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230524 · Beschlussvorlage

Zielbeschluss zum Stadtbaumkonzept

Nummer
230524
Art
Beschlussvorlage
Veröffentlicht
07.11.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Klima und Lokale Agenda 17.05.2023 Empfehlung
  2. Sitzung des Rates 13.06.2023 Entscheidung federführend
  3. Sitzung des Ausschusses für Wohnen, Planung und Bauen 25.05.2023 Empfehlung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 18,8 MB Öffnen ↗

Untergeordnet

  1. 230524-03 ST Stellungnahme zum BBB-Antrag DS 230524-02: Zielbeschluss zum Stadtbaumkonzept
  2. 230524-02 BBB-Antrag: Zielbeschluss zum Stadtbaumkonzept
  3. 230524-01 Zielbeschluss zum Stadtbaumkonzept

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Beschlussvorlage
öffentlich
230524
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
67 Amt für Umwelt und Stadtgrün
Dezernat:
Dez. III
Zielbeschluss zum Stadtbaumkonzept
Beratungsfolge
Ausschuss für Umwelt, Klima und Lokale
Agenda
17.05.2023 Empfehlung
Ausschuss für Wohnen, Planung und Bauen 25.05.2023 Empfehlung
Rat 13.06.2023 Entscheidung
Beschlussvorschlag
1. Dem Ziel, den städtischen Straßenbaumbestand im Sinne des vorgelegten
Stadtbaumkonzepts weiter zu entwickeln, wird zugestimmt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorschläge zu einzelnen Straßen aus
dem Bericht detailliert auf ihre tatsächliche Umsetzbarkeit zu überprüfen.
3. Konkrete Planungen für Baumpflanzungen, welche sich aus dem Konzept
ergeben, werden für die geprüften Straßen erarbeitet und den zuständigen
Bezirksvertretungen zur Beschlussfassung vorgelegt.
Begründung
Unter der DS 211239-01 ST hat die Verwaltung über die Beauftragung eines
Stadtbaumkonzeptes berichtet.
Die Verwaltung hat die Bearbeitung gemeinsam mit dem Fachbüro DANIELZIK·
LEUCHTER +PARTNER Landschaftsarchitekten mbB weitestgehend
abgeschlossen und legt mit dieser Vorlage eine Zusammenfassung vor.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind unübersehbar. Die sommerlichen
Hitzeperioden werden heißer und länger. Sie sind zunehmend auch eine
gesundheitliche Belastung für die Bürgerinnen und Bürger. Verdichtung der
Wohnbebauung, zunehmende Bodenversiegelung und Rückgang von
Grünflächen verschärfen die Hitzebelastung in den Städten. Gerade
Straßenbäume können hier wichtige Funktion für das Stadtklima und die
Lufthygiene in der Stadt übernehmen. Sie wirken sich positiv auf die
Lufttemperatur und – feuchte aus und sind in der Lage, gerade in Zeiten immer
heißerer Sommer durch ihren Schattenwurf den Strahlungseinfluss zu
vermindern und durch ihre Verdunstung kühlend auf das Stadtklima
einzuwirken. An hochbelasteten Straßen vermögen sie mit ihrer großen
Blattoberfläche den Feinstaub aus der Luft zu binden. Stadtbäume sind ein
wichtiger Baustein für die Klimafolgenanpassung, weshalb das Baumkonzept
eine wichtige Grundlage für die vielschichtigen Aktivitäten zur Anpassung anSeite 1 von 65
Seite 2
den Klimawandel der Bundesstadt Bonn darstellt (vgl. DS 221839).
Bäume in der Stadt sind zudem Ausdruck von Lebensqualität. Sie bereichern
das Stadtbild, können ganze Straßen oder Straßenzüge prägen und bieten
einen wichtigen, verbindenden Lebensraum für zahlreiche Tiere und weitere
Pflanzenarten. Vielerorts bieten Stadtbäume eine Möglichkeit, den Bürgern ein
Stück Naturerleben näher zu bringen, vor allem in einem stark bebauten und
versiegelten Umfeld. Alleen und Straßenränder mit Bäumen bringen
Abwechslung in ein Stadtbild und führen zu einer Auflockerung gebauter
Strukturen. Das Erscheinungsbild der Straße wird durch Bäume aufgewertet.
Sie erhöhen die Qualität des Wohn- und Lebensraumes und fördern so die
Identifikation der Menschen mit ihrem Wohnquartier, mit ihrem Stadtteil, mit
ihrer Stadt.
Der Erarbeitung des Konzeptes lagen folgende Arbeitsschritte zugrunde:
a. Grundlagen – gesamtes Stadtgebiet
1. Naturraum/Stadtstruktur –Grünanteil, Siedlungsdichte, Klimafunktionen
2. Baumkataster
3. Leitbilder zum innerstädtischen Freiraum, Landschaftsplan
4. Straßennetz, Entwicklungskonzept Verkehr
b. Rahmenplanung - Orts(teil)ebene
1. Stärken-Schwächen-Analyse auf Ortsebene
2. Gestalterische und vegetationstechnische Auswahlkriterien
3. Definition eines Leitbildes für individuelle Stadtbereiche
c. Strukturplanung
1. Straßen und Plätze gem. Architektur, Raumverfügbarkeit und Nutzung
2. Konkrete Standortvorschläge für Bäume
3. Definition von Gestaltungs-und Ausführungsgrundsätzen
d. Maßnahmenplanung
1. Neupflanzung, Ergänzungspflanzung, Sanierung,
2. Ausführungsplanung einzelner Realisierungsabschnitte
3. Grundlagen: techn. Infrastruktur
Für die Grundlagenerhebung und zur Ermittlung einer Stärken-Schwächen-
Analyse wurden folgende Parameter auf der Grundlage der 65 bestehenden
statistischen Bezirke in Bonn untersucht.
Bewertungssystem für die Stärken- / Schwächenanalyse
Kriterien
1. Siedlungsdichte
2. Bevölkerungsdichte
3. Soziale Komponente
4. Klimatische Lasträume – Tagsituation
5. Klimatische Lasträume – Nachtsituation
6. Baumlose Straßen
Die detaillierte Systematik der Bewertung wird in der Anlage auf Seite 30
erläutert.Seite 2 von 65
Seite 3
Mit einem Bestand von knapp 30.000 Straßenbäumen verfügt die Stadt Bonn
über einen soliden Straßenbaumbestand, der auch dem Vergleich mit anderen
Großstädten standhält.
Trotzdem gibt es in Bonn 539 baumlose Straßen. Bei 2245 Straßen insgesamt
ergibt das einen Anteil von 24,29 %.
Die Anteile der Straßen ohne Baumbestand in den Stadtteilen sind jedoch sehr
unterschiedlich aufgeteilt.
Anhand definierter Parameter konnte eine Bedarfspriorität für die Stadtbezirke
ermittelt werden. Die Berechnung von mittleren Werten wurde als Grundlage für
die Einstufung `unterdurchschnittlich´ und `überdurchschnittlich´ vorgenommen.
Diese Herangehensweise ermöglichte somit eine weitgehend objektive
Einstufung des Bedarfs bzw. der Defizite der einzelnen Bezirke.
Defizit in den statistischen Bezirken
(siehe Bild 1 im Anhang)
In einem nächsten Schritt wurden nun die Straßen, welche keinen
Baumbestand vorweisen, lokalisiert und nach dem konkreten Potential
voruntersucht. Dabei wurden in einer ersten Erhebung die Bezirke untersucht,
welche gemäß der Stärken- / Schwächenanalyse den höchsten Bedarf haben.
In der vorangegangenen Bestandsanalyse wurden folgende Stadtteile als
defizitär herausgefiltert (von Norden nach Süden), die im folgenden
Arbeitsschritt nach potenziellen Baumstandorten im Straßenraum vertiefend
untersucht wurden:
• Auerberg,
• Neu-Tannenbusch,
• Ellerviertel,
• Güterbahnhof,
• Poppelsdorf,
• Neu-Duisdorf,
• Duisdorf-Mitte,
• Bad-Godesberg Zentrum,
• Pennenfeld,
• Lannesdorf.
Zusätzlich wurde der Stadtteil
• Beuel-Ost als ein besonders durch große stadtklimatische Lasträume
geprägter Raum auf potenzielle neue Baumstandorte geprüft.
(siehe Bild 2 im Anhang)Seite 3 von 65
Seite 4
In einem vorläufigen Fazit lässt sich festhalten, dass sich mit knapp 800
herausgearbeiteten potenziellen Baumstandorten in 11 (von insgesamt 65) der
eingehend untersuchten Bonner Stadtteilen ein enormes Potenzial an
zusätzlicher Straßenbegrünung für die Stadt Bonn ablesen lässt. Wobei es sich
bei den 11 Bezirken, wie beschrieben, um die mit den größten Defiziten gemäß
der Stärken- / Schwächenanalyse handelt.
Die Erfahrungen vergleichbarer Baumkonzepte anderer Städten haben
gezeigt, dass eine konkrete neue Baumpflanzung in weit geringerer
Stückzahl umsetzbar sein wird. Die notwendigen sehr detaillierten
Vorgaben und Umfeldbedingungen werden sinnvollerweise erst
unmittelbar vor einer anstehenden Ausschreibung erfasst und können so
zu einer wesentlichen Verschiebung führen.
Auf Grundlage dieser konzeptionellen Vorsondierung sind die
Straßenabschnitte im nächsten Planungsschritt daher vertiefend hinsichtlich der
Realisierbarkeit der Baumpflanzungen zu untersuchen.
In einem nächsten Arbeitsschritt ist eine Entwurfsplanung für die folgenden 10
Beispielstraßen vorgesehen:
Auerberg: Insterburgerstraße
Beuel-Ost: Maarstraße
Duisdorf (Mitte): Weierbornstraße
Duisdorf (Neu): Schieffelingsweg
Ellerviertel: Vorgebirgsstraße
Güterbahnhof: Immenburgstraße
Lannesdorf: Honnefer Straße
Pennenfeld: Deutschherrenstraße
Pennenfeld: Röntgenstraße
Poppelsdorf: Bennauerstraße
Die Entscheidung, wie und ob eine Verkehrsfläche auch im Nachhinein mit
Bäumen bepflanzt werden kann, hängt im Wesentlichen von folgenden
Faktoren ab:
• Nutzung der Verkehrsflächen und Verkehrssicherheit (Hauptverkehrs-,
Erschließungs- oder Anliegerstraße),
• stadtgestalterische Aspekte wie Charakter der Bebauung,
Denkmalschutz, Wohn- und Aufenthaltsqualität,
• Platzverhältnisse in Verkehrsraum/Kronenraum,
• Volumen und Beschaffenheit des künftigen Wurzelraums (Pflanzgrube)
– Qualität des Bodens, Leitungen, Kabel oder Bauwerke im Untergrund
Zu den konkreten Einzelprojekten werden separate Beschlussvorlagen
auf Grundlage des vorliegenden Baumkonzeptes von der Verwaltung
erstellt.
Dabei werden im Vorfeld auch weitere Konzeptionen berücksichtigt,Seite 4 von 65
Seite 5
welche auf die Baumpflanzungen oder deren zeitlichen Ablauf Einfluss
haben könnten.
In diesen Vorlagen werden auch die diversen Möglichkeiten einer sinnvollen,
umsetzbaren und auch längerfristig zu unterhaltenden Bewässerungstechnik im
Sinne einer wassersensiblen Stadt für die Baumstandorte beschrieben.
Die Verwaltung wird auch zukünftig zu dem Thema Bäume in der Stadt
regelmäßig in den Fachausschüssen berichten.
Anlage/n
1 Anhang Bilder (öffentlich)
2 Bericht Stadtbaumkonzept (öffentlich)Seite 5 von 65
Bild 1
Bild 2Seite 6 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume
Zwischenbericht
Hier könnte ein Baum stehen
FontainengrabenSeite 7 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht2 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume
Zwischenbericht
1. EINFÜHRUNG UND AUFGABENSTELLUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2. BESTANDSANALYSE - ERMITTLUNG VON DEFIZITRÄUMEN NACH
STÄDTEBAULICHEN UND STADTÖKOLOGISCHEN KRITERIEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
• 2.1- Besiedelte Flächen
• 2.2- Bevölkerungsdichte
• 2.3- Soziale Komponente
• 2.4- Klimatische Wirkungsräume KLIMATISCHE WIRKUNGSRÄUME
• 2.5- Straßen ohne Bäume STRASSEN OHNE BÄUME
• 2.6- Gesamtbewertung
3.POTENZIAL NEUER BAUMSTANDORTE IN DEFIZITÄREN STADTTEILEN . . . 33
• 3.1- Methodik
• 3.2- Ergebnisse
• 3.3- Einordnung des Ergebnisses im Gesamtstädtischen Kontext
• 3.4- Potentielle Baumstandorte versus Verkehrsinfrastruktur
4.PLANUNG VON STRASSENBÄUMEN – GRUNDSÄTZE DER GESTALTUNG UND
VEGETATIONSTECHNIK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
• 4.1- Umweltfaktoren und Standortanforderungen EXKURS Regenwasser leiten, sammeln, speichern
• 4.2- Auswahl der Baumarten
• 4.3- Raumbedarf und Abstände
• 4.4- Pflege und Unterhaltung
ANHANG 1 „Bonner Straßenbaumliste“ nach GALK
ANHANG 2 An Trockenstress Baumarten nach Roloff
ANHANG 3 Einbauweise von Baumstandorten im Straßenraum
ANHANG 4 Tiefbaumaßnahme
ANLAGEN
• Suchkarten 11 Stadteile
• Ergebniskarten 11 Stadteile
• Übersichtskarte Stadtgebiet Bonn
• Tabelle: Ergebnis der Potenzialanalyse
• Ergebnisbögen 272 StraßenabschnitteSeite 8 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 3
Als ehemalige Residenzstadt verfügt Bonn über
eine lange Gartentradition. Die Stadt hat schon
sehr früh seine Gärten und Promenaden mit mar-
kanten Allee-Bäumen ausgestattet. Breite baum-
bestandene Wege wurden bereits Anfang des 18.
Jahrhunderts mit Errichtung des kurfürstlichen
Schlosses (1697-1705) und Hofgarten (1715 -1723)
sowie mit dem Poppelsdorfer Schloss (1715-1740)
angelegt. Als mutmaßlich erste doppelreihige
Allee der Stadt nach französischem Vorbild (Allée
double) wird die Poppelsdorfer Allee zwischen
dem kurfürstlichen Schloss, der heutigen Univer-
sität, und dem Poppelsdorfer Schloss als Prome-
nade für den kurfürstlichen Hof und die Bonner
BürgerInnen angelegt.
Poppelsdorfer Allee
Weit vor der Motorisierung hat die Stadt also
schon das Thema des „öffentlichen Verkehrs“ mit
dem Thema Stadtgestaltung durch Baumpflan-
zungen verknüpft und diese Tradition bis heute
gepflegt und vor allem in den Jahren nach dem 2.
Weltkrieg auf ein hohes Niveau gebracht. Bonn
hat nicht nur großartige alte Alleen, sondern auch
schlicht sehr viele Straßenbäume. Die Stadt ver-
fügt über einen Bestand von knapp 30.000 Stück.
Damit können sich 11 EinwohnerInnen einen
Straßenbaum teilen. Mit diesem Straßenbaum-
bestand kann Bonn sich mit vergleichbaren Groß-
städten wie Bochum (10 EW/Straßenbaum) oder
Mannheim (12 EW/Straßenbaum) messen.
1. EINFÜHRUNG UND AUFGABENSTELLUNGSeite 9 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht4 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Ersatzpflanzungen einzelner Bäume getroffen
werden. Über das Gesamtbild einer Straße aus
stadtgestalterischer und funktionaler Sicht oder
gar über die perspektivische Erneuerung des
Bestandes, etwa bei Erreichen der Altersgrenze,
dem Auftreten neuer Baumkrankheiten oder nach
besonderen Wetterereignissen, macht das Baum-
kataster keine Aussagen. Ebenfalls finden sich im
Baumkataster naturgemäß keine Aussagen über
Straßen ohne Straßenbäumev.
