230483 · Mitteilungsvorlage
Transparenzbericht über den Umsetzungsstand zum Bürgerbegehren Radentscheid Bonn, 2021 bis 2022
Kerndaten
- Nummer
- 230483
- Art
- Mitteilungsvorlage
- Veröffentlicht
- 04.05.2023
- Letzte Änderung
- 16.09.2026
Beratungsfolge
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bonn Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg Aktuelle Informationen der Verwaltung
- Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Bad Godesberg Kenntnisnahme
- Sitzung der Bezirksvertretung Beuel Kenntnisnahme
Dateien
- Sammeldokument öffentlich Öffnen ↗
Volltext
Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.
Text anzeigen (82.437 Zeichen)
Mitteilungsvorlage öffentlich 230483 Die Oberbürgermeisterin Federführung: 61 Stadtplanungsamt Dezernat: Dez. III Transparenzbericht über den Umsetzungsstand zum Bürgerbegehren Radentscheid Bonn, 2021 bis 2022 Beratungsfolge Bezirksvertretung Hardtberg 16.05.2023 Aktuelle Informationen der Verwaltung Bezirksvertretung Bonn 23.05.2023 Kenntnisnahme Ausschuss für Mobilität und Verkehr 24.05.2023 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Bad Godesberg 31.05.2023 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Beuel 31.05.2023 Kenntnisnahme Bezirksvertretung Hardtberg 29.08.2023 Kenntnisnahme Mitteilung: Mit Annahme und Beschluss zum Radentscheid Bonn (DS 202321) wurde die Verwaltung mit der Umsetzung des Bürgerbegehrens beauftragt. Ziel sieben fordert eine transparente Umsetzung, darunter einen schriftlichen und jährlichen Bericht über den Umsetzungsstand der einzelnen Ziele, die Akquise von Fördermitteln und die Einbindung externer Akteur*innen. Dieser Bericht soll den politischen Gremien vorgelegt und in einer Bürgerversammlung erörtert werden. Da erst 2022 alle Radentscheid-Stellen im Stadtplanungsamt besetzt werden konnten, adressiert der vorliegende erste Bericht (Anlage 1) die beiden Umsetzungsjahre 2021 und 2022 gebündelt. Der Bericht wird am 31. Mai 2023 von 18.00 bis 19:30 Uhr der interessierten Öffentlichkeit im Haus der Bildung (Mühlheimerplatz 1, 53111 Bonn) vorgestellt und diskutiert. Anlage/n 2 Transparenzbericht Radentscheid Bonn 2021-2022 (öffentlich)Seite 1 von 49 Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022Seite 2 von 49 Seite 3 von 49 3Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Glossar 5 Vorwort 7 Highlights auf einen Blick 8 1 Der Radentscheid Bonn 11 1.1 Geschichte und Ziele des Radentscheid Bonn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 1.2 Gute Gründe für die Stärkung des Radverkehrs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 2 Die Verwaltung startklar machen 18 2.1 Von der Planung zur Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 2.2 Neue Personalstellen für die Radentscheid-Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 2.3 Verankerung der Radentscheid-Standards in den Planungsprozessen der Verwaltung . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2.3.1 Fahrradstraßen-Standard . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2.3.2 Standards und Prozess für das Aufstellen von Fahrradbügeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2.3.3 Umlaufsperren-Leitfaden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 2.4 Finanzierung der Radentscheid-Maßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 3 Umsetzungsstand des Radentscheid Bonn 2021 und 2022 24 Ziel 1: Sicheres, durchgängiges Radwegenetz für Bonn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Ziel 2: Neue Rad- und Gehwege für Bonn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Ziel 3: Große Ampelkreuzungen sicher gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Ziel 4: Sichere Einmündungen und Zufahrten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Ziel 5: Mehr Fahrradstellplätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 Ziel 6: Geh- und Radwege nutzbar halten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41 Ziel 7: Transparente Umsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 4 Fazit 43 Anhang 44 Impressum 48 InhaltSeite 4 von 49 4Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022Seite 5 von 49 5Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club AGFS Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte BMDV Bundesministerium für Digitales und Verkehr EFA Empfehlungen für Fußverkehrsanlagen ERA Empfehlungen für Radverkehrsanlagen Kfz Kraftfahrzeug ÖPNV Öffentlicher Personen Nahverkehr RASt Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen StVo Straßenverkehrsordnung VEP Verkehrsentwicklungsplan GlossarSeite 6 von 49 6Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022Seite 7 von 49 7Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Liebe Bonnerinnen und Bonner, liebe Interessierte, die Mobilitätswende in Bonn ist eine große Chance, unsere Stadt lebenswerter, kinderfreundlicher und klimagerecht zu gestalten. Der Umstieg auf umweltfreundliche Mobilitätsan- gebote, Rad, Bus, Bahn, oder zu Fuß gehen, trägt zum Klima- schutz bei und nimmt langfristig weniger versiegelte Fläche in Anspruch. Die Mobilitätswende ermöglicht allen Menschen wieder mehr Bewegungsfreiheit in der Stadt. Wir stärken die Verkehrs- arten, die von Kindern und Jugendlichen bereits in jungen Jahren auf ihren täglichen Wegen selbstständig genutzt werden können und machen sie sicherer. Fuß- und Radverkehr sind zentrale Säulen der Mobilitäts- wende. So ist die Vision einer lebenswerten, kinderfreund- lichen, sozial- und klimagerechten Stadt auch Antrieb der zivilgesellschaftlichen Initiative „Radentscheid Bonn“. Mit dem gleichnamigen Bürgerbegehren hat sie im Jahr 2020 über 28.000 Unterstützer*innen für den beschleunigten Aus- bau guter Fuß- und Radinfrastruktur in Bonn gewonnen. Das Bürgerbegehren definiert sieben verkehrspolitische Ziele, da- mit sich Menschen aller Altersklassen zu Fuß oder mit dem Rad im Straßenraum künftig sicher und komfortabel bewegen können. Mit dem Beschluss und der Annahme des Bürger- begehrens durch den Hauptausschuss der Stadt Bonn im Jahr 2021 ist der Fuß- und Radentscheid sowohl Planungsstandard als auch Zielvorgabe für die Rad- und Fußverkehrsplanung der Stadt Bonn geworden. Vor dem Hintergrund globaler Krisen brauchen wir geeignete Bewältigungsstrategien, um die vielschichtigen Herausforde- rungen unserer Zeit meistern zu können. Die Klimakrise ist die folgenreichste Bedrohung unserer Zeit. Hitze- und Flutwellen lassen die dramatischen Auswirkungen schon jetzt in unse- rer Region spürbar werden. Daher müssen wir auch als Stadt Bonn gemeinsam konsequent zukunftsorientiert handeln. Vor diesem Hintergrund ist die Umsetzung des Bürgerbegehrens „Radentscheid Bonn“ ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg in eine klimaneutrale und damit resiliente sowie krisenfeste Stadt Bonn. Der vorliegende Transparenzbericht dokumentiert die bis- herige Umsetzung der Radentscheid-Ziele durch die Stadt Bonn. Er zeigt auf, welche neuen Weichen für die Mobilitäts- wende in den letzten beiden Jahren in Bonn gestellt wurden. Er macht auch deutlich, dass wir erst am Anfang eines weiten Weges stehen. Daher gilt es in den kommenden Jahren, weiter „Strecke zu machen“. Wir möchten Sie als Bewohner*innen dieser Stadt informieren und in die Prozesse und Entscheidungen einbeziehen, hierzu dient unter anderem der nachfolgende Transparenzbericht. Katja Dörner, Oberbürgermeisterin und Helmut Wiesner, Dezernent für Planung, Umwelt und Verkehr der Bundestadt Bonn VorwortSeite 8 von 49 8Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Highlights auf einen Blick Im Vergleich zum Zeitraum 2019 bis 2020 hat sich der Ausbau Radentscheid-konformer Infrastruktur zwischen 2021 bis 2022 fast vervierfacht. Um die Radentscheid-Ziele umzuset- zen, soll sich das Ausbautempo in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Zwischen 2021 und 2022 hat sich einiges getan: ★ 6 ,6 km neue Radverkehrsanlagen wurden eingerichtet. ★ Entlang von 2,1 km Straßenraum wurde der Fußverkehr nochmals explizit gefördert. ★ Der Netzplan des Radverkehrs wurde weiterentwickelt und liegt der Politik zur Beratung und Abstimmung vor. ★ Ein aktualisierter Standard für Fahrradstraßen wurde er- arbeitet, Fahrradstraßen erhalten eine neue Regelbreite von 4,5 m und werden deutlicher markiert. ★ 704 Fahrradstellplätze wurden eingerichtet, unter ande- rem an 30 Mobilstationen. ★ Die Stadt Bonn verfügt über mehr Personalstellen zur Stärkung des Fuß- und Radverkehrs. 8Seite 9 von 49 9Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 30 km 2019-2020 Ausbau Radverkehrsanlagen gemäß Radentscheid- Anforderungen in km 30 25 20 15 10 5 2021-2022 2023+ 6,6 km 1,8 km 9Seite 10 von 49 10Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 2019 September 2019: Beantragung des Bürgerbegehrens „Radentscheid Bonn“ ANTRAG 2020 EINREICHUNG November 2020: Einreichung der Unterschriften an die Stadt Bonn, Prüfung und Zulässigkeit ANNAHME Februar 2021: Annahme und Beschluss des Bürgerbegehren „Radentscheid Bonn“ durch den Hauptausschuss 2021 2021-2026 UMSETZUNG 2021 bis 2026: Umsetzungszeitraum Bürger- begehren „Radentscheid Bonn“ durch die Stadt Bonn 2020 Mai bis September 2020: Unterschriftensammlung UNTERSCHRIFTEN Geschichte des Radentscheid BonnSeite 11 von 49 11Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 1 1 Geschichte und Ziele des Radentscheid Bonn Der Radentscheid Bonn ist ein Bürgerbegehren, das 2020 von der gleichnamigen Initiative ins Leben gerufen und vom Haupt- ausschuss der Stadt Bonn im Februar 2021 angenommen und beschlossen wurde. Das Bürgerbegehren definiert sieben ver- kehrspolitische Ziele für die Verbesserung der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur. Das Bürgerbegehren ist Teil einer deutsch- landweiten sozialen Bewegung für den Ausbau und die Verbesserung von Rad- und Fußinfrastruktur. In über 48 Städten und Kommunen sowie fünf Bundesländern gibt es vergleichbare Initiativen. Der Radentscheid Bonn ist ein wichtiger Baustein zur Umsetzung der Mobilitätswende in Bonn. Die folgenden Ziele sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre