231965 · Beschlussvorlage
Beschluss zum Bonner Freiraumplan
Kerndaten
- Nummer
- 231965
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 19.12.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Anhörung
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Anhörung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Anhörung
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Anhörung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen Empfehlung
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Beschlussvorlage öffentlich 231965 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Beschluss zum Bonner Freiraumplan Beratungsfolge Bezirksvertretung Hardtberg 16.01.2024 Anhörung Bezirksvertretung Bad Godesberg 17.01.2024 Anhörung Bezirksvertretung Beuel 24.01.2024 Anhörung Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 24.01.2024 Empfehlung Bezirksvertretung Bonn 30.01.2024 Anhörung Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 31.01.2024 Empfehlung Rat 14.03.2024 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Der Bonner Freiraumplan löst das Integrierte Freiraumsystem 2012 (vgl. Beschluss DS-Nr. 1313742) als Abwägungsgrundlage für alle raumwirksamen Planungen ab. Er wird zukünftig, vergleichbar mit einem Grünordnungsplan in der Bauleitplanung, als informelles Instrument auf Maßstabsebene des Flächennutzungsplans wirksam. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Aktionsplan des Bonner Freiraumplans priorisierten Schlüsselmaßnahmen innerhalb der kommenden fünf Jahre anzustoßen. Begründung Unter der DS Nr. 211743 hat die Verwaltung über die Aufstellung des Bonner Freiraumplans als Weiterentwicklung der Integrierten Freiraumentwicklung berichtet. Das von der Verwaltung beauftragte Planungsbüro bgmr Landschaftsarchitekten aus Berlin hat im November 2022 den Zwischenbericht im AUKLA vorgestellt und den Bericht in Schriftform mit DS-Nr. 221831 den Gremien vorgelegt. Der nun vorliegende Endbericht liegt zur ersten Lesung in der ersten Sitzungsrunde in 2024 im Januar den politischen Gremien zur ersten Beratung vor. Seitens des Planungsbüros ist eine einmalige und ausführliche Präsentation im Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda am 31.01.2024 vorgesehen, an der sowohl im Ratssaal als auch per Stream teilgenommen werden kann.Seite 1 von 113 Seite 2 Der Bonner Freiraumplan ist eine Dachstrategie für die gesamtstädtische Freiraumentwicklung, die das vorhandene IFS 2012 ablöst und neben dem unbebauten Außenbereich den bebauten Innenbereich integriert. Er gibt zudem Anregungen für aktuelle Herausforderungen wie Flächenkonkurrenz durch Bevölkerungswachstum, demografischen Wandel, Natur- und Landschaftsschutz sowie Klimafolgeanpassung. Durch Entwicklungsziele für Leitbildthemen werden Visionen und Lösungsansätze für die kommenden Jahrzehnte formuliert. Ende 2021 startete der Planungsprozess des „Bonner Freiraumplans“. Der Erarbeitung des Konzeptes lagen folgende Arbeitsschritte zugrunde: • Grundlagenermittlung • Ortsbegehungen • Analyse der Stärken und Schwächen der Bonner Freiräume • Ermittlung von Trends und Herausforderungen • Entwicklung von 3 Leitbildthemen • Grün- und Freiflächenkonzept im Maßstab 1:15.000 • Implementierung und Aktionsplan Ergänzend wurde ein Beteiligungskonzept erarbeitet (DS-Nr. 221037), das im Juni 2022 vom Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger beschlossen wurde. Die begleitende Beteiligung und Kommunikation erfolgte parallel zur Erstellung des Bonner Freiraumplans auf den Ebenen der Verwaltung, der Politik und der Öffentlichkeit. Von Seiten der Verwaltung wurde eine ämterübergreifende Steuerungsgruppe mit Vertretungen aus den verschiedenen involvierten Fachdienststellen der Verwaltung unter Federführung von 67-2 etabliert, die insgesamt fünfmal tagte. Die Beteiligung der Öffentlichkeit bestand aus drei Säulen. Es fanden neben Stadtteilspaziergängen in den 4 Stadtbezirken eine Onlinebefragung und jeweils zwei Workshop-Termine mit Stakeholder-Gruppen statt. Eine detaillierte Beschreibung steht unter dem folgenden Link zur Verfügung: https://bonn- macht-mit.de/archiv/node/8288.html#uip-1 Die Ergebnisse der umfangreichen Zusammenarbeit und Beteiligung flossen in die Erstellung eines Entwicklungskonzeptes und der dazugehörigen Plankarte im Maßstab 1:15.000 ein. Das Konzept setzt sich zusammen aus den 3 Leitbildthemen „Starke Landschaften“, „Blau-Grüne Netze“ und „Grüne Viertel“. Diese definieren Entwicklungsschwerpunkte und benennen Entwicklungsziele für verschiedene Orte/Handlungsräume innerhalb des Stadtgebietes. Für alle Leitbildthemen gelten zudem Querschnittsziele aus den Bereichen des Klimaschutzes, der Biodiversität, der Teilhabe/Inklusion sowie der Beteiligung. Bei Fragen der Stadt- und Freiraumentwicklung wird dank der langjährigen Anwendung des IFS als informelle Abwägungsgrundlage in der Stadt Bonn bereits interdisziplinär zusammengearbeitet. Diese Vorgehensweise möchte der Freiraumplan als Dachstrategie beibehalten und ausbauen. Im Vergleich zum IFS beschränkt sich der Freiraumplan nicht nur auf die Darstellung des Status Quo und allgemeiner Ziele, sondern zeigt detailliertere Entwicklungsziele und -potenziale auf. Zudem wird auch der baulicheSeite 2 von 113 Seite 3 Innenbereich als Potenzialraum für Freiraumentwicklung mit einbezogen. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, zeigt er ein umfassendes Bündel an Strategien, Maßnahmen und Projekten auf. Um hierzu fachämterübergreifende Antworten und Empfehlungen für die Entwicklung der Freiräume zu geben, bezieht der Freiraumplan in seinen Handlungsempfehlungen bereits für die Stadt- und Freiflächenentwicklung relevante städtische Konzepte wie MUTABOR (DS 230235, 231924), das Schwammstadtkonzept (DS 230255-01) und das Stadtbaumkonzept (DS 230524), aber auch die Spielplatzbedarfsplanung (DS 230055), das Spielflächenkonzept (DS 230056) und die Sportentwicklungsplanung (DS 190476) mit ein. Zu 1) Für die Umsetzung bedarf es des Einsatzes zahlreicher Instrumente. Dies sind zum einen die steuernden Instrumente nach dem Naturschutzgesetz wie z.B. Landschaftsplanung. So sieht der Freiraumplan die Fortschreibung der Landschaftspläne als Notwendigkeit an, um den baulichen Außenbereich bei zunehmendem Flächendruck und Herausforderungen der Klimaanpassung weiter zu stärken. Bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, etwa aus dem Baugesetzbuch (z.B. Bauleitplanung, Sanierung) oder dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (PV, Wind), fordert der Freiraumplan eine Kopplung an einen Mehrwert für Landschaft, Klima, Biodiversität und Freiraum. Er zeigt hier Potenziale für die Anwendung und Erweiterung der bereits in der Praxis angewendeten Instrumente und Planwerke auf. So werden etwa die frühzeitige Berücksichtigung freiraumspezifischer Belange bei Wettbewerbsverfahren oder städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen, die Fortschreibung der Checkliste Nachhaltige Planung und die Einführung des qualifizierten Freiflächengestaltungsplans im Baugenehmigungsverfahren empfohlen. Bei der Erarbeitung des Freiraumplans erfolgte ein Abgleich mit dem Flächennutzungsplan und laufenden städtebaulichen Planverfahren, um mögliche Zielkonflikte auszuschließen. So bietet der Freiraumplan auch für laufende Planungen konstruktive Hinweise für die begleitende Freiraumentwicklung. Exemplarisch wurde dies in den Anlagen Nr. 4 und 5 dargestellt: hier wird ein Abgleich der Aussagen des Freiraumplans zu den Zielsetzungen der Freiraumentwicklung zweier aktueller städtebaulicher Entwicklungen vorgenommen. Die digitale Anwendbarkeit des Freiraumplans ist mit Einführung der neue Plattform UDM (Urban Data Management) in 2024 gesichert. Für das aktuelle Geoinformationssystem ist eine Zwischenlösung vorgesehen, in der der Freiraumplan als Grundlage verlinkt ist, einzelne Kartenthemen jedoch erst mit Einführung des UDM aufrufbar sind. Auf das IFS 2012 wird auch im neuen UDM weiterhin zugegriffen werden können. Zu 2)Seite 3 von 113 Seite 4 Anhand eines Aktionsplanes priorisiert der Bonner Freiraumplan die konkrete Planung von zwölf Schlüsselmaßnahmen für die kommenden fünf Jahre. Die Maßnahmen beziehen sich auf die drei Leitbildthemen und zeigen Handlungsschwerpunkte auf, um die jeweiligen Entwicklungsziele der Leitbildthemen umzusetzen. Folgende Maßnahmen werden im Aktionsplan vorgeschlagen: 1. Grünes C 2.0 - Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften Das Konzept beinhaltet die räumliche und inhaltliche Weiterentwicklung des interkommunalen Freiraumprojektes Grünes C in Anbetracht neuer Herausforderungen und geänderter Rahmenbedingungen auf regionaler Ebene. 2. Freiraumkonzept „Rheingärten“ Das Freiraumkonzept der „Rheingärten“ für den Landschaftsraum zwischen den Stadtteilen Auerberg, Buschdorf und Bornheim-Hersel zielt auf die Umsetzung zahlreicher Möglichkeiten der Landschaftsentwicklung aus den Bereichen Natur- und Artenschutz, Erholung, Klimaanpassung sowie landwirtschaftlicher Nutzung ab. 3. Freiraumkonzept der Grünen Korridore An drei Korridoren innerhalb des Bonner Stadtgebiets sollen die jeweils vorhandenen Freiraumtypen zusammengeführt und durch ein grünes Wegenetz verbunden werden. Als Pilot wird der Grüne Korridor zwischen Kottenforst und Rhein vorgeschlagen. 4. Konzept der Blauen Netze Im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll in enger Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün ein Mehrwert für Natur und Mensch geschaffen werden. 5. Das Konzept der Grünen Wege Bei den Grünen Wegen handelt es sich um das Rad- und Fußwegenetz aus der bebauten Stadt in die Landschaft. Die Wege sollen im Sinn des Landschaftserlebens qualifiziert werden. 6. Schulhofoffensive Ziel der Schulhofoffensive ist, priorisierte Schulhöfe als Pilotprojekte zu entwickeln, um die verschiedenen Belange der Nutzbarkeit, Begrünung, Klimaanpassung sowie Mehrfachnutzung unter Berücksichtigung der geplanten baulichen Vorhaben auf dem Schulstandort in einer Planung umzusetzen. 7. Freiraum-Aktionsfond Mit dem Aktionsfond werden Finanzen für kleine Projekte aus der Bürgerschaft zur Verfügung gestellt, um die Bürger*innen an der Freiraumentwicklung zu beteiligen. 8. Quartierskonzepte „klimaresiliente Viertel“ In Anlehnung an die Bönnschen Viertel werden für ausgewählte Quartiere Schwächen und Stärken in Bezug auf die Belastung durch Klimaänderung ermittelt. Als Pilot wird das Klimaquartier Beuel vorgeschlagen. 9. Bonner Leitfaden Blau-Grüne Straßen Der Leitfaden soll Qualitätsstandards und Anforderungen der wassersensiblen und hitzeangepassten Straßenraumgestaltung erarbeiten. 10. Klimaangepasstes Gewerbegebiet Aus der Entwicklung eines Modellprojektes sollen Erkenntnisse und Hinweise zu Übertragbarkeiten auf weitere Gebiete abgeleitet werden. Das Modellprojekt Beuel Ost könnte hier als Pilot dienen.Seite 4 von 113 Seite 5 11. Konzept Gärtnern – essbare Stadt Um die unterschiedlichen Ansprüche des Gärtnerns zusammenzubringen, wird ein neues Kleingartenkonzept erarbeitet, das Themen des Gemeinschaftsgärtnerns und Grabeland aufgreift. 