231529-01 ST · Stellungnahme der Verwaltung
Stellungnahme der Verwaltung zur großen Anfrage der Volt-Fraktion: Bewältigung der demografischen Herausforderungen und Rolle der Automatisierung für den Personalbedarf der Stadtverwaltung
Kerndaten
- Nummer
- 231529-01 ST
- Art
- Stellungnahme der Verwaltung
- Veröffentlicht
- 09.10.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Verwandte Vorlagen
Übergeordnet
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (19.456 Zeichen)
Stellungnahme der Verwaltung öffentlich 231529-01 ST Die Oberbürgermeisterin Federführung: 10 Personal- und Organisationsamt Dezernat: Dez. I Stellungnahme der Verwaltung zur großen Anfrage der Volt-Fraktion: Bewältigung der demografischen Herausforderungen und Rolle der Automatisierung für den Personalbedarf der Stadtverwaltung Beratungsfolge Unterausschuss für Digitalisierung und Organisation 24.10.2023 Kenntnisnahme Inhalt der Stellungnahme: 1. Welche Informationen über demografische Trends und Prognosen lie- gen der Stadtverwaltung vor, die die zukünftige Altersstruktur der Bevöl- kerung und deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in unserer Stadt beleuchten? Dem öffentlichen Dienst werden laut einer Studie von PWC bis 2030 ca. 25% des Personals demographiebedingt fehlen. Bei der demographischen Struktur handelt es sich nicht um eine Besonderheit des öffentlichen Dienstes, sondern bildet den Durschnitt der Erwerbstätigen in Deutschland ab. Die Stadtverwal- tung Bonn wird allein durch altersbedingten Wegfall von Beschäftigten bis 2032 ca. 30% der Mitarbeitenden in den Ruhestand verabschieden. Berechnet ist hierbei lediglich die Regelaltersgrenze, sodass teilweise ein früherer Ruhe- standseintritt möglich und wahrscheinlich ist. Durch den allgemeinen demographiebedingten Fachkräftemangel entsteht zu- dem eine Konkurrenzsituation zu anderen Arbeitgebern im öffentlichen und privaten Sektor. Durch die Vielzahl an öffentlichen Arbeitgebern im Großraum Bonn entfällt das Alleinstellungsmerkmal eines sicheren öffentlichen Arbeitge- bers in der Region. Die Konkurrenz zu diversen Bundesbehörden, deren Be- soldung bei gleicher Qualifikation deutlich höher liegt, verschärft die Herausfor- derungen zusätzlich. Aufgrund der aufgezeigten Konkurrenzsituation ist zu den feststehenden alters- bedingten Abgängen auch eine ungewollte Fluktuation zu berücksichtigen, wel- che sich in den kommenden Jahren verstärken könnte. Derzeit ist eine exakte Ermittlung der Fluktuationsquote systembedingt noch nicht valide möglich. Nimmt man einen sehr niedrigen Wert für die ungewollte Fluktuation von ca. 3% pro Jahr an, würde dies bedeuten, dass die Stadt Bonn bis 2023 ca. 50% der derzeit Beschäftigten ersetzen müsste, sofern diese nicht anderweitig kom- pensiert werden könnten.Seite 1 von 7 Seite 2 Weiterhin sind 37,3% der Menschen im Bonner Stadtgebiet hochqualifiziert. Dies entspricht knapp dem doppelten des bundesdeutschen Durchschnitts und hat zur Folge, dass sich im allgemeinen weniger Menschen für Tätigkeiten im nicht-akademischen Bereich (Handwerk, mittlerer Dienst, etc.) interessieren. Bedingt durch diese Struktur ergeben sich weitere Herausforderungen für die Stadt Bonn, um qualifiziertes Personal in diesen Bereichen zu akquirieren. 2. Wie wirkt sich die demografische Entwicklung bereits jetzt auf die Stel- lenbesetzung in der Stadtverwaltung aus? Gibt es bestimmte Bereiche, die bereits von Engpässen betroffen sind oder in naher Zukunft betroffen sein könnten? Durch die allgemeine demographische Entwicklung ist neben den Ruhestand- seintritten von Kolleginnen und Kollegen auch eine verstärkte Wettbewerbssi- tuation entstanden. Die Stadtverwaltung sieht sich konfrontiert mit anderen öf- fentlichen Arbeitgebern und Unternehmen, welche Ihre Rekrutierungs- bemühungen ebenfalls (zum Teil drastisch) verstärkt haben. Dadurch ist zu beobachten, dass auf ausgeschriebene Stellen weniger Bewerbungen einge- hen als dies früher normal war. Allein quantitativ hat sich die Zahl der Bewer- bungen