in Bonn umgesetzt werden: Stadtteile verbinden: Sicheres und durchgängiges Radwegenetz für Bonn Mit der Umsetzung eines durchgängigen Radwegenetzes sollen alle Stadtteile sicher und komfortable miteinan- der verbunden werden. Gut vorankommen: 75 km neue Rad- und Gehwege Die Stadt Bonn soll innerhalb von fünf Jahren insgesamt 75 km Radwege bzw. Radverkehrsanlagen einrichten, das entspricht 15 km pro Jahr. Mindestens 25 km dieser Radwege sollen baulich vor dem Befahren, Halten und Parken durch Kraftfahrzeuge geschützt werden und pro Fahrtrichtung eine Mindestbreite von 2 m aufweisen. Wo diese Vorgaben nicht realisierbar sind, können alternativ Umweltspuren oder Fahrradstraßen eingerichtet wer- den. Letztere müssen eine Regelbreite von 4,5 m aufweisen. Der Ausbau der Radinfrastruktur darf dabei nicht zu Lasten des Fußverkehrs gehen: Gehwege sind im Regelfall 2,5 m, in Ausnahmefällen 1,5 m breit zu halten. Sicher kreuzen: 30 große Ampelkreuzungen umgestalten Die gefährlichsten Unfälle für Radfahrer*innen passieren mitunter im Kreuzungsbereich, daher soll die Stadt Bonn Maßnahmen ergreifen, um diese sicher zu gestalten. Der Radentscheid fordert den Umbau von 30 großen Ampel- kreuzungen nach niederländischem Design, das entspricht einer jährlichen Zielsetzung von sechs Kreuzungen. Der Radverkehr erhält hierbei eigene Ampeln und durch Schutzinseln getrennte Wartezonen im vorgelagerten Sichtbereich des Kraftverkehrs; die Haltelinien für den Radverkehr liegen direkt an der zu querenden Fahrbahn. Die Schutzinseln verkleinern die Abbiegeradien der Kraftfahrzeuge (Kfz) und sorgen dabei für ideale Sichtbezie- hungen zwischen Kfz sowie Fuß- und Radverkehr. Wartezeiten werden mit bedarfsgesteuerten Ampeln minimiert. Priorität haben Kreuzungen mit besonderer Bedeutung im Radwegenetz oder hohem Verkehrsaufkommen. Sicher queren: 100 Einmündungen und Zufahrten sicher umbauen Bei Einmündungen von Neben- in Hauptstraßen sollen Fuß- und Radwege niveaugleich über den Einmündungs- bereich weitergeführt werden. Für den abbiegenden Kraftverkehr entsteht eine Bremsschwelle, die die Geschwin- digkeit des abbiegenden Kfz verlangsamt, den Vorrang des Rad- und Fußverkehrs hingegen verdeutlicht und die Barrierefreiheit fördert. Dieser Standard gilt auch für Grundstückseinfahrten und ist zudem bei allen Neu- und Umbauten zu berücksichtigen. 1. Der Radentscheid Bonn 3 1 2 4Seite 12 von 49 12Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Sicher parken: 15 000 Fahrrad-Abstellplätze schaffen Wer täglich mit dem Fahrrad pendelt, braucht nicht nur sichere Radverkehrsanlagen, sondern auch die Möglich- keit, das Fahrrad sicher abzustellen. Jährlich soll die Stadt Bonn daher 3.000 neue Fahrradabstellplätze einrich- ten, davon 600 Stellplätze in Fahrradboxen oder Parkhäusern. Die Verfügbarkeit sicherer Abstellanlagen ist für viele Menschen ein wichtiges Entscheidungskriterium für oder gegen den Kauf eines Lasten- oder Elektrofahrrads und damit in vielen Fällen auch für oder gegen den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad. Freie Fahrt: Geh- und Radwege nutzbar halten Die Stadt Bonn schafft und setzt neue Standards um, damit Geh- und Radwege jederzeit nutzbar sind. Hierunter fallen eine sichere und gleichberechtigte Baustellenführung des Fuß- und Radverkehrs, eine Prioritäre Parkraum- überwachung und die Ausweitung der Reinigungs- und Winterdienste auf Geh- und Radwege sowie die ganzjäh- rige Instandhaltung der Infrastruktur. Transparente Umsetzung: Die Bürger*innen mitnehmen Die Stadt Bonn berichtet transparent über die Planung und Umsetzung der Radentscheid-Maßnahmen. Mit dem vorliegenden Bericht, der aktualisierten Webseite und den geplanten Veranstaltungen zur Information von Politik und Bürger*innen kommt die Stadt Bonn dieser Forderung nach. 5 6 7 Ein Bürgerbegehren ist ein kommunales Instrument zur Initi- ierung eines politischen Entscheidungsprozesses durch die Bürger*innen selbst. Die Initiator*innen des Bürgerbegeh- rens formulieren eine politische Fragestellung und reichen diese bei der Stadtverwaltung ein. Die Stadtverwaltung erstellt eine Kostenschätzung, das heißt, sie ermittelt die Kosten, die im Falle einer erfolgrei- chen Umsetzung des beantragten Begehrens anfallen. Die Kostenschätzung ist Bestandteil der Fragestellung und wird den Unterzeichner*innen transparent vorgelegt. Jedes Bürgerbegehren muss – in Abhängigkeit zur Bevölke- rungszahl der Stadt – ein Quorum von Unterzeichner*innen erreichen. Erfüllt ein Bürgerbegehren dieses Quorum, muss sich der Stadtrat mit dem Beschluss befassen. Nach Fest- stellung der juristischen Zulässigkeit der Fragestellung, kann er ein Bürgerbegehren ablehnen oder diesem zustimmen. Lehnt er es ab, kommt es zum Bürgerentscheid, das heißt, die wahlberechtigte Stadtbevölkerung wird dazu aufgefor- dert, über die Fragestellung per Briefwahl abzustimmen. Der Bonner Stadtrat hat dem Radentscheid Bonn mit einer Mehrheit von 87 % zugestimmt.Seite 13 von 49 13Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 1 2 Gute Gründe für die Stärkung des Radverkehrs 1 Schub für die Mobilitätswende und den Klimaschutz Um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen, müssen mehr Menschen vom Auto auf den Rad- und Fußverkehr so- wie den ÖPNV umsteigen. Damit dies gelingt, braucht es eine Mobilitätswende. Mobilitätswende bedeutet, den motorisierten Verkehr zu ver- meiden und zu verlagern. Das Vermeiden von motorisiertem Verkehr beinhaltet Maß- nahmen, um das Verkehrsaufkommen insgesamt zu redu- zieren. Das können städtebauliche Maßnahmen sein, um die Wege in einer Stadt – zum Beispiel zwischen Wohn- und Arbeitsstätten – kurz zu halten oder Pendelverkehre durch die Förderung von Heimarbeit zu reduzieren. Unter Verlage- rungsstrategien versteht man hingegen die Förderung von Verkehrsarten, die im Vergleich zum Autoverkehr weniger energie- und flächenintensiv sind, darunter der ÖPNV, der Rad- und der Fußverkehr. Ausbau und Verbesserung der Fuß- und Fahrradinfrastruktur sind also wichtige Bausteine für die Mobilitätswende in Bonn. Da der Straßenraum in Bonn begrenzt ist, müssen die Flä- chen zwischen den Verkehrsarten fairer verteilt werden – das ist ein enormer Transformationsprozess, der nicht von heute auf morgen gelingt, sondern Übergangszeiten nötig macht. Denn Verbesserungen für den Rad- und Fußverkehr kön- nen nur Schritt für Schritt umgesetzt werden, die positiven Auswirkungen der Mobilitätswende werden daher auch erst Schritt für Schritt für alle spür- und sichtbar. 65% der Menschen in Deutschland benutzen das Fahrrad gerne oder sehr gerne. Eine bessere Radinfrastruktur macht das Radfahren im Alltag noch attraktiver. Das Fahrrad – ein beliebtes Verkehrsmittel 65% nutzen das Fahrrad gerne oder sehr gerneSeite 14 von 49 14Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 2 Platz fair verteilen In Bonn fahren immer mehr Menschen Rad. Zudem soll das Radverkehrsaufkommen laut Beschluss des Stadtrats von 2019 auf 25 % steigen. Um Konflikte und Unfälle mit Radfah- renden zu vermeiden und diese zu schützen, ist es besonders wichtig, dieser Mobilitätsform mehr Platz im Stadtverkehr ein- zuräumen. Der Radentscheid setzt hierfür neue Standards. Praxisbeispiel Umweltspur auf der Oxfordstraße: Verkehrsraum gerechter aufgeteilt Auf 40.000 ÖPNV-Nutzer*innen kommen auf der zentra- len Oxfordstraße in Bonn 24.000 Autos – mit meist nur einer Person an Bord. Die im Jahr 2023 neu eingerich- tete Umweltspur auf der Oxfordstraße sorgt somit nicht nur für eine sichere Radverkehrsführung, sondern auch für mehr Flächengerechtigkeit zwischen den ÖPNV-Nut- zer*innen und den Autofahrenden. Sie teilt die vorhan- dene Fahrbahnfläche effizienter zwischen den Verkehrs- arten auf. Der Umweltverbund wird hierdurch schneller, attraktiver und ermöglicht eine optimierte Auslastung der Oxfordstraße. Durch die abgestimmte Ampelschal- tung nutzen Busse und Fahrräder nur selten gemeinsam die Spur. 3 Verkehrssicherheit erhöhen In den vergangenen Jahren haben sowohl der Rad- als auch der Autoverkehr in Bonn zugenommen. Dadurch haben sich Konflikte um vorhandene Verkehrsflächen verschärft. Der wachsende Autoverkehr in Kombination mit Größen- und Ge- wichtssteigerungen der einzelnen Fahrzeuge erhöht Unfall- risiken für Radfahrende und wirkt sich zudem negativ auf das subjektive Sicherheitsempfinden aus. Eine gut ausgebaute Radinfrastruktur trägt dazu bei, sowohl das subjektive Sicherheitsempfinden zu verbessern als auch objektiv die Sicherheit zu erhöhen. Nur wenn Menschen sich im Straßenverkehr auf dem Fahrrad sicher fühlen, wagen sie den Umstieg vom Auto auf das Rad. An möglichst vielen Stellen soll deshalb der Radweg vom Autoverkehr baulich getrennt werden. Dadurch fühlen sich Radfahrende nach- weislich sicherer. Der Ausbau der Radinfrastruktur soll nicht auf Kosten des Fußverkehrs erfolgen, auch hier schlägt der Radentscheid eine getrennte Wegeführung vor, um zu Fuß- gehende zu schützen und die Attraktivität des Fußverkehrs zu steigern. Die häufigsten Unfallursachen zwischen Rad- und Auto- verkehr sind: • Abbiegeunfälle im Kreuzungsbereich aufgrund schlechter Sichtbeziehungen und fehlender Schulterblicke, • Zusammenstöße mit unachtsam geöffneten Autotüren, • Unfälle durch zu dicht vorbeifahrende Autos. Die objektive Sicherheit des Radverkehrs lässt sich daher am effektivsten durch die Schaffung ausreichender Sicherheits- abstände von mindestens 1,5 m zum fließenden und 0,75 m zum parkenden Autoverkehr erhöhen. Eine gute und sichere Radinfrastruktur braucht daher mehr Platz im Straßenraum. Der Radentscheid Bonn schlägt hier- für neue Mindestbreiten und Sicherheitsanforderungen für den Ausbau des Radverkehrs vor, an denen sich die Verkehrs- planung der Stadt Bonn ausrichtet. Je nach Geschwindigkeit verbraucht ein fahrendes Auto in der Stadt zwischen 25 bis 60 qm, denn mit steigender Geschwindigkeit nimmt auch der Platzbedarf für Bremswege und Sicherheitsabstände zu. Fahrräder ermöglichen eine individuelle Form der Mobilität, sind jedoch deutlich flächeneffizienter. Noch flächeneffizienter