12. Sanierungsprogramm klimaresiliente Park- und Grünanlagen Da Programm umfasst die Ermittlung sinnvoller und machbarer Maßnahmen, um gebietsspezifisch die Park- und Grünanlagen der Stadt für den Klimawandel stark zu machen. Durch ihren Modellcharakter dienen die zwölf ausgewählten Schlüsselmaßnahmen zum Anstoß weiterer Verfahren und können als Grundlage für zukünftige Förderaufrufe dienen. Einige der vorgeschlagenen Maßnahmen befinden sich bereits in der Bearbeitung (Bsp. Rheingärten, Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften). Einige Maßnahmen sind im sog. Huckepackverfahren anzustoßen, d.h. im Kontext anstehender Planungen. So kann das Konzept der Blauen Netze im Zusammenhang mit Bachoffenlegungen und Renaturierungen im Rahmen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Konzepte wie der Grüne Korridor zwischen Kottenforst und Rhein sind jedoch gesondert anzustoßen und für die kommende Haushaltsplanfortschreibung 25/26 anzumelden. Haushaltsmittel sind nach Möglichkeit durch Fördermittel zu ergänzen. Ausblick Eine Stadt wie Bonn befindet sich in einem ständigen Veränderungs- und Entwicklungsprozess, sich ändernde Herausforderungen, politische Vorgaben sowie gesetzliche und gesellschaftliche Änderungen verstärken dies zudem. Entsprechend müssen auch Konzepte wie der Bonner Freiraumplan auf sich ändernde Bedingungen reagieren können. Um dies zu gewährleisten, gilt es, den Bonner Freiraumplan in regelmäßigen Abständen auf Aktualität zu prüfen und ggf. anzupassen. Eine erste Überprüfung sollte in etwa acht bis zehn Jahren nach dem Beschluss des Konzeptes erfolgen, damit der Freiraumplan als Dachstrategie für die gesamtstädtische Freiraumentwicklung Bonns Antworten auf aktuelle Herausforderungen geben kann. Anlage/n 1 Anlage 1 Grundlagenkarte (öffentlich) 2 Anlage 2 Maßnahmenkarte (öffentlich) 3 Anlage 3 Endbericht Bonner Freiraumplan (öffentlich) 4 Anlage 4 urban dot Freiraumplan (öffentlich) 5 Anlage 5 WohnPark II Freiraumplan (öffentlich)Seite 5 von 113 Anlage 1: Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan M 1:15.000 (bezogen auf 1.300 x 1.000 mm) Digitale Kartengrundlage: open data Bonn (09/2021); Landschaftsmodell 50, NRW Geoportal (07/2021) bgmr Landschaftsarchitekten GmbH | Oktober 2023 Legende GrundlagenkarteSeite 6 von 113 Seite 7 von 113 Bonner Freiraumplan gesamtstädtisches FreiraumkonzeptSeite 8 von 113 Seite 9 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht3bgmr Landschaftsarchitekten Auftraggeberin Bundesstadt Bonn amt für umwelt und stadtgrün Berliner platz 2 53111 Bonn Ansprechpartnerinnen sandra paul anja Büren Auftragnehmerin bgmr Landschaftsarchitekten GmbH prager platz 6, 10779 Berlin www.bgmr.de Konzepterstellung und Projektbearbeitung Dr. Carlo Becker antje Bachmann arno Walz Andrea Benattou Berlin, Oktober 2023 Redaktionelle Anmerkungen Alle Bilder, Grafiken und Pläne, deren Urheberschaft und Urheberrecht nicht beim Büro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH oder der Bundesstadt Bonn liegt, sind direkt im Text mit entsprechender Quellenangabe gekennzeichnet. Titelbild Ausschnitt Lupe: Klimaanpassung im verdichteten Stadtraum am Beispiel BeuelSeite 10 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht4bgmr LandschaftsarchitektenSeite 11 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht5bgmr Landschaftsarchitekten inhaltsverzeichnis 1. Anlass und Methodik 1.1 Eine Dachstrategie für die Freiraumentwicklung 1.2 herangehensweise 2. Dialog 3. Portrait Freiraum Bonn 3.1 Lage und Regionale Verflechtung 3.2 Raumprägungen 3.3 Bonns Freiräume und Urban Mapping 3.4 (Status quo) Flächenanalyse 4. Herausforderungen für die Bonner Freiraumentwicklung 4.1 stadtwachstum und Freiraum 4.2 Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben 4.3 Klimaanpassung und Ressourcenschutz 4.4 Sport, Spiel, Bewegung und Gesundheit 4.5 Vielfältige Freiraumansprüche auf knappen Flächen 4.6 Fazit 5. Bonner Freiraumplan 5.1 Räumliches Leitbild 5.1.1 Starke Landschaften 5.1.2 Blau-grüne netze 5.1.3 grüne Viertel 5.2. Lupenräume 5.2.1 „Rheingärten“ 5.2.2 Grüner Weg: Rhein -Melbtal 5.2.3 Grüner Korridor Kottenforst -Rhein 5.2.4 Südliche Rheinlandschaft 5.2.5 Klimaanpassung im verdichteten Stadtraum am Beispiel Beuel 6. Implementierung Abbildungsverzeichnis Anlagen: Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan (M 1:15.000) Bonner Freiraumplan (M 1:15.000) Seite 08 08 09 11 14 14 16 18 32 38 38 42 45 48 50 52 56 58 62 66 71 80 81 84 86 88 90 92 102Seite 12 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht6bgmr LandschaftsarchitektenSeite 13 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht bgmr Landschaftsarchitekten 7 PRÄAMBEL Die Bundesstadt Bonn ist eine grüne Stadt, deren Stadtbild sich durch markante Landschaften auszeich- net. Hierzu zählen neben den Flüssen Rhein und Sieg samt ihren Auen die bewaldeten Berglandschaften von Siebengebirge und Kottenforst sowie einzelne natur- schutzfachliche Besonderheiten wie der Rodderberg oder die Düne Tannenbusch. Auch besondere gärtne- rische Anlagen der kurfürstlichen Zeit wie die Poppels- dorfer Allee, der Hofgarten oder auch aus der jüngeren Vergangenheit der große Rheinauenpark sind prägend für die Bonner Grünräume. Doch vor welchen Herausforderungen stehen diese Freiräume im Kontext einer wachsenden Stadt Bonn zu Zeiten des Klimawandels? Und wie kann die Stadtent- wicklung darauf reagieren? Neben der Konkurrenz um knapper werdende Flächen für Wohnraum und Gewerbe, Freizeit, Natur- und Land- schaftsschutz zeigen die Extremwetterlagen der letzten Sommer in aller Deutlichkeit den Wert des städtischen Grüns als Hitzepuffer und Wasserspeicher. Der Erhalt und die Weiterentwicklung unserer urbanen Freiräume sind mir daher ein wichtiges Anliegen im Sinne einer lebenswerten Stadt. Doch wie kann das gelingen? Bereits 1997 wurde in Bonn der Sicherung von Frei- flächen trotz des wachstumsbedingt steigenden Nutzungsdrucks mit der Entwicklung des Integrier- ten Freiraumsystems (IFS) Rechnung getragen. Seit Beschluss im Jahr 1999 dient das IFS als informelle Abwägungsgrundlage für die Bauleitplanung. 2012 wurde das Integrierte Freiraumsystem überarbeitet und wird, mit politischem Beschluss aus dem Jahr 2014, bei allen flächenrelevanten Planungen berücksichtigt. Der Schwerpunkt des IFS liegt in der Sicherung und nachhaltigen Entwicklung der Freiflächen im baulichen Außenbereich des Bonner Stadtgebiets. Übergeordnete Entwicklungsstrategien mit Blick auf das gesamte Stadt- gebiet fehlen jedoch. Ende 2021 haben wir daher den Planungsprozess des „Bonner Freiraumplans“ gestartet, der die Freiraum- entwicklung der gesamten Stadtfläche, inklusive des bebauten Innenbereichs, beinhaltet. Als Dachstra- tegie knüpft der Freiraumplan dabei an vorhandene steuernde Instrumente aus den Naturschutz- und Umweltgesetzen sowie dem Baugesetzbuch und dem Erneuerbare-Energien-Gesetz an. Das Entwicklungskonzept im Maßstab 1:15.000 bezieht bereits bestehende, für die Stadtentwicklung relevante städtische Konzepte mit ein, um fachämterübergrei- fende Antworten und Empfehlungen für die Entwick- lung der Freiräume zu geben. Mit politischem Beschluss löst der Bonner Freiraumplan das Integrierte Freiraum- system 2012 als informelle Abwägungsgrundlage ab und wird somit, vergleichbar mit einem Grünordnungs- plan in der Bauleitplanung, als informelles Instrument auf Maßstabsebene des Flächennutzungsplans wirk- sam. Anhand eines Aktionsplanes priorisiert der Bonner Freiraumplan die konkrete Planung von zwölf Schlüs- selmaßnahmen für die kommenden fünf Jahre. Durch ihren Modellcharakter dienen diese zum Anstoß weite- rer Verfahren. Für die uns hier vorliegende gute Grundlage einer zukunftsfähigen Grün und Freiraumentwicklung der Stadt Bonn möchte ich mich bei allen Mitarbeitenden der unterschiedlichen Fachämter, die an dem Planungs- prozess beteiligt waren, dem Planungsbüro für den sehr guten fachlichen Input und allen Stakeholdern, Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit Ihren Ideen und Anregungen im Sinne der Bonner Freiraumentwicklung eingebracht haben, bedanken. Helmut Wiesner Stadtbaurat der Bundesstadt BonnSeite 14 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht8bgmr Landschaftsarchitekten 1. anlass und methodik 1.1 EinE DAchStrAtEGiE Für DiE FrEirAuMEntwickLunG die Bundesstadt Bonn gehört mit über 330.000 Einwohner*innen zu den zwanzig größten Städten der Bundesrepublik Deutschland. Sie ist Teil der Metropol- regionen rheinland und rhein-ruhr und liegt damit in einem der am dichtesten besiedelten regionen euro- pas. Die Stadt Bonn wächst. Gleichzeitig soll die Grün- qualität der Stadt mit ihrem Freiraumsystem gesichert und weiterentwickelt werden. In diesem Zuge soll der sogenannte „Bonner Freiraumplan“ als Dachstrategie für die Bonner Freiräume zu verschiedenen Fachthe- men wie Umwelt- und Naturschutz, Landschaftspla- nung, Stadtplanung, Sozial- und Jugendarbeit sowie Gesundheit und Sport dienen. Der Grundstein für diese (Innen)Entwicklung zugunsten der Sicherung von grünen Freiräumen im Außenbereich wurde bereits in den 1990er Jahren mit der erstellung eines Gutachtens zur funktionalen Entwicklung der Freiflächen, dem Integrierten Freiraumsystem 1997 (IFS 1997) gelegt. der stadt Bonn liegt seit 2014 mit dem Integrierten Freiraumsystem 2012 (IFS 2012) eine Über- arbeitung des IFS von 1997 vor. Es handelt sich hierbei um ein themenübergreifendes planungs- und steue- rungsinstrument für die Bonner Freiraumplanung. Das iFs 2012 betrachtet weitestgehend den status quo. ziel des Freiraumplans ist es zudem Entwicklungsperspekti- ven aufzuzeigen, die die gesamte Oberfläche der Stadt, also auch den baulichen innenbereich, mit betrachtet und eine Grundlage für städtebauliche Entwicklungen darzustellen. Sich stetig ändernde Anforderungen an eine nachhaltige Stadtentwicklung erfordern auch neue strategien. Graue Infrastrukturen grüner machen Graue Infrastrukturflächen werden als ein Flächenpo- tential für Freizeit, Bewegung, Klimaanpassung und Steigerung der Biologischen Vielfalt vermehrt in den Fokus der Freiraumentwicklung genommen. Die grauen Flächen der Stadt sind die letzte große ‚Flächenreserve‘ für ein mehr an grün in der dicht bebauten stadt. das Konzept der mehrfachen Innenentwicklung kommt zur Umsetzung. Hierfür bedarf es der konzeptionellen Vorbereitung. Vielfalt der Nutzungsansprüche – Eigenarten des Bonner Freiraums Eine heterogene Gesellschaft entwickelt sehr differen- zierte Freiraumansprüche vom sonntäglichen Flaneur, zum Sport und zur Bewegung im Freien bis zum Gärt- nern in der Gemeinschaft. Die Eigenarten der Stadt- Landschaft sollen weiter sichtbar bleiben und zukünftig durch die Stadt- und Freiraumentwicklung besser her- ausgearbeitet werden. Dazu werden strukturgebende Freiräume identifiziert und deren Besonderheiten hervorgehoben. Mehrfachnutzung der Oberfläche der Stadt Da eine zukünftige Freiraumentwicklung sich nicht nur auf den Grünflächen, sondern auf die gesamte Ober- fläche der Stadt erstreckt, müssen Mehrfachnutzungen von Straßen, Dächern, Stellplatzanlagen usw. mit ein- bezogen werden. Bei Strategien der Multicodierung bedarf es immer einer Beteiligung von unterschiedli- chen Akteuren der Freiraumentwicklung. Mehrfachnut- zung der Stadt wird so zu einem Gemeinschaftsprojekt. Gesamtstädtische Planung konkret, umsetzbar und sichtbar machen Für die Profilierung des Bonner Freiraumplans bedarf es neben einem Gesamtkonzept auch Vertiefungen, in denen instrumentell oder visuell mit Bildern gezeigt wird, wie die Planungsansprüche tatsächlich auch umgesetzt werden können (Schwerpunkträume und Lupen). Mit der Erarbeitung des Bonner Freiraumplans als Weiterentwicklung des IFS 2012 soll die Freiraument- wicklung der Stadt Bonn stärker als bisher als ein Instru- ment einer aktiven und integrierten Stadtentwicklung verstanden werden. Für die nächsten Jahrzehnte soll unter Beteiligung entscheidender Akteure der Stadt- entwicklung eine strategische Handlungsgrundlage auf gesamtstädtischer Ebene geschaffen werden. Das Konzept zeigt zu den aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung freiraumplanerische Visionen, Ziele und Lösungsansätze zur Weiterentwicklung des Stadt- grüns und der Frei- und Grünräume der Stadt Bonn auf. Zu den größten Herausforderungen einer nachhaltigen Stadtentwicklung in Bonn zählen neben dem demogra- fischen Wandel, die Gesundheitsvorsorge und Umwelt- gerechtigkeit sowie Umsetzung der mehrfachen Innenentwicklung, die Anpassung an die Folgen des Klimawandels, die Notwendigkeit resiliente Grün- und Freiräume zu schaffen und nicht zuletzt die Biodiversi- tät und den Biotopverbund zu stärken.Seite 15 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht9bgmr Landschaftsarchitekten 1.2 hErAnGEhEnSwEiSE 1. Schritt: Grundlagen und Rahmenbedingungen In der ersten Phase wurden diverse fachliche Grundla- gen in digitaler Form und Berichtsform gesichtet und hinsichtlich der Planungsziele, Konflikte und Synergien für den Bonner Freiraumplan ausgewertet. Ortsbesichtigung - Urban Mapping (Kapitel 3.3) Das Bonner Stadtgebiet wurde einschließlich der räum- lichen Verflechtungen im April 2022 besichtigt und in Form eines „urban mappings“ dokumentiert. Es wurden bestimmte Atmosphären festgehalten und Themen wie Freiraumqualitäten, Freiraumdefizite, Wegetypologien, Entsiegelungspotentiale, Nischen, Zäune usw. erkundet und so auch Entwicklungspotentiale aufgezeigt. Wei- tere spezifische Ortsbegehungen fanden zu ausgewähl- ten Teilbereichen der Stadt im weiteren Projektverlauf statt. Für den Prozess war es wichtig Vorort zu erfahren wie die Freiräume genutzt werden. Grundlagenkarte Es wurde eine Grundlagenkarten mit Darstellung der unterschiedlichen Freiraumtypologien und eine Flä- chenanalyse der Freiraumstruktur erstellt. trends und herausforderungen (kapitel 4) Für eine zukunftsorientierte Freiraumentwicklung ist es wesentlich aktuelle Trends der Stadtentwicklung zu identifizieren, um Antworten und Planungshin- weise zu den Herausforderungen in der zukünftigen Stadtentwicklung zu finden. Für fünf Themenfelder wurden, gestützt durch kartografische Darstellungen, die herausforderungen beschrieben, die besonderen Qualitäten und Defizite der Grün- und Freiflächen im Stadtgebiet herausgestellt und Potentiale und Aufga- ben für die Weiterentwicklung benannt. 