← Vorlagen

232267 · Beschlussvorlage

Finanzierung der Ambulanten Dienste der Wohnungslosenhilfe des Caritasverbandes für die Stadt Bonn e.V. in den Jahren 2023

Nummer
232267
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
19.12.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Soziales, Migration und Gesundheit 17.01.2024 Entscheidung federführend
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 1,5 MB Öffnen ↗

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (56.676 Zeichen)
Beschlussvorlage
öffentlich
232267
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
50 Amt für Soziales und Wohnen
Dezernat:
Dez. V
Finanzierung der Ambulanten Dienste der
Wohnungslosenhilfe des Caritasverbandes für die
Stadt Bonn e.V. in den Jahren 2023
Beratungsfolge
Ausschuss für Soziales, Migration und
Gesundheit
17.01.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
Für die Erbringung seiner bedarfsgerecht entwickelten Ambulanten Dienste der
Wohnungslosenhilfe erhält der Caritasverband für die Stadt Bonn e.V. eine
Förderung in Höhe von bis zu 734.398,00 € für das Jahr 2023.
Darüber hinaus wird der kommunale Finanzierungsanteil von 50% für die
Fachberatungsstelle (FBS) des Caritasverbandes nach §§ 67 ff. SGB XII aus
Haushaltsmitteln für gesetzliche Pflichtleistungen übernommen. Dieser Betrag
beläuft sich für das Jahr 2023 auf 136.304,40 € gem. Zuwendungsbescheid des
LV Rheinland vom 14.12.2022. Die Angemessenheit der Personalkosten wird
durch den LV Rheinland überprüft und festgelegt.
Begründung
Diese freiwillige Förderung beinhaltet die Finanzierung der folgenden Einzelm-
odule der Ambulanten Dienste der Wohnungslosenhilfe einschließlich anteiliger
Leitungskosten:
 Straßensozialarbeit
 Tagesaufenthalt City-Station einschließlich Angebot "Kalte Nächte"
 Clearing
 Ambulante Wohnhilfen in eigenem Wohnraum, in Wohngemeinschaften
und im Wohnhaus Kaiserstr. 7
Die Leistungen nach § 67 ff SGB XII richten sich an Menschen, bei denen be-
sondere Lebensverhältnisse mit sozialen Schwierigkeiten verbunden und die
nicht in der Lage sind, diese Schwierigkeiten aus eigener Kraft zu überwinden.
Im Rahmen der Leistungserbringung ist es erforderlich, eine dem Hilfeziel ent-
sprechende Abstimmung verschiedener notwendiger Hilfen vorzunehmen. Da-Seite 1 von 41
Seite 2
bei sollen auch geeignete Hilfen, die nicht nach dem §§ 67 ff SGB XII erbracht
werden, im Sinne der Hilfeziele einbezogen werden.
Die Ausrichtung der Angebote erfolgt in einer stetigen Orientierung an den
tatsächlichen Bedarfen. Falls erforderlich, werden die Angebote entsprechen
angepasst. Die Leistungen sind dabei so zu organisieren, dass Prävention,
Alltagsnähe, Integration, Partizipation und Dezentralisierung die Gestaltung des
Hilfesystems prägen.
Die in den beiden vergangenen Jahren durch die Corona-Pandemie erforderli-
chen Einschränkungen konnten inzwischen gelockert und in den Normalbetrieb
überführt werden. Das Ziel, für den Kundenkreis eine soziale Isolation zu ver-
hindern, wurde erreicht.
Die wachsende Wohnungsnot bleibt neben dem damit einhergehenden Exklu-
sionsprozess wichtigste Herausforderung. In diesem Zusammenhang wurde
zusätzlich im März 2023 die Geschäftsstelle zur Umsetzung der Bonner Offen-
sive zur Überwindung der Wohnungslosigkeit bis 2030 besetzt.
Der Caritasverband der Stadt Bonn e.V. ist aufgrund seiner Kompetenz und
Erfahrungen geeignet, die geförderten Leistungen für die genannte Zielgruppe
zu erbringen und hat sich seit vielen Jahren in dieser Aufgabenstellung be-
währt.
Der aktuelle Sachbericht für das Jahr 2022 liegt als Anlage bei.
Die Förderung der Jahre 2012/2022 erfolgte in Abstimmung mit dem Träger
lediglich auf einer 2%igen Dynamisierung der Finanzierung 2020. Vor diesem
Hintergrund hat sich die Förderung wie folgt entwickelt:
2021 2022 2023
665.000€ 678.300€ 734.398€
Die Finanzierung der Fachberatungsstelle für Wohnungsnotfälle des Caritas-
verbandes erfolgt zu 50% aus kommunalen Mitteln und zu 50% durch den
Landschaftsverband Rheinland (LVR). Es handelt sich hierbei um eine gesetz-
liche Leistung für den Personenkreis nach §§ 67 ff. SGB XII. Es erfolgt in die-
sem Zuge keine Einzelfallhilfe, sondern die Personal- und Sachkosten der Be-
ratungsstelle werden finanziert entsprechend den Richtlinien des LVR. Die An-
tragstellung durch den Träger erfolgt an den LVR. Dieser ermittelt die Förder-
höhe und erlässt den jährlichen Förderbescheid. Auf Basis dieses Bescheides
erfolgt die Finanzierung des kommunalen Anteils von 50% unmittelbar an den
Träger.
Finanzielle Auswirkungen in 2023:
Produktgruppe Produktgruppenbe-
zeichnung
Produkt Produktbezeichnung
1.05.06 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Ver
eine,sonst.Träg.
1.50.00.05.06.01 Förd.Träg.Wohlf.pfl.,Vereine,son
st.Träg.Seite 2 von 41
Seite 3
Investive Kosten der Maßnahme
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen
Einzahlungen
Investiver
Finanzsaldo
Konsumtive Kosten der Maßnahme jährlich einschließlich Folgekosten
Brutto Finanzstelle /
FiPos
Veranschlagt
in 2023
Noch bereitzu-
stellen
Deckung
Auszahlungen /
Aufwendungen
734.398,00 EUR 150000506/7
3.1000
761.090,00
EUR
0,00 EUR
Einzahlungen /
Erträge
0,00 EUR
Haushaltsbelastung
jährlich
734.398,00 EUR
Anlage/n
1 Sachbericht Menschen in Wohnungsnot 2022 (öffentlich)Seite 3 von 41
Sachbericht 2022
Für Menschen in WohnungsnotSeite 4 von 41
Seite 5 von 41
INHALT
Akzente ________________________________________________________ 1
Ambulante Dienste ______________________________________________ 5
Straßensozialarbeit 5
Tagesaufenthalt in der City-Station 7
Notübernachtung 8
Fachberatung 10
Ambulante Wohnhilfe in Wohngemeinschaften 13
Ambulante Wohnhilfe - Wohnhaus Kaiserstraße 14
Betreutes Wohnen ______________________________________________ 16
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus ___________ 18
Zielgruppe 18
Personalsituation 20
Vernetzung und Kooperation 20
Besondere inhaltliche Aspekte 20
Statistik 21
Ergebnisse der Hilfe 23
Schlüsse und Folgerungen für das Folgejahr 23
Aenne-Mangold-Haus ___________________________________________ 24
Zielgruppe 24
Personalsituation 25
Besondere inhaltliche Aspekte 25
Vernetzung und Kooperation 26
Statistik 26
Ergebnisse der Hilfe 27
Schlüsse und Folgerungen für das Folgejahr 28
Qualitätsnachweise _____________________________________________ 30
Stellenplan Ambulante Dienste 30
Qualitätsnachweis – Prälat-Schleich-Haus 31
Qualitätsnachweis – Aenne-Mangold-Haus 33Seite 6 von 41
Akzente
1
AKZENTE
Wohnungsnot bis in die
Mitte der Gesellschaft
Immer mehr Menschen in Bonn sind von Wohnungsnot
betroffen. Die Wohnungsnot beeinträchtigt die
Lebensführung vieler Menschen umfassend und direkt:
Menschen müssen mit hohen Mietbelastungsquoten
zurechtkommen, andere leben mit der Angst vor
Wohnungslosigkeit, manche müssen prekäre und
konfliktbelastete Wohnsituationen aushalten, viele verlieren
ihre Zuversicht, weil sie keine geeignete Wohnung finden.
Wohnungsnot ist nicht nur ein Problem von wenigen
Menschen am Rand der Gesellschaft. Vielmehr wirft die
Wohnungsnot in Bonn die Frage auf, in welcher
Stadtgesellschaft wir leben wollen:
In einer Stadtgesellschaft, die auf exklusive Segregation
oder in einer Stadtgesellschaft, die auf inklusive Teilhabe
setzt.
Der Auftrag der Wohnungslosenhilfe der Caritas ist,
inklusive Teilhabe für Menschen in Wohnungsnot zu
fördern. Hierzu gehört auch, dass menschenwürdiges
Wohnen für alle möglich sein muss. Hiervon sind wir
allerdings mittlerweile sehr weit entfernt.
