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231965 · Beschlussvorlage

Beschluss zum Bonner Freiraumplan

Nummer
231965
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
19.12.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 31.10.2024 Empfehlung
  2. Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg 04.06.2024 Anhörung
  3. Sitzung der Bezirksvertretung Beuel 24.01.2024 Anhörung
  4. Sitzung der Bezirksvertretung Bonn 27.02.2024 Anhörung
  5. Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg 05.06.2024 Anhörung
  6. Sitzung des Rates 12.11.2024 Entscheidung federführend
  7. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 20.11.2024 Empfehlung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 21 MB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 231965-03 AA BBB-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan
  2. 231965-04 AA BBB-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan
  3. 231965-08 ST Bonner Freiraumplan Hier: Gesamtstellungnahme zu den Änderungsanträgen und Fragen aus den Ausschüssen
  4. 231965-12 AA Änderungsantrag der Koalition - Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  5. 231965-13 AA BBB-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan
  6. 231965-07 AA CDU-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  7. 231965-06 ST Kurzfassung zum Bonner Freiraumplan
  8. 231965-01 AA FDP-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  9. 231965-05 AA CDU-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  10. 231965-16 ST Beschluss zum Bonner Freiraumplan hier: Stellungnahme zur DS 231965-14 - Große Anfrage BBB
  11. 231965-09 AA 2. FDP-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  12. 231965-14 BBB-Anfrage: Beschluss zum Bonner Freiraumplan
  13. 231965-15 ST BBB-Anfrage: Beschluss zum Bonner Freiraumplan
  14. 231965-01 Der Bonner Freiraumplan
  15. 231965-02 AA CDU-Änderungsantrag: Beschluss zum Bonner Freiraumplan Antrag zur Vorlage 231965
  16. 231965-11 ST Beschluss zum Bonner Freiraumplan - Ergänzende Stellungnahme zur Maßgabe der BV Hardtberg vom 16.04.2024

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Beschlussvorlage
öffentlich
231965
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Beschluss zum Bonner Freiraumplan
Beratungsfolge
Bezirksvertretung Hardtberg 16.01.2024 Anhörung
Bezirksvertretung Bad Godesberg 17.01.2024 Anhörung
Bezirksvertretung Beuel 24.01.2024 Anhörung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 24.01.2024 Empfehlung
Bezirksvertretung Bonn 30.01.2024 Anhörung
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
31.01.2024 Empfehlung
Rat 14.03.2024 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Der Bonner Freiraumplan löst das Integrierte Freiraumsystem 2012 (vgl.
Beschluss DS-Nr. 1313742) als Abwägungsgrundlage für alle
raumwirksamen Planungen ab. Er wird zukünftig, vergleichbar mit
einem Grünordnungsplan in der Bauleitplanung, als informelles
Instrument auf Maßstabsebene des Flächennutzungsplans wirksam.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die im Aktionsplan des Bonner
Freiraumplans priorisierten Schlüsselmaßnahmen innerhalb der
kommenden fünf Jahre anzustoßen.
Begründung
Unter der DS Nr. 211743 hat die Verwaltung über die Aufstellung des Bonner
Freiraumplans als Weiterentwicklung der Integrierten Freiraumentwicklung
berichtet.
Das von der Verwaltung beauftragte Planungsbüro bgmr
Landschaftsarchitekten aus Berlin hat im November 2022 den Zwischenbericht
im AUKLA vorgestellt und den Bericht in Schriftform mit DS-Nr. 221831 den
Gremien vorgelegt.
Der nun vorliegende Endbericht liegt zur ersten Lesung in der ersten
Sitzungsrunde in 2024 im Januar den politischen Gremien zur ersten Beratung
vor. Seitens des Planungsbüros ist eine einmalige und ausführliche
Präsentation im Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda am
31.01.2024 vorgesehen, an der sowohl im Ratssaal als auch per Stream
teilgenommen werden kann.Seite 1 von 113
Seite 2
Der Bonner Freiraumplan ist eine Dachstrategie für die gesamtstädtische
Freiraumentwicklung, die das vorhandene IFS 2012 ablöst und neben dem
unbebauten Außenbereich den bebauten Innenbereich integriert. Er gibt zudem
Anregungen für aktuelle Herausforderungen wie Flächenkonkurrenz durch
Bevölkerungswachstum, demografischen Wandel, Natur- und
Landschaftsschutz sowie Klimafolgeanpassung. Durch Entwicklungsziele für
Leitbildthemen werden Visionen und Lösungsansätze für die kommenden
Jahrzehnte formuliert.
Ende 2021 startete der Planungsprozess des „Bonner Freiraumplans“. Der
Erarbeitung des Konzeptes lagen folgende Arbeitsschritte zugrunde:
• Grundlagenermittlung
• Ortsbegehungen
• Analyse der Stärken und Schwächen der Bonner Freiräume
• Ermittlung von Trends und Herausforderungen
• Entwicklung von 3 Leitbildthemen
• Grün- und Freiflächenkonzept im Maßstab 1:15.000
• Implementierung und Aktionsplan
Ergänzend wurde ein Beteiligungskonzept erarbeitet (DS-Nr. 221037), das im
Juni 2022 vom Ausschuss für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger
beschlossen wurde. Die begleitende Beteiligung und Kommunikation erfolgte
parallel zur Erstellung des Bonner Freiraumplans auf den Ebenen der
Verwaltung, der Politik und der Öffentlichkeit.
Von Seiten der Verwaltung wurde eine ämterübergreifende Steuerungsgruppe
mit Vertretungen aus den verschiedenen involvierten Fachdienststellen der
Verwaltung unter Federführung von 67-2 etabliert, die insgesamt fünfmal tagte.
Die Beteiligung der Öffentlichkeit bestand aus drei Säulen. Es fanden neben
Stadtteilspaziergängen in den 4 Stadtbezirken eine Onlinebefragung und
jeweils zwei Workshop-Termine mit Stakeholder-Gruppen statt. Eine detaillierte
Beschreibung steht unter dem folgenden Link zur Verfügung: https://bonn-
macht-mit.de/archiv/node/8288.html#uip-1
Die Ergebnisse der umfangreichen Zusammenarbeit und Beteiligung flossen in
die Erstellung eines Entwicklungskonzeptes und der dazugehörigen Plankarte
im Maßstab 1:15.000 ein. Das Konzept setzt sich zusammen aus den 3
Leitbildthemen „Starke Landschaften“, „Blau-Grüne Netze“ und „Grüne Viertel“.
Diese definieren Entwicklungsschwerpunkte und benennen Entwicklungsziele
für verschiedene Orte/Handlungsräume innerhalb des Stadtgebietes. Für alle
Leitbildthemen gelten zudem Querschnittsziele aus den Bereichen des
Klimaschutzes, der Biodiversität, der Teilhabe/Inklusion sowie der Beteiligung.
Bei Fragen der Stadt- und Freiraumentwicklung wird dank der langjährigen
Anwendung des IFS als informelle Abwägungsgrundlage in der Stadt Bonn
bereits interdisziplinär zusammengearbeitet. Diese Vorgehensweise möchte
der Freiraumplan als Dachstrategie beibehalten und ausbauen. Im Vergleich
zum IFS beschränkt sich der Freiraumplan nicht nur auf die Darstellung des
Status Quo und allgemeiner Ziele, sondern zeigt detailliertere
Entwicklungsziele und -potenziale auf. Zudem wird auch der baulicheSeite 2 von 113
Seite 3
Innenbereich als Potenzialraum für Freiraumentwicklung mit einbezogen. Um
die gesetzten Ziele zu erreichen, zeigt er ein umfassendes Bündel an
Strategien, Maßnahmen und Projekten auf.
Um hierzu fachämterübergreifende Antworten und Empfehlungen für die
Entwicklung der Freiräume zu geben, bezieht der Freiraumplan in seinen
Handlungsempfehlungen bereits für die Stadt- und Freiflächenentwicklung
relevante städtische Konzepte wie MUTABOR (DS 230235, 231924), das
Schwammstadtkonzept (DS 230255-01) und das Stadtbaumkonzept (DS
230524), aber auch die Spielplatzbedarfsplanung (DS 230055), das
Spielflächenkonzept (DS 230056) und die Sportentwicklungsplanung (DS
190476) mit ein.
Zu 1)
Für die Umsetzung bedarf es des Einsatzes zahlreicher Instrumente. Dies sind
zum einen die steuernden Instrumente nach dem Naturschutzgesetz wie z.B.
Landschaftsplanung. So sieht der Freiraumplan die Fortschreibung der
Landschaftspläne als Notwendigkeit an, um den baulichen Außenbereich bei
zunehmendem Flächendruck und Herausforderungen der Klimaanpassung
weiter zu stärken.
Bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, etwa aus dem Baugesetzbuch (z.B.
Bauleitplanung, Sanierung) oder dem Erneuerbare-Energie-Gesetz (PV, Wind),
fordert der Freiraumplan eine Kopplung an einen Mehrwert für Landschaft,
Klima, Biodiversität und Freiraum. Er zeigt hier Potenziale für die Anwendung
und Erweiterung der bereits in der Praxis angewendeten Instrumente und
Planwerke auf.
So werden etwa die frühzeitige Berücksichtigung freiraumspezifischer Belange
bei Wettbewerbsverfahren oder städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen, die
Fortschreibung der Checkliste Nachhaltige Planung und die Einführung des
qualifizierten Freiflächengestaltungsplans im Baugenehmigungsverfahren
empfohlen.
Bei der Erarbeitung des Freiraumplans erfolgte ein Abgleich mit dem
Flächennutzungsplan und laufenden städtebaulichen Planverfahren, um
mögliche Zielkonflikte auszuschließen. So bietet der Freiraumplan auch für
laufende Planungen konstruktive Hinweise für die begleitende
Freiraumentwicklung. Exemplarisch wurde dies in den Anlagen Nr. 4 und 5
dargestellt: hier wird ein Abgleich der Aussagen des Freiraumplans zu den
Zielsetzungen der Freiraumentwicklung zweier aktueller städtebaulicher
Entwicklungen vorgenommen.
Die digitale Anwendbarkeit des Freiraumplans ist mit Einführung der neue
Plattform UDM (Urban Data Management) in 2024 gesichert. Für das aktuelle
Geoinformationssystem ist eine Zwischenlösung vorgesehen, in der der
Freiraumplan als Grundlage verlinkt ist, einzelne Kartenthemen jedoch erst mit
Einführung des UDM aufrufbar sind. Auf das IFS 2012 wird auch im neuen
UDM weiterhin zugegriffen werden können.
Zu 2)Seite 3 von 113
Seite 4
Anhand eines Aktionsplanes priorisiert der Bonner Freiraumplan die konkrete
Planung von zwölf Schlüsselmaßnahmen für die kommenden fünf Jahre. Die
Maßnahmen beziehen sich auf die drei Leitbildthemen und zeigen
Handlungsschwerpunkte auf, um die jeweiligen Entwicklungsziele der
Leitbildthemen umzusetzen. Folgende Maßnahmen werden im Aktionsplan
vorgeschlagen:
1. Grünes C 2.0 - Vom Grünen C zu den Rheinlandschaften
Das Konzept beinhaltet die räumliche und inhaltliche Weiterentwicklung des
interkommunalen Freiraumprojektes Grünes C in Anbetracht neuer
Herausforderungen und geänderter Rahmenbedingungen auf regionaler
Ebene.
2. Freiraumkonzept „Rheingärten“
Das Freiraumkonzept der „Rheingärten“ für den Landschaftsraum zwischen
den Stadtteilen Auerberg, Buschdorf und Bornheim-Hersel zielt auf die
Umsetzung zahlreicher Möglichkeiten der Landschaftsentwicklung aus den
Bereichen Natur- und Artenschutz, Erholung, Klimaanpassung sowie
landwirtschaftlicher Nutzung ab.
3. Freiraumkonzept der Grünen Korridore
An drei Korridoren innerhalb des Bonner Stadtgebiets sollen die jeweils
vorhandenen Freiraumtypen zusammengeführt und durch ein grünes
Wegenetz verbunden werden. Als Pilot wird der Grüne Korridor zwischen
Kottenforst und Rhein vorgeschlagen.
4. Konzept der Blauen Netze
Im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll in enger
Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün ein Mehrwert für
Natur und Mensch geschaffen werden.
5. Das Konzept der Grünen Wege
Bei den Grünen Wegen handelt es sich um das Rad- und Fußwegenetz aus
der bebauten Stadt in die Landschaft. Die Wege sollen im Sinn des
Landschaftserlebens qualifiziert werden.
6. Schulhofoffensive
Ziel der Schulhofoffensive ist, priorisierte Schulhöfe als Pilotprojekte zu
entwickeln, um die verschiedenen Belange der Nutzbarkeit, Begrünung,
Klimaanpassung sowie Mehrfachnutzung unter Berücksichtigung der
geplanten baulichen Vorhaben auf dem Schulstandort in einer Planung
umzusetzen.
7. Freiraum-Aktionsfond
Mit dem Aktionsfond werden Finanzen für kleine Projekte aus der
Bürgerschaft zur Verfügung gestellt, um die Bürger*innen an der
Freiraumentwicklung zu beteiligen.
8. Quartierskonzepte „klimaresiliente Viertel“
In Anlehnung an die Bönnschen Viertel werden für ausgewählte Quartiere
Schwächen und Stärken in Bezug auf die Belastung durch Klimaänderung
ermittelt. Als Pilot wird das Klimaquartier Beuel vorgeschlagen.
9. Bonner Leitfaden Blau-Grüne Straßen
Der Leitfaden soll Qualitätsstandards und Anforderungen der
wassersensiblen und hitzeangepassten Straßenraumgestaltung erarbeiten.
10. Klimaangepasstes Gewerbegebiet
Aus der Entwicklung eines Modellprojektes sollen Erkenntnisse und
Hinweise zu Übertragbarkeiten auf weitere Gebiete abgeleitet werden. Das
Modellprojekt Beuel Ost könnte hier als Pilot dienen.Seite 4 von 113
Seite 5
11. Konzept Gärtnern – essbare Stadt
Um die unterschiedlichen Ansprüche des Gärtnerns zusammenzubringen,
wird ein neues Kleingartenkonzept erarbeitet, das Themen des
Gemeinschaftsgärtnerns und Grabeland aufgreift.
12. Sanierungsprogramm klimaresiliente Park- und Grünanlagen
Da Programm umfasst die Ermittlung sinnvoller und machbarer
Maßnahmen, um gebietsspezifisch die Park- und Grünanlagen der Stadt für
den Klimawandel stark zu machen.
Durch ihren Modellcharakter dienen die zwölf ausgewählten
Schlüsselmaßnahmen zum Anstoß weiterer Verfahren und können als
Grundlage für zukünftige Förderaufrufe dienen. Einige der vorgeschlagenen
Maßnahmen befinden sich bereits in der Bearbeitung (Bsp. Rheingärten, Vom
Grünen C zu den Rheinlandschaften). Einige Maßnahmen sind im sog.
Huckepackverfahren anzustoßen, d.h. im Kontext anstehender Planungen. So
kann das Konzept der Blauen Netze im Zusammenhang mit
Bachoffenlegungen und Renaturierungen im Rahmen der europäischen
Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt werden. Konzepte wie der Grüne Korridor
zwischen Kottenforst und Rhein sind jedoch gesondert anzustoßen und für die
kommende Haushaltsplanfortschreibung 25/26 anzumelden. Haushaltsmittel
sind nach Möglichkeit durch Fördermittel zu ergänzen.