ist der ÖPNV, daher ist es wichtig, dass der Ausbau der Rad- und Fußinfrastruktur nicht zu seinen Lasten geht. Platzverbrauch verschiedener Verkehrsmittel 75 Menschen in 50 Autos Die Pkw auf deutschen Straßen sind im Durchschnitt mit 1,46 Personen pro Fahrzeug besetzt. Quelle: Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten 75 Menschen auf 75 Fahrrädern 1 Linienbus mit 75 FahrgästenSeite 15 von 49 15Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 4 Stau reduzieren Das Auto bringt individuell viele Vorteile mit sich – einmal angeschafft steht es vor der Tür allzeit bereit, uns äußerst komfortabel von A nach B zu bewegen. Diese individuellen Vorteile bringen in Städten jedoch kollektive Nachteile mit sich, denn Park- und Straßenräume sind begrenzt. In Bonn werden 31 % der Wege zwischen 0,5 und 5 km sowie 51 % der Wege zwischen 5 und 10 km mit dem Auto zurückgelegt – darin steckt viel Potenzial für die Verlagerung vom Auto- auf den Fuß- und Radverkehr in Bonn – oder den ÖPNV. Denn die Folgen für alle Verkehrsteilnehmenden sind spürbar: Stau, frustrierende Parkplatzsuche und Stress. Bonn ist Stauhauptstadt in Nordrhein-Westfalen. Wieso macht es gerade in dieser angespannten Situation Sinn, Ver- kehrsflächen zugunsten des ÖPNV sowie des Rad- und Fuß- verkehrs umzuwidmen? Der Ausbau von Rad- und Fußinfra- struktur lädt gerade bei kürzeren Strecken von weniger als 10 km zum Umstieg vom Auto auf das Fahrrad ein. Jede vom Auto auf das Fahrrad verlagerte Fahrt reduziert die Menge an Autos auf den Straßen und damit die Häufigkeit und Dichte von Staus. Nicht jede Fahrt ist für das Fahrrad geeignet und nicht jeder Mensch kann oder möchte mit dem Rad fahren. Menschen mit körperlichen Einschränkungen, der Lieferverkehr, aber (in Teilen) auch Handwerksbetriebe und Pflegedienste sind zum Beispiel auf das Kraftfahrzeug angewiesen. Steigen aber ins- gesamt mehr Menschen, für die dies möglich ist, auf das Rad oder Bus und Bahn um, bleibt denjenigen, die auf ein Kraft- fahrzeug angewiesen sind, mehr Platz auf Straßen und Park- plätzen. Anteil von Umweltverbund und Pkw-Nutzung an den Verkehrswegen in Bonn 41% Wege im motorisierten Individualverkehr ... davon 59% Wege im Umweltverbund 51,5% fahren unter 5 km 20% fahren 5 bis 10 km 28,5% fahren über 10 km Quelle: BMDV (Hrsg.) (2017): Mobilität in Deutschland. Anteil der Haushalte mit Fahrrad 76% mit mindestens 1 Fahrrad 24% ohne Fahrrad 44% nutzen das Fahrrad mehrmals die WocheSeite 16 von 49 16Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 5 Freie, gerechte und kinderfreundliche Mobilität ermöglichen Nicht jeder Mensch ist in der Lage, Fahrrad zu fahren. Das gilt allerdings auch andersherum: Nicht alle Bonner*innen sind in der Lage, Auto zu fahren oder wollen dies. Viele können sich kein Auto leisten, einige trauen sich das Fahren nicht zu, wieder andere sind dazu gesundheitlich nicht in der Lage. Ein gleichberechtigter Ausbau der Infrastruktur zwischen Kraft-, Rad- und Fußverkehr sowie dem ÖPNV erhöht daher die Wahl- freiheit der Bonner*innen, welches Verkehrsmittel sie nutzen möchten. 2021 besaßen jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in Deutschland keinen Auto-Führerschein. Frauen leiden somit häufiger unter den Einschränkungen eines unzureichenden Angebots des Umweltverbunds. 16,7 % der Bonner Bevölkerung ist zudem unter 18 Jahren alt. Auch diese Bevölkerungsgruppe ist auf den Umweltver- bund angewiesen, wenn sie sich selbständig zur Schule, zu Freund*innen oder zum Sport bewegen möchte. In den vergangenen 70 Jahren lag der Fokus auf der Planung autogerechter Städte. Eine gleichberechtigte Mobilität erfor- dert daher nun eine besondere Förderung und den Ausbau des Rad- und Fußverkehrs. Denn Fuß- und Radverkehr ver- einen den Anspruch von umweltfreundlicher und individueller Mobilität. 6 Bonn wird lebenswerter Menschen bewerten diejenigen Städte als besonders lebens- wert, die sich durch großzügige öffentliche Räume für Begeg- nung, Grün sowie wenig Verkehrsstau und -lärm auszeichnen. Laut des Radentscheid Bonn sollen durch die Verbesserung der Rad- und Fußinfrastruktur wieder mehr Begegnungs- räume für die Bonner*innen entstehen und weniger Verkehrs- lärm soll sie belasten. Bessere Bedingungen für Radfahrende und Fußgänger*innen sollen zum Umstieg auf das Fahrrad oder zum Zufußgehen einladen. Gelingt die Mobilitätswende, steht den Bonner*innen zukünf- tig mehr Platz für Grünflächen und Aufenthaltsorte zur Ver- fügung. Das Fahrrad ist meist eines der ersten Verkehrsmittel, das Kinder selbständig nutzen können.Seite 17 von 49 17Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 7 Forderungen der Mehrheit umsetzen Der Radentscheid Bonn hat von Mai bis September 2020 insgesamt 28.074 Unterschriften gesammelt. Am 4. Februar 2021 wurde der Radentscheid Bonn für zulässig erklärt und mit den Stimmen von Grünen, CDU, SPD, Linke, Volt, Rhein Grün und Die Partei – also mit insgesamt 87 % der Stimmen – im Hauptausschuss angenommen. Der Radentscheid Bonn gilt – sowohl mit Blick auf die An- zahl der gesammelten Unterschriften als auch mit Blick auf die sehr hohe politische Zustimmung – als das bis- her erfolgreichste Bürgerbergehren in der Geschichte der Bundesstadt Bonn Er ist damit auch als ein starkes demokratisches Votum für die Mobilitätswende in Bonn zu verstehen 2021 besaßen jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in Deutschland keinen Auto-Führerschein. Frauen sind daher ganz besonders auf ein attraktives Angebot des Umweltverbundes angewiesen. Quelle: Verbrauchs- und Medienanalyse (2021) Anteil der Menschen ohne Kfz-FührerscheinSeite 18 von 49 18Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Die Ziele des Radentscheid Bonn markieren einen Paradig- menwechsel in der Bonner Verkehrsplanung. Denn Rad- und Fußverkehrsanlagen sollen deutlich mehr Platz im Straßen- raum erhalten und – wo möglich – getrennt und geschützt vom Autoverkehr eingerichtet werden. Der Radentscheid ist damit ein Treiber für die Mobilitätswende in Bonn. Die Ausbaurate guter Radverkehrsinfrastruktur, gemäß dem Radentscheid-Standard, hat sich zwischen 2021 bis 2022 im Vergleich zu den Vorjahren 2019 und 2020 fast vervierfacht. Dennoch konnten die Jahresziele des Radentscheid in den ersten beiden Umsetzungsjahren nur ansatzweise erfüllt wer- den. Das hat unterschiedliche Gründe. Damit die Umsetzung des Radentscheid gelingt, mussten Standards und Verfahren innerhalb der Stadtverwaltung neu ausgehadelt und angepasst werden. Auch brauchte es neues Fachpersonal für die Planung, Koordination und Ausführung der Maßnahmen. Diese Stellen mussten erst geschaffen, aus- geschrieben und neu besetzt werden. Aufgrund des aktuel- len Fachkräftemangels bei Verkehrsingenieur*innen gestaltet sich dieser Prozess weiterhin als besonders herausfordernd und konnte noch nicht vollständig abgeschlossen werden. Hinzu kommt: Planungsprozesse für den Neubau von Infra- struktur folgen festgelegten Abläufen und Leistungsphasen, sie sind sehr abstimmungs- und dadurch zeitintensiv. Von der Neuplanung zur Umsetzung vergehen daher oftmals mehrere Jahre. Der vorliegende Bericht wirft daher einen Blick hinter die Kulissen der Verwaltung und zeigt auf, wo Weichen für eine beschleunigte Radverkehrsplanung gestellt werden konnten und wo derzeit auch Grenzen liegen. In Kapitel 3 wird neben dem aktuellen Umsetzungsstand zudem aufgezeigt, welche weiteren Projekte sich in der Planung befinden und in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. 2 1 Von der Planung zur Umsetzung Bei der Planung neuer Radverkehrsanlagen müssen sich Städte an den neun Leistungsphasen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) orientieren. Die HOAI ist eine Rechtsverordnung der Bundesregierung, die zum einen die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen in Deutschland regelt. Zum anderen bildet sie den Orientie- rungsrahmen für die Anforderungen sowie den Umfang von Planungsprozessen und unterteilt diese in neun Leistungs- phasen. Diese Phasen gliedern sich im Groben in die Stufen: Grundlagenermittlung, Vorplanung, Ausführungsplanung, Ausbau und Instandhaltung. Des Weiteren müssen Projekte in ihren unterschiedlichen Pla- nungsphasen durch politische Beschlüsse legitimiert werden. Planungsprozesse müssen mit den Fristen der politischen Ausschusssitzungen synchronisiert und es müssen zumeist mehrere Varianten für die politische Beratung erarbeitet wer- den. Da der Radentscheid nur Standards für Planungen und jährliche Ausbauraten definiert, müssen alle Radentscheid- Projekte die politischen Beschlussverfahren einzeln durch- laufen. Hinzu kommt: Teilweise werden komplexe Planungen, aber in jedem Fall die Ausführungs-, Bau- und Markierungsarbeiten an externe Dienstleister vergeben. Auch hier muss sich die Verwaltung an Vergabeverfahren und -fristen halten und ist vom erfolgreichen Ausgang dieser abhängig. Nicht nur Kom- munen, auch Planungsbüros und Bauunternehmen haben derzeit häufig mit Personalmangel zu kämpfen. 2 2 Neue Personalstellen für die Radentscheid-Umsetzung Zur Umsetzung des Radentscheid wurden die personellen Ka- pazitäten in der Stadtverwaltung ausgebaut. Hierbei wurden zusätzliche Personalstellen sowohl für die Rad- und Fußverkehrsplanung, die Verkehrsraumüberwa- chung sowie die Projektkoordination und -Kommunikation geschaffen. 