Im Berichtsjahr haben 1.145 Menschen die Hilfe der
Wohnungslosenhilfe der Caritas Bonn genutzt, die
namentlich erfasst wurden und in individuellen
Hilfeprozesse eingebunden waren. 436 Menschen haben
die Unterstützung der Wohnungslosenhilfe der Caritas
erstmalig aufgesucht. Hiervon waren 336 Personen
wohnungslos, hierunter 220 obdachlos (82 lebten bei
Bekannten, 33 lebten in einer Not- oder Sammelunterkunft,
einer kam direkt aus der Haft).
Die übrigen Erstauftritte verfügten über eine Wohnung
(n=56), lebten bei der Familie (n=43) oder wurden direkt
aus dem Gesundheitssystem überwiesen (n=1).
Prävention Die wirksamste Maßnahme zur Eindämmung der
Wohnungslosigkeit ist die Vermeidung des
Wohnungsverlustes. Je früher der drohenden
Wohnungslosigkeit begegnet wird, umso größer sind die
Chancen, den Wohnungsverlust zu vermeiden oder
geeignete Anschlusslösungen zu finden. Die frühzeitigeSeite 7 von 41
Akzente
2
Intervention erfordert tragfähige Vernetzungsstrukturen
auch zur Wohnungswirtschaft, schnelle pragmatische
Reaktionen nach Bekanntwerden der Notlage und eine
hohe generalistische Kompetenz im Feld der sozialen
Hilfen.
Die Wohnungslosenhilfe unterstützte über die
Fachberatung und das Betreute Wohnen im Berichtsjahr
277 Menschen mit dem Ziel, die Wohnsituation zu
stabilisieren. In 93 % der Fälle war dies erfolgreich (2 %
wechselten in eine Betreuungssituation).
Besondere Anstrengungen Die Menschen, für die wir da sind, lösen keine
angebotswirksame Nachfrage am Wohnungsmarkt aus.
D.h., ohne besondere Anstrengungen wird sich das
Problem der Wohnungsnot in Bonn vergrößern, auch weil
am Wohnungsmarkt im Zusammenhang mit der
wachsenden Einwohnerzahl in Bonn
Verdrängungsprozesse stattfinden.
Objektförderung kann das Angebot von bezahlbarem
Wohnraum durch Neubau vergrößern. Nutzung von
leerstehenden Gebäuden zu Wohnzwecken einschließlich
der Umnutzung von leerstehenden Büroflächen vergrößert
das Angebot, genauso wie die Senkung des
durchschnittlichen Wohnflächenverbrauchs pro Einwohner
z.B. über Wohnungstauschprogramme.
Nur mit einem ausreichenden Angebot an Wohnraum, der
menschenwürdiges Wohnen ermöglicht, haben auch die
Menschen die Chance auf Teilhabe, die besondere
Exklusionsrisiken am Wohnungsmarkt mitbringen.
Besondere Exklusionsrisiken sind nach unserer Erfahrung
geringe Bonität, Abhängigkeitserkrankungen, psychische
Erkrankungen und soziale Isolation. Von den 88
Bewohnern, die 2022 in die stationären Hilfen nach § 67
SGB XII im Prälat-Schleich-Haus und im Aenne-Mangold-
Haus aufgenommen wurden, hatten lediglich acht weder
eine psychische Erkrankung noch eine Suchterkrankung.
Was passiert mit den Menschen, die die Anforderungen, die
mit dem Abschluss eines Mietvertrages einhergehen, im
Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen oder
Suchtproblemen perspektivisch nicht erfüllen können? Die
stationären Hilfen nach § 67 SGB XII sind vom GrundsatzSeite 8 von 41
Akzente
3
her befristet. Wie können diese Menschen den Zugang zu
Hilfen finden, die menschenwürdiges Wohnen und Teilhabe
dauerhaft ermöglichen, auch wenn krankheitsbedingt kein
stabiles Arbeitsbündnis zum Hilfesystem besteht, weil
Rezidive das Krankheitsgeschehen prägen?
Werden diese Menschen nicht nur vom Wohnungsmarkt,
sondern auch vom Hilfesystem aussortiert und finden sich,
sofern sie nicht obdachlos auf der Straße leben, in
Sammelunterkünften wieder? Oft sind das die Menschen
mit dem umfassendsten Hilfebedarf. Sie profitieren von
einer geschützten Lebenssituation, die zunächst die
Befriedigung der existenziellen Bedürfnisse und
Sicherheitsbedürfnisse in den Mittelpunkt stellt, geringe
soziale Anforderungen (z.B. durch Gruppenprozesse)
auslöst und situationsbezogene psychosoziale sowie
lebenspraktische Hilfen ermöglicht. Sie brauchen Zeit, um
Vertrauen zu gewinnen und neue Lebensperspektiven zu
entdecken. Kann das Bundesteilhabegesetz diese
Unterstützung leisten, oder gibt es Gründe, dass dieser
Personenkreis nicht in die Verantwortung des
Bundesteilhabegesetztes fällt?
Wohnungsnot geht mit einer Vielzahl wohnungspolitischer,
sozialpolitischer und gesundheitspolitischer Fragestellungen
einher. Es entsteht ein Geflecht von erfolgskritischen
Wirkzusammenhängen, die vor dem Hintergrund der
besonderen Situation der wachsenden Wohnungsnot neu
geordnet werden müssen.
Oberstes Ziel:
Überwindung der
Wohnungslosigkeit
Die Einrichtung der Geschäftsstelle zur Umsetzung der
Bonner Offensive zur Überwindung der Wohnungslosigkeit,
die der Rat mit sehr breiter Mehrheit auf Antrag des
Sozialamtes Ende des Berichtsjahres beschlossen hat,
zeigt, dass die Politik in Bonn das Thema sehr ernst nimmt.
Die Bonner Offensive zur Überwindung der
Wohnungslosigkeit bietet die Möglichkeit, die
Aufgabenstellungen, die mit der wachsenden Wohnungsnot
einhergehen, nun zielorientierter anzugehen.Seite 9 von 41
Akzente
4
Die Caritas Bonn wurde mit der Einrichtung der
Geschäftsstelle beauftragt. Die Geschäftsstelle wird
gesteuert von der Steuerungsgruppe unter Vorsitz des
Amtes für Soziales und Wohnen. In der Steuerungsgruppe
sind weiterhin vertreten die Abteilung Wohnen des Amtes
50, das Programmbüro Soziale Gerechtigkeit der Stadt
Bonn, der Verein für Gefährdetenhilfe und die Caritas Bonn.Seite 10 von 41
Ambulante Dienste
5
AMBULANTE DIENSTE
Straßensozialarbeit
Insgesamt kam es im Jahr 2022 zu 1.255 Kontakten (2021:
1.545). Darunter waren 263 Erstkontakte (2021: 66).
Auffällig ist der deutliche Anstieg der Erstkontakte. Gründe
hierfür sind nach unserer Auffassung
Vereinsamungstendenzen bedingt durch die
Infektionsschutzmaßnahmen während der Corona-
Pandemie, verstärkte Reisetätigkeit im Zusammenhang mit
dem 9 - Euro - Ticket und zunehmender Exklusionsdruck
am Wohnungsmarkt.
Zum Jahreswechsel 2022/2023 wurden 85 Personen
aufgesucht, die obdachlos waren (2021/2022: 83).
Hierunter waren 15 Frauen (2021/2022: 14).
Unter den 85 Personen waren 22 Personen aus einem
Staat der Europäischen Union zugezogen.
Im Zusammenwirken mit dem Unterkunftsangebot der Stadt
Bonn konnte ein Anstieg der Anzahl der obdachlos
lebenden Menschen in Bonn trotz der angespannten
Situation am Wohnungsmarkt weiterhin verhindert werden.
Der Gesundheitszustand einzelner Menschen, die
obdachlos sind, ist im Zusammenhang von unbehandelten
psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen sehr
schlecht. Diese Menschen finden häufig keinen Zugang in
die Hilfesysteme (mehr). Im Zusammenwirken mit der
Straßensozialarbeit des VfG, den Gesundheitsdiensten,
Polizei und Ordnungsamt sowie mit gesetzlichen Betreuern
geht es hier darum, diese Situationen so zu begleiten, dass
im Einzelfall Hilfe und Kriseninterventionen möglich sind,
wenn die Situationen eskalieren.
Vermittlungen Entsprechend der Bedürftigkeit wurden 31 Personen in
Gesundheitsdienste, 24 in weiterführende
Betreuungsangebote, 16 in Notunterkünfte und 10 in
niedrigschwellige existenzsichernde Hilfen (Tagesaufenthalt,
Mahlzeitendienst und Kleiderkammer) aktiv vermittelt.Seite 11 von 41
Ambulante Dienste
6
Lebenspraktische
Unterstützung
Daneben wurden die obdachlosen Menschen in ihrer
Lebenssituation lebenspraktisch unterstützt. Kleidung,
Schlafsäcke, Lebensmittel, Getränke helfen den Menschen
dabei, die schwierige Lebenssituation der Obdachlosigkeit
zu bewältigen. Gleichzeitig fördert diese Hilfe Vertrauen,
das die Grundlage für helfende Beziehungen ist.