in den letzten 5 Jahren nahezu halbiert. Daraus folgt auch, dass teil- weise vakante Stellen oftmals nicht im ersten Stellenbesetzungsverfahren qua- lifiziert besetzt werden können. Erneute Ausschreibungen sind demnach not- wendig, was neben der deutlich erhöhten Belastung des Recruiting-Teams wiederrum bedeutet, dass die vakanten Stellen länger unbesetzt bleiben und es in den jeweiligen Fachbereichen zu Mehrbelastungen kommt. Zu beobachten ist ebenfalls die gestiegene Dominanz der Bewerbenden in den Stellenbesetzungsverfahren. Während früher hauptsächlich das Auswahlgremi- um die Bewerbenden befragt hat, dauern die Fragen der Bewerbenden mittler- weile mitunter genauso lange, wie das arbeitgeberseitige Interview. Oftmals scheitert es dann an den Restriktionen des Tarifvertrages oder Bewerbende ziehen ihre Bewerbung nach Zusage wieder zurück, weil sie bei ihren beste- henden Arbeitgebern oder bei anderen Arbeitgebenden bei denen sie sich par- allel beworben haben, ein besseres Angebot erhalten haben. Mittlerweile lässt sich kaum eine Berufsgruppe nicht mehr als „Mangelberuf“ bezeichnen, sondern Rekrutierungsherausforderungen bestehen in allen Sekto- ren. In besonderem Maße sind jedoch folgende Berufsgruppen von den ge- nannten Schilderungen betroffen: - Ingenieur*innen und Techniker*innen - IT-Fachkräfte - Qualifizierte handwerkliche bzw. gewerbliche Mitarbeitende (Elektriker, Fachkräfte für Abwassertechnik, Fachkräfte für Bäderbetriebe, etc.) - Mitarbeitende im Sozial- und Erziehungsdienst 3. Welche langfristigen Strategien und Maßnahmen plant die Stadtverwal- tung, um den demografischen Herausforderungen proaktiv zu begegnen und den Bedarf an qualifizierten Fachkräften in der Verwaltung sicherzu- stellen? Die Verwaltung steckt im Hinblick auf die veränderte Arbeitsmarktsituation inSeite 2 von 7 Seite 3 einem enormen Transformationsprozess. Dieser betrifft zum einen die zentrale Personalverwaltung und das Recruiting, zum anderen aber auch alle Fachbe- reiche und die dort tätigen Führungskräfte. Sowohl die Marketingprozesse, die Vorstellungsgespräche, aber auch die wichtigen Phasen von Pre-Boarding, On- Boarding und die Führungsaufgaben im Alltag müssen weiterentwickelt und teilweise neu gedacht werden. Da dies auf verschiedenen Ebenen und Kanälen parallel angegangen werden muss, wurde in der Personalabteilung aus einer bestehenden Stelle durch Umwidmung eine neue Stabsstelle „Strategisches Personalmanagement“ gegründet und personell besetzt. Ziel ist es, hierin die Erarbeitung von zukünftigen Strategien hinsichtlich ver- schiedener Szenarien und Einflüsse auf die Stadtverwaltung zu bündeln und deren Umsetzung zu koordinieren. Der demographische Wandel ist dabei eine der zu beachtenden Einflussgrößen. Derzeit werden in einer ersten Analyse- phase Kennzahlensysteme aufgebaut, um ein dauerhaftes Lagebild erstmalig zu erstellen. Anschließend sollen die konkreten Handlungsschritte in mehreren Stufen an- gegangen werden: Stufe 1: Kurzfristige Maßnahmen wie beispielsweise interne Prozessoptimie- rungen zur Verkürzung der Zeit welche derzeit für Stellenbesetzungsverfahren notwendig ist. Stufe 2: Mittelfristige Maßnahmen, welche sowohl Einfluss auf die Arbeitgebe- rinnen-Attraktivität nach außen, als auch nach innen haben. Dazu zählt bei- spielsweise die Entwicklung von Führungsleitbildern und die Entwicklung einer Employer Brand um sich auch von den konkurrierenden Behörden im Umfeld zu differenzieren. Ein Hauptfokus liegt hierbei nicht nur auf externen Mitarbei- tenden, welche erreicht werden sollen, sondern vor allem auch auf den Be- schäftigten der Stadtverwaltung, um diese zu halten und somit auch deren Wis- sen und Loyalität in der Stadtverwaltung zu halten. Stufe 3: Langfristige Maßnahmen. Durch den Aufbau eines Kennzahlensystems sollen frühzeitig Veränderungen in der Stadtverwaltung sichtbar gemacht wer- den, um möglichst schnell reagieren zu können und notwendige Verände- rungsprozesse zu initiieren. Ziel ist es, akute personelle