231893 · Beschlussvorlage
Zielbeschluss zur Klimaanpassung
Kerndaten
- Nummer
- 231893
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 31.10.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 231893 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Zielbeschluss zur Klimaanpassung Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 15.11.2023 Empfehlung Rat 12.12.2023 Entscheidung Beschlussvorschlag 1. Der Rat der Bundesstadt Bonn bestätigt, dass die Aktivitäten der Stadt Bonn zur Klimaanpassung auf Basis der vorliegenden Informationen zur Ausprägung des Klimawandels in Bonn und in Anbetracht des weiter fortschreitenden Klimawandels verstärkt werden müssen. 2. Art und Umfang der zusätzlichen Anpassungsaktivitäten im Rahmen des kommunalen Handlungsspielraums, sollen sich im Wesentlichen an nachfolgenden Zielsetzungen orientieren: a. Hitzevorsorge – möglichst weitgehender Erhalt der Klimafunktionen der Flächen mit hohem und sehr hohem Schutzbedarf und Reduktion der thermischen Belastungsschwerpunkte, insbesondere in Bereichen mit der Handlungspriorität 1 und 2 gemäß Planungshinweiskarte Hitze (DS 231894). b. Trockenheitsvorsorge – Stärkung des natürlichen Wasserkreislaufs und Erhöhung des Anteils der dezentralen Nutzung des anfallenden Regenwassers, insbesondere im Rahmen anstehender Planungsvorhaben und in Fokusräumen mit erhöhter Handlungspriorität gemäß Schwammstadt-Konzept (DS 230255-01). c. Starkregenvorsorge – Reduktion potenzieller Risikofaktoren, um Schäden durch Überflutungen in Folge von Starkregenereignissen zu minimieren. Verbesserung der Überflutungssituation durch Maßnahmenumsetzung und Schutz des aktuellen Überflutungsszenarios gegen Verschlechterung der Situation, gemäß Starkregen- und Hochwassergefahrenkarten. d. Vulnerabilität – Reduktion der Hitzeexposition mittels verhaltens- und verhältnispräventiver Maßnahmen, um hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle zu reduzieren. Prioritär sind Maßnahmen für vulnerable Bevölkerungsgruppen, aber auch Personen, die sich z.B. bei Veranstaltungen, beim Sport, in ihrer Wohnung oder aufgrund ihrer Berufstätigkeit einer starkenSeite 1 von 5 Seite 2 Hitzeexposition aussetzen zu ergreifen. e. Nutzung von Synergien zwischen den definierten Zielsetzungen sowie zu den Bereichen Klimaschutz und Biodiversität 3. Die Verwaltung wird damit beauftragt, im Rahmen der laufenden Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes und der anstehenden Erarbeitung des Hitzeaktionsplans notwendige Maßnahmen für die kommunalen Handlungsradien (siehe Anlage 1) auszuarbeiten, Aufwände für deren Umsetzung zu kalkulieren und zur Beschlussfassung vorzulegen. Hierunter fallen auch Maßnahmen zur begleitenden Öffentlichkeitsarbeit und zur Beteiligung der Bonner Bürger*innen. Erforderliche Mittel sind für den DHH 2025/26 anzumelden. Haushaltsmittel sind nach Möglichkeit durch Fördermittel zu ergänzen. Maßnahmen ohne zusätzlichen Personal- und Mittelbedarf werden nach Möglichkeit parallel zur Konzepterarbeitung initiiert. 4. Eine Gesamtschau über die Umsetzung der Maßnahmen wird alle zwei Jahre erstellt und in den zuständigen Fachausschuss eingebracht. Auf Basis der Gesamtschau wird eine Fortschreibung des Arbeitsprogramms erarbeitet, welche die systematische Grundlage für neue Mittelanmeldungen zur Klimaanpassung im Rahmen des jeweils nächsten Haushaltes darstellen wird. Begründung Die Stadt Bonn hat sich die Klimaneutralität bis zum Jahr 2035 zum Ziel gesetzt und bekräftigt damit den Willen auf kommunaler Ebene ihren erforderlichen Beitrag zur Erreichung des Pariser Klimaschutzabkommens zu leisten. Im globalen Mittel ist bislang jedoch die dafür notwendige Trendumkehr zur deutlichen Reduktion von Treibhausgas-Emissionen nicht eingetreten, so dass sich die weltweiten Emissionen annähernd gemäß des RCP 8.51 Szenarios entwickeln, welches auch als „worst-case“-Szenario bekannt ist und zu einer Erhöhung der globalen Mitteltemperatur von 4 °C bis zum Jahr 2100 gegenüber der Klimaperiode 1986-2005 führen würde. Die bislang emittierten Treibhausgase führen bereits zu einer deutlichen Veränderung des Weltklimas. Lokal treten die Veränderungen in sehr unterschiedlicher Ausprägung und Intensität auf. Auch in Bonn sind zunehmende Extreme hinsichtlich Hitze, Trockenheit und Starkregen zu verzeichnen. Seit Jahren setzt die Stadt Bonn neben Klimaschutz- auch Klimaanpassungsaktivitäten um. Die Ergebnisse aus dem im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie geförderten Projekt MUTABOR (DS 231924) zur Hitzevorsorge verdeutlichen jedoch, dass eine Fortführung der Aktivitäten auf bisherigem Ambitionsniveau nicht ausreichend ist. Um der zunehmenden 1 Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) hat mit dem 5. Sachstandsbericht die