2. Schritt: Die Konzeption Aufbauend auf dem Bestand und der Auseinanderset- zung mit den wesentlichen herausforderungen der Stadt- und Freiraumentwicklung wurde ein Gesamt- städtisches Freiraumkonzept mit mehreren Bausteinen entwickelt: räumliches Leitbild (kapitel 5.1) Das gesamträumliche Leitbild setzt den thematischen Rahmen einer zukünftigen Freiraumentwicklung in Bonn. Mit den drei Leitbildthemen werden Entwick- lungsschwerpunkte definiert und Entwicklungsziele benannt. Abb. 1 Der Prozess des Bonner Freiraumplans Grundlagenermittlung 1. Schritt2. Schritt3. Schritt Trends und Herausforderungen Darstellung von Qualitäten, Defiziten, Potentialen und Visionen Entwicklungsziele Schlüsselmaßnahmen räumliches Leitbild Sichtung und Auswertung fachlicher Grundlagen Ortsbesichtigungen BOnn Grundlagenkarte Zwischen- bericht Orte und handlungsfelder Grün- und Freiflächenentwicklungskonzept Lupen Implementierung End- fassung BOnnSeite 16 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht10bgmr Landschaftsarchitekten Schlüsselmaßnahmen (Kapitel 5.1.1 - 5.1.3) mit den schlüsselmaßnahmen werden für die drei Leit- bildthemen weiterführende Konzepte und Projekte benannt und erläutert, die dazu dienen, die Entwick- lungsziele des jeweiligen Leitbildthemas zu erreichen. Lupenräume (kapitel 5.2) Zudem wurden fünf „Lupenräume“ auf Projektebene herauskristallisiert. Die Lupenräume dienen der Ver- tiefung und Konkretisierung auf Maßnahmenebene im stadtgebiet auf unterschiedlichen maßstabsebe- nen und beinhalten exemplarische Lösungsansätze zur Freiraumentwicklung. 3. Schritt: Implementierung (Kapitel 6) Die Erkenntnisse und Zielsetzungen der vorangegan- genen Arbeitsschritte sind exemplarisch in eine Hand- lungsanleitung für die Freiraumplanung übersetzt worden, dabei werden vor allem die Instrumente und Planwerke zur Implementierung benannt. Über die zen- tralen Maßnahmen und Handlungsprioritäten hinaus wird für die thematischen Schwerpunktthemen und Vertiefungsräume aufgezeigt, wie die Umsetzung durch Einbindung anderer Fachplanungen erreicht werden kann. Freiraumverständnis Freiraum umfasst die gesamte Oberfläche der Stadt, dazu zählen neben dem Freiraum im klassischen Sinne (Wälder, Landwirtschaftliche Flächen, Park- und Grünanlagen und zweckgebundene Freiflächen) auch die pri- vaten sowie die versiegelten Flächen der Stadt (Straßen, Plätze und Dachflächen). Im Rahmen eines gesamt- städtischen Freiraumkonzeptes wird damit die gesamte Oberfläche der Stadt betrachtet, um diese hinsichtlich der Erholungsnutzung, der sozialen Teilhabe und Baukultur sowie Ökologie, Klimaanpassung und biologischen Vielfalt zu sichern, zu entwickeln und mehrfach zu nutzen.Seite 17 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht11bgmr Landschaftsarchitekten 2. dialog Die begleitende Beteiligung und Kommunikation erfolgte parallel zur Erstellung des Bonner Freiraum- plans auf den Ebenen: − Verwaltungsabstimmung (Projektgruppe und bila- terale Gespräche) − Politik − Öffentlichkeit (Stakeholder, Stadtteilspaziergänge, Öffentlichkeitsbeteiligung im Online-Verfahren) Verwaltungsabstimmung Die verschiedenen Fachämter und Abteilungen der Stadt Bonn wurden regelmäßig eingebunden. Hierzu wurde eine verwaltungsinterne Projektgruppe (Steue- rungsgruppe) gebildet. Insgesamt wurde der Erarbei- tungsprozess durch vier große Steuerungsgruppen begleitet. Zudem fanden im regelmäßigen Abstand Abstimmungen zwischen Auftragnehmerin und Auf- traggeberin statt. Um Bedarfe, Fragen, mögliche räumliche Konflikte, Hinweise auf Handlungsbedarfe und Projektideen abzufragen, fanden zwölf bilaterale einzeltermine mit Expert*innengruppen aus der Verwaltung bzw. aus der Praxis statt, um z.B. aktuell laufende Planungen der Stadt Bonn zu thematisieren. Information Politik Der Freiraumplan wurde in den politi- schen Gremien der Stadt vorgestellt. Hierzu fanden im November 2022 und Mitte 2023 jeweils eine Sitzung statt, wo die jeweiligen Planstände vorgestellt und erläutert wurden. Öffentlichkeit Die Öffentlichkeitsformate dienten der Information und Möglichkeit der Äuße- rung der Beteiligten zu den inhalten des Freiraumplans. Diese Äußerungen wurden als anregungen aufgenommen, um Themen im Freiraumplan zu schär- fen und Projektideen zu generieren. Die Anregungen wurden unter Berücksich- tigung und Abwägung von vielen ande- ren Belangen im rahmen der weiteren Planung aufgenommen und verarbeitet. Die Beteiligung wurde über die Plattform www.bonn-macht-mit.de dokumentiert. Eine ausführliche Dokumentation der Ergebnisse der verschiedenen Beteili- gungsformate bleibt dauerhaft im Archiv der Website einsehbar (https://bonn-macht-mit.de/ archiv/node/8288.html#uip-1). + Stadtteilspaziergänge Im September 2022 wurden vier Stadtteilspaziergänge zu bestimmten Freiraumthemen und Vertiefungsberei- chen mit interessierten Bewohner*innen durchgeführt. Die Spaziergänge fanden in vier verschiedenen Stadttei- len statt: Beuel, Hardtberg, Bad Godesberg und Bonn. Zu zwei der Spaziergänge wurden aktiv Jugendliche eingeladen und beteiligt. Im Durchschnitt nahmen an den Spaziergängen ca. 15 Interessierte teil. Durch diese Spaziergänge wurde anhand konkreter Orte gemein- sam der Handlungsbedarf identifiziert und es konnten erwartungen aus sicht des Lebensalltags in den pla- nungsprozess mit einfließen. Die Hinweise, Anregungen und erwartungen wurden ausgewertet und hinsichtlich der Übertragbarkeiten auf die Gesamtstadt geprüft. + Arbeitsgruppen mit Stakeholdern Verbände und Vereinigungen, die als Stellvertre- tung der Gesellschaft gesamtstädtische Interessen zu Themen der Freiraumentwicklung vertreten, wurden in Werkstätten (Dezember 2022 und Februar 2023) eingebunden. Die Stakeholder werden als Multiplikato- Information Politik und Öffentlichkeit Regelmäßige Abstimmun- gen zw. Auftraggeberin und Auftragnehmerin Bilaterale Gespräche Abstimmungen Steuerungs- gruppe Stakeholder Stadtgesellschaft Stadtteilspaziergänge Abb. 2 Dialog und Beteiligung zum Bonner FreiraumplanSeite 18 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht12bgmr Landschaftsarchitekten ren verstanden, die die Fachinhalte in oder aus ihren Bezugsgruppen kommunizieren. + Öffentlichkeitsbeteiligung im Online-Verfahren Die Stadtöffentlichkeit wurde im Online-Verfahren über www.bonn-macht-mit.de über das Gesamtkonzept im 1. Quartal 2023 informiert und hatte die Möglichkeit, sich zu den drei Leitbildthemen (Starke Landschaften, Blau-Grüne Netze und Grüne Viertel; siehe Kapitel 5) über eine interaktive Karte einzubringen. Dazu wurden je Leitbildthema zwei Fragen zu bestehenden Qualitä- ten und Verbesserungsvorschlägen sowie Wünschen gestellt. Da die Online-Beteiligung vor Fertigstellung des End- berichtes erfolgte, konnten Anregungen und die Ergeb- nisse der Beteiligung mit in die Bearbeitung einfließen. Zudem dienen die dokumentierten Ergebnisse als Infor- mation bei Abstimmungen in der Politik oder auch im weiteren Verwaltungshandeln. Die Anregungen und Erkenntnisse aus dem Beiteli- gungsprozess sind in Kapitel 5.1 aufgeführt. Abb. 3 Stadtteilspaziergang in Beuel Abb. 4 Stadtteilspaziergang in Hardtberg Abb. 5 Stadtteilspaziergang in Beuel Abb. 6 Stadtteilspaziergang in Bad GodesbergSeite 19 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht13bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 7 Erste Stakeholderbeteiligung (Dezember 2022) Abb. 8 Zweite Stakeholderbeteiligung (Februar 2023)Seite 20 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht14bgmr Landschaftsarchitekten 3. portrait Freiraum Bonn 3.1 LAGE unD rEGiOnALE VErFLEchtunG Die kreisfreie Stadt Bonn mit 335.975 Einwohner*innen (stand 01.01.2022) liegt im süden des Bundeslan- des Nordrhein-Westfalen, direkt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Durch die Bundesstadt verläuft in Süd-Nord-Richtung der Rhein, eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Bonn liegt in der niederrheinischen Bucht und wird im osten durch das siebengebirge begrenzt. im norden wird das stadtge- biet durch die sieg mit der siegmündung in den rhein begrenzt. Grenzüberschreitendes Landschaftssystem Mit dem Kottenforst, der Siegmündung, dem Ennert und siebengebirge und dem rhein liegen auf dem Bonner Stadtgebiet Teilstücke von großen Land- schaftsräumen und Freiraumachsen im Regionalen Maßstab. Es liegt zwischen den Naturparks Rheinland und siebengebirge. Darüber hinaus gibt es verschiedene gliedernde Frei- räume (überwiegend landwirtschaftlich genutzt) zwi- schen Bonn und den nachbargemeinden, die eine planerische Zusammenarbeit bedürfen. Regionale und interkommunale Zusammenarbeit Die Stadt gehört zum Regierungsbezirk Köln und wird von dem Rhein-Sieg-Kreis fast vollständig umschlos- sen. die stadt Bonn gehört zum zusammenschluss Region Köln/Bonn e.V. zusammen mit den kreisfreien Städten Köln, Bonn und Leverkusen sowie der Kreise Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis Neuss, oberbergischer kreis und rheinisch-Bergischer kreis. Unter anderem hat die Region Köln/Bonn in den letzten Jahren das Agglomerationskonzept erarbeitet, welches Perspektiven für eine raumverträgliche und integrierte Siedlungs-, Mobilitäts- und Freiraumentwicklung in der region im zeithorizont bis 2040+ formuliert, mit dem ziel eine Region in Balance zu gestalten. zusammen mit dem rhein-sieg-kreis und dem Land- kreis Ahrweiler bildet die Stadt Bonn den Arbeitskreis Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (:rak). Der :rak ist ein informelles arbeitsgremium und stellt ein Bindeglied zwischen der örtlichen Planungshoheit der Städte, Ver- bandsgemeinden und der Landesplanung dar, indem er durch Informationsaustausch und Kommunikation dazu beiträgt, gemeinsam abgestimmte Projektentwicklun- gen auf die kommunale Ebene zu befördern. Die Kommunen Alfter, Bonn, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin arbeiten schon seit vielen Jahren in enger Weise interkommunal zusammen, um Freiraumstrukturen zu sichern und funktional weiterzu- entwickeln. So zum Beispiel mit dem Freiraumprojekt „Grünes C“, welches 2015 alle Projektbausteine umge- setzt hatte, um die vielfältigen Freiräume der Region langfristig zu sichern, miteinander zu verknüpfen und zu entwickeln. Mit dem Integrierten Handlungskonzept Grüne Infra- struktur konnten zwei weitere Nachbarn Bad Honnef und königswinter hinzugewonnen werden und so der Diskurs über Weiterentwicklung der gemeinsamen Landschaftsräume fortgeführt werden. Was passiert in der Region bereits? (Auswahl) • nEiLA (derzeit in Aufstellung) • Biotopverbund in nrw • Agglomerationskonzept Region Köln/Bonn • Regionalplan Köln, 2022 • integriertes handlungskonzept Grüne infrastruktur (2017) • Grünes C (2005-2015) Was macht Bonn bereits? (Auswahl) • IFS - Integriertes Freiraumsystem 1997, 2012 und Bericht zum Freiraum Monitoring 2017 • ZURES – Stadtklimaanalyse für die Stadt Bonn, 2018 • MutABOr – untersuchung zur Anpassungskapazität der Stadt Bonn bei hitzestress (derzeit in Aufstellung) • Grünflächenkonzept, 2015 (derzeit in Überarbeitung) • Spielflächenkonzept 2022 • Spielplatzbedarfsplanung 2022 • Sportentwicklungsplanung der Bundesstadt Bonn, 2018 • Kompensationsflächenkataster (derzeit in Aufstellung) • Landschaftspläne Kottenforst (2013), Ennert (2004), Sieg- mündung (1985) • Verkehrsentwicklungsplan 2020 • Bachentwicklungsplan, 2008 • Friedhofskonzept (derzeit in Aufstellung) • Lärmaktionsplan 2019 • Kommunale Biodiversitätsstrategie „Aktionsprogramm Biodiversität 2030“ (derzeit in Aufstellung) • Label Stadtgrün naturnah – Bestandserfassung, Maßnah- menplanung und strategische Ausrichtung für eine natur- nahe Grünflächenentwicklung, 2019 • klimaplan 2035 • Schwammstadtkonzept (derzeit in Aufstellung) • Baumkonzept (2023)Seite 21 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht15bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 9 Bonn und seine nachbargemeindenSeite 22 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht16bgmr Landschaftsarchitekten 3.2 rAuMPräGunGEn Landschaft ist das Produkt der Geschichte und in einer ständigen Veränderung. Die Geologie und die letzten Eis- zeiten prägten die Ausgangssituation- die Deep Time (vgl. Abb. 10 und 11). Die Böden, das Relief, das Gewässernetz und die Fließrichtung der Gewässer wurden in dieser Zeit geformt. Die Strukturen der Deep Time sind heute noch allgegenwärtig, auch wenn diese durch die kulturland- schaftlichen und urbanen Nutzungen des Menschen, vor allem in den letzten drei Jahrhunderten des Anthropo- zäns stark überlagert und überformt wurden und heute selbst das globale Klima beeinflussen. Die Deep Time