess einer Stadt oder Siedlung in nicht unerheblicher Weise doku-
mentiert.
Das Combahnviertel ist im Hinblick auf Siedlungsgeschichte, Stadtbaugeschichte,
Siedlungsstruktur, Siedlungstypologie, Architekturgeschichte und in spezifischer Aus-
prägung sowohl auf den historischen Entstehungsprozess als auch den Entwicklungs-
prozess von Beuel bezogen, ein gebautes Dokument, das als ein Ganzes als historisch
aussagekräftiger Siedlungsschwerpunkt überzeugt: in seiner Lage zum Ortskern von
Beuel, im Miteinander der Bauten in Reihen in überwiegend geschlossener BauweiseSeite 27 von 33
Seite 24
entlang der Bauflucht und im engen Zusammenwirken von Bauten und rückwärtigen
Gärten und Höfen und der Straßen.
Insgesamt ist das Viertel in seiner Anlage und in seinem historischen Entwicklungs-
prozess Teil der Stadtbaugeschichte von Beuel, städtebaulich integriert, und als sol-
ches nicht nur bedeutend, sondern auch von besonderem Aussagewert für die Sied-
lungsbildung und die Siedlungsentwicklung. Auch weist das Viertel in der architekto-
nischen Ausformung von Einzelbauten und in der Gruppe von Bauten in ihrer Gesamt-
aussage auch eine hohe Bedeutung für die Architekturgeschichte auf.
Bedeutung für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse
Bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist ein Be-
reich, wenn ihr aus historischer Sicht ein besonderer Zeugniswert für die Entwicklung
der landwirtschaftlichen, handwerklichen, gewerblichen oder industriellen Prozesse
einer Region beigemessen werden kann.
Im Zuge der Industrialisierung war mit dem Anstieg der Einwohnerzahl einerseits
durch den Zuzug von Arbeitern, andererseits, bedingt durch den zunehmenden Wohl-
stand der Orte und das Anwerben von Neubürgern, auch in der Bürgermeisterei Beuel
die Ausweisung neuer Wohngebiete unbedingt erforderlich. Als Wohnviertel für be-
tuchtere Bevölkerungskreise, für angeworbene Neubürger, zeugt das Viertel vom An-
wachsen der Bürgermeisterei Beuel als eine Folge der Industrialisierung um 1900 und
zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In seiner Beständigkeit und Funktionstüchtigkeit
spiegelt es Nachfrage und gesellschaftlich Akzeptanz.
2. Erhaltungswert
Die Erhaltung und Nutzung liegt im öffentlichen Interesse, denn für die Er-
haltung und Nutzung liegen wissenschaftliche, insbesondere orts- und archi-
tekturgeschichtliche, und städtebauliche Gründe vor:
Die wissenschaftlichen Gründe
Wissenschaftliche Gründe für die Erhaltung und Nutzung eines Bereiches setzen vo-
raus, dass diese für die Wissenschaft oder einen Wissenschaftszweig von Bedeutung
sind, was der Fall sein kann, wenn ein Bereich die Entwicklung der Wissenschaft do-
kumentiert oder selbst als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung in Betracht
kommt.
Das Viertel ist in seiner historischen Gesamtaussage ein bedeutendes Geschichtsdo-
kument, insbesondere im Hinblick auf die Orts- und die Stadtbaugeschichte. Auf
Grund der Bedeutung und der substantiellen Überlieferung als städtebauliche Planung
der Kaiserzeit um 1900, in der Gesamtschau der Baukörper, Bau- und Haustypen,
eignet es sich zur weiteren Erforschung und Dokumentation der Stadtbaugeschichte,
aber auch der Orts-, und der Architekturgeschichte.Seite 28 von 33
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Zur Stadtbaugeschichte
Das Combahnviertel ist eine Planung von Hermann Josef Stübben (1845-1936). Stüb-
ben gehörte nach der Reichsgründung im Jahr 1871 zu den Wegbereitern des moder-
nen Städtebaus. Er war Stadtbaumeister von Aachen (1876-81) und Köln (1881-98)
und hatte als Stadtplaner zahlreiche Wettbewerbe gewonnen.
Seine Planungen fanden über die Reichsgrenzen hinaus Beachtung und verschafften
ihm europaweit hohe Anerkennung, so dass ihn viele Städten in Deutschland und im
Ausland bei Stadterweiterungen zu Rate zogen. Auch verfasste er zahlreiche Schriften
und theoretische Werke zum Städtebau und zur Architektur, die als Standardwerke in
die Stadtbaugeschichte eingingen, 1890 erschien „Der Städtebau“ als Teil des Hand-
buchs der Architektur, das erste umfassende Buch zum Städtebau.