Ausblick
Eine Stadt wie Bonn befindet sich in einem ständigen Veränderungs- und
Entwicklungsprozess, sich ändernde Herausforderungen, politische Vorgaben
sowie gesetzliche und gesellschaftliche Änderungen verstärken dies zudem.
Entsprechend müssen auch Konzepte wie der Bonner Freiraumplan auf sich
ändernde Bedingungen reagieren können. Um dies zu gewährleisten, gilt es,
den Bonner Freiraumplan in regelmäßigen Abständen auf Aktualität zu prüfen
und ggf. anzupassen. Eine erste Überprüfung sollte in etwa acht bis zehn
Jahren nach dem Beschluss des Konzeptes erfolgen, damit der Freiraumplan
als Dachstrategie für die gesamtstädtische Freiraumentwicklung Bonns
Antworten auf aktuelle Herausforderungen geben kann.
Anlage/n
1 Anlage 1 Grundlagenkarte (öffentlich)
2 Anlage 2 Maßnahmenkarte (öffentlich)
3 Anlage 3 Endbericht Bonner Freiraumplan (öffentlich)
4 Anlage 4 urban dot Freiraumplan (öffentlich)
5 Anlage 5 WohnPark II Freiraumplan (öffentlich)Seite 5 von 113
Anlage 1: Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan
M 1:15.000
(bezogen auf 1.300 x 1.000 mm)
Digitale Kartengrundlage:
open data Bonn (09/2021); Landschaftsmodell 50,
NRW Geoportal (07/2021)
bgmr Landschaftsarchitekten GmbH | Oktober 2023
Legende
GrundlagenkarteSeite 6 von 113
Seite 7 von 113
Bonner Freiraumplan
gesamtstädtisches FreiraumkonzeptSeite 8 von 113
Seite 9 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht3bgmr Landschaftsarchitekten
Auftraggeberin
Bundesstadt Bonn
amt für umwelt und stadtgrün
Berliner platz 2
53111 Bonn
Ansprechpartnerinnen
sandra paul
anja Büren
Auftragnehmerin
bgmr Landschaftsarchitekten GmbH
prager platz 6, 10779 Berlin
www.bgmr.de
Konzepterstellung und Projektbearbeitung
Dr. Carlo Becker
antje Bachmann
arno Walz
Andrea Benattou
Berlin, Oktober 2023
Redaktionelle Anmerkungen
Alle Bilder, Grafiken und Pläne, deren Urheberschaft und Urheberrecht nicht
beim Büro bgmr Landschaftsarchitekten GmbH oder der Bundesstadt Bonn
liegt, sind direkt im Text mit entsprechender Quellenangabe gekennzeichnet.
Titelbild
Ausschnitt Lupe: Klimaanpassung im verdichteten Stadtraum am Beispiel BeuelSeite 10 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht4bgmr LandschaftsarchitektenSeite 11 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht5bgmr Landschaftsarchitekten
inhaltsverzeichnis
1. Anlass und Methodik
1.1 Eine Dachstrategie für die Freiraumentwicklung
1.2 herangehensweise
2. Dialog
3. Portrait Freiraum Bonn
3.1 Lage und Regionale Verflechtung
3.2 Raumprägungen
3.3 Bonns Freiräume und Urban Mapping
3.4 (Status quo) Flächenanalyse
4. Herausforderungen für die Bonner Freiraumentwicklung
4.1 stadtwachstum und Freiraum
4.2 Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben
4.3 Klimaanpassung und Ressourcenschutz
4.4 Sport, Spiel, Bewegung und Gesundheit
4.5 Vielfältige Freiraumansprüche auf knappen Flächen
4.6 Fazit
5. Bonner Freiraumplan
5.1 Räumliches Leitbild
5.1.1 Starke Landschaften
5.1.2 Blau-grüne netze
5.1.3 grüne Viertel
5.2. Lupenräume
5.2.1 „Rheingärten“
5.2.2 Grüner Weg: Rhein -Melbtal
5.2.3 Grüner Korridor Kottenforst -Rhein
5.2.4 Südliche Rheinlandschaft
5.2.5 Klimaanpassung im verdichteten Stadtraum am Beispiel Beuel
6. Implementierung
Abbildungsverzeichnis
Anlagen:
Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan (M 1:15.000)
Bonner Freiraumplan (M 1:15.000)
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Bonner Freiraumplan
Endbericht6bgmr LandschaftsarchitektenSeite 13 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht
bgmr Landschaftsarchitekten 7
PRÄAMBEL
Die Bundesstadt Bonn ist eine grüne Stadt, deren
Stadtbild sich durch markante Landschaften auszeich-
net. Hierzu zählen neben den Flüssen Rhein und Sieg
samt ihren Auen die bewaldeten Berglandschaften von
Siebengebirge und Kottenforst sowie einzelne natur-
schutzfachliche Besonderheiten wie der Rodderberg
oder die Düne Tannenbusch. Auch besondere gärtne-
rische Anlagen der kurfürstlichen Zeit wie die Poppels-
dorfer Allee, der Hofgarten oder auch aus der jüngeren
Vergangenheit der große Rheinauenpark sind prägend
für die Bonner Grünräume.
Doch vor welchen Herausforderungen stehen diese
Freiräume im Kontext einer wachsenden Stadt Bonn zu
Zeiten des Klimawandels? Und wie kann die Stadtent-
wicklung darauf reagieren?
Neben der Konkurrenz um knapper werdende Flächen
für Wohnraum und Gewerbe, Freizeit, Natur- und Land-
schaftsschutz zeigen die Extremwetterlagen der letzten
Sommer in aller Deutlichkeit den Wert des städtischen
Grüns als Hitzepuffer und Wasserspeicher. Der Erhalt
und die Weiterentwicklung unserer urbanen Freiräume
sind mir daher ein wichtiges Anliegen im Sinne einer
lebenswerten Stadt. Doch wie kann das gelingen?
Bereits 1997 wurde in Bonn der Sicherung von Frei-
flächen trotz des wachstumsbedingt steigenden
Nutzungsdrucks mit der Entwicklung des Integrier-
ten Freiraumsystems (IFS) Rechnung getragen. Seit
Beschluss im Jahr 1999 dient das IFS als informelle
Abwägungsgrundlage für die Bauleitplanung. 2012
wurde das Integrierte Freiraumsystem überarbeitet
und wird, mit politischem Beschluss aus dem Jahr 2014,
bei allen flächenrelevanten Planungen berücksichtigt.
Der Schwerpunkt des IFS liegt in der Sicherung und
nachhaltigen Entwicklung der Freiflächen im baulichen
Außenbereich des Bonner Stadtgebiets. Übergeordnete
Entwicklungsstrategien mit Blick auf das gesamte Stadt-
gebiet fehlen jedoch.
Ende 2021 haben wir daher den Planungsprozess des
„Bonner Freiraumplans“ gestartet, der die Freiraum-
entwicklung der gesamten Stadtfläche, inklusive des
bebauten Innenbereichs, beinhaltet. Als Dachstra-
tegie knüpft der Freiraumplan dabei an vorhandene
steuernde Instrumente aus den Naturschutz- und
Umweltgesetzen sowie dem Baugesetzbuch und dem
Erneuerbare-Energien-Gesetz an.
Das Entwicklungskonzept im Maßstab 1:15.000 bezieht
bereits bestehende, für die Stadtentwicklung relevante
städtische Konzepte mit ein, um fachämterübergrei-
fende Antworten und Empfehlungen für die Entwick-
lung der Freiräume zu geben. Mit politischem Beschluss
löst der Bonner Freiraumplan das Integrierte Freiraum-
system 2012 als informelle Abwägungsgrundlage ab
und wird somit, vergleichbar mit einem Grünordnungs-
plan in der Bauleitplanung, als informelles Instrument
auf Maßstabsebene des Flächennutzungsplans wirk-
sam. Anhand eines Aktionsplanes priorisiert der Bonner
Freiraumplan die konkrete Planung von zwölf Schlüs-
selmaßnahmen für die kommenden fünf Jahre. Durch
ihren Modellcharakter dienen diese zum Anstoß weite-
rer Verfahren.
Für die uns hier vorliegende gute Grundlage einer
zukunftsfähigen Grün und Freiraumentwicklung der
Stadt Bonn möchte ich mich bei allen Mitarbeitenden
der unterschiedlichen Fachämter, die an dem Planungs-
prozess beteiligt waren, dem Planungsbüro für den
sehr guten fachlichen Input und allen Stakeholdern,
Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit Ihren Ideen und
Anregungen im Sinne der Bonner Freiraumentwicklung
eingebracht haben, bedanken.
Helmut Wiesner
Stadtbaurat der Bundesstadt BonnSeite 14 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht8bgmr Landschaftsarchitekten
1. anlass und methodik
1.1 EinE DAchStrAtEGiE Für DiE
FrEirAuMEntwickLunG
die Bundesstadt Bonn gehört mit über 330.000
Einwohner*innen zu den zwanzig größten Städten der
Bundesrepublik Deutschland. Sie ist Teil der Metropol-
regionen rheinland und rhein-ruhr und liegt damit in
einem der am dichtesten besiedelten regionen euro-
pas. Die Stadt Bonn wächst. Gleichzeitig soll die Grün-
qualität der Stadt mit ihrem Freiraumsystem gesichert
und weiterentwickelt werden. In diesem Zuge soll der
sogenannte „Bonner Freiraumplan“ als Dachstrategie
für die Bonner Freiräume zu verschiedenen Fachthe-
men wie Umwelt- und Naturschutz, Landschaftspla-
nung, Stadtplanung, Sozial- und Jugendarbeit sowie
Gesundheit und Sport dienen.
Der Grundstein für diese (Innen)Entwicklung zugunsten
der Sicherung von grünen Freiräumen im Außenbereich
wurde bereits in den 1990er Jahren mit der erstellung
eines Gutachtens zur funktionalen Entwicklung der
Freiflächen, dem Integrierten Freiraumsystem 1997 (IFS
1997) gelegt. der stadt Bonn liegt seit 2014 mit dem
Integrierten Freiraumsystem 2012 (IFS 2012) eine Über-
arbeitung des IFS von 1997 vor. Es handelt sich hierbei
um ein themenübergreifendes planungs- und steue-
rungsinstrument für die Bonner Freiraumplanung. Das
iFs 2012 betrachtet weitestgehend den status quo. ziel
des Freiraumplans ist es zudem Entwicklungsperspekti-
ven aufzuzeigen, die die gesamte Oberfläche der Stadt,
also auch den baulichen innenbereich, mit betrachtet
und eine Grundlage für städtebauliche Entwicklungen
darzustellen. Sich stetig ändernde Anforderungen an
eine nachhaltige Stadtentwicklung erfordern auch neue
strategien.
Graue Infrastrukturen grüner machen
Graue Infrastrukturflächen werden als ein Flächenpo-
tential für Freizeit, Bewegung, Klimaanpassung und
Steigerung der Biologischen Vielfalt vermehrt in den
Fokus der Freiraumentwicklung genommen. Die grauen
Flächen der Stadt sind die letzte große ‚Flächenreserve‘
für ein mehr an grün in der dicht bebauten stadt. das
Konzept der mehrfachen Innenentwicklung kommt
zur Umsetzung. Hierfür bedarf es der konzeptionellen
Vorbereitung.
Vielfalt der Nutzungsansprüche – Eigenarten des
Bonner Freiraums
Eine heterogene Gesellschaft entwickelt sehr differen-
zierte Freiraumansprüche vom sonntäglichen Flaneur,
zum Sport und zur Bewegung im Freien bis zum Gärt-
nern in der Gemeinschaft. Die Eigenarten der Stadt-
Landschaft sollen weiter sichtbar bleiben und zukünftig
durch die Stadt- und Freiraumentwicklung besser her-
ausgearbeitet werden. Dazu werden strukturgebende
Freiräume identifiziert und deren Besonderheiten
hervorgehoben.
Mehrfachnutzung der Oberfläche der Stadt
Da eine zukünftige Freiraumentwicklung sich nicht nur
auf den Grünflächen, sondern auf die gesamte Ober-
fläche der Stadt erstreckt, müssen Mehrfachnutzungen
von Straßen, Dächern, Stellplatzanlagen usw. mit ein-
bezogen werden. Bei Strategien der Multicodierung
bedarf es immer einer Beteiligung von unterschiedli-
chen Akteuren der Freiraumentwicklung. Mehrfachnut-
zung der Stadt wird so zu einem Gemeinschaftsprojekt.
Gesamtstädtische Planung konkret, umsetzbar
und sichtbar machen
Für die Profilierung des Bonner Freiraumplans bedarf
es neben einem Gesamtkonzept auch Vertiefungen,
in denen instrumentell oder visuell mit Bildern gezeigt
wird, wie die Planungsansprüche tatsächlich auch
umgesetzt werden können (Schwerpunkträume und
Lupen).
Mit der Erarbeitung des Bonner Freiraumplans als
Weiterentwicklung des IFS 2012 soll die Freiraument-
wicklung der Stadt Bonn stärker als bisher als ein Instru-
ment einer aktiven und integrierten Stadtentwicklung
verstanden werden. Für die nächsten Jahrzehnte soll
unter Beteiligung entscheidender Akteure der Stadt-
entwicklung eine strategische Handlungsgrundlage
auf gesamtstädtischer Ebene geschaffen werden. Das
Konzept zeigt zu den aktuellen Herausforderungen der
Stadtentwicklung freiraumplanerische Visionen, Ziele
und Lösungsansätze zur Weiterentwicklung des Stadt-
grüns und der Frei- und Grünräume der Stadt Bonn auf.
Zu den größten Herausforderungen einer nachhaltigen
Stadtentwicklung in Bonn zählen neben dem demogra-
fischen Wandel, die Gesundheitsvorsorge und Umwelt-
gerechtigkeit sowie Umsetzung der mehrfachen
Innenentwicklung, die Anpassung an die Folgen des
Klimawandels, die Notwendigkeit resiliente Grün- und
Freiräume zu schaffen und nicht zuletzt die Biodiversi-
tät und den Biotopverbund zu stärken.Seite 15 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht9bgmr Landschaftsarchitekten
1.2 hErAnGEhEnSwEiSE
1. Schritt: Grundlagen und Rahmenbedingungen
In der ersten Phase wurden diverse fachliche Grundla-
gen in digitaler Form und Berichtsform gesichtet und
hinsichtlich der Planungsziele, Konflikte und Synergien
für den Bonner Freiraumplan ausgewertet.
Ortsbesichtigung - Urban Mapping (Kapitel 3.3)
Das Bonner Stadtgebiet wurde einschließlich der räum-
lichen Verflechtungen im April 2022 besichtigt und in
Form eines „urban mappings“ dokumentiert. Es wurden
bestimmte Atmosphären festgehalten und Themen wie
Freiraumqualitäten, Freiraumdefizite, Wegetypologien,
Entsiegelungspotentiale, Nischen, Zäune usw. erkundet
und so auch Entwicklungspotentiale aufgezeigt. Wei-
tere spezifische Ortsbegehungen fanden zu ausgewähl-
ten Teilbereichen der Stadt im weiteren Projektverlauf
statt. Für den Prozess war es wichtig Vorort zu erfahren
wie die Freiräume genutzt werden.
