230970-01 · Mitteilungsvorlage
Präsentation Jahresbericht der Biologischen Station Bonn Rhein Erft 2022
Kerndaten
- Nummer
- 230970-01
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 17.11.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Naturschutzbeirates Kenntnisnahme
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Mitteilungsvorlage öffentlich 230970-01 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Präsentation Jahresbericht der Biologischen Station Bonn Rhein Erft 2022 Beratungsfolge Naturschutzbeirat 28.11.2023 Kenntnisnahme Mitteilung: Im Rahmen der Beschlussfassung zum Beitritt der Bundesstadt Bonn, hier das Amt für Umwelt und Stadtgrün, zum Verein Biologische Station Bonn / Rhein Erft e. V. wurde die jährliche Vorlage eines Tätigkeitsberichtes festgelegt. Die Stadtverwaltung Bonn und die Biologische Station Bonn / Rhein Erft e. V. arbeiten eng in vielen Projekten zusammen. Der Jahresbericht 2022 ist als Anlage beigefügt. Der Leiter der Biologischen Station wird zum Tätigkeitsbericht in der Sitzung des Naturschutzbeirates vortragen und steht bei Bedarf zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung. Anlage/n 1 Jahresbericht 2022 (öffentlich)Seite 1 von 79 Biologische Station Bonn/Rhein-Erft e.V. Jahresbericht 2022Seite 2 von 79 Biologische Station Bonn / Rhein-Erft Jahresbericht 2022 Bericht über die im Zeitraum 2022 bearbeiteten Projekte.............................................................. 1 Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7) ...................................................................... 2 Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in Schwerpunktgebieten ......................................................................................................................... 2 Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete ......................................................................................................................... 16 Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben ......................................................................... 20 Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn ......................................................................................... 20 Projekt 5: Artenschutz in Bonn ...................................................................................................... 21 Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 28 Projekt 7: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt Bonn ................................. 28 Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 14) ........................................................................... 29 Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in Schwerpunktgebieten ....................................................................................................................... 30 Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete im Rhein-Erft-Kreis ............................................................................................................................... 34 Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis.......................................... 41 Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis ....................................................................... 41 Projekt 12: Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis .................................................................................... 46 Projekt 13: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben ................................................................ 54 Projekt 14: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit im Rhein-Erft-Kreis .............................. 55 Drittmittel-Projekte.................................................................................................................... 58 LVR-Projekt „Lebensstätte Friedhof“ ................................................................................................ 58 LVR-Projekt „Blütenparadiese“ ......................................................................................................... 60 LEADER Projekt Na-Tür-lich Dorf – Naturschutz vor der Haustür ..................................................... 62 Zusatzprojekt „Unterstützung kommunaler Insektenschutzmaßnahmen“ im Rhein-Erft-Kreis....... 67 Schwalbenschutz im Bereich des Naturpark Rheinland .................................................................... 69 Weitere Zusatzprojekte im Jahr 2022 ............................................................................................... 70 Veröffentlichungen und Arbeiten von Mitarbeitenden sowie betreute Studienarbeiten ............... 72 Dank .......................................................................................................................................... 72 Pressearbeit ............................................................................................................................... 73Seite 3 von 79 1 Bericht über die im Zeitraum 2022 bearbeiteten Projekte Der vorliegende Jahresbericht umfasst Projekte, die über die Förderrichtlinie Biologische Stationen (FöBS) gefördert wurden und im Arbeits- und Maßnahmenplan AMP verankert sind, sowie Beispiele von Projekten aus dem sonstigen Förderbereich und dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Da viele Tätigkeiten in den einzelnen Gebieten sich jährlich wiederholende Daueraufgaben sind und in den Vorjahresberichten bereits mehrfach beschrieben wurden, legen wir den Schwerpunkt auf abweichende Besonderheiten. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie konnte die Biologische Station 2022 wieder weitgehend ohne Einschränkungen arbeiten. Alle geplanten Bildungsangebote inklusive mehrere Infostände auf größeren Veranstaltungen konnten mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt werden; auch viele Beratungstermine, Fachtreffen und andere Termine fanden wieder in Präsenz statt. Trotzdem hat sich der Austausch mit Kolleg*innen, den verschiedenen Verwaltungen, den Naturschutzverbänden und benachbarten Biostationen in Form von Videokonferenzen fest etabliert. Auch unser Angebot von Onlinevorträgen haben wir aufgrund der großen Nachfrage und vieler positiver Rückmeldungen beibehalten. Die 2020 erfolgte technische Aufrüstung für Videokonferenzen und Homeoffice (Dienst-Laptops, Lautsprecher, Mikrophone, Head-Sets, weitere Bildschirme) und die Umstellung auf Cloud-Systeme haben sich bewährt, so dass das zeitweise Arbeiten im Homeoffice auch dauerhaft möglich ist, mittlerweile seitens der Station regulär angeboten und von den Mitarbeitenden sehr begrüßt und regelmäßig genutzt wird. Auch im Jahr 2022 wurden weitere Fotos aus dem Altbestand in der Bilddatenbank verschlagwortet und bewertet. Noch nicht in die Daten-Struktur einsortierte Fotos der vorausgegangenen Jahre konnten sortiert und aufgeräumt werden, ebenso Fotos ausgeschiedener Mitarbeitenden. Austausch in Präsenz war wieder möglich: Betriebsinterne Fortbildung im Juni 2022 zu Einsaaten mit Regiosaatgut.Seite 4 von 79 2 Projekte im Stadtgebiet von Bonn (Projekte 1 bis 7) Projekt 1: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in Schwerpunktgebieten FFH-Gebiet Siegaue und Siegmündung Im Jahr 2022 wurden neun Altbäume innerhalb des FFH-Gebiets und 21 der nachgesetzten jungen Bäume geschnitten. Weitere Altbäume waren zusammengebrochen oder aufgrund der Brüchigkeit nicht mehr schneidbar. An zwei Aktionstagen Ende Februar wurde das Schnittmaterial mit Hilfe von 30 Helfer*innen aufbereiten und an insgesamt 55 Interessierte abgegeben. Dieses Jahr war wieder ein erfreulich großer Andrang zu verzeichnen. Der floristisch-vegetationskundlich wertvolle Sommerdeich wurde an zwei Tagen im Juli gepflegt. Die Winter-Pflegemaßnahmen wurden auf den Januar 2023 verschoben. Der floristische Gesamtzustand ist noch nicht zufriedenstellend, was daran liegt, dass der Sommerdeich über 15 Jahre ohne Pflege brach lag und erst vor wenigen Jahren in die regelmäßigen Pflegearbeiten der Biologischen Station übernommen wurde. Der langanhaltende Trend zur Verarmung konnte immerhin aufgehalten und einige wichtige Vorkommen von seltenen Arten, insbesondere das der frühen Segge (Carex praecox) bis jetzt erhalten werden. Allerdings stellt das bei Hochwassern angeschwemmte Treibgut immer wieder eine Gefährdung dar. Hier bedarf es einer größeren Pflegeaktion, die nicht alleine von der Biostation geleistet werden kann. Das Management im Grünland auf den Vertragsnaturschutzflächen beschränkte sich erneut weit- gehend auf die Aussparung von Teilflächen bei der ersten Mahd, um Blühaspekte und Rückzugsbe- reiche für die Fauna zu erhalten. Den ersten Aufwuchs der floristisch wertvollsten Fläche konnten wir in diesem Jahr für unser Aufwertungsprojekt (s.u.) nutzen. Licht und Schatten gab es bezüglich des Vorkommens einiger floristischer Besonderheiten: Das im Vorjahr durch eine städtische Kanal-Baumaßnahme beseitigte einzige uns bekannte Vorkommen der Kriechenden Hauhechel (Ononis repens) im Naturschutzgebiet scheint endgültig verschwunden zu sein. Dagegen gelang es, das im vergangenen Jahr verschollene Vorkommen des Fluss-Greiskrauts (Senecio sarracenicus) wiederzufinden, wenn auch in der Gesamtzahl an Individuen um mehr als ein Drittel kleiner als vor zwei Jahren. Zum Glück noch da: Das Fluss-Greiskraut (Senecio sarracenicus), eine stark gefährdete Rote-Liste-Art.Seite 5 von 79 3 Sonder-VE Wiesenaufwertung: Im dritten Jahr des auf drei Jahre befristeten Sonderprojekts konnten wieder gute Fortschritte erzielt werden. Anfang August wurde wie im Jahr 2021 auf zwei weiteren Flächen eine einsaatgestützte Mahdgutübertragung durchgeführt. Die Einsaaten mit regionalem, zum Größten Teil von uns gesammelten oder vermehrten Wildpflanzen erfolgten auf vier Einsaatstreifen mit einer Gesamtfläche von ca. 0,6 ha. Neben den 25 Arten unserer Grundmischung kamen noch einige seltene, aber für die Siegaue passende bzw. typische Arten hinzu, wie etwa der Orientalische Bocksbart (Tragopogon orientalis), die Kleine und die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum minus und Th. flavum), der Hohe Ehrenpreis (Veronica teucrium) und der Kümmelblättrige Haarstrang (Peucedanum carvifolia). Unmittelbar nach der Einsaat erfolgte die Ausbringung von Mahdgut von der nur wenige hundert Meter entfernt liegenden Spenderfläche mit anschließendem Anwalzen, um die Etablierung der eingebrachten Arten zu fördern. Handeinsaat der Aufwertungsstreifen am 03. August 2022 Die im Vorjahr in gleicher Art angelegten Streifen wurden zwecks Erfolgskontrolle aufgesucht, allerdings mit noch keinem ganz überzeugenden Ergebnis: Zwar waren viele der eingesäten Arten vorhanden, hatten aber Mühe, sich gegen die in diesem Jahr besonders wüchsigen Gräser, vor allem den reichlich vorhandenen Rohr-Schwingel (Festuca arundinacea) durchzusetzen. Der kurzzeitige Umbruch vor der Einsaat scheint in einem höheren Maß Stickstoff freigesetzt zu haben. Der Einsaatstreifen war das ganze Jahr hindurch deutlich höher als der Rest der Fläche und hob sich auch im Sommer durch einen merklich satteren Grünton ab. Der Umbruch scheint aber andererseits die Blühfreude des seltenen Schlangen-Lauchs (Allium scorodoprasum) angeregt zu haben. Diese Art kann vor allem nach der Ausbildung der Brutzwiebeln im Blütenstand gut wahrgenommen werden. Während der Streifenbereich in den Vorjahren immer als frei von der Art betrachtet wurde (die grasartigen Blätter fallen nicht besonders auf und können leicht übersehen werden), konnten in diesem Jahr anhand der violetten Brutzwiebel-Köpfchen weit über hundert Exemplare festgestellt werden.Seite 6 von 79 4 Sonder-VE Besucherlenkung: Im Mai 2022 wurden im Rahmen einer Bachelorarbeit (OSTHEIMER 2022, Näheres s. u.) illegale Trampelpfade sowie Bade- und Feuerstellen im Bereich des Kemper Werth aufgenommen. Im Oktober erfolgte die Erfassung des verbleibenden Teil des NSGs. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesamtlänge der Trampelpfade inzwischen länger ist als die offiziellen Wege. Zudem besteht eine sehr hohe Belastung durch Freizeitnutzung, so dass kaum noch größere ruhige Bereiche vorhanden sind. Leider trifft dies auch für den vor Jahren bereits erfolgreich beruhigte Grünlandbereich südwestlich der Siegbrücke zu. Hier hatte eine regelmäßige Ansprache der Besucher*innen durch einen ehrenamtlich engagierten Bürger innerhalb weniger Jahre zu einer starken Beruhigung geführt, die auch am Fluchtverhalten dort vorkommender Vogelarten ablesbar war. Die Ergebnisse der Wegeerfassung wurden in einer Karte dargestellt, die in Zukunft weiterhin genutzt werden soll, um Veränderungen/Verbesserungen aufzuzeigen. In einer Arbeitsgruppe mit der Unteren Naturschutzbehörde Bonn und Wald und Holz NRW versuchen wir, die Besucherlenkung in der Siegaue zu verbessern. In der Politik wurde angeregt, neue Stellen im Ordnungsaußendienst zu schaffen, die den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in den Naturschutzgebieten haben sollen, um die Mitbürger*innen für die Naturschutzbelange vor Ort zu sensibilisieren, auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen und durch Ahndung von Verstößen im Wiederholungsfall auch ordnungsrechtlich vorgehen zu können. Wir sehen in einer vor Ort spürbaren Präsenz die einzige Chance, den naturschutzfachlich unbefriedigenden Ist-Zustand nachhaltig zu verbessern. Trampelpfade und weitere Störungen durch Freizeitnutzung im Jahr 2022 Müllsammelaktion: Am 17. September 2022 beteiligten wir uns mit Hilfe von ca. 20 Erasmus- Studierenden, einiger Familien mit Kindern und weiteren engagierten Personen an der Müllsammelaktion der Organisation „Rhine cleanup“. Dabei befreiten wir das gesamte Siegufer im Naturschutzgebiet von hinterlassenem und angeschwemmten Müll. Vor allem Glasflaschen und Plastikmüll waren in großen Mengen vorhanden. Die Stellen, an denen ersichtlich war, dass dort häufiger Personen lagern, waren besonders stark betroffen. Der gesammelte Müll wurde von der Bonn Orange abgeholt und entsorgt.Seite 7 von 79 5 Der gesammelte Müll vom Siegufer am Rhine cleanup-day am 17. September Bachelorarbeit zum Thema Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Naherholung in der Siegaue: Betreut durch die Biologische Station führte 2022 eine Geographiestudentin von der Humboldt- Universität zu Berlin eine Bachelorarbeit über das Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Naherholung durch (OSTHEIMER 2022). Im Fokus der Arbeit stand eine quantitative Befragung von Besucher*innen der Siegaue im Bereich des Kemper Werths. Im Mai 2022 wurden insgesamt 100 Personen zu ihrem Wissen über das NSG und ihrem Verhalten im NSG befragt. Die Befragungen zeigen, dass die Tteilnehmenden das Gebiet vor allem wegen der Nähe zur Natur und der vorhandenen Ruhe als Naherholungsgebiet schätzen. Jedoch fühlen sie sich nicht ausreichend über das Gebiet informiert und kennen zudem die im Naturschutzgebiet geltenden Ge- und Verbote nur eingeschränkt. Im Zuge der Abschlussarbeit wurde das bereits bestehende Maßnahmenkonzept zur Besucherlenkung in der Siegaue der Stadt Bonn kommentiert und ergänzt. Neben der Befragung wurden Trampelpfade, Feuerstellen und Badestellen (s.o.) und Verstöße gegen die Ge- und Verbote im NSG aufgenommen. Schon im Mai ist das Kemper Werth im NSG Siegaue stark durch Badegäste belastetSeite 8 von 79 6 FFH-Gebiet, Siebengebirge/ Teilbereich Ennert Im strukturreichen Ennert nimmt die Biologische Station zahlreiche Aufgaben im Zusammenhang mit dem Vorkommen besonders stark gefährdeter Tierarten wahr. 2022 wurden die Bestände des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous) regulär an drei Terminen kontrolliert. Es zeigte sich, dass sich der Bestand mit insgesamt nur fünf (!) beobachteten Individuen nach den schon drastischen Einbrüchen 2020 und 2021 nicht wieder erholt hat. Der Blühaspekt der Wirtspflanze Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) wurde auch in diesem Jahr als sehr gut empfunden. Ergänzende Beobachtungen auf der Meldeplattform Observation.org mit 25 eingetragenen Individuen lässt vermuten, dass der Bestand des Falters jedoch etwas stabiler ist. Zählung des Dunklen Moorbläulings (Maculinea nausithous ) auf den Pützchens Wiesen im NSG „Siebengebirge“ 2002 bis 2022 Die Pflege auf der Fläche fand in ähnlicher Form wie in den Vorjahren statt. Allerdings kam es erneut zu einem Mähen der außerhalb liegenden Entwässerungsgräben in der Hauptflugzeit des Bläulings. Dies ist besonders ärgerlich, da die Gesamtpopulation extrem klein ist und dort in der Vergangenheit regelmäßig Individuen der Art gesichtet wurden und auch die Wirtspflanze in üppiger Zahl vertreten ist. Für die kommenden Jahre darf sich dies nicht mehr wiederholen. Daher wurde im Oktober bei einem Vor-Ort-Termin mit dem Tiefbauamt vereinbart, dass die Pflege der Maculinea-sensiblen Gräben zukünftig von der Biologische Station gepflegt werden sollen. Dies erfolgt im Auftrag der Stadt im Rahmen des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs der Station. Bei den allgemeinen Zustands- und Erfolgskontrollen der Pützchens Wiesen konnten wir den Zottigen Klappertopf erneut nicht finden. Artenschutzmaßnahmen für die Gelbbauchunke: Am 26.01.2022 wurden mit einem Kleinbagger (7,5 t) auf zwei Wildwiesen insgesamt 40 Klein- und Kleinstgewässer überarbeitet. Hierzu wurden vorhandene Gewässer ohne Teichfolie entkrautet und leicht vertieft. Vorhandene Stockausschläge von Erle und Weide wurden mit dem Bagger entfernt. Am Standort 1 „Wildwiese“ wurden insgesamt 28 Gewässer überarbeitet. Sie wurden mit dem Grablöffel entkrautet und mitunter leicht vertieft. Auf dem Standort existiert eine recht große Population; beim Monitoring 2021 konnten maximal 67 adulteSeite 9 von 79 7 Tiere erfasst werden. Am Standort 2 „Bennerscheidweg“ wurden insgesamt zwölf Gewässer wieder- hergestellt, u. a. auch das Gewässer mit ehemaligem Reproduktionsnachweis der Geburtshelferkröte. Zusätzlich wurde auf dem Standort „Röckesberg“ am 17.01.2022 umfangreich Gehölze zurück- geschnitten, um die Lebensräume für die Art zu verbessern. Im Verlauf des wieder sehr trockenen und heißen Sommers trockneten nahezu alle Gelbbauchunken- gewässer komplett aus, sodass es vielfach nicht zur erfolgreichen Reproduktion kam. Nach Rück- sprache mit der Unteren Naturschutzbehörde wurde daher die Anlage von 40 Beton-Kleinstgewässern auf den vier Wiesenstandorten beschlossen, um den Bestand der Gelbbauchunke auf die Weise zu unterstützen. Die Maßnahmen werden voraussichtlich im Frühjahr/ Spätherbst 2023 umgesetzt. Überarbeitung vorhandener Gelbbauchunkengewässer am 26.01.2022 Die Betreuung des Amphibienzaunes im FFH-Gebiet Siebengebirge entlang der Oberkasseler Straße wurde auch im 23. Jahr durch die Zusammenarbeit der Biostation mit Ehrenamtlichen gewährleistet. Die täglichen Kontrollen übernahmen weitgehend ehrenamtliche Helfer*innen, der Station oblagen Auf- und Abbau des 750 m langen Zauns (in zwei Teilabschnitten) mit 59 Fangeimern, einige Kontrollen, die fachliche Betreuung vor allem der erstmals teilnehmenden Helfer*innen sowie die Daten-Doku- mentation und –Auswertung. 2022 wurde der temporäre Schutzzaun am 16. Februar aufgestellt, die Kontrollen erfolgten vom 17. Februar bis 13. April, also über 8 Wochen mit 51 Kontrolltagen. Die langjährige Entwicklung der Bestände am Zaun zeigt folgende Abbildung:Seite 10 von 79 8 Fangzahlen am Amphibienzaun an der Oberkasseler Straße von 1993 bis 2 022 (im Jahr 1999 wurde keine Zählung durchgeführt) . Der Wanderverlauf verlief 2022 etwas schleppend mit zwei Spitzen: 260 Tiere wurden am 17. Februar und sogar 312 Tiere am 14. März gemeldet. Ende März lief die Frühjahrswanderung langsam aus und ab dem 9.4. waren keine Tiere mehr zu verzeichnen. Am 13. April wurden während des Zaun-Abbaus nochmals zwei Tiere gefunden. Die Wanderzahlen haben sich im Vergleich zum Vorjahr positiv entwickelt, was vor allem vor dem Hintergrund der trockenen Sommer, die an anderen Zäunen und auch Amphibienvorkommen insgesamt zu Bestandseinbrüchen führten, sehr erfreulich und beruhigend ist. Offensichtlich bietet der Ennert auch in Dürrejahren genug Verstecke und Feuchtigkeit zum Überleben der Amphibien. Neben 905 Erdkröten wurden 6 Grasfrösche, 50 Feuersalamander und 13 Molche durch den Schutzzaun aufgefangen, insgesamt also 974 Amphibien. Obwohl nur „Beifang“ und stark vom Zufall bzw. Wetter im April abhängig, ist die hohe Zahl an Salamandern aufgrund des grassierenden tödlichen Chytridpilzes sehr positiv, vor allem vor dem Hintergrund, dass 2021 nur sieben Salamander dokumentiert wurden. Berücksichtigt man, dass die am Zaun gefangenen und geretteten Tiere nur einen Teil der gesamten Erdkröten-Population des Dornheckensees ausmachen, handelt es sich um ein auch Nordrhein-Westfalen weit sehr großes und damit überregional bedeutsames Vorkommen. In den 23 Jahren wurden hier 15.588 Amphibien vor dem Straßentod gerettet. Schutzzaun an der Pützchens Chaussee: Seit dem Jahr 2016 wandern auch an der Pützchens Chaussee im FFH- und Naturschutzgebiet (wieder) vermehrt Erdkröten über die stark befahrene Straße, so dass wir mit verstärkter ehrenamtlicher Hilfe seit 2018 dort auch wieder einen Schutzzaun von etwa 300 m mit 25 Fangeimern aufstellen. Die genaue Historie des Schutzzauns bis zum Jahr 2018 findet sich unter www.biostation-bonn-rheinerft.de im Archiv. Im Jahr 2022 blieben die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr sehr ähnlich und erreichten folgende Werte: Insgesamt 599 Amphibien, davon 539 Erdkröten, 11 Grasfrösche, 28 Berg-, 11 Faden- und 3 Teichmolche sowie erneut 7 Feuer- salamander.Seite 11 von 79 9 Ähnlich wie am Zaun an der Oberkasseler Straße ist positiv zu vermerken, dass die dürren Sommer sich offensichtlich (noch) nicht negativ auswirken und der Ennert auch bei Extremwetter anscheinend guten Landlebensraum bietet. Insgesamt hat sich hier wieder eine relevante Erdkröten-Population aufgebaut, die erfreulicherweise ab der Saison 2023 durch ein dauerhaftes Leitsystem mit 2 Tunneln geschützt wird. Dies macht eine Betreuung durch ehrenamtliche Helfer*innen überflüssig und ist als ganzjährige Unterquerungsmöglichkeit dieser stark befahrenen Straße nicht nur für Amphibien, sondern auch für andere bodenlebende Wildtiere für das Gebiet insgesamt eine sehr gute Entwicklung. Entwicklung der Anzahl wandernder Amphibien am Schutzzaun an der Pützchens Chaussee 1984–1992 (Quellen: DBV-Naturschutzjugend Bonn, Praktikumsbericht Laumann 1992) und 2018–2021 (eigene Daten). Die Fläche „Alter Sportplatz“ an der B 42 wurde wie üblich zweimalig im Juni und September in Teilen gemäht. Die Fläche zählt nach wie vor zu den blütenreichsten im Stadtgebiet, was sie für Insekten und von diesen abhängigen Tierarten besonders wertvoll macht. Sonder-VE Besucherlenkung und Trampelpfade: Der zweite größere Infotag fand am 20.3.2022 statt. Mitarbeitende des Landesbetrieb Wald und Holz, der Unteren Naturschutzbehörde Bonn und der Biologischen Station Bonn / Rhein-Erft bauten Info-Stände und Roll-Ups, Poster etc. auf. In der Umgebung und auf der parallel mit 39 Teilnehmenden stattfindenden Führung zur Blüte der Frühjahrsblüher wurde die Problematik der Trampelpfade und deren Zerstörungseffekt besonders eindrücklich. Im Jahresverlauf gab es mehrere gemeinsame Treffen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz, der Unteren Naturschutzbehörde Bonn und dem Naturpark Siebengebirge. Die federführend durch den Naturpark Siebengebirge durchgeführte Aufwertung des Nücker Felsenweg im Sinne der Besucherlenkung und -sensibilisierung wurde fachlich mit Vor-Ort-Terminen, Durchsicht von Texten etc. unterstützt, Details hierzu s. https://www.bonn.de/pressemitteilungen/dezember-2022/zum- schutz-der-natur-neue-wegemarkierungen-im-ennert.php. Im Rahmen des wirtschaftlichen Ge- schäftsbetriebs wurde die Biostation mit der Freistellung des Felsenwegs beauftragt.Seite 12 von 79 10 Infotag am Skywalk im Ennert am 20.3.2022 Die Überführung der 2021 mittels eines Grafik-Programms kartierten Trampelpfade in ein GIS- Programm konnte krankheitsbedingt noch nicht realisiert werden und muss 2023 nachgeholt werden. FFH-Gebiet Waldreservat Kottenforst Nach Ende des LIFE+ Projekts am 31.12.2020 übernahm die Biostation die Arbeiten im Kottenforst wieder in den AMP, wobei insbesondere die sog. After-LIFE-Verpflichtungen hier zu erhöhtem Aufwand führten und in Zukunft führen werden. Zweites Geburtshelferkröten-Monitoring im Kottenforst im Rahmen des After-LIFE-Plans: Im Rahmen des von der EU- und vom Land NRW geförderten LIFE-Projekt „Villewälder- Wald- und Wasserwelten“ wurde das kurz vor dem Erlöschen stehende, einzige verbliebene linksrheinische Vorkommen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) durch Gewässerwiederherstellungs- maßnahmen und Gewässerneuanlagen unterstützt. Im dritten Jahr nach Ausbringen der ersten Tiere wurden die Gewässer auf rufende Tiere untersucht. Zusätzlich konnte in diesem Jahr mit den ersten Fortpflanzungsereignissen gerechnet werden, allerdings nur bei den vier Gewässern, in die bereits 2019 Larven