Vernetzung Die Straßensozialarbeit ist eingebunden in
Netzwerkstrukturen. Im engen Zusammenwirken mit der
Straßensozialarbeit des VfG kann so ein flächendeckendes
Angebot vorgehalten werden, das durch die verstetigte
Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Polizei,
insbesondere mit der Wache GABI, gestützt wird. In
regelmäßigen Treffen findet ein fachlicher Austausch statt,
auch mit der Zielsetzung einer gemeinsam getragenen
Bewertung der IST – Situation.
Sozialräumliche Aspekte Die Situation rund um den Kaiserplatz ist mit dem Abklingen
der Corona-Pandemie im Berichtsjahr nochmals in den
Blickpunkt gerückt. Eine schwierige Verkehrssituation, ein
erhöhtes Müllaufkommen, ungelöste stadtplanerische
Aufgabenstellungen v.a. am Zentralen Omnibusbahnhof,
Leerstände, Partyszenen und Ansammlungen von
suchtkranken Menschen am Kaiserplatz lösen Besorgnis
und soziale Konflikte aus. Hier bringt sich die
Straßensozialarbeit der Wohnungslosenhilfe im Rahmen
der Einzelfallhilfe ein. Die Lösung der komplexen
Aufgabenstellung in diesem Innenstadtbereich erfordert
allerdings das Zusammenwirken verschiedenster
Handlungsfelder im Sinne eines gesteuerten strategischen
Prozesses.
Wie in anderen Städten hat sich auch in Bonn das
organisierte Betteln etabliert. Die Geschädigten sind oft die
bettelnden Menschen selbst. Vermutlich müssen sie unter
Androhung von Gewalt das erbettelte Geld abliefern. Zu
dieser Gruppe findet die Straßensozialarbeit keinen
Zugang, auch weil die BettlerInnen in
Abhängigkeitsverhältnisse eingebunden sind.
Da die Straßensozialarbeit nicht zu jeder Zeit überall
präsent sein kann, sind wir sehr dankbar über die
Meldungen von BürgerInnen, die auf die Not von Menschen
aufmerksam machen, die obdachlos leben.Seite 12 von 41
Ambulante Dienste
7
Tagesaufenthalt in der City-Station
Die City-Station ist ein wichtiger Treffpunkt und
Aufenthaltsort für Menschen in Wohnungsnot. Die größte
Auslastung gibt es dabei zur Mittagszeit während des
Mahlzeitendienstes. Der Mahlzeitendienst stellt zum einen
eine konkrete lebenspraktische und existenzsichernde
Hilfe dar. Zum anderen soll durch den Mahlzeitendienst die
Einstiegsschwelle zum Hilfsangebot der gesamten
Wohnungslosenhilfe sinken. Zu Menschen, denen es
ansonsten schwerfällt, eine verbindliche Hilfe
anzunehmen, kann hier behutsam Kontakt aufgebaut und
gehalten werden.
Im Jahr 2022 wurde der Mahlzeitendienst von "ToGo“
wieder umgestellt und im Tagesaufenthalt angeboten.
Spürbar war, dass die gestiegenen Lebenshaltungskosten
sich auch auf den Mahlzeitendienst auswirkten. So stellten
wir 2022 die stärkste Inanspruchnahme fest.
Statistik Mahlzeitendienst
2020 2021 2022
Ausgegebene Mahlzeiten/Tag 112 115 127
Die Aufwendungen für den Mahlzeitendienst konnten über
die Kostenerstattung der Nutzer*innen und über Spenden
gedeckt werden.
Ausstattung 2022 wurde in der City-Station ein zeitgemäßer und
sicherer Wlan-Zugang für die Gäste installiert.
Tagesstrukturierende
Aktivitäten
Eine regelmäßige Angebotsstruktur soll…
… den Weg zu nachhaltig wirksamen Hilfen ebnen.
… die Bindung zu unserem Hilfeangebot stärken.
… den Gästen helfen, ihren Alltag zu strukturieren.
Die Gäste werden mit diversen Aktivitäten und Angeboten
durch das Jahr begleitet.
2022 wurden die tagesstrukturierenden Angebote vor Ort
wieder aufgenommen: Frühstück für Frauen, wöchentlicheSeite 13 von 41
Ambulante Dienste
8
Angebote in der City-Station und gemeinsame Aktivitäten
am Wochenende finden nun wieder statt.
Heiligabend An Heiligabend wurde wieder ein Weihnachtsmarkt auf der
Wiese vor dem Prälat-Schleich-Haus ausgerichtet. Die
Verpflegung wurde in der frisch renovierten Kapelle
angeboten. Mit ehrenamtlicher Unterstützung konnte so
wiederum für über 300 Gäste ein wertschätzendes
Angebot mit Verpflegung, Geschenken, Gesang und
Begegnung bereitgestellt werden.
Notübernachtung
Das Angebot der Notübernachtung richtet sich
ausschließlich an Männer. Die Aufnahme kann rund um die
Uhr erfolgen.
Im Zuge der Corona-Pandemie musste die
Aufnahmekapazität der Notübernachtung weiterhin
reduziert werden, um Infektionsrisiken zu minimieren.
Im Jahr 2022 nutzten 369 Männer die Notübernachtung
(2021: 377). Hierunter waren 192 Erstauftritte. Es kam zu
508 Aufnahmen (2021: 523).
Altersstruktur der Nutzer
2020 2021 2022
18-29 Jahre 61 18% 78 21% 72 20%
30-39 Jahre 106 32% 103 27% 96 26%
40-49 Jahre 86 26% 102 27% 115 31%
50-64 Jahre 72 22% 75 20% 69 19%
65 Jahre und älter 7 2% 19 5% 17 5%
332 100% 377 100% 369 100 %
Belegungstage und Verweildauer je Klient
2020 2021 2022
Belegungstage 1.906 2.117 2197
Verweildauer je Nutzer 5,74 5,62 5,95
Die durchschnittliche Verweildauer betrug je Aufenthalt 4,2
Tage (2021: 4,0 Tage).Seite 14 von 41
Ambulante Dienste
9
Die Notübernachtung hat nicht nur die Aufgabe der
unmittelbaren Existenzsicherung. Sie soll im
Zusammenwirken mit der Fachberatung Hilfesuchende so
rasch wie möglich in weiterführende, langfristig wirksame
Hilfen vermitteln und so einen möglichst nachhaltigen
Beitrag leisten, Obdachlosigkeit zu überwinden.
Vermittlung in weiterführende Hilfen
2020 2021 2022
Stationäre Hilfe nach §§ 67 ff SGB XII 40 43 35
Andere Betreuungseinrichtung 0 6 6
LVR Klinik/Krankenhaus 9 11 22
Haus Sebastian/sonstige Notunterkünfte 144 161 165
Lebensgefährten/Bekannte/Familie 9 20 30
eigene Wohnung 1 3 1
Anzahl der Vermittlungen 203 244 259
259 Aufenthalte mündeten in eine Anschlusslösung. Das
entspricht einem Anteil von 51 % (2021: 47 %).Seite 15 von 41
Ambulante Dienste
10
Fachberatung
Die Fachberatung unterstützte im Berichtsjahr 837 Menschen,
die in Wohnungsnot geraten sind. Der Altersdurchschnitt lag
bei 43,1 Jahren (2021: 43,1 Jahre).
Der Anteil der Frauen betrug 17,0 % (2021: 16,3 %). 650
Neuzugänge begannen im Jahr 2022 die Hilfe. Hierunter
waren 255 Erstauftritte.
Die Wohnsituation der betreuten Klient*innen ist in der
folgenden Übersicht dargestellt:
Wohnsituation
Wohnsituation bei Beginn der Hilfe
bzw. bei Übernahme aus dem
Vorjahr am Stichtag 1.1. (alle
Klient*innen )
Wohnsituation bei Abschluss bzw.
Übernahme in das Folgejahr alle
Klient*innen )
Wohnsituation/Jahr 2019 2020 2021 2022 2019 2020 2021 2022
eigene Wohnung 279 231 216 205 309 247 224 221
Familie, Partner 64 79 68 65 52 62 63 58
Betreuungssituation 9 6 4 7 71 85 91 90
Gesundheitssystem 5 6 11 3 14 4 7 21
Summe 357 322 299 280 446 398 385 390
Integrationsquote 44 % 45 % 38 % 33 % 55 % 56 % 49 % 47 %
Bekannte 175 157 98 139 139 134 93 114
Not- /Ersatzunterkunft 94 70 112 92 157 59 159 229
ohne Unterkunft 188 159 276 325 112 119 152 98
Haft 1 3 7 1 3 1 2 6
keine Angabe 2 0 0 0 10 0 1 0
Summe 460 389 493 557 371 313 407 447
Gesamt 817 711 792 837 817 711 792 837Seite 16 von 41
Ambulante Dienste
11
Altersstruktur
2020 2021 2022
18-29 Jahre 156 22% 148 19% 158 19%
30-39 Jahre 148 21% 185 23% 192 23%
40-49 Jahre 177 25% 208 26% 224 27%
50-64 Jahre 174 24% 186 23% 201 24%
65 Jahre und älter 56 8% 65 8% 62 7%
711 100 % 792 100 % 837 100 %
Die Altersstruktur der Nutzergruppe ist im Wesentlichen stabil.