Die in den letzten Jahren immer häufiger auftre-
tenden extremen Wetterereignisse wie die Stürme
„Kyrill“ (Winter 2007), „Ela“ (Pfingsten 2014) oder
„Friederike“ (Januar 2018) haben darüber hinaus
zu unerwartet hohen Bestandsverlusten geführt,
auf die eine Stadt ebenfalls angemessen vorbe-
reitet sein sollte, um Bestände wiederherzustellen
und sukzessive weiter zu entwickeln. Es fehlen
derzeit also noch konzeptionell-planerische Aus-
sagen über die Entwicklung des Straßenbaumbe-
standes in Quartieren und Straßen ohne oder mit
nur wenigen Bäumen.
Das hiermit vorgelegte Stadtbaumkonzept, Teil 1
sieht in der Umsetzung ab 2023 die Pflanzung
neuer Straßenbäume und die Sanierung klima-
tisch besonders belasteter und stadtökologisch
defizitärer Stadtteilen vor. Das Konzept ist gleich-
zeitig eines der Schlüsselmaßnahmen im Klimaan-
passungskonzept für Bonn. Durch die Erhöhung
des Baumanteils soll ein klimatischer Ausgleich
durch Verschattung, Abkühlung und Staubbin-
dung geschaffen werden. Im Hinblick auf den Kli-
mawandel gilt es, die Standortbedingungen von
Straßenbäumen zu optimieren und Arten zu ver-
wenden, die besser an das sich ändernde Klima
angepasst sind. Durch diese Maßnahmen soll
nachhaltig die Funktionsfähigkeit des Baumbe-
standes in Bonn gesichert werden.
Von September 2016 bis August 2019 beteiligte
sich die Bundesstadt Bonn am Verbundvorhaben
„ZURES“ (Zukunftsorientierte Vulnerabilitäts- und
Risikoanalysen als Instrument zur Förderung der
Resilienz von Städten und urbanen Infrastruk-
Heute gehören Bäume wie selbstverständlich zu
jedem Straßenraum. Sie werden aus verkehrstech-
nischer Sicht genau wie Geh- und Radwege zwar
nur zu den Nebenanlagen gezählt, in den Augen
der Menschen eines Quartiers sind Straßenbäume
aber weit mehr als das. Oft prägen gerade die
Bäume das Straßenbild und machen aus dem tri-
sten Verkehrsraum „grüne Wege“. Im Alltag bilden
diese mit Rad- und Fußwegen ein „Grünes Netz“ in
der Stadt. So formuliert auch der Freiflächenplan
Bonn1 als ein Entwicklungsziel für die Stadt:
„Graue Verbindungen im Netz der Alltagswege
grüner machen“
Die Bundesstadt Bonn gehört mit fast 330.000 Ein-
wohnern zu den zwanzig größten Städten
Deutschlands. Sie bildet den südlichen Abschluss
der Metropolregionen Rheinland und Rhein-Ruhr
und liegt damit in einem der am dichtesten besie-
delten Regionen Europas. Die Stadt wächst konti-
nuierlich weiter. Gleichzeitig sind die Ansprüche
an die Qualität nicht-baulicher Strukturen hoch
und werden im Zuge der sich verändernden klima-
tischen Verhältnisse buchstäblich überlebens-
wichtig. Nicht bebaute, also Frei- oder gemeinhin
Grünflächen sind konstitutiv für jede vernünftige
Stadtentwicklung. Ihre systematische Förderung
und Entwicklung sind auch in Bonn seit Jahr-
zehnten integrativer Bestandteil der Stadtpla-
nung. So geben das Grünflächenkataster und ein
integriertes Freiraumkonzept Auskunft über den
Bestand an Grünflächen in den jeweiligen Stadt-
quartieren. Aktuell ist der Bonner Freiraumplan2
in Aufstellung. Ein wichtiger Bestandteil städti-
schen Grüns ist aber auch der Straßenbaumbe-
stand in Bonn, ein eher linearer, gleichwohl hoch
effektiver Bestandteil der grünen Infrastruktur. Er
wird in der Bundestadt Bonn mit einem Baumka-
taster gemanagt. Dessen Datenbank listet die
Bäume nach Art, Alter, Größe und Vitalität. Auf
dieser Grundlage können Aussagen über regelmä-
ßige Pflegegänge, mögliche Gefährdungen oder
1 Bonner Freiraumplan – Zwischenbericht (10-2022) s. 52
2 Bonner FreiraumplanSeite 10 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 5
tige Funktion für das Klima und die Lufthygiene
der Stadt übernehmen. Sie haben einen signifi-
kant hohen Einfluss auf Lufttemperatur und –
feuchte, beeinflussen so das Stadtklima positiv
und sind in der Lage, gerade in Zeiten immer hei-
ßerer Sommer durch ihren Schattenwurf den
Strahlungseinfluss zu vermindern und durch
ihre Verdunstung kühlend auf das Stadt-
klima einzuwirken. An hochbelasteten
Straßen vermögen sie mit ihrer großen Blatt-
oberfläche den Feinstaub aus der Luft zu
binden. Nicht zuletzt darum sind Straßen-
bäume Teil der Klimafolgenanpassungsstra-
tegie der Bundesstadt Bonn.
„Mehr Bäume für besseres Stadtklima“
Bäume in der Stadt sind Ausdruck von
Lebensqualität. Sie bereichern das Stadtbild
und können ganze Straßen oder Straßenzüge
prägen. Vielerorts bieten Stadtbäume eine
Möglichkeit, den Bürgern ein Stück Naturer-
leben näher zu bringen, vor allem in einem
stark bebauten und versiegelten Umfeld.
Alleen und Straßenränder mit Bäumen
bringen Abwechslung in ein Stadtbild und
führen zu einer Auflockerung gebauter
Strukturen. Das Erscheinungsbild der Straße
wird durch Bäume aufgewertet. Sie erhöhen
die Qualität des Wohn- und Lebensraumes
und fördern so die Identifikation der Men-
schen mit ihrem Wohnquartier, mit ihrem
Stadtteil, mit ihrer Stadt.
Straßenbäume sind nicht zuletzt für das Öko-
system Stadt von großer Bedeutung: Für Insekten
und Vögel sind sie oft der einzige Lebensraum in
der Stadt. In Reihen gepflanzt haben die Straßen-
bäume insbesondere eine wichtige Biotopver-
bundfunktion und mit ihren offenen Baum-
scheiben tragen sie zur Verbesserung des Grund-
wasserhaushaltes bei, was zu zwei weiteren
zentralen Leitzielen für die Förderung von Stra-
ßenbäumen führt:
/ Mehr Wasser an den Baum
/ Artenvielfalt durch Straßenbäume fördern
turen3). Im Rahmen des Projektes wurden für
Bonn insbesondere aktuelle Planungsgrundlagen
zum Thema Stadtklima (Hitze) entwickelt. Die Aus-
arbeitung umfasst u. a. Klimaanalysekarten und
Planungshinweiskarten für Tag- und Nachtsitua-
tion (Stadtklimaanalyse Bonn 2019).
Die Auswirkungen des Klimawandels sind unüber-
sehbar. Die sommerlichen Hitzeperioden werden
heißer und länger. Sie sind zunehmend auch eine
gesundheitliche Belastung für die Bürgerinnen
und Bürger. Verdichtung der Wohnbebauung,
zunehmende Bodenversiegelung und Rückgang
von Grünflächen führen zu einer Erwärmung und
damit Verschlechterung des Mikroklimas in den
Städten. Gerade Straßenbäume können hier wich-
3 Erläuterungen ZURES
Saarbrücker Straße – eine schöne Lindenallee am Rande von Auer-
bergSeite 11 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht6 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
auch ist, so folgenreich ist er für die Pflege und
Unterhaltung des Straßenbaumbestandes: Selbst-
verständlich nimmt mit dem Alter auch die Pflege-
intensität zu – ein natürliches, für uns Menschen
nicht ganz unbekanntes Phänomen – und damit
steigen auch die Kosten für einen verantwor-
tungsvollen Umgang mit dem kommunalen Baum-
bestand.
Diese vielfältigen Funktionen gilt es durch plan-
mäßiges und nachhaltiges Stadtbaummanage-
ment für die heutige und kommende Generati-
onen zu sichern.
Straßenbäume sind somit für das Ökosystem
Stadt und deren Wahrnehmung von nicht zu
unterschätzender Bedeutung. Mit dem Alter steigt
nicht nur der materielle Wert der Bäume, sondern
auch ihr Wirkungsgrad. Ein ausgewachsener
Baum bietet beispielsweise mehr Lebensraum
und Nahrung für Tierarten und hat stärkere Wir-
kung auf das Kleinklima und die Staubbindung.
Ebenso prägen große, alte Bäume mit voll entwi-
ckeltem Habitus das Bild eines Straßenraumes
viel stärker als frisch gepflanzte, eher unschein-
bare Jungbäume. So trivial dieser Zusammenhang
a RÄUMLICHE GESTALTUNG
DES STRASSENRAUMS
a KONTRAPUNKT,
ANTAGONIST ODER
ERGÄNZUNG ZU
BAUKÖRPERN
a SPEICHERUNG VON
REGENWASSER IM WURZELRAUM –
„SCHWAMMSTADT-PRINZIP“
a LEBENSRAUM UND
NAHRUNGSQUELLE FÜR
ZAHLREICHE TIERARTEN
a BESCHATTUNG DES
RUHENDEN VERKEHRS
a SAUERSTOFFPRODUKTION
UND CO2-REDUKTION
a BIOTOPVERBUND
a BINDUNG VON LUFTSCHADSTOFFEN
a POSITIVE WIRKUNG AUF
MENSCHLICHE PSYCHE
a TEMPERATURMINDERUNG DURCH
BESCHATTUNG UND VERDUNSTUNG
(EVAPOTRANSPIRATION)
ökologische und stadtplanerische Leistungsfähigkeit von StraßenbäumenSeite 12 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 7
kleinräumig zu differenzieren und sich der statis-
tischen Bezirke (= Stadtteile) als der kleinsten ope-
rablen Größe anzunehmen. Damit lassen sich
auch kleinräumig die Defizite bzw. Bedarfe her-
ausarbeiten. Als Leitparameter wurden neben den
stadtklimatischen Verhältnissen auch städtebau-
liche bzw. sozial-geographische Parameter wie
Siedlungs- und Bevölkerungsdichte herange-
zogen. Gerade weil Stadtteile mit hoher Sied-
lungsdichte und entsprechend geringem Freiflä-
chenanteil in aller Regel auch diejenigen sind, in
denen der Anteil sozial benachteiligter Einwohner
vergleichsweise hoch ist.
Auch wenn die untersuchten Parameter zum Teil
miteinander korrelieren, so erschien deren addi-
tive Verwendung dennoch geeignet, eine ange-
messene Ausdifferenzierung des Stadtgebietes zu
erzielen und so ein besonderes Erfordernis von
zusätzlichem Stadtgrün, beispielsweise in Form
von Straßenbäumen, auszudrücken. Als Defizit-
räume werden die Stadtteile bezeichnet, bei
denen gemäß Bewertungsvorschrift in mehr als
der Hälfte der untersuchten Parameter die
gesetzten Grenzwerte überschritten werden (vgl.
auch Kap. 2.6 Gesamtbewertung – Ermittlung der
Defiziträume).
Im Einzelnen wurden folgende Parameter geprüft
und für eine Bewertung herangezogen:
 Besiedelte Flächen
 Bevölkerungsdichte
 Soziale Komponente – Arbeitslosigkeit
 Stadtklima – klimatische Wirkungsräume
 Straßenbaumbestand – Straßen ohne Bäume
Nicht alle Stadtteile verfügen über gleich hohe
Grünflächenanteile, über gleich hohe Luftqualität
oder eine ähnlich gute Ausstattung mit Straßen-
bäumen. Vielmehr sind die stadtökologischen
oder städtebaulichen Parameter wie z. B. der Frei-
und Grünflächenanteil, die Bebauungs- und Bevöl-
kerungsdichte oder die stadtklimatischen Bedin-
gungen im Stadtgebiet sehr heterogen verteilt.
Einige Stadtteile sind beispielsweise mit Parkan-
lagen oder Waldflächen oder auch mit Straßen-
bäumen gut ausgestattet, andere weniger gut.
Meist hat diese Ungleichheit seine Ursachen
bereits in der naturräumlichen Vorprägung oder
ist in der Stadthistorie begründet. Die weniger
urbanen Quartiere, die also eher „dörflichen“
Stadtteile wie z.B. Röttgen, Ippendorf oder Hoholz
wurden erst spät oder sehr wenig mit Straßen-
bäumen ausgestattet. Während die dichten inner-
städtischen Stadtviertel bereits Ende des neun-
zehnten, Anfang des 20. Jahrhunderts durch
Straßenbäume mehr oder weniger stark angerei-
chert wurden, blieb diese „bürgerliche Stadtver-
schönerung“ in den noch nicht zu Bonn gehö-
renden Vororten der pure Luxus.
Während in Holtorf oder Kessenich im Mittel nur
etwa alle 45 m Stadtstraße ein Straßenbaum steht,
zählen wir in den Stadtteilen Bonner Talviertel,
Auerberg oder Regierungsviertel eine 3-fach
höhere Baumdichte: Ein Baum pro 15 m Stadt-
straße. Eine ähnlich extreme Differenz in der Baum-
dichte ist zwischen Muffendorf (1 Baum/75 m
Stadtstraße) und Poppelsdorf (1 Baum/25 m) fest-
zustellen.
Will man weitere Disparitäten stadtökologischer
Qualitäten ermitteln, lohnt sich ein Blick auf
andere, ähnliche Indikatoren. Dazu erscheint es
zunächst sinnvoll, das Stadtgebiet entsprechend
2. BESTANDSANALYSE -
ERMITTLUNG VON DEFIZITRÄUMEN NACH STÄDTEBAULICHEN UND
STADTÖKOLOGISCHEN KRITERIENSeite 13 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht8 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
orte. Allein in den peripheren Stadtteilen sind
noch zusammenhängende unbesiedelte (Frei-)Flä-
chen wie Wiesen, Äcker und Wälder, Parks und
andere öffentliche Grünflächen verbreitet. Wie
sich diese Freiflächen, quasi komplementär zum
besiedelten Raum über die Stadt verteilen zeigt
die Karte 2.
2.1 BESIEDELTE FLÄCHE
Wie allein die Verteilung der Siedlungsflächen in
der folgenden Karte4 zeigt, ist Bonn eine Stadt mit
einem hohen Anteil besiedelter Flächen. Mit fast
45% Siedlungsflächenanteil ist die Stadt fast zur
Hälfte bebaut, urban genutzt und mehr oder
weniger versiegelt. Die Schwerpunkte der Besie-
delung folgen bandartig dem Verlauf der Bunde-
straße 9, den Rheinufern und den Zentren der Vor-
4 Karte produziert nach Auswertung der städtischen Realnutzungs-
karte (siehe Anhang)
Karten 1+2 besser hier hin?
Karte 1: besiedelte FlächeSeite 14 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 9
Karte 2: FreiflächenSeite 15 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht10 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Ergebnis und Bewertung
 Allein 20 der 65 Bonner statistischen Bezirke
(=Stadtteile) haben eine Siedlungsdichte von
über 80 %. 48 Stadtteile, also weit mehr als
die Hälfte, haben einen Siedlungsflächenan-
teil der über dem Durchschnitt von rund 45%
liegt (Tabelle 1).
 Ein hoher Siedlungsanteil ist in Bezug auf
Klima, Stadtökologie und Wohlbefinden der
Bevölkerung problematisch. Bebaute und
versiegelte Flächen heizen sich stärker auf
und wirken negativ auf das Stadtklima. Das
Potenzial an Verdunstung und der Tempera-
turmäßigung ist stark eingeschränkt.
 In dicht bebauten, mit Grün unterversorgten
Quartieren ist die Bedeutung von Straßen-
bäumen besonders hoch zu bewerten. Sie
sind in einem stark versiegelten Umfeld oft-
mals die einzige Möglichkeit den öffentlichen
Raum zu bepflanzen.
Wie viel positive Wirkung allein die Pflanzung von 3 Pla-
tanen im Straßenraum ausgeht, zeigt das Beispiel aus der
Arminiusstraße, einem sehr dicht besiedelten Viertel nörd-
lich der Innenstadt (Zentrum Rheinviertel).