2. Die Verwaltung startklar machenSeite 19 von 49 19Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Neue Personalstellen für die Radentscheid-Umsetzung Amt Aufgabengebiet Zusätzliche Stellen seit 2021 Stadtplanungsamt, Abteilung für Mobilität und Verkehr Die Abteilung „Mobilität und Verkehr“ im Stadtpla- nungsamt übernimmt die Konzeptionsplanung und Steuerung der unterschiedlichen Verkehrs- und Mobilitätskonzepte für die Stadt Bonn. Hier ist auch das Team für Fuß- und Radverkehr angesiedelt. Die- ses entwickelt die Konzepte für die Fuß- und Rad- verkehrsförderung und stößt Planungsprozesse an. Für die Umsetzung des Radentscheid wur- den zwei Stellen für die Radverkehrspla- nung sowie eine Stelle für die Projektkoor- dination und -Kommunikation geschaffen. Darüber hinaus wurde eine Stelle explizit für den Fußverkehr eingerichtet. Tiefbauamt Das Aufgabengebiet des Tiefbauamtes im Verkehrs- bereich erstreckt sich im Wesentlichen auf den Neubau und die Unterhaltung der städtischen Ver- kehrsanlagen. Hierbei übernimmt das Tiefbauamt die Ausführungsplanungen, das heißt es übersetzt die Konzepte und Planungen des Stadtplanungs- amtes in detaillierte Bau- und Markierungspläne, beauftragt und begleitet externe Dienstleistungs- sowie Baufirmen und kontrolliert die Umsetzung. Außerdem koordiniert das Amt alle Baustellen im öffentlichen Straßenbereich. Im Rahmen des Radentscheid wurden ins- gesamt drei Stellen geschaffen, die seit September 2021 permanent ausgeschrie- ben sind. Hiervon konnte lediglich eine Stelle besetzt werden. Diese personellen Engpässe erschweren die zeitnahe Umsetzung der Radentscheid- Ziele massiv. Ordnungs- und Straßenverkehrs- behörde Die Straßenverkehrsbehörde ist die für die Aus- führung und Überwachung der Straßenverkehrs- ordnung (StVO) zuständige Verwaltungsbehörde. Sie übernimmt die Verkehrsregelungspflicht – das heißt sie überprüft alle vorgelegten Konzepte und Verkehrsplanungen auf StVO-Konformität und ord- net alle damit einhergehenden Verkehrsreglungen (also alle Schilder, Markierungen etc.) an. Für die Umsetzung des Radentscheid wur- den im Rahmen der Verkehrsüberwachung zwei Personalstellen geschaffen. Darüber hinaus wurden weitere Stellen ge- schaffen, die auf die Umsetzung des Rad- entscheid einzahlen: Darunter zwei Stellen für das Parkraum- konzept Venusberg und acht Stellen für die Umsetzung der gesamtstädtischen Park- raumstrategie, sowie weitere vier Stellen für die generelle Verkehrsüberwachung.Seite 20 von 49 20Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 2 3 Verankerung der Radentscheid-Standards in den Planungsprozessen der Verwaltung Der Radentscheid Bonn gilt seit 2021 als fester Bezugsrah- men für die Verkehrsplanung der Stadt Bonn. Die Einigung auf Standards zwischen den an der Planung beteiligten Ämtern ermöglicht es, künftige Abstimmungsprozesse zu vereinfa- chen, da man sich auf gemeinsame Planungsgrundsätze ver- ständigt hat. 2 3 1 Fahrradstraßen-Standard Gemäß den Radentscheid-Vorgaben und dem geltenden Stand der Technik wurde in der Stadtverwaltung Bonn ein Standard zur Einrichtung und Markierung von Fahrradstraßen abgestimmt und verbindlich festgeschrieben: Ab 2023 wer- den alle neuen Fahrradstraßen in einem neuen Markierungs- design ausgewiesen. Sie erhalten eine Mindestbreite von 4,5 m – an Engstellen kann sich die Fahrbahn unter Berück- sichtigung der örtlichen Gegebenheiten jedoch kurzzeitig auf 4 m verschmälern. Fahrradstraßen sollen weitestgehend vom Kfz-Durchgangsverkehr freigehalten werden. Der neue Markierungsstandard beinhaltet im Einmündungs- bereich das Verkehrszeichen 244 „Fahrradstraße“, das eben- falls als Markierung auf den Boden aufgetragen wird. Die schon aktuell verwendeten weißen, auf der Fahrbahn aufge- brachten Fahrradpiktogramme sowie die Zahl „30“ zur Ver- deutlichung des Tempolimits werden auch weiterhin zur Mar- kierung genutzt. Zusätzlich erhalten die Fahrradstraßen am Rand eine durch- gehende rote Linie als Markierung. Diese Linie hat nach Straßenverkehrsordnung keinen Regelungsgehalt, sorgt aber für besonders hohe Aufmerksamkeit. Sie macht allen Ver- kehrsteilnehmenden jederzeit bewusst, dass sie nicht auf einer „normalen“ Straße unterwegs sind – ganz gleich auf welcher Höhe der Straße sie sich befinden. Die rote Rand- markierung verdeutlicht zudem visuell die Vernetzung aller Fahrradstraßen, die meist parallel zu den Hauptstraßen auf autoärmeren Straßen verlaufen. Da es in den gängigen deutschen Regelwerken keine einheit- liche Vorgabe zur Ausgestaltung von Fahrradstraßen gibt, war der Abstimmungsbedarf hier besonders hoch – intern wie ex- tern. Das neue Markierungsdesign musste mit Akteur*innen aus der Stadt, der Straßenverkehrsbehörde, der Polizei und der Bezirksregierung abgestimmt werden. Neuer Markierungsstandard für Bonner Fahrrad- straßen hier am Bei- spiel des Rheinufers.Seite 21 von 49 21Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Rechte und Pflichten in Fahrradstraßen: In Fahrradstraßen gibt der Radverkehr das Tempo an, das heißt Radfahrende dürfen jederzeit nebeneinander fahren. Fahrradstraßen sind zudem ein wichtiges Instrument, um dem Radverkehr eine komfortable Reisegeschwindigkeit in einem zusammenhängenden Netz zu ermöglichen. Daher werden die neu markierten Fahrradstraßen in Bonn weitest- gehend vorfahrtsberechtigt sein. Der Radverkehr soll in Fahr- radstraßen dank der Bevorrechtigung die vorherrschende Verkehrsart werden. Kfz sind in einer Fahrradstraße dagegen „zu Gast“ – vorausgesetzt die Fahrradstraße ist für den Kraft- verkehr freigegeben. Zwar dürfen Kfz überholen, aber nur dann, wenn die geltenden Sicherheitsabstände von 1,5 m zum Radverkehr eingehalten werden können – in vielen Bon- ner Fahrradstraßen ist dies meist nicht möglich, Kfz müssen also hinter den Radfahrenden bleiben, da ein sicheres Über- holen so nicht möglich ist. 2 3 2 Standards und Prozess für das Aufstellen von Fahrradbügeln Die Stadt Bonn hat Standards für das Aufstellen von Fahr- radbügeln entwickelt und darauf aufbauende Systemskizzen angefertigt. Systemskizzen sind standardisierte Planungsvor- lagen für unterschiedliche Anwendungsfälle, mit deren Hilfe derzeitige und künftige Planungen beschleunigt abgewickelt werden können. Darüber hinaus wurde der Abstimmungs- prozess innerhalb der Verwaltung zur Aufstellung der Bügel angepasst. Ziel der Maßnahmen ist es, die Ausbaurate von Fahrradbügeln zu erhöhen und die Standortprüfung innerhalb der Verwaltung deutlich zu beschleunigen. Standardisiert wird in Zukunft das Modell Kreuzberger Bügel in der Farbe anthrazit aufgebaut – vielen Bonner*innen sollte dieser Bügel aus dem Stadtbild bereits bekannt sein, da sich dieser Fahrradständertyp in den letzten Jahren gut bewährt hat und bereits an vielen Stellen im Stadtgebiet eingesetzt wird. 2 3 3 Umlaufsperren-Leitfaden Eine Umlaufsperre ist eine Anordnung von Gittern, die am Ende eines Weges aufgestellt werden. Sie erzeugen eine Bar- riere, die in Form einer Schlangen- oder Z-Linie umlaufen oder umfahren werden muss. Umlaufsperren stehen oftmals an Querungsstellen von Radwegen und Straßen, wenn schlechte Sichtverhältnisse oder ein besonders hohes Verkehrsaufkom- men eine Gefährdung des Rad- und Fußverkehrs darstellen. Durch die Umlaufsperren wird der Rad- und Fußverkehr vor der Querungsstelle abgebremst, so soll die Aufmerksamkeit erhöht werden. Umlaufsperren sind für Menschen mit Fahrradanhänger, Las- tenrad, Liegerad oder Dreirad oft jedoch nur schwer passier- bar. Bereits die Durchfahrt mit normalem Fahrrad und Pack- taschen kann schwierig sein. Auch Rollstuhlfahrende oder Menschen mit Kinderwagen oder Gehhilfe können durch die Aufstellung von Umlaufsperren behindert werden. Um dem Radentscheid-Ziel 1 (durchgängiges Rad- und Gehwegenetz) Rechnung zu tragen, wurde in der Verwaltung daher ein Leit- faden erarbeitet, um Alternativen zum Einsatz von Umlauf- sperren aufzuzeigen. Demnach sind Umlaufsperren künftig in Bonn grundsätzlich zu vermeiden und vorrangig andere pla- Die Fahrradständer des Models „Kreuzberger-Bügel“ gibt es bereits an vielen Orten in der Stadt, wie hier in der Bonner Südstadt.Seite 22 von 49 22Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 nerische Mittel zu prüfen, um potenziell konfliktreiche Que- rungsstellen verkehrssicher zu gestalten. Hierunter fallen beispielsweise klare Markierungslösungen zum Aufzeigen der verkehrsrechtlichen Situation oder auch verlangsamende Markierungen, die Radfahrende frühzeitig auf den Konfliktpunkt aufmerksam machen. Ist eine Mar- kierungslösung nicht ausreichend, kann anstelle von Um- laufsperren auf andere bauliche Elemente zurückgegriffen werden, die den Verkehr abbremsen. Diese sind je nach An- wendungsfall im Einzelfall zu prüfen. Die Anordnung und da- mit die Entscheidung über das Aufstellen oder Entfernen von Umlaufsperren erfolgt durch die Straßenverkehrsbehörde. Wenn Umlaufsperren erforderlich sind, sollten sie stets so bemessen sein, dass einerseits ein bequemes und sicheres Durchfahren möglich ist, andererseits der bremsende Cha- rakter erhalten bleibt. Ziel ist es, Menschen an der Durch- und Weiterfahrt nicht zu behindern, daher sollte die Einrich- tung so erfolgen, dass Rollstuhl- und Lastenradfahrende die Umlaufsperre problemlos passieren können. Hierfür sollte der Abstand zwischen den Umlaufsperren bei allen Wegbrei- ten mindestens 1,5 m betragen. Die Gitter sollen sich hier- bei nicht überlappen. Nach Möglichkeit und Wegbreite sollen die Gitter diagonal im 45-Grad-Winkel aufgestellt werden, um auch Lastenrädern und Fahrrädern mit Kinderanhängern das Durchfahren ohne besondere Schwierigkeiten zu ermög- lichen. Umlaufsperren sollen nur noch in Ausnahmefällen aufgestellt werden können, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden. Einfahrtbreite mindestens 1,50 m Abstand zum nächsten Konfliktpunkt mindestens 3,00 m Aufstellung im 45° Winkel Abstand mindestens 1,50 m Systemskizze für das Aufstellen von UmlaufsperrenSeite 23 von 49 23Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 2 4 Finanzierung der Radentscheid-Maßnahmen Zwischen 2021 und 2023 wurden folgende Mittel für den Aus- bau und die Instandhaltung von Radverkehrsinfrastruktur ge- tätigt, worunter primär die Maßnahmen zur Umsetzung des Radentscheid fallen. Es flossen Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Ent- wicklung in den Bau der Mobilstationen, die Verbreitung des rechtsrheinischen Rheinauen Radweges und den Bau der Radpendlerroute Bornheim-Alfter-Bonn, die zur Zielerfüllung des Radentscheid Bonn beitragen. Mittel für den Ausbau und die Instandhaltung Ausgabenposten Jahr 2021 Jahr 2022 Investive Mittel, Ausgaben für Sachanlagen (zum Beispiel Bau von Infrastruktur) verausgabt 143.745 € 793.347 € Mittelbindungen (Als Mittelbindung bezeichnet man das Vormerken von Haushaltsmitteln, die erforderlich sind, um Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt leisten zu können.) 