← Vorlagen

230454 · Mitteilungsvorlage

Hinweis auf die Beratung des Touristischen Leitbildes des Rhein-Sieg-Kreises

Nummer
230454
Art
Mitteilungsvorlage
Veröffentlicht
24.02.2023
Letzte Änderung
16.09.2026
  1. Sitzung des Ausschusses für für Europa, Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit 02.03.2023 Aktuelle Informationen der Verwaltung
  1. Sammeldokument öffentlich pdf · 3,6 MB Öffnen ↗

Maschinell aus dem PDF extrahierter Text — Tabellen und Layout gehen verloren. Maßgeblich ist das PDF: PDF öffnen ↗.

Text anzeigen (70.290 Zeichen)
Mitteilungsvorlage
öffentlich
230454
Die Oberbürgermeisterin
Federführung:
03 Amt für Wirtschaftsförderung
Dezernat:
Dez. OB
Hinweis auf die Beratung des Touristischen
Leitbildes des Rhein-Sieg-Kreises
Beratungsfolge
Ausschuss für Europa, Internationales,
Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit
02.03.2023 Aktuelle
Informationen
der Verwaltung
Mitteilung:
Im Nachgang zu der Beschlussfassung über das Touristische Leitbild der Stadt
Bonn möchte die Verwaltung auf die Beschlussvorlage und das Touristische
Leitbild für den Rhein-Sieg-Kreis hinweisen. Der dortige Fachausschuss für
Wirtschaft, Digitalisierung und Tourismus behandelt die Vorlage in seiner
Sitzung am 27.02.2022.
Die Beschlussvorlage und das Touristische Leitbild des Rhein-Sieg-Kreises
sind als Anlage beigefügt.
Anlage/n
1 Beschlussvorlage RSK zum Touristischen Leitbild des Rhein-Sieg-Kreises
2030 (öffentlich)
2 Touristisches Leitbild Rhein_Sieg_Kreis 2030 (öffentlich)Seite 1 von 38
RHEIN-SIEG-KREIS A N L A G E 2
DER LANDRAT zu TO.-Pkt. 2.2
01.2 Fachbereich Wirtschaftsförderung/Tourismus/Verwaltung
B e s c h l u s s v o r l a g e
für den
öffentlichen Sitzungsteil
Gremium Datum Zuständigkeit
Ausschuss für Wirtschaft, Digitalisierung und Tourismus 27.02.2023 Vorberatung
Kreisausschuss 20.03.2023 Vorberatung
Kreistag 23.03.2023 Entscheidung
Tagesordnungs-
punkt Touristisches Leitbild des Rhein-Sieg-Kreises
Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss für Wirtschaft, Digitalisierung und Tourismus empfiehlt dem
Kreisausschuss dem Kreistag vorzuschlagen, folgenden Beschluss zu fassen:
Der Rhein-Sieg-Kreis
1. nimmt das Touristische Leitbild zustimmend zur Kenntnis.
2. Das Leitbild soll als Grundlage zukünftigen Verwaltungshandelns dienen und
Impulse für die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit externen
Partnern und Leistungsträgern sowie der Stadt Bonn und der Tourismus &
Congress GmbH geben. Insbesondere ist den dort formulierten Zielen und
Handlungsfeldern sowie Vermarktungsstrategien zu folgen. Es soll,
entsprechend den Empfehlungen des Berichts, geprüft werden, ob Strukturen
und Ressourcen neugeordnet bzw. bereitgestellt werden sollen und der
Politik hierzu entsprechende Vorschläge unterbreitet werden.Seite 2 von 38
Vorbemerkungen:
2019 wurde vom Aufsichtsrat der Tourismus & Congress GmbH (T&C) der Beschluss
gefasst, einen Strategieprozess zur „Neuausrichtung der Tourismus & Congress
GmbH“ und damit generell für die Weiterentwicklung des Tourismus in der Region
Bonn-Rhein-Sieg zu initiieren.
Dazu sollte ein Evaluationsprozess in Gang gesetzt werden, in dem das bestehende
und aktuelle Aufgabenportfolio der T&C (Vermarktungs- und Vertriebsstrategien)
überprüft, die Strukturen der bestehenden touristischen Organisationen analysiert,
die Aufgaben und Ziele für die zukünftige Ausrichtung des Tourismus in der Region
Bonn-Rhein-Sieg sowie die Etablierung eines wettbewerbsfähigen
Destinationsmanagements definiert werden. Gleichermaßen soll eine (neue)
Zuordnung der Aufgabengebiete zu einzelnen Akteuren (Stadt Bonn, Rhein-Sieg-Kreis,
T&C) erarbeitet werden.
Im Zuge dieses – durch eine externe Moderation begleiteten - Prozesses wurden in
der Zeit von November 2019 bis Mai 2021 mit den Mitgliedern des Aufsichtsrates der
T&C vier Workshops zur zukünftigen touristischen Ausrichtung, zu aktuellen
Strukturen der touristischen Organisationen, zu Inhalten und Zuordnungen in den
touristischen Organisationen sowie zu einem Entwurf eines Zukunftsmodells zur
Vermarktung des Standortes durchgeführt.
Als zentrales Ergebnis der Evaluation wurde die Notwendigkeit gesehen, die
zukünftige inhaltliche Ausrichtung zu konkretisieren und eine Profilschärfung
vorzunehmen. Dabei sollten insbesondere die Themenschwerpunkte Beethoven,
Kongress, Nachhaltigkeit, Urlaubsregion für Familien, klimafreundliche und
nachhaltige Region mit hoher Lebensqualität, nachhaltige Mobilität und Infrastruktur
in den Fokus genommen werden.
Es wurde Konsens erzielt, dass die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis - zunächst
unabhängig voneinander und im Rahmen ihres Eigenverständnisses – ihr touristisches
Profil entwickeln, ihre Alleinstellungsmerkmale definieren und ihre Zielgruppen
erarbeiten. Auf Basis dieser Ergebnisse sollen dann die Schnittmengen der beiden
eigenständigen touristischen Profile ermittelt, die Synergien erarbeitet und hieraus
die zukünftige Aufgabenverteilung und das gemeinsame Vorgehen zwischen den
Akteuren neu definiert werden.
Die Stadt Bonn hat ihr touristisches Leitbild (Anhang 1 – wird nachgereicht) erstellt.
Schwerpunktthemen sind „Kultur- und Beethoven-Stadt Bonn“, „Kongress- und UN-
Stadt“ sowie als regionaler Bezug das Thema „Tor zum Romantischen Rhein“. Die
Vorstellung des Leitbildes erfolgte in der Sitzung des Ausschusses für Europa,Seite 3 von 38
Internationales, Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit am 31.01.2023 und wurde im Rat
am 07.02.2023 beschlossen.
Erläuterungen:
Zeitlich parallel zum Leitbild-Prozess der Stadt Bonn wurde - unter der Federführung
des Referates Wirtschaftsförderung und Strategische Kreisentwicklung – auch im
Rhein-Sieg-Kreis die Erarbeitung eines Touristischen Leitbildes für den Rhein-Sieg-Kreis
initiiert. Dazu wurden im September und Dezember 2022 unter externer Moderation
zwei Workshops durchgeführt. Eingebunden wurden touristische Akteur:innen,
Vertreter:innen der Teildestinationen, Leistungsträger, HVB, Politik, Verbände,
Institutionen, Hochschulen sowie Expert:innen (Reisebranche/ Nachhaltigkeit).
Nach erfolgtem fachlichen Input über aktuelle touristische Trends und Entwicklungen
wurden in den Workshops u.a. folgende Fragestellungen behandelt:
Wofür steht der Rhein-Sieg-Kreis touristisch? Was sind die relevanten Themen?
Welche Alleinstellungsmerkmale hat der Rhein-Sieg-Kreis? Welche touristische Vision
steht in 2030 für den Rhein-Sieg-Kreis? Welche Organisationen beschäftigen sich mit
touristisch relevanten Themen? Was sucht der Kunde? Welche Erwartungen hat der
Gast?
Eine zentrale Herausforderung bei der Erarbeitung eines touristischen Leitbildes für
den Rhein-Sieg-Kreis stellte die Heterogenität, die Vielzahl touristischer Angebote
sowie die Berücksichtigung der unterschiedlichen Kultur- und Naturlandschaftsbilder
„Rechts und Links des Rheins“ dar. Gleichermaßen wurde bei den Akteuren diese
Vielfalt aber auch als Chance für eine zukunftsweisende touristische Entwicklung
gesehen, weil sich der Rhein-Sieg-Kreis aufgrund dessen in den letzten Jahren stark
touristisch weiterentwickeln konnte. Es bestand Einigkeit, dass auch ein Vorschlag für
eine gemeinsame Strategie mitentwickelt werden soll.
Das touristische Leitbild des Rhein-Sieg-Kreises befindet sich noch in der Endredaktion
und wird kurzfristig nachgereicht (Anhang 2).
Auf der Basis der beiden touristischen Leitbilder Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis
sollen in einem nächsten Schritt die fachlich inhaltliche Abstimmung zwischen dem
Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn sowie im Anschluss daran zentral die
Abstimmung mit den Vorstellungen der T&C erfolgen.
Ziel des Evaluationsprozesses soll es sein, in den nächsten Wochen gemeinsam mit
allen Beteiligten die möglichen thematischen Schnittmengen zusammend zu
definieren, für die Themen und Tätigkeiten eine sinnvolle Struktur, die denSeite 4 von 38
Anforderungen von morgen gerecht wird, zu entwickeln, die Aufgabenverteilung zu
erarbeiten und festzulegen sowie mögliche Finanzierungsmodelle zu erörtern und zu
bewerten.
Die Verwaltung wird hierzu im Ausschuss weiter berichten.
Im Auftrag:
gez. Rosenstock
Anhang:
1: Leitbild der Stadt Bonn
2: Leitbild des Rhein-Sieg-KreisesSeite 5 von 38
1
©Tourismus Siebengebirge
Touristisches Leitbild des
Rhein-Sieg-KreisesSeite 6 von 38
2
Inhalt
I. Ausgangslage 3
II. Leitprozess 5
III. Leitmotiv und Zielgruppen 6
IV. Handlungsfelder 10
Handlungsfeld 1: Produktorientierung und zielgruppenspezifi-
sches Themenmarketing 10
Handlungsfeld 2: Schaffung eines verantwortungsvollen und
nachhaltigen Tourismus 17
Handlungsfeld 3: Inklusion/ Barrierefreiheit „Reisen für Alle“ 21
Handlungsfeld 4: Strukturen der Tourismusentwicklung 22
V. Strategien für den Rhein-Sieg-Kreis 23
VI. RHEIN-SIEG-FANS 28
VII. BONN-RHEIN-SIEG-FANS 30
VIII. Ausblick 31Seite 7 von 38
3
I. Ausgangslage
Der Tourismus mit seinen verschiedensten Facetten ist im Rhein-Sieg-Kreis ein be-
deutender Wirtschaftsfaktor, der einer ständigen Qualitätsverbesserung unterliegt
und von Behörden, Unternehmen sowie privaten Leistungsanbietern ein hohes, ziel-
orientiertes Engagement fordert. Dabei sollen die ökologischen und ökonomischen
Herausforderungen bestmöglich in Einklang gebracht werden.