Herausforderungen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, sondern vor die Situation zu kommen und aktiv zu gestalten, statt nur zu reagieren. Alle drei Stufen werden parallel initiiert und sukzessive etabliert und iterativ bearbeitet. Verschiedene Maßnahmen sind hierbei im Personal- und Organisationsbereich bereits begonnen worden. Beispielhaft sei hier erwähnt, dass die Recruiting- Präsenz in Sozialen Medien stark ausgebaut und der Aufbau eines Active Sourcings vorangetrieben wird. Zudem wird eine neue Marketing-Kampagne für das kommende Jahr vorbereitet. Ebenfalls werden im Rahmen eines großange- legten Organisationsentwicklungsprozesses derzeit mit allen ca. 700 Führungs- kräften der Verwaltung die einheitlichen Führungsleitlinien und die notwendige Transformation der Arbeitsweise kollaborativ erarbeitet. Personalwirtschaftliche Maßnahmen alleine werden jedoch nicht genügen, umSeite 3 von 7 Seite 4 die zu erwartende „demografische Lücke“ zu schließen. Die Verwaltung muss sich vielmehr darauf einstellen, tendenziell weiter wachsende Aufgaben mit weniger Personal erledigen zu müssen. Ausgeschlossen werden muss dabei, dass dies zu einer weiteren Belastung der vorhandenen Mitarbeitenden führt. Zum einen aus Gründen der Fürsorge, aber auch um eine sich selbst verstär- kende Abwanderung zu vermeiden. In der Folge bedeutet dies, wenn Aufgaben und Leistungen nicht gänzlich eingestellt werden sollen, dass die Effizienz des Verwaltungshandelns gesteigert werden muss. Besonders im Fokus muss da- bei die prozessorientierte Digitalisierung und in der Folge Automatisierung der Verwaltungsleistungen stehen. Wenn bisher dabei vor allem die Schnittstelle „Bürger*innen – Verwaltung“ im Blickpunkt war, gilt es künftig verstärkt die Verwaltungsbinnenprozesse („wie arbeiten wir?“) zu adressieren. Zum einen, weil hier eine größere regulatorische Freiheit besteht, zum anderen, weil hier in kürzerer Zeit größere Erfolge zu erwarten sind (mehr dazu in Frage 4). 4. Welche konkreten Ansätze und Pläne verfolgt die Stadtverwaltung be- züglich der Automatisierung von Verwaltungsprozessen, um die Effizienz und Produktivität zu steigern? Ein konkreter Ansatz zur Automatisierung von Verwaltungsprozessen sowie zur Steigerung der Effizienz und Produktivität ist die Einführung eines gesamtstäd- tischen Prozessmanagements. Das Prozessmanagement dient der kontinuierli- chen und zielgerichteten Steuerung von Verwaltungsabläufen. Durch die Opti- mierung von Prozessen – zum Beispiel durch eine (Teil-)Automatisierung - können die zur Verfügung stehenden Personalkapazitäten und Haushaltsmittel effizienter und effektiver eingesetzt werden. Im Projekt werden die Prozesse innerhalb der Verwaltung zunächst mithilfe von Screening Interviews (Ist-Analyse) erfasst und auf die Möglichkeit der Optimie- rung, Digitalisierung sowie Automatisierung überprüft. Geeignete Prozesse können daraufhin, nach Ermittlung eines Soll-Ablaufes, zielgerichtet automati- siert werden. Das Prozessmanagement stellt somit die Grundlage für die Auto- matisierung dar. In der konkreten Umsetzung der schrittweisen Automatisierung von Verwal- tungsprozessen ist der Einsatz von RPA („Robotic Process Automation“) - Technologien vorgesehen. Die RPA-Technologien ahmen die Art und Weise nach, wie Menschen mit Software interagieren, um hochvolumige, wiederholba- re Aufgaben auszuführen. Geplant ist, mithilfe der RPA-Technologie strukturier- te sowie repetitive Geschäftsprozesse, wie zum Beispiel ein händisches Über- tragen von Daten, zu automatisieren. Der Einsatz von RPA-Technologien birgt das Potenzial der Entlastung der Mitarbeitenden, wodurch freie Kapazitäten für alternative Aufgaben geschaffen werden können. Die Einführung von RPA bei der Stadtverwaltung wurde aktuell im Rahmen einer internen Machbarkeitsstu- die betrachtet; ein offizieller Projektstart wird zurzeit vorbereitet. 