Auch Beuel-Ost (hier: Siegburger Straße) gehört mit einem Anteil von 86% besiedelter
Fläche zu den sehr stark besiedelten Stadtteilen.Seite 16 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 11
Tabelle 1 Siedlungsdichte in den Stadtteilen
Stadtteile die über dem mittleren Besiedlungsgrad also über 44,6 % liegen (siehe Karte 3) , erhalten
einen Negativpunkt in der „Gesamtbewertung.
Stadtbezirk
statistischer Bezirk=Stadtteil
besiedelte
Fläche (%)
Durchschnitt:
44,6 %
1 Bonner Talviertel 99,15
2 Bad Godesberg-Villenviertel 98,50
1 Zentrum-Münsterviertel 97,99
1 Baumschulviertel 97,07
1 Bonn-Güterbahnhof 96,74
2 Bad Godesberg-Nord 95,20
1 Wichelshof 95,02
4 Duisdorf-Mitte 94,55
3 Beuel-Mitte 94,30
1 Vor dem Sterntor 92,78
1 Zentrum-Rheinviertel 91,81
2 Pennenfeld 91,55
1 Ellerviertel 90,08
2 Alt-Plittersdorf 88,38
1 Alt-Endenich 88,00
1 Vor dem Koblenzer Tor 86,34
3 Beuel-Ost 86,06
2 Bad Godesberg Zentrum 85,48
4 Finkenhof 82,40
2 Neu-Plittersdorf 81,07
1 Alt-Tannenbusch 79,89
1 Rheindorfer Vorstadt 79,21
1 Kessenich 77,68
2 Rüngsdorf 77,59
4 Neu-Duisdorf 75,37
1 Neu-Tannenbusch 73,07
3 Beuel-Süd 72,21
1 Gronau-Regierungsviertel 70,98
4 Duisdorf-Nord 70,89
2 Muffendorf 70,12
3 Oberkassel 68,25
3 Li-Kü-Ra 65,05
3 Holzlar 64,93
2 Mehlem-Rheinaue 64,73
1 Auerberg 63,26
1 Buschdorf 62,57
3 Vilich-Rheindorf 61,79
1 Ippendorf 60,80
3 Pützchen/Bechlinghoven 56,44
1 Graurheindorf 54,28
1 Dottendorf 53,87
2 Hochkreuz-Regierungsviertel 53,40
2 Lannesdorf 52,74
1 Poppelsdorf 52,46
4 Lengsdorf 52,09
1 Neu-Endenich 51,75
1 Dransdorf 46,96
2 Kurviertel 46,08
4 Medinghoven 44,54
2 Obermehlem 43,69
3 Vilich-Müldorf 42,58
4 Brüser Berg 41,72
1 Lessenich-Meßdorf 41,12
1 Ückesdorf 40,24
3 Hoholz 38,23
3 Geislar 38,17
2 Friesdorf 37,91
1 Röttgen 36,46
1 Venusberg 25,74
3 Holtorf 23,01
2 Heiderhof 20,83
2 Schweinheim 18,53
3 Siegaue 8,66
3 Ennert 4,86
1 Kottenforst 2,46Seite 17 von 65
Seite 18 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 13
2.2 BEVÖLKERUNGSDICHTE5
Die Bevölkerungsdichte einer Stadt kann ein wich-
tiger Indikator für Verträglichkeit eines Stadt-
raums sein. Wie viele Menschen wie dicht zusam-
menleben, ist häufig ein Zeichen für mehr oder
weniger hohe Lebensqualität einer Stadt und des
jeweiligen Stadtteils. Eine hohe Bevölkerungs-
dichte ist i. d. R. verbunden mit einem großen
Anteil bebauter Fläche pro Raumeinheit und
analog dazu mit weniger (öffentlichen und pri-
vaten) Grünflächen. Eine Folge davon ist z. B. ein
geringerer Anteil von stadtklimatisch wirksamen
Flächen, was sich negativ auf Wohlbefinden in
einem Quartier auswirken kann.
Dass Bonn eine dicht besiedelte Stadt ist, zeigt
auch ein Blick auf andere Großstadte im Land.
Schauen wir uns die Einwohnerzahlen bezogen
auf einen Quadratkilometer Stadtgebiet an, liegen
diese Werte auch im Vergleich weit oben (siehe
Kasten).
5 Angaben: Bundestadt Bonn, Statistikstelle, Stichtag 31.12.2021
Bonn 3.158 EW/km²
ähnlich große Städte
• Wuppertal 2.100 EW/km²
• Münster 1.036
• Bielefeld 1.300
große Großstädte
• Köln 2.680 EW/km²
• Düsseldorf 2.840 EW/km²
• Essen 2.770 EW/km²
Duisdorf-Mitte, hier die Klosterstraße, einer der Stadtteile
Bonns mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte
Auch das Villenviertel gehört mit über 5.000 Einwohnern/
qkm zu den Stadtteilen mit einer hohen BevölkerungsdichteSeite 19 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht14 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Ergebnis und Bewertung
Auch wenn die Spanne innerhalb dieses Bewer-
tungskriteriums sehr groß ist, so macht der Blick
auf die Karte 4 deutlich: Im Wesentlichen besteht
in jenen Stadtteilen ein Defizit, die in und um die
historisch gewachsenen, dichten Siedlungskerne
Bonn, Beuel, Bad Godesberg und Duisdorf gelegen
sind. Hinzu kommen dichte Viertel in den
modernen Stadterweiterungen nach Norden (Tan-
nenbusch, Auerberg) bzw. nach Süden (Tennen-
feld, Rüngsdorf). Auffällig ist der Stadtteil Holzlar,
der trotz seiner Randlage eine vergleichsweise
hohe Bevölkerungsdichte aufweist (rd. 3.700 EW/
km²).
Die Werte reichen i. E. von den extrem dicht
bewohnten Vierteln in der Bonner Altstadt (ca.
16.200 EW/km² - Vor dem Sterntor) oder in der
Nordstadt (ca. 11.900 EW/km² - Wichelshof), über
die sehr dicht besiedelten Stadtteilen wie z. B. Bad
Godesberg-Zentrum (rd. 9.150 EW/km²) oder Beuel-
Mitte (rd. 8.875 EW/km²) bis zu den leicht über dem
Durchschnitt liegenden Stadtteilen wie Beuel-Süd
(rd. 6.600 EW/km²), Poppelsdorf (rd. 3.450 EW/km²)
oder Finkenhof (rd. 3.320 EW/km²).
2
Tabelle 2 Bevölkerungsdichte in Bonner Stadtteilen
Stadtbezirk
Stadteil = statistischer Bezirk
Einwohner / qkm
Durchschnitt: 3158
1 Vor dem Sterntor 16.193
1 Wichelshof 11.874
1 Bonner Talviertel 9.462
1 Baumschulviertel 9.355
2 Bad Godesberg Zentrum 9.149
3 Beuel-Mitte 8.875
1 Alt-Endenich 7.769
1 Neu-Tannenbusch 7.733
1 Kessenich 7.028
1 Zentrum-Münsterviertel 6.585
1 Zentrum-Rheinviertel 6.508
1 Vor dem Koblenzer Tor 6.085
4 Duisdorf-Mitte 6.055
1 Alt-Tannenbusch 5.838
2 Alt-Plittersdorf 5.783
2 Pennenfeld 5.515
2 Bad Godesberg-Villenviertel 5.228
4 Neu-Duisdorf 5.118
4 Duisdorf-Nord 5.102
2 Neu-Plittersdorf 5.066
1 Ellerviertel 4.707
1 Auerberg 4.471
1 Rheindorfer Vorstadt 4.334
3 Vilich-Rheindorf 4.222
2 Rüngsdorf 4.103
2 Muffendorf 3.948
3 Holzlar 3.693
3 Beuel-Süd 3.601
3 Li-Kü-Ra 3.468
1 Poppelsdorf 3.445
4 Finkenhof 3.324
1 Dottendorf 3.190
2 Mehlem-Rheinaue 3.153
4 Lengsdorf 3.106
4 Medinghoven 3.018
2 Friesdorf 2.945
3 Beuel-Ost 2.913
1 Ippendorf 2.881
2 Bad Godesberg-Nord 2.874
1 Buschdorf 2.842
2 Lannesdorf 2.829
1 Neu-Endenich 2.818
3 Oberkassel 2.795
1 Bonn-Güterbahnhof 2.789
1 Graurheindorf 2.697
1 Lessenich-Meßdorf 2.548
2 Obermehlem 2.347
3 Pützchen/Bechlinghoven 2.093
3 Vilich-Müldorf 2.081
4 Brüser Berg 1.857
3 Geislar 1.848
1 Dransdorf 1.829
1 Ückesdorf 1.790
1 Röttgen 1.526
2 Heiderhof 1.303
3 Hoholz 1.272
2 Kurviertel 1.216
2 Hochkreuz-Regierungsviertel 944
1 Gronau-Regierungsviertel 863
3 Holtorf 777
2 Schweinheim 559
1 Venusberg 518Seite 20 von 65
Seite 21 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht16 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
3
Stadtbezirk
statistischer Bezirk
ID statistischer Bezirk
Arbeitslo-
senquot
(%)
Durch-
nitt: 7,0
4 493 Medinghoven 18,5
1 132 Neu-Tannenbusch 18,3
1 136 Dransdorf 14,7
1 131 Alt-Tannenbusch 13,2
2 254 Bad Godesberg-Nord 12,2
2 251 Bad Godesberg Zentrum 11,9
2 266 Lannesdorf 11,5
2 265 Pennenfeld 11,5
2 267 Mehlem-Rheinaue 11,4
4 491 Duisdorf-Mitte 10,3
1 134 Auerberg 10,3
1 116 Bonn-Güterbahnhof 9,6
4 497 Neu-Duisdorf 8,5
2 261 Neu-Plittersdorf 8,5
1 115 Ellerviertel 8,4
1 133 Buschdorf 8,4
2 268 Obermehlem 7,8
2 263 Rüngsdorf 7,6
3 386 Holzlar 7,6
1 114 Rheindorfer Vorstadt 7,6
2 269 Heiderhof 7,4
4 494 Brüser Berg 7,3
1 135 Graurheindorf 7,2
1 113 Vor dem Sterntor 7
4 495 Lengsdorf 6,8
1 120 Neu-Endenich 6,7
1 137 Lessenich-Meßdorf 6,6
3 383 Pützchen/Bechlinghoven 6,6
3 373 Beuel-Ost 6,5
2 260 Friesdorf 6,1
1 110 Zentrum-Rheinviertel 5,9
2 264 Muffendorf 5,8
2 242 Hochkreuz-Regierungsviertel 5,4
1 112 Wichelshof 5,4
3 384 Li-Kü-Ra 5,2
1 121 Alt-Endenich 5,2
1 117 Baumschulviertel 5,1
4 492 Finkenhof 5
3 381 Geislar 5
3 372 Vilich-Rheindorf 4,9
1 111 Zentrum-Münsterviertel 4,7
1 123 Kessenich 4,5
1 124 Dottendorf 4,4
4 496 Duisdorf-Nord 4,3
3 374 Beuel-Süd 4,2
3 385 Oberkassel 4
2 252 Kurviertel 3,9
3 371 Beuel-Mitte 3,9
3 387 Hoholz 3,9
2 253 Schweinheim 3,8
2 262 Alt-Plittersdorf 3,7
1 127 Röttgen 3,6
2 255 Bad Godesberg-Villenviertel 3,6
1 122 Poppelsdorf 3,5
3 382 Vilich-Müldorf 3,3
1 126 Ippendorf 2,8
1 118 Bonner Talviertel 2,8
1 119 Vor dem Koblenzer Tor 2,8
1 141 Gronau-Regierungsviertel 2,7
1 128 Ückesdorf 2,6
1 125 Venusberg 2
3 388 Holtorf 1,8
1 129 Kottenforst 0
3 389 Ennert 0
3 380 Siegaue 0
3
Tabelle 3 Arbeitslosenquote bezogen auf Stadtteile
Stadtbezirk
statistischer Bezirk
ID statistischer Bezirk
Arbeitslo-
senquot
(%)
Durch-
nitt: 7,0
4 493 Medinghoven 18,5
1 132 Neu-Tannenbusch 18,3
1 136 Dransdorf 14,7
1 131 Alt-Tannenbusch 13,2
2 254 Bad Godesberg-Nord 12,2
2 251 Bad Godesberg Zentrum 11,9
2 266 Lannesdorf 11,5
2 265 Pennenfeld 11,5
2 267 Mehlem-Rheinaue 11,4
4 491 Duisdorf-Mitte 10,3
1 134 Auerberg 10,3
1 116 Bonn-Güterbahnhof 9,6
4 497 Neu-Duisdorf 8,5
2 261 Neu-Plittersdorf 8,5
1 115 Ellerviertel 8,4
1 133 Buschdorf 8,4
2 268 Obermehlem 7,8
2 263 Rüngsdorf 7,6
3 386 Holzlar 7,6
1 114 Rheindorfer Vorstadt 7,6
2 269 Heiderhof 7,4
4 494 Brüser Berg 7,3
1 135 Graurheindorf 7,2
1 113 Vor dem Sterntor 7
4 495 Lengsdorf 6,8
1 120 Neu-Endenich 6,7
1 137 Lessenich-Meßdorf 6,6
3 383 Pützchen/Bechlinghoven 6,6
3 373 Beuel-Ost 6,5
2 260 Friesdorf 6,1
1 110 Zentrum-Rheinviertel 5,9
2 264 Muffendorf 5,8
2 242 Hochkreuz-Regierungsviertel 5,4
1 112 Wichelshof 5,4
3 384 Li-Kü-Ra 5,2
1 121 Alt-Endenich 5,2
1 117 Baumschulviertel 5,1
4 492 Finkenhof 5
3 381 Geislar 5
3 372 Vilich-Rheindorf 4,9
1 111 Zentrum-Münsterviertel 4,7
1 123 Kessenich 4,5
1 124 Dottendorf 4,4
4 496 Duisdorf-Nord 4,3
3 374 Beuel-Süd 4,2
3 385 Oberkassel 4
2 252 Kurviertel 3,9
3 371 Beuel-Mitte 3,9
3 387 Hoholz 3,9
2 253 Schweinheim 3,8
2 262 Alt-Plittersdorf 3,7
1 127 Röttgen 3,6
2 255 Bad Godesberg-Villenviertel 3,6
1 122 Poppelsdorf 3,5
3 382 Vilich-Müldorf 3,3
1 126 Ippendorf 2,8
1 118 Bonner Talviertel 2,8
1 119 Vor dem Koblenzer Tor 2,8
1 141 Gronau-Regierungsviertel 2,7
1 128 Ückesdorf 2,6
1 125 Venusberg 2
3 388 Holtorf 1,8
1 129 Kottenforst 0
3 389 Ennert 0
3 380 Siegaue 0
2.3 SOZIALE KOMPONENTE –
ARBEITSLOSENQUOTE
Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen
wohnen nicht selten in dicht bebauten Vierteln
mit weniger öffentlichen und privaten Grünflä-
chen. Mehr Straßenbäume sind beispielsweise
eine Möglichkeit, diese Benachteiligung zu kom-
pensieren. Raumprägende Straßenbäume und
Alleen wirken sich unmittelbar am Ort aus und
können signifikante Effekte für das „Wohlbe-
finden“ im Wohnquartier erzielen. Um die Räume
mit sozialen Defiziten zu verorten, wurde exemp-
larisch der Parameter Arbeitslosenquote in die
Bewertung einbezogen Auch wurde wieder der
Mittelwert als „Hürde“ für eine Negativbewertung
herangezogen: Alle Stadtteile mit einer über-
durchschnittlichen Arbeitslosenquote erhielten
einen Bewertungspunkt.Seite 22 von 65
Seite 23 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht18 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
2.4 KLIMATISCHE WIRKUNGSRÄUME
Klimatische Belastungen, die allen Pro-
gnosen zufolge im Zuge des Klimawan-
dels noch zunehmen werden, sind in
städtischen Räumen besonders zu
spüren. Negative klimatische Bedin-
gungen wirken sich kurzfristig auf das
Wohlbefinden und langfristig auf die
allgemeine Gesundheit der Menschen
aus. Das künftige Stadtklima wird ins-
besondere durch die entscheidenden
Parameter Temperatur und Feuchte im
Zusammenwirken mit urbanen Struk-
turen beeinflusst. Hitzewellen sind bei-
spielsweise durch die Großwetterlage
bestimmt, können aber lokal durch
städtische Strukturen, insbesondere
auch die Straßenraumgestaltung ver-
stärkt oder gemildert werden. So min-
dern Begrünungen im Straßenraum die
Hitzeentwicklung durch Verschattung
und Verdunstungsleistungen der Blatt-
masse, kühlende Effekte durch Grün-
strukturen also, wie sie in den beiden
unten gezeigten innerstädtischen Situ-
ationen (Ortsmitten von Bad Godes-
berg und Auerberg) nicht zu erwarten
sind. Hier kann die Aufenthaltsqualität
an Sommertagen durchaus problema-
tisch sein, denn keine oder nur sehr
wenige Grünstrukturen können durch
Schattenbildung und Verdunstung für
angenehmere Temperaturen sorgen.