1.147.202 € Konsumtive Mittel, Ausgaben für Sach- und Dienstleistungen verausgabt 226.852 € 306.243 € Mittelbindungen 370.082 €Seite 24 von 49 24Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 1: Sicheres, durchgängiges Radwegenetz für Bonn Damit sich alle Bonner*innen sicher mit dem Fahrrad oder zu Fuß durch die Stadt bewegen können, braucht es ein Geh- und Radwegenetz, dass alle Stadteile sicher und komfortabel miteinander verbindet. Planungsgrundlage für den Ausbau der Radverkehrsinfra- struktur ist ein stadtweiter Netzplan. Ein erster Schritt zur Realisierung der Radentscheid-Forderung ist daher die An- passung und Überarbeitung des Radverkehrsnetzplans, an dem sich die weitere Ausbauplanung orientieren soll. Umsetzungsstand: Erweitertes Radverkehrsnetz liegt der Politik vor Der Ausbau der Bonner Radverkehrsinfrastruktur orientiert sich seit 2012 am Verkehrsentwicklungsplan 2020 (VEP). Dieser beinhaltet auch einen Netzplan für den Radverkehr. Der VEP ist ein Instrument der Verkehrsplanung, der auf kommunaler und regionaler Ebene Ziele und Maßnahmen der Verkehrsentwicklung definiert. Der Radverkehrsbezogene Netzplan des VEP wurde unter Einbeziehung der Expertise der Initiative Radentscheid Bonn und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Bonn ergänzt. Die erarbeiteten Erweiterungsvorschläge liegen der Politik zur Beratung und zum Beschluss vor. Der derzeitige Ar- beitsstand ist Abbildung 7 zu entnehmen. Die weißen durch- gezogenen Linien stellen das VEP-Radverkehrsnetz dar, die gestrichelten Linien die Erweiterungsvorschläge. Zur politischen Beratung stehen auch Erweiterungsvorschlä- ge für das Hauptroutennetz. Dieses soll künftig eine beson- dere Bedeutung in der Radverkehrsplanung einnehmen und zentrale, sichere Verbindungachsen zwischen den Stadttei- len schaffen. Es wird angestrebt, dass das Hauptroutennetz die Vorgaben des Radentscheid weitestgehend erfüllt – also, dass die im Radentscheid definierten Mindestbreiten für Rad- und Gehwege Anwendung finden. Zugleich wurden zwischen dem Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn in Zusammenarbeit mit einem externen Ingenieurbüro potentielle gebietsüber- greifenden Radpendlerrouten abgestimmt. 3. Umsetzungsstand des Radentscheid Bonn 2021 und 2022Seite 25 von 49 25Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 0 1 2 km Kartengrundlage: © Geobasis NRWRadverkehrsnetz VEP Erweiterungsvorschlag der Verwaltung, vorbehaltich politischer Entscheidung Netzplan für den RadverkehrSeite 26 von 49 26Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Umsetzungsstand: 6,6 km wurden gemäß Radentscheid-Standard umgesetzt, weitere 30 km sind in Planung 1,9 km Linksrheinisches Rheinufer 0,3 km Nord-Süd-Achse 0,3 km Lückenschluss durch Fahrrad- straßen 1,8 km Rechts- rheinischener Rheinauen- Radweg 2,3 km Ost-West-Achse 2,1 km Besondere Förderung des FußverkehrsSeite 27 von 49 27Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 2: Neue Rad- und Gehwege für Bonn Mit dem Beschluss zur Umsetzung des Radentscheid Bonn wurde die Stadtverwaltung beauftragt, jährlich 15 km Stra- ßen nach Radentscheid-Standard auszubauen. Die Standards des Radentscheid Bonn stehen im Einklang mit den Anforde- rungen der geltenden Regelwerke für Stadtstraßenbau, den „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (RASt 06), der Straßenverkehrsordnung (StVO) und den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA 2010), gehen aber über die darin definierten Mindestbreiten hinaus. Basierend auf dem derzeitigen und künftig erweiterten Rad- verkehrs-Netzplan soll in Bonn Stück für Stück die Rad- infrastruktur erweitert und verbessert werden. Ziel ist es, Verkehrsräume intuitiv und verständlich aufzuteilen, die Si- cherheit für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen zu erhö- hen und ein konfliktfreies und stressfreieres Miteinander im Straßenverkehr für alle zu ermöglichen. Im Vergleich zu 2019 und 2020 wurde die Ausbaurate von Radentscheid konformer Radverkehrsinfrastruktur zwischen 2021 und 2022 von 1,8 km auf 6,6 km angehoben. Damit hat sich die Ausbaurate fast vervierfacht. Mit Blick auf die für die kommenden Jahre geplanten Maßnahmen soll das Tempo weiter zunehmen, wie die nachfolgende Graphik verdeutlicht. Geschützte Radwege: 2,1 km von 25 km umgesetzt Der Radentscheid fordert die Einrichtung von Fahrradwegen mit einer Mindestbreite von 2 m pro Fahrtrichtung, die as- phaltiert, deutlich markiert und baulich vom Befahren und Halten des Kraftverkehrs geschützt sind. 25 der 75 km Rad- entscheid-Straßen sind nach diesem Standard einzurichten. Das entspricht 5 km jährlich, bei einem Umsetzungszeitraum von fünf Jahren. • Insgesamt 0,3 km Protected Bike Lanes wurden gemäß Radentscheid-Standard zwischen 2021 und 2022 am Al- ten Friedhof und am Brassertufer umgesetzt. • Zudem wurde der Zwei-Richtungs-Radweg in der rechts- rheinischen Rheinaue auf einer Länge von 1,8 km auf eine Breite von 3 m erweitert. Protected Bike Lane, am Alten FriedhofSeite 28 von 49 28Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Fahrradstraßen: 0,9 km umgesetzt Der Radentscheid fordert die Einrichtung von Fahrradstraßen mit einer Mindestbreite von 4,5 m, die vom Durchgangsver- kehr freigehalten werden und deutlich markiert sind. Auf Fahrradstraßen gibt der Radverkehr das Tempo vor. Sie sind Radfahrenden vorbehalten, der Verkehr von Kraftfahr- zeugen (Kfz) kann durch ein Zusatzschild freigegeben werden – in diesem Fall ist er in Fahrradstraßen zu Gast. Radfahren- de dürfen jederzeit nebeneinander fahren, auch wenn hier- durch das Überholen des Kraftverkehrs nicht möglich ist. Es gilt Höchsttempo 30; um niemanden zu gefährden oder zu behin- dern, muss unter Umständen noch langsamer gefahren werden. • Linksrheinisches Rheinufer: In Bonn wurden zwischen 2021 und 2022 entlang des Fritz-Schroeder-Ufers 0,6 km Fahrradstraße gemäß den Anforderungen des Rad- entscheid eingerichtet. Während der nördliche Teil auto- frei ist, wird im südlichen Teil der Kfz-Durchgangsverkehr durch die Einrichtung von Modalfiltern herausgehalten. Durch die Umwandlung von Parkständen in Gehwege wird Parksuchverkehr gezielt vermieden. • In der Schleidener Straße wurde eine Fahrradstraße ein- gerichtet (insgesamt 0,3 km Straße). Umweltspuren und Radfahrstreifen, 3,7 km umgesetzt Gemäß dem Radentscheid-Standard können Umweltspuren eingerichtet werden, um Nutzungskonflikte zwischen dem ÖPNV und dem Radverkehr zu vermeiden. Umweltspuren sind Sonderfahrstreifen, die nur für den Radverkehr, gegebenen- falls E-Scooter, den ÖPNV (und teilweise Taxis) freigegeben sind. Der Radverkehr darf nur dann überholt werden, wenn Busse und Taxen auf die linke Fahrspur/den Gegenverkehr ausweichen können oder dürfen. In den ausformulierten Zielen des Radentscheid finden Rad- fahrstreifen keine explizite Erwähnung. Radfahrstreifen sind Sonderwege für den Radverkehr (und E-Scooter) und dürfen vom Kfz (außer im Bereich von Kreuzungen, Einmündungen, Zufahrten und Parkbuchten) nicht überfahren werden. Im wei- teren Verlauf wurden sie der Zielumsetzung des Radentscheid immer dann gutgeschrieben, wenn sie eine Breite von min- destens 2 m aufweisen und durch einen ausreichend breiten Sicherheitstrennstreifen von 50 bis 75 cm zum Kfz-Verkehr ausgestattet wurden. Dies wird damit begründet, dass eine baulich getrennte Wegeführung an zentralen Verkehrsachsen aufgrund der Belange von Einsatzkräften, wie Feuerwehr und Rettungsdienst, nicht immer realisierbar ist. Die Schleidenerstraße ist eine Fahrradstraße.Seite 29 von 49 29Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Stand: April 2023 Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG(2020); Esri, HERE, Garmin, © OpenStreetMap contributors, and the GIS User Community Umgesetzt 2021/2022 In Planung Bestand Nord-Süd-Achse: Am Belderberg wurden knapp 0,32 km Umweltspur (stadt- auswärts) und Fahrradstreifen (stadteinwärts) eingerichtet. Ost-West-Achse: • Zwischen Am Alten Friedhof, Berliner Platz und der Ox- fordstraße wurde im Zuge der Fahrbahndeckensanierung der Verkehrsraum entlang von 0,8 km Straße neu aufge- teilt. Durch die Einrichtung von Radfahrstreifen (teilwei- se mit Protection, wie oben bereits dargestellt), wird der Radverkehr und der ÖPNV getrennt vom Autoverkehr ge- führt. • Auf dem Hermann-Wandersleb-Ring wurden im Rahmen einer versuchsweisen Änderung der Verkehrsführung im Oktober 2022 1,1 km Umweltspuren eingerichtet. Der Verkehrsversuch dient neben der sicheren Radverkehrs- führung vor allem der Busbeschleunigung. • Auf der Viktoriabrücke wurde dem Radverkehr auf einer Strecke von 0,38 km im Rahmen einer temporären Mar- kierungslösung mehr Platz eingeräumt. Der Radverkehr fließt nun getrennt von Kfz- und Fußverkehr auf einem über 2 m breiten Fahrradstreifen über die Viktoriabrücke. Durch diese Lösung steht das zuvor als Geh- und Radweg angedachte Hochbord exklusiv dem Fußverkehr zur Ver- fügung. Umgesetzt 2021/2022 In Planung Bestand 0 500 1.000 m Stand April 2023 Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG(2020); Esri, HERE, Garmin, © OpenStreetMap contributors, and the GIS User Community Umsetzungs- und Planungsstand der Ost-West und Nord-Süd-AchseSeite 30 von 49 30Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Radfahrstreifen auf der Oxfordstraße. Rheinufer: Am linksrheinischen Rheinufer zwischen Erzbergerufer und Rathenauufer wurden 1,1 km Straßen mit Radfahrstreifen ein- gerichtet. Ausreichende Gehwegbreiten auf 2,1 km geschaffen Gehwege müssen nach Radentscheid-Standard im Regelfall 2,5 m breit sein – der Radentscheid folgt damit den „Empfeh- lungen für Fußverkehrsanlagen“ (EFA) der Forschungsgesell- schaft für Straßen- und Verkehrswesen. Mindestens sollten Gehwege jedoch eine Breite von 1,5 m aufweisen und baulich von Radwegen getrennt sein. Bei allen bereits genannten Maß- nahmen, wurde die Einhaltung dieser Kriterien bereits berück- sichtigt, die Radverkehrsmaßnahmen wurden nicht zu Lasten des Fußverkehrs durchgeführt. In