Grundlagenkarte
Es wurde eine Grundlagenkarten mit Darstellung der
unterschiedlichen Freiraumtypologien und eine Flä-
chenanalyse der Freiraumstruktur erstellt.
trends und herausforderungen (kapitel 4)
Für eine zukunftsorientierte Freiraumentwicklung ist
es wesentlich aktuelle Trends der Stadtentwicklung
zu identifizieren, um Antworten und Planungshin-
weise zu den Herausforderungen in der zukünftigen
Stadtentwicklung zu finden. Für fünf Themenfelder
wurden, gestützt durch kartografische Darstellungen,
die herausforderungen beschrieben, die besonderen
Qualitäten und Defizite der Grün- und Freiflächen im
Stadtgebiet herausgestellt und Potentiale und Aufga-
ben für die Weiterentwicklung benannt.
2. Schritt: Die Konzeption
Aufbauend auf dem Bestand und der Auseinanderset-
zung mit den wesentlichen herausforderungen der
Stadt- und Freiraumentwicklung wurde ein Gesamt-
städtisches Freiraumkonzept mit mehreren Bausteinen
entwickelt:
räumliches Leitbild (kapitel 5.1)
Das gesamträumliche Leitbild setzt den thematischen
Rahmen einer zukünftigen Freiraumentwicklung in
Bonn. Mit den drei Leitbildthemen werden Entwick-
lungsschwerpunkte definiert und Entwicklungsziele
benannt.
Abb. 1 Der Prozess des Bonner Freiraumplans
Grundlagenermittlung
1. Schritt2. Schritt3. Schritt
Trends und Herausforderungen
Darstellung von Qualitäten, Defiziten, Potentialen
und Visionen
Entwicklungsziele
Schlüsselmaßnahmen
räumliches Leitbild
Sichtung und Auswertung
fachlicher Grundlagen
Ortsbesichtigungen
BOnn
Grundlagenkarte
Zwischen-
bericht
Orte und handlungsfelder
Grün- und Freiflächenentwicklungskonzept
Lupen
Implementierung
End-
fassung
BOnnSeite 16 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht10bgmr Landschaftsarchitekten
Schlüsselmaßnahmen (Kapitel 5.1.1 - 5.1.3)
mit den schlüsselmaßnahmen werden für die drei Leit-
bildthemen weiterführende Konzepte und Projekte
benannt und erläutert, die dazu dienen, die Entwick-
lungsziele des jeweiligen Leitbildthemas zu erreichen.
Lupenräume (kapitel 5.2)
Zudem wurden fünf „Lupenräume“ auf Projektebene
herauskristallisiert. Die Lupenräume dienen der Ver-
tiefung und Konkretisierung auf Maßnahmenebene
im stadtgebiet auf unterschiedlichen maßstabsebe-
nen und beinhalten exemplarische Lösungsansätze zur
Freiraumentwicklung.
3. Schritt: Implementierung (Kapitel 6)
Die Erkenntnisse und Zielsetzungen der vorangegan-
genen Arbeitsschritte sind exemplarisch in eine Hand-
lungsanleitung für die Freiraumplanung übersetzt
worden, dabei werden vor allem die Instrumente und
Planwerke zur Implementierung benannt. Über die zen-
tralen Maßnahmen und Handlungsprioritäten hinaus
wird für die thematischen Schwerpunktthemen und
Vertiefungsräume aufgezeigt, wie die Umsetzung durch
Einbindung anderer Fachplanungen erreicht werden
kann.
Freiraumverständnis
Freiraum umfasst die gesamte Oberfläche der Stadt, dazu zählen neben dem Freiraum im klassischen Sinne
(Wälder, Landwirtschaftliche Flächen, Park- und Grünanlagen und zweckgebundene Freiflächen) auch die pri-
vaten sowie die versiegelten Flächen der Stadt (Straßen, Plätze und Dachflächen). Im Rahmen eines gesamt-
städtischen Freiraumkonzeptes wird damit die gesamte Oberfläche der Stadt betrachtet, um diese hinsichtlich
der Erholungsnutzung, der sozialen Teilhabe und Baukultur sowie Ökologie, Klimaanpassung und biologischen
Vielfalt zu sichern, zu entwickeln und mehrfach zu nutzen.Seite 17 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht11bgmr Landschaftsarchitekten
2. dialog
Die begleitende Beteiligung und Kommunikation
erfolgte parallel zur Erstellung des Bonner Freiraum-
plans auf den Ebenen:
− Verwaltungsabstimmung (Projektgruppe und bila-
terale Gespräche)
− Politik
− Öffentlichkeit (Stakeholder, Stadtteilspaziergänge,
Öffentlichkeitsbeteiligung im Online-Verfahren)
Verwaltungsabstimmung
Die verschiedenen Fachämter und Abteilungen der
Stadt Bonn wurden regelmäßig eingebunden. Hierzu
wurde eine verwaltungsinterne Projektgruppe (Steue-
rungsgruppe) gebildet. Insgesamt wurde der Erarbei-
tungsprozess durch vier große Steuerungsgruppen
begleitet. Zudem fanden im regelmäßigen Abstand
Abstimmungen zwischen Auftragnehmerin und Auf-
traggeberin statt.
Um Bedarfe, Fragen, mögliche räumliche Konflikte,
Hinweise auf Handlungsbedarfe und Projektideen
abzufragen, fanden zwölf bilaterale einzeltermine mit
Expert*innengruppen aus der Verwaltung bzw. aus der
Praxis statt, um z.B. aktuell laufende Planungen der
Stadt Bonn zu thematisieren.
Information Politik
Der Freiraumplan wurde in den politi-
schen Gremien der Stadt vorgestellt.
Hierzu fanden im November 2022 und
Mitte 2023 jeweils eine Sitzung statt,
wo die jeweiligen Planstände vorgestellt
und erläutert wurden.
Öffentlichkeit
Die Öffentlichkeitsformate dienten der
Information und Möglichkeit der Äuße-
rung der Beteiligten zu den inhalten
des Freiraumplans. Diese Äußerungen
wurden als anregungen aufgenommen,
um Themen im Freiraumplan zu schär-
fen und Projektideen zu generieren. Die
Anregungen wurden unter Berücksich-
tigung und Abwägung von vielen ande-
ren Belangen im rahmen der weiteren
Planung aufgenommen und verarbeitet.
Die Beteiligung wurde über die Plattform
www.bonn-macht-mit.de dokumentiert.
Eine ausführliche Dokumentation der
Ergebnisse der verschiedenen Beteili-
gungsformate bleibt dauerhaft im Archiv
der Website einsehbar (https://bonn-macht-mit.de/
archiv/node/8288.html#uip-1).
+ Stadtteilspaziergänge
Im September 2022 wurden vier Stadtteilspaziergänge
zu bestimmten Freiraumthemen und Vertiefungsberei-
chen mit interessierten Bewohner*innen durchgeführt.
Die Spaziergänge fanden in vier verschiedenen Stadttei-
len statt: Beuel, Hardtberg, Bad Godesberg und Bonn.
Zu zwei der Spaziergänge wurden aktiv Jugendliche
eingeladen und beteiligt. Im Durchschnitt nahmen an
den Spaziergängen ca. 15 Interessierte teil. Durch diese
Spaziergänge wurde anhand konkreter Orte gemein-
sam der Handlungsbedarf identifiziert und es konnten
erwartungen aus sicht des Lebensalltags in den pla-
nungsprozess mit einfließen. Die Hinweise, Anregungen
und erwartungen wurden ausgewertet und hinsichtlich
der Übertragbarkeiten auf die Gesamtstadt geprüft.
+ Arbeitsgruppen mit Stakeholdern
Verbände und Vereinigungen, die als Stellvertre-
tung der Gesellschaft gesamtstädtische Interessen zu
Themen der Freiraumentwicklung vertreten, wurden
in Werkstätten (Dezember 2022 und Februar 2023)
eingebunden. Die Stakeholder werden als Multiplikato-
Information Politik und
Öffentlichkeit
Regelmäßige Abstimmun-
gen zw. Auftraggeberin und
Auftragnehmerin
Bilaterale
Gespräche
Abstimmungen Steuerungs-
gruppe
Stakeholder
Stadtgesellschaft
Stadtteilspaziergänge
Abb. 2 Dialog und Beteiligung zum Bonner FreiraumplanSeite 18 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht12bgmr Landschaftsarchitekten
ren verstanden, die die Fachinhalte in oder aus ihren
Bezugsgruppen kommunizieren.
+ Öffentlichkeitsbeteiligung im Online-Verfahren
Die Stadtöffentlichkeit wurde im Online-Verfahren über
www.bonn-macht-mit.de über das Gesamtkonzept im
1. Quartal 2023 informiert und hatte die Möglichkeit,
sich zu den drei Leitbildthemen (Starke Landschaften,
Blau-Grüne Netze und Grüne Viertel; siehe Kapitel 5)
über eine interaktive Karte einzubringen. Dazu wurden
je Leitbildthema zwei Fragen zu bestehenden Qualitä-
ten und Verbesserungsvorschlägen sowie Wünschen
gestellt.
Da die Online-Beteiligung vor Fertigstellung des End-
berichtes erfolgte, konnten Anregungen und die Ergeb-
nisse der Beteiligung mit in die Bearbeitung einfließen.
Zudem dienen die dokumentierten Ergebnisse als Infor-
mation bei Abstimmungen in der Politik oder auch im
weiteren Verwaltungshandeln.
Die Anregungen und Erkenntnisse aus dem Beiteli-
gungsprozess sind in Kapitel 5.1 aufgeführt.
Abb. 3 Stadtteilspaziergang in Beuel Abb. 4 Stadtteilspaziergang in Hardtberg
Abb. 5 Stadtteilspaziergang in Beuel Abb. 6 Stadtteilspaziergang in Bad GodesbergSeite 19 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht13bgmr Landschaftsarchitekten
Abb. 7 Erste Stakeholderbeteiligung (Dezember 2022)
Abb. 8 Zweite Stakeholderbeteiligung (Februar 2023)Seite 20 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht14bgmr Landschaftsarchitekten
3. portrait Freiraum Bonn
3.1 LAGE unD rEGiOnALE
VErFLEchtunG
Die kreisfreie Stadt Bonn mit 335.975 Einwohner*innen
(stand 01.01.2022) liegt im süden des Bundeslan-
des Nordrhein-Westfalen, direkt an der Grenze zu
Rheinland-Pfalz. Durch die Bundesstadt verläuft in
Süd-Nord-Richtung der Rhein, eine der am stärksten
befahrenen Wasserstraßen der Welt. Bonn liegt in der
niederrheinischen Bucht und wird im osten durch das
siebengebirge begrenzt. im norden wird das stadtge-
biet durch die sieg mit der siegmündung in den rhein
begrenzt.
Grenzüberschreitendes Landschaftssystem
Mit dem Kottenforst, der Siegmündung, dem Ennert
und siebengebirge und dem rhein liegen auf dem
Bonner Stadtgebiet Teilstücke von großen Land-
schaftsräumen und Freiraumachsen im Regionalen
Maßstab. Es liegt zwischen den Naturparks Rheinland
und siebengebirge.
Darüber hinaus gibt es verschiedene gliedernde Frei-
räume (überwiegend landwirtschaftlich genutzt) zwi-
schen Bonn und den nachbargemeinden, die eine
planerische Zusammenarbeit bedürfen.
Regionale und interkommunale
Zusammenarbeit
Die Stadt gehört zum Regierungsbezirk Köln und wird
von dem Rhein-Sieg-Kreis fast vollständig umschlos-
sen. die stadt Bonn gehört zum zusammenschluss
Region Köln/Bonn e.V. zusammen mit den kreisfreien
Städten Köln, Bonn und Leverkusen sowie der Kreise
Rhein-Sieg-Kreis, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis Neuss,
oberbergischer kreis und rheinisch-Bergischer kreis.
Unter anderem hat die Region Köln/Bonn in den letzten
Jahren das Agglomerationskonzept erarbeitet, welches
Perspektiven für eine raumverträgliche und integrierte
Siedlungs-, Mobilitäts- und Freiraumentwicklung in der
region im zeithorizont bis 2040+ formuliert, mit dem
ziel eine Region in Balance zu gestalten.
zusammen mit dem rhein-sieg-kreis und dem Land-
kreis Ahrweiler bildet die Stadt Bonn den Arbeitskreis
Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (:rak). Der :rak ist ein
informelles arbeitsgremium und stellt ein Bindeglied
zwischen der örtlichen Planungshoheit der Städte, Ver-
bandsgemeinden und der Landesplanung dar, indem er
durch Informationsaustausch und Kommunikation dazu
beiträgt, gemeinsam abgestimmte Projektentwicklun-
gen auf die kommunale Ebene zu befördern.
Die Kommunen Alfter, Bonn, Bornheim, Niederkassel,
Troisdorf und Sankt Augustin arbeiten schon seit vielen
Jahren in enger Weise interkommunal zusammen, um
Freiraumstrukturen zu sichern und funktional weiterzu-
entwickeln. So zum Beispiel mit dem Freiraumprojekt
„Grünes C“, welches 2015 alle Projektbausteine umge-
setzt hatte, um die vielfältigen Freiräume der Region
langfristig zu sichern, miteinander zu verknüpfen und
zu entwickeln.
Mit dem Integrierten Handlungskonzept Grüne Infra-
struktur konnten zwei weitere Nachbarn Bad Honnef
und königswinter hinzugewonnen werden und so der
Diskurs über Weiterentwicklung der gemeinsamen
Landschaftsräume fortgeführt werden.
Was passiert in der Region bereits? (Auswahl)
• nEiLA (derzeit in Aufstellung)
• Biotopverbund in nrw
• Agglomerationskonzept Region Köln/Bonn
• Regionalplan Köln, 2022
• integriertes handlungskonzept Grüne infrastruktur
(2017)
• Grünes C (2005-2015)
Was macht Bonn bereits? (Auswahl)
• IFS - Integriertes Freiraumsystem 1997, 2012 und Bericht
zum Freiraum Monitoring 2017
• ZURES – Stadtklimaanalyse für die Stadt Bonn, 2018
• MutABOr – untersuchung zur Anpassungskapazität der
Stadt Bonn bei hitzestress (derzeit in Aufstellung)
• Grünflächenkonzept, 2015 (derzeit in Überarbeitung)
• Spielflächenkonzept 2022
• Spielplatzbedarfsplanung 2022
• Sportentwicklungsplanung der Bundesstadt Bonn, 2018
• Kompensationsflächenkataster (derzeit in Aufstellung)
• Landschaftspläne Kottenforst (2013), Ennert (2004), Sieg-
mündung (1985)
• Verkehrsentwicklungsplan 2020
• Bachentwicklungsplan, 2008
• Friedhofskonzept (derzeit in Aufstellung)
• Lärmaktionsplan 2019
• Kommunale Biodiversitätsstrategie „Aktionsprogramm
Biodiversität 2030“ (derzeit in Aufstellung)
• Label Stadtgrün naturnah – Bestandserfassung, Maßnah-
menplanung und strategische Ausrichtung für eine natur-
nahe Grünflächenentwicklung, 2019
• klimaplan 2035
• Schwammstadtkonzept (derzeit in Aufstellung)
• Baumkonzept (2023)Seite 21 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht15bgmr Landschaftsarchitekten
Abb. 9 Bonn und seine nachbargemeindenSeite 22 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht16bgmr Landschaftsarchitekten
3.2 rAuMPräGunGEn
Landschaft ist das Produkt der Geschichte und in einer
ständigen Veränderung. Die Geologie und die letzten Eis-
zeiten prägten die Ausgangssituation- die Deep Time (vgl.