prägt die Eigenart der Stadtlandschaft Bonns und prägt ihre Identität. Sie ist die Raumkon- stante, die Bonn im Vergleich zu anderen Städten unverwechselbar macht. Naturräumliche Prägung Der Rhein mit seinen Dynamiken hat die Lage und die landschaftliche Entwicklung von Bonn maßgeblich beein- flusst. Nördlich des Siebengebirges wechselt der Rhein aus der Mittelgebirgsregion in das Norddeutsche Tiefland über und wird an der mündung der sieg zum niederr- hein. Wie auch beim oberrhein erhielt der niederrhein ein befestigtes Flussbett. Heute sind im Stadtgebiet kaum noch Spuren der ehemaligen Altarme zu finden. Die ehe- maligen rheinarme und der godesberger Bach sind in der Geologischen Karte ablesbar als Ablagerungen in Schluff und Sand. Ein ehemaliger, von Bebauung freigehaltener, Altarm befindet sich in Beuel zwischen Rilkestraße und Limpericher Straße. Er ist Zeuge der Deep Time. Gleichzeitig fließen in einer kammartigen Struktur dem Rhein diverse Bäche durch das Stadtgebiet hindurch zu. Der überwiegende Teil ist jedoch im Stadtgebiet verrohrt und fließt nicht mehr mit ihrer natürlichen Bachmündung in den Rhein. Die Raumkonstante der Bäche wurde damit überformt. Ein Teil der Identität des Bonner Gewässersy- stems ist damit nicht mehr erlebbar. Umso wichtiger wird es sein, an den offenen Gewässerabschnitten die Erleb- barkeit zu verbessern. Naturräumlich liegt Bonn am Übergang vom Mittel- rheingebiet zur niederrheinischen Bucht, die durch den Godesberger Rheintaltrichter markiert wird und dehnt sich zu beiden seiten des rheins aus. die besondere topografische Ausprägung ist als Merkmal der Bonner Landschaft deutlich erkennbar und trägt zu ihrer Eigen- art bei. durch die unterschiedlichen höhenlagen ergeben sich auch besondere Blicke und Aussichtsbereiche auf die Stadt und Landschaft. eine Besonderheit in der stadt ist die düne tannenbusch. Sie entstand am Ende der letzten Eiszeit, indem heftige Winde den Rheinsand an diese Stelle verwehten. Heute liegt sie umschlossen von Siedlungsbereichen und wurde zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Düne stellt somit eine Raumkonstante der Deep Time dar, die bis heute wirkt und zeugnis der geschichte des naturraums der rhein- landschaft ist. Sie ist nicht nur ein wertvoller Naturraum, sondern auch eine identitätsprägende Struktur der heu- tigen Stadtlandschaft. Kulturelle und urbane Prägung Von den ersten siedlungen (abb. 12), die sich an den naturräumlichen Strukturen am Übergang zwischen der Rheinniederung zu den höheren, überflutungssi- cheren Lagen orientierten, bis hin zu diversen überge- ordneten Planungen und baulichen Eingriffen, gaben anthropogene Prägungen der Stadt ein weiteres Gesicht. Die Altstadt, kulturhistorische Parkanlagen, gartenschauen, der regierungssitzwechsel, aber auch Hochwasserschutzbauten und Verkehrstrassen sind urbane setzungen, die die historie der stadt und damit auch ihre Freiräume in der jeweiligen Entstehungszeit widerspiegeln. Neben den urbanen Setzungen spielt die kulturelle Prägung der Bewirtschaftung, wie Waldwirtschaft, Acker- und Grünlandnutzung, eine identitätsstiftende rolle. in der Bonner rheinebene dominiert der obst- und gemüseanbau auf den fruchtbaren niederterras- senböden, während an den Hangbereichen vielfältige Nutzungsstrukturen - ein Wechsel von Grünland, Obst- wiesen, Gärten und kleinen Waldbeständen - zu finden sind. Der Rheinauenpark zeigt als ein Beispiel sehr gut, wie die Deep Time, also die geomorphologische Situa- tion der Aue, zum Gestaltungsthema einer Parkanlage geworden ist. Solche Bezugnahmen auf die Deep Time fördern die Identität der Stadt Bonn und stellen gleich- zeitig einen Planungsansatz dar, der auf das Lokale (Boden, Wasser, Topografie) Bezug nimmt. Deep Time unter dem konzept der Deep time wird der Prozess verstan- den, wie die erdgeschichtlichen Prägungen eines raums in den Planungsprozess der Stadtentwicklung einbezogen werden. Das Konzept umfasst dabei sowohl die Analyse und Spurensu- che als auch die naturraumprägungen. Das konzept der Deep Time soll Städte und Landschaften in ihren Identitäten stärken und Eigenarten bei zukünftigen Entwicklungen fördern.Seite 23 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht17bgmr Landschaftsarchitekten siebengebirge Jüngere Hauptterrasse rheinisches schiefergebirgegodesberger rheintaltrichter kölner Bucht Abb. 10 Naturräumliche Gliederung (© www.tim-online.nrw.de) Abb. 11 Geologische hauptschichten im Bonner Stadtgebiet (© Stadt Bonn) + Siedlungsbereiche am Rhein: Bonn, Rittersdorf, rheindorf, mehlem + Siedlungsbereiche im Tiefland: Dransdorf, Zielich, geislar + Siedlungsbereiche an der Hangkante: Duisdorf, Lengsdorf, Poppelsdorf, Kessenich, Dottendorf, Friesdorf, Godesberg, Muffendorff, Lannesdorf + Siedlungsbereiche im Hochland: Ueckendorf, Röttgen Jüngere Hauptterrasse ältere niederterrasse Abb. 12 1801-1828 Kartenaufnahme der Rheinlande (Tranch ot/v. Müff- ling) mit heutigen Siedlungskernen (© www.tim-online.nrw.de)Seite 24 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht18bgmr Landschaftsarchitekten 3.3 BOnnS FrEiräuME unD urBAn MAPPinG Der Begriff Freiraum umfasst eine Vielzahl von Flächen- kulissen. Zunächst wird darunter der Raum zwischen den bebauten Flächen verstanden. Dazu gehören im klassischen Freiraumverständnis die Grünflächen, wie Grün- und Parkanlagen, Gewässer, Landwirtschaftsflä- chen, Wälder, naturnahe Flächen, Kleingärten, Fried- höfe sowie Sportanlagen und Spielplätze. Versiegelte Flächen wie z.B. die Straßen, öffentliche Plätze und Stellplatzanlagen gehören jedoch ebenfalls zum Frei- raumsystem der Stadt. Straßen können Aufenthalts- qualität haben, wenn sie mit Straßenbäumen begrünt sind und Flächen für Angebote zum Verweilen und Austausch bieten. Dann bieten sie auch Schatten und tragen über die Verdunstung zur Hitzevorsorge bei. Dass Grün der Stadt ist damit nicht nur beschränkt auf die Grünflächen, sondern auch die baulich und infra- strukturell genutzten Flächen können zum grünen erscheinungsbild der stadt beitragen. die bebaute Stadt und die graue Infrastruktur grüner machen, ist damit ebenfalls eine aufgabe in der stadt- und Freiraumentwicklung. Bonner Landschaften und Wasserlagen der Bonner siedlungsbereich ist eingefasst in große Landschaftsräume. Im Süden wird das Stadtgebiet durch zwei große zusammenhängende Waldgebiete geprägt. Linksrheinisch wird der bebaute Raum im Westen und Südwesten vom Kottenforst eingerahmt. Dieser ist gekennzeichnet durch naturnahe Laubwald- bestände in unterschiedlichen Bestandsaltern und teil- weise hohem alt- und totholzanteil. der Wald wurde im April 2004 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und ist Heimat für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflan- zenarten. Hervorzuheben ist der hohe Wert dieses raumes für die Vogelwelt. aufgrund seiner ausstat- tung mit bestimmten Lebensräumen sowie Tier- und Pflanzenarten wurde der Kottenforst im Jahr 2000 auf grundlage der FFh-richtlinie unter der Bezeichnung Waldreservat Kottenforst an die Europäische Kommis- sion nach Brüssel gemeldet und ist somit Bestandteil des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Rechtsrheinisch befindet sich im Osten und Südosten der Ennert als nördlichster Ausläufer des anschließen- den siebengebirges. das siebengebirge ist eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Der größte Bereich der Fläche liegt auf dem Gebiet des Rhein- Sieg-Kreises. Mit dem Naturschutzgebiet Ennert fällt ein kleiner Teil (rund 10%) auf das Bonner Stadtgebiet. Es handelt sich um ein durch tertiären Vulkanismus geprägtes Gebiet. Das Siebengebirge ist gekennzeich- net durch ausgedehnte strukturreiche Buchenwälder. Darüber hinaus wird die Landschaft durch tief einge- schnittene Bachtäler sowie weiterer Strukturen, wie Quellen, ehemalige Steinbrüche, offene Felsbereiche, Weinberge, Obstwiesen und Grünlandflächen, cha- rakterisiert. Bedingt durch seine Strukturvielfalt und größe bietet das naturschutzgebiet siebengebirge zahlreichen seltenen und zum Teil stark bedrohten Pflanzen- und Tierarten zusagende Rückzugsmöglich- keiten. Das Gebiet ist zudem ein wichtiger Bestandteil des landesweiten Biotopverbundes. Der Norden von Bonn wird durch das „Grüne C“, ein Projekt, dass im Rahmen der Regionale 2010 gefördert wurde, eingerahmt. Seit Abschluss des Freiraumpro- jekts „Grünes C“ bewahrt dieses die Individualität von neun verschiedenen Landschaftsräumen im Bonner norden sowie in den angrenzenden kommunen und schafft durch Ihre Verbindung einen Park der Kul- turlandschaften. Der Freiraum setzt sich aus alten Kulturlandschaften, Naturschutzgebieten, Flüssen, Acker-, Obst- und Gartenbauflächen zusammen. Die Linksrheinischen Gebiete sind aufgrund ihrer wertvol- len Ackerböden bereits seit Jahrhunderten landwirt- schaftlich genutzte Flächen. Besonders zu betonen ist dabei das meßdorfer Feld. im rahmen des „grünen C´s“ wird das Meßdorfer Feld als Landschaftsraum geschützt, bleibt landwirtschaftlich nutzbar und als erholungsraum erhalten. diese ungewöhnliche alte und lebendige „Felderwirtschaft in der Vorstadt“ ist 150 ha groß und weitestgehend von Bebauung umschlossen. rechtsrheinisch schließt das natur- schutzgebiet Siegmündung als Teil des Grünen C‘s an. Es handelt sich um eine sehr gut ausgeprägte Fluss- mündung, die bis heute eine relativ naturnahe Über- flutungsdynamik aufweist. Hervorzuheben sind die strukturreichen Auenbereiche mit Altgewässern und Auwaldresten sowie die naturnahen Ausprägungen der ufer. der überwiegende Bereich wird heute als Grünland genutzt. Zahlreiche Wat- und Wasservögel nutzen das gebiet als Brut-, rast-, nahrungs-, durch- zugs- und Überwinterungslebensraum. Der Rhein durchfließt auf knapp 18 km Länge das stadtgebiet und stellt zusammen mit seinen ufern ein, wenn nicht das prägende Element der Freiraum- und Siedlungsstruktur in Bonn dar. Ende des 18. Jahrhun- derts blüht der rheintourismus auf, wodurch Bonn zum Ruhesitz von wohlhabenden Bürger*innen wurde. Im zuge dessen wurde das rheinufer zur promenade aus- gebaut. der tourismus wird durch anlegestellen der Fährschiffe, Cafés, Biergärten am Rheinufer zusätzlichSeite 25 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht19bgmr Landschaftsarchitekten belebt. das rheinufer gewann und gewinnt, im sinne eines Freiraum- und erholungsbereichs, immer weiter an Bedeutung. Zum Rhein fügt sich ein feines Netz an Bächen, sowohl links- als auch rechtsrheinisch hinzu. Diese Bäche umfassen eine Gesamtlänge von rund 105 km auf Bonner Stadtgebiet. Das Ökosystem „Bach“ umfasst die Lebensräume (Biotope) Wasserkörper, Gewässer- bett, Wasserwechselzone und vom Gewässer beein- flusstes Umland sowie deren Lebensgemeinschaften (Biozönosen). Darüber hinaus, sind Bäche mit ihren Begleiträumen Bewegungs-, Erlebnis- und Verweil- räume für die Bewohner*innen der Stadt Bonn. Neben den naturschutzfachlichen, wasserwirtschaftli- chen Anforderungen sind auch die Erholungsaspekte und baukulturelle Aspekte mit einzubringen. Diese Fließgewässer führen in Bonn oftmals ein Schattenda- sein. insbesondere im dicht besiedelten raum wurde in diese stark eingegriffen. Weitestgehend naturferner Ufer- und Sohlenverbau beeinträchtigen die Gewäs- ser, im Extremfall verschwindet der Bach komplett in der Verrohrung. ennert Venusberg melbtal katzenloch- bachtal derletal Kottenforst grünes c meßdorfer Feld gartenland Vorgebirgshang Kieslandschaft rheinaue siegaue hangelarer heide Birling- hovener Wald pleisbachtal siebengebierge Waldville rhein Abb. 13 Bonns Natur-, Landschaftsräume und grüne JuwelenSeite 26 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht20bgmr Landschaftsarchitekten Bonner landschaFten Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 14 infotafel im Meßdorfer Feld Abb. 15 Baumtor im Meßdorfer Feld Abb. 16 Am Vilicher Bach/Geißlar (rechtsrheinisch) Abb. 17 Landwirtschaftsweg in Bonn-Auerberg Abb. 18 Bonn Bad Godesberg Fähre (linksrheinisch) Abb. 19 Pferdekoppel im Annaberger Feld Abb. 20 Dornheckensee im Ennert Abb. 21 Binnendüne tannenbusch Abb. 22 naturschutzgebiet Ennert Abb. 23 Naturschutzgebiet Kottenforst Abb. 24 Landwirtschaftliche Flächen in Bonn-AuerbergSeite 27 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht21bgmr Landschaftsarchitekten BONNER WASSERLAGEN Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 25 Ankerbach am Polizeipräsidium Bonn Abb. 26 rheindorfer Bach kurz vor der rheinmündung Abb. 27 Rhein im nördlichen Bonner Stadtgebiet Abb. 28 Brunnen auf dem choldwigplatz Abb. 29 Godesberger Bach zwischen privaten Grundstücken Abb. 30 rechtsrheinisches rheinufer Abb. 31 wasserplatz am telekom Forum Abb. 32 Mehlemer Bach vor der unterführung