Dabei ist eine überregionale und (inter-) nationale Wahrnehmbarkeit der touristischen
Angebote für die Sicherung des Gäste- und Übernachtungsaufkommens von ele-
mentarer Bedeutung.
In der Vergangenheit wurde mit erheblichen finanziellen Mitteln (ca. 40 Mio. €) eine
Vielzahl von attraktiven touristischen Produkten – gerade im Bereich des Aktivur-
laubs mit den Zielgruppen Wanderer und Radfahrer – geschaffen. Hierzu zählen z.B.
der Römerkanalwanderweg, die Apfelroute, der Natursteig Sieg und der Bergische
Weg, die Erlebniswege in der Naturregion Sieg oder die Streifzüge im Bergischen,
die Einführung des Knotenpunktsystems für Freizeit- und Alltagsradler sowie die vie-
len Infrastrukturprojekte aus der REGIONALE 2010 (Klosterlandschaft Heisterbach,
Drachenfels etc.). Diese Aktivitäten führten dazu, dass der Rhein-Sieg-Kreis als Ak-
tivregion für WanderInnen und RadfahrerInnen bereits weit über seine Grenzen hin-
aus bekannt und beliebt ist – aber längst noch nicht bekannt und beliebt genug!
Durch die 1997 gegründete Tourismus & Congress GmbH konnten die neu entwi-
ckelten Produkte jedoch nicht entsprechend vermarktet werden und für den Rhein-
Sieg-Kreis hat der touristische Raumbezug „bonnregion“ es leider nicht geschafft, ei-
nen nennenswerten, tourismusrelevanten Bekanntheitsgrad oder ein Zusammenge-
hörigkeitsgefühl der Akteure unter diesem Dach zu erreichen. Der Begriff konnte sich
am Markt nicht durchsetzen.
Parallel sind im Rhein-Sieg-Kreis kleinere Vermarktungseinheiten auf örtlicher bzw.
regionaler Ebene entstanden (1997 Tourismus Siebengebirge GmbH, 2004 Rhein-
Voreifel Touristik e.V., 2005 Bergisch hoch 4, 2014 Naturregion Sieg GbR).
Von den vier bestehenden Teildestinationen hat sich bis heute nur das Siebenge-
birge erfolgreich als Dachmarke im Betrachtungsraum positionieren können. Die Na-
turregion Sieg befindet sich auf einem guten Weg in der Markenentwicklung und -po-
sitionierung.
Die verbleibenden zwei Teildestinationen Rhein-Voreifel-Touristik und Bergisch hoch 4
verbinden nur einige Kommunen untereinander. Die örtliche bzw. regionale Wahrneh-
mung durch Akteure vor Ort ist sichergestellt (Binnenmarketing).
Zusammenfassend stellt sich die Ausgangssituation des Rhein-Sieg-Kreises wie folgt
dar:
1. Wahrnehmbarkeit der touristischen Angebote des Rhein-Sieg-Kreises
Eine Strahlkraft nach außen wird bisher kaum bzw. nicht erzielt, obwohl die
touristischen Produkte (siehe oben) durch effizientere und professionellere
Vermarktung überregionale und nationale Bedeutung erlangen könnten.Seite 8 von 38
4
2. Lokale Organisationsstrukturen
Die Kleinteiligkeit der Angebote birgt Defizite in den Bereichen Organisation,
Finanzen, Marketing und Wettbewerbsfähigkeit. Die Finanzausstattung ist in
der Regel gering. Nach Abzug der Personalkosten verbleibt für Marketingakti-
onen nur noch ein niedriges Budget, sodass eher nur eine lokale regionale
Reichweite erzielt werden kann.
Zudem entstehen für jede Organisationseinheit Overheadkosten für Steuerbe-
ratung, Buchhaltung, Jahresabschluss, da es sich in der Regel um eine Ver-
einsstruktur handelt.
3. Umsetzung und Entwicklung von überregionalen Projekten
Die Teildestinationen haben in der Vergangenheit immer wieder darauf hinge-
wiesen, wie wichtig die inhaltliche und fachliche Begleitung und Umsetzung
der überregional bedeutsamen Projekte durch den Rhein-Sieg-Kreis ist. Dies
gilt sowohl in der Vermarktung als auch bei der Schaffung von neuen Infra-
strukturprojekten (siehe EFRE Bergisches Wanderland, EFRE Naturregion
Sieg oder die REGIONALE 2025 Projekte). Aktuell zeigt sich dies verstärkt bei
interkommunalen Projekten und bei überregional sinnvollen Kooperationen
(Buchungssystem, Digitalisierung).
4. Wettbewerbsfähigkeit
Gerade die kleinen Teildestinationen sind auf dem immer härter umkämpften
Markt aufgrund ihrer geringen Ressourcenausstattung (Finanzen, Personal)
nicht mehr konkurrenzfähig und sehen sich einem immer größeren Druck zur
Effizienzoptimierung ausgesetzt.
Aufgrund dieser Erkenntnisse wurde ein Evaluationsprozess in Gang gesetzt, in dem
die zukünftigen Aufgaben für ein wettbewerbsfähiges zukunftsfähiges Destinations-
management analysiert und eine (neue) Zuordnung der Aufgabengebiete zu einzel-
nen Akteuren (Stadt Bonn, Rhein-Sieg-Kreis, T&C) erarbeitet werden soll. Es wurde
vereinbart, dass die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis zunächst im Rahmen ihres
Eigenverständnisses ihre touristischen Alleinstellungsmerkmale und ihre Zielgruppen
erarbeiten und im Anschluss daran die Ergebnisse daraus in einen gemeinsamen
Abstimmungsprozess zwischen der Stadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und der T&C
fließen.
Der Rhein-Sieg-Kreis initiierte daher einen Leitbild-Prozess mit dem Ziel, auf die zu-
künftigen touristischen Anforderungen Antworten zu finden, die bestehenden Touris-
musstrukturen zu analysieren und die anstehenden Aufgaben gemeinsam in der Re-
gion zu lösen. Basierend darauf, dass nur so die touristischen Angebote an Rhein,
Sieg, Agger und Swist weiter konkurrenz- und wettbewerbsfähig bleiben bzw. die tou-
ristische Attraktivität gesteigert und die Profilierung des touristischen Potentials gesi-
chert werden kann.
Die touristische Konzeption für den Rhein-Sieg-Kreis baut auf vorhandenen Stärken
auf und nimmt ein Stück Zukunft vorweg. Es soll die Idee einer Vision von und für die
zukünftige touristische Entwicklung des Rhein-Sieg-Kreises im Jahr 2030 geben.Seite 9 von 38
5
II. Leitprozess
In Zeiten wachsenden Wettbewerbs zwischen Tourismusdestinationen im In- und
Ausland wird es immer notwendiger, die individuellen Merkmale einer Region heraus-
zuarbeiten, ein eigenständiges Profil aufzubauen und sich damit am Markt zu be-
haupten.
Diese Identitätsfindung erfordert viele Schritte, in die möglichst viele Institutionen in
der Region einbezogen werden, mit denen ein Konsens über die Ziele der Tourismu-
sentwicklung zu erreichen ist; denn es gilt: Nur, wenn gewährleistet ist, dass alle ge-
meinsam "an einem Strang" – und zwar in dieselbe Richtung - ziehen, können neue
Ansätze und Ideen auch tatsächlich umgesetzt und in konkrete Maßnahmen über-
führt werden.
Ein geeignetes und mittlerweile in vielen Regionen und Orten erprobtes Mittel zur
Identitätsfindung und zur Verständigung über die zukünftige Entwicklung einer Tou-
rismusregion ist die Erarbeitung eines touristischen Leitbildes. Es beschreibt den
Rahmen, in dem sich das zielorientierte Handeln der Tourismuspolitik, der Touristi-
kerInnen, der tourismusabhängigen UnternehmerInnen sowie der Bevölkerung bewe-
gen soll. Es gibt Auskunft über die Maßnahmen, die notwendig sind, um die gesteck-
ten Ziele zu erreichen.
Das touristische Leitbild des Rhein-Sieg-Kreises soll zur Bewusstseinsbildung bei
den Akteuren und in der Bevölkerung beitragen: Es erhöht die Chancen für eine sinn-
volle touristische Entwicklung und verringert die Gefahr von Fehlentscheidungen.
Zur Erarbeitung wurden im September und Dezember 2022 unter externer Modera-
tion zwei Workshops durchgeführt. Eingebunden wurden touristische AkteurInnen,
VertreterInnen der Teildestinationen, Leistungsträger, HVB, Politik, Verbände, Institu-
tionen, Hochschulen sowie ExpertInnen (Reisebranche/ Nachhaltigkeit).
Nach erfolgtem fachlichen Input über aktuelle touristische Trends und Entwicklungen
wurden folgende Fragestellungen in den Workshops u.a. behandelt:
Wofür steht der Rhein-Sieg-Kreis touristisch? Was sind die relevanten Themen? Welche
Alleinstellungsmerkmale hat der Rhein-Sieg-Kreis? Welche touristische Vision steht in
2030 für den Rhein-Sieg-Kreis? Welche Organisationen beschäftigen sich mit touristisch
relevanten Themen? Was sucht der Gast? Welche Erwartungen hat der Gast?
Dabei stellt die Heterogenität, die Vielzahl touristischer Angebote sowie die Berück-
sichtigung der unterschiedlichen Kultur- und Naturlandschaftsbilder „Rechts und
Links des Rheins“ eine zentrale Herausforderung bei der Erarbeitung eines Leitbildes
für den Rhein-Sieg-Kreis dar. Gleichermaßen wurde bei den AkteurInnen diese Viel-
falt aber auch als Chance für eine zukunftsweisende touristische Entwicklung gese-
hen, weil sich der Rhein-Sieg-Kreis aufgrund dessen in den letzten Jahren stark wei-
terentwickeln konnte. Es bestand Einigkeit, dass auch ein Vorschlag für eine kreis-
übergreifende gemeinsame Strategie mitentwickelt werden soll.