Integrationsquote 277 Personen lebten zu Hilfebeginn oder bei Übernahme aus
dem Vorjahr in einer eigenständigen Wohnsituation oder in
einer Betreuungssituation (2021: 288), 3 wechselten aus dem
Gesundheitssystem in die Fachberatung (2021:11). Die
Integrationsquote betrug bei Hilfebeginn bzw. bei Übernahme
aus dem Vorjahr somit lediglich 34 % (2021: 38 %). Bei
Abschluss der Hilfe bzw. bei Übernahme in das Folgejahr
betrug die Integrationsquote 47 % (2021: 49 %).
Wohnungslosigkeit
vermeiden
Bei den Personen aus der Nutzergruppe, die bei Übernahme
aus dem Vorjahr bzw. bei Hilfebeginn im Berichtsjahr nicht
wohnungslos waren, weil sie in einer eigenständigen
Wohnsituation oder in einer Betreuungssituation lebten
(n=277) und bei denjenigen, die aus einer stationären
Behandlung zur Fachberatung wechselten (n=3), lag die
Integrationsquote bei Abschluss der Hilfe oder bei Übernahme
in das Folgejahr 2022 bei 94 % (2021: 92%).
Wohnungslosigkeit
überwinden
In der Gruppe, die bei Übernahme aus dem Vorjahr oder bei
Hilfebeginn im Berichtsjahr wohnungslos war (n=557), lebten
bei Abschluss der Hilfe in der Fachberatung bzw. bei
Übernahme in das Folgejahr 2023 25 Personen in einer
eigenen Wohnung, sieben bei der Familie, 68 in einer
Betreuungssituation. 19 Personen wurden in stationäre Hilfen
des Gesundheitssystems vermittelt. Die Integrationsquote bei
Abschluss der Hilfe oder bei Übernahme in das Folgejahr
2022 lag bei 21 % (2021: 19 %).
Obdachlosigkeit
überwinden
Von den 325 Personen, die bei Hilfebeginn oder bei
Übernahme aus dem Vorjahr obdachlos waren, konnten 46Seite 17 von 41
Ambulante Dienste
12
die Obdachlosigkeit überwinden, indem sie eine eigene
Wohnung bezogen (5), zur Familie (zurück)-zogen (6) oder
aber in eine Betreuungssituation (37) wechselten.
Weiterhin wechselten…
…158 Personen in eine Not- oder Ersatzunterkunft.
…sieben Personen zu Bekannten.
16 Personen wurden in das Gesundheitssystem vermittelt.
Die Integrationsquote betrug 19 %
Von den 92 Personen, die bei Hilfebeginn oder bei
Übernahme aus dem Vorjahr in einer Notunterkunft lebten,
konnten 27 die Obdachlosigkeit überwinden, indem sie eine
eigene Wohnung bezogen (8), zur Familie (zurück)-zogen (1)
oder aber in eine Betreuungssituation (18) wechselten.
2 Personen wurden in das Gesundheitssystem vermittelt.
Die Integrationsquote betrug 32 %
Von den 139 Personen, die bei Hilfebeginn oder bei
Übernahme aus dem Vorjahr bei Bekannten lebten, konnten
31 die Obdachlosigkeit überwinden, indem sie eine eigene
Wohnung bezogen (17), zur Familie (zurück)-zogen (1) oder
aber in eine Betreuungssituation (13) wechselten.
Eine Person wurde in das Gesundheitssystem vermittelt.
Die Integrationsquote betrug 34 %
Die oben dargestellte Aufstellung legt nahe, die Hilfesysteme
so zu entwickeln, dass die Hilfe möglichst frühzeitig im
Exklusionsprozess ansetzen kann, da mit fortschreitender
Verfestigung der Exklusion die individuellen negativen Folgen
für die Betroffenen zunehmen und die Chancen auf die
Überwindung der Exklusion abnehmen. Die wirksamste
Strategie ist die Verhinderung des Wohnungsverlustes.
Die Überwindung der Wohnungslosigkeit ist im Einzelfall
möglich, bedeutet aber, dass bei Nachfrageüberhang am
Wohnungsmarkt die Überwindung der Wohnungslosigkeit für
den Einen die Wohnungslosigkeit für den Anderen bedeutet.
Ohne zusätzliches Wohnungsangebot kann die
Wohnungslosigkeit so nicht abgebaut werden.Seite 18 von 41
Ambulante Dienste
13
Ambulante Wohnhilfen in Wohngemeinschaften
Die ambulanten Wohnhilfen in Wohngemeinschaften sind eine
Alternative zu einer Unterbringung nach dem
Ordnungsbehördengesetz, wenn andere Hilfeformen nicht in
Frage kommen. Es wird Obdachlosigkeit vermieden. Eine
umfassendere Versorgung zur Alltagsbewältigung, wie sie im
Wohnhaus Kaiserstraße möglich ist, ist bei den Bewohnern
nicht erforderlich.
Ziel der Ambulanten Wohnhilfen in den Wohngemeinschaften
ist es, dass die Bewohner an die üblichen Lebensvollzüge
(d.h. an die ökonomische, soziale und kulturelle Umwelt)
anschließen können. Durch situative Hilfe zur
Alltagsbewältigung und sozialarbeiterische Begleitung wird
dies gewährleistet.
Die helfende Beziehung wurde unter den geltenden
Bestimmungen der Coronapandemie vorsichtig wieder
ausgeweitet und ausgebaut. Die Bewohner zweier
Wohngemeinschaften haben das vergangene Jahr genutzt,
um ihre Gemeinschaftsräume gemeinsam und im sozialen
Miteinander neu zu gestalten und „wiederzubeleben“.
Im Jahr 2022 wurden die Wohnhilfen in Wohngemeinschaften
von 26 Männern in Anspruch genommen (2021: 25; 2020:26).
Das Durchschnittsalter lag bei 52 Jahren. Die
durchschnittliche Verweildauer aller Bewohner in den
Wohngemeinschaften betrug knapp elf Jahre. Zwei Bewohner
sind im Berichtsjahr verstorben, ein Bewohner ist in eine
andere Wohnung verzogen.
Drei Bewohner verfügten im Berichtsjahr über einen festen
Arbeitsvertrag.
Insgesamt 17 Bewohner erhielten Leistungen nach dem
SGBII – teilweise als aufstockende Leistungen zum
Erwerbseinkommen.
Acht Bewohner erhielten Rente und/oder aufstockende
Leistungen nach dem SGBXII.
Kontinuierlich wird mit den Bewohnern an räumlichen,
einrichtungsspezifischen Verbesserungen gearbeitet,
beispielsweise der Garten-/Balkonpflege, kleinere
Renovierungen der Zimmer und Verbesserung der
Ausstattung.Seite 19 von 41
Ambulante Dienste
14
Schwierig ist die Situation, wenn die Bewohner Doppelzimmer
bewohnen. Hier ist die Zielsetzung, schrittweise auf
Einzelzimmer umzustellen.
Ambulante Wohnhilfen - Wohnhaus Kaiserstraße
Die ambulante Wohnhilfe im Wohnhaus Kaiserstraße ist
insbesondere auf die Bedürfnisse wohnungsloser Männer mit
Suchterkrankungen und/oder psychischen Problemen
ausgerichtet. Für viele Bewohner stellen die Organisation des
Alltags und soziale Interaktionen hohe Anforderungen dar. Die
besondere soziale Situation der Bewohner macht eine
umfassende Unterstützung und Begleitung im Alltag
notwendig, damit sie weitgehend selbständig am Leben der
Gesellschaft teilhaben können. Dabei verfügen die Bewohner
zunächst nicht über die erforderliche Compliance, um die
Möglichkeiten der Hilfen nach dem BTHG zu nutzen. Mit dem
Hilfsangebot wird erneute Wohnungslosigkeit vermieden,
sofern vorrangige Leistungen des Regelsystems nicht greifen.
Im Wohnhaus Kaiserstraße wohnten im Berichtsjahr
insgesamt 38 Männer (2021: 36). Acht Bewohner konnten im
Berichtsjahr neu aus stationären Einrichtungen oder der
Notübernachtung einen Mietvertrag unterschreiben und
einziehen.
Acht Bewohner schlossen die Hilfe 2022 ab: Zwei Bewohner
konnten ein neues Zuhause in Pflegeheimen finden, ein
Bewohner wechselte in eine Einrichtung für Suchtkranke nach
dem BTHG, ein Bewohner wechselte in die stationäre Hilfe
nach § 67 SGB XII, zwei Bewohner wechselten in ambulant
betreute Wohnformen. Sechs Bewohner wechselten somit in
vorrangige Hilfen des Regelsystems.
Zwei Bewohner sind im Berichtsjahr verstorben.
Die Verweildauer der Bewohner, die die Hilfe beendeten,
betrug 1,8 Jahre (2021: 5,7 Jahre).Seite 20 von 41
Ambulante Dienste
15
Altersstruktur
2020 2021 2022
18-29 Jahre 0 0% 0 0% 0 0%
30-39 Jahre 0 0% 0 0% 1 3%
40-49 Jahre 4 11% 3 8% 6 16%
50-64 Jahre 22 61% 23 64% 21 55%
65 Jahre und älter 10 28% 10 28% 10 26%
36 100% 36 100% 38 100%
Der Altersdurchschnitt der Bewohner betrug 58 Jahre.