Zentrum Bad Godesberg
Zentrum AuerbergSeite 24 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 19
ZURES, Juni 2019
Die folgende Bewertung die Stadtteile beruht auf
der Auswertung der Stadtklimaanalyse (2019)6, in
der das gesamte Stadtgebiet in Stadtklimatische
Wirkungsräume differenziert wurde, die wie folgt
definiert wurden:
6 Bundesstadt Bonn, Stadtklimanalayse, 2019
Ergebnis und Bewertung
Das Stadtgebiet von Bonn wird vor allem in seinen
Ortsmittelpunkten und in gewerblichen Zentren
von klimatischen Lasträumen geprägt. Hier treten
verstärkt thermische und lufthygienische Belas-
tungen auf. Dazu zählen insbesondere
 starke Erwärmung tagsüber und
abgeschwächte Abkühlung nachts,
 Bereiche mit deutlicher Reduktion des
Luftaustausches,
 Bereiche mit erhöhter Böigkeit und
Turbulenzen,
 hohe Emmissionen, die zu einer lokalen
Erhöhung der Schadstoffimmissionen oder
zu deutlichen Anreichungseffekten der
bodennahen Luftschichten führen können.Seite 25 von 65
Seite 26 von 65
Seite 27 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht22 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
4
Tabelle 4 Flächenanteil Klimatischer Lasträume in den Stadtteilen – Tag und Nachtsituation
Stadtbezirk
statistischer Be-
zirk
Siedlungs-
bereich
Lasträume
Tag (%)
Durch-
schnitt:
11,62 %
Siedlungs-
bereich
Lasträume
Nacht (%)
Durch-
schnitt:
10,89 %
1 Vor dem Sterntor 66,49 71,66
1 Bonn-Güterbahnhof 66,02 66,64
1 Zentrum-Münsterviertel 63,43 63,85
2 Bad Godesberg-Nord 61,99 63,00
3 Beuel-Ost 54,47 47,19
1 Ellerviertel 50,56 53,96
4 Duisdorf-Nord 42,97 17,33
4 Duisdorf-Mitte 41,28 26,67
2 Bad Godesberg Zentrum 39,05 43,12
1 Zentrum-Rheinviertel 37,31 49,51
1 Bonner Talviertel 36,58 52,92
1 Buschdorf 32,40 23,15
4 Neu-Duisdorf 29,62 20,72
3 Beuel-Mitte 28,85 46,00
2 Pennenfeld 28,22 23,88
1 Vor dem Koblenzer Tor 27,86 42,55
1 Neu-Tannenbusch 26,29 25,83
1 Alt-Endenich 25,82 23,54
2 Lannesdorf 22,25 18,30
1 Kessenich 22,04 23,58
1 Baumschulviertel 21,81 43,11
1 Wichelshof 21,22 52,46
1 Auerberg 21,12 20,29
1 Gronau-Regierungsviertel 20,90 31,69
1 Neu-Endenich 20,07 16,36
3 Pützchen/Bechlinghoven 19,38 8,85
1 Poppelsdorf 19,35 19,73
2 Muffendorf 18,54 5,60
4 Lengsdorf 15,73 5,59
2 Hochkreuz-Regierungsviertel 15,59 14,29
1 Dottendorf 15,22 13,34
1 Dransdorf 14,29 13,16
3 Geislar 13,59 7,38
1 Alt-Tannenbusch 13,48 12,32
3 Li-Kü-Ra 13,13 2,49
1 Lessenich-Meßdorf 13,04 4,55
2 Alt-Plittersdorf 12,62 34,40
2 Neu-Plittersdorf 12,36 18,82
4 Finkenhof 11,98 0,90
3 Beuel-Süd 11,64 11,88
3 Oberkassel 10,96 11,44
1 Graurheindorf 10,86 29,65
3 Vilich-Rheindorf 10,12 12,45
1 Ippendorf 9,73 1,66
2 Mehlem-Rheinaue 8,68 12,19
4 Brüser Berg 8,37 1,26
2
Bad Godesberg-Vil-
lenviertel 8,05 14,03
2 Friesdorf 7,78 6,15
3 Holzlar 7,70 6,10
3 Vilich-Müldorf 7,45 2,41
2 Obermehlem 5,69 2,60
1 Rheindorfer Vorstadt 5,33 20,27
4 Medinghoven 4,82 1,94
1 Röttgen 4,46 0,41
2 Rüngsdorf 3,87 16,13
1 Ückesdorf 3,66 0,48
3 Hoholz 3,50 0,09
2 Heiderhof 1,63 0,29
3 Holtorf 1,56 0,00
2 Schweinheim 0,91 0,85
2 Kurviertel 0,90 0,59
3 Siegaue 0,13 0,30
1 Kottenforst 0,08 0
1 Venusberg 0,00 0
3 Ennert 0,00 0
Klimatischer Lastraum Gewerbegebiet, hier an
der Maarstraße in Beuel-Ost – eine ungünstige
humanbioökologische SituationSeite 28 von 65
Seite 29 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht24 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
jeweils rund 14 Einwohnern pro Baum sind
weniger gut ausgestattet.
Die Verteilung der Straßenbäume im Stadtgebiet
ist jedoch genauso heterogen ( vgl. Kapitel 2, S.7
wie die Verteilung der Straßen ohne Baumbe-
stand. Die insgesamt rund 540 baumlosen Straßen
stellen nicht nur ein Maß für die Defizite von
grüner Infrastruktur dar, sie werden auch die
Basis für den weiteren konzeptionellen Ansatz bei
der Behebung dieses Mangels sein.
Insgesamt sind die Anteile der Straßen ohne
Baumbestand in den Stadtteilen sehr unterschied-
lich. Sie umfassen beispielsweise in Ippendorf
eine Gesamtlänge von gut 8 km, was einem
Anteil von rund 44% aller Straßen in diesem
Stadtteil entspricht. In Poppelsdorf dagegen
liegt der Anteil nur bei 24% (= 2,9 km aller
Straßen). Noch weniger baumlose Straßen
finden sich in Bad Godesberg: Hier liegen die
Quoten zwischen 8% (Bad Godesberg-Nord)
und 0,6% (Godesberg-Villenviertel, siehe
Tabelle 5).
2.5 STRASSEN OHNE BÄUME
Mit einem Bestand von knapp 30.000 Bäumen ver-
fügt die Stadt Bonn über einen soliden Straßen-
baumbestand, der auch dem Vergleich mit
anderen Großstädten standhält. Während sich in
Bonn knapp 11 Einwohner einen Straßenbaum
„teilen“ müssen, sind es in Essen 9 und in Leipzig
10 Einwohner pro Straßenbaum. Selbstverständ-
lich gibt es auch Städte mir üppigeren Straßen-
baumbeständen wie etwa Karlsruhe (6 EW/Baum)
oder Düsseldorf (8 EW/Baum). Es gibt jedoch auch
Städte, die wesentlich schlechter aufgestellt sind
wie z.B. Frankfurt/Main (15 EW/Baum), Stuttgart
(17 EW/Baum) oder Nürnberg (18 EW/Baum). Auch
die Referenzstädte Wuppertal und Bielefeld mit
Die Kirschallee ohne Kirschen – eine Straße ohne Bäume in
PoppelsdorfSeite 30 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 25
der anderen Seite wurden noch vor einigen Jahren
nicht selten dort Bäume platziert, wo das enge
Straßenprofil nicht ausreichend Platz für die
gesunde Kronenentwicklung zuließe. So wie pla-
nerische Trends mit verkehrsberuhigenden Maß-
nahmen in dicht bebauten Stadtteilen und engen
Straßen Bäume um jeden Preis in den Straßen-
raum pflanzte („Masse statt Klasse“), so wurden
umgekehrt Straßen oft mit üppigen Fahrspur-
breiten angelegt, die Bäumen keinen Platz mehr
ließen („autogerechte Stadt“).
Auch wenn nicht alle Straßen per se mit Bäumen
ausgestattet werden können, so dürften die Ursa-
chen rückschauend betrachtet nicht allein an den
planerischen Restriktionen gelegen haben, die
das Pflanzen von Bäumen im Straßenraum
erschweren. Historische, technische und ggf.
finanzielle Gründe erklären, warum in manchen
Straßen die Bäume fehlen. Oft war es möglicher-
weise der planerische Zeitgeist, der Baumstand-
orte in den Gehwegen, Parkstreifen oder direkt in
der Fahrbahn nicht opportun erscheinen ließ. Auf
Vorgebirgsstraße: Vorrang für den Verkehr – Viel Platz für Autos, wenig Raum für Straßen-
bäume -Seite 31 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht26 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Tabelle 5 Länge baumloser Straßen bezogen auf Stadtteile – absolut und relativ
Stadtbezirk
statistischer Bezirk
Länge
baumloser
Straßen (m)
baumlose
Straßen
(%)
Durch-
schnitt:
24,29
1 Venusberg 5.780 70,34
3 Hoholz 4.891 53,04
1 Röttgen 7.531 49,12
1 Ippendorf 8.117 44,28
1 Alt-Tannenbusch 4.447 43,04
2 Schweinheim 4.141 42,40
2 Friesdorf 5.774 39,93
2 Muffendorf 3.614 38,07
3 Li-Kü-Ra 6.022 37,66
3 Oberkassel 7.049 37,32
1 Kessenich 7.121 37,25
1 Bonn-Güterbahnhof 1.441 36,74
3 Pützchen/Bechlinghoven 6.099 35,25
2 Pennenfeld 3.457 34,63
4 Lengsdorf 4.535 33,79
1 Dottendorf 3.836 33,64
4 Neu-Duisdorf 3.425 33,52
1 Neu-Endenich 2.961 33,45
3 Vilich-Müldorf 2.835 33,31
4 Finkenhof 2.416 31,33
3 Geislar 2.229 30,95
3 Holzlar 5.460 30,72
1 Graurheindorf 1.753 28,76
3 Holtorf 1.706 28,69
2 Kurviertel 2.720 28,00
1 Ückesdorf 2.601 27,68
2 Neu-Plittersdorf 4.045 25,51
1 Poppelsdorf 2.866 24,40
2 Lannesdorf 3.505 24,31
1 Rheindorfer Vorstadt 1.516 21,36
4 Duisdorf-Nord 974 20,69
4 Brüser Berg 4.017 20,40
2 Obermehlem 2.321 20,18
3 Beuel-Ost 3.331 20,01
1 Wichelshof 1.359 19,85
1 Buschdorf 2.632 18,57
1 Vor dem Koblenzer Tor 1.535 18,34
1 Dransdorf 2.417 18,23
1 Ellerviertel 2.135 17,85
2 Alt-Plittersdorf 1.406 17,15
2 Mehlem-Rheinaue 2.038 17,04
4 Duisdorf-Mitte 2.158 16,58
1 Alt-Endenich 2.305 16,54
1 Lessenich-Meßdorf 1.337 16,29
1
Zentrum-Münstervier-
tel 1.412 15,94
1 Baumschulviertel 1.545 15,85
3 Vilich-Rheindorf 2.748 15,55
1 Zentrum-Rheinviertel 1.064 14,90
3 Beuel-Süd 1.862 14,86
1 Auerberg 2.161 14,66
2
Hochkreuz-Regierungs-
viertel 1.566 13,20
2 Rüngsdorf 2.194 12,80
1
Gronau-Regierungs-
viertel 2.190 11,72
1 Bonner Talviertel 1.237 11,54
4 Medinghoven 883 10,90
2 Bad Godesberg-Nord 589 8,22
1 Vor dem Sterntor 689 7,92
2 Heiderhof 420 5,43
3 Beuel-Mitte 558 3,27
1 Neu-Tannenbusch 271 2,48
2
Bad Godesberg Zent-
rum 155 1,54
2
Bad Godesberg-Villen-
viertel 89 0,59
1 Kottenforst - 0,00
3 Ennert - 0,00
3 Siegaue - 0,00
SUMME 175.491Seite 32 von 65
Seite 33 von 65
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STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 29
Karte 12: Stadtteile mit überdurchschnittlich hohem Anteil baumloser StraßenSeite 35 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht30 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Gemäß der Gesamtbewertung sind jene Stadtteile
als Defiziträume zu bezeichnen, für welche mehr
als 2/3 der Gesamtpunktzahl, also 5 oder 6 Punkte
zutreffen. Hier liegt ein erhöhter oder vorrangiger
Bedarf an zusätzlichen Straßenbäumen vor. In
Stadtteilen mit 0 bis 4 Punkten wird der Bedarf an
zusätzlichen Straßenbäumen zunächst nach-
rangig eingestuft. Hier liegt kein Defizit i. S. der
Bewertungsvorschrift vor. Für diese nicht defizi-
tären Stadtteile sollte jedoch in den kommenden
Jahren ein zweites Programm mit der Suche nach
Straßenbaumpotenzial aufgelegt werden, will
man dem Leitziel „Mehr Bäume für besseres Stadt-
klima“ näherkommen.
2.6 GESAMTBEWERTUNG
Die Zusammenfassung aller 6 bisher untersuchten
Bewertungskriterien erfolgt über eine einfache
Bewertung: Überschreitet in einem Stadtteil das
Kriterium den als Grenze gesetzten Mittelwert,
erhält der betreffende Stadtteil einen (Defizit-)
Punkt. Danach werden die (ordinalen) Einzelkrite-
rien durch Addition zu einem Gesamtbild aggre-
giert, so dass Gesamtbild von Stadtteilen mehr
oder wenigen Defizitkriterien entsteht (Vgl.