Abb. 10 und 11). Die Böden, das Relief, das Gewässernetz
und die Fließrichtung der Gewässer wurden in dieser Zeit
geformt. Die Strukturen der Deep Time sind heute noch
allgegenwärtig, auch wenn diese durch die kulturland-
schaftlichen und urbanen Nutzungen des Menschen, vor
allem in den letzten drei Jahrhunderten des Anthropo-
zäns stark überlagert und überformt wurden und heute
selbst das globale Klima beeinflussen.
Die Deep Time prägt die Eigenart der Stadtlandschaft
Bonns und prägt ihre Identität. Sie ist die Raumkon-
stante, die Bonn im Vergleich zu anderen Städten
unverwechselbar macht.
Naturräumliche Prägung
Der Rhein mit seinen Dynamiken hat die Lage und die
landschaftliche Entwicklung von Bonn maßgeblich beein-
flusst. Nördlich des Siebengebirges wechselt der Rhein
aus der Mittelgebirgsregion in das Norddeutsche Tiefland
über und wird an der mündung der sieg zum niederr-
hein. Wie auch beim oberrhein erhielt der niederrhein
ein befestigtes Flussbett. Heute sind im Stadtgebiet kaum
noch Spuren der ehemaligen Altarme zu finden. Die ehe-
maligen rheinarme und der godesberger Bach sind in der
Geologischen Karte ablesbar als Ablagerungen in Schluff
und Sand. Ein ehemaliger, von Bebauung freigehaltener,
Altarm befindet sich in Beuel zwischen Rilkestraße und
Limpericher Straße. Er ist Zeuge der Deep Time.
Gleichzeitig fließen in einer kammartigen Struktur dem
Rhein diverse Bäche durch das Stadtgebiet hindurch zu.
Der überwiegende Teil ist jedoch im Stadtgebiet verrohrt
und fließt nicht mehr mit ihrer natürlichen Bachmündung
in den Rhein. Die Raumkonstante der Bäche wurde damit
überformt. Ein Teil der Identität des Bonner Gewässersy-
stems ist damit nicht mehr erlebbar. Umso wichtiger wird
es sein, an den offenen Gewässerabschnitten die Erleb-
barkeit zu verbessern.
Naturräumlich liegt Bonn am Übergang vom Mittel-
rheingebiet zur niederrheinischen Bucht, die durch den
Godesberger Rheintaltrichter markiert wird und dehnt
sich zu beiden seiten des rheins aus. die besondere
topografische Ausprägung ist als Merkmal der Bonner
Landschaft deutlich erkennbar und trägt zu ihrer Eigen-
art bei. durch die unterschiedlichen höhenlagen ergeben
sich auch besondere Blicke und Aussichtsbereiche auf die
Stadt und Landschaft.
eine Besonderheit in der stadt ist die düne tannenbusch.
Sie entstand am Ende der letzten Eiszeit, indem heftige
Winde den Rheinsand an diese Stelle verwehten. Heute
liegt sie umschlossen von Siedlungsbereichen und wurde
zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Düne stellt somit eine
Raumkonstante der Deep Time dar, die bis heute wirkt
und zeugnis der geschichte des naturraums der rhein-
landschaft ist. Sie ist nicht nur ein wertvoller Naturraum,
sondern auch eine identitätsprägende Struktur der heu-
tigen Stadtlandschaft.
Kulturelle und urbane Prägung
Von den ersten siedlungen (abb. 12), die sich an den
naturräumlichen Strukturen am Übergang zwischen
der Rheinniederung zu den höheren, überflutungssi-
cheren Lagen orientierten, bis hin zu diversen überge-
ordneten Planungen und baulichen Eingriffen, gaben
anthropogene Prägungen der Stadt ein weiteres
Gesicht. Die Altstadt, kulturhistorische Parkanlagen,
gartenschauen, der regierungssitzwechsel, aber auch
Hochwasserschutzbauten und Verkehrstrassen sind
urbane setzungen, die die historie der stadt und damit
auch ihre Freiräume in der jeweiligen Entstehungszeit
widerspiegeln.
Neben den urbanen Setzungen spielt die kulturelle
Prägung der Bewirtschaftung, wie Waldwirtschaft,
Acker- und Grünlandnutzung, eine identitätsstiftende
rolle. in der Bonner rheinebene dominiert der obst-
und gemüseanbau auf den fruchtbaren niederterras-
senböden, während an den Hangbereichen vielfältige
Nutzungsstrukturen - ein Wechsel von Grünland, Obst-
wiesen, Gärten und kleinen Waldbeständen - zu finden
sind.
Der Rheinauenpark zeigt als ein Beispiel sehr gut, wie
die Deep Time, also die geomorphologische Situa-
tion der Aue, zum Gestaltungsthema einer Parkanlage
geworden ist. Solche Bezugnahmen auf die Deep Time
fördern die Identität der Stadt Bonn und stellen gleich-
zeitig einen Planungsansatz dar, der auf das Lokale
(Boden, Wasser, Topografie) Bezug nimmt.
Deep Time
unter dem konzept der Deep time wird der Prozess verstan-
den, wie die erdgeschichtlichen Prägungen eines raums in den
Planungsprozess der Stadtentwicklung einbezogen werden.
Das Konzept umfasst dabei sowohl die Analyse und Spurensu-
che als auch die naturraumprägungen. Das konzept der Deep
Time soll Städte und Landschaften in ihren Identitäten stärken
und Eigenarten bei zukünftigen Entwicklungen fördern.Seite 23 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht17bgmr Landschaftsarchitekten
siebengebirge
Jüngere
Hauptterrasse
rheinisches
schiefergebirgegodesberger rheintaltrichter
kölner Bucht
Abb. 10 Naturräumliche Gliederung (© www.tim-online.nrw.de) Abb. 11 Geologische hauptschichten im Bonner Stadtgebiet (© Stadt Bonn)
+ Siedlungsbereiche am Rhein: Bonn, Rittersdorf,
rheindorf, mehlem
+ Siedlungsbereiche im Tiefland: Dransdorf, Zielich,
geislar
+ Siedlungsbereiche an der Hangkante: Duisdorf,
Lengsdorf, Poppelsdorf, Kessenich, Dottendorf,
Friesdorf, Godesberg, Muffendorff, Lannesdorf
+ Siedlungsbereiche im Hochland: Ueckendorf,
Röttgen
Jüngere
Hauptterrasse
ältere
niederterrasse
Abb. 12 1801-1828 Kartenaufnahme der Rheinlande (Tranch ot/v. Müff-
ling) mit heutigen Siedlungskernen (© www.tim-online.nrw.de)Seite 24 von 113
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Endbericht18bgmr Landschaftsarchitekten
3.3 BOnnS FrEiräuME unD urBAn
MAPPinG
Der Begriff Freiraum umfasst eine Vielzahl von Flächen-
kulissen. Zunächst wird darunter der Raum zwischen
den bebauten Flächen verstanden. Dazu gehören im
klassischen Freiraumverständnis die Grünflächen, wie
Grün- und Parkanlagen, Gewässer, Landwirtschaftsflä-
chen, Wälder, naturnahe Flächen, Kleingärten, Fried-
höfe sowie Sportanlagen und Spielplätze. Versiegelte
Flächen wie z.B. die Straßen, öffentliche Plätze und
Stellplatzanlagen gehören jedoch ebenfalls zum Frei-
raumsystem der Stadt. Straßen können Aufenthalts-
qualität haben, wenn sie mit Straßenbäumen begrünt
sind und Flächen für Angebote zum Verweilen und
Austausch bieten. Dann bieten sie auch Schatten und
tragen über die Verdunstung zur Hitzevorsorge bei.
Dass Grün der Stadt ist damit nicht nur beschränkt auf
die Grünflächen, sondern auch die baulich und infra-
strukturell genutzten Flächen können zum grünen
erscheinungsbild der stadt beitragen. die bebaute
Stadt und die graue Infrastruktur grüner machen,
ist damit ebenfalls eine aufgabe in der stadt- und
Freiraumentwicklung.
Bonner Landschaften und Wasserlagen
der Bonner siedlungsbereich ist eingefasst in große
Landschaftsräume. Im Süden wird das Stadtgebiet
durch zwei große zusammenhängende Waldgebiete
geprägt. Linksrheinisch wird der bebaute Raum im
Westen und Südwesten vom Kottenforst eingerahmt.
Dieser ist gekennzeichnet durch naturnahe Laubwald-
bestände in unterschiedlichen Bestandsaltern und teil-
weise hohem alt- und totholzanteil. der Wald wurde
im April 2004 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und
ist Heimat für zahlreiche gefährdete Tier- und Pflan-
zenarten. Hervorzuheben ist der hohe Wert dieses
raumes für die Vogelwelt. aufgrund seiner ausstat-
tung mit bestimmten Lebensräumen sowie Tier- und
Pflanzenarten wurde der Kottenforst im Jahr 2000 auf
grundlage der FFh-richtlinie unter der Bezeichnung
Waldreservat Kottenforst an die Europäische Kommis-
sion nach Brüssel gemeldet und ist somit Bestandteil
des Europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.
Rechtsrheinisch befindet sich im Osten und Südosten
der Ennert als nördlichster Ausläufer des anschließen-
den siebengebirges. das siebengebirge ist eines der
ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Der größte
Bereich der Fläche liegt auf dem Gebiet des Rhein-
Sieg-Kreises. Mit dem Naturschutzgebiet Ennert fällt
ein kleiner Teil (rund 10%) auf das Bonner Stadtgebiet.
Es handelt sich um ein durch tertiären Vulkanismus
geprägtes Gebiet. Das Siebengebirge ist gekennzeich-
net durch ausgedehnte strukturreiche Buchenwälder.
Darüber hinaus wird die Landschaft durch tief einge-
schnittene Bachtäler sowie weiterer Strukturen, wie
Quellen, ehemalige Steinbrüche, offene Felsbereiche,
Weinberge, Obstwiesen und Grünlandflächen, cha-
rakterisiert. Bedingt durch seine Strukturvielfalt und
größe bietet das naturschutzgebiet siebengebirge
zahlreichen seltenen und zum Teil stark bedrohten
Pflanzen- und Tierarten zusagende Rückzugsmöglich-
keiten. Das Gebiet ist zudem ein wichtiger Bestandteil
des landesweiten Biotopverbundes.
Der Norden von Bonn wird durch das „Grüne C“, ein
Projekt, dass im Rahmen der Regionale 2010 gefördert
wurde, eingerahmt. Seit Abschluss des Freiraumpro-
jekts „Grünes C“ bewahrt dieses die Individualität von
neun verschiedenen Landschaftsräumen im Bonner
norden sowie in den angrenzenden kommunen und
schafft durch Ihre Verbindung einen Park der Kul-
turlandschaften. Der Freiraum setzt sich aus alten
Kulturlandschaften, Naturschutzgebieten, Flüssen,
Acker-, Obst- und Gartenbauflächen zusammen. Die
Linksrheinischen Gebiete sind aufgrund ihrer wertvol-
len Ackerböden bereits seit Jahrhunderten landwirt-
schaftlich genutzte Flächen. Besonders zu betonen ist
dabei das meßdorfer Feld. im rahmen des „grünen
C´s“ wird das Meßdorfer Feld als Landschaftsraum
geschützt, bleibt landwirtschaftlich nutzbar und als
erholungsraum erhalten. diese ungewöhnliche alte
und lebendige „Felderwirtschaft in der Vorstadt“
ist 150 ha groß und weitestgehend von Bebauung
umschlossen. rechtsrheinisch schließt das natur-
schutzgebiet Siegmündung als Teil des Grünen C‘s an.
Es handelt sich um eine sehr gut ausgeprägte Fluss-
mündung, die bis heute eine relativ naturnahe Über-
flutungsdynamik aufweist. Hervorzuheben sind die
strukturreichen Auenbereiche mit Altgewässern und
Auwaldresten sowie die naturnahen Ausprägungen
der ufer. der überwiegende Bereich wird heute als
Grünland genutzt. Zahlreiche Wat- und Wasservögel
nutzen das gebiet als Brut-, rast-, nahrungs-, durch-
zugs- und Überwinterungslebensraum.
Der Rhein durchfließt auf knapp 18 km Länge das
stadtgebiet und stellt zusammen mit seinen ufern ein,
wenn nicht das prägende Element der Freiraum- und
Siedlungsstruktur in Bonn dar. Ende des 18. Jahrhun-
derts blüht der rheintourismus auf, wodurch Bonn zum
Ruhesitz von wohlhabenden Bürger*innen wurde. Im
zuge dessen wurde das rheinufer zur promenade aus-
gebaut. der tourismus wird durch anlegestellen der
Fährschiffe, Cafés, Biergärten am Rheinufer zusätzlichSeite 25 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht19bgmr Landschaftsarchitekten
belebt. das rheinufer gewann und gewinnt, im sinne
eines Freiraum- und erholungsbereichs, immer weiter
an Bedeutung.
Zum Rhein fügt sich ein feines Netz an Bächen, sowohl
links- als auch rechtsrheinisch hinzu. Diese Bäche
umfassen eine Gesamtlänge von rund 105 km auf
Bonner Stadtgebiet. Das Ökosystem „Bach“ umfasst
die Lebensräume (Biotope) Wasserkörper, Gewässer-
bett, Wasserwechselzone und vom Gewässer beein-
flusstes Umland sowie deren Lebensgemeinschaften
(Biozönosen). Darüber hinaus, sind Bäche mit ihren
Begleiträumen Bewegungs-, Erlebnis- und Verweil-
räume für die Bewohner*innen der Stadt Bonn.