eingesetzt wurden. Zwei dieser Gewässer befinden sich außerhalb des Naturschutzgebiets, wurden aber im Rahmen des Monitorings mitberücksichtigt. Erfreulicherweise konnten 2022 an allen sechs Gewässern, in die 2019 und 2020 Larven und Metamorphlinge ausgebracht wurden, rufende Geburtshelferkröten festgestellt werden. Maximal ließen sich an allen Gewässern in einer Nacht 20 adulte Tiere nachweisen, im Jahr zuvor lediglich maximal acht rufende Männchen an vier Gewässern. An dem Altgewässer der ursprünglichen Population knapp außerhalb des NSG wurden maximal fünf rufende Tiere erfasst, darunter auch einSeite 13 von 79 11 Männchen mit Laichschnüren. Damit gelang dort erstmals ein Nachweis auf Reproduktion. Die Zahl rufender Männchen steigerte sich gegenüber 2021. Im Naturschutzgebiet konnten maximal 13 rufende Tiere in einer Nacht im Mai erfasst werden, davon acht allein an einem Gewässer. Erstaunlicherweise konnten dort im September große Larven festges- tellt werden, obwohl dort erstmals 2020 Tiere eingesetzt wurden. Damit reproduzierten die Geburtshelferkröten dort früher als erwartet. Der Bestand im Kottenforst ist noch klein, scheint jedoch aktuell kontinuierlich zu wachsen. Foto links: Geburtshelferkrötenlarve am 14.09.2022. Foto rechts: Geburtshelferkröten-Männchen mit Laichschnüren am 20.05.2022 . Anlass zur Sorge macht aktuell die Wasserversorgung vieler Gewässer durch andauernde Hitze bzw. das Ausbleiben größerer Niederschläge im Sommer. Die Larven benötigen ganzjährig Wasser, da sie im Kottenforst vermutlich überwiegend erst im darauffolgenden Jahr ihre Entwicklung abschließen und an Land gehen. Grünland-Monitoring: Im oben erwähnten LIFE+ Projekt wurden zwischen 2015 und 2019 neun Wiesenflächen im Schutzgebiet „Waldreservat Kottenforst“ mit Hilfe von regionalem und lokalem Saatgut und gezielten Anpflanzungen zu artenreichen Waldwiesen entwickelt. Insgesamt wurden 3,8 ha Fläche bearbeitet. Ziel des Projektes war es, die europaweit geschützten Lebensraumtypen Glatthaferwiese (LRT 6510), Pfeifengraswiese (LRT 6410) sowie Borstgrasrasen (LRT 6230) zu sichern und die Gesamtfläche dieser Lebensräume im Schutzgebiet deutlich auszudehnen. Alle Flächen konnten auch 2022 nach der LANUV-Methodik als FFH-Lebensraumtypen erfasst werden (s. Tabelle unten). Die Wiese K20 verbesserte sich in ihrem Erhaltungszustand und konnte nun mit „B = gut“ bewertet werden. Dagegen erhielt die Teilfläche K21 West wie im Vorjahr lediglich ein „C“. Allerdings war auch hier eine leicht positive Entwicklung zu beobachten, was sich durch das Hinzutreten lebensraumtypischer Arten zeigte, so dass die Fläche mit „mittel“ bewertet werden konnte. Im Gegensatz zum sehr nassen Vorjahr zeigten die Wiesen aufgrund der trockenen Bedingungen im Verlauf des späteren Frühjahrs keinen besonders hohen Aufwuchs. Bemerkenswert gut haben sich die Wiesen K40, K44 und K36 entwickelt. Auf Wiese K40 sind auffallend viele Kräuter aus dem Initial-Saatstreifen eingewandert (u.a. Teufels-Abbiss (Succisa pratensis), Wiesen-Seite 14 von 79 12 Flockenblume und Geflecktes Johanniskraut). Darüber hinaus blühten im Frühjahr erstmals Wiesen- Schlüsselblumen (Primula veris) aus dem Initialstreifen. Ebenfalls zum ersten Mal konnte das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) auf der Wiese erfasst werden. Auffällig war das Verschwinden der Wiesen-Magerite (Leucantheum ircutianum) aus dem Initialstreifen. Möglicherweise ist dies ein Zeichen dafür, dass sich die Wiese schrittweise in Richtung eines Borstgrasrasens entwickelt und die Nährstoffversorgung selbst für die Margerite nicht mehr ausreicht. Auf Wiese K44 sind sehr viele lebensraumtypische Arten der Pfeifengraswiesen hinzugetreten. Die Entwicklung der Wiese hin zu einer Pfeifengraswiese in sehr gutem Zustand ist abzusehen. Viele Arten wie Teufels-Abbiss und Heil-Ziest (Betonica officinalis) finden sich mittlerweile in der Fläche. Das Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) war weniger wüchsig als noch im Vorjahr. Wiese 36 zeigt von allen Wiesen vielleicht die beste Entwicklung in Richtung einer Pfeifengraswiese mit Borstgrasrasenelementen. Die wüchsigen Gräser wie Wolliges Honiggras (Holcus lanatus) oder Land-Reitgras sind kaum mehr vorhanden. Dafür finden sich viele Binsen, insbesondere Knäuel-Binse (Juncus conglomeratus) oder Horst-Rotschwingel (Festuca nigrescens) sowie Zittergras (Briza media). Weitere typische Arten der Pfeifengraswiese wie Teufels-Abbiss und Heil-Ziest treten hinzu. Dagegen zeigten die Wiesen K51 und K53 nicht immer die gewünschten Entwicklungen. Die Arnika (Arnica montana) ging im Vergleich zum Vorjahr zahlenmäßig weit zurück. Die Wiesen zeigten sich, vermutlich bedingt durch das regenreiche Vorjahr sehr wüchsig. Andererseits entwickeln sich die etablierten Arten des Borstgrasrasen gut. Das Gefleckte Knabenkraut nahm z.B. auf beiden Wiesen deutlich zu. Andere, überregional seltene Arten der Roten Liste bzw. der Vorwarnliste wie Färber-Scharte (Serratula tinctoria), Erica (Erica tetralix), Teufels- Abbiss (Succisa pratensis), Heil-Ziest (Betonica officinalis), Zittergras (Briza media) oder Färber- Ginster (Genista tinctoria) haben sich auf diesen Wiesen sehr erfolgreich etabliert bzw. konnten ihre Bestände sogar vergrößern. Blühaspekt Initialstreifen K49 am 25.05.2022 mit Wiesen- MargeriteSeite 15 von 79 13 Übersicht über die Bewertung der Wiesenflächen u nd Einsaatflächen im Kottenforst In der ABC-Bewertung verschlechterte sich mit Wiese K53 alt eine Wiese und mit K20 verbesserte sich eine Wiese. Die Saatstreifen haben sich sehr positiv entwickelt und gegenüber dem Vorjahr sind drei Saatstreifen mit der Bewertung „A“ hinzugekommen. Wie im Vorjahr dürfte die Aushagerung aller Flächen weiterhin Grundvoraussetzung für die positive Entwicklung aller Flächen im Kottenforst sein. Die Bewirtschaftung der Flächen mit gleichzeitigem Abtransport des Schnittguts sowie die wildschweinsichere Zäunung aller Flächen gewährleisten den weiteren Erfolg der Maßnahmen. Seit 2016 werden im Kottenforst durch unseren ehrenamtlichen Helfer Rolf Mörtter wieder Leuchtabende zur Erfassung der aktuellen Nachtfalterfauna durchgeführt. Untenstehende Tabelle zu Tag- und Nachtfaltern zeigt, dass die Kleinschmetterlinge erst ab den 1980er Jahren und wieder seit 2016 zunehmend Beachtung finden. Die Gesamtzahl aller nachgewiesenen Schmetterlingsarten liegt bei beachtlichen 1.093 Arten und stellt gut 30 % aller in Gesamtdeutschland von der Küste bis zu den Alpen nachgewiesenen Arten dar. Das Potential bei den – überwiegend nachtaktiven – Kleinschmetterlingen wird bei gezielter Suche auf weitere 200 bis 300 Arten geschätzt. Mit den Daten dieser Gruppen lassen sich nun Vergleiche über die Zeiträume anstellen, welche Arten verschwunden oder neu hinzugekommen sind, welchen Ökotypen und Lebensräumen sich diese zuordnen lassen, etc.. Daneben gibt es noch auszuwertende Klimawandel-bedingte Verschiebungen bei den Flugzeiten und eventuell auftretende zusätzliche Generationen (MÖRTTER, schriftl. Mitt. 5.2.2023). Tabelle: nachgewiesene Artenzahlen in verschiedenen Zeiträumen im Kottenforst bis zum Jahr 2022 (Quelle: Rolf Mörtter, schriftl. 5.2.2023) . Zeitraum 1880 - 1959 1960-1979 1980-1989 2016-2022 1880-2022 Kleinschmetterlinge * 3 6 306 310 440 Großschmetterlinge ** 389 374 468 381 653 Gesamt 392 380 774 691 1.093 * überwiegend Nachtfalter, ** zu ca. 90 % Tagfalter. Wiesen Größe in ha Anzahl Saatstreifen Lebensraumtyp ABC-Bewertung ohne Saatstreifen ABC-Bewertung Saatstreifen K11A 0,27 Keine 6510 A (A/A/A) - K11B 0,83 2 6510 A (A/A/A) A (A/A/A) K20 0,36 1 6410 B (B/C/B) B (B/C/B) K21 West 0,31 2 6410 C (C/B/B) C (C/B/B) K21 Ost 0,27 1 6230 B (B/A/B) A (A/B/A) K36 0,32 2 6410 B (A/B/B) A (A/B/A) K40 0,25 1 6510 B (C/A/B) A (A/A/A) K44 0,37 3 6410 B (B/B/B) B (B/A/B) K49 0,24 2 6410 A (B/A/A) A (A/B/A) K51 0,25 flächig 6230 B (B/A/B) - K53 alt 0,078 Keine 6410 C (C/C/B) - K53 neu 0,282 flächig 6230 A (A/A/A) - Gesamt 3,83 3 x (6230) – 0,80 ha 6 x (6410) – 1,68 ha 3 x (6510) – 1,35 ha 4 x A 6 x B 2 x C 5 x A 2 x B 1 x CSeite 16 von 79 14 NSG Düne Tannenbusch Die Wiesenpflege im Naturschutzgebiet wird in Kooperation mit der Stadtförsterei durchgeführt, wobei die Biostation die Flächen mäht, das Material zusammenrecht und auflädt, die Stadtförsterei Abtransport und Entsorgung des mit Hundekot zum Teil stark belasteten Schnittguts übernimmt. Die zweimalige Pflege erfolgte in diesem Jahr Anfang Juli und Anfang September. Beim zweiten Durchgang wurden wir wie schon in den Jahren zuvor an einem Tag durch einen Freiwilligen-Einsatz der DHL unterstützt, wobei auch Müll gesammelt und Besenginster entfernt wurde. Darüber hinaus wurde regelmäßig das aus Holzgeländern bestehende Besucherleitsystem kontrolliert und kleinere Repara- turen durchgeführt. Die Erfolgskontrolle Ende April / Anfang Mai ergab einen weiteren Anstieg der Silbergras-Zahlen (Corynephorus canescens) und die Platterbsenwicke (Vicia lathyroides) konnte ihren Bestand mit erneut über 4.000 Exemplaren in etwa halten. Auch für den Kleinen Vogelfuß (Ornithopus perpusillus) waren günstige Keim- und Entwicklungsmöglichkeiten im Herbst zuvor gegeben, so dass sein Bestand bei fast 21.000 Exemplaren lag. Von den weiteren Rote-Liste-Arten wies die Kahle Gänsekresse (Arabis glabra) in diesem Jahr mit 424 Individuen zwar ein Drittel weniger Exemplare auf als noch im Jahr zuvor, es ist dennoch der dritthöchste bisher ermittelte Wert. Bei dem in NRW vom Aussterben bedrohten Feld-Beifuß (Artemisia campestris) gab es mit 26 Exemplaren keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Zur Förderung dieser besonders wichtigen Art am Westrand ihrer Verbreitung wird auch weiterhin das im Sicherungsbeet der Biostation gewonnene Saat- und Pflanzgut ergänzend auf der Düne ausgebracht. Entwicklung der Vorkommen von Silbergras, Platterbsenwicke und Kleinem Vogelfuß auf der Düne Tannenbusch 2002 bis 2022.Seite 17 von 79 15 FFH-Gebiet Rodderberg Die beiden Beweidungsgänge mit gemischter Schaf- und Ziegenherde verliefen wie in den letzten Jahren ohne Beanstandungen und mit gutem Pflegeergebnis. Um diese Pflege den Besuchenden des Rodderbergs besser zu vermitteln, wurde erneut anlässlich des herbstlichen Beweidungsgangs an einem Oktober-Samstag ein Infostand mit Infomaterialien, Führung und Preisrätsel organsiert und betreut. Ergänzende Gehölz-Pflegearbeiten erfolgten an zwei Tagen im November, bzw. Dezember wobei vor allem die Tuffgrube freigestellt wurde. In etwa sechswöchigem Abstand wurde das Besucherleitsystem auf Schäden kontrolliert und im Dezember kleinere Vandalismus-Schäden an den Holzauflagen beseitigt. Für das im Vorjahr weitgehend erstellte Maßnahmenkonzept für die EU-Berichterstattung des LANUV erfolgten kleinere Nachbesserungen. Sonder-VE Annuellen-Fluren: Nach dem erneuten, aber späten Fräsen der Flächen im Dezember 2021 konnte bei der Erfolgskontrolle in den Frässtreifen wie im Vorjahr nur wenige einjährige (annuelle) Pflanzen erfasst werden (s. Tabelle). Wie im Vorjahr ließ sich die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Klebrige Miere (Minuartia viscosa) sowie Feinblättrige Miere (Minuartia hybrida) nicht nachweisen. In den Frässtreifen zeigte sich die im Bereich der Windkuppe am Rodderberg typische Vegetation der mageren Trocken- oder Halbtrockenrasen (LRT 6210). Im Gegensatz zum Vorjahr fanden sich zwar deutlich mehr einjährige Arten, allerdings keine der seltenen Einjährigen, die mit der Maßnahme gefördert werden sollten. Die Artenzahl nahm im Vergleich zu 2021 deutlich zu, allerdings vor allem durch hier typische Generalisten der Segetalflora. Erfreulich waren der lokal frequent auftretende Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und die stellenweise neu nachzuweisende Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria). Foto links: Frässtreifen am 20.05.2022. Foto rechts: Aufwachsen von Dorniger Hauhechel (Ononis spinosa) in einem Frässtreifen am 26.04.2022. Aufgrund des ausbleibenden Erfolgs wurde im Herbst 2022 durch mehrfache, frühere Fräsgänge im Oktober angrenzend an die Streifen erneut versucht, die Annuellen am Rodderberg zu fördern.Seite 18 von 79 16 Purpur-Sommerwurz: Äußerst erfreulich war der Nachweis von 29 blühenden Individuen der Purpur- Sommerwurz (Orobanche purpurea) am 20.05.2022 (s. Foto). Damit konnte die Art erstmals seit 2016 wieder nachgewiesen werden. Bei der anschließenden Beweidung im Mai wurden diese Bereiche ausgespart. Mit der Maßnahme erhoffen wir uns eine Vergrößerung des Bestands. Projekt 2: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete NSG Nasswiesen und Bruchwald Kohlkaul (Kohlkaulwiesen) Erfassungen: Durch das von grundsätzlich feuchten Lebensraumtypen geprägte Naturschutzgebiet führen keine offiziellen Wege. Daher ist es eigentlich ein sehr störungsarmes Gebiet. Allerdings gibt es vor allem in trockeneren Jahren immer wieder einzelne Besucher, die das Gebiet regelmäßig durchlaufen. So entstehen Trampelpfaden, die zum Teil mitten durch wertvollste Orchideenbestände gehen. 