Tabelle 6 und Karte 13). Die Bewertungsvorschrift
hat dafür 2 Schritte vorgesehen:
1. Prüfung auf Zutreffen der
6 Einzelkriterien in den Stadtteilen
 Siedlungsdichte: > 44,6 % besiedelte Fläche
 Bevölkerungsdichte: > 3.158 Einwohner/qkm
 Soziale Komponente,
hier- Arbeitslosigkeit: > 7%
 Klimatische Lasträume – Tagsituation:
Anteil Gesamtfläche > 11,6%
 Klimatische Lasträume – Nachtsituation:
Anteil Gesamtfläche > 10,9%
 Anteil baumloser Straßen: > 24,29 %
2. Wertung
 Wert über dem Durchschnitt = ja = 1 Punkt
 Wert unter dem Durchschnitt = nein = 0
Punkte
 Höchstpunktzahl: 6 Punkte bei
6 zutreffenden Kriterien
 Stadtteil mit 5-6 Punkten => Defizitraum
 Stadtteil mit 0-4 Punkten => kein
Defizitraum
 Defizitraum => erhöhter Bedarf an neuen
StraßenbäumenSeite 36 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 31
6
Tabelle 6: Gesamtbewertung – Verteilung aller Wertungspunkte
Stadtbezirk
stati sti scher Bezirk ID
s ta tis tis cher Bezi rk =
Sta dttei l
Bewertung
Bevöl kerungs -
di chte
Bewertung
Arbei ts l os en-
quote
Bewertung
Kl i ma Ta g
Bewertung
Kl i ma Na cht
Bewertung
bes i edel te
Fl ä che
Bewertung
ba uml os e
Stra ßen
Gesamt-
bewertung
Durchschnitt
3,26
1 131 Al t-Ta nnenbus ch 1 1 1 1 1 1 6
2 261 Neu-Pl i tters dorf 1 1 1 1 1 1 6
2 265 Pennenfel d 1 1 1 1 1 1 6
4 497 Neu-Dui s dorf 1 1 1 1 1 1 6
1 115 El l ervi ertel 1 1 1 1 1 0 5
1 116 Bonn-Güterba hnhof 0 1 1 1 1 1 5
1 122 Poppel s dorf 1 0 1 1 1 1 5
1 123 Kes s eni ch 1 0 1 1 1 1 5
1 124 Dottendorf 1 0 1 1 1 1 5
1 132 Neu-Ta nnenbus ch 1 1 1 1 1 0 5
1 134 Auerberg 1 1 1 1 1 0 5
2 251 Ba d Godes berg Zentrum 1 1 1 1 1 0 5
2 266 La nnes dorf 0 1 1 1 1 1 5
4 491 Dui s dorf-Mi tte 1 1 1 1 1 0 5
1 110 Zentrum-Rhei nvi ertel 1 0 1 1 1 0 4
1 111 Zentrum-Müns tervi ertel 1 0 1 1 1 0 4
1 112 Wi chel s hof 1 0 1 1 1 0 4
1 113 Vor dem Sterntor 1 0 1 1 1 0 4
1 114 Rhei ndorfer Vors tadt 1 1 0 1 1 0 4
1 117 Ba ums chul vi ertel 1 0 1 1 1 0 4
1 118 Bonner Ta l vi ertel 1 0 1 1 1 0 4
1 119 Vor dem Kobl enzer Tor 1 0 1 1 1 0 4
1 120 Neu-Endeni ch 0 0 1 1 1 1 4
1 121 Al t-Endeni ch 1 0 1 1 1 0 4
1 133 Bus chdorf 0 1 1 1 1 0 4
1 135 Gra urhei ndorf 0 1 0 1 1 1 4
1 136 Dra ns dorf 0 1 1 1 1 0 4
2 254 Ba d Godes berg-Nord 0 1 1 1 1 0 4
2 262 Al t-Pl i tters dorf 1 0 1 1 1 0 4
2 263 Rüngs dorf 1 1 0 1 1 0 4
2 264 Muffendorf 1 0 1 0 1 1 4
3 371 Beuel -Mi tte 1 0 1 1 1 0 4
3 374 Beuel -Süd 1 0 1 1 1 0 4
3 384 Li -Kü-Ra 1 0 1 0 1 1 4
3 386 Hol zl a r 1 1 0 0 1 1 4
4 492 Fi nkenhof 1 0 1 0 1 1 4
4 496 Dui s dorf-Nord 1 0 1 1 1 0 4
1 141 Grona u-Regi erungs vi ertel 0 0 1 1 1 0 3
2 242 Hochkreuz-Regi erungs vi ertel 0 0 1 1 1 0 3
2 255 Ba d Godes berg-Vi l l envi ertel 1 0 0 1 1 0 3
2 267 Mehl em-Rhei na ue 0 1 0 1 1 0 3
3 372 Vi l i ch-Rhei ndorf 1 0 0 1 1 0 3
3 373 Beuel -Os t 0 0 1 1 1 0 3
3 383 Pützchen/Bechl i nghoven 0 0 1 0 1 1 3
3 385 Oberka s s el 0 0 0 1 1 1 3
4 495 Lengs dorf 0 0 1 0 1 1 3
1 126 Ippendorf 0 0 0 0 1 1 2
2 252 Kurvi ertel 0 0 0 0 1 1 2
3 381 Gei s l a r 0 0 1 0 0 1 2
1 125 Venus berg 0 0 0 0 0 1 1
1 127 Röttgen 0 0 0 0 0 1 1
1 128 Ückes dorf 0 0 0 0 0 1 1
1 137 Les s eni ch-Meßdorf 0 0 1 0 0 0 1
2 253 Schwei nhei m 0 0 0 0 0 1 1
2 260 Fri es dorf 0 0 0 0 0 1 1
2 268 Obermehl em 0 1 0 0 0 0 1
2 269 Hei derhof 0 1 0 0 0 0 1
3 382 Vi l i ch-Mül dorf 0 0 0 0 0 1 1
3 387 Hohol z 0 0 0 0 0 1 1
3 388 Hol torf 0 0 0 0 0 1 1
4 493 Medi nghoven 0 1 0 0 0 0 1
4 494 Brüs er Berg 0 1 0 0 0 0 1
1 129 Kottenfors t 0 0 0 0 0 0 0
3 380 Si ega ue 0 0 0 0 0 0 0
3 389 Ennert 0 0 0 0 0 0 0
statistischer Bezirk = Stadtteil
Bewertung
Bevölkerungs-
dichte
Bewertung
Arbeits-
losenquote
Bewertung
Klima Tag
Bewertung
Klima Nacht
Bewertung
besiedelte
Fläche
Bewertung
baumlose
Straßen
Gesamt-
bewertung
Neu-Duisdorf 1 1 1 1 1 1 6
Lannesdorf 0 1 1 1 1 1 5
Pennenfeld 1 1 1 0 1 1 5
Duisdorf-Mitte 1 1 1 1 1 0 5
Poppelsdorf 1 0 1 1 1 1 5
Bonn-Güterbahnhof 0 1 1 1 1 1 5
Ellerviertel 1 1 1 1 1 0 5
Neu-Tannenbusch 1 1 1 1 1 0 5
Auerberg 1 1 1 1 1 0 5
Bad Godesberg Zentrum 1 1 1 1 1 0 5
Bad Godesberg-Nord 0 1 1 1 1 0 4
Dottendorf 1 0 1 0 1 1 4
Kessenich 1 0 0 1 1 1 4
Neu-Plittersdorf 1 1 0 0 1 1 4
Bonner Talviertel 1 0 1 1 1 0 4
Alt-Endenich 1 0 1 1 1 0 4
Neu-Endenich 0 0 1 1 1 1 4
Dransdorf 0 1 1 1 1 0 4
Vor dem Koblenzer Tor 1 0 1 1 1 0 4
Beuel-Mitte 1 0 1 1 1 0 4
Holzlar 1 1 0 0 1 1 4
Zentrum-Rheinviertel 1 0 1 1 1 0 4
Zentrum-Münsterviertel 1 0 1 1 1 0 4
Vor dem Sterntor 1 0 1 1 1 0 4
Alt-Tannenbusch 1 1 0 0 1 1 4
Buschdorf 0 1 1 1 1 0 4
Graurheindorf 0 1 0 1 1 1 4
Muffendorf 1 0 0 0 1 1 3
Rüngsdorf 1 1 0 0 1 0 3
Alt-Plittersdorf 1 0 0 1 1 0 3
Lengsdorf 0 0 1 0 1 1 3
Finkenhof 1 0 0 0 1 1 3
Duisdorf-Nord 1 0 1 0 1 0 3
Hochkreuz-Regierungsviertel 0 0 1 1 1 0 3
Gronau-Regierungsviertel 0 0 1 1 1 0 3
Li-Kü-Ra 1 0 0 0 1 1 3
Baumschulviertel 1 0 0 1 1 0 3
Beuel-Ost 0 0 1 1 1 0 3
Pützchen/Bechlinghoven 0 0 1 0 1 1 3
Geislar 0 0 1 1 0 1 3
Wichelshof 1 0 0 1 1 0 3
Rheindorfer Vorstadt 1 1 0 0 1 0 3
Mehlem-Rheinaue 0 1 0 0 1 0 2
Kurviertel 0 0 0 0 1 1 2
Bad Godesberg-Villenviertel 1 0 0 0 1 0 2
Ippendorf 0 0 0 0 1 1 2
Oberkassel 0 0 0 0 1 1 2
Beuel-Süd 1 0 0 0 1 0 2
Vilich-Rheindorf 1 0 0 0 1 0 2
Kottenforst 0 0 1 0 0 0 1
Röttgen 0 0 0 0 0 1 1
Schweinheim 0 0 0 0 0 1 1
Heiderhof 0 1 0 0 0 0 1
Obermehlem 0 1 0 0 0 0 1
Friesdorf 0 0 0 0 0 1 1
Venusberg 0 0 0 0 0 1 1
Brüser Berg 0 1 0 0 0 0 1
Ückesdorf 0 0 0 0 0 1 1
Medinghoven 0 1 0 0 0 0 1
Lessenich-Meßdorf 0 0 1 0 0 0 1
Holtorf 0 0 0 0 0 1 1
Hoholz 0 0 0 0 0 1 1
Vilich-Müldorf 0 0 0 0 0 1 1
Ennert 0 0 0 0 0 0 0
Siegaue 0 0 0 0 0 0 0Seite 37 von 65
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STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht34 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Im ersten Schritt wurde die Straße hinsichtlich
des räumlichen Erscheinungsbildes betrachtet.
Dazu gehört der Parameter Verkehrsfunktion, ob
es sich also um eine Hauptverkehrsstraße, eine
Durchgangsstraße, eine Wohnstraße oder einen
sonstigen Straßentyp handelt. Hinzu kommen die
Breite von Fahrbahn und Nebenanlagen, die Art
der Bebauung und bereits vorhandene Grünstruk-
turen (öffentliches Grün, Vorgärten u. a. m).
In der zweiten Kategorie der Bestandserhebung,
wurden mögliche Einschränkungen für die Pflan-
zung von Straßenbäumen zusammengefasst. Vor
allem die in der Oberfläche ersichtliche Leitungs-
infrastruktur, aber auch hoher Parkraumdruck in
der Umgebung, zahlreiche Einmündungen/Aus-
fahrten im Straßenabschnitt, mögliche Konkur-
renzgehölze oder ein beengtes Querschnittsprofil
wurden geprüft und vermerkt.
Die Abbildung zeigt die drei Reiter der Kartiermaske. Unter den Abschnittinfos sind bereits die wesentlichen Grunddaten
zur betrachteten Straße voreingestellt. Die im GIS herausgefilterten baumfreien Straßenabschnitte können in der Örtlich-
keit noch angepasst – also verlängert, gekürzt, zusammengefasst oder umbenannt – werden.Seite 40 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 35
Kartiermaske für Outdoor-Tablet: Beispiel keine Baumstandorte empfehlenswert
3.2 ERGEBNISSE
In Abwägung aller Kriterien ergibt sich, ob in den
untersuchten Straßenabschnitten zukunftsfähige
Baumstandorte etabliert werden könnten oder ob
Baumstandorte dort eher nicht empfehlens-wert
sind. Im Ergebnis gibt es also für jeden geprüften
Straßenabschnitt die Label „Neue Baumstandorte
empfehlenswert“ oder „keine neuen Baumstand-
orte empfehlenswert“. Da den Empfehlungen kein
Zeithorizont für die Umsetzung zugeordnet ist,
werden die einschränkenden Parameter für die
Einschätzung des Potentials dabei unterschied-
lich gewichtet:
Ein zu enger Querschnitt oder eine störende Gas-
leitung sind in der Regel Ausschlusskriterien für
eine zukunftsfähige Baumpflanzung. Ein hoher
Parkraumdruck im Quartier ist dagegen zwar als
Einschränkung vermerkt worden, es kommt
jedoch nicht unbedingt zu der Wertung „keine
Baumstandorte empfehlenswert“ (siehe folgende
Abbildung).
Dies begründet sich darin, dass im Zuge der Ver-
kehrswende und der wünschenswerten intensi-
veren Begrünung von Straßen stets zwischen der
Anzahl der Stellplätze und neuer Baumstandorte
eine sensible Abwägung im Einzelfall durch den
Auftraggeber erfolgen sollte. Ähnlich verhält es
sich mit bedeutenden Grünstrukturen in angren-
zenden (Privat)-Grundstücken: auch Gehölzbe-
stände, welche derzeit in einer Konkurrenzsitua-
tion zu potentiellen Straßenbäumen stünden,
können sich in Zukunft verändern, so dass für
diese Straßenabschnitten eine Wiedervorlage zur
Prüfung im regelmäßigen Turnus sinnvoll ist.
Sind in den betreffenden Straßenabschnitten
gute Rahmenbedingungen vorhanden, wird ein
erster Vorschlag zu möglicher Anzahl und Platzie-
rung der neuen Bäume im Straßenquerschnitt ge-
macht. Das sogenannte Querschnittprofil1 gibt
den Abstand zwischen Baum und Gebäudefassade
an und dient als Grundlage für die Auswahl der
Baumart/-sorte in der zukünftigen detaillierten
Ausführungsplanung. Alle weiteren Anmerkungen
zur Örtlichkeit oder zusätzlichen Hinweise für die
weitere Planung wurden ebenfalls erfasst.
1 Querschnittstyp 1: 3-4 m Abstand zum Gebäude
Q 2: 4-6 m
Q 3: 6-10 m
Q 4: > 10 mSeite 41 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht36 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Abbildung : Beispiele für 2 Ergebnisbögen: Die vor Ort gesammelten Parameter der Kartierung wurden ins GIS-System als
Attribute des betrachteten Straßenraums übertragen. Daraus wurde für jeden einzelnen Straßenabschnitt ein Ergebnisbogen
erarbeitet, in dem beispielhaft die Positionierung möglicher Baumstandorte dargestellt wird. Die Straßenabschnitte mit
Potential für Baumpflanzungen sind in grün und die ausgefilterten, nicht geeigneten Abschnitte in roter Kennung dargestellt,
so dass auf den ersten Blick am Ergebnisbogen ersichtlich ist, um welche Einordnung es sich handelt. Die wesent-lichen
Erkenntnisse aus der Begehung zu Straßenbild und Einschränkungen sind rechts oben stichpunktartig aufgelistet.
Kartierergebnis
neue Baumstandorte empfehlenswert
keine neuen Baumstandorte empfehlenswert
neuer Baumstandort
Nachrichtlich: Bestand Baumkataster
Einzelbaumstandort
historischer Baumstandort
flächiger Baumbestand
Mackestr., Abschnitt 2 (Länge: ca. 146 m)
Statistischer Bezirk: Ellerviertel
Straßencharakter: Wohnstraße
Geschosse: 3-4
Vorgärten: ja
Keine neuen Baumstandorte empfehlenswert
Probleme: zahlreiche Einmündungen/Ausfahrten, Querschnitt ungeeignet,
störende Leitungen
BONN BAUMKONZEPT - Potential für neue Straßenbaumstandorte
Hintergrundkarte ALKIS: Land NRW (2023), Datenlizenz Deutschland -Namensnennung -Version 2.0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)
Kartierergebnis
neue Baumstandorte empfehlenswert
keine neuen Baumstandorte empfehlenswert
neuer Baumstandort
Nachrichtlich: Bestand Baumkataster
Einzelbaumstandort
historischer Baumstandort
flächiger Baumbestand
Richthofenstr., Abschnitt 1 (Länge: ca. 238 m)
Statistischer Bezirk: Auerberg
Straßencharakter: Wohnstraße
Geschosse: 1-2
Vorgärten: ja
Fahrbahnbreite: ca. 6 m, Gehwegbreite: ca. 2 m
Grünstruktur vorhanden: ja
Potentielle neue Baumstandorte: 6
Platzierung der neuen Baumbeete: Fahrbahn
Querschnitt: Q3 (6-10m)
Bemerkung: Westseite, ab Haus-Nr. 31 Nordostseite, Wasserleitung zu
prüfen
BONN BAUMKONZEPT - Potential für neue Straßenbaumstandorte
Hintergrundkarte ALKIS: Land NRW (2023), Datenlizenz Deutschland -Namensnennung -Version 2.0 (www.govdata.de/dl-de/by-2-0)Seite 42 von 65
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STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 39
Setzt man die Stückzahlen mit der Flächengröße
der einzelnen statistischen Bezirke ins Verhältnis,
lassen sich deutliche Unterschiede der Stadtteile
erkennen, die sich in Teilen mit den Ergebnissen
der vorausgegangenen Analysen (Kapitel 2)
Länge der Abschnitte mit Abschnitte keine Anzahl
statistischer Bezirk stat. Bezirk kartierten potentiellen Baumstandorte potentielle
Größe (ha) Abschnitte Baumstandorten empfehlenswert Baumstandorte
gesamt (km) (km) (km)
Auerberg 228,04 4,08 2,58 1,50 76
Bad Godesberg Zentrum 62,90 0,66 0,19 0,47 6
Beuel-Ost 205,72 5,89 4,56 1,33 97
Bonn-Güterbahnhof 53,31 2,69 2,31 0,38 71
Duisdorf-Mitte 88,83 5,14 2,41 2,72 54
Ellerviertel 137,54 4,07 3,04 1,03 73
Lannesdorf 248,68 6,32 4,26 2,06 143
Neu-Duisdorf 122,46 5,67 3,33 2,35 97
Neu-Tannenbusch 134,97 0,97 0,16 0,81 3
Pennenfeld 79,25 5,01 3,72 1,29 106
Poppelsdorf 187,01 4,72 2,89 1,83 73
gesamt 1.548,70 45,22 29,45 15,77 799
decken und außerdem im unter-
schiedlichen Charakter der einzelnen
Stadtteile begründet sind.