5. Welche Bereiche innerhalb der Verwaltung werden als besonders ge- eignet erachtet, um sie durch die Automatisierung von Abläufen zu ent- lasten und Ressourcen freizusetzen? Für die Automatisierung von Verwaltungsabläufen eignen sich vor allem stan-Seite 4 von 7 Seite 5 dardisierte Prozesse. Geeignet sind Abläufe, die regelmäßig oder sehr häufig manuell und mit großem Volumen durchgeführt werden. Im Rahmen der Screening Interviews des Prozessmanagements mit den Fach- bereichen wird anhand des Attributs „Automatisierungs- und Digitalisierungspo- tenzial“ festgehalten, welche Prozesse die notwendigen Kriterien „strukturiert“, „repetitiv“ und „regelbasiert“ erfüllen. Nach Auswertung der Screening Inter- views sowie der ausgefüllten Attribute können konkretere mögliche Einsatzbe- reiche gefunden und benannt werden. 6. Welche Erfahrungen wurden bisher mit Maßnahmen zur Automatisie- rung gemacht, und welche Erfolge konnten dabei erzielt werden? Was waren möglicherweise wichtige Hemmnisse? Sowohl das Prozessmanagement als auch die Implementierung der RPA- Technologien befinden sich noch in der Durchführungs- bzw. Planungs-Phase und sind somit noch nicht abgeschlossen. Eine abschließende Einordnung der Erfahrungen sowie Erfolge ist derzeit nicht möglich. Um einen präventiven Umgang mit der Einführung von Software, z.B. im Hin- blick auf Hemmnisse, ermöglichen zu können, steht die Stadtverwaltung in ei- nem engen Austausch mit anderen Behörden. Die Einführung geeigneter Soft- ware wird interkommunal aktuell vielerorts diskutiert und aufgegriffen. Insgesamt ist aber festzuhalten, dass RPA-Tools anders als in Wirtschaftsbe- trieben in der Kommunalverwaltung noch ein relatives Novum darstellen, weil zunächst die infrastrukturellen Voraussetzungen für automatisierte Prozesse geschaffen werden müssen. Dies erfolgt insbesondere durch die Implementie- rung von E-Akten, wo dies nicht von einem Fachverfahren bereits erfolgt ist, sowie die Schaffung einheitlicher Eingangskanäle für Anträge und Anfragen. Aufgrund der sehr großen Heterogenität der Produkte und kommunalen Dienst- leistungen stellt dies gerade Kommunalverwaltungen vor deutlich größere Her- ausforderungen, als andere staatliche Ebenen oder die Privatwirtschaft, die oftmals eine überschaubare Anzahl von Produkten und Prozessen im Portfolio haben. 7. Welche Auswirkungen erwartet die Verwaltung durch die Automatisie- rung auf den Personalbedarf und die Anforderungen an zukünftige Mitar- beiter/innen? Die Auswirkungen von Automatisierung auf den gesamtstädtischen Personal- bedarf sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht valide quantifizierbar. Diese sind einer- seits abhängig von der Anzahl und Art möglicher Einsatzbereiche in den Fach- bereichen sowie dem Umfang der zu automatisierenden Aufgaben und ander- seits beeinflusst durch andere Digitalisierungsprojekte. Die qualitativen Anforderungen an zukünftige Mitarbeitende werden sich in Zu- kunft deutlich verändern. Der Schwerpunkt zukünftiger Arbeit wird verstärkt auf Aufgaben liegen wird, welche nicht oder kaum automatisiert werden können und stattdessen einen aktiven menschlichen Einsatz benötigen, beispielsweise die Ausübung von Ermessen oder die Entwicklung kreativer Lösungen. Zusätz- lich werden neue Funktionen entstehen, die beispielsweise in der inhaltlichen IT-Administration von Robotern ausgebildet werden, um einen dauerhaft ver-Seite 5 von 7 Seite 6 lässlichen Betrieb zu überwachen und bei Störungen eine zeitnahe Entstörung vorzunehmen. Dies kann nur zu einem Teil automatisiert überwacht werden, da auch die inhaltliche Kenntnis bei der Entstörung erforderlich ist, um fehlerhafte Vorgänge auszuschließen. In Kombination mit dem bereits bestehenden Fach- kräftebedarf im Bereich der IT wird dies eine der wesentlichen Herausforderun- gen der Automatisierungsbemühungen darstellen. Gleichzeitig ist Automatisie- rung und Digitale Transformation insgesamt nur zu einem vergleichsweise ge- ringen Anteil von der Technik geprägt. Der größte und erfolgskritischste Aspekt ist ein aktives Change-Management, um die Mitarbeitenden mitzunehmen, Ängste zu reduzieren und eine positive