der Bahn und B9 Abb. 33 Siegfähre an der Sieg Abb. 34 Vilicher Bach Abb. 35 Engelsbach im MelbtalSeite 28 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht22bgmr Landschaftsarchitekten BONNER KLASSIKER uND JuWELEN Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 36 hofgarten Abb. 37 Poppelsdorfer Allee Abb. 38 kurpark Bad Godesberg Abb. 39 Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Bonn, Alter Friedhof -- 2018 -- 0848” / CC BY-SA 4.0 Abb. 40 Beueler rheinaue Abb. 41 Botanischer Garten Abb. 42 Drachensteinpark Abb. 43 rheinauensee im rheinauenpark Abb. 44 rheinauenparkSeite 29 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht23bgmr Landschaftsarchitekten Bonns Klassiker und Juwelen Die Ausstattung mit gestalteten Freiräumen ist eng mit den naturräumlichen Gegebenheiten, der histori- schen Stadtentwicklung und der aktuellen städtebau- lichen Entwicklung verwoben. Ob grün oder steinern, naturnah oder geometrisch gestaltet; die Verteilung im Stadtgebiet, Größe und Verfügbarkeit der Parkanlagen sind eng geknüpft an die bestehenden Stadtstrukturen. Diese Freiräume haben teilweise eine stadtweite Aus- strahlung und Anziehungswirkung (Bonns Juwelen). Sie dienen der Naherholung, Freizeitbeschäftigung sowie dem alltäglichen Bedürfnis nach Erholung und Grün. Zu den bekanntesten Parkanlagen (Bonns Klassiker) zählen der Rheinauenpark, der Hofgarten und der Botanische Garten. Der Rheinauenpark ist seit seiner gründung zur Bundesgartenschau 1979 zu einem Wahrzeichen der Stadt und zu einem stark frequen- tierten 160 ha großen Naherholungsgebiet gewachsen. Seine heutige Gestalt hat der in der Innenstadt liegende Hofgarten seit Mitte des 18. Jahrhunderts und orien- tierte sich ursprünglich an französischen Vorbildern. Diese Grünanlagen unterliegen weitestgehend denk- malschutzrechtlichen Bestimmungen, entsprechend sind Anpassungen und Weiterentwicklungen in enger Abstimmung mit Denkmalschutz und Denkmalpflege notwendig. Die Stadt Bonn hat neben den bekanntesten Park- anlagen noch weitere kleinere Parkanlagen sowie halböffentliche Gärten, diese orientieren sich im überwiegenden linksrheinisch in Innenstadtnähe. Dazu gehören: Baumschulwäldchen, Drachenstein- park, Ernst-Moritz-Arndt-Garten, Panoramapark, Park Haus Carstanjen, Poppelsdorfer Allee, Redoutenpark, Stadtgarten Bonn, Stadtpark Bad Godesberg und Villa hammerschmidt. Die Garten- und Parkanlagen werden durch die zweck- gebundenen Freiräume ergänzt und erweitert, dazu gehören Kleingartenanlagen, Friedhöfe, Sport- und Spielflächen. Diese sind nicht uneingeschränkt öffent- lich zugänglich, dennoch sind diese Flächen ein wichti- ger Baustein des Freiraumsystems der Stadt. Besonders stadtprägend ist der Alte Friedhof, der mit 3 ha die zweitgrößte Grünfläche in der Innenstadt darstellt. Es ist ein raum der ruhe und Besinnung und wird zuneh- mend als Rückzugsort aus dem Alltagsstress nachge- fragt. Sportflächen zum Beispiel sind in Bonn bereits, außerhalb von Schul- und Vereinsbelegungszeiten, für die nutzung durch Bürger*innen freigegeben. Bonner Nischen Das Angebot an Grünflächen und Parkanlagen mit grö- ßeren Einzugsbereichen (Bonns Klassiker) wird ergänzt durch ein feines Raster an kleinen grünen Nischen. Zu diesen Nischen gehören zum einen Pocket Parks, die an Verkehrsflächen liegen oder durch einzelne Baulücken entstanden sind oder auch kleinere Spielplätze, die in solchen Flächen entstanden sind und angelegt worden. Zum anderen gehören dazu auch begrünte „Restflä- chen“ an (Verkehrs-)Infrastrukturen. Diese Räume sind teilweise in weniger guten Pflegezuständen, als die großen Parkanlagen, jedoch für das quartiersnahe Grün von besonderer Bedeutung. Sie bergen für Alltagswege ein großes Potential für die Erholung und als Treffpunkt im Quartier. Zudem haben sie das Potential innerstäd- tische Mikrobiotope zu sein und Insekten als Lebens- raum zu dienen. Bonner Plätze Platzflächen, gestaltete öffentliche Räume und Fuß- gängerzonen prägen die Siedlungsbereiche und stellen Orientierungspunkte und Gelenke innerhalb der Stadt- struktur dar. Besonders in den Stadtquartieren, die keinen schnell erreichbaren Landschaftsraum in ihrer Nähe haben, sind diese Räume von besonderer Bedeu- tung für die alltägliche Erholung. Platzflächen sind Tran- siträume, Erholungs- und Rückzugsräume, aber auch Kommunikationsorte und Treffpunkte. Je nach Lage innerhalb der stadt und der umgebung erfüllen diese Plätze unterschiedliche Aufgaben. Zeitgleich sind in den letzten Jahren die nutzungsanforderungen an diese Räume gestiegen. Die Bonner Plätze weisen oftmals hohe Versiege- lungsgrade auf und zeitgleich wenig Verschattung. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass Wasser oft als Gestaltungselement auf Plätzen eingesetzt wird. Multicodierung und Klimaplätze sind hierbei wichtige Schlagworte für die konzeptionelle Weiterentwicklung von Platzflächen.Seite 30 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht24bgmr Landschaftsarchitekten Bonner nischen Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 45 Verkehrsgrün Kirschallee / Reuterstraße Abb. 46 Fahrradständer Meckenheimer Allee / Am Botanischen Garten Abb. 47 Denkmal Burgweg / Meßdorfer Straße Abb. 48 Pocket Park „Statue Simon Bolivar südamerikanischer unabhän- gigkeitskämpfer“ Abb. 49 Pocket Park an der Agnesstraße Abb. 50 Spielplatz an der Brandenburger Straße Abb. 51 Pflanzfläche in der Bad Godesberger Innenstadt Abb. 52 Rasenfläche im Wohngebiet (Am Klostergarten) Abb. 53 Straßenbegleitgrün (rollrasen) an der Oxfordstraße Abb. 54 Grünbeet in hardtbergSeite 31 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht25bgmr Landschaftsarchitekten Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 55 Öffentlicher Raum an der Riesengebirgsstraße in Tannenbusch Abb. 56 Friedensplatz in der innenstadt Abb. 57 wasserplatz am telekom Forum Abb. 58 Platz am Johanneskreuz Abb. 59 Platz im neubaugebiet im großen Garten Abb. 60 Auerberger Mitte Abb. 61 Poppelsdorfer Platz Abb. 62 Fußgängerzone Bad Godesberg Abb. 63 heckelsbergplatz Abb. 64 Wohnplatz am Caroline-Herschel-Weg Bonner plätzeSeite 32 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht26bgmr Landschaftsarchitekten Bonner verkehrsräume Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 65 Grüngleise reuterstraße Abb. 66 wilhelmstraße Abb. 67 Blick vom Stadthaus auf die Oxfordstraße richtung rhein Abb. 68 Prinz-Albert-Straße Abb. 69 überdachte Fahrradständer am wilhelmsplatz Abb. 70 Reuterstraße (Unterführung der Clemens-August-Straße) Abb. 71 ringstraße in Beuel Abb. 72 Fahrradstraße in der Altstadt Abb. 73 Fahrradspur Julius-Leber-Straße / Fontainengraben Abb. 74 Straßenbahnhaltestelle Auerberger MitteSeite 33 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht27bgmr Landschaftsarchitekten Bonner Verkehrsräume Der Freiraum hört nicht bei den grünen Flächen auf, auch die graue Infrastruktur gehört zum Freiraum einer Stadt. Hinzu kommt, dass sich die Mobilität verändert und zunehmend intermodaler wird. auto, Bahn und Bus oder Fahrrad werden je nach Bedarf, tageszeit und Entfernung variierend genutzt. Auch in Bonn ist dieser Trend zu verzeichnen. Dennoch ist Bonn stark durch dominante und raumstrukturierende Verkehrstrassen geprägt. Dazu gehören z.B. die Autobahnen A555 und a565 sowie große magistralen, wie die B9. diese groß- dimensionierten Verkehrsinfrastrukturen stellen eine Barrierewirkung für den nicht motorisierten Individual- verkehr (nMIV) dar. Übergeordnete radwege sind insbesondere in nord- Süd-Richtung, wie z.B. am Rhein, vorhanden und werden gut angenommen. Jedoch fehlt den Langsam- verkehren (Fußgänger*innen, Fahrrädern und E-Scoo- ter) teilweise der nötige Raum im Straßenquerschnitt. Aber auch die Nutzung der Straßenräume als Orte des Aufenthalts und Flanierens spielen eine immer grö- ßere Rolle. Wenn die Wertschätzung des öffentlichen Raumes zunimmt, die Flächen aber begrenzt sind, stellt sich damit die Frage, wie auch die Straßenräume zukünftig für die Bewegung, Freizeitnutzung und den Aufenthalt attraktiver werden können, diese zeitgleich aber auch den anforderungen an den klimawandel gerecht werden. Die qualitätsvolle Gestaltung sowie die temporäre und dauerhafte Mehrfachnutzung von Straßen und Plätzen für Spiel, Freizeit und für die Lang- samverkehre sowie Begrünung und Anwendung des Schwammstadtprinzips werden ressortübergreifende Gemeinschaftsaufgaben sein. Mit der Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf dem Umweltverbund wird gleichzeitig ein Beitrag zum Klima- schutz geleistet. Die Freiraumplanung kann mit Angebo- ten an Fuß- und radwegen in angenehmer umgebung, mit Freizeit- und Erholungsangeboten in fußläufiger bzw. Radentfernung zum Wohnen und Arbeiten sowie angenehmen Orten des Ankommens und Wartens im Zuge intermodaler Fortbewegung helfen, die Attraktivi- tät des Umweltverbundes und zu stärken und so gleich auch einen Beitrag zum klimaschutz leisten. Privat(atmo)sphäre Private Freiflächen machen einen Großteil der Gesamt- fläche der Stadt aus. Während im Bereich der Altstadt ein hoher Versiegelungsgrad und hohe Bebauungs- dichte vorherrschen, sind die viele Grundstücke in den äußeren Stadtteilen durch große, unbebaute Flächen geprägt. Diese Freiflächen sind unterschiedlich ausge- staltet und genutzt. Das Bild geht von vollversiegelten Innenhöfen/Garagenhöfen über ungenutzte „Abstands- grünflächen“ bis hin zu gestalteten und genutzten pri- vaten Freiräumen. Auf diesen privaten Flächen findet weitestgehend kein Umgang mit Regenwasser (Rück- halt, Versickerung, Transpiration und Evaporation) statt. Das Regenwasser wird in die Kanalisation abgeleitet. Neben den Freiflächen bieten die Gebäude ein hohes Potential für ein Mehr an Grün. Dächer können blau- grün ausgeführt das Wasser anteilig zurückhalten und die Kanalisation entlasten, zur Steigerung der biolo- gischen Vielfalt beitragen und als Freiraum genutzt werden. Als PV-Dach trägt es dazu bei, die Klimaschutz- ziele zu unterstützen. Die Dächer werden so zu einer begehrten Flächenressource. Private Flächen bergen somit bei einer Mehrfachnut- zung ein großes Potential für Klimaanpassung, Klima- schutz und Erhöhung der Biodiversität und ein Mehr an Aufenthaltsqualität im städtischen Raum. Aneignung und Nutzung Öffentliche Flächen und Parkanlagen werden angeeig- net. Vermehrt wird der öffentliche Raum durch Einzel- personen, Gruppen und Vereine für unterschiedliche Zwecke genutzt, dazu gehören vor allem sportliche Betätigungen, aber auch das gemeinsame Spielen. Punktuell trifft man auf kleine Interventionen im Frei- raum, die auf bisher wenig erfüllte Bedürfnisse aufmerk- sam machen, wie z.B. Biodiversität, Aufenthaltsorte, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Begrünung von bisher stark versiegelten Flächen, Schattenplätze, indi- viduelleres Grün und produktives Grün.Seite 34 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht28bgmr Landschaftsarchitekten PRIVAT(ATMO)SPHäRE Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 75 „Abstandsgrün“ in der amerikanischen Siedlung Plittersdorf Abb. 76 Garagenhof in der Altstadt Abb. 77 Einzelgaragen in Beuel Abb. 78 „Abstandsgrün“ in tannenbusch Abb. 79 Private Vorzonen typischer 60er Jahre Bebauung Abb. 80 Wegeverbindung im Neubauquartier Abb. 81 Vorgartenfläche von EFH und kleinen MFH Abb. 82 Garagenhof in Buschdorf Abb. 83 regenwasserversickerung im privaten Vorgarten Abb. 84 ungenutzes „Abstandsgrün“ zwischen ZeilenbebauungSeite 35 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht29bgmr Landschaftsarchitekten aneignung und nutzung Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 85 Hochbeet in Auerberg Mitte Abb. 86 Pflanzbegrenzungen in der Altstadt Abb. 87 Baumbeet in Patenschaft im Bundesviertel Abb. 88 Baumbeet in Patenschaft in der Altstadt Abb. 89 kinderveranstaltung im hofgarten Abb. 90 Spielende Kinder auf dem Konrad-Adenauer-Platz Abb. 91 Festplatz Siegburger Straße Abb. 92 temporäre Begrünung in der Altstadt Abb. 93 Urban Gardening zwischen Kölnstraße und RosentalSeite 36 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht30bgmr Landschaftsarchitekten Produktiv Bonn produziert. Bedingt durch die hohen Bodenwert- zahlen sind gute Voraussetzungen für die Produktion von Lebensmitteln gegeben, sowohl in der Landwirt- schaft, als auch in Kleingärten, Gemeinschaftsgärten und Urban Gardening-Flächen. Die Nachfrage nach privaten Gartenflächen steigt und führt zur Aneignung nicht genutzter Flächen durch Privatpersonen. Bonn produziert jedoch mehr als nur Lebensmittel, son- dern in den Wäldern auch nachwachsende Rohstoffe wie Holz. Die Agrarlandschaft aber auch die Dächer der Stadt gewinnen mit den neuen gesetzen und Förderungen an Bedeutung für die Nutzung zur Produktion von erneuer- baren energien. Die Bonner Landschaft produziert auch Kaltluft, die bis in die überhitzten Stadtgebiete wirken. Die Grünflächen und Straßenbäume spenden Schatten und Verdunsten das Regenwasser. Sie produzieren damit Kühlungsef- fekte. Und das städtische Grün produziert auch bio- logische Vielfalt, wenn denn die Pflanzenauswahl, die Biotop- und Strukturvielfalt und eine angepasste Pflege sichergestellt wird. nicht zuletzt ist der Freiraum eine Kohlenstoffsenke. Nicht nur im Holz, sondern vor allem der Boden gilt als Speicher für Kohlenstoff. Die Hälfte der organischen Substanz im Boden ist Kohlenstoff. Daher ist das Bodenmanagement in der Freiraumentwicklung ein wichtiger Faktor einer Klimaschutzstrategie. Die vielfältigen Ansprüche zusammenzubringen, ist eine Herausforderung, die nicht immer Konfliktfrei ist. Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 94 Private Landschwirtschaftsparzelle Auerberg Abb. 95 GemeinschaftsGarten Vilich-Müldorf Abb. 96 Meßdorfer Feld Abb. 97 Lebensmittelanbau im Pflanzenfeld Abb. 98 Private Landwirtschaftsparzelle in Bad Godesberg Abb. 99 Private Landwirtschaftsparzelle Graurheindorf Abb. 100 Temporäres Urban Gardening und Imkern auf einer stillgelegten Gleisanlage in tannenbuschSeite 37 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht31bgmr Landschaftsarchitekten Mobil und Sportiv Mobilität umfasst nicht nur die Bewegung von A nach B, sondern auch einen Teil der Lebensqualität in der Stadt. Bundesweit erobert der Sport den städtischen Raum mit seinen begeh- und befahrbaren Flächen. Sport findet nicht mehr nur auf dem Sportplatz statt, sondern die gesamte Stadt wird mit ihren Freiflächen zum Bewegungsraum. Damit erwachsen besondere Anforderungen an Beläge, Wegebreiten und die Durchgängigkeit bestimmter Wege in den öffentlichen Räumen der Stadt. Neben den Wegen selbst müssen auch die Kulissenräume einladend wirken. Eine Herausforderung der Freiraumentwicklung wird es sein, die häufig monofunktional gestalteten Sportflächen in das System der öffentlichen Grünräume zu integrieren und vermehrt auf den Sportflächen Angebote für nicht Vereinsmitglieder zu schaffen und in das Netz der öffentli- chen Grünflächen nach Bedarf zu integrieren. Fotos von oben links nach unten rechts: Abb. 101 Sport- und Spielfläche im Grünen C Abb. 102 Sportmannschaft im Sportpark Nord Abb. 103 SportBox am Posttower © Bundesstadt Bonn Abb. 104 Fußball spielende kinder im Sportpark nord Abb. 105 Skatepark im rheinauenpark (rechtsrheinisch) Abb. 106 radweg durchs Grüne c Abb. 107 radweg am rhein Abb. 108 Sportplatz FinkenbergSeite 38 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht32bgmr Landschaftsarchitekten 3.4 (STATUS QUO) FLäCHENANALYSE Die Stadt Bonn umfasst eine Gesamtfläche von 141,1 km2 (14.110 ha). Davon sind 46,7 km2, also ein Drittel (33,1 %) Siedlungsfläche (Wohnbaufläche, Indu- strie- und Gewerbeflächen). Über die Hälfte des Stadt- gebietes (57,2 %) gehören den Freiflächen an. Dazu zählen die Sport-, Freizeit,- und Erholungsflächen sowie die Wälder, Gewässer und landwirtschaftlichen Flä- chen. Die übrigen 9,7 % belaufen sich auf Flächen für die verkehrliche Infrastruktur. Freiraumverständnis Freiraum umfasst die gesamte Oberfläche der Stadt, dazu zählen neben dem Freiraum im klassischen Sinne (Wälder, Landwirtschaftliche Flächen, Park- und Grünanlagen und zweckgebundene Freiflächen) auch die privaten sowie die versiegelten Flächen der Stadt (Straßen, Plätze und Dachflächen). Im Rahmen eines gesamtstädtischen Freiraumkonzeptes wird damit die gesamte Oberfläche der Stadt betrachtet, um diese hinsichtlich der Erholungsnutzung, der sozialen Teil- habe und Baukultur sowie Ökologie, Klimaanpassung und biologischen Vielfalt zu sichern, zu entwickeln und mehrfach zu nutzen. Im Folgenden werden zum einem die Bestandsflächen der Grünen Infrastruktur vorgestellt. Diese wurden im rahmen des Berichts zum Freiraum monitoring 2017 erfasst und ausführlich beschrieben. Ergänzt wird diese Flächenkulisse mit der grauen Infrastruktur und den pri- vaten Freiflächen. All diese Flächen tragen zum grünen Erscheinungsbild Bonns bei und bilden die Grundstruk- tur der Freiraumentwicklung, insbesondere im Hin- blick auf die diversen Herausforderungen die innerhalb dieser Flächenkulisse gelöst werden wollen (vgl. Kapitel 4). Grüne Infrastruktur Waldflächen (28,5 %) Die Waldflächen nehmen den größten Anteil der Grünen Infrastruktur auf Bonner Stadtgebiet ein, bestehend aus den zusammenhängenden Waldgebieten Kottenforst im Süden und Ennert (als Ausläufer des Siebengebirges) im Osten von Bonn. Im Vergleich zu anderen Städten verfügt Bonn damit über einen beachtlichen Anteil an Wald gemessen an der Stadtgrundfläche. Im Vergleich: Münster rd. 16% und Karlsruhe rd. 25%) Landwirtschaftsflächen (14,9 %) Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind auf dem gebiet der stadt Bonn zunehmend in den randberei- chen angesiedelt. Durch Siedlungsentwicklung aus dem Stadtzentrum nach außen ist ein Rückgang an land- wirtschaftlichen Flächen erkennbar. Anders als bei den Waldflächen bildet Bonn mit seinem Anteil an Land- wirtschaftsflächen das Schlusslicht im Vergleich mit Karlsruhe (22%), Münster (43%), Bielefeld (33%) und Mannheim (23%). Gewässer (4,3 %) Der Rhein (Gewässer 1. Ordnung) und die Sieg (Gewäs- ser 2. Ordnung) durchfließt auf knapp 18 km Länge das stadtgebiet der Bundesstadt Bonn und stellt zusammen mit seinen Ufern ein prägendes Element der Freiraum- und Siedlungsstruktur dar. Ergänzt wird dies durch das verzweigte Ökosystem „Bach“, welches die Landschaft und, dort wo sichtbar, den Siedlungsbereich prägt. Jedoch sind ca. 22% der Bachläufe verrohrt, diese kon- zentrieren sich besonders im siedlungsraum, sodass ein Erlebbarkeit des Wassers innerhalb der gebauten Stadt kaum gegeben ist. Park- und Grünanlagen (5,5 %) Parkanlagen und Grünflächen sind stadtbildprägende Freiräume, die für die Freizeitgestaltung, den Aufent- halt im Freien und das Naturerleben mitten in der Stadt unverzichtbar sind. Sie stellen ein breites Spektrum von intensiv genutzten großen Parkanlagen, wie dem Hofgarten und dem Rheinauenpark, bis hin zu kleine wohnortnahe Grünflächen in den Vierteln. Aufgrund der zentralen Lage, der Ausstattung und Erreichbar- keit haben der Hofgarten und der Rheinauenpark eine hohe Bedeutung für die erholungsnutzung. Sportflächen (1 %) Sportflächen gehören zu den zweckgebundenen Grünflächen. Insgesamt stehen mehr als 50 Spor- taußenanlagen im stadtgebiet zur Verfügung. die meisten Sportanlagen sind in umfangreiche Grünflä- chen integriert. Sportanlagen stehen außerhalb der Belegungszeiten durch Schulen und Sportvereine der Öffentlichkeit zur freien Nutzung zur Verfügung. Friedhöfe (0,9 %) Friedhöfe gehören zu den zweckgebundenen Grünflä- chen. In Bonn gibt es insgesamt 40 kommunale Fried- höfe unterschiedlichster Ausprägung. Sie reichen von kleinen, alten Ortsteil-Friedhöfen bis hin zu großen, ausgedehnten parkähnlichen Anlagen und Waldfried- höfen neueren Datums. In ihrer Größe variieren sie zwischen 0,13 ha, wie der Friedhof Plittersdorf, und gut 20 ha, wie der Nordfriedhof.Seite 39 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht33bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 109 Grundlagenkarte Freiraumtypologien (Verkleinerung der Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan, i.O. M 1:15.000, siehe Anlagen) Zweckgebundene Grünfläche (Sportfläche, Friedhof, Kleingarten) Straßenbegleitgrün naturschutzgebiete Landschaftsschutzgebiete Waldfläche Landwirtschaftsfläche Gewässer Park- und GrünanlageSeite 40 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht34bgmr Landschaftsarchitekten kleingärten und Flächen mit gärtnerischer nut- zung (0,8 %) Kleingärten gehören zu den zweckgebundenen Grünflä- chen. In Bonn gibt es insgesamt 20 Kleingartenvereine mit 892 Parzellen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Freiraumstruktur sowie zur Integration und zur Identifikation der Bürger*innen mit ihrer Stadt und ver- schaffen so vielen Menschen eine höhere Lebensquali- tät. Die Nachfragen nach Gärtnern in der Stadt ist groß und kann mit den bestehenden Anlagen nicht gedeckt werden. Wenn Flächen für neue klassische Kleingarten- nutzug begrenzt sind, stellen zwei strategische Ansätze Lösungsoptionen dar: 1. Aktivierung von Abstands-/ Freiflächen im Geschoßwohnungsbau zu Mietergärten oder 2. das gemeinschaftliche Gärtnern. Auffallend ist in Bonn der hohe Anteil an Grabeland, das sich von der kleingartennutzung unterscheidet. grabeland dient klassisch dem Gärtnern in Form von Anbau von ein- jährigen Pflanzen. Einzelne Parzellen des Grabelandes werden zwischenzeitlich zweckentfremdet und zum Beispiel als Lagerplatz genutzt. Dies gilt es zu prüfen und gegebenfalls diese Flächenpotenitale des Grabe- lands für Flächen des gemeinschaftlichen Gärtnern zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus finden sich in Bonn verschiedene Angebote des Gemeinschaftsgärt- ners unterschiedlicher Akteure. Straßenbegleitgrün (1,3 %) Straßenbegleitgrün umfasst alle im Kontext zu Ver- kehrswegen stehenden Vegetationsflächen, unabhän- gig ihres Ursprungs. Neben technischen Funktionen des Grüns spielen hier vermehrt auch ökologische und kli- matische Freiraumfunktionen eine große Rolle. Durch eine weitere Anpassung der Pflege sollte auf diesen Flä- chen die Biologische Vielfalt gesteigert werden. Schutzgebiete Insgesamt sind 50,2 % der Gesamtfläche der Stadt Bonn als schutzgebiete ausgewiesen. große teile der Land- schaftsräume Bonns sind als Landschaftsschutzgebiete (LSG), geschützte Landschaftsbestandteile (LB) oder als naturschutzgebiete (nsg) geschützt. diese werden wiederum in teilen überlagert durch den schutzsta- tus von Natura 2000-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat- gebiete, Vogelschutzgebiete). diese bilden über die stadtgrenzen hinaus große areale und erfordern eine besondere sorgfalt und eine ausgewogene strategie zwischen schutz und nutzung. die schutzgebiete im sinne des naturschutzrechts auf dem stadtgebiet Bonn sind in den drei rechtskräftigen Landschaftsplänen Sieg- mündung, Ennert und Kottenforst festgesetzt. Es sind elf Naturschutzgebiete und weitere 24 Landschafts- schutzgebiete ausgewiesen. Überwiegend setzen sich die Schutzgebiete aus den Waldflächen, den Landwirt- schaftsflächen sowie dem Rhein mit Rheinauenpark zusammen. zudem hat Bonn im Vergleich zur gesamt- fläche einen hohen Anteil europäischer Schutzgebiete (21,8 %). Aktuell sind vier Gebiete als FFH-Gebiete gemeldet: der Ennert als Teil des Siebengebirges (496 ha), die siegmündung (151 ha), der rodderberg (33 ha und der Kottenforst (2.457 ha). Grüne Infrastruktur im städtischen Vergleich Bonn ist eine grüngeprägte Stadt. 