Neben den naturschutzfachlichen, wasserwirtschaftli-
chen Anforderungen sind auch die Erholungsaspekte
und baukulturelle Aspekte mit einzubringen. Diese
Fließgewässer führen in Bonn oftmals ein Schattenda-
sein. insbesondere im dicht besiedelten raum wurde
in diese stark eingegriffen. Weitestgehend naturferner
Ufer- und Sohlenverbau beeinträchtigen die Gewäs-
ser, im Extremfall verschwindet der Bach komplett in
der Verrohrung.
ennert
Venusberg
melbtal
katzenloch-
bachtal
derletal
Kottenforst
grünes c
meßdorfer Feld
gartenland
Vorgebirgshang
Kieslandschaft
rheinaue siegaue
hangelarer
heide
Birling-
hovener
Wald
pleisbachtal
siebengebierge
Waldville
rhein
Abb. 13 Bonns Natur-, Landschaftsräume und grüne JuwelenSeite 26 von 113
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Bonner landschaFten
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 14 infotafel im Meßdorfer Feld
Abb. 15 Baumtor im Meßdorfer Feld
Abb. 16 Am Vilicher Bach/Geißlar (rechtsrheinisch)
Abb. 17 Landwirtschaftsweg in Bonn-Auerberg
Abb. 18 Bonn Bad Godesberg Fähre (linksrheinisch)
Abb. 19 Pferdekoppel im Annaberger Feld
Abb. 20 Dornheckensee im Ennert
Abb. 21 Binnendüne tannenbusch
Abb. 22 naturschutzgebiet Ennert
Abb. 23 Naturschutzgebiet Kottenforst
Abb. 24 Landwirtschaftliche Flächen in Bonn-AuerbergSeite 27 von 113
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Endbericht21bgmr Landschaftsarchitekten
BONNER WASSERLAGEN
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 25 Ankerbach am Polizeipräsidium Bonn
Abb. 26 rheindorfer Bach kurz vor der rheinmündung
Abb. 27 Rhein im nördlichen Bonner Stadtgebiet
Abb. 28 Brunnen auf dem choldwigplatz
Abb. 29 Godesberger Bach zwischen privaten Grundstücken
Abb. 30 rechtsrheinisches rheinufer
Abb. 31 wasserplatz am telekom Forum
Abb. 32 Mehlemer Bach vor der unterführung der Bahn und B9
Abb. 33 Siegfähre an der Sieg
Abb. 34 Vilicher Bach
Abb. 35 Engelsbach im MelbtalSeite 28 von 113
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BONNER KLASSIKER uND JuWELEN
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 36 hofgarten
Abb. 37 Poppelsdorfer Allee
Abb. 38 kurpark Bad Godesberg
Abb. 39 Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Bonn, Alter Friedhof
-- 2018 -- 0848” / CC BY-SA 4.0
Abb. 40 Beueler rheinaue
Abb. 41 Botanischer Garten
Abb. 42 Drachensteinpark
Abb. 43 rheinauensee im rheinauenpark
Abb. 44 rheinauenparkSeite 29 von 113
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Bonns Klassiker und Juwelen
Die Ausstattung mit gestalteten Freiräumen ist eng
mit den naturräumlichen Gegebenheiten, der histori-
schen Stadtentwicklung und der aktuellen städtebau-
lichen Entwicklung verwoben. Ob grün oder steinern,
naturnah oder geometrisch gestaltet; die Verteilung im
Stadtgebiet, Größe und Verfügbarkeit der Parkanlagen
sind eng geknüpft an die bestehenden Stadtstrukturen.
Diese Freiräume haben teilweise eine stadtweite Aus-
strahlung und Anziehungswirkung (Bonns Juwelen). Sie
dienen der Naherholung, Freizeitbeschäftigung sowie
dem alltäglichen Bedürfnis nach Erholung und Grün.
Zu den bekanntesten Parkanlagen (Bonns Klassiker)
zählen der Rheinauenpark, der Hofgarten und der
Botanische Garten. Der Rheinauenpark ist seit seiner
gründung zur Bundesgartenschau 1979 zu einem
Wahrzeichen der Stadt und zu einem stark frequen-
tierten 160 ha großen Naherholungsgebiet gewachsen.
Seine heutige Gestalt hat der in der Innenstadt liegende
Hofgarten seit Mitte des 18. Jahrhunderts und orien-
tierte sich ursprünglich an französischen Vorbildern.
Diese Grünanlagen unterliegen weitestgehend denk-
malschutzrechtlichen Bestimmungen, entsprechend
sind Anpassungen und Weiterentwicklungen in enger
Abstimmung mit Denkmalschutz und Denkmalpflege
notwendig.
Die Stadt Bonn hat neben den bekanntesten Park-
anlagen noch weitere kleinere Parkanlagen sowie
halböffentliche Gärten, diese orientieren sich im
überwiegenden linksrheinisch in Innenstadtnähe.
Dazu gehören: Baumschulwäldchen, Drachenstein-
park, Ernst-Moritz-Arndt-Garten, Panoramapark, Park
Haus Carstanjen, Poppelsdorfer Allee, Redoutenpark,
Stadtgarten Bonn, Stadtpark Bad Godesberg und Villa
hammerschmidt.
Die Garten- und Parkanlagen werden durch die zweck-
gebundenen Freiräume ergänzt und erweitert, dazu
gehören Kleingartenanlagen, Friedhöfe, Sport- und
Spielflächen. Diese sind nicht uneingeschränkt öffent-
lich zugänglich, dennoch sind diese Flächen ein wichti-
ger Baustein des Freiraumsystems der Stadt. Besonders
stadtprägend ist der Alte Friedhof, der mit 3 ha die
zweitgrößte Grünfläche in der Innenstadt darstellt. Es
ist ein raum der ruhe und Besinnung und wird zuneh-
mend als Rückzugsort aus dem Alltagsstress nachge-
fragt. Sportflächen zum Beispiel sind in Bonn bereits,
außerhalb von Schul- und Vereinsbelegungszeiten, für
die nutzung durch Bürger*innen freigegeben.
Bonner Nischen
Das Angebot an Grünflächen und Parkanlagen mit grö-
ßeren Einzugsbereichen (Bonns Klassiker) wird ergänzt
durch ein feines Raster an kleinen grünen Nischen. Zu
diesen Nischen gehören zum einen Pocket Parks, die an
Verkehrsflächen liegen oder durch einzelne Baulücken
entstanden sind oder auch kleinere Spielplätze, die in
solchen Flächen entstanden sind und angelegt worden.
Zum anderen gehören dazu auch begrünte „Restflä-
chen“ an (Verkehrs-)Infrastrukturen. Diese Räume sind
teilweise in weniger guten Pflegezuständen, als die
großen Parkanlagen, jedoch für das quartiersnahe Grün
von besonderer Bedeutung. Sie bergen für Alltagswege
ein großes Potential für die Erholung und als Treffpunkt
im Quartier. Zudem haben sie das Potential innerstäd-
tische Mikrobiotope zu sein und Insekten als Lebens-
raum zu dienen.
Bonner Plätze
Platzflächen, gestaltete öffentliche Räume und Fuß-
gängerzonen prägen die Siedlungsbereiche und stellen
Orientierungspunkte und Gelenke innerhalb der Stadt-
struktur dar. Besonders in den Stadtquartieren, die
keinen schnell erreichbaren Landschaftsraum in ihrer
Nähe haben, sind diese Räume von besonderer Bedeu-
tung für die alltägliche Erholung. Platzflächen sind Tran-
siträume, Erholungs- und Rückzugsräume, aber auch
Kommunikationsorte und Treffpunkte. Je nach Lage
innerhalb der stadt und der umgebung erfüllen diese
Plätze unterschiedliche Aufgaben. Zeitgleich sind in den
letzten Jahren die nutzungsanforderungen an diese
Räume gestiegen.
Die Bonner Plätze weisen oftmals hohe Versiege-
lungsgrade auf und zeitgleich wenig Verschattung.
Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass Wasser oft
als Gestaltungselement auf Plätzen eingesetzt wird.
Multicodierung und Klimaplätze sind hierbei wichtige
Schlagworte für die konzeptionelle Weiterentwicklung
von Platzflächen.Seite 30 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht24bgmr Landschaftsarchitekten
Bonner nischen
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 45 Verkehrsgrün Kirschallee / Reuterstraße
Abb. 46 Fahrradständer Meckenheimer Allee / Am Botanischen Garten
Abb. 47 Denkmal Burgweg / Meßdorfer Straße
Abb. 48 Pocket Park „Statue Simon Bolivar südamerikanischer unabhän-
gigkeitskämpfer“
Abb. 49 Pocket Park an der Agnesstraße
Abb. 50 Spielplatz an der Brandenburger Straße
Abb. 51 Pflanzfläche in der Bad Godesberger Innenstadt
Abb. 52 Rasenfläche im Wohngebiet (Am Klostergarten)
Abb. 53 Straßenbegleitgrün (rollrasen) an der Oxfordstraße
Abb. 54 Grünbeet in hardtbergSeite 31 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht25bgmr Landschaftsarchitekten
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 55 Öffentlicher Raum an der Riesengebirgsstraße in Tannenbusch
Abb. 56 Friedensplatz in der innenstadt
Abb. 57 wasserplatz am telekom Forum
Abb. 58 Platz am Johanneskreuz
Abb. 59 Platz im neubaugebiet im großen Garten
Abb. 60 Auerberger Mitte
Abb. 61 Poppelsdorfer Platz
Abb. 62 Fußgängerzone Bad Godesberg
Abb. 63 heckelsbergplatz
Abb. 64 Wohnplatz am Caroline-Herschel-Weg
Bonner plätzeSeite 32 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht26bgmr Landschaftsarchitekten
Bonner verkehrsräume
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 65 Grüngleise reuterstraße
Abb. 66 wilhelmstraße
Abb. 67 Blick vom Stadthaus auf die Oxfordstraße richtung rhein
Abb. 68 Prinz-Albert-Straße
Abb. 69 überdachte Fahrradständer am wilhelmsplatz
Abb. 70 Reuterstraße (Unterführung der Clemens-August-Straße)
Abb. 71 ringstraße in Beuel
Abb. 72 Fahrradstraße in der Altstadt
Abb. 73 Fahrradspur Julius-Leber-Straße / Fontainengraben
Abb. 74 Straßenbahnhaltestelle Auerberger MitteSeite 33 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht27bgmr Landschaftsarchitekten
Bonner Verkehrsräume
Der Freiraum hört nicht bei den grünen Flächen auf,
auch die graue Infrastruktur gehört zum Freiraum einer
Stadt. Hinzu kommt, dass sich die Mobilität verändert
und zunehmend intermodaler wird. auto, Bahn und
Bus oder Fahrrad werden je nach Bedarf, tageszeit und
Entfernung variierend genutzt. Auch in Bonn ist dieser
Trend zu verzeichnen. Dennoch ist Bonn stark durch
dominante und raumstrukturierende Verkehrstrassen
geprägt. Dazu gehören z.B. die Autobahnen A555 und
a565 sowie große magistralen, wie die B9. diese groß-
dimensionierten Verkehrsinfrastrukturen stellen eine
Barrierewirkung für den nicht motorisierten Individual-
verkehr (nMIV) dar.
Übergeordnete radwege sind insbesondere in nord-
Süd-Richtung, wie z.B. am Rhein, vorhanden und
werden gut angenommen. Jedoch fehlt den Langsam-
verkehren (Fußgänger*innen, Fahrrädern und E-Scoo-
ter) teilweise der nötige Raum im Straßenquerschnitt.
Aber auch die Nutzung der Straßenräume als Orte des
Aufenthalts und Flanierens spielen eine immer grö-
ßere Rolle. Wenn die Wertschätzung des öffentlichen
Raumes zunimmt, die Flächen aber begrenzt sind,
stellt sich damit die Frage, wie auch die Straßenräume
zukünftig für die Bewegung, Freizeitnutzung und den
Aufenthalt attraktiver werden können, diese zeitgleich
aber auch den anforderungen an den klimawandel
gerecht werden. Die qualitätsvolle Gestaltung sowie
die temporäre und dauerhafte Mehrfachnutzung von
Straßen und Plätzen für Spiel, Freizeit und für die Lang-
samverkehre sowie Begrünung und Anwendung des
Schwammstadtprinzips werden ressortübergreifende
Gemeinschaftsaufgaben sein.
Mit der Verlagerung des Verkehrs vom Auto auf dem
Umweltverbund wird gleichzeitig ein Beitrag zum Klima-
schutz geleistet. Die Freiraumplanung kann mit Angebo-
ten an Fuß- und radwegen in angenehmer umgebung,
mit Freizeit- und Erholungsangeboten in fußläufiger
bzw. Radentfernung zum Wohnen und Arbeiten sowie
angenehmen Orten des Ankommens und Wartens im
Zuge intermodaler Fortbewegung helfen, die Attraktivi-
tät des Umweltverbundes und zu stärken und so gleich
auch einen Beitrag zum klimaschutz leisten.
Privat(atmo)sphäre
Private Freiflächen machen einen Großteil der Gesamt-
fläche der Stadt aus. Während im Bereich der Altstadt
ein hoher Versiegelungsgrad und hohe Bebauungs-
dichte vorherrschen, sind die viele Grundstücke in den
äußeren Stadtteilen durch große, unbebaute Flächen
geprägt. Diese Freiflächen sind unterschiedlich ausge-
staltet und genutzt. Das Bild geht von vollversiegelten
Innenhöfen/Garagenhöfen über ungenutzte „Abstands-
grünflächen“ bis hin zu gestalteten und genutzten pri-
vaten Freiräumen. Auf diesen privaten Flächen findet
weitestgehend kein Umgang mit Regenwasser (Rück-
halt, Versickerung, Transpiration und Evaporation) statt.
Das Regenwasser wird in die Kanalisation abgeleitet.
Neben den Freiflächen bieten die Gebäude ein hohes
Potential für ein Mehr an Grün. Dächer können blau-
grün ausgeführt das Wasser anteilig zurückhalten und
die Kanalisation entlasten, zur Steigerung der biolo-
gischen Vielfalt beitragen und als Freiraum genutzt
werden. Als PV-Dach trägt es dazu bei, die Klimaschutz-
ziele zu unterstützen. Die Dächer werden so zu einer
begehrten Flächenressource.
Private Flächen bergen somit bei einer Mehrfachnut-
zung ein großes Potential für Klimaanpassung, Klima-
schutz und Erhöhung der Biodiversität und ein Mehr an
Aufenthaltsqualität im städtischen Raum.
Aneignung und Nutzung
Öffentliche Flächen und Parkanlagen werden angeeig-
net. Vermehrt wird der öffentliche Raum durch Einzel-
personen, Gruppen und Vereine für unterschiedliche
Zwecke genutzt, dazu gehören vor allem sportliche
Betätigungen, aber auch das gemeinsame Spielen.
Punktuell trifft man auf kleine Interventionen im Frei-
raum, die auf bisher wenig erfüllte Bedürfnisse aufmerk-
sam machen, wie z.B. Biodiversität, Aufenthaltsorte,
Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, Begrünung von
bisher stark versiegelten Flächen, Schattenplätze, indi-
viduelleres Grün und produktives Grün.Seite 34 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht28bgmr Landschaftsarchitekten
PRIVAT(ATMO)SPHäRE
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 75 „Abstandsgrün“ in der amerikanischen Siedlung Plittersdorf
Abb. 76 Garagenhof in der Altstadt
Abb. 77 Einzelgaragen in Beuel
Abb. 78 „Abstandsgrün“ in tannenbusch
Abb. 79 Private Vorzonen typischer 60er Jahre Bebauung
Abb. 80 Wegeverbindung im Neubauquartier
Abb. 81 Vorgartenfläche von EFH und kleinen MFH
Abb. 82 Garagenhof in Buschdorf
Abb. 83 regenwasserversickerung im privaten Vorgarten
Abb. 84 ungenutzes „Abstandsgrün“ zwischen ZeilenbebauungSeite 35 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht29bgmr Landschaftsarchitekten
aneignung und nutzung
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 85 Hochbeet in Auerberg Mitte
Abb. 86 Pflanzbegrenzungen in der Altstadt
Abb. 87 Baumbeet in Patenschaft im Bundesviertel
Abb. 88 Baumbeet in Patenschaft in der Altstadt
Abb. 89 kinderveranstaltung im hofgarten
Abb. 90 Spielende Kinder auf dem Konrad-Adenauer-Platz
Abb. 91 Festplatz Siegburger Straße
Abb. 92 temporäre Begrünung in der Altstadt
Abb. 93 Urban Gardening zwischen Kölnstraße und RosentalSeite 36 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht30bgmr Landschaftsarchitekten
Produktiv
Bonn produziert. Bedingt durch die hohen Bodenwert-
zahlen sind gute Voraussetzungen für die Produktion
von Lebensmitteln gegeben, sowohl in der Landwirt-
schaft, als auch in Kleingärten, Gemeinschaftsgärten
und Urban Gardening-Flächen. Die Nachfrage nach
privaten Gartenflächen steigt und führt zur Aneignung
nicht genutzter Flächen durch Privatpersonen.
