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232092-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung

CDU-Anfrage: Fortschritte im Nachgang des Kita-Gipfels

Nummer
232092-01 ST
Art
Stellungnahme der Verwaltung
Veröffentlicht
20.11.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Kinder-, Jugend und Familie 29.11.2023 Kenntnisnahme
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  1. 232092 CDU-Anfrage: Fortschritte im Nachgang des Kita-Gipfels

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Stellungnahme der Verwaltung
öffentlich
232092-01 ST
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
51 Amt für Kinder, Jugend und Familie
Dezernat:
Dez. V
CDU-Anfrage: Fortschritte im Nachgang des Kita-
Gipfels
Beratungsfolge
Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie 29.11.2023 Kenntnisnahme
Inhalt der Stellungnahme:
Mit dem seinerzeit von der Arbeitsgemeinschaft freier Träger (AG 78) gemein-
sam mit der Bundesstadt Bonn einberufenen Kita-Gipfel wurde auf die sich ver-
stärkt angespannte Situation in der Kindertagesbetreuung reagiert. Alles mit
Blick darauf, dass Kinder unsere Zukunft von morgen sind und wir als Gesell-
schaft alles dafür tun müssen, allen Kindern von klein auf, alle Chancen zur
Verfügung zu stellen, insbesondere eine Chance auf Bildung. Denn Bildung ist
die beste und nachhaltige Investition in die Zukunft.
Ziel war es seinerzeit, in verschiedenen Workshops (bspw. Fachkräftesiche-
rung und -gewinnung oder nachhaltige Finanzierungssicherung der Kinderta-
gesbetreuung) mit einem breiten Teilnehmerkreis Lösungsansätze zu diskutie-
ren. Allen Beteiligten war bewusst, dass der Kita-Gipfel für viele Bereiche (z.B.
Fachkräftemangel) keine kurzfristigen Lösungen auf kommunaler Ebene würde
finden können. Die prekäre Situation in der Kinderbetreuungslandschaft trifft
nicht nur auf Bonn zu, sondern beschäftigt viele Kommunen in Nordrhein-
Westfalen und bundesweit gleichermaßen.
Auf dem Kita-Gipfel wurden zu verschiedenen Themenbereichen Workshops
durchgeführt, in denen ein fachübergreifender Austausch auf den ersten An-
spruch des Gipfels abzielten, nämlich Probleme und Perspektiven, welche den
Betrieb, Ausbau und die Weiterentwicklung der frühkindlichen (Bildungs-) Ein-
richtungen betreffen, umfassend zu beleuchten. Konsens unter den Teilneh-
mern herrschte unter anderem über die Komplexität der Herausforderung und
die Notwendigkeit insbesondere zur Linderung der sozialen Benachteiligungen,
zur Gewährung einer Bildungsgerechtigkeit und auch vor dem Hintergrund der
Vereinbarkeit von Beruf und Familie verlässliche Kita-Betreuungsplätze in aus-
reichender Zahl bereitzustellen.
Weiter wurden in den Workshops Diskussionen zwischen dem Teilnehmerkreis
angeregt und moderiert, welche anschließend allen Teilnehmern durch eine
zusammenfassende Präsentation vor dem Plenum vorgestellt wurden. Der Kita-
Gipfel hatte als zweiten Anspruch, Gemeinsamkeiten festzuhalten und Diffe-
renzen zu benennen. Einigkeit bestand unter anderem über die Notwendigkeit,
dass der Erzieher*innenberuf attraktiver werden müsse. Nur mit einem attrakti-
ven Berufsfeld könne dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegengewirkt wer-Seite 1 von 4
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den und können die Fachkräfte im System gehalten oder sogar in das System
zurückgeholt werden. Weiter wurde zur Attraktivierung des Berufes durch mit-
telfristig wirksame Lösungen die sofortige Ausweitung der begehrten Ausbil-
dungsmöglichkeiten in der bezahlten, praxisintegrierten Ausbildung (PIA) ge-
fordert, wobei auch die Ausstattung in den Kitas für die Ausbildung der Fach-
kräfte eingerichtet sein müsste.