53 Prozent der Stadt- fläche sind Grüne Infrastruktur. Im städtischen Ver- gleich: Karlsruhe (55%), Münster (63%), Bielefeld (60%) und Mannheim (44%). Vergleicht man den anteil der Freizeit- und erholungs- flächen (Park- und Grünanlagen, Kleingärten, Fried- höfe, Sportanlagen) und Waldflächen mit den anderen Städten liegt Bonn an der Spitze und verfügt über eine gute Ausstattung. Auffällig ist der unterdurchschnitt- liche geringe Anteil an Landwirtschaftlichen Flächen innerhalb des stadtgebietes. Betrachtet man die Flächenkulisse mit der Brille der Freizeit- und Erholungsnutzung kann Bonn auf einen soliden Grundstock zurückgreifen. Doch Freiraum muss Abb. 110 Städtebauliche Flächenkulisse wald 28,5% 14,9% 4,3% 5,5% 1,3% 33,1% 9,7% 2,7% Schutzgebiete Landwirtschaft Gewässer Parkanlage Zweckgeb. Grünfl. Straßenbegleitgrün Siedlungsfläche Verkehrsflächen 50,2%Seite 41 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht35bgmr Landschaftsarchitekten 100% Stadtfläche Bonn 100% Stadtfläche Karlsruhe 100% Stadtfläche Münster 100% Stadtfläche Mannheim 100% Stadtfläche Bielefeld 16,3% 3,2% 7,3% 43,7% 12,5% 20,8% 7,4% 5,7% 23,8% 33,4% 25,6% 28,5% 9,6%14,9% Datenquellen: IFS Monitoring 2017, Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster; Stadt Mannheim, Kom- munale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022 wald Landwirtschaftsflächen Freizeit- und Erholungsflächen (Park- und Grünflächen, Spielplätze, Kleingartenanalgen, Friedhöfe) 22,6% Abb. 111 Städtevergleich Grüne infrastrukturSeite 42 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht36bgmr Landschaftsarchitekten weit mehr leisten. die herausforderungen sozialer teil- habe und Stadtwachstum sowie Ökologie, Klimaan- passung, gesunde Ernährung und biologischen Vielfalt stellen ihre Anforderungen an die städtische Freiraum- struktur. Umso wichtiger ist es den Blick zu weiten und auch die grauen Flächen und privaten und öffentlichen Baufeldflächen im Sinne der Freiraumentwicklung zu betrachten. Graue Infrastruktur - Verkehrsflächen Kommunale Verkehrsplanung war lange Zeit einsei- tig auf das Automobil ausgerichtet. Ziel war die auto- gerechte Stadt, die unbegrenzte PKW-Mobilität für alle Bürger*innen. Doch die Städte und Gemeinden litten zunehmend unter den Auswirkungen von immer mehr Straßen, Verkehrslärm, Parkplätzen und später dann der daraus resultierenden Umwelt- und Luftver- schmutzung. Die Fläche für verkehrliche Infrastruktur entspricht 9,7 % der Gesamtfläche. Entsprechend ist das heutige Stadtbild in Bereichen noch von breiten Straßenquerschnitten geprägt. Dies birgt entsprechend großes Potential einerseits für den Umweltverbund (Fuß-, Radverkehr und ÖPNV), der in den Mittelpunkt der heutigen Verkehrsplanung rückt, als auch für eine Grün-Blaue Umgestaltung von Verkehrsräumen. Siedlungsfläche: private und öffentliche Bauflächen 33,1 % der Gesamtfläche der Stadt Bonn sind bebaute Fläche einschließlich der dazugehörigen Freiflächen auf den Grundstücken. Diese Flächenkulisse umfasst die Oberfläche der über Jahrhunderte gewachsenen gebauten Stadtstruktur. Betrachtungsgegenstand sind die Wohnbauflächen, gewerblichen Bauflächen und Flächen der öffentlichen Infrastruktur, wie Schulen oder Verwaltungsgebäude. Die Struktur, bedingt durch das historische Stadtwachs- tum, orientiert sich entlang des Rheins und entlang der Hänge des Kottenforstes und des Siebengebirges. Bonn ist durch drei verdichtete Zentren geprägt, die heutige Altstadt, als Hauptzentrum, ergänzt durch die Zentren Beuel und Bad godesberg. in diesen Bereichen erhöht sich der Anteil an verdichteter Block- und Randbebau- ung mit entsprechend geringen Anteilen an grünen Grundstücksflächen. Die Block- und Randbebauung (12,2 %) und die verdichtete gemischte Bebauung (16,0 %) weisen einen relativ geringen Anteil auf. Die vorwie- gende Bebauungsstruktur in Bonn wird geprägt durch Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser. Diese machen 46,9 % der bebauten Flächen aus. Entsprechend ist der Anteil an privaten Freiflächen, die grün gestaltet sind oder das Potential dafür haben, sehr groß. Eine weitere erhebliche Flächenkulissen bilden die Gewerbegebiete mit 25% der bebauten Flächen. Relevant bei der zukünftigen Freiraumentwicklung sind neben den ebenerdigen Flächen (Hinterhöfe, Schul- höfe, Abstandsgrün Zeilenbebauung und Restflächen und Abstandsgrün innerhalb der Gewerbeflächen) ebenso die Dächer und Fassaden der Gebäude.Seite 43 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht37bgmr Landschaftsarchitekten wohnnutzung und Mischnutzung (Einwohnerdichte pro Baufeld nimmt von hell zu dunkel zu) Gewerbe Dienstleistung, Verwaltung und (soziale) infrastruktur Abb. 112 Städtebauliche nutzungen nach wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Verwaltung und (soziale) infrastrukturSeite 44 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht38bgmr Landschaftsarchitekten 4. HERAuSFORDERuNGEN FüR DIE BONNER FREIRAuMENTWIcKLuNG Die vielschichtigen Freiräume Bonns (vgl. Kapitel 3) tragen zum grünen Charakter der Stadt bei und bieten unterschiedliche Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten für die Bonner*innen. Gleichzeitig steht die Stadt- und Freiraumentwicklung vor großen Herausforderungen, wie Verdichtung, klimafolgen, artensterben oder demo- grafischen Veränderungen, denen auf knappen Flä- chen begegnet werden muss. Eine zukunftsorientierte Freiraumentwicklung betrachtet deshalb die gesamte mehrdimensionale Oberfläche der Stadt und bezieht diese in die Freiraumentwicklung mit ein. Hierbei ist die graue Infrastruktur, wie Straßen, Stellplätze sowie Dächer und Fassaden, die letzte große Flächenreserve für ein mehr an grün in der dicht bebauten stadt. dieses Freiraumverständnis sowie die Analyseergebnisse der Stadt- und Freiraumstruktur und Erkenntnisse aus dem Urban Mapping bilden die Grundlage für dieses Kapitel. Bonns Stadt- und Freiraumentwicklung wird beeinflusst durch eine Vielzahl an rahmenbedingungen. gleichzei- tig wird jede Stadt durch übergeordnete nationale oder auch internationale Megatrends beeinflusst. Sie stellen die Stadt vor spezifische Herausforderungen, die mit eigenen Strategien innerhalb der spezifischen Stadt- und Freiraumstruktur gelöst werden müssen. + Stadtwachstum und Freiraum + Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben + Klimaanpassung und Ressourcenschutz + Sport, Bewegung und Gesundheit + Vielfältige Freiraumansprüche auf knappen Flächen sind solche Trends, die derzeit die städtische Freiraum- entwicklung fordern und vor erhebliche Aufgaben stellen. im Folgenden werden zu diesen trends die her- ausforderungen und daraus entstehende aufgaben der Bonner Freiraumentwicklung erläutert. 4.1 StADtwAchStuM unD FrEirAuM Bonn ist im Vergleich mit anderen Städten ähnlicher Einwohnerzahl relativ dicht bebaut und wächst zudem weiter. in der stadt leben 335.975 menschen (stand 2022) auf 141 Quadratkilometern. Das entspricht einer Einwohnerdichte von 24 EW/ha und einer höheren Dichte mit vergleichbaren Städten, wie Karlsruhe, Mün- ster, mannheim und Bielefeld. in der siedlungsdichte liegt Bonn mit 72 EW/ha leicht unter Karlsruhe (siehe abbildungen 113 und 114). im Vergleich ist jedoch keine der hier betrachteten Städte so dicht besiedelt wie diese beiden. Freiraumverfügbarkeit In Bonn stehen pro Einwohner*in 23 m2 öffentlich zugängliche Grünflächen zur Verfügung. Dies entspricht in etwa den empfohlenen Orientierungswerten für die Gesamtversorgung mit erholungswirksamen öffentli- chen Grünflächen des Bundesamtes für Naturschutz 2023 (24 m²/EW): „Stadtnatur erfassen, schützen, ent- wickeln: Orientierungswerte und Kenngrößen für das öffentliche Grün“.1 Die Verfügbarkeit mit Erholungsflä- che pro Einwohner*in liegt mit 40 m2/EW im mittleren Bereich. entscheidend für die Freiraumverfügbarkeit ist die Betrachtung der Verteilung der Flächen im Stadt- gebiet und der Erreichbarkeit. Das Monitoring zum IFS 2017 hat die Versorgung und Erreichbarkeit von Grün- flächen und auch erweiterten Freiräumen (gesamte Grüne Infrastruktur) analysiert. Diese zeigt eine man- gelnde Erreichbarkeit von kleinen Grünflächen bei einer Entfernung von (Luftlinie) 250 m insbesondere in Bereichen der dichter bebauten innenstadtlagen und Wohnstandorte ohne viel privates Grün. Größere 1 Bundesstadt Bonn: Bericht zum Freiraum Monitoring der Bundes- stadt Bonn 2017; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Bundesamt für Naturschutz/Difu): „Stadtnatur erfassen, schützen ,entwickeln: Orientierungswerte und Kenngrößen für das öffentliche Grün – Natur- schutzfachliche Begleitung der umsetzung des Masterplans Stadtnatur: Schlussbe- richt BFN-Schriften 653/2023) Mehrfache Innenentwicklung Dem integrierten Entwicklungsprinzip der „Mehrfachen Innenentwicklung“ entsprechend soll eine bauliche und funktionale Innenentwicklung (im Sinne einer kompakten Stadt der kurzen Wege) mit einer Ergänzung und Qualifizierung des Grüns sowie mit einer Erhöhung der klimaschonenden Mobilitätsoptionen kombi- niert werden, um die möglichen negativen Folgen baulicher Verdichtung (Versiegelung, Verkehrsaufkom- men, Verletzlichkeit im Zuge des Klimawandels) von vornherein zu minimieren. So verstanden ermöglicht die „Mehrfache Innenentwicklung“ die Umsetzung von ortsangepassten baulichen und funktionalen Dichten und gleichzeitig die Chance, die Quantität und Qualität des Freiraums zu erhöhen, die Mobilitätsangebote vor Ort zu optimieren und einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten. (Quelle: Agglomerationsprogramm Region Köln/Bonn (2021))Seite 45 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht39bgmr Landschaftsarchitekten Bonn 2021 24 EW/ha EW: 335.975 Bonn 2021 72 EW/ha karlsruhe 2020 17 EW/ha EW: 229.785 karlsruhe 2020 74 EW/ha Münster 2021 10 EW/ha EW: 316.403 Münster 2021 73 EW/ha Mannheim 2021 22 EW/ha EW: 326.008 Mannheim 2021 80 EW/ha Bielefeld 2020 13 EW/ha EW: 339.419 Bielefeld 2020 59 EW/ha Abb. 113 Einwohnerdichte fünf deutscher Großstädte in Einwohner*innen/ha Gesamtstadtfläche Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster; Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022 Abb. 114 Siedlungsdichte fünf deutscher Großstädte in Einwohner*innen/ha bebauter Fläche der Stadt Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster; Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022 Abb. 115 Freiraumdichte in Quadratmeter pro Einwohner*in Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster; Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022 40 Erholungsflächen Landwirtschaftsflächen wälder Wasserflächen 42 131 148 23 30 33 106 56 23 43 254 158 5 419 156 19 63 120 18 Bonn karlsruhe Münster Mannheim BielefeldSeite 46 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht40bgmr Landschaftsarchitekten Grünflächen werden besonders gut entlang der Rhein- schiene erreicht. Gleichzeitig wird mit der Analyse der erweiterten Freiraume sichtbar, welche bedeutende Rolle die Wälder und landwirtschaftlichen Flächen für die Erholung haben. Die gute Freiraumversorgung nahezu stadtweit ist auf diese Flächenkulisse zurück- zuführen. Defizite entstehen zum großen Teil aufgrund Barrierewirkungen der Verkehrsinfrastruktur oder großflächiger Gewerbegebiete die eine Erreichbarkeit erschweren. Mehrfache Innenentwicklung Bonn ist bestrebt seine Innenentwicklungspotentiale unter dem Ansatz der mehrfachen Innenentwicklung auszuschöpfen. Das bringt aber auch gesteigerte Anfor- derungen an die Freiräume, besonders in den ohnehin schon dichteren innerstädtischen Quartieren, mit sich. die herausforderung wird daher sein, die strategie der mehrfachen Innenentwicklung zu stärken. Somit muss die Verdichtung der Stadt gleichzeitig mit einer quali- fizierten Grünentwicklung einhergehen sowie einem Erhöhen der klimaschonenden Mobilitätsoptionen. das beinhaltet − die Sicherung und Qualifizierung von öffentli- chen Grünflächen, insbesondere im verdichteten siedlungsraum, − die Schaffung von neuen kleineren grünen Oasen, − die Nutzung der bebauten Oberfläche der Stadt in Form von Dach- und Fassadenbegrünung, − die Qualifizierung der Straßenräume hinsichtlich der Aufenthaltsqualität und Grünausstattung sowie − das Konzept „Stadt der kurzen Wege“ und damit eine Veränderung des Modal Split zugunsten der Langsamverkehre und − das Konzept der Schwammstadt mit einer wasser- sensiblen und hitzevorsorgenden Gestaltung der Oberfläche der Stadtlandschaft. So kann mit mehrfacher Innenentwicklung die Stadt dichter, aber gleichzeitig grüner werden, indem neue Grünpotentiale erschlossen und bestehende qualifi- ziert werden. Druck auf Außenflächen steigt Bonn profitiert von seinen großen Landschaftsräu- men, wie z.B. dem Kottenforst, dem Ennert und der Siegaue. Durch den Siedlungsdruck und die knapper werdenden Innenentwicklungsflächen wird ein starker Druck auf die Ränder der Stadt ausgeübt, besonders auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, wie etwa das von Siedlungsfläche umschlossene Meßdorfer Feld. Die Landwirtschaftsflächen machen mit 14,9 % an der Gesamtfläche in Bonn bereits einen sehr geringen Teil der Flächen im Vergleich zu anderen Städten aus. Zurückzuführen ist dies auf die dicht besiedelte Region Köln/Bonn. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung über die letzten 20 Jahre kontinuierlich gestiegen ist.2 dies gilt für die gesamte Region, entsprechend herrscht ein hoher Siedlungsdruck und daraus resultierend ein hoher Druck auf die Landschaftsräume. darüber hinaus wachsen auch die umliegenden nach- bargemeinden und weisen neues Bauland aus. somit rücken die angrenzenden Kommunen mit ihren Sied- lungsbereichen immer näher an das Bonner Stadtge- biet heran. Das Projekt Grünes C hat diese Problematik aufgegriffen und über die Definition einer interkommu- nalen Gebietskulisse den verbleibenden Freiraum zwi- schen den Siedlungen erhalten und weiterentwickelt. Auch der Klimaschutz trägt einen Beitrag zum Druck auf die Außenflächen bei. Bei der Standortsuche für erneu- erbare Energien, wie Photovoltaikanlagen und Winden- ergie, werden große Freiflächen benötigt. 