Unter seinen über 90 städtebaulichen Planungen lagen zahlreiche im Rheinland (so
u.a. in Aachen, Düsseldorf-Oberkassel, Bad Godesberg, Koblenz). In Köln plante er
die großen städtebaulichen Maßnahmen, die bis heute die Stadt prägen: die Umge-
staltung des Kölner Rings und die Neustadt. Zusätzlich besteht städtebaulicher For-
schungsbedarf beispielsweise gerade im Hinblick auf die Frage: Wie sieht in späteren
baugeschichtlichen Phasen eine städtebaulich tragfähige Antwort auf ein gewichtiges
städtebauliches Konzept aus?
Zur Orts- und Architekturgeschichte
Michael Nussbaum, der für die Planung der Häuser Professor-Neu-Allee 43 und 47
verantwortlich zeichnete, war seit Beginn der 1920er Jahre Teilhaber und Geschäfts-
führer der Fa. Johann Nussbaum & Sohn. Der Betrieb wurde 1911/12 von dem Dach-
deckermeister und Bauklempner Johann Nussbaum geleitet, der 1912 mit dem Ge-
bäude Professor-Neu-Allee 45 sein eigenes Wohnhaus baute.
Die Architektur der als Einfamilienhäuser errichteten Straßenrandbebauung orien-
tierte sich an den Baustilen des beginnenden 20. Jahrhunderts, abgewandt von den
historischen Vorgaben und auf der Suche nach neuen Formen (Jugendstil, Landhaus-
stil etc.), im Gesamteindruck vielfältig und auch aus heutiger Sicht malerisch. Die
späteren Bauphasen nehmen städtebaulich und architektonisch Bezug auf den gege-
benen Bestand. Die späteren Bauten sind zum Teil ebenfalls von ortsansässigen Ar-
chitekten errichtet.
Auch hier besteht Forschungsbedarf. Die Bauten sind im Zusammenhang in der Viel-
zahl und im Vergleich als Forschungsobjekt auch von besonderem Wert sowohl für die
Architekturgeschichte als auch die Ortsgeschichte.
Die städtebaulichen Gründe
Städtebauliche Gründe sind gegeben, wenn ein Bereich in seinem konkreten Bestand
aus der ihm noch innewohnenden funktionalen Einbindung in die gegebene städte-
bauliche bzw. siedlungsbezogene Situation nicht herausgelöst werden kann, ohne zu-
gleich die erhaltenswerte Situation in ihrer denkmalrechtlich relevanten Aussagekraft
wesentlich zu beeinträchtigen oder sogar zu zerstören.
Für die Erhaltung und Nutzung liegen außerdem städtebauliche Gründe im stadträum-
lichen Sinne vor. Durch Verteilung und Miteinander der Bauten entstehen charakte-
ristische Straßenräume, durch die Blockrandbebauung entstehen im Kontrast dazuSeite 29 von 33
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rückwärtig Blockinnenbereiche, durch das Miteinander der Gärten großzügige Garten-
flächen mit der Qualität im Erscheinungsbild einer zusammenhängenden Grünanlage.
Die nördlichen Blöcke sind im Innenbereich zur Wohnbebauung erschlossen. Kleinere
Teilbereiche zwischen Bröltalbahntrasse und der Kaiser-Konrad-Straße gehören nicht
unmittelbar zum erhaltenswerten historischen Bestand des Viertels, stützen aber auf-
grund der ähnlichen Gebäudemassen und Dachformen sowie der Grundstücksgrößen
und des -zuschnitts als engere Umgebung das Erscheinungsbild des Denkmalbereichs.
Insgesamt entsteht ein städtebaulich aussagekräftiges und bedeutendes Dokument
der Stadtbaugeschichte von Beuel.
30: Reliefkarte, Ausschnitt Bröltalbahnhof, VerladezoneSeite 30 von 33
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31: Bahnhof, Verwaltungsbau, im Hintergrund: Sturzgerüst für die Basaltentladung
Räumlicher Geltungsbereich (Abb. 32)
Der Denkmalbereich umfasst das Viertel in seiner historischen Dimension, eingepasst
in den historischen Bestand und angeschlossen an die weiteren städtebaulichen Ele-
mente: das Wohnviertel als planmäßige Anlage, den Bröltalbahnhof mit der
Bahntrasse einschließlich der ehemaligen Verladezone (Abb. 30 und 31) und den Be-
ginn der Rheinpromenade. Bröltalbahnweg, Rhein und die St. Augustiner Straße be-
grenzen das Viertel.