2022 war der Besucherdruck allerdings vergleichsweise gering. Möglicherweise ist dies noch ein Nachwirken des feuchten Sommers im Vorjahr, in dem ein Begehen der Flächen über eine lange Zeit ohne Gummistiefel nicht möglich war. Die trocken-heiße Witterung in diesem Jahr dürfte wieder einen negativen Einfluss auf die typischen Feuchtwiesenarten gehabt haben. Angesichts der Häufung der Extremsommer in den letzten Jahren gehören die an feuchte Lebensräume gebundenen Tier- und Pflanzenarten zu den Arten, die mittel- und langfristig am stärksten gefährdet sind. Die großen Schwankungen in den erfassten Bestandszahlen der letzten Jahre zeigen sehr deutlich, dass der positive Effekt einer kontinuierlichen, auf diese Arten abgestimmten Pflege nicht mehr greift, sondern durch die negativen Effekte der Extremwitterung überlagert wird. Die beiden Dactylorhiza-Arten und die Färberscharte können als gute Indikatoren für den Zustand der Feuchtwiesenbereiche gesehen werden. Vom Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) wurden trotz Rückgang immerhin 3.077 Blütenstände gezählt. Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) verharrte mit 286 blühenden Pflanzen auf dem Niveau des Vorjahres. Bei der Färberscharte reduzierte sich der Bestand gegenüber dem Vorjahr allerdings um mehr als ein Drittel auf nur noch 50 Exemplare. Da sie nur an einem einzigen Standort im Naturschutzgebiet vorkommt, ist das Aussterberisiko bei negativ wirkenden Faktoren besonders hoch. Purpur-Sommerwurz (Orobanche purpurea) am 20.05.2022 auf der Ostseite des Rodderberghangs.Seite 19 von 79 17 Entwicklung von Vorkommen wertgebender Pflanzenarten im NSG Kohlkaul 2003 bis 2022. Die Kuckuckslichtnelke hat s ich so stark ausgebreitet und vermehrt, dass sie seit 2013 nicht mehr gezählt wird. 2022 fand auch eine einmalige Begehung des Gebietes hinsichtlich der Suche nach Individuen des Dunklen Moorbläulings statt. Dabei wurden jedoch keine Exemplare beobachtet. Der Blühaspekt der Wirtspflanze Großer Wiesenknopf wurde als gut bewertet. Praktische Maßnahmen: Nachdem das botanisch sehr wertvolle Naturschutzgebiet nach 15 Jahren Vertragsnaturschutz aufgrund von Eigentümerwechsel anders bewirtschaftet wird, konnte der neue Eigentümer nicht für den Vertragsnaturschutz gewonnen werden. Obwohl inhaltlich zu einem guten Ergebnis gekommen, sind die Absprachen und Vereinbarungen auf freiwilliger Basis zum einen zeitaufwändig, zum anderen auch unsicher, da außer den ordnungsbehördlichen Bestimmungen keine weitergehenden Verpflichtungen, vor allem zur aktiven Pflege des Gebiets bestehen. Die Flächen wurden dieses Jahr zweimal gemäht (Juni und Oktober), sensible Bereiche, i,nsbesondere der nach europäischem Recht streng geschützte Lebensraumtyps Pfeifengraswiese (LRT 6410), ausgespart und durch die Biologische Station im Herbst gepflegt. Weitere kleinere Pflegeeinsätze im Juni und Juli galten der Bekämpfung von Japanischem Riesenknöterich (Reynoutria japonica) und Riesen- Bärenklau/Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum). Beide Arten haben nur geringe Restbestände, die Herkulesstaude scheint nach 20-jähriger Bekämpfung vollständig verschwunden zu sein. NSG Feuchte Grünlandbrachen und Mähweiden Kohlkaul (Kautex-Wiesen) In den Kautex-Wiesen ist der Gesamtzustand aufgrund der intensiven Beweidung mit Pferden weiterhin schlecht. Die Ansprüche an die Qualität eines Naturschutzgebiets werde nicht erfüllt, dasSeite 20 von 79 18 vorhandene Potential aufgrund der Bodenbedingungen und des Wasserhaushalts nicht ausgeschöpft. Eine sinnvolle Betreuung durch die Station würde einen hohen zeitlichen Input und eine nachhaltige behördliche Unterstützung erfordern. Dies kann derzeit aber aufgrund der nicht auskömmlichen Finanzierung nicht geleistet werden. NSG Weiers Wiesen Altersbedingt wurden auch die Feuchtwiesen im Naturschutzgebiet Weiers Wiesen nach vielen Jahren erstmals nicht durch einen Landwirt gepflegt, die Biologische Station übernahm daher einen Pflegedurchgang in Eigenleistung, was erheblich höhere Kosten verursachte. Für 2023 konnte eine Finanzierung, insbesondere für die teuren Abfuhr des Mahdgutes als Grünabfälle eingestielt werden, was aber aufgrund der hohen Kosten keine gute Dauerlösung ist. Ob sich in diesem kleinen, ringsum von Bebauung umgebenen und von modernen Schleppern kaum erreichbaren Schutzgebiet nochmal eine landwirtschaftliche Pflege erreichen lässt, ist allerdings mehr als fraglich. NSG Lyngsberg Die für 2022 vorgesehenen umfangreichen Aufwertungsmaßnahmen des Steinbruchareals durch die Stadt wurden in großen Teilen umgesetzt. Dies betrifft vor allem die forstlichen Arbeiten, also die Freistellung der Steilwände und die Entnahme der Robinie in weiten Teilen. Die durch die VHS organisierte Exkursion war ausgebucht und brachte zusammen mit einer weiteren, durch die Godesberger Grünen angefragten Führung knapp 40 Besucher*innen das Gebiet näher. High-light war sicher ein aus einer der freigestellten Felswände auffliegender Uhu, low-light die durch die Freistellung und nicht zeitnahe Umzäunung des Gebietes deutlich sichtbare stark erhöhte Störung durch Spaziergänger*innen ohne und vor allem mit Hunden sowie Personen, die ihren Müll dort lassen. Für 2023 ist eine größere Erfassung geplant. NSG Melbtal Eine Beschreibung des Naturschutzgebiets „Melbtal“ findet sich im Jahresbericht 2021. Die 2021 durchgeführten Biotopholzerfassungen wurden 2022 in GIS-Pad digitalisiert. Als Biotopbäume gelten vor allem Höhlenbäume, aber auch Bäume mit Horsten von Greifvögeln, mit viel Alt- und Totholz in der Krone, abgestorbene Bäume und besonders alte Bäume. In dem seit vielen Jahren forstlich nicht mehr genutzten Gebiet wurden insgesamt 413 Biotopholzbäume erfasst, davon allein 106 mit einem BHD (Stammdurchmesser in Brusthöhe) von 100 cm oder mehr (sog. Uraltbäume). Im Jahr 2022 erfolgte eine Erfassung der Flora und der Biotoptypen. Die Ausstattung mit Frühblühern ist gut, wie auf basenhaltigem Boden zu erwarten, mit ausgedehnten und sehr großen Beständen von Anemone nemorosa und Ficaria verna, die zusammen das Gebiet prägen. Allerdings ist das Gebiet nicht so vielfältig wie der Ennert, dort frequent auftretende Arten wie Hohler Lerchensporn Corydalis cava, Lungenkraut Pulmonaria officinalis und Gegenblättriges Milzkraut Chrysosplenium oppositifolium fanden sich nur an wenigen Stellen. Auch Arum maculatum war ganzen Gebiet nurzerstreut vorhanden, aber nirgendwo in großen Beständen, meist nur lokal mit 10 bis 50 Pflanzen. Erfreulich sind zwei Bestände mit Winter-Schachtelhalm Equisetum hyemale. Lokal bestandsbildend mit Vorkommen von 30 bis 50 qm war dagegen das Kleine Immergrün Vinca minor. Besorgniserregend sind die Aufkommen von Kirschlorbeer an mehreren Stellen im Gebiet mit Schwerpunkt im oberen Bereich. Sie sollten dringend entfernt werden, da die Gefahr der Ausbreitung der offensichtlich aufgrund von Klimawandel offensichtlich zunehmend invasiven Art besteht.Seite 21 von 79 19 Der naturschutzfachlich insgesamt hohe Wert des Gebietes wird zum einen durch die Ablage von Grünabfällen an den Rändern zur Bebauung, zum anderen durch den massiven Besucherandrang auf den zahlreichen illegalen Trampelpfaden stark gemindert, da vor allem störungsempfindliche Arten kaum noch Bereiche finden, in denen sie siedeln können. Ob sich dieses in unmittelbarer Siedlungsnähe befindliche Gebiet durch besucherlenkende Maßnahmen beruhigen lässt, muss angesichts der außerordentlich starken Besucherfrequenz abseits der zulässigen Wege bezweifelt werden. Obstwiesen Die von uns betreuten Bäume der Obstbaumallee auf dem Annaberger Feld wurden geschnitten und die Äpfel geerntet. Das Obst wurde Anfang Oktober mit einer mobilen Saftpresse im Rahmen eines Aktionstages auf dem Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei zu leckerem Apfelsaft verarbeitet. An diesem Tag wurde durch einen Infostand mit Verkostungsmöglichkeit der Lebensraum Streuobstwiese und seine Bedeutung für den Naturschutz in den Mittelpunkt gestellt. Kopfweiden Außerhalb des NSG Siegmündung wurden 2022 entlang des Vilicher Baches 35 Kopfweiden zurückgeschnitten. Die gesamte Schnitt-Aktion wurde an zwei Tagen unter 2G-Regeln mit über 30 Helfenden durchgeführt und das Material an ca. 55 Interessent*innen abgegeben. Erfassung der Frühjahrsblüher im NSG Melbtal: Das Buschwindröschen (links) gehört zu den häufigsten Vertretern, währen d der Hohle Lerchensporn (rechts) nur an zwei Stellen anzutreffen war.Seite 22 von 79 20 Kiesgruben Die Pflegedurchgänge in den beiden von der Station betreuten ehemaligen Kiesgruben (Alfterer Straße und Stuch) verliefen wie geplant im November und Dezember. In der Kiesgrube an der Alfterer Straße wurden dabei auch erweiterte Hangbereiche als Lebensräume für Wildbienen und Zauneidechse freigestellt. Hohlwege Mehlem Seit 2017 untersuchen Heinz Schumacher und Rolf Mörtter ehrenamtlich die Nachtfalterfauna des Hohlwegs. Im Jahr 2022 fand eine botanische Führung im Rahmen des Naturerlebnis-Programms statt. Modellflächen in Bonn Auf den seit vielen Jahren bestehenden Modellflächen für eine naturschutz-optimierte und extensive Pflege von Grünflächen – zwei Verkehrsinseln am Flodelingsweg und ein ehemaliger Rasen am Lehrer*innen-Parkplatz des CvO-Gymnasiums – wurden wie in den Vorjahren nach Bedarf die erforderlichen Pflegemaßnahmen (Mahd, Laub abräumen, Unkraut entfernen) durchgeführt. Sonstige Schutzflächen – LRT 6510-Erfassung Für die im Vorjahr durchgeführte Erfassung des Lebensraumtyps 6510 (Glatthafer- und Wiesenknopf- Silgenwiesen) auf ausgewählten Standorten im Bonner Stadtgebiet wurde Anfang 2022 ein ausführlicher Bericht erstellt und der UNB zur Verfügung gestellt. Die sehr aussagekräftigen Ergebnisse waren Anlass für die Beantragung von zusätzlichen Mitteln, die im Herbst auch bewilligt wurden. Mit ihnen sollen von 2023 bis 2025 alle vorhandenen Grünlandflächen im Hinblick auf den LRT 6510 hin untersucht werden. Ziel ist unter anderem, zusätzliche Flächen für den Vertragsnaturschutz in Bonn zu identifizieren und zu gewinnen. Projekt 3: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt überwiegend mit Quantum GIS, bei Projekten mit Datenaustausch mit dem LANUV in GISPAD. Projekt 4: Vertragsnaturschutz in Bonn Auch 2022 war der Aufwand für die Verlängerung bestehender Verträge geringer als erwartet, da das vereinfachte digitale Verfahren zur Verlängerung seitens der Landwirtschaftskammer weiterhin er- möglicht wurde. Damit lag der Schwerpunkt auf der Betreuung der bestehenden Verträge mit Bewirtschaftungsdetails und Problemen bei den zeitlichen Bewirtschaftungseinschränkungen. Daneben gab es einige wenige Anfragen für Neuverträge außerhalb der Naturschutzgebiete. Hier sind aktuell nur Verträge möglich, die die Förderung von Ackerlebensgemeinschaften oder die Pflege von Streuobstwiesen und Hecken zum Ziel haben. Aufgrund der zahlreichen Neuerungen im Rahmen der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU bestand allerdings eine große Verunsicherung bei den Landwirt*innen, so dass es im Bonner Stadtgebiet keine Nachfrage nach zusätzlichen Verträgen gab – anders im Grünland, wo außerhalb der Naturschutzgebiete durchaus von Landwirt*innen noch Interesse besteht, zusätzliche Flächen nach den Vorgaben des Vertragsnaturschutzes zu bewirtschaften. Allerdings gibt es in Bonn die Beschränkung, dass dies nur auf hochwertigem GrünlandSeite 23 von 79 21 möglich ist, die dem FFH-Lebensraumtyp 6510 (Glatthafer- und Wiesenknopf-Silgenwiese) zuzuordnen sind. Für eine Förderung müssen diese Flächen erfasst, vom LANUV anerkannt und in dessen Datenbank hinterlegt sein. Dies ist aber für Flächen außerhalb der Naturschutzgebiete in Bonn noch nicht gegeben. Um dieses Defizit zu beheben und weitere Flächen für den Vertragsnaturschutz zu gewinnen, wurden Zusatzmittel für die nächsten drei Jahre beantragt und bewilligt, so dass idealerweise ab 2023 schon neue Flächen aufgenommen werden können. Wie in jedem Jahr wurden hochwertige blütenreiche Flächen in der Siegaue, den Kohlkaulwiesen und auf dem Rodderberg markiert, um sie temporär von der Nutzung auszunehmen und als Rückzugsräume für