230704 · Beschlussvorlage
Aufforstung des stillgelegten Ennert-Sportplatzes
Kerndaten
- Nummer
- 230704
- Art
- Beschlussvorlage
- Veröffentlicht
- 31.08.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda Empfehlung
- Sitzung des Rates Entscheidung federführend
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Empfehlung
Dateien
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Beschlussvorlage öffentlich 230704 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 67 Amt für Umwelt und Stadtgrün Dezernat: Dez. III Aufforstung des stillgelegten Ennert-Sportplatzes Beratungsfolge Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 29.08.2023 Empfehlung Bezirksvertretung Beuel 09.08.2023 Empfehlung Rat 19.09.2023 Entscheidung Beschlussvorschlag Die Verwaltung wird beauftragt, das Entwicklungsziel für das Naturschutzgroßprojekt Chance 7 „Entwicklung eines naturnahen Laubmischwaldes“ am ehemaligen Ennert-Sportplatz weiter zu verfolgen. In Zusammenarbeit mit dem Projektbüro Chance 7 sollen Maßnahmen zur Entsiegelung und zur Aufforstung mit lebensraumtypischen Gehölzen geplant und umgesetzt werden. Die Maßnahmen sollen durch Umweltbildungsprojekte begleitet werden. Für die Maßnahmenrealisierung sollen Fördermittel in größtmöglichem Umfang eingesetzt werden. Die Ausführungsplanung einschließlich der Darstellung der finanziellen Auswirkungen, wird der Politik zur endgültigen Beschlussfassung vorgelegt. Begründung: Die Fläche des ehemaligen Ennert-Sportplatzes befindet sich inmitten des FFH-Gebiets „Siebengebirge“ (DE-5309-301), welches im Verbund mit dem Kottenforst und der Wahner Heide aufgrund seiner Größe und Ausstattung das zentrale Trittsteinbiotop im südlichen Rheinland und von europaweiter Bedeutung ist. Zentrales Entwicklungsziel für das auf europäischer Ebene bedeutsame Schutzgebiet ist die Erhaltung und Förderung der zahlreichen schutzwürdigen Laubwaldgesellschaften, vor allem durch naturnahe Waldbewirtschaftung. Die Fläche befindet sich im Geltungsbereich des Landschaftsplans Ennert und hier im Naturschutzgebiet „Ennert – Teilbereich Siebengebirge“, eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Der Höhenzug „Ennert“ bildet den nördlichen Ausläufer des Siebengebirges. Der Ennert wurde als Naturschutzgebiet unter anderem aufgrund der besonderen Bedeutung des Gebietes zur Erhaltung, Herstellung und Wiederherstellung einesSeite 1 von 5 Seite 2 ausgedehnten zusammenhängenden Laubwaldkomplexes, sowie aufgrund seiner Lebensgemeinschaften und Lebensstätten von seltenen und stark gefährdeten Tieren und Pflanzen im Siebengebirge als überregional bedeutsames Regenerations- und Ausbreitungszentrum festgesetzt. Für die Fläche ist gemäß Landschaftsplan das Entwicklungsziel „Erhaltung und Entwicklung einer mit natürlichen und naturnahen Lebensräumen oder sonstigen natürlichen Landschaftselementen reich oder vielfältig ausgestatteten Landschaft“ festgesetzt. Der Geltungsbereich des Landschaftsplans Ennert umfasst rund 1.000 ha, wobei rund 46 % (ca. 458 ha) bewaldet sind. Der Erholungsverkehr konzentriert sich auf den Ennertwald, der mit einem engen Rundwanderwegenetz ausgestattet ist und über eine Vielzahl von Bänken und Schutzhütten verfügt. Die Gesamtfläche des Waldes mit Erholungsfunktion beträgt bereits 112 ha. Der Schwerpunkt der Erholung soll zukünftig in der ruhigen Erholung liegen, von einem weiteren Ausbau der Erholungsinfrastruktur ist daher abzusehen (siehe Erläuterungsbericht zum Landschaftsplan, 2004). Der Sportplatz (Gem. Beuel, Flur 31 Flurstk. 750) wurde in seiner jetzigen Größe Ende der 1960er Jahre ausgebaut. Mit dem Umbau des Sportplatzes Finkenberg zum Kunstrasenspielfeld 2008 erfolgte die Verlagerung des gesamten Trainings- und Spielbetriebes des SV Ennert auf diesen nahe gelegenen Sportplatz. Der Ennert-Sportplatz wurde 2016 stillgelegt und seitdem der natürlichen Sukzession überlassen. Seitdem finden keine Pflegemaßnahmen auf der Fläche statt. Sie wird von Erholungssuchenden u.a. auch für den spontanen Freizeitsport, zum Reiten und zum Hundetraining und - freilauf genutzt. Der Sportplatz ist für den Vereins-Sport nicht mehr nutzbar. Ein direkter Anschluss an öffentliche Verkehrswege existiert nicht und die