2 Bundesstadt Bonn: Bevölkerungsstatistik (Mai 2020) Abb. 116 Suchräume für Städtebauprojekte (kreise) und Planungsumgriff Rahmenplanung Bundesviertel (Umrandung)Seite 47 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht41bgmr Landschaftsarchitekten Wo möglich, Mehrfachnutzung daraus ergeben sich aufgaben für die Freiraument- wicklung für die kommenden Jahre. Vorhandene Flä- chen, die der wohnortnahen erholung dienen, gilt es besonders zu sichern und zu qualifizieren. Strategien der Multicodierung von Flächen sind hier von besonde- rer Bedeutung. Wesentlich wird eine vorausschauende Freiflächenpolitik sein, die bei dem prognostizierten Stadtwachstum eine zukünftige Freiraumentwicklung ermöglicht und die insbesondere auch den ausbau und die Qualifizierung von innerstädtischen Grünflächen und Wegenetzen, die den dicht bebauten Bereichen gut zugeordnet sind, weiterbefördert. Bei knappen Flächen werden Mehrfachnutzungen anzustreben sein, Nischen (z.B. Pocket Parks) müssen aktiviert, Dächer, Stellplätze und Straßen hinsichtlich der Freiflächenfunktionen qualifiziert werden. Ener- giegewinnung durch PV kann mit Dachbegrünung wie auch mit landwirtschaftlichen Nutzungen kombiniert werden. Weitere Freiraumpotentiale sind zu erkunden und zu heben. die Bezüge in die region werden zu qua- lifizieren sein und die schon gute Zusammenarbeit (Bei- spiel Grünes C) noch stärker ausgebaut werden. Herausforderungen „Stadtwachstum und Freiraum“ + Bonn ist eine wachsende stadt + Bonn liegt in einem regionalen Wachstumsraum + Mehrfache Innenentwicklung unter der Prä- misse von hohen Freiraumqualitäten + Druck auf landwirtschaftliche Flächen durch Bevölkerungsanstieg und Energiewende + Übernutzung vorhandener Flächen, Eventisie- rung des Freiraums + Konflikte Naturschutz/ Erholungsnutzung Aufgaben „Stadtwachstum und Freiraum“ + Erhalt, Sicherung und Pflege der grünen Infrastruktur + Qualifizierung/Profilierung: Freiraumqualifizierung/-profilierung: (z.B. Po- ket Parks als kleine grüne Oasen qualifizieren) + Entwickeln: im Huckepack mit städtebaulichen Entwicklungen Freiräume schaffen + Aktivierung und Mehrfachnutzung insbe- sondere vorhandener „grauer“ Flächen (z.B. Straßen, Dächer, Fassaden, Stellflächen) + Kooperieren: Freiraumpotentiale von halböf- fentlichen Flächen nutzen und ausbauen (z.B. Schulhöfe, institutionelles Grün) + Vernetzung: neue Wege in die Landschaft her- stellen und vorhandene qualifizieren + Regional Verflechten: regionale zusammenar- beit weiter ausbauenSeite 48 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht42bgmr Landschaftsarchitekten 4.2 BiODiVErSität, ArtEnSchutZ unD nAturErLEBEn Bonn sichert mit ca. 7.100 ha Schutzgebieten nach dem naturschutzrecht1 eine reiche Auswahl an Naturräu- men in der Stadt, dies entspricht rund der Hälfte des Stadtgebiets. Die Schutzgebiete sind wichtiger Bestand- teil des Biotopverbundsystems NRW. Die charakteristi- schen, naturräumlichen Strukturen bildet neben dem Kottenforst, dem Siebengebirge (Ennert) und dem FFH- gebiet siegaue der rhein, der in süd-nord-richtung zentral durch das Stadtgebiet verläuft. Die ausgewiesenen Schutzgebiete decken nur einen Teil der für Biodiversitätssicherung und Naturerleben bedeutsamen Flächen ab. Stadt und Natur in räumli- cher Nähe sind ein Merkmal städtischer Lebensquali- tät, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dies macht sich durch den steigenden Nutzungsdruck auf die unterschiedlichen Freiflächen in Bonn bemerkbar. Eine zunehmende Eventisierung von Grünflächen stellt die Stadt vor neue Herausforderungen. Biodiversität als Zukunftsaufgabe Für eine zukunftsfähige Freiraumentwicklung wird neben den schutzgebieten die gesamte stadt im sinne der Biodiversität mit einbezogen. Mit dem Wiesenpro- gramm im rahmen des Labels stadtgrün naturnah ist Bonn dahingehend erste Schritte gegangen und auch durch das amt für umwelt und stadtgrün werden diverse Wiesenflächen extensiv in der Stadt gepflegt. In den dichten stark versiegelten Innenbereichen Alt- stadt und Zentrum Beuel sind weitere innovative Maß- nahmen im Bestand auf knappen Flächen gefragt, z.B. Dachbegrünung als Biodiversitätsdach und Fassaden- begrünung, (teil-)entsiegelungen oder eine artenreiche Grünausstattung auch auf kleinen Grünflächen und der Begrünung von Abstandsflächen und Verkehrsgrün. Artenschutz Bei vielen geschützten und schützenswerten Arten sind im Stadtgebiet negative Bestandsentwicklungen zu verzeichnen. In letzter Zeit sind auch bei den Arten der offenen Feldflur, deren Bestände lange Zeit als stabil galten, teilweise starke Rückgänge festzustellen. das stadtgebiet der Bundesstadt Bonn umfasst insbe- sondere im Norden und Westen noch Freiflächen, die acker- und gemüsebaulich oder als Grünland genutzt werden. ebenfalls in diesem Bereich gibt es zuneh- mend Flächen, die der naturschutzfachlichen Kompen- sation von Bebauungsplänen und Straßenbauprojekten 1 Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete und geschützte Land- schaftsbestandteile, einschließlich FFH-Gebiete dienen und somit langfristig dem Natur- und Arten- schutz nutzen sollen.2 Der Artenschutz ist bei der Stadtentwicklung und der Bauleitplanung in den vergangenen Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. Dies sollte weiter fortgeführt und verstetigt werden. Wildtierfreundliche Gestaltung Unter dem Begriff der wildtierfreundlichen Gestaltung wird eine Strategie verstanden, die das Schaffen von Wohnraum und die städtebauliche Entwicklung mit der Entwicklung von Habitaten für Tiere verknüpft. Im Huckepack der Stadtentwicklung werden gleichzeitig ‚Wohnungen‘ für Tiere in der Stadt angelegt. Bestimmte gebäudebrütende Vögel, Fledermäuse, Amphibien, Reptilien und Insekten können im städtischen Kontext gute Lebensbedingungen finden, wenn bestimmte Anforderungen von Arten an ihre Umwelt berück- sichtig werden. Dazu zählt nicht nur der ‚Wohnraum‘ einer art sondern die gesamtheit aller anforderungen (Fortpflanzungs- & Ruhestätten, Lebensraumstruktu- ren, nahrungsangebote etc.) an ihren Lebensraum. Das Konzept der wildtierfreundlichen Gestaltung plant diese Anforderungen entsprechend dem Jahreszyklus der jeweiligen Leitarten mit. Gewässer als Orte der Biodiversität Die Gewässerlandschaften, sprich die zahlreichen klei- nen und großen Bäche und der Rhein, bieten wichtige Lebensräume für Flora und Fauna und sind bedeu- tende Verbundräume aufgrund ihrer linearen Ausprä- gung. Mit dem Bachentwicklungsplan von 2008 und der geplanten Gewässerentwicklungen im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie wurden bereits einige Maßnahmen für den Erhalt und die Neuanlage von gewässerbezogenen Lebensräumen umgesetzt, z.B. renaturierungsmaßnahmen am Lengsdorfer Bach, Vili- cher Bach oder holtdorfer Bach. solche maßnahmen der Gewässerentwicklung bieten sich auch an, diese mit der Freiraumentwicklung und dem Landschaftser- leben zu verknüpfen. Naturerfahrung in der Stadt Naturerleben kann in den großen Landschaftsräumen der Siegaue oder dem Kottenforst erfolgen, aber auch in kleinen Räumen im besiedelten Gebiet, wie z.B. die düne tannenbusch. orte des naturerlebens einladend zu gestalten, sind Aufgaben der Freiraumplanung. Gleichzeitig müssen durch eine geschickte Lenkung der Erholungssuchenden und attraktive alternative 2 Artenschutzkonzept Bonn Nord-West (2017)Seite 49 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht43bgmr Landschaftsarchitekten Abb. 117 Biodiversität und Schutzgebiete naturnaher Spielplatz Obstlehrpfad Lehrpfad der Artenvielfalt in der Stadt naturbeobachtungsstelle haus der natur Wildtiergehege Achtsamkeitspfad naturschutzgebiet Landschaftsschutzgebiet FFH-Gebiet Streuobstwiesen wiesenprogramm (aus Label StadtGrün der Stadt Bonn) Artenreiche Staudenbeete, Säume, Blühinseln, hecken, Biotopelemente (aus Label StadtGrün der Stadt Bonn)Seite 50 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht44bgmr Landschaftsarchitekten Angebote Konflikte zwischen Erholungssuchenden, Landwirtschaft/Forsten und dem Naturschutz reduziert werden. Auch die 38 Streuobstwiesen, welche sich an den Rän- dern der Siedlungsbereiche konzentrieren, tragen zum naturerleben in der stadt bei. zudem hat die stadt Bonn mit dem Haus der Natur und den Naturlehrpfaden neue Angebote für die Naturbildung geschaffen. herausforderung ist es, das naturerleben sowie auch die naturbildung in die dicht besiedelten Bereiche der Stadt zu bringen. Dazu dienen auch kleinere begrünte Flächen, die auf Schulhöfen, Sportanlagen oder in Parks als Rückzugsräume genutzt werden können. Herausforderungen „Biodiversität, Arten- schutz und Naturerleben“ + dichte stadt – grüne stadt? + artensterben + Biologische Vielfalt im dicht besiedelten raum + Biotopverbund + teilhabe und naturerleben + Nutzungsdruck auf Flächen Aufgaben „Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben“ + Förderung der Biodiversität, Arten- und Biotopschutz + umsetzung der maßnahmen Label stadtgrün + Schutz und Koordination: Lenkungskonzepte in den wertvollen Naturräumen + Neues Stimmulieren: anreicherung der Lebensstätten in der Stadt - wildtierfreundliche gestaltungSeite 51 von 113 Bonner Freiraumplan Endbericht45bgmr Landschaftsarchitekten 4.3 kLiMAAnPASSunG unD rESSOurcEnSchutZ Der Klimawandel stellt die Städte vor immer größere Herausforderungen, die schon heute zu spüren sind. Das bedeutet eine Zunahme: − von lokalen Starkregenereignissen − von längeren Trockenperioden − der anzahl der sommer- und hitzetage und − der Nächte mit einer Temperatur von über 20°C (Tropennächte). Derzeit werden für Bonn mit dem MUTABOR-Projekt Szenarien basierte Klimaanpassungsmaßnahmen unter- sucht und der Anpassungseffekt bewertet. Grundlagen zur aktuellen Situation des Stadtklimas und planungsre- levante Hinweise liefern die Analyseergebnisse/-karten der Stadtklimaanalyse ZURES aus dem Jahr 2018. Freiräume sind Kühlräume Mit den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und besonders mit den Wäldern und Bachtälern, die sich bis in die Stadt ziehen, verfügt Bonn über große nächtliche Kalt- und Frischluftentstehungsgebiete am Stadtrand. Zudem bieten die größeren innerstädtischen Grün- und Freiflä- chen ein hohes bis sehr hohes Ausgleichspotential an Hit- zetagen. In den hochverdichteten Bereichen, wie z.B. der altstadt oder im zentrum Beuel fehlen diese großen ent- lastungsräume. Dies wirkt sich besonders auf vulnerable Gruppen aus, welche von der steigenden Hitze- und Trok- kenbelastung zusätzlich belastet und eingeschränkt sind. Hier werden kleine Freiräume, begrünte Hinterhöfe und klimaangepasster Straßenraum immer bedeutsamer. Bäume als kühlende Elemente Eine wichtige Rolle im Stadtraum nehmen die Bäume ein, diese können die Temperatur in der Stadt beson- ders stark beeinflussen. Neben der stadtgestalterischen Bedeutung spenden Bäume Schatten und reduzie- ren ein extremes aufheizen von versiegelten Flächen. Stadtbäume können mit ihren Wurzeln viel Wasser aufnehmen. Ein mittelalter Stadtbaum verdunstet ca. 200 l Wasser an einem sommerlichen tag. durch Ver- dunstung entsteht vor allem während der warmen Jahreszeit ein größerer Kühlungseffekt in den dichtbe- siedelten Bereichen, wenn die Bäume auch Wasser zur Verdunstung haben (nutzbare Feldkapazität). Anstelle der schnellen ableitung des regenwassers in die kana- lisation sollte vermehrt darauf hingewirkt werden, dass das Regenwasser für die Wasserversorgung der Bäume genutzt wird. hierbei ist darauf zu achten, dass bei der nutzung des regenwassers als ressource für den stadtbaum anforderungen in Bezug auf Wasserquali- tät, Menge, Verteilung im Jahresgang sowie Sicherung guter Wuchsbedingungen und Artenwahl zu berück- sichtigen sind. Derzeit prägen rund 30.000 Straßenbäume das Bonner Stadtbild. Im 2023 vorgelegten Baumkonzept der Stadt wurden fast 800 neue potentielle Standorte für Stra- ßenbäume in elf Stadtteilen mit besonderem Bedarf ermittelt werden. Ein darin enthaltener Exkurs zum thema regenwasser macht nochmal deutlich, dass bei der Planung und Umsetzung das Zusammenspiel von Stadt- und Grünplanung, Siedlungswasserwirtschaft und Tiefbau eine wichtige Stellschraube ist Wasser als Ressource: Schwammstadt und Schwammlandschaft Wasser ist ein Lebensmittel, das in Bonn in zwei Grund- wasserwerken in der Siegaue und zum überwiegenden Teil aus der Wahnbachtalsperre gefördert wird. Mit dem Klimawandel werden die hoch versiegelte und dicht bebaute Stadträume zum einen heißer und trockener, zum anderen treten zunehmend Starkregenereignissen auf, die zu Überflutungen führen können. Gleichzeitig wird fast im gesamten Stadtgebiet das Regenwasser in der Mischwasserkanalisation abgeführt und steht nicht mehr − zur Verdunstung und kühlung der stadt − zur Versorgung der Vegetation, insbesondere für Bäume mit Wasser in Hitzeperioden − zur Versickerung und damit zur Stärkung des Landschaftswasserhaushalts und der grundwasserneubildung zur Verfügung. Deshalb bedarf es zukunftsweisender, integrierter Kon- zepte im Sinne der wass
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 20:46 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de