Als Ergebnis des Leitbildprozesses wurde die Notwendigkeit gesehen, die zukünftige
inhaltliche Ausrichtung für den Rhein-Sieg-Kreis zu konkretisieren und eine Profil-
schärfung vorzunehmen. Dabei sollen insbesondere die Themenschwerpunkte Nach-
haltigkeit, Urlaubsregion für Familien, klimafreundliche und nachhaltige Region mit
hoher Lebensqualität, Beethoven, Kongress, nachhaltige Mobilität und Infrastruktur in
den Fokus genommen werden.Seite 10 von 38
6
III. Leitmotiv und Zielgruppen
Rhein-Sieg-Kreis: Familiär – Aktiv – Nachhaltig - Spannend
1. Leitmotiv
Die Rahmenbedingungen für den Tourismus haben sich in den letzten Jahren verän-
dert. Einkommenssteigerungen sowie der gleichzeitig wachsende Stellenwert der
Freizeit führen zu immer höheren Anforderungen an die Entwicklung qualitativer und
differenzierter touristischer Infrastruktur in den Destinationen. Dadurch hat sich der
Wettbewerb auf den touristischen Märkten verstärkt. Die Analyse zeigt, dass die Zah-
len der Übernachtungen und Ankünfte im Rhein-Sieg-Kreis in den letzten Jahren
(ausgenommen die Coronazeit) gestiegen sind, dennoch aber im Landesvergleich
noch ausbaubar sind. So stiegen die Übernachtungszahlen im Rhein-Sieg-Kreis von
2010 auf 2019 um 19,6 Prozent; im Gegensatz hierzu NRW-weit um 26,5 Prozent.
Um zukünftig im touristischen Wettbewerb mithalten zu können, sollen daher die vor-
handenen Potenziale besser genutzt werden, um den Rhein-Sieg-Kreis stärker als
vielseitigen Tourismus- und Urlaubsstandort zu profilieren. Für die Zukunft des Land-
kreises als attraktiver Tourismus- und Urlaubsort ist es in erster Linie wichtig, die La-
gepotenziale bestehender Angebote und Sehenswürdigkeiten in der Region verstärkt
zu nutzen, Stärken besser herauszustellen und darüber die Zahl der BesucherInnen
und deren Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Dabei soll die nachhaltige Sicherung und
Weiterentwicklung der touristischen Qualität und Vielfalt sowie die Bündelung der
Tourismuskräfte im Fokus stehen.
Der Tourismus leistet einen starken, sichtbaren und
anerkannten Beitrag zur Standort-, Lebens – und Erlebnisqualität
für Gäste, Einwohnende und Unternehmen.
2. Zielgruppen
Aufgrund der oben beschriebenen Heterogenität des Kreises erscheint es zielführen-
der und innovativer, den zukünftigen weiteren Entwicklungsprozess des Tourismus
im Rhein-Sieg-Kreis nicht in erster Linie auf die Themen (die nach wie vor eine
wichtige Rolle spielen) auszurichten, sondern im Rahmen des themenorientierten
Zielgruppenmarketings je nach Zielgruppe und deren Ansprüchen die Angebote un-
terschiedlich zu bündeln und aufzubereiten. Diese Ansprache der Gäste über einen
themenorientierten Zielgruppenansatz baut auf der Landestourismusstrategie NRW
auf.
Um eine professionelle Grundlage für die zukünftige Tourismusarbeit im Rhein-Sieg-
Kreis dauerhaft zu etablieren, ist es daher notwendig, die bestehende Urlaubertypo-
logie neu zu definieren.
Basierend auf den festgelegten Zielgruppen des Landesmarketings NRW erscheint
für den Rhein-Sieg-Kreis die Adaption folgender Zielgruppen sinnvoll. Hiermit wird
auch eine gemeinsame Vermarktung mit definierten Produktlinien ermöglicht.Seite 11 von 38
7
SINUS-Milieus ADAPTIV-PRAGMATISCHE
MITTE EXPEDITIVES MILIEU*
DER MODERNE
MAINSTREAM
AMBITIONIERTE KREATIVE
BOHÈME
Leitmotiv
 Gut geplante Schritte statt
große Sprünge
 Reisen als Paar oder allein
oder als Familie (bis 13 J.)
nach NRW (vor allem als
Tagesreise (18%) oder
Kurzreise (23%))
 Spaß, Komfort und Unter-
haltung
 Grenzen sind da, um über-
schritten zu werden.
 Reisen allein oder mit Freunden
nach NRW (vor allem als Ta-
gesreise (25%) oder Kurzreise
(32%)) Überdurchschnittlicher
Anteil von Studenten/ Schülern
 Umweltbewusstsein/ Nachhal-
tigkeit/ ÖPNV- Affinität
Wohnort Vor allem in ländlichen Regio-
nen
Vor allem in Großstädten (Köln,
Bonn, Düsseldorf, Frankfurt)
Präferenzen für
Unterkunft
Hotel, Ferienanlage, Ferien-
wohnung/-haus, Jugendher-
berge, Camping
Hotel, Jugendherberge
Aktivitäten
Wandern, Radfahren, Ent-
spannen in der Natur, Ausflüge
mit der Familie, Besuch von
Attraktionen/Bädern
Spaß & Erlebnis: Radtouren,
Mountainbike, Klettern, neue Sport-
arten
Kreativität: Städte mit Sightseeing
abseits der Touristenpfade, innova-
tive Museen, Ausstellungen &
Events
Reisemotive für
Urlaub in NRW vor allem Aktiv und Natur Aktiv, Natur und Kultur
Informationen vor
Ort Klarer Fokus auf Vertrauen Klarer Fokus auf online & mobil
* Potential für die zukünftige Entwicklung der Angebote auf diese Zielgruppe
Der Rhein-Sieg-Kreis überprüft und bewertet die Passfähigkeit der genannten Ziel-
gruppen mit den bestehenden und den entwickelbaren Angeboten im Rhein-Sieg-
Kreis.
Um auch in Zukunft effektives Marketing unter der Herausforderung der immer rasan-
ter wachsenden Informationsflut sowie begrenzten budgetären Mitteln betreiben zu
können, konzentriert sich der Rhein-Sieg-Kreis auf die beiden Schwerpunkt-SINUS-
Milieus (Adaptiv Pragmatisch und Expeditiv) in Verbindung mit den im Folgenden
aufgezeigten unterschiedlichen Produktlinien.
Ergänzt um eine qualitative Aufwertung der Infrastruktur, der Produktgestaltung, den
bereits bestehenden Produkten und den noch zu entwickelnden Themen und Pro-
duktlinien wird für diese Zielgruppen das höchste Potential für die Zukunft gesehen.Seite 12 von 38
8
Beispiele für Adaptiv-Pragmatische Mitte
Aktive Naturgenießer: Diese Zielgruppe mittleren Alters sind gerne zu Zweit oder
auch mit Freunden und Familie unterwegs. Sie haben Freude am gemeinsamen Ent-
decken schöner Landschaften und legen Wert auf nachhaltige Erlebnisse. Sie unter-
nehmen Radtouren und Wanderungen von einem Standort aus. Sie bevorzugen regi-
onaltypische Hotels und Gasthöfe, legen Wert auf die Nähe zu Rad- und Wanderwe-
gen und Erreichbarkeit mit dem ÖPNV. Neben Ausflügen zu kulturellen Sehenswür-
digkeiten genießen sie die regionale Kulinarik. Gastlichkeit und Lebensfreude haben
für sie einen hohen Stellenwert.
Ihr Leitmotiv ist: „Auf abwechslungsreichen Rad- und Wanderwegen attraktive
Landschaften, Land und Leute kennenlernen”
Wanderer: Die Liebe zur Natur und dem Wandern prägt diese Zielgruppe mittleren
Alters. Sie haben das Bedürfnis Natur intensiv zu Fuß zu erleben und dabei etwas für
die Gesundheit zu tun. Allein, zu Zweit oder in Grüppchen unternimmt sie Wander-
touren auf zertifizierten (Fern-) Wanderwegen. Dabei wechselt sie den Übernach-
tungsort und nutzt gern wanderfreundliche Services, z.B. einen Gepäcktransfer. Eine
direkte und attraktive Lage am Wanderweg sowie die Erreichbarkeit mit öffentlichen
Verkehrsmitteln sind Voraussetzung und wichtig. Während ihrer Wanderung schätzt
sie Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand. Nach langen
Wandertagen genießt sie gerne die regionale Kulinarik, probiert regionale Spezialitä-
ten und sucht Entspannung in der Unterkunft.
Ihr Leitmotiv ist: „Ursprüngliche Natur- und Kulturlandschaften auf zertifizierten
Fernwanderwegen erleben“
Vielseitige Aktive: Diese eher jüngeren Gäste reisen oft als Familie mit Kindern. Im
Urlaub lieben sie Action, Spannung und Spaß, suchen ein abwechslungsreiches An-
gebot und sind gerne aktiv in der Natur unterwegs. Sie sind vielseitige, lebensfreu-
dige AktivurlauberInnen mit hohem Design- und Komfort-Anspruch (Schlaffass, Holz-
hütte, Tiny House, Glamping-Zelt, Baumhotel, Bett to go, etc.).Seite 13 von 38
9
Themenwanderwege, Mountainbike fahren, Klettern oder der Besuch von Freizeitein-
richtungen wie interaktive Museen gehören zu ihren Lieblingsaktivitäten. Außerdem
besuchen sie gern Kulturangebote und Sehenswürdigkeiten. Modernität, Nachhaltig-
keit sowie Familienfreundlichkeit sind wichtige Aspekte bei der Planung.
Ihr Leitmotiv ist: „Abenteuer in den ursprünglichen Natur- und Kulturlandschaf-
ten erleben“
Kultur- und Landschaftsliebhaber: Der Besuch von kulturellen Sehenswürdigkei-
ten und Veranstaltungen und gemütliche Aktivitäten in der Natur sind dieser Ziel-
gruppe sehr wichtig. Sie reist alleine, zu zweit oder in Kleingruppen. Sie sind entde-
ckungsfreudige Kultur- und Landschaftsliebhaber mit hohem Authentizitäts- und Qua-
litätsanspruch. Bei ihren GastgeberInnen schätzt sie aufmerksamen und zuvorkom-
menden Service. Bei ihren Ausflügen oder dem Besuch von Veranstaltungen ist ihr
ein hohes Maß an Organisation wichtig. Sie möchte in ihrem Urlaub Kultur und Natur
sowie regionale Kulinarik genießen.
Ihr Leitmotiv ist: „Wissenserweiterung durch Besuch historischer Stätten und
Burgen sowie Naturschätze genießen“Seite 14 von 38
10
IV. Handlungsfelder
Handlungsfeld 1:
Produktorientierung und zielgruppenspezifisches
Themenmarketing
Im Rahmen des Themenmarketings wurden in den vergangenen Jahren im Rhein-
Sieg-Kreis gezielt die Themen Aktiv (Wandern, Radfahren), Naturerlebnis und Regio-
nale Produkte bespielt und vermarktet sowie eine entsprechende touristische Ange-
bots- und Infrastruktur aufgebaut.