In Bonn-Güterbahnhof könnten 85%
der untersuchten Straßen (2,16 km
von 2,54 km) mit Straßen-bäumen neu
begrünt werden. Der Stadtteil
umfasst die kleinste Fläche, bietet
aber mit Abstand das relativ größte
Potential (71 neue Bäume). Danach
folgen die Stadtteile Beuel-Ost und
das Eller-viertel, in deren unter-
suchten, bisher baumlosen Straßen-
abschnitte zu etwa 3/4 eine Empfeh-
lung für neue Baumstandorte
ausgesprochen werden konnte.
Diesen drei Stadtteilen ist ein hoher
Flächenanteil an Gewerbegebieten gemein, die
über lange lineare Zufahrtstraßen mit breitem
Querschnitt erschlossen werden – typische Stra-
ßenzüge, die sich für durchgehende Baumreihen
mit höheren Stückzahlen eignen.
Die besiedelte Fläche ist in diesen drei Quartieren
entsprechend hoch, womit wiederum eine nega-
tive bioklimatische Bewertung einhergeht. Mit
den potentiellen Baumstandorten kann hier also
zukünftig ein effektiver Beitrag für zusätzliche
Stadtbegrünung geschaffen werden.
Immendorfstraße, Bonn-Güterbahnhof: Erschließungsstraße im
Gewerbegebiet
Tabelle mit Ergebnissen für die 11 StadtteileSeite 45 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht40 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
städtebaulich anders strukturiert ist, finden sich
vor allem im Ostteil Arbeitersiedlungen mit line-
aren, breiten Straßenprofilen und gutem Poten-
zial. Pennenfeld ist mit der HICOG-Siedlung1 und
mehreren Schulkomplexe geprägt.
1 Siedlung für Mitarbeiter der US-amerikanischen Hochkommission
Es verfügt über sehr lange, parallel verlaufenden
Nord-Süd-Verbindungen, die in den Nachkriegs-
jahren überwiegend „autogerecht“ angelegt
wurden. Die Straßen, die in Auerberg in Betracht
kommen sind hingegen eher schmal, was vermut-
lich ein Grund für die bisher großen baumfreien
Bereiche war.
Weniger als 2/3-Anteil Baumempfehlungen an den
untersuchten Straßenkilometern finden sich in
den Stadtteilen Poppelsdorf, Neu-Duisdorf und
Duisdorf-Mitte. In den historisch gewachsenen
Stadtteilzentren mit repräsentativen Quartieren
in Poppelsdorf und Bad Godesberg-Zentrum sind
die großen Straßenräume der Haupt- und Durch-
Im Mittelfeld, mit etwa 2/3 Anteil an Baumemp-
fehlungen für die kartierten Straßenabschnitte
sind Pennenfeld, Lannesdorf und Auerberg zu
finden: Drei Stadtteile mit einem hohem Anteil an
Wohnsiedlungen, die erst nach der Ortsteilwer-
dung der Bundeshauptstadt Bonn in den 1960er
Jahren entstanden sind. In Lannesdorf, dessen
westlicher Teil historisch gewachsen und deshalb
Honnefer Str., Lannesdorf: Breiter, autogerechter Querschnitt
gangsstraßen - im Gegensatz zu den oben be-
schriebenen Stadtteilen - „ausgereift“ und
vielfach bereits durch stattliche Straßenbaumrei-
hen/-alleen geprägt.
Die westlichen Quartiere in den Stadtteilen Duis-
dorf und Lannesdorf bieten ebenfalls verhältnis-
mäßig wenig Potential für neue Baumpflan-
zungen. Sie sind überwiegend durch eine
historisch gewachsene Dorfstruktur geprägt. Die
kurzen Straßenabschnitte haben häufig den Cha-
rakter von Gassen. Ihre beengten Querschnitte
und kurvigen Verläufe wurden traditionell nicht
mit Bäumen begrünt. Das Potenzial für neue
Baumpflanzungen liegt hier eher in vielen ein-
zelnen, punktuellen Standorten.Seite 46 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 41
Hoverstraße, Lannesdorf: ehemalige Dorfstraße
Der relativ junge Stadtteil Neu-Tannenbusch im
Norden mit seinen prägenden Großwohnsiedlun-
gen ist bereits in der Zeit des intensiven Woh-
nungsbaus mit baumbestandenen Wohnstraßen
geplant und angelegt worden. Hier findet sich
eine hohe Baum- und Begrünungsdichte im
Bestand, der zwar hinsichtlich der Qualität und
Zukunftsfähigkeit begutachtet werden könnte,
jedoch momentan kaum Freiraum für weitere
oder ergänzende Pflanzungen bietet. Die gefun-
denen 3 Baumstandorte in Neu-Tannenbusch und
Bad Godesberg-Zentrum sind im Gesamtkonzept
quasi zu vernachlässigen.
3.4 POTENTIELLE BAUMSTANDORTE VERSUS
VERKEHRSINFRASTRUKTUR
Bonn ist eine „grüne Stadt“ deren Straßen vielfach
bereits traditionell durch einen bemerkenswer-
ten Baumbestand begrünt sind. Sowohl in den his-
torisch gewachsenen als auch den jungen Wohn-
quartieren wurde den Straßenbäumen von Beginn
an ein hoher Stellenwert eingeräumt. Fehlt hier
Straßengrün, gibt es in der Regel in der Örtlichkeit
ablesbare Gründe, beispielsweise relative schmale
Straßenquerschnitte mit vielen Raumfunktionen.
Da das größte Potenzial für die Etablierung neuer
Bäume in diesen Stadtteilen allerdings meist in
dicht bebauten Wohnvierteln zu finden ist, muss
für die Baumstandorte folglich „nachträglich“ Pri-
orität im meist dicht beparkten Straßenraum
geschaffen werden.Seite 47 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht42 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Besonders hohes Potential findet sich immer dort,
wo ganze Straßenzüge mit Bäumen begrünt
werden könnten. Dies ist naturgemäß in Gewerbe-
gebieten, an Hauptverkehrsstraßen und in groß-
zügig autogerecht angelegten Wohnquartieren
mit breiten Querschnitten der Fall: Im Ellerviertel,
in Poppelsdorf nordwestlich der Universitätsge-
bäude, Bonn-Güterbahnhof, Beuel-Ost und in den
östlichen Quartieren von Lannesdorf und Penne-
feld. Der häufigste Konflikt, der hier neue Baum-
pflanzungen erschwert, ist mutmaßlich die Lei-
tungsinfrastruktur.
Bei Entstehung der Gewerbe- und Wohngebiete
ist die Straße als Funktionsraum für Ver- und Ent-
sorgung der Anlieger i. d. R. großzügig bemessen
worden. Aus heutiger Sicht, in Anbetracht der
dringend notwendigen klimatischen Anpassung
dieser bioklimatischen Lasträume, kommt neuen
Baumstandorten in diesen Straßenzügen jedoch
eine besonders große Bedeutung zu. Entspre-
chend wurde für diese Straßenabschnitte nicht
selten vermerkt, dass einschränkende Leitungs-
verläufe eingehender zu prüfen sind, um in der
Abwägung gegebenenfalls Tiefbaumaßnahmen
(auch mittel-/langfristig) mit Lageänderung der
Leitungsführung zugunsten einer Etablierung
von neuen Baumstandorten in Betracht zu
ziehen.
Durch die Etablierung von separaten Fahrrad-
wegen, die ebenfalls oft nachträglich dem
bereits mit zahlreichen Funktionen ausgefüllten
Straßenraum abgerungen werden, droht ein neu-
artiger Konflikt zuungunsten von Baumstand-
orten zu entstehen. Dabei haben „Fahrrad-
fahren“ und „Bäume pflanzen“ ja ein
gemeinsames Leitziel: die Klimaresillienz der
Trochelstraße, Poppelsdorf: Gewachsene Strukturen, hoher ParkraumdruckSeite 48 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 43
Bornheimer Straße, Ellerviertel: Platzkonflikt Fahrbahn, Fahrradstreifen- Bäume?!
Stadt zu erhöhen, den CO2-Ausstoß zu verringern.
Eine Zeitenwende in der Priorisierung von Funkti-
onen im städtischen Straßenraumes ist also drin-
gend notwendig: Anpassung der flächen- und kos-
tenintensiven Nutzungen für motorisierten
Individualverkehr und Leitungsinfrastrukturen
zugunsten der Klimaanpassungsmaßnahmen
durch mehr Straßenbäume und Ausbau des Rad-
wegenetzes.
In einem vorläufigen Fazit lässt sich festhalten,
dass sich mit knapp 800 herausgearbeiteten
poten-ziellen Baumstandorten in lediglich 11 (von
insgesamt 65) der eingehend untersuchten
Bonner Stadtteilen ein enormes Potenzial an
zusätzlicher Straßenbegrünung für die Stadt Bonn
ablesen lässt. Auf Grundlage dieser konzeptio-
nellen Vorsondierung sind die Straßenabschnitte
im nächsten Planungsschritt vertiefend hinsicht-
lich der Realisierbarkeit der Baumpflanzungen zu
untersuchen.
Darum ist auftragsgemäß im nächsten Arbeits-
schritt eine Entwurfsplanung für die folgenden 10
Beispielstraßen vorgesehen:
Haupt-/Durchgangsstraßen
Duisdorf-Mitte: Weierbornstraße
Beuel-Ost : Maarstraße
Ellerviertel : Bornheimer Straße
Güterbahnhof : Immenburgstraße
Neu-Duisdorf: Schieffelingsweg
Pennefeld: Deutschherrenstraße
Wohnstraßen
Auerberg: Insterburgerstraße
Lannesdorf : Honnefer Straße
Pennefeld: Röntgenstraße
Poppelsdorf: BennauerstraßeSeite 49 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht44 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
und Sorten (siehe „Bonner Baumartenliste“ im
Anhang),
 Herstellung und Erhaltung eines geeigneten
Baumumfeldes (Wurzel- und Kronenraum) für den
gesamten Lebenszyklus des Baumes,
 hervorragende Pflanzqualität und fachge-
rechte Ausführung der Pflanzung und die dauer-
hafte Pflege des Baumes.
Im Vergleich mit dem Nachhaltigkeitsprinzip der
Forstleute wird der Umgang mit Bäumen im Stra-
ßenraum von anderen Zeithorizonten geleitet.
Während im Wald in der Regel mit Umtriebszeiten
von 80 (Fichte) bis 180 Jahren (Eiche) die Rede ist,
können im Straßenraum einzelne Baumarten nach
50 oder 60 Jahren ihren Zenit erreicht haben. Sie
vergreisen dann schnell, haben kaum noch Jahres-
zuwachs und sind anfällig für Schädlinge und
Krankheiten. In diesem Zusammenhang wird auf
Baumpflanzungen im Rahmen der sogenannten
Wohnumfeldverbesserung der 1980er Jahren ver-
wiesen. Seinerzeit wurde versucht, ältere aber
baumlose Quartiere insbesondere durch „Baum-
inseln“ in der Fahrbahn aufzuwerten. Aufgrund
der meist schlechten Standortbedingungen in
den beengten Straßenquerschnitten wurden
diesen Bäumen von vorn herein eine begrenzte
Lebensdauer eingeräumt: 30-40 Jahre Standzeit
galten als ausreichend, um eine Straße oder ganze
Quartiere zu begrünen. Dieser Ansatz gilt heute
als nicht mehr zeitgemäß, da ein Straßenbaum-
standort so nachhaltig wie möglich angelegt
werden sollte. Gerade in ihrem Reifestadium, also
ab einem Alter von 30-40 Jahren entfalten die
meisten Bäume erst ihre volle physiologische
Leistungsfähigkeit. Erst die ausgewachsenen
Bäume sind fotosynthetisch hochaktiv und
binden dadurch ein Maximum an Kohlenstoff aus
dem CO2 . Im Übrigen entwickeln erst „alte“
Bäume ihren arttypischen Habitus und geben den
Alleen einen Charakter. Darum sollte bei der Aus-
führung neuer Baumstandorte in Straßen eine
Ging es im vorherigen Kapitel um die Ermittlung
neuer Potentiale für Baumstandorte in den Stra-
ßen benachteiligter Stadtteile, so wird im Fol-
genden die Planung und Umsetzung konkreter
Baumstandorte im Straßenraum erläutert. Die
Entscheidung, wie und ob eine Verkehrsfläche
auch im Nachhinein mit Bäumen bepflanzt
werden kann, hängt im Wesentlichen von fol-
genden Faktoren ab:
 Nutzung der Verkehrsflächen und Verkehrssi-
cherheit (Hauptverkerkehrs-, Erschließungs- oder
Anliegerstraße),
 stadtgestalterische Aspekte wie Charakter der
Bebauung, Denkmalschutz, Wohn- und Aufent-
haltsqualität,
 Platzverhältnisse in Verkehrsraum/Kronen-
raum,
 Volumen und Beschaffenheit des künftigen
Wurzelraums (Pflanzgrube) – Qualität des Bo-
dens, Leitungen, Kabel oder Bauwerke im Unter-
grund
Ermöglichen die o. a. Umstände nach eingehender
Prüfung eine Baumpflanzung, dann sind sie so zu
planen und auszuführen, dass – und so heißt es in
der einschlägigen FLL – Richtlinie „Empfehlun-
gen für Baumpflanzungen“ 7 - Bäume ihre Funk-
tion möglichst lange erfüllen können. Dabei ist
mit „lange“ nicht etwa 2 oder 3 Jahrzehnte, son-
dern eher ein Menschenleben und darüber hinaus
zu verstehen. Bäume in der Straße, die heute
gepflanzt werden, sollen ihre „Wohlfahrtswir-
kungen“ mindestens bis in die nächste Menschen-
generation verbreiten. In diesem Zusammenhang
ist von besonderer Bedeutung die
 standortgemäße Verwendung der Arten
7 FLL Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Land-
schaftsbau e.V.: „Empfehlungen für Baumpflanzungen“ Teil 1 und 2,
Bonn 2015
4. PLANUNG UND PFLANZUNG VON STRASSENBÄUMEN –
GRUNDSÄTZE DER GESTALTUNG, UND VEGETATIONSTECHNIKSeite 50 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 45
einem naturnahen Lebensraum. Aufgrund der
hohen Belastungen, denen die Bäume an Stadt-
straßen ausgesetzt sind, gilt allgemein: Je
anspruchsloser eine Baumart ist, desto geeig-
neter ist sie für den Straßenraum. Das sind solche
Arten, die mit den extremen Standortbedin-
gungen bzgl. Stadtklima, Bodenhaushalt, Licht-
und Raumbedarf besonders gut zurechtkommen,
Arten mit einer breiten physiologischen Ampli-
tude. Dazu hat sich seit vielen Jahren die Empfeh-
lung einer umfangreichen Artenliste der „stän-
digen Konferenz der Gartenamtsleiter beim
Deutschen Städtetag“ (GALK)8 in der Praxis
bewährt. Dass dabei die regional unterschiedli-
chen Rahmenbedingungen die Eignung
bestimmter empfohlenen Baumarten ein-
schränken können, ist selbstverständlich. Bei-
spielsweise ist die Verbreitung bestimmter Schad-
insekten oder -pilze (z.B. Glanzkäfer an Weißdorn,
Splintkäfer an Eichen, Rußrindenkrankheit an
Ahornen) regional so unterschiedlich, dass dar-
aufhin die Verwendung von Bäumen aus der GALK-
Liste immer auch auf regionale Gültigkeit zu
prüfen ist.