Mit ergänzender Hilfe zur Pflege/Hauswirtschaft wurden 13
Bewohner (2021:13; 2020: 13) unterstützt. Von einer
gesetzlichen Betreuung wurden 12 Bewohner (2021:13;
2020:12) unterstützt. Bei einem Bewohner wurde die
gesetzliche Betreuung im Berichtsjahr gegen den Willen des
Sozialdienstes des Wohnhauses eingestellt, da der Bewohner
nicht betreuungsfähig sei, weil er nicht mitwirke. Drei
Bewohner verweigerten die Einwilligung zur Einrichtung einer
gesetzlichen Betreuung.
Nahezu alle Bewohner nahmen hausärztliche Hilfen in
Anspruch. Ein viertes Impfangebot (Booster) gegen Corona
konnte im Haus wahrgenommen werden.
Die Corona-Pandemie bestimmte auch im Jahr 2022
weitgehend die Strukturen im Wohnhaus.
Das soziale Miteinander im Rahmen von gemeinsamen
Aktivitäten und Festen konnte vorsichtig wieder hochgefahren
werden (je nach Wetter- und Pandemie-Lage) – die ToGo-
Variante beim Osterfrühstück und beim Festessen an
Heiligabend wurde auf Wunsch immer noch ermöglicht.
Dennoch wirkten die Vereinsamungstendenzen durch die
Pandemie weiter und auch 2022 war verstärkte Einzelfallhilfe
nötig, um die Bewohner in ihrer Einsamkeit zu erreichen. Im
Berichtsjahr 2022 ist im Wohnhaus Kaiserstraße ein Fall von
Covid 19 festgestellt worden.Seite 21 von 41
Betreutes Wohnen
16
BETREUTES WOHNEN
Im Jahr 2022 wurden 72 KlientInnen im Betreuten Wohnen
betreut (2021: 65). Unter den 72 Personen waren neun Frauen.
Von 13 Neuaufnahmen nutzten vier im Vorfeld die stationäre
Hilfe nach §§ 67 ff SGB XII.
Das Durchschnittsalter lag bei 49,4 Jahren (2021: 49,3 Jahren).
Sieben Leistungsberechtigte fielen in die Zuständigkeit der
Stadt Bonn, 65 in die Zuständigkeit des Landschaftsverbandes
Rheinland.
Insgesamt wurden 5.151,5 Dienstleistungsstunden abgerechnet
(2021: 4.945,1).
Ergebnisse Zwölf Nutzer*innen schlossen die Hilfe im Jahr 2022 ab. Die
durchschnittliche Verweildauer der Beender*innen betrug 1.172
Tage (2021: 1.004 Tage).
Elf Beender verblieben planmäßig in ihrem Wohnraum, ein
Beender wechselte den Wohnort und wurde in das Betreute
Wohnen nach § 67 SGB XII des neuen Wohnortes vermittelt.
Von den 72 Nutzer*innen waren 57 erwerbsfähig. Von diesen
gingen im Berichtsjahr 25 einer Erwerbstätigkeit nach.
Insgesamt entspricht dies einer Erwerbsquote von 44 % (2021:
58 %). Von den 25 erwerbstätigen Nutzer*innen waren 13
sozialversicherungspflichtig bei der Caritas Bonn beschäftigt.
Hiervon vier, deren Erwerbstätigkeit über die Instrumente von §
16i SGB II/ § 16 e SGB II gefördert wurde.
Eine stabile Erwerbstätigkeit stützt die Hilfeprozesse im
Betreuten Wohnen auf vielfältige Weise. Gleichzeitig wirkt sich
das Betreute Wohnen auch stabilisierend auf den
Erwerbsprozess aus.
Personelle Situation 2022 waren sechs Sozialarbeiter*innen/Sozialpädagog*innen
im durchschnittlichen Umfang von 4,31 VK tätig (einschließlich
Leitung). Unterstützt wurden sie durch eine Studentin der
Sozialarbeit, die im Rahmen des Dualen Studiums eingesetzt
war.
Schwerpunkt
Wohnungsnot
Alle Nutzer*innen leben in einem Mietverhältnis. Hiervon 23 in
Wohnraum, den die Caritas Bonn als Zwischenmieter
angemietet hat oder als Eigentümer zur Verfügung stellt. Ohne
dieses besondere Engagement der Caritas Bonn hätten dieseSeite 22 von 41
Betreutes Wohnen
17
Menschen im Zusammenhang mit dem Nachfrageüberhang am
Wohnungsmarkt keine Chance auf eine eigene Wohnung.
Schwerpunkt
Vernetzung
Die Wohnungslosenhilfe der Caritas Bonn sieht ihr Ziel nicht
darin, eine Parallelstruktur für wohnungslose Menschen
anzubieten. Das Ermöglichen von Teilhabe in einer
Gesellschaft, die ein hohes Maß an Selbstständigkeit fordert, ist
neben der Bewältigung von besonderen sozialen
Schwierigkeiten die Prämisse.
Die fach- und trägerübergreifende Kooperation der Caritas
Bonn wird von dem Betreuten Wohnen in der täglichen Arbeit
genutzt und steht somit zum Vorteil der Nutzer*innen zur
Verfügung.
Die Vernetzungsstrukturen dienen einerseits dem fachlichen
Austausch. Sie sollen darüber hinaus den Weg in die Hilfen
ebnen, die der Hilfe nach § 67 SGB XII vorrangig sind.
Das Betreute Wohnen ist vertreten in den Gremien unseres
Spitzenverbandes, der Katholischen Arbeitsgemeinschaft
Wohnungslosenhilfe und in den Kooperationsgremien, die das
Zusammenwirken von Polizei, Ordnungsamt und
Sozialverbänden in der Bonner Innenstadt koordinieren.
Schwerpunkt Corona Die Restriktionen, die im Zusammenhang mit der Eindämmung
der Corona-Pandemie erforderlich waren, wurden im Laufe des
Jahres schrittweise gelockert. Der Normalbetrieb konnte wieder
aufgenommen werden. Alle Nutzer*innen haben, unter der
gesundheitlichen Perspektive betrachtet, die Corona-Pandemie
gut überstanden.
Schwerpunkt
Qualitätsentwicklung
Im Berichtsjahr wurde nochmals die Prozessqualität
überarbeitet. Dabei wurden vier Teilprozesse identifiziert:
Die situative Hilfe zur Existenzsicherung steht oftmals am
Anfang des Hilfeprozesses. Der Prozess setzt bei den
Defizitbedürfnissen an.
Die Begleitung und Moderation zur Alltagsbewältigung fördern
die helfende Beziehung und Wachstumsbedürfnisse.
Die Entwicklung und die Umsetzung neuer Lebensperspektiven
nehmen Bezug auf den Wunsch nach Selbstwirksamkeit.
Die Ablösung sichert eine tragfähige Lebenssituation, die
Teilhabe ermöglicht.Seite 23 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
18
STATIONÄRE HILFE NACH § 67 SGB XII IM PRÄLAT-SCHLEICH-HAUS
Im Prälat-Schleich-Haus stehen 84 Plätze für die stationäre
Betreuung nach §§ 67 SGB XII zur Verfügung. Das Angebot
richtet sich ausschließlich an Männer.
Zielgruppe
2021 nutzten 151 Bewohner die stationären Wohnhilfen im
Prälat-Schleich-Haus (2021: 161). Dabei gab es 30.874
Belegungstage (2021: 29.871).
Zur Aufnahme von Bewohnern wurden im Jahr 2022 163 (2021:
156) Infogespräche mit Interessenten geführt. 126 Interessenten
kamen auf die Warteliste (2021: 117). Hiervon wurden 66
Bewohner in die stationären Wohnhilfen aufgenommen (2021:
77).
Die neuaufgenommenen Bewohner gaben folgende Anlässe für
den Wohnungsverlust an:
2018 2019 2020 2021 2022
Konflikte im Wohnumfeld 15 17 14 24 15
Mietschulden 12 10 7 1 4
Haftantritt 11 12 7 10 14
Familiäre Konflikte 11 19 23 12 12
Ortswechsel 4 7 8 2 2
Arbeitsplatzverlust 3 4 2 2 1
unbekannt 3 0 0 3
Krankheit 2 0 4 10 1
langjährig wohnungslos 1 6 14 5 10
Beendigung einer Betreuungsmaßnahme 1 3 2 6 7
Eigenbedarf 0 0 0 2 0
63 78 81 77 66
Bei den meisten Bewohnern spielten soziale Konfliktsituationen
als Auslöser von Wohnungslosigkeit eine bedeutende Rolle.
Neben den Anlässen, die in die Wohnungslosigkeit führten,
brachten die Bewohner eine Vielzahl an weiteren individuellen
Problemlagen mit, die im Einzelfall kumulieren, sichSeite 24 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
19
wechselseitig verstärken und zu sozialen Schwierigkeiten
führen.
Diese individuellen Exklusionsrisiken gilt es aufzuarbeiten, so
dass die Teilhabe an den üblichen Lebensvollzügen (wieder)
möglich wird.