Für die zukünftigen Schwerpunktthemen wurden sechs Produktlinien identifiziert, ent-
lang denen der Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis in Anlehnung an die korrelierenden
Zielgruppen entwickelt werden soll:
 Aktivtourismus (Wandern und Radfahren),
 Naturerlebnis
 Regionale Produkte (Genuss Kulinarik),
 Flusslandschaften (Rhein, Sieg, Agger, Bröl, Swist),
 (Kulturelle) Orte mit Identität (Geschichten, Kultur, Anekdoten, Sagen,
Mythen, Historie) sowie
 Tagungen & Seminare
 als Querschnittsthemen Nachhaltigkeit und Inklusion (Barrierefreiheit)
Produktlinie 1: Aktivtourismus (Wandern und Radfahren)
Der Rhein-Sieg-Kreis hat aufgrund der vielen unterschiedlichen Landschafts- und
Kulturformen in den letzten Jahren erhebliche Investitionen in die Wander- und Fahr-
rad-Infrastruktur getätigt. Dabei hat jede Teilregion ihre ganz spezielle Charakteristik.
Die wald- und aussichtsreichen Mittelgebirgslandschaft beheimatet eine artenreiche
Fauna und Flora und ist gespickt mit geologischen und kulturellen Besonderheiten
entlang der Wander- und Radwege. Flussläufe wie Rhein, Sieg, Agger, Bröl und
Swist bilden natürliche Korridore und bieten (zum Teil zertifizierte) Wanderstrecken
entlang imposanter Täler. Neben den Qualitätswanderwegen Rheinsteig, Natursteig
Sieg und Bergischer Weg gehören auch die Kurz- und Rundtouren zum Wanderan-
gebot. Die abwechslungsreichen Wege sind alle nach Qualitätskriterien geplant und
umgesetzt, dicht markiert und nach landesweit einheitlichen Kriterien mit Wegweisern
beschildert. Der Rhein-Sieg-Kreis und seine TourismuspartnerInnen möchte sich als
Aktivregion in Deutschland positionieren und seinen Bekanntheitsgrad sowie seine
Attraktivität steigern. Dazu sollen für die Aktiv-Gäste verschiedene Maßnahmen wei-
terentwickelt werden, um den umfassenden Qualitätsansprüchen zu entsprechen.
Radfahren in Freizeit und Urlaub boomt auf hohem Niveau. Der Rhein-Sieg-Kreis hat
daher konsequent den Ausbau des Radwegenetzes unter touristischen Aspekten be-
trieben. Insgesamt steht den Radfahrern ein engmaschiges Netz an qualitativ hoch-
wertigen Radwegen inkl. verschiedener Radfernwege und einer Vielzahl regionalerSeite 15 von 38
11
Routen zur Verfügung. RadfahrerInnen, die es gemütlich mögen, können sich ent-
lang der Flussläufe von Rhein, Sieg, Agger, Bröl und Swist treiben lassen und die
verschiedenen Landschaftstypen vom Sattel aus genießen. Einzigartige Kulturdenk-
mäler laden vielerorts mit spannenden Sehenswürdigkeiten zum Zwischenstopp und
Verweilen ein. Sportlich ambitionierte PedalritterInnen hingegen können mit dem
Rennrad auf ruhigen Landstraßen Höhenmeter schrubben. Zur zweifelsfreien Orien-
tierung erfolgt die Radwege-Beschilderung nach einem Knotenpunktsystem. Der
Themenbereich Fahrrad muss zukünftig in der Angebotsentwicklung und Kommuni-
kation noch stärker segmentiert werden. Egal ob auf dem Tourenrad, E-Bike, Moun-
tainbike, Rennrad oder Gravelrad – der Rhein-Sieg-Kreis bietet einzigartige, persönli-
che Erlebnisse in einer einmaligen Natur- und Kulturlandschaft. Hierbei sind die Be-
reiche MTB, Gravel-, Renn- und Trekking-Rad verstärkt zu betrachten.
Hier sind insbesondere folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Storytelling: „Römerkanal-Wanderweg“ als technische Meisterleistung (Ge-
schichte der Wasserversorgung einst und jetzt, Bedeutung des Wassers heute
etc.)
 Qualitäts- und Fernwanderwege: Natursteig Sieg und Römerkanalwander-
weg verfügen über exzellente Bahnanbindung.
 Rundwanderwege: Erlebniswege, Schleifen, Themenwege mit hervorragen-
der Ausschilderung („unverlaufbar“), Zielgerichtes Gehen, Absichtsloses Um-
herschweifen, Achtsame Auszeit
 Überregional bedeutende Rad(fern-)wege: Rheinradweg, Apfelroute, Was-
serburgenroute, Radweg Sieg
 Knotenpunktsystem: Radwegenetz ausgebaut („unverfahrbar“)
Die Produktlinie „Aktiv“ ist hinsichtlich ihrer Infrastrukturen be-
reits qualitativ und quantitativ gut entwickelt und ausgebaut,
könnte jedoch noch in der Vermarktung durch zielgruppenspezifi-
sche Maßnahmen als Leuchtturm-Produkt besser in den Fokus
stellt werden. („Schaufenster-Produkt“)Seite 16 von 38
12
Produktlinie 2: Naturerlebnis
Die Natur und insbesondere unsere Wälder sind die grüne Lunge unserer Erde. Zu-
gleich bieten sie der faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt eine Heimat und uns die
Möglichkeit, diese sensiblen Lebensräume zu begreifen. Nur was man kennt, ist man
bereit zu schützen. Hier heißt es, die Natur in ihrer ganzen Vielfalt wahrnehmen, im
Wald auf Entdeckertour gehen, in Museen den Forschergeist wecken, sich auf das
Abenteuer der heimischen Wildnis einlassen und den Zauber im Kleinen entdecken.
Wichtige Themenbereiche sind hier z.B. Naturbeobachtung, Naturpädagogik, Natur-
schutz sowie Naturprodukte, aber auch Aktivitäten, die ein besonderes Naturerlebnis
bieten. Diese Produktlinie soll die eindrucksvolle Natur in den Mittelpunkt stellen. Da-
bei wird „Natur“ in diesem Zusammenhang nicht nur als ursprüngliche „wilde“ Natur
definiert, da fast alle Naturlandschaften im Rhein-Sieg-Kreis seit Jahrhunderten auch
Kulturlandschaften sind. Die Aktivitäten Wandern und Radfahren spielen somit für
diese Produktmarke eine Rolle, werden aber durch Aktivitäten wie Kanufahren, Klet-
tern etc. erweitert.
Hier sind insbesondere folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Wildnispfade: Siebengebirge mit einmaligem Schutzcharakter
 Kinder-Erlebniswege: Bienen- und Waldlehrpfad
 Naturforschergruppe „Schlaufüchse“: Umweltbildung für Kinder
 Baumpflanz-Aktionen: als Teambuilding-Maßnahme
 Geführte Wanderungen: Veranstaltungsprogramm der zertifizierten Natur-
und Landschaftsführer
 Inwertsetzung des Potentials an Streuobstwiesen: Obstbaumpflege, Ernte,
Herstellung von Säften
Die Produktlinie „Naturerlebnis“ ist hinsichtlich ihrer Infrastrukturen
bereits qualitativ und quantitativ gut entwickelt und ausgebaut,
könnte jedoch noch in der Vermarktung durch zielgruppenorientierte
Maßnahmen als Leuchtturm-Produkt besser in den Fokus stellt wer-
den („Schaufenster-Produkt“).
Produktlinie 3: Regionale Produkte (Genuss Kulinarik)
Produkte aus der Region liegen im Trend und stellen eine tragende Säule bei der
Wahrnehmung regionaler Identität dar. Sie überzeugen durch kurze Liefer- und
Transportwege, haben eine gute Ökobilanz, stärken Kundenvertrauen und fördern
regionale Identifikation. Diese Vorzüge werden auch für immer mehr GastronomIn-
nen, Hoteliers und FreizeitanbieterInnen relevant. Gerade in der Gastronomie wer-
den aus Sicht der Gäste der Genuss natürlicher, regionaler und saisonaler Lebens-
mittel und Produkte sowie die Authentizität der Angebote immer wichtiger. Zudem er-
fahren die Themen Regionalität und Heimatverbundenheit immer mehr Beachtung.
Das Motto lautet: Das Gute liegt (und wächst) so nah! Regionale Produkte können
auch als „Sehnsuchtsprodukt“ fungieren und stellen ein Symbol für das Bedürfnis
nach Authentizität, Regionalität, Heimat sowie Entschleunigung dar.Seite 17 von 38
13
Hofläden bieten zudem ein breites Spektrum an regionalen Produkten und typischen
Spezialitäten, teilweise aus eigenem Anbau. Ziel ist es, die Möglichkeiten aus traditi-
oneller Küche, regionalen Produkten und innovativen Angeboten zu einem positiven
Image für die Region an Rhein und Sieg umzuwandeln. Zudem führen Wertschöp-
fungsketten vor Ort, regionale Produkte und deren Vermarktung zu mehr Nachhaltig-
keit im Tourismus und von dieser Entwicklung profitieren alle: AnbieterInnen, Gäste
und unser Ökosystem. Daher gilt es die kulinarische (regionale) Vielfalt stärker her-
auszustellen.
Hier sind vor allem folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Kulinarische Touren: Genusstouren nach dem Vorbild „Lecker Ländchen“
(Naturpark Siebengebirge) oder Food-Walk
 Netzwerk: Regionale Produzenten
 „Gemüsegarten“ von NRW: Größtes Obst- und Gemüseanbaugebiet NRW
 Spargelregion: seit 2014 ist der Bornheimer Spargel im EU-Register für regi-
onale Spezialitäten eingetragen und gilt als geschützte geographische Angabe
wie Parmesan und Champagner
 Herstellung von Fruchtsäften (und Spirituosen): Vermarktung heimischer
Streuobstwiesen etwa der Biologischen Station Rhein-Sieg
 Produktverkostungen: Weinproben, (Streuobst-)Wiesen-Führungen, Infoab-
ende
 Etablierung von MarktschwärmereienSeite 18 von 38
14
 Storytelling: „Wurzeln des modernen Obstanbaus im Vorgebirge“
 „Mühlenregion“: Vermarktung der aktiven Mühlenkultur und der regionalen
Produkte – z.B. Bedorfer Mühle-Wachtberg)
 Vorstellung von Manufakturen
 Straußwirtschaften: Initiierung als Ergänzung zum Gastronomieangebot
Die Produktlinie „Regionale Produkte“ hat großes Entwicklungspo-
tential, welches aber noch verstärkt ausgebaut werden sollte.