Veränderungskultur zu erschaffen. Hier- für verfügt die Verwaltung noch über deutlich zu wenig ausgebildete „Change Manager“ und muss entsprechende Strukturen zunächst noch entwickeln. Zu beachten ist, dass für die Digitalisierung, bei gleichzeitiger temporärer Auf- rechterhaltung der bestehenden Strukturen, ein hoher Personalaufwand not- wendig ist. Der daraus entstehende Personalbedarf ist nach aktuellem Stand nicht gedeckt, was wiederrum Auswirkungen auf die Dauer der Umsetzung hat. Durch die Vielzahl der Change Prozesse und die vermehrte Nutzung von digita- len Angeboten und Inhalten, ist es notwendig, dass sich auch die Beschäftigten der Stadtverwaltung mit den neuen Arbeitsformen befassen. Dies erfordert einen hohen Aufklärungsbedarf und die Bereitstellung von Information warum und in welcher Form Änderungen vorgenommen werden und welchen Einfluss dies auf den einzelnen Beschäftigten haben wird. 8. Inwieweit sind die bereits geplanten Maßnahmen und bereitgestellten Ressourcen ausreichend, um die demografischen Herausforderungen zu kompensieren und mindestens die aktuellen Serviceleistungen der Ver- waltung sicherzustellen? Die von der Verwaltung bislang in politische Beratungen eingebrachten Res- sourcen bewegen sich immer im notwendigen Spagat zwischen sach- lich/fachlich Erforderlichem und haushälterisch leistbar und verantwortbarem. Die Verwaltung ist insofern bei ihren bisherigen Anmeldungen aus Verantwor- tung gegenüber der finanziellen Gesamtsituation der Stadt und auch mangels belastbarer Kennzahlen nicht „in die vollen“ gegangen. Insbesondere Quer- schnittsaufgaben im Bereich Personal, Organisation und IT wurden in Vergan- genheit besonders restriktiv gehandhabt und bewertet. Ein Umstand, der auch in interkommunalen Vergleichen immer wieder auffällig ist. Zum Aufbau neuer Marketing- und Recruiting-Instrumente und zur Ausweitung der Umsetzung ebendieser Maßnahmen bedarf es weiterer personeller Ressourcen, die derzeit nicht zur Verfügung stehen. Auch im Bereich des Prozessmanagements und der Automatisierungsbemühungen sowie der Professionalisierung eines Change-Managements lassen sich mit bestehenden personellen Strukturen nur langfristig angelegte Projekte umsetzen. Eine Erhöhung dieser personellen Ausstattung kann bei skalierbaren Themen eine deutliche Beschleunigung der Umsetzung bewirken. Mit der aktuellen Personalausstattung kann der enorm gestiegenen Dynamik nur in Form einer strengen Priorisierung begegnet werden. Mit dem aktuellen Ressourceneinsatz ist nicht zu erwarten, dass die oben beschriebene „demo- grafische Lücke“ geschlossen werden kann, ohne das Leistungsangebot der Verwaltung ggfs. deutlich reduzieren zu müssen. Eine Ausweitung der perso-Seite 6 von 7 Seite 7 nellen Ressourcen in diesen wichtigen Schlüsselfunktionen ist jedoch für die erforderliche Breitenwirkung in die Gesamtverwaltung zwingende Vorausset- zung. 9. Inwiefern ist die Stadtverwaltung offen für Kooperationen und den Aus- tausch mit Expert/innen oder anderen Städten, die bereits Erfahrungen in der Automatisierung von Verwaltungsprozessen gesammelt haben? Es besteht seitens der Verwaltung großes Interesse an der Kooperation und dem Erfahrungsaustausch mit Expert*innen sowie anderen Städten. So wird, wie unter Frage 6. genannt, zum Beispiel bei den Projekten zu den Themen Prozessmanagement und RPA ein aktiver Austausch mit anderen Kommunen wahrgenommen, hierunter u.a. Kommunen, die bereits erste Umsetzungserfol- ge erzielen konnten und im Austauschgremium von Erfolgsfaktoren und Stol- persteinen berichten. Die Bereiche Personal-, Organisation und IT sind in di- versen Arbeitsgruppen des Deutschen Städtetages, des Städtetages NRW und der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) sowie in weiteren themenbezogenen Netzwerken engagiert und stehen hierü- ber im regen Dialog mit anderen Kommunen. Anlage/n KeineSeite 7 von 7
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 03.11.2026, 00:06 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de