Bonn produziert jedoch mehr als nur Lebensmittel, son-
dern in den Wäldern auch nachwachsende Rohstoffe wie
Holz. Die Agrarlandschaft aber auch die Dächer der Stadt
gewinnen mit den neuen gesetzen und Förderungen an
Bedeutung für die Nutzung zur Produktion von erneuer-
baren energien.
Die Bonner Landschaft produziert auch Kaltluft, die bis
in die überhitzten Stadtgebiete wirken. Die Grünflächen
und Straßenbäume spenden Schatten und Verdunsten
das Regenwasser. Sie produzieren damit Kühlungsef-
fekte. Und das städtische Grün produziert auch bio-
logische Vielfalt, wenn denn die Pflanzenauswahl, die
Biotop- und Strukturvielfalt und eine angepasste Pflege
sichergestellt wird. nicht zuletzt ist der Freiraum eine
Kohlenstoffsenke. Nicht nur im Holz, sondern vor allem
der Boden gilt als Speicher für Kohlenstoff. Die Hälfte der
organischen Substanz im Boden ist Kohlenstoff. Daher
ist das Bodenmanagement in der Freiraumentwicklung
ein wichtiger Faktor einer Klimaschutzstrategie.
Die vielfältigen Ansprüche zusammenzubringen, ist
eine Herausforderung, die nicht immer Konfliktfrei ist.
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 94 Private Landschwirtschaftsparzelle Auerberg
Abb. 95 GemeinschaftsGarten Vilich-Müldorf
Abb. 96 Meßdorfer Feld
Abb. 97 Lebensmittelanbau im Pflanzenfeld
Abb. 98 Private Landwirtschaftsparzelle in Bad Godesberg
Abb. 99 Private Landwirtschaftsparzelle Graurheindorf
Abb. 100 Temporäres Urban Gardening und Imkern auf einer stillgelegten
Gleisanlage in tannenbuschSeite 37 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht31bgmr Landschaftsarchitekten
Mobil und Sportiv
Mobilität umfasst nicht nur die Bewegung von A nach B,
sondern auch einen Teil der Lebensqualität in der Stadt.
Bundesweit erobert der Sport den städtischen Raum mit
seinen begeh- und befahrbaren Flächen. Sport findet nicht
mehr nur auf dem Sportplatz statt, sondern die gesamte
Stadt wird mit ihren Freiflächen zum Bewegungsraum.
Damit erwachsen besondere Anforderungen an Beläge,
Wegebreiten und die Durchgängigkeit bestimmter Wege
in den öffentlichen Räumen der Stadt. Neben den Wegen
selbst müssen auch die Kulissenräume einladend wirken.
Eine Herausforderung der Freiraumentwicklung wird es
sein, die häufig monofunktional gestalteten Sportflächen
in das System der öffentlichen Grünräume zu integrieren
und vermehrt auf den Sportflächen Angebote für nicht
Vereinsmitglieder zu schaffen und in das Netz der öffentli-
chen Grünflächen nach Bedarf zu integrieren.
Fotos von oben links nach unten rechts:
Abb. 101 Sport- und Spielfläche im Grünen C
Abb. 102 Sportmannschaft im Sportpark Nord
Abb. 103 SportBox am Posttower © Bundesstadt Bonn
Abb. 104 Fußball spielende kinder im Sportpark nord
Abb. 105 Skatepark im rheinauenpark (rechtsrheinisch)
Abb. 106 radweg durchs Grüne c
Abb. 107 radweg am rhein
Abb. 108 Sportplatz FinkenbergSeite 38 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht32bgmr Landschaftsarchitekten
3.4 (STATUS QUO) FLäCHENANALYSE
Die Stadt Bonn umfasst eine Gesamtfläche von
141,1 km2 (14.110 ha). Davon sind 46,7 km2, also ein
Drittel (33,1 %) Siedlungsfläche (Wohnbaufläche, Indu-
strie- und Gewerbeflächen). Über die Hälfte des Stadt-
gebietes (57,2 %) gehören den Freiflächen an. Dazu
zählen die Sport-, Freizeit,- und Erholungsflächen sowie
die Wälder, Gewässer und landwirtschaftlichen Flä-
chen. Die übrigen 9,7 % belaufen sich auf Flächen für
die verkehrliche Infrastruktur.
Freiraumverständnis
Freiraum umfasst die gesamte Oberfläche der Stadt,
dazu zählen neben dem Freiraum im klassischen
Sinne (Wälder, Landwirtschaftliche Flächen, Park- und
Grünanlagen und zweckgebundene Freiflächen) auch
die privaten sowie die versiegelten Flächen der Stadt
(Straßen, Plätze und Dachflächen). Im Rahmen eines
gesamtstädtischen Freiraumkonzeptes wird damit die
gesamte Oberfläche der Stadt betrachtet, um diese
hinsichtlich der Erholungsnutzung, der sozialen Teil-
habe und Baukultur sowie Ökologie, Klimaanpassung
und biologischen Vielfalt zu sichern, zu entwickeln und
mehrfach zu nutzen.
Im Folgenden werden zum einem die Bestandsflächen
der Grünen Infrastruktur vorgestellt. Diese wurden im
rahmen des Berichts zum Freiraum monitoring 2017
erfasst und ausführlich beschrieben. Ergänzt wird diese
Flächenkulisse mit der grauen Infrastruktur und den pri-
vaten Freiflächen. All diese Flächen tragen zum grünen
Erscheinungsbild Bonns bei und bilden die Grundstruk-
tur der Freiraumentwicklung, insbesondere im Hin-
blick auf die diversen Herausforderungen die innerhalb
dieser Flächenkulisse gelöst werden wollen (vgl. Kapitel
4).
Grüne Infrastruktur
Waldflächen (28,5 %)
Die Waldflächen nehmen den größten Anteil der Grünen
Infrastruktur auf Bonner Stadtgebiet ein, bestehend aus
den zusammenhängenden Waldgebieten Kottenforst
im Süden und Ennert (als Ausläufer des Siebengebirges)
im Osten von Bonn. Im Vergleich zu anderen Städten
verfügt Bonn damit über einen beachtlichen Anteil an
Wald gemessen an der Stadtgrundfläche. Im Vergleich:
Münster rd. 16% und Karlsruhe rd. 25%)
Landwirtschaftsflächen (14,9 %)
Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind auf dem
gebiet der stadt Bonn zunehmend in den randberei-
chen angesiedelt. Durch Siedlungsentwicklung aus dem
Stadtzentrum nach außen ist ein Rückgang an land-
wirtschaftlichen Flächen erkennbar. Anders als bei den
Waldflächen bildet Bonn mit seinem Anteil an Land-
wirtschaftsflächen das Schlusslicht im Vergleich mit
Karlsruhe (22%), Münster (43%), Bielefeld (33%) und
Mannheim (23%).
Gewässer (4,3 %)
Der Rhein (Gewässer 1. Ordnung) und die Sieg (Gewäs-
ser 2. Ordnung) durchfließt auf knapp 18 km Länge das
stadtgebiet der Bundesstadt Bonn und stellt zusammen
mit seinen Ufern ein prägendes Element der Freiraum-
und Siedlungsstruktur dar. Ergänzt wird dies durch das
verzweigte Ökosystem „Bach“, welches die Landschaft
und, dort wo sichtbar, den Siedlungsbereich prägt.
Jedoch sind ca. 22% der Bachläufe verrohrt, diese kon-
zentrieren sich besonders im siedlungsraum, sodass ein
Erlebbarkeit des Wassers innerhalb der gebauten Stadt
kaum gegeben ist.
Park- und Grünanlagen (5,5 %)
Parkanlagen und Grünflächen sind stadtbildprägende
Freiräume, die für die Freizeitgestaltung, den Aufent-
halt im Freien und das Naturerleben mitten in der Stadt
unverzichtbar sind. Sie stellen ein breites Spektrum
von intensiv genutzten großen Parkanlagen, wie dem
Hofgarten und dem Rheinauenpark, bis hin zu kleine
wohnortnahe Grünflächen in den Vierteln. Aufgrund
der zentralen Lage, der Ausstattung und Erreichbar-
keit haben der Hofgarten und der Rheinauenpark eine
hohe Bedeutung für die erholungsnutzung.
Sportflächen (1 %)
Sportflächen gehören zu den zweckgebundenen
Grünflächen. Insgesamt stehen mehr als 50 Spor-
taußenanlagen im stadtgebiet zur Verfügung. die
meisten Sportanlagen sind in umfangreiche Grünflä-
chen integriert. Sportanlagen stehen außerhalb der
Belegungszeiten durch Schulen und Sportvereine der
Öffentlichkeit zur freien Nutzung zur Verfügung.
Friedhöfe (0,9 %)
Friedhöfe gehören zu den zweckgebundenen Grünflä-
chen. In Bonn gibt es insgesamt 40 kommunale Fried-
höfe unterschiedlichster Ausprägung. Sie reichen von
kleinen, alten Ortsteil-Friedhöfen bis hin zu großen,
ausgedehnten parkähnlichen Anlagen und Waldfried-
höfen neueren Datums. In ihrer Größe variieren sie
zwischen 0,13 ha, wie der Friedhof Plittersdorf, und gut
20 ha, wie der Nordfriedhof.Seite 39 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht33bgmr Landschaftsarchitekten
Abb. 109 Grundlagenkarte Freiraumtypologien (Verkleinerung der Grundlagenkarte zum Bonner Freiraumplan, i.O. M 1:15.000, siehe Anlagen)
Zweckgebundene Grünfläche
(Sportfläche, Friedhof, Kleingarten)
Straßenbegleitgrün
naturschutzgebiete
Landschaftsschutzgebiete
Waldfläche
Landwirtschaftsfläche
Gewässer
Park- und GrünanlageSeite 40 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht34bgmr Landschaftsarchitekten
kleingärten und Flächen mit gärtnerischer nut-
zung (0,8 %)
Kleingärten gehören zu den zweckgebundenen Grünflä-
chen. In Bonn gibt es insgesamt 20 Kleingartenvereine
mit 892 Parzellen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag
zur Freiraumstruktur sowie zur Integration und zur
Identifikation der Bürger*innen mit ihrer Stadt und ver-
schaffen so vielen Menschen eine höhere Lebensquali-
tät. Die Nachfragen nach Gärtnern in der Stadt ist groß
und kann mit den bestehenden Anlagen nicht gedeckt
werden. Wenn Flächen für neue klassische Kleingarten-
nutzug begrenzt sind, stellen zwei strategische Ansätze
Lösungsoptionen dar: 1. Aktivierung von Abstands-/
Freiflächen im Geschoßwohnungsbau zu Mietergärten
oder 2. das gemeinschaftliche Gärtnern. Auffallend
ist in Bonn der hohe Anteil an Grabeland, das sich von
der kleingartennutzung unterscheidet. grabeland dient
klassisch dem Gärtnern in Form von Anbau von ein-
jährigen Pflanzen. Einzelne Parzellen des Grabelandes
werden zwischenzeitlich zweckentfremdet und zum
Beispiel als Lagerplatz genutzt. Dies gilt es zu prüfen
und gegebenfalls diese Flächenpotenitale des Grabe-
lands für Flächen des gemeinschaftlichen Gärtnern
zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus finden sich in
Bonn verschiedene Angebote des Gemeinschaftsgärt-
ners unterschiedlicher Akteure.
Straßenbegleitgrün (1,3 %)
Straßenbegleitgrün umfasst alle im Kontext zu Ver-
kehrswegen stehenden Vegetationsflächen, unabhän-
gig ihres Ursprungs. Neben technischen Funktionen des
Grüns spielen hier vermehrt auch ökologische und kli-
matische Freiraumfunktionen eine große Rolle. Durch
eine weitere Anpassung der Pflege sollte auf diesen Flä-
chen die Biologische Vielfalt gesteigert werden.
Schutzgebiete
Insgesamt sind 50,2 % der Gesamtfläche der Stadt Bonn
als schutzgebiete ausgewiesen. große teile der Land-
schaftsräume Bonns sind als Landschaftsschutzgebiete
(LSG), geschützte Landschaftsbestandteile (LB) oder
als naturschutzgebiete (nsg) geschützt. diese werden
wiederum in teilen überlagert durch den schutzsta-
tus von Natura 2000-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat-
gebiete, Vogelschutzgebiete). diese bilden über die
stadtgrenzen hinaus große areale und erfordern eine
besondere sorgfalt und eine ausgewogene strategie
zwischen schutz und nutzung. die schutzgebiete im
sinne des naturschutzrechts auf dem stadtgebiet Bonn
sind in den drei rechtskräftigen Landschaftsplänen Sieg-
mündung, Ennert und Kottenforst festgesetzt. Es sind
elf Naturschutzgebiete und weitere 24 Landschafts-
schutzgebiete ausgewiesen. Überwiegend setzen sich
die Schutzgebiete aus den Waldflächen, den Landwirt-
schaftsflächen sowie dem Rhein mit Rheinauenpark
zusammen. zudem hat Bonn im Vergleich zur gesamt-
fläche einen hohen Anteil europäischer Schutzgebiete
(21,8 %). Aktuell sind vier Gebiete als FFH-Gebiete
gemeldet: der Ennert als Teil des Siebengebirges (496
ha), die siegmündung (151 ha), der rodderberg (33 ha
und der Kottenforst (2.457 ha).
Grüne Infrastruktur im städtischen Vergleich
Bonn ist eine grüngeprägte Stadt. 53 Prozent der Stadt-
fläche sind Grüne Infrastruktur. Im städtischen Ver-
gleich: Karlsruhe (55%), Münster (63%), Bielefeld (60%)
und Mannheim (44%).
Vergleicht man den anteil der Freizeit- und erholungs-
flächen (Park- und Grünanlagen, Kleingärten, Fried-
höfe, Sportanlagen) und Waldflächen mit den anderen
Städten liegt Bonn an der Spitze und verfügt über eine
gute Ausstattung. Auffällig ist der unterdurchschnitt-
liche geringe Anteil an Landwirtschaftlichen Flächen
innerhalb des stadtgebietes.
Betrachtet man die Flächenkulisse mit der Brille der
Freizeit- und Erholungsnutzung kann Bonn auf einen
soliden Grundstock zurückgreifen. Doch Freiraum muss
Abb. 110 Städtebauliche Flächenkulisse
wald
28,5%
14,9%
4,3%
5,5%
1,3%
33,1%
9,7%
2,7%
Schutzgebiete
Landwirtschaft
Gewässer
Parkanlage
Zweckgeb. Grünfl.
Straßenbegleitgrün
Siedlungsfläche
Verkehrsflächen
50,2%Seite 41 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht35bgmr Landschaftsarchitekten
100% Stadtfläche Bonn
100% Stadtfläche Karlsruhe
100% Stadtfläche Münster
100% Stadtfläche Mannheim
100% Stadtfläche Bielefeld
16,3%
3,2%
7,3%
43,7%
12,5%
20,8%
7,4%
5,7%
23,8%
33,4%
25,6%
28,5%
9,6%14,9%
Datenquellen: IFS Monitoring 2017, Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster; Stadt Mannheim, Kom-
munale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022
wald
Landwirtschaftsflächen
Freizeit- und Erholungsflächen
(Park- und Grünflächen, Spielplätze,
Kleingartenanalgen, Friedhöfe)
22,6%
Abb. 111 Städtevergleich Grüne infrastrukturSeite 42 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht36bgmr Landschaftsarchitekten
weit mehr leisten. die herausforderungen sozialer teil-
habe und Stadtwachstum sowie Ökologie, Klimaan-
passung, gesunde Ernährung und biologischen Vielfalt
stellen ihre Anforderungen an die städtische Freiraum-
struktur. Umso wichtiger ist es den Blick zu weiten und
auch die grauen Flächen und privaten und öffentlichen
Baufeldflächen im Sinne der Freiraumentwicklung zu
betrachten.