(„Schaufenster-Produkt der Zukunft“)
Produktlinie 4: Flusslandschaften
Wo Wasser ist, ist Leben. Mal sind die Flüsse und Bäche unscheinbar und mal zei-
gen sie ihre ganze Pracht. Der Rhein ist zentrales Rückgrat der Flusslandschaften
Bonn-Rhein-Sieg, er schreibt Geschichten, sorgt für Lebensräume und schafft Erho-
lung. Dabei kann sich kaum einer dem Zauber und der romantischen Ausstrahlung
des Rheins entziehen. Schon vor rund 200 Jahren haben Maler und Dichter der
Romantik die märchenhafte Schönheit dieser Flusslandschaft zwischen Bodensee
und niederländischer Grenze entdeckt. Besonders heftig klopfte das Herz beim An-
blick des sog. „Tor zum Mittelrhein“ am Siebengebirge/ Bonn mit seinem engen
Durchbruch durch das Rheinische Schiefergebirge und den weinbewachsenen Hän-
gen. Aber auch die Nebenflüsse des Rheins (Sieg, Agger, Swist, Bröl) können z.B.
mit dem mehrstufigen Siegwasserfall in Windeck Schladern, dem breitestem Wasser-
fall Nordrhein-Westfalens, reizvoll und spannend sein.
Die Flusslandschaften bieten die optimale Gelegenheit, unterschiedlichste Angebote
zu kombinieren. Somit wird gegenüber der Zielgruppe eine hohe Variabilität geboten,
die gleichzeitig Begehrlichkeiten wecken und Langeweile im Keim ersticken.Seite 19 von 38
15
Hier sind insbesondere folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Nachhaltiger Tourismus: Einer der wichtigsten Trends im Tourismus gerade
auch in Flusslandschaften ist der Fokus auf Nachhaltigkeit. Reisende sind im-
mer mehr an Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit interessiert und viele
Destinationen haben begonnen, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre ökologi-
sche Auswirkung zu minimieren und den Schutz der sensiblen Flusslandschaft
zu fördern (z.B. durch Kennzeichnungen oder virtuelle Reisen).
 Adventure/Erlebnis-Tourismus: Es gibt eine steigende Nachfrage nach
abenteuerlichen Aktivitäten in Flusslandschaften, wie Rafting, Kanufahren, An-
geln und Wandern. Diese Aktivitäten bieten Reisenden die Möglichkeit, die
Natur auf eine einzigartige Weise zu erleben.
 Agrotourismus: Ein weiterer Trend ist der Agrotourismus, bei dem Reisende
auf dem Land bleiben, um die Landschaft und das Landleben zu erleben. In
Flusslandschaften können AgrotouristInnen auf Bauernhöfen oder Weingütern
übernachten, an landwirtschaftlichen Aktivitäten teilnehmen und lokale Pro-
dukte kosten.
 Kulturtourismus: Ein weiterer Trend im Tourismus in Flusslandschaften ist
der Kulturerbe-Tourismus. Reisende können historische Stätten besuchen, die
mit Flüssen und Flusslandschaften verbunden sind, wie Handwerk und Müh-
lenkultur oder Zeugen der frühen Industrialisierung.
 Rad- und Wandertourismus: Eine weitere beliebte Aktivität ist das Radfah-
ren und Wandern entlang der Flüsse. Es gibt viele gut ausgebaute Wander-
und Radwege entlang der Flüsse in der Region, die Reisende auf einer erleb-
nisreichen Reise durch die Landschaft und Städte führen.
Die Produktlinie „Flusslandschaften“ hat in Teilbereichen Entwick-
lungspotential, welches aber noch verstärkt ausgebaut werden sollte
(„Schaufenster-Produkt der Zukunft“).
Produktlinie 5: (Kulturelle) Orte mit Identität
(Kulturelle) Orte mit Identität verbinden einerseits den Wunsch nach Natur und Aktivi-
tät mit ungewöhnlichen Orten im Rhein-Sieg-Kreis. Gerichtet ist die Idee an Wan-
derInnen und RadfahrerInnen, die nicht viele Kilometer bewältigen, sondern die Zeit
in der Natur zur Erholung verbringen wollen. Ziel ist es, bis jetzt noch unbekannte
Orte zu entdecken, an dem Gäste sich geborgen fühlen und einfach Kraft tanken
können, aber auch bekannte Plätze mit Geschichten, Sagen, Mythen, Anekdoten und
Persönlichkeiten thematisch für die Gäste in Wert zu setzen. Eine Einbindung der
Orte in das qualitativ hochwertige Wander- und Radwegenetz ist vorgesehen.
Hier sind insbesondere folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Politische Geschichte/ Demokratie: Petersberg
 Persönlichkeiten: Konrad Adenauer, Willy Brandt, Peter Scholl-Latour
 Beethoven: in Bonn, dem Siebengebirge, in Siegburg (siehe Rundweg mit
Beethoven-Stelen)
 Sagen und Legenden: SiegfriedSeite 20 von 38
16
 Burgen: Burg Altendorf als älteste Burg im Rhein-Sieg-Kreis, Burg Lede, Burg
Niederpleis, Schloss Drachenburg, Burg Wissem
 Storytelling: Entdeckung unbekannter (bzw. unscheinbarer) Orte und inhaltli-
che Aufwertung mit interessanten Themen
Die Produktlinie „(Kulturelle) Ort mit Identität“ muss noch erarbeitet
werden, stellt jedoch gerade für die Schaffung eines Heimatbewusst-
seins und einer Identität mit dem Rhein-Sieg-Kreis eine zentrale Auf-
gabe dar („Schaufenster-Projekt der Zukunft“).
Produktlinie 6: Tagungs- und Seminarbereich
Kaum ein touristischer Sektor hat sich durch die Entwicklungen der Pandemie so ra-
sant verändert und entwickelt wie der Tagungs- und Seminarbereich. Der Rhein-Sieg-
Kreis und der in diesem Zusammenhang in einem Atemzug zu nennende Standort
Bonn sind traditionelle Gastgeber für Gäste der Tagungswirtschaft. Im Rhein-Sieg-
Kreis sind als Locations für (Groß-)Events das Rhein-Sieg-Forum und die Stadthallen
in Troisdorf, Meckenheim oder Hennef zu nennen. Die Entwicklungen speziell der letz-
ten drei bis fünf Jahre hat jedoch zu merklichen Einschnitten in der Branche geführt.
Nach dem absoluten Einbruch der Tagungsgästezahlen während der Pandemie erholt
sich die Branche nur schwer. Messen, Tagungen, Konferenzen und Kongresse ziehen
nach wie vor TeilnehmerInnen und BesucherInnen an, aber die vormals hohe Zahl an
kleineren Branchen- und Firmenevents hat drastisch abgenommen. Um diesem Trend
entgegenzusteuern, bedarf es einer Auseinandersetzung mit den neusten Entwicklun-
gen der Tagungsbranche.
Der Rhein-Sieg-Kreis sollte gemeinsam mit den AkteurInnen und BetreiberInnen die
bestehenden Herausforderungen annehmen und zur Existenzsicherung der Tagungs-
stätten unterstützend tätig werden.Seite 21 von 38
17
Hier sind speziell folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger für Unternehmen und
Veranstaltungen. Dies schlägt sich in der Anreise mit dem ÖPNV, der Nutzung
von grünen Technologien, der Vermeidung von Plastik und der Verwendung
lokaler Lieferanten nieder. Dazu ist auch der Trend von „Tagen im Grünen“
passend.
 Technologie: Die Technologie spielt bei Veranstaltungen eine immer größere
Rolle. Dies schließt die Verwendung von Virtual- und Augmented-Reality-
Technologien sowie von Chatbots und künstlicher Intelligenz ein, um eine bes-
sere Interaktion und Kommunikation mit Teilnehmern zu ermöglichen.
 Virtual und Hybrid-Events: Aufgrund der COVID-19-Pandemie haben virtu-
elle und hybrid-Events an Bedeutung gewonnen. Diese Veranstaltungen er-
möglichen es, online teilzunehmen und interaktiv zu bleiben, ohne dass die
Teilnehmenden an einem physischen Ort anwesend sein müssen.
 Gesundheit und Wellness: Gesundheit und Wellness werden immer wichti-
ger für alle, die achtsam und gesund bleiben möchten. Dies wird durch Ange-
bote wie Yoga-Klassen, gesunde Ernährung und Sportmöglichkeiten unter-
stützt.
 Personalisierte Erfahrungen: TeilnehmerInnen erwarten eine personalisierte
Erfahrung bei Veranstaltungen, die auf ihre Interessen und Bedürfnisse zuge-
schnitten ist. Dies kann durch den Gebrauch von Technologien wie künstlicher
Intelligenz und Datenanalyse erreicht werden.
Die Produktlinie „Tagungen und Seminare“ hat Entwicklungspoten-
tial, welches aber noch verstärkt ausgebaut werden sollte („Zu-
kunftsprodukt“).Seite 22 von 38
18
Handlungsfeld 2:
Schaffung eines verantwortungsvollen und nachhaltigen
Tourismus
Nachhaltigkeit ist nicht erst seit der Diskussion um den Klimawandel ein Megatrend
und gesamtgesellschaftlich ein zentrales Thema. Die Nachfrage nach naturnahen Ur-
laubserlebnissen („Grüner Konsum“) steigt und der nachhaltige Umgang mit Ressour-
cen und das Handeln von nachhaltigen Werten gewinnen zunehmend an Bedeutung.
UrlauberInnen wollen nachhaltiger reisen, Destinationen wollen (und müssen) lang-
fristig mehr „grüne“ Reiseerlebnisse bieten.
Dies wirkt sich auch auf das Gästeverhalten aus: Der Wunsch, Zusammenhänge zu
verstehen und hinter die Kulissen zu blicken steht genauso im Fokus wie das
Entdecken von Kleinoden am Wegesrand. Nachhaltigkeit ist dabei für alle Lebensbe-
reiche entscheidend: In der Gastronomie werden aus Sicht der Gäste der Genuss
natürlicher, regionaler und saisonaler Lebensmittel und Produkte sowie die Authenti-
zität der Angebote immer wichtiger. Immer mehr Menschen achten zudem auf eine
klimafreundliche Mobilität (An- und Abreise sowie vor Ort) und favorisieren einen
nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Daher sollten Mobilitätskonzepte und
Frequenzen (ICE und S-Bahnen) noch stärker auch unter touristischen Aspekten be-
trachtet und geplant werden.
Im Rhein-Sieg-Kreis sind Einzelinitiativen und erste Ansätze, wie Fairtrade-Städte,
jedoch weder eine übergeordnete Strategie noch eine hohe Bedeutung erkennbar.
Gerade im touristischen Bereich sind kaum Initiativen vorhanden und es gibt nur ver-
einzelt AnbieterInnen, die das Thema aufnehmen und umsetzen. Allerdings bestehen
erfolgversprechende Ansätze in den Bereichen „Mobilität“ und „Regionale Produkte“.
So z.B.
 Erreichbarkeit (ÖPNV): Die hervorragende Erreichbarkeit von Bonn-
Rhein-Sieg mit dem ÖPNV. Gut ausgebautes und getaktetes Bus- und
Bahnnetz in der Region.