besonderer Weise wurde der Fußverkehr bei folgenden Maßnahmen berücksichtigt: • In der Endenicher Allee, zwischen Wiesenweg und Alfred- Bucherer-Straße, wurde der Straßenraum umgebaut und neu aufgeteilt. Dem Fußverkehr steht nun deutlich mehr Fläche zur Verfügung, die Gehwegbreiten betragen min- destens 2,02 m (0,3 km). • Entlang der Viktoriabrücke wurde der Hochbordweg auf beiden Seiten alleinig für die Nutzung durch den Fußver- kehr ausgewiesen, hierdurch hat der Fußverkehr Gehweg- breiten von über 2,5 m (0,38 km). • Entlang des Erzbergerufers, Brassertufers, des Rathe- nauufers und der Zweiten Fährgasse wurden zusätzlich zur Einrichtung der Radverkehrsanlagen insgesamt 1 km Wege exklusiv für den Fußverkehr eingerichtet. Die Hoch- bordwege entlang der Mauer waren seit mehreren Jahr- zehnten durch parkende Autos belegt und können nun wieder als Fußwege genutzt werden. In der Endenicher Alle steht Fußgänger*innen nun ein breiterer Geh- weg zur Verfügung. Die neuen Beete trennen den Verkehr ab. • Im weiteren Stadtgebiet wurden darüber hinaus 0,4 km Gehwege auf das Mindestmaß von 1,5 m Breite wie- derhergestellt, unter anderem in der Alfred-Bucherer- Straße, Kaiser-Konrad-Straße, Luisenstraße, Magdalenen- straße, Schedestraße, Friesenweg, Combahnstraße und der Ellerstraße. • Die Stadt Bonn hat einen Jour-Fixe „Parkraummanage- ment“ eingerichtet. Dieser begleitet die Erstellung von Parkraumkonzepten für die einzelnen Stadtteile und dis- kutiert ad-hoc-Maßnahmen zur Wiederherstellung von an- gemessenen Gehwegbreiten. Ausblick Radverkehr Ost-West-Achse: 2,28 km in Planung • Zwischen dem Alten Friedhof und der Viktoriabrücke ent- steht eine Unterführung, die als gemeinsamer Geh- und Radweg eingerichtet wird. Obwohl sie damit nicht denSeite 31 von 49 31Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ausblick Radverkehr, 30 km in Planung Planungsstandards des Radentscheid entspricht, stellt sie eine wichtige Verbindungslinie für die Ost-West- Achse dar. Sie wird daher auch zur Umsetzung des Rad- entscheid-Ziels 1 beitragen. • Für die Fortführung der Ost-West-Achse über den Bertha- von-Suttner Platz, Konrad-Adenauer-Platz bis zur Com- bahnstraße wurde eine Machbarkeitsstudie und Vorpla- nung von der Stadtverwaltung in Auftrag gegeben. • Für die Einrichtung von Umweltspuren auf der Endenicher Straße läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie. Fällt diese positiv aus, könnten bereits 2024 Umweltspuren einge- richtet werden. Nord-Süd-Achse: 2,2 km in Planung • Zwischen dem Koblenzer Tor und dem Rheinweg/Weckler- straße soll entlang der Konrad-Adenauer- und Willy- Brandt-Allee eine Radverkehrsanlage eingerichtet wer- den. Hierfür sollen Synergien mit anderen Maßnahmen genutzt werden, darunter die Sanierung der Fahrbahnde- cke und Erneuerung der Sinkkästen. Umgestaltung des Rheinufers Das Rheinufer in Bonn soll in den kommenden Jahren umge- staltet und aufgewertet werden. Die Maßnahmen für eine Kfz- arme Verkehrsführung sollen unter besonderer Förderung des Fuß- und Radverkehrs baulich verstetigt werden.Seite 32 von 49 32Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Lücken schließen: 23 km in Planung • Zwischen 2023 und 2024 sollen insgesamt bis zu 21 km Fahrradstraßen im neuen Markierungsdesign ausgewie- sen werden. Fahrradstraßen dienen der Bündelung des Radverkehrs und sind zentrale Achsen im Bonner Radver- kehrsnetz. Die Umsetzung wird wichtig Netzlücken schlie- ßen. Welche Straßen voraussichtlich markiert werden, ist hier zu finden: www.bonn.de/fahrradstrassen • In der Adolfstraße, auf der Höhe des Frankenbads, haben Busse und Radfahrende keinen ausreichenden Begeg- nungsraum. Damit der Busverkehr ungehindert fließen kann und Radfahrende zukünftig sicher fahren, wird eine geschützte Radverkehrsführung eingerichtet. Hierzu wer- den die Parkplätze von Quer- in Längsparkstände umge- wandelt. Dadurch kann mehr Platz auf der Fahrbahn ge- wonnen werden, der zur Einrichtung einer 100 m langen Protected Bike Lane genutzt werden soll. Die Umsetzung ist für das dritte Quartal 2023 geplant. • Auf der Maximilian-Kolbe-Brücke soll auf einer Länge von 0,6 km eine Protected Bike Lane eingerichtet werden. Hierzu werden Synergien mit der geplanten Fahrbahnsa- nierung genutzt. • Entlang der B56 soll 2023 ein provisorischer Radweg ein- gerichtet werden, um die derzeit noch vorhandene Lücke im Fahrradnetz entlang dieser wichtigen Verbindungsach- se in den Rhein-Sieg-Kreis zu schließen. Nach Ausbau des Knotenpunkts an der Ecke Bundesgrenzschutzstraße und Reinold-Hagen-Straße soll der Radweg verbreitert und für dessen dauerhafte Nutzung ausgebaut werden. Die Um- setzung ist für das dritte Quartal 2023 geplant. • Auf der Immenburgstraße soll im Zuge des Städtebau- projektes „Innovationsdreieck“ auf dem alten Schlacht- hofgelände eine 1 km lange und geschützte Radwegever- bindung eingerichtet werden. Der künftige Radboulevard soll die Straße An der Immenburg und den Haltpunkt Bonn West verbinden. Hierfür sollen Brückenbauwerke über die Schienen der Deutschen Bahn und der Stadtbahn sowie, zu einem späteren Zeitpunkt, ein weiteres Bauwerk über die Autobahn A 565 errichtet werden. Der Radboulevard soll die Bonner Nordstadt mit dem Bonner Westen für Fuß- als auch Radverkehr besser verbinden. • An der ehemaligen Schamottefabrik soll entlang der Bahntrasse und parallel zur Straße Am Burgweiher ein ca. 0,25 km langer getrennter Fuß- und Radweg entstehen. Hierbei wird die Umsetzung des Radentscheid-Standards angestrebt. Die Verbindung soll eine Kfz-arme Anbindung an den Bahnhof Duisdorf schaffen. • Parallel zum Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs verlau- fend soll eine Radverkehrsführung eingerichtet werden, um die Radfahrenden zur Unterführung der Poppelsdorfer Allee zu leiten und einen Anschluss an die Kaiserstraße si- cherzustellen. In den kommenden Jahren soll der zentrale Omnibusbahnhof umgebaut werden. Geplantes Brückenbauwerk über die Bahnschienen zwischen Bahnhof West und Immenburgstraße.Seite 33 von 49 33Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Kartengrundlage: © Geobasis NRW umzusetzende Fahrradstraße markierte Fahrradstraßen Radverkehrsnetz VEP umzusetzende Fahrradstraßen markierte Fahrradstraßen Radverkehrsnetz VEP Kartengrundlage © Geobasis NRW 0 1 2 km Markierte und umzusetzende Fahrradstraßen im Radverkehrsnetz des VEPSeite 34 von 49 34Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Stand: April 2023 Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG(2020); Esri, HERE, Garmin, © OpenStreetMap contributors, and the GIS User Community in Umsetzung oder umgesetzt 2021/2022 in Planung Kommunen verbinden: • Radpendleroute Bornheim-Alfter-Bonn 2,2 km in Umset- zung und Planung (Radentscheid-Standard wird teilweise erfüllt) Von Bornheim und Alfter über Dransdorf in die Bonner Innenstadt radeln – das soll in Zukunft sicher und zügi- ger möglich sein. Die sogenannte Radpendlerroute unter- teilt sich in mehrere Streckenabschnitte, die sich aktuell in unterschiedlichen Planungs- und Umsetzungsstadien befinden. Für den Ausbau werden Fahrradbrücken, neue Radwege und die Beleuchtung der Wege geplant und schrittweise über die kommenden Jahre hinweg ausge- baut. Der Streckenabschnitt zwischen der Stadtgrenze Bonn und Alfter ist bereits fertig. Zwischen Bornheim und Alfter läuft der Ausbau auf Hochtouren. In Bonn wird derzeit der Vorgebirgsbahnweg auf einer Strecke von 1 km auf Breite von 4 m in Form eines ge- meinsamen Geh- und Radweges ausgebaut. Er schließt an den Bendenweg an, der bereits als Fahrradstraße ausge- wiesen wurde. Im weiteren Verlauf soll in den nächsten Jahren der Stre- ckenabschnitt entlang der Justus-von-Liebig Straße, der Brühler Straße, des Rheindorfer Bachs und der Ennemo- serstraße, insgesamt bis zu 1,2 km, ausgebaut werden. Hierfür sind unterschiedliche Wegeführungen vorgese- hen, aktuell wird geprüft, inwieweit die bestehenden Pla- nungen auf den Radentscheid-Standard angepasst wer- den können. Stand April 2023 Kartengrundlage: © GeoBasis-DE / BKG(2020); Esri, HERE, Garmin, © OpenStreetMap contributors, and the GIS User Community in Umsetzung oder umgesetzt 2021/2022 in Planung 0 0,5 1 km Routenverlauf der Radpendlerroute Bornheim-Alfter-BonnSeite 35 von 49 35Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ausblick Fußverkehr Bönnsche Viertel, Wiederherstellung von ausreichenden Gehwegbreiten entlang von 1,9 km Straße Im Rahmen des Mitwirkungsprozesses „Bönnsche Viertel – lebendige Räume für Menschen“ werden die Innere Nord- stadt und das Beueler Combahnviertel 2023 zu Modellvier- teln – den sogenannten „Bönnschen Vierteln“. Ziel ist es, die Menschen in den Vierteln schrittweise von Durchgangsver- kehr und Parkdruck zu entlasten, klimafreundliche alternative Mobilitätsformen zu stärken und mit dem gewonnenen Platz neue Möglichkeiten für Begegnung und soziale Teilhabe zu schaffen. Der Mitwirkungsprozess ist am 1. April 2023 mit einem Auftaktfest in der Bonner Oper gestartet. Über den Sommer 2023 sollen gemeinsam mit den Anwohnenden An- sätze erarbeitet und teilweise erprobt werden, die eine akti- ve, sichere und barrierefreie Mobilität für die Menschen in den Wohnquartieren fördern. Für beide Viertel werden und wurden zudem Parkraumkonzepte erarbeitet, auf denen die neuen Mobilitätskonzepte aufbauen werden. Das Parkraum- konzept für die Nordstadt soll ab der zweiten Jahreshälfte 2023 umgesetzt werden. Das Kfz-Parken wird neu geordnet, so dass alle Gehwege eine ausreichende Mindestbreite von 1,5 m erhalten. Hierdurch werden mindestens 1,9 km Geh- wege mit ausreichender Breite wiederhergestellt. Durch den Modellcharakter des Projekts „Bönnsche Viertel – Lebendige Räume für Menschen“ können weitere neue Maßnahmen und Aktionen durchgeführt werden. So hat sich die Stadt Bonn im Rahmen des Projekts zum Beispiel erfolgreich auf den Fuß- verkehrs-Check 2023 des Zukunftsnetz Mobilität NRW be- worben. Dieser kann im Aktionszeitraum durchgeführt wer- den. Entwicklung und Umsetzung von Parkraumkonzepten Auf Basis der beschlossenen Parkraumstrategie soll in