Graue Infrastruktur - Verkehrsflächen
Kommunale Verkehrsplanung war lange Zeit einsei-
tig auf das Automobil ausgerichtet. Ziel war die auto-
gerechte Stadt, die unbegrenzte PKW-Mobilität für
alle Bürger*innen. Doch die Städte und Gemeinden
litten zunehmend unter den Auswirkungen von immer
mehr Straßen, Verkehrslärm, Parkplätzen und später
dann der daraus resultierenden Umwelt- und Luftver-
schmutzung. Die Fläche für verkehrliche Infrastruktur
entspricht 9,7 % der Gesamtfläche. Entsprechend ist
das heutige Stadtbild in Bereichen noch von breiten
Straßenquerschnitten geprägt. Dies birgt entsprechend
großes Potential einerseits für den Umweltverbund
(Fuß-, Radverkehr und ÖPNV), der in den Mittelpunkt
der heutigen Verkehrsplanung rückt, als auch für eine
Grün-Blaue Umgestaltung von Verkehrsräumen.
Siedlungsfläche: private und öffentliche
Bauflächen
33,1 % der Gesamtfläche der Stadt Bonn sind bebaute
Fläche einschließlich der dazugehörigen Freiflächen
auf den Grundstücken. Diese Flächenkulisse umfasst
die Oberfläche der über Jahrhunderte gewachsenen
gebauten Stadtstruktur. Betrachtungsgegenstand sind
die Wohnbauflächen, gewerblichen Bauflächen und
Flächen der öffentlichen Infrastruktur, wie Schulen oder
Verwaltungsgebäude.
Die Struktur, bedingt durch das historische Stadtwachs-
tum, orientiert sich entlang des Rheins und entlang der
Hänge des Kottenforstes und des Siebengebirges. Bonn
ist durch drei verdichtete Zentren geprägt, die heutige
Altstadt, als Hauptzentrum, ergänzt durch die Zentren
Beuel und Bad godesberg. in diesen Bereichen erhöht
sich der Anteil an verdichteter Block- und Randbebau-
ung mit entsprechend geringen Anteilen an grünen
Grundstücksflächen. Die Block- und Randbebauung
(12,2 %) und die verdichtete gemischte Bebauung (16,0
%) weisen einen relativ geringen Anteil auf. Die vorwie-
gende Bebauungsstruktur in Bonn wird geprägt durch
Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser. Diese machen 46,9
% der bebauten Flächen aus. Entsprechend ist der
Anteil an privaten Freiflächen, die grün gestaltet sind
oder das Potential dafür haben, sehr groß. Eine weitere
erhebliche Flächenkulissen bilden die Gewerbegebiete
mit 25% der bebauten Flächen.
Relevant bei der zukünftigen Freiraumentwicklung sind
neben den ebenerdigen Flächen (Hinterhöfe, Schul-
höfe, Abstandsgrün Zeilenbebauung und Restflächen
und Abstandsgrün innerhalb der Gewerbeflächen)
ebenso die Dächer und Fassaden der Gebäude.Seite 43 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht37bgmr Landschaftsarchitekten
wohnnutzung und Mischnutzung
(Einwohnerdichte pro Baufeld nimmt von hell zu dunkel zu)
Gewerbe
Dienstleistung, Verwaltung und (soziale) infrastruktur
Abb. 112 Städtebauliche nutzungen nach wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Verwaltung und (soziale) infrastrukturSeite 44 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht38bgmr Landschaftsarchitekten
4. HERAuSFORDERuNGEN FüR DIE BONNER FREIRAuMENTWIcKLuNG
Die vielschichtigen Freiräume Bonns (vgl. Kapitel 3)
tragen zum grünen Charakter der Stadt bei und bieten
unterschiedliche Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten
für die Bonner*innen. Gleichzeitig steht die Stadt- und
Freiraumentwicklung vor großen Herausforderungen,
wie Verdichtung, klimafolgen, artensterben oder demo-
grafischen Veränderungen, denen auf knappen Flä-
chen begegnet werden muss. Eine zukunftsorientierte
Freiraumentwicklung betrachtet deshalb die gesamte
mehrdimensionale Oberfläche der Stadt und bezieht
diese in die Freiraumentwicklung mit ein. Hierbei ist
die graue Infrastruktur, wie Straßen, Stellplätze sowie
Dächer und Fassaden, die letzte große Flächenreserve
für ein mehr an grün in der dicht bebauten stadt. dieses
Freiraumverständnis sowie die Analyseergebnisse der
Stadt- und Freiraumstruktur und Erkenntnisse aus dem
Urban Mapping bilden die Grundlage für dieses Kapitel.
Bonns Stadt- und Freiraumentwicklung wird beeinflusst
durch eine Vielzahl an rahmenbedingungen. gleichzei-
tig wird jede Stadt durch übergeordnete nationale oder
auch internationale Megatrends beeinflusst. Sie stellen
die Stadt vor spezifische Herausforderungen, die mit
eigenen Strategien innerhalb der spezifischen Stadt-
und Freiraumstruktur gelöst werden müssen.
+ Stadtwachstum und Freiraum
+ Biodiversität, Artenschutz und Naturerleben
+ Klimaanpassung und Ressourcenschutz
+ Sport, Bewegung und Gesundheit
+ Vielfältige Freiraumansprüche auf knappen
Flächen
sind solche Trends, die derzeit die städtische Freiraum-
entwicklung fordern und vor erhebliche Aufgaben
stellen. im Folgenden werden zu diesen trends die her-
ausforderungen und daraus entstehende aufgaben der
Bonner Freiraumentwicklung erläutert.
4.1 StADtwAchStuM unD FrEirAuM
Bonn ist im Vergleich mit anderen Städten ähnlicher
Einwohnerzahl relativ dicht bebaut und wächst zudem
weiter. in der stadt leben 335.975 menschen (stand
2022) auf 141 Quadratkilometern. Das entspricht einer
Einwohnerdichte von 24 EW/ha und einer höheren
Dichte mit vergleichbaren Städten, wie Karlsruhe, Mün-
ster, mannheim und Bielefeld. in der siedlungsdichte
liegt Bonn mit 72 EW/ha leicht unter Karlsruhe (siehe
abbildungen 113 und 114). im Vergleich ist jedoch
keine der hier betrachteten Städte so dicht besiedelt
wie diese beiden.
Freiraumverfügbarkeit
In Bonn stehen pro Einwohner*in 23 m2 öffentlich
zugängliche Grünflächen zur Verfügung. Dies entspricht
in etwa den empfohlenen Orientierungswerten für die
Gesamtversorgung mit erholungswirksamen öffentli-
chen Grünflächen des Bundesamtes für Naturschutz
2023 (24 m²/EW): „Stadtnatur erfassen, schützen, ent-
wickeln: Orientierungswerte und Kenngrößen für das
öffentliche Grün“.1 Die Verfügbarkeit mit Erholungsflä-
che pro Einwohner*in liegt mit 40 m2/EW im mittleren
Bereich. entscheidend für die Freiraumverfügbarkeit ist
die Betrachtung der Verteilung der Flächen im Stadt-
gebiet und der Erreichbarkeit. Das Monitoring zum IFS
2017 hat die Versorgung und Erreichbarkeit von Grün-
flächen und auch erweiterten Freiräumen (gesamte
Grüne Infrastruktur) analysiert. Diese zeigt eine man-
gelnde Erreichbarkeit von kleinen Grünflächen bei
einer Entfernung von (Luftlinie) 250 m insbesondere
in Bereichen der dichter bebauten innenstadtlagen
und Wohnstandorte ohne viel privates Grün. Größere
1 Bundesstadt Bonn: Bericht zum Freiraum Monitoring der Bundes-
stadt Bonn 2017; Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Deutsches Institut für
Urbanistik gGmbH (Bundesamt für Naturschutz/Difu): „Stadtnatur erfassen, schützen
,entwickeln: Orientierungswerte und Kenngrößen für das öffentliche Grün – Natur-
schutzfachliche Begleitung der umsetzung des Masterplans Stadtnatur: Schlussbe-
richt BFN-Schriften 653/2023)
Mehrfache Innenentwicklung
Dem integrierten Entwicklungsprinzip der „Mehrfachen Innenentwicklung“ entsprechend soll eine bauliche
und funktionale Innenentwicklung (im Sinne einer kompakten Stadt der kurzen Wege) mit einer Ergänzung
und Qualifizierung des Grüns sowie mit einer Erhöhung der klimaschonenden Mobilitätsoptionen kombi-
niert werden, um die möglichen negativen Folgen baulicher Verdichtung (Versiegelung, Verkehrsaufkom-
men, Verletzlichkeit im Zuge des Klimawandels) von vornherein zu minimieren. So verstanden ermöglicht die
„Mehrfache Innenentwicklung“ die Umsetzung von ortsangepassten baulichen und funktionalen Dichten und
gleichzeitig die Chance, die Quantität und Qualität des Freiraums zu erhöhen, die Mobilitätsangebote vor Ort
zu optimieren und einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten. (Quelle: Agglomerationsprogramm
Region Köln/Bonn (2021))Seite 45 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht39bgmr Landschaftsarchitekten
Bonn 2021
24 EW/ha
EW: 335.975
Bonn 2021
72 EW/ha
karlsruhe 2020
17 EW/ha
EW: 229.785
karlsruhe 2020
74 EW/ha
Münster 2021
10 EW/ha
EW: 316.403
Münster 2021
73 EW/ha
Mannheim 2021
22 EW/ha
EW: 326.008
Mannheim 2021
80 EW/ha
Bielefeld 2020
13 EW/ha
EW: 339.419
Bielefeld 2020
59 EW/ha
Abb. 113 Einwohnerdichte fünf deutscher Großstädte in Einwohner*innen/ha Gesamtstadtfläche
Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster;
Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022
Abb. 114 Siedlungsdichte fünf deutscher Großstädte in Einwohner*innen/ha bebauter Fläche der Stadt
Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster;
Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022
Abb. 115 Freiraumdichte in Quadratmeter pro Einwohner*in
Quelle: Bevölkerungsstatistik Stadt Bonn am 31.12.2021, Opendata der Stadt Bonn; Statistisches Jahrbuch 2021 Karslruhe; Jahres-Statistik 2021 der Stadt Münster;
Stadt Mannheim, Kommunale Statistikstelle, Stadt Mannheim - Auszug aus dem Liegenschaftskataster, FB61; Stadt Bielefeld Statistik kompakt 2022
40 Erholungsflächen
Landwirtschaftsflächen
wälder
Wasserflächen
42
131 148
23 30 33
106
56
23 43
254
158
5
419
156
19
63
120
18
Bonn karlsruhe Münster Mannheim BielefeldSeite 46 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht40bgmr Landschaftsarchitekten
Grünflächen werden besonders gut entlang der Rhein-
schiene erreicht. Gleichzeitig wird mit der Analyse der
erweiterten Freiraume sichtbar, welche bedeutende
Rolle die Wälder und landwirtschaftlichen Flächen
für die Erholung haben. Die gute Freiraumversorgung
nahezu stadtweit ist auf diese Flächenkulisse zurück-
zuführen. Defizite entstehen zum großen Teil aufgrund
Barrierewirkungen der Verkehrsinfrastruktur oder
großflächiger Gewerbegebiete die eine Erreichbarkeit
erschweren.
Mehrfache Innenentwicklung
Bonn ist bestrebt seine Innenentwicklungspotentiale
unter dem Ansatz der mehrfachen Innenentwicklung
auszuschöpfen. Das bringt aber auch gesteigerte Anfor-
derungen an die Freiräume, besonders in den ohnehin
schon dichteren innerstädtischen Quartieren, mit sich.
die herausforderung wird daher sein, die strategie der
mehrfachen Innenentwicklung zu stärken. Somit muss
die Verdichtung der Stadt gleichzeitig mit einer quali-
fizierten Grünentwicklung einhergehen sowie einem
Erhöhen der klimaschonenden Mobilitätsoptionen.
das beinhaltet
− die Sicherung und Qualifizierung von öffentli-
chen Grünflächen, insbesondere im verdichteten
siedlungsraum,
− die Schaffung von neuen kleineren grünen Oasen,
− die Nutzung der bebauten Oberfläche der Stadt in
Form von Dach- und Fassadenbegrünung,
− die Qualifizierung der Straßenräume hinsichtlich
der Aufenthaltsqualität und Grünausstattung
sowie
− das Konzept „Stadt der kurzen Wege“ und damit
eine Veränderung des Modal Split zugunsten der
Langsamverkehre und
− das Konzept der Schwammstadt mit einer wasser-
sensiblen und hitzevorsorgenden Gestaltung der
Oberfläche der Stadtlandschaft.
So kann mit mehrfacher Innenentwicklung die Stadt
dichter, aber gleichzeitig grüner werden, indem neue
Grünpotentiale erschlossen und bestehende qualifi-
ziert werden.
Druck auf Außenflächen steigt
Bonn profitiert von seinen großen Landschaftsräu-
men, wie z.B. dem Kottenforst, dem Ennert und der
Siegaue. Durch den Siedlungsdruck und die knapper
werdenden Innenentwicklungsflächen wird ein starker
Druck auf die Ränder der Stadt ausgeübt, besonders
auf landwirtschaftlich genutzte Flächen, wie etwa das
von Siedlungsfläche umschlossene Meßdorfer Feld.
Die Landwirtschaftsflächen machen mit 14,9 % an
der Gesamtfläche in Bonn bereits einen sehr geringen
Teil der Flächen im Vergleich zu anderen Städten aus.
Zurückzuführen ist dies auf die dicht besiedelte Region
Köln/Bonn. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung über
die letzten 20 Jahre kontinuierlich gestiegen ist.2 dies
gilt für die gesamte Region, entsprechend herrscht
ein hoher Siedlungsdruck und daraus resultierend ein
hoher Druck auf die Landschaftsräume.
darüber hinaus wachsen auch die umliegenden nach-
bargemeinden und weisen neues Bauland aus. somit
rücken die angrenzenden Kommunen mit ihren Sied-
lungsbereichen immer näher an das Bonner Stadtge-
biet heran. Das Projekt Grünes C hat diese Problematik
aufgegriffen und über die Definition einer interkommu-
nalen Gebietskulisse den verbleibenden Freiraum zwi-
schen den Siedlungen erhalten und weiterentwickelt.
Auch der Klimaschutz trägt einen Beitrag zum Druck auf
die Außenflächen bei. Bei der Standortsuche für erneu-
erbare Energien, wie Photovoltaikanlagen und Winden-
ergie, werden große Freiflächen benötigt.