die Fauna zu sichern. Auch die übrigen Vertragsflächen wurden fast alle mindestens einmal, die meisten mehrfach während der Vegetationsperiode aufgesucht, um Zustand und Entwicklung zu kontrollieren. Verstöße gegen die Vertragsauflagen stellten wir nicht fest. Auch die im Vorjahr angelegten Blühstreifen und -flächen am Rand mehrerer Felder im Meßdorfer Feld und bei Röttgen wurden im Sommer aufgesucht und fotografisch dokumentiert (Näheres hierzu unten im Kapitel Umsetzung des Artenschutzkonzepts Bonn West). Der sich weiter sehr gut entwickelnde Zustand der Grünland-Vertragsflächen im Kottenforst wurde bereits im Kapitel „FFH-Gebiet Waldreservat Kottenforst“ dargestellt. Im Teilprojekt Regiosaatgut profitieren wir nach wie vor von ehrenamtlich Helfenden, vor allem beim Sauberhalten der in den Beeten der ehemaligen Stadtgärtnerei betriebenen kleinen Anbauflächen. Dank eines verbesserten Schlauchsystems in den einzelnen Beeten kamen wir vergleichsweise verlustarm durch die ausgeprägten Hitze- und Trockenheitsphasen des Sommers 2022. Nahezu alle Kulturen kamen gut zur Blüte und brachten eine zufriedenstellende Samenernte. Ein Teil davon wurde direkt zur Aufwertung von Vertragsnaturschutzgrünland im Naturschutzgebiet Siegaue verwendet (s.o.). Das Interesse am Thema regionales Wildpflanzensaatgut ist weiterhin sehr hoch, nicht zuletzt, weil es eine der wenigen Möglichkeiten ist, in kurzer Zeit und mit angemessenem Aufwand artenreiche Blühflächen zu entwickeln. Entsprechend war auch die Nachfrage nach der über uns verfügbaren Saatgut-Grundmischung für eine artenreiche rheinische Wiese gleichbleibend. Dies ging, wie schon in den Jahren zuvor, mit einem hohen zeitlichen Aufwand für Informationen und Beratungen einher. Projekt 5: Artenschutz in Bonn Arten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Das Projekt hat einen Schwerpunkt bei den praktischen Maßnahmen zum Erhalt der streng geschützten Arten gemäß EU-Recht. Sonder-VE Geburtshelferkröte im rechtsrheinischen Bonn: Nachdem in den Jahren 2020 und 2021 insbesondere alle bekannten Altbestände der Geburtshelferkröte überprüft wurden und 2021 ein großes Artenschutzgewässer im Arboretum Park Härle gebaut werden konnte, kam es im Jahr 2022 zur Umsetzung kleinerer Maßnahmen. Bei der Überarbeitung der Gelbauchtümpel am Bennerscheidweg im Ennert wurde im Januar auch ein ehemaliges Reproduktionsgewässer der Geburtshelferkröte entkrautet und entschlammt. Die Rufkontrolle an selber Stelle blieb allerdings abermals erfolglos, sodass anzunehmen ist, dass die Geburtshelferkröte an diesem Standort ausgestorben ist.Seite 24 von 79 22 Im Arboretum Park Härle wurde das im Oktober 2021 angelegte Dernotongewässer auf Reproduktion überprüft. Es konnten im Jahresverlauf noch keine Larven oder laichschnurtragende Männchen festgestellt werden, allerdings abermals rufende Männchen, eines sogar in den Steinschüttungen im Hang um das Gewässer. Die Zahl der rufenden Tiere hatte sich im Vergleich zum Vorjahr aber nicht wesentlich erhöht. Im Juli wurde eine Führung an das Gewässer für interessierte Bürger*innen angeboten und eine mobile Informationstafel gestaltet, die für weitere Veranstaltungen im Arboretum genutzt werden kann. Geburtshelferkröten-Männchen in den Steinschüttungen des neu angelegten Dernotongewässer im Arboretum Park Härle am 26.05.2022 . Bei nächtlichen Untersuchungen wurden am angrenzenden Sportplatz in Oberkassel weitere rufende Tiere festgestellt. Anfang des Jahres gab es einen Ortstermin mit dem Landesbetrieb Wald & Holz und der UNB, bei der mögliche Aufwertungsmaßnahmen der Gewässer bzw. des Gewässerumfelds Blauer See und Dornheckensee diskutiert wurden. Auch wurden E-DNA-Proben auf den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis genommen und zur Auswertung verschickt. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Die alljährlichen Pflegemaßnahmen zur Förderung der Mauereidechse an den Mauern in Oberkassel fanden wie geplant statt. Ein Monitoring für das LANUV war 2022 nicht erforderlich, so dass nur Zustandskontrollen und stichprobenhafte Begehungen stattfanden. Für die Gelbbauchunke wurden in der Heckelsgasse die Gewässer mit großem Aufwand überarbeitet. Dazu wurden diese im Winter 2021/2022 trockengelegt und mit einer Abdeckplane weitgehend vor Regen geschützt. Im Frühjahr 2022 wurde die gesamte Fläche mit einer ca. 30 cm mächtigen Schicht Naturton überschichtet, in die neue Gewässermulden angelegt wurden. Die Gewässer füllten sich auch sofort mit Wasser und wurden sofort (am Folgetag) von den Unken angenommen und zum Ablaichen genutzt. Die Materialkosten für den Umbau konnten über die Postcode Lotterie finanziert werden, der hohe Personalaufwand erfolgte über den AMP.Seite 25 von 79 23 Leider entwickelten sich die Wasserstände nicht so wie erwartet, da die massive Trockenheit im Frühjahr und Sommer zu sehr großen Rissen und damit zum frühzeitigen Austrocknen führte. Aus diesem Grund wurde - anders als geplant - eine dauerhafte Bewässerung 2022 nötig. Da aufgrund des Klimawandels damit zu rechnen ist, dass die Trockenheit in Zukunft häufiger und das Austrockenen wahrscheinlicher wird, sollen im Frühjahr 2023 die Gewässer nochmals überarbeitet und zum Teil mit Beton abgedichtet werden. Die Wechselkröte gehört in Bonn zu den Arten, die durch Flächenverbrauch und Klimawandel stark beeinträchtigt sind. Seit mehreren Jahren ist sie im Stadtgebiet von Bonn nur noch an fünf Stellen nachweisbar. Der Mangel an Flächen mit offenen Böden und sonnigen Flachgewässern verhindert die weitere Ausbreitung. Die im letzten Bericht vorgestellten Maßnahmen der Stadt Bonn waren weiterhin nur teilweise erfolgreich, Näheres hierzu in folgender Tabelle.Seite 26 von 79 24 Die Kreuzkröte ist im Stadtgebiet von Bonn seit ca. 25 Jahren nur noch rechtsrheinisch vorhanden. Der Mangel an Lebensräumen – vor allem an gering bewachsenen Brachflächen und geeigneten Laichgewässern – und die immer kleiner werdenden, nicht verbauten Korridore verhindern hier eine weitere Ausbreitung. Aufstellung der bekannten Wechselkröten und Kreuzkrötenpopulationen im Stadtgebiet von Bonn: Ort Wechsel kröte Kreuzkröte Sonstige Amphibien Sonstige Arten, Bemerkungen Ehemalige Spargel- und Erdbeeräcker an der Grootestraße, Dransdorf Ca. 25 Adulte, einige Tausend Larven Außerhalb des Vorkommens- gebiets Teichmolch, Wasser- frösche Die 2020 angelegten Gewässer haben noch einen guten Zustand und wurden von den Tieren zur Reproduktion genutzt. Ausgleichsfläche für das Gewerbegebiet am Saime-Genc-Ring, Dransdorf Ca. 15 Adulte, einige Tausend Larven Außerhalb des Vorkommens- gebiets Wasser- frösche, Teichmolch, Bergmolch Die 2021 angelegten Gewässer haben noch einen guten Zustand und wurden von den Tieren zur Reproduktion genutzt. Das Gebiet ist weiterhin frei zugänglich und wird als Hundespielwiese genutzt. Ausgleichsfläche am Friedhof Beuel Ca. 15 Adulte, einige Tausend Larven Ca. 55 Adulte, einige Tausend Larven Teichmolch, Bergmolch Die Ausgleichsfläche eignet sich immer noch gut für Kreuz und Wechselkröte. Die Fläche ist trotz Ankündigung von 2013 bisher nicht mit einem Zaun umgeben und ist daher frei zugänglich. Ausgleichsfläche in der ehemaligen Kiesgrube an der Gerhardstraße in Beuel Wurde nicht kartiert Wurde nicht kartiert Ausgleichsfläche am Georg-Elsen-Weg, Buschdorf keine Außerhalb des Vorkommens- gebiets Wasser- frösche, Teichmolch, Bergmolch Sie 2019/2020 angelegten Gewässer haben einen guten Zustand, es konnte sich aber bisher keine Wechselkröten-Population etablieren.Seite 27 von 79 25 Die im Sonderprojekt „Umsetzung des Artenschutzkonzepts Bonn West“ durchgeführten Arbeiten und Ergebnisse im Jahr 2022 waren: • Artenschutz Wechselkröte: Monitoring des Bestandes, Konzeption, Abstimmung mit Landnutzern und Behörden, Steuerung der Entwicklung sowie Pflege des Landlebensraums durch Wiederherstellung eines Foliengewässers, Rückschnitt von Gehölzen, Mahd inkl. Abfuhr. • Ökologische Potentialanalyse: Im Jahr 2022 wurde eine GIS-unterstützte Potentialanalyse im Bonner Ortsteil Graurheindorf durchgeführt (s. Karte). Das untersuchte Areal ist ca. 90 ha groß und besteht aus verschiedenen Strukturen, die das Potential haben, für den Arten- und Naturschutz aufgewertet zu werden. Es wurden ausgewählte Biotope bewertet, das Potential für Arten aus den Tiergruppen Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere ermittelt und faunistische Zielarten festgelegt. Dies mündete in der Erarbeitung konkreter Maßnahmen- vorschläge für Schutzmaßnahmen und die Besucherlenkung. • Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Informationsaustausch: Kontaktaufnahme mit dem Ortsausschuss Graurheindorf sowie weiterer Akteure zur Umsetzung von Maßnahmen im Projektgebiet. Vorstellung der erfassten Potentialflächen im Rahmen einer Online-Konferenz unter Beteiligung von Expert*innen des Amts für Stadtgrün und der Unteren Naturschutzbehörde im Februar 2022. Die angelegten Blühflächen wurden durch Vor-Ort- Termine und Gespräche mit den bewirtschaftenden Landwirten im Vertragsnaturschutz kontrolliert (Grootestraße und Meßdorfer Feld). „Auf dem Lausacker“ fanden Vor-Ort- Kontrollen verschiedener Flächen zur möglichen flächenhaften Einsaat mehrjähriger Kräuter sowie Beratung eines lokalen Akteurs statt. • Erhalt und Optimierung von Lebensräumen für Zauneidechse und Wildbienen durch Vereinbarungen mit einem Landwirt und eigene Pflegearbeiten in den Bereichen Grootestraße und Meßdorfer Feld: Rückschnitt von Gehölzen, Mahd inkl. Abfuhr, Müllentsorgung Bisherige Bilanz • Wechselkröte: Die im Jahr 2021 neu angelegten oder hergerichteten Laichgewässer standen auch 2022 zur Verfügung, waren aber zeitweise stark veralgt. Im Frühjahr war das Wetter für Amphibien durchschnittlich; es gab Balz- und Laichaktivitäten und vermutlich eine durchschnittliche Fortpflanzung der Zielart: Mindestens vier der elf angelegten Gewässer dienten der Fortpflanzung (Rufer, Laich oder Kaulquappen) und es konnten sich vermutlich viele 100 junge Wechselkröten entwickeln. Unklar ist allerdings, wie sich die seit Juli bestehende Trockenheit vor allem auf den Nachwuchs auswirkt. Bei dieser Steppenart sollten gewisse Anpassungen vorhanden sein, aber inwieweit die Populationen am Rand des Areals der Art dies verkraften, ist nicht bekannt. • Vertragsnaturschutz VNS: Die vier Blühflächen im Meßdorfer Feld aus dem Jahr 2021 bestanden weiterhin, waren allerdings recht stark vor allem mit Ackerkratzdisteln verunkrautet. Durch den veränderten Anbau (Bio) entstanden aber an mehreren Ackerrändern schöne Blühaspekte von Ackerwildkräutern, dominant der Klatschmohn, aber auch Kornblume und andere Beikräuter. Der 2.000 qm große Blühstreifen eines anderen Landwirts an der Grootestraße besteht weiterhin als freiwillige, kostenfreie Leistung, da kein Vertrag zustande kam. Zusätzlich haben zwei ortsansässige Landwirte privatwirtschaftliche Verträge mit drei Unternehmen zur Schaffung von mehrjährigen Blühflächen abgeschlossen, die allerdings größtenteils im Rhein-Sieg-Kreis liegen, einige aber direkt hinter der Grenze zur Stadt Bonn. Insgesamt ergeben sich im Gebiet für 2022 insg. 7,2 ha Blühflächen, davon 3,2 im Stadtgebiet von Bonn. Weitere Verträge im VNS konnten aufgrund der EU-Agrarreform, verbunden mit der unsicheren Situation hinsichtlich verpflichtender Brachflächen in der Zukunft nicht einge- worben werden.Seite 28 von 79 26 • Potentialanalyse Ortsteil Graurheindorf: Die im Frühjahr 2022 durchgeführte Potentialanalyse für Flächen bei Graurheindorf, bei der Anregungen des Ortsausschusses Graurheindorf mitberücksichtigt wurden, zeigt folgende Karte. Das Gebiet ist zweigeteilt: Im südlichen, siedlungsnahen Teil „Auf dem Lausacker“ befinden sich viele kleinparzellige Grundstücke, die teils privat, teils städtisch sind. Hier gibt es von vielen Personen die Bereit- schaft, Naturschutzmaßnahmen umzusetzen. Der siedlungsfernere Teil im Norden zeichnet sich dagegen durch viele landwirtschaftliche Flächen aus, ebenfalls städtisch oder privat. Dort dürfte die positive Wirkung für die im Artenschutzkonzept Bonn Nord-West festgelegten und durch die Potentialanalyse erweiterten Zielarten durch die vorgeschlagenen Maßnahmen am höchsten sein. Für den Frühjahr 2023 sind erste Einsaaten geplant. Damit wurden einige für 2022 geplanten Maßnahmen nicht oder nur teilweise umgesetzt, dagegen andere, nicht geplante Maßnahmen aufgrund günstiger Gegebenheiten oder Erfordernisse umgesetzt. So war für Teilflächen „Auf dem Kappesland“ und bei Graurheindorf die Konzeption von Informations- tafeln für Hundebesitzer angedacht, die Erarbeitung