 Kostenlos Bahn fahren bei Buchung einer Übernachtung bei einem der 50
Qualitätsgastgeber, die entweder in der Nähe einer Zuganbindung liegen
oder und Hol- und Bringservice anbieten.
 An jeder Etappe des Natursteig Sieg und bei 14 Erlebniswegen liegt ein
Bahnhof am Start- und am Endpunkt. Mit Trail & Rail können die Ab-
schnitte beliebig kombiniert werden.Seite 23 von 38
19
 Die gute Bahnanbindung gilt auch für den Römerkanal-Wanderweg.
 Der Radweg Sieg führt nicht nur am Fluss entlang, sondern auch immer
wieder am Bahnhof vorbei. So ist eine bequeme Anreise auch mit eigenem
Fahrrad möglich.
 Nextbike: An über 100 Stationen lassen sich mehr als 500 RSVG-Bikes
inklusive E-Bikes und Lastenräder nutzen. Das System ist im gesamten
Rhein-Sieg-Kreis nutzbar und auch für Fahrtmöglichkeiten zu Zielen in
Bonn oder Köln geeignet.
 Ökomodellregion Bergisches Rheinland: Mit dieser Modellregion soll
mehr regionale Wertschöpfung und Wertschätzung von Lebensmitteln aus
ökologischer und nachhaltiger Erzeugung geschaffen werden. Zentrales
Bindeglied zwischen Erzeugern und Verbrauchern sowie Bildungsanbie-
tern und weiteren Akteuren ist das Regionalmanagement der Öko-Modell-
region. Hier werden die Aktivitäten gezielt vernetzt, gebündelt und in die
Öffentlichkeit getragen.
Hier sind insbesondere folgende Aspekte und Interaktionen beispielhaft zu nennen:
 Touristische DNA: Das Thema Nachhaltigkeit soll zur touristischen DNA des
Kreises und als Querschnittsthema für alle Glieder der touristischen Service-
kette entwickelt werden
 Qualifizierung: Vor allem sollen die touristischen LeistungsträgerInnen im
Rahmen von Qualifizierungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen motiviert wer-
den, sich im Bereich Nachhaltigkeit zu engagieren.
 Regionalität: Die Regionalität (regionale Küche) soll verstärkt thematisiert
werden und andere Angebote damit aufladen. Dabei sollen ganz gezielt regio-
nale Wertschöpfungsketten gestärkt und aufgebaut werden.Seite 24 von 38
20
 Landwirtschaft: Stärkung der Hofläden (Unverpackt einkaufen), Nachhaltig-
keitsprojekt „FAIRN GREEN“-Zertifizierung.
 Storytelling: Lokale Geschichten rund um nachhaltiges Wirtschaften und An-
gebote sollen aufgearbeitet und touristisch inszeniert werden. Dabei sollen
weniger technische Daten, sondern vielmehr die Geschichte der Menschen
und regionale Eigenheiten, lokale Besonderheiten und Authentizität in den
Vordergrund gestellt werden.
 Mobilität (kurze Wege= nachhaltige Wege): Entwicklung nachhaltiger Mobi-
litätsangebote und Attraktivitätssteigerung des ÖPNV. Ausbau der Bahnhöfe
zu Mobilitätsdrehscheiben und Erweiterung von Fahrrad- und E-Bike-Verlei-
hen (auch E-Cars) und dadurch des Angebots an alternativen Mobilitätsange-
boten.
 Mitarbeitende aus der Region: kurze Wege, Menschen, die sich mit der Re-
gion identifizieren
 Ökomodellregion BergischesRheinland: Die Ökomodellregion als Projekt
der REGIONALE 2025 für nachhaltige Regionalentwicklung soll stärker in das
Profil der touristischen Angebotsgestaltung und Vermarktung gestellt werden.
 Grüne Reisekarte Deutschland: Die Deutsche Zentrale für Tourismus, regio-
nale und lokale Destinations-Management-Organisationen nutzen die Grünen
Reisekarten als Planungsinstrument und als Quelle zur Entwicklung und Aus-
weitung ihres grünen Angebotes. Die Startkarte enthält bereits die grünen An-
bieter der teilnehmenden Zertifikate und Labels, jeder Betrieb ist mit dem Profil
seines grünen Beleges verlinkt. Die Destinationen informieren ihre Betriebe,
welche grünen Zertifikate und Labels für sie entlang der touristischen Dienst-
leistungskette zur Verfügung stehen, und laden sie ein, bei der grünen Reise-
karte mitzumachen - und so Teil der grünen Transformation ihrer Destinatio-
nen zu werden.
Das Handlungsfeld „Nachhaltigkeit“ muss - ergänzend zu den be-
stehenden Produkten - erarbeitet, als Querschnittsthema in alle Pro-
duktlinien integriert und als Leuchtturm-Produkt entwickelt werden
(„Schaufenster-Produkt der Zukunft“)Seite 25 von 38
21
Handlungsfeld 3:
Inklusion/ Barrierefreiheit „Reisen für Alle“
Barrierefreiheit ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen, touristisch wie gesamtge-
sellschaftlich. Vor allem infolge des demografischen Wandels (laut Berechnung des
IW-Instituts werden bis 2030 fünf Millionen mehr Ruheständler als neue Arbeitskräfte
geben) steigt die Nachfrage nach barrierefreien Angeboten. Dabei werden die barrie-
refreien Angebote nicht nur über Produkte für Ältere definiert, sondern auch für Men-
schen mit körperlichen Einschränkungen oder junge Familien mit Kinderwagen.
Das Thema Inklusion als Teil der Nachhaltigkeit spielt bisher in den einzelnen Regio-
nen des Kreisgebietes nur eine geringe Rolle und ist, abgesehen von einigen punktu-
ellen Aktivitäten, bei den touristischen Leistungsanbietern kaum relevant.
Daher muss Barrierefreiheit im Rahmen der touristischen Entwicklung im Rhein-Sieg-
Kreis neu konzipiert und entwickelt werden. Eine Bestandserfassung von barriere-
freien bzw. barriere-armen Angeboten liegt nur für Teilbereiche vor. Durch die REGI-
ONALE 2010 und 2025 wurde und wird bei der Erstellung neuen Infrastrukturen auf
die Umsetzung der Barrierefreiheit geachtet. So z.B. das Drachenfelsplateau, das
Schloss Drachenburg und das Klosterlandschaft Heisterbach.
Quelle: www.reisen-fuer-alle.de
Das Handlungsfeld „Barrierefreiheit“ muss noch vollständig erar-
beitet, als Querschnittsthema in alle Produktlinien integriert und als
Leuchtturm-Produkt entwickelt werden („Schaufenster-Produkt der
Zukunft“).Seite 26 von 38
22
Handlungsfeld 4:
Strukturen der Tourismusentwicklung im Rhein-Sieg-Kreis
Tourismuseinheiten
Der Rhein-Sieg-Kreis tritt zu Recht nicht als Destination auf, er ist gekennzeichnet als
ein heterogenes Gebiet aus Rheintal, Bergischem und Voreifel, in dem sich vier
kleine Tourismusregionen befinden. Diese sind z.T. am Markt nur gering positioniert
und bekannt. Die touristische Bedeutung, Entwicklung und v.a. die Organisations-
strukturen innerhalb des Kreises sind sehr unterschiedlich.
Tourismuseinheiten müssen zukünftig Bündelungs- und Managementfunktionen
übernehmen und Synergien unter den AkteurInnen herstellen, um am Markt wettbe-
werbsfähig zu bleiben.
Beherbergung/ Gastronomie
Der Beherbergungssektor im Rhein-Sieg-Kreis ist gekennzeichnet durch einen hohen
Anteil an Kleinbetrieben und an nicht gewerblichen Betten. Diese kleinteilige Anbie-
terstruktur bringt Probleme mit sich (z.T. fehlende touristische Professionalität, da
häufig im Nebenerwerb, fehlende Marketingmöglichkeiten), bietet jedoch auch Chan-
cen (persönliche Note, familiär, individuell etc.), die bisher jedoch nur unzureichend
ergriffen werden.
Sowohl im privaten als auch im gewerblichen Beherbergungsbereich bestehen Män-
gel in der Qualität und Attraktivität der Angebote, eine geringe Innovationsdynamik
und Investitionsstaus. Moderne, zeitgemäße Konzepte bezüglich Gestaltung, Ambi-
ente, Individualität, Zielgruppenorientierung oder thematische Schwerpunktsetzung
existieren kaum bzw. nicht. Angebote zur Verlängerung der Saison wie Wellness, Ak-
tiv, Tagungen, Co-Working existieren kaum. Eine große Herausforderung besteht zu-
dem in fehlenden Fach- und Arbeitskräften sowie in der Nachfolgeproblematik bei
Betrieben, so dass bei vielen ein Fortbestand bzw. die dringend notwendige Weiter-
entwicklung – gerade nach der Corona-Krise - nicht gesichert bzw. gewährleistet
werden kann.
In der Gastronomie gibt es ebenfalls Defizite sowohl in der Quantität (insbesondere
im ländlichen Raum) als auch in der Qualität, zudem auch in einer eher durchschnitt-
lichen Angebotsvielfalt und geringen Regionalität. Trends wie etwa die Kombination
von Tradition und Moderne bzw. Regionalität und Weltoffenheit werden oft nicht auf-
gegriffen, mögliche thematische Ausprägungen z.B. regionale Küche mit regionalen
Produkten gibt es kaum.
Die Beherbergungsbranche und das Gastgewerbe benötigen resiliente und innova-
tive Geschäftsmodelle, um zukunftsfähig zu bleiben. Daher sind Gäste- und Mitarbei-
terInnenzufriedenheit, Service-Effizienz und -Qualität, der Einsatz von Digitalisierung
und neuen Technologien, aber auch die daraus resultierenden Auswirkungen auf Ge-
schäftspartnerInnen und zukünftige Mitarbeitende essenziell für die Zukunft. Touris-
musorganisationen, Akteure und Politik müssen bei der Findung passender Formate
und Lösungen unterstützen sowie die richtigen Rahmenbedingungen setzen.Seite 27 von 38
23
V. Strategien für den Rhein-Sieg-Kreis
Die erfolgreiche Entwicklung und Steuerung für eine Weiterentwicklung des Touris-
mus im Rhein-Sieg-Kreis muss sich an veränderte Marktanforderungen anpassen.
Es reicht nicht mehr aus, als Tourismusorganisation den Schwerpunkt auf Vermark-
tung zu legen. Zukünftig werden die Betreuung und das Management der touristi-
schen Leistungsträger sowie die Abstimmung auf die SINUS-MILIEUS die entschei-
denden Erfolgskriterien sein. DMO´s entwickeln sich von Destination-Marketing-Or-
ganisationen zu Destination-Management-Organisationen.