Anhand der nachfolgenden Darstellung lassen sich die
Problemstellungen, die von den Bewohnern bei Aufnahme in die
Einrichtung genannt werden, nachvollziehen
(Mehrfachnennungen):
2018 2019 2020 2021 2022
Wohnen, Wohnungsverlust 100 % 100 % 100 % 100% 100 %
Umgang mit Behörden 79% 95% 83% 91 % 95 %
Ausbildung/Beruf/Arbeitslosigkeit 83% 86% 74% 78 % 85 %
mangelnde materielle Absicherung 60% 77% 59% 60 % 52 %
Überschuldung 72% 73% 73% 74 % 68 %
soziale Beziehungen 77% 73% 69% 87 % 67 %
soziale Isolation/Einsamkeit 66% 69% 57% 87 % 61 %
Suchtproblematik 74% 64% 75% 74 % 80 %
psychische Störungen 69% 53% 53% 71 % 71 %
körperliche Erkrankung/Behinderung 38% 42% 44% 42 % 39 %
Doppeldiagnose 54% 41% 47% 53 % 58 %
Gewalterfahrung 23% 22% 17% 35 % 42 %
Diskriminierungserfahrung 6% 12% 11% 6 % 9 %
Lediglich drei Bewohner hatten bei der Aufnahme weder eine
Suchtproblematik noch eine psychische Störung oder eine
körperliche Erkrankung bzw. Behinderung.
Der Erfolg der Hilfe hängt i.d.R. davon ab, ob es gelingt,
Krankheitseinsicht zu fördern, ein tragfähiges
Behandlungssetting zu organisieren und im Einzelfall die Hilfen
des vorrangigen BTHG zu erschließen. Besonders schwierig ist
dies bei Menschen, die sowohl unter einer Suchterkrankung als
auch einer psychischen Störung leiden (Doppeldiagnose).
In Zusammenhang mit dem Nachfrageüberhang am
Wohnungsmarkt, den hohen Zugangsschwellen zu Leistungen
des BTHG und den oft nicht nachhaltig wirksamen
Behandlungssettings ist zu befürchten, dass diese schwer
erkrankte Personengruppe nachhaltig aus den üblichen
Lebensvollzügen ausgegrenzt sein wird. Dabei ist es nicht
akzeptabel, die Verantwortung für diese Entwicklung denSeite 25 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
20
erkrankten Menschen allein zuzuordnen. Auch die Hilfesysteme
müssen sich fragen lassen, welche Qualitätsverbesserungen die
Lebenschancen dieser oftmals schwer erkrankten Zielgruppe
verbessern können.
Personalsituation
Siehe Qualitätsnachweis.
Vernetzung und Kooperation
Zielsetzung der nach dem Abklingen der Corona-Pandemie
wiederauflebenden Vernetzung und Kooperationen ist die
Verbesserung der Teilhabechancen der Bewohner.
Mit dem Rückenwind der EU – Resolution zur Überwindung der
Obdachlosigkeit könnte im Zusammenschluss der Träger der
Wohnungslosenhilfe in Bonn und der Stadt Bonn ein
strategischer Prozess angestoßen werden, nachhaltige
strukturelle Verbesserungen herbeizuführen, um
Wohnungslosigkeit zu überwinden. In diesem Zusammenhang
fand am Tag der Wohnungslosen ein gemeinsamer Termin für
Presse und Politik statt, der über dieses Anliegen informiert.
Besondere inhaltliche Aspekte
Corona-Pandemie Die Corona-Pandemie konnte ohne wesentliche gesundheitliche
Folgen für die Bewohner durchgestanden werden. Hohe
Verantwortungsbereitschaft der Bewohner sowie der
Mitarbeitenden und hohe Impfquoten verhinderten Corona-
ausbrüche in der Einrichtung
Wohnungsnot Dem drängenden Thema Wohnungsnot begegnet die Stadt
Bonn nun mit einem ganzheitlichen Ansatz. Getragen von einer
breiten politischen Mehrheit wurde die Einrichtung einer
Geschäftsstelle beschlossen, die die entsprechenden Aktivitäten
zur Überwindung der Wohnungslosigkeit plant und umsetzt.
Modernisierung
Brandschutz
2022 wurde die Modernisierung des Gebäudes und die
Umsetzung des Brandschutzkonzeptes fortgesetzt.
Daneben wurde der Umbau der ehemaligen Kapelle zum
Besprechungs- und Versammlungsraum abgeschlossen.Seite 26 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
21
IT und Datenschutz Die Ausstattung des Gebäudes mit flächendeckendem WLan
und die Erneuerung der Netzwerkstrukturen wurde
weitestgehend abgeschlossen. Die Telefon-Anlage wurde auf
eine IP basierte Lösung umgestellt. Die Daten wurden in ein
Rechenzentrum verlagert, das die Datensicherheit gewährleistet.
Statistik
In der stationären Hilfe nach §§ 67 ff SGB XII wurden 151
Bewohner betreut (2021: 161). 127 Bewohner waren deutsche
Staatsbürger (2021: 130).
Die folgenden Tabellen stellen die Altersstruktur und den
Familienstand der betreuten Männer dar:
Altersstruktur
2020 2021 2022
18-29 Jahre 22 14% 26 16% 20 13%
30-39 Jahre 28 17% 29 18% 26 17%
40-49 Jahre 38 23% 41 25% 41 27%
50-64 Jahre 58 36% 45 28% 46 30%
65 Jahre und älter 16 10% 20 12% 18 12%
162 100% 161 100% 151 100%
Die Altersstruktur hat sich im Vergleich zu den Vorjahren nur
unwesentlich verändert.
Familienstand
2020 2021 2022
geschieden 22 13,6% 22 13,6% 19 13%
getrennt lebend 10 6,2% 10 6,2% 4 3%
ledig 111 68,5% 111 68,5% 123 81%
verheiratet 12 7,4% 12 7,4% 3 2%
eingetragene
Lebens-
gemeinschaft
2 1,2% 2 1,2% 0 0%
verwitwet 5 3,09% 5 3,09% 2 1%
162 100 % 162 100 % 151 100 %Seite 27 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
22
Nach wie vor sind die meisten Bewohner ledig. Deren Anteil ist
gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Schulausbildung
2020 2021 2022
kein Eintrag/ sonstiges 0 0,0% 1 1% 3 2%
Gymnasium/ Fachhoch-
schulreife 23 14% 24 15% 21 14%
Realschule/ Mittlere
Reife 34 21% 39 24 % 36 24%
Hauptschule/
Volksschule 79 49% 72 45% 65 43%
Sonderschule 7 4% 7 4 % 10 7%
ohne Abschluss 19 12% 18 11% 16 11%
162 100 % 162 100 % 151 100%
Die Verteilung der Bildungsabschlüsse hat sich nicht wesentlich
verändert.Seite 28 von 41
Stationäre Hilfe nach § 67 SGB XII im Prälat-Schleich-Haus
23
Ergebnisse der Hilfe
Die durchschnittliche Verweildauer der 67 Beender betrug 335
Tage (2021: 243 Tage).
Von ihnen wechselten…
…14 in eine weiterführende Betreuungssituation, hiervon vier in
eine eigene Wohnung mit Betreutem Wohnen nach § 67 SGB
XII,
…vier in eine eigene Wohnung ohne weitergehende Betreuung
des Betreuten Wohnens,
…sechs in eine somatische oder psychiatrische
Behandlungssituation,
…neun zur Familie/Partnerin.
Von den vier Bewohnern, die in eine eigene Wohnung mit
Betreuten Wohnen wechselten, mieteten drei eine Wohnung bei
der Caritas Bonn an, die von dort über eine
Zwischenvermietung bereitgestellt wurde.
Die Integrationsquote betrug somit 49 % gegenüber 42 % im
Jahr 2021.
Die fehlende Chance auf menschenwürdiges Wohnen im
Anschluss an den Aufenthalt wirkt sich hilfeverhindernd aus,
weil die realistische Perspektive, eine Wohnung und eine
sichere Arbeit zu finden, fehlt.
Schlüsse und Folgerungen für das Folgejahr
Baumaßnahme
fortsetzen
2023 gilt es die Maßnahmen zum gebäudlichen Brandschutz
fortzusetzen. Daneben werden wir eine Wohngemeinschaft
umbauen, so dass zusätzliche Bewohnerzimmer entstehen.
Perspektivlosigkeit
begegnen
Die fehlenden Chancen am Wohnungsmarkt und der oft
schwierige Zugang zu Hilfen nach dem BTHG erzeugen bei den
Bewohnern Verunsicherung und Perspektivlosigkeit. Mit der
Einrichtung der Geschäftsstelle besteht nun die Möglichkeit,
den Schwierigkeiten, die der Teilhabe der Menschen mit
Hilfebedarf nach § 67 SGB XII entgegenwirken, strukturell zu
begegnen.Seite 29 von 41
Aenne-Mangold-Haus
24
AENNE-MANGOLD-HAUS
Zielgruppe
Das Aenne-Mangold-Haus ist eine gruppenorientierte
stationäre Einrichtung der Wohnungslosenhilfe für junge
Männer zwischen 18 und 25 Jahren, die einen Hilfebedarf im
Sinne des § 67 SGB XII bzw. § 41SGB VIII haben. Die
Kapazität der Einrichtung umfasst 19 Plätze in
Einzelzimmern. Die Leistungen sind nach den
Leistungstypen LT28 und LT30 definiert.