der Potentialanalyse sowie die Kommunikation mit Akteuren in Graurheindorf haben jedoch den Großteil der Kapazitäten gebunden. Hierbei ging es insbesondere um die Unterstützung des Ortsausschusses, für Maßnahmen in der Bevölkerung zu werben und Multiplikatoren zu gewinnen. Gleichzeitig ergaben sich „Auf dem Lausacker“ Möglich- keiten, erste Herbsteinsaaten zusammen mit Akteuren umzusetzen, was weitere Ortstermine und Koordinationsaufwand bedeutete. Weiterhin ist zur Umsetzung der Maßnahmen aufwendige Recher- chearbeit – v. a. bei der Ermittlung von Eigentumsverhältnissen – erforderlich. Daher sehen wir weiterhin die Dringlichkeit, die Umsetzung über einen längeren Zeitraum zu fördern. Aufgrund der zahlreichen Akteure und der Grenzsituation zu den Gemeinden Alfter und Bornheim im Rhein-Sieg-Kreis ergibt sich erheblicher Abstimmungs- und Koordinierungsbedarf. Das gilt für die Artenschutzmaßnahmen, die in erster Linie Pionier- und Ackerarten betreffen. Nach Umsetzung der Maßnahmen bedürfen sie nach der Erstaufnahme einer weiteren, dauerhaften Pflege, was auch regelmäßige Erfolgskontrollen und Beratungen erforderlich macht. Weitere Landwirt*innen müssen in den nächsten Jahren für die Vorhaben und jeweiligen Förderprogramme gewonnen werden. Auf Grundlage der Potentialanalyse abgel eitete Maßnahmen (Graurheindorf Nord)Seite 29 von 79 27 Sonstige Artenschutzmaßnahmen Amphibienschutz an Straßen: Der etwa 150 m lange und mit 10 Fangeimern bestückte Amphibien- schutzzaun bei Oberholtorf wurde nach Aufbau durch die Biologische Station am 17. Februar von mehreren Familien aus dem Ort selbständig betreut. Nach dem historischen Tiefstwert letztes Jahr ist 2022 die Wanderung mit nur 12 Erdkröten und 3 Molchen fast zum Erliegen gekommen. Die Ursache ist unklar: Neben den trockenen Jahren, die generell für die Amphibien sehr negativ sind und auch an anderen Schutzzäunen bereits zu Bestandseinbußen führen (allerdings nicht an den anderen beiden Bonner Zäunen), muss die zeitgleiche nahe Bebauung als negativer Einfluss in Erwägung gezogen werden. Auch eine Verlagerung der Wanderbewegungen ist möglich. Für 2023 wird daher eine Ursachenforschung inkl. einer Erfassung des Vorkommens am Laichgewässer notwendig werden. Entwicklung der Anzahl wandernder Amphibien am Schutzzaun Oberholtorf 2002–2022 Straßensperrung Heiderhof: Bei der einzigen Straßensperrung für Amphibien im Stadtgebiet Bonn am Philosophenring auf dem Heiderhof werden neben den Beständen der besonders geschützten Erd- kröte auch der nach Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützte Springfrosch bei der Wanderung zum Laichgewässer vor dem Straßentod bewahrt. Der Biostation obliegt hier die fachliche Beratung, insbesondere zum Zeitpunkt von Auf- und Abbau der Sperren sowie Umleitung eines Linienbusses. Des Weiteren stellt die Biostation an 7 Stellen im Stadtgebiet Amphibienschutzschilder zur Wanderzeit auf: Oberkasseler Straße, Pützchens Chaussee, Oberholtorf, Nachtigallenweg, Finkenberg, Holzlarer Straße sowie Villiper Allee. Am Röttgener Tonweiher wurden 2022 mehrfach die Gullys an der Villiper Allee auf gefangene Amphibien (besonders Erdkröten) hin kontrolliert. Die Verteilung der Maßnahmen zum Schutz von Amphibien an Bonner Straßen wurde 2022 digitalisiert und der UNB zur Verfügung gestellt.Seite 30 von 79 28 Projekt 6: Wissenschaftliche und beratende Aufgaben Zentraler Bestandteil dieses Projektes ist der regelmäßige Austausch mit den Fachämtern der Stadt (u. a. Quartalsgespräche mit der UNB) und den Projektpartnern beim Landesbetrieb Wald und Holz. Neben Beratungen von Mitarbeiter*Innen weiterer Ämter bestimmen die Anfragen und Beratungserwartungen von Bonner BürgerInnen und aus der Politik die Inhalte des Projektes. Projekt 7: Naturschutzbildung und Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt Bonn Aufgrund der mit Corona verbundenen Unsicherheiten wurde das zusammen mit Naturschutzvereinen halbjährlich erscheinende Veranstaltungsprogramm im ersten Halbjahr 2022 erneut nur als pdf- Dokument erstellt und über digitale Kanäle verteilt: So wurde allein unser mittlerweile über 1.100 Abonnent*innen umfassende Newsletter ca. 30mal zur Ankündigung von Veranstaltungen verschickt, unterstützt durch den Online-Kalender unseres Web-Auftritts und Ankündigungen in der Presse, insbesondere im Generalanzeiger. Im Jahr 2022 besuchten 1.699 Personen die Veranstaltungen der Biostation, davon allein 1.393 im ersten Halbjahr mit seinen neun sehr gut besuchten, über das Programm Webex durchgeführten Online-Vorträgen und einigen mehrtägigen Angeboten wie den Vogelstimmen- und Obstschnittkursen. In der zweiten Jahreshälfte waren es mit 306 Teilnehmenden, verteilt auf 18 Veranstaltungen deutlich weniger. Die hohen Zahlen im ersten Halbjahr kamen vor allem durch die Online-Vorträge zustande, die bis zu 222 Teilnehmende verzeichnen konnten. Im Schnitt besuchten damit im ersten Halbjahr 42,2 Personen eine Veranstaltung mit deutlichen Unterschieden zwischen den Online-Vorträgen mit durchschnittlich 109,6 und 16,3 Personen bei den Präsenz-Angeboten. Hinzu kamen erstmals nach Corona wieder einige größere bis große Veranstaltungen wie den zweiten Infotag im Ennert, Frühlingsmarkt und Tag der Artenvielfalt in Bonn sowie den Tag der offenen Tür in Friesheim. Die Biostation presste an zwei Terminen in Bonn und Gymnich rund 6 Tonnen Äpfel zu gut 3.500 Liter Saft. Die Äpfel kamen vom Annaberger Feld und verschiedenen Wiesen im Rhein-Erft-Kreis. Die Aktion dient vor allem dazu, die Wertschätzung von Obstwiesen zu erhöhen. Der Saft wird seit einigen Jahren mit steigendem Absatz u.a. im Bonner Weltladen in der Altstadt verkauft. Beim Internetauftritt waren 2022 nur die üblichen Aktualisierungen nötig. Gut genutzt wurden sowohl das Kontaktformular als auch die Möglichkeit, sich selbständig in den allgemeinen Newsletter der Station und den neu entwickelten Newsletter zum Kopfweidenschnitt einzutragen. Zur Pressearbeit sei auf ein eigenes Kapitel unten verwiesen.Seite 31 von 79 29 Projekte im Rhein-Erft-Kreis (Projekte 8 bis 14) Die Einstellung eines zusätzlichen Landschaftspflegers ist der erste Schritt für die Weiterentwicklung der Biostation im Rhein-Erft-Kreis, über die wir bereits im letzten Jahresbericht geschrieben haben. Es wäre wünschenswert, wenn mit einem eigenen Landschaftspflegeteam im Rhein-Erft-Kreis neben der Wiederherstellung der Streuobstwiesen auch Pflegearbeiten in Schutzgebieten verstärkt durchgeführt werden können. In diesem Jahr hat sich nicht nur im Naturschutzgebiet „Ehemalige Klärteiche Bedburg“ gezeigt, dass teilweise erhebliche Defizite bestehen. Über die Notwendigkeit eines Neubaus für die Weiterentwicklung der Biologischen Station im Rhein-Erft-Kreis haben wir bereits in den letzten Jahren berichtet. Gemeinsam mit dem NABU haben wir weitere konkretisierende Schritte dazu unternommen. Seit November 2022 steht uns im Rhein-Erft-Kreis ein „Naturschutzmobil“ zur Verfügung. Der optisch ansprechende Anhänger wurde mit 80 % aus dem „Regionalbudget“ zur Umsetzung der Lokalen Entwicklungsstrategie der LEADER-Region „Zülpicher Börde“ gefördert und soll für die praktische Naturschutzarbeit sowie für Umweltbildung und Öffentlichkeitsveranstaltungen genutzt werden. Seit November 2022 steht der Biologischen Station ein „Naturschutzmobil“ für Landschaftspflegearbeiten und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. In diesem Jahr konnten wir einige Zusatzprojekte neu beginnen und durch Zuweisung oder Verstetigung zusätzlicher Mittel in laufenden Projekten stärkere Impulse setzen. So wurden uns beispielweise zusätzliche Verrechnungseinheiten für die fachliche Begleitung des Prozesses rund um den Strukturwandel im Rheinischen Revier zugewiesen, mit denen wir in den zahlreichen Diskussionsprozessen einen fachlichen Input leisten und einen Antrag für ein Naturschutzgroßprojekt vorbereiten können. Vom Rhein-Erft-Kreis wurden wir beauftragt, Managementkonzepte für 13 Naturschutzgebiete zu erstellen. Unser erfolgreiches Projekt „Kommunaler Insektenschutz“ kann dank der Förderung durch den Rhein-Erft-Kreis auch in den nächsten drei Jahren fortgeführt werden. Darüber hinaus haben wir im Herbst mit den Vorarbeiten des neuen LVR-Projektes „Naturspürnasen unterwegs“ begonnen, einem Umweltbildungsprojekt mit dem Schwerpunkt in Bonn, das aber auch in Kooperation mit Schulen im Rhein-Erft-Kreis durchgeführt werden soll.Seite 32 von 79 30 Auf den folgenden Seiten werden Projekte im Rhein-Erft-Kreis für das Jahr 2022 beschrieben. Der Schwerpunkt liegt wie üblich auf der Darstellung der besonderen Ereignisse und der Mitteilung aktueller Untersuchungsergebnisse. Projekt 8: Schutzgebietsbetreuung und schutzgebietsbezogener Artenschutz in Schwerpunktgebieten NSG Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch (BM-043) Das Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ ist mit über 50 ha das bedeutendste Naturschutzgebiet für magere Offenlandbiotope im Rhein-Erft-Kreis. Der Charakter des Gebietes wird geprägt durch ausgedehnte Grünlandflächen und die typischen Erdwälle aus der früheren Nutzung als Munitionsdepot. Die Offenlandflächen sind kreisweit einzigartig und haben sich in der südlichen Niederrheinischen Bucht zu bedeutenden Magerrasen- und Heidestandorten entwickelt. Zudem belegen Brutvogelkartierungen und Erfassungen verschiedener Insektengruppen die herausragende Bedeutung des Schutzgebietes für den Artenschutz im Rhein-Erft-Kreis. Das Gebiet wurde bis 1994 von den belgischen Streitkräften als Munitionsdepot genutzt. Im Jahr 2003 übernahm der NABU Rhein-Erft die Landschaftspflege auf rund 35 ha des Gebietes. Viele Flächen werden dabei von einer Schaf- und Ziegenherde von der Verbuschung freigehalten. Der NABU Rhein- Erft wird im Naturschutzgebiet „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ von der Biologischen Station Bonn Rhein-Erft bei verschiedenen landschaftspflegerischen Arbeiten und beim Monitoring gefährdeter Tier- und Pflanzenarten unterstützt. Die Biologische Station unterstützte auch 2022 die Landschaftspflegstation des NABU Rhein-Erft bei Pflegemaßnahmen im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“. Das Vogelmonitoring beschränkte sich auch 2022 auf Stichtagerfassungen von Zielarten, wie Heide- lerche, Baumpieper, Neuntöter, Schwarzkehlchen und der Turteltaube. Die nächste umfassende Erfassung der Brutvogelbestände soll 2025 durchgeführt werden. Alle Zielarten konnten auch 2022 im Gebiet bestätigt werden. Allerdings ist nicht sicher, ob die Heidelerche 2022 als Brutvogel auftrat. Im angrenzenden Waldgebiet wurden 2022 wieder Pirol und Kolkrabe während der Brutzeit festgestellt.Seite 33 von 79 31 Für eine Stichtagerfassung von besonderen Insektenarten fehlte uns 2022 leider die Zeit. In den vergangenen Jahren konnten wir zumindest im Frühjahr und Sommer 2 bis 3 Begehungen durchführen. Der letztjährige Nachweis der Blauschwarzen Holzbienen mit anschließendem Bericht und Aufruf im NABU-Info 2022 hatte eine schöne Resonanz. Zahlreiche Meldungen von Holzbienenbeobachtungen im Rhein-Erft-Kreis gingen bei uns ein (s. Kap. XX). Es wäre wünschenswert, 2023 und 2024 eine Wiederholungskartierung von Wildbienen im NSG „Ehemaliges Munitionsdepot Friesheimer Busch“ durchzuführen. Die letzte umfassende Untersuchung erfolgte im Auftrag des NABU Rhein-Erft in den Jahren 2007 und 2008. Da es sich bei diesem Schutzgebiet um einen Kernlebensraum für Insekten im Rhein-Erft-Kreis handelt, wäre die Aktualisierung des Datenbestandes von Bedeutung. Kontrolle von Laichgewässern des Springfrosches: Die diesjährige Erfassung im Rahmen des Springfroschmonitorings, mit Erfassung der Laichballen bzw. Larven in den Kleingewässern erfolgte am 10.03., 01.04. und 14.04.2022. Wie in den Vorjahren waren die Wasserstände zu Beginn der Laichperiode nicht ideal. Die flacheren Mulden und Gewässer waren nicht vollständig mit Wasser gefüllt oder zum Teil ausgetrocknet. Einzelne Laichballen, die zu diesem Zeitpunkt bereits abgelegt waren, lagen trocken bzw. waren dem Frost durch die sinkenden Wasserstände ausgesetzt. Bis zur zweiten Kontrolle Anfang April hatte sich die Wassersituation weiter verschärft, auch tiefere Gewässer fielen trocken. Lediglich die kleinen Kunststoff-Wannen führten zuverlässig Wasser. In 11 Gewässern und Mulden wurden Springfroschlaichballen gefunden. Unter Beachtung der maximalen Laichballenzahlen pro Gewässer wurden rund 100 Laichballen erfasst, von denen 30 bereits im Erfassungszeitraum vertrockneten. 