Der Rhein-Sieg-Kreis bedarf – neben den lokalen AkteurInnen - einer Bündelung der
bestehenden Ressourcen (Finanzmittel, Personal), um die Qualität von Service und
Infrastruktur zu erhöhen, TouristikerInnen und Betriebe miteinander zu vernetzen,
Synergien zu schaffen, mit den PartnerInnen neue Projekte zu initiieren, mit diesen
Produkten gemeinsam zu werben und die Digitalisierung weiter voranzutreiben.
Im Vordergrund stehen dabei
 einer Differenzierung der Märkte und Zielgruppen (letztere werden bspw. an-
spruchsvoller und hybrider),
 die Notwendigkeit einer stärkeren Betrachtung der gesamten Reisekette (Qua-
litätsmanagement),
 die veränderten Kommunikationsmöglichkeiten und -verhalten (infolge v.a. der
Digitalisierung),
 die „Bespielung“ einer wachsenden Zahl von Kontaktpunkten und ein regional
übergreifendes Datenmanagement
 die zunehmende Bedeutung von Querschnittsaufgaben (wie Nachhaltigkeit,
Klimaschutz oder Arbeitskräftemangel), die entsprechende branchen- und re-
gional übergreifende Strategien und Maßnahmen verlangen
 die Finanzausstattung regionaler Tourismusdestinationen bei zugleich zuneh-
menden Aufgaben.
Zur Umsetzung einer erfolgreichen Produkt-Etablierung am Markt ist es notwendig
klare Ziele zu formulieren, Zielgruppen herauszufiltern, Vermarktungs- und Vertriebs-
plattformen mit Ausspielungskanälen zu definieren sowie Formate und Methoden
festzulegen.
Die möglicherweise anzuwendenden Strategie-Instrumente sollen hier kurz skizziert
werden.Seite 28 von 38
24
1. Leuchtturm-Strategie
Mit dem Begriff Leuchtturmprojekt wird ein Vorhaben bezeichnet, das eine Signal-
wirkung für zahlreiche Folgevorhaben haben soll, also wie ein Leuchtturm weithin
strahlen soll. Neben dem Erfolg ist daher auch eine große Bekanntheit beabsichtigt.
Leuchtturmprojekte in Rhein-Sieg-Kreis sind beispielhaft:
 die Apfelroute
 Siebengebirge, das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet in NRW
 der Drachenfels
 Klosterlandschaft Heisterbach mit 800 Jahren lebendiger Geschichte
 der Natursteig Sieg und der Rheinsteig
 der Rheinradweg und der Radweg Sieg
2. Qualitäts-Strategie
Diese orientiert sich an den touristischen Zielen des Rhein-Sieg-Kreises und seiner
Akteure. Dabei geht es neben der Analyse und den Empfehlungen für eine notwen-
dige Pflichtqualität zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gäste vor allem um die Ent-
wicklung der besonderen Erlebnisqualität, den „Wow!“-Effekt, damit der Gast den Be-
trieb oder die Region in bleibender Erinnerung behält und davon berichtet (Virales
Marketing). Dabei muss auch darauf geachtet werden, dass die entsprechende Infra-
struktur für die Zielgruppen wie Glamping, Tiny Houses, Baumhäuser vorhanden ist
bzw. geschaffen wird.Seite 29 von 38
25
Qualitätsangebote im Rhein-Sieg-Kreis sind beispielhaft:
 der Natursteig, der Rheinsteig und der Bergische Weg als zertifizierte Wander-
wege
 die zertifizierten Qualitätsgastgeber in der Naturregion Sieg
 die Bett & Bike zertifizierten Betriebe
 die „Wanderbares Deutschland“ zertifizierten Betriebe
3. Jahresthemen-/Jahrestage-Strategie
Die Heterogenität des Rhein-Sieg-Kreises bietet die Chance vielfältige Themen zu
kommunizieren. Dazu bieten sich – nach dem Vorbild der Deutschen Zentrale für
Tourismus (DZT) - die Vermarktung über sog. Jahresthemen an. So werden, z.B. an-
hand von Jubiläen, internationalen Tagen wie Apfel, Wald, Erde, offenes Denkmal
etc. jeweils einzelne Gebiete (Siebengebirge, Voreifel, Naturregion Sieg oder Bergi-
sches) in den Fokus der zentralen gesamten Marketingstrategie gestellt und somit
der Bekanntheitsgrad für alle gesteigert. Die beschränkten Marketing-Mittel werden
gebündelt und gezielt eingesetzt.
Jahresthemen in Rhein-Sieg-Kreis könnten beispielhaft sind:
 Regionale Produkte - Kulinarisches (Tag der offenen Höfe)
 Tag des offenen Denkmals
 Ludwig van Beethoven (Konzertreihe in der Nachfolge des Jubiläumsjahrs)
 Wander-Aktiv-Wochen
 Geschichten zu/von KünstlerInnen aus dem Rhein-Sieg-Kreis (Tag des of-
fenen Ateliers)
Beispiele für Jahresthemen:Seite 30 von 38
26
4. Influencer-Strategie
Influencer-Marketing-Kampagnen gehören längst zum festen Repertoire des Online-
Marketings. Influencer sind vorrangig in den sozialen Netzwerken und Blogs unter-
wegs, sind dort gut vernetzt und genießen bei ihren Followern eine hohe Popularität.
Sie produzieren eigenen Content und werden als der normale Mensch von nebenan
wahrgenommen – mit dem Unterschied, dass ihre Meinungen das Kaufverhalten von
anderen Nutzer beeinflussen.
Influencer-Marketing als Teil des Online-Marketingmix erfreut sich daher wachsender
Popularität und ist für die Tourismusbranche besonders wertvoll. Das Potenzial, das
sich durch Influencer Marketing für Unternehmen und insbesondere den Tourismus
ergibt, ist enorm. Bereits 2017 hat die Studie des Bundesverbandes für Digitale Wirt-
schaft herausgefunden, dass über 16 % der 14-29-jährigen Produkte gekauft haben,
die von Influencern beworben wurden. Zudem liefern Erlebnisse und Berichterstat-
tungen der Meinungsmacher in Echtzeit an die Urlaubsinteressierten nicht nur Infor-
mationen, sondern stellen auch eine Inspirationsquelle dar.
Der Tourismus kann die jüngsten Entwicklungen im
Influencer-Marketing gezielt nutzen. Schließlich treffen laut
einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes GfK aus
dem Jahr 2018 ungefähr 50 % der reiselustigen Deutschen
die Entscheidung für ein Hotel, eine Destination oder eine
Fluggesellschaft im Netz. Interessante Beiträge veranlas-
sen 49 % der Befragten zur weiteren Recherche über ein
Hotel oder den Zielort. Von den Umfrageteilnehmern zwi-
schen 20 und 34 Jahren ist bereits jeder Fünfte einer In-
fluencer-Empfehlung bei der Buchung gefolgt. Davon profi-
tiert die Markenkommunikation eines Hotels, eines Touris-
musunternehmens. oder einer Destination. In kaum einer
anderen Branche wie dem Tourismus gibt es so viele Mög-
lichkeiten der Kooperation mit Influencern.
5. Win-Win-Strategie
In der Betriebswirtschaftslehre ist eine Win-Win-
Partnerschaft die freiwillige Zusammenarbeit von
Unternehmen, ausgerichtet auf ein gemeinsames
Ziel. Die beteiligten Unternehmen geben somit
aber in der Regel einen Teil ihrer wirtschaftlichen
Souveränität ab. In diesen Zusammenhang gehö-
ren auch die sog. Gemeinschaftsunternehmen,
Joint Ventures, Genossenschaften, Interessenge-
meinschaften sowie Marketing-Kooperationen. Unter dem Dach des Rhein-Sieg-Krei-
ses soll eine echte Win-Win-Situation für alle Teildestinationen und Akteure unterei-
nander entstehen.
Der Wunsch wird getragen von der Lust an der Zusammenarbeit miteinander und der
fachlichen Einsicht, dass man es gemeinsam leichter haben könnte.Seite 31 von 38
27
Der Aufbau und die Führung der neuen Kooperation unter dem Dach des Rhein-
Sieg-Kreises ist eine Notwendigkeit, zugleich müssen aber auch weitere Kooperatio-
nen auf der Ebene der Betriebe wie der Qualitätsgastgeber oder der Regionalen Pro-
duzenten initiiert bzw. vertieft werden.
6. Guerilla Marketing-Strategie
Die wesentlichen Merkmale von Guerilla-Marketing im klassischen Sinne sind unge-
wöhnliche Kombinationen verschiedener Elemente, die bei möglichst vielen Men-
schen Erstaunen und Überraschung verursachen – und das mit relativ bescheidenen
Mitteln. So in etwa hat der Wortschöpfer Jay C. Levinson das Guerilla-Marketing be-
schrieben. Heute geht es den Werbenden aber primär nicht um den sparsamen Ein-
satz von Finanzmitteln, sondern um die Aufmerksamkeit der Zielpersonen. Diese
werden in unseren Tagen im Sekundentakt mit Werbebotschaften bombardiert, die
aber durch diese Reizüberflutung nicht mehr ins Bewusstsein vordringen können –
es sei denn, sie sind ungewöhnlich und überraschend.
Guerilla Marketing lebt vom Überraschungseffekt: Ungewöhnliches erzeugt Aufmerk-
samkeit und Emotionen, daher bleibt die 'Message' hängen.Seite 32 von 38
28
VI. RHEIN-SIEG-FANS
Rhein-Sieg-Kreis: Familiär – Aktiv – Nachhaltig - Spannend
Im Verlauf des Leitbildprozesses, der Analyse der Produktlinien, der Erarbeitung der
Alleinstellungsmerkmale und der Definition der Zielgruppen entwickelte sich die Idee
einer sog. „FAN-Kultur“ für den Rhein-Sieg-Kreis. Es braucht eine gemeinsame tou-
ristische Haltung, eine Identität für die Region! Es braucht ein Selbstverständnis der
Akteure im Rhein-Sieg-Kreis. Botschafter aus ganz unterschiedlichen Bereiche und
Branchen der Region!
Die Gäste sollen „Rhein-Sieg-FANS“ werden. Dabei soll das Wort „FANS“ als Syno-
nym für die – für die Region charakteristischen - touristisch relevanten Attribute
FAMILIÄR – AKTIV – NACHHALTIG – SPANNEND stehen.
Für jedes Attribut wurde ein Nutzungsversprechen zwischen Gast und Gastgeber for-
muliert. Dieses wurde kombiniert mit der Zuordnung von Produkten und Themen im
Rhein-Sieg-Kreis, die bereits vorhanden und am Markt etabliert sind, aber auch mit
Entwicklungspotentialen, die in der Zukunft erarbeitet und ausgebaut werden müs-
sen.
Familiär. Wir freuen uns auf euch!