Insgesamt nahmen im Jahr 2022 35 junge Männer die Hilfe
in der Einrichtung in Anspruch (2021: 34; 2019: 35).
Im Berichtsjahr wurden 16 Bewohner aufgenommen. Hiervon
nutzten 12 wegen akuter Obdachlosigkeit den Zugang über
die existenzsichernden Hilfen der Wohnungslosenhilfe. Sie
nutzten im Vorfeld der Aufnahme in das Aenne-Mangold-
Haus die Angebote der Notübernachtung, der Fachberatung
oder auch der stationären Hilfen nach § 67 SGB XII im
Prälat-Schleich-Haus.
Die Bewohner gaben folgende vorrangige Probleme bei
Aufnahme an:
2019 2020 2021 2022
Wohnen, Wohnungsverlust 100 % 100 % 100 % 100%
Umgang mit Behörden 80 % 100 % 100 % 100%
Arbeitslosigkeit 100 % 94 % 100 % 94%
mangelnde materielle
Absicherung 55 % 69 % 33 % 54%
Suchtproblematik 43 % 50 % 67 % 43%
psychische Störungen 40 % 69 % 67 % 66%
Überschuldung 53 % 69 % 60 % 66%
Doppeldiagnose 18 % 44 % 53 % 31%
körperliche
Erkrankung/Behinderung 5 % 19 % 47 % 20%
Gewalterfahrung 28 % 25 % 33 % 37%
Gewaltbereitschaft 10 % 25 % 7 % 29%
ausländerrechtliche Probleme 8 % 25 % 7 % 11%
Diskriminierungserfahrung 3 % 0 % 0 % 3%Seite 30 von 41
Aenne-Mangold-Haus
25
Die Kumulation der komplexen Problemlagen der Bewohner
erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, um diese möglichst
nahhaltig aufzuarbeiten.
Auffällig ist, dass der Anteil der Bewohner mit einer
psychischen Störung seit 2019 um mehr als 25% gestiegen
ist. Ebenfalls leiden mehr Bewohner an einer körperlichen
Erkrankung oder Behinderung. Lediglich drei Bewohner gaben
bei der Aufnahme an, weder körperlich noch psychisch oder
suchtkrank zu sein.
Personalsituation
Siehe Qualitätsnachweis.
Besondere inhaltliche Aspekte
Corona - Pandemie Nach den Einschränkungen der Corona Pandemie konnten in
der zweiten Jahreshälfte die Gruppenangebote langsam
wieder aufgenommen werden. Altbewährte und
neuentwickelte Angebote und Maßnahmen bilden den Alltag
der Einrichtung, sodass aus der Corona-Pandemie auch
positive Schlüsse gezogen werden konnten.
Angebotsevaluation Ausgelöst durch den zunehmenden Anteil psychisch- und/oder
suchtkranker Bewohner galt es im Berichtsjahr, die Angebote
der Tagesstrukturierung zu evaluieren und anzupassen. Es
zeigte sich, dass die Bewohner verstärkt Unterstützung bei der
Alltagsbewältigung und (Weiter-) Entwicklung der
lebenspraktischen Fähigkeiten sowie Begleitung bei der
Kreierung einer sinnstiftenden Alltagsgestaltung brauchen.
Aufgrund des veränderten Hilfebedarfs wurde im 4. Quartal
des Berichtsjahres die nachzubesetzende Stelle neu bewertet
und schließlich als Fachkraft für soziale Teilhabe und
Tagesstruktur ausgeschrieben. Diese konnte zu Beginn des
Folgejahres erfolgreich besetzt werden.Seite 31 von 41
Aenne-Mangold-Haus
26
Personalveränderung
und Leitungswechsel
Die Leitungsstruktur im Aenne-Mangold-Haus wurde
verändert. Zum 01. November wurde die Stelle der
Einrichtungsleitung neu besetzt. Zum gleichen Zeitpunkt
wurde erstmalig die Funktion der stellvertretenden
Einrichtungsleitung besetzt.
Vernetzung und Kooperation
Wohnungslosigkeit und die damit verbundenen besonderen
sozialen Schwierigkeiten aufzuarbeiten und zu überwinden
benötigt einen personenzentrierten, ganzheitlichen Ansatz.
Dieser lässt sich nur mit verlässlichen Vernetzungs- und
Kooperationsstrukturen realisieren. Mit dem Wegfall der
coronabedingten Einschränkungen wurden diese
Verbindungen in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres wieder
intensiviert und gestärkt.
Statistik
Im Aenne-Mangold-Haus wurden 2022 insgesamt 35
Bewohner betreut. Darunter hatten 28 Bewohner die deutsche
Staatsbürgerschaft.
Altersstruktur und Familienstand
2019 2020 2021 2022
18 – 20 Jahre 14 35 % 10 29 % 6 18 % 11 31,4%
21 - 25 Jahre 23 57,5 % 19 54 % 22 64 % 20 57,1%
älter als 25 Jahre 3 7,5 % 6 17 % 6 18 % 4 11,4%
40 100 % 35 100 % 34 100 % 35 100%
82 % der Bewohner waren 25 Jahre oder jünger (2021: 82 %).
Der Altersdurchschnitt lag bei 22,0 Jahren (2021: 22,3). Der
Altersdurchschnitt der 16 Neuaufnahmen betrug ebenfalls
22,0 Jahre (2021. 21,6).
Alle 35 Bewohner waren zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme ledig.Seite 32 von 41
Aenne-Mangold-Haus
27
Schulausbildung
2019 2020 2021 2022
kein Eintrag/ sonstiges 1 2,5 % 1 2,9 % 1 2,9% 0 0%
Gymnasium/
Fachhochschulreife 0 0,0 % 1 2,9 % 1 2,9% 0 0%
Realschule/ Mittlere Reife 10 25,0 % 8 22,9 % 4 11,8% 6 17,1%
Hauptschule/ Volksschule 19 47,5 % 12 34,2 % 17 50% 14 40%
Sonderschule 1 2,5 % 1 2,9 % 2 5,9% 3 8,6%
ohne Abschluss 9 22,5 % 12 34,2 % 9 26,5% 12 34,3%
40 100 % 35 100 % 34 100 % 35 100% 100 %
Die Schulausbildung der Bewohner war insgesamt betrachtet
unterdurchschnittlich. Die Zahl der Bewohner, die über keinen
Abschluss verfügen, ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen
und ähnelt dem Wert von 2020. Lediglich sechs der 35
Bewohner haben die Mittlere Reife. Kein Bewohner hat eine
Fachhochschulreife.
Ergebnisse der Hilfe
Von den 35 Bewohnern beendeten 16 im Berichtsjahr die Hilfe
(2021: 16). Die durchschnittliche Verweildauer der Beender
betrug 379 Tage (2021: 460). Ein Bewohner verstarb im
Krankenhaus, während er Bewohner des Aenne-Mangold-
Hauses war.
Wohnsituation Zum Ende der Hilfe ist es fünf Bewohnern gelungen, eine
eigene Wohnung zu beziehen. Einer von ihnen zog in das
Quartier Geislar. Drei Bewohner zogen zurück zur Familie oder
zur Partner/in. Zwei Bewohner wechselten in eine weitere
Betreuungseinrichtung.
Damit beträgt die Integrationsquote 62,5 % (2021: 75 %).Seite 33 von 41
Aenne-Mangold-Haus
28
Einkommen Von den 16 Beendern bestritten bei Abschluss der Hilfe zwei
ihren Lebensunterhalt über ein Erwerbseinkommen, neun über
SGB II oder SGB III Leistungen. Zwei Beender hatten aufgrund
der Erwerbsunfähigkeit einen Anspruch auf SGB XII
Leistungen. Ein Beender verfügte bei Abschluss der Hilfe über
keinen gesicherten Lebensunterhalt.
Schlüsse und Folgerungen für das Folgejahr
Weiterentwicklung der
Tagesstrukturierung
Im Folgejahr werden die Angebote der Tagesstrukturierung im
Rahmen von Workshops weiterentwickelt und angepasst. Dies
dient als vorbereitende Maßnahme für die
Konzeptüberarbeitung.
Konzeptmodulation Bei der Auswertung der Problemlagen zeigte sich, dass der
Anteil der Bewohner mit einer psychischen Störung um 25%
angestiegen ist. In der Annahme, dass dieser Anteil in den
nächsten Jahren nicht sinken wird, muss das Konzept
dahingehend angepasst werden. Zielsetzung dabei ist, dass
die Bewohner durch die Hilfe im Aenne-Mangold-Haus in
vorrangige Hilfen, insbesondere in die psychosozialen Hilfen,
vermittelt werden können.
Modernisierung Für die Folgejahre gilt es, die Einrichtung zu modernisieren.
Einige Maßnahme, wie z.B. die Renovierung des
Treppenhauses und die Beschaffung von brandhemmenden
Vorhängen und Gardinen für die Bewohnerzimmer, konnten im
Jahr 2023 bereits umgesetzt werden.
Im Rahmen der Modernisierung wird verstärkt auf die
Arbeitssicherheit und den Brandschutz geschaut und
Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt. Hierzu gehören die
vollständige Überarbeitung der Brandschutzordnung, die
Bestellung eines Sicherheitsbeauftragen für die Einrichtung
etc.
Teambuilding Durch die veränderte Leitungsstruktur sowie die erstmalige
Besetzung der Fachkraft für soziale Teilhabe und
Tagesstruktur wird im Folgejahr ein Teambuildingprozess
stattfinden. Der Prozess beinhaltet auch die Neuverteilung von
Aufgaben sowie die Bildung einer Einrichtungs- und
Teamidentität der Einrichtung.Seite 34 von 41
Aenne-Mangold-Haus
29
Vernetzung Im Folgejahr sollen die Vernetzungsstrukturen mit internen und
externen Angeboten der Jugendhilfe, der Suchtkrankenhilfe,
psychosozialen Hilfe sowie der Wohnungslosenhilfe verbessert
werden.Seite 35 von 41
Qualitätsnachweise
30
QUALITÄTSNACHWEISE
Stellenplan Ambulante DiensteDiplom Sozialarbeit/
Sozialpädagogik
Betreuung
Bewirtschaftung/
Hauswirtschaft
Hauswirtschaftliche
Hilfskraft - Wäscherei
Pforte
Verwaltung
Hausmeister
Reinigungskraft
Summe
Straßensozialarbeit/
Betreuung und
Tagesstrukturierende
Angebote
1,25 1,25
Tagesaufenthalt in der
City-Station 3,7 0,5 4,2
Notübernachtung 0,38 0,5 0,5 0,14 0,63 2,15
Clearing 1,0 1,0
Fachberatung 3,0 0,5 3,5
Ambulante Wohnhilfe 1,52 1,0 0,5 3,02
Leitung 0,75 0,75
Gesamtbeschäftigungs-
umfang in
Vollzeitstellen
6,52 2,0 4,2 0,38 1,0 1,0 0,14 0,63 15,87Seite 36 von 41
Qualitätsnachweise
31
Qualitätsnachweis – Prälat-Schleich-Haus
Strukturqualität
Einrichtung: Prälat-Schleich-Haus, Thomastraße 36 und Heerstraße 185a,
53111 Bonn
Träger: Caritasverband für die Stadt Bonn e.V., Fritz-Tillmann-Str. 8-12,
53113 Bonn
Berichtszeitraum: 01. Januar 2022 bis 31. Dezember 2022
Platzzahl der Einrichtung: 84 ab 2016
Die Durchschnittsbelegung der Einrichtung betrug im Berichtszeitraum: 99 %
Betriebsnotwendige Anlagen
 Im Berichtszeitraum sind keine Veränderungen bei den betriebsnotwendigen
Anlagen eingetreten.
 Es sind folgende Änderungen eingetreten:
Fertigstellung des Umbaus der ehemaligen Heimwerkstatt (Kapelle) zum
Besprechungs- und Versammlungsraum
Fachkonzeption
 Im Berichtszeitraum sind keine Veränderungen eingetreten.
Personal gemäß Leistungs- und Prüfungsvereinbarung mit vereinbartem
Stellen-Soll gültig am 31. Mai 2016.
Leitung
 Die Kosten der Leitung sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für Leitungsaufgaben wurde ab dem 31. Mai 2016 folgende
Personalausstattung vereinbart: 1,3 Stellen
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug 100% des Solls.
Betreuung
 Für den Betreuungsdienst wurde ab dem 31. Mai 2016 folgende
Personalausstattung vereinbart: 15,22 Stellen
davon:
9,0 Stellen Sozialarbeit/Sozialpädagogik
1,0 Stelle für Anleitung, Unterstützung und Übernahme bei der täglichen
Lebensführung (hauswirtschaftlicher Bereich)
5,22 Stellen mit anderer Qualifikation: Betreuungsdienste
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrugSeite 37 von 41
Qualitätsnachweise
32
100% des Solls der Stellen für Sozialarbeit/Sozialpädagogik
100% des Solls der Stellen für Anleitung etc.
100% des Solls der Stellen mit anderer Qualifikation
Verwaltung
 Die Kosten für Verwaltungspersonal sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für die Verwaltungsaufgaben wurde mit Wirkung ab dem 31. Mai 2016 folgende
Personalausstattung vereinbart: 2,12 Stellen.
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug 100% des Solls;
 zzgl. Fremdleistung.
Sonstiges Personal
 Die Kosten für das sonstige Personal sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für das sonstige Personal wurde mit Wirkung ab dem 31. Mai 2016 folgende
Personalausstattung vereinbart: 15,32 Stellen.
1,0 Stelle in der Funktion: Werkstattleitung
4,5 Stellen in der Funktion. Pforten-und Telefondienst
1,4 Stellen in der Funktion: Hausmeister
6,3 Stellen in der Funktion: Küche
0,75 Stellen in der Funktion: Wäsche
1,37 Stellen in der Funktion: Reinigung
Hiervon sind 2,15 Stellen mit der Umstrukturierung der Notübernachtung den
Ambulanten Diensten zugeordnet.
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug 100% des Soll;
zzgl. Fremdleistung.
Wir bestätigen, dass die vorstehenden Angaben vollständig und zutreffend sind.
Ort, Datum Unterschrift des Trägers der EinrichtungSeite 38 von 41
Qualitätsnachweise
33
Qualitätsnachweis – Aenne-Mangold-Haus
Einrichtung: Aenne-Mangold-Haus, Noeggerathstraße 10, 53111 Bonn
Träger: Caritasverband für die Stadt Bonn e.V., Fritz-Tillmann-Str. 8-12,
53113 Bonn
Berichtszeitraum: 01. Januar 2022 bis 31. Dezember 2022
Platzzahl der Einrichtung: 19
Die Durchschnittsbelegung der Einrichtung betrug im Berichtszeitraum: 99 %
Betriebsnotwendige Anlagen
 Im Berichtszeitraum sind keine Veränderungen bei den betriebsnotwendigen
Anlagen eingetreten.
 Es sind folgende Änderungen eingetreten: entfällt
ab:_________ Veränderung:__________________
Fachkonzeption
 Im Berichtszeitraum sind keine Veränderungen eingetreten.
Es sind folgende Veränderungen eingetreten: entfällt
_______________entfällt________________
Der LVR hat der Veränderung
 zugestimmt  bisher nicht zugestimmt
Die Veränderung befindet sich zurzeit in der Abstimmung mit dem LVR.
_____________________
Der Nachweis der Qualität ist auf der Basis der Leistungs- und
Prüfungsvereinbarung gültig ab__________(Stand___________) zu führen.
Zutreffendes bitte ankreuzen
Personal gemäß Leistungs- und Prüfungsvereinbarung mit vereinbartem
Stellen-Soll gültig ab 1999 (LVR).
Leitung
 Die Kosten der Leitung sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für Leitungsaufgaben wurde ab folgende
Personalausstattung vereinbart:
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug des Soll.Seite 39 von 41
Qualitätsnachweise
34
Betreuung
Für den Betreuungsdienst wurde ab 1999 folgende
Personalausstattung vereinbart: 4,0 Stellen
davon:
3,0 Stellen Sozialarbeit/Sozialpädagogik (inklusive Leitungsfunktion)
1,0 Stellen für Anleitung, Unterstützung und Übernahme
bei der täglichen Lebensführung (hauswirtschaftlicher Bereich)
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug
100% des Solls der Stellen für Sozialarbeit/Sozialpädagogik
100% des Solls der Stellen für Anleitung etc.
Verwaltung
 Die Kosten für Verwaltungspersonal sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für die Verwaltungsaufgaben wurde mit Wirkung ab 1999 folgende
Personalausstattung vereinbart: 0,7 Stellen
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug 100 % des Solls;
 zzgl. Fremdleistung.
Sonstiges Personal
 Die Kosten für das sonstige Personal sind in den Sachkosten/Umlage enthalten.
 Für das sonstige Personal wurde mit Wirkung ab 1999 folgende
Personalausstattung vereinbart: 0,2 Stellen.
Davon 0,2 Stellen Hausmeister
Die Besetzung im Berichtszeitraum betrug 100% des Solls;
 zzgl. Fremdleistung.
Wir bestätigen, dass die vorstehenden Angaben vollständig und zutreffend sind.
Ort, Datum Unterschrift des Trägers der EinrichtungSeite 40 von 41
Qualitätsnachweise
35
Viele Menschen und Organisationen haben
die Arbeit der Wohnungslosenhilfe im Laufe
des Jahres unterstützt.
Wir sagen allen ganz herzlich
Danke!
Das Team der Wohnungslosenhilfe
Herausgeber und Autoren Wohnungslosenhilfe der Caritas Bonn
Bilder Caritas Bonn
Kontakt Gerhard Roden, Telefon: 0228 98532-0
E-Mail psh@caritas-bonn.de
Internet www.caritas-bonn.de
Stand 07/2023Seite 41 von 41

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 02.11.2026, 19:37 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de