Bezüglich der Betreuungszeiten wurde deutlich, dass alle Betroffenen ein aus-
geprägtes Bedürfnis nach Verlässlichkeit aufzeigen (Kinder, Eltern, Fachkräfte,
Kita-Leitungen, Arbeitgeber). Insofern bestand auch der Wunsch, dass Arbeit-
geber/Unternehmen stärker Verantwortung übernehmen (Stichwort: flexiblere
Arbeitszeitmodelle) und an Projektentwicklungen und -finanzierungen sowie
durch Betriebskitas und Belegplätze ihren Beitrag leisten. Bei der Frage nach
angemessenen und verlässlichen Betreuungszeiten sollten jedoch zunehmend
die Bedürfnisse der Kinder und Maximalbetreuungszeiten berücksichtigt wer-
den.
Durch die Elternvertretungen wurden Ideen zu Ersatzleistungen bei Betreu-
ungsausfall genannt, wie beispielsweise der Rückerstattung von Elternbeiträ-
gen bei definierten Extremfällen des Betreuungsausfalls.
Schließlich war laut Ankündigung der dritte Anspruch des Gipfels, verbindliche
Wege zu verabreden und in abgestimmten Schritten sukzessive umzusetzen,
um ein dauerhaft ein gutes und verlässliches Bildungs- und Betreuungsangebot
für alle Kinder im Rahmen des gesetzlichen Rechtsanspruches zu gewährleis-
ten. Mit dem Kita-Gipfel und dem sich daran anschließenden Diskussions- und
Arbeitsprozess in der AG 78 ist, auch wenn nicht alle Ziele und Erwartungen
des Kita-Gipfels eingelöst werden konnten, der erste Schritt gemacht. Viele
verschiedene Akteure aus den verschiedenen Fachbereichen der frühkindli-
chen Bildung haben sich intensiv zusammengesetzt und ausgetauscht und es
besteht die Hoffnung, dass alle Beteiligten des Kita-Gipfels weiter an diesen
wichtigen Themen zusammenarbeiten und somit auch dem dritten Anspruch
des Gipfels zukünftig nachkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass die ver-
schiedenen Zielsetzungen in Teilen widersprüchlich sind und ihre gemeinsame
Erreichung der berühmten „Quadratur des Kreises“, gleicht, denn:
• Es braucht schnell Plätze für alle Kinder und gleichzeitig muss auf den
Erhalt der Standards geachtet werden.
• Es braucht da, wo die Herausforderungen besonders hoch sind, mehr
Plätze, aber gerade da auch eine Anpassung der Gruppengrößen.
• Es braucht personelle Entlastung trotz Fachkräftemangel und gleichzei-
tig hohe pädagogische Qualifikationen. Mehr Menschen müssen ausge-
bildet und berufsbegleitend qualifiziert werden.
• Es braucht verlässliche Betreuungszeiten zur besseren Vereinbarkeit
von Familie und Beruf und gleichzeitig die Bereitstellung von Betreu-
ungszeit für zusätzlich 1.000 Kinder. Dabei sollte immer das Kindeswohl
und die Kinderrechte an erster Stelle stehen.
Abschließende Antworten auf all diese Fragen waren innerhalb eines Tages
selbstverständlich nicht zu erwarten. Man muss sich jedoch im Klaren sein,
dass ein Kita-Gipfel für Lösungen der Komplexität der Probleme nicht ausreicht,
insbesondere nicht alleinig auf kommunaler Ebene.Seite 2 von 4
Seite 3
Kurz nach dem Kita-Gipfel hat der Rat am 23.03.2023 eine wichtige Maßnahme
zur Sicherung des Bonner Kitaplatzangebotes beschlossen. Um den Erhalt der
Trägervielfalt in der Bonner Kita-Landschaft sicherstellen zu können, hat die
Bundesstadt Bonn in diesem Jahr trotz schwieriger Haushaltslage einen großen
Betrag aus Eigenmitteln zur Verfügung gestellt, um die freien Träger von Kin-
dertageseinrichtungen kurzfristig bei der Finanzierung zu unterstützen. Auch ist
wichtig zu betonen, dass bei der aktuellen Haushaltsdebatte und den Konsoli-
dierungsmaßnahmen, Kitas und Schulen explizit ausgenommen sind.