Forstwege sind für den PKW-Verkehr gesperrt. Bereits damals wurde aus Gründen des Arten- und Naturschutzes der Sportplatz nicht mit einer Flutlichtanlage ausgestattet. Das Umkleidehäuschen ist versperrt und in einem baufälligen Zustand, da auch dieses nicht mehr in Stand gehalten wird. Eine Genehmigung für eine Sanierung oder Nutzungsintensivierung ist aus naturschutzfachlicher Sicht rechtlich nicht umsetzbar. Aufgrund des hohen Schutzstatus des Ennertwaldes sind nur Extensivierungs-, Renaturierungs- oder Aufwertungsmaßnahmen mit den Zielen der Landschaftsplanung vereinbar, sodass ein Rückbau der baulichen Anlage angestrebt wird. Aufgrund ihrer Lage und ihrem naturschutzfachlichen Potential wurde die Fläche des ehemaligen Sportplatzes Bestandteil der Projektkulisse des Bundes-Förderprogrammes „Chance7“ mit dem Entwicklungsziel eines naturnahen Laubmischwaldes. Die Bewilligung des Chance7-Förderantrags durch die Bezirksregierung Köln erfolgte im April 2015 (vgl. DS-Nr. 1413147). Das Projektziel der Nutzungsumwandlung in naturnahen Wald wurde am 24.08.2016 vom Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz zurückgestellt (DS-Nr. 1612083), da die Fläche weiter als Freifläche der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollte. Zur Umsetzung der Renaturierungsmaßnahmen sowie der EntwicklungszieleSeite 2 von 5 Seite 3 des Naturschutzgroßprojektes „Chance 7“, muss der Beschluss DS 1610614EB9 der BV Beuel vom 20.04.2016 in folgenden Punkten aufgehoben werden: d.) unter Prüfungsvorbehalt ist die Spielfläche einschließlich der Tore auch weiterhin für Sportbetrieb zugänglich zu lassen. e) die Laufbahn ist weiterhin zugänglich und nutzbar zu lassen. f) es ist zu prüfen, ob das Umkleidegebäude in Gänze oder Einzelräume für örtliche Interessenten z.B. aus dem Sport- oder Umweltbereich zugänglich gehalten werden kann. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist die Entwicklung des stillgelegten Sportplatzes hin zum Zielbiotop Laubmischwald weiterhin von hoher Bedeutung und die Finanzierung dieser Maßnahme über Chance 7 sehr attraktiv. Die Aufforstung des rund 16.000 m2 großen Areals würde einen wesentlichen Beitrag zur Bindung von CO2 und damit auch als wertvolle natürliche Klimaschutzmaßnahme fungieren. Durch die Maßnahme wird der Lebensraum für waldbewohnende Tier- und Pflanzenarten erweitert, ein aktiver Beitrag zur Sicherung der biologischen Vielfalt geleistet und der Biotopverbund weiter gefördert. Die Maßnahme dient der Umsetzung der Entwicklungsziele des FFH- und Naturschutzgebietes, den Zielen der Landschaftsplanung, sowie des Natur- und Artenschutzes auf lokaler, nationaler und europaweiter Ebene. Finanzielle Auswirkungen: Chance 7 ist ein interkommunales Naturschutzgroßprojekt, dessen Finanzierung zum Großteil über das Bundesumweltministerium im Rahmen des Förderprogramms „chance.natur“ und anteilig über das Land NRW sowie die beteiligten Kommunen erfolgt. Das Förderprojekt läuft noch bis 2025. Kostenträger der Aufforstungs-Maßnahme wäre das Projektbüro Chance 7, mit einem Eigenanteil der Stadt Bonn von 10% der Gesamtkosten. Die Gesamtkosten der Maßnahme können zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht genau beziffert werden. Nach dem Beschluss soll eine Ausführungsplanung mit genauer Kostenkalkulation erarbeitet und geprüft werden, ob weitere Fördermittel herangezogen werden können. Die Ausführungsplanung einschließlich der Darstellung der finanziellen Auswirkungen, wird der Politik zur endgültigen Beschlussfassung vorgelegt. Die Verwaltung wird beauftragt in Zusammenarbeit mit dem Projektbüro Chance 7 Maßnahmen zur Entsiegelung und zur Aufforstung mit lebensraumtypischen Gehölzen auf dem ehemaligen Ennert-Sportplatz umzusetzen. Die Maßnahmen werden durch Umweltbildungsprojekte begleitet. Anlage/n 1 Karte_Ennertsportplatz (öffentlich)Seite 3 von 5 1 Aufforstung des stillgelegten Ennert-Sportplatzes Anlage 1: Luftbild Übersicht Anlage 2: Entwicklungsziel- und Maßnahmenkarte Chance7Seite 4 von 5 2 Anlage 3: Bild der FlächeSeite 5 von 5
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bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 17:56 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de