al- len Quartieren im gesamten Stadtgebiet, in denen ein hoher Parkdruck vorliegt und dies rechtlich möglich ist, schrittwei- se eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden. Neben der Reduzierung des Parkdrucks und einer Reservierung von Parkraum für Anwohnerinnen und Anwohner gegenüber Aus- wärtigen, sollen insbesondere auch folgende Ziele erreicht werden: • Umwidmung von Flächen für alternative Verkehrsträger und Mobilitätsangebote (Fahrradwege, breitere Gehwege, Mobilstationen, Carsharing, etc.) • Revitalisierung von innerstädtischen Quartieren durch eine höhere Aufenthaltsqualität und Umwandlung von Parkplätzen zur innerstädtischen Begrünung sowie ande- ren Nutzungsmöglichkeiten (zum Beispiel Gastronomie) In den Bönnschen Vierteln sollen neue Verkehrskonzepte erprobt werden, wie hier in der Altstadt.Seite 36 von 49 36Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ein zentrales Anliegen ist es hierbei, ausreichende Gehwegbreiten wiederherzu- stellen, damit sich alle Menschen gut zu Fuß bewegen können. Insbesondere Men- schen mit körperlichen Einschränkungen (die auf Rollstuhl oder Rollator angewie- sen sind), Menschen mit Kinderwagen sowie Kinder selbst sind auf ausreichend breite Gehwege ohne Unterbrechung für ein sicheres Vorankommen angewiesen. Für folgende Untersuchungsgebiete soll in den kommenden Jahren die Einführung einer flächendeckenden Parkraumbewirtschaftung geprüft werden: Stadtteil Umsetzungsstand Venusberg Umsetzung ist abgeschlossen Nordstadt Umsetzung im Sommer 2023 Südstadt und Weststadt In Bearbeitung Hochkreuz und Plittersdorf In Bearbeitung Bonn-Zentrum In Bearbeitung Ehemaliges Bundesviertel Bearbeitung in 2023 - 2024 Vilich und Neu-Vilich Bearbeitung in 2023 - 2024 Ramersdorf Süd Bearbeitung in 2023 - 2024 Beuel-Zentrum In Bearbeitung Bad Godesberg Zentrum In Bearbeitung Weststadt Nord und Endenich Nord Bearbeitung in 2025 - 2028 Kessenich Bearbeitung in 2025 - 2028 Dottendorf Bearbeitung in 2025 - 2028 Endenich Bearbeitung in 2025 - 2028 Castell Bearbeitung in 2025 - 2028 Schweinheim Bearbeitung in 2025 - 2028 Duisdorf Bearbeitung in 2025 - 2028 Ramersdorf Nord Bearbeitung in 2025 - 2028 Rüngsdorf Langfristig Lannesdorf LangfristigSeite 37 von 49 37Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 3: Große Ampelkreuzungen sicher gestalten Große Kreuzungen und abbiegender Kraftverkehr sind mit- unter die größten Gefahrenstellen für den Rad- und Fußver- kehr. Aktuell ist die Radinfrastruktur meist so angelegt, dass Radfahrende beim Abbiegen im toten Winkel des Kfz geführt werden. Für alle Verkehrsteilnehmenden entstehen hierdurch häufig stressige und konfliktreiche Begegnungen. Die niederländische Radverkehrsplanung richtet sich an dem Planungsprinzip der sogenannten nachhaltigen Sicherheit aus (niederländisch: duurzaam veilig). Gebaut wird für den Men- schen. Menschen machen Fehler, eine Infrastruktur sollte diese Fehler verzeihen und so dazu beitragen, schwere Unfäl- le zu vermeiden. Die bauliche Trennung von Rad, Kfz und Fuß übertragen die Niederlande daher auch auf Kreuzungspunkte. Kernelement des niederländischen Kreuzungsdesigns sind sichelförmige Verkehrsinseln, sogenannte Schutzinseln (sie- he Abbildung). Sie verkleinern den Abbiegeradius für Kfz und drosseln hierdurch dessen Geschwindigkeit beim Abbiegen. Für Lastkraftwagen sind sie überfahrbar, da diese größere Abbiegeradien benötigen. Rad- und Fußverkehr haben eige- ne Wartenischen und Aufstellflächen. Abgesetzte Furten und Wartelinien für den Radverkehr erhöhen dessen Sichtbarkeit gegenüber dem Kfz. Optimiert wird das Kreuzungsdesign meist durch getrennte Ampelschaltungen. Das heißt gerade- ausfahrender Radverkehr und abbiegender Kfz-Verkehr wer- den getrennt voneinander über die Kreuzung geleitet. Laut Radentscheid sollen in den kommenden Jahren insge- samt 30 Ampelkreuzungen nach diesem niederländischen Kreuzungsstandard umgebaut werden, das entspricht sechs Kreuzungen jährlich. Niederländisches Kreuzungsdesign für große AmpelkreuzungenSeite 38 von 49 38Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Umsetzungsstand: 0 Kreuzungen umgesetzt Leider liegen im Kontext der Straßenverkehrsordnung und gängiger deutscher Regelwerke keine Empfehlungen und Pla- nungsrichtlinien für die Einrichtung von Schutzkreuzungen vor. Daher haben die Planer*innen des Stadtplanungsamtes in einem ersten Schritt Anforderungen für das notwendige Flächenprofil von Kreuzungen abgeleitet, das heißt unter Be- rücksichtigung derzeitiger Regelwerke und internationaler Leitfäden Flächenanforderungen für die Einrichtung der War- tezonen und Schutzinseln definiert. Hieraus leitet sich ein Flä- chenquerschnitt von circa 18 m für potentielle Kreuzungen ab. Die Auswahl der Kreuzungen gestaltet sich in Bonn als schwie- rig, da nur wenige Kreuzungen über die notwendigen Flächen zur Einrichtung der Schutzinseln gemäß des vom Radent- scheid vorgeschlagenen niederländischen Kreuzungsdesigns verfügen. Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Mona- ten 46 Kreuzungen identifiziert, deren Umbaupotential nun weiter geprüft werden soll. In diesem Zusammenhang wurden auch ein Kriterien-Raster und Ranking erstellt, nachdem die prioritären Standorte für den Ausbau von Schutzkreuzun- gen in einem nächsten Schritt festgelegt werden sollen. Die Priorisierung erfolgt demnach anhand von Kriterien, die aus- schlaggebend für die Netzbedeutung des Radverkehrs und relevant zur Behebung besonderer Gefahrenstellen für den Radverkehr sind. Zudem werden Kreuzungen berücksichtigt, die im Zuge anderweitiger Maßnahmen sowieso in den kom- menden Jahren von Baustelleneinrichtungen betroffen sein werden. Die Vorschläge werden im weiteren Verlauf der Poli- tik vorgelegt. Ausblick Wie in Kapitel 2.1 dargestellt, unterliegt auch die Umsetzung von Schutzkreuzungen einem aufwendigen Planungsprozess, der sich an den unterschiedlichen Leistungsphasen der HOAI orientiert. Damit ist die Erfüllung von Ziel 3 deutlich komplexer und mit höherem Zeitaufwand verbunden, verglichen mit dem vom Radentscheid und dem politischen Beschluss vorgegebenen Zeithorizont. Dieser ist nach Einschätzung und Prüfung der Verwaltung nicht realistisch umsetzbar. Im Rahmen eines Umsetzungsfahrplans soll daher in den kommenden Monaten eine Auswahl der umzubauenden Schutzkreuzungen erarbei- tet und ein Zeitplan für dessen Umsetzung vorgelegt werden. In aktuellen Planungsvorhaben erfolgt immer eine Prüfung über die Umsetzbarkeit des niederländischen Kreuzungsde- signs, zum Beispiel im Rahmen der Vorentwurfsplanung für den Bertha-von-Suttner-Platz sowie für den Knotenpunkt Provinzialstraße und Schieffelingsweg.Seite 39 von 49 39Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 4: Sichere Einmündungen und Zufahrten Dem Radentscheid folgend, sollen in den kommenden Jah- ren 100 Straßenzufahrten und Grundstückseinmündungen so umgestaltet werden, dass sie sicher und barrierefrei zu queren sind. Hierfür soll der Fuß- und Radverkehr bei Einmün- dungen von Neben- in Hauptstraßen niveaugleich (also erhöht zur Fahrbahn und ohne Absenkung des Bordes) weitergeführt werden. Somit wird der Fuß- und Radweg auf gleichbleiben- der Wegeshöhe über den Einmündungsbereich geführt. Der Kfz-Verkehr hingegen quert den Fuß- und Radweg beim Ein- oder Abbiegen über Rampensteine. Die Rampensteine dienen dabei als geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme, die den Fuß- und Radverkehr vor Fehlern oder Unaufmerksamkeit von Kfz-Führenden schützt. Umsetzungsstand: 2 Einmündungen und Zufahrten umgesetzt Zwischen 2021 und 2022 hat die Stadt Bonn im Rahmen des Gehweg-Umbaus an der Endenicher Allee die Einrichtung von (fast) niveaugleichen Einmündungen erprobt. Es wurde eine leichte Absenkung des Borders vorgenommen, um Men- schen, die auf einen Blindenstock angewiesen sind, ein siche- res Vorankommen zu gewährleisten. Ausblick Aufbauend auf diesen Erfahrungen stimmt die Verwaltung einen Standard zur technischen Umsetzung für weitere Vor- haben ab. Hierfür wurden Gespräche mit unterschiedlichen Stakeholdern geführt, darunter die Behinderten-Gemein- schaft Bonn e.V., der Radentscheid Bonn, die Feuerwehr und die SWB. Für die Entwicklung eines Standards müssen An- forderungen für unterschiedliche Voraussetzungen geprüft, Anwendungsfälle definiert und Vorschläge für technische Ausbauvarianten entwickelt werden.Verbesserungen für den Fußverkehr auf der Endenicher Allee durch die Einrichtung niveaugleicher Einmündungsbereiche.Seite 40 von 49 40Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 5: Mehr Fahrradstellplätze Gemäß dem Beschluss zum Radentscheid sollen pro Jahr 3.000 Fahrradstellplätze eingerichtet werden – das ent- spricht insgesamt 15.000 Fahrradstellplätzen. An Orten mit hohem Parkbedarf sollen davon mindestens 600 in Fahrrad- boxen und/oder Parkhäusern eingerichtet werden. Umsetzungsstand: 725 Abstellanlagen eingerichtet, 872 in Planung 2021 und 2022 wurden insgesamt 725 Fahrradstellplätze ein- gerichtet, davon 21 in abschließbaren Fahrradboxen und 120 Plätze in überdachten und wettergeschützten Abstellanlagen. Hiervon wurden 572 im Stadtbezirk Bonn, 61 im Stadtbezirk Bad Godesberg, 43 im Stadtbezirk Beuel und 28 im Stadtbe- zirk Hardtberg eingerichtet. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Standorte ist im Anhang zu finden. Im Rahmen des Projektes „Emissionsfreie Innenstadt“ wur- den darüber hinaus 21 abschließbare Fahrradboxen an fol- genden Standorten im Bezirk Bonn-Zentrum eingerichtet: Wilhelm-Levison Straße (5 Stellplätze), Arndtstraße (6 Stell- plätze) und Kaiserstraße (10 Stellplätze). Diese sind unter anderem über die „Bonn mobil“-App buchbar und können sowohl für das Kurzzeitparken als auch im Rah- men eines Jahresabonnements gebucht und genutzt werden. Ausblick Die geforderten Ziele des Radentscheid übersteigen die bis- herigen Ausbauraten von Fahrradstellplätzen um ein Viel- faches. In den vergangenen Jahren wurde für den Ausbau ein jährliches Abstellanlagenkonzept erstellt. Um der Ziel- erfüllung des Radentscheid näher zu kommen, wurde daher das Verfahren angepasst: Ab Mitte 2023 wird eine App- und Web-Anwendung zur Verfügung stehen, die es Bonner*innen ermöglicht, Standortvorschläge für Abstellanlagen einzurei- chen. Aufbauend auf einem digitalisierten innerstädtischen Arbeitsablauf wird ein beschleunigtes Planungsverfahren der Standortvorschläge angestrebt. Zudem wird derzeit eine Ausschreibung für einen Rahmenver- trag zum Bau von Fahrradbügeln vorbereitet. So soll sicher- gestellt werden, dass jährlich eine Mindestanzahl von Bügeln durch eine Baufirma aufgestellt werden kann. Im ersten Jahr möchte die Stadt Bonn mit 1.000 Abstellplätzen starten und die Anzahl sukzessive erhöhen. Zwischen 2023 und 2024 sollen zudem weitere Abstellanlagen in automati- schen Fahrradparkhäusern eingerichtet werden. So sollen der Stifts-, der Fran- kenbad- und Konrad-Adenauer-Platz sowie der Beueler Bahnhof jeweils mit einem Fahrradparkhaus ausgestattet werden. Die Stadthausgarage wird zu- dem eine abschließbare Abstellanlage erhalten. Hierdurch sollen 372 sichere Abstellanlagen geschaffen werden. Mobilstation mit abschließbaren Fahrradboxen in der Bonner Südstadt.Seite 41 von 49 41Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 6: Geh- und Radwege nutzbar halten Für ein sicheres Vorankommen fordert der Radentscheid, dass Rad- und Gehwege nutzbar gehalten werden. Dies um- fasst die Instandhaltung und Sanierung der Asphaltdecke von Rad- und Fußinfrastruktur, eine prioritäre Parkraumüberwa- chung und die Ausweitung des Winterdienstes im Radwege- netz. Zur Nutzbarhaltung zählt auch, dass Rad- und Gehwege von Laub und dem Überwachsen von Sträuchern etc. freige- halten werden. Umsetzungsstand: Anpassung des Radwegenetzes für den Winterdienst, Sanierung von Radverkehrs-Infrastruktur Winterdienst Mit BonnOrange wird derzeit die Priorisierungsliste des Rad- verkehrs für den Winterdienst überarbeitet. Aktuell befinden sich circa 70 km Radverkehrsinfrastruktur in der Priorisie- rungsliste des Winterdienstes. Ziel ist es in einem ersten Schritt, die Lücken zu schließen und Wegeverbindungen zwi- schen Stadtteilen zu identifizieren, für die es aktuell noch kei- ne Abdeckung durch den Winterdienst gibt. In einem nächsten Schritt soll basierend auf dem abgestimm- ten Radwegenetz und dem Umsetzungsfahrplan des Rad- entscheid darüber entschieden werden, inwieweit die Kapa- zitäten für den Winterdienst ausgebaut werden sollten und können. Baustellenführung Die Einrichtung von Baustellen orientiert sich an den Vorga- ben der StVO. Anlassbezogen wird der Leitfaden „Baustellen- absicherung im Bereich von Geh- und Radwegen“ der Arbeits- gemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte (AGFS) herangezogen. Parkraumüberwachung Es wurden keine ergänzenden Maßnahmen getroffen, da sich die Parkraumüberwachung bereits zuvor gleichermaßen auf Geh- und Radweg konzentriert hat. Unter anderem für die Umsetzung des Parkraumkonzeptes der inneren Nordstadt und des Venusberges wurden zehn zusätzliche Personalstel- len für Verkehrsüberwachung geschaffen. Hierdurch soll si- chergestellt werden, dass Gehwege für alle gut nutzbar sind. Sanierung und Instandhaltung, 1,2 km instand gesetzt 2021 wurde die Fahrbahndecke des 1 km langen Radweges entlang der Pascalstraße erneuert und instandgesetzt sowie die Fahrbahndecke der Fontanestraße saniert. Im Rahmen der Umbauarbeiten auf der Bornheimerstraße wurde eine eigene Radverkehrs-Umleitung ausgeschildert, hier zu sehen auf der Maxstraße.Seite 42 von 49 42Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Ziel 7: Transparente Umsetzung Der Radentscheid fordert einen jährlichen schriftlichen Be- richt über den Umsetzungsstand des Radentscheid und eine transparente Offenlegung über die Akquise von Fördermitteln sowie die Einbindung externer Akteur*innen. Umsetzungsstand: Einführung Jour-Fix Radentscheid Bonn, Aktualisierung der Webseite zu Fahrradthemen und -projekten der Stadt, Veröffentlichung eines Transparenzberichts Der vorliegende Bericht ist die erste Veröffentlichung, die über den Umsetzungsstand des Radentscheid Bonn informiert und somit der Forderung des Bürgerbegehrens nachkommt. Wie eingangs erwähnt, konnten erst im Zuge des letzten Jahres zentrale Stellen neu besetzt werden und dieser Aufgabe ent- sprechend nachgekommen werden. Parallel wurde die Webseite zu Mobilitäts- und Verkehrsthe- men überarbeitet. Unter www.bonn.de/radverkehr infor- miert die Stadt Bonn seit Februar 2023 gebündelt über die aktuellen Projekte und Themen rund um den Radverkehr. Darüber hinaus hat die Stadtverwaltung seit 2021 einen re- gelmäßigen Jour-Fix mit Vertreter*innen des Radentscheid Bonn eingerichtet, in welchem der Umsetzungsstand der einzelnen Ziele diskutiert wird. Bislang wurden 19 Jour-Fixe durchgeführt.Seite 43 von 49 43Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Der Radentscheid hat der Mobilitätswende in Bonn neuen Rückenwind verschafft. Er ist eine große Chance, unsere Stadt lebenswerter, kinderfreundlicher und klimagerecht zu gestalten. Die von der Zivilgesellschaft formulierten und von der Politik beschlossenen Ziele sind starke Treiber für einen beschleunigten Ausbau guter Fuß- und Radinfrastruktur. Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich die Ausbaurate von Rad- verkehrsanlagen in Bonn fast vervierfacht. Gleichzeitig stellen die Zielvorgaben des Radentscheid die Stadt Bonn vor eine große Herausforderung. Wie der Bericht aufzeigt, sind insbesondere die Ziele drei, vier und fünf des Radentscheid nur schwierig mit den aktuellen Planungsanfor- derungen und -prozessen in Einklang zu bringen. Daher hat die Stadt in den ersten beiden Jahren vor allem Maßnahmen ergriffen, um die erforderlichen Ressourcen und Strukturen zu schaffen sowie Planungsprozesse zu beschleunigen. Dort, wo die Zielumsetzung des Radentscheid jedoch mit größeren Umplanungen verbunden ist, werden die zeitlichen Fristen des Bürgerbegehrens auch zukünftig nicht eingehalten wer- den können. Die Stadt Bonn erarbeitet daher derzeit einen Umsetzungsfahrplan. Hierin soll unter Berücksichtigung der oben genannten Faktoren ein ambitionierter aber angepass- ter Zeitplan für die Umsetzung der Radentscheid Maßnahmen erarbeitet und mit der Politik abgestimmt werden. Darüber hinaus sehen sich Kommunen bei der Umsetzung der Mobilitätswende mit Herausforderungen konfrontiert, die ein ambitioniertes und koordiniertes Vorgehen auf Landes- und Bundesebene erfordern. So stellt der Fachkräftemangel von Verkehrsingenieur*innen eine besondere Herausforderung für die Mobilitätswende dar. Hürden ergeben sich zudem aus den verbindlichen Rege- lungen der StVO. So ist beispielsweise die Anordnung von „Tempo 30“ an strenge Vorgaben geknüpft. Auch die Einrich- tung von geschützten Radfahrstreifen hängt von den Anfor- derungen von ERA und RASt ab. Damit die Stadt Bonn und andere Kommunen mehr Handhabe in der Ausgestaltung der Mobilitätswende erhalten, ist es wichtig, dass der Bund durch die Anpassungen der StVO und progressive Vorgaben für die Einrichtung von Rad- und Fußverkehrsanlagen geeignete Weichen setzt. Die neuen „E-Klima“ der FGSV sind ein erster bedeutsamer Schritt in diese Richtung. 4. FazitSeite 44 von 49 44Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Übersicht Anzahl der Stellplätze Fahrradabstellanlagen (Umsetzung 2021/2022) Stadtbezirk Ort der Fahrradabstellanlage Anlehnbügel Stellplätze mit Überdachung Bonn Opernhaus 11 Bonn Weberstraße 4 Bonn Wilhelmsplatz 11 Bonn Frankenbad 11 Bonn Chlodwigplatz 11 Bonn Beringstraße 21 Bonn Kaiserstraße/Nassestraße 11 Bonn Juridicum 11 Bonn Museum König 11 Bonn Poppelsdorfer Allee 11 Bonn Rosental 12 Bonn Kaufmannstraße 4 8 Bonn Wilhelm-Levison-Straße 7 14 Bonn Arndstraße 5 10 Bonn Mozartstraße 9 18 Bonn Herwarthstraße 7 14 Bonn Haydnstraße 7 14 Bonn Stiftsplatz 11 Bonn Fahrradabstellanlage Chlodwigplatz 3 6 Bonn Beethovenhalle 18 Bonn Endenicher Allee 35 70 Bonn Ellerstraße 31 8 16 Bonn Adolfstraße 19 38 Bonn Poppelsdorfer Platz 12 24 Bonn Dorotheenstraße 85 3 6 Bonn Georgstraße 8 16 Bonn Hausdorfstraße 12 24 Bonn Husarenstraße 3 6 Bonn Im Krausfeld 20 3 6 Bonn Katzenburgweg 5 3 6 Bonn Kekulestraße 20/26 6 12 AnlageSeite 45 von 49 45Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Stadtbezirk Bezeichnung Anlehnbügel Stellplätze mit Überdachung Bonn Kölnstraße 9/11 4 8 Bonn Luisenstraße 34 4 8 Bonn Marktplatz 33 Bonn Meckenheimer Allee 2 4 Bonn Nordstraße 108 5 10 Bonn Rehfuesstraße 55 3 6 Bonn Rheinweg 7 14 Bonn Fahrradabstellanlage Rosental/Drusustraße 3 Bonn Stiftsplatz 3 6 Bonn Weberstraße 6 12 Bonn Haltestelle Kurfürstenplatz 3 6 Bad Godesberg Parkplatz Margaretenstraße 27 Bad Godesberg Änchenplatz 2 2 4 Bad Godesberg Am Fronhof 3 4 8 Bad Godesberg Alte Bahnhoftsraße12 2 4 Bad Godesberg Friedhof Rüngsdorf/Konstantinstraße 53 3 6 Bad Godesberg Plittersdorfer Straße 204 12 Beuel Combachstraße 3 6 Beuel Kaiser-Konrad-Straße 26 2 4 Beuel Königswinterer Straße 720 8 16 Beuel Am Buschhof 30 6 Beuel Johann-Link-Straße 11 Hardtberg Spielplatz Auf dem Kirchbüchel 3 6 Hardberg Rochusstraße 22 Summe Stellplätze Gesamt 704 Summe Stadtbezirk Bonn 572 Summe Stadtbezirk Bad Godesberg 61 Summe Stadtbezirk Beuel 43 Summe Stadtbezirk Hardtberg 28Seite 46 von 49 46Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022Seite 47 von 49 47Transparenzbericht Umsetzung Radentscheid Bonn 2021 und 2022 Notizen ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________ ___________________________________________________________________________________________Seite 48 von 49 Impressum: Die Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn, Stadtplanungsamt/Amt für Presse, Protokoll und Öffentlichkeitsarbeit, April 2023, Fotos: © Bundesstadt Bonn außer Seite 4 © stock.adobe.com, Seite 6 links © Schafgans DGPh, Seite 9, 13, 14, 26, 31 © freepik.com und Seite 35 © Marc John, CC-BY-SA, Auflage 250 Stück, gedruckt auf 100 % Recyclingpapier zertifiziert mit dem Blauen Engel.Seite 49 von 49
Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.
bonn.social/@biz ↗Datenstand: 02.11.2026, 20:32 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de