2 Bundesstadt Bonn: Bevölkerungsstatistik (Mai 2020)
Abb. 116 Suchräume für Städtebauprojekte (kreise) und
Planungsumgriff Rahmenplanung Bundesviertel (Umrandung)Seite 47 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht41bgmr Landschaftsarchitekten
Wo möglich, Mehrfachnutzung
daraus ergeben sich aufgaben für die Freiraument-
wicklung für die kommenden Jahre. Vorhandene Flä-
chen, die der wohnortnahen erholung dienen, gilt es
besonders zu sichern und zu qualifizieren. Strategien
der Multicodierung von Flächen sind hier von besonde-
rer Bedeutung. Wesentlich wird eine vorausschauende
Freiflächenpolitik sein, die bei dem prognostizierten
Stadtwachstum eine zukünftige Freiraumentwicklung
ermöglicht und die insbesondere auch den ausbau und
die Qualifizierung von innerstädtischen Grünflächen
und Wegenetzen, die den dicht bebauten Bereichen
gut zugeordnet sind, weiterbefördert.
Bei knappen Flächen werden Mehrfachnutzungen
anzustreben sein, Nischen (z.B. Pocket Parks) müssen
aktiviert, Dächer, Stellplätze und Straßen hinsichtlich
der Freiflächenfunktionen qualifiziert werden. Ener-
giegewinnung durch PV kann mit Dachbegrünung wie
auch mit landwirtschaftlichen Nutzungen kombiniert
werden. Weitere Freiraumpotentiale sind zu erkunden
und zu heben. die Bezüge in die region werden zu qua-
lifizieren sein und die schon gute Zusammenarbeit (Bei-
spiel Grünes C) noch stärker ausgebaut werden.
Herausforderungen „Stadtwachstum und
Freiraum“
+ Bonn ist eine wachsende stadt
+ Bonn liegt in einem regionalen
Wachstumsraum
+ Mehrfache Innenentwicklung unter der Prä-
misse von hohen Freiraumqualitäten
+ Druck auf landwirtschaftliche Flächen durch
Bevölkerungsanstieg und Energiewende
+ Übernutzung vorhandener Flächen, Eventisie-
rung des Freiraums
+ Konflikte Naturschutz/ Erholungsnutzung
Aufgaben „Stadtwachstum und Freiraum“
+ Erhalt, Sicherung und Pflege der grünen
Infrastruktur
+ Qualifizierung/Profilierung:
Freiraumqualifizierung/-profilierung: (z.B. Po-
ket Parks als kleine grüne Oasen qualifizieren)
+ Entwickeln: im Huckepack mit städtebaulichen
Entwicklungen Freiräume schaffen
+ Aktivierung und Mehrfachnutzung insbe-
sondere vorhandener „grauer“ Flächen (z.B.
Straßen, Dächer, Fassaden, Stellflächen)
+ Kooperieren: Freiraumpotentiale von halböf-
fentlichen Flächen nutzen und ausbauen (z.B.
Schulhöfe, institutionelles Grün)
+ Vernetzung: neue Wege in die Landschaft her-
stellen und vorhandene qualifizieren
+ Regional Verflechten: regionale zusammenar-
beit weiter ausbauenSeite 48 von 113
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Endbericht42bgmr Landschaftsarchitekten
4.2 BiODiVErSität, ArtEnSchutZ unD
nAturErLEBEn
Bonn sichert mit ca. 7.100 ha Schutzgebieten nach dem
naturschutzrecht1 eine reiche Auswahl an Naturräu-
men in der Stadt, dies entspricht rund der Hälfte des
Stadtgebiets. Die Schutzgebiete sind wichtiger Bestand-
teil des Biotopverbundsystems NRW. Die charakteristi-
schen, naturräumlichen Strukturen bildet neben dem
Kottenforst, dem Siebengebirge (Ennert) und dem FFH-
gebiet siegaue der rhein, der in süd-nord-richtung
zentral durch das Stadtgebiet verläuft.
Die ausgewiesenen Schutzgebiete decken nur einen
Teil der für Biodiversitätssicherung und Naturerleben
bedeutsamen Flächen ab. Stadt und Natur in räumli-
cher Nähe sind ein Merkmal städtischer Lebensquali-
tät, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dies macht
sich durch den steigenden Nutzungsdruck auf die
unterschiedlichen Freiflächen in Bonn bemerkbar. Eine
zunehmende Eventisierung von Grünflächen stellt die
Stadt vor neue Herausforderungen.
Biodiversität als Zukunftsaufgabe
Für eine zukunftsfähige Freiraumentwicklung wird
neben den schutzgebieten die gesamte stadt im sinne
der Biodiversität mit einbezogen. Mit dem Wiesenpro-
gramm im rahmen des Labels stadtgrün naturnah ist
Bonn dahingehend erste Schritte gegangen und auch
durch das amt für umwelt und stadtgrün werden
diverse Wiesenflächen extensiv in der Stadt gepflegt.
In den dichten stark versiegelten Innenbereichen Alt-
stadt und Zentrum Beuel sind weitere innovative Maß-
nahmen im Bestand auf knappen Flächen gefragt, z.B.
Dachbegrünung als Biodiversitätsdach und Fassaden-
begrünung, (teil-)entsiegelungen oder eine artenreiche
Grünausstattung auch auf kleinen Grünflächen und der
Begrünung von Abstandsflächen und Verkehrsgrün.
Artenschutz
Bei vielen geschützten und schützenswerten Arten
sind im Stadtgebiet negative Bestandsentwicklungen
zu verzeichnen. In letzter Zeit sind auch bei den Arten
der offenen Feldflur, deren Bestände lange Zeit als
stabil galten, teilweise starke Rückgänge festzustellen.
das stadtgebiet der Bundesstadt Bonn umfasst insbe-
sondere im Norden und Westen noch Freiflächen, die
acker- und gemüsebaulich oder als Grünland genutzt
werden. ebenfalls in diesem Bereich gibt es zuneh-
mend Flächen, die der naturschutzfachlichen Kompen-
sation von Bebauungsplänen und Straßenbauprojekten
1 Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete und geschützte Land-
schaftsbestandteile, einschließlich FFH-Gebiete
dienen und somit langfristig dem Natur- und Arten-
schutz nutzen sollen.2
Der Artenschutz ist bei der Stadtentwicklung und der
Bauleitplanung in den vergangenen Jahren zunehmend
in den Fokus gerückt. Dies sollte weiter fortgeführt und
verstetigt werden.
Wildtierfreundliche Gestaltung
Unter dem Begriff der wildtierfreundlichen Gestaltung
wird eine Strategie verstanden, die das Schaffen von
Wohnraum und die städtebauliche Entwicklung mit
der Entwicklung von Habitaten für Tiere verknüpft. Im
Huckepack der Stadtentwicklung werden gleichzeitig
‚Wohnungen‘ für Tiere in der Stadt angelegt. Bestimmte
gebäudebrütende Vögel, Fledermäuse, Amphibien,
Reptilien und Insekten können im städtischen Kontext
gute Lebensbedingungen finden, wenn bestimmte
Anforderungen von Arten an ihre Umwelt berück-
sichtig werden. Dazu zählt nicht nur der ‚Wohnraum‘
einer art sondern die gesamtheit aller anforderungen
(Fortpflanzungs- & Ruhestätten, Lebensraumstruktu-
ren, nahrungsangebote etc.) an ihren Lebensraum.
Das Konzept der wildtierfreundlichen Gestaltung plant
diese Anforderungen entsprechend dem Jahreszyklus
der jeweiligen Leitarten mit.
Gewässer als Orte der Biodiversität
Die Gewässerlandschaften, sprich die zahlreichen klei-
nen und großen Bäche und der Rhein, bieten wichtige
Lebensräume für Flora und Fauna und sind bedeu-
tende Verbundräume aufgrund ihrer linearen Ausprä-
gung. Mit dem Bachentwicklungsplan von 2008 und
der geplanten Gewässerentwicklungen im Rahmen
der Wasserrahmenrichtlinie wurden bereits einige
Maßnahmen für den Erhalt und die Neuanlage von
gewässerbezogenen Lebensräumen umgesetzt, z.B.
renaturierungsmaßnahmen am Lengsdorfer Bach, Vili-
cher Bach oder holtdorfer Bach. solche maßnahmen
der Gewässerentwicklung bieten sich auch an, diese
mit der Freiraumentwicklung und dem Landschaftser-
leben zu verknüpfen.
Naturerfahrung in der Stadt
Naturerleben kann in den großen Landschaftsräumen
der Siegaue oder dem Kottenforst erfolgen, aber auch
in kleinen Räumen im besiedelten Gebiet, wie z.B. die
düne tannenbusch. orte des naturerlebens einladend
zu gestalten, sind Aufgaben der Freiraumplanung.
Gleichzeitig müssen durch eine geschickte Lenkung
der Erholungssuchenden und attraktive alternative
2 Artenschutzkonzept Bonn Nord-West (2017)Seite 49 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht43bgmr Landschaftsarchitekten
Abb. 117 Biodiversität und Schutzgebiete
naturnaher Spielplatz
Obstlehrpfad
Lehrpfad der Artenvielfalt in der Stadt
naturbeobachtungsstelle
haus der natur
Wildtiergehege
Achtsamkeitspfad
naturschutzgebiet
Landschaftsschutzgebiet
FFH-Gebiet
Streuobstwiesen
wiesenprogramm (aus Label StadtGrün der Stadt Bonn)
Artenreiche Staudenbeete, Säume, Blühinseln, hecken,
Biotopelemente (aus Label StadtGrün der Stadt Bonn)Seite 50 von 113
Bonner Freiraumplan
Endbericht44bgmr Landschaftsarchitekten
Angebote Konflikte zwischen Erholungssuchenden,
Landwirtschaft/Forsten und dem Naturschutz reduziert
werden.
Auch die 38 Streuobstwiesen, welche sich an den Rän-
dern der Siedlungsbereiche konzentrieren, tragen zum
naturerleben in der stadt bei. zudem hat die stadt Bonn
mit dem Haus der Natur und den Naturlehrpfaden neue
Angebote für die Naturbildung geschaffen.
herausforderung ist es, das naturerleben sowie auch
die naturbildung in die dicht besiedelten Bereiche der
Stadt zu bringen. Dazu dienen auch kleinere begrünte
Flächen, die auf Schulhöfen, Sportanlagen oder in Parks
als Rückzugsräume genutzt werden können.
Herausforderungen „Biodiversität, Arten-
schutz und Naturerleben“
+ dichte stadt – grüne stadt?
+ artensterben
+ Biologische Vielfalt im dicht besiedelten raum
+ Biotopverbund
+ teilhabe und naturerleben
+ Nutzungsdruck auf Flächen
Aufgaben „Biodiversität, Artenschutz und
Naturerleben“
+ Förderung der Biodiversität, Arten- und
Biotopschutz
+ umsetzung der maßnahmen Label stadtgrün
+ Schutz und Koordination: Lenkungskonzepte
in den wertvollen Naturräumen
+ Neues Stimmulieren: anreicherung der
Lebensstätten in der Stadt - wildtierfreundliche
gestaltungSeite 51 von 113
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Endbericht45bgmr Landschaftsarchitekten
4.3 kLiMAAnPASSunG unD
rESSOurcEnSchutZ
Der Klimawandel stellt die Städte vor immer größere
Herausforderungen, die schon heute zu spüren sind.
Das bedeutet eine Zunahme:
− von lokalen Starkregenereignissen
− von längeren Trockenperioden
− der anzahl der sommer- und hitzetage und
− der Nächte mit einer Temperatur von über 20°C
(Tropennächte).
Derzeit werden für Bonn mit dem MUTABOR-Projekt
Szenarien basierte Klimaanpassungsmaßnahmen unter-
sucht und der Anpassungseffekt bewertet. Grundlagen
zur aktuellen Situation des Stadtklimas und planungsre-
levante Hinweise liefern die Analyseergebnisse/-karten
der Stadtklimaanalyse ZURES aus dem Jahr 2018.
Freiräume sind Kühlräume
Mit den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und
besonders mit den Wäldern und Bachtälern, die sich bis in
die Stadt ziehen, verfügt Bonn über große nächtliche Kalt-
und Frischluftentstehungsgebiete am Stadtrand. Zudem
bieten die größeren innerstädtischen Grün- und Freiflä-
chen ein hohes bis sehr hohes Ausgleichspotential an Hit-
zetagen. In den hochverdichteten Bereichen, wie z.B. der
altstadt oder im zentrum Beuel fehlen diese großen ent-
lastungsräume. Dies wirkt sich besonders auf vulnerable
Gruppen aus, welche von der steigenden Hitze- und Trok-
kenbelastung zusätzlich belastet und eingeschränkt sind.
Hier werden kleine Freiräume, begrünte Hinterhöfe und
klimaangepasster Straßenraum immer bedeutsamer.
Bäume als kühlende Elemente
Eine wichtige Rolle im Stadtraum nehmen die Bäume
ein, diese können die Temperatur in der Stadt beson-
ders stark beeinflussen. Neben der stadtgestalterischen
Bedeutung spenden Bäume Schatten und reduzie-
ren ein extremes aufheizen von versiegelten Flächen.
Stadtbäume können mit ihren Wurzeln viel Wasser
aufnehmen. Ein mittelalter Stadtbaum verdunstet ca.
200 l Wasser an einem sommerlichen tag. durch Ver-
dunstung entsteht vor allem während der warmen
Jahreszeit ein größerer Kühlungseffekt in den dichtbe-
siedelten Bereichen, wenn die Bäume auch Wasser zur
Verdunstung haben (nutzbare Feldkapazität). Anstelle
der schnellen ableitung des regenwassers in die kana-
lisation sollte vermehrt darauf hingewirkt werden, dass
das Regenwasser für die Wasserversorgung der Bäume
genutzt wird. hierbei ist darauf zu achten, dass bei
der nutzung des regenwassers als ressource für den
stadtbaum anforderungen in Bezug auf Wasserquali-
tät, Menge, Verteilung im Jahresgang sowie Sicherung
guter Wuchsbedingungen und Artenwahl zu berück-
sichtigen sind.
Derzeit prägen rund 30.000 Straßenbäume das Bonner
Stadtbild. Im 2023 vorgelegten Baumkonzept der Stadt
wurden fast 800 neue potentielle Standorte für Stra-
ßenbäume in elf Stadtteilen mit besonderem Bedarf
ermittelt werden. Ein darin enthaltener Exkurs zum
thema regenwasser macht nochmal deutlich, dass bei
der Planung und Umsetzung das Zusammenspiel von
Stadt- und Grünplanung, Siedlungswasserwirtschaft
und Tiefbau eine wichtige Stellschraube ist
Wasser als Ressource: Schwammstadt und
Schwammlandschaft
Wasser ist ein Lebensmittel, das in Bonn in zwei Grund-
wasserwerken in der Siegaue und zum überwiegenden
Teil aus der Wahnbachtalsperre gefördert wird. Mit dem
Klimawandel werden die hoch versiegelte und dicht
bebaute Stadträume zum einen heißer und trockener,
zum anderen treten zunehmend Starkregenereignissen
auf, die zu Überflutungen führen können.
Gleichzeitig wird fast im gesamten Stadtgebiet das
Regenwasser in der Mischwasserkanalisation abgeführt
und steht nicht mehr
− zur Verdunstung und kühlung der stadt
− zur Versorgung der Vegetation, insbesondere für
Bäume mit Wasser in Hitzeperioden
− zur Versickerung und damit zur Stärkung
des Landschaftswasserhaushalts und der
grundwasserneubildung
zur Verfügung.
Deshalb bedarf es zukunftsweisender, integrierter Kon-
zepte im Sinne der wass

Gekürzt — den vollständigen Text enthält das PDF.

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Datenstand: 02.11.2026, 20:46 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de