Und doch ist bei allen regionalen Differenzen
bzgl. der Empfehlungen von Baumarten kein Aus-
wahlkriterium so relevant wie das des Stadt-
klimas. Kein anderer Faktor überlagert in den
letzten Jahren die Artenwahl, Bauweise und Pflege
von Straßenbaumpflanzungen so sehr wie die
Folgen des voranschreitenden Klimawandels, und
zwar deutlich über die Region hinaus. Darum wird
auch an dieser Stelle neben den anderen Umwelt-
faktoren dem Thema Stadtklima eine besondere
Bedeutung eingeräumt. So klingt es in diesem
Zusammenhang fast trivial, dass geeignete Bäume
stadtklimaresistent und immissionsfest sein
müssen und bei der Auswahl von geeigneten
Arten und Sorten nicht nur dem Urteil der Baum-
schulkataloge zu folgen, sondern auch hier die
eigenen Erfahrungen und vor allem die Empfeh-
lungen der Wissenschaft zu berücksichtigen. Die
8 GALK-Arbeitskreis Stadtbäume – siehe Anhang 1, „Bonner Stra-
ßenbaumliste“
größtmögliche Qualität angestrebt werden. Um
die bestmöglichen Lebensbedingungen für
Bäume in Straßen zu schaffen, dürfen es auch
durchaus weniger Baumstandorte sein: Nach dem
Prinzip „Klasse statt Masse“ sind die positiven
Effekte von weniger, aber optimal wachsenden
Bäumen größer als die von vielen an weniger gut
ausgebauten Standorten. Umso wichtiger
erscheint es in Zeiten des Klimawandels (höhere
Temperaturen, weniger Wasser), die neuen „Baum-
quartiere“ mit hohem Aufwand und großer Sorg-
falt herzustellen.
4.1 UMWELTFAKTOREN UND STANDORTAN-
FORDERUNGEN
Die Lebensdauer von städtischen Straßenbäumen
ist im Vergleich zum natürlichen Standort in der
freien Landschaft deshalb deutlich herabgesetzt,
weil die urbanen Bedingungen für Bäume erheb-
lich lebensfeindlicher sind:
 beengte und/oder gestörte Bodenverhältnisse
– Luft und Wassermangel, toxische Einflüsse,
 starke Strahlung und Erwärmung – direkt
durch Sonne, indirekt durch Gebäude und ver-sie-
gelte Oberflächen,
 Immissionen durch Stäube und Gase,
 Kaum natürlicher Nährstoffeintrag, da Laub
i.d.R. entfernt wird,
Hinzu kommen temporäre oder saisonal bedingte
Einflüsse:
 Tiefbauarbeiten im Wurzelraum oder im
Bereich von Stamm und Krone,
 Parkende Fahrzeuge über den Baumscheiben,
 Einträge von Streusalz im Winter,
 Verkehrsunfälle mit Stammschäden.
Dass sich die o.a. Faktoren negativ auf das
Wachstum der Stadtbäume auswirken, ist eine
genauso triviale wie folgenreiche Erkenntnis.
Genauso wie die Feststellung, dass Bäume in der
Stadt insgesamt weniger vital sind und damit
anfälliger für Schädlinge als ihre Geschwister inSeite 51 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht46 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
steht.12 Das Schwammstadt-Prinzip kann in
hohem Maße dafür sorgen, dass Stadtbäumen im
Straßenraum überleben, indem die Bäume Nieder-
schlagswasser deutlich intensiver nutzen als
bisher. Das Leitziel „Mehr Wasser zum Baum“ ist
ein innovatives System, das die gesunde Entwick-
lung großkroniger Bäume in befestigten Flächen
ermöglicht und gleichzeitig unterirdischen Reten-
tionsraum für die Niederschlagswässer schafft.
Beim Schwammstadtprinzip für Bäume handelt
es sich um eine Bauweise die es ermöglicht, dass
deutlich mehr Wurzelraum von Bäumen zielge-
richtet unter befestigte Flächen (Gehwege, Park-
plätze, Straßen) gelegt wird, ohne Schäden zu ver-
ursachen. Dafür muss der Straßenunterbau eine
geeignete Struktur aufweisen, die sowohl den
technischen Anforderungen des Straßenbaus als
auch den biologischen Ansprüchen von Bäumen
gerecht wird. Der zusätzliche Effekt ist die Schaf-
fung von Retentionsraum für Niederschlags-
wässer, dies entlastet das Kanalsystem und ver-
sorgt die Bäume auch in Trockenperioden.
Der Weg in Richtung Schwammstadt kann nur
interdisziplinär, also im Zusammenspiel von Stadt
– und Grünplanung, Siedlungswasserwirtschaft
und Tiefbau begangen werden, will man die über-
geordneten Ziele einer zukunftsfähige Stadtent-
wicklung mit Blick auf den Klimawandel errei-
chen, die da lauten:
 Förderung des „natürlichen“ Wasserhaushalts
 Erweiterung des Abkopplungspotentials vom
Mischwasserkanal
 Hochwasserschutz/Überflutungsvorsorge
 gesteigerte Baumvitalität durch Bewässerung
 Hitzevorsorge: Besseres Kleinklima durch
 vitale Bäume – sorgen für
 erhöhte Verdunstung / Kühlungseffekt /
Beschattung
12 Das Prinzip beruht auf einer zeitweisen Aufnahme und einer
verzögerten Abgabe des Regenwassers. Dabei werden große Teile
des anfallenden Regenwassers aufgefangen und wie bei einem
Schwamm zurückgehalten. Die Wasserabgabe erfolgt über die Ver-
dunstung der Vegetation oder zeitverzögert über die Bodenpassage
ins Grundwasser.
Verwendung der Klimaarten-Matrix der Univer-
sität Dresden (KLAM – siehe Anhang) 9 ist in diesem
Zusammenhang genauso einschlägig wie aktuelle
Forschungen der Bayrischen Landesanstalt für
Weinbau und Gartenbau10 , die unter dem Motto
„Neue Bäume braucht das Land“ über viele Jahre
zahlreiche (neue) Arten und Sorten auf Klimaver-
träglichkeit untersucht hat.
Selbstverständlich ist das Thema Klimawandel
nicht ohne Folgen für den Boden- und Wasser-
haushalt von Stadtbäumen. Geeignete Böden sind
in der Regel schwach bindige - (Bodengruppen 4
und 5) bis bindige Böden (Bodengruppen 6 und 7,
nach DIN 18915). Bei einer Neupflanzung sollte
dem Baum mindestens 12 m3 durchwurzelbarer
Raum zur Verfügung stehen. Der Luftgehalt im
Boden muss mind. 10 Vol. % betragen, ansonsten
sterben die Wurzeln ab und der Baum ist nicht
mehr standfest. Die Wasserdurchlässigkeit sollte
einen hohen bis sehr hohen Wert aufweisen (kf-
Wert von 1,0 x 10-6 m/s). In der Regel werden bei
Pflanzungen im Straßenraum aufgrund der meist
sehr schlechten Bodenverhältnisse Maßnahmen
zur Bodenverbesserung oder direkt ein Bodenaus-
tausch durchgeführt. Diese Maßnahmen sind in
den Empfehlungen für Baumpflanzungen der FLL
(Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung
Landschaftsbau)11 ausführlich beschrieben und
sind aus einer zeitgemäßen Vegetationstechnik
im öffentlichen Raum nicht mehr wegzudenken.
(siehe verschiede varianten / Bauweisen in Anhang
3)
EXKURS Regenwasser leiten, sammeln, speichern
Keine Diskussion um eine nachhaltige Stadtent-
wicklung kommt mehr um die Idee der Schwamm-
stadt herum, welche in der Fülle von Themen den
Zusammenhang von Straßenbäumen und Regen-
wasser als einen wichtigen Handlungsansatz ver-
9 KLAM ………………
10 „Projekt Stadtgrün 2021“, Abschlussbericht zum Forschungsvor-
haben KL14/02, Veitshöchheim 11/2017
11 FLL Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Land-
schaftsbau: „Empfehlungen für Baumpflanzungen“, Teil 2, Bonn 2015Seite 52 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 47
dem Gehölz. Der Nachteil ist, dass die Flächen-
größe einer klassischen Baumscheibe (nach FLL
6m²) nicht ausreicht, um das insgesamt anfallende
Wasser von Gehwegen und Straße zu fassen. Bei
ausreichend großen Straßenquerschnitten sollten
hier künftig Entwässerungsmulden zum Standard
werden, die bestenfalls in Kombination mit Stra-
ßenbaumpflanzungen agieren. Die DWA -A 138-113
13 Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Ab-
fall e.V. – Versickerungsanlagen,
Arbeitsblatt DWA-A 138 - Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur
Versickerung von Niederschlagswasser - Stand: 2022
 Erhöhung der Biodiversität
 Luftreinhaltung, Staubbindung
Im Folgenden werden einige aktuelle Praxisbei-
spiele beschrieben, welche die Autoren in ver-
schiedenen Städten des Landes planerisch
begleitet haben:
Zuleitung von Regenwasser über die Oberfläche
Der einfachste Weg ist, dass Regenwasser von
Gehwegen und Straßen über die Oberfläche in die
Baumscheiben zu leiten. Dies hat zum Vorteil,
dass der Bauaufwand gering ist und die Reini-
gungskraft durch die belebte Bodenzone als Filte-
rung des vom Verkehrsaufkommen belasteten
Regenwassers mitgenutzt werden kann. Zu-dem
ist das Wasser unmittelbar an der Pflanze bzw.
Oberflächige Wasserzuleitung durch Öffnung
der Baumscheiben
Oberflächige Wasserzuleitung durch Öffnung der Baum-
scheibenSeite 53 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht48 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Wasserzuleitung durch an die Baumgrube angeschlossene
Sinkkästen und Fallrohre
Wasserzuleitung über zwischengeschaltete Zisternen
Retentionsraum im Untergrund durch Anlage einer Baumrigole mit besonders speicherfähigem Baumsubstrat schaffen, ggf.
Verbindung vieler Baumstandorte durch Rigolenstrang, hier Praxisvorhaben aus der Stadt Essen, Bauherrin: Stadt Essen, Tief-
bauamt und GrünflächenamtSeite 54 von 65
Seite 55 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht50 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Praxisbeispiel: Punktueller Einbau einer Baumrigole im
Bestand, hier: Bochum-Goldhamme, Bauherrin: Stadt Bo-
chum, Grünflächen- und Tiefbauamt
Praxisbeispiel: Bau eines Rigolenstrangs als Ersatz einer
Regenwasserleitung mit Verbindung der einzelnen Baum-
standorte (hier: Bochum). Das Regenwasser fließt auch hier
aufgrund des natürlichen Längsgefälles durch alle Baum-
standorte. Bauherrin: Stadt Bochum Tiefbauamt
Praxisbeispiel: Bau eines Rigolenstrangs mit Verbindung der einzelnen Baumstandorte untereinander
(hier: grundsanierte Straße in Essen). Das Regenwasser fließt hier durch das natürlich Längsgefälle der
Straße durch alle Baumstandorte. Bauherrin: Stadt Essen Tiefbauamt und GrünflächenamtSeite 56 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 51
Praxisbeispiel: Rigolenanlage als Wasserspeicher im Bestand mit alten Linden;(hier Nieberdingstraße in Essen-Holsterhausen),
Bauherrin: Stadt Essen, Tiefbauamt und Grünflächenamt
Filterungsmöglichkeiten
Art und Umfang der Filterung von Straßenwasser
ist u.a. mit der unteren Wasserbehörde wie mit
den technischen Betrieben abzustimmen. Die Art
der Filterung hängt von der Belastung des einzu-
leitenden Regenwassers ab und von den Möglich-
keiten, die das Umfeld bietet:
 Kann über die belebte Bodenzone gefiltert
werden (auch hier macht die DWA-A 138 -1
Angaben),
 erfolgt die Filterung dezentral (z.B. über in Sink-
kästen/Abläufen eingebaute Substrate) oder an
zentraler Stelle (z.B. durch eine große Filteran-
lage).
 Neben der Belastung durch den Straßenverkehr
ist der mögliche Salzeintrag durch den Winter-
dienst zu berücksichtigen (Abstimmung mit der
Straßenunterhaltung, ggf. Verwendung salztole-
ranter Baumarten).
Substrate für Baumrigolen
Für die Baumrigolen muss das verwendete Subs-
trat insbesondere eine gute Luft – und Wasserver-
sorgung gewährleisten: Porenvolumen bzw. die
Speicherkapazität muss entsprechend hoch
sein. Eine Möglichkeit ist die Orientierung am
Stockholmer Modell mit einem groben Unter-
substrat und einem feinem klassischen
Baumsub-strat (nach FLL) in der oberen Schicht:
Das untere Substrat ist mit Feinsubstrat einge-
schlämmtes Grobschlagmaterial. Zum Ein-
schlämmen wird ein Gemisch aus Sand und mit
Nährstoffen aufgeladene Pflanzenkohle ver-
wendet. Neben den günstigen Luft- Wasserbe-
dingungen, ist die Substratmischung durch den
Grobschlag überfahrbar, also ideal geeignet für
Verkehrsflächen.Seite 57 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht52 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
werden, weil mittlerweile überwiegend schlechte
Erfahrungen über ihr Verhalten am Extrem-
standort Straße vorliegen. So sind auch alle flach
wurzelnden Bäume problematisch, wie z. B. Birke
oder Silber-Ahorn (Acer saccharinum) sowie solche
mit ausladenden oder hängenden Kronenformen
(z. B. Sophora japonica `Pendula` - Hän-gender
Schnurbaum, Tilia euchlora – Krim-Linde). Auch
die meisten fruchttragenden Arten können an
Straßen problematisch sein, weil die Akzeptanz
der Anlieger gegenüber Fruchtfall teilweise sehr
gering ist. Selbst die heute nach dem Stand der
Wissenschaft empfohlenen Baumarten und
-sorten2 stellen nur eine Art Momentaufnahme
dar, die schon in einer oder zwei Generationen
wieder durch neue Erkenntnisse, insbesondere
aufgrund des fortschreitenden Klimawandels,
korrigiert werden müssen.
Wirklich optimale Voraussetzungen für eine Pflan-
zung an Straßen hätte der ideale, gleichwohl vir-
tuelle Straßenbaum mit folgenden Eigenschaften:
 schlank: eine schmale Kronenform passt auch
in enge Straßenschluchten,
 aufastbar: ein durchgehender Leittrieb ermög-
licht die Einhaltung des Lichtraumprofiles,
2 Roloff, Andreas: „An Trockenstress angepasste Baumarten“ in
Baum- und Bodenseminar Jena, 3-4. 3. 2020, Tagungsband – Liste der
Baumarten im Anhang
Praxisbeispiel: Grobschlag (bspw. Grauwacke 100/150mm) und nachfolgendes Einschlämmen von Feinsubstrat mit Mischung
aus Sand und aufgeladener Pflanzenkohle (hier: Wasserstraße in Bochum-Ehrenfeld).
4.2 AUSWAHL DER BAUMARTEN
Wie bereits einleitend ausgeführt muss im Stra-
ßenraum vorrangig die physiologische Eignung
und die Gestaltungsabsicht berücksichtigt
werden, daher sollten auch häufiger nicht-heimi-
sche Baumarten eingesetzt werden (z. B . der
Amberbaum - .Liquidambar styraciflua - oder die
Ungarische Eiche - Quercus frainetto). Nicht
zuletzt, weil langjährige Studien über Klimaver-
träglichkeit von Bäumen1 an verschiedenen
urbanen Standorten die Folgerung nahelegen,
dass eine zeitgemäße Stadtbaumkultur auf nicht-
heimische Baumarten nicht mehr verzichten
kann. Die sogenannten „Zukunftsbäume“ oder
„Klimabäume“ haben – bei allen von Baumschulen
gepflegten Marketingaspekten – ihre Berechti-
gung. Beruhen sie doch auf langjährigen praxis-
nahen Versuchsreihen in verschiedenen deut-
schen Städten wie z. B. Dresden, Hof, Kempten,
München oder Würzburg.