32: Denkmalbereich „Combahnviertel“, lila = räumlicher GeltungsbereichSeite 31 von 33
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Resümee
Das Combahnviertel ist ein überzeugendes in sich geschlossenes gebautes Dokument
der Geschichte, das sorgsam geschützt werden sollte. Das Gutachten zur historischen
Bedeutung ist die Grundlage zum Erlass einer entsprechenden Denkmalbereichssat-
zung gemäß Denkmalschutzgesetz NW. Eine solche von der Stadt Bonn aufgestellte
Satzung ist dann das geeignete Instrument zum Schutz der besonderen historischen
Werte und zur Begleitung der weiteren Entwicklung des Viertels.
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das Combahnviertel in Bonn-Beuel, FH Köln, FB Architektur, WS 1993/94.
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- Dietrich Höroldt, /Manfred van Rey(Hrsg.): Geschichte der Stadt Bonn, Bd. 4: Bonn.
Von einer französischen Bezirkshauptstadt zur Bundeshauptstadt 1794-1989. Bonn
1989.
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richte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland17, 2., überarb. und
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- Oliver Karnau, Hermann Josef Stübben, in: Internetportal Rheinische Geschichte, ab-
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- Sabine Krietsch, Die wirtschaftliche Entwicklung Beuels. Von der Landgemeinde zum
Stadtbezirk (1809-1969) (=Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-
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- Heinrich Neu: Geschichte der Gemeinde Beuel. Beuel 1952 (Faksimile-Nachdruck Bonn-
Beuel 2001).
- Andrea Pufke, (Hrsg.): Denkmalbereiche im Rheinland. Arbeitsheft der rheinischen
Denkmalpflege83, Petersberg 2016.Seite 32 von 33
Seite 29
- Dieter Remig, Das Combahnviertel „…da es eine gute Lage und mit Vorgärten versehen
ist. In: Bonner Geschichtswerkstatt, Ein historisches Lesebuch „Die Beueler Seite ist
nun einmal die Sonnenseite“ , Bonn 1996, S. 154-160.
- Rudolf Schneider: Beuel am Rhein – im Spiegel alter Ansichtskarten - , Bonn 2000.
- Gerd Wolff, Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 4: Nordrhein-Westfalen, südlicher
Teil, Freiburg 1997, S. 217-245: Rhein-Sieg Eisenbahn AG (RSE) bis 1921 Bröhlthaler
Eisenbahn Actien-Gesellschaft.
-
- Landesarchiv NRW Bestand Vilich, ehemals im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, Urkunde
vom 3. April 1343, zitiert nach Johannes Bücher:Alte und neue Straßennamen im Ge-
biet der ehemaligen Stadt Beuel. In: Stadt Bonn (Hrsg.): Studien zur Heimatgeschichte
des Stadtbezirks Bonn-Beuel. Band22. Bonn 1980.
- Bundesstadt Bonn, Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek: Integriertes Hand-
lungskonzept Bonn-Beuel 2002; Denkmalpflegeplan Bonn-Beuel2003;
- Stadtarchiv Bonn: Be 763 Kaiser-Konrad-Straße 1895-1928; Be 817 Verhandlungen
über den Bebauungsplan von Beuel 1898-1924, Be 818 Bebauungsplan von Beuel
1899-1935, Be 838 Fluchtlinienfestsetzung 1892-1911, Be 839 (Teil 1 und Teil 2)
Fluchtlinienfestsetzung 1904-1927. „Beuel und Combahn im Jahr 1891“; SN 005, Kar-
ten- und Plansammlung Signatur 1067, Postkartensammlung (DA02 15538).
https://de.wikipedia.org/wiki/Combahn (aufgerufen am 20.11.2020)
historisches Kartenmaterial: topografische Karten des 19. Jahrhunderts (1801, 1843, 1895)
unveröffentlichte Quellen:
- Rheinisches Amt für Denkmalpflege: Denkmalverzeichnis für die Stadt Bonn. Bearb. v.
Angelika Leyendecker, Christina Wittmann/ Berg, Bonn 1982.
- Karen Künstler-Brandstädter, Wohngebäude Rathausstr. 42, Stadt Bonn, Gutachten
zum Denkmalwert, 04.05.2007
- Kevin Lynch, Jadwiga Pilarska, Norbert Schöndeling (Bearb.): Denkmalpflegeplan
Bonn-Beuel, Stadtentwicklungsplanung Bonn. Hrsg.: Bundesstadt Bonn – Die Oberbür-
germeisterin, Stadtplanungsamt. Bonn2003.
Mündliche Hinweise von Dr. Martin Bredenbeck, Dr. Oliver Meys, LVR-Amt für Denk-
malpflege im Rheinland und Dr. Claus Weber, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im
Rheinland.
Im Auftrag
Dr. Elke Janßen-Schnabel
wissenschaftliche ReferentinSeite 33 von 33

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Datenstand: 02.11.2026, 22:06 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de