2021 wurden 95 Laichballen erfasst. Gegenüber den Vorjahresbeständen mit 205 Laichballen 2020 bleibt der Bestand weit zurück. Die beiden Gewässer mit den meisten Springfroschlaichballen (35 und 22 Ballen) führten ausreichend Wasser, sodass die Larven eine Chance zur erfolgreichen Entwicklung hatten. Bei einer Stichprobe Ende Mai konnten hier dennoch keine Metamorphlinge gefunden werden. Im Winter 2022/23 erfolgte die Entkrautung einiger Gewässer. Auf Grund der angespannten Wassersituation und stark rückläufigen Springfroschreproduktion sollte zeitnah über die Abdichtung von Gewässer mit Folien oder die Anlage zusätzlicher Dernoton-Gewässer beraten werden. Auch der Springfrosch leidet unter den geringen Niederschlägen. Mit rund 100 Springfroschlaichballen befindet sich der Bestand gegenüber 2020 weiterhin auf einem niedrigen Niveau.Seite 34 von 79 32 Flora: Von den vier Orchideenarten im Friesheimer Busch wurden auch in diesem Jahr nur zwei Arten, dass Übersehene und das Gefleckte Knabenkraut und in großer Zahl die Hybriden dieser beiden Arten blühend angetroffen. Zahlenmäßig sind die Knabenkräuter aber noch nicht wieder auf dem gleichen, hohen Niveau wie vor den extremen Trockenjahren. Auch die Bestände anderer, an feuchte Standorte angepasster Pflanzen (z. B. Kümmelsilge, Teufelsabbiss und Glockenheide) haben sich aufgrund der 2021 höheren Niederschläge zumindest wieder stabilisiert. Mit Ausnahme des Teufelsabbisses haben sie aber nicht zugenommen. Floristisch sehr bemerkenswert waren zwei Spontanaufkommen von Arnica montana (Bergwohlverleih) in den feuchteren Besenheideflächen des Munitionsdepots. 2021 wurden Arnica-Pflanzen aus der Nachzucht im Munitionsdepot ausgesetzt. Die Nachzucht von Arnica montana ist allgemein schwierig. Nicht selten sterben die Pflanzen nach anfänglich guter Entwicklung aufgrund des Befalls mit bodenbürtigen Schadpilzen später ab. Die ab 2021 eingebrachten Pflanzen waren insgesamt aber gut entwickelt und 2022 keine Verluste festzustellen. Die Nachzuchten zeigten weiterhin eine vitale Entwicklung und dürften 2023 erstmals blühen. An mehreren Tagen wurden Samen von Wildpflanzen gesammelt, die entweder in die zielgerichtete Vermehrung gehen sollen oder unmittelbar für verschiedene experimentelle Einsaaten mit spezieller Ausrichtung Insektenschutz eingesetzt werden. Der Schwerpunkt der Sammelaktivitäten lag dabei auf besonders früh blühenden Trachtpflanzen wie dem Barbarakraut und den z. T. prächtig blühenden Ruderalarten, die ergiebige Nektar- und Pollentracht liefern oder zum Nestbau geeignete, markige Stängel bilden. Kleiner Ausschnitt der Orchideenblüte von Geflecktem Knabenkraut. Die zahlreichen breitblättrigen Rosetten sind Exemplare des erst spät im Jahr blühenden Teu felsabbiss, der in den letzten Jahren stark zugenommen hat.Seite 35 von 79 33 NSG Königsdorfer Forst (BM-015) Das Schutzgebiet ist ein laubholzreiches Waldgebiet am ehemaligen Braunkohletagebaurand. Neben alten, strukturreichen Buchenwäldern finden sich auf insgesamt 330 ha Eichen- und Eichen- Hainbuchenmischwälder sowie kleinflächig Erlen-Bruchwald. Kleinere und größere, strukturreiche Flachgewässer finden sich innerhalb der Schutzgebietskulisse. Das Gebiet ist der nördlichste Teil des überwiegend bewaldeten Villerückens zwischen Bördelandschaft und Siedlungsballungsraum und zum größten Teil im Eigentum des Landesbetrieb Wald & Holz. In den Jahren 2021 und 2022 wurden von der Biologischen Station eine Biotopbaumkartierung durchgeführt sowie Spechte, Brutvögel, Fledermäuse und Amphibien erfasst. Die Untersuchungen fanden im Rahmen einer Aktualisierung des Datenbestandes zum Waldpflegeplan 2013 statt. Sie wurden vom Landesbetrieb Wald und Holz kofinanziert. 2022 wurden die Vorjahres-Erfassungen des Biotopholz bis in den März fortgesetzt und abgeschlossen. Insgesamt 2.500 Biotopbäume wurden punktscharf digital erfasst. Ab dem späteren Frühjahr erfolgte nach der Specht-, der Amphibien- und der Fledermauserfassung des Vorjahres eine allgemeine Brutvogelerfassung im FFH-Gebiet. Die Ergebnisse wurden in einem Abschlussbericht zusammengefasst. Insgesamt ließen sich 57 Vogelarten nachweisen. Von diesen Arten waren 41 sichere oder wahrscheinliche Brutvögel (Brutverdacht) im Untersuchungsgebiet. Bezogen auf die lebensraum- und gebietstypischen Zielarten wurden 12 von 14 Zielarten im Königsdorfer Forst erfasst. Lediglich für Baumfalke und Nachtigall, für die die Waldgebiete des Königsdorfer Forstes strukturell als Bruthabitat nur eine untergeordnete Rolle spielen, konnte kein Nachweis erbracht werden. Bemerkenswert war die Anwesenheit von Pirol und Wespenbussard. Diese beiden Zielarten konnten bei der letzten Erfassung nicht nachgewiesen werden. Ergebnis der Zielartenkartierung von Brutvögeln im Königsdorfer Forst mit Angaben zum Gefährdungsstatus (Rote Liste NRW sowie Rote Liste Niederrheinische Bucht, NWO 2016): Deutscher Artname Wissenschaftlicher. Artname Ersterfassung (2014) Erfassung (2022) RL NB (2016) RL NRW (2016) 1 Baumfalke Falco subbuteo - - 1 3 2 Habicht Accipiter gentilis B B V 3 3 Hohltaube Columba oenas B B * * 4 Kuckuck Cuculus canorus D D 1 2 5 Mäusebussard Buteo buteo B B * * 6 Mittelspecht Dendrocopus medius B B * * 7 Nachtigall Luscinia megarhynchos - - 1 3 8 Pirol Oriolus oriolus - BV 1 1 9 Rotmilan Milvus milvus - NG 2 * 10 Schwarzspecht Dryocopus martius B BV * * 11 Sperber Accipiter nisus BV B * * 12 Waldlaubsänger Phylloscopus sibilatrix BV BV 2 3 13 Waldschnepfe Scolopax rusticola BV BV 1 3 14 Wespenbussard Pernis apivorus - BV 1 2Seite 36 von 79 34 Im Schutzgebiet wurde eine deutliche Konzentration der Zielarten im Norden sowie in und entlang der Altwaldbestände im Süden festgestellt. Die überwiegende Anzahl der Greifvogelhorste wurde im Norden festgestellt. Dieser Bereich ist weniger stark von Freizeitaktiven im Schutzgebiet betroffen. Problematisch sind vor allem freilaufende Hunde, die störungsempfindliche, bodenbrütende Arten wie Waldlaubsänger oder Waldschnepfe beeinträchtigen können. Das hohe Besucheraufkommen abseits der ausgewiesenen Wege und zahlreiche illegale Mountainbike-Trails beeinträchtigen unter anderem die Brutaktivität der störempfindlichen Greifvögel. Die vorliegende Untersuchung zeigt nochmal die Dringlichkeit für eine Besucherlenkung im gesamten Schutzgebiet auf. Strukturreiche Gehölzbestände im König sdorfer Forst bieten insbesondere störempfind - lichen Arten Rückzugsmöglichkeiten. Projekt 9: Schutzgebietsbetreuung und Artenschutz außerhalb der Schwerpunktgebiete im Rhein-Erft-Kreis Im Rhein-Erft-Kreis gibt es aktuell 45 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand 2022). Darüber hinaus befinden sich außerhalb der Schutzgebiete Flächen, wie Obstwiesen oder aufgelassene Kiesgruben, die für den Artenschutz von herausragender Bedeutung sind. Die Tätigkeiten in Projekt 9 verteilen sich auf Naturschutzgebiete oder naturschutzfachlich interessante Gebiete, in denen aber keine systema- tischen Kontrollen durchgeführt werden können. Einen Überblick über diese Gebiete mit Kurz- darstellung der 2022 durchgeführten Arbeiten werden tabellarisch (s.u.) dargestellt. Ausführlicher erläutert werden die regelmäßigen Kontrollen im NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg.Seite 37 von 79 35 Tabellarische Darstellung unserer Tätigkeiten in verschiedenen Naturschutzgebieten. Gebiet Tätigkeiten 2022 FFH-Gebiet Kerpener Bruch und Parrig (328 ha) Begehungen mit Vertretern des Rhein-Erft-Kreises (zum Biotopbaumschutz bei Verkehrssicherungsmaßnahmen). FFH-Gebiet Dickbusch, Lörsfelder Busch, Steinheide (448 ha) Dickbusch, Lörsfelder Busch: Begehungen im Rahmen des Gelbbauchunken- und Springfroschmonitorings. FFH-Gebiet Königsdorfer Forst (329 ha) Erfassung von Biotopholzbäumen, Brutvogelmonitoring und Erfassung von Greifvögeln im Rahmen der Datenaktualisierung für Wald und Holz NRW (ausführliche Darstellung in Kap. 8) NSG Quellgebiet Glessener Bach (19 ha) Keine Begehungen 2022. NSG Rübenbusch (3 ha) Vorbegehung mit allgemeiner Gebietskontrolle im Rahmen des Projektes Erstellung von Managementpläne für Naturschutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis. NSG Teilfläche des Nordhangs im Restfeld Vereinigte Ville (2,4 ha) und Restfeld Vereinigte Ville (ca. 60 ha) Begehung mit Schäfer, Grundstückseignern, Vertretern der Naturschutzverbände, Behördenvertretern und Mitarbeitern der Forschungsstelle Rekultivierung. Mahd des Orchideensumpfes. NSG Ehemalige Kiesgrube bei Türnich (15 ha) Drei Begehungen mit Fotodokumentation der Entwicklung des Gebietes nach dem Hochwasserereignis 2021 (s. Fotos). NSG Kiesgrube "Am Buchenhof" (4,5 ha) Keine Begehungen 2022. NSG Brühler Schlosspark (48 ha) Begehung im Frühjahr 2022 mit Dokumentation des Bestands an Geophyten und Frühblühern. Mahd der kräuterreichen, neu angelegten Wiesen und Kräutersäume im Rahmen eines separaten Auftrags. NSG Entenfang Wesseling (16 ha) Begehung mit allgemeiner Gebietskontrolle. Entfernung unerwünschter Gehölze im Grünlandbereich. NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg (26 ha) Insgesamt 6 Kontrollen mit Dokumentation des Wasserstandes, Zustandskontrollen und Anleitung von Pflegemaßnahmen. Weitere Erläuterungen s.u.. NSG Kernzone Erftaue Gymnich (136 ha) Begehung mit allgemeiner Gebietskontrolle. Brutvogelkartierung in Teilbereichen des Schutzgebietes im Rahmen eines Kartierungsauftrages des LANUV. NSG Kernzone Ommelstal (14 ha) Keine Begehungen 2022. NSG Am Schnorrenberg (9,4 ha) Vorbegehung mit allgemeiner Gebietskontrolle im Rahmen des Projektes Erstellung von Managementpläne für Naturschutzgebiete im Rhein-Erft-Kreis. GLB Bliesheimer Hang Keine Begehungen 2022.Seite 38 von 79 36 Gebiet Tätigkeiten 2022 Kiesgruben außerhalb von Schutzgebieten Mehrere Kontrollen in der ehemaligen Kiesgrube Niederberg mit Schwerpunkt Avifauna (Zielarten Turteltaube, Neuntöter) und Amphibien (Kreuzkröte). Durchführung von Pflegemaßnahmen (Entfernung Besenginster, Wurzelaustrieb Balsampappel, Robinien). Vorbereitende Arbeiten zum Einsatz eines Forstmulchers. Eine Begehung der ehemaligen Kiesgrube Herrig mit Kontrolle des Istzustandes. Eine Begehung der ehemaligen Kiesgrube am Hexenberg mit Kontrolle des Istzustandes Obstwiesen Wiederaufnahme/Fortführung der Schnittpflege und Ersatzpflanzungen auf Streuobstwiesen (s.u.). Sonstige schützenswerte Flächen (Gewässer, Hohlwege, Rekultivie- rungsflächen, Brachen, etc.) Wie im Vorjahr fanden Ortstermine, Begehungen und Stichtagkontrollen in den Rekultivierungen Bergheim und Garzweiler, Klärteiche Elsdorf, am Wiebachteich und verschiedenen Artenschutzflächen (Ausgleichsflächen) statt.Seite 39 von 79 37 Zustand des zugeschwemmten Sohlenbereiches des NSG Ehemalige Kiesgrube Türnich im Mai (oben) und August (unten) 2022.Seite 40 von 79 38 NSG Ehemalige Klärteiche Bedburg (BM-040) Im Jahr 2018 wurde von der Biologischen Station ein Maßnahmenkonzept für die Bedburger Klärteiche erstellt. Schwerpunktaufgaben sollen neben der Beseitigung unerwünschter Gehölze, die Besucherlenkung und vor allem die Regulierung der Wasserstände in den Klärteichen sein. Die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden bislang mit Ausnahme einzelner Pflegemaßnahmen nicht umgesetzt. Es ist geplant, über die weitere Entwicklung des Gebietes einschließlich des Wassermanagements 2023 noch einmal zu beraten. Weiterhin hat die UNB in Aussicht gestellt, finanzielle Mittel für umfangreichere Pflegemaßnahmen bereitzustellen. Wasserbespannung der Gewässer 2 (oben, Januar 2022) und Gewässer 3 (unten, November 2022). Die Entwicklung der Wasserbespannung der einzelnen Gewässer glich 2022 denen des Vorjahres. Nach einem Anstieg der Wasserstände über die Wintermonate bis März 2022 verschlechterte sich anschlie- ßend die Wasserbespannung der einzelnen Gewässer aufgrund der Trockenheit wieder schnell.Seite 41 von 79 39 Überrascht hat uns im Spätsommer/ Herbst der niedrige Wasserstand von Gewässer 3 und 4, Gewässer 3 war nahezu ausgetrocknet. Durch temporäre Zuführung von Wasser in Gewässer 1 konnte zumindest bei Gewässer 1 und 2 bis in den Frühsommer eine größere Bespannung erreicht werden. Um den Gehölzbewuchs zurückzudrängen und weiteren Bewuchs zu verhindern, ist von April bis September eine ausreichende Bespannung der Gewässer notwendig. Die Biologische Station hat 2022 in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Erft-Kreis Adhoc-Pflege- maßnahmen durchgeführt. Hierbei wurden Gehölze im Bereich der Gewässersohle und auf den Dämmen zurückgeschnitten (s. Foto). Gehölzrückschnitt im Rahmen von Adhoc -Maßnahmen auf dem Damm in Gewässer 4 zur Beseitigung der Kulissenwirkung.Seite 42 von 79 40 Sonstige Betreuungsgebiete