Familienurlaub hat einen hohen Stellenwert bei Inlandsreisen. Für eine gelungene
Urlaubsreise sind Erlebnisse am Reiseziel entscheidend, an die man sich gerne zu-
rückerinnert. Ganz oben stehen bei „Familienreisen“, „Aufenthalte in der Natur“ und
„Aktivitäten am/ im/ auf dem Wasser“.
Stellvertretend für den Rhein-Sieg-Kreis stehen hier:
Qualitätsunterkünfte mit Zertifizierung, außergewöhnliche Unterkünfte (Baumhaus,
Schäferwagen), Kindererlebniswege am Natursteig (mit Künstlerweg, Bienenlehrpfad
oder der Fotosafari am Wildwiesenweg), Streifzüge am Bergischen (mit dem „Bau-
ernhofweg“ als „Sendung mit der Maus“-Weg), Geschichten zu Burgen und Schlös-
ser (Grafenschatzweg), Erlebnisstationen entlang der Apfelroute, Museen (Bilder-
buchmuseum).
Aktiv: Das könnt Ihr hier erleben!
Aktivurlaub ist gekennzeichnet durch Bewegung, Freiluftaktivitäten und Wohlbefin-
den. Im Mittelpunkt steht die Natur, um Sport zu treiben, die Gesundheit zu stärken
und Neues zu erleben. Die Gruppe umfasst alle, die gern aktiv sind, sei es auf dem
Wasser oder auf dem Land, beim Radfahren, Wandern oder Kanu fahren.Seite 33 von 38
29
Stellvertretend für den Rhein-Sieg-Kreis stehen hier:
Wandern auf zertifizierten Wanderrouten (Natursteig Sieg, Rheinsteig, Bergischer
Weg, Feuerroute, Beethovenwanderweg), themenbezogene Rundwanderwege (Er-
lebniswege, Streifzüge), Radfahren entlang der Apfelroute oder der Flüsse (Rhein-
radweg, Radweg Sieg, Agger-Sülz-Radweg, Wasserburgenroute) oder mit Knoten-
punktsystem, Kanufahren, Klettern in Kletterparks, Golfen, Reiten und Angeln.
Nachhaltig: Dafür stehen wir!
Durch ein möglichst ökologisches Reiseverhalten können Gäste ganz entscheidend
dazu beitragen, unseren Planeten auch in der erholsamsten Zeit des Jahres zu
schützen. Unterkünfte können nachhaltiger gestaltet werden und das umweltfreundli-
che Reisen noch einfacher machen. Der Markt stellt sich hier seit einiger Zeit auf die
veränderte Nachfrage ein. Rund um die typischen Serviceleistungen gibt es tatsäch-
lich sehr viele Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck zu verringern oder sparsamer mit
Ressourcen umzugehen.
Stellvertretend für den Rhein-Sieg-Kreis stehen hier:
Mobilität (An- und Abreise sowie während des Aufenthaltes optimale ÖPNV-Erreich-
barkeit), ÖPNV Anbindung der Wanderwege und Fahrradrouten, E-Bike-Verleih, Re-
gionale Produkte, (Öko-) Landwirtschaft, Hofläden, Vermarktung der Streuobstwie-
sen, Nachhaltig wirtschaftende Betriebe, Schutzgebiete (Siebengebirge, Wahner
Heide, Chance 7)
Spannend: Hättet Ihr es gewusst?
Erlebnisorientierte interessieren sich für alles, was mit Spaß und Action verbunden
ist. Dieser Gruppe muss man zeigen, dass der Rhein-Sieg-Kreis auch cool und ange-
sagt ist und man hier einzigartige Dinge erleben kann. Dabei kommt es ganz beson-
ders darauf an, eigenständige Qualitäten in den Vordergrund zu stellen – Dinge, die
anderswo so nicht möglich sind.
Stellvertretend für den Rhein-Sieg-Kreis stehen hier:
Besondere Tagungsstätten (Petersberg, Schloss Auel, KSI, Tagen im Grünen, Bur-
gen), Wahner Heide mit ehemalige Militärgeschichte, Politische Geschichte (Peters-
berg, Konrad Adenauer), Aussichten und Gipfel (im Siebengebirge), Auf den Spuren
von Beethoven, Rheinromantik, größte Obst- und Gemüseanbauregion NRWs,
Weinanbaugebiet Siebengebirge, außergewöhnliche Unterkünfte (Baumhaus, Schä-
ferwagen).Seite 34 von 38
30
VII. BONN-RHEIN-SIEG-FANS
Bonn-Rhein-Sieg: Attraktiv – Nachhaltig - Vielfältig
Die Akteure waren sich einig, dass in einzelne Themenbereichen eine kreisübergrei-
fende gemeinsame touristische Vermarktung mit der Stadt Bonn sinnvoll und notwen-
dig sein.
Die Analyse der für den Rhein-Sieg-Kreis erarbeiteten Produktlinien und Themen hat
folgende Schnittmengen (nicht abschließend und exemplarisch) identifiziert.
Produktlinie „Flusslandschaften“
z.B. Tor zum Mittelrhein, Flusslandschaft Rhein, Siebengebirge, Schifffahrt,
Gärten & Parks
Produktlinie „(Kulturelle) Orte der Identität“
z.B. Beethoven, Demokratie, Politische Vergangenheit, Kultur
Thematische Kooperationen
z.B. Rheinradweg, Wasserburgenroute, Weltkulturerbe Limes, Rhein in Flammen,
Regionale Produkte, Tagungen/ Seminare
Querschnittsthema „Nachhaltigkeit“
z. B. Sustainable Bonn/ Bio-Stadt/ Bio-Kommunen
Eine Adaption der Begrifflichkeit „FANS“ auf die gemeinsamen touristischen Aktivitä-
ten mit der Stadt Bonn unter dem Motto „Bonn-Rhein-Sieg-FANS“ wäre möglich.
Gleiches gilt - sofern dies gewünscht – auch für Aktivitäten der Stadt Bonn („Bonn-
FANS“).Seite 35 von 38
31
VIII. AUSBLICK
Rhein-Sieg-Kreis:
eine Region mit hervorragender Standort-, Lebens- und
Erlebnisqualität für Gäste, Einwohnende und Unternehmen.
Für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis werden
einerseits die lokalen bzw. teilregionalen touristischen Organisationseinheiten benö-
tigt. Um jedoch die Qualität von Service und Infrastruktur zu erhöhen, TouristikerIn-
nen und Betriebe miteinander zu vernetzen und Synergien zu schaffen, besteht an-
dererseits aber die Notwendigkeit eine Bündelung der Aufgaben und der bestehen-
den Ressourcen (Finanzmittel, Personal) unter einem Dach vorzunehmen. Dies er-
möglicht es zukünftig verstärkt mit den Partnern neue Projekte zu initiieren, mit die-
sen Produkten gemeinsam zu werben, die Digitalisierung weiter voranzutreiben und
Synergien zu heben.
Erfolgreiche Tourismuseinheiten müssen sich zukünftig von Destination-Marketing-
Organisationen zu Destination-Management-Organisationen entwickeln.
Der Rhein-Sieg-Kreis möchte sich daher als Netzwerk-Zentrale verstehen, das Po-
tenzial und die Stärken bündeln, damit neue Perspektiven entstehen und neue Wege
begangen werden können. Sie
 sorgt für eine starke Positionierung im Wettbewerb der Regionen um Fachkräfte,
TouristInnen und EinwohnerInnen,
 definiert als Knotenpunkt gemeinsam mit den AkteurInnen der Region Ziele und
Konzepte für die Zukunft und koordiniert deren Umsetzung,
 ist Entwickler und Multiplikator für ein einheitliches Regionalmarketing,
 bündelt, entwickelt und vermarktet die touristischen Produkte,
 betreut und pflegt das Reservierungssystem für die Buchungen von Unterkünf-
ten für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis,
 vermarktet die Produktlinien zielgruppenspezifisch auf Messen, Veranstaltungen
und insbesondere über verschiedene Kanäle im Internet.
 betreut, akquiriert und klassifiziert Unterkünfte zur Qualitätssicherung und –stei-
gerung,
 stellt die Zusammenarbeit mit den touristischen Nachbarn (Bergisches Land,
Naturparke) sicher,
 initiiert die Kooperation mit den Nachbar-Gebietskörperschaften zur Umsetzung
gemeinsamer Projekte, insbesondere mit der Stadt Bonn,
 übernimmt die Abstimmung von überregional bedeutsamen Aktivitäten (z.B.
Radregion Rheinland, Wasserburgenroute, Rheinsteig etc.)
 ist Schnittstelle zwischen der Region und dem Land NRWSeite 36 von 38
32
Zur Sicherung des Tourismus als Wirtschaftsfaktur müssen parallel arbeitsmarktrele-
vanten Konzepten für Mitarbeitende im Tourismus (z.B. Mobilitätsangebote, Mitarbei-
tenden-Wohnungen) entwickelt werden. Hier soll über neue und bestehende Arbeits-
modelle (z.B. Ausbildung in Teilzeit, überregionale Ausbildungsstätten) ein neues
Selbstverständnis für die Arbeit im Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis geschaffen und
damit eine Attraktivitätssteigerung für Berufsfelder erzielt werden.
Akzeptanz und Relevanz des Touristischen Leitbildes des Rhein-Sieg-Kreises wer-
den durch partizipative Strukturen gefördert. Daher gilt es im Weiteren den jetzt be-
gonnenen Leitbildprozess zu intensivieren und als branchenübergreifenden Mitbe-
stimmungsmodell unter Einbeziehung aller Akteure (Kommunen, Tourismusorganisa-
tionen, Unternehmen, Hochschulen etc.) mit Leben zu füllen, Maßnahmen zu entwi-
ckeln und diese gemeinsam umzusetzen.
Auf der Basis der beiden touristischen Leitbilder Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis
soll in einem nächsten Schritt die fachlich inhaltliche Abstimmung zwischen dem
Rhein-Sieg-Kreis und der Stadt Bonn sowie im Anschluss daran zentral die Abstim-
mung mit den Vorstellungen der T&C erfolgen.
„Was wir heute tun, entscheidet darüber,
wie die Welt morgen aussieht.“
(Marie von Ebner-Eschenbach)Seite 37 von 38
33
Auftraggeber:
Rhein-Sieg-Kreis
Der Landrat
Referat Wirtschaftsförderung und
Strategische Kreisentwicklung
Kaiser- Wilhelm-Platz 1
53721 Siegburg
Februar 2023
Inhaltliche Bearbeitung:
FUTOUR Tourismusberatung
Dr. Peter Zimmer
Haus Neuilly
Sedanstr. 35
50668 KölnSeite 38 von 38

Folgen Neue Vorlagen, Sitzungen und Auswertungen aus dem Bonner Rat — im Fediverse, ohne Konto lesbar.

bonn.social/@biz ↗
Im ALLRIS öffnen ↗

Datenstand: 03.11.2026, 01:48 MEZ · Quelle: oparl.bonn.machdenstaat.de