232289-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Maßnahmen gegen Antisemitismus
Kerndaten
- Nummer
- 232289-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 13.01.2024
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Integrationsrates Kenntnisnahme
Dateien
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Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 232289-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 05 Amt für Integration und Vielfalt Dezernat: Dez. OB Maßnahmen gegen Antisemitismus Beratungsfolge Integrationsrat 16.01.2024 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: zu 1. Die pädagogische Auseinandersetzung mit diesem Thema im schulischen Kontext und im Unterricht ist originäre Aufgabe des Landes. Das Schulministerium NRW hat den Schulen dazu in zwei Schulmails - Schulmail vom 12.10.2023 aus Anlass des Angriffs der Hamas auf Israel sowie Schulmail vom 26.10.2023 Erweiterung des Bildungsangebotes zu den Themen Antisemitismus und Nahostkonflikt - umfangreiche Handreichungen, Informationen, Unterrichtsmaterialien und Handlungsempfehlungen gegeben. Die entsprechenden Quellen finden sich unterAntisemitismus ist in Gedenkstätten zum Nationalsozialismus seit jeher ein Thema in der Bildungsarbeit und darüber hinaus. Dies liegt darin begründet, dass es nach 1945 in der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft weiterhin immer Antisemitismus gab – wie wissenschaftliche Studien belegen, und auch Reaktionen von Besucherinnen und Besuchern – von Erwachsenen und von Jugendlichen – zeigen. Die Gedenkstätte Bonn geht in ihren verschiedenen Bildungsformaten intensiv auf das Thema ein. Darüber hinaus bietet die Gedenkstätte spezielle Bildungsformate zum Thema Antisemitismus an. Auch arbeitet die Gedenkstätte mit der Synagogengemeinde Bonn zusammen. Zudem besteht ein auf jahrelanger Zusammenarbeit beruhender Austausch zur aktuellen Situation mit anderen Gedenkstätten in NRW statt – sowie direkt und indirekt mit Kolleginnen und Kollegen national und international mit Yad Vashem. Seit Mitte Oktober 2023 werden darüber hinaus zusätzliche Gesprächsangebote für Schulen zur aktuellen Situation gemacht, in denen Genese, Geschichte und Entwicklung des (modernen) Antisemitismus vermittelt werden. Das Amt für Integration und Vielfalt arbeitet seit 2020 mit dem Bildungsträger „Lea Fleischmann Bildungsprojekte“ Israel zusammen, der mit dem Frankfurter Verein zur Förderung des interreligiösen Dialogs an Bildungseinrichtungen e.V. bundesweit Antisemitismusprävention in Schulen durchführt. Diese finden (digital) auch in Bonn statt und werden vom Amt für Integration und Vielfalt gefördert. Eine Fortsetzung in 2024 ist vorgesehen. Das Projekt verfolgt einenSeite 1 von 4 Seite 2 interreligiösen Ansatz, indem das Judentum und seine Gemeinsamkeiten mit Christentum und Islam erläutert werden. Seit mehreren Jahren findet in Bonn zudem das Projekt „Champs – Für Demokratie und Menschenrechte – Gegen extremistische Ideologien“ des Kölner Vereins Hennamond e.V. statt. Die Teilnehmenden, Jugendliche und junge Erwachsene, werden in Workshops zu Mentor*innen, sogenannten „Champs“ ausgebildet. Dazu beschäftigen sie sich mit den Themen Demokratie und Menschenrechte und mit extremistischen Ideologien, darunter auch den verschiedenen Facetten des Antisemitismus. Anschließend arbeiten die „Champs“ selbst mit Jugendlichen, z.B. in Schulen. Antisemitische Vorurteile sind weit verbreitet und werden oft unbewusst reproduziert. Davon kann sich auch Verwaltung nicht freisprechen. Im Rahmen der Mitgliedschaft der Stadt Bonn in der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (European Coalition of Cities against Racism ECCAR) wird das Amt für Integration und Vielfalt 2024 zu einer zweitägigen ECCAR- Antisemitismusschulung einladen. Dabei sollen Multiplikator*innen der Verwaltung für antisemitische Vorurteile sensibilisiert werden. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bonn ist nach zwei Workshops für 2024 erneut ein Workshop mit der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit/Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) geplant, der sich an pädagogische Fachkräfte im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich wendet. Das Amt für Integration und Vielfalt unterstützt zudem die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit u.a. bei der jährlichen Chanukka-Feier vor dem Alten Rathaus. Die Chanukka-Feier soll dazu dienen, jüdisches Leben im öffentlichen Raum darzustellen und deutlich zu machen, dass jüdische Kultur und Religion zum vielfältigen Bonner Stadtleben gehören. Anfeindungen gegenüber Jüdinnen und Juden haben verschiedene Ausprägungen. Eine davon ist der israelbezogene Antisemitismus. Um hierzu Aufklärungsarbeit zu leisten, hat das Amt für Integration und Vielfalt 2023 in Kooperation mit der Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn, der Bonner Synagogengemeinde, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bonn, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Bonn sowie dem Katholischen Bildungswerk und dem Evangelischen Forum im Stadthaus die Ausstellung „1948“ des Vereins Demokratie und Information (DEIN) e.V. gezeigt. Dazu gehörte auch ein Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen. Nicht erst seit dem jüngsten Gaza-Krieg werden in den Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus eingesetzt. Ziel der Offenen Jugendarbeit in Bonn ist es unter anderem, „…junge Menschen zu solidarischem Miteinander und Toleranz gegenüber verschiedenen Weltanschauungen, Kulturen und Lebensformen zu befähigen“. (Ziffer 1 Rahmenkonzept für die Offene Jugendarbeit in Bonn). Zu den Prinzipien, die von allen durch die Bundesstadt Bonn geförderten oder selbst betriebenen Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit bindend für die pädagogische Arbeit und Konzeption sind, gehört das Prinzip der Diversität. Zu diesem Prinzip heißt es: „Junge Menschen gehören verschiedenen (sozialen, religiösen, ethnischen, ...) Gruppen gleichzeitig an. […] ZuschreibungspraktikenSeite 2 von 4 Seite 3 und deren Auswirkungen werden reflektiert. Subjektive Verschiedenheiten werden in die pädagogische Arbeit einbezogen, ohne sie festzuschreiben. Zur Unterstützung der Identitätsbildung werden Freiräume zur Selbsterprobung, Orientierungshilfen sowie Möglichkeiten zur Konfrontation und sozialem Lernen angeboten.“ (Ziffer 4.5, ebd.). Demzufolge werden in allen Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit Angebote gemacht, wenn Antisemitismus zum Thema der Besucher*innen und Besucher der Einrichtungen wird. Da sich die pädagogische Arbeit grundsätzlich an der Lebenswelt, den Interessen, den Bedürfnissen und Bedarfen der Kinder und Jugendlichen orientiert, sind Angebote, die sich gegen Antisemitismus richten, vielfältig und unterschiedlich. Oftmals finden Gespräche zwischen den Besucher*innen und den pädagogischen Fachkräften statt. Insbesondere nach den Angriffen der Hamas und der darauffolgenden Kämpfe im Gazastreifen seit dem 7.10.2023 berichten pädagogische Fachkräfte, dass Jugendliche sich thematisch damit auseinandersetzen, auf welcher Seite sie sich selbst positionieren und auch die Frage stellen, auf welcher politischen Seite die Fachkräfte stehen. Hierdurch entstehen Gespräche über Israel, Palästina, Antisemitismus aber auch über das Demokratieverständnis ganz allgemein. In anderen Einrichtungen waren die Ereignisse kein Thema. In manchen Einrichtungen und Angeboten der Jugendarbeit wurden über Gespräche hinaus auch weitergehende Aktionen zur Antisemitismus- Prävention durchgeführt. So hat das Jugendhaus Brücke mit einer Gruppe Jugendlicher in den Sommerferien die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof besucht. Dieser Besuch war in eine intensive Vor- und Nachbereitung eingebettet, an der auch Jugendliche freiwillig teilgenommen haben, die an der Exkursion nicht teilnehmen konnten. Im Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit bestehen seit vielen Jahren Kontakte und Austauschformate verschiedener Bonner Träger mit Israel, die ebenso der pädagogischen Arbeit gegen Antisemitismus dienen. Eine Jugendgruppe war sogar während des Angriffes vor Ort in Israel. Auch hier wurde die politische Lage selbstverständlich mit den Jugendlichen reflektiert. Ein Träger versucht aktuell die intensiven Kontakte nach Israel und einem muslimisch geprägten Land für die Durchführung einer trilateralen Begegnung zu nutzen. Da diese Maßnahme eine sehr umfangreiche Vorbereitung und viel Sensibilität benötigt, ist noch nicht absehbar, ob sie tatsächlich zu Stande kommen kann. zu 2. Das Landesprogramm „Wegweiser – Stark ohne islamistischen Extremismus“ (neue Bezeichnung) des NRW-Innenministeriums berät im Rahmen seiner Arbeit zum Thema Antisemitismus. Das Programm ist beim Amt für Integration und Vielfalt angesiedelt und seit 2018 auch zuständig für den Rhein-Sieg-Kreis und den Kreis Euskirchen. Die drei Mitarbeitenden werden oft von Schulen angefragt. Weitere Landesprogramme, die 05 in Bonn umsetzen könnte, sind nicht bekannt. Der Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW fördert in der Position 2.2 Gedenkstättenfahren als Methode der Demokratie-, Politik- und Wertebildung.Seite 3 von 4 Seite 4 In der Position 5.2 wird die Internationale Jugendarbeit gefördert. Soweit zutreffend und möglich stellen sowohl Träger der freien Jugendhilfe wie auch die Stadt Bonn für eigene Maßnahmen hier Förderanträge. Der Deutsch- Israelische Jugendaustausch wird außerdem nach dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert. zu 3. Antisemitische Einstellungen sind gesellschaftlich weit verbreitet. Sie finden sich praktisch in allen gesellschaftlichen Milieus und auch in christlich und muslimisch geprägten Kreisen. Daher ist Antisemitismusprävention eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, an der sich alle beteiligen und aktiv werden müssen und die langfristig nur mit zusätzlichem Fachpersonal bewerkstelligt werden kann. Dies gilt auch für die Bekämpfung von Rassismus, Islamfeindlichkeit, Rechtsextremismus. zu 4. Die Oberbürgermeisterin steht - wie mehrere Ämter bzw. Einrichtungen der Verwaltung - in engem Kontakt mit der Synagogengemeinde und wird anlassbezogen informiert, welche Bedarfe bestehen. Da antisemitische Einstellungen in allen gesellschaftlichen Milieus anzutreffen sind, gilt dies auch für muslimisch-geprägte. Das Amt für Integration und Vielfalt ist stets mit verschiedenen muslimischen Akteur*innen im Gespräche und beabsichtigt zusätzlich, Anfang 2024 Gespräche mit den Moscheegemeinden und muslimischen Vereinen zum Thema Antisemitismus zu führen. Dabei werden muslimische Gemeinden und Vereine ausdrücklich nicht unter Generalverdacht gestellt. Vielmehr geht es um Austausch und Sensibilisierung. Anlage/n KeineSeite 4 von 4
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 03:20 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de