unterschiedliche Entwicklung des Weltklimas mit verschiedenen Klimaszenarien, den „RCP“s (representative concentration pathways) bis zum Jahr 2100 beschrieben. Die Zahl 8.5 in der Bezeichnung des RCP 8.5 Szenarios bezeichnet den zusätzlichen Strahlungsantrieb in W/m² bis zum Jahr 2100 im Vergleich zum vorindustriellen Stand Mitte des 19. Jahrhunderts.Seite 2 von 5 Seite 3 Hitzebelastung in Bonn infolge des fortschreitenden Klimawandels durch Maßnahmen zu begegnen, ist eine Steigerung der Anpassungsaktivitäten notwendig. Aufbauend auf dem Forschungsvorhaben MUTABOR konnte auch die gesamtstädtische Stadtklimaanalyse aktualisiert werden, welche die aktuelle stadtklimatische Situatuation darstellt und Planungshinweise zum Schutz der Klimafunktionen in Bonn aufzeigt (DS 231894) Im Bereich Klimaschutz lieferte die konkrete Zielsetzung der Klimaneutralität bis 2035 einen klaren Rahmen für die Ausarbeitung des Klimaplans und die Dimensionierung der zur Zielerreichung erforderlichen Maßnahmen. Für die Klimaanpassung soll dieser Beschlussvorschlag eine vergleichbare richtungsweisende Maßgabe für die Ausarbeitung des integrierten Klimaanpassungskonzeptes (DS 230574) und der entsprechenden Maßnahmenagenda darstellen. Eine Zielformulierung zur Klimaanpassung ist allerdings komplex. Im Vergleich zum Klimaschutz fehlt es bei der Klimaanpassung an der Möglichkeit eine quantifizierbare Zielgröße zu benennen und deren Entwicklung konkret zu monitoren. Für Bonn liegen jedoch zu den Kernhandlungsfeldern Hitze, Trockenheit und Starkregen gesamtstädtische, qualifizierte und sehr aktuelle Planungsgrundlagen vor. Diese Planungsgrundlagen zur Hitzevorsorge (Planungshinweiskarte) und zur wassersensitiven Stadtentwicklung (Schwammstadt-Konzept, Starkregen- und Hochwassergefahrenkarten) verdeutlichen Handlungserfordernisse und Risikobereiche und weisen schützenswerte Ausgleichsräume aus. Diese Grundlagen wurden herangezogen, um darauf basierende qualitative Zielsetzungen für die einzelnen Handlungsfelder zu formulieren. Die Zielsetzungen liefern Orientierung bzgl. der zu fokussierenden Räume, der Dimensionierung von Maßnahmen und der Priorität der Umsetzung und eignen sich daher auch als Rahmen für die Erarbeitung der Maßnahmenagenda im integrierten Klimaanpassungskonzept und für den Hitzeaktionsplan. Die Maßnahmenentwicklung wird sich auf die kommunalen Handlungsradien fokussieren, also die Bereiche, welche die Stadt Bonn direkt oder indirekt durch ihr Handeln beeinflussen kann. Dies sind insbesondere die Radien „eigene Liegenschaften und kommunale Infrastruktur“, „planungsrechtliche Möglichkeiten“ und die „Förderung freiwilliger Aktivitäten“ (siehe Anlage 1). Klimaanpassung ist ein abwägungsrelevanter Belang unter vielen anderen (z.B. im Rahmen der Bauleitplanung). Die unter 2. aufgeführten Zielsetzungen lösen demnach keine absoluten Vorgaben oder Tabubereiche für Entwicklungsvorhaben aus. Mit dem Zielbeschluss soll jedoch die Bedeutung von Klimaanpassungsmaßnahmen, insbesondere in handlungsprioritären Räumen gemäß der vorliegenden Planungsgrundlagen zur Hitze, Trockenheits- und Starkregenvorsorge bekräftigt werden. Maßnahmen zur Klimaanpassung bewirken oftmals weitere Mehrwerte. Neben der Reduktion klimawandelbedingter Beeinträchtigungen des Lokalklimas, können vor allem naturnahe Klimaanpassungsmaßnahmen dazu beitragen die innerstädtische Biodiversität zu fördern, urbane Räume gestalterisch aufzuwerten und als Erholungsräume zu qualifizieren, Kohlenstoff zu speichern, Lärm zu reduzieren und die Luftqualität zu verbessern. Maßnahmen mit solchen synergetischen Effekten sollen bevorzugt in das Klimaanpassungskonzept aufgenommen werden.Seite 3 von 5 Seite 4 Neben den lokalen Handlungsmöglichkeiten verdeutlichen die Ergebnisse aus dem MUTABOR-Projekt jedoch auch die lokalen Grenzen zur Reduktion der Temperaturerhöhung im Bonner Stadtgebiet. Vor diesem Hintergrund sind ergänzende Aktivitäten zur Minderung der Vulnerabilität durch Verringerung der Hitzeexposition mittels verhaltens- und verhältnispräventiver (Risikoreduktion im Arbeitsumfeld) Maßnahmen notwendig. Ebenfalls begrenzt sind die Möglichkeiten zur Vorsorge vor Trockenheit oder vor Überflutung in Folge von Starkregen. Diese Erkenntnisse unterstreichen neben der Notwendigkeit die Aktivitäten zur Klimaanpassung zu steigern auch die Bedeutung des globalen Klimaschutzes. Dieser ist entscheidend dafür, dass die lokale Ausprägung des Klimawandels auf eine Größenordnung begrenzt werden kann, auf die eine Reaktion mittels kommunaler Klimaanpassungsmaßnahmen in relevantem Umfang möglich ist. Anlage/n 2 Anlage 1 Handlungsradien (öffentlich)Seite 4 von 5 Seite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:16 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de