Streuobstwiesen: Auf den Streuobstwiesen in den Auen verschiedener Fließgewässer im Rhein-Erft- Kreis werden neben Instandsetzungs- und Pflegearbeiten auch jährliche Kontrollen durchgeführt. Mit unserer jährlichen Obstpressaktion an der Gymnicher Mühle vermitteln wir das Thema Streuobstwiesenschutz der breiten Öffentlichkeit. Die Arbeiten im Streuobstwiesenschutz konnten wir 2022 dank der Förderung des LVR-Projektes „Zukunftsperspektiven für Streuobstwiesen“ sowie zusätzlicher Mittel des Rhein-Erft-Kreises für Pflegemaßnahmen auf kreiseigenen Obstwiesen umfänglicher durchführen. Neben dem Obst- baumschnitt standen 2022 die Ausbildung von Streuobstwarten im Vordergrund. Die Ausbildung der Streuobstwarte erstreckt sich über ein ganzes Jahr. Vertiefend werden in Theorie und Praxis verschiedene Themenbereiche behandelt, von der Obstbaumbiologie über den Schnitt junger und alter Bäume bis hin zu Fragen der Grünlandpflege durch Beweidung und Mahd. Die Streuobstwarte sollen später nicht nur selber bei der Betreuung von Streuobstwiesen aktiv werden, sondern auch als Berater und Multiplikatoren den Streuobstwiesenschutz voranbringen. Im Rahmen des Projektes „Zukunftsperspektiven“ wird auch nach alten Sorten gesucht, die im Handel nicht erhältlich sind. Über Neuveredelungen sollen diese dann zunächst gesichert werden. „Welcher Apfel ist das eigentlich“ ist generell eine häufig gestellte Frage bei den Obstpressaktionen. In diesem Jahr haben wir bewusst nach möglichen alten Sorten gefragt und zahlreiche Früchte zur Sortenidentifizierung erhalten. Bislang waren allerdings keine ungewöhnlichen Sorten dabei. Der Zustand vieler Obstbäume hat sich 2022 durch ein weiteres Jahr mit extremer Trockenheit weiter verschlechtert. Aus diesem Grund werden wir in den kommenden Jahren weitere Ausfälle im Baumbestand kompensieren müssen. Trotz der Trockenheit konnte 2022 eine gute Obsternte erzielt werden. Dies ist auf die relativ nieder- schlagsreichen Wintermonate und die Auen- standorte vieler Streuobstwiesen zurückzuführen. Neben direkten Trockenschäden ist eine Zunahme von Pilzinfektionen der Rinde und eine Zunahme des Befalls mit holz- und rindenbewohnenden Käfern an den gestressten Bäumen festzustellen. Der Befall mit Pracht- und Splintkäfern führt ebenso wie Pilzinfektionen der Rinde nicht selten zum Totalausfall. Vermehrte Kontrollen und frühzeitige Behandlung der Bäume wären nötig. Fraßschäden durch Prachtkäfer an Apfel.Seite 43 von 79 41 Streuobstwiese bei Niederberg während der Apfelblüte im April 2022. Projekt 10: Schutzgebietsübergreifende Aufgaben im Rhein-Erft-Kreis Gemäß der Förder- und Berichtsstruktur fallen hierunter die Dokumentation, die GIS-Darstellung und die Erstellung des vorliegenden Gesamtberichts. Die GIS-Darstellung erfolgt bei Daten, die an das LANUV übermittelt werden, in GISPAD. Im Rahmen anderer Projekte werden GIS-Darstellungen inzwischen ausschließlich mit der Software QGis erstellt und bearbeitet. Projekt 11: Vertragsnaturschutz im Rhein-Erft-Kreis Die Biologische Station berät Landwirt*innen bei der Auswahl geeigneter Vertragsnaturschutz- maßnahmen, begleitet die Antragsstellung bei der Unteren Naturschutzbehörde im Rhein-Erft-Kreis und steht für fachliche Fragen bei der praktischen Umsetzung zur Verfügung. Durch die Neuerungen der EU-weiten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP-Reform) wurde im Jahr 2022 auch unsere Beratung im Vertragsnaturschutz vor neue Herausforderungen gestellt. Die Neuregelungen der GAP-Reform betreffen auch die Festsetzungen für den Vertragsnaturschutz und werden mit dem „Anwenderhandbuch Vertragsnaturschutz“ für NRW konkretisiert, welches aber in der endgültigen Fassung erst zum Ende des Jahres 2022 vorlag. Bedingt durch die mehrjährige Übergangsfrist von der letzten zur jetzigen Förderperiode mussten nicht nur die Landwirt*innen mit regulär auslaufenden Verträgen beraten werden, sondern auch diejenigen, deren Verträge in der Übergangsfrist ein- oder zweijährig verlängert wurden. Die neuen Anforderungen verursachten große Unsicherheiten und Vorbehalte seitens der Landwirt*innen, freiwillige Verpflichtungen im Vertragsnaturschutz einzugehen. Beispielsweise blieb über die Beratungsphase hinweg bis fast zum Ende des Jahres unklar, welche Umsetzungspflicht der 4% Konditionalbrachen 2023 bestehen würden, ob Vertragsnaturschutzflächen auf die 4% Konditionalbrachen anrechenbar werden und ob aus der Freiwilligkeit der VNS-Maßnahmen bindende Folgeverpflichtungen zur Stilllegung entstehen würden. Weiterhin sahen sich die Landwirt*innen in der Verantwortung und öffentlichen Diskussion, GetreideSeite 44 von 79 42 auf ihren Ackerflächen zu produzieren, um der drohenden Lebensmittelknappheit und Preissteigerungen durch den Ukrainekrieg entgegen zu wirken. Im Rhein-Erft-Kreis werden im Vertragsnaturschutz Artenschutzmaßnahmen auf Acker - und Grünlandflächen sowie Streuobstwiesenschutz gefördert. Spezifische Förderpakete stehen für den Schutz des Feldham sters zur Verfügung. Diese Gesamtsituation hat 2022 zu einem wiederholten Beratungsaufwand über das gesamte Jahr hinweg geführt. Trotz unserer Befürchtung, viele Vertragsnaturschutzlandwirtinnen und -landwirte zu verlieren, konnten viele Kooperationsbetriebe zunächst von einer zweijährigen Verlängerung der Verträge überzeugt werden. Allerdings gehen ab dem 1.1.2023 einige wichtige Vertragsflächen für den Artenschutz verloren. Positiv herauszustellen ist aber, dass viele Landwirt*innen trotz der aktuellen Situation dem Vertragsnaturschutz treu geblieben sind! Mit 32 Betrieben wurden Anträge zur Förderung von Maßnahmen im Acker als Folge- und Erweiterungsverträge zum Teil mit Neuflächen gestellt, mit jeweils 6 Landwirt*innen wurden Folge- und Erweiterungsverträge zur Förderung des Hamsters bzw. des Grünlands gestellt. 5-jährige Neuverträge wurden lediglich über 15 ha Ackerflächen, 14 ha zur Förderung des Hamsters und über 8 ha Grünlandverträge geschlossen. 2- jährige Neuflächen (als Teil der Folgeverträge) wurden für 105 ha Ackerfläche beantragt, davon 61 ha mit hamsterfreundlicher Bewirtschaftung. Hinzu kommen Verlängerungen und Neubeantragung von Vertragsnaturschutzflächen, die von den Bewirtschaftenden eigenverantwortlich über den elektronischen ELAN-Antrag durchgeführt wurden. Fast alle Landwirt*innen wurden im Vorfeld von uns kontaktiert und auf diese Möglichkeit hingewiesen und beraten. Eine aktive Akquise von Neulandwirt*innen haben wir auf Grund des Beratungsaufwandes in diesem Jahr nicht betreiben können.Seite 45 von 79 43 Flächenumfang der eingereichten Neu - und Verlängerungsanträge im Vertragsnaturschutz. Im Herbst 2022 zeichnete sich dann ab, dass die meisten Flächen auch tatsächlich umgesetzt werden. Allerdings wurden auch einige Vertragsflächen zum Ende des Jahres nachträglich zurückgezogen. Ob die Landwirt*innen noch weitere Flächen aus den Verträgen nehmen, können wir erst im Frühjahr mit Einreichen des neuen Flächenverzeichnisses und des Auszahlungsantrags endgültig sehen. Die Kombination von Ernteverzichtsstr eifen und Blühstreifen erhöhen das Nahrungs - angebot für Feldvögel sowohl während der Brutzeit als in den Wintermonaten.Seite 46 von 79 44 Im Sommer 2022 haben viele Vertragsnaturschutzflächen auch unter der sehr starken Trockenheit gelitten. Wie in den Vorjahren kam es auf einigen Flächen zu Problemen durch einen übermäßigen Aufwuchs von Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) und mit Melde. Dort wo Disteln überhandnahmen und Bruten von Feldvögeln nicht betroffen waren, wurde von Landwirt*innen nach Vorortterminen und Beratungsgesprächen mit unserer Unterstützung bei der Bewilligungsbehörde das Schröpfen der Flächen auf ca. 40 cm Stoppelhöhe beantragt. Dank der Förderung durch die Deutsche Postcode Lotterie, konnten wir im Projekt „Blühende Meilen zwischen Inseln der Vielfalt“ wieder potentiellen Vertragsnaturschutz-Landwirt*innen eine Einstiegsförderung geben, um Maßnahmen zu erproben oder Flächen für die nächste Beantragungs- phase im Vertragsnaturschutz zu sichern. Ziel hierbei ist, Flächen zu gewinnen, die zur Vernetzung von Insektenlebensräumen in der Ackerbaulandschaft beitragen. Bei der Beratung der Landwirt*innen wurden wir auch in diesem Jahr wieder von den Biodiversitäts- berater*innen der Landwirtschaftskammer unterstützt und freuen uns, dass diese Kooperation auch weiterhin gefördert und aufrecht gehalten wird. Auch in diesem Jahr erfolgte die Beratung der Landwirt*innen, die in mehreren Kreisen (Düren, Euskirchen, Rhein-Erft-Kreis, Rhein-Kreis-Neuss) ihre Betriebsflächen haben, gemeinschaftlich mit den Kolleg*innen der anderen Biostationen, was bei den betroffenen Landwirt*innen auf große Akzeptanz stößt. Infotreffen und Öffentlichkeitsarbeit: Nach langer Pause konnte 2022 wieder ein Landwirt*innen Treffen stattfinden. Diese Veranstaltung fand in den Jahren vor Beginn der Pandemie jährlich statt und wird gemeinsam von den Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung und der Biologischen Station organisiert. Es bietet den Landwirt*innen eine gute Möglichkeit, sich über ihre Erfahrungen im Vertragsnaturschutz auszutauschen und Neulandwirt*innen können Kontakte zu erfahrenen Vertrags- landwirt*innen aufbauen. In diesem Jahr fand das Treffen im Sommer an der Gymnicher Mühle statt. Wir nutzten das Treffen, um Landwirt*innen eine Rückmeldung über den Erfolg ihrer Maßnahmen zu geben. 2022 berichteten wir zusammen mit den Kolleg*innen vom Rhein-Erft-Kreis über die Entwicklung des Vertragsnatur- schutzes im Rhein-Erft-Kreis sowie mit einem Vortrag über die Erfolge und zukünftigen Heraus- forderungen im Feldvogelschutz. Die hohe Anzahl der Teilnehmer*innen und das durchweg positive Feedback sprechen für die Beibehaltung dieses Veranstaltungsformats. Erfahrungsaustausch mit Landwirt*innen an der Gymnicher Mühle im Sommer 2022 .Seite 47 von 79 45 Ein Austausch mit den Mitarbeiter*innen der Biodiversitätsberatung der Landwirtschaftskammer und den Mitarbeiter*innen von Biologischer Station und Bewilligungsbehörde fand 2022 online statt und thematisierte die Neuerungen der GAP Reform, Strategien der gemeinsamen Beratung und Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Neuerungen für die Landwirt*innen. Förderung von Feldvögeln im Rhein-Erft-Kreis: Viele Vertragsnaturschutzmaßnahmen im Rhein-Erft- Kreis zielen darauf ab, die Nahrungssituation für Feldvögel während der Fortpflanzungsphase sowie in den Wintermonaten zu verbessern. Mit der Anlage von Blühstreifen, Blühflächen und Ernteverzichts- streifen durch Landwirt*innen im Rhein-Erft-Kreis konnte in den letzten Jahren im Kreisgebiet die Ackerflur als Lebensraum für Feldvögel deutlich aufgewertet werden. In Gebieten mit einem hohen Anteil an Flächen mit Artenschutzmaßnahmen beobachten wir in den letzten Jahren eine Zunahme bei den Rebhuhnbeständen und Stabilisierung der Grauammervorkommen. Interessant ist, dass sich auch in den Wintermonaten große Grauammertrupps in den Börderegionen im Rhein-Erft-Kreis und den benachbarten Kreisen Düren und Euskirchen aufhalten. Den Kiebitzbeständen im Rhein-Erft-Kreis geht es nach wie vor schlecht. Im Umfeld der Wiebachteiche, in den vergangenen Jahren eines der letzten größeren Brutvorkommen des Kiebitz im Rhein-Erft-Kreis, konnten wir immerhin eine großflächige Ackerbrache einwerben, die von den Kiebitzen angenommen wurde. In Heppendorf ergriffen wir in Kooperation mit ehrenamtlichen Ornitholog*innen auch 2022 Gelegeschutzmaßnahmen, die leider nicht erfolgreich waren. Auch von den übrigen bekannten Kiebitz- vorkommen im Rhein-Erft-Kreis liegen keine Meldungen über Brutversuche oder Bruterfolg vor. Immerhin könnten Brutzeitbeobachtungen von Kiebitzen im Raum Brauweiler/Pulheim darauf hindeuten, dass ehemalige Brutplätze bei entsprechenden Bedingungen wieder angenommen werden. Wir werden 2023 versuchen, in Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen von der Landwirt- schaftskammer Landwirte vor Frühjahrsbeginn über einen Rundbrief für das Thema Kiebitzschutz weiter zu sensibilisieren. Auch das Thema Gelegeschutz soll 2023 weiterverfolgt werden. Feldvögel wie der Bluthänfling profitieren auch im Winter von Vertragsnaturschutzflächen als wichtige Nahrungsquelle.Seite 48 von 79 46 Fördermaßnahmen für den Feldhamster: In diesem Jahr wurden lediglich 57 ha neue Vertragsflächen zur Förderung des Hamsters eingeworben. Dies ist deutlich weniger als in den vergangenen Jahren und lag vor allem daran, dass keine aktive Akquise erfolgte, sondern der Fokus darauf gesetzt werden musste a
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