Einige in der Vergangenheit beliebte Arten wie
Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) oder Ross-Kas-
tanie (Aesculus hippocastanum) wurden noch vor
wenigen Jahren sehr häufig im Straßenraum ver-
wendet. Sie können heute nicht mehr empfohlen
1 Institute für Forstbotanik TU Dresden, Bayerische Landesanstalt
für Weinbau und Gartenbau, VeitshöchheimSeite 58 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 53
 keine Wurzelausläufer: bei Baumaßnahmen
können Wurzeln beschädigt werden, dabei
dürfen keine Ausläufer gebildet werden,
 robuste Rinde: schützt vor Hitze und Beschädi-
gungen (zumindest bis zu einem gewissen Grad),
eine korkige Borke isoliert (z. B. Amberbaum, Feld-
Ahorn, Platane),
 wenig Fruchtfall/kein Honigtau: große Früchte
erhöhen den Pflegeaufwand und beschmutzen/
beschädigen ggf. parkende Fahrzeuge (z.B. Kasta-
nien, Eicheln, Linden)
 geringer Totholzanteil: einige Baumarten
bilden viel Totholz wie z. B. Eschen, Platanen,
Ahorn.
Selbstverständlich existiert der „ideale“ Straßen-
baum nicht. Die meisten Baumarten bieten in dem
einen oder anderen Aspekt bessere Eigenschaften,
so dass jeweils die Art oder Sorte auszuwählen ist,
welche dem betreffenden Standort am besten
gerecht wird.
Schmale Kronenform bei Acer rubrum `Scanlon` wie hier in
Bochum
Alnus spaethii bildet einen durchgehenden Leittrieb und ist
damit gut aufzuasten
Die folgenden Eigenschaften zeichnen einige
Arten besonders aus:
Hitzeverträglichkeit: kleine bis mittelgroße
Bäume wie Acer campestre ´Elsrijk`- Feldahorn,
Burgen-Ahorne (Acer monspessulanum) oder Hop-
fenbuche – Ostrya carpinifolia; große Bäume:
Ungarische Eiche (Quercus freinetto), Silber-Linde
(Tilia tomentosa)
Wuchskraft: schnell wachsende Arten wie Alnus
spaethii – Purpur-Erle; Großbäume wie Stiel- oder
Trauben-Eiche (Quercus robur, Q. petraea), Hol-
ländische Linde (Tilia intermedia/eropaea)
Habitus: z. B. Säulenformen wie Säulen-Hain-Seite 59 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht54 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
buche (Carpinus betulus `Frans Fontaine`),
Schmalkroniger Rot-Ahorn (Acer rubrum
`Scanlon`)
kurzfristige Überflutungen vertragend, wie z.B.
über Rigolen: Italienische Erle – Alnus cordata,
Rot-Ahorn – Acer rubrum oder Amberbaum – Liqui-
dambar styra-ciflua,
Insektenfreundlichkeit: alle Linden-Arten,
Blumen-Esche – Fraxinus ornus, einige auch als
Straßenbaum geeignete Zier-Äpfel – Malus tscho-
noskii, Mehlbeeren wie Sorbus thuringiaca oder
Sorbus intermedia,
In diesem Fall ist genügend Raum für Großbäume vorhanden. Die hier gepflanzten Rot-
Eschen (Fraxinus pennsylvanica `Summit`) setzen einen angemessenen Rahmen für
den Straßenraum.
Falsche oder zu große Kronenformen wie hier bei der Platane
führen zu einseitiger Entwicklung.
Zu den gestalterischen Auswahlkriterien gehört
besonders das harmonische Zusammenspiel von
Bau- und Baumform. Filigranes Laub kann ein
schöner Kontrast zu großformatigen Wandgestal-
tungen sein. Kahle Fas-
saden können durch inter-
essante Blüten oder
Laubfärbungen aufge-
wertet werden. Eine unru-
hige Raumkante kann
durch eine Baumreihe mit
klaren, gleichmäßigen Kro-
nenformen deutlich
gefasst werden und har-
monischer wirken. Auf
diese Weise können Stra-
ßenbäume das Bild von
Gebäudestrukturen und
Verkehrsflächen positiv
beeinflussen. Die sorgfäl-
tige Abstimmung der
gestalterischen Aspekte
bei der Pflanzung von
Straßenbäumen ist also
unumgänglich. Auch der
Information der betrof-
fenen Bürger kommt eine
hohe Bedeutung zu:
Durch hohe Transparenz über geplante Baum-
pflanzungen kann die Akzeptanz erhöht und das
Bewusstsein und Verständnis für spätere Pflege-
eingriffe in "ihrer" Straße geschaffen werden.Seite 60 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 55
4.3 RAUMBEDARF UND ABSTÄNDE
Damit sich die Straßenbäume art- und funktions-
gerecht entwickeln können, benötigen sie unterir-
disch wie auch im Kronentraum den notwendigen
Platz. Dieser Raumbedarf wird nicht selten unter-
schätzt und führt damit – oft erst nach Jahren – zu
Konflikten mit angrenzenden Gebäuden, techni-
scher Infrastruktur oder unterirdischen Leitungen
und Kanälen.
Den artspezifisch unterschiedlichen Raumbedarf
beschreibt die folgende Grafik für ausgewach-
senen Exemplare:
Unterirdisch: ca. 300 m3, die Schichtdicke des
durchwurzelbaren Raumes kann bis zu 3 m bei
großen Baumarten betragen. Die DIN 18920 defi-
niert als Wurzelbereich die Kronentraufe zzgl.
1,50 m nach allen Seiten.
Oberirdisch:
 Bei Bäumen 1. Ordnung (bis 35 m Höhe, z. B.
Linde, Platane, Eiche):
über 4000 m3
 Bei Bäumen 2. Ordnung (bis 20 m Höhe. z. B.
Ahorn):
 über 1500 m3
 Bei Bäumen 3. Ordnung (bis 15 m Höhe, z. B.
Vogelbeere)
 über 1000 m3
Abb. 2: Entwicklungsraum, der einem Baum 1. Ordnung idea-
lerweise zur Verfügung stehen sollte
Für die Pflanzung von jungen Bäumen im Straßen-
raum empfiehlt die Forschungsgesellschaft für
Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau
(FLL), eine Pflanzgrube von 12 m³ Volumen herzu-
stellen. Die Tiefe soll mindestens 1,20 m betragen.
Die Baumscheibe soll nicht kleiner als 6 m² sein.
Ist es schon schwierig genug, im Straßenneubau
für die Bäume ausreichend Platz bereit zu stellen,
wird es bei nachträglich eingebauten Baumstand-
orten in bestehenden Stadtstraßen weitaus
schwieriger, dem nicht unerheblichen Raumbe-
darf gerecht zu werden, zumal die meist zahlreich
vorhandenen Leitungen und Kanäle den
geplanten Wurzelraum so eng tangieren, wie es
die fol-gende Graphik andeutet. So sind die
Abstände von Baumstandorten zu Leitung-
strassen immer gemäß Vertrag mit den Versor-
gern (Stadtwerke, Telekom, etc.) abzustimmen.
Der Abstand zu Kanälen in Längsverlauf sollte
mind. 2,50 m ab Kanalmitte betragen. Bei Hausan-
schlüssen werden gem. RAS-LP 4 (DIN 18920) eben-
falls ein Abstand von 2,50 m empfohlen. Dies kann
in der Praxis jedoch kaum eingehalten werden.Seite 61 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht56 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Trotz zahlreicher Vorschriften und Vorkehrungen
gibt es auch bei Einhaltung der Mindestabstände
keinen endgültigen Schutz für Leitungen und
Kanäle. In beengten Bereichen sind Mindestab-
stände und ausreichender Wurzelraum häufig
nicht vereinbar. In diesem Falle sollte wegen des
hohen technischen Herstellungs- und Unterhal-
tungsaufwandes kein Baumstandort installiert
werden.
Gleichwohl ist das Bemühen um
neue qualitätvolle Baumstand-
orte an vorhandenen Stadt-
straßen ein stetiges Ringen um
gute technische, oft auch innova-
tive Lösungen. Wie bereits zuvor
an einigen Praxisbeispielen
gezeigt, geht es dabei immer um
folgende Leitgedanken:
 Erweiterung des Wurzelraumes
- Entwicklungsraum in leitungs-
fernen Bereichen durch poren-rei-
ches Substrat schaffen,
 Lenkbarkeit der Baumwurzeln
nutzen - Leitungen in porenarmes
Substrat betten bzw. Gräben mit
porenarmem Substrat verfüllen.
Auch im Bereich von Oberleitungen
(Schienenverkehr) sind Baumpflan-
zungen, beispielsweise bei Verwen-
dung von Säulenformen, grundsätz-
lich möglich. Hier muss der Abstand
der Leitungen vom zu erwartenden
Kronendurchmesser mindestens 2,00
m betragen. Im Beispiel unten (An der
Josephshöhe, Auerberg) dürfe eine
Baumpflanzung jedoch im Grün-
streifen neben dem Bahnkörper nicht
möglich sein, weil der Abstand zu
Spann- und Fahrdrähten zu gering ist.
Neue Baumstandorte im Gehweg am
rechten Straßenrand mit einer schlanken Baumart
erscheinen jedoch möglich, wenn dabei der
Abstand zu den Leuchten von 3,00 – 5,00 m einge-
halten werden kann. Ebenso sind bei der Planung
von Baumstandorten die Kreuzungsbereiche,
Lichtsignalanlagen und Verkehrsschilder frei zu
halten.Seite 62 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 57
Bei Pflanzungen von Bäumen in Gehwegen,
muss dieser mindestens 3,00 m breit sein,
damit bei einer eine Mindestbreite der Baum-
scheibe von 1,50 noch eine Durchgangsbreite
von 1,50 (Kinderwagen, Rollstuhl) verbleibt.
Pflanzungen in benachbarten Bereichen wie
Stellplätzen (Quer- oder Längsaufstellung)
oder in der Fahrbahn sind jedoch zu bevor-
zugen.
In jedem Fall ist der Mindestabstand zwischen
Baumkrone (maximal zu erwartender Kronen-
durchmesser) und Gebäude von 1,00 m einzu-
halten, ebenso wie der Abstand zwischen
Baumstamm und Verkehrsraum (Straßenbord).
Beim nachträglichen Einbau von Baumstandorten
in Quartieren mit geschlossener Blockrandbe-
bauung (bspw. Poppelsdorf, Duisdorf-Mitte, Bad
Godesberg-Mitte) sind auch die Belange vder Feu-
erwehr zu beachten: In einer derartigen städte-
baulichen Situation ist die Einrichtung von Pflanz-
inseln vor Brandmauern zu bevorzugen, weil hier
das Leiterfahrzeug im Rettungsfall nicht stehen
wird. Selbst bei einem Abstand der Pflanzinseln
von 30 – 40 m gelingt es, mit neuen Bäumen in
einer baumlosen Straße große grüne Akzente zu
setzen. Und ganz nebenbei: Sie beanspruchen bei
einer Baumscheibenlänge von 3,00 m nur wenig
Parkraum.Seite 63 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume Zwischenbericht58 DANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB
Die Abstände von Bäumen untereinander sollen
so bemessen sein, dass Ihre Kronen sich art- und
sortengerecht entwickeln können. Damit sie ihren
natürlichen Habitus entwickeln, gelten folgende
Abstände als Orientierung:
 in Wohnstraßen: doppelter zu erwartender
Kronendurchmesser, mindestens aber 10 m,
 in Hauptstraßen: einfacher zu erwartender
Kronendurchmesser, mindestens aber 15 m,
 aus klimatologischer Sicht sind in Hauptver-
kehrsstraßen größere Abstände wegen des bes-
seren vertikalen Luftaustauschs sinnvoll,
 Mindestabstand zu Bestandsbäumen: 10 m
zwischen den KronenSeite 64 von 65
STADTBAUMKONZEPT – Straßenbäume ZwischenberichtDANIELZIK · LEUCHTER + PARTNER Landschaftsarchitekten mbB 59
4.4 PFLEGE UND UNTERHALTUNG
Gerade Straßenbäume benötigen wegen der ext-
remen Standortverhältnisse regelmäßig intensive
Pflege, um sich optimal entwickeln zu können.
Unmittelbar nach der Pflanzung braucht der
Baum eine Entwicklungspflege, die in der Regel 3
Jahre anhalten sollte. In dieser Zeit wird der Baum
vor allem regelmäßig gewässert, weil er in den
ersten Standjahren noch nicht über ein ausrei-
chend großes Wurzelsystem verfügt, das ihm ins-
besondere in den trockenen Monaten ein Über-
leben garantiert.
In den Folgejahren richten sich die zeitlichen Pfle-
geintervalle nach dem Baumalter, der Baumart
und den Standortbedingungen. Nach der Pflan-
zung muss der Baum so erzogen werden, dass er
die für die Funktionen in der Straße erforderlichen
Kriterien erfüllt. Dazu zählt das ausreichende
Lichtraumprofil (siehe Abbildung), ebenso das
Freihalten von Gebäuden und Verkehrsinfra-
struktur. Zudem müssen auftretende Fehlent-
wicklungen – Zwieselbildung oder ungünstige
Aststellung - beseitigt werden. Die entspre-
chenden Schnittmaßnahmen sind möglichst früh-
zeitig durchzu-führen, um größere Verletzungen
zu vermeiden. Der Erziehungs- und Aufbauschnitt
erfolgt in der Jugendphase und erstreckt sich über
eine Dauer von ca. 15-20 Jahren. In der sich
anschließenden Reifephase werden die zuvor
erreichten Pflegeziele weitergeführt. Die Reife-
phase beschreibt das 20. bis 50. Standjahr des
Baumes. In der sich anschließenden Altersphase
zeigen die Bäume nur noch einen geringen
Zuwachs. Die Pflege zielt dann auf Erhalt der Vita-
lität und Verkehrssicherheit ab.
Für die Erziehung in der Jugendphase sind je nach
Baumart 3 bis 5 Pflegeschnitte notwendig. Pro
Baum und Pflegedurchgang liegt der zeitliche Auf-
wand bei ca. 20 bis 30 Minuten. In der Reifephase
ist der Pflegeaufwand stark von der gepflanzten
Baumart und den Standortbedingungen abhängig.
Eine Kronenpflege sollte ca. alle 3 bis 5 Jahre
erfolgen. Der zeitliche Aufwand liegt bei ca. 30 bis
45 Minuten pro Baum und Durchgang. Bei Bäumen
in der Altersphase wird der Pflegeaufwand letzt-
lich durch die Vitalität beeinflusst. Eine Kronen-
pflege sollte hier alle 5 Jahre stattfinden. Der zeit-
liche Aufwand liegt bei ca. 60 bis 90 Minuten pro
Baum. Darüber hinaus muss in der Altersphase
mit einem Anstieg der Totholzbildung gerechnet
werden.
Je nach Zustand des Baumbestandes sind jähr-
liche Pflegedurchgänge notwendig, um die Ver-
kehrssicherheit aufrecht zu erhalten. Pro Baum
liegt der Zeitbedarf für die Totholzbeseitigung
zwischen ca. 15 und 45 Minuten. Bei einem Stra-
ßenbaumbestand von rund 30.000 Bäumen in
Bonn fallen also allein für die Unterhaltung und
Pflege der Straßenbäume etwa 15.000 Arbeits-
stunden an. Dies ent-spricht den Leistungen eines
Pflegeteams von 10-12 Personen, welches alleine
für die Pflege der Straßenbäume pro Jahr im Ein-
satz ist.
Trotz hohen Einsatzes in der Baumpflege kam es
in besonders trockenen Jahren 2018-2020 und 2022
zu erheblichen Problemen bei Straßenbäumen.
Bäume im 5.-10. Standjahr leiden schon in den
ersten Wochen der Trockenheit häufiger gewäs-
sert werden als in „Normaljahren“.Seite 65 von 65

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Datenstand: 02.11.2026, 19:01 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de