Unabhängig von dieser Entscheidung, müssen weiter miteinander Gespräche
geführt sowie weiter gemeinsam an konkreten Lösungen und Umsetzungs-
schritten gearbeitet werden. Zuletzt wurde in der Sitzung der Arbeitsgemein-
schaft freier Träger am 04.10.2023 gemeinsam mit der Verwaltung erörtert,
dass aufgrund mangelnder personeller Ressourcen auf beiden Seiten eine
mögliche Reduzierung der ursprünglich nach dem Kita-Gipfel gebildeten Ar-
beitsgruppen auf noch festzulegende Kernbereiche eine Möglichkeit darstellen
könnte, effizienter zu arbeiten. Nach dem Kita-Gipfel wurden zu den unter-
schiedlichen Themenbereichen verschiedenste Arbeitsgruppen gebildet, die
jedoch nicht wie erhofft tagen und arbeiten konnten. In einem nächsten Termin
wird mit den Mitgliedern der AG 78 ein weiterer Fahrplan erarbeitet.
Für die städtischen Kindertagesstätten erarbeiten das Personal- und Organisa-
tionsamt gemeinsam mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie derzeit ein
Personalkonzept, das verschiedene Maßnahmen zur Personalbindung und -
gewinnung enthält und im ersten Quartal 2024 den politischen Gremien zur
Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Vorab konnte kurzfristig ein Werbevi-
deo erstellt werden, indem der Beruf der Erzieher*in dargestellt wird. Zudem
wird mit der Alanus-Hochschule eine Kooperation zum Studiengang der Kind-
heitspädagogik geschlossen, indem bis zu 5 Plätze für die Studierenden der
Hochschule in städtischen Kindertagesstätten angeboten werden. Die Stadt
Bonn beteiligt sich darüber hinaus aktiv an der Arbeitsgruppe des Städtetages
NRW zur Revision des KiBiz.
Der abgeschlossene Tarifvertrag im Sozial- und Erziehungsdienst beinhaltet
viele Punkte, wie die zusätzlichen Regenerationstage oder die Zulage für die
Praxisanleitung oder die Zulage für den/die Facherzieher*innen, um den Beruf
bereits attraktiver zu gestalten und die hohe Verantwortung, die in diesem Beruf
liegt, wertzuschätzen. Die Stadt Bonn geht dabei teilweise über die Regelungen
des Tarifvertrages hinaus. So werden allen Teilzeitkräfte die volle Zulage für die
Praxisanleitung gezahlt, obwohl der Tarifvertrag „nur“ eine anteilige Zulage pro-
zentual zur Teilzeitstelle vorsieht.
Die Stadt Bonn bildet Erzieher*innen im Rahmen der Praxisintegrierten Ausbil-
dung (PIA) zur Erzieher*in aus. Im Kindergartenjahr 2022/2023 waren es 17
Auszubildende, im aktuellen Kindergartenjahr 2023/2024 sind es sogar 19. Hin-
zu kommen noch 11 Berufspraktikanten, die in diesem Jahr ihr Anerkennungs-
jahr bei der Stadt Bonn absolvieren. Somit werden durchschnittlich in jedem
neuen Kindergartenjahr ca. 30 Erzieher*in mit ihrer Ausbildung fertig, die am
Ende der Ausbildung ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis bei der Stadt
erhalten.
Darüber hinaus finden bei der Stadt Bonn wöchentlich Vorstellungsgespräche
für die freien Erzieher*innen Stellen statt und es wurden alle Organisationss-Seite 3 von 4
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trukturen überarbeitet, um nach den Vorstellungsgesprächen schnellstmöglich
ein Einstellungsangebot zu unterbreiten.
Der Einsatz von Verwaltungskräften in städt. Kindertagesstätten hat zu einer
Entlastung der Kita-Leitungen geführt. Zurzeit sind 16 Verwaltungskräfte in den
städt. Kindertageseinrichtungen eingesetzt. Im nächsten Jahr ist ein weiterer
Ausbau auf 19 Stellen vorgesehen.
Auch unterstützt die Stadt Bonn die städt. Kitas bei akuten Personalmangel
durch weitere Personaleinsätze von Personalservice-Firmen.
Letztendlich muss allen beteiligten Parteien trotz allem sehr wohl bewusst sein,
dass geplante oder noch zu planenden Maßnahmen nicht kurzfristig zum Erfolg
führen und der Druck oder die Ungleichheit in der Kinderbetreuung mit Blick auf
Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht vollumfänglich aufgefangen werden
können, aber es sind erste und wichtige Schritte, die Zukunft von morgen für
die Kinder von heute zu gestalten. Zudem ist unstrittig, dass die meisten Lö-
sungsideen massive finanzielle Unterstützung benötigen.
Anlage/n
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Datenstand: 03.11.2026, 02:48 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de