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232285 · Mitteilungsvorlage

Mitteilung über den Stand des Erarbeitungsprozesses der Bonner Biodiversitätsstrategie

Nummer
232285
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
19.02.2024
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 05.03.2024 Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage
öffentlich
232285
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Mitteilung über den Stand des
Erarbeitungsprozesses der Bonner
Biodiversitätsstrategie
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
05.03.2024 Kenntnisnahme
Mitteilung:
Hintergrund
Städten und Gemeinden kommt eine zentrale Rolle zu, wenn es um den Erhalt
und die Förderung der Artenvielfalt geht. Der Bericht zur Lage der Natur in
Deutschland von 2020 zeigt, dass sich 63% der Arten und knapp 70% der
Lebensräume, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) geschützt
sind, in ungünstig-unzureichendem oder schlechtem Zustand befinden (BMU
und BfN 20201).
Da der Verlust der Artenvielfalt nicht ausschließlich mit
Artenschutzmaßnahmen oder einem Fokus auf Schutzgebieten aufgehalten
werden kann (BMU und BfN 2020), müssen Maßnahmen zum Schutz der
Biodiversität breit angelegt sein und zielgerichtet koordiniert werden.
Bereits 2010 erstellte die Stadtverwaltung dazu das „Aktionsprogramm
Biodiversität 2010" (vgl. DS-Nr. 0912026 und 0912026AA4). Dieses wurde
2020 evaluiert und wird nun grundlegend überarbeitet und zur Bonner
Biodiversitätsstrategie (ursprünglicher Arbeitstitel: „Aktionsprogramm
Biodiversität 2030“) weiterentwickelt.
Die Biodiversitätsstrategie der Bundesstadt Bonn
Die Untere Naturschutzbehörde im Amt für Umwelt und Stadtgrün erarbeitet
seit 2021 in einem fortlaufenden Prozess die Biodiversitätsstrategie der
Bundesstadt Bonn. Das Ziel der Strategie ist die Bündelung der
gesamtstädtischen biodiversitätsfördernden Maßnahmen, so dass diese mit
den vorhandenen Ressourcen sinnvoll und zielgerichtet entwickelt,
durchgeführt und koordiniert werden können.
Hierbei werden die Erkenntnisse und Entwicklungen zum Schutz der
biologischen Vielfalt der letzten Jahre berücksichtigt und neue Anforderungen
und Rahmenbedingungen aufgegriffen. Es wird somit ein strategischer Rahmen
1
https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/bericht_lage_n
atur_2020_bf.pdfSeite 1 von 4
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geschaffen, um dem Erhalt, der Förderung und der Vernetzung der Bonner
Artenvielfalt Rechnung zu tragen.
Innerhalb der Bonner Biodiversitätsstrategie werden neue Schwerpunkte,
Zielsetzungen und Themenbereiche für den Biodiversitätsschutz der nächsten
Jahre erarbeitet. Eine entsprechende Mitteilungsvorlage wurde 2021 in die
politische Beratung eingebracht (DS Nr. 210021). Der Aufbau der Strategie
wurde überarbeitet: Die ursprünglichen Handlungsfelder wurden auf drei
Handlungsschwerpunkte, sogenannte Zukunftssäulen, konzentriert. Jede Säule
ist in vier Bereiche („Aktionsfelder“) untergliedert, denen alle
biodiversitätsfördernden Maßnahmen im Bonner Stadtgebiet zugeordnet
werden. Es folgt ein Einblick in die strategische und inhaltliche Ausrichtung der
Bonner Biodiversitätsstrategie (Abb. 1).
Zukunftssäule I „Natur-, Biotop- & Artenschutz“
Die Stadt Bonn steht den Herausforderungen von steigenden
Landnutzungskonflikten gegenüber. Im Mittelpunkt der ersten Zukunftssäule
stehen daher der Erhalt, die Stärkung und die Vernetzung der urban und
ländlich geprägten Naturräume sowie eine ökologische und nachhaltige
Nutzung der vorhandenen Frei- und Agrarräume. In der Zukunft wird der Natur-
und Artenschutz auch aufgrund des Klimawandels und dessen Folgen immer
weiter ausgebaut und gestärkt.
Zukunftssäule II „Stadtnatur“
Städte bieten auf kleinstem Raum einer außergewöhnlich hohen Anzahl von
Pflanzen und Tieren verschiedenste Lebensräume und können somit Hotspots
der Biodiversität darstellen. Gleichzeitig besteht ein hoher Nutzungsdruck durch
den Menschen, sodass der Schutz verbleibender Freiflächen und urbaner Natur
für die biologische Vielfalt an immer größerer Bedeutung gewinnt. Dieser
Schwerpunkt soll aufgrund des fortschreitenden Rückgangs der Vielfalt an
Arten und Lebensräume weiter ausgebaut und gestärkt werden.
Zukunftssäule III „Bildung, Kommunikation & Teilhabe“
Zur nachhaltigen Maßnahmenumsetzung für den Erhalt der Biodiversität ist es
entscheidend, dass diese von der Stadtgesellschaft mitgetragen und gelebt
werden. In den letzten Jahren konnten eine immer stärkere Sensibilisierung der
Bevölkerung für Themen der biologischen Vielfalt (Insektensterben etc.) und ein
zunehmendes Bedürfnis nach aktiver Mitgestaltung beobachtet werden. Hier
ergeben sich zahlreiche Anknüpfungspunkte, die im Rahmen der Aktionsfelder
der dritten Zukunftssäule verstärkt verfolgt und aufgegriffen werden. Die
Bildung von Kooperationen und regelmäßigen Austauschmöglichkeiten inner-
und außerhalb der Verwaltung zur Förderung der biologischen Vielfalt werden
noch stärker fokussiert.
Aktueller Stand und weiteres Vorgehen
Die Bonner Biodiversitätsstrategie wird derzeit durch einen mehrstufigen
Beteiligungsprozess fortlaufend konkretisiert. Der langfristig effektive Erhalt der
lokalen biologischen Vielfalt kann nur gemeinsam gelingen. Dabei kommt der
interdisziplinären Zusammenarbeit nicht nur verschiedener Ämter und
Abteilungen innerhalb der Stadtverwaltung, sondern auch mit externen
Kooperationsstellen eine besondere Bedeutung zu. Aus diesem Grund werden
neben der Stadtverwaltung und politischen Entscheidungsträger*innen
insbesondere Akteursgruppen einbezogen, die sich bereits tatkräftig für den
Erhalt der Biodiversität in Bonn einsetzen oder über großes Potenzial verfügen,Seite 2 von 4
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diese Aufgabe zukünftig stärker in den Fokus zu rücken. Dazu zählen unter
anderem lokal tätige Fachverbände und Initiativen sowie Institutionen aus
Forschung und Lehre.
Seit August 2023 fand unter der fachlichen Begleitung eines beauftragten
Planungsbüros eine Reihe von Veranstaltungen statt, die mit unterschiedlicher
Schwerpunktsetzung Raum für einen regen Austausch rund um die Belange
der Biodiversität in Bonn geboten haben. Im Rahmen von zwei Workshops mit
lokalen Akteursgruppen, einem verwaltungsinternen Workshop sowie einer
Informationsveranstaltung mit Vertretern der Lokalpolitik wurden die
strategische Zielausrichtung der einzelnen Aktionsfelder geschärft, Potenzial-
und Defizitbereiche in Bonn identifiziert, Maßnahmenideen entwickelt und sich
über die Methodik zur zielgerichteten Priorisierung von Maßnahmen und
Projekten ausgetauscht. Zusätzlich wurden Synergien des
Biodiversitätsschutzes mit anderen Fachbereichen und Schwerpunktthemen
der Stadt herausgearbeitet, die in Zukunft näher in den Fokus gerückt werden
sollen. Aktuell werden die Ergebnisse der verschiedenen Austauschrunden
ausgewertet, miteinander verschnitten und mit den beteiligten Akteur*innen
abgestimmt.
Langfristig wird der Fokus darauf liegen, die identifizierten Defizite als
Gemeinschaftsaufgabe von Verwaltung, Stadtgesellschaft und Politik durch die
gezielte Initiierung und Umsetzung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen
zu beheben und vorhandene Potenziale auszuschöpfen. Um zukünftig eine
koordinierte Steuerung und Planung zu gewährleisten und vorhandene
Ressourcen zielgerichtet einzusetzen, wird die Verwaltung in den kommenden
Monaten ein Strategiepapier erstellen, das als Grundpfeiler der weiteren
Biodiversitätsarbeit dienen soll.
Die Planung und Umsetzung neuer Maßnahmen wird es erforderlich machen,
Fördermittel zu akquirieren sowie notwendige Haushaltsmittel durch die
federführenden Stellen anzumelden. Zur Realisierung biodiversitätsfördernder
Maßnahmen innerhalb der Strategie werden separate Beschlussvorlagen in die
politische Beratung eingebracht, in welchen die finanziellen Auswirkungen
dargestellt werden.
Um den sehr konstruktiven und positiven Austausch im Rahmen der
durchgeführten Workshops in einen fortlaufenden Prozess zu überführen, wird
die Stadtverwaltung zukünftig ein- bis zweimal jährlich lokale Akteursgruppen
sowie Vertreter*innen der Lokalpolitik zu einem Dialogforum Biodiversität
einladen.
Anlage/n
1 Aufbau der Bonner Biodiversitätsstrategie (öffentlich)Seite 3 von 4
Abb. 1: Aufbau der Bonner Biodiversitätsstrategie mit den drei Zukunftssäulen und den 12 Aktionsfeldern.Seite 